Anterhaltungsblatt des Nr. 204. Sonnabend oen 19. Oktober 1912 lNachvruik verbolen.» m pclU der Eroberer. Von M. AndersenNexö. Uebersetzt von Mathilde Mann. „Haben die Tiere wirklich Verstand?" fragte Ellen ver- wundert.„Du glaubst wirklich, daß sie über die Dinge nach- denken, genau so wie wir?" Für Schwester war das nichts Neues; sie sprach jeden Tag mit den Hühnern und Kaninchen und wußte sehr gut, wie klug sie waren. „Können die Blumen denn auch denken?" fragte Lasse Fredrik. Er war gerade im Begriff, eine Blume nach dem Gedächtnis zu zeichnen, und sie bekam beständig Aehnlichkeit mit einem Gesicht, daher die Frage. Pelle meinte, daß es Wohl möglich sei. „Aber Pelle," sagte Ellen,„jetzt gehst Du wirklich zu weit. Denken ist etwas, was nur wir Menschen können." „Auf alle Fälle können sie fühlen, und das ist doch gewissermaßen auch Denken, freilich nur mit dem Herzen. Sie merken es gleich, ob man sie gern hat; ist das nicht der Fall, so gedeihen sie auch nicht." „Ja, das glaube ich gern, denn wer sie lieb hat, pflegt sie auch gut," fuhr Ellen unverbesserlich fort. „Das kann man doch nicht so als Tatsache hinstellen," entgegnete Pelle und sah sie neckend an.„Du hast die fleißige Life schr lieb, aber ein Gärtner würde sicher behaupten, daß Du sie wie einen Kohlstrunk behandelst. Und sieh doch, wie fleißig sie trotzdem blüht! Die Blumen er- Widern freundliche Gedanken mit Dankbarkeit, und das ist doch eine hübsche Art und Weise zu denken. Der Verstand ist vielleicht gar nicht so viel wert, wie wir Menschen uns ein- bilden. Du denkst ja selbst mit dem Herzen, Mutterchen." Das war sein Schmeichelname für sie in dieser Zeit, wo sie das Kind erwartete. Nach einer solchen Unterbrechung fuhren die beiden fort. Pelle mußte Schwester von allen den Tieren im Abcbuch er- zählen: von der nützlichen Kuh und von dem Hasen, der den Tau vom Klee ableckte und gerade vor der Nase des Hirten- jungen aufsprang. Im Winter kam er in den Garten hinein, nagte die Rinde von den jungen Bäumen und fraß dem Bauer seinen Kohl auf.„Ja, das unterschreibe ich," stimmte Ellen zu, und dann lachten sie alle, denn Lampe hatte ihr gerade all ihren Grünkohl verputzt. Dann schweifte die Kleine plötzlich ab und fragte, ob Kopenhagen immer, immer da gewesen sei! Pelle wußte einen Augenblick nicht aus noch ein, grub dann aber infolge einer glücklichen Eingebung Bischof Absalon aus der Er- innerung hervor. Er benutzte die Gelegenheit, um zu er- zählen, daß in der Hauptstadt eine halbe Million Menschen wohne. „Hast Du sie gezählt, Vater?" unterbrach ihn das Kind ganz verdutzt und packte ihn beim Aermel. „Ach, das kannst Du doch wohl begreifen, daß Vater das nicht getan hat. Du kleines Schaf!" sagte Lasse Fredrik.„Es könnt ja währenddessen einer geboren werden!" Und dann war man wieder beim Hahn angelangt, der das Buch einleitete und abschloß. Er stand ganz übermütig da und schlief nie: ein eingebildeter Kauz war er: aber wenn Schwester fleißig war, legte er einen Oere zwischen die Blätter. Aber die Hühner legten Eier und es zeigte sich, daß es mit ihnen ebenso ging wie mit den Blumen. War man gut Freund mit ihnen und behandelte sie als zur Familie gehörig, so legten sie fleißig: machte man aber einen Musterhof für sie und behandelte sie nach allen Regeln der Kunst, so verdienten sie nicht einmal ihr Futter. Bei Onkel Kalle hatten sie ein Huhn, das in der Stube zwischen all den Göhren umher lief, und das legte sein Ei den ganzen Winter lang tagtäglich unter das Bett, wenn auch kein anderes Huhn mehr legte. Dann kaufte der Besitzer von Steengaarden es, um damit Zucht zu treiben: er gab zwanzig Kronen dafür und glaubte,"er hätte eine Goldgrube erworben. Aber kaum war es nach Steengaarden gekommen, als es auch schon auf- hörte, Wintereier zu legen.— Denn da gehörte es nicht mit zur Familie, sondern war ein Huhn, an dem man verdienen wollt«. „Musters fleißige Life blüht den ganzen Winter," sagte Schwester und sah gerührt nach der Blume hinüber. „Ja, das kommt daher, weil sie sieht, daß wir alle so fleißig sind," erwiderte Lasse Fredrik mit einem Schelm im Gesicht. „Willst Du Dich wohl schicken. Du Strolch!" Pelle langte nach ihm aus. Ellen saß da und strickte an ein Paar winzig kleinen Strümpfchen. Ihr Blick verweilte bald bei dem einen, bald bei dem anderen; sie lächelte nachsichtig zu ihrem Geplauder. Sie waren doch alle miteinander große Kinder! „Mutter, kann ich die nicht für meine Puppe kriegen?" fragte Anna und nahm die fertigen Strümpfe. „Nein, die soll die kleine Schwester haben, wenn sie kommt." „Vorausgesetzt, daß es'ne Dirn wird!" sagte Lasse Fredrik nüchtern. „Wann kommt denn die klemc Schwester?" „Im Frühling, wenn der Storch wieder auf den Hof zurückkommt: dann bringt er sie mit." „Ach was, der Storch!" Lasse Fredrik machte eine ver- ächtliche Miene.„Das ist ein schöner Blödsinn!" Schwester war auch klüger, als man denken mochte; wenn das Wetter gut war, holte sie die Milch vom Hof. „Ach, ich weiß recht gut, daß ich in Dir gelegen habe, Mutter! Darum Hab' ich Dich so lieb," sagte sie und bohrte den Kopf in den Schoß der Mutter. „Jetzt mußt Du zu Bett, mein Herz," sagte Ellen und stand auf. „Ich kann merken, daß Du müde bist." Als sie das Kind zu Bett gebracht hatte, kam sie herein und setzte sich wieder hin, um zu stricken. „Jetzt finde ich, solltest Du für heute Feierabend machen," sagte Pelle. „Dann werde ich nicht mehr fertig," sagte Ellen und ließ die Stricknadeln noch fleißiger rasseln. „Schicke es zu einer Maschinenstickerin, Du verdienst ja bei der Hantierung nicht mal das tägliche Brot. Jedes Ding bat seine Zeit, die Arbeit und die Ruhe, sonst ist man ja kein Mensch." '„Mutter kann die Stunde drei Oere mit Stricken ver- dienen," sagte Laste Fredrik, der das ganz genau ausgerechnet hatte. Ja, was machte das? Ellen meinte doch, daß sie nichts damit versäumte. „Es ist eigentlich, dumm!" sagte Lasse Fredrik plötzlich, „warum wächst uns das Haarige nicht an den Beinen? Dann hätte man nicht all die Mühe, die Wolle zu scheren, sie zu kratzen, zu spinnen und Strümpfe davon zu stricken." „Nein, was für einen Unsinn!" sagte Ellen lachend. „Ja, einmal sind wir doch behaart gewesen," beharrte Lasse Fredrik.„Es ist bloß dvmm, daß es nicht so ge- blieben ist." Pelle war der Ansicht, daß es gar nicht so dumm sei; denn das bedeutete, daß man sich selbst übernommen habe! Die Tiere wurden fertig geboren; selbst solchen Tieren, die einen Abscheu vor dem Wasser hatten, wie Hühnern und Katzen, war das Schwimmen an zeboren: aber die Menschen mußten sich hübsch aneignen, was sie nötig hatten. Für die sorgte die Natur nicht, weil sie die Verantwortung für sich selbst übernommen hatten; sie waren die Herren der Schöpfung. „Aber dann müßten ja die armen Leute am ganzen Leibe behaart sein," wandte Ellen ciw„Warum nimmt sich die Natur der Armen nicht ebenso gut an wie der Tiere? Die können doch auch nicht für sich sorgen." „Ja, das ist es ja gerade, was sie können," sagte Pelle,„denn sie bringen ja das m e i st e hervor. Oder meinst Du vielleicht, daß das Geld die Aecker bebaut, oder Zeug webt. oder die Kohlen aus der Tiefe ans Tageslicht schafft? Das läßt es hübsch bleiben. Das gesamte Kapital der ganzen Welt vermag nicht, eine Stecknadel von der Erde aufzuheben. wenn keine Hände da sind, die es dazu kaufen kann. Wenn der Arme behaart geboren wäre, so wäre er damit als niedriges Wesen gestenlpelt, das nichts selbst kann. Ist eS nicht eigentlich ein Wunder, daß die Natur hartnäckig die Kinder des armen Mannes ebenso nackend zur Welt kommen läßt wie die des Königs, trotz allem, was an Not und Püffen über uns hergeht? Wenn man die neugeborenen Kinder des Fürsten und des Bettlers vertauschte, würde kein Mensch unterscheiden können, welches den: einen und welches dem anderen gehörte. Es ist, als ob der liebe Gott nieinals er- müdete, uns unser Adelszeichen hochzuhalten." „Glaubst Du denn wirklich, daß sich die Welt umwandeln läßt?" fragte Ellen und sah ihn warm an. Es klang so aberteuerlich, daß er, Pelle, den sie in ihre Arme nehmen konnte, sich mit so großen Dingen beschäftigte. Und Pelle sah sie wieder warm und staunend an. Sie war heute dieselbe wie an dem Tage, als er sie kennen lernte, vielleicht wie an dem Tage, als die Welt erschaffen wurde! Sie wucherte mit nichts, sondern alles war ihr angeboren. Die Welt konnte umgewandelt werden, ja, aber sie blieb sicher alle Tage die, die sie war. Der Postbote kam mit einem Brief von Marten. Er hielt sich zurzeit unten in Sizilien auf und hatte die Absicht, an der Nordkllste von Afrika entlang nach Südspanien zu reisen.„Dann mache ich vielleicht einen kleinen Abstecher an den Rand der Wüste und versuche, wie es ist, auf Kamelen zu reisen," schrieb er. Ex war gesund und guter Laune; ganz wunderlich war es zu denken, daß er bei offenen Türen faß und schrieb, während man hier mit der Kälte kämpfte. Er trank Wein zu jeder Mahlzeit, wie man daheim Dünn- bier trank, und schrieb, daß die Oliven- und Apfelsinenernte eben beendet sei. „Es müßte herrlich sein, auch einmal so wo hinzukommen," sagte Ellen mit einem Seufzer. „Wenn erst das Neue Einlaß erhalten hat, gehört das nicht mehr zu den unerreichbaren Dingen für den Arbeiter," erwiderte Pelle. Und dann kam Brun herunter, endlich machte er Feier- abend.„Ach, zu Hause ist gut sein!" sagte er und schüttelte sich,„ein schreckliches Wetter heute abend!" „Hier ist ein Brief von Morien," sagte Pelle und gab ihn ihm. Ter Alte setzte die Brille auf. (Lortsetzung folgt.) Die alte Kunft Ortafiens, Zur Au S stiel l u n g in; der Kg l. Akademie. Diese Au'sielluug ist wertvoller als viele, die wir feit Iahren zu iehcn bekamen. Sie zu durchwandern, bereitet den Augen uner- meßljchcn und nie gestörten Genuß. Die Dinge, die man erblickt, brauchen einem gar nicht vertraut zu sein, man braucht nichts von ihrer Herkunft, noch etwas von ihrer Geschichte zu wiffen. und ma« wird doch mit allen Nerven und Instinkten diese unerhörte Welt der Schönheit in sich ausnehmen; man wird sich rückhaltlos, der klingenden Logik dieser Formen, wird sich der strahlenden Musik dieser Farben hingeben. Und wird dies um so leichter tun können, als all dieser fabelhafte Reichtum an Ausdruck und Stimmung, an köstlichem Rohstoff, und adligem Rhythmus nicht nach irgendwelchem Schema der Gelehrsamkeit, vielmehr nach der lebendigen Ordnung des künstlerischen Empfindens auffestcllt wurde. Artur Kampf, der zurücktretende Präsident der Akademie, und seine Helfer haben nebcneinandcrgerciht, was optisch verwandt und sinnlich von der gleichen Art ist. Dabei ergab sich dann ganz von selber eine gnvisse Zeitfolge; wie sie sich auch ergeben müßte, wenn irgendein Kosmo- polit die europäischen Künste rein nach dem Eindruck ordnen wollte. Auch ohne Tabelle würde dieser ahnungslose, aber alles ahnende Kunstfreund Gothik, Renaissance und Rokoko zusammentragen. So ungefähr geschah es mit diesen ostasiatischen Schätzen in der Aus- Stellung der Akademie. Das sieht, man vielleicht am deutlichsten in dem großen Raum, dessen Wandungen in Nischen aufgeteilt sind. Diese Nischen sollen nicht naturalistisch das Toko-no-ma der Japaner nachahmen; sie sollen nur andeutungsweife. nur als Impression zeigen, wie diese Rollibilder, diese Vasen, Bronzen und Seidenstoffe sich zu legendenihasten Harmonien fassen lassen. Jede dieser Nischen ist ein Akkord, eine tönende Skala, ein synrphonisches Aufrauschen. Mau und Gold; Violett, fahles Grün und tiefes Rostrot: keramisches Grüngrau, textiles Blaugrün und metallisches Gold... so schwingt, das Konzert aus seltenen Geräten, aus bron- zenen Räuchervasen, irdenen Prosangefäßen und seidenen Roll- bildern. Man braucht nur die Augen aufzutun, man braucht nichts zu wissen, man braucht kein Faäiiiawt zu sein und braucht nichts SE glauben von dem, was einem die gelehrten Spezialisten gern über eitbcstimmungen und EntwickeliingSvorgänge erzählen, und man Wird doch(mit den Augen trinkend) als ein verzückter Narr, zugleich als einer, der vom Grau des Alltages gesundete, volr bannen gehen. » ES seien einige Hinweise gegeben, den Dingen näher zu kommen. Es sei soviel verraten, wie ein Liebhaber von seinem Mädchen er- zehlen mag... Gleich im ersten Saal stehen einige Setz- schirme, wie sie der I a p a n e r zur Aufteilung und Abgrenzung seiner Zimmer braucht. Davon soll der eine und der andere dem 16. oder 17. Jahrhundert angehören. Auf dem einen(14) sieht man ein Menschenpaar im Boote. Die Frau trägt ein blaues Gewand, ihr Haar ist von der Schwärze der Nacht und lastet schwer in dein Bild, dessen Leben sich im übrigen im Kontur, im pinselgeschriebe- nen Umriß, erschöpft,. Alles ist kaum mehr als angedeutet: einigs Kurven, einige Farbftecke. Nur die Modernsten der Franzosen haben ähnliches gemacht; man denkt an Vuillard. Nicht weit davon steht ein anderer Setzschirm(10), der an Van Gogh erinnert, an eines von dessen besten Stilleben: Bücher, zum Greifen deutlich und doch jenseits der Wirklichkeit. Sehr interessant, ist der Schirm» auf dem (12) dargestellt ist, wie eine spanische Gesandtschaft aus Japan wieder heimwärts reist. Wir sehen, mit welcher erstmuckichen Sicherheit diese Hexenmeister des Pinsels die Fremdlinge beobachtet haben; besonders die Kostüme wurden bis in das Einzelne eiilHefangen- Diese aktuelle Illustration vom Jahre 1600 ist viel temperament-- voller, zugleich naiver und klüger als Punch und Simplicissimus zusammen. Technische Meisterwerke sind die Teeurnen(13, 17, 10, 21). Es ist bewundernswert, wie diese großen glasierten Kera- miken so untadelig aus dem Brand kommen tonnten). Die Glasuren zeigen ein reiches Spiel der Monochromie: Braun in allen Nuancen, gegen Blau und gegen Rot, gegen Grün und gegen Grau ablausend. Entwickelnngsgeschichtlich beachtenswert ist der gedrehte Zierstrcifen, der um einige' dieser Gefäße gelegt wurde; er ist ohne Zweifel ein Rudiment aus der Zeit, da Bastseile als Henkel benutzt wurden. Zu den unerhörtesten Stücken der Ausstellung gehören die chinesischen Bronzen, kultische Gefäße, die von den Fach- leuten bis in die vorchristliche Zeit zurückdatiert werden. Sie zeigen(26 und in dem Nischensaal 147, 150, ferner 122) die seit- samsten Formen, die man durchaus exotisch, zuweilen beinahe bar- barisch empfindet. Bei einem Räuchergefäß in der Gestalt eineS Molochs, der einen Menschcnzwerg umkrallt und fressen will, denkt man an die Bronzen von Benin, jenes merkwürdigen, europäisch infizierten Negerlandes. Diese chinesischen Bronzen zeigen im übrigen, was die Technik betrifft» bereits einen so hohen Stand des Handwerkes, daß sie nur als Ausläufer einer langen Entwicke- lung zu begreifen sind. Auch an ihnen finden sich Verschnürungs- motive, die annehmen lassen, daß der Bronze ein anderes Material für die Gefäßbildung vorangegangen ist.— Sehr lustig anzusehen sind die Lackkünste, die zu einem Teil in dem ersten Saal, zum anderen in den hinteren Räumen untergebracht sind. Gegen die späten Lacke ist man zurzeit etwas fteptisch; man ärgert sich ari ihrem Reichtum. Man schätzt die frühen» die primitiven Stücke wesentlich höher. ES ist aber nicht recht einzusehen, warum wio diese neueste Wartung einiger Forscher mitmachen sollen. Die frühen Arbeiten der Lackkünstler sind uns gewiß lieb; indes auch das spätere Schwelgen, das Feuerwerken mit Perlmutter, das Ab- brennen von. flammenden! Effekten offenbart soviel gesunde Leiden- schaft, zugleich soviel bewußtes Maß. daß man es nur mit tiefstem Respekt hinzunehmen vermag. Gerade unter den Jnros(Medizin- schächtelchen) und den Schreibkästen der mittleren und späteren Zeit treffen wir zauberhafte Juwelen, vor denen wir völlig ratlos sind. Tie zartesten. Motive: Herbstgräser, Pflaumenblüten, Kramchflügel und Kieferngcziveig sind mit erregter, immer gebändigter Schön- schrift zu kristallklaren Dekorationen cntmaterialisiert. Eine Welt für sich sind die r e l i gi ö s e n P l a st i k en, die Buddhas, die Kwannons, die Aizens. In unnahbarer Ruhe, wie von Ewigkeit her sitzen diese Götter und lächeln; oder sie regen sich gewaltig und scheinen mit vielen Armen und vielen Augen die Welt zerreißen zu wollen. Die Ruhigen stehen uns näher; sie gehören zu den edelsten Plastiken aller Zeiten(119, 120, 129). Merkwürdig ist die Figur einer Gottheit, die auf einer Art Höllenhund stehtl und sich dabei auf einen Stab stützt; sie erinnert zwingend an die gotischen Darstellungen des St. Georg. Womit freilich noch nichts über etwaige, hier waltende Verwandtschast angedeutet ist. Immer- hin, gerade die Plastik läßt immer wieder Vcrniutungen über den Einfluß Europas auf Ostasien, besonders über den des frühen Griechenlands auftauchen. Wenn Kümmel im Vorwort des Aus- stellungskatalogs» was dieses Problem betrifft, heftig abwinkt, so kann das doch nur als die Meinung eines einzelnen Gelehrten an» gesehen werden. Von nicht minderer Schönheit als die Plastik sind die Roll- b i l d e r, besonders die chinesischen der älteren Zeit. Das ist eine Monumcntallunst von asketischer Reinheit. Dabei ergibt sich eine sichere Herrschaft über den menschlichen Körper, der als sprechende Hieroglyphe, bei sehr gewagter, ober immer schöner Achsenverschie- bung dem seidenen Bildgrund cntstircichelt wird.— Sehr spaßig sind' dieuko-Masken(205, 207). Sie wurden bei den sakralen Spielen zur Darstellung der Mädchen, der Heiligen, der Helden, der Toten und der Dämonen benutzt. Diese Masken haben Sprach«: es lispelt und säuselt, es lacht und weint, quietscht, stöhnt, grunzt und brüllt. Dazu die N»Kleider; überaus reiche Gewebe, farbenprächtig, von Gold durchwirkt.- An kleinen Keramiken, Tceschaken und Näpfen treffen wir(257 u. ff.) sehr reizvolle Kollektionen. Die braunen Töpfe. reien gehören zu jenen Mysterien, vor denen wir immer wieder zu der Erkenntnis kommen: das niemand außer den Asiaten so das Wunder des drehbaren Tones und des gebrannten Hohlgefäßes erkannt hat.— Was täe Schivertzierrate betrifft, so tviffcn wir, da� die Tradition des Schmiedens, des Ziselierens und Tauschierens durch lang« Generationen vererbt und gepflegt wurde. Das spricht für die Qualität der Primitiven; das erklärt die ent- zückende Feinheit der schwelgend Reichen. schließlich die Farbenholzschnitte. Man hat sie uns entwerten wollen, hat sie als populäre Reklamedrucksachen, als Theaterzettel und dergleichen verächtlich machen wollen. Auch Kümmel glaubt die zweihundert aufgehangenen Blätter als„Kon- zession an das Zufallsintcresse des europäischen Sammlers" entschuldigen zu müssen. Eine etwas uufccrständliche Meinung. Wir finden, wie einst die Gebrüder Gonrourt, daß diese Farbenholz- schnitte noch immer die reizvollste, amnutigfie, zärtlichste und aus- drucksstärkste Graphik der Weltproduktion aller Zeiten sind. Gewiß, wir haben längst sehen gelernt, daß Hokusai, den wir einst für einen Klassiker hielten, bereits Verfall ist. Aber wir haben nur mit desto größerem Respekt die Blätter der frühen Zeit, die Tanggedichte des japanischen Rokokos und seines Watteaus, der Masanobu heißt, ehren und lieben gelernt. Unter den> Frühen finden sich Kurz- schriften, die(?. 20) alle Absichten der Kubistcu vorgeahnt haben. Harunobus Mädchen sind wie Schneeflocken, wie wehendes Schilf, sind melancholisch und zugleich sinnlich verzückt. Die Schauspieler des Sharakn können über den Stärksten mit Furcht und Schrecken kommen. Während die Frauen des Utamaro wieder die süßesten Töne der Gitarre schwingen machen. Das ist schon Kunst. Und wenn wirklich alle diese Blätter nicht mehr als Theaterzettel ge- wescn sind, so fragen wir einigermaßen naiv: warum die Personen- Verzeichnisse unserer Bühnen so abscheulich blieben. Es scheint nur richtig, in solchem Gegenüber zu erkennen: was die Kunst Ost- asiens über Europa triumphieren macht. Robert Breuer. Vom SUcKertileb der)Vaturlehre. Hand in Hand mit der wachsenden Ansdebnuiig und Per- feinerung des naturwissenschaftlichen Getriebes gehl auch die zu- nehmende Spezialisierung der populär-wissenschaftlichen Literatur. Und zwar geschieht sie ebenso dadurch, daß immer neue Einzel- gebiete der Forschung in die volkstümliche Bearbeitung einbezogen werden, als auch durch immer größere Anpassung des gegebenen Stoffes an die sehr ungleichen Ansprüche der nach Bildungsgrad und Geistesrichtung verschiedenen Leserkreise. Diele beiden Tendenzen läßt auch die uns jetzt vorliegende Blutenlese der in letzter Zeit erschienenen Literatur aus verschiedenen Gebieten der Naturlehre erkennen. Da ist zunächst auS dem Gebiet der theoretischen Physik die zusaninienfassende Darstellung der Bilanz der modernen physikalischen Forschung in dem Werkchen„Physikalische Weltbilder" von Prof. Dr. E. Lecher sTH. Thomas Verlag. Preis 1 M.) als Beispiel für die zweite der beiden genannten Tendenzen zu nennen. Angeregt durch die in letzten Jahren eifrig betriebene Diskussion der grundlegendsten Begriffe der physikalischen Wissenschaft, versucht der Verfasser, diese gewaltigen Wellprobleme in ihre Elemente zu zerlegen und sie im Lichte elementarer Naturvorgänge als deren verschiedene Ausdrucks- formen erscheinen zu lassen. Das Buch wendet sich an einen weiteren Leserkreis; doch erfordert das tiefere Eindringen in den Geist der gebotenen Probleme nicht nur die genügenden Vorkenntnisse aus den Hauptstveigen der Physik, sondern auch den Hang und die Uebung in abstraktem Denken. Auch erschwert die etwas knappe Darstellung an manchen Stellen das Erfassen der Kernfragen. Wer diese Schwierigkeiten zu überwinden willens und imstande ist, wird in dem Werkchen eine zum Selbstdcnken höchst anregende Lektüre finden. Bewegt sich das Buch von E. Lecher vorzugsweise auf dem Gebiete des Problematischen, so will uns das treffliche, bereits in dritter Auflage vorliegende Werk von F. Auerbach: Die Grund- begriffe der modernen Naturlehre sTeubners Samm- long Aus Natur und Geisteswelt, Pr. t,2S M), das heule geltende Begriffsrünzeug der Physik in allen seinen Verzweigungen vor Augen führe». DaS Buch ist mit einer wahrhast souveränen Beherrschung des ausgedehnten Stoffes geschrieben. Zum Anfangsstudium ist es freilich nicht bestimmt, wohl aber wird es für den Leser, der in de», Tatsachenmaterial der Physik einigermaßen zu Hause ist, von einer klärenden und richtunggebenden Bedeutung sein. Den Bibliotheken kann die Anschaffung deS Buches nicht warm genug einpfohlen werden. Die Klarlegung der einfachsten physikalischen Vorgänge in ihrer lebendige» Wirklichkeit strebt die„Einleitung in die Experi- m e» t a l p h y s i k" von R. B ö r n st e i n an. Das Buch, das in derselben Teubncrschen Sammlnng erschienen ist, ging auS Vorträgen hervor, die auf Veranlassung des„Vereins für volkstümliche Kurse von Berliner Hochschullebrern" vor einem Publikum gehalten wurden, deffen erheblichen Teil Mechaniker, Uhrmacher, Schlosser und andere Kategorien gelernter Albeiter bildeten. ES wurden deshalb die Ver- suche, die in das Gebiet der Bewegungs- und Gleichgewichts- erscheiiumgen fallen, so gehalten, daß die Hörer die erforderlichen Apparate nötigenfalls selbst herstellen konnten. Diesen Charakter der durchsichtigen Einfachheit des experimentellen Materials behält das Werk auch in Buchform bei. So wird cS sich, besonders bei dem gemeinsamen Studium in kleineren Liebhaberzirkeln, aber auch bei größeren Vorträgen als Anleitung für Nefercnteii bewähren. Von einer wesentlich pädagogischen Tendenz ersüllt ist auch das kleine Büchlein über:»Die Elektrizität im täglichen Leben" von L. Wunder, das im Verlage von Th. Thomas als ein Bändchen der Naturwissenschaftlichen-Technischen Volksbücherei(Preis 60 Pf.) erichieiien ist. Das Buch, das teilweise in Gesprächsform gehalten ist, nnistert die Hauptgebiete der elektrischen Erscheinungen vom Slandpuiik'.e der möglichst allseitigen Klärung der Grundbegriffe. In seiner gesälligcn Art des Vortrags eignet es sich eben so gut für das Selbststudium, wie es auch dem Lehrenden manchen wertvollen Fingerzeig bieten kann. In das Gebiet der A st r o p h y s i k führt das soeben bei Reclam erschienene Bändchen„Physik der Gestirne" von Professor I. B. Messerschmitt ein(Preis 60 Pf.). Der leider zu früh verstorbene verdienstvolle Verfasser gibt in diesem Werke eine Fort- setzung und Ergäiiznng seines in demselben Verlage vor etwa Jahres- frist erschienenen thcoretisch-astronomiicken Buches über den„Sternen- Himmel". Die das letztgenannte Büchlein auszeichnenden Vorzüge sind � auch dem nenen Werke eigen: streng systematische, sachliche Darstellung und eine nahezu enzyklopädische Verwertung des Tat- sachenmaterials.— Ein ausgewähltes Kapitel der Astrophysik— die Physik der Sonne— behandelt das Werkchen von A. Krause: Die Sonne(Sammlung Teubner, Preis 1,23 M.>. Das Werk berücksichtigt in bohem Maße die Ergebnisse der modernen Sonnen- forschung und gibt neben der auSsührlichen Zusammenstellung der Forschungsergebnisse auch eine ausgiebige Erörterung der wichtigsten Soiliienlheorien. Einen guten Ueberblick über die Gesamtergebnisse der Astronomie gibt das bei Quelle n. Meyer in der Sammlung „Wissenschaft und Bildung" kürzlich erschienene Bändchen: Himmelskunde von Prof. Dr. A. M a r c u s e(Preis 1,23 M.) Das Werkcken»inlerscheidei sich von den meisten populären Büchern über das gleiche Thema im wesentlichen dadurch, daß es weniger eine systematische Talsachensammlung als vielmehr ein zwangloser, durch historische Streiszüge in seiner popularisierenden Absicht wirk- sam untersiützter Führer durch das Gebiet der Astronomie sein will. Als bewährter Lehrer erreicht der Verfasser mit Sicherheit das gesteckte Ziel. An seiner„Himmelskunde" werden alle, die sich ohne anstrengende Studien über die Lehren der Astronomie schnell orientieren wollen, sicherlich ihre Freude haben. Auf dem Gebiete der Chemie wartet die Naturwiffenschaftlich- Technische Volksbücherei von Th. Thomas mit zwei Bändchen auf, die zwei wichtigen Zweige der angewandten Chemie behandeln: „Die Chemie der ni enschliche u Nahrungsmittel" von H. Bauer(Preis 60 Pf.) und„Die Metalle nach Vorkomnien, Gewinnung, Verwendung und wirk- schaftlicher Bedeutung" von K. A. H e n n i g e r(Preis 1 M.) Das erstere gibt eine leichtfaßliche, nach praklischeiA Gesichtspunkten diirckgeiührte Darstellung der Nahrungsmillel« chemie in deren wich:?gsten Ergebnissen. Es unterrichtet über die Forderungen, denen ein normales geiundes Nahrungsmittel cut- sprechen muß, über die häufigsten Fälschungsartcn usw. Zu rügen wären sehr undeutliche Zeichnungen, die die Zusammensetzung der wichtigsten Nahrungsmittel veranschaulichen sollten. Die kurze Metallurgie, die uns K. Henniger bietet, ist nach ähnlichen Gesichtspunkten verfaßt und stellt eine» guten verläßlichen Leitfaden dar. dessen Lesbarkeit durch historische und wirtschafts- statistische Ausblicke wesentlich erhöbt wird. Einem Metallarbeiter, der' einen allgemeinen Ueberblick über die Grundvoraussetzungen seines Tätigkeitszweiges anstrebt, wird das Werkchen gewiß sehr willkommen iein. Außerdem enthält es eine größere Anzahl von Weisungen über die Ausführung grundlegender chemischer Versuche. So werden auch solche Jünger der Chemie, die das Studium— was übrigens das einzig Nichtige ist— mit Reagenzglas und Retorte in der Hand betreiben, auf ihre Kosten kommen können. Für eine gründliche Unterweisung in chemischem Experimentieren sorgen zwei Werke:„Chemisches Experimentierbuch" von O. Hahn(Naturwiffenschaftliche Bibliothek für Jugend und Volk; Verlag von Quelle u. Meyer, Leipzig, Preis geb. 1.80 M.) und das gleichbetitelte Buch von K. Scheid(Dr. Bastian SchmidS naturwissenschaftliche Schülerbibliothek, Verlag Teubner, Preis geb. 3 M.), von dem zunächst nur der erste Teil, indes bereits- in der dritten Auflage vorkkegt. Beide Bücher sind gut; das erstere ist etwas elementarer und für das jüngere Volk geeigneter, da es mit einfacheren Mitteln und ungefährlicheren Stoffen umgehen läßt. Eine eminent wichtige Anwendung der Errungenschaften der Chemie aus die Probleme der praktischen Geologie bietet uns das schöne Buch von L. M i l ck über„Deutschlands Boden« schätze"(„Wissenschaft und Bildung", Verlag von Quell« u. Meyer, Leipzig, Preis geb. 1,23 M.) dar. In seinem zunächst erschienenen I. Teile behandelt er die brennbaren Gesteine(Torf, Skoble, Erdöl usw.) und Salze(Steinsalz, Kalisalze). Das Werk berücksichtigt daS neueste statistische Material und die letzten Ergebnisse der theoretischen Forschung. So werden bei der Erörterung der Frage nach der Ent- stehmig der Kalisalze die grundlegenden Arbeiten des kürzlich ver- ftorbenen I. H. van't Hoff über die Bildung der ozeanischen Salz- nblagerungen in ausgiebigem Maße benutzt. Auch sonst bietet daS Werk des Interessanten und LesenSiverten genug, nni auf das beste empfohlen zu werden. In daS Gebiet der Geologie fällt ferner der 2. Teil der„Geschichte der Erde" von R. B o»i ni e I i. der unter dem Titel„Die Weltalter" bei Dietz in Stuttgart als Band 21 der„Kleinen Bibliothek"(Preis pro Band drosch. 73 Pf., geb. 1 Mk.) erschienen ist. Wir sind seinerzeit auf den t. Teil des ausgezeichneten Werkes ausführlich eingegangen und tonune» aus dal» - 816- Gesamtwerk. sobald eS fertig vorliegt, noch znriick. Bei der gegen Wärligen Anzeige sei nochmals aus die Gediegenheit der äußeren Ausstattung ganz besonders hingewiesen. Die Meteorologie— die Wissenschast des Wetters und KlimaS— ist durch das Büchlein:„Das Klima" von Dr. Eugen Alt, erschienen in der Reelamschen Sammlung(Preis 40 Pf.), würdig vertreten. Das Buch will die sickeren Grundlagen der jungen Wissenschaft einem weiteren Leserkreise in verständlicher Form über« Mitteln, geht jedoch über das vorgesteckte Ziel bedeutend hinaus, in- dem es auch die Klimabeschreibung der iünf Erdteile in knappen Zügen entwirst. Das Werk stammt von sachkundiger Hand, ist leicht faßlich und in flüssiger Sprache geschrieben. Zwei„Wetter- künden" von R. Hennig(Volksvereinsverlag M.-Gladbach, Preis 30 Pf.) und von W e r n r ck e lNarurw.-Technische Volksbücherei. Th. Thomas Verlag, Leipzig, Preis 20 Ps.) suchen auf einem sehr beschränkten Räume und mit einfachsten Mitteln das Verständnis der meteorologischen Vorgänge zu fördern und als Anleitungen zu der praktischen Beobachtung und Vorausbestimmung deS Wetters zu dienen. Von diesen zwei Werkchen möchten wir den Vorzug dem von Hennig geben, da es nicht nur mehr und bessere Zeichnungen enthält, sondern auch den Stoff übersichtlicher ordnet und klarer behandelt. V.?t». kleines feialleton. Völkerkunde. Fm Lande der Albanesen. Das Land der Albanesen ist der Schauplatz der ersten Zusam-menstöße der Türken und Monte- negriner geworden; das Land jener Söhne der Berge, die dem europäischen Beobachter so viele Rätsel aufgeben und deren Wesen so viele seltsame Widersprüche zu enthalten scheinen. Bis in die jüngste Gegenwart hinein ist dort die Gesetzlosigkeit Gesetz geblieben, Mord, Blut, Rache und Raub sind tägliche Ereignisse. Ein genauer Ztenner Albaniens, ein Engländer, hat vor einiger Zeit ein außer- ordentlich fesselndes Buch veröffentlicht, das unter'dem Titel„Ein Beobachter im nahen Osten" eigenartig« Einblicke in die Psycho- ilogie des Albanesen gewährt. Noch vor fünf Jahren, als der Be- obachter zuletzt in Skutari lebte, zählte man in dieser Stadt durchschnittlich drei Mordtaten an einem Tage.„Und niemand kümmert sich'darum, bei n die Justiz ist mir Angelegenheit des Bruders des Ermordeten oder seiner Verwandten. Gewiß, es gibt euch ein kaiserliches Gericht, ein Bretterschuppen mit gähnenden Löchern auf dem Dache. Auf den Stufen grünt das Moos und die Scheiben der Fenster fehlen oder sind zerbrochen. Und hier in der Nähe, nach der Mittagsstunde, verkaufen die tapferen Verteidiger des ottomanischen Reiches, diese bescheidenen, zähen Kerl« mit ihren zerfetzten Uniformen, den Passanten ihre Brotrationen, um für das Geld Zigaretten zu erstehen. Denn den Sold erhalten sie nie und ihre Brotration bildet ihr einziges Einkommen." Die Jahrhunderte türkischer Herrschaft sind an dem Volkscharakter der Albanesen spurlos vorübergegangen.„Der Nordalbanese ist der letzte Ueber- lebende aus den Tagen des Mittelalters." Seine Anschauungen, seine Lebensweise, sein Gewissen ist mittelalterlich, er besitzt keine geschriebene Sprachen, sein Alphabet mit den vielen Zischlauten ist in der Tat noch nie festg stellt worden. Es sind hochgewachsene magere schlanke Gesellen; noch tragen sie jene alten rohlcdernen Schlappschuhe, auf denen sie katzenglcich dahin schleichen; die ganze Tracht nimmt alle Errungenschaften moderner militärischer Farbenanpassungcn vorweg, die Farbe der Kleidung stimmt mit der der Felsen überein.„Und mit{einem halb rasierten Schädel, dem langen auf die Schulter herabflattern- den und dort sorglich beschnittenem Haar sieht der Nordalbanese eus, als sei er eben einem mittelalterlichen Florentiner Fresko entstiegen." Und so war er stets, und so ist er geblieben; seitdem die Türken ihn entdeckten, hat sich nur eins geändert: er führt heute als Waffe das Gctvehr und einen ungewöhnlich schweren Revolver. Der schwarze Pclzbolero, den er ausnahmslos trägt, ist noch immer ein Zeichen der Trauer für'den Fürsten Skender Beg,>der 1467 nach Wjährigem Kampfe gegen die Türken starb. Der Ehrenkodex des Albanesen ist für europäische Begriffe erstaunlich. Nie wird ein Wort gebrochen; der Frenrde, der in'der Hütte eines dieser Leute Unterkunft sucht, ist auf 24 Stunden Gast und damit Freund und sei es auch der Todfeind.„So lange das Mahl nicht vevdaut ist, darf er nicht verletzt oder gefangen werden." Der Albanesc ist wohl auch der einzige, für den'der Balkankrieg keine Aenderung der Ver- lhältaisse bedeutet. Denn er lebt stets im K r i e ge, im Kriege -mit allen, mit Tü. ken und mit Montenegrinern. „Ich erzählte ihnen, als ich«inen Stamm in ihrer abgelegenen Berg- Wildnis besuchte, von Cetinje und anderen Städten Montenegros, in denen ich geweilt habe, aber die Albanesen verachten ganz Mon- tenegro, dehnen sie doch ihre Raubzüge mit Vorliebe über die Grenze aus. Mein Freund Luk erklärte mir, er sei bei hellichtem Tage ganz offen noch Podgoritza gegangen, wo er dann aus dem Markt- platz einen Mann niederj hlug, mit dem er in Blutrache lag.„Ich ging wieder fort und ken,cr wagte es, mich aufzuhalten," so fügte er voll Stolz hinzu.„Es wäre ihnen auch schlecht bekommen." .Blutrache?"„Natürlich, das war der Anlaß." verantw. Redakteur: Alfred W-etepp, Neukölln. Schach. Unter Leitung von S. A l a p i n. BetHing. ab ode t g h Ke7-d8 Kd8— c8 Tb2Xbl c4— c3 b5— b4 aöXM 39. Tg6— d6t 40. Td6-e6t F 41. h3— h4 42. g2— g4 43. Td6-d4 44. a3Xb4 Aufgegeben. Wie aus obigen Glossen ersichilich, bestätigt die Parlie keineswegs den Tadel des Dr. Tarrasch. Schachnachrichten. Am Sonntag fällt der freie Schach- _ verkehr des Berliner Arbeiter-SchachklubS aus._ Druck u. Verlag: LorwärtsBuchdruckerei u.VerlagSanstalt PaulSingeräeEo.,BerUnLW. 13. Tal— bl Ta8-b8 14. Tfl— dl..... Auch aus 14. 64 folgt 14..... c4; 15. Le2, b5 oder 14. dc5, Dd5. In Betracht kam 14. 8x5. od!; 15. SXI-. SX3; 16. cd4, Dd6 k. Beide Teile hätten gleiche Chancen. 14...... c5— o4 15. Ld3-e2 b7— b5 16. Sf3— d2..... Besser war 16. s4. Aber immerhin hat schwarz dann mit 16..... f5 ganz gute StuSfichten. 16.. 17. Le2— f3 18. c3— o4 19. Sd2— fl 20. Lf3Xe4 21. Lei— g5? Ein Fehler, statt dessen 8x3 ge- schoben sollte. Aber Schwarz hätte keinen Rachteil. 17— 15 Le6— d6 Ld5— a8 1 f5Xe4 Sc7— d5 Weiß zieht und gewinnt. Lösung. 1. c61, dXc6(1...... c2; 2. Thlf, olD!; 3. TXDf, KXT; 4. 07. alD; 6. DoSf, Db2 1; 6. DbTf, Kol; 7. DcTf, Kb2; 8. DbOf, Kol; 9. Doöf, Eb2; 10. DMf, Ka2 1 11. Kc2I und gewinnt); 2. KXo3, alDf; 3. Kb3 und gewinnt. Damengambit. Wilnaer Turnier. vernftetu. Alechtn. 1. d2— d4 d7— d5 2. o2— c4 c7— c6I Dr. Tarrasch ist ew Gegner dieser Verteidigung und veröffentlicht die Parti« mit Glossen, die beweisen sollen, datz Schwarz zu verlieren hatte. Dr. Tarrasch macht daraus aus- mcrtsam, daß der Textzug dem 8bS das Feld c6 nimmt. Dies ist richtig. Jedoch die Alternative 2...... 06 nimmt dem Le8 eine ganze Diagonale. Schwarz wählt aljo mit Recht das kleinere Uebel. 3. 8x1—13 8x3—16 Auch folgend« Spielwetse ist bc- achtenswert: 3...... dXct; 4.«3, b5; 5. a4, Db6!; 6. ab5, cb5; 7. Se5, 816; 8. b3, Sbd7 I; 9. bo4, 3X3; 10. dXe5, Sd7; 11. cb5, 66 1; 12. Lb2, Lb7: 13. Ld4, Lc5- 14. 13, Td8 2c. Für den Bauer hat Schwarz «wen schönen Angriff. 4. o2— e3 g7— g6 Hier kann auch 4...... Lf5 1; 5. DbS, Do7; 6. cd5, od5; 7. Sc3, e6 geschehen. Z. B.: 8. Ld2, Sc6; 9. Tel, Sd71; 10. Lb5, Le7; 11. LXS, bXc6; 12. 0-0, 0—0 2C. gleiches Spiel. 5. Sbl— c3 Lf8— g7 6. LH— d3 0—0 In Bewacht kam auch 6...... Lf5; 7. LXL, gX®: 8. cd5, 8X65 2c. 7. l>dl— c2..••• Um L15 zu hindern. 7...... Sb8— aß Gut war auch 7...... Sbd7; z. B.: 8. cd5, 8Xd5; 9. 8X8(9. 64. 8X8; 10. bXo3, e5), 9...... oXd5; 10. Db3, e5; II. 11X65, eXd4; 12. 3X64(12. 664, DeTf nebst event. Db4t), 12...... SoS; 13. DXD, SXLf; 14. Kd2, TXD; 15. KX3, Lffif; 16. Ke3, TacSf; 17. Kb3, LXS tc- 8. a2— a3 Sa6— c7 9. 0— 0 Lc8—©ß 10. e4X6ö..... Aus 10. b3 folgt 10..... Sto8 nebst 11. Lb2, 15 ic. 20. 10...... 816X65 11. h2— h3..... Il.e4, 8X8; 12. bXo3, Lgl; 13. e5, LXS; 14. gX13, c5 nebst 064 und 365. 11...... Sd5Xc3 12. b2Xc3 cG— cö SdöXcS 1 1)68—65 Kg8— h8 SoSXbl Dd6Xd4t 21 22. LolXgß 23. Lg6Xb7t 24. 12—14 25. TdlXbl Einlacher DXgSf- 28. Kgl-hl 26. Kh2, o5. 26...... Droht DXh3t. 27. Khl— h2 28. Lh7: c2 29. 14—15 30. 811—63 Weih hat noch Freibauern. ES verbleibt noch eine llewe Schwierigkeit. 81. LxöXkS D64— c3 Dc3Xc2 o7— e5 a7—»5 Lg7— 16 drei verbundene 82. Tbl— 61 33. Tdl— 66 84. Td6— h6t 35. Th6— göf 86. Se3-g4 Dieses Einbringen entscheidet. 37. Sg4Xe5t K17—«7 38. Lc2— bl Td2— b2 Weih kann den Läuser nicht retten. TISXkS TIS— 18 TIS— 68 Kh8— g7 Kg7-f7 T68-62 deS TurmeS