Nnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 224. Sonnabend den 16. November 1912 tNachdru» vsrdoken.) 12Z Die Oberve'älcler. Vo-t A l f r e d B o ck. Der Kaspar Benner hatte die Geschichte mit dem Knecht erfunden. Daheim saßen ihm zwei heiratsfähige Töchter, die auf Männer lauerten. Niemand sollte erfahren, daß er in seinen Verhältnissen zurückgegangen war. Das Darlehn ge- brauchte er, fällige Zinsen zu decken. Nun beeilte er sich, die Bürgen zu holen und machte dem Kappes am Hirscheck Platz. �Der brachte in einer Geldkatze tausend Mark, die er als Spareinlage niederlegen wollte. Der Krämerskarl veranlaßte ihn, Mitglied zu werden, weil das Kapital sich dann besser verinteressiere. Ein Dritter, der hereingestolpert kam, hatte ein Grundstück gesteigert, doch war er nicht imstande, die eingegangenen Zahlungsbedingungen zu erfüllen. Was ihm an Geld fehlte, erbot sich der Karl vor- zuschießen, dafern ihm der Kaufschilling überlassen werde. Daß das Gelände zu teuer gekauft, eines Tags auch im Wert gesunken sein könne, zog er nicht in Betracht. Neben den Antragstellern standen an Zahl die Einleger nicht zurück. Große und kleine Bauern gaben einander die Türe in die Hand. In würdevoller Haltung, mit einem Blick, der jeden zu durchdringen schien, übte der Krämerskarl sein Rcchneranit aus.„He hatt von jeher ein' lernischen Kopf," sagte der Kappes zur Pörtegritt,„alleweil angelt H6 Dukaten!" Die Alte überzählte, was sie im Laden vereinnahmt hatte, und wußte danach nicht, ob sie auf dem Kopf oder auf den Füßen stand. Siebenundfünfzig Mark! Ei die Kränk! Das war in Jahr und Tag nicht dagewesen. Wenn das Geschäft so weiter blühte, wurde der Karl ein steinreicher Mann. Kurz vor Kassenschluß begehrte der Lipps Mcnz den Rechner zu sprechen. Er betrieb neben seinem Gütchen Schneiderei. Das Unglück hatte sich bei ihm eingenistet. Von vieren seiner.Kinder waren drei an der Bräune gestorben. Während die Kleinen daniederlagen, war das Geld zu allen Türen hinausgegangen. Nun hatte der Lipps eine Schuld von neunzig Mark zu entrichten und stand vor der Not- wendigkeit, seine letzte Kuh zu verkaufen, wenn ihm niemand aus der Verlegenheit half. Wegen eines Bürgen hatte er sich vergeblich bemüht. „Ich kenn's," sagte der Krämerskarl teilnahmsvoll. „Wann eins unten liegt, tappelt alles auf ihm heruni. Sei stät, du kriegst von mir die neunzig Mark. Schick deine Frau. Sie mag den Schuldschein unterschreiben." Daß er sich mit diesem Versahren gegen die Satzungen der Genossenschaft verstieß, wußte er wohl.„Schlimmsten- falls," dachte er,„stopf ich das Loch mit meinem Garn." Nach der Nachtsuppe zündete er seine Pfeife an und setzte sich auf die Bank vor dem Haus, noch ein wenig die frische Luft zu genießen. Mit dem Ergebnis des ersten Kassentags konnte er zufrieden sein. Der Lehrer war ein guter Prophet. Der Geschäftsverkehr, wie er sich heute abgespielt hatte, ließ erkennen, daß das Kavital der Großen in Umlauf kam und den Kleinen fördersam wurde. Die Zahl der Mitglieder war auf siebenundachtzig gestiegen. Ein schöner Ersolg! Und weni gebührte der Donk dafür? Wenn man ehrlich sein wollte, nur dem Lehrer. Der hatte die Sache beim richtigen Ende angefaßt. Daß er jetzt, wo der Sieg seine Mühe krönte, sich jeglicher Teilnahme an der Kasse enthielt, gereichte ihm zur doppelten Ehre. Er hatte es offen ausgesprochen:„Mir geht die Geschäftserfahrung ab. Der berufene Mann, Krämerskarl, sind Sic!" Der Karl hob den Kopf empor, und seine Augen leuchteten. Für alle Fälle war er der berufene Mann! Und es sollte ihm keiner ins Handwerk pfuschen. Eins war ihm heut zur Gewißheit geworden: die Läpper- schulden blieben nicht aus. Damit mußte wohl jede Genossen- schaft rechnen. Uebrigens sah er sich seine Leute gründlich an. Unsichere Kantonisten würden vor ihm keine Gnade finden. Wer unverschuldet im Elend war, dem durfte die Kasse ihren Beistand nicht versagen. Etwas Gutes tat man gern. Aber die Kleinigkeitskrämerei, die sich heute schon bceit gemacht hatte, ging ihm wider den Strich. Die Kasse mußte einen Zug ins Große bekommen. Auf sein Betreiben waren die Statuten dahin geändert worden, daß nicht nur Ortsan- gehörige, sondern alle vertrauenswürdigen Personen die Mit- gliedschaft erwerben konnten, die zehn Kilometer im Umkreis wohnten. Die Kasse' sollte ein Sammelbecken werden. Nur mit großen Mitteln konnte inan ein großes Kapital ge- Winnen. Ein wohliges Gefühl durchströmte ihn. Endlich stand er da, wo er hingehörte. Nicht daß der Platz ihn ehrte, er ehrte den Platz. Die Zeit her hatte er den Protzern, den Strohköpfen den Lakai machen müssen. Jetzt war er der erste Mann an der Spritze.— In den folgenden Wochen war der Zudrang zur Kasse nicht so stark, wie der Krämerskarl in seiner Einbildung sich vorgestellt hatte. Gut Ding wollte Weile, haben. Ein paar Hypotheken gelangten zur Ablösung, dich mit ihren hohen Zinsen kleine Besitzer bebürdet hatten. Der Schreiner Stumpf wurde von seinem Manichäer, einem Holzhändler in Siorndorf, befreit. Auch vom Löb Heymann aus Dir- lammen fielen drei alte Kunden ab. Befragt, was er von i>.c Genossenschaft denke, sagte er: ,.Neue Besen kehren gut. Wann ihr erst mit der Nas' in Dreck gefallen seid, dernachert wollen wir uns cnml wieder sprechen." Der Krämerskarl brannte vor Ungeduld, den Geschäfts- umsatz vergrößert zu sehen. War er früher wenig oder gar nicht aus seiner Klause gekommen, besuchte er jetzt die um- liegenden Ortschaften, für die Ausbreitung der Kasse zu wirken. Ward ihm entgegengehalten, man habe von diesem und jenem Bankkrach gehört, und passiere etwas, müßten alle den Riemen ziehen, sprach er mit dem Brustton der Ueber- zcugung:„Wir arbeiten mit Besonnenheit. Unser Grund- satz ist: besser vorgesehen als nachbereut. Wir stehen so fest wie die Londoner JSank.'s gibt Leut', die alles durch die Angstbrille sehen. Die können einem leid tun. Die werden isicht fett." Sein sicheres Austreten machte auf die Bauern Eindruck. Selten, daß er heimkehrte, ohne den einen oder andern der Kasse gewonnen zu haben.. Auf einem seiner Werbegänge, nahe bei Herbstein, lernte der Krämerskarl den Bauunternehmer Bisping kennen. Das war ein Herr in den besten Jahren mit einem Biedermanns- gcsicht, das. ein blonder, leicht angegrauter Vollbart um- rahmte. Er erzählte, er sei Westfale, habe in Dortmund ein .Geschäft gehabt und wohne gegenwärtig in Lauterbach. Seine Frau, eine Rentmeistcrstochter aus Hirzenhain, sei kränklich und habe die Lust im Kohlenbecken nicht vertragen können. Ihr zuliebe bringe er jetzt seine Tage in unfrei- willigem Nichtstun hin, doch hoffe er, daß sich ihm über kurz oder lang eine Gelegenheit biete, seine Arbeitskraft wieder nutzbar zu machen. „Wie geht's dann Ihrer Frau mit der Gesundheit hier oben?" fragte der Krämerskarl. „Sie schilt auf die Arzneien, die ihr die Doktoren vcr- ordnet haben," antwortete der Bauunternehmer.„Ich meine. das ist ein gutes Zeichen." Der Kränierskarl lachte. „Die Arzneien helfen immer. Wenn nicht dem Kranken,. so doch dem Apotheker. Daß aber die Luft bei uns was aus- machen tut, das ist gewiß,'s mag ein Jahrer drei, vier her sein, da kam in Herbstein dem Oberförster Lang sein Schwiegervater an. Der hatt mit den: Herz zu schaffen. Und war so herunter, daß er keine» Schritt vor die Tür setzen könnt. Er stand schon in den Sechzig. Gucken Sie sich den Mann alleweil emal an. Der ist so gesund wie ein Kürbis. Und ficht ihn kein Wind und kein Wetter mehr an. Und nimnit's mit dem Jüngsten auf. Gute Luft ist das halbe Leben!" Unter lebhaftem Gespräch erreichten die Wanderer Herb- stein. Im Gasthaus zum Oberwald kehrten sie ein. Bei einer Flasche Wein, die er spendierte, erfuhr der Bauunter» nehnier, daß sein Weggenosse sieben Jahre in Dortmund eine Stelle innegehabt hatte, Verhältnisse halber in sein Heiniat- darf zurückgekehrt war und dort das Amt des Rendanten der Spar- und Darlehnskasse bekleidete. „Sieben Jahre hat Sie die rote Erde getragen?" rief Bisping überrascht.„Da sind wir ja halbe LandSleute!" „Ja," sagte der Krämerskarl,„und ich mutz Ihnen ge- stehen, ich Hab mich in Dortmund sehr wohl gestihlt." Der Bauunternehmer hob sein Glas und sprach feierlich: „Du Land vom Rhein bis Wcscrsirand, O grüß dich Gott, Westfalenland." Sie frischten gemeinsame Erinnerungen auf. Wer ein- mal die Dortmunder Union, das Stahlwerk Hösch und die Zechen mit ihren nach vielen Tausenden zählenden Beleg- fchaftcn zu Gesicht bekommen hatte, der konnte dies packende Bild einer gewaltigen Industrie nicht vergessen. Beim Dröhnen der Hämmer, beim Rattern der Räder vernahm man den Herzschlag der Welt. Und'nun das geruhsame Leben im hohen Vogelsberg! Ein größerer Gegensatz war nicht auszudenken. Der Wahrheit die Ehre zu geben: die Holzschneidereien und Möbelfabriken hier im Gebirgsland hatten sich einen Namen gemacht. Dennoch waren die Wälder mit ihrem Holzreichtum noch nicht genügend ausgenutzt. Und gar die Basaltlager, die an Ergiebigkeit ihresgleichen suchten. Da waren Millionen herauszuholen. Ter Bevölkerung fehlte eben die Energie, die Schätze zu heben, die der Boden barg. In seinem Heimatort, wußte der Krämerskarl zu be- richten, hatte vor vielen Jahren ein gewisser Eimenröder Steine brechen lassen. Ter war dann gestorben, und die Ar- beitcr hatten sich verlaufen. Das Lager, das der Gemeinde gehörte, war unerschöpflich und obendrein init Tuff unter- mischt. So hatte sich wenigstens ein Bergrat aus Tnrmstadt geäußert. Kam der rechts Mann dahin, tonnte er ein Ver- mögen verdienen. Der Bauunternehmer horchte auf. „Wie steht's mit den Transportmitteln?" „Da sind wir vorab noch auf Fuhrwerk angewiesen," er- widerte der Krämerskarl.„Aber daß wir die Eisenbahn be- kommen, ist doch nur eine Frage der Zeit." Ter Westfale füllte die Gläser. „Ich hätte wohl Lust, nur den Steinbruch einmal an- zusehen." „Tun Sie's, Herr Bisping," ermunterte ihn der Krämcrskarl.„Treff ist Trumpf!" (Fortsetzung folgt.) l>er I�uiKs. Von Heinrich Diefenbach. Er wäre vielleicht ein großer, ein berühmter Mann geworden, wenn das Schicksal nicht auf beiden Augen blind und aus einem Ohr taub wäre. So ist er ein Hauderer geblieben, und wäre das eine nicht, was er tat, er würde wie die anderen vergessen sein, die ohne Kreuz und Grabstein droben unter den Trauerweiden, zwischen Ackerland und Wald liegen. Aber das eine hat seinen Namen vor dem Vergessen bclvahrt. Wenn man in Eiteldorn erzählt von dem Pfarrer Weismann, der allein im verseuchten Orte aushielt, während die Eltern ihre Kinder, die Männer ihre Weiber verließen und in die reine Luft der Berge flüchteten vor dem giftigen Hauch des schwarzen Todes, dann wird auch er genannt. Und wenn man der andern gedenkt— es sind ihrer freilich nur wenige—. die hier eine Tat begangen haben, die sich von dem Leben und Treiben des Alltags abhebt wie ein Felsblock oder ein Eichbaum von dem flachen Ackerlande, dann wird auch seiner gedacht. „Der Links, däs wor aner! Doch sein Name dringt nicht weit. Jenseits des Hohlwegs, wo man die Ostereier nicht„gähl", sondern„gehl" färbt, weiß man ebensowenig von ihm wie hinter dem Wäldchen, wo die Frauen bunte Kopftücher und rotstreifige Nöcke tragen und wo Luther in keinem Heiligcnkalender genannt wird, dort ist der Links ein Un- bekannter, von dein kein Geschichtenerzähler ein Sterbenswörtchen weiß. Nur in Eiteldorn kennt man ihn und seine Tat, die ihn auf ein Postament gestellt hat, von dem ihn der Strom von mehr denn hundert Jahren nicht herabzuwerfen vermochte. Und so sehe ich ihn: Er hat einen breiten Rücken, einen stämmigen Hals und einen dicken Kopf. Die Arme sind unverhältnismäßig lang und enden in ein paar mächtige Tatzen. Er hat ein schiefes Bein und Plattfüße. Und ist außerdem einäugig. So sieht der Mann aus, den die Dorfgeschichte von Eiteldorn ans ein �Postament gestellt bat. Wahrlich, eine höchst unglückliche Figur für ein Denkmal I Wären die schriftlichen Belege nicht— ich würde mich besinnen, bevor ich der Dorfgeschichte glaubte, wenn sie on der Tat Links erzählt. Der Links war„ein Hiesiger". Neben dem Brandweiher steht «in morsches Haus, darin hat er gewohnt. Mutterseelenallein, weil die Helden keine Gesellschaft brauchen. Im Unterstock des HauseS steht jetzt die Feuerspritze, hängen die Feuerleitern und-Haken, der Schlauch und die Eimer aus wasserdichtem Stroh und Leinen. Jedes Jahr einmal, ain dritten Pfingsttag, wird die Spritze herausgezogen und vor dem Weiher probiert. Und nachher gibts Freibier; das Wasser wird am Brandweiher verspritzt, der Brand im Wirtshaus gelöscht. Das war auch damals so als die Spritze noch anderswo unter- gebracht war und der Links hinter den Fensterscheiben stand und auf das Schauspiel am Weiber schaute. Er hätte beileibe das Fenster nicht aufgemacht, und noch weniger hätte er sichßhinausgewagt._ Denn unfehlbar hätte der Schlauchiührer unter dem Halloh der Zuschauer das Mundstück auf ihn gerichtet. Wo der Mutwille eine Zielscheibe suchte, da mußte« wegbleiben. Man rupfte ihn, wenn nian sich freuen wollte. Er, der große Tollpatsch, mußte eS sich gefallen lassen. Dem Spott gegenüber war er machtlos. Und hätte doch mit der linken Hand ein Dutzend seiner Spötter zu Brei zerdrücken können. Aber der linkshändige Zyklop hatte das weiche Herz eines Kindes, das unentschlossene Gemüt eines Mädchens. Der ganze Mensch war„außer der Weis'". Aber es kam die Zeit, wo sein Auge glühte und seine mächtige Linke sich zur Faust ballte, wenn er den Scholleskarl sah, der überall der erste Mann bei der Spritze war. Wenn am dritten Pfingsttag die Spritze probiert wurde und der Scholteskarl als Schlauchführer das glänzende Messingrohr nach den Speicherläden oder nach einer Gruppe Frauen und Mädchen richtete, daß sie schreiend und lachend auseinanderstoben wie Hühner, unter die der Hund kommt, dann wandte sich der Links von dem Fenster ab und ging in die Hinterstube, um den schlanken Burschen in seiner selbstbewußten Hosfahrt nicht zu sehen, der allen Mädchen den Kopf verdrehte. Der Links haßte den Scholteskarl. Wenn ibin einer sagte, eS wäre doch bald an der Zeit, daß er sich nach einem Mädchen umgucke, dann antwortete der Links: „Ich bleiwe lirrig!" In der Tat, es dachte kein Mensch im Ernste daran, daß es dem Links jemals einfallen könnte, auf die Frei zu gehen. Am wenigsten die Mädchen und am allerwenigsten die, auf die er just sein Auge geworfen hatte. „'s Peterich ihr" wurde sie genannt, und darin zeigte sich schon die Geringschätzung, die man ihr angedeihen ließ. „'s Petersch ihr war ein armes lustiges Ding, das bei der Kirmes den reichen Bauerntöchtern die Tänzer wegnahm. Was konnte sie dafür? Jeder wollte mit ihr tanzen, und sie konnte keinem einen Korb geben. Ihr Vater, der Peter, war Schäfer und Abdecker. Er hütete gewissenhaft die Schafe, die man ihm anvertraute, vergaß aber darüber, daß ein junges Mädchen auch geleitet sein will, wenn es nicht auf den Acker geraten soll, wo die Sünde blüht. Der Links konnte von seinem Speicherfenster aus das Anwesen de? Schäfers überblicken, in dem das Mädchen die meisten Tage und Nächte des Jahres allein war. ' Und an einem Sonrmerabend war er Zeuge, wie der Wolf in das Häuschen des Schäfers einbrach. „He werd se ansührn," dachte er. Denn der Wolf war der ge- schmeidige Scholteskarl. Der Links hätte ihm die Rippen einbrechen können, er konnte das Mädchen wariisp, er konnte dem Schäfer die Augen öffnen. Er tat nichts dergleichen. „'s gieht mich nix an," beschwichtigte er sein aufgeregtes Ge- müt. Und nebeybei sagte er sich, daß man es dem Mädchen nicht übel nehmen könne, wenn es an dem Burschen Gefallen finde. He eß en schiener Kerl, und die Weiwer sein all dumm." Er ballte die Fäuste im Sack. Es ging, wie es in der Regel geht, wenn ein reicher Bursche einem flatterhaften armen Ding nachstellt. „Es geschieht ihr recht," sagten die Leute, und der Karl sah sich nach einer andern um, nach einer zum Heiraten. Im Links tobte der Sturm aus allen vier Ecken. Eines Tages begegnete er dem Scholteskarl. Beide Hände in den Hosentaschen, als müsse er sie vor'm Zuschlagen sichern, stellte er sich vor ihn. „Dou werscht jetzt die Sopp ausäffe, die de engebrockt host!" rief er. Der andere war baff. «Was gieht das dich an!" «Jwerliek dirsch,(überleg dir's) sunst kinni's was gäwe l" sagte der Links noch, dann ging er weiter. Der Scholteskarl mied ihn seitdem, aber nach einiger Zeit be- gegneten sie sich abermals. Es war Sonntag» und der Karl befand sich in der Begleitung seiner Braut, einer reichen Bancrntochter aus einem Nachbardorfe. „Hoste dirsch iwcrliekt?" fragte der Links. „Dunimer Dappes I" rief Karl, und wollte vorüber. Der Links hielt ihn fest lind deckt ihm angesichts seiner Ver« lobten„das Dippchen auf". Der ScholteSlarl schimpfte dagegen und wehrte sich. Der Links aber griff ihm mit der linken Hand in den Rücken, hob ihn in die Höbe und trug den schweren, kräftigen Burschen wie ein Wickelkind durch das Dorf bis an das Haus des Schäfers. Dort warf er ihn über den Zaun. „Su. dohi gehierscht de. dou Lump l* Dann ging er heim. Das war das erstemal, daß der Links die Lacher und die Bewunderer auf seiner Seite hatte. Er machte sich nichts daraus; er vergrub sich in seinem Häuschen und war zufrieden, dah er den Scholteskarl um eine reiche Braut und um sein Renommee gebracht hatte. Aber die verlorene Ehre konnte er'S Petersch ihrer nicht wiedergeben. Die ging nicht mehr unter die Leute und lachte nicht mehr. Der Links stand oft an seinem Speicherfenster und blickte nach dem Häuschen des Schäfers. Er überlegte, ob er nicht hinübergehen und dem Mädchen einen Antrag machen solle, daß„alle die Mäuler auffperren". Aber er tat es nicht. „Wann's irscht vorbei eß, dann vielleicht," sagte er sich. Ein Kind, das mit unschuldigen Augen in die Welt guckt, hätte ihn nicht geniert, doch es mußte erst da sein, damit jeder wußte: der Links hat nichts damit zu tun, der Links ist ein anständiger Kerl I Daß er's Petersch ihr gern hatte, wußte jedes Kind über zehn Jahre, seit er den Scholteskarl auf der linken Hand durch das Dorf getragen und über den Zaun des Schäfers geworfen hatte wie einen Bettelsack. Auch da? verlassene Mädchen wußte eS. „Der Links Hot e Aache uff dich. Wann de willst— der flickt die Pann", meinte einmal der Schäfer, nicht gerade geschmackvoll und zartfühlend, aber desto deutlicher. Das Mädchen gab ihm keine Antwort. Näheres weiß man nicht. Man sagt aber,'s Petersch ihr habe sich im Brandweiher ertränkt und der Links habe sie herausgeholt und in seiner Stube aufgebahrt und Leichcnwache gehalten, drei Tage lang. Das aber weiß man: Der Links ging zum Pfarrer und bat, man solle der Toten die letzte Ehre antun und mit den Glocken läuten, wenn sie be- graben werde. Der Pfarrer lehnte das ab. .Die Glocken werden doch läuten," sagte der Links. «Sie werden nicht läuten." versetzte der Pfarrer. Der Links ging zum Kirchendiener. .Eine Handvoll Taler, wenn du sie auf den Kirchhof läutest!" „Gern, wenn's der Pfarrer erlaubt," sagte der Kirchendiener. Der Pfarrer ließ sich auf die Handvoll Taler nicht ein. Er befahl aber dem Kirchendiener, die Glockenstricke zu entfernen. Der verschrobene Mensch sei zu allem fähig, meinte er. Als die Träger den Sarg vor dem Schäfer hertrugen, schloß der Links sein Haus ab und ging zur Kirche. Die Türe war verschloffen. Er packte die Klinke mit der linken Hand und zerbrach den Riegel wie ein Streichholz. Der Küster lief zum Pfarrer. Unterwegs rief er jedem zu, der ihm begegnete:„Der Links Hot die Kerch uffgebroche l" Der Links hatte bereits die oberste Stufe der Turmtreppe er- klommen, als die halbe Gemeinde auf dem Kirchhof versammelt war. Er suchte die Glockenstränge. Als er sah, daß sie beseitigt waren, kletterte er zum Glockenstuhl hinauf. «Wann se's Peterfch ihrer nit leire derfe, dann sunn se kam mich leire!" Er hob eine Glocke nach der anderen aus ihrem Lager und trug sie mit der linken Hand ans Schalloch, die zwei Zemner schwere große Glocke so gut wie das hnndertpsündige Betglöckchen. Er trug sie ans Schallloch und warf eine nach der andern auf den Kirchhof hinab! Klirrend zersprangen sie auf den Grabsteinen. MS die entsetzten Zuschauer nach einer Stunde zögernd in den Turm hinaufstiegen, hmg der Links am Glockenstuhl und streckte hnen die Zunge heraus. Er war tot. «Der Links, däS wor aner l" «Die Eiteldorner sagen daS heute noch, nach hundert Jahren, und sie zeigen jedem, der es sehen will, die Stelle, wo die drei Glocken aufschlugen, die Links mit der linken Hand aus ihren Lagern gehoben und zum Schallloch hinausgeworfen hatte. Mit der linken Hand! Daraus legten sie besonderes Gewicht. deshalb ist feine Tat. die an und für sich schwer genug wiegt, un- vergessen geblieben.__ I�eue KunftUtcratur. Die Kunstgeschichte wird wieder ästhetisch bettieben. DaS heißt: die historisch feststellbaren Tatsachen und die aus ihnen sich ergeben- den Reihen werden psychologisch gedeutet und auf abstrakte Formeln gebracht. So entsteht etwas wie eine Metaphysik der Kunst; ab- hängig mehr von der Subjekttvität deS einzelnen Denkers, als von dem objektiven Material. Es wird mehr philosophiert als geforscht. Ob das nützlich ist, ob es die Wahrheit fördert, kann dahingestellt bleiben. Es mag wohl sein, daß die exakte Arbeit des Schurfens und Numerierens mehr an meßbarer Wirklichkeit zutage fördert. Indessen, es hat auch seine Reize und Werte, mit der Einvfindung und all der Leidenschaft, deren der sehnsüchtige Mensch fähig ist, zu erfühlen: wie das große Mysterium der Schönheit geboren wurde und immer wieder geboren wird, nach welchen Gesetzen und Rhythmen es wuchs und zerstört wurde, unr sich ge» steigert zu entfalten. Es gibt sehr viel Befriedigung, die Vielfältig» keit der Dinge, der Werke, unter wenige Einheiten, unter die Begriffe des Parallelismus, des Kontrastes, des Dranias und der Monumentalität zu zwingen. Ob man sich nun mehr für die historische oder die philosophische Art der Kunstbetrachtung entscheidet, wird von dem eigenen Temperament bestimmt. Doch darf niemand so fanatisch sein, nicht beide, so den Historiker wie den Philosophen, zu hören. Zwei Bücher seien darum hier genannt und gegenüber gestellt. Das eine, das exakte, schrieb Heinrich Bulle und nannte es:«Der schöne Mensch". Das war bereits vor längerer Zeit; jetzt aber erscheint eine neue Auflage in Lieferungen sbei Georg Hirth, München; zu 1,20 M. das Heft). DaS andere Buch schrieb Wilhelm Hausen st ein sder den Lesern des„Vorwärts" nicht unbekannt ist); es heißt:„Der nackte Mensch"(bei Pieper u. Co., München). Bulle behandelt nur daS Altertum(die übrigen Zeiten werden von anderen Autoren be- schrieben); er füllt damit einen umfangreichen Band. Hausenstein schreibt knapp 200 Seiten über die Kunst aller Zeilen. Solche Ver» fchiedenheit charakterisiert die Auffassung der beiden Schriftsteller. Bulle beschreibt die einzelnen Werke nach Inhalt, Mythologie und historischem Zusammenhang bis in das Detail. Hausenstein gibt nur mit wenigen Strichen die Zeilstimmung, aus der das Werk ge» boren wurde; um das Eigentliche. waS er zu sehen glaubt, als Baustein für eine Philosophie der Form zu nutzen. Eine Probe mag daS erläutern. Beide Autoren beschäftigen sich mit einer griechischen Trinkschale, die das Bild eines HasenjägerS zeigt. Bulle faßt sich kurz:„Der Jüngling, der einen Hasen fangen will, steht mehr als gewöhnlich unter dem Raumzwang. Aber die Herbheit der Gliederhaltung ist in vorttefflichem Einklang mit der trockenen und Naren Zeichnung, die diese Epoche für die Innen- Muskulatur liebt." Für Bulle ist dieser Hasenjäger ein wenig un» gewöhnlich, aber keineswegs von besonderer Bedeutung. Für Hausen» stein ist er ein Typus; ein Schlüssel, das Wesen des Hellenismus zu entklären. Der junge Metaphysiker sagt:„Der Grieche gibt die ideale Ausbreitung des Aktes über das Flächige, die zweidimensionale Expansion des Nackten in äußerster Potenz. Die Bewegung des Jagenden ist wie die Drehung eines Kreises um seinen Mittelpunkt, rund und unendlich. Der Künstler vollbringt die Umsetzung des Sphärischen ins Ebene, der dritten Potenz in die zweite. Diese paradoxale Funktion ist eben die Stil- aufgäbe der Flächendekoration." Das ist ein wenig umständlich ausgedrückt, ist aber interessant, weil es deutlich zeigt, wie für diese Art der Betrachtung ein einziges Werk zum Dogma für alle Welt- Produktion wird. Hausenstem sucht eben nicht das historische Objekt; er sucht Maßstäbe. Er sucht die Synthese in den Werken der Kunst, aber auch in dem ges-bichtlichen Nebeneinander dieser Synthesen. So kann er, ohne eigentlich ein Kenner zu sein, Geistreiches, vielleicht sogar Richtiges zugleich über die Aegypter nnd die jüngsten Franzosen sagen. Bulle ist Fachmann, ein ge- bildeter und feinfühliger Spezialist; Hausenstem steigert das Feuilleton zu einer Prophesie. (Ganz nebenbei gesagt, ist„der schöne Mensch" ein ganz außer» ordentlich wertvolles Anschauungswerk, das in guter Auswahl in großen vortrefflich reproduzierten Bildern auf gutem Papier das Beste der Kunst aller Zeiten lunier dem Gesichtswinkel des Titels) sammelt. Für die unserer Bibliotheken, die es sich leisten können, das Beste, weil von dauerndem Wert. Die Red.), ES seien noch zwei Bücher genannt, die sich ähnlich gegenüber- stehen. Oskar Fischel schrieb über:„Die Meisterwerks des Kaiser-Friedrich-Muse ums(Franz Hanfstaengl. München). Ein kurzer Text wurde zu 250 Abbildungen gefügt; man liest einige Daten, etliches über daS Dargestellte, dazu einige Wert- urteile, einiges von den kulturellen Zusammenhängen der Zeiten, die sich in den Bildern spiegeln. Ein geschickter Führer für harmlose Leute. Auch einen Führer,/ aber keineswegs ein Verzeichnis, vielmehr eine empfundene EntwickelungSgcschichte schrieb Karl Scheffler für die Berliner National» g a l c r i e(Bruno Cassirer). Schefflers Natur ist der HansensteinS durchaus nicht verwandt; er sucht nicht letzte Ab- straktionen, er trachtet nach dem kulturellen Zusammenhang und danach, was daS einzelne Werk leistet, um die in dem Wechsel der Zeiten sich bauende Menschlichkeit zu offenbaren. Aber Scheffler gehört dennoch zu den Geschichtsphilosophen; nur, daß er nicht vom Abstrakten ausgeht, sondern das lebendige Leben zu deuten versucht. Nicht um diese« Lebens willen, um seinetwillen, um der absoluten Wahrheit willen; das scheidet ihn von den exakten Historikern, die sich mit dem zeitlich Wirklichen begnügen. Er selber formuliert seine Absicht, die zugleich sein Wesen ist:„Eine Entwickelungs- geschichte der neuen deutsche» Kunst hat die von Jahr- zehnt zur Jahrzehnt erstarkte Malerei lebendiger An- schauung, die ehrlich ringende Wirklichkeitskunst, die Bürger- kunst eines demokratischen Zeitalters, in der die Möglichketten des Höchsten embryonisch enthalten sind, zu ihrem Ariadnefaden zu machen. Denn allein die Liebe zum Lebendigen kann aus dem - 896— Labyrinth der Begriffe den Weg ins Freie weisen.* Scheffler sucht das Leben und seine Zusammenhänge. Wer dies Buch über die Rationalgalerie liest, erfährt zwar vieles Wissenswerte i was aber wichtiger ist: er wird umfangen von dem Ätem der Entwicklung, von dem Drama und Pathos des Werdens. Die hochentwickelte Reproduknonstechuil steht Pate bei den meisten, oft auch bei den vielzuvielen Erscheinungen der Kunst« literatur. ES ist ja richtig, dag die Werke der bildenden Kunst zum Ansehen da sind und nur durch das Gesicht beurteilt werden können. Indessen, es hat vielleicht doch seine Gefahren. Hunderte und Tausende bon Photographien vor dem harmlosen Kunstfreund, gar vor dem Laien auszuschütten. Es kann die Leichtigkeit, mit der ganze Perioden durchblättert werden können, zur Oberflächlichkeit verleiten; es kann die Fülle des Anschauungsmaterials das Wort verdrängen und so die Subjektivität des Urteils zur Willkür verführen. Man wird also diese neue Art des knnsthistorischen Bilderbuches nie ohne Einsicht benntzen und nur mit Vorstcht empfehlen dürfen. Dies vorausgeschickt, seien die Veröffentlichungen des Verlages von Julius Hoffmann in Stuttgart, die verschiedenen Bände der Bau- rormenbibliothek, sehr gerühmt. Die in Groffoktavforniat disponierten Bücher geben ausgezeichnete Photographien, trefflich re- produziert; Aufnahmen, verständnisvoll gesehen und mit kritischem Sinn für das Wesentliche und entwicklnngsgeschichtlich Notwendige gewählt. Da bringt zum Beispiel der dritte Band:„Die r o- manische Baukunst Frankreichs"; wir sehen die Logik und die gedrängte Kraft eines zeitlich kurzen und von Leistungen strotzenden Aufstieges. Wir lernen Denkmale kennen, die wir bisher kaum dem Namen nach kannten. Ein machtvolles architektonisches Gefühl drängt uns entgegen aus diesen christlichen Göttertempeln, denen noch das strenge Pathos von Rom und Byzanz die heroische Plastik der Fornr auszwang. Es ist fast unbegreiflich, welch ein Geschlecht von Architekten während des lt. und 12. Jahrhunderts in Frankreich wirkte.— Recht geschickt ist der Band, der„Die deutschen Wohn- und Fe st räume aus sechs Jahrhunderten" zusammenstellt. Wir werden vom Kloster Maulbronne und der Marienburg von 1200 bis in das Kasseler Stadtschlos; um 1800 gc- leitet. Dazwischen lernen wir alle wichtigen Etappen von der Gothik bis zum Biedermeier kennen. Solch eine Vorführung der profanen Architektur hatte bisher gefehlt. Wir kannten vorzüglich die Kirchen, einigermaßen dle großen Schlösser; jetzt können wir uns bequem ein Bild von der bürgerlichen Wohnung, von Hausfluren um 1500, von Bauernstuben und Küchen, geben lasten. Freilich es überwiegt immer noch das Beispiel aus den Fest- bauten der Aristokratie; es wird wohl auch kauni möglich sein, die Formensprache dieser sechs Jahrhunderte ausgiebig durch Photo- graphien aus bürgerlichen Räumen zu erläutern.— Ganz der Gegenwart gehört„Die farbige Raumkunst". Wir können uns an 120 Entwürfen moderner Künstler freuen und so den Beweis empfangen, daß die Gegenwart wieder die Bedeutung und die Kraft der Farbe im Raum erkannte. Diese Zusammenstellung kann bei rechter Nutzung allen, die Aufgaben der inneren Raumgestaltung zu lösen haben, ein Lehrmeister sein. Wortreicher als diese Bilderbücher ist eine andere Sammlung, die bei Hoffmann erscheint und deren Bände zugleich in mehreren Sprachen herausgegeben werden. Nur durch solche Jnternationalität läßt sich erklären, daß diese Bände 500 Seiten stark, mit sechs- bis achthundert Abbildungen und vier Farbtafeln ausgerüstet, für 6 M. zu haben sind. Allerdings diese Abbildungen sind oft nicht viel größer als Briefmarken. Das zwingt zu vielen Bedenken, weniger bei Werken der Architektur als bei Plastiken und besonders bei Bildern. Gemälde werden bei derartigen Verkleinerungenfast regelmäßig um ihr Leben gebracht und wirken kaum noch als Notizen. jMehr alS solche Notizen wollen diese Miniatnrreproduktionen natürlich nicht sein.) Zu den jüngst erschienenen Bänden dieser kunstgeschichtlichen Hand« und Reisedücher gehört die„Geschichte der Kunst' in Frankreich" von Louis Hourticq, dem Inspektor der schönen Künste der Stadt Paris, mit akademischer Redlichkeit ge« schrieben. Wesentlich geistreicher schrieb Corrado Ricci über die„Kunst in Norditalien". Seine gewandte, überaus ge- schliffene Sprache läßt uns mühelos einen angstvollen Reichtum an Zkamen und Daten überwinden. Ricci ist ein Gelehrter von weltmännischer Bildung. * Wesentlich leichter als die bisher genannte Literatur ist die Fülle desten, was tagaus tagein über Kunst und Künstler geschrieben wird. Ain nettesten sind immer noch die Ikonographien. Deren eine schrieb abermals Wilhelm Hansen st ein: Rokoko tPiper u. Co., München). Gewandt und von der Temperatur jenes Zeilalters der meditierenden Erotik durchtränkt, analisiert Hausenstein die Graphiker von Watteau und Boucher bis zu den Deutschen Knobelsdorff und Chodowiecki. Es wird nicht gegeizt mit pikanten Anekdoten, die neben den geschmackvoll ausgesuchten Illustrationen dazu helfen, eine Impression von der nervösen Sinnlichkeit und der großherrlichen Acsthetik der letzten Aristokraten, von der köstlichen Frivolität der Franzosen und der sentiinentalen Tändelei der nach» revolutionären Schweizer und Deutschen zu wecken. Mitunter freilich treibt Hausenstein seinen Ssil ein wenig gar z» sehr zu sog. Bonmots. Guten Instinkt hingegen zeigen Deutungen wie die, die der wieder- erwachten Gironde, jener heimlichen Renaiffance des Rokoko, und deren künstlerischen Bedürfniffen in Fragonards Bildern zu den Fabeln deS Lafontaine ein politisches Symbol gegebest sehen.— Von anderen Monographien seien einige mehr geographisch geordnete genannt. Vor allein die sehr lustige Serie, die unter dem Titel: „Die schöne deutsche Stadt", die bei Piper u. Co., München, erschienen ist. Das einzelne Bändchen kostet 1,80 M. und bringt eine stattliche Reihe gut reproduzierter Photographien. Dazu einen in- slruktiven und mit Gefühl für das Wesentliche geschriebenen Text. Mehr als Bilderbuch ist die Sammlung„Der Brunnen im Volksleben" zu belirteile». Der Text ist gedankenarm und konfus; wir treffen aber beim Durchblättern sehr geschickte Auf- nahmen von. alten, melancholischen Dorfbnrschen, von kostbareren Steinarchitekturen, von jene» poetischen Winkeln, in denen die Dichter auf die Sprache des murmelnden Wassers lauschten. Robert Breuer. ScKacb. Unter Leitung von S. Alapin. M. Marble. ab ode fgh '/r/////, 7S/4///. ISSaSK- M 2+ sps— gSi l) Schachnachrichten. Das Meisterturnier in New Jork soll am 30. November beginnen. Unter den sicheren Teilnehmern werden Spielmaiin, Teichmann. Duras, Maroczy, Niemzowitsch, I a n o w s k i, Burn, Capablanca und Marshall genailiit. Rubinsrein und Dr. T a r r a s ch nach Angabe des letzteren noch zweifelhaft. Am Mittwoch, den 20. November 1S12(Bußtag) von 2 Uhr nachmittags an wird von» Berliner Arbeiter-Schachklub in den Königssälen, Neue Königstr. 20, Eingang Wadzelstratze, ein öffentlicher Massen-Wettkampf veranstaltet, nach dessen Beendigung S. Alapin einen Schachvortrag am Demonstrationsbrett hallen wird (Eintritt 30 Pf.). Die Mitglieder deS Allgemeinen Arbeiter-Schachvundes zahlen zwar einen Jahresbeitrag(1,50 M.). der dreimal so hoch ist als im bürgerlichen«chachbunde, erhalten aber dafür statutengemäß eine monatliche Schachzeitung, die zugleich Organ für Mitteilungen des Bundes ist. Mit dem größten Aufwand an Geld, Mühe und Zeit ist es dem Bundesvorstand bisher gelungen, durch die Herausgabe der„Arbeiter-Schachzeitung"(nicht zu verwechseln mit der„Deuttchen Arbeiter-Schachzeilung") dem Statut rechtzeitig und pflichtgctreu nachzukommen. Jedoch war es bisher nicht ganz sicher, ob die Aus- dauer und besonder? die Geldmittel des Bundesvorstandes auch für künstig ausreichen würden. Diese beständige Unsicherheit war auch für den erwünschten Anschluß weiterer Rrbeiterkreise bis zu einem ge- wissen Grade hinderlich. Wir sind jetzt in der glücklichen Lage, hier ankündigen zu können, daß zurzeit ein positives Arrangement getroffen werden kann, das das Erscheinen der„Arbeiler-Schach- zeitung" vom 1. Januar 19 l3 ab unter folgenden drei wichtigen Grundbedingungen vollauf sichert. 1. Das Bestimmungsrecht über Inhalt, Tendenzen(I) und Administration der Zeitung liegt v o l l st ä n d i g in den Händen des Bundesvorstandes. 2. Der Eckachtechnische Teil wird von einer bewährten fach- männischen Kraft vollauf(nicht nur teilweise wie bisher) in Original« Beiträgen geliefert.(Also lein Nachdruck aus anderen Schachzeitungen, wie teilweise bisher.) Und, was vielleicht das wichtigste ist, 3. Der Kostenpunkt des ganzen Arrangements ist so geordnet, daß mindestens ein Drittel der Jahresbeiträge der Mitglieder in der Bnndeskaffe zu allgemeinen Zwecken des Bundes(also nicht für die Schachzeitung) frei verkügbar sein wird.— Italienisch. Aus einem Klubturnier in Köln. W. Mühlock. B. Kostitsch. 1. v2— es e7— e5 2. Sgl— f3 Sb8-e6 3. Lfl— et Sc6— d4? Richtig ist hc5 oder SfG. Wegen der feblerbaften Antwort des Gegners gewinnt jedoch Schwarz in dieser Partie. 4. Sk3Xe5??..... Am Platze war 0—0 oder c2— c3. 4...... Dd8— g5 5. So5Xk7..... Verhältnismäßig bester 5. hyilf nebst 0—0 und LXgS gefolgt von c2— c3. 5...... Dg5Xg2 6. Thl— fl 7 Dg2Xe4t 7. Lc4— e2? Sdl-llff- Berantw. Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln.— Druck u. Verlag: vorwärtsVuchdruckcret u.Perlag«anjmlt Paul StngerchCo..BerIin SVV.