Ar. Abomlkinents-Krdingungen: «bonnemenIS-Pre!» pränumerando: vterleljährl. 3,30 Ml,, monall. l.IOMl,, wöchentlich 28 P?g. frei tnS Hau«. «inzelne Nummer S Psg. Sonntag«» S! ummer mit itluNrlerier Sonntag«» v-ilage„Die Neue Weif lo Psg. Post- ölbonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«, Preisliste sür 1900 unter Dr. 7971. Unter«reuzban» für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland S Marl pro Monat, 17. Jahrg. Erscheluk täglich ansjer JBonlap« Devlinev Volksblskt. Die Inftrtions. Gebühr »cirägt für die s-chSgespaltene Äotonet« zeile oder deren Raum«0 Psg.. für politische und gewerlschastliche Vereinsund Versammlung«- Anzeigen 20 Psg. «Kleine Anzeigen" jede« Wort 5 Psg. . Inserat« sür die nächst« Nummer müssen dt« t Uhr nachmittag» inderSrpedltion abgegeben werden. Di- Sipcdition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi»SUhr vormittag» geästnet Fernsprecher: Am! l, Nr. 1209. Telegramm-Adresse: „SorialdentoKrai Berlin" Centrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8W. 19. Vcntlz-Strastr 2. Dienstag, den£0. Febrnar 1900. Expedition: SW. 19, Veuth-Strastv 3. Ans England. (Freude über die Entsetzung Ktinberleys.— Die sogenannte Militärresorm der Regierung.— Keine allgcntcitte Wehrpflicht.— Die Liberalen Anti- Imperialisten und ihre Wegner. Ei» Lösungsvorschlag.— Erfolgreiche socialdemotrattsche Versammlung gegen die KriegZpartci.) London, den 17. Februar. Die Entsetzung Kimberlehs durch General Frcnch und die strategischen Wabnahmen des FeldniarschallS Roberts haben den Winter deS Mißvergnügens der letzten Wochen in glorreichen Sommer verwandelt. Der Doppelsinn deS englischcit Worts für Entsetzung— relief— Erleichterung, Trost— wird von mehr als einem Blatt zu der Erklärung bcmttzt, nicht nur von Kimberley. sondern auch von ganz England habe FrenchS erfolgreiche Aktion den Alp genommen. Natürlich ist der genannte General der Held deS Tages, an Popularität nur noch überstrahlt von Lord Roberts— „Bobs", wie ihn der Volksinund nennt. Der greis« Fcldinarschall. der den einzigen Sohn in diesem Kriege hat fallen sehen, war auch schon vorher im Pltblikuin wie im Heer außerordentlich beliebt, im Moment aber wird er geradezu vergöttert. Die Masse— und nicht etwa nur die auf der Straße— hat einen wahren Aberglauben an das Kvunen von„Bobs". Und doch wird man. ohne im übrigen seine Leistung zu verklcinerit. zugeben müssen, daß sie nur erst möglich war. nachdem die Zahl der verfügbaren Truppen in Südafrika ans eine Höhe gebracht worden, die die des Boercn- Heeres weit über das Doppelte, wenn nicht das Dreifache übersteigt. Ja wie weit das erzielte Resultat den Feldzng einer Ent- scheidnng näher gebracht hat, muß abgewartet werden. Für die heimische Politik kam die Nachricht rechtzeitig genug, der Kritik, welche der Militärreformplau der Regierung hervorgerufen hat, die Schärfe zu nehmen. Der Plan ist ein Stück Opportunismus schlechtester Art, das reine fortivursteln ohne bestimmtes Ziel. Das gegenwärtige Widerspruchs- volle System des HeeresaufbaitS wird iit allen seinen Teilen bei- behalten. Werbetrnppen auf der einen/ und Milizen samt Frei- willigen auf der andern Seite sollen nach wie vor die Wchrlraft des Landes bilden, die Erhöhung ihres Bestands nicht durch Jnanspruch- nähme der demokratischen Bürgerschaft, sondern durch Erhöhung der AnziehungSmittel für den Dienst gewährleistet werden. Mit andern Worten: Angebot und Nachfrage,' und nicht das für alle geltende Gesetz sollen für die Ausbildung zur Landesverteidigung angerufen werden. Es ist selbstverständlich, daß mit dieser Gegenüberstellung unr die Principlosigkeit der sogenannten Reform gekennzeichnet, und nicht etwa daS derzeitige Militärsystem der festländischen Großstaaten alS Ideal für England hingestellt werden soll. Thatsächlich hat sich die Nekrnticrung dlirch Angebot und Nach- frage als völlig unzulänglich erwiesen. Die Altziehungsmittel sür die reguläre stehende Armee sind, so weit sie die Bezahlung betreffen, knapp ausreichend, auf die schlechtest gestellte Schicht� der arbeitenden Klassen zu wirken, und würden auch hier noch oft versagen, wenn nicht gewisse seelische Faktoren(der Reiz des bunten Tuchs, des weniger eintönigen Lebens jc.) hinzukämen. ES müssen alle mög- lichen Anlockungen angewandt werden, um das reguläre Heer bloß in seiner jetzigen Stärke zu erhalten, und wenn die sich langsant, aber doch stetig vollziehende AufwärtSbewcgung derenglischenArbeiter anhält, wird die bloße Erhaltung deS gegenwärtigen HeereSbcstandes immer größere Summen in Anspruch nehmen. Und das ist teilweise un- vermeidlich, den» für den Dienst in den Kolonien wird niemand daran denken, das Werbesystem aufgeben zu wollen. Die große Masse der englischen Arbeiterschaft und auch der übrigen Bevölkerung wird nie in' ein System der Wehrpflicht willigen, das die Ver- pflichtung zum Dienst in den Kolonien einschließt. Es kann sich imnier nur um die Pflicht der Landesverteidigung, bezichungsiveise der Ausbildung dazu, handeln, und da bei Englands insularer Lage hier die Flotte in erster Reihe in Betracht kommt, ist um so mehr die Möglichkeit gegeben, diese Pflicht für den Dienst aus dem Lande in engen Grenzen zu halten und demokratisch zu organisieren, d. h. das Milizsysteni. die sogen. Freiwilligen- Ans- bildung eingeschloffen, zu verallgemeinern und in wirklich systematischer Weise aufzubauen. Das ist, von ivaffentechnischcn Fragen abgesehen. das zu lösende Problem der englischen Wehrrefornt, und dazu trägt das von der jetzigen Regierung vorgeschlagene AuSbilfSmittel gar nichts bei, durch Keine Vergünstigungen will man den Dienst bei den Milizen und den Freiwilligen lockender machen, und dafür sollen auf der andern Seite die Freiivilligen mehr ihrer Zeit für den Uebungs- dienst hergeben. Dazu sind aber heute die wenigsten im lstande. Vier Wochen aus der Stellung wegzubleiben, ist keine so einfache Sache, und wenn der jetzige patriotische Ueberschwang sich erschöpft hat, wie er nach aller Erfahrung sich erschöpfen muß, so wird jeder Unternehmer sich dagegen sträuben, eine nennenswerte Anzahl seiner Leute plötzlich auf Wochen fortziehen zu lassen, ohne ihre Plätze anderweitig zu besetzen. Nicht Vermehrung, sondern Verminderung der Freiwilligen ist die wahrscheinliche Folge des Vorschlags. Daß er nicht nach dem Herzen des Kriegsministers ist, steht außer Frage. Lord Lansdowne wollte den Milizdienft obligatorisch machen, mit Milderung durch das Los. Auch gerade keine ideale Maßregel, aber doch ein Schritt zur Demokratisierung, zu einer grundsätzlichen Reform. ES ist offenes Geheimnis, daß er mit seinem Borschlag am Widerspruch Lord SalisbnryS gescheitert ist. Der Premierminister will von keiner radikalen Aenderung wissen. Daher vorgestern im Hause der Lords der Zornausbrnch RoseberyS gegen ihn. Der Ex-Fiihrer der Liberalen, der sich sonst ge»n als Plauderer giebt, wurde ordentlich pathetisch. Dem„wir werden uns schon durchivursteln". Lord Salisbnry hielt er ein ultrapessimistisches Bild von Englands internationaler Position entgegen. Man solle sich doch nicht einbilden, die andern Mächte über den lvirklichen Stand von Englands Wehrkraft täuschen zu können, und solle sich doch über die Rivalitäten, niit denen England zu rechnen habe, nicht Selbst- tänschnngen hingeben. Die Existenz des britischen Weltreichs stehe auf deni Spiel,' und da müsse der Schlendrian des Flickaufsctzens ein Ende nehmen. Etwas weniger pessimistisch, aber doch in dcr Hatipt- fache im gleichen Sinn sprach Lord Kimberley, der offizielle Führer der Liberalen im HauS der Lords. Da kamen gestern früh die guten Nachrichten, und am Abend blies der Führer der Liberalen im Haus der Gemeinen. Campbell- Baunerniau. in SalisburyS Horn. ES sei kein Grimd vorhanden. einen alarniicrcuden Ton anzuschlagen. Die Anfordernngen an Englands Wehrkraft seien nur infolge von seiner Politik der Neu» eriverbungen gestiegen, eine Aenderung dieser aggressiv imperia- listischen Politik sei notwendig. dann würden auch die Wehrkräfte des Landes genügen. Die allgemeine Wehrpflicht der Festlands« staatcn sei verständlich, aber Wehrpflicht bei der Miliz mit Auslosung komme ihm vor wie eine Kombination der früheren Preßbandcn(die Leute gewaltsam zum Militärdienst einsingen) mit dem Roulettetisch. Die geforderte HcereSergänzung bewilligt er. Nach Annahme deS Debatteiischlusscs, gegen den sich die irischen Nationalisten vergeblich auflehnten, wurden die geforderten Zuschuß« krcdite(13 Millionen Pfund) mit 231 gegen 32 Stimmen bewilligt. Die!Rcde Bannermans spiegelt bis zu einem gewissen Grade den Einfluß einer Konferenz von Liberalen und Radi« k a l e n wieder, die am 14. d. M. in London stattfand und eine Reihe scharf oppositioneller Beschlüsse gegen die Regierung iiud die in der Südafrikafrage mit ihr gehenden Liberalen faßte. Wenngleich die Konferenz, an der zwölf Parlamentsmitglieder— darunter die Arbeitervertreter Burt und Maddison— teilnahmen, nur eine Minderheit der Partei vertritt, repräsentiert sie doch keine zu verachtende Minderheit und konnte daher vom Parteiführer, dem sie obendrein ein Vertrauensvotum ausstellte, nicht ignoriert werden. Sie verlangte Veröffentlichung der unterdrückten Dokumente über den Jameson-Ueberfall, eine bestimmte Erklärung der Regierung, welches Ziel sie bei dem gegenwärtigen Krieg im Auge habe. Rückkehr zu der von Cobden, Bright, Glad- stone sc. vertretenen Friedenspolitik, protestierte gegen die ständige Vermehrung derRüstungen und erklärte, daß sie einen Vorschlag, der auf allgemeine Dienstpflicht in irgend einer Form hinauslaufe, mit Unruhe und Entrüstung betrachten würde. Wie begreiflich, werden..es« Beschlüsse von den liberalen Zeitungen imperialistischer Couleur ziemlich bitter kommentiert. Am mildesten drückt sich noch daS radikale Abendblatt„Echo" aus. Die Proteste gegen die provozierende Politik der Regierung seien schon ganz recht,' meint es. aber„kann man glauben, der Sache des nationalen Fortschritts dadurch zu dienen, daß man«ine Liga bildet, die für den Ausdruck ihrerJPrincipicn auf ein Viertel« iahrhundert zurückgreift? Die Aufgabe deS Liberalismus besteht in der Anwendung der liberalen Principie» auf diejenigen Probleme der Reichspolitii. die just vor uns liegen, und nicht in der Aufnahme eines Rufs, der die Partei vor zwanzig Jahren zur Macht brachte. Heute obliegt es uns nicht, das Reich zu verleugnen, sondern von den Angelegenheiten deS Reichs Einflüsse und Methoden fernzu- halten, die dem, einem freiheitsliebenden Volke einzig möglichen Reiche Zerstörung drohen." In der Frage, auf die eS ankommt, sind die Beschlüffe der Konferenz teils unbestimmt, teils rein negativ. Und doch kommt alles darauf an, welche positiven Vorschläge zur Schlichtung des Südafrika-Handels gemacht werden können, die die Bürgschaft deS Friedens in sich tragen. Ein Parteigänger der Konferenz. Mr. Massighom, der bisherige Rcdacteur deS„Daily Chronicle", entwickelt heute im„Morning Lcader" ein Friedensprogramm, wie es nach seiner Ansicht die' Vereinigten Staatcn vorschlagen sollten. Er postuliert: 1. Zerstörung der Boerenfestungen. Aushändigung der Kanonen an eine neutrale'Macht. 2. Abzug der britischen Armee mit Ausnahme der Garnisonen von Durban und Kapstadt. 3. Internationale Garantie der Unabhängigkeit der Boeren- Republiken, vorbehaltlich der Kontrolle ihrer auswärtigen Politik. 4. Ein Gesetz, das den Ausländern nach fünf Jahren Auf- enthalt die Naturalisation zusicheit. 5. Einberufung einer Konferenz der in Mitleidenschaft ge- zogenen Staate» und Kolonie» Südafrikas, die ein Jahr nach Einstellung der Feindseligkeiten zusammentreten und darüber be- schließen zoll, ob und unter welchen Bedingungen diese Staate» einen unter dem Schutz der britischen Krone stehenden Bund gründen wollen, wobei jeder Staat seine jetzige Flagge zu be- halten habe. 6. Gegenseitige Entschädigung für die Zerstörung von Privat- eigentunt. Auf die Frage nach der Zweckmäßigkeit des Vorschlags trete icki nicht weiter ein. Doch scheint soviel klar, daß einige der Punkte auf ebenso heftigen Widerstand der Boercn stoße» würden wie andere auf den der derzeitigen Regierung Englands. ES ist anzunehmen, daß wenn daS Kriegsglück sich weiter den Engländern günstig zeigt, die Friedensbewegung hier an Kraft ae- Winnen wird. Dcnn bei einem großen Teil der Bevölkerung ist der Krieg nur alS ein Verteidigungskrieg gegen einen Angriff, als Ab- wehr gegen die Gefahr populär, die die zu Tage getretenen Rüstungen deS Transvaal für England bedeuteten. Gegen Unter- drücknng bezw. gewaltsame Annektion der TranSvaal-Republik aber find sehr viele, die bisher nichts von den Agitationen der Kriegs- bcendigungs- und VcrsöhnungskomitceS wissen wollten. In dicfem Znsammenhang sei noch erwähnt, daß vorigen Montag die Socialde m akratische Föderation im Londoner East- End eine große Protestversammlung mit H y n d m a n als Referenten abhielt, die trotz eincS von den Gegnern veranstalteten Spreng- Versuchs durchaus erfolgreich verlief. Die Störer konnte n sich nur außerhalb deS Lokals bemerkbar machen. politische Mebevfichk. Berlin, den 19. Februar. Zur Stärkung der agrarischen Macht hat Herr Rheinbaben eine Abänderung der Kreisordnung vorgenommen. Nach dem bisherigen Gesetz besteht der Wahlverband der größeren ländlichen Grundbesitzer aus allen denjenigen Grund- besitzen! mit Einschluß der juristischen Personen, Aktien- gesellschasten und Kommanditgesellschaften auf Aktien, die von ihrem auf dem platten Lande belegenen Grundeigentum mindestens 225 M. an Grund- und Gewerbesteuer entrichten bezw. zu entrichten haben würden, wenn sie nach Maßgabe der Gesetze vom 21. Mai 1861 zur Grund- bezw. Gebäude- steuer veranlagt wären. In den vor Berlin gelegenen Kreisen Niederbarnim und Teltow sind nun die eigentlichen Agrarier infolge des Vororts-' Wesens ein wenig ins Hintertreffen gelangt. Darüber schreibt die„Verl. Korresp." bewegten Herzens: In den beiden genannten Kreisen haben nämlich infolge Anwachsens der Vororte Berlins zahlreiche Hausbesitzer die Wahlberechtigung und seit Jahren die überwiegende Stimmenmehrheit im Wahlverbande der größeren Grund- defitzer erlangt. Die Gutsbesitzer sind schon jetzt fast voll- ständig auS den Kreistage» verdrängt, und es ist bestimmt zu erwarten, daß nach den nächsten Ersatzwahlen zum Kreistage der Großgrundbesitz überhaupt nicht mehr in den beiden KreiS« tagen vertreten sein wird, obwohl von dem Areal des Kreises Niederbarnim 42 Proz., des KrcijcS Teltow 40,4 Proz. sich in feinen Händen befinden und auch das Kreisstcuersoll der Guts« bcsitzer und Gewerbetreibenden erheblich höher ist als daS der wahlberechtigten Hausbesitzer. Da einer großen Zahl von Hausbesitzern, die ihren Wohnsitz in Berlin haben, jede Be- ziehung zu dem Kreise fehlt, so ist zu befürchten, daß bei den ans ihrer Mitte gewählten KrciStags-Abgeordneten die Interessen der Landbevölkerung keme genügende Berücksichtigung finden und daß infolgedessen aus der Zusammen- sctzung der Kreistage ernste Gefahren für die gedeihliche Ver» waltung der Kreis-Koinnninalangelegenheitcn entstehen werden. Es ist' daher geboten, dem Großgrundbesitz gegenüber der Vor- Herrschast der Hausbesitzer in den Kreistagen der beiden genannten Kreise wieder zu einem seiner Bedeutung ent- zprcchenden Eiufluffe zu verhelfen. Andrerseits ersordert es die Billigkeit, daß den stadtähnlichcn großen Vororten im Hinblick aus ihren erheblichen Anteil an den KreiSlasten eine stärkere Vertretung als bisher auf den Kreistagen gewährt wird. Um diese doppelte Absicht zu erreichen. wird in einem dem Landtage vorgelegten Gesetzentwurf die Bestimmung getroffen, daß für einzelne Kreize nach Anhörung deS ProvinziallandtagS durch königliche Verordnung bestimmt werden kann, daß von dem nach§ 86 der Kreisordniing für die Wahlberechtigung im Wahl- verbände der größeren ländlichen Grundbesitzer maßgebendenMindest- beirage an Grund- und Gebäudesteuer wenigstens die Hälfte auf die G run d st eu e r entfallen mutz. Zugleich soll vorgeschrieben tverden können, daß Landgemeinden der betreffenden Kreise, die mit Ausschluß der aktiven Militärpcrsonen über 6000 Einwohner zählen, als Städte im Sinne der Kreisordnung über die Zusammen- setzung des Kreistages zu gelten haben. Nichts ist charakteristischer für unsre Gesetzgebung als dieser Entwurf. Die gesamte Arbeiterschaft ist und bleibt von der Vertretung ihrer Interessen im Staat und im Kreis aus- geschlossen. Sobald aber die Agrarier irgendwo durch die Gesetze geniert werden, flugs macht man ein Ausnahme- gesetz zu ihren Gunsten. Diese politische Liebesgabe für die Märkischen Agrarier zeigt zur Genüge, daß nian die Gesetze in Preußen lediglich auf das Interesse der Junker zu« schneidet.—_ Die Aufhebung des Versammlungsrechts in den sächsischen Bergbau-Revieren. in denen die Arbeiter sich im Ausstand befinden, dauert fort. Das Zwickauer Streikkomitee hatte, wie uns eine Privatdepesche aus Zwickau meldet, telegraphisch beint Ministerium des Innern gegen die Vcrsammlungsverbote Beschwerde erhoben. Jedoch wurde ihm bedeutet, daß es sich instanzcngemäß an die Kreis- hauptmannschaft Zwickau wenden solle. Eine persönliche Rück- spräche mit dem Krcishauptmann hat aber keine Abhilfe gebracht. Das Verbot der Montagsversammlungen ist nicht zurückgenommen worden. Auch für Abhaltung weiterer Verfamnilungen könne kein bindendes Versprechen ge- eben tverden; wenn, so erklärte die Kreishauptniannschaft, as Komitee dahin wirken wolle, daß die Werks-Arbeiter- ausschüffe mit den einzelnen Werken verhandeln, so soll be- Hufs weiterer Beschlußfassung über den Streik die Gestattung von Versammlungen ermöglicht werden. Dies ist natürlich eine völlig unberechtigte Be- d i n g u n g für die Wiederherstellung des Versammlungsrechts, zu dessen Aufhebung nicht die mindeste Notwendigkeit vorlag. Trotz dieser die weitesten Kreise der Arbeiter tief empörenden Vorenthaltung ihres Versammlungsrechts herrscht weiter mu st erHafte Ordnung im ganzen Streikrevier. Auch die Konfiskation von Flugblättern, deren Nichtberechtigung sich ebenfalls bald herausstellen wird. fchädigt den Streik nicht. Die Zahl der Streikenden ist trotz der Entlafsungsandrohung der Grubenverwaltungen im Zunehmen begriffen. Ueberall herrscht begeisterte Stimmung der Arbeiter. » �» Die vier socialdemokratischen Mitglieder der zweiten Kammer des Landtags haben am Montag folgende Jnter pellation in der Kammer eingebracht: Was gedenkt die Staatsrcgicrniig angesichts der durch den Kohlcnmangel und die durch den Bcrgarbeiterstreik im Zwickauer und Oelsnitz- Luganer Kohlenrevier hervorgerufenen schwierigen Situation im Lande zu thlm? Wie stellt sich die Regierung zum Bergarbeiterstreik und dem Verbot von Bergarbeiter-Vcrsammlungen sowie Verhängung der Polizeistunde im Bcrgrevier Zwickau-Land anläßlich deS Streiks? Die Interpellation soll am Donnerstag in der Kammer zur Verhandlung konimen.— Deutsches Fleich. Die Erleuchtnng von oben. Die„Welt am Montag" giebt zu, daß allerdings vor dem 18. Oktober 1806 niemand für die Ver« mehrung der Marine agitiert habe. Aber: „Die FloUenagitation konnte erst einsetzen, als ein klares und sestesRegierungsprogramm vorlag. Jeder andre» Agitation hätte man mit Recht den Bonvurf einer Agitation ins Blaue hinein gemacht." Tas nennt nwn einmal eine rechte Volksbewegung und eine energische Demokratie, die erst von oben erleuchtet werden muß, ehe sie fordert, was sie für bitter not hält. Freilich war am IS. Ottober auch»och kein festes Regi ernngsprogramm vorhanden, das hinderte aber das nntional-soeiale Häuflein nicht, sofort ins große Nebelhorn zn tuten. UebrigeuS, welche schaudererregende Gewissenlosigkeit haben diese Professoren doch bekundet! Sie wußten es, welche verheerenden Gefahren uns ohne die Flotte bedrohen. Die ganze Weltgeschichte hatte ihnen die Notlvendigkeit einer großen Schlachtflotte beiviese», sie hatten erkannt, daß lvir ohne sie verhungern und zn Grunde gehen müßten, iveim anders nicht Panzerschiffe uns schützten. Und dennoch bargen sie ihre furchtbare Erkenntnis Jahre. Jahrzehnte lang iii der Tiefe ihres Busens. Erst nachdem in Hamburg der Kaiser ihnen die Zunge gelöst, verrieten sie ihr Geheimnis, obwohl wir längst vor diesem Tage hätten vernichtet sein können. Es sind nur zwei Männer gewesen, die vorher die Notlvendigkeit einer starken Märine eingesehen und dafür agitiert haben: Herr Schweinburg und Herr v. Wenckstern. Wie hoch stehen diese über denen, die erst auf Erleuchtung warteten!— Professorale Münchhansemaden. In der Scherlschen„Woche", dem gefälligen Absteigequartier der Flottenprofessoren, veröffentlicht der Leipziger Geographie-Professor Friedrich Ratzel einen Artikel über die Großmächte der Zukunft, der wie folgt anhebt: Mit Recht wird für die Notwendigkeit der Verstärkung der deutschen Flotte der Schutz des deutschen Seehnndels geltend gemacht, den man ans 70 Proz. nnsres Außenhandels schätzt. AIS� wir noch nicht in der weltpolitischen Aera lebten, galt die �llberlässigkeit der' Behauptungen als die vornehmste Pflicht der Gelehrten. Jetzt ist das anders geworden. Der frivolste Offiziosns Ivürde nicht mit solcher Leichtfertigkeit Dinge behaupten, die der Wahrheit stracks widersprechen, wie diese Leuchten der Wissenschaft. Wenn der Profeffor Politiker wird, so ist sein Vorbild der selige Freiherr von Münchhausen. Woher stammen nun diese 70 Proz.? Ans der Tirpitzfchen Denkschrift, in der zunächst zivar erklärt lvird, eine genaue direkte Feststellung des deutschen Seehandels lasse sich zwar nicht stellen, dann aber, wie wir bereits nachgewiesen haben, mittels eines nn- glanblichen Kniff'S die Zahl 70 Proz. ausgerechnet wird. Sie teilt nämlich die Länder, nach denen wir Handel treiben, in vier Kategorien: 1. Außereuropäische Länder. 2. Europäische Länder mit überwiegendem oder ausschließlichem Seehandel. 3. Europäische Länder überwiegenden Seehandels. 4. Europäische Länder übenviegenden oder ausschließliehen Landhandels, lind dann rechnet sie die Nummern 1, 2 und 3 einfach ganz und gar dem Seehändel zn, und nur Nr. 4 bleibt übrig für den Landhaudel. Unter diese Staaten mit Landhandel iverden nur Oestreich, Frankreich. Belgien, Nieder- lande und Schlveiz gerechnet. Das ist eigentlich noch sehr zuvor- kommend. Da nun die Schlveiz ausschließlich Landhandel treibt, so könnte der famose Statistiker gut noch mehr für den Seehandel herausrechnen, da die Schweiz nur mit 6.7 Proz. an der Ausfuhr des Denttchen Reichs und mit 3.3 Proz. an der Einfuhr beteiligt ist. Sagen wir also lieber gleich, 96 Proz des Gesamthandels ist' See- Handel. Ganz so indirekt braucht man nun keineswegs den Seeverkehr abzuschätzen, wie es die hilflose Tirpitzsche Denkschrift thut. Wir können immerhin feststellen, daß von den 68100 000 Tonnen, die im Jahr 1897 der deutsche Außenhandel betrug. 31 607 000 Toinien durch die Eisenbahn befördert worden sind;'das sind 40,-t Proz., die auf dem Landwege gekommen oder gegangen sind. Also die 70 Proz. Seeverkehr sind unter allen Umständen viel zu hoch gegriffen, selbst wenn man annähme, von den mit der Eisenbahn ins und vom Ausland beförderten Waren könne noch ehr Teil streckenweise den Seeweg benutzt haben. Aber die ganze Art der Berechnung ist an sich unsinnig, wenn unter denr durch die Flotte zn schützenden Seehandel jedes Schiff einbegriffen ist, das Waren etiva von Danzig nach Revnl bringt. Der Seeverkehr, den die Flottenagilatoren höchstens geltend machen könnten, kann sieh füglich nur auf den Verkehr mit „lvilden" Ueberseeländern beziehen. Glaubt man, daß etwa England ein Interesse hat, sich selbst Einfuhr oder Ausfuhr zn blockieren, oder seine Kolonien oder die Vereinigten Staaten? Das ist ein so toller Gedanke, daß ihn selbst eine Tirpitzsche Denkschrift nicht zn äußern ivagen würde. England ist allein mit 18.3 Proz. an unsrer Ausfuhr, und mit 13,6 Proz. an nnsrer Einfuhr beteiligt. Alle unsre europäischen Länder zusammengenommen sind nur mit 28,2 Proz. an dem Gesamtlvert des deutschen Handels beteiligt. Lon diesen 28,2 Proz. gehen jedoch noch ab die Länder, mit denen unser Handel nicht geschützt werden braucht und auch gar nicht geschützt werden kann' Vereinigte Staaten mit 12.2 Proz. Britisch-Ostindien„ 2,9 Argentinien„ 1,7„ Brasilien„ 1.7„ Britisch-Ansträlien 1,4 19.9 Proz. Hierzu kommen noch einige andre englische Kolonien, so daß von den 70 Proz. der Herren Tir'pitz und Ratzel allerhöchstens 8 Proz. übrig bleiben. Zn schützen wäre mit unsrer Milliardenflotte z. B. unser teures Dentsch-Ostafrika. das an dem deutschen Außenhandel beteiligt ist mit der Riesensiimme von--- 0,0 Proz., und ähnliche interessante Gegenden mehr. Ein Mann, der wissenschaftlichen Kredit beansprucht, redet die nngeheuerlichen 70 Prozent unbesehen einer tendenziösen und plumpen Denkschrift nach. Wir zweifeln nicht, daß bei der nächsten Flotten- vorläge, die eine Vervierfachnng der Marine fordern dürfte, Herr Prof. Ratzel den Anteil des Seeverkehrs am deutschen Handel auf � sagen wir— 150 Prozent„schätzt".— Ter Flottensanlns des„Berk. Tageblatt" hatte die Unverschämt- heit gewagt, den Genossen Schippe! des umgelehrten Hahnschen Ver- fahrens zu' beschuldigen: er habe trotz seiner anscheinenden Flotten- g e g n'e r s ch a f t die Flotte von hinten herum v e r l e i d i g e n wollen. Da das„Berk. Tagebl." sich abermals damit begnügt, darauf hinzniveisen, daß Schippe!— unter Anführung eines Engels-Citats— darlegte, Ivarmn die B o n r g e o i s i e an derFlotte interessiert sei. ohne eie scharfen p r in e ip i ell e n Darlegungen gegen den Marinismus auch nur mit einem Worte wiederzugeben,' so bestätigen lvir gern, baß Sanlns hinsichtlich seiner Fälschungen und Verleumdungen eine Hartnäckigkeit beweist, deren konsequenter Energie man die An- erkeiiiinng nicht versagen kann. Weiin schließlich das„B. T." den Versuch macht, aus theoretischen Meinungen rschippels über die Miliz seine Freundschaft für die Flotteniiorlage zn schließen, so ist das zn dumm, als daß es sich verlohnte, auf diesen Rettnngstrick deS Ertappten einzugehe».— Der Flottenagitator Herr Korbach teilt' uns mit, daß er nicht„Hilfsarbeiter bei der Berliner Ärniendireltion" sei, sondern „angestellter und pensionsberechtigter Gemeindebeamter". Auch habe er bei der Einreichnng des Gesuchs mn Urlaub für Flottenagitation sei» Gehalt für Besoldung eines Vertreters zur Verfügung gestellt. Trotz alledem hat der Berliner Magistrat den Lieutenant a. D. »nd Gcmeiiidebemnten nicht in den Flottenkamps ziehen lasse, n Nach dem unglücklichen Auftreten des Herrn in einer Berliner Versainm- kling wollte offenbar der Magistrat der Flottensache einen so üblen Dienst nicht erweisen.— Coulissenverhaudluiigctt finden statt, um die lex Hsinzs durchzusetzen. An einer am Montag abgehaltenen Konfereilz zu diesen! Zwecke nahmen teil zur Vertretung des Regierungsstandpunkts Staatssekretär Nieberding. aus dem Reichstage für die Ltoiiservativen Dr. Oertel. für die Deutsche Reichspartei Dr. Stockmann, für die Nationalliberalen Dr. Esch, für dck? Centrum Rören. Eine Schul-Jllterpellation. Die Nationalliberalen lind Frei- konservativen habe» im Abgeordnetenhalise eine Interpellation eingebracht:„Welche Maßregeln gedenkt die Staatsregierung zur Be- seitigimg der immer schwerer empfundenen Mißstände und Ungerech- tigkeiten in Bezug auf die Unterhaltung der Volksschulen'zu ergreifen?" Man-darf neugierig sein, was von den Herrn Jnter- pellnnten als Mißstand und Ungerechtigkeit ans dem Gebiet des Schulwesens betrachtet lvird. Bekanntlich habe» die beiden iuter- pellierenden Parteien sich stets gegen eine wirkliche Reform des Volks- schnliveseits gesträubt. VcvkehrSsörderuug in— Afrika. Die Konservativen lehnen den Rhein-(Kbe- Kanal ab. um ungefähr die gleiche Summe für Eiseilbahiibanteii in Afrika zn bewilligen. Mit Reckt hebt die „Weserzeitmig" gleich miS den Hohn dieser Haltung unsrer Agrarier hervor.— „Zielbewußte" Wiffenschaft. Wir haben schon envähiit, daß in Jena ein Preis- ausschreiben erlassen worden ist über das Thema: „WaS lerlien wir aus den Priileipien der Descendenztheorie in Beziehung auf die iimerpolitische Entwicklung und Gesetzgebimg der Staaten Ein Ungenannter hat fiir iste zu verteilende!! Preise die Summe von 30 000 M. ausgesetzt. Das iväre an sich ein rühmliches Unternehmen. Wenn nur nicht die„Klimternngen" zn dem Preisausschreiben, die wir den „Socialistischen Moliatshefteii" entnahmen, zeigten, daß es sich um nichts weniger als um enieu w i s s e u s ck a f t I i ch e u B e st e ch u ngs- versuch handelt! In diesen„Erlänterungen" heißt es z. B.: „Im Volke als Ganzem koiMen sick Aenderungen der An- schanmigen und Sitten»nr langsam vollziehen, denn die über- lieferten Auschaniingeu sind'der jeiveiligen Geiieratioii fest eingeprägt...... Die jeweilige Gesetzgebimg des Volks ist das Produkt der Tradition althergebrachter Normen und der Anpassmig an die momentanen Daseiiisbedinglmgei! und die daraus entstandenen Anschauungen.... Da die Grundbedingung einer gesiiiiden und rationellen Weiterentwicklmig in der gründlichen Kenntnis und gewissenhafte» Befolgung überlieferter Gesetze und Institutionen zn suchen ist, so kann auch von einer ferueren rationellen Entlvicklung der Institutionen auf Gnuid der Anpassung nur dann die Rede sein, ivemi der Geist der bestehenden Jnstitutione!i soznsageli in Fleisch nnd Blut des Volks übergegangen ist. So- iveit dies nicht der Fall ist, kann eine versuchte' Weiterbildung der Gesetzgebung nur illusorischen Wer: haben seinen scheinbaren Fortschritt bedeuten). Eine laugsame stetige Entwirklnug der Geselle und Jnstitutirnen, welche mit der Aufnahme- fähigkeit deS Volkes Schritt hält. trägt demnach ani meisten zum gesunden Fortschritt des Volks bei...... Am Schluß wären die Tendenzen der politischen Richtungen in Deutschland zu beleuchten svon den Umsturzbeweguugen' einer- seits bis zur Stagnation und dein Rückschritt andrerseits)." Das heißt mit andern Worten: die elendeste Richtung unsrer Politik, der Nationalliberalisinns soll für 30 000 Mark als— Naturnotwendigkeit bewiesen werden. Diese Wissenschaf! mit voränsbestinimtcin Ergebnis steht ganz ans der Höhe unsres KathedermariniSinns.— Niedergang der Finanzen. Ter„Kölnischen Vokkszeiiimg" wird geschrieben:... Während die Börsenjobber aus der Einbringung der Flottenvorlage und ans dem Ergebnis der ersten Lesung derselben im deiltsckel: Reichstag glaubten die Berecktignng ableiten zu dürfen. die ohnehin schon so sehr hoch im Preise stehenden Ei s e n a k t i e u noch weiter z n treiben, da die Vergrößerung der deutschen Flotte den deutschen Eisenwerken aus Jahre hinaus lohnende Be- schäftiglliig sichere, sind die deutschen S t a a t S p a p i e r e, ins- besondere Deutsche Reichsaiileihe und Preußische Konsols, in den letzten Togen erheblich im Preise zurückgegangen, iveil die Börse annimmt, daß zur Deckung der Kosten der Vergrößerung der Flotte ungeheuere Beträge Deutscher Reichsauleihe ivurden begeben werden müssen, welche auf den Wertstand der ohnehin in den letzten Jahren so sehr vernachlässigten Papiere dieser Arr einen recht empfindlichen Druck würden ausüben müssen. Diese sehr unwillkommene Wirkung der Flottenvorlage, ehe sie auch nur angenommen ist. dürfte für die kühl envägenden Parteien des Reichstags ein Grund mehr sein, die Deckung der Kosten an keinen Fall durch die Begebung neuer Anleihen zu besorgen. Durch eine solche würde der deutsche Staatskredit, besonders im Auslände, iveseiitlick beeinträchtigt, mid viele solide Geldlente und Sparer würden benachteiligt und den deutschen Anlagepapieren noch abgeneigter gemacht werden, als sie es ohnehin schon sind. Man versteht unter solchen Umständen sehr gut. ivarum die preußische Finanzverivaltung ans dem Hinterhalt lalle Wasserstrahlen gegen die überhitzte Weltpo'lttik richtet.— Tie Kommunalwahl- Verschlechierung. Scharf äußert sich die katholische„Köln. Volksztg." über den Entwurf Rhei.n- b a b e n: „Wir glauben nicht, daß das Centruin ein Interesse an dem Znstandckommei! dieses Gesetzes haben kann. Was speciell die rheinische Eentrumspartei anlangt, so muß sie die Vor- läge als eine gesetzgeberische Vergewallignng empfinden. Dieser Entwurf ist den rheinischen Nationalliveralen geradezu ans den Leib geschnitten. Wenn Herr v. Rheinbaben zum Kom- inissariuS für die Wahrimg der Wahlinterejsen der rheinischen Nationalliberalen bestellt worden wäre, so hätte er seine«acke kaum besser machen könne». Die.Begründung liest sich ivie ein Leitartikel der„Kölnischen Zeitung". Bon den drei Entwürfe», die bisher dem- Landtag qemackt worden sind, ist dieser iv e i t a n s der schlechtes! e. Es kann für die iimerpolitische Lage in Preußen nichts Chäralteristischeres geben, als daß man mit einer solchen Arbeit hervortritt."—' Ans Thüringen, 17. Februar. Der Landrat in Arnstadt hat die Rezitation von Gerhart Hauptmanns.„Vor S o u n e n a u s g a n g" durch den Schauspieler Wälkotte ans Slnttgart verboten,' iveil eS diesen! weniger um ein künstlerisches Interesse, als darum zn thun sei. der s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n Propaganda zn dienen. Da ein höheres Interesse der Kunst verneint werde, sei für den Vor- trag die Beibringung eines W a n d e r g e w e r b e j ch e i n s not- wendig. Und da ein solcher nicht vorgelegt worden sei, iverde der Vortrag verboten. Aus gleichen Gründen ist vor zwei Jahren die Rezitation der„Weber" verboten und das Verbot in der Beschwerde- Instanz von dem Ministerium in Soudershausen bestätigt ivorden.— Tie Sicherstellnng der Bauforderungen bildet ein Problem. an dessen Lösung die Gesetzgebung iin Reiche und in Preußen seit Fahren arbeitet, ohne von der Stelle zu kommen. Schon vor länger als drei Jahren sind Gesetzentlviirfe. betreffend die Sicherung der Banfordermigei! und ein besonderes Ansführungsgesetz für Preußen veröffentlicht worden. Infolge der Veröffent- lichmig dieser Entwürfe hat sich eine allgemeine Kritik dieser gesetz- geberischen Pkäne geltend gemacht. Insbesondere bezogen sich die kritischen Bedenken auf die in dem Entwürfe hervorgetretenen Mängel der Sicherstellimg der Forderung von Lieferanten nnd von Bau- fordermigen Dritter, die nicht mit dein Eigentiimer oder für dessen Rechnimg eine Vergütung vereinbart hatten. Diese Bedenken sind nim von der mit der Ansarbeitmig jener ursprüng- lichen Gesetzentwürfe betrauten Ministerial- Komülijsion geprüft worden, und die betreffende Kommission soll gegenwärtig, nach einer osfiziöse» Mitteilung, in Beratung darüber eingetreten sein, ob und inwieweit neue, ä»f die Sicherstellmig jener Baufordc- rnngen bezügliche Vorschläge dem preußischen Staatsministerium unterbreitet iverden könnten. Wenn der Schneckengang dieser Kom- Mission unverändert wie bisher bleibt, dann dürfte noch mindestens ein Jahrzehnt bis zur Lösung der Aufgabe vergehen.— Von den Sicherheitszuständen in China. Die gefahr- drohende Loge in Shunt n n g hat. � wie wir meldeten, den Gouverneur für K i a u t s ch o u, das in der Provinz Shantung liegt, veranlaßt, einen Teil der deutschen Schutztruppe zu entsenden. � Tie neueste hier ans Shanghai eingegangene Nummer des„Ostas. Lloyd" vom 12. Januar laßt sich' über die Lage in Shantung wie folgt auS: Aus dem Inner» der Provinz kommen neuerdings wieder Nachrichten von neuen Unruhen. Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, daß es vor ollem die„Gesellschaft vom Großen Messer" und andre Banden sind, die das Land brennend und mordend durchziehen. Sie haben in den letzten Monaten fast aus- schließlich chinesische C h r i st e n nnd deren Freunde überfallen. Es ist daraus versckiedentlich der Schluß gezogen worden, daß die fremdeiifeindlichen Elemente im chinesischen Volke nach den Er- rahrunge», die sie nach der Ermordung der deutschen Missionare Rieß und Heule gemacht haben, ihre Politik insofern geändert haben, als sie sich nicht mehr zu Gewaltthateir gegen die Ausländer selbst hinreißen lassen, sondern sich ausschließlick gegen deren chinesische Anhänger und Freunde wenden, um indirekt jene dazu zu bringen, von einer weiteren Thätigkeit in der Provinz Shantung abzusehen. Ausland. Die ehrlichen Leute. Wir berichteten kürzlich von den tunmltuarischen Seenen, die sich in der belgischen D epu tiertenk.a innrer ereigneten, in deren Verlauf Demblon. der socialistische Deputierte mit einem tlerikalen Abgeordneten ins Handgenienge geriet.■ In jener Sitzung wurde über die Etneuetnng'des Pribilegs der sogenannten„Nationalbant" verhandelt. Diese Bank ist ein vom Staat privilegiertes, aber von Privaten geführtes llnteruehinen. DieSocialisten traten schon immer ein für die Aufhebniig des Privilegs und Umwandlung dieses Instituts in eine Staatsbank;' die konserv'a.tiv-klerikale Mehrheit des Parlaments widersetzt sich dem. Drei Jahre hätte die Er- neiierullg des Privilegs noch Zeit gehabt, die Klerikalen haben aber große Eile, iveil sie fürchten, bei den Wahlen im Mai eiiie arge Schlappe. zü erleiden,«ie wollen deshalb schleningst die Konzession der Bank nochmals auf eine Reihe von Jahren durchsetzen, und brachten einen deineiitsprechendeil Antrag ein. Die Verhandliingen wurden in äußerst gereiztem Ton geführt; von soeialistischer Seite griff namentlich Demblon ein.• Wie sehr recht Demblon hatte, als er den Klerikalen zu- rief, daß sie die Interessen der Großfinanz vertreten, geht aus einer Beröffentli chuiig des„Penple" hervor. Dorr lvird nachgewiesen, daß schon seit 1830 die Herren Gesetzgeber der Mehrheitsparteien an deE Institut interessiert waren. So sind die Herren Tesch mit H i r in e z, die beide als Referenten über den Gesetzentivurf be> treffend das Bankprivileg austraten, als„Generalgouvernenre" der Bant qestorbeii; sie bezogen als solche ein Einkommen von 40 000 bezw 70 000 Fr. Weiter werden zwei ehemalige Minister, zwei frühere Deputierte nnd einige Senatoren als oberste Beamte der Bank, die bis zu 40 000 Fr. vereinnahmten, aufgeführt..Aber auch gegenwärtige Minister und Deputierte entpuppen sich- als direkte Jiiter- essenten, sei es, daß ihre Brüder hochdotierte Aemter innehaben, sei es, daß sie selbst als Anfsichtsräte, Controlenre:c. bei dem Institut oder dessen Filialen„thätig" sind. So erklärt sich dann das ivarme Eintreten der klerikalen Mehr- heit für die Bank ans recht einfache Weise. Italien. Rom, 19. Februar. Deputirtensimiiner. Auf eine Anfrage deS Grafen Pults, welche Haltung die Regierung gegenüber der fort- während wachsenden Thätrgleit der klerikalen autiunitarischen Partei einzmiehinen gedenke. erklärt Justiz- und Kultusminister Bonasi. er gebe zu, daß die Angelegeuheit einige Bedeutung habe. Die Regierung wende der' klerikalen Partei und speziell denjenigen Geistlichen, ivelche vom Sttaate Gehalt beziehen, dauernd ihre Aufmerksamkeit zu, sie mache einen Ilnter- schied zwischen Katholiken und-Klerikalen, Ivelche letzteren eine politische Partei darstellten. Er glaube nicht, daß Sondergesetze notwendig seien, da die bestehenden Gesetze genügten. Diese würden im Notsall mit Nachdruck und in unparteiischer Weise angewendet werden. Der Minister erklärt iveiter, er werde niemals einen Vergleich eingehen, welcher das Ansehen des Staats schädigen könnte, ebensowenig könne er sich aber damit einverstanden erklären, daß man sich ohne zwiiigenden Grund bitter bekämpfe. Bon der verbotenen Giordano Bruno- Feier. Offiziös lvird in Rom erklärt: Das Verbot der Kmidgebunge» zur Ehrung Giordano Brunos bedeute keineswegs ei» Zugeständnis an den Klerikalisn, us. Die Feier des Jubeljahres gehört zu den normalen Aenßeriiiigen des katholischen Kultus, müsse qlso vor Störungen ge- -ckütz: iverden, die durch antiklerikale Kundgebungen leicht herbei- geführt werden könnten. T)ie italienische Regierung ivürde ebenso einschreiten, wenn die Klerikalen eine patriotische oder liberale Eriniieningsseier zu stören unternähmen. Diese Verteidigung der reaktionären Maßregel verrät sehr zarte, aber sehr radikal gestimmte Empsiiidmigen der italienischen Re- gierung. In der Abhaltung dieser EriinierungSfeier für den durch die Klerisei verbrannten Forscher sieht sie eine.Störung deS katholischen Kultus.— Ilm ein Jnstizvcrbrcchen handelte■ es sich in einem Prozeß gegen sechs S o c i a l i st e n u n d R e p wb l i k a n e r, der dieser Tage vor dem Mailänder Schwurgericht zur Verhandlung kam. Die Angeklagten waren nach der famosen Mailänder„Mai-Revolution" ins Ausland geflohen, weil sie erfahren■ hatten,' daß sie verhaftet werden sollten, obwohl sie sich- frei von Schuld fühlten. Sie wurden dann von den Kriegsgerichten im Koiituinazverfahren zn Zuchthaus verurteilt;- die Strafen waren- durchweg von imerhörter Härte— die geringste Strafe war 12 Jahre Zucht- haus..Nach der Amnestie stellten sich die Bernrteilten freiwillig, und der Prozeß mußte, nach italienischenl Recht, von neuem stattfinden. Die Belasiimgszengen waren ausschließlich Polizisten und Polizei- 'pitzel. Die Angeklagten wiesen energisch die» gegen sie er- hobenen Beschiildigimgen zurück und bewiesen, daß sie weder direkt noch indirekt an den Rnhestörungen teilgenommen haben. Als einziges Belastungsmaterial legten die Vertreter der heiligen Hermandad von den Angeklagten verfaßte Zeitungs- artikel vor. die angeblich umftürzlerischer Natur sein sollten. Aber 'elbst der Staatsanwalt, der doch gewiß einen fein ausgebildeten Spürsinn hat, konnte in diesen Artikeln nichts-Ilmstiirzlerisches entdecken nnd ließ die Anklage, die auf töneruen Füßen ruhte, fallen, worauf die Geschworenen ein freisprechendes Verdikt fällten. Das schwere„Verbrechen", das das Kriegsgericht mit zwölf Jahren Zuchthaus ahnden zu müssen glaubte, ist alsb in den Augen des bürgerlichen Gerichts überhaupt kein Verbrechen! Die Wege der Justiz sind oft wunderbar.— Frankreich. Bor dem Pariser Staatsgerichtshof begann am Montag die Verhandlung gegen Marcel Hadert. Es herrschte nur geringer Andrang. Nur diejenigen Senatoren, welche an dem ersten Prozeß teilgenommen hatten, sind zugegen, als der Angeklagte herein- geführt wird.— Die Gruppe der Radikal- Socialistcu hat beschlossen. ein«. Delegation zum Ministerpräsidenten Waldeck-Ronsseau zu entsenden, um bei diesem gegen die ungenügenden Maßregeln zur Ver- t e i d i g u n g der Republik gegenüber dem Klerus Einspruch zu erheben.— Zur Spionage- Zlffaire. Der Disciplinarrat des Marine» Miiiistcrimns forderte den Beainteii des Marine- Ministeriums. Philipp, dessen Machenschaften der„Jntraiisigemit" enthüllt hat. auf. innerhalb einer bestimmten Frist zu seiner Rechtfertigung zu er- scheinen. Eine Note der englischen Botschaft stellt in aller Form in Ab- rede. daß irgendwelche Beziehungen zwischen der Boffchast und einem Beamten des französischen Marine- Ministeriums bestanden hätten.— England. � London, 19. Fehn�n. Unterhaus. Der Staatssekretär für Indien Lord Hainilton erklärt, das; von verschiedenen Seiten Nachrichten eingextangen feie», djc auf eine Pcrtnchrnug der Zahl der rusfischen TnipHen in Ccntkal-Asicn hindeuten. Die Beziehungen der indischen Negierung■ zuin Emir von Afghanistan seien solche, ivclchc den Bcstiinmnngen der Älmiachnng Englands mit Afghanistan entsprechen, und hätten keine Veränderung erfahren. Ntchland. 3ur Russisizicruug Finnlguds ivird der..Vossischen Zeitung" Unterm 14. Februar aus Heifiugfors geschrieben: Den Finnländern ist abcrrnals vom Throne aus gedroht morden, indem der Kaiser an den Gcucralgouverncnr Bodrikow ein Schreiben gerichtet hat, lvorin er diesem unter Berufung auf dieAin der' finnischen Be- völkcrung herrschende und bei Eröffnung des gegemvärtigen Land- tags in den Reden dcr.Sprcchcr zum Ausdruck gekommene Stimmung entschiedenes Aiif treten cmpsiehlt. Da Bobrikoiv schon jetzt in Finnland, mit. einer bisher nicht gekannten Strenge mncS Amtes maltet, haben die Finnländcr allen Grund, in Zukunft das schlimmste von ihrem Geücrälgouvcrnetir zu erwarten, und die bestehenden Gesetze Finnlands werden künftig kein Hindernis für dessen Dtatzregcln bilden. Das. vom Kaiser geforderte entschiedene Auftreten ist bereits' zu spüren. � denn obgleich die C e n s u r in Finnland einige 29 Blätter verboten hat und aus Hunderten von Zeitmigsunnunern. bcnnftandcke Artikel und Notizen ent- fernen ließ, ist' die Crusnr doch noch dein General- gouvcrncur viel zu milde, und sie wurde daher von thm aufgefordert, besser" aufzupasscn. damit nicht Artikel durchgehe», die dem Lande schädlich seien.. Als.im vorige» Jahr um diese Zeit das kaiserliche Manijcst erschien, das dem stnuijchcn Landtag die Gesetzgebung. so>veit sie Angelegenheiten von„Reichs- intercsse" betrifft, abnimmt, ihm hierüber nur eine Mcinungs- äugcrnng zugesteht und im übrigen bloh Gesetzentwürfe von rem lokaler Bedeutung beläßt, beschwor dies in Finnland rme»� Sturm des llnwillens herauf. Infolge dessen drückte der Kaiser seine„tiefe Erregung darüber"aus, daß die Finnländcr glauben konnten, er wolle sein betreffs der Er- bällivig der filmischen' Rechte und Gesetze gegebenes Wort brechen. Trotzdem, ist aber nichts geschehen, was die Finnländer beruhigen könnte. im Gegcnlcil soll jetzt der Gencralgouverltcur „energisch auftreten".— Petersburg» 19. Februar. Wie die„Nowoje Wrcnija" aus muadiwostock meldet, hat die Vcrwaltnug der chinesischen Sftbahn eine regelmäßige D a m p f c r v e r b i n d n u g zivijchen W l a d i w v ft o ck und Port Arthur eingerichtet.— Eine Zuschrift sendet»iiS Dr. Eourad Schmidt: Der Ton. in welchem der Leitartikel„Prosessorale Schnell- manscr"(Freitag, den lt>. Februar) über de» Breslaucr Professor. Sombart herzieht. Ivird den Teil der..Vorwärts"-Lescr. dcr SombartS Vorträge„SociakiSmuS und sociale Bcwcgimg im 19. Jnbrhmidcrt" mi« eigner Lektüre kennt, nicht wenig vcrivnntert haben. Die kleine Schrift war in der theoretisch vertiefenden»»d plastisch darslcllendcii Art. in der' sie das Verhältnis von Arbeiter- bcweginig und MarxiSi.ms entwickelt, das Wesentliche und das H.istoiisch-Ziifällige innerhalb des MarrisinnS zu icheiden suchte, eine ''iißerst intcressante und fmchtbnre Arbeit. Dabei von erfrischender Ehrlichkeit, oficn und tkar in ihrer Syinpathie für den Klassenkampf des modernen Proletariats,'ein ivcit in bürgerliche Kreise hinein wirkendes Werk der Niifklärmig. das von der Partei mit Freude und Geiingthiiima begrüßt werden koimte. Was soll cS iniil hcißrn.' wenn dieser lvkaiin bloß darnm. weil er für den— mit vollstem.Recht von uns bckämpftcii— Flottenplnn eingetreten ist, als jammervollste Wetterfahne in unsrcr Presse abgekanzelt wird, wemi niim sciiiein Verhallen mm ans einuial die klciiilichsteu Motive. mutdrschicbl?! Demi von irgend welchem diese Vorivmfe bcgriiubcBbqii Nachlvcis ist doch gar nicht die Rede! Daraus, daß der in dem Leitartikel ougciiagcltc PafiüS der ersten Auslage i» der»eutn. gestrichen ivordcu ist, daraus läßt sich denn doch beiui besten Willen ein jolchcr Strick nicht drohen! Ich verstehe nicht, ivic man ciucN Wjdetjpnich zwischen Sombarts Eintreteil für die Flotte(das auch ivir»atürlich bedaueru) und zenem nach Behauptmig des Kritikers jetzt arglistig und binieihaltig� unterdrückten. Passus hcrauskoiistriiiere» ivill'{ Wo lagt denn Sombart' in jenem Passus, daß„die Kiiltnrgcmciiischaft, der Verband tliltinell gleichstehender Staate». Westeuropa" ihm jetzt und um das jetzt handelt es sich doch wohl bei solchen Dinge», wie glvttenvorlagcu ii. f. w— als„eine Nation" gelte»? Er jagt es nicht und kaiiu es vernünftiger Weise nicht jagen. Der ganze Passus ist bloße Zukimflskonjektnr und ivird als solche— für jede» kenntlich— bereits durch de» cisioiiSatz deSEitates eingeleitet:„Selbst d a n u, w e>i n i u W e ft�e u r o p a e t iv a s i ch d i c u a t i o» a l e n Gegensätze s o iv c i t g e h o b e u denke» licficn» daß nur die socialen das Feld bcherrfchten, glaube ich. darf man doch niemals aniicbineli, daß diese ivesteuropäische Kultur unbehelligt ihren Gang ivcitcr nehmen ivird,. ohne daß andre Elemente sich eiiinuscheii werden." Daini werde aber später, zu dieser Perspektive wendet sich Sombart, der Augenblick lrnnnen, Ivo die nationalen Gegensätze Aestenropas vor dcn>:getiieinfaiuen Gegensny ivesteilropäischer Kultur gegen russiich-asialijche llnlilltnr zuianimciischwinden würden. fZch wüßte ivirklich nicht, worin d$e„timjjninciitiilc Wichtigkeit" dieser hier ausgcjprochcne» Vermutnng oder Uebcrzcuguiig bestehen sollte? Für die Beurteilung der EegeuivärtSpolitik. für die Stelluiigiiahme zu den gegebenen Prvvleinen, Flottenvorlagc usw. ist sie doch jedenfalls recht sehr bcdeiltimgSkös. Wenn Sombart' diese Stelle nun in der nellen Ausgabe fortläßt. so kann' das natürlich vaschiedeiic Gründe haben; vielleicht daß ihm jene Perspektive- gegenwärtig so unsicher und in so weite Zn- kiinft hinaus gerückt crfchcnit. daß ein Eingehen auf dieselbe sich nicht verlohne. Aber von allen, möglichen Erlläriiiigen erscheint mir der Leitartikel, daß'.Sombart sich durch jenen PafinS als Flotten- schwärmcr augenblicklich geniert gefühlt»nd ihn mm mit meuchel- mörderischer Heiuilichkeit, hinler dem Rücken der Leser, aus der Reihe der Lebendigen Hais wegtilgeii wolle», als die gekünsteltste und ab- snrdeste. Die Gewaltsamkeit, mit ivelchcr diese AilslegungSkniift verfährt, charakterisiert fich übtigicns schon zur Geniige dadurch, daß der Leitartikel von zivei Sätze», in denen Sombart seinen alten Standpunkt— nur ohne Ausmalung jener ZiikimstSpcrspektive— auch in der neuen Auslage markiert, schlankweg erklärt, sie feien ,. a n S V e r f e h e n nicht ge st r i ch e n"! Nicht genug also, daß Sombalt täuschen wollte, ihm soll nun auch noch die Klarheit des Kopfes, die zur konsequente» Durchführung der Täuschung notwendig gewesen wäre, gefehlt häben! In solche Irrgärten der' Logik führt dieses Raifonnement hinein. klnd auf solchem Material einer durchaus willkürlichen Deutung baut sich die ganze, den wissenschaftlichen und persönlichen Charakter des Mannes auf's schwerste verdächtigende Auklcifle ans! Es sind Waffen, die sich gegen den Känipfeiiden selbst kehren. Das ist, wie ich überzeugt bin, der Eindruck, den eine große Anzahl von Genossen bei dieser Äitklage erhalten haben.— • Wir erwidern hierauf: Genosse Dr. Schmidt beweist eine nicht geringe Güte des Herzens, indem er nicht abwartet, ob'und wie der von unS an- gegriffene Herr Professor sich verteidigen wird, sondern indem er die Verteidigung jelbst versucht.. Aber so anerkennenswert seine hilfreiche Absicht ist, so'iveNig könncil seine AuSsührungen uns über- zeuge», daß wir Herrn Sömdart uiid seine Entivickliing zum Agitator für die weltpolitische Flotteiivorlage irrig beurteilt hätten. „Bloß darum", weil Herr Sombart für den Flottcnplan eintrete, hätten wir ihn abgekanzelt, ineint Genosse Schmidt. Aller- dings, Ivenii Genosse Schmidt in dem Eintretc» für eine Vorlage, die geboren ist ans dem AbsölniiSniuS, und bestimnit ist zur Vor- bxrcitnng eines knlturvcrgessrnen und machtlüsterne» Welt- herrschertumS. etwas Nebensächliches sieht, so geht er in der Bcurleilunct des heutigen Sombart von eincin dem misrige» so cntgegeiigeletztcn Standpunlt ans, daß wir uns schwerlich mit ihm einigen werden.„Bloß" das bischen Flottenvorlage! Hier handelt es sich aber nicht um eine Fkotteiivorlage. wie wir sie in Deutsch- land mehrere hatten,»ni einige Kriegsschiffe mehr oder weniger, sondern um die Jnauguriernng einer völlig neuen auswärtigen Politik. Deuischland soll Sccinächt ersten Ranges werden, damit es einst, ivie Graf Bülow sagte, bei der Neuanfteiltnig des Erdballs dabei sein und im Widerspruch gegen England überseeische Aimexionen betreiben könne. Nie ist in Dentschlalid eine militärische Vorlage gemacht worden, durch welche die Gegensätze zwischen den europäischen Knltiirstoatcn auch nur in entferntem Maße so verschärft ivurden, wie durch die jetzige Flottcnvorlage. Jetzt soll Deutschland in schroffe Gcgeiistclluiig gegen den Staat gedrängt werden, mit welchem gute Beziehimgen zu erhalten bisher gerade diejenigen gewünscht Haben, die in England ei» Vorbild freiheitlicher Institutionell und einer segensreichen socialen Entivickliing erblicken. Da Herr Sombart im Wetteifer mit den Lcvy b. Halle und v. Wciickslcrn dieser Politik der breite» Alisreißimg der Völkergegen- sätzc agitatorische Förderung zuteil werden läßt, so sollten wirmeine», müßte gerade ein so eifriger Lobredner der Sombartschcn Stelliliig- nähme zur socialen Frage wie Genosse Schmidt um so eindring- lichcr das Verhalten des Professors in der Floltenstage, das sein sociales Verhalten vollständig paralysiert, verurteilen. Die allzu hohe Bewertung, die Genosse Schmidts der Sombart- schen Schrift über den„Socialisimis ec." lind die allzu geringe Bedcntiliig, die er seinem Auftreten in der Flottcnagitation beimißt, verführt ihn dazu, die einzige beträchtliche Aendening des alten Textes der Sombartschcn Schrift als harmlos zu deuten, und läßt ihn uiisre Anffaffimg nicht verstehen, daß diese Aende- rung nicht' mir nicht harmkos' sei. sondern sich sehr charakteristisch einfügt in die Wandlmig des Herrn Professors ans einem Manne, der das Recht der Arbeiterklasse sich zu ivürdigen bemühte, zn einem Mann, der sich gegen die Arbeiterklasse stellt»»d in der Bcivegung, die er einst als größte Knltiirbelvegimg feierte, Zlvielracht zu säe» »ntcrnimmt. Genosse Schmidt meint, die Fortlassimg der Stelle, tvelche die Gemeinsamkeit der Knltutintekcffen Westeuropas ausspricht, in der neuen Auslage, lmiiic verschiedene Ginnde haben: vielleicht habe es sich Herrn Sombart nicht verlohnt, nnf eine so linsichcre Perspektive nochmals cinzilgchcn. Genosse Schmidt criveist mit dieser Vcrmutnilg seinem Schützling keine» guten Dienst, denn er imputiert ihm. daß er sich seine wisicnschastiichen llebcrzeuginigc» danach bilde, ob die Erfüllung einer Fordernng näher oder fcriicr liege. Aber warn in strich denn Herr Sombart gerade diese Stelle, da cr doch in der Vorrede sagt, daß cr den Text ivcscnllich glcichlanteiid in die Welt sandte, obwohl s e i n II r t e i l sich seil der c r st e n Auflage so geändert habe, daß„ich doch heute manches anders fassen, an alle in viele»verde ut- lichenund vertiefen" iviirde? Warum, Genosse Schmidt, hat Herr Sombart seine Anffassnng von der tvestcuropäischc» Kiilturgemeinschast gegenüber zl»riickgcblicbe»cn und„ausgefallensten Völkerschastc»" nicht„vcrdcuilichl und vertieft"? Warum zog cr es vor, das Gedächtnis an diese Acnßermig zu derselben Zeit zu vernichten, wo ihm die Erleuchtnilg oiisgegangen ivar, daß n»S eine starke Flotte bitter not Ihne gegen dieselben Völker, mit denen uns noch dem Sombart von IStzü die Ivestcuropäische Kultur znsammeiisnhren sollte? Genosie Schmidt meint, Herr Sombart habe ja 1896 bereits niir hypothetisch von der Vereinignng der westeuropäische» Kullur gesprochen. Aber Herr Sombart sagt ausdrücklich:„Es wird meiner U e b e r z e n g» n g nach der Zlngcnblick kommen, Ivo die gesamte europäische Gesellschaft sich sagt:„Jetzt sind olle misre iivcslcnropäischcii) Gegensätze belanglos gegenüber dem, lvaö uns vom Feinde droht". Genosse Schmidt scheint dann weiterhin anzunehmen, daß das, waS Sombart für einen späteren Zeitpunkt anzeigt, nichts mit seiner Bciirtcilnng der Gegenwartspolitik zu thun habe. Wir hatten dagegen auch dem Profesior Sombart zngeiliiltet, daß cr die Gegenwartspolitik nach den Zielen ordne, deren Ersiillimg er als notivendig und wünschenswert erkannt hat. Mindestens dürfte Heir Sombart nicmals gemeint haben, daß die Zukunft der ivestenropäischc» Killknrgenieiiisckast dadurch angebahnt iverdcn könne, daß die iueslcuropäischen Völker durch immer gc- waltigcre Kricgsvorbercitmigen gegcnwartspolitisch gegen cinanver ausgebracht werden. Genoffe Schmidt ist besonders linivillig. daß wir Herr» Sombart gar noch Ungeschick bei seinem Verwischlingsversiich nachsagten. I» dem stehen gebliebenen Satz habe Sombart sciiic» alten Standpunkt markiert,»nr ohne die Znkiinstsperspcktive. Thatsächlich aber ist der stehen gebliebene Satz ohne den ansgcfallciien Abschnitt überhaupt unverständlich»nd paßt nicht zu den vorstehenden AitSführiingeii. Selbst der Stil am Anfang des Satzes— das eingefügte„aber" ist gänzlich siiiiilos— deutet auf die Hast der Streichung. Die naive Anffaffimg de» Genosicn Schmidt über die Schnell- manser des Herrn Sombart ist auch nicht erschüttert Ivorden durch die für niinder mildherzige Gemüter recht auffällige Stelle in der Vorrede der dritten Anslagy:„Die Faffimg ldcr Schrift) muß ctnstwcilc» so schroff bleiben, wie sie war." Wir Mißtrallciidcn— Mißtrauen soll eine demokratische Tilgend sein— würden uns nicht wundern, wenn diese Worte sich»ach kurzen Jahren als Aiiküiidigimg einer dann offenbar iverdcnden Schnollmanser auch des socialen Sombart hcrausstellen würden. Wenn endlich GenosH Schmidt meint, wir hätten Herrn Professor Sombart„kleinlichste Motive" iintcrschobc», so irrt cr. Das ist uns nicht ciiigesallen. Wir habe» nur festgestellt, daß die Wissenschaft de» Herrn Sombart, gleich wie die zahlreicher seiner Marine- kollegcn, so uiigeniiqend fniidanienticrt und so zusamnienhanglos aufgebaut ist, daß jede Laimc der Tagespolitik sie»»ibläst. DaS deutsche Proletariat hat zu selten die Freude, gerechte Be- »rtcilung und ehrliche Sympathie bei bürgerlichen Mäniiern der Wissenschaft zu finden, als daß wir ohne zwingende Not eine» Vcr- treter der Wissenschaft anzugreifen Neignng verspüren könnten. Die Zukunft wird jedoch zeigen, daß unsre Beurteilung der Wandlmigs- fähigkciten dc» BreSlauer Flottcnprofcffors eine»nr allzu richtige war. Der Streik der Bergarbeiter. Der Stand des Streiks in Böhme« ist völlig unverändert, daS müssen auch die offiziellen Nachrichten zugeben, so sehr sie sich bemühen, insbesondere in» Norden Böhmens eine„Besserung" vorzuspiegeln, indem sie jeden einzelnen Streikbrecher jubelnd re- gistricre». Hingegen scheint die Regiermig eine»eile Taktik eingeschlagen zn' haben. Es kann nicht Zufall sein, daß vlötzlich gestern und heute zu gleicher Zeit die Bergbeamtcn aller Streikreviere Anfälle von Pädagogik bekamen»nd ansingen, in Wort und Schrift die Ardeiter zn Streitbrechern erziehen zu wollen. Es ist ja geiviß ein sehr wichtiges und intereffantes Symptom, daß dieOstrau-Kariviner Gclverkc ihre Zngesiäiidniffc aiifrechthalten. obivohl die von ihnen gesetzte Frist seit Dienstag verstrichen ist. Nur Maßregelungen behallcir sie sich vor, wie ihre Organe„Neue Freie Presse" und„Neues Wien. Tagebl." hervorzuheben sich bccifcrn. Sie drohen mit„Elltlafimigen". Nu», vor- läufig sind die Herren Gciverke die Entkaffencn, und es sieht nicht ans, als sollte fich ihre Lage so bald ändern. Sehr sonderbar berührt es aber, daß die Bergbehörden, die niemals mehr als heilte das Be- dürsnis haben müßte», den Arbeitern als unparteiisch zu gelten, sich zur Werbearbeit hergeben und ihre Autorität aufs Spiel setzen, um den Gewcrkcn ein paar charakterlose Streikbrecher zuzuführen. In den Ictzlen Wochen sind vom Ailslaude für die Streikenden bedeutende Uiitcrstütziingsbeiträge eingelaufeli. Von Deiitschland sind 12 999 M. gespendet und die Gcnera'lkolnniission im Verein mit den Hamburger Geiverkschaften hat beschloffcn 15 990 M. für die Ausständigen abztlseilden. In Sachse» weist der Streik* keine Aendcrung auf, die Behörde versucht nur mit äußerster Strenge das Versammlungsverbot und sonstige polizeiliche Verordnungen, die den Zusammenhalt der Aus- ständigen unterbinden könnten, diirchznsetze». Allzu große Schädigiiug darf man trotzdem von diesen Maßnahinen nicht erwarten, denn die Arbeiterbewegung führt nun schon jahrelang den Kampf mit dem sächsischen System der„Arbeiterfreundlichkeit", ohne daß sie an Ein- fltiß verloren hat. noch entmiltigt von ihren Aufgaben zurückgetreten wäre. Die Maßnahmen selbst werden nnsrer Partei, im Bemühen politische Aufklärung zu verbreiten, recht treffliche Dienste leisten. Im Bezirk Zeitz-Weißenfels und in den Hallcsche» Bezirken fanden am Soniiabelid und Sonntag sieben Versammlungen statt, in denen des weitere Verhalten der Bergarbeiter geregelt iverdcn sollte. Die Grubenverwaltimgen hatte» in der Woche selbst eine Bersammlung abgehalten, in der sie Beschluß faßten, die Unter- Zeichner der Fordermigen sdic HaiiptvertraueilSIeute der Bezirke) nicht als berechtigte Vertreter der Belegschaften aiizuerkemien. Dagegen betonten sie die Bereitwilligkeit, mit ihren Belegschaften selbst über die cventilcllcn Forderungen zu verhandeln. Leider hatten die Bergleute in der Mehrzahl versämnt, am Sonnabend nach der Antwort sich zu erkmidigen, trotzdem die Berliandsleitiiiig ihnen im „Volksblatt" das oiigeratcii hatte, und s o hatte man in den Versammlungen selbst nicht das richtige Resultat. Die Bergleute befürchteten gemäß- regelt zn werden, falls sie vorstellig würden und ans diesem Grunde hatten sie die Nachfrage verabsäumt. Im Hallcschcn Bezirk hat die Antwort der Verlvaltungen. die Unterzeichner der Forderungen als berechtigte Vertreter der � Bergleute nickt anziierkeimen. großen Unwillen hervorgerufen, und so ist dort die Siiiimiillig für den Streik.in erhöhterem Maße vor- handeii. Anders im Zeitzcr Bezirk. In der Versaminlimg � in Bröditz bei Zeitz, in der Genosse Lcopoldt-Zeitz über den„Niesenstreik in Böhnicil mid über die Fordemiligen Her hiesigen Bergleute" referierte, nahm der Obersteiger Zimmeriilaiin von der. Grube„Gottlob" bei Thcißcn das Wort, und wies darauf hin, daß ihm von seiner Behörde die Nachricht ziigekommcn sei, daß s i e mit d c r B e l e g- s ch a f t verhandeln wolle, nur solle diese selbst vorstellig werden. Der Obersteiger gab sein Ehrenwort ab, daß niemand ge- maßregelt würde. Gleichzeitig fügte cr Hinz», daß ihm be- kamit sei, daß auch die übrigen Verwaltuugen>n der- selben Weise verfahren lvollien. In dieser Versainnilmig, die von ca. 299 Personen besucht war lind die für vier Gruben in Be- tracht kam. iviirde denn auch beschlossen, am Montag Kominissionen der ciiizcliien Belegschaften zn bestinmicn, die am Montag gleich die Aiisragc nach Benntivortlmg der Fördernngen stellen sollen. Erst nach Ausfall dieser Beaiitwortung will man dann weiter vorgehen. Tcuselbc» Verlauf hatte am Abend eine Versammlung in Zeitz, die von 259 Personcn besucht war und. i» der acht Gruben- vcrtreter waren. Hier war es der Jnspektar der„Zeitzer Parafiu- und Solarölfabril", Bilgenroth, Her dieselben Erklärungen abgab, ivic Obersteiger Zimmermami. Hier inludc gleich eine Ver- sammliiiig für Mittivochabeiid beschlossen, in der iveitere Maßnahmen getroffen werden sollen. Eine Vcrsammlmig in Loitzsch beschloß an den Forderungen festzuhalten, hier ivar noch keine Nachricht ciiigegangen. daß die Verivaltmigeii zur Berhandlmig bereit seien. Eine weitere Versainmlling in Unterwcrschen. in der Pokorny-.Bernberg referierte, mid die von 499 Bergleuten besucht ivar, beschloß ebenfalls, eine abivartcilde Stellung cinzlluehnte». Im Meuselwitzer Bezirk fand ebenfalls eine Versamniliing statt, die nach langer und ledhaster Debatte beschloß, zwar an den Forderungen festzuhalten, sich sonst aber den Beschlüssen des Zeitzcr Bezirks anzuschließen. Am Montagabend findet hier eine iveitere Versaminlung statt. Es ist anziliiehmcn. daß somit der Ausstand in den hiesigen Revieren— bis auf Halle— vermiede» wird, wenn die Vcrwaltuilgcn an ihren Versprcchililgen, zn ucrhandel», festhalten. Sie iverden sich des Schadens erinnere, den sie 1397 durch die Einstellung der Arbeit hatten mid so dafür sorgen, daß der Streik vermieden ivird, der für beide Teile üble Folgen habe» t'aiiii. Die Bergarbeiter sind bei aller kriegerischer Lust für cincii friedlichen Ansglcich zn haben, möge ihr Vertrauen nicht getäuscht werden._ Ans Halle wird inis geschrieben: Die am Sonnabend und Sonntag in Halle und der llmgebiilig stattgehabten Versammlungen wären bis nnf den letzten Platz bcincht. Als viel zu klein crivies sich der Saal, in welchem der Reichstags- Abgeordnete Genoffe Thiele für den Bezirk Halle referierte. Was>vir voraussagten, ist eingetroffen. ES wurde e i» st i m in i g beschlossen, am Montag früh beziv. abend die Arbeit niederzulegen. Der Vertreter eines Brainikohlen-BureauS bemühte sich, den Bergarbeitern zu„beweisen", daß die Berglverk-Direktorcn ein„sehr warmes Herz" für die Bergleute hätten nud forderte die Bergleute ans, daß sie cs i» letzter Sinnde noch eimnal versucheu iiiöchtc», sich persönlich an die Vorgesetzte» zu iveiiden. Dieses A»st»>ten. ivurde aber mit Rück- sieht ans die mininialen Forderiliigen der Bergarbeiter zurückgeiviescn. Eiustiimnig war man aber der Meinüng, wenn die Grubenbesitzer iuiterhaiideln wollten, dailn inöchtcu sie sich an die von den Berg- lciiten ciiigesetzte Konunission lucndcn. Es ist im Revier Halle das erste Mal. daß die Bergleute in cinen Streik eintreten. Im Ostbczirk von Halle arbeiteten am Montag von ca. 699 Berglcnten ungefähr 19. Die Grube'«von der Heydt" ruht voll- ständig. Vom Oberröblingen- Riebeckschc» Montanwerk ist noch kein Ergebnis zu verzeichne». Jedoch ivird der Streik hier größere Dimensionen minehme». Aus Bochum wird uns geschrieben: Recht schnell, schneller wie man vermuten koimte, haben unsre Grübcnbäroiie auf die Forde- i'niigcn der Bergleute, die erst am 14. Februar zur Veröffentlichung kamen, durch ihre„bernfencii" Organe, das Wölfische Telegraphen- burcau. die„Rhein:-Wests. Ztg." ee. geantwortet, natürlich im ab« lehiieiidcn Sinne. mit der Versicherung, daß die Forde« rungen nur offene Thüren einstoßen. Danach ist ini Ruhlrevicr in bergbaulichen Verhältuiffen olles a»fs beste geordnet und die Arbeiter haben gar keiuen Anlaß zu klagen. Trotzdem, daß die Bergarbeiter- Zcituugcn in Rheiuland- Westfalen in jeder Nnmnicr ganz haarsträubende Mißstände auf den Zechen rügen, bequemt sich doch selten irgend einmal eine Zcchcnverwaltimg eine geringe Abhilfe zu schaffen und glmibt. mit hochmütigem Still- schweigcn den Beschivcrdcfnbrer» die geniigenve Verachtimg beweisen zu können. Auch hier bemühen sich die Behörden, noch ehe der Streik beginnt, gegen die Beivegung Front zu machen. In den Geschästsrälunen der Berg- und Hiittenarb. Zeit." fand am Sonnaheildinorgen eine polizeiliche H a u s s n ch» n g statt. Gesucht wurde nach dem Mannskript eines kleincii Flugblattes, welches dieser Tage im hiesigen Laiidkieise als Versaininlungs- Eiiiladuiig verbreitet ivorden war. DaS Manuskript ivnrde Nicht gefunden. Welchen strafbaren Inhalt daS Flugblatt haben sollte, war unS unerfindlich. Der Streik der Berliner Möbeltischler. Eine Lohnbewegnlig der Möbeltischler ist am Soimtag be- 'chlosien ivorden. Eine V e r t r a u e n s in än n e r- V e r s a m m- liing des Holzarbeiter-Verbandes. die am Sonntagvorinittag tagte und von 699—799 Personen besucht ivar, erklärte sich mit folgenden Forderunge» einverstanden: 24 Mark wöchentliche Abschlagszahlnng für schwache Arbeitet iliid Erhöhimg der Accordprcise, ivenn dieser Lohn nicht verdient werden kann. Gleichmäßige Festsetzung der Accordpreise für die gleichen Artikel in allen Werstellen. Die Maschinenarbeit ist vom Unternehmer zn liefern. Wo noch sonstige Ucbelsiände, wie Holztragen u. dgl., bestehen, sind dieselben abzuschaffen. Diese Forderungen sind, wo es»och nicht geschehen ist, am Montag den 19. d. M. dem Arbeitgeber vorzulegen, und Ivo sie nicht bewilligt iverden, ist die Arbeit niederznlegen. In der öffentlichen Bersammlung, die am Sonntag- nachmittag den Saal der Brauerei Friedrichshain bis ans den letzten Platz füllte, nnterbreiteto Glocke den Anwesenden vorstehende Be- 'chlüffe derVertraucnsmäiincr nndfiihrte zur Begrundiing derselben aus: Es gelte, von den Vorteile», die der Aufschwung der Industrie m den letzten Jahren den Unternehmer� gebracht hat, auch den Ar- heitern, die bisher keinen Teil daran hatten, etwas zlikommcix zu lassen. Die aufgestellten Forderungen seien so mäßig, daß jeder Arbeitgeber, wenn es ihm nicht an gutem Willen fehle, dieselben ohne Nachteil zn haben, bewilligen könne. Die Ortsvcrwal- tiing habe den Versuch gemacht, mit den Meistern wegen Ber genannten Forderungen tn Unterhandlung zu treten und sich zu diesem Ziveck, da die Innung noch nicht konstituiert sei, an die„Freie Bereinigung' gewandt. Die gepflogenen Besprechungen hätten aber zu keinem Resultat geführt, da die Unter« nehmer nicht das geringste Entgegenkommen zeigten, und die Verhandlungen seien deshalb abgebrochen. Jetzt feien die Arbeiter gezwungen, den Kampf, den sie vermeiden wollten, aufzunehmen und nicht eher zu ruhen, als bis die geivitz nicht übertriebenen Forderungen bewilligt sind. Es scheine, als ob die Unternehmer eine allgemeine Aussperrung planen, jedoch sei hierüber nichts GeivisscS bekannt Sollten die Arbeitgeber diese Absicht wirklich ausführen, dann würden die Tischler alle unverheirateten Kollegen zur Abreise ver-- anlassen, damit die Zurückbleibenden um so länger m Kampfe ouS« halten können, der unbedingt mit einem Siege der Arbeiter enden müsse. sLebhafter Beifall.) Die Versammlung sah von jeder Diskussion ab und nahm die Beschlüsse der Kommission einstimmig an. Hierauf wurde noch mitgeteilt.' daß die Maschinenarbeiter sich dem Streik der Tischler soweit anschließen, als es im Interesse der letzteren erforderlich ist. Auch die Möbelpolierer haben, wie Guth bekannt gab, beschlossen, die Arbeit ruhen zu lassen, wo es den Tischlern angebracht erscheint, aber in den Werkstellen, wo ein Viertel der Poliere den Streik nicht mitmachen will, weiter zu arbeiten. Ein Vertreter der Hausdiener ersuchte die Tischler, darauf zu achten, daß die in Tischlereien beschäftigten Hausdiener sich ihrer Organisation anschließen, denn bei der ausgedehnten Teilarbeit, die in manchen Betrieben herrscht, sei es möglich, daß in- differente Hausdiener bei leichteren Arbeiten als Streikbrecher auf treten. Nachdem noch einige auf den Streik bezügliche Anfragen er« ledigt worden waren, wurde die Versammlung mit einem be- geisterten Hoch auf das Gelingen der Lohnbewegung geschlossen. In Kellers Saal fand zu derselben Zeit eine zweite öffentliche Versammlung statt. Saal und Galerien waren überfüllt, und infolge polizeilicher Absperrung des Lokals fanden viele keinen Einlaß mehr. Nachdem der Referent Maß die aufgestellten Forderungen begründet hatte, entspann sich eine Diskussion, in der sämtliche Redner sich für die Lohnbewegung erklärten. Auch hier wurde der Beschluß der Vertraueusmäuner-Vcrsammlung einstimmig angenommen. Am Freitag nahm eine Versammlung der Tischlermeister. die von 400 Personen besucht ivar, Stellung zu der Lohw bewegung der Gesellen. Allseitig wurden die Forderungen der Gesellen als unannehnibar bezeichnet und zu energischem Widerstande aufgefordert. DaS alte Lied vom Untergang des SandwerkS infolge der„durch nichts gerechtfertigten Forderungen er Arbeiter, welches immer angestimmt wird, wenn die Arbeiter eine geringe Aufbesserung ihrer materiellen Lage fordern, wurde auch in dieser Versammlung wieder gesungen, selbst von solchen Meistern, die bei frühern Lohnbewegungen, als sie noch selbst Ge seilen waren, in den vordersten Reihen der für Besierstellung ihrer Lage kämpfenden Arbeiter standen. Am unversöhnlichsten geberdeten sich die Größen der alten Tischlerinnnng und die Scharfmacher der„Freien Vereinigung der Holzindustriellcn Letztere suchten zugleich für ihre Organisation Propaganda zu machen durch Werbung neuer Mitglieder. Der einzige, welcher zur friedlichen Erledigung der Differenz mit den Arbeitern riet, war Herr Peege. Er vertrat die Ansicht, daß bei einigennaßen gutem Willen sich eine Verständigung mit den Arbeitern leicht werde herbeiführen lassen. Ihm traten die Scharfmacher heftig entgegen. Spaßhast war «», wie die Streiter der alten Innung und die Kampf hähne der halb verkrachten Genossenschaft, welch letztere in der alten Innung es verstanden hatten, jede Spur von Einigkeit zu verwischen. sich jetzt als Prediger ber Einigkeit gcberdeten;.einig', so riefen sie,„müßten die Meister sein, in der Abwehr der Forderungen der Gesellen'.„Proklamieren die Gesellen partielle Streiks, so antworten wir mit Aussperrung der am Streik noch nicht Beteiligten!'„Zwingen wir die Ge seilen zum Generalstreik, drängen wir sie' dahin, wohin Gegen die Flotteuvorlage werden in den nächsten Tagen im Verlage der„Sachs. Arb.-Ztg." in Dresden zwei Agitationsschriften erscheinen, die sicher einen lebhaften Absatz in Arbeiterkreisen finden dürften. Die erste betitelt sich„Socialdemokratische Marinebilder' Sie wird 6 Zeichnungen von der Hand eines hervorragenden Zeichners mit Text von Parvus geben und zum Preise von 10 Pf. käuflich sein. Die zweite.Flottenkoller und Weltinachtspolitik' soll namentlich dem Agitator reiches Thatsachenmaterial gegen die Flottenpolitik geben und die Kolonialpolitik kritisch behandeln. Sie soll für 20 P' verkauft werden. Parteipresse. Die Redaktion der„Mitteld. SanntagS-Zeitung in Gießen, die seit fünf Jahren der nach Nürnberg übersiedelnde Genosse Scheidemann gcsührt hat, wird am 1. April der Genosse F. A. Vetters aus Frankfurt a. M. übernehmen. Ter kommunistische ArbeiterbildnngS- Verein in London feierte, wie uns nachträglich berichtet wird, Sonnabend, den 3. Februar, seinen<50. Geburtstag. Der Verein ist wohl der älteste der bestehenden socialistischen Arbeitervereine. Am 7. Febniar 1840 war cS, daß der Londoner deutsche ArbeiterbildungS- Verein ins Leben trat, der eine so bedeutsame Rolle in der Arbeiterbewegung spielen sollte. Schon seine ersten Statuten zeigen den internationalen Charakter des Vereins. Sie sind in vier Sprachen: deutsch, englisch französisch und dänisch gednickt. Die Feier hatte das reich ge schmückte Lokal des Vereins dicht gefüllt. Jnlins Motlcler, der nun auch die Sechzig überschritten hat, begrüßte in einer kernigen Ansprache, die auf die Grundsätze und das vielseitige Wirken des Vereins hinwies, die Gäste, der Ge nosse Höllgen tnig einen gedankenreichen und stimmungsvoll gehaltenen Prolog vor. NamenS der Socialdemokratischen Föderation Ivar deren Vorstandsmitglied Genosse Barwick erschienen und stattete in herzlichen Worten dem Verein seinen Glücklvuusch und die Anerkennung für das Viele ab. das er in der Bewegung geleistet. Die Festrede hielt Ed. Bernstein, der und Ge schichte des Vereins vorführte, die im kleinen Rahmen die Geschichte und Entwicklung der Arbeiterbewegung widerspiegele. Der übrige Teil des wohlgelungenen Festes war der Unterhaltung(Vortrage Musik, Tanz) gewidmet. Politriltlklr», Gerichtliches«Nu. — Die borcilige Konfiskation des Liederbuchs„Freie Klänge in MuSkan ist wieder rückgängig gemacht worden. Ebenso fonnlos wie man dem Mann die Sachen genommen hat, hat man sie ihm wieder zurückgegeben. Was brauchts da auch erst Umstände I GemevkMslfklMxes. Die Tischler, Drechsler und Maschinenarbeiter in Barth an der Ostsee befinden sich in Lohndifferenzen und bitten den Zuzug fernzuhalten. Ter AnSstand der Zinkhiittenlente in Lipine hat etwas nachgelassen, der Streik ans„Gurdottohütte' in Chropaczow ist allgemein geworden und wird, so weit das hier bei unorgani sierten Arbeitern möglich ist, ordnungsmäßig durchgeführt. Den Streikenden habe sich ein Teil der Zinkhütten-Arbeiter au r o ß« D u ll a h ü tt e' sgräfl. Schaffgotschsche Verwaltung) an- geschlossen, so daß zur Zeit die Gesamtzahl der streikenden Zink hüttenleute ca. 700 beträgt. Die Ausständigen der Guidottohütte in Chropaczow haben durch ihre Vertreter den Beuthener Gewerbe Inspektor um seine Vermittelung ersucht, die er auck zugesagt hat. Bei allen diesen Streiks handelt es sich um Lohnerhöhungen, die bisher von den Verwaltungen abgeschlagen wurden. Die am meisten gefährdeten Arbeiter, die' Schmelzer, fordern 4,o0— 5,00 M. Lohn pro Tag, die übrigen 3 M. und 3,50 M. Auch die untersten Arbeiterkategoricn verlangen eine Ausbesserung ihrer Löhne, die jetzt 0,75, 1,00, 1,50 M. u. dgl. betragen. Sattler. In der Militäreffckten-Fabrik von Böttcher in Eis in Streik getreten. ..-...—......... In der Militäreffckten-Fabrik— ton sie haben wollen I' So dröhnten die Rufe der sich I leben sind die dort beschäftigten 40 Kollege» i �""pflustig geberdenden Helden durch den Saal. Nach Schluß Zuzug nach EiSlebeu ist fernzuhalten. der Debatte wurde eine Resolution angenommen, in der man sich verpflichtete, in dem Kampf zur Abwehr der Forderung der Gesellen fest zusammenzuhalten und in Einzelverhandlnngen mit den Streiken den nicht einzutreten, sondern alles dem Vorstände der„Freien Vereinigung" zu überlassen.— Der Wirdes schon machen! Ueber den Stand des Streiks wird uns berichtet, daß die Ar« bester am Montag in allen Werkstätten, wo ihre Forderungen nicht bewilligt wurden, die Arbeit niedergelegt haben. Es sind in 450 Werkstätten rund 3000 Tischler im Ausstand. In S0 Werkstätten mit ca. 1000 Arbeitenr, darunter die Finna Ferd. Voigt. Alte Jakob straße 19/20 mit 60 Mann— wurden die Forderungen bewilligt. Die Stimmung unter den Streikenden ist eine siegeszuv ersichtliche. In einzelnen Werkstellen wurden die Tischler entlassen mit der Mitteilung, daß die Freie Vereinigung beschlossen habe, die Arbeiter auszusperren. Die Arbeiterorganisation wird, wenn sich diese Mit teilung bewahrheiten sollte, die unverheirateten Kollegen abreisen lassen, um auf alle Fälle den Kampf, der dann seitens der Meistcrvereinigung überniütig auf die Spitze getrieben würde, energisch durchzuführen. Das Streikkomitee hat in den Arminhallen. Kommandantenstr. 20, ihren Sitz und hat von morgens 8 Uhr bis abends 6 Uhr Bureaustundcn. Von den Möbelpolterern haben 479 in 141 Werkstätten infolge de? Tischlerstreiks die Arbeit eingestellt. Die Agitationskommission der Holzbildhauer hat folgenden Beschluß gefaßt: Ueberall da, wo Tischler die Arbeit niederlegen, ist weiter zu arbeiten, mit Ausnahme in den Werkstätten, wo durch Arbeitswillige neue Arbeiten angefertigt, respektive liegen gelassene Arbeiten fertig gestellt werden. Meister und Werk- führer, soweit sie letzteres thun, sind Arbeitswilligen gleich zu achten. Besondere Fälle sind der AgitationS-Kommission sofort zu unter« breiten. Diese ist abends von 8 Uhr im Restaurant Spielberg, Köpnickerstr. 62, anwesend. Dieser Beschluß ist bindend bis zur öffentlichen Versammlung, die am Donnerstag, den 22. d. M., stattfindet und eutgültig Stellung nehmen wird. Die Stuccatenre in Königsberg i. Pr. haben bei der gegenwärtig sehr günstigen Baukonjunktur die Einführung eines besseren Tarifs verlangt. Infolgedessen ist eS zum Streik gekommen Der Streit der Weber in Ä u p f e r d r e h hat eine Wendung genommen, die ein Aufgeben der streng ablehnenden Haltung des Fabrikanten ColSmann bedeutet. Herr Colsmann bat die feindliche Haltung, welche er bisher gegen jede Organisation einnahm, ausgegeben. Einigen Vorstandsmitgliedern, welche wegen ihrer Thäligkeit für den Ver band gcmaßrcgelt worden sind, erklärte Herr Colsman». er würde sie wieder ausnehmen. Er würde dieselben auch ohne Streik wieder aufgenonimcn haben, aber die Arbeiter hätten sich verhetzen lassen von dem Centralvorstaude in Krefeld, und deshalb müsse er fordern daß jede Verbindung zwischen seinen Arbeitern und dem Hauptvorstande abgebrochen werde. Auch dürfe kein Arbeiter die Fachzcitung, „Organ des niedcrrheiuischcn Weberverbandes' lesen. Er wolle nichts dagegen einwenden, wenn seine Arbeiter sich organisieren, aber dem Nicderrheinischen Weberverband dürfte» sie nicht angehören. Er wolle die Streikenden mit Ausnahme von acht Personen, die er nicht nennen will, wieder aufnehmen und alles Geschehene solle vergessen sein. Demgegenüber haben die Arbeiter beschlossen, im Streik zu beharren. Ueber den Streik im Düsseldorfer Emaillierwcrk Wort mann u. E l b e r s hat sich der dortige Regier ungs- Präsident v. Holleufer informiert. Er war dieser Tage persönlich im Bureau der Streikenden, hat dort eingehend mit den Leuten gesprochen und sich dann mit der Streikleitung persönlich das Ausstellen der Streikposten angesehen. Die Banhandwerker Düsseldorfs haben eine Landes- kommission gewählt, die ouS je zwei Mitgliedern der in Bettacht kommenden Gewerkschaften besteht und sich zur Aufgabe macht, Sorge zu tragen, daß die zum Schutz für Leib und Leben der Baii- Handwerker bestehende Polizeivcrordnung auch vollkommen korrekt befolgt werde._ NÄvkei-AAchvichken» Eine vertrauliche Konferenz der süddeutsche« Landtags- graktione» der Socraldcmokratie tagte den 17. und 18. d. M. in Würzburg. An derselben nahmen, wie uns berichtet wird. 20 Abgeordnete und der Sekretär der bayrischen Fraktion teil. Nachdem jede Fraktion über ihre Stellung gegenüber Negierung und Parteien sowie über ihren Einfluß aus die Landespolitik Bericht erstattet hatte, fand ein eingehender Meinungsaustausch über die in den Landtagen und in der NeichSpolitik einzuhaltende Taktik statt. Die Ein- Helligkeit der Auffassung, welche sich hierbei ergab. bietet eine erfreuliche Aussicht auf die weitere parla- men tarische Wirksamkeit im Interesse der Gesamt- Partei. Das bayrische Fraktionssekretariat wurde als C e n t ra Ist elle zur Sammlung der amtlichen Drucksachen der süddeutschen Landtage und sonstigen Materials bestimmt, bei welcher die Fraktionen und Abgeordneten sich Auskünfte erholen können. Die übrigen Fraktionen leisten Gegendienste. Auch den andern Landtags- Abgeordneten der Partei steht diese Einrichtung zur Verfügung. Es wurde beschlossen, dieser ersten Konferenz in entsprechenden Zeitabschnitten weitere folgen zu lassen. Protefiversammlnngen gegen die Flottenvorlage fanden in den letzten Tagen wieder mehrere, besonders in Hamburg und Um- gegend statt.' Desgleichen in Halle und Zeitz. Ohne Widerspruch wurden unter lebhaftem Beifall Resolutionen angenommen, die sich entschieden gegen die Wasserpolitik aussprechen. Südafrikanischer Krieg. DaS allgemeine Interesse konzentriert sich jetzt auf die Er- eignisse um Kimberley und das Schicksal der angeblich fliehenden Boerenmacht unter Cronje. Ueber London kommende Nachrichten liegen heute genug vor, aber ein neues Licht verbreiten sie nicht über die Ereignisse an der Westgrenze des Oranje- Freistaats. In einem Telegramm der„Daily News' auS Modder-River vom Donnerstag heißt es, Cronje. der verzweifelte Anstrengungen machte, sei, gedeckt durch die Krümmungen deS Modderfluffes. ent- kommen. Die Londoner Blätter vom Montagabend melden jedoch aus Modder-River vom 18. Febniar: Den letzten Meldungen zu- folge bedrängt die Division des Generals Kelly-Kenny noch immer die auf dem Rückzüge befindlichen Boeren. ES wurde noch weitere Beute gemacht. Im ganzen sind jetzt 150 Wagen erbeutet worden. In der Beute befinden sich auch zahlreiche blecherne BiSquitbüchsen. welche mit Munition gefüllt und nach Pretoria via Delagoabay adressiert waren. Andrerseits wird aber auch von Eroberungen gemeldet, die die Boeren ttotz ihrer Rückzugsbewegung gemacht haben. Eine Depesche deS.Standard' aus Jacobsdal vom 16. d. Mls. meldet: Gestem, am 15. d. MtS., machten etwa 1400 Boeren einen A n- griff auf den Nachtrab der Haupttruppe. Sie zogen eilig von ColeSberg her heran, und cS gelang ihnen, den Engländern einige Wagen abzunehmen. Weiter verlautet, daß der Nachtrab der Engländer von den Boeren abgeschnitten sei, welche eine Anzahl Gefangene gemacht und eine g r o ße M enge Ochsen erbeutet hätten. Die Wegnahme deS großen englischen CouvoiS am Rietfluffe erfolgte in Waterbak, während die Engländer unter Kelly-Kenny ihrerseits die 78 Wagen von dem abziehenden General Cronje an einem Punkte nördlich des Modder-River erbeuteten. Vom Sonntag wird weiter berichtet: Die Nachhut Cronjes, welche 1000 Wagen mit sich führt, hat K l i p d r i f t und Drietput angegriffen. Läßt sich auch aus all diesen Meldungen die wirkliche Kriegs- läge nicht klar erkennen, so zeigen sie doch, daß der Rückzug der Boeren kein so fluchtartiger ist, wie es die englischen Kriegsdepeschen darzustellen versuchen. 4» Feldmarschall NobcrtS allerdings fühlt sich schon als Herrn deS Oranje-Freistaats und er hat deswegen an die Bürger desselben eine Proklamation erlasse», in der er sagt, die britische Regierung glaube, daß der Einfall in das britische Gebiet nicht nnt allgemeiner Zu- stiinmung der Bevölkerung erfolgt sei, und sei der Ansicht, daß die Verantwortung dafür allein ans die Regierung des Frei- staatcs falle, weiche unter unheilvollen Einflüssen von außen her gehandelt habe. Großbritannien hege gegen die Freistaater kein Uebelwollcn und sei bemüht, sie vor den ichlimmen Folgen zu be- wahren, welche die verkehrte Handlungsweise ihrer Regierung mit sich gebracht habe. Zum Schluß fordert Roberts die Bürger ans, jich weiterer Feindseligkeiten gegen die Englände» zu enthalten. Ein Telegramm Krügers. Ganz anders als Herr Roberts und die englischen Kriegs» berichterstatter faßt man anscheinend in den B o e r e n r e p u b I i k e n die Lage auf, wenn anders daS folgende Telegramm keine Mysti- fikation ist und wirklich vom Präsidenten Krüger herrührt. ES lautet: Haag, 19. Februar. Ein hier eingettoffenes Telegramm aus Loureiiso MarqucS, daS vom Präsidenten Krüger selbst herstammt, berichtet, daß die Operation der Boeren auf dem westlichen Kriegsschauplatze sorgfältig geplant und laugst vor- bereitet gewesen sei. Der Erfolg des General French sei kein Sieg zu nennen. Die Ansicht, daß sich die Engländer ttotz ihres Sieges oder gerade Wege n desselben in sehr gefährlicher Lage befinden, wird nicht nur in Boereukreisen vertreten, sondern auch in London macht man sich über die merkwürdig schnellen Erfolge der Engländer allerlei Gedanken. Vom Montag wird beispielsweise auS London gemeldet: In militärischen Kreisen ist man überein- timmend der Ansicht, daß, obwohl der Marsch deS General Roberts, oweit es sich um den Entsatz KimberleyS handelte, von Erfolg ge- krönt worden fei und die Lage sich entschieden zu Gunsten der Eng« länder gebessert habe, der Feldzug doch offenbar jetzt e r st e r n st l i ch begonnen habe und noch viele Hindernisse zu überwinden cieii, besonders die Schwierigkeiten eines gefahrvollen Marsches durch Feindesland, bei welchem' die sehr weil ausgedehnte britische Verbindungöliuie dem Angriff deS Feindes ausgesetzt sei. Das Abichuciden der Verbindungslinie würde für die Robertsche Armee die Bedeutung einer Katastrophe haben. Man muß bei Beurteilung der Lage die Fortschritte beachten, die die Boeren bei R e n s b u r g gemacht haben. Sie haben hier die Engländer in der letzten Zeit immer härter bedrängt und immer weiter nach Süden getrieben und sind ihnen hier an Zahl weit überlegen. Ohne ihre Stellung hier zu gefährden, können sie eine Ab- teilung nach De Aar werfen, um hier und� weiter nördlich die nach Oranje River führende Bahn zu zerstören und da- mit Lord Roberts die Lebensmittelzufnhr abzuschneiden. Thun sie dies, dann könnte der leichte Entsatz von Kimberley und die Befreiung des Herrn Cecil Rhades von den Engländern teuer bezahlt werden. Sehr bezeichnend ist es, daß es den Engländern bisher nicht gelungen ist, den Post- und telegraphischen Verkehr mit Kimberley aufzunehmen! Auch Butter regt sich wieder. Vermutlich hat er den Auftrag, die jetzt südlich vom Tugela steheuden Buren zu beschäftigen, damit sie keine HilfS- trnppcn nach dem westlichen Kriegsschauplatz werfen können. Be- onders groß sind jedoch die Erfolge nicht, die im folgenden ge« meldet werden: Chivelcy, 18. Febniar. Lord Dnndonald» Kavallene nahm unterstützt von Artillerie und Infanterie den Husarenberg, während die Thorneycrostschcn Reiter den Feind daran hinderten, den Engländern zuvorzukommen. Inzwischen halte sich die Brigade Lyt'tletons um die rechte Flanke der Boeren herum- gezogen, während General Warren sie in der Front und auf ihrem linken Flügel angriff. Die Boeren waren auf dem Hlangwane-Berge stark verschanzt. Die brittschen Haubitzen ver« hinderten es aber, daß der Feind Verstärkungen an sich zog. Die brittsche Infanterie verschanzte� sich sodann auf dem usarenberge, welcher von großer strategischer Bedeutung ist. >cr Feind hatte ein Geschütz in Thätigkeit, zog dasselbe aber über den Tugela zurück. Vom Sonntag wird auS Chiveleh weiter gemeldet: Der britische Vormarsch wurde den ganzen Sonntag über stetig fortgesetzt. Am Abend waren die Engländer im Besitze des Cingolo-Hügels und hatten den Monte-Christo teilweise erstiegen. Der erste Schutz der Boerenartillerie schleuderte heute eine Hundertpfundgranate in eine Gruppe von zehn englischen Artilleristen, von denen einer getötet und vier verwundet wurden. » Keine Fricdenövcrmittclung. Washington, 19. Februar. Die hiesige britische Botschaft er« klärt die in Paris umlaufenden Gerüchte für unbegründet. nach welchen Präsident Mac Kinley bei dem britischen Botschafter Pauncefote angefragt habe, wie ein amerikanischer V e rm i tt e- lungsversüch aufgenommen werden würde. Letzte Meldungen. London, 19. Februar. Dem„Reuterschen Bureau' wird au» Sterkstroom von gestern abend gemeldet, daß die Boeren sich zurück- ziehen und daß die Division des Generals Brabant infolge dessen m Dordrecht einrücke. London, 19. Februar. General Buller meldet auS Chiveley vom 19. d. M.. daß er den Feind auf der andern Seite des Tugela aus starken Stellungen verjagt habe. General Buller hat die Stellungen der Boeren gleichzeitig in der Front, m der !-lanke und von hinten angegriffen. Die Engländer haben mehrere ager genommen, sowie mehrere Wagen mit Munition und Lebens- mittel» erbeutet und einige Gefangene gemacht. Die Hitze ist sehr groß und das Terrain außerordentlich schwierig. Die Truppen zeigten große Begeisterung. London, 19. Febniar. Dem„Reuterschen Bureau' wird au» dem Hanptlager der Boeren vor Ladysmith vom 16. dieses Monats gemeldet: Gestern(Donnerstag) versuchten die Engländer. unsere Streitkräfte zu umgehen, indem sie bei dem Zusammenflüsse des BlaauwkranS und des Tugela durchzudringen und den bei Coleuso gelegenen Boschkop einzunehmen veriuchten! sie wurden aber zurück- geschlagen. Unsre Truppe» behaupteten alle ihre dortigen Stellungen. Masern(Basutoland). 17. Februar.(Meldung des Reuter'schen Bureaus.) Unter den Burentruppen aus dem Orange-Freistaat herrscht der Unterleibstyphus epidemisch. Namentlich sind viele an der Krankheit vor Kimberley und in ColeSberg erlegen. Die Regie- rung von Transvaal sendet große Truppemnassen nach dem Freistaat. Lladjviäikett und Depesttzen« PariS, 19. Februar.(W. T. B.) StaatsgerichtShof. Der Gerichtshof entschied nach langer Beratting in geheimer Sitzung da- hin. daß die am 28. Januar wiedergewählten Senatoren an den Verhandlungen nicht teilnehmen dürfen und lehnte den vom Ver- teidiger Habcrts gestellten Anträge, daß der Senat sich für unzu« ständig erklärt, ab. Hierauf wurde die Sitzung geschlossen._ Beranlwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage und Unterhaltungsblatt« Bt. 42. 17. »» Ifilnje te Jawürts" fnüiift JoWlirtt Zur Uiifdttiiööcllc hat der Berliner Arbeitervertreter-Vcrein eine umfangreiche Petition eingereicht, in der. geschöpft aus der Praxis der Unfallversicherung eine große Anzahl Abänderungsvorschläge im Interesse der Ver sicherten gemacht werden. Zu den allgemeinen Bestimmungen wird vorgeschlagen, daß die Schiedsgerichts-Bcisitzer nicht wie' bisher auf einem mehrfach- indirekten Wege, sondern ebenso wie bei den Gcwerbcgerichten direkt von den Beteiligten gewählt werden. Ein Antrag wendet sich gegen die beabsichtigte Einschränkung der Zahl der Beisitzer an der Spruchkammer des Reichs-Versicherungs amts. Auch gegen die Uebertragung des Arbeitsnachweises an die Be rufsgenossenschaften wendet sich die Petition, wie dies übrigens auch die Unternehmer schon gcthan haben. Zur gewerblichen Unfallversicherung wird die Ausdehnung der Versicherungspflicht auf das gesamte Handwerk, das Handelsgewerbe, sowie speciell auf die niit dem Ausheben von Gräbern beschäftigten Arbeiter verlangt, da das Neichs-Verstcherungsamt die letztgenannte Arbeit bisher als eine nichtgewerbliche und daher nicht versicherungs Pflichtige bezeichnet hat. Auch die ausdrückliche Einbeziehung des WegeS von und zur Arbeit in die Bctricbsgefahr wird gewünscht und ebenso die Ver- sichening der Beamten und Organe der Bernfsgenosscnschaftcn und der Vertreter der Kassen usw.. soweit sie bei ihrer Thätigkcit für die Unfallversicherung einer Betriebsgefahr ausgesetzt sind. Es wird weiter die Streichung der Vorschriften gefordert, wonach der Rentenanspruch abgelehnt werden kann, wenn die Verletzung bei einem Verbrechen, einem vorsätzlichen Vergehen oder durch eine vor- sätzliche Handlung des Verletzten entstanden ist. Die Rentenzahlung soll schon mit der fünften Woche statt wie bisher mit der vierzehnten beginnen. Als Vollrente soll der volle Arbeitsverdienst gewährt werden und zwar 10, daß auch der 4 M. übersteigende Arbeitsverdienst voll angerechnet wird. Wenn der Verletzte infolge des Betriebsunfalls unverschuldet ohne Arbeit ist, dann soll die Benlfsgenossenschaft nicht nur berechligt, sondern verpflichtet sein, während dieser Zeit die Boll reute zu zahlen. Weiter wird eine Erhöhung der Renten für jugendliche Per- fönen, eine Erhöhung der Witwenrente auf 2ö Prozent, des Sterbe- gelbes und der Kapitalabsindung sowie die Zahlung der Kindcrrente bis zu 16 Jahren gefordert. Das Krankengeld soll bei Unfällen sofort zwei Drittel des Lohns betragen und diese Mehrleistung der Krankenkasse durch die Berufsgenossenschaft, nicht wie bisher durch den einzelnen Unternehmer ersetzt werden. Mehrere Anträge wenden sich gegen die Rentenquctschcn und Überhaupt gegen die vielfach geübte Chikauiennig der Verletzten rK.fi tHnt e'.nem Krankcnhause zum andern geschickt und. selbst wenn sie schon wieder arbeiten, immer wieder cmcnt Heilverfahren unterworfen werden, um vielleicht noch einige Prozent von der Rente abzuschinden. Es soll deshalb die Unter- bringung des Verletzten in einem Privat-Krankenhanse, seine Ucbcr- filhrnng aus einem Krankenhausc in ein andres während der Dauer des Heilverfahrens, solvie die Eröffnuiig eines neuen Heilverfahrens nach Beendigung des früheren ganz allgemein und ohne Einschränkung von der Genehmigung des Verletzten abhängig sein. Die Ausführung der Bestimmungen des Gesetzes ist oft daS wichtigere und deshalb gehört die erwähnte Forderung mit zu den wichtigsten, um die Interessen der Versicherten zu wahren. Hierzu gehört auch eine andre Gruppe von AuSführungsvorschriften: uäm- lich die erste Feststelllnig der Entschädigung und die anderweite Fest- stcllung derselben bei eintretenden Vcräiiderungen im Zustande des Verletzten. Hier herrscht jetzt die Benlfsgenossenschaft unumschränkt und im gezahlte Klagen über rücksichtsloseste Aiisnütznng dieser Herrschaft, iiber oft skandalöse Chikauierung der unglücklichen Opfer der Industrie sind den Redaktionen der Arbciterblätter, den Arbeitersekretariaten und andern Vertrauenslenten der Arbeiter zu Ohren gekommen. Hierbei hat sich besonders die Institution der Vertrauensärzte geradezu verhaßt gemacht. Auch die Regierung hat die Berechtigung dieser Klagen an- erkennen müssen und es iverden deshalb in der Vorlage einige Vor- schritten erlassen zur Einschränkung der Allmacht der Berufsgcnossen- schaften bei der a n d e r w e i t e n Feststellung der Entschädigung. Es soll nämlich nach Ablauf von zwei Jahren seit der ersten Renten- feststellimg die Reiitcnverändcnlng ohne Uebereinstimmung zwischen Benlfsgenossenschaft und Verletzten nur in Zwischenräumen von mindestens einem Jahre zulässig sein. Die Petition der Arbeitervertreter verlangt, daß diese Be- schränknng nicht erst nach zwei Jahren, sondern sofort eintritt. Wenn die Reine bereits fünf Jahre besteht, soll für eine Abändening immer nur das Schiedsgericht zuständig sein. UnsreS Erachtcns müßte das überhaupt, sobald die Rente' einmal festgestellt ist, der Fall sein und nicht erst nach fünf Jahren. Hierin und in der Forderung der Petition, daß zur ersten Feststellung der Eni- schädigiuigen Arbcitcrvcrtreter hiiizugezogcn werden sollen, liegt unsrcS Erachtens die einzige Möglichkeit, der Willkür der Berufsgenosscilschaften und dem schädlichen Einfluß der Vertrauensärzte eiitgegenziitretcn. namentlich wemi noch hinzukoiumt. was die Petition gleichfalls fordert, daß vor der Rentenfestsetznng auch der behandelnde Arzt gehört werden muß und. falls dies ein„Vertrauensarzt' ist, der Verletzte auf Kosten der Bcrufsgenossciischaft ein andcriveitcS autoritatives ärztliches Gutachten einholen kann. Einige weitere Forderungen der Petition betreffen die Ge- Währung freier Eiscubahufahrt an den Verletzten zur persön- licben Wahrnehmuug der VcrhandlungStcniiine, Erlaß der Uilfallversichernngs-Vorschriftcn durch die Schiedsgerichte usw. Die socialdculokratischen Reichstags- Abgeordneten werden sich der Petition, deren Forderungen sie in der Kommission ja schon ver- treten haben, geiviß aufs wärmste aimehmen. Zur Begründung der- selben wird dann auch noch manches beigebracht werden können, was die Petilion bei der Ümsänglichkeit des Stoffes unterlassen mußte. Der Breslauer Arbeitervertretervercui hat sich durch eine ein- stimmige Erklärung der Petition angeschlossen. Uokttlvs. Ucbcr die StaatSkunft Bismarcks wird ReichStagS-Abgeord« netcr W. Blas heute abend 8 Uhr in der im Schultheiß- A u S s ch a ii k. Nene Jakobstraße 24/25 stattfindenden Bersanmilung des S o c i a l d cm akratischen Wahlvereiiis für den dritten Berliner ReichStagswahlkreiS einen Vortrag halten. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Gäste haben Zutritt._ Auö einem staatlichen Musterbetriebe. Nicht sonderlich erbaut sind die auf dem Lehrter Bahnhof be- schäftigten Arbeiter davon, daß die Betriebsleitung vor einigen Mo- unten eine Anzahl von Frauen zun» Wagenputze» eingestellt hat. Nicht etwa, daß die Arbeiter auf ihre weiblichen Kolleginnen neidisch ivären. Aber der Umstand giebt zu denken, daß die Frauen einen Tagelohn von 2 M. erhalten, während die Männer, ivelche ganz dieselbe Arbeit verrichten, mit 2.30 M. pro Tag anfangen und nach längerer Dienstzeit auf 3 Mark kommen. Bei der be- kannten Sparsamkeit unsrcr Staatsbahn- Verwaltung ist die Möglichkeit nicht aiiSgeschlosse». daß die billigeren ivciblichcn Arbeits- kräfte. nachdem einmal der Anfang mit der Einstellung von Frauen gemacht worden ist. bcstimint sind, die um einige Groschen teureren männlichen Wagcnputzer nach und nach ganz zu verdrängen. Auf solche Weise wird den Männern die Arbeitsgelegenheit verkürzt und die Frauen, die doch»ach Ansicht der in'Staat und Gesellschaft maßgebenden Kreise einzig und allein für den häuslichen Wirkungskreis bestimmt sind, werden diesem ihrem„natürlichen Beruf' entzogen. Noch ein andrer Umstand erregt die Unzufriedenheit der Arbeiter auf dem Lehrter Bahnhofe. Seit einiger Zeit wird nämlich in ungemein rigoroser Weise bei den gernigfügigsten Ursachen mit Strafen gegen die Arbeiter vorgegangen. Nach dieser Richtung thut sich besouders ein Werkmeister-Diätar hervor. Was seither kein Mensch für strafbar hielt und auch sonst von keinem Vorgesetzten bestraft worden ist, das gilt diesem Herrn als Ursache zur Verhängung von Geldstrafen in Höhe von 50 Pf., was bei einem Höchsttagelohn von 3M. keine Kleinigkeit ist. So wurden kürzlich sieben Arbeiter mit je 60 Pf. bestraft, weil eine Handlatenie, die nicht einmal alle sieben zu benutzen hatten, nicht gereinigt worden war. In der zwölfstüiidigen Nachtschicht der Maschinenputzer sind keine regelmäßigen Pausen vorgesehen, weil die Art deS Nachtdienstes es mit sich dringt, daß Arbeit und Pausen in regelloser Weise ab- wechseln. Während es von jeher als selbstverständliches Recht der Arbeiter galt, daß sie in den nnrcgelinäßigcn Pausen, die der Nacht dienst ergiebt, auf der Bank sitzend, ein wenig einnicken durfte». belegt der Werkmeister- Diätar jeden mit Strafe, den er während der nächtlichen Pausen schlafend findet. Die Arbeiter. die sich bei ihrem Vorgesetzten besonders mißliebig gemacht haben. werden in den„Verbrecher schuppen' versetzt. So nennen die Arbeiter nämlich einen Lokomotivschuppen, in dem ein ehemaliger Unteroffizier mit ganz besonderer Schneidigkeit seines Amts als Vorarbeiter waltet und ein kasernen- und exerzierplatzmäßigeS Regiment über die ihn, unterstellten Arbeiter ausübt. Eine derartige Behandlung ist natürlich nur möglich, weil die hier in Frage kommenden Arbeiter noch nicht zum vollen Bewußtsein ihrer Menschenwürde gelangt sind, weil den meisten von ihnen noch die Erkenntnis fehlt, daß sie nur in solidarischem Zusammen halten mit ihren Klassengenossen bessere Arbeitsverhältnisse erringen können. So lange der Mehrheit der Eiseubahnarbeiter diese Einsicht mangelt, müssen leider auch die Vorgeschrittenen unter ihnen mit den Indifferenten und Zurückgebliebenen leiden. Das Beschwerderecht deS Arme» kam in der letzten Ver- sammlung der Armenkommissions-Vorstehcr zur Sprache. Wiederholt ist von Arnienkommissionen das Verlangen ge äußert worden, daß Anne, die gegen die Entscheidungen von Kommissionen Beschwerde erheben, von der Arniendirektion zurückgewiesen würden. Manche in den Armen koinmisfionen sitzende Herren behaupten, daß sie in ihrer Thütigkeit behindert und in ihrem Ansehen geschmälert werde», wenn solchen Beschwerden Folge gegeben werde. Der Vorsitzende der Armem direktion. Stadtrat Dr. M ü n st e r b e r g, steht in dieser Frage er- freulicherweise nicht auf dem engherzigen Standpunkt, den ein Teil der Arnienkommissionen einnimmt. Er stellte i» der crivähnten Ver- sammllmg deii Gnmdsatz auf(der eigentlich für jedermann selbst- verständlich sei» sollte), daß auch der Arme eine zweite Instanz haben muß. Eine Lösung dieser Frage ist bereits versucht worden. Es ist bei der Arniendirektion ein ständiger A u s s ch» ß eingesetzt worden, der die von Armen ein- gehenden Beschwerden zu prüfen und zu erledigen hat. Ei» be sonderer Beamter nimmt die Beschwerden auf, doch hat er. um im gerechtfertigte Beschwerden zu verhüten, vorher möglichst die betreffenden Akten einzusehen, solvie die Beschwerdeführer zu erniahnen, daß sie zunächst bei dem Vorsteher ihrer Kommission vorstellig werden. Die Armeiikominissioiien erhalten von jeder angenommenen Beschwerde Mitteilung, auch werden die betreffenden Vorsteher zur Teilnahme an der Sitzung des Beschwerde-AuSschusseS eingeladen. Die neue Einrichtung bat sich, nach MünsterbergS Versicherung, gut bewährt und soll weiter ausgebildet werden. An Influenza starben in Berlin in der Woche vom 23. Januar bis 3. Februar 22 Personen. Für die folgende Woche von» 4. bis 10. Februar ergeben bereits die vorläufigen ärztlichen Meldimgen eine weitere Steigerung auf weit über 40 Stcrbefälle. Eine gleich hohe Jnflnenza-Sterblichkeit in einer einzigen Woche war in Berlin nach 1805 nicht mehr beobachtet worden. Die AbschätzungS-Vcrordnctc» erhielten im Jahre 1800 von der Steiierdcputation 6190 Aufträge. Davon lvurdeii 6107 erledigt. und zwar 4250 durch Abschätzung, 1088 durch Berichtcrswttung. Den Revisionskommissionen ginge» 169 Sachen zu. Im Einspruchs- verfahren erfolgte 148 mal eine Revisionsabschätzung, wobei der ur- 'prünglich ermittelte WohnungSmietswort 06 mal ermäßigt. 27 mal bestätigt, 25 mal erhöht wurde. Zum Vorsteher der Abschätzungs- Verordneten für 1000 ist der bisherige Vorsteher Stadtverordneter Jordan wiedergewählt worden. In ein fremdes Gehege verirrt sich die jüdische„Kreuz- Zeitung" in einem Bericht über die Giordano Bruno-Feier vom Sonntag. Das Blatt des Hern» Dr. Leipziger schreibt von dem Gefeierten: „Sein Name darf nicht benutzt werden,'um das Volk, das Brunos iimerstcm Wcfen fernsteht und fernstehen muß. weil es ihn. sein Fühlen und Denken nicht verstehen kann, zur unbcdachten Polemik gegen ehrwürdige und althergebrachte I n st i t u t i o n e n f o r t z u r e i ß e n." Ilnsres Wissens haben Giordano Bruno und feine Schüler es wohl mit der katholischen Kirche, aber keineswegs mit der Synagoge oder dem Rabbinat verdorben. Wozu also das Geschrei? Die noch immer mangelnde Durchführung dcö Radtal- ystcnis XI hatte den Grundbesttzer-Verei» der Prenzlauer Thor- und angrenzenden Stadtteile zu einer Beschiverde an die Kanalisatious- Deputation veranlaßt. Nach der hierauf erteilten Antwort liegt die Schlvicrigkeit darin, daß einerseits die projektierte Anlage der Riesel« 'eldcr noch nicht die Genehmigung der Staatsrcgicrung erhalten hat, anderseits eine Umänderun'g des Bebauungsplans im Gebiete des NadialsystemS XI erforderlich geworden ist. Der Grundbesitzer- Verein wird sich nunmehr mit einer Beschwerde an den Ober- Präsidenten wenden und darum ersuchen, den Stadtteil im Zuge der Weißeliburgerstraße bis zur Verbindungsbahn an die Radial- ysteme V und X anzuschließen. Zur Affaire Sternberg weiß eine hiesige Korrespondenz olgende Mitteilungen über den augenblicklichen Stand der ensationellen Angelegenheit zu machen: Sternberg hat, trotzdem er neuerdings eine Kaution von fünf Millionen Mark anbot, seine Haftentlassung nicht erwirken könne». In fünf Fällen t die Bornntersnckung geschlossen, aber es gehen imnicr neue An- chuldigungen bei den Behörden ein, die der Strafsache eine immer größere Ausdehnung geben. Neuerdings hat die Polizei einen Brief ermittelt und zu den Akten gegeben, den die von Sternberg nach New Dork abgeschobene Frau Fischer an ihre hier lebende Schwester gerichtet hat. Dicier Brief erscheint nach mehreren Richtungen hin bemerkenswert. Einmal iverden darin die belastenden Angaben des zwölfjährigen Mädchens bestätigt und dann stellt die Fischer ihre R ü ck k e h r' in Aussicht. Ferner sucht die Fischer ihre eigne Sache, die Beihilfe zu sdcn Sternbergschen Machenschaften in ein für sie günstiges Licht zu rücken, indem sie angicbt. daß sie selbst getäuscht worden fei, da sie von SternbergS verbrecherischen Absichten nichts gewußt habe. Der Brief wurde zu den Akten genommen. Bon den Bahnhöfen deS NordringS der Stadt- und Ring- bahn ist der Bahnhof Prenzlauer Allee unziveifelhaft einer der belebtesten. Wie uns geschrieben wird, lassen die SicherheitS- zustände in der Gegend deS Bahnhofs leider recht oft zu wünschen übrig. Der Durchgang von der Prenzlauer-Allce nach der Dunckcr- und Stargardterstraße ist zu manchen Abendstunden eine der un- sichersten Passagen. Die Beleuchtung fehlt, falls kein Mondschein ist, vollständig, und daher sind Bekanutschaften unangenehmer Art nichts Seltenes für den arglosen Wanderer! vor allem aber ist es für Frauen bei Eintritt der Dunkelheit eine gefährliche Sache, den Durchgang zu passieren. Ein häßlicher Vorgang spielie sich vor einigen Tagen in der Gegend ab. Ein Bursche hatte eine Frau in ungeziemender Weise belästigt und war von einem zufällig des Wegs kommenden Steinsetzer wegen seines Betragens zurechtgewiesen ivorden. Nun fiel der Bursche wie rasend über den Steinsetzer her, biß ihn in die Hand und brachte ihn auch im Gesicht mehrere nicht unerhebliche Verletzungen bei. Die Bewohner der Gegend wünschen dringend, daß die Behörde auf das Rowdytum in jener Gegend Obacht geben und daß vor allem von zuständiger Seite für genügende Beleuchtung des Durch- gangs gesorgt werde. Ter„Berliner Joniialistc»- und Schriftsteller-Verein" hat in seiner letzten Sitzung folgende Erklärung beschlossen:„Mit Befremden haben wir von der Aeußerung des Stadwerordneten- Vorstehers Dr. L a n g e r h a n s Kenntnis gcuommen, der Angehörige der Presse öffentlich in geringschätziger Weise als. Zeitung s« schreiber" bezeichnet hat. Der Berliner Jouiialisten- und Schrift- stcller-Verein bedauert, daß selbst in der Berliner Stadtverordneten- Vcrsanmilung ein so geringes Verständnis vorhanden ist für die un- ermüdliche Arbeit der Presse, in einer Stadtverordneten-Versammlnng, deren Verhandlungen doch erst durch die Thätigkeit der Presse Be- achtnng in weiten Kreisen finden 1" Eine neue Zwangsiniunig, und zwar für das Töpfer- und Ofensetzer-Handiverk in den Bezirken der Stadtgemeiiidcn Berlin. Charlottenburg. Schöneberg und Rixdorf und den Gemeindebezirken Rciuickcndorf, Schönholz, Pankow, Nieder-Schönhausen, Heinersdorf, Hohen- Schönhansen, Friedrichsberg- Lichtenberg, Friedrichsfelde, Rummelsburg und Stralau, mit dem Sitz in Berlin, soll am 1. Mai dieses Jahres errichtet werden. Der brandenburgischc Probinzial-Landtag ist Sonntagmit« tag im Ständehause, Matthäikirchstraße 12, eröffnet worden. Ange- lcgcuhciteu von weiterem Interesse wurden nicht verhandelt. DaS Festessen, daS der Oberpräsident alljährlich dem Provinzial-Landtag zu geben pflegt, findet diesmal am nächsten Mittwoch statt. Der Kaiser wird, wie die Blätter wissen wollen, daran in diesem Jahre wegen Abwesenheit von Berlin nicht teilnehmen. Ein Gerüsteinstnrz tvird aus der Potsdamerstr. 02 gemeldet. Dort wird auf dem Hofe der Neubau der Dr. O.schen Klmik auf- geführt. Moutagnachinittag lim 4>/s Uhr waren mehrere Maurer auf einer im Innern des' Gebäudes im ersten Stock angebrachten Rüstung thätig. Nun sollen sich Lagerhölzer, die den Belag trugen, infolge der Nässe verschoben hatten und an einer zu schwer be- lasteten Stelle durchgebrochen sein, sodaß das Gerüst zusammensank und die Arbeiter niit sich hinunterriß. Der Maurer Fiebig erlitt dabei einen rechtsseitigen A r m b r u ch, Quetschungen und Ver- letzungen am Kopf. Die übrigen vier wurden nur leicht verletzt. F. wurde nach einem Krankeuhaus gebracht. LandgerichtSdirektor Dr. Felifch, der Vorsitzende der ersten Strafkammer des Landgerichts l, hat einen längeren Urlaub erhalten, von ivelche»» er schwerlich in fein bisheriges Amt zurückkehren wird. Er hat einen Ruf in daS Reichs-Marineamt erhalten und wird im Interesse dieses neuen Amts zunächst eine längere Seereise antreten. Scidcnwarcn im Werte von 30 000 M. sind Einbrechern gestern früh in der Zeit von 3 bis 7 Uhr in der Modewarenhandlung von Feibusch u. Prrnß an der Leipziger- und Markgrafenstrahen- Ecke in die Hände gefallen. Einer der Diebe hat das gestohlene Gut kurz vor Eröffnimg der Nebeugeschäftc auf einen zweirädrigen Hand- wagen geladen und ist damit unbehindert nach dem Spittelmarkt zu davon gefahren. Ein Weichensteller der Straßenbahn und ein Ge- schäftsmann sahei» ihm zu, ohne daß sie Verdacht schöpften. ES handelt sich wohl um dieselbe Diebesbande, die vor acht Tagen in der Stallschreiberstraße für 20 000 M. Stoff entwendete. Unter die Räder eines Eisenbahnzuges kam gestern früh kurz vor 6 Uhr der 26 Jahre alte Sattler Georg Stcrnberg auS der Bruinieustraße 83. Er war in der Gelvehrfabrik zu Spandau be- schästigt und benutzte de» Arbeiterzug vom Bahnhof Gesundbrunnen. Gestern traf er gerade in dem Augenblick aus dem Bahnhofe ein, als sich der Zug in Bewegung setzte. Um aber die Arbeit nicht zu versäumen, Ivolltc er noch einsteigen, glitt ab und kam mit beiden Beinen unter die Räder. Der Zug mußte halten, damit man den Verunglückten befreien konnte. Das rechte Bein ivurde ihm abge- guctsch't, das linke mehrfach gebrochen und der Kopf durch das Auf- schlagen auf den Bahnsteig verletzt. Ein Schutzmann brachte ihn in einer Droschke nach der Charitö. KultnSminister Dr. Stndt ist gestern im Abgeordnetenhause auf den, Fußboden ausgeglitten und hat sich einen Bruch deS Schultera elenks zugezogen. Prof. König von der Charitö, der telephonisch herbeigerufen wurde, behandelte den Minister.— Ucberfahrc« und getötet ivurde am Sonntagnachmittag der Maurer Krüger aus der Memelerstraße. Er war nach einem Be- gräbnis in Wilhelmsberg bei Berlin im Herrschclschcn Lokal ein- gekehrt, und wurde dann beim Ueberschreiten des StraßendannnS von einem Doppclwagen der elektrischen Bahnlinie Waßmanustraße— Hohen- Schönhausen erfaßt und getötet, und zwar vor den Augen 'einer Frau und der übrigen Traucrgcscllschaft. Die ersten Frühlingsboten» die Stare, sind in den Berliner Parks eingetroffen. Die Giordano Bruno-Feier am Sonntag, den 18. d. M.. im Beethovensaal war von mehr als 1000 Personen besucht, während noch Hunderte zurückgewiesen werden mußten. Das Orchester leitete den Festakt durch Beethovens Egmoiit-Ouvertnre schwungvoll ein, worauf das Mitglied des Deutsche» Theaters. Fräulein D u m o n t, einen dichterisch fein empfundenen Prolog von Julius Hart in seelen- vollem Ton vortrug. Alsdann folgte die Rede des Dr. Brunn- h o f e r. Derselbe ist ein tüchtiger Bruno-Forscher, erwies sich in- dessen als ungeciguct, bei einer so imposanten Beraiistaltuiig den Denker und Märtyrer Bruno begeistert und be- g e i st e r n d zu feiern. Er sprach fast durchweg in» trocknen Gelehrtenton und gab nichts von dein, was der Blutzeuge und Bahnbrecher der modernen Wcltanschauuua gerade unsrer Zeit sein kann und soll! Nach dem dürren Fauiulus Wagner kam aber Faust zmii Wort, indem einige der prachtvollen Sonette Giordano Brunos recitiert wurden. Herr Laurence erfüllte diese Aufgabe in wirkungsvoller Weise, und die gewaltige Zuhörernienge gab deutlich zn erkennen, daß sie auch den Poeten Bruno verstand. Zum Schluß der Feier ertönten die Klänge von WagnerS„Einzug der Götter in Walhall'... Wie wir nun noch mitteilen wollen, plant derselbe Festansschuß eine neue Beranstaltung. durch welche auch die diesmal zum Fernbleibe» Gezwungenen Gelegenheit erhalten sollen, an einer zündenden Kundgebung für den freien, modernen Geist teilznnchmcn. Die Neue freie Volksbühne bringt am Sonntag, den SS. Februar, nachuiittags 2 llhr, im Thalia-Theater, DreSdenerstrabe 72, das in Deutsch- land noch nicht aufgeführte sociale Drama„Die schlechten Hirten" von Octave Mirbeau, deutsch von A. B. iind W, L, zur Aufführung. Die Regie liegt in Händen des Herrn Friedr. Mocst, Fcncrbericht. Sonntagabend entstand durch eine»mgeworfens Petroleumlanipe ein Zimmerbrand in der S ch ö n h a n s e r A l l e e 22. wobei Möbel eingenichert wurden. Kurz vorher erfolgte ein Alarm nach R n ii g e st r, 15, der auf iiiedergcdrückten Rauch zurückzuführen war. E l i s a b e t h st r. 20 hatte der' Fußboden und die Balkenlage Feuer ffefangen. Körbe mit Kleidungsstücken und Wäsche gingen D r a g o n e r st r. 50 und W a s s c r t h o r st r. 63 in Flammen auf, doch brauchte in beiden Fällen die herbeigerufene Wehr nicht ein- ghgreisem W a l d e ni a r st r.-10 ivar in einem Putzgeschäft ein Schadenfeuer abzulöschen, das auch das Hans erheblich beschädigte. Auberdcm erfolgte Mn g d e b u r g e r st r. 20 ei» Zimmcrbrand, der Gardinen und Möbel einäscherte. Ans den Anchbarorte». Partciversninlnlungcu in de» Vororten. Mittwochabend 8''z Ilhr findet in Wilmersdorf bei Witte, Bcrlmerstn 40, die Versammlung dcS socialdeinokratischcn Vereins statt. Zahlreiches Er- scheinen ist geboten. Die Mitglieder werden ans§ 7 der Statuten hingewiesen.— In 57 ö p n i ck tagt der socialdemolratische Verein beute abend 8'/s Uhr bei Stippekohl, Schöncrlmdcrstrasze. Referent ist Dr. Wollheim.— Schmargendorf. Heute, abends 8r/e Uhr, Versamm- lung des Arbcitcr-BildungSÜcrcins im Wirtshans Schmargendorf. Vor- trag über Punkt 3 unsrcs Programms.— In Baumschulen w e g hielt Miklivöcki in einer bei Ackcrntanil stattfindenden Volks- Versammlung Genosse Krebs-über die Stellung der Socialdcmokratie in der Gcincindcvcrtrctuiig einen Vortrag. Erkner. Die letzte Sitzniig der Geincindebertretniig beschäftigte sich mit der Petition der Parteigenossen, den Wahlakt der dritten Klasse ait einem Sonntag oder doch ivcnigstcns in der Zeit von 6—0 Ilhr am Abend eines Wochentags abzuhalten. Der Gemeinde- Vorsteher leitete die Debatte darüber mit den eine' nicht zu grosje Gesetzeskenntnis verratenden Worte» ein:„Es hat von Ihnen wohl noch keiner darüber nachgedacht, wie das tvtrden soll, da doch alle drei Klassen an einem Tage wählen." Gemeinde- Vertreter Herr S p i n d l e r, der sich sonst sehr arbeitcrfrcnndlich gericrt, erklärte sich gegen die geplante Wahlaktsverlegung»nd empfahl„Erknndignngen" einzuziehen, ob und wo schon Wahlen des Abends stattgefunden haben. Herr Lehrer S ch e l ck, der in öffentlicher Versammlung erklärt hatte, für uiiscrn Antrag energisch einzutreten, hielt sein Wort insofern, als er eine Rede zu dessen Gunsten hielt;— wer aber Herrn Schclcks Rcdegabe und Einfluß kennt, innß zugeben, daß diese Ncde «den gerade der freudigen Energie entbehrte. Ohne Abstimmung ging die Petition in die Mappe zurück, nachdem Herr Spindler noch- mals erklärt hatte, daß der Vormittag die beste Wahlzeit sei und der Herr Gemeindevorsteher hinzugefügt hatte, daß die Angelegenheit ja mm„im großen und ganzen" erledigt sei.— Weniger Entgegenkommen kann wohl der Majorität der Bevölkerung, in deren» Auftrage die Petition abgesandt war, nicht geboten werden. Ter Falschmünzer, der sich in Brandenburg erschoß, nachdem er einen Wachtmeister angeschossen hatte. gehört nicht zu den Berliner Verbrechern seiner Spccics. Seine Papiere sind bei der hiesigen Kriminal- Polizei weder als gestohlen noch als vcr- koren gemeldet. Allerdings ist ein Diebstahl an Papieren ans den Hausdiener Samuel Jamutte am Freitagmorgcn in einen» Gasthose am Schlesischcn Bahnhos vorgekommen. Der Dieb hatte dort zwei Dage gewohnt, das Zimmer des Hansdieners mit einem Nachschlüssel geöffnet, die ledernen Koffer mit einem Messer zerschnitten und nach Geld durchsucht, um sich schließlich mit sechs Zengnisscii zu begnügen. Das ändert aber an der Sache nichts, da auch von den ans den Papieren ersichtlichen Namen keiner auf einen Berliner Falschmünzer zutrifft. Ebensowenig kann die Beschreibung des Selbstmörders einen Anhalt dafür geben. daß es sich um einen Berliner Falschminizer handelt. UebriaenS geht ein Berliner Falsch- münzer nicht so thöricht zu Werk, mit seinem Handwerkszeug im Land umher zu rciscu. Es bleibt demnach nur die Annahme übrig, daß der Ilnbekauutc von auswärts nach Berlin zugereist war und sich dann in die Provinz begeben hat, um falsches Geld' herzustellen oder solches abzusetzen. Ans Reinickendorf wird uns berichtet:„Mehr P o I i z e i ist auch an uuserin Orte die Losung. Die Gcmciudevcrtretnng hat sich damit einverstanden erklärt, daß zu den jetzt vorhandenen drei Amts- dienern zwei neue eingestellt werden, nachdem vom AnitSvorsteher auseinander gesetzt ist, daß die alten Beamten nicht im stände sind, den Sicherheitsdienst genügend zu versehen, da ihre Zeit vorlvicgend durch Botendienste in Anspruch genommen wird.— Tie Gemeinde Reinickendorf will sich an der Errichtung des von Berlin geplanten Nord Paris beteiligen, voraus- gesetzt, daß bei Anlegung des Parks die Abdeckerei und der Ablade- platz beseitigt wird.— Da der Landrat mit der beschlossenen Bc- schnffung eines DeSinfektiousapparats nicht einverstanden ist. soll zunächst ein Polizeibcaniter als Desinfektor ausgebildet werden. — Zum Ausbau der S ch a r nw e b e r st r a ß e will die Gemeinde 40 000 M. beitragen, zum Ausbau der Hauptstraße 30 000 M. und zum Ausbau der Provinzstratze 210 000 M. Das Geld hierfür wird zu 4 Proz. Zinsen und 3 sation bei der Amorti - 3" Proz. Zinsen und 3 Proz. Kreis- Sparkasse aufgenommen. Kanali sationszwcckei, will die Central- Boden- Kredit Gesellschaft der � Gemeinde eine halbe Million Mark leihen. Die Gemeinde beschloß, die Anleihe anfzunehmen, vorausgesetzt, daß die Bedingungen in einem Punkt günstiger gestaltet iverden.— Die von der Gemeindevertretung schon zu wiederholten Malen abgelehnte und vom Negicrnngs- Assessor v. d. Goltz mehrfach abgeänderte P o I i z e i- P e r o r d n u n g ist auch in der vor- gelegten neuen Fasjung Ivicdcr abgelehnt worden.— Bczüg- lich der Polizci-Vcrordnung über die Beschäftigung von Schulkindern gicbt der Kreislandrat anHeim, z»» erwägen, 1. den Kindern das Bedienen der Gäste in Schaiikstätten zu unter- sagen: 2. Kindern unter 0 Fahren die Beschäftigung in Gewerbe- betrieben zu verbieten. Die Vertretung erachtete den ersten Absatz als zu Recht bestehend, während der zweite aus verschiedenen Gründen abgelehnt wurde. Schönhatlsr», 10. Februar. Heute vormittag gegen lOVe Ilhr fauden Arbeiter auf. dem Felde einen anständig gekleideten Manu völlig hilslos im größten Schmutz liegen. Der noch Lebende, »velcher aber keinen Laut mehr von sich gab,»vilrdc nach Herbei- holmig � eines Gcudarmcii zunächst zum Gutsvorstand und dann auf dessen Veranlassung nach dem Krankcnhansc in Rmiimels» b»rg geschafft, Ivo er bald nach der Eiulicfcrung unter VcrgiflmigS- ericheinimge» verstarb. Papiere, welche der Verstorbene bei sich führte, lantetei! ans den Namen des Fnhrwcrksbesitzcrs R'cuüc- mann aus Wcißenscc. Gevilszks-ZviZung. Eine cuitzschlciiswcrte Privat-Tctcktivi» stand gestern. in der Person der unvcrcliclichtcn Anna F e n s ch vor der ersten Straf- kammcr des Landgerichts I. Die Angcllagte ist früher bei dem Privat-Dctektiv-Justitul„Greif" angestellt gewesen. Noch der Porurtciluiig des Inhabers, des früheren slriimualkomniisiatt G r ü tz m a ch e r, und der Auslösung dcS Instituts hat die Angeklagte dann selbständig Teteltivgcschäste betrieben. Im v»rfloffcueii Jahre gab sie, kaum 17 Jahre alt, cinciii 5b i n d c das Leben, wußte dies Ereignis aber vor ihren Eltern geheim zu halte», indem sie ihnen vorredete, daß sie geschäftlich ans Rersep gehen müffe. Thatsächlich � hatte sie sich bei einer Frau Flicgncr eingemietet. Sie cntivcndelc derselben ein Sparkaffcndnch über 102 ZI?., doS sie zu Geld machte, als sie zum erstenmal wieder auS- gehen koimte. Sie iinterzeichuelc den QuittungSverinerk mit einem frcmdci» Namen und machte sich dadurch einer Urkniidciifälschung schuldig. Die Straslhat blieb längere Zeit mieutdeckt. Tie Angeklagte war inzwischeu wieder zu ihren Eltern zurückgekehrt. Ihrer Wohiiliug in einem Seitengebäude lag die des Malers M. gegen- über. Tie Augclla'gtc komiie häufig beobachten, daß M. an seinem »eben dem Fensier stehenden Schreibtisch saß und Geld zählte. Dies reiste in ihr ciucuDicbstahISPlan, den sie in der raffiiiierteslen Weise ausführte. M. war des Tags über wenig zu Hause, seine vierzehn- jährige Tochter lvdr dann die einzige Hüterin der Wohnung. Die Angeklagte machte sich mit dem jungen Mädchen bekannt und ffaiid Zutritt zu der Wohnung unter dem Vorwande, daß sie gern einmal das Piano prüfen mochte, da sie sich auch ein solches anschaffen wolle. Sie schickte dann das junge Mädchen, wie wir schon vor längerer Zeit berichten konnten, fort, um Obst zu holen und diese kurze Zeit des Alleinseins benutzte die Feilsch, um aus dem Schreibtische 140 Mark zu ciitweudcn. Der Diebstahl wurde an demselben Abend entdeckt. Im Termin versuchte die An- geklagte, den Verdacht auf die eigne Tochter dcS Bestohlcncn zi 'lenken, erst am Schlüsse der Bclveisaufnahme bequeüite sie sich z> einem Geständnis. Der Vorsitzende crkvähnte. daß die Angeklagte m ihrer Eigenschaft als Dctcktivin besonders in E h e s ch c i d n n g s- fache n gearbeitet und durch ihr Spionieren viele Personen unglücklich gemacht haben soll. Das llrteil lautete auf eine G e f ä u g ii i s st r a s e von einem Jahre. Die Zlbentcuerlnst ist den beiden Igjährigen Mädchen Giebow und K ii tz n e r, die gestern unter der Anklage der schweren Urkunden- sälschiiiig vor der ersten Strafkammer standen, schlecht bekommen. Die Mädchen, Töchter achtbarer Eltern, waren der strengen häus- lichcn Zucht müde, beschlossen, sich in den Strudel des Berliner Lebens zu stürzen, und entliefen ihren ElteriiIum in einer gemeinsam gemieteten möblierten Stube sich den richtigen Genuß des Lebens, wie er sich in ihren Köpfen ausmalte, zu verschaffen. Da ihre Mittel bald sehr knapp wurden, verfiel die zweite An- geklagte auf folgenden Gedanken, den sie»nitcr Beihilfe ihrer Freundin ausführte: Sie waßte, daß ihr Vater, ein kleiner Fabrikani, mit einem hiesigen Verkehrsiiisliliit in Verbindung stand mid bei demselben eine Forderung ausstehen hatte. Sie setzte sich mit dem Institut tclephoiiisch in Verbindung mid meldete im Name» ihres Vaters an, daß in etwa einer halben Stunde ein junges Mädchen im Bureau erscheinen und die Rechnung einkassieren lvürde. Dieses Mädchen war die erste Slngeklagte, die das Geld ani Grmid einer von den beiden Mädchen gemeinschaftlich. gefälschten Oiiittimg thatsächlich erhielt. TaS Verschwinden de»- beiden Mädchen mußte schließlich von den Eltern der Polizei angezeigt werden, diese ermittelte den Aufenthalt der Angeklagten und bei dieser Gelegenheit blieb auch die von ihnen begairgciic Strafthat nicht ücrborgcii. Die Angeklagten bekundeten in reichen Thräiienergüssen'i�re Rene über die Schmach. die sie über ihre Eltern und über sich selbst gebracht haben. Mit Rücksicht auf ihr ugendliches Alter kamen sie m»t je zwei Woche» Gefängnis davon. In Auwcsciiheit zahlreicher Hotclaugestellter verhandelte das Schöffengericht folgende Beleidigniigsllage: Der Verleger und Redactenr der Zeitung„Der H o t c l d'i e n e r" brachte in diesem Blatt seiner Zeit einen Artikel, in welchem einer Frau Angerstein, die ein bedeutendes Stellcnvcrmittclnngsburcau für Hotclaiigestcllte hat, der Vorwurf gemacht wurde, daß sie durch zu hohe Provisionen Stellcnwncher" treibe. Frau Angerstcin strengte die Pribatkloge an. Der Beklagte trat durch Rechtsanwalt Holz einen umfassenden Wahrheitsbeweis an, der auf Antrag des Rechtsanwalts Leop. Meyer, der die 57lägeri>i vertrat, in vollem Umfange erhoben wurde. Ter Belveis fiel zu Ungmiste»» des Angeklagten aus. Nachdc»»» noch der Vorsitzende des Hotelbesitzervereins. Hr. Heinrich, sein Gutachten dahin abgegeben hatte, daß die von der Klägerin erhobenen Provisionen hier ortsüblich seien, kam ein Vergleich zu stände auf der Basis, daß der Augeklagle in seinem Blatte die erhobenen Vorwürfe mit dem Ausdrucke dcS Bedauerns zurücknimmt und die Kosten trägt. Wegen Unterschlagung» begangen durch Verkauf von Möbeln, welche ihm von der Arineiidircktion leihlveise überlassen waren, wurde ein hiesiger Eiiiwohiicr mit 14 Tagen Gefängnis bestraft. In der Strassachc v. Kriegshei« und Genossen ist nun auch von dem Haii»itaiigcklagtcii v. Kriegsheim Revision gegen daS Urteil der III. Strafkammer eingelegt worden. Landgcrichtsrat Ncumann, dem dje Abfassung dcS Erkenntnisses obliegt, hat zu diesem Zweck einen vicrzchutägigcn Urlaub erhalten. Vevssunmltmüen. Eine von 300 Malern besuchte Versammlung � tagte am t4. d. M. Zunächst teilte Link mit, daß, trotzdem die Kleber sich im Streik befinden, einige Maler sich gefunden hätten, 57lebcrarbeit zu verrichteten. Redner bedauerte das misolidarischc Verhalten der Maler. Hierauf gelaugte die Frage des Arbeitsnachweises zur Besprechung. Wäh- rcndHöfS und einige andere Mitglieder unter Züstimnmng derVersaimn- lniig für das Fortbestehen des cigencn Arbeitsnachweises plädierten, erklärten sich Kölln mid Buschhold für den paritätischen Nachweis. Zlini Schluß gelangte folgende Resolution zur Amiahinc: Der Arbeitsnachweis der Organisation bleibt in Form lind Gestalt ivcilcr bestehen. Ferner verpstichten sich die 57ollcgcn. in den 6 Sommer- mvnatcn a Monat 20 Pf. für den Arbeitsnachweis zu zahlen. Ein Zusatzantrag, die nicht organisierte:: 5lollegen am Arbeitsnachweis teilnehmen zu lassen, wurde abgelehnt. Tic Böttcher hielten am Sonntag bei Nümanii, Brunnen- slraße, eine gut besuchte öffentliche Bersammlimg ab. Nach einem kurzen Bericht über die Thätigkcit der Berliner GcwcrkichaftS- kommisston wurde Kroll als Bertranensniaiin und als Delegierter zur Gewerkschaftskommission und P a p e n f u ß als, Stellvcrtreier gewählt. Hierauf wurden die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Brauereien erörtert. Bon 12 größeren Brauereien, in denen die Arbeitsverhältnisse genau ermittelt worden sind, besteht in 0 die Oi/ü- mid in 3 die 0- bis OVs-ftündige Arbeitszeit. In 8 Brauereien wird ein Wochenlohn von 27 2)?., in 4 ein solcher von 28.50 vis 30 M. bezahlt. Tie sanitären und hygienischen Zustäiidc lassen viel zu wünschen übrig. Insbesondere ist ein Mangel bezüglich der Wasch- mid Umkleideräume, der Bade- ciiirichtungcu mid Bcdürfiiisaiistalten vorhanden mid in einigen Brauereien sind die Böttchcrwerkjtättc» ganz besonders schlecht beschaffen. Wie von mehreren Rednern angeführt wurde, ist die Ansnütziing der Arbeitskräfte erheblich intensiver geworden und sind die zahlreichen Unglücksfälle und vielen Erlranknngcn im Berns in den letzten Jahren zum großen Teil ans die Ucberanstrengnng zurückzuführen. Nach längerer Debatte, in der auch darauf hingcivicieii wurde, daß eine nennenswerte Aiifbcffcrniig der Lohn»»nd Arbeitsbedingungen für die Bötlchcr in den letzten 10 Jahren nicht stattgefunden ha», wurde einstimmig bcschlosjcn. in allen Brauereien einen Mini- in a I II o h ii von 31 Mark und die Einführung der 0 st ü n d i g e n Arbeitszeit f ii r die Böttcher zu fordern. Ferner wurde cinö Äoinmiision. bestehend aus N c u m a n n. K r o l l, N e l s, W u I s k i mid B a u t s ch geivählt, welche den Böaiirreien die Forderung unterbreiten soll. Allßerdcm gelaugte ein Antrag zur Amiahme, wonach in allen Brauereien, wo dies bisher noch nicht gc- ichchcn ist, Vertrancnsmäiiiiner zu wählen und die Sammlungen zum Geiieralfonds vorzunchnicii sind. Der Bericht des Gcicllen-AnsschusseS der Junmigen wurde bis zur nächsten öffentlichen Versammlung vertagt, in der dann auch über die Mißstände, die bei dem Arbeitsnachweis der Riiigbraucreie» ob- walten, verhandelt werden soll. Egidy-Vcreiuiguiig. Dienstag, den 20. d. M. airuds 8»/z Ufir, in Kühnes Frstiaat, Niedcnvallflr. 20. Herr Gühler:„Ist es sociale Pflicht, den aewerblicheii Miltelfland zu stützen?" Gaste willkoimiicii. Konninivercin„Eintracht". Arn Dienstag, den 20. d M., oedciit- liche Gciieralvciiaiiimliliig.— Am Sonnabend, den 24 d. M., Mouals- vcrjammluug. Beide bei Zimmer, Annenstr. v, abends 8'/, Uhr. Vevmifchkess Eine Nachricht von Audrse? Ein hiesiges Sensationsblait will ans Stockholm folgende Nachricht erhalten haben: Ein neues Andree-Gcrücht ist über London von Ottawa» m a r l t vom 17, Februar, Auf dem Getreiden in a r l t trat nach behauptetem Beginn eme Abschwäckiuug ein auf Fori- dancr der milde», rcgncruchcn Wittenilig und, matten HalNing der übrigen ruroväischcil Märlie, Auch die schwachen Meldungen aus Paris und Nord- amcrila riefen bei uiiS Rcalisierungslust für Brotgetreide hervor. Dabei verliielten sich die Nelimcr in hohem Grade rcscrviert, sodah die Uouätze wiederum beschränkt bliebe». Weizen war 0,75, Roggen über 1 Mart billiger zu haben. Haser lag ruhig aber fest, Rüböl nominell Preis haltend, Am S p i r i t u s m a r k t wurden 25 000 Liter loco 70er mit 47,20 M. (- 0,10) gehandelt. SKttternngSübersich« vom Ii). Februar ISVV. iiiorgenS« Uhr. der Cenlralflclle der Pienh, Land- ikveiier.Proguase für Dienstag, den 30. Februar 1900. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und zicinlich stärken westlichen Winde»; nachher oufklarcnd und etwas lühler. Berliner W e t t eac-kv r- au. Für>cu Jnljalt der Juserale Übernimmt die Nedflktio» dem Publikum gegeuüber keinerlei Bcraulworuiug.> TlzrQkcv. • D i e nL t ag, 20.'; Fe'bruar. Lpernhaus. Rntn. Djamileh. Die Puppmsee Ansang 7V2 Uhr. Schauspielhlins. Aui.StrafuÄaub. Aufaug?>/, Uhr.. Deutsches. DerProbekalldidat. An- sang 7l/z Uhr. Lcsstug. Der Athlet. Ansang 7>/z Uhr. Ncrliuer. Sirold. Aiifchia 1% Uhr. Neues. ZZakkte Atmst. Zkliialig 'Vj Uhr. Schiller. Fröschweiler. Ansang 8 Uhr. Westen. Der Aigeunerbaron. Au- tang 7>/� Uhr... Thalia. Im Hinunelhös. Ansang 7»/, Uhr. klicsidcuz. Die Dame von-Maxim. Anfang 7lsz Uhr. Suiscu. Drei Paar Schuhe. An- saiig.Ü Jlfji-,.______________ Central. Die kleine Exccllenz. Ans. 7V- ittu-: Carl Weih. Die Fagd nach dem Glück. Anfang 8 Uhr. Bellc-Zllliaucc. Dialektabend. An- fang S Uhr... Bieu.�. Berliner Bilder. Ansang Friedrich- Wilhelmstndtischcs. Allein in London. Ansänq 8 Uhr. /- Mcttopol. Svccialitntcnvorsiellinlg' Die verkehrte Welt. Ansang 8,llhr■>-,....... Apollo, svccialitäten- Lorstellung. Im Reiche des Jndra. Anfailg 7'/- Uhr. Palast,«pecialitätcn- Vorslcllllna. Ansang 71/, Uhr......... Sieichshalle». Stelliner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Pauavtikttm. Äpcciall- tareir-li«lNstc!lnng. »rauia. LtUbalidÄtstr.� iiT/AZ. Äaglich abends vonch— llt Uhr ' Elenilvarle. Tanbeustrasie 4S/49. Abends '8 Uhr:„Von den Alpen zum Bciuu"...... "Ick Hörsaal: Dr. Nah:„Die Porzellmlsabrikatköil".'''' Urania Taiilicuatrasse 48/4». Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen zum Vesuv". Hörsaal: Dr. Vass:„pie Porzellan- 1 fabrikation".: Invalidcnatr. 57/02: Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. Anatomisclies üluseom. Im Passage-Panopticum geöfinet 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Montag u. Dienstag abends 8 Uhr: Vortrag eines hiesigen Arztes: Heber das menschliche Ohr. Montag für Herren, Dienstag; für Damen. 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Morgen Mittwoch: Ii eine Siolree. Dienstag, 27. Februar: Fastnachts Ball. VI. Neaclis Theater, Brilluicustrahe 10. Der jüngste Wutenant. Post'e mit Gelang in 3 Akten v. Jacobsohn. Musik v. Lehnhardt. Jede» Soimtag. Ticustag und Tollnerstag nach der Vsrstcllung: Tauzkrättzcheu. IiiRÄv'- ist jeder xraktisehen Hausfrau dringend zu empfehlen, denn man kann durch ihren Gebrauch an Bohnenkaffee sparen. Wedding-Park I lösi. Frühstücks-Suppen � Müll er-Strasse 178.! Gemüse-«Nil Kraftsuppen Bouillon-Kapseln Suppen-Würze zu haben bei J. Jonas, XW., Zwinglistr. 14 c Norddeutsche Sänger. Biegler, Wolf, Hohenberg etc. s-' Entree 20 Pf., VorzugsbilleiS 15 Ps. Mtlsktil-lZarherobe. Gvöslt e Zl u s w n t) l. Billigste Preise: � Verein. Preisermäßigung. Fr. Panknin, Lronieitstraste Rr. X78 II. Adalbertitrasie 91. Clke Oraliienstraste. klelchsdellen. 8tettlner«ilnger Ällfailg: Wcchentags 8 Uhr, sonntags 7 Uhr. Eutree SO Pfeiililg. Voroerlans 40 Pf. Grojjilrtiges Propim I Clrlviis Buscli. Heute,_ Dienstag, den 20, Februar, abds. 7''. Uhr: GrandeSoiree equestre. Zmu'lOS. Male: Die C'ainorra. Ansteraem: Polo-Spiele zu Pferde. Equestrischer Karnevalszug Menuetts 3 cheval. Signor Ricardo mit seinen wunderbar dress. Hunden. Die Mal- .wees-Akrobaten-Trimpe. Oinkus Schumaim. Heule, DieuStag, de» 20. Februar, abends 7'� Uhr: Gr. Monstre• Vorstellung. Außer 10 der besten Nummern des Programms, Austreten der ueu- enaagierten Künstkräfie, soivie Bar- sührung der onerkannt unerreicht dastehenden Originatdressuren deS Dir. Alb. Schumann. Zum Echlüß. Zlim 19. Male: Dr. (Anfang der Pantomilne 9 Uhr> Eine romantü'ch-phantastisdie Hand- lung in 3 Ahieilniigen von Dr. Siems. Zu 2t nie gefetzt vom-Dir. Albert Schumann, und Hof- Ballettmeister A. Siems. Musik von:>!. Heyer. Regie Ballettnieister Reilinger. l.Akt: ImStudlerzimmerdeaDr.Faust. ÜKIf� Im Reiche der Glebc. 2. Akt: Ein Schützenfest im 16. Jahrhundert. 3. Akt: Die Herzogin von Parma. Der Hezensahhat ans dem Blocksberge. 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Tages-Ordilung: l. Historischer Dortrag deö NeichstngS-Abgcordnet-n"W. Bio« über: Die StliatSkimst Bismarcks. 2. Diskussion. 3. DereiiiSnngelegenheiten. Gaste babcn Zurritt. Neue Mitglieder werden aufgenonimen. AWk" Die Versammlung wird Pünktlich eröffnet.-Mg _ Oer Vorstand. DienStag, den äO. Februar, abends 8 Uhr, Waldrmarstr. 75: .. Sittinliiniioluntifititr Wahlvereln fttt dk« 4. Dcrl. Keichstligs-Mahlitreig W-Lft bei Herrn BrUder, NersammUmu. B TageS-Ordnung: 1. Vortrag bcS Genossen Dr. J. Zndck über:„Die Jnfluenza- Epideuue." 2. DlSknssion. 3. Dereinsangelegenheiten. 24Z/S SIW Gäste haben Zutritt."Wg Zahlreiches Erscheinen erwünscht _ Der Voratand. Dienstag, den SQ. Februar 1900, abends 8 Uhr, W-rks° Verl'an»»nl'nng im Lokal von �ipps(Friedrichshain). Tagesordnung: Vortrag des Reichstags- Abgeordneten A. Bebel über:„Div lex Hoinze und die öffvntlirho Sittlichkeit." Diskussion. Ole Vertranensperaon. Um zahlreiches Erscheinen, namentlich der Frauen, ersucht � SotialdemoKrattscher Mahlverem für den 6. Berliner Reichstagg-Mahlkreis. Dienataa, den SO. Februar, abends S3/,(Ihr, bei Gleincrt, Schnlatr. SO: Uerfammlnng TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genosse» Gduard Warnst über das neue Invaliden- LersichcrungS-Geseh. 2. Dislussion. 3. DereinSangclegenheiten. Gäste haben Zutritt. Oer Vorstand. Achtung, Wedding! Großer öffentlicher Bortrag für Damen und Heppen im„Neuen Naturhcilvercin" Charlottenburg-Berlin (Vorsitzende Ii». Kube) im.«SSliner Hof«, Berlin Ui.,«öSlinerstr. 8 Freitag, Den ZI Febrnar 19ÖÖ, abends Ujr: Maturbellkundige spricht Frl. M. Knbe, über Nerven- imb Geistes- Krankheiten. Unsere heutige Jrreupflege. Es werden kranke vorgestellt. 24g3b ES versäume niemand, diesen interessanten Bortrag zu besuchen. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand BiiGniiktm (Ging. Gen. mit brschr. Haftung) Sonntag, den S5. März 1900, nachmittags 5 llhr. im Lokale de« Herrn Carl Ern, Wehr wolf, Solingen: Velleral-Veramimhiiig Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht(Borlage der Bilanz pro 1893.) 2. Beschlnstfassung über Verwew dung des Ueberschusses. 3. Neuwahl des BorstandeS und des Aufsichtsrats. 4. Anträge. Oer AnPalclitarat. Elfte Abänderung des Statuts der Allgmein. LrtS-KrlllMajse geiverblicher Arbeiter ii.' Neue freie Volksbühne. Sonntag,£5. Februar, nachm. S Uhr, im Thalia-Theater, Dresdenerstr. TS: Ordentliche VerrinS-Borstellung. Die schlechten Hirten. Sociales Dranla in S Akten von Octave Mirbeau. Deutsch von _ A. B. und W. L. ■V* Einige Mitglieder werden noch b!S Donnerstag, den 22. Februar, aufgenommen. 130/3 _ Der Vorstand. H. Watt, Kassierer, Georgenkirchstr. 24a. Nchknng:"WU gsr Nchtung! Rndsnhrer Charlsttenbiirgs! Mittwoch, den XI. Februar. abendS 8 Uhr. im Lokal des Herrn Wernlelie, Bismarckstraste: Große öffentliche Uersammlnng aller Arbeiter-Radfahrcr CharlottenburgS. Tages- Ordnung: 11/2 1. Wie stellen sich die Arbeiter-Radfabrer CharlottenburgS zur Grün- bung eines Arbetter-Radfahrervereins rcfp deren Anschluß an den Bund Deutscher Radfahrer„Solidarität". 2. Dislussion. Genoffen, in Anbetracht der wichtigen sowie reichhaltigen Tagesordnung erwarte ich regen Besuch. Auch Fahrer, die nicht im Besitze eines Rades sowie die hier bestehenden Radsahrervcreine sind hierzu ganz desonderS ein- geladen. Ber Einbernfcr. In S 23 Abs. 3 einzufügen hinter die Weiterbehandlung muß jedoch durch de» BcreinSarzt erfolgen": Artikel I. Die erkrankten Mitglieder sind ver pflichtet, wenn Ungewibheit über die Art ihrer Krankhett oder Feststellung ihrer Arbeitsunfähigkeit entsteht, sich der Untersuchung eines zweiten Arztes ,u untcnversen, welcher vom Vorstand >cS die Mitglieder behandelnden AerztevereinS bestlnnnt ivirb. Berlin, den 7. September 1899. Der Borstand. Paul Löbe, Lorsitzender. Borstehende Abänderung wird mit der Mastgabe genehmigt, oast dieselbe nicht den Bcrhaltungsmabregeln für erkrankte Mitglieder, sondern dem § 23 Absatz 3 hinter dem Satz„die wettere Behandlung muh jedoch durch den Bcreinsarzt erfolgen" einzu- fügen ist.[270/7 Berlin, den 16. Januar 1900. Der BezirkS-AuSschust. (L. S.) Käufer. C. 504/1. 99. ad 1089 Gew. II 00. Vorstehende Aenderung tritt mit dem Tage der erfolgten Genehmigung seitens des Bezirksausschusses in Kraft. Berlin, den 15. Februar 1900. Der Vorstand. P. Löbe, Borsttzender. Achtung! b i t. Mittwoch, den Sl Februar, abends 8 Uhr: WoMsversummritttg im Moabiter Gcsellschaftshaus(Peters) Alt-Moabit. Bortrag der Herren Or. Bändig: und Rechtsanwalt Steinschneider über: Die praktischen Auf- gaben der Konsumgenossenschasten. 265/15 Zahtreiches Erscheinen der Arbeiter Moabits erwartet Oer Elnbernfer. Achtung! Moabit! Achtlina! Donnerstag, den SS. Februar er., abends 8 Uhr: Grsje ösfentliche Keinmnnlllniiihler-AersllinmlnW im Saale der Arendsschen Brauerei, Turmstr. SOjST. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtv. Or. Cnrt Frendenberg über: Die bevorstehende Stichwahl. 2. Diskussion. Zahlreiches Erscheinen erwartet 219/10 Oaa Wahlkoniltec. Achtung! A U R E R. Achtung! Mittwoch, den 21. Februar 1900, abends 8 Uhr: Csi»«»««« Iflitgsllederversaniiiilnngf aller zum Ztreiligedikt Berlins»itd Nmgrgend gehörige« Nerlmids-MMe« im Lokale Sanssouci, Kottbuserstraffe Nr. 4a. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen O. Wagner. 2. Diskussion. 3. Beschlustfassung über die Sammlung zum Streikfonds. 4. Verschiedenes. mwim» Die Versammlung wird pünktlich eröffnet, mm Rege» Besuch erwartet 136/14 Die Verbaudsleitnng. Achtung! Töpfer. Achtung! Mittwoch, den 21. Februar er., abends 6 Uhr: Oeffettkl. Dorla mmlmtg der Filiale Kerlin in SellerS Festsälcn(oberer Saal), Koppcnstr. 29. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Rechtsanwalts Herrn Or. Frttnkl über: Das MerS- und JnvallditStSgesctz. 2. Wahl ber Bertteter zur Gewerkschafts- Kommission. 3. Gewerkschaftliches. 195/6 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwarter_ Der Voratand. Danksagung. Allen Genossen und Freunden für die rege Beteiligung u. Kranzspenden, insbesondere den Sprecher« am Grabe bei der Beerdigung unsris lieben Vaters Rndolf Dnchiualn uns. herzlichsten Dank. 3768L Julias Ottow nebst Frau. Danksagung. 25006 Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung untres Gatten und Vaters, des Maurers Wilhelm Rttlke, sagen den besten Dank Die trauernden Hinterbliebenen. Ächtung, Holzarbeiter! Heute, DienStag, vormittags 10 Uhr, bei Keller, Koppen- strafte Nr. 29: 79/2 Versammlnng der Streikenden. Berillit über bell Stllllb her Btlvejlllllg. Achtung. Rutntptjttt Mittwoch, den 21. d. M.. abends 8 Uhr. in Feuersteins Festsälen. Alte Jakodstraste 78: Mitglieder- Versammlung"Wff der Zahlstelle Berlin III des EeutralverbandS deutscher Maurer. Tages-Ordnung: 1. Bericht deS Vorstands und Neuwahl desselben. 2. Verbands- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. 252/3 Die örtliche Berwaltnng. Verband der Sattler und verwandter Beruftgenosien Deutschland», Filiale Berlin I, Mittwoch, den 21. Februar, abends 0 Uhr. im»Englischen Hof-, Neue Roststraste Nr. S i Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Wahl der Delegierten zaur Gciieralversuimlung. 2. Anträge zu derselben. 3. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch legitimiert. 156/13 Um zahlreiche» Besuch bittet Der Vorstand. und Polslerwaren. moRjci«-«.».r'A. schniz, Trostes Lager Gediegene Rcichcnbergerstr. S. Auch Theilzahlung!(* {Zälifle2M. 10 Jahre Garantie. Vollkommen echmerzlotee Zahn* ziehen I M. Plomben 1,50 M. Tellz. wBchentt. IM. Zahnarzt Wolf. Leipzlgerstr. 130. Sprechet. 9-7. a Kleine Anzeieen* W-- Hr Wort feit, Worte mit mehr ata m JA JM JA A JB QMv AM 9 Hr in de W*6 BucJisiaben zählen doppelt. 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Achtung, Srrchsler! Wegen Lohndifferenzen ist der Zu- zng nach der Möbelfavrik von I*. Seelisch. Rigaerstr. SS/S7. streng fernzuhalten. Ole Ortnvcm'altnng. Ws NolÄkliellel'! Sämtliche Kollegen der Werkstatt pon KUstcr, Ba»tischlerci,Max, straste 8, haben wegen Tarifftreittg- keiten die Arbeit niedergelegt.[79/3 Die Ortiverwaltung Scbvnederg. Verantwvrtltcher Redacteur: Paul John m Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.