Nnlerhaltungsblatt des vorwärts Nr. 243. Sonnabend den 14. Dezember. 1912 tüZatddruck herdol«».) 101 JilbcYtim. Roman von C h i i st i a n K r o h g. Z n Hanse. Das Wetter war jetzt wärmer geworden, und in der Stube bei Kristiansens war es heller und traulicher. Die Sonne hatte jeden Tag hineingeschtenen und blaue Schatten auf der Halbgardine abgesetzt und war über Alber- tine und die Nähmaschine geströmt und hatte das ganze, blau- gestrichene Zimmer erhellt und erwärmt. Sie saß da und nähte. Warm und goldig glitt die Sonne über sie hin und glitzerte in den Enden der flaumigen Haare im Ltacken. „Willst Du hören, was sie heute im Studentenhain spielen?" fragte Eduard und hustete. „Nein, das is mir ganz schnuppe!" Sie war seit jenem Abend nichl dort gewesen, und sie scherte sich den Kuckuck auch um das alles— nein, ickch die Bohne.— Und in der Kirche— ack nein— sie war am Sonntag darauf da gewesen, denn sie hatte gedacht, es würde sie ein wenig aufmuntern. Sie war ihrer selbst so überdrüssig gewesen, aber auch damit hatte es jetzt ein Ende', das einzige, dessen sie sich noch erinnerte, war, daß sie so häßlich gesungen hatten, alle die alten Weiber, und dann war da ein anderer Pastor gewesen, der gar nicht so gut sprach. Ja. das war sicher und gewiß, sie war ihrer selbst so überdrüssig. Erst jetzt war sie ihrer selbst überdrüssig— früher? Ach, das war nichts gewesen. Nein, jetzt wußte sie auch, was es war. wenn die anderen davon redeten, daß sie so unglücklich waren. Früher, wenn sie von jemand las, der so sehr unglücklich war, hatte sie diese Aermsten inimer beneidet, denn sie fand, daß das so gut klang. Jetzt beneidete sie sie nicht mehr. Und wenn es auch nicht mehr nützte, in die Kirche zu gehen, wenn sie den Frieden nicht mehr finden konnte, den nian findet, wenn man ein Kind Gottes ist— dann hatte sie da auch nichts mehr zu suchen. Sie hatte es satt, daheim zu sitzen, und ausgehen wollte sie nicht— Otinens Regenmantel sollte nicht wieder auf ihren Leib kommen, und Jossa wollte sie nie wieder vor Augen sehen— was sollte sie mit sich selbst ansangen?— Nirgends, nirgends mehr in der Welt gab es Freude— und nähen und arbeiten konnte sie ja auch nicht mehr— wenn sie nur eine Stunde bei ihrer Arbeit gesessen hatte, waren ihr die Hände und die Füße schon müde, und die Maschine ging so schwer, und auf einmal sagte sie Stopp und wollte nicht weiter, und dies geschah nicht einmal, sondern fort- während. So eine jammervolle Maschine hatte sie auch nock nie gesehen, und wenn es mit der nun auch noch schief ging, dann verdiente sie ja keinen roten Heller mehr, und dann war es ganz arg— und doch— am Ende war es gar nicht so arg! Sie hatte sich zurückgelehnt. Die Sonne strömte auf sie nieder— sie war magerer geworden und hatte schärfere Züge uni den Mund bekommen — sie hatte jetzt viel mehr Aehnlichkeit mit Mutter Kristiansen. Der Busen war auch nicht mehr so hoch wie sonst, die Schultern waren nicht mehr so rund, und die Hände waren viel zu groß. Ach! Ihr konnte es ja ganz schnuppe sein, was sie im Studentenhain spielten— sie konnte gar nicht begreifen, daß sie früher so erpicht darauf gewesen war. Schönes Wetter? Ja. freilich war es schönes Wetter— aber sie wollte viel lieber Regenwetter haben und Wind— das paßte so viel besser, wenn man seiner selbst so überdrüssig war— wie sie. Diese ewige Sonne ärgerte sie auch— aber sie mußte ja hier am Fenster sitzen, wenn sie nähen wollte. Ja, mit dem Nähen wurde es jetzt auch nichts mehr. „Ich glaub, es wird nu auf einmal Sommer!" sagte Mutter Kristiansen.„es wird bald zu warm, um hier in der Stube zu stehen und auf dem Ofen Essen zu kochen. „Ja, wir sind ja auch schon weit in das Jahr hinein. Nu> haben wir bald Pfingsten und den siebzehnten Mai*)." Albertine erwiderte nichts und Eduard sing an zu husten. Sie hatte ja gemerkt, daß die Alte in der letzten Zeit sa redselig geworden war— aber das kam wohl nur daher. weil sie selbst so still geworden war und den ganzen Tag da saß und kein Wort sagte— die Alte war wohl bange, daß sie Kummer hatte und fand wohl, daß es jetzt zu Hause so langweilig wurde, und meinte, sie müsse das ihre tun, damit es nicht zu traurig würde, sie glaubte wohl, daß sie sie wieder auf den Damm bringen könne— aber sie konnte doch nicht da sitzen und schwatzen, bloß um was zu sagen— sie konnte doch» wohl schweigen, wenn sie wollte. „Ne. sollt man's wohl glauben, da is schon'ne Fliege!" sagte Mutter Kristiansen und lächelte mit dem verweinten Gesicht, so daß der eine Zahn sichtbar wurde. „Ich glaub, es wird ans einmal Sommer!" „Ist denn das so was Merkwürdiges— hier sind. schon lange Fliegen gewesen." Eine ganze Weile hörte man nur das Rasseln der Ma» schine und hin und wieder Eduards Husten und das Brodeln des Wassers auf dem warmen Ofen. „Wenn das Wetter nu so gut wird, Eduard, dann kannsö Du ja auch ein bißchen mehr ausgehen— das is Dir gewiß gut— dann kannst Du bald wieder gesund werden!" „Ja," sagte Eduard und hüstelte und sah vom„Tag" auf,„denn kann ich ein bißchen mehr draußen sein, und denn werd ich auch wohl bald wieder gesund werden." Albertine nähte schnell. Bald wieder gesund? Hatte man je solchen Blödsinn gehört? Was für Einfälle die Alte hatte! Was konnte es wohl nützen, sich selbst und dem Jungen einzureden, daß er bald wieder besser werden würde? Er fing wieder an zu husten— er hatte in der letzten Zeit angefangen, so in einem fort zu hüsteln: die blauen! Linien an den Schläfen waren noch schärfer sichtbar geworden. und in den Adern gm Halse pochte es unablässig: es war. als sei er kleiner geworden als früher und so, daß mau quer durch ihn hiiidurchsehen konnte. Die Schultern senkten sich vornüber, und es war, als seien ibm die Kleider zu groß geworden. Das Tageslicht warf einen starken, warmen Schein auf das kleine, schmale Gesicht, und das Haar war an der Seite gescheitelt und lag glatt und dunkel an. gleichsam auf deini Gehirn selber. Ja. es stand schlecht mit Eduard— sie konnte deutlich sehen, wie er aussehen würde, wenn er tot war. Es war im Grunde gut für ihn, wäre sie es doch, die von> dem Ganzen fort sollte, dann käme sie doch auf alle Fällo fort von diesem Platze hier am Fenster und fort von all diesem Elend— und dann brauchte die Polizei' ihr doch nichb niehr aufzupassen, und dann brauchte sie sich nicht mehr alle diese dummen Gedanken zu machen, die sie immer und ewig verfolgten!— Ja. das war gewiß— er mußte sterben— aber ihr war das im Grunde einerlei— sie würde nicht dar» über trauern— aber sie würde gern an seiner Stelle voir bannen gehen. In der Stube war es still geworden, man hörte nur daS Husten nmd das Rasseln der Maschine: eine halbe Stunde laug hatte niemand ein Wort gesagt. Mutter Kristiansen sah sich mehrmals um, aber keiner sagte auch nur ein Wort. Selbst Eduard ließ eine Weile das Husten nach— nur die Maschine— das war das einzige, was man hörte. „Nein, weiß Gott, da ist noch eine Fliege hereingckommeir — ja, nu kriegen wir bald Sommer." sagte Mutter Kristiausen."' Die Sonne stand setzt mitten vor dem Fenster und zog sich langsam nach Westen hin— die blauen Striche ans der Halbgardinc singen an. in der anderen Richtung zu fallen. Ter 17. Mai ist da» norwegische Naiionalfest. und Mutete Kristiauscn und Eduard saßen me?r und mehr »in Schatten und im Halbdunkel. Jetzt hörte man die Malchins nicht mehr.— Albertme hatte aufgehört zu nähen und-starrte unbeweglich vor sich hin. Sterben?— ja. wenn sie das nur könnte � dann brauchte sie nicht mehr hier am Fenster zu sitzen und immer und ewig den Kronprinzen und Viktoria anzusehen, immer dasselbe, — es war übrigens eine hübsche Spitze, die Viktoria da hatte — noch vor kurzem würde sie sich eine solche Spitze gewünscht haben statt der blauseidenen Schleife, an die sie so lange ge- dacht hatte. Sterben— das mußte sonderbar sein— und sonderbar, es im voraus zu wissen. Ob Eduard es wußte?— Nein!— Wie konnte er dann so ruhig dasitzen und lesen, als wenn nichts los sei— denn es niußte doch sonderbar srnl Er brauchte sich doch nur in dem Spiegel zu sehen, dann mußte er es doch sehen können.— Eduard war im Grunde hübsch— er glich ihr jetzt mehr als früher. Sie dachte, ob sie wohl so aussehen würde, wenn sie jetzt sterben sollte? Eduard erhob den Kopf, ihre Augen be- Segneten sich.— Ja, sie glaubte doch, daß er es wußte. Er glich ihr jetzt sehr, sie glichen einander jetzt mehr als sonst— früher hatte sie mehr Aehnlichkeit mit Oline gehabt, «der jetzt nicht mehr, denn sie war magerer geworden— ach ja, jetzt konnte es auch einerlei sein, das wie alles andere. Wieder mußte sie Eduard ansehen, er sah jetzt wohl nicht auf. Ja, so würde sie auch su�sehcn,— nur daß sie das Haar in der Mitte gescheitelt tr�. Viele Mädchen trugen auch einen Scheitel auf der Seite, aber das mochte sie nicht leiden, wenigstens wollte sie es nicht tun. Vielleicht wurde sie daher so niagcr, weil sie auch im Begriff war zu sterben. Vielleicht war sie auch schwindsüchtig? (Fortsetzung folgt.) 21 fiana und f)einz Kirch. Von Theodor S t o r in. RIs Heinz das zwölfte Jahr erreicht hatte, wurde ihm noch «ine Schwester geboren, was der Vater als ein Ereignis aufnahm, das eben nicht zu ändern sei. Heinz war zu einem wilden Jungen «ufgcschosscn: aber in der Neltorschule hatte er nur noch wenige über sich...Der hat Gaben!" meinte der junge Lehrer,„der könnte hier einmal die Kanzel zieren." Aber Hans Kirch lachte:„Larifari. Herr Rektor! Ums Geld ist es nicht; aber man sieht doch gleich, daß Sie hier nicht zu Hause find." Gleichwohl ging er noch o-i demselben Tage zu seinem Nachbarn. dem Pastor, dessen Garten sich neben seinem Grundstück bis zur Straße hinab erstreckte. Der Pastor empfing den Eintretenden etwas stramm.„Herr Kirch," sagte er, bevor noch dieser das Wort zu nehmen vermochte,„Ihr Junge, der Heinz, hat mir schon wieder einmal die Scheiben in meinem Stallgiebel eingeworfen!" „Hat er das," erwiderte Hans Kirch,„so muß ich sie einsetzen lassen, und Heinz bekommt den Stock; denn das Spielwcrk ist zu Scucr." Dann, während der andere zustimmend nickte, begann er mit dem, was ihn hergeführt, herauszurücken: der Pastor sollte seinen Heinz in die Privatstunden ausnehmen, die er zur Aufbeffcrung seines schmalen Ehrcnsoldes einigen Kostgängern und Söhnen der Honorationen zu erteilen pflegte. Als dieser sich nach einigen Fragen bereit erklärte, machte Hans Kirch noch einen Versuch, das Stundengeld herabzudrückcn. Da aber der Pastor nicht darauf zu hören schien, so wiederholte er ihn nicht; denn Heinz sollte mehr lernen, als jetzt noch in der Rektorschule für ihn zu holen war. Am Abend dieses Tages erhielt Heinz die angelobte Strafe und am Nachmittage des folgenden, als er zwischen den anderen Schülern aben i» des Pastors Studierzimmer saß. von Wohlehrwürdcn noch einen scharfgcsalzene» Text dazu. Kaum aber war nach glücklich »erslosscner Stunde die unruhige Schar die Treppe hinab und in' den Garten hinausgestürmt, als der erlöste Mann von dorten unter seinem Fenster ei» lautes Wchgehcul vernahm.„Ich will Dich Ilickern Ichren!" rief eine wütende Knabenstimme, und wiederum erscholl das klägliche Geheul. Als aber der Pastor sein Fenster vssnete, sah er unten nur seinen sahlblondcn Kostgänger, der ihm am Morgen Heinzens Missetat verraten hatte, jetzt in eifriger Bc- schpstigung, mit seinem Schnupftuch sich das Blut von Mund und Nase nbzutrockncn. Daß er leibst an jenem Spielwcrk mitgeholfen hatte, fand er freilich sich nicht veranlaßt zu verraten; aber ebenso wenig verriet er jetzt, wer ihm den blutigen Denkzettel auf den Weg gegeben halte. Ter Pastor war des Segens eines Sohnes nicht teilhastig geworden; nur zwei Töchter besaß er, einige Jahre jünger als Heinz und von nicht üblem Aussehe»! aber Heinz kümmerte sich nicht um sie. und man hätte glauben können, daß auch er der Bubenrcgel solge, ein tüchtiger �unge dürfe sich nicht mit Dirne»? abgeben, wenn in dem Hause dem Pastorgartcn gegenüber nicht die kleine Wieb gewesen wäre. Ihre Mutter war die Frau eines Matrosen, eine Wäscherin, die ihr Kind sauberer hielt, als, leider, ihren Ruf.„Deine Mutter ist auch eine Amphibie!" hatte einmab ein großer Junge dem Mädchen ins Gesicht geschrien, als eben in der Schule die Lehre von diesen Kreaturen vorgetragen war.„Pfuit doch, warum?" hatte entrüstet die kleine Wieb gefragt.—„Warum?! Weil sie einen Mann zu Wasser und einen zu Lande hat!"— Den Vergleich hinkte; aber der Junge hatte doch seiner bösen Lust genug getan. Gleichwohl hielten die Pastorstöchtcr eine Art von Spiel- kamcradschaft mit dem Matroscnkinde; freilich meist nur für die Wcrkcltage, und wen» die Töchter des Bürgermeisters nicht bei ihnen waren; wenn sie ihre weißen Kleider mit den blauer» Schärpen trugen, spielten sie lieber nicht mit der kleinen Wieb. Trafen sie diese dann etwa still und schüchtern vor der Garten- Pforte stehen, oder hatte gar die jüngste gutmütige Bürgermeisters- tochter sie hereingeholt, dann sprachen sie wohl zu ihr sehr freund- lich, aber auch sehr eilig:„Nicht war, kleine Wieb, Du kommsb doch morgen zu uns in den Garten?" Im Nachsommer steckten sie ihr auch wohl einen Apfel in die Tasche und sagten:„Wart, wir wollen Dir einen suchen!" und die kleine Wieb schlich dann mit ihren Acpseln ganz begossen aus dem Garten aus die Gasse. Wenn aber Heinz darüber zukam, dann riß er sie ihr wohl wieder fort und warf sie zornig in den Garten zurück, mitten zwischen die geputzten Kinder, daß sie schreiend ins Haus stoben; und wenn dann Wieb über ihre Acpfcl weinte, wischte er mit seinem Schnupf- tuch ihr die Tränen ab:„Sei ruhig, Wieb; für jeden Apfel hol ich Dir morgen eine ganze Tasche voll aus ihrem Garten!"— Und sie wußte wohl, er pflegte Wort zu hatten. Wieb hatte ein Madonncngesichllein, wie der kunstliebende Tchulrektor einmal gesagt hatte, ein Gcsichtlein, das man nicht gut leiden sehen konnte; aber die kleine Madonna aß gleichwohl gern des Pastors rote Acpfcl, und Heinz stieg bei erster Gelegenheit in die Bäume und stahl sie ihr. Dann zitterte die kleine Wieb; nicht loci! sie den Acpfeldiebstahl für eine Sünde hielt, sondern weil die größeren Kostgänger des Pastors ihren Freund dabei mitunter überfielen und ihm den Kon� zu bluten schlugen. Wenn ober nach wohlbestandcnem Abenteuer Heinz ihr hinten nach der Allee ge- winkt hatte; wenn er vor ihr auf dem Boden kniete und seinen Raub in ihre Täschchen pfropfte, dann lächelte sie ihn ganz glück- selig an, und der kräftige Knabe hob seinen Schützling mit beiden Armen in die Luft:„Wieb, Wieb, kleines Wicbchcn!" rief er jubelnd; und er schwenkte sich mit ihr im Kreise, bis die roten Acpfcl aus den Taschen flogen. Mitunter auch, bei solchem Anlaß, nahm er die kleine Madonna bei der Hand und ging mit ihr hinunter an den Hafen. War auf den Schiffen alles unter Deck, dann löste er wohl ein Boot, ließ seinen Schützling sacht hineintretcn und ruderte mit ihr um den Wardcr herum, weit in den Sund hinein; wurde der Raub des Bootes hinterher bemerkt und drangen nun von dem Schiffe zornige Schcltlaute über das Wasser zu ihnen herüber, dann begann er hell zu singen, damit die kleine Wieb nur nicht erschrecken möge; hatte sie es aber doch gehört, so ruderte er nur um so lustiger und rief:„Wir wollen weit von all den schlechten Manschen fort!"— Eines Nachmittages, da Hans Kirch mit seiner Jacht von Hause war, wagten sie es sogar, drüben bei der Insel anzulegen, wo Wieb in dem großen Dorfe eine Verwandte wohnen hatte, die sie „Möddersch" nannte. Es tvar dort eben der große Michaelis-Jahr- markt, und nachdem sie bei Möddersch eine Tasse Kaffee bekommen hatten, liefen sie zwischen die Buden und in den Menschcndrang hinein, wo Heinz für sie beide mit tüchtigen Ellcnbogenstößen Raum zu schaffen wußte. Sic waren schon im Karussell gefahren, hatten Kuchenherzen gegessen und bei mancher Drehorgel stillgestanden, als Wieds blaue Augen an einem silbernen Ringlcin hasten blieben, der zwischen Ketten und Löffeln in einer Goldschmiedsbude auslag. Hosfiiungslos drehte sie ihr nur aus drei Kupserscchslingen bc- stehendes Vermögen zwischen den Fingern; aber Heinz, der gestern alle seine Kaninchen verkauft Hatte, besaß nach der heutigen Vcr- schwcndung noch acht Schillinge, und dafür und für die drei Sechs- tinge wurde glücklich der Ring erhandelt. Nun freilich waren beider Taschen leer; zum Karussell für Wieb spendierte Möddersch noch» einmal einen Schilling— denn soviel kostete es. da Wieb nicht wie vorhin in einem Stuhle fahren, sondern auf dem großen Löwen reiten wollte—; dann, als eben alle Lampen zwischen den schmelz- und goldgestickten Draperien angezündet wurden, waren für sie die Freuden auS, und auch die alte Frau trieb jetzt zur Rückfahrt. Manchmal, während Heinz mit kräftigen Schlägen seine Ruder brauchte, blickten sie noch zurück, und das Herz wurde ihnen groß. wenn sie im zunehmenden Abenddunkcl den Lichischcin von den vielen Karussell-Lampen über der Stelle des unsichtbaren Dorfes schweben sahen; aber Wieb hatte ihren silbernen Ring, den sie nun nicht mehr von ihrem Finger ließ. » Inzwischen hatte Kapitän Kirch seine Jacht tzc'rkausk. Mit einem stattlichen Schoner, der auf der heimischen Werst gebaut worden war, brachte er für fremde und mehr und mehr für eigene Rechnung Korn nach England und nahm als Rückjracht Kohlen wieder mit. So war zu dem Korn- nun auch ein Kohlenhandel «ekommen, und auch diesen muhte gleich der Milchwirtschast die Frau besorgen. Um seinen Heinz,.wenn er bei seiner Heimkehr «uf die kurze Frage:„Hat der Junge sich geschickt?" von der Mutter eine bejahende Antwort erhalten hatte, schien er sich im übrigen nicht groß zu kümmern; nur beim Quartalsschlüsse Pflegte er den Rektor und den Pastor zu besuchen, um zu erfahren, wie der Junge lerne. Dann hieß es allemal, das Lernen sei ihm nur ein Spiel, es bleibe dabei nur zuviel unnütze Zeit ihm übrig; denn wild sei er wie ein Teufel, kein Junge ihm zu groh und keine Spitze ihm zu hoch. Auf Hans Adams Antlitz hatte sich/ nach Aussage des Schul- rektors, mehrmals bei solcher Auskunft ein recht ungeeignetes und fast befriedigtes Lächeln gezeigt, wahrend er mit einem kurz hervor- gestoßenen„Na, na!" zum Abschiede ihm die Hand gedrückt habe. Wie recht übrigens auch Heinzens Lehrer haben mochten, so blieb doch das. Schutzvcrhältnis zu der kleinen Wieb dasselbe, und davon wußte mancher frevle Junge nachzusagen. Auch sah man ihn wohl an Sonntagen mit seiner Mutter nach einem dürftigen, unweit der Stadt belegenen Wäldchen �andern und bei der Rückkehr nebst dem leeren Proviantkorbe sein Schwesterchen auf dem Rücken tragen. Mitunter war auch die allmählich aufwachsende Wieb bei dieser Sonntagswandcrung. Die stille Frau Kirch hatte Gefallen an dem feinen Mädchen und pflegte zu sagen:„Laß sie nur mitgehen, Heinz; so ist sie doch nicht bei der schlechten Mutter." Nach seiner Konfirmation mußte Heinz ein paar Fahrten auf seines Vaters Schiffe machen, nicht mehr als„Spielvogel", sondern als streng gehaltener Schiffsjunge; aber er fügte sich, und nach der ersten Rückkehr klopfte Kapitän Kirch ihm auf die Schulter, während er seiner Frau durch ein kurzes Nicken ihren Anteil an seiner Be- fricdigung zukommen ließ. Die zweite Reise geschah mit einem Setzschiffer; denn der wachsende Handel daheim verlangte die per- sönlichc Gegenwart des Geschäftsherrn. Dann, nach zwei weiteren Fahrten auf größeren Schiffen, war Heinz als Matrose in das elterliche Haus zurückgekehrt. Er war jetzt siebzehn Jahre; die blaue schirmlose Schiffcrmütze mit dem bunten Rande und den flatternden Bändern ließ ihm so gut zu seinem frischen braunen Antlitz, daß selbst die Pastorstöchtcr durch den Zaun lugten, wenn sie ihn nebenan im elterlichen Garten mit seiner Schweiler spielen hörten. Auch Kapitän Kirch selber konnte es Sonntags beim Gottesdienste nicht unterlassen, von seinem Schifferstuhle nach unten in die Kirche hinabzuschiclcn, wo sein schmucker Junge bei der Mutter saß. Untcrwcilcn schweiften auch wohl seine Blicke drüben nach dem Epitaphe, wo zwischen mannigfachen Siegcstrophäcn sich die Marmorbüste eines stattlichen Mannes in gewaltiger Allongen- Perücke zeigte; gleich seinem Heinz nur eines Bürgers Sobn. der gleichwohl als Kommandeur von dreien Seiner Majestät Schissen hier in die Vaterstadt zurückgekommen war. Aber nein, so hohe Pläne hatte Hans Kirch doch nicht mit seinem Jungen, vorläufig galt es eine Reise mit dem Hamburger Schisse„Hammonia" in die chinesischen Gewässer, von der die Rückkehr nicht vor einem Jahr erfolgen würde; und heute war der letzte Tag im elterlichen Hause. lForksetzung folgt.)) Kinderbücher imd�ugendfcbriften. n. Wir können für unsere Zeit von einer Revolution der Kinderbuch-Literatur reden. Die Pädagogik von gestern soll auch auf diesem Gebiete abgestoßen werden. Was das Kind von heute für da« kommende Leben braucht, das ein anderes als zu Großväter- zeiten geworden ist, das soll ohne Zeitverlust und ohne romantischen Umweg in seinem Denken und Fühlen heimisch gemacht werden. Wer diesen Weg geht, erkennt die Bedeutung der Kinderbücher, die Heinrich S ch a r r e l m a n n schreibt. Ein schon gut ein- gskvurzclteS Buch wie die Geschichtensammlung«Heute und vor Zeiten"(das oberhalb der frühen kindlichen Lesestuse liegt) hat bereits das neunte Tausend erreicht, und ist jetzt zn feinem Vorteil mit farbigen Bildern versehen worden, waS allerdings den Preis auf 2 M. hinausgedrängt hat. Von besonderer Wichtigkeit sind die beiden Berni-Biichcr. Scharrelmann kennzeichnet sie als bewußte Abkehr von dem früher eingehaltenen rein literarischen Standpunkte; er sagt:„Eine Jugendschrift soll allerdings ein Kunst- werk fein, aber auch ein solches, das dem Verständnis und dem Ge- fchmack des Kindes in jeder Richtung entgegenkommt." So will er literarisch einlvaiidsfrei, aber zugleich biö zum äußersten einfach, schlicht, kindlich in der Darstellung sein. Diese Arbeil zeigt sich in den Berni-Büchern und weiter in einer neuerdings erschienenen Er- Zählung?,, Däumling", die von dem bekannten Märchen au§- geht, um eS frei weit'crzuspinncir im Sinne der Lebensnützlichkeit für das Großstadtkind der Gegenwart.(1 M.)„Däumling, wenn er wirklich existierte, in der Großstadt unserer Jett", das ist das Thema, das Scharrelmann sich stellte. Die Berni- Bücher~„Ein kleiner Junge, was er sah und hörte, als er noch nicht zur Schule ging" nnd„Berni. Aus seiner ersten Schulzeit"— wollen dem Kinde die Welt, in die es hineinwächst, die Großstadtwelt auch hier, auschaulich erschließen helfen.(SällcS erschien in Alfred JanssenS Verlag, Hamburg; die Berni-Bücher kosten je 2 M.) De» Einfluß Scharrelmanus verrät das Blaue Bändchen„Klein Heini,- in Großstadtjunge", von Richard Hennings(Schaffstein, 30 stf.,, mit Zeichnungen von„ Schmidhammer, das der Jugend die Augen für die täglichen Vorgänge öffnen will, um ihr die Krait zu stärken, das Gesehene schöps«ris find die wichtigsten deutschen Sagen zusammengestellt, die den alten heidnischen Glauben an Gölter und Geister, Hexen und Hexenmeister, Niesen und Zwerge, Elsen und Nixen veranschaulichen. Ein anderes dieser Schaffsleinscheii Büchlein, wie jenes mit Ubbelohdeschcn Feder- Zeichnungen, bringt Bechstcins„Rh eins c.gen". Die„Nordi- scheu Märchen" von Seyerstedt. verdeutscht von Emilie Stein, sind romantisches Gut. kräftige Neusprofien auf Andersen- schem Grunde, sinnvoll, ernst und heiter, Märchen und Fabeln in ein?, mit guten, zum Teil farbig überdruckten Federzeichnung«, (Etzold, München, 3 M.). Nach neuer Märchenschönheit sucht die Phantasie Elisabeth Dauthendeys, der die Düselschen „Lebensbücher für die Jugend" einen Band gewidmet haben:»Die Märchenwicfe"(Westermann, 2.53 M.). Ich glaube nicht, daß wirklich Neues auf dem Wege dieser Ktinstmärcben gewonnen wird; alles in allem find sie äslhetifierend über'chliffene Romantik vor, gestern. Ein Buch, das die AnichauungSwelt der Jugend kräftigt und weitet, WS Geschichtliche hinein, ist Rudyard KiplingS Puck, das jetzt aus dem Englischen ins Deulsche herübergeholt ist. (Vitu. Charlottenburg.) Da wachsen zwei Kindern, die auf einer Wieso nachspielen, waS fie vom Sommernachtslraum wissen, die alten NordlandSzeiten entgegen, in großen Umrissen, mit gewaltigem In- halt und immer vom Menschlichen aus greisbar. Die Gestalt Wie- lauds tritt bedeutungsvoll heraus, altgermanifcheS und römisches und mittelalterliches England lebt auf Immer von Puck, den, tausendjährigen Bergkobold, der daS alles mit eigenen Augen sah, erzählt. Kiplings Dichterkraft weiß Verschollenes gebieterisch auS den Gräbern zu wecken. Ucber daS Näichen hinaus ins lustige Reich schelleuklingelnder Schwänke und Schelmenstücke greift Friedrich Düsels„Fröhliches Buch für die Jugend"(Lebensbücher. Westermann, 2.53 M.) Dem derben Volkshumor läßt das Buch den Vortritt und dann mildert es sich zum Humor der feiner«, Form, den die jüngere Zeit entwickelt. Das Buch ist nicht übel gelungen. Vom Tierbilderbuch entwickelt sich daS lesende Kind zum Tier- märchen, und unter den Sammlungen dieser hat den ersten Platz das großangelegte Werk Dahn Hardts:„Naturwissenschaftliche Volksmärchen", von dem der erste Band, mit Bildern von Schwindrazheim, jetzt in vierter, verstärkter Auflage erscheinen konnte sTeubner, 2.43 M.). Natürlich enthält cS auch Psianzenmärchen. Eine Stufe weiter hinauf liegt die Tiergeschichte, die daraus ausgeht, die Kunst de« Märchens, den Lebewesen des Tierreichs unmittelbar nah zu sein, als ob sie unsereSgleichen und wir ihresgleichen wären, sestzuhalten und doch die Naturwissenschaft- liche Einsicht von heute zu ihrem Recht kommen zu lassen. Diese Arbeit leistet Ronny Haminarslröms Geschichte«Frau Frosch"(Etzold. Münch«,, 3 M.) Wie die Geschichte von den Ameisen, die vor ein paar Jahren erschien, ist auch dieses Buch von bester Art. Die Lebewelt der Teiche und ihrer Ufer tut fich auf, und zun, Text geben die farbig«, Bilder an den Rändern der Seiten in fesselnder Vielseitig- keit einen biologischen Unterricht, wie man ihn für unsere Jugend wünschen muß. Etwas Derartiges besorgt auch Theodor Vok- behrS Elesantengeschichte„König Bob", die vor ein paar Jahren in Georg MüllcrS Münchener Berlage in reich ausgestatteter Form(3,53 M.) erschien, bisher aber nicht die gebührende Besch- lnng fand; die Ausnahme in die blauen Bündchen SchaffsteinS (30 Pf.) ebnet dieser Geschichte auS dem Tierlcben des afrikanischen Urwaldes hoffentlich die Bahn. Von diesen Erzählungen führt die Lust an der Natur die junger, Leser dann auswärts zu den naturkundlichen Schilderungen. wie sie Friedrich Göll jetzt aus mehreren gemeinverständlich ge- schriebenen Werken zusammengestellt und herausgearbeitet hat in dem Buche„Bilder au« der Natur"(Jugendbläner, München) — von den Ameisen, den fleischtreffenden Pflanzen. Alpensalamandern. Aalen, Termiten und vom Kaffee wird da in längeren Darlegungen geplaudert. Da« jugendliche Verlangen, von nahen und ferneren Ländern und Völlen, zu hören, wird seit zwei Jahren in schneller und verständiger Arbeil ausgiebig befriedigt. Mehrere Büchereien widmen sich dieser Ausgabe, und ihr gemeinsames Merk- mal ist das Bemühen, auS ernsthaften Quellen zu schöpfen. Ein - 972- bla««S Bändchen„Rordseegeschichten"(Schaffstein. 30$f.) bringt Erzählungen von Storni, Miigge. Kniest und anderen. Aus den Büchern des Arbeiters H g o B a r t s ch. der in vielerlei Be- rufen in den nordamerikanischen Südstaaten sein Brot erlämpfte, stellt der Schatzgräber ein Heft„Kleine Aben- teuer" zusammen(Callwey, 1V Pf.). Schaffsteins grüne Bändchen <30 Pf.) geben aus Karl v. d. Steinens berühmten Reisen ein Heft „Bei den Indianern am Schingu", von Sven H e d i n, eine asiatische Wiistenivanderung„Dem Untergang nahe", von Roald A m u n d s e n ein Heft„Eskimoleben", der Schatzgräber(10 Pf.) eine„Gazellenjagd der Araber", die der Dichteringcnieur Max Maria von Weber schildert. In Janssens wissenschaftlichen Volksbüchern, die ein so gewissenhafter und vertrauenswürdiger Pädagog wie Gansberg verwaltet(sie kosten 1,S0 Mark) sind in einem Bande„Japan" Stücke aus den Er- innerungen de? Diplomaten Brandt mitgeteilt, der die grotze Ent- Wickelung Japans miterlebte: ein anderer Band„Nußland" gibt eine Schilderung der bäuerlichen Zustände in Abschnitten des hervorragenden Werkes von D. M. Wallace. Sodann hat die „Deutsche Jugendbücherei", die, bisher von Hamburger Lehrern geleitet und jetzt an den Dürerbund übergegangen, die Schund- literatur bekämpft, einige ihrer Hefte zu rinem Bande„Aus dem wilden Westen" vereinigt. Und endlich mag erfreut darauf hingewiesen werden, daß Wolgasts Ouellenbücher(25 Pfennig) und ebenso SchaffsteinS Blaue Bändchen(30 Pfennig) jetzt einen„Robinson Crusoe und die Quelle auch„ G�u lliverS Reise nach Liliput" veröffentlicht haben.' Zu all diesen Auszügen und Bc- arbeitungen konnnt dann das prächtige Jugendbuch„Carlos und Nicolas", in dem Rudolf Johannes Schmied seine„Kinder- jähre in Argentinien" schildert(Erich Reiß, Berlin, 3,90 M.). Das Buch gibt inehr als bloß eine Erzählung von Land und Leuten es gibt sich als jugendliches Erlebnis, und so in Freude. Uebermut und Hümor, daß der Leser schnell in die Haut der beiden fast- gesunden Jungen schlüpft und all ihre Spiele und Streiche selber erlebt. Einige? noch au? dem Reiche der Technik. Da kommen wieder die wissenschaftlichen Volksbücher(Janssen, Hamburg, 1,50 M.) mit einem Bande„Krupp in Essen" in Betracht, daS als eine gute Einführung in das verzweigte Schaffen des Riesenbetriebes gelten kann. Der Franckhsche Verlag in Stuttgart ließ eine deutsche Be- orbeitung des ungemein klar unterrichtenden„Flngmaschinen- b n ch ö" von Collins erscheinen(2,50 Bf.). Der erste Teil dieses Buches stellt den Modellbail dar und ist wirklich eine Anleitung, nicht nur gll lesen, sondern das Gelesene praktisch auszuführen. Der zweite Teil durchwandert die Geschichte der Flugmaschine. Was zu diesem Thema und zum Kapitel der Eroberung der Luft überhaupt gehört, wird kurz zusammengefaßt auch in dem vom Ingenieur Tanns geschriebenen Hcftchen„Die Luftschiffahrt" vorübergeführt, das zu Josef Luitpold Sterns leider nur langsam, aber doch gut weiterentwickeltem Unternehmen„Die junge Welt"(Wiciter Volks- Buchhandlung, 20 Pfennig) gehört. Daß in der Reihe der Göhl- scheu Modellierbogen(Schreiber, Eßlingen), die geschnitten und geklebt werden, auch eine Flugmaschine lRumpler- Taube) erschienen ist, wird vermutlich auch nianchen Erwachsenen interessieren. Der Doppelboge» ist für 30 Pf. zu haben. Der Wunsch nach Schriften der Technik, die nicht bloß theoretisch belehren, sondern zu praktischer liebung anleiten, hat in den letzten Fahren mehrere Büchereien mit schnell wachsenden Heft- giffern veranlaßt. Eifrig wird dem Ziele des ArbeitsunterrichlS in den Schulen vorgearbeitet. Auch die von den Dresdener Lehrern Göhl und Brethfcld herausgegebenen Schreiberschen An- l e i t u n g e n zu zeichnerischen, plastischen und Buntpapier-Kleb- arbeiten sind ein Teil dieser Bestrebungen. In diesem Jahre sind zwei Hefte für bunte Kartonarbeitcn(je 1,40 M.) er- schienen, die wiederum die Entwickelung des Farbensinnes sördern wollen, und außerdem ein Heft Anleitung zum Borzeichnen von Werkzeugen und Hansgernten <80 Pf.) Dies Heft scheint besonders beachtenswert. Es ist wichtig. daß da? Kind die Formen der Arbeitsgeräte und ihrer Verwendung auch zeichnerisch empfindet. Auch der VorwärlS-Verlag hat hier ein Hilfsbuch beigesteuert: Heinrich Pralle? Lehr- und Spiclbuch für Jngend. Eltern und Lehrer: Der kleine Stadtba II- meister(1.50 M.) DaS Buch will die Lust der Jugend zum Schneiden lind Kleben in nützliche Bahnen lenken. Auf siebzehn Tafeln gibt es kleine Vorlagen für allerlei städtische Baulichkeiten. Bon den Vorlagen soll da? Kind ansgehn: cS soll vergrößert nachahmen, und so zum tzfachdsnken. Rechnen und Messen veranlaßt werden. Pralle hat seine Vorschläge mit 11 bis 13jährigen Kindern erprobt und wo wie in»einem Falle ein Erwachsener an der Arbeit teilnimmt, dürsten seine Vorschläge auch wirllich förderlich sein. In „Bastians Schmidt? naturwissenichaftlichcr Schülerbibliothek", die bei B.G.Teubncr erscheint, hatEm.Gichcidlen unter der Aufschrift„A«der Werkbank" eine Anleitung zur Handfertigkeit„für mittlere und reife Schüler" herausgegeben(4 M.>. Es will vor allem den Schülern raten, die nicht die Hilfe eines Lehrers der Handfertigkeit zur Seite haben, und geht insbesondere auf die Beschäftigung mit der Herstellung pbtzsikalischcr Apparate ans. Gjcheidlen hat das Buch geschrieben für Schüler höherer Lehranstalten, ober darüber hinaus wird es auch FortbildnngSichiilern sehr gute Dienste leisten können. ES ist prächtig elementar geschrieben. d. Schach» Unter Leitung von S. A l a p i n. b c d e f g h 2+ fea-SOd■!)• Dameugambit Berichterstattung über derzeitige a n o l d l i j ch e Diskussicmcn der Fachpresse.(In Partiesorm.) Attakinski. Dcsendarow. 1. d2— d4 d7— d5 2. c2— c4 e7— e6 Aus 2.... c7— c6!; 3. Sgl— f3, d5Xc4(Die Position kann auch bei t. 64. 65; 2. Sf3, 061: 3. ei, dc4 entstehen) 4. e2— e3, b7— bö; 5. a2 — a4, 1)68— bS I(Alclpin) erwidert L ö w t>(Wien. Stug.) durch 6. a4X b5, cCXdö; 7. Sf3— e5, Sg8— f6 I; 8. b2— b3 mit angeblich vorteilhaftem Rückgewinn des Bauern. Jedoch es könnte folgen: 8.... Sb8— 67: 9.... SdTXeS; 10. d4Xe5,(10. c5, Dc7; 11. LXb5?, Sod7) 10..., Sf6— 67; 11. c4Xb5(11. e6, vXeö ist nicht bester, z. B.: 12. I>k3, Tb8; 13. cbö, De5; 14. TXa7?, Dc5 je.) 11.... e7—ei6 I(11.... SXe".? 12. Dd5) 12. Lei— b2. Lc8— b7; 13. Lb2— 64(13 862.168; 14. Sc4?, Lb4t 2C.) 13.... Lf8— cö; 14. 12— 14(14. Sc3, 168; 15. Sa4?, Da5t; 16. Lc3, Lb4!C. Oder 14. Lo2, LXg2; 15. Tgl. Le4; 10. TXg', LgO nebst event. KeS— ISXg". Oder 14. 13. 163. drohend SXeö) 14.... Ta8— 68?c. Trotz des gcopscrten Bauern steht Schwarz wegen des er- bebiichcn Entwickelungsvorspruugs eher aus Gewinn.— 3. Sbl— c3 c7— c5 Dr. T a r r a s ch empfiehlt dies unter dem Nanien„im o d e r n c Ver- teidigung". lieblicher(und auch ver- hältnismähig besser) ist aber in der ,.m o d e r n e n" Praxis 3....£>16! (sogenannt„orthodox") 4. c4Xd5 e6Xd5 5. d4Xo5 Sg8— 16 Ebensalls von Dr. T a r r a s ch. In Bewacht kommt: 5.... 65—64 <5.... Lvö?; 6. e4I, 61; 7. Sa4, LXc5; 8. SXL, Daöy; 9, Dd2!, r>XS: 10. b4, Oo5; 11. Ld3 I nach Alapin nebst cocnt. 813 oder 12—14 oder Lb2); C. Sc3— a4, b7— b5! lT c i ch ni a n n s Zug. Falls 0.... LX.e5?; 7. 8XL. Oab-j-; 8.1.62. I)X8: 9. Tel. DI5. wie in einer Partie Burn— Tarrasch geschah, so 10.813. Sc6; 11. Da4, Dd5; 12. b4, bö; 13. DaS, aO; 11. Tc5»c. mit Gewinnstellung) 7. eöXbO, a7XbG; 8. b2— b3. Schwarz hat wohl An- griff sür den Bauer. Ob aber der Angriff ausreicht, mag dahingestellt sein, z. B.: 8.... b6— d5. 6. Lei— c3..... B c r n st e i n s Zug. der zwar nicht schön aussichr, aber mit L64 eine normale Stellung einzunehmen droht. 6...... Sb8— cß DieS erklärt Dr. T a r r a s ch fsür besser al? 0.... 8b8— a6; 7. Tal — eil, Lc8— e6; 8. D61— alf 1 (Alapin) 8.... D68— 67; 9. Sc3 — b5!, L1S— 67; 10. a2— a3(Oder auch 10. 813, 0-0; 11. Se5, De8 nebst 12. L64 oder 12. a3?c.) 10.... 0—0; ll. b2— b4, 118-68; 12. Le3 —64 nebst event. Sbö— c3 jc. 7. Sgl— 13 Dd8— a5 7...... Lg4; 8. 864, LXc5? 9. SXcO 2C. 8. a2— a3 Sf6— e4 9. Tal— cl I..... Von Alapin herrührend. Bern» st e i n§ Manöver, in 9. b4, 8X8; 10. Del bestehend, ist von Sieg- heim mittels 10...... Sc3— a2 1 1 elegant widerlegt worden. 9...... Lc8— eO 10. Ddl— a4 I Da5Xa4 Aus 10..... Se4Xc3; 11. Da4Xa5, Sc6Xa5; 12. TclXcS, Sa3-c4; 13. Le3— cl gab Dr. Krause in Kopenhagen 13...... L18Xc5? an, was jedoch an 14. o2— 64!, b7— bö; 15. e4X65, Le6X65; 16. b2— b3 scheitern düiste, z. B.: 16..... 165X13 (16...... LXa3, 17. LXc4I> 17. gXf3. LXao; 13. 1X8!, Lbl; 19. LXbö-i nebst 20. 162?c. 11. Sc3Xa4 Sc6-a5 Hiermit(droht Sc4 und Sb3) glaubte Dr. krause die Alapinsche Spielweile widerlegen zu lönnen; je» doch eS.solgt: 12. Tel— c2! I..... 12. 164. Sb3: 13. Tc2, Sal; 14. Sb3;c. mit Rcmisschluß. 12...... Sa5— b3 12...... Sc4; 13.164, 167; 14. 8 e3, 1s6; 15. 8X8. 6Xe4. 16. 3g5, 165; 17. o3 tc. 13. 813— 64 Sb3Xc3 13...... Sal?; 14. Tel oder 13...... 167; 14, Se3, SXc3; 15. 8Xb3, Se4; 16. 862, La4; 17. Tel jc. mit Behauplung des Bauern. 14. 8a4X05 8e4X<:5 14...... 1X8!; 15. 13. 1X8; 16. 1X1. Sf6; 17. Tc7, b6; 18. e3 jc. überläßt dem Weißen daS evident bessere Spiel. 15. 864— b5 TaS— cS 15...... SaC; 16. 1X-7, 167; 17. o3 jc. 16. 8b5Xa7 Sc5— dSf 17. Ket— 62 Tc8Xc2t 18. Kd2Xc2 863—05 19. b2— b4 Le6— fSf 20. Kc2— b2 805—e6 21; Sa7— bö 118—s7 22. 1o3— 64 Se6Xd4 23, Sb5Xd4 167—16 24. 62—v3 Ke8— e7 25. 1(1— bö Th8— c8 26. Tal— cl TcSXcl 27. Kb2Xcl 1(5-64 28. f2-f3 1e4— g6 29. Kol— 62 Ke7— 66 30. 115—63 Weist gewann km Endspiel._ Betank». Siedakteur: Alfred Wielepp, Neukölln.— Druck u. Verlag: LorwärtsBuchdruckerei u.Berlagsanstalt Paul SingeräcCo., Berlin SW.