Ä-Ä-•##> W! Aboim-ments-Ked-ngungen- �Hv fB � Dl- Instrttons- Gebühr bonnement«-Pr-ti pränumerando: W W �Ul�S5 j/ WWW W Wf j lijk f»l«al für dt° s°chsg°lpalt°n- K°lon°l. ierteljährl. ZL0 Md, monatl. l,l0Ml>, JBH 1 MW bH IJx HB MW DWg BH teile crorr ocnm Raum 40 Pfg., für öchenlllch 28 Pfg. frei inj Hau». I�WB WW VW Ws V) VW WW WM> W»>W VW»W W // politische und gewerkschaftliche BereinS- inzelne Nummer S Psg. Sonntag«,-WWW Lp�jSa I BS VW>W WW WV W» Mz»M»W �_ s VW und Versammlung«-Anzeigen 20 Psg. ummer mU illuslrierter Sonntag«» WW BB Bffi Bs RB WM DW KS HB BH(„Kleine Anfelgen" jedes Wort 5 Psg. eilage„Tie Neue Welt- 10 Psg. Post- Z/mM HB H H HIV Mi(nur das erste Wort fett). Inserate für ... o,-, minr,„rn Ai.nrf�r WD Hl El MS. iycAX---' MSl\ Bj // BH die nächste Nummer muffen bis 4 Uhr bonnemenl. ILO Marl pro Quartal. HB H HL�H�> W, � // H nachmittag« in dertkxpedition abgegeben lngetragen in der Pos.-Zeitung«.» V' ZS // H werden. Di- Expedition ist an Wochen- reisliste für lg 00 unter Iii. 7071. jBHihi � A tagen bis 7 Uhr abend«, an Sonn- und nter Kreuzband für Deutschland und u C&A CvO�-- 1-- � Tv�l Festtagen dt» 8 Uhr vormittags geöffn«. �---- �-rruspr-cher- Amt,. Hr. löQS.- rscheint«gltch-uff.- M-ut-g.. � � � � �|J j j{ J| J � j{ ♦.-Sorialdemustrat Berlin« Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Veuth Steaste 2. Konsumvereine und Warenhaussteuer in Preußen. Die Agitation für eine Umsatzsteuer kehrte sich in Sachsen bekanntlich in erster Linie auch gegen das„Konsumvereins- Unwesen"— wie die eigenen Worte des Antragstellers im sächsischen Landtag, des Abgeordneten Rüder, lauteten. Die preußische Vorlage ist zwar in der Begründung nach Miquelscher Art voll von liberaler Anerkennung für die Be- deutung der Vereins- und Genossenschaftsthätigkeit in der Konsumentenversorgung, und sie nennt sich auch lediglich einen Gesetzentwurf betreffend die Besteuerung der „Warenhäuser'�. In Wirklichkeit jedoch holt auch sie zu einem heimtückischen Schlage gegen die Konsumvereine aus. Grundlegend für deren zukünftige Behandlung würde hier die Bestimmung des§ 1 sein, daß„Vereine, eingetragene Genossenschaften und Korporationen, welche nach Z 5 des Gewerbesteuer-Gesetzes vom 24. Juni 1891 der Gewerbe- steuer nicht unterworfen sind, auch der Warenhaussteuer nicht unterliegen"— oder mit andren Worten, daß alle bereits gewerbesteuer Pflichtigen Genossenschaften auch der Warenhaussteuer nicht entschlüpfen können, sobald ihr Jahres- umsatz die gezogene Untergrenze von 509000 M. überschreitet (Filialen werden dabei zusammengeworfen). Nun lautet aber§ 5 des Gewcrbcfteuer-Gesetzes in Ab- satz 1 und 2: „Der Gewerbesteuer sind nicht unterworfen: Vereine, ein- getragene Genossenschaften und Korporationen, welche nur die eigenen Bedürfnisse ihrer Mitglieder au Geld, Lebensmitteln und andren Gegenständen zu beschaffen bezwecken, wenn sie satzungsgemätz und thatsächlich ihren Verkehr aus ihre Mitglieder beschränken und keinen Gewinn unter die Mitglieder verteilen, auch eine Verteilung des aus dem Gewinne angesammelten Vermögens unter die Mitglieder für den Fall der Auslösung ausschließen. ttonsuluverciuc mit offenem Laden mitcrlicgen der Be- stcuerung; ebenso unter derselben Voraussetzung Konsumanstalten, welche von gewerblichen Unternehmern im Ncbenbctriebe unterhalten werden." Die Motive der Umsatzsteuer-Vorlage gestehen selber zu, baß größere Konsumvereine„im allgemeinen" offene Läden halten müssen; auch die geforderte Mitgliedslegitimation des bereits eingetretenen Kauflustigen schließe den Begriff des „offenen" Ladens nicht aus. Damit sind also fast alle Konsum- vereine, wie bisher als gewcrbesteuerpflichtig, so in Zukunft als umsatzsteuerpflichtig ausdrücklich hingestellt, trotz aller schönen Redewendungen über die weniger leistungsfähigen Bevölkerungs- schichten,„für deren Lebenshaltung es von nicht geringer Be- deutung ist, ob sie ihre Bedürfnisse an Lebensmitteln, Kleidung, Hausrat usw. etwas billiger oder teurer befriedigen können". Die vollständige Rückwärtsschivenkung, die Herr v. Miguel hier in gewohnter Beweglichkeit vollzogen hat, tritt schlagend hervor, wenn man den ebenfalls Miquelschen Gewerbe- steuer-Entivurf von 1890 zum Vergleich heranzieht. Hier wird in den Motiven des Inngeren dargelegt, daß Kredit-, Konsum- und sonstige Vereine, welche lediglich die leichte und billige Beschaffung des Bedarfs ihrer Mitglieder an Geld, Lebensmitteln usw. bewirken,„NichtMitgliedern aber überhaupt keine Vorteile zuwenden, überhaupt keine Erwerbs- zwecke verfolgen und deshalb für gewerbliche Unternehmungen im st e u e r lichen Sinne nicht zu erachten sind." Hier könne eö gar keinem Bedenken unterliegen, die Steuerfreiheit be- stimmt, im Gesetz selber, auszusprechen. Dann heißt es in den Motiven von 1890 wörtlich weiter: „Für alle Kredit-, Konsum- und sonstigen Vereine, welche den vorbezeichneten Voraussetzungen nicht entsprechen, soll die Sleuerpflichtigkeit eintreten, da die Verfolgung von Erwerbs- zwecken und hiermit der gewerbliche Charakter außer Frage gestellt ,st. Insbesondere gilt dies von allen Konsumvereinen mit offenem Laden. Bei diesen ist nach den gemachten Er- fahrungen die that sächliche Beschränkung des Geschäftsverkehrs auf die Mitglieder selbst dann nicht gesichert, tvcnn eine solche Beschränkung in de» Statuten vorgeschrieben ist. Im Absatz 2 ist deshalb, um jede hieraus entn'onmiene Einwendung auszuschließen, die Steuer- Pflicht der Konsumvereine mit offenem Laden ausgesprochen." Hier wird also die Steuerpflicht der Vereine mit offenem Laden nur daraus hergeleitet und damit beschönigt, daß ihre Thätigkeit meist über den Kreis ihrer wirklichen Mitglieder hinausgreife, daß sie zu gewöhnlichen, allgenrein zugänglichen Ladengeschäften würden und dadurch ihr sonst anerkanntes Recht auf Steuerfreiheit verlören. Das mag schon 1890 ein Vorurteil und eine Härte gegen viele Konsumvereine gewesen fein. Seitdem ist jedoch im Deutschen Reiche vieles anders geworden, um die„vorbezeichneten Voraussetzungen" der Steuerfreiheit zu„sichern". Unter dem 12. August 1896 ist bekannt- lich eine Novelle zumErwerbs-undWirtschafts- genossenschafts-Gesetz ergangen, welche gleich damit beginnt, daß Konsunivereine Waren„nur an ihre Mitglieder" oder deren Vertreter verkaufen dürfen. Dann bestimmt ein neuer Z 30a, daß für Konsumvereine mit offenem Laden bestimmte Legitimationen der Vereinsmitglieder den Lager- Haltern gegenüber zu schaffen sind; im Notfall ist der Vereins- vorstand zum Erlaß solcher„Sicherungen" durch Strafe zu zwingen. Verkäufer des Vereins, welche wissentlich oder leicht- fertig„an andere Personen als an Mitglieder oder deren Vertreter verkailfen". werden nach§ 145a mit Geldstrafe bis zu 150 M. bestraft. Gleiche Strafe trifft das Mit- glied, welches seine Legitimation, durch die allein es Mittwoch, den Ä1. Februar 1900. zum Warenkauf in einem Konsumverein berechtigt wird, einem Dritten zum Zwecke unbefugter Warenentnahme über- läßt. Sogar das Mitglied, das häufiger Waren weiter giebt, die es lediglich auf Grund seiner Vereinsmitgliedschaft be- zogen hat, verfällt den Krallen dieses Gesetzes. Nach ihrem Standpunkte von 1890 hätte die preußische Finanzverwaltung nunmehr schließen müssen: daß die Konsum- vereine, auch wenn sie offne Läden unterhalten, in Zukunft von der Gewerbe steuer befreit werden müßten, da sie von dem Verdacht, auch an Nichtmitglieder zu verkaufen, hin- länglich gereinigt sind. Statt dessen hält Herr Miguel au dem, auf völlig überwundenen Voraussetzungen ruhenden, for- mellen Besteuerungsrecht von 1890 fest. Ja, anstatt die Gewerbesteuer des Konsumvereins aufzuheben, pfropft er auf dieselbe noch die neue Warenhaussteuer mit ihrer, auch nach der ehemaligen Regierungsanschauung widersinnigen Berechnung nach dem Umsatz! Es sind also leere Vertröstungen, wenn die Regierung sich verwahrt gegen eine„Verfolgung reichsgesetzlich zu Recht bestehender und geschützter Vereinigungen, die weder zulässig noch politisch ratsam wäre," und wenn sie gar von den„social- politisch bedenklichen Folgen" eines solchen Vorgehens spricht und dann fortfährt: Man darf nicht vergessen, daß die große Mehrzahl der Mit- glieder der Konsumvereine den minder bemittelten, jeden- falls nicht den leistungsfähigsten Bevölkerungsschichten angehören, für deren Lebenshaltung es von nicht geringer Bedeutung ist, ob sie ihre Bedürfnisse an Lebensmitteln, Kleidung. Hausrat usw. etwas billiger oder teurer befriedigen können. Ihnen die Mög- lichkeit billigerer Beschaffung der Lebensbedürfnisse durch eine Steuer, die gerade die r e i ch st c n, durch ihre Mittel der Not- wcndigkeit solcher Maßnahmen übcrhobenen Kreise a in iv c u i g st e n b e r ü h r t, zu verschränken oder zu erschivcren, wäre im Staats- intcrcsse nicht zu rechtfertigen. Ist das richtig, dann würde Herr v. Miguel gut thun, den Entwurf zu rechter Zeit zurückzuziehen. Aber daran ist nicht zu denken. Die heutige preußische Regierung braucht die lärmenden und drohenden Wählermassen des wirtschaftlich reaktionären Mittelstandes, und sie war jederzeit ohne Be- denken bereit, die Interessen der ärmsten, vor allem der lohnarbeitenden Bevölkerungsschichten den Ladenzünstlern zu opfern. Die preußische Vorlage bedeutet für ein ganzes großes Land denselben empörenden Rückschritt, den in Sachsen bisher immer erst einzelne Gemeinden vollzogen haben. Preußen hat eben nicht umsonst einen liberalen Finanzminister an der Spitze._ ADolikrflsze Mvvlevfirht» Berlin, den 20. Februar. DaS preußische Abgeordnetenhaus setzte Dienstag die erste Lesung der Sekundärbahn- Vorlage fort. Tie Beratungen, die im Scknndärbahn-Tcmpo verlaufen, kamen noch nicht zum Abschluß, sondern müssen noch Miltivoch weitergeführt werden. Außerdem steht die Vorlage über die W e i ch s e l r e g u- l i e r u n g auf der Tagesordnung.— Ei» militärisch boykottierter Flottcuverein. Dem neugegründcten Flotteuverctn zu Straß bürg i. E., dessen Protektor, Statthalter Fürst Hohenlohe- Langenburg, vom Kaiser kürzlich mit einem in so außerordentlich herzlichen Ausdrücken gehaltenen Dankestelegramm für die in der Hauptstadt des Reichs- landcs erfolgte Flottengründung beehrt ivurde, ist, wie uns aus dem Elsaß berichtet ivird, von militärischer Seite ein böses Mißgeschick widerfahren. Der kommandierende General des XV. Armeekorps, dessen Sitz Straßburg ist. hat den sämtlichen Offizieren, Sanitäts- offizicren und Militärbeamten den Eintritt in den Verein v e r- boten. Angesichts der Thatsachc. daß nahezu die Hälfte des nun- mehr boykottierten Flottenvcroins ans Angehörigen der Armee be- stand— die andre Hälfte setzt sich aus Civilbeamten zusammen— begreifen wir den Schmerz der marinebegeisterten Presse, die, wie z. B. der Stuttgarter„Schwäbische Merkur", über das Verbot des Generals von Meerschcidt- Hiillessem Thränen nationaler Trauer vergießt. Die Flottcnvcrciuignngcn sind ohne jeden Zweifel Vereine poli- tischen Charakters, denen aktive Militärpersoncn bekanntlich nicht angehören dürfen. Es ist anerkennenswert, daß im Bereich des XV. Armeekorps die gesetzlichen Bestimmungen geachtet werden.— Gewerkschaftsfrageu. In der„Socialen Praxis" berichtet Genosse Brnhns über vier Vorträge, die Herr Professor Sombart in Breslau der Geschichte und Theorie der gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung gewidmet hat. Man muß dem Genossen Brnhns danken, daß er diese Vorträge zu allgemeinerer Kenntnis gebracht hat. Zu neun Zehnteln enthalten sie zivar allbekannte Dinge, die man gründlicher und schlüssiger in den, vor dreißig Jahren erschienene»,„Arbeitergilden" Brentanos liest, aber das letzte Zehntel ist allerdings kostbares Originalgcwächs. So sagt Herr Sbmbart:„Mit Unrecht ist den socialdemo- kratischen Führern der Vorwurf gemacht worden, daß sie von der Gewerkschaftsbewegung nichts wissen vollen. Aber sie waren ganz im Sinne von Marx immer nur für die Gciverkschaftsbeivegnng als Mittel zum Ziveck, im höheren Dienste der politischen Be- strcbnngcn. Ein orthodoxer Marxist muß freilich so denken, denn wer alles von der völligen Umivälzung der Ivirtschastlichcn Verhält- nisse erwartet, kann die Gewerkschaftsbewcgnng nicht als Selbstzweck behandeln. Die erfreuliche Aufwärtsbewcgnng der Gewerkschaften in Expedition: 3W. 19, Veuch-Strafze il« den letzten Jahren hat denn auch ihre Ursache in der Emanzipation der Gewerkschaftsbewegung von der Vormundschaft der socialdemo- kratischen Partei." Man traut seinen Augen nicht, wenn man diese Geschichtskonstruktionen des Herrn Sombart liest. Jedoch— entwirren wir in möglichster Kürze den Weichsclzopf von Schiefheiten und Umvahrheitcn. In der bald vierzigjährigen Geschichte der deutschen Socialdemo- kratie giebt es eine Periode von tvenigen Jahren, in der ein Teil der Partei allerdings die gewerkschaftliche der politischen Bewegung unterordnete. Das war aber nie der„Sinn von Marx", sondern der Sinn Schweitzers, der, ein gescheiter Kopf wie er sonst war, in diesem Punkt gründlich irrte. Aber selbst unter den Lassalleanern, an deren Spitze er stand, erhob sich bald ein lebhafter Widerstand gegen seinen Irrtum; sie stellten tüchtige Gewerkschafts- männer, Ivie die beiden Kapells, Grottkau und andre, und im übrigen gehörte der Irrtum Schweitzers zu den ivesentlichstc» Diffcrcnzpuuktcn ztvischen ihm und Bebel-Licbknccht, zwischen den Lassalleanern und den Eisenachern. Mindestens aber seit dem Gothaer Einigungskongreß von 1875 steht die gesamte social- demokratische Partei auf dem Standpunkt, daß die politische und die gewerkschaftliche Organisation gleichberechtigte, aber ihrem Wesen nach verschiedene Kräfte des klassenbewußten Proletariats seien, und daß sie demgemäß auf verschiedenen Wege» dem gemeinsamen Ziel zustreben müßten, der Emanzipation der Arbeiterklasse aus der Lohnsklaverei. Dies ist der„Sinn von Marx", den er zehnmal in der Litteratur der Internationalen, dies ist der„Sinn der orthodoxen Marxisten", den sie hundertmal in ihren Schriften und Zeitungen, dies ist der„Sinn der socialdeinokratischcn Führer", den sie tausendmal in ihren Reden ausgesprochen haben. Getviß ist ihnen die gewerkschaftliche Bewegung nicht„Selbstzweck", sondern nur„Mittel zum Ziveck", aber man beachte nur den Taschen» spielerkniff, womit Herr Sombart„Mittel zum Zweck" und„im höheren Dienst der politischen Bestrebungen" als gleichbedeutend neben einander stellt, uni den„Sinn von Marx" i» einen Unsinn zu verkehren, den Marx und— bis aus eine vorübergehende Episode— auch die deutsche Socialdemokratie stets zurückgewiesen haben. Wie in der Theorie, so in der Praxis. Es gehört zu den Ruhmestiteln der deutschen Arbeiterklasse, daß sie immer gleich stark zur gewerkschaftlichen und zur politischen Organisation gedrängt hat. was schon Schweitzer zu seinem Leidwesen erfahren mußte, trotz des großen Ansehens, das er bei den Lassalleanern genoß. Wenn sich gleichwohl der gewerkschaftliche Arm des deutschen Proletariats schivächer entwickelt hat, als sein politischer Arm, so tragen außer anderen Gründe» die hartnäckigen polizeilichen, staatsanwaltlichcn und gerichtlichen Verfolgungen der Gewerkschaften die Schuld daran; mit Recht sagt Bernstein, nicht daß die Gewerkschaftsbewegung ver- hältnismäßig zurückgeblieben sei, sondern daß sie sich noch so iveit entwickelt habe, sei zum Verwundern. In früheren Jahrzehnten wurde die gewerkschaftliche Bewegung der Arbeiter noch heftiger ver- folgt als ihre politische Bewegung, iveil die Unternehiner die von den Gewerkschaften drohende unmittelbare Verkürzung ihres Profits mehr fürchteten, als die mittelbare Bedrohung des ganzen Profits durch eine, wie sie sich einbildeten, harmlose und utopistische Sekte. Heute hat sich das Verhältnis insofern umgekehrt, als wenigstens die gescheiteren Unternehmer den Gewerkschaften lieber einen Teil ihres Profits opfern möchten, wenn sie damit die handgreifliche Be- drohung ihres gesamten Profits durch eine große politische Partei abwenden könnten. Diese Schmerzen holder Seelen bringt Herr Sombart in ein„wissenschaftliches" System; deshalb giebt er der uralten Polizeifinte, die jahrzehntelang gebraucht worden ist, um die polizeiliche Verfolgung der Gewerkschaften zu beschönigen, der Finte nämlich, daß die Gewerkschaften der Schwanz der politischen Bewegung seien, die höhere wissenschaftliche Weihe; deshalb fabelt dieser Lehrer der politischen Oekonomic, daß „die erfreuliche AufwärtSbewegung der Gewerkschaften in den letzte» Jahren" nicht i» der günstige» Konjunktur der Geschäfte, sondern in der— zwiefach imaginänn—„Emanzipation der Gewerkschaftsbewegung von der Vormundschaft der socialdemokratischen Partei" ihre Wurzel habe. Selbstverständlich fällt durch diese Professorale Treiberei kein Schatten auf das AufwärtSkommcn der Gewerkschaften in neuerer Zeit. Unsres Erachtcns ist die bedeutendste Thatsachc in dem letzten Jahrfünft der deutschen Arbeiterbewegung, daß während ihre politische Organisation in dem stagnierenden Sumpf des Zickzack- kurses zu waten hatte, ihre geiverkschaftliche Organisation die günstige Konjunktur mit aller Emsigkeit zu ihrem Ans- bau ausgenutzt hat, und alle Ehre den Genossen, die ihr Verdienst daran haben! Sollte dabei eine gc- wisse Urberschätznng der Gewerkschaftsbewegung mit unter- laufen, so ist das dieselbe Erscheinimg, die früher im umgekehrten Sinn oft genug beobachtet werden konnte, wenn die politische Be- wegniig schneller vorwärts kam, als die gewerkschaftliche. Die Ver- Hältnisse, unter denen. die Arbeiterklasse zu kämpfen hat, werden nicht von ihr, sondern von ihren Gegnern gemacht, und eS ist bei aller praktischen und prin cipiellen Klarheit scbi natürlich, daß ihr der Arm, den sie unter den gegebenen Verhältnissen am kräftigsten rühren kann, auch als der an sich kräftigere erscheint. Ans dem Boden, den sich Herr Sombart durch seine GeschichtS- fabeleien geebnet hat, stimmt er seine Harfe nun so:„Das neue Jahrhundert wird nicht ein Jahrhundert des Kapitalismus oder des Socialismns sein, sondern ein Jahrhundert beider, denn sie schließen sich nicht ans, sie gehören zusammen wie die beiden Seiten einer Medaille. Der Kommnnalsocialismns, die genosseuschaftlichen Be- triebe werden eine Zunahme erfahren, der Schwerpunkt des Wirt- schaftSlcbens aber wird in den Händen der Kapitalisten bleiben. Wir können die genialen(Allbarmherziger!) Leiter der Produktion und die sv»ilzlicheii finnflcutc nicht cmpcgrcii, l»id wir wollen hoffen, daß sie>» der rauhen Luft dcS Weltmarkts Deutschlands Nuhin und starke Stell»»!? erhalten und ausbreiten werden. Den Anteil der Arbeiter am ProduktionSgctvin», an der Art und Weif« der Pro- duktiou wird wachsen, die Plaulosusicit der Produktion tpirch vßp riugert werden, und au die Stelle der heutigen privaten Negelttllg des Arbeitsbertra!?s wird die öffentlich-rechtliche Ne>?slni!g dieser Acrhcssiuisse zivischc» siutcruehmern und Arbeitern trete»" usw. usw. Utax Hirsch toird durch diese Tiraden zu Thrisiieil gerührt werden: nachdem er von wegen seiner„Harmonie zwischen Kapital und Arbeit" dreißig Jahre laug tw» den deutsche» Arbeitern ausgelacht worden ist. erhält er nun doch die„wissenschnstliche" Feuertaufe als Prophet des 2t). Jahrhunderts. Fassen wir uns kurz zusammen! Seitdem eS etue deutsche Gc- werkschaftsbcwcguug giebt, haben sich in ihr— immer abgesehen von der flüchtigen Episode Schlveitzer— drei Standpunkte geltend gemacht. Da ist der Standpunkt Marx: gewerkschaftliche und polsi tische Organisation sind gleichberechtigte und gleich ivirksgine Mittel zur Emancipation der Arbeiterklasse und der Lohnsklaverei, aber da sie ihrem Wesen nach verschieden sind, so müsse» sie. unabhängig von einander, verschiedene Wog« zu demselben Ziele verfolgen. Diescr Standpunkt findet seiiie Stühe in alle» Erfahrnngen des proletarischen Emaiicipationskampfcs. Da ist ferner der Standpunkt Brentano: die gewerkschaftliche Bewegung ist nötig, um die kapitalistische Gesellschaft zn schühcn und zu stühcnz erst wenn diese Gesellschaft ihre letzten Konsequenzen zieht und ihr allgemeines Warcnrecht auch der Ware Arbeitskraft einräumt, wird sie auf festen Füßen siehe». Das ist ei» beschrnnkt-bürgerlicher, ober ehrlicher Standpunkt, mit dem sich diskutieren und in gewissem Siiine sogar lebe» läßt; ivir werden die letzten sein, Herrn Brentauo jedes Berdienst um die deutsche Arbeiterbewegung abzusprechen. Da ist endlich der Standpunkt Max Hjrsch-Sombart: die gewerkschaftliche Bewegung ist Selbstzweck! indem sie die politische'Bewegung der Arbeiterklasse paralysiert, wird sie die kapitalistische Gesellschaft' über- winden und in einem Kuddelmuddel von Kapitalismus und Soeia- ltsmu« eine» Urbrci allgemeiner Glückseligkeit herstellen. Dieser Standpunkt ist die reine Konfusion,„sublimi'ert", um in der Sprache des Herr» Sombart zu rede», von allen„historisch zufälligen Aecideutien", vorausgesetzt nämlich, daß er nicht— etwas ganz andres ist. »» Jeutsches Zieich. Konfiskationen tu Ostprenffen. Au» O st P r e u ß e n wird un» unten» IS. d. M. geschrieben: Wie vorauszusehen war, wird auf den von nnsrer Partei heraus- gegebenen Agitatioiiskalcuder. O st p r e u ß i s ch c r L a n d b o t e". der sofort»ach seinem Erscheinen beschlagnahmt wurde, in der eifrigste» Wclic Jagd gemacht. Ter Kalender ivar in kleinen Posten au die Parteigenosse» in der Provinz mit der Weisung verschickt, die Verteilung sofort nach E in p f n n g vorznuehmeii. Mit erfreulichster Promplhcit sind uusrc wackeren Freunde auf dem Laude dieser Aiiiveisuug gefolgt. Mit solcher Schnelligkeit ivurdeu die Kalender unter die Leute gebracht, daß es den beauftragten Behörden nur in ganz wenigen Fällen gelungen ist, die Sendling in die Hände zu bekomme». Wcnn sie ban'ilicc auch nicht erfreut zu sein brauchten, hatten die behördlichen Organe sich doch mit dieser Thatsache abzufinden. «.- c?rl � k0" lltcichS-Prcßgesctzcs schreibt ausdrücklich vor, daß die Beschlagnahme von Druckschriften die Exemplarc nur da trifft, „ w o dergleichen z u>u Z w e ck e der Verbreitung sich befinde n". Die in Privatbesitz übergegangenen Einzel- exemplarc dürfen nicht beschlagnahmt werden. Entgegen dem ktaren Wortlaut des Gesetzes sind aber eine ganze Anzahl von Gendarmen und Gemeindevorstchcril von Haus zu Hans gegangen niid haben den Leuten die E i n z e l c x e m p I a r e ab- gefordert. In Fallen, Ivo die Besitzer eines Kalenders denselben nicht sofort herausgaben, ivurde H a n s s n ch u n g abgehalten, bei der es einigemal recht merkwürdig herging. Die zn Unrecht beschlagnahmten Kalender sind natürlich nicht i» den Händen der Gendarmen geblieben, sondern den Laiidrat'ämtcr» abgeliefert, die den Beamte» die Anweisimg gaben, auf den Kalender zu fahnden. Würde nach d e m Gesetz verfahren, müßte den Lenten Ihr zu Unrecht abgenoinmeueö Eigentimi sofort wieder zn- gestellt weide, i. Bisher verlautet aber nichlS darüber, daß die Bc- amteil die Kalender zurücktrage». Der 8 27 des Preßgcsctzcs scheint danach für Ostpreußen zum Teil nicht mehr zu bestehen. Es ivicdcrholt sich jetzt dasselbe Schauspiel, das wir im vorigen Jahre sahen. Besonders im RegieriingSbezirt G u m b i n n c n wurde damals den Kalendem nachgespürt und derselbe ebenfalls in vielen Fällen den Besitzer« unrechtmäßigerweise abgenommen. Damals richtete der Verleger dcS Kalenders an den RegierungSpräsidcnten ein Schreiben, in der er von der durch da» Gesetz nicht gestattete» Wegnahme der Kalender Mitteilung machte und der Erwartniig Ausdruck gab, daß das weitere Eiiisainmeln der Kalender verboten und ferner dafür gesorgt werde, daß die Kalender ihren Eigentümern tvieder zurückgestellt würden. Ans das Schreiben ist keine Aiitivort erteilt und ebciisowcnig haben die geschädigten Personen ihr Eigen- tum zurückerhalten. Wcmi die Behörden eine Ahnniig hätten, welche Wirkung das Vorgehen gegen den Kalender auf die Laiidlcnte ausübt, hüteten sie sich, so weiter fortzufahren. CS wird für die Socialdemoklatie mehr Stimmimg gemacht, als imsre Genossen thim köliuten. Die ineistr» Kalender sind natürlich in den Händen der Laildbeivohner verblieben: der Wert derselben ist in den Augen der Landleiite infolge der behördlichen Nachslcllniigen ganz dcdeiitcnd gestiegen und jeder ist bemüht den Inhalt keinien zu lernen imd der nächstjährige Kalender ivird natürlich mit noch größerer Spanniing erwartet, wie der diesjährige.« Beschwerde wird auch diesmal ivegcn ocr Wegnahme der Kalender erhoben werden. Wunder» werden ivir uns aber nicht, iveiin der Herr Minister wieder antwortet, wie kürzlich im Landtage: „Materiell kann ich das Vorgehen der Be< arnten nur billigen. Formell dagegen haben die Beamten nicht korrekt gehandelt." Dann wird alles beim alten bleiben und die Socialdemokratie befindet sich so wohl dabei, wie nur zu wünschen ist.— Die Sehnsucht»ach dem starken Mann, die Herr v. F r e g c in einem Brnnstschrci nach dem„Reichskanzler der Ziiknnft" in der Gciieralvcrsaiwiilniig der LandwirtschastSbiiiidler geäußert hat, ver- dichtet sich für die„Staatsbürger-Zeitnng" zu einem»in parla- mentarischcn Kreisen in Umlauf befindlichen Gerücht, daß auch an hohen Stellen die Sehnsucht nach dem Kanzler der Zllkimft bestehe." DaS„parlamentarische Gerücht" ist sehr citifältia. Tie gemeinte hohe Stelle wird niemals cincn kanzlernden starken Maiin haben wollen, ivoil sie dadurch ihre eignen Rechte und ihre selbständige Wirksamkeit geschmälert glauben würde.—- Ncbcr WahlanSsichten schreibt die„Köln. Volks ztg.": „Ob eine Aiiflöiiliig des Reichstags der Regierung den Sieg bringen würde, erscheint sehr fraglich. Wie man hört, rechnet man in Ncgieruiigskreiseii auf den völligen Zusammenbruch der Freisiniiigcn Volkspartei. Dem Eentnim hofft man mit Hilfe der früheren.Scptclnmtskatholikcn" ciiiige Sitze abnehmen zn können, aber auch der Socialdemokratie glaubt man mchrcle Wahlkreise entreißen zu können. Wenn alle diese Voraus« s htiiigen sich erfüllten, so wäre ja ein Sieg der Rcaierlma sicher. Aber die Ncchimng erscheint»US höchst zweifelhaft. Mim hat gesagt, die Freisinnige Volkspartci kvirne mir mit Hilfe der Social« deiiiökratcit und des Ccntrliins Mandate gewinnen— aber diese Unterstützniig würde ihr doch im Falle einer Auflösung des Reichstags sicher nicht fehlen. Die Aussichten der Social- deinökratie sind nicht leicht berechenbar; aber wir sind der Ansicht, | daß sie zum Exsatz für cinige Mandate, die man ihr ctiva cnt- reitzen djikfts, tvikper andere gcwiinicii würde. Für die Hoffnung, dem C e» t x» in durch„konservativ-katholische" Kandidaturen Abbruch zn thn», haben Ipir nur ein kjihlcs Lächeln. Die Regic- rimg sollte sich sage»:.VSStlUi» tqrienh"— 1887 und 1893 hat man sich auch salche» Jllnsione» hingegeben und dix»ngn- genehmste Tnuschnng erlebt," Tie„Köln. Bolksztg." übersieht i» dieser Nechnung den Ivichtigstc» und zugleich den güiisiigsten Faktor. Zur Zeit des Sepftniiats- schlviudcls verfügte die Regierinig über cincn geschlossonen Parteien- Verband, das Kartell. Der ganze behördliche Apparat wurde damals unter Führiiiig der Koiiservatiue» in de» Dienst der Reglernngs- agitasion gestellt. Jetzt aber liegt die Sache so. daß gerade die einstige Regieriings- parte! schlechlhi», das J»»kcrli»ii, imicrlich gegen die Ncgicrnng und gcge» die Flotte jsf, Eine Rcichstags-Aiislösiiiig brächte gerade die Konservativen in die allerllbeiste Lage. Gczivungeii, mit der henchlcrischen Parole: „Für die Flette" in dx» Wahtkqmpf zn zicbcn, pesinden sie sich einer aiisschliehlich flotten f e i» d l t ch e n Anhängerschaft gegenüber. Gerade ein Wahlkampf niiter solcher Parole würde die Mäglichkeit bixte», die konservative Herrschaft i» der Landbevölkesiing zn Gunsten der offenen Fkotteiifeinde zu ei-schüttcru. Pah dadurch nicht die Aussichten der Rcgierimg gcbcffert werden, liegi auf der Hand.— Wozu wir eine Flotte brauchen? Auf den AdmiralitätS- inssln ist ein deutscher Händler upn de» Kgnnibalen ermordet und aufgefressen worden. Diese Begebenheit wird— man staiine-- vom fScherl-Anzeiger als Beweis für die Notwendigkeit einer stärkere» Flotte an- geführt. Die Admlraliiätslnseln, die ein Jnivcl in nnsrer Kokomalbcrrlichlclt sind, gehören z» dem Bisinarck-Urchipel, der insgesamt 837 Fremde zählt. Wieviel davon ans die Admirnlilätsinsel» entfallen, ist uns nicht bekaimt. Es soll aber Thatsache sein, baß gelegentlich eiiunal ei» Deutscher sich in diese iiitoressaiite Gegend verirrt. Wenn jeder dieser dcntscheu Passanten auf entlege»«» Inseln durch ein Kriegs- schisi geschützt werden soll, so würde mich eine Werzehiifachuiig der Flotte nicht genügen. Beiläufig ist'der Mord nicht»ur eine Specialität der Admiralität�- iiiseln. Trotz Heer und Flotte, Polizei nnd Nachtwächter, Scharf- lichter und ZiichthanS Ivjrd auch bei uns tu Deutschland gemordet. Ilnd in Berlin ist sogar das Mordhandwert ziemlich ungefährlich, weil die Polizei die Verbrecher doch nicht erwischt. Die darob schwer gescholtene Sicherhcitsbehörde wird nun wohl mit dem„Lokal- dlnzeiger" sagen:„Ja, wenn wir eine starke Flotte hätten.. Scherl muß der Dummheit seiner Leser anßcrordcutljch sicher sein, daß er ihnen derlei idiotische Argumente zu bieten wagt.— Die Werftarbeiter über die Flottenvorlage. AuS Kiel wird uns berichtet: Gegen die Flottenvorlage hat sich am Montagabend in Kiel eine imposante BolkSversaninisimg nach einem Referat L e g i e n s ausgesprochen. In einer Nesolntio» wird ganz energisch Protest gegen die durch die neue Flottenvorlage gcpläntc Flottcnvcrnichrinig und die durch dieselbe zum Ausdruck gebrachte uferlose Weltpolitif erhoben. In dieser Wcltmachtspolitik wird nicht ein Mittel zur Hebung des deutschen NationalivohlstandeS und der deutschen Kultur, sonder» im Gegenteil ein Alittel zur Heranfbcschwörung internationaler KnegLabenteiier, sowie zur wirtschaftlichen nnd politischen Schädigung der Arbeiterklasse erblickt. Einstimmig ivurde die Resolution von den 1500, zum größten Teil aus Werft- a r b e i t c r n bestehenden BersammIungS-Tellnchmcrn angenoninicn. In der Univcrsitäts- und Haiiptmarinestadt Kiel hatte sich nicht ein Anhänger der Flottenvorlage gefunden, der dieselbe vor den Arbeitern zu verteidigen gewagt hätte.— Sehr verstiiudtgungseifrig in der Flottenvorlage zeigt sich die „Germania". In einer Besprechung des von uns erwähnten Artikels dcS„Osservaiore Romano" sagt sie: „Wcnn diese Rede den Weg zn einer V e rst ä n d i gun g zwischen Regieinng und Reichstag unter Mitarbeit dcS Ecnirums offen gelassen hat, so wird man in R o in gewiß ebenso sehr wie im Centriim wünschen, daß eine V e r st ä n d i g n n g auf einer niinehmbarcn Grundlage, mimcntlich hinsichtlich der Dcckungs- frage, z n st a n d« kommen m ö g c." Weiter aber rühmt die„Germania" die lliicigciiniitzigleit ihrer Partei. Da die so berechtigten Forderungen des CciitriimS in iirchcnpolitifchen Fragen noch immer nicht erfüllt seien— das katholische Blatt zähli eine lange Wniischliste auf—, nnd in Anbetracht der„staatlichen Abwehr der Katholiken von den Gemeinde» vcrwaltiuiqcn durch eine„Gemeindewahlrefoini-Vorlagc"" werde man die Mißstimnumg der preußischen Katholiken begreiflich finden nnd mit ihr rechne» müssen,„aber damit auch überall die B e- r e i t iv i l l i g k e i t z u einer V e r st ä n d i g u n g um so mehr einzuschätzen vennögeii*.— Handel nnd Flotte. Die Kanfleute der großen Seestädte ivcrdcii in der Flottenpreffe stets als eifrig« Förderer erhöhter See- streitkräfte ausgegeben, weil dadurch der Handel gilnftige Förderung erhalte. Ganz änders klingt, was die„Weser-Zcitung" über die Stimmung in den Handelslrcisen in Bremen berichtet: „Herr Liebemiann v. Soiinenberg hat ausgerufen:„Die deutsche Hansa muhte die Kriegsflotte selbst bezahlen, warum sollten die Erben der Hansa sich nicht ai» der Anfbringiing der Kosten für ibre Flotte beteiligen?" Beteiligen«verde» sich natürlich die Hanseaten an diesen Kosten so gut wie alle andern; nach dem Zusammenhange sollen sie aber Herr» Lieberniann zufolge diese Kosten allein oder v o r z n g S iv e i s e tragen, weil sie, wie er »icint. die Kriegsflotte z u ihrem G c s ch ä f t c b c- d n r f e n. Da liegt der Irrt n in. der weit verbreitet ist. Natürlich soll iiicht gclengliet werde», daß auch gc schüft- Ii che Vorteile von dein Vorhandensdil einer deutschen Seemacht gelegentlich abhängen, nicht allein für biiinen« lttndische Gcwcrbeticibcude nnd Landwirte, sondern auch für bansratische Kanfleute. Wenn man aber die hanseatischen Kauf- leute lediglich als Geschäftsleute fragt, ob sie Kriegsschiffe halten>v o l I t c'»,»in mehr Geld z u verdienen, so würden sie ciustimniig mit Nein anttvortcn uiiiffcn. Als Patrioten stimmen sie für die Reichsflotte, zu deren Kosten sie ihren Teil beisteuern»verde»; als G c s ch ä s t s l c n t e würden sie aber den bisherigen Zustand, bei dem eS sich ja auch leben läßt, lieber er- tragen, a!s ein stehendes Konto„für Kriegsschiffe" in ihren Büchern zn eröffnen, das ihr ganzes Geschäft ver- schlingen mn ß r e." Als„Patrioten" ivollen die Bremer Handelsherren für eine große Flotte eintreten, wenil die unteren Volksklassen den Patriotismus be° zahlen. Dieser Patriotismus ist zndcm nichts als ein schönes Wort; man ivill nicht widersprechen, wen» so viele Reden und Toaste für die große Flotte gehalten»Verden. Aber Gewinn ist davon nicht zn erwarten, sagen die Kaufherren der Hansestadt. Dies Zeugnis ist sehr wertvoll.— Das Niärchci» von de» flotteiifrcnndllkkien Zlrbcitcrn wird jetzt von den Flottenagitatoren anfgegeben. Der an Gen. Bebel gerichtete Schimpfbricf ciiieS angeblichen socialdemokratischcn Arbeiters erregt den Verdacht der„Rhein.-Westf. Ztg.". daß er m der Redaktion des„VorivärtS" hergestellt fei. Daß das Essener Organ Krupps leicht ans de» Berdachr einer Fälschuna kommt, erklärt sich daranö, daß es neulich selbst eine Ansprache oeS Kölner ErzbischofS zu einer Flottenrede fälschte. Zugleich aber verrät der Zivcifel an der Echiheit die Thatsache, daß die Leute an das von ihnen er- soimeiie Märchen von flottemreiitibliche» Socialdemokratcn selbst nicht glanben. Sie kvniien sich ja nicht tinmal vorstellen, daß derlei Schreiben echt seien. Auch»vir glauben nicht, daß der Schmähbrief, dessen Original noch vorhanden ist, von einem Arbeiter stainmt. Wir hatten gleich darauk hnigcwiescn, daß er eine kanfinännischc Handlchrift zeigt. Wir sind vielmehr der Meiiumg, daß sich irgend ein Welt- Politiker in dieser Sudelei ausgetobt hat.— MiWücktc Flotlenagitation. Man berichtet uns: J» R e i ch e n b a ck i. Schl. hielt der Kapitänlieutenant v. Veltheim einen Flottenvortrag. Trotz � reichlicher Reklame hatten sich»»p ein Dutzend Pcrsone» eiiigssimden. um die Ans- sührnngcii des Flottonapostcls zu hören. Der Nedner betonte u. a., daß es England sein»vürde, mit dem wir niiS einstmals ansciiiandcr z>» setzen hgbcii werden. Das ist ja der neue„Erb- fsind". Die Dccinngssrage macht dein Herrn wenig Sorge. Deutsch- land sei reich, niciiite er, da der deutsche Mittelstand süns Milliarden in den Sparkasscn zinstragend angelegt hätte. Auch in Grünberg(Schlesien) sind die Flottenvereinler kläg- sich abgefallen. Ein Vortrag mit Lichtbildern war trotz Heranziehung von Schülern nnserahel besucht— l-ex Hcinze. Offiziös wird wiederholt erklärt, daß det Theqterparagraph in der Fassung der zweiten Lesung für die Rggicrimg nicht annehmbar sei. Nach der„Kreiiz-Zeitung" soll man sich seitens der Rechten über ein Kompromiß einig geworden sein, das auch die Ziistimmnng der Regierung finden dürste.— DaS h-ttziiischc Bcrlft«. Ein bemerleiiswertes Zugeständnis cnkschliipft der latholischen„Märkischen Bolks-Zcitniig". indem sie erklärt: „Daß in Berlin mit seinen Hmiderttaliscndcn von Neil« Hcsdcil die Giordano Brinioschcii Ideen zahlreiche Ai>hänger hahcn, auch außerhalb des Dunstkreises des Organs des„nationalen" Herrn Moste nnd des„Vorwärts", kann nicht verwundern.« ° Huiiderttansciide von Neu-Heiden beherbergt also allein Berlin. Und das trotz der rapid wachsendon offiziellen Frömmigkeit und der kolossale» Äirchenvermehrnng!— Grohertiusngsschankeltvalzcr. Als„Schandgesetz" hatten die Genossen Ed. S ch m i d t. Sturm. Göttfried. Gay»er und Racktmaiin in München die Ziichthansvorlage bezeichnet. Das Schöffengericht erblickte darin eine„beiuiißte nnd gewollte Schiiiähimg des Bundesrats" und verurteilte jeden der Anacklagteii zu 30 Mark Geldstrafe. Die Strafkaiiimer des Leibgerichts München l hob dgs Urteil a,is nnd sprach die Angeklagten ftet. Das Ll'crlandcsgericht München, dessen Entscheidnng nunmehr der Staats- anipalt aiirief, hob das freisprechende Urteil wieder vollständig ans nnd verwies die Sache an die Vorst, stanz zurück. Jetzt verwais dies Gericht die Bernfunaen und bestätigte das aus Vernrtöilnii.q lautende Erkcmttnis des Schöffengerichts. Unterdos wurden dem Schöffengericht München It. zwei andre Sünder gleichen Kalibers vorgeführt, die Genossen B r e u n i n g e r und Mauerer, die zur Abwechslung pon„Schandvorlage" gc- sprochcn hatten. Sie wurden vom Schöffengericht freigesprochen.— Was ist nun bei den Münchner Gerichten grober Unfug? Von den Kleinkaltbrlgcn. In der Bndgetkomniisfion kam am Dienstag die Frage der Hcrobsetzimg des Gewehrkaliber» zur Sprache. Minister v. G o ß l e r erklärte._ daß er ciiie iveitere Herabsetzung des Geivehrkalibcrs Ii i ch t für möglich d ii l i c. Im südafrikanischen Kriege habe man beobachtet, daß die Wunden, ivelche das sonst ante klcinkalibrige Boerengewchr bei Flcischichusien verursache, sehr leicht seien nnd»icist in kurzer Zeit heilten. Gewehre zu kleineii Kalibers seien nicht im stände, Menschen nind Tiere dauernd außer Gefecht zu setzen. Das Boereiigeivehr sei ein 7 Millimcter-Manscrgclvchr aus der Lvweschcn Fabrik imd habe sich sonst gut bewährt, doch habe eS ciitschiedeii ein zn tleines Kaliber. Auch im spanisch-amerikailischcii Kriege waren die Wunden meist „harmlos" wegen des zu kleinen Kalibers der spanischen Gewehre.— Dresden, 19. Februar.(Eig. Bcr.) Landtag. Die z>v e i t e Kammer veihandelic über einen vom nationalliberaleii Abg. Dr. Schill cingebrachten Antrag, der eine Aenderung einiger aus Stadtverordnete:c. bezüglicken Beftimmungen der Städte- und der L a n d g c m c i n d e- O r d n n ii g bezweckt. Es ivird verlangt, daß in Bezug auf Suspension oder Ansschluß vom Gemeinde- vcrtrctcrkolleginiii präcise Bestimmniigen getroffen werden. Der Antrag Schill hat seinen Grund in der sciiierzeitigc» Aus- schlicßnng eines n a t i o n a l l i b c r a l e n Stadtverordneten in Leipzig' ans dem Kolleginm. die deshalb erfolgte, tvcil gegen den Betreffenden ein Strafverfahren eingeleitet»vor. das bei einer cvent. Bcstrasiing die Uberkeiiming der bürgerlichen Ehrenrechte zur Folge gehabt Halle. DaS Verfahren mußte eingestellt werden. der Betreffende blieb aber trotzdem anSgeschlosien. Andrerseits ist es iviederholt voraekonimen, daß Socialdemokratcn ivegcn geringfügiger Slrasen ans politischen vergehen ihre» Mandats enthoben wurden. Außer der Socialdemokratie bat sich in solchen Fällen niemand der Sache angenommen. Der Antrag Schill verlangt min, daß bei Eröffnung eiiieS Strafverfahrens gegen esticn Gemeindevertreter nur Suspension von seinem Ebrenamt verfügt werde» kann, und bei rechtskräftiger Veriirteilniig das Kollegium s e l b st über den A Ii ö s ch l u ß zu entscheiden hat. In lctztcrivähutcr Hinsicht wandte sich unser Genosse F r ä ß d o r f gegen die Form des Antrags. Gebessert locrde dadurch nichts, man iolirde bei der heutigen Zu» sammciisctzimg der Gcmcindcrätc, wen» eS sich«ni eiiien Arbeiter- Vertreter handele, erst recht dazu kommen, daß da? politische Moment den Ausschlag gebe, und so auch die wenigen socialdcinokrati- scheu Vertreter noch hiiiaiisdrängeil. Unter der Herrschaft des GeldsackS- wahlrcchts schlage insofern jede Erweiterung der Autoiiomie der Gcmeindcii z»m Nachteil der Arbeiter anS. Erste Grundbedstigung sei die Gcwahnnig des allgemeinen gleichen direkten Wahlrechts.(Allgemeines Murren auf den konservativen Bänken.) Da könne man lange warten, antwortete Ickkonisch Herr Schill. Genosse H o fm a ii n betonte sehr treffend, daß initer allen Uiiistäiiden eine Bestiinniung zu treffen sei, daß bei Strafen wegen politischer Vergehen A n Ss ch l n ß nicht erfolgen dürfe. Auch sei den Bertrelcrii der Goniriiide ei» größerer Schutz zur Aus- übnitg ihres Mandats zu garantieren. Der Antrag gehl vorläufig an die Gcsetzgcbungsdcpiitalioii.— Majrstiitsbelcidignug ivar dem Zimmermann Steinkowi tz zur Last gelegt, der am 17. Februar vor der Strafkammer i» Pots- dam stand. Gleich nach Beginn der Verhandlung wurde gegen den Antrag des Verteidigers Rcchtsanivalt Heine aus Berlin die Oeffcnllichkeit auSgeschloffcit. Wie die UrtcilSverkSndimg ergab, bandelte eS sich um eine Bemerkung, die der Angctlagte in einer vffciitlichcii Zimmcrcrvcrsaiiiiiilinig in NvivaweS gcmackt hatte, und die der übmvackende Beamte auf die OeyNhansener Rede bezogcit hatte, ivährcnd sie»ach der Angabe des Angeklagten der Social- Politik der Regierung im allgemeinen gelten sollte. Wie der Vor- sitzende verkündete, batte sich das Gericht den Ansführungeu des Ver- tcidigers nicht vcrschlosie», daß ans iuncr» Grlindcu den Angaber des Angeklagten Glauben zu schcnlcn sei und hatte ihn frei- gesprochen.— Anstand. bestreich-Uiigc»».-». Wiener Gemeindetvahlordnung. Der niederöstreichische Landtag überivies die abgenndme Geincindewahlordiiung für Wien einem ans 13 Mitgliedern bestehenden Ansschiiffe. Schweiz. Basel, 19. Februar.(Eig. Ocr.) In der gestrige» Volks« abstumiiung ist leider das Gesotz betreffend die staatliche ArbcitSlosrn-Bcrsichcrniig vcrlvorfc» worden und zwar mit der große» Stimmeiizahl von 5158 Nein gegen mir 1910 Jg. Dieses Resultat ist sehr bedauerlich und die vielen Arbeiter, die gegen die Vorlage stimmten, habe» damit keineswegs irgend welches soeicilpolitlsche Verständnis bewiesen. Tritt wieder eine wirtschaftliche Krise Mit ausgedehnter Arbeitslosigkeit ein, so ivird vielleicht mancher, der jetzt das Gesetz mit verworfen hat, seine Kurzsichtigkcit bedauern.— Zürich, 19. Febninr.(Gitj. Ver.) Tie ncftcni in Ölten statt- axsundcne anhevovdcntlichc Dckc�ertcnvcemrsimkiiiiq des schwcizcriichen Grütlivereins/ die von 14� Delegierten miS ilv Sektionen besucht war. beschloß einstimmig die Annahme des Kranken- und tl n f a I l v e r s i ch e r u n g s- G e s e tz e s.— In dem Arbeiterviertel Außersihl der Stadl Zürich ivurden gestern drei Social- dcmokraten(einer war zu ersetzen) in den Großen Staptrat gewählt, einer(Ersatzwahl) in den Krmtpnsrat ngd zwei in die Schulbchörden. .Hei der in der ganzen Stadt stattgefundenen Wahl iichwr Mitglieder in den Kleinen Stadtrat erhielt Genosse Lang 6793, der bürgerliche Kandidat 84L5, so daß letzterer gewählt ist. Die Socialdcmokraten haben nur einen von den neun Stadträten.— Jtnlicn. Rom, 20. Februar. Deputiertenkammer. Zur Bc- ratung steht der Antrag die Gcsctzesvorlage Caldcsi und Giovanclli betreffend Pensionszahlungen an die Veteranen in Erwägung zu ziehen. Ter llntcrstaatssekretär des Schatzes Baron � Saporitp bisset den Antrag abzulehnen. Die Kammer beschließt mis 105 gegen 104 Stimmen die Ablehnung. � Frankreich. Paris, 20. Februar. Der Handlungsgehilfe Manlicr, welcher, als Präsident Lonhet dje Magdalencnkirche verließ, den Nus ausstieß:„Nieder nnt dem Panamisten Lonbet!" wurde zu sechs Mopaten Gefängnis verurteilt. Englaud. Der Krieg im englischen Unterhans. Das Haus beriet am Montag über den Nachtragskrcdit. Nach mehrstündiger von den irischen Nationalisten angeregter Debatte wurde der Posten„Mann- schatten" nnt 104 gegen 32 Stimmen angenommen und nach weiterer Erörterung, in welcher die irischen Rationalisten gegen den Krieg von neuem energisch p r o t e st i e r t e n, mit' 207 gegen 31 Stimmen der Kredit von 13 Millionen bewilligt.— Dänemark. Kopenhagen, 20. Februar. Der Landwirtschaftsmtnister hat heute das seit dem 15. Januar bestehende Verbot der Llns- fuhr von Niudvish, Schafen, Ziegen und Schweinen aus Fünci, nach dem Auslände und den übrigen Teilen des Landes auf- gehoben.—- Rußland. Die finnischen Stande richten wieder eine Petition an den Zaren, in der sie gegen die Spione und Agenten und gegen die Aufhebung des V e r e i n s r e ch t S Einspruch erheben. Sie betonen, daß in Finnland die Aufrcchterhaltnng der Gesetze stets eine leichte Aufgabe gkwesen sei, da die finnische Gesellschaft Ii ei sei von allen Bewegungen, die rechtswidrige Ziele verfolgen. Es sei verwerflich, in inneren filmischen Angelegenheiten andern als finnischen Behörden Gehör zu geben, vollends aber müsse es zu„schiefen und bedenklichen" Nelultaten sichren, wen» dazu Agenten benutzt werden, die weder mit der Sprache noch mit den Gesetzen deS Landes vertraut sind und nicht zu beurteile» vermögen, was nach finnischem Gesetz statthaft ist oder nicht, und irreführende Berichte geben. Ebenso lvird betont, daß keiner der bestehenden Vereine sich des Gesctzbrnchs oder einer Ucbcrtrctnng schuldig gemacht hat, auch seien die bestehenden Vereine in der Durchführnng ihrer Angelegenheitcu verhindert. Sie bitten, der Zar möge die innere Verwaltung des Landes nicht in einer Weise sichren lassen, die im Widerspruch stände mit de» Landesgcsctzen und den Grundsätzen, die bisher geltend gewesen.— Was nützt ihnen das alles? Väterchen lvill sie eben ganz zu seinen Kinderchen machen.— Amerika. Valparaiso. 19. Februar. Die Nachricht von der Entdeckung - eines Gehcinr Vertrags zwischen Per«, B o I i v i a und Argentinien in Verbindung mit der offenbar gegen Chile ' gerichteten Verstärkung der Nüstnngen Argentiniens verursacht hier Erregung. Eine militärisckie Kommission, an deren Spitze der chilenische GcncralstabS-Chef Körner steht, ist in der vergangene» Woche nach Europa abgereist, ivie man glaubt, in wichtigen'milif lärischen Angelegenheiten. Der chilenische Gcncralstab arbeitet Bc- stimmnnKe» für die Militär-Dlcnstpflicht ans. Ncber Protestvrrsaminlmigc» gegen die Flottcnvorlage lvird ivieder aus verschiedenen Landesteilen berichtet. So fanden solche statt in Ncu-lllm bei Dricsen im Wahlkreise Ahlwardts, in Lehrte, Weißcnfels, Gera, Zwötzen sowie im Hamburger Landgcbiet. In allen Versammlungen wurden die vorgeschlagenen Resolutionen ohne Widerspruch angenommen. Die politischen Sprechstunden, die nnsrc Parteigenossen in Sachscn-Weimar abhalten, iveil ihnen jede Bersammlnng verboten lvird, will die weimarische Regierung, wie ein Amtsblatt„erfährt", als„verschleierte politische Versammlungen" ansehen. Danach sollen die Orts-Polizeibchörden angelviesen werden, derartige, öffentlich an- gekündigte Besprechungen, in denen bekannte Socialdemokraten das Wort zu führen beabsichtige», je nach Lage der Umstände zu ver- bieten. Die Polizei kann natürlich alles, wenn es gegen Socialdcmo- kraten geht, ob aber ein gesetzliches Recht zum Verbot solcher Bc- sprcchungen besteht, bczwciicln wir. Totenliste der Partei. In WovmerShansen(Bremen) starb der Parteigenosse I o h. W n l f k c n an den Folgen einer Influenza. In ihm verliert die Partei vor allem einen uiiermüdlichen wirksamen Landagitator, der es verstand, den Landbcivohncrn in ihrer Sprache zum Herzen zu reden. Ter Parteitag der polnische» TocialdemokratLi« in Preuße» lvird am 15. und 10. April in Berlin abgehalten. Die vorläufige Tagesordnung lautet: 1. Bericht der Parteileitung nnd Kassenbericht. 2. Berichte der Delegierten nnd Stellungnahme zur allgemeinen Agitation. 3. Die Pnrteizcitnng nnd andre Druckschriften. 4. Rcichstags-Kandidaturen. 5. Der internationale Kongreß. 0. Wahl der Partcilcitnng. Anträge, die in der Gazeta Robotnicza bcröffentlicht Iverden sollen, sind bis zum 30. März an den Parteisekretär Merkowski, Berlin, Wallnerthcatcrstr. 20, einzusenden. AnS der französischen Partei. Die socialistischc Gruppe der Kammer beschloß, wie daS Dtpcfchenburcan„Herold" meldet, den socialistischc» Abgeordneten Zcvaes zur Verantwortung zu ziehen, Iveil er in einer socialislischen Versammlung zu Lyon eine Tages- ordimng gegen die socialistischc Gruppe des Parlaments und gegen Millcrand augenomnien hatte, welche die Haltung derselben bei der Beratung der Gesetze, betreffend die Frauenarbeit in den Fabriken initzbilltgte. polizriliilieo, lScrichklichrs«sin. — Genosse Zappet), iliedactcur der„Märkischen Volksstiinme" in Forst, ivnrde wegen Beleidigung eines Fabrikanten, dem er un- reelle Lohnbcrechnnng vorgeivorsen, zu vier Wochen Gefängnis ver- urteilt. — Polizei nnd Stadtstcrtvaltnng. Die Verivaltmig der Stadt Bonn bcabstchti�ie Anfang vorigen Jahres cineil städtischen Aibeitöiiachiveis einzurichten. nnd der Beigeordnete Dr. Wilms setzte sich deshalb u. a. auch mit den dortigen Gewerkschaften in Verbiiidirng. Als die Vertreter der Gewerkschaften eine Versamnilnng für nötig hielten, riet ihiieii der Beigeordnete, sich an den Besitzer des Hotels„Kaiser Friedrich" zu wenden. Einer der Vertreter, N., mietete von dem Besitzer des genannten Hotels dessen Konzertsaal, inn am Sonntag darauf eine Versammlung für Arbeitgeber n»d Arbeitnehmer mit der TagcSordnmig:„Tic' Be» bcntnng des städtischen Arbcitsiiachiveiscs" abzuhalten. Der Besitzer verpflichtete sich, im Falle der Nichterfüllung des Vertrags alle Un- kosten der Vcrsaminlnngs-Änbcraiimuiig zu erstatten. Der Hotel- besitzer schrieb am Tage vor der Versammlung, daß er den Saal nicht gebe. Da er sicki weigerte, die entstandencil Kosten zu tragen, verklagte ihn N. Vor Gericht machte der Hotelbesitzer geltend, die Abmachungen beruhten ans Irrtum nnd Tänschung. Ex habe den Saal in der Annahme zugesagt, daß die Versaiinnlung von der städtischen Verwaltung gebilligr sei. Aber die Polizei- bchörde habe ihn darauf aufmerksam gemacht, daß der in den Bekanntmachungen angegebene Referent Dr. Quarck ein bekannter socialdem akratischer Agitator sei, nnd daß die Stadtverwaltung der Bersammlnng, bei der es sich offenbar nnr nni socialdemokratische Be- st r e b u n g e n handle, durchaus fernstehe. Er sei. so erklärte der beklagte Hotelbesitzer, von dem Kläger N. getäuscht worden; er berufe sich auf den P o I i z e i k o m m i s s a r W i t t k u g e l als Zeugen, daß der Kläger nur eine socialdemokratische Verfannn- linig abhalten nnd Dr. Quarck eine Rede über eine socialdemo- kratische Parteifrage halten wollte. Das Gericht verurteilte den Hotelbesitzer zur Erstattnnq der Unkosten im Betrage vpn 23,50 Mark. Es wurde festgestellt, daß der Kläger R. in der That eine Unterredung mit deni Beigeordneten gehabt hat nnd daß ihn dieser zu dem beklagten Hotelbesitzer Wege» des Saales sandte, ferner daß der Hotelbesitzer dxn Saal und im Falle des Rücktritts die Erstattung der Kosten zugesagt hat. Ter Kläger N. habe auch, wie die Begründim'g des Urteils sagt, mir eine solche Bersammkiing einberuscu, für die ihm der Saal zugesagt ivar; die Vcpsgmntlmig habe auch nicht dadurch, daß ein Sociäldemokrat als Referent übcx die Frage auftrat, einen socialdcmokratischcn Charakter angenommen. Dep Anspruch des Klägers ans Erstattung der Un- kosten erscheine daher begründet. Polizeiliche Saalabteeiberri in Sachsen. Die organi- sierten Arbeiter in Freiberg i. S. hatten bei der Ortskastcnivahl ihre Kandidaten durchgebracht und es war deshalb einem solchen der Posten des ersten Vorsitzenden übertragen. Das nahm das dortige Amtsblatt zum Anlaß, über die Gewählten die üblichen Schimpfereien loszulassen. Um sich dagegen zu Wehren, wollten die beiden Kassenvorsitzenden eine' psfent- liche Versammlung veranstalten»nd bekamen dazu den größten Saal der Stadt. Darauf wurde der Wipt znm Pulizeirat bestellt. Dieser sagte dem Wirt, er könne ihm zwar nicht verbieten, sein Lokal zu der Versammlung herzugeben, er würde aber die Konsequenzen ziehen müssen. Die Folge war die Zurück- ziehung des Losals._ Der Streik der Bergarbeiter. Der Streik in Böhmen tritt jetzt in die sechste Woche und noch ist eine Acndcruiia nach irgend einer Seite nicht zu verzeichnen. Am Montag sind die sehr mäßigen Streikunterstützungen verteilt, trotzdem ist nicinand von den Ausständigen wankend geworden, der Streik lvird mit unerschültcrlichcr Ausdauer fortgesetzt nnd die von den Behörden untornommene Mission, die Arbeiter durch fleißiges Zureden zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen, verlief bisher er- solglos. ** Ueber den AllZstand in Teutschland gehen uns folgende Berichte zu: In Meuselwitz fand am Montagabend die Vcrsannnlnng statt, in der die Entscheidung über die Lohnbewegung in Meuselwitz- Rositzer Bezirk getroffen wurde. Die Versammlung war gut besucht, jedocki kamen in der Mehrheit nnr die Delegationen der einzelnen Werke zum Wort, da hier am Sonntag und Moiitag bei fast allen Verwaltungen angefragt worden ist. Die Grube„Bismarck" ist mit der lOprozeiitigcn Lohnerhöhung für die Arbeiter über Tage einverstanden, dagegen mit der Verkürzung der Arbeitszeit »in xiiie Stunde nicht. Bewilligt werden ferner die übrigen Forderungen, wie Einführung besserer Wcttervcntilationen, Einrichtungen von ausreichenden' Waschanstalten, Lieferung von hinreichendem Heizmaterial für den Hausbedarf der Arbeiter. (Die Bergarbeiter hatten vielfach zu beklagen, daß sie selbst ans Kohlen warten ninßten, wenn sie solche für ihren Hansbedarf ein- kaufen wollten. Auch eine Bestätigung der alten Thatsachen, daß die, die die Kohlen zu Tage fördern, selbst frieren müsse»), Grube„Heinrichsschacht" ivill ebenso ivie.Bismarck" bewilligen, nur die Arbeitszeit nicht; die„Rositzer Werke", 2 Gruben bcivilligcn alle Forderungen, diese Gruben haben allerdings schon seit längerer Zeit bessere Arbeitszeiten nnd Löhne, wie alle übrigen Werke. Sie liefern auch die Kohle für den Hausbedart billiger. Grube „Holbitz" bcivilligt ebenfalls bis ans die Arbeitszeit, ebenso die Gruben„Glück ans" nnd„Zechau". Die verkürzte Arbeitszeit ist allen ein Dorn im Auge. trotzdem die Forderung nur lautet: Vom e r st e n April 1 900 ist die eigentliche Arbeitszeit um eine Stunde zu verkürzen. Ebenso ist es mit der allgemeinen Lohnerhöhung um 10 Proz.; die Verwaltungen meinen, daß die Häuer und Wagcnschiebcr schon genng ver- dienen(Durchschnittslöhne sind hier 3,50—3,75 M.), sie ivollcn deshalb nnr die Löhne der Über Tage beschäftigten Arbeiter, die heute von 2 Dt. bis 2,00 oder 2,70 M. verdienen, um 10 Proz. aufbessern. Ans Grube„Prchlitz" hat der Direktor am Montagvonnittag erklärt, daß er erst in etwa ein bis zwei Tagen über die ersten beiden Forderungen Antwort geben kann, die übrigen Forderungen würde» bewilligt werden. Grube„Marie" will am 1. März 5 Proz. Lohn mehr bewilligen und ani 1. September die weiteren 5 Proz. Grube„Forlschritt" ivill in einigen Tagen Antwort geben, da die Verivaltimg sich erst schlüssig machen will. Gruben„Otto" und „Kiefernschacht" ivollcn in betreff der letzten Fordcrnngen entgegen- kvnnncn, die Lohnerhöhung wird abgelehnt, auch die Verkürzung der Arbeitszeit. Grube„Gcrtrndschacht" läßt sich auf die Lohnerhöhnng nicht ein, auch nicht ans Verkürzung der Arbeitszeit, eher Ivill die Ver- waltniig drei Schichten nnd achtstündige Arbeitszeit einführen.(All- gcnieines Bravo der Versainmelten.) Waschcinrichtung ist vorhanden, für Ventilation soll gesorgt werden. Auch die weiteren Forderungen sollen„möglichst" berücksichtigt werden. Grube„Schädeschacht" hat keine Konimission gewählt, doch hat ein Kamerad angefragt. Die Direktion stellt sich genau ivie die vorstehenden Grube». Gruben „Bruderzeche",„Preutzeugrubc" nnd„Vereiiisglück" sind nicht ver- treten, diese Gruben haben nvch keine Kommissionen gewählt. Grube„Agnes" hat nicht bcivilligt, sie hält die Fordcrnngen für I l l u s i o« e n!! Grube„Union" wird auch erst am Dienstag vor- stcllig. auch die�Ernstgrube", Grube„Spera" und„Alt-Prchlitz". Die Berichte hatten hiermit ihr Ende erreicht. In der Diskussion zeigte sich eine starke Verstimmung wegen des geringen Entgegen- konmiens der Grnbcnvcrivaltungcn. Die Versprechungen, daß man ür bessere Ventilation sorgen werde, wurde nicht allzu hoch be- wertet, da man nicht weiß, wen» solche Versprechungen in Erfüllung gehen. Aehnlich verhält es sich mit einigen andren ZugestäNdniffcn nach der Richtmig. Man einigte sich deshalb dahin, den Herrn Fabrikinspcktor in Altcnbnrg zu bitten, die Vcrmittclung zu über- nchmcii. Sodann beschloß man. an den Forderungen festzuhalten. Aus Halle wird uns geschrieben: Die Zahl der Strei- kenden beträgt 1200, jedocki dürfte sich dieselbe durch die in dem hiesigen Revier gefaßten Beschlüsse bedeutend vermehre». Vom Streik ergriffen sind bis jetzt die Gruben:„v. d. Heydt",„Hermine" bei O r e n d o r f.„I I b a r a".„Riesen schacht beigwint- schön a",„B r n et d v r f", ,R ietlebener Bergbau verein". 0) r n b e„A l t z s ch c r b c n".„F r i e d r i ch W i l h e l m" und„Karl Er n st-Schacht bei Trotha". Es haben sich kleine Gruben an den Streik beteiligt, woran man nicht gedacht hatte. Die Bergleute haben hier tefts noch niit zwölfstündiger Schichtdaner zu kämpfen. Direktor Z i e r v o g e I vom Bergbanvercin hat der Kommisston seiner Belegschaft heute erklärt, 10 Proz. Lohnzuschlag könne er d n r ch a u s n i ch t geben. Häiicrn wollte er 15 Pf.»nd Fördcr- lentcn 1. Klaffe ivollte er 10 Pf. pro Tag bclvtllige». Den Ucbertage-Arbcitcrn versprach er nichts. Die Löhiizahliingen ivollte er nach' Wunsch erfolgen lassen. Die Wascheinrichtinige» hielt er nicht für zweckmäßig, da sie dort, Ivo sie beständen, teils eingerostet lväreii. lieber die Verkürzung der Arbeitszeit will er erst Ermitteliingen anstellen. Die Streikenden gingen darauf nicht ein. Zinn Mittwoch sind die BcrgivcrkSverwaltnngen, sowie die Vertreter der Bergbehörden und die Delegierten der Belegschaften zu einer Einignngsbcsprechiing znsamineuberiifcn. Seiieiis der Arbeiter ist alles' persncht worden, die Diiige zpn> Besten zu kehren. Am Mitt- ivoch wird es auch in Zeitz-Weißenfels zur Entscheidung kommen. Im Mansfelder Scekrcis ist es»och nicht zum Ausstand gekoniigeu. Ans dem Zwickaner Revier wird uns berichtet: In letzter Stunde versuchen die Grubenbesitzer mit Unterstützung des»gl. Berg- amts die streikenden Bergleute zur Rückkehr zur Arbeit zu bewegen, indem sie folgenden Anschlag der Oeffe»tlichleit übergehen; Bekanntmachung den A r b e i t e r a n s st a n d bei r. Anscheinend besteht in gewissen Bergarboiteftreisen die An- ficht, es köpne eine Aibeitseinstollung dann nicht zu einer ans Grund von§ 30a Ziffer 5 pud 0 des Allgemeine» Berg- geietzes erfolgenden Entlassimg des Arbeiters und zu dem hiermit verknüpften B e r l u st e s e i n e s A n s p r n ch s auf den rückzahlbaren Teil d e p P e n s t o n s k a s s e n- B e i- träge führen, wenn die Arbeitseinstellung ans Grund einer vor- höiigfu Verabredung zur Erlgugimg günstigerer tzßhg- nnd Arbeits- bediiignngon(Wie es oft heißt,„ans Griwd der KpaMonsfreshett") er- splgt, Diese Ansicht ist unzutreffend. Auch die i» euien AnSslqnd eingetretenen Arbeiter sind solche, welche stn Sinne PW§ 80a, Ziffer 5 des Allgemeinen Perggesetzetz„ohne Urlnnb und ohne triftige Entschuldigung von der Arbeit wegbleiben", und zwar auch dann, wenn sie, wie es jetzt vjeisqch geschieht, sich zum Streik abmelden. Eine solche„EntschnldigMlg" im»» UN Sstnie des Gesetzes als eine„triftige" nicht angesehen iverden. Dies ist anch die Auffassung, welche seither unter Beitritt der Hberbehördcn pon den Pergschiepsgerichten bei ihren Entscheidungen befglgt worden ist. Freiberg, den 19. Februar 1900. Küttigliches Pergamt. Dr. K r e s ch m a r. Sollte thatsächlich die in obigem Anschlag niedergelegte Ansicht, baß bei Arbeitsesnstellnnaen ans Grund von ß 152 der Ge>v.-O. trotz alledem § 80a Ziff. V des sächs. Berggesetzes als zu Recht bestehend erkannt wird, bestätigt werden, dann ist das reichsgcsetzlich gewähpleistpte Streik- recht für die sächsisch«, Bergarbeiter ansgehpbxn. Twch kann dem nicht so sein, denn noch sind wir nicht so weit, das Lqndesgesetze Prichs- gcsctze illnsprisch machen können nnd daß die Entscheidung hierüber der Willkür der Laiidesbchördcn unterliegt. Hicriibcr müssen die ordentlichen Gerichte zur Beurteilung aiigernfen werden, denn es handelt sich in diesem Fall um mcht unerhebliche Vermögens- schädigungcn. Diese Knnogcbung des Bergamts ist freilich dazu angethan, dse Streikenden wankelmütig zu machen, und es bedarf der intensivsten Aufklärnngsarbeit seitens der führenden Personen, um die Menge von der Verkehrtheit der bergamtlichen Anffasstmg zu Überzeugen. Diese Arbeit ist INN so schwieriger, da jede Versammlung verboten ist und sogar die Verbreitung von auf- klärenden Flugblättern von übereifrigen Gefetzeshütcrii gehemmt wird. Soweit sich bis jetzt die Situation übersehen läßt, ist ei» Abfall auf Grund obigen Anschlags, außer einigen nnzuverlässigenjElementen, nicht zu konstatieren, eher ist. und wie anch heute, Diens- tagmoiacn auf einigen Werken thatsächlich geschehen, ein Zuwachs anzunehmen. Eine genaue Zahl der Streikende» anzugeben, istmnch heute noch nicht möglich infolge des anSgedehnten Streikgebiets. welches cj,ie,'ibersichtliche Zusammenstellung sehr erschwert, jedoch ist als sicher anzunehmen, daß 7000 Bergarbeiter sich im Streik befinden. Im ganzen genommen ist der Geist unter den Streikenden ein guter und glaubt man, daß die bergamtliche Bekanntmachung ohne Wirkung bleibt._ GemrekMolskli�zrs. Berlin und Umgegend. Zum Streik der Berliner Möbeltischler. Nach dem uns ziigehenden Bericht haben am Dienstag 55 Meister die Forderungen bewilligt, so daß insgesamt 145 Meister mit 1500 Arbeitern unter den neuen Bedjngimgen arbeiten, lassen. Unter den Werkstätten, die bewilligt haben, bcfiiidcn sich einige größere, in denen am Montag die Tischler in den Ausstand traten. Die Zahl der Ausständigen hat sich dadurch verringert, trotzdem nvch 29Werkstellcn am Dienstag in den Ausstand getreten sind. Die Zahl der Feiernden beträgt 5050 Mann. Während die Meister, die der Freien Vereiiiigmig nicht angehören, in den meisten Fällen bereit sind, sich mit den Ge- scllcn zu verständigen, lehnten die Mitglieder dcx Freien Vcreiiiignng Verhandlimgen mit ihren Arbeitern ab. Wenn die Herren glauben, die Streikenden dadurch wankelmütig zu machen, dann irren sie sich, die Cinmiitigkcit der Arbeiter wird dadurch nur gestärkt. Unter den Unverheirateten macht sich bereits schon die Neigung bemerkbar, abzureisen, doch wird darüber erst in der heute abend ftattfittdenden Vertranensmänncr-Versainmlung Beschluß gefaßt werden. In W e i ß e n s c e wurden in 14 Werkstellen mit 119 Mann die Forderungen bewilligt. 26 Werkstellen mit 215 Mann stehen im Ausstand. In einer von 4000 Personen besuchten Versammlung, die am Dienstagvorniittag in Kellers Sälen tagte, wurde den Streikenden Bericht erstattet und zum einmütigen Vorgehen aufgefordert. Der Andrang war so stark, daß Hunderte vor dem Lokal ans das Ergebnis der Beratung warten mußten. Es zeigte sich allgemein eine Einhelligkeit in der Auffassung. daß die nnr sehr geringen Forderungen mit aller Entschiedenheit durchgesetzt werden müssen. Die lokalorganisierten Tischler geben bekannt, daß sich ihr Bureau Pallisadenstr. 9 bei O. Franke befindet. ES ist geöffnet von 10—4 Uhr. DaS Bureau der Mvbclpolirrer befindet sich bei Scheere, Blnmenstraße, und haben sich dort von 9—12 Uhr die Streikenden zu melden. Das Bnreau der an Holzbearbcitungs- Maschinen bc- fchäftigtc» Arbeiter vefindet sich Klein» Andreasstr. 15 vei Schmidt. Dort haben sich alle Arbeiter zu melden, die durch den Streik der Tischler in Mitleidenschaft gezogen sind. Geöffnet ist das Bureau von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends. Der Streik der Schaffner und Kutscher der Wirtschafts- gcnosscnschaft. Die bürgerlichen Blätter nahmen Veranlassung, über einen Streik der Kutscher und Schaffner obigen Betriebes zu berichten, wobei die Arbeitsverhältnisse so gut hingestellt wurden, als ob der Streik nur ans Uebermut ausgebrochen wäre. Der wahre Sachverhalt ist folgender: Die Arbeiter im Müllabfuhrbetricbc habe» bei der schlechten Witterung, dem starken Schneefall mit besondren Schwierigkeiten zu rechnen. Die Arbeitszeit beginnt morgens nni 4 Uhr und endet des Nachts oft um 11 anch 12 Uhr. Die Kutscher haben die Bedingung zu erfüllen, daß zwei Fuhren gefahren Iverden. Die Herren Direktoren fühlen sich in den Bureaus sehr wohl, sie haben keine Kenntnis von den Leiden der Kutscher und Schaffner. Bei dem schlechten kalten Wetter entsteben viel Unfälle. Die Wagen kommen nicht vorwärts, da die Pferde nicht laufe» können und eS entsteht so eine Tierquälerei der schlimmsten Art. Die Schaffner erhielten einen Tagelohn von 4 M., der aber verinindert wurde durch hohe Abzüge siir Strafen. Ein Schaffner mußte vor kurzem seinen Wochenlohit vor dem Gewerbegericht ein- klagen, da die volle Suinine für Strafgelder einbehalten wurde. Die Schaffner verlangten nunieineiiWochenkohn von 30 M. i da ihnen dieier Lohn nickt gewahrt wurde, legten sie am Sonnabend, den 17. d. M. früh, die Arbeit nieder. Die Kutscher schlössen sich dieser Forderung an und da zwei gemaßregelt wurden, vereinbarte man, daß die Arbeit nicht früher aiifgeiionimen werde, bis die Fuhrherrn die schristlicke Erklärung abgegeben haben, da» die alten Kutscher wieder eingestellt 'ind. Die Organisation deS Verbands aller im Handels- und Transport- Geiverbe beschäftigten Hilfsarbeiter Berlins nahm die Sache in die Hand nnd es fanden bereits Verhandlungen mit der WirtschaftSgenosseiischaft und den Fuhrherren statt. Die ge- wählte Kommission kam auch zu einem guten Resultat und wurden ftn Schaffnern 27 M. pro Woche und denen, welche bereits l Jahr beschäftigt sind. 28 ivä bewilligt. Die Lohnzahlung soll statt früher Sonntags jetzt Freitags erfolgen, auch werde» die Knutionen ausgezahlt und solle» keine Matzregelungen stattfinden. Die Kutscher erhallen ebenfalls 27 M. und für Sonntags früh i M. extra. Der Streik ist somit beendet und die Schaffner und die Kutscher können mit dem Ausgang zufrieden sein. Tcntschc» Reich. Der Rcdactcur Hue von der„Deutschen Berg- und Hütten- arbeiter-Zeitung" in Bochum wurde am Montag nach neun- stündiger Verhandlung wegen Beleidigung des Meininger Staats- Ministeriums von der Strafkammer in K o b u r g mit Hilfe des ambulanten Gerichtsstandes zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, weil er behauptet hatte, Gehcimrat Ziller habe vor der Verstaatlichung des Griff'elbruchbetriebes in Steinach später nicht ge- haltene Versprechungen genlacht und die Lage der Arbeiter jetzt eher verschlechtert als verbessert. Der größte Teil der streikenden Zinkhüttcnlente in Lrpr ue ist am Montag früh zur Arbeit zurückgekehrt? im Ausstand verharren noch ca. 1lX> Arbeiter? die Zinkhülteuleute in Chropaczow dagegen sind im Ausstand verblieben. Ein neuer Streik droht in Schwientochlowitz unter der Belegschaft der gräflich Henckel- Donnersmarcksche» Kohlengrube „Deutschland" anszubrechen. Die Arbeiter dieser Grube haben an ihre Vewaltung die Forderungen gestellt, die Lohn- und Gcdingesätze um 26 Proz. zu erhöhen und die Achtstundeuschicht einzuführen. Wege» Beleidigung des Sekretärs des Münchner Arbeitgeber- bundes, Herrn Habersbninner, wurde B r i n g m a n n, der Redncteur des„Zimmerer", zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Habersbrunner hatte auf dem Karlsruher Unternehmertage in gehässiger Weise gegen die Gewerkschaften geredet und war dafür im„Zimmerer" ctivas hart angefaßt worden. Die Textilarbeiter in Diisscldorf treten an die dortigen Firmen der Reihe nach mit ihren Forderungen heran. Haben die Bandwirker bei Blanckertz die schon mitgeteilten Differenzen mit der Firma nun zur ihren Gunsten geregelt, so sind jetzt die Textil- arbeiter von Herzfeldt Söhne mit den folgenden Forderungen an die Fabrik herangetreten: Zehnstündige Arbeitszeit für die Arbeiter in sämtlichen Betrieben. Regelung der Ruhepausen und Abschaffung der ungerechten Strafen, wo nachgewiesen ist. daß ein Verschulden der Arbeiter nicht vorliegt. Bei Herzfeldt Söhne haben viele Arbeiter bis zur Stunde noch 14— Ibstiindige Arbeitszeit. Die christliche» Ouerireiber ärgern sich natürlich, daß der Textilarbeiter- Verband diese Lohnbewegniigen leitet: darum Gründung eines„nur christ- lichen" Verbandes. Die meisten Textilarbeiter sind aber so ver- uünftig, von den„Nnr-Christlichcn" nichts wissen zu wollen. Schnhmachcrftrcik. In M e tz haben am Sonntag 40 Arbeiter der Schuhfabrik E. Legrics wegen Lohnreduktion die Kündigung ein- gereicht. Aus dxv Fvclurnbrkuegttttg. Mit dem Vorgehen der ärztliche» Staudesvcreine gegen die Krankenkassen-Aerztinnen wird sich eine öffentliche Versammlung beschäftigen, die, vom Verein für Frauenstudium(Anita AugSpurg) veranstaltet, am 28. Februar im Jndustricgebäudo, Beuthstr. 10/20, tagen wird. Soeinles. Ucber daS internationale Arbeiterfchntzamt sagt daS cid- aenössische Handels- und Industrie-Departement in seinem Bericht für 1809: „Die wiederholt im Nationalrat gemachte Anregung, betreffend Errichtung eines internationalen Amtes für Arbeiterschntz, lvelchc von der Schweiz schon am Berliner Kongreß von 1800 erfolglos beantragt worden war, kam in den Parlamenten einiger Staaten zur Sprache. Das Jndustriedepartement ermangelte nicht, über den genauen Sachverhalt durch die schweizerischen Gesandtschaften sich informieren zu lassen und Erkundigiiiigen darüber einzuziehen. welche Meinung bei den Regierungen jener Staaten über die Angelegenheit und über die Eröffnungen allfälligcr Unter- Handlunge» bestehe. Nach den eingegangenen Berichten wird hier durch die Gründung eines internationalen Amts ein Vorteil für den Staat nicht erblickt, da dieser selbst für die entsprechenden Publikationen sorge? dort war nia» geneigt, auf vorläufig uertraulichc Besprechungen einzutreten? anderswo erklärte man das Vorhanden- sein des Bedürfnisses einer solchen Gründung noch weniger als früher anerkennen zu können, da eine Reihe der in Betracht komnicn- den Staaten bereits eigene Arbeitsämter eingerichtet hätten usiv. Eine genügend breite Grundlage zu weiterem Vorgehen konnte einst- weilen nicht gefunden werden? die Angelegenheit werden wir selbst- verständlich im Auge behalten." Vevsammlungen. Die Kleber(Tapezierer) hielten am 20. d. M. vormittags eine Versammlung ab, um den Situationsbericht vom Streik enl- gegcnznnehmcn. Nach dem Referat des Tapezierers Uessem arbeiten 210 Kleber zu den neue» Bedingungen. 116 sind»och aus- ständig. Unter Hiniveis auf den überaus günstigen Verlauf des bis- herigen Streiks forderte der Redner unter allgemeinem Beifall zum ferneren Znsammenhalten auf. Des weiteren gab Garlipp be- kannt, daß er bei einer Recherche aufs äußerste bedroht worden sei. Nach lebhafter Debatte hierüber wurde durch Annahme einer Ne- folutioil bekundet, daß die Kleber gesonnen sind, in energischer Weise den Kampf fortzusetze». Die Btöbelpoliercr(Filiale Nord) hielten am 12. Februar eine Versammlung ab. Dieselbe ehrte vor Eintritt in die Tagesordnung das Andenken des verstorbenen Mitgliedes Batzke. Alsdann sprach Genosse Kiesel in einem beifällig aufgenommenen Vortrag über die Aufhebung deS Verbindungsverbots. In einer Versammlung der Schlächtergesellen, die am Sonnlag tagte, wurde nach einem mit großein Beifall aufgenommenen Vortrag des Frl. I d a A l t in a n n die Gründung einer eigenen Bernsszcitung erörtert. K e s l i n k e betonte die Nolivendigkeil eines derarligen Organs. Das Blatt soll unter dem Namen„Fleischer- zcitung" vom 1. März d. I. ab erscheinen und soll für Mitglieder des Schlächtergcscllen-Vcrbandes 6 Pf., für NichtMitglieder 10 Pf. pro Nummer koste». Nach einer längeren Besprechung wurde der Vorschlag von der Versammlung einstimmig angenommen. Hierauf wurde, da Keslinke mit anderu Arbeiten überhäuft, Opitz als Dele- gierter zum Gewerkschaftskartell gewählt. Die Stcinarbciter waren am Sonntagnachmittag zahlreich ver- samnielt, um zunächst die Frage über die Erhebung einer Extra- steuer zur Begleichung der Streitunterstützungen zu erledigen. Die Versammlung billigte gegen eine starke Minderheit den Beschluß der Centralleitung. Danach haben alle arbeitenden Steinarbeilcr vom Sonnabend, den 24. Februar ab pro Woche 60 Pf. auf Listen zu zahlen. Die Bertranensleute haben auf allen Arbeitsstätten durch Abstempelung der Bücher die Kontrolle zu veranlassen. Der Bezug des Verbandsorgans wurde durch Postabonnement empfohlen. Bei der Beratung über die Anträge zuni Kongreß entspann sich eine mehrstündige, oft sehr erregte Besprechung über die Anstellung eines dritten besoldeten Beamten. Unter Ablehnung eines Antrags Hictmann. die Beratung darüber zu vertagen, um dem nach München gereisten M i t s ch k e später Gelegenheit zu geben, den Antrag ein- gehender zu begründen, wurde mit großer Mehrheit diese Forderung verworfen. Die Beratung der übrigen Punkte wurde wegen vor- gerückter.Zeit vertagt. Den Hinterbliebenen eines Verstorbenen wurden 20 M., einem gemaßrcgclten Kollegen 30 M. bewilligt. Vorkauf erinnert zum Schluß daran, daß nach den mit den Unternehmern getroffenen Vereinbarungen vom 1. März d. I. ein Stundenlohn von 70 Pf. bei achtstündiger Arbeitszeit einzuführen ist. Alle Steinarbeiter sind verpflichtet, die strenge Jnnehaltung dieser errungeiien Forderung zu verlangen. Etwaige Beschwerden sind sofort an den Altgesellen, bezw. an Vorkauf zu richten._ '' �. Lerautworflicher Redacteur: Paul Job" in Berlin. Für den Jas« Der Centralverband deutscher Maurer(Filiale U) tagte am 16. Februar. Frenze! referierte über die Wirtschaft- lichen Kämpfe der Geaenivart. In der Diskussion ging Fritsch hauptsächlich auf die in Zukunft zu befolgende Taktik der deutsche» Maurer ein. Er hob hervor, daß es vor allen Dingen unsre Aufgabe sei, für einen starken Kainpf- fonds zu sorgen. Eine Summe von 600 000 M. bei 80 000 Mit- gliedern, wo auf den Kopf des Mitgliedes noch nicht 10 M. kommt. sei in Zukunft absolut unzureichend. Die Erhöhung der Beiträge sei >vohl nicht angängig, jedoch wäre immerhin zu erwägen, ob nicht auf dem dcmnächstigen VerbandStog die Beiträge zu dem Streikfonds obligatorisch eingeführt werden können. Die Kollegen sollten aber auch im laufenden Jahre ihre Opferwillig- keit nicht vergessen, so daß'vir mindestens am Jahresschluß auf einen Millionenfonds blicken können. Bei all dem dürfe aber auch die Agitation nicht hintenan gesetzt werden. Vor allen Dingen sei Westfalen. Schlesien. Ost- und Westpreußen in Augenschein zu nehmen, weil uns geradeaus diesen Gegenden bei späterenKämpfen Gefahr droht. Auch miiffe voll und ganz bei Einleitung von Lohnbewegungen nach dem Statut verfahren werden; ein jeder Streik müsse drei Monate vorher beim Vorstand genicldct werden, damit eventuelle VerHand- lungen mit den Unternehmern rechtzeitig angebahnt werden können. Bei Gründung von Zahlstellen ninß darauf gesehen werden, daß neben den Verbandsbeiträgen sofort ein Streikfonds eingeführt wird, ohne Rücksicht auf den vielleicht noch vorhandenen Jndifferen- tismus einzelner Kollegen. Sodann wurde unter Verschiedenem bekannt gegeben, daß die Maurer gehalten sein sollen, von jedem Bau, wo schlechter Mörtel verarbeitet wird, der Kommission zur näheren Untersuchung Mit- teilnng zu machen. Ferner wurde Beschwerde erhoben gegen einzelne Kollegen, die bei Kontrolle der Statistik sich zurückhaltend verhielten. Man gab der Meinung Ausdruck, daß es die Pflicht aller Kollegen sei, bei der Statistik die kontrollierenden Bezirksführer zu unter- stützen. Die Pankower Arbeiterschaft nahm am 15. d. M. in einer öffentlichen Volksversammlung zu der Flottenvorlage Stellung. Das interessante Referat des Reichstags-Abgeordneten Klees wurde von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommen. Da sich trotz wiederholter Anfrage Gegner zum Worte nicht meldeten, nahm man von einer Diskussion Abstand. Die Berliner Resolution wurde hieraus einstimmig anIenommen. Dann erstattete Freywaldt im Namen der Kommission zur GcmeindcratSwahl Bericht, und wurden die Genossen Klingenberg und F r e i w a l d t als Kandidaten für die Gcnieinderatslvahl aufgestellt. Verein Berliner Mechaniker. Mittwoch, dm 21. Februar, abends pünktlich 0 Uhr, Jerinalemerstr. 8: Vortrag des Herrn Ingenieur Oliven von der Union ElektricitätS-Gescllsch. über„Bau und Betrieb eleltuiÄcrstraficnbalinen" (mit Vorlagen).— Sonntag, den 25. Februar,«•tuiwaiv? 11 Uhr: Besichtigung dcö neuen physikalischen Hörsaales ver Technische» Hochschule i» Charlottenburg unter Führung des Herrn Prof. Dr. H. Rubens.— Der- sammlung bis 10% Uhr vor der Hochschule(Berliuerstrave an der Eharlotten- burger Brücke). Verein selbständiger Fensterputzer. Heute abend: Aufeerordentliche Sitzung, Wallstr. 32/33._ Der Krieg. Eigentlich neue Nachrichten über die Borgänge ans dem w e st- lichen Kriegsschauplatz liegen nicht vor. Sicher, aber schon bekannt ist nur, daß auf dem Gebiet uni Kimberley keine Bocren mehr stehen. Sic haben sich in den Oranje-Frcistaat zurückgezogen. Ob sie aber vor der nachrückenden englischen Armee fliehen, oder gedeckte Stellungen erreicht haben, oder gar von den Engländern nmzingclt sind, darüber liegen cinwandsfreie Meldungen nicht vor. In England verbreitete Gerüchte verkünden freilich eine solche Um- zingcluiig der Boeren-Armce unter Cronje. Der„Standard" sagt in einem Leitartikel: Gerüchten zufolge, die andauernd gestern abend im Untcrhause umliefen, hat General French die von ihm verfolgten feind- lichen Truppen bereits überholt und dos Boerenheer von ihrem Opcrationsziel bei Bloemfontein abgeschnitten. Der „Standard" ist der Ansicht, daß, wenn dies wirklich der Fall sei» sollte, die Westarniee der Bocren aufgehört habe, zu existieren.— „Daily News" teilt mit, sie habe von einem Minister erfahren, daß ans dcni Kricgsamt Nachrichten eingetroffen seien, denen zufolge General Cronje völlig umringt sei. Nu», wenn der Minister derartige sichere Nachrichten hätte, dann würde er wohl für deren amtliche Verkündigung sorgen. Vorläufig kursieren aber auch noch andre Gerüchte. Es ist zwar nicht unmöglich, daß French ans einein andren Wege die Boerenarmee überholt hat. Aber er selbst könnte dadurch in arges Kreuzfeuer kommen. Die Freistaat-Boeren, die bisher zu Jonberts Heer in Natal gehörten, sind»ämlich nach ihrer Hciniat abgerückt, und ver- mutlich sind sie bereits von Bloemfontein ans ans dem Weg nach der Grenze, um Cronjes Truppen zu verstärken. Zwischen diese Abteilungen der Fmstaatcr' und das Hauptheer CronjeS kann French bei seinem Versuch, dieses zu umziiigeln, geraten sein. D e l a r e y, der die Voercii bei Colesberg und Reitsburg bc- fehligt, scheint die Absicht z» habe», vom Oraiijcflutz her Cronje zu Hilfe zu kommen. Wie der Ausgang des Robertschen Vorstoßes ins Bocrenlaiid sein wird, ist also noch sehr ungewiß. Die Proklamation an die* Dranje-Bocren begegnet� nach einem Telegramm aus Lanreiitzv Marqucz bei diesen»»r offcncnl Hohn und bat absolut keine Aussicht auf Erfolg, da die Freislaatler entschlossen sind, mit den Boeren der Republik Transvaal zu siegen oder zu sterben. Einen eben solchen Erfolg würde auch wohl die Maßregel haben, die nach der folgenden Londoner Meldung beabsichtigt ist. Es verlautet danach in London. England beabsichtige, bei Gelegen- heit des 40. Jahrestags der Unavhängigkeits-Erllärnng dcS Freistaates einen großen Schlag zu führen. Lord Roberts soll beauftragt sein, an diesem Tage eine Proklamation an die Bürger des Freistaats zu richten, worin er ihnen das Versprechen gicbt, ihre Unabhängigkeit zu sichern, wenn sie die Waffen niederlegen, ihre Verbündeten aufgeben und England allein mit Transvaal abrechnen lassen. Die Oranje- Bocren müßten Schufte sein, wenn sie sich auf solchen Verrat ihrer Stammcsgenoffen einließen. Vom mittleren Kriegsschauplatz verzeichnen wir heute die folgende wichtigere Meldung: Arundcl, 10. Februar. In dem Gebiet um Arundel stehen anscheinend nur wenige Boeren. Bei einer am Sonnabend vorgenommenen Rckogiioscierniig wurden nur 600 Boeren gesehen, und seitdem sind fast gar keine beobachtet worden. Wahrscheinlich bleibe» 1000 oder 2000 Mann des Feindes bei Colesberg, während 10000 Mann von Colesberg zurückgezogen werde», um de» von Westen her in den Oranje-Frcistaat eindringenden englischen Truppen entgegenzutreten. Von Hanover Road Station komnieude englische Patronillen begegneten gestern denjenigen von Arundel; es hat sich herausgestellt. daß in dem Gebiet zwischen Hanover und Arundel keine Boeren stehen. »« * A»S Bnllers Lager wird berichtet: Während General B u l l e r seine Bewegung am äußersten rechten Flügel fortsetzt. traf er gleichzeitig alle nötigen Vorkehrungen zur Verteidigung seiner Stellung auf, seinem linken Flügel und südlich vom Tugela und ließ zu diesem Zweck dort eine entsprechende Tnippenmassc. Vereinzelte Boeren- Abteilungen überschreiten hin und wieder den Fluß und es kommt öfter zu Plänkeleien. Den„Daily New»" wird ans dem Lager von Chieveley vom 10. Februar gemeldet: Die britische» Truppen haben jetzt alle Hügel rechts von Colenso, diesseits des Tngela besetzt, auch den atcnteil verantworUich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Hlangwane, der vom Feinde letzte Nacht geräumt worden ist. Die Eimiähme des Hlangwane ist von großer strategischer Wichtigkeit. da er die Flanke der Verteidigungslinie der Bocren bei Colenso beherrscht. »« * Freier Telegraphcnverkehr mit Südafrika. London, 20. Februar. Die Regierung läßt mitteilen, das; fortan der telegraphische Verkehr mit Südafrika gemäß den Vorschriften der Petersburger Konvention iviedorhergestelit ist. Alle Telegramme müssen in verständlichem Text verfaßt sein. Eine Nachricht vom deutschen Roten Kreuz. Den: Centralkomitce vom„Roten Kreuz" ist von der in Jacobsdal befindlichen Expedition»achfolgende Depesche znge- gangen: „M odder River, 17. Februar, 4 Uhr 45 Min. nachm. Kanonade gut bestanden, alleS wohl. Kllttner." Es handelt sich bei dieser Kanonade um das Vorrücken der Robertsschen Armee beim Entsatz von Kimberley. Letzte Meldungen. London, 20. Februar. Die englischen Verluste in dem Kampfe an der Waterval-Drift am 16. d. M. sind: 2 Offiziere verwundet, 20 Mann verwundet nnd 6 vermißt. London, 20. Februar. B u l l e r telegraphiert unter dem heutige» Datum ansZ B lo w s fa rm: Die Füsilier- Brigade nahm gestern den Hlangiva»e-Berg, der Colenso beherrscht. Der Feind hatte alle seine Truppen nordwärts des Tugela zurückgezogen. General Hart besetzte heute Colenso nach geringem Widerstände des schwachen Nachtrabs der Boeren. Die Engländer halten jetzt das Süduser des Tngela von Colenso bis Eaglesuest besetzt. Der Feind scheint in vollen, Rückzug zu sein und scheint nur die Position an der Bahnlinie Colcnso-Ladyshmith mit schwachen Nachtrabsniann- schaftcn zn halten. Harts Vortrab überschreitet zur Zeit den Fluß bei Colenso. Ich hoffe, daß meine Verluste gestern nnd heute nur gering sind._ Kaiser und Papst. Köln, 20. Februar.(W. T. B.) Bei dem heutige» Festmahle hielt Erzbischof Dr. Simar eine Rede, in welcher er seinen Dank für die ihm erwiesenen Ehrungen aussprach und das Versprechen abgab, der Erzdiözese allezeit ein wachsamer, treuer n»d opferfreudiger Hirte zu sein. Nach der„Köln. Volksztg." fuhr der Erzbischof fort:„Wie bisher soll auch in alle Zuknifft mein einziger Ehrgeiz sein, den Ruf eines treu katholischen Bischofs mir zu wahren, und daniit zugleich den eines treu patriotischen Bischofs. Der eine kann ja vom andern nimmer getrennt werden, jo lange mit dem hehren Namen des Patriotisums eine der edelsten Tugenden bezeichnet wird, jene Liebe zu Fürst und Vaterland, deren höchste Ziele, deren Grenze durch die göttliche Weltordnung bestimmt sind. Indem die Bischöfe durch die Pflege christlichen Glaubens und christlicher Sitte diesem ewigen göttlichen Gesetze die Geltung zu sichern sich bemühen, die im privaten wie öffentlichen Leben ihm gebührt, schützen sie die unentbehrliche Grundlage aller gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung und fördern sie eine der vornehmsten Bedingungen dauernder Größe nnd Wohlfahrt der Völker. Ich bitte Sie, hochgeehrte Herren, es als Bekräftigung meines soeben ausgesprochenen Gelöbnisses betrachten zu wollen, wenn ich Sie nunmehr einlade, miscrm geliebten Kaiser, dem treuen, starken Schirmherrn des Völkcrfriedcns und dem weisen, unermüdlichen Lehrer und Ver- teidigcr göttlicher Wcltordnung und ihrer socialen Gesetze auf St. Pelri den Ausdruck unserer dankbaren Verehrung darzubieten in dem Rufe: Seine Majestät unser allergnädigster Kaiser und König Wilhelm, und Seine Heiligkeit Papst Leo leben hoch I Chamberlain in harter Bedrängnis. London, 20. Februar. Im Unterhaus kommt nach Er- lcdignng einiger weniger ivichtigen Anfragen nochmals> der I a m e s o n- E i n f a l l in Transvaal zur Sprache. Thomas (liberal) beantragt eine Resolution, welche eine vollständige Untersuchung des Ursprungs der näheren Unistände der Bcrschwörung gegen die Regierung Transvaals imd des Einbruchs in Transvaal mit bewaffneter Hand im Jahre 1806 für ziveckmäßig erklärt. Indem ich diese Resolution beantrage, schließt Redner, stelle icki mich einzig nnd allein auf den Boden, daß es sich bei jenen Enthüllungen um Ehre und Ruf des Hauses und des Landes handelt. Es ist daher in dem Interesse der Nation, des Hauses nnd Chamberlains selbst eine volle gründliche Unter- snchnng durch ein unparteiisches unabhängiges Tribunal ge- boten, mn für immer deni Argivohn, den Verdächtignngen und den Behailptinigen. die gegen Chamberlain und sein De- partiment erhoben werden, ein Ende zu machen."(Beifall.) Nachdem sich Java ns(Ire) in demselben Sinne geäußert hat. unter- stützt auch S a m n e l Evans(Liberal) den Antrag Thomas. C h a m b e r l a i n unterbricht den Redner: Ich verstehe nicht, was Evans mit seinen letzte» Worten meint.— Evans fährt fort, er glaube, mit Ausnahnie Chamberlain«verde wohl jeder sonst im Hanse Anwesende ihn verstanden haben.(Beifall bei den Radikalen.) Es bc- stehe die Annahme, daß es Einflüsse gebe, welche geltend gemacht werden könnte», um zu verhindern, daß die Regierung der Wiedcreinsetzmig des UnterslichmigsaiiSschusses zilstimnie.(Rufe bei den Ministeriellen: Was für Einflüsse?) Die lliitersuchnngen des AnSschusses von 1897 seien nicht erschöpfend gewesen. Wenn eine weitere Uiitersiichnng stattgefunden bätte. würde der AnSschliß zn einem andern Schluß ge- komme» sein. Chamberlains Ruf sei angetastet, es sei somit seine Pflicht gewesen, dem Ausschuß alles thin im Kolonialamt zur Verfügung stehende Material vorzulegen. Chamberlains Verhalten habe schweren Verdacht erregt. Er habe seine weitere Korrespondenz mit Hawksley Über die Frage der Vorlegung der Telegramm Hawksleys nicht �vor- gelegt. Chamberlain habe sich, indem er die Vorlegung der Tele- granime untcrlirß. schweren Ungesorsams schuldig gemacht, nnd hätte vor das als Gerichtshof gestellt und im Glockenturm eingekerkert werden muffen. Die Unterdrückung dieser Telegramme, die zweifellos toinpronuttierend gewesen seien, involviere die Mitschuld des Ko- lonialamts. Unter dem betäubenden Beifall der Ministeriellen hält Chamberlain in leidenschaftlicher Erregimg nunmehr seine Er- widerungSrede. Er weist darin die Anklagen zurück und sagt, seit der letzten Untersuchung seien keine neuen Thatsachen vorgebracht. DaS Ziel der Bewegung und der Jntrigne sei ein politisches; er solle nämlich verhindert werden, an der Regelimg der Transvaal- frage teilzunehmen. Eine neue Uittersnchung lehne er rundweg ab._ Uetzte Merchvirtzken und Deprftszvn« Ein neues Gewehr. PnriS, 20. Februar.(W. T. B.) Depnticrteiikammer. Im Verlauf der Beratung des HccresbndgetS erklärt der Kriegöminister Galliffet:„Ich möchte Ihnen eine lleberraschuug bereiten. General D e l o v e, der auch uiisre ganze Artillerie»eiigestaltei bat. hat uns soeben durch eine ganz geringfügige Abänderung ein Gewehr ver- schafft, daß in sechs Monaten im Gebrauch sein ivird und daS alles übertrifft, was gegenwärtig existiert."(Beifall.) Peking, 20. Februar.(Meldung des„Neuterscheii BureauS'.) Der Kaiser empfing gcstcr» das diplomatische Korps. Er soll sehr schlecht und angegriffen ausgesehen haben. Die Kaiserin war bei dem Empfang nicht zugegen.___ Bading in Berlin. Hierzu 1 Beilage und Ilntcrhaltiingöblatt. Nr. 48. 17. Zahrgllllg. KeUze Ks Lumrls" Kerlim UcksdIM Witlsioch. 21. Ftdrsar lWV. Z�ÄLlsmVnkÄVif-chvs. Uttfallvcrsickicrnngs-Kominission. In der Sitzniic, am Dieustaq dcmühten sich die Vertreter der diegieniug sehr eifrig, einige kleine Liebesgaben an die Be- r u f s g e n o s s en s ch a f t endlich zn beseitigen. Sie wollten nur die Auszahlungen der Bcrufsgenossenschaflen an die Versicherten von der Poit unentgeltlich leiste» lassen, nicht aber die andern Ans- Zahlungen.>vie z. B. die au Kassen. Geineinden und Arinenvcrbände. Ferner wollte» sie die Postanstalten von der Verpflichtung befreien, die für die Auszahlung der Renten crforder lichen Sninmen auszulegen, die sie erst mehrere Wochen nach Ablauf des Ncchuungsjahres von den Bcrufsgcnosscnschastcn zurückerhalten. Tie ans diese Weise den Bcrufsgcnossenschaften vor- geschossene Summe belief sich im letzten Jahre auf 83 Millionen und muß im Laufe der Jahre noch bedeutend größer werden. Tie Regieningsvertreter schilderten eingehend die argen Mißstände, zu denen das jetzigeSystcm geführt habe. Die Kassenverwallung dcr Rcichsbehörden sei so kompliziert geworden, daß Abhilfe geschaffen lvcrdc» müsse. Die Bernfsgcnosienjchaftcn könnten jetzt den nötigen Vorschuß sehr leicht leisten, da sie auf Grund einer bereits vorgenommenen Aendennig die Beiträge vo» den versicherten Betrieben ebenfalls präunmersnäo einzuziehen berechtigt seien. Abgesehen hiervon aber könnte» sie die zur Auszahlung der Renten erforderlichen Vorschüsse den Reservefonds eutnchmcn, die bereits weit über die im Gesetz vor- gesehene Höhe angeivachsen seien. Die S o c i a l d e m o k r a t c n wiesen noch daraus hin, daß die den reichen Bcrufsgenossenschaften durch de» Vorschuß der Post ersparten Zinsen im Betrage von mchrcrcn Millumc» durch indirekte Steuern, also zum größten Teil aus Kosten der armen Leute, aufgebracht werden. Trotzdem wlirden die Anträge der Regierung abgelehnt. Die biirgcr- lichen Abgeorduelen dachten nicht daran, auch nur auf den kleinsten Teil dieser Liebesgaben zu verzichten. Hier genierten sie sich nicht. Sobald es sich aber um ihre Selbst Verwaltung handelte, Ivnrden sie überaus feinfühlig. So gegen über dem Antrage der Regierung, daß das Reichs-Vcrsichcrungsamt Vorschriften über die Kasse und Rechnungsführung erlassen dürfe. Sine solche Borschrift wurde von den Rcgieruugsvertretern als dringend notwendig erklärt, um arge' Mißstände, namentlich in einzelnen landivirtschastlichcn Berufsgenossenschaften zn beseitigen. Das half aber alles nichts. Die.Vertreter der Berufs- geuofscnschaften", wie sich die Herren in ihrem Eifer selbst wieder- holr nannten, erklärten sich entschieden gegen eine solche Bevor- mundnng. So wurde auch dieser Regicrungsautrag abgelehnt. Eine überaus bedenkliche N e'u c r» n g ist die. daß bei teil- weiser Erwerbsunfähigkeit von 20 oder weniger Prozent der Eni- schädiguugsbercchtigtc auf seinen Antrag durch eine entsprechende Kapitalzahlung abgefunden' werden kann. Selbst der Staatssekretär des Innern gab zu, daß schwerwiegende Gründe gegen diesen Vorschlag sprechen, daß namentlich der Verunglückte die als Abfindung erhaltene Sunnue in kurzer Zeit nutzlos ausgeben könne und dann der Armenpflege anheimfalle. Deshalb erklärten sich auch die Konservativen gegen die Absindung. Für die- selbe traten die andern bürgerlichen Parteien ein. weil durch die Abfindung der verunglückte Arbeiter ein größeres Kapital be käme»md sich domit eine Existenz schaffen könne. Die Socialdcmokraten antworteten, daß in der Regel die als Abfindung gezahlte Summe zum Betriebe eines Ge- schäfts zu klein und deshalb in kurzer Zeit verloren sein werde. Sie b e a n t r a g t e n, daß die Kapitalabfindung nur bei einer ganz geringfügigen Rente, nämlich bei einer solchen bis zu 10 Prozent statthaft sei. Durch diese Bestimmung würde zugleich der vom Reichs-Versichernngsanit befolgten Praxis entgegengetreten sein, eine Erwerbsunsähigkcit bis zu 10 Proz. in' gewisse» Fällen als keine Erwerbsunsähigkeit hinzustellen und jede Rente dafür zu verweigern. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt, vielmehr die Kapitalabsindung bis zu einer Rente von 1ö Proz. zugelassen. Um dem Verunglückten eine Kapitalabfindung nicht aufzudrängen, wird ein Zusatzantrag der Socialdemokrateu' a n g c n o in m e n, nach dem die Abfindung nur mit Zustimmung des Verletzten erfolgen dürfe. Der so abgeänderte Paragraph wurde aber schließlich ab- gelehnt, da das Centrnni nur schwach vertreten war. Indessen wird die zweite Lesung sicherlich zur Annahme der Kapitalabfindung führen. Um den Bernfsgenoffenschaften und den Ncntencmpfäiigern eine Erleichterung zu verschaffen, wurde ein socialdemokratischer Antrag a n g e n o m m e n, der bei einer Rente unter 50 M. pro Jahr vierteljährliche Auszahlung vorschreibt. Ist der Entschä'digungsbcrechtigte ein Ausländer, so soll er nach deni Regierungscntwurf, falls er seinen Wohnsitz im Deutschen Reich aufgiebt, mit dem dreifachen Betrag der Jahrcsrente abgefunden werden. Der socialdem akratische Antrag, die Abfindung auf den fünffachen Betrag der Jahresrente zn erhöhen, wurde a b- gelehnt. In dem Paragraph, der sich auf die Uebertragung der Ansprüche bezieht, wurde entgegen dem entschiedenen Widerspruch der Social- demokraten die Rente als verpfändbar erklärt für ein von dem Unter- nehmer dem Verunglückten gegebenes Darlehen, für geschuldete Bei- träge, für zu llnrccht gezahlte Entschädigung u. dergl. m.— Nächste Sitzung: Mittwoch._ Die Fleischbeschau-Kommission erledigte am Dienstag die zweite Lesung des Gesetzentwurfs. Seit der ersten Lesung waren zwei Monate vergangen; inzwischen hatten sich die Agrarier aller Fraktionen zusammcitgefunden und den Ent- wurf nach ihrem Geschmack abgeändert. Gegenüber den Beschlüssen der ersten Kommissionsberatung hatten sie zwar einige kleine Ab- schwächnngen ihrer agrarischen Forderungen vorgenommen, im großen und ganzen aber den Schutz der Gesundheit nur zum Schutz hoher Fleischpreisc benutzt, so daß die Regie- rungs-Vertreler erklärten, daß der Entwurf in der von der agrarischen Mehrheit beschlossenen Fassung unannehmbar sei. Von seilen unseres Genossen Wurm wurden verschiedene Verbcsserungen des Entwurfs beantragt, aber von der kompakten Majorität stets niedcrgestimmt. Die wesentlichste Verschlechterung, welche die Agrarier vornahmen, betrifft die Einfuhr von Fleisch ans dem Auslände. Diese wird in einer gerade für die ärmere Bevölkerung sehr schlimmen Weise verhindert.' Die Bestimmung lautet: „Die Einfuhr von eingepökeltem oder ähnlich zubereitetem Fleisch, ausgenommen Schwcineschinken. Speck und Därme, von Fleisch in Büchsen oder ähnliche» Gefäßen, von Würsten und sonstigen Gemenge» ans zerkleinertem Fleisch in das Zollinland ist verboten. Im übrigen ist die Einfuhr von Fleisch in das Zollinland b i s zuni 31. Dezember 1303 unter nachstehenden Be- d i n g n ii g e ir gestattet: Frisches Fleisch darf in das Zollinland nur in ganzen Tier- körpern, die bei Rindvieh, ausschließlich der Kälber, und bei Schweinen in Hälften zerlegt sein könne», eingeführt werden. Mit den Tierkörpern müssen Brust- und Bauchfell, Lunge, Herz, Nieren, bei Kühen auch das Enter in natürlichem Zusammenhang verbunden sein; der Bundesrat ist ermächtigt, diese Vorschrift auf weitere Organe auszudehnen. Zubereitetes Fleisch darf nur eingeführt werden, wenn nach der Art seiner Gewinnung und Zubereitung Gefahren für die menschliche Gesundheit erfahrungsgemäß ausgeschlossen sind oder die Unschädlichkeit für die menschliche Gesundheit in zuverlässiger Weise bei der Einfuhr sich feststellen läßt. Nach Ablauf des im Abs. 2 bezeichneten Zeitpunkts ist die Ein- fuhr von Fleisch, ausgenommen Schmalz und Speck, Oleoniargarine und Därme verboten." Mit dieser Bestimmung würde Dentschlaud bei seinem Fleisch- bedarf ganz und gar den natürlich zu den größten Preistreibereien bereiten Agrariern ausgeliefert und die Volksernährung auf das ärgste gefährdet sein. Bei den Plenarberatnngen wird es sich zeigen, ob die Re- gicrung auch hier wieder tapser vor den Agrariern' zurückweicht. NoMUtUttÄllCS. 2(«f der Tagesordnung der Sitzung der Stadtverordneten Versammlung am nächsten Donnerstagnachmittag 5 Uhr stehen u. a. folgende Punkte zur Beratung: Berichterstattung über die Vorlage, betreffend das Banprogramm und den Borentwurf zum Neubau einer dritten I r r e n a n st a l t in Buch.— Desgleichen über den Autrag von Mitgliedern der Versammlung, betreffend die Bereitstellung von Mitteln zur Gewährung von Vorschüssen a n d i e K r a n k e n- Häuser für solche Personen, die, ohne der Armenpflege zu unter- stehen, in der Zahlung der Verpflcgungskostcn vorübergehend im Rückstände sind.— Vorlagen, betreffend die Wahl von 7 Stadtverordneten für die Volkszählnngs-Kommission.— Beantwortung einer Aufrage von Mitgliedern der Versammlung, betreffend die N i ch t b e w i l l i- g u n g des Fe st s a a l e s im Rathause zu einer G i o r d a n o B ru n o- F e ie r.— Die erfolgte Bauabnahme des neuen S t r a ß e n r e i u i g n n g s- D e p o l s in der Berlichiugcn strnße,— den Etat der Fleisch schau für das von außerhalb eingeführte Fleisch für das Etntsjahr 1000— und die Mietuug von Räumen im Hause Wallstr. 72 für die Bureauzwecke der allgemeinen städtischen B e t r i e b s« K r a n k e n k a s s e,— die Festsetzung desSiadthanshalts-Eiats für das Etntsjahr 1900,— die Etats der Kanalisationswerke und der Rieselfelder, der Wasserwerke, derMarkthallen, dcs Vichmarktes, desSchlachthofs und der Fleischschan aus dem Schlachthof, der Gasiverke und der Hauptkasse der städtischen Werke für das Etatsjahr 1900.— Antrag von Mitgliedern der Versammlung betr. die Bereitstellnug einer Summe vo» 50 000 M. zwecks Besichtigung der Weltausstellung in Paris seitens einiger Beamten, Techniker, Arbeiter bczw. Hand- werker der städtischen Betriebe. Uokmles. Eine Giordano Vruno-Fcier ist Montag abends zum Besten des BausondS der Frei- religiösen Gemeinde veranstaltet worden. Der große Kellersche Festsaal war gänzlich überfüllt, so daß man eng an einander sitzend oder in den Gängen stehend die Därbietnngcn des Abends entgegennehmen mutzte. Ist eine derartige Gedenkfeier, die mit einem„geselligen Beisammensein" schließt und schon von vornherein den Charakter eines solchen trägt, au sich schon eine etwas mißliche Sache, so wird der Zwiespalt zwischen Inhalt und F-o r m der Veranstaltung noch verschärst, wen» man zu viel geben will. Es war wohl kaum notwendig, ein Konzert von solcher Ausdehnung zu veranstalten, zumal die einzelnen Picccn nur in sehr loser Beziehung zur Be- deutung der Feier standen. Wenn man z. B. bei der Ouvertüre zur Belliniichen„Norma" noch allenfalls in dem Schicksal des Helden der Oper eine Anspielung aus Bruno herausrenken konnte, so läßt sich bei einer Gavotte von Seifert beim besten Willen nichts ent- decken, was ihre Anfführung rechtfertigte. Die Gedenkrede auf Giordano Bruno hielt Professor Dr. A. G e h r k e. Ein Freidenker-Vortrag vom Sieg der Vernunft und des freien Menschentums, dazu ein kurzer Lebensabriß Brunos. Und doch genügten die wenigen Striche, mit denen der Vortragende das Bild des Gefeierten zeichnete, um in dem großen Saal so etwas wie eine feierliche Andacht sich verbreiten zu lassen, um in jedem Einzelnen jene Stimmung wachzurufen, die die Erinnerung an einen Geisleshcros. an einen Märtyrer sich erzwingt. Wir sind sicher, daß diesen Tausenden allen in diesem Moment ihre eignen Schicksale und Sorgen nichtig vorkamen; man konnte das suhlen an der leidenschastlichen und doch verhaltenen Erregung, die sich allen mit- teilte, als der Vortragende von den letzten Augenblicken Giordano Brunos berichtete, wie er festen Schrittes den Scheiterhaufen bestieg und das ihm dargebotene Krucifix mit einer Gebärde des Unwillens zurücktvies. Als der Vortragende geendet, trat natürlich wieder das ge- sellige Beisammensein in sein Recht. Nur die später folgenden lebenden Bilder machten wieder tiefen Eindruck. In einer ökeihe von einzelnen Sccncn«Aus dunkler Zeit" wurden die großen Gestalten vorgeführt, die der Menschheit neue Bahnen zeigten, und dafür vergiftet, gekreuzigt oder verbrannt wurden. Mit Giordano Brunoschloß die Reihe ab.cS folgte darauf gleich dieApothcose„der Sieg des Menschentums". Es bedarf wohl der Erinnerung daran, daß zwischen dem 17. Februar 1600 und dem Sieg des Menschentums noch manche Märtyrer nötig waren und sein werden, wie die Helden der Konminne, die Opfer von Chicago oder die russischen Frcihcits- kämpfer, oder auch nur ivie die Märtyrer des großpreußischen Systems, die von Ort zn Ort und ins Exil getrieben wurden. Der „Sieg des Menschentums" kommt leider nicht so schnell, wie manche hoffen. Und wenn man Giordano Bruno heute, nach 300 Jahren, auch nicht verbrennt, so sucht man ihn'doch zu ersticken. Die frei- sinnigen Berliner Stodthänpter sind keine römischen Fanatiker; sie machen ihre Jnqiiisition ans ihre Art. Der lebende Kirschner ist Obcrbürgermcisicr, da kann er schon dem toten Giordano Bruno das Wort verbieten._ Den Moabiter„ Mittelstandskandidaten', sagt die„Staats- bürger-Zeitniig", suche der„Vorwärts" herunter zn ziehen, um die Wähler der Mictcrpartei für den Arbeiterkandidaten Glocke zu ge- Winne». Diese Aeußernng zeigt, daß die„Staatsbürgcr-Zcitung" die Person des von ihr unterstützten.Mittelstandskandidaten", des Herrn Bäckermeister Wolf, nicht genügend kennt. Man braucht diesen Mann wirklich nicht erst„h e r u n t e r z u z i e h e n". Wer ihn kennt, wer ihn in seinen Versamnilungen in seiner ganzen H i l f l o s i g- k e i t gesehen und gehört hat, der weiß ohnedies, was er wert ist. Wenn die„Staatsb.-Ztg." sagt, wir suchten die Wähler der Mieterpartei zu uns„herüberzn ziehe n", so befindet sie sich wiederum in einem Irrtum. Selbst wenn wir Lust hätten, einen solchen Versuch zu machen, so wäre das bei der Znsammen- setzung der in ihrem Kern national-social gesinnten Mieterpartei ein zu schweres Stück Arbeit, als daß wir nicht von vornherein an dem Gelingen verzweifeln sollten. Das zu erreichen, ist aber auch gar n i ch t n ö t i g. Es genügt schon, wenn die an der Stichwahl nicht beteiligten Parteien sich dazu aufraffen können, einmal nicht mit der Reaktion g e me in sa m e Sache gegen die social- demokratische Arbeiterschaft zu machen. Ob sie sich dazu aufraffen werde», das ist allerdings die Frage— selbst bei der Mictcrpartei ist es die Frage, wiewohl die Führer und Anhänger gerade dieser Gruppe vor dem 14. Februar aufs nachdrücklichste erklärt haben, es sei ihnen vollständig unmöglich, in Herrn Wolf einen für das Rote Haus geeigneten Mann zu sehen. Die.Staatsb.-Ztg." meint, es werde sich bei der Stichwahl am 9. März zeigen, ob Frei- 'innige und National-Sociale thatsächlich nur die„ V o r f r u ch t der Socialdem okratie" bilden und gegen den Mittelstands- knndidatcn für den Socialdcmokraten eintreten. Wer denkt da nicht an die Stichwahl im Moabitcr 45. Bezirk, wo am 27. November der Freisinn sich mit der Schande bedeckte, für den Biirgerparteilcr Ulrich einzutreten?„Vorfrucht der Bürgerpartei" wäre hier die richtigere Bezeichnung. Unsre Genossen in Moabit werden sich weder durch die Hoff- nnngcn der„Volks-Zcitnng", noch durch die Befürchtungen der «Stäatsbiirger-Zcituilg" irre machen lassen. Tie Polizeiverwaltung der drei Städte Rixdorf, Schöneberg und Charlottenburg soll nach einem dem Abgeordnetenhause zu- gegangenen Gesetzentwurf dem Polizcipräsidenteu von Berlin derart unterstellt werden, daß dieser in dem erweiterten Landcs-Polizci« bezirk das Oberhaupt bildet, sodatz ihm auch das bisher vom Ober- Präsidenten sin politischen Angelegenheiten ausgeübte Einspruchsrecht übertragen wird. Der Bezirksausschuß für den Stadtkreis Berlin soll nach den Bestimmungen dieses Gesetzes die Zuständigkeitsrechte des jetzigen Bezirksansschnsics in Potsdam in Polizeisachen erhalten. Soweit allerdings der Obcrpräsident in Betreff der im Beschluß- verfahren zu behandelnden Angelegenheiten für den Stadtkreis Berlin an Stelle des Bezirksausschusses zuständig ist, tritt er auch für die Stadtkreise Charlottcnburg, Schönebcrg und Rixdorf an die Stella des Bezirksausschusses, auch in den Fällen der Zuständigkeit der Verwaltungs- und Verwaltungsgerichts- Behörden und bei Abänderungsmaßnahmen in Bezug auf die Gewerbe»� Ordnung soll der Polizei- Präsident die Entscheidung haben. Ferner finden nach§ 3 Polizeivorschriften, welche von dem Ober- Präsidenten der Provinz Brandenburg für den Umfang der ganzem Provinz erlassen werden, auf die Stadtkreise Charlottcnburg, Schöne- berg und Rixdorf keine Anwendung. Bei dem Bczirksausjchnsse für den Stadtkreis Berlin, so bestimmt§ 4, werden zwei Abtcilungcir gebildet. Die erste Abteilung ist zuständig für die polizeilichen An- gclcgenheiten ans den Stadtkreisen Berlin, Eharlottcnbnrg, Schöneber-v und Rixdorf, die zweite Abteilung für die sonstigen Angelegenheiten, die zurZuständigkeit des Bezirksansschusses für dcnStadtkreis Berlin gehören.' Ein zweiter Gesetzentwurf, der der Begründung des ersten beigefügt ist, erstreckt sich ans die Uebertragung polizeilicher Befugnisse in deir Kreisen Teltow und Niederbarnim sowie im Stadtkreise Charlotten- bürg auf den Berliner Polizeipräsidenten, der somit fast als höchste Instanz in Polizei-Angelegenhcit in Berlin und seiner Umgebung fürdcrhin zu gelte» hätte. I» Polizeisachen glaubt die Regierung sich ohne Gefahr das G r o ß- B e r l i n leisten zu können, das sie ans kommunalem Gebiet hauptsächlich aus Furcht vor der Socialdcinokratie nicht zn stände kommen läßt. Und doch drängt auch hier alles sozusagen mit Natur- Notwendigkeit zur Eingemeindung hin. In den hygienischen Vvrtragskursc», welche die Central- kom Mission der Krankenkassen Berlins für oö. Arbeiterschaft veranstaltet, wird gerade jetzt ein Thema behandelt tvclches für das Proletariat das allergrößte Interesse hat: dii Gesundheitspflege des Kindes. Gerade unter de r Kindern der unbemittelten Bevölkcrungsschichter herrscht ja bekanntlich eine ungeheure Sterb- li ch k c i t, während in den besser situicrtcn Kreisen in dieser Beziehung die Verhältnisse weit günstiger sind. Wirtschaftliche Ursachen sind es, die diesen Unterschied verschulden. Häufig genug fehlt der Proletariermutter Zeit und Geld, um dem Kinde die nötige Ab� Wartung, die geeignete Nahrung und Pflege zu teil werden zu lassen. Soweit hierdurch die' höhere Sterblichkeit der Proletarier- linder veranlaßt wird. kaim auch eine noch so gute Unterweisung über das hygienisch Notwendige keine Abhilfe schaffen, weil es eben in diesen Fällen an dem Notwendigen fehlt. Aber häufig genug— darüber sind sich alle Aerzte cini'g— würden die wirtschaftlichen Verhältnisse an sich eine den hygienischen Anforderungen entsprechende Abwartung des Kindes gestatten, es fehlt aber den be- treffende» Müttern an den nötigen Vorkenntnissen, sie sind noch zu sehr in alten Vorurteilen und falschen hygienischen Anschauungen befangen. In den sogenannten„bessern" Familien liegt es auch in dieser Beziehung günstiger. Da sorgt die Kontrolle und Aufsicht des Hausarztes dafür, daß eine entsprechende Belehrung der Eltern stattfindet, und verhütet so üble Folgen. Die Arbeiter- familien mußten eine solche Belehrung aber bisher fast durchgehends entbehren, und deswegen helfen auch in dieser Beziehung die von der Ccntralkommission veranstalteten Vorträge einem fühlbaren Bedürfnis ab. Hoffentlich macht aber nun auch die Arbeiterschaft und machen namentlich die Arbeiter- f r a u e n von der ihnen gebotenen Gelegenheit Gebrauch und be« suchen zahlreich die Vorträge, in welchen ihnen von sachverständiger ärztlicher Seite auscinandc'rgcsetzt werden wird, was zur Erhaltung der kindlichen Gesundheit notwendig ist. Es sprechen über die Gesundheitspflege des Kindes am 22. F e b r n a r Herr Dr. Auerbach in der 110/174. Gemeinde- schule, Schönhauser Allee 1 ö6a. Herr Dr. Bloch in der 189. Gcmcindcschule. S t e p h a n st r. 27, und Herr Dr. S a u l- mann in der 40. Gemeindeschnle, G n e i s c n a u str. 7. Ter Besuch der Vorträge ist unentgeltlich. Eine Legitimation ist nicht erforderlich. Zur KraukcnhanSnot. Die durchschnittliche tägliche Belegung der städtischen Krankenhäuser wird in dem Stadthaushalt-Etat pro 1900 erheblich höher als im laufendeil Jahre angenommen, nämlich für das Krankenhaus Friedrichshain ans 900 statt 720, für daS Krankenhaus Moabit ans 925 statt 850, für das Krankenhaus Urban ans 600 wie bisher, für das Krankenhaus Gitschincr Straße auf 150 wie bisher, also im ganzen auf 2575 statt 2320. In der Angelegenheit der Fleisch-Kochanstalt ans dem Schlachthofe ist nunmehr die Bornntersuchnng eröffnet worden. Das Verfahren richtet sich gegen den Pächter der Anstalt. Herrn Bitter- hos, den Aufseher über den Keller für finniges Fleisch, Schma- ' i n s k y und den Abnehmer Lang e. Die Nntersnchung führt LandgenchtSrat Brandt, die Verteidigung haben die Rechtsanwälte Dr. S ch>v i n d t und Dr. W e r t h a n'e r übernommen. ES werden einige dreißig Zeugen zu der Strafsache vernommen werden. Ma rkenverkanfö stellen. Eine Audienz bei dem Staatssekretär v. Podbielski hatte der Vorstand des Vereins Berliner Kolonial- w a r e n h ä n d l e r. um dem Leiter des Postwesens die Bitte vor- zutragen, MarkenverkaufSstellcn in den Berliner Geschäften zu errichten. Eine bindende Zusage konnte der Staatssekretär den Ab- gesandten der Berliner Äoloinalwarenhändler nicht machen. Der Verein hat deshalb beschlossen, nochmals an den Reichstag zn petitionieren. Es wird in Vorschlag gebracht, in den Geschäften alle Wertzeichen der Post zu verkaufen und dafür den Verkäufern einen kleinen Rabatt zu gewähren. Die Verkaufsstellen würden schon ein- gerichtet werden, aber von dem Rabatt, den die Post in Süddeutsch- land ohne Schaden trägt, will Podbielski wohl nichts wissen. Zur Angelegenheit Gönczy. Die Nachricht, daß die Haupt« Verhandlung gegen das Ehepaar Gönczy nicht mehr in weiter Ferne liegt, hat schon jetzt eine wahre Flut schriftlicher Gesuche um Eintrittskarten zu dem Zuhörcrraum des SchwurgerichtSsaalcs hervor- gezaubert, so daß die Gerichtsschreiberei schon jetzt täglich mit der- artigen Anträgen bestürmt wird. Die Hanptverhandlung steht erst in der am 26; März beginnenden Tagung des Schwurgerichts am Landgericht 1 zu erwarten; sie wird voraussichtlich die für dies- Tagung vorgeichcncn Sitzungen fast ganz ausfülle». Wie dem Ehe- mann Gönczy in der Person des Rcchisanwalts Frankel, so ist der Ehefrau in der Person des Jnstizrats Grabow er ein Verteidiger von Amtswcgcn gestellt worden. Nach Vollcndnng des neue» Militärarrrsthanses in der Lehrterslraße soll das alte Militärarrestlokal in der ehemaligen Garde- Kiirassier-Käscrne. Ecke Ritter- und Lindenstraße, bekannt unter dem Namen„Vater Philipp", dorthin verlegt werden. Der Fiskus bcab- sichtigt, die alte Kaserne mit dem Ärrestlokal zn veräußern, bis jetzt'aber sind alle Verkaufsverhandlungen an der hohen Forderung gescheitert. Zum grostcn Tcidcnwaren-Diebstahl. Zwei verschiedene Be« lohnungen Hai die Direktion der Frankfurter Transport-Unfall-Ver- sicherungs- Gesellschaft anläßlich des Seiden- Diebstahls� in der Lcipzigcrstraße ausgesetzt. Für die Herbeischaffnng des g e s a in t e n Gutes werden 1000 M. gezahlt, die sich indes je nach dem Wert eines etwa zur Stelle geschafften Teils verringern. Ruf die Er »ilttelnlrg dcrThäler werden von derselben Stelle 30l)M. ausgesetzt. Der BeckerathscheHandivagen. anf den: die Seidcnwarcn fortgesrliasst wurden, wurde vor dem Hause Linienstr. 144 gesehen und schließlich abend-: von Arbeitern anf den Hos gebracht. DienStagnwrgrn hat ihn die Firma zurückerhalten. Der 5>ri»iinalpolizei liegt viel daran, daß sich Personen ineldc». die die Thäter entweder auf dein Wege von der Einbruchstclle nach Norden oder beim Ablade» der Beute ge sehen haben. Es waren zwei Personen: der größere der Einbrecher mit einem kleinen, blondcn�Schnurrbart und inagcrein Gesicht hat den Wagen geschoben; der andre war klein, untersetzt, trug leine» Bart und halte krumme Beine. Ruf frischer That ergriffe» wurde am DicnStagnachmittag um 4 Uhr ein Zuchthäusler und Kollidicb, den sein„Handwerk" nach wenigen Tagen der Freiheit wieder hinter Schloß und Niegel gc- bracht hat. Ein Kutscher des Sheditcurvercinö hatte vor dem Hanse Scharrnstr. 2 zum Zweck des AblndenS sein Gefährt auf kurze Zeit verlassen. Diesen Augenblick benutzte der Dieb, ein früherer tzanödicner.»m eine» Ballen Tuch in, Wert von lllO Wl zu entwenden. Der Kutscher nierkte den Diebstahl gleich und nahm die Verfolgung des nach der Brüderstraße entkommenen Verbrechers auf. Dort sahen sie einen Mann, der ein in Sacklcinivand gc- schlagencs Kolli trug, in die Sprecstraße einbiegen. Hier ermittelten sie ihn in einer Kneipe mit weiblicher Bedienung, Ivo er nebe» dem erbeuteten Paket beim Bier saß. AIS die Verfolger den Inhalt des PakctS zu sehen verlangten, wollte der Dieb entfliehen, wurde aber einem Schutzmann überliefert. Anf dem Wege nach dem ersten Polizeirevier versuchte er nochmals zu entkommen, indem er anf den Schutzmann und die Civilpcrsonen einschlug, wurde aber überwältigt und der Kriminalpolizei eingeliefert. Abgestürzt ist DicnStagvormittag um UV, Uhr anf dem Neu« bau Mntternstr. 30 der Stcinträger Karl Engler ans der Pintsch» paße 4. Als er mit einer Mulde Mauersteine im ersten Stock trug, brach cm anscheinend morsches Laufbrett. Schwerverletzt wurde Englcr in ein Krankenhaus gebracht. Kcncrbericht. Ein größerer Zinunerbraud, bei dem die Woh- mmgsmhaberi» Brandwunden an den Händen erlitt, rief die Wcbr Dienstag früh nach Gubenerstraße lt. Das durch Ilnvor- sichtiglcit entstandene Feuer hatte bei Ankunft der Wehr bereits die ganze Wohnungseinrichtung erfaßt, so daß es eines energischen Ein- grcifcnS bedurfte. mn cS auf seine» Herd zu beschränken. Kurz vorher mußte W i l h e l m st r a ß e 124 in einer Werkstatt ein Brand abgelöscht werden, der Kisten, Tische und de» Fußboden einäscherte. Ein Laden- brand vernrsnchteMontagabcnd einen Alarm»ach B ergmnnnstr. 17. Da? Feuer war beim Anzünden derGnslampcn entstanden und hatte den gciamtcn Inhalt dcS Schaufensters mit solcher Schnelligkeit erfaßt, daß die im Lade» anwesenden Personen schleunigst flüchten mußten. Em erheblicher Teil der Warenvorräte wurde vernichtet. Ein andrer Schanfciisterbrand war bald darauf N e a n d e r st r a ß e 33 zu bc- seitiaen. Durch übergekochtes Fett entstand Lindenstraße 23 cm lleincs Schadenfeuer, das von der Wehr schnell gedämpft werden konnte. Außerdem mußte A r t i l l e r i e st r a ß e 38 noch ein Schal- dccken- und Balkcubrand abgelöscht werden. 'S500 Onadralmetcr dein Lette- Verein zu überweisen; die Uinsatzstcucr trägt die Gesellschaft; der Lcttevcrcin ist gehalten, die Bebaming innerhalb zwei Jahren zu beginnen. Kommt die lieber- nähme zwischen den beiden nicht z» stände, behält sich die Stadt- verordneten-VersaniinImig weitere Schritte vor.— Auch die Vorlage „Beschickung der Pariser Weltausstellung" wurde lebhaft erörtert. Man war sich darin einig. daß diese Beschickimg für die Betreffenden große Vorteile böte, daß jedoch die dafür aus- geworfene Summe lzwei Bcckmte je 400. fünf im Gcwcrl'lichcn stehende Personen je 300 M.) zu llciii und daß die Beträge auch z» ungleich verteilt seien. Stadtrat Nndloff entschuldigt dies damit, daß nach Ansicht der Magistralskommission die Ans- erwählten von ihren Vereinen oder Gewerkschaften einen Zuschuß erhalten würden. Eine Annahme, die recht irrig ist. Stadtv. Trcngebrodt wünschte die Erhöhung der Summen für die Handwerker lim Je 100 M. Nachdem Genosse O b st ersucht hatte, eine öffentliche Bekanntmachung zu erlassen, in welcher die geeigneten Bürger aufgefordert werde», sich zu melden, genehmigte man die Erhöhung lind stimmte cbcnsalls einem Vorschlag des Vorstehers zu, eine gemischte Kommission zn wählen, welche die Auswahl der Per- fönen vorzunehmen hat. Eine Aufrage des Genosse» Masuch, wann das Verbot der Kinderarbeit, welches in Berlin bereits besteht, in Schönebcrg zur Geltung gelange, soll in nächster Sitzung beantwortet werden. Tic Parzellierung drS FloragruiidstürkS in Charlottcnbnrg ist nmlmchr beschlossene Sache. Nach dem schon fertigen Vcbauungö- plan soll das Grundstück von zwei Straßen durchschnitten werden, von der verlängerten Wilmersdorfer Straße in der Nichtmig nach dem Luisenplatz lind von einer zweiten, von der Berliner Straße nach der Uferstraße durchgehenden neuen Straße. Der Eigentümer soll crbötig sein, das 24 400 Onndratmetcr— 1722 Quadratrnten große Terrain lediglich für den Wert des Grund und Bodens der Stadt zu verkaufe», während die Gebäude, das Palmenhaus und die Anlagen, deren Wert etwa eine Million beträgt, kostculos damit übercigiict lvcrden sollen. Durch eine» Ankauf dieses Teils des FlornterrninS durch die Stadt würde das Etablissement im wesent- lichc» erhalten bleiben. Sollte die Stadt den Ankauf abldhnen, so ist der Besitzer gesonnen, die Gebäude niederreißen zu lassen und Wohnhäuser zn errichte». Ter Teltowkanal. Niuid 25'.'i Millionen Mark sollen die Anlagekostcn des Tcltoiv-Kanals, wie die von der VorprüfnngS- kommission aufgestellte Berechnung crgiebt. betragen. In den? ersten Anschlage war die Gcsaintsnmmc anf 21 400 000 M. ermittelt, doch haben sich infolge der gesklegencn Ballniaterialicnpreisc. sowie ver- schiede»« Acndcrnngcn und durch Einstellung von 2>/e Millionen Mark Banzinscn einzelne Posten erhöht. Bon den rund 700000 2)?. jährlicklcn Betriebs- und Unterballmigslosten übernimmt der Kreis die Hälfte mit 330 000 M.; die andre Hälfte haben die nächst- beteiligten Geniciliden aufzubringen. 3l»s den Vinchbarorten. Vharlottcubuvg. Eine Erhöhung deS kaufenden K r m e n- E t a t s um 56 250 M. anS dem Dispositionsfonds fordert der Magistrat von der Stadtverordneten- Versammlung. Dieser Mehrbedarf wird unter andern, begründet mit den gesteigerten Lebensmittelpreisen,»amcntlich mit der Steigerung der Wohiunigö- mieten und mit den Schwierigkeiten, mit denen die Annen- vcrlvaltung wegen des Mangels a n kleinen Wohnungen fortgesetzt zu kämpfen hat. Trotz der nicht nnerhcblichcn Steigerung, die pc im Laufe der Jahre erfahren haben, sind die Anflvciiduiigcn Eharlottcnburgs für die Armen- und Arnien-Kraiikcnpflcgc. im Ver- gleich zu andren Städten, doch äußerst geringe zu»cuncu. Es ist, wie der Magistrat in der Begründung seiner Vorlage ausdrücklich betont, durchaus falsch, etwa ans dem Uuisiaudc, daß Eharlottcuburg nach seiner Gcsamtstcncrkraft z» den reichsten Städten Deutschlands gehört, zu folgern, daß es in Bezug ans die Armculasten eine besonders günstige Ausnahmestellung cimichinen müsse. Wenn es auch auf der Hand liegt, daß Lharlottcnbnrg hiiisichllich der Armenlastc» bei weitem günstiger dasteht, lvic die meisten andern Großstädte, so darf man doch nicht anS der Höhe der Durchiiitts-Stenerbcraiilagung de» Wohlstand aller einzelnen Einwohlicr folgern. So sind z. B. im Jahre 1308/00 von dm ermittelten 71 270 Ccnsitcn wegen eines Einkommens von weniger als 000 M. sienersrei geblieben 40 070, d. h. nicht weniger als 56,06 Prvz. Von einem Einkommen von 000 bis 1200 M. sind besteuert gewesen fernere 12 077, also 20,06 Proz. ES gehören demnach 77,02 P r o z. aller C e n s i t e u. also mehr als drei Viertel aller selbständigen Einzelpersonen oder Familien- v o r st ä n d e, zu Familien, deren E i n k o m m c n lue niger als 1200 Mark beträgt. Ein großer Teil von ihnen ist sicher mehr oder weniger gezwungen, bei Arbeitslosigkeit, Krankheit, Entbindungen, Sterbcfällcn uslv. die Hilfe der Armen- Pflege in Anspruch zn nehmen. Jntercsiaiit ist dabei ein Vergleich mit Berlin. Dort sind 1808/90 von 912 472 Ccnsiten 544 022. also 59,72 Proz. wegen eines Einkommens von weniger als 000 M. steuerfrei, und weitere 177 600, also 10,46 Proz. von einem Einkommen von 000— 1200 M. besteuert gewesen. Die Prozentsätze sind also für beide Städte fast gleich. Während aber in Charlottcnbnrg im Jahre 1808/09 die gc- samten Anfloelidnngeil für die Arnicnpflcge einschließlich des nach der Zahl der Vcrpflcgungötagc berechneten Anteils an den vollen Kosten des Krankeiihauses nmd 518631 M. betragen haben, habe» sich nach demBcr- liner-Verwaltnugsbericht die gleichartigen Ausgaben ftmtcr Fortlassmig der Kosten der Berliner großen Hospitäler:c.j, anscheinend sogar ohne Mitberechnniig der anteiligen Kosten der städtischen Ärankenhänscr, ans nicht weniger als 0 207 587,88 M. belaufen. Das heißt: Bei einer nur unwesentlich größeren Armenbevölke- r n n g sind die Llusgabcn der öffentlichen Armenpflege, auf den Kopf der Einlvohnerzahl berechnet, in Berlin fast doppelt so hoch als i n C h a r l o t t e n b u r g. Die Stadtverordueten-Vevsammlnng in Schöneberg wählte am Montag für das G e lv c r b c g e r i ch t als Vorsitzenden den Stadtrat H e y l, als Stellvertreter' die Stadtvv. Bern sau und Jul. Fröhlich. Eine lange Debatte rief die zweite Lesung eines Antrags hervor, der die V e rz i ch tl e ist n»a auf ein am Victoria Luisenplatz von der Berlinischen Vodengesellschast eingetauschtes Grundstück fordert. Man entschied sich gegen acht Stimmen für folgende Magistratsvorlage:„Die Stadtgemeinde überläßt der Ge- ellschaft gegen eine Entschädigung von 82 000 Mark das �tägliche Grundstück mit der" Maßgabe, davon mindestens Gevichk-�Neitung. Eine daS Wesen der verteidignug im Strafvcrsahrcn an- gehende Streitfrage hat kürzlich das Eingreifen des Vorstandes der Anlvaltkammer notivendig gemacht. Ein nach den Akten geständiger Angeklagter hatte sich einen Verteidiger bestellt. Als dieser zur Terminöstnnde erschien, erklärte ihm der Vorsitzende der Stras- kammer. die Sache sei bcreiis beendet. Die Strafkammer habe eine Halde Stunde vor der Tenr.iiiLzc-t Pen verhafteten Angeklagten be- fragt, ob er damit einverstanden sei. daß vor der Terniinsstunde und ohne seinen Verteidiger verhandelt werde, und da die Sache bei dem Geständnisse des Aiigcklngtrii einfach gcivcscn, so habe die Verband- lnng vorher stattgesnnde». der Angeklagte sei zn 1�/2 Jahren Gc- fängnis verurteilt worden.— Der Anwalt beschwerte sich über dieses Verhalten des Vorsitzenden der Siraftammcr bei dem Präsidenten des Landgerichts, wurde aber abschlägig beschieden, ivcil nicht ersichtlich sei, daß der Angeklagte von' dem Vorsitzenden zu seiner Erklärung physisch beeinflußt worden sei. Der Anwalt wcndcle sich inllimchr an die Aliwaltkaiilmer, um im Interesse dcS Rechts des Verteidiger« zn intervenieren. Der Vorstand der Kammer wurde in- folge dessen beim Präsidenten dcS KammcrgcrichtS, Wirkt. Geh. Rat D renk mann vorstellig, dcffe» Bescheid jetzt in den „Bl. f. Rcchtspfl." veröffentlicht wird. Präsident Drcnkmnnn hat, wie daraus hervorgeht, dein vom Landgerichtspräsidenten ciilgcnommencn Standpunkt nicht für zutreffend erachtet und den letzteren ersucht, hiervon dem Vorsitzenden der Straikammer KcnniniS zu geben. In dem bemerkenswerten Bescheide beißt cS n. a.: Es ist grnndsntzlich davon auszugehen, daß der zu den Strafakten legi- tinnmc und deshalb zur Hanptvcrhandlniig geladene Verteidiger zn den Prozcßbeteiligleii gehört und daß ein Eintreten in die Verhandlung vor der festgesetzten Tcnniiilslnnde nur statlhasr ist, so bald sämtliche Prozcßvctciligte sich hiermit einverstanden er- klären. Das durch die Beschwerde angegriffene Verfahren läßt die gebotene Rücksicht ans das Schntzbednrsnis des Angeklagten vermissen und kann nicht dadurch gerechtfertigt werden, daß infolge der frühzeitigen Erledigung der vor dieser Sache an- beraumten Termine es wünschenswert erschien, die Straflammrr nicht einige Zeit hindurch nnbcschäftigr zu lassen. Der an sich nicht unberechtigte Wunsch von einem nnnntcrbrochencn Fortlaufen der Verhandlnngcn mußte gegenüber dem Interesse des Angeklagte», der im Vertrauen auf den Beistand eines Vertreters zur Hauptvcrhandlnng erschienen ivar, nnbcdingt zurücktreten. Der Streit um die Braut. Angenehme Gäste befanden sich am Nachmittag dcS 19. Dezember vor. Js. in der Gräbcnitzschcn Schankivirtschafr in der Linicnstratze. Der Kellner ikiid Artist Max Krone lvar soeben ans dem Gefängnis herausgekommen. In dem erwähnte» Lokal traf er seine Braut, die unter Aufsicht stehende nnvcrchclichtc Schulz und erfuhr von ihr, daß sie sich TagS zuvor mit dem ebenfalls im Lokal aiilvesenden Schlächter Erland' verlobt hatte. Die Schulz trug auch als BelvciS einen goldnen Ring. Krone war mit dieser Verbindung wenig einverstanden, eS lau, zwischen de» drei beteiligten Personen zn einer lebhaften Aus- einandersetzung, die damit endete, daß die Schulz den Ring wieder abzog und ihn dem Krone aushändigte. Nni, wollte Erland den Ring, den er der Schulz gekauft, wieder zurück haben. Während er hierüber mit Krone verhandelte, zog dieser plötzlich einen Revolver hervor und feuerte iir rascher Aufeinandersolge vier Schüsse auf Erland ab, zu», Glück ohne zu treffen. Krone stand gestern unter der Anklage der Bedrohung vor der zweiten Strafkammer des Land- gerichtS I. Er gab an, daß er sich in einem Zustande so hochgradiger Erregung best,,, den habe, daß ihm jede Bcsinmmg geraubt worden sei. Er könne sich der ganzen Geschichte nur dimtcl entsinnen. Verschiedene Zengen bekundeten auch Thatsachen, welche darauf schließe» ließen, daß eS bei den, Angeklagten nicht richtig im Kopfe sei. Als die Zeugin Schulz vernommen wurde, wurde der Angeklagte von einen, plötzlichen Wutanfall befallen. Er ergriff einen der vor ihm für die Verteidiger bestimmten Stühle, hob ihn hoch und machte Miene, ihn gegen die Zeugin zn schlendern. Die Gcrichlsdiencr orrhiuderten die ÄnSsührimg. Ans Antrag der Staats- anwallschaft soll der Angeklagte ans scilic» Geislcöznslaiid untersucht werden. Anf den, Korridor hatten die Bamteu wiederum Mühe. den Wütenden, der sich ans die frühere Braut stürzen wollte, zurück- zuhalten. Wahlpflicht in Prcusien. Tie Stadtgömeinde Walsrode in Haimover hat ein LrlSstalut erlassen, durch ivelchcs die Bürger, die den Viirgervorslchcr-jStadlverordncteii-j Wahlen fernbleibe», mit Strafe bedroht weiden. Der Bürger R. lvar trotz erfolgter Bekannt- machllng nicht zur Wahl von vier Stadtverordneten gegangen und deshalb mit einer Geldstrafe bedacht worden. Er klagte darauf im Verwallnngs-Streitbcrsohren»nd mackltc geltend, jenes Ortsstatnt sei nligültig, dem, in, Königreich Preußen gebe es keine Wahlpflicht mehr. Ter KreiSonSschUß lvicS aber die Klage ab»nd der Bezirks- nusschnß erkannte in, selbe» Sinne, indem er ausführte, jenes Orts- statiit sei nach den Bcslimmnngen, die sürHaimover gellen, rechts- g ü l t i g. Das O b c r- V c r w a l t u n g S g e r i ch t als RevisionS- installz bestätigte diese Entscheidung. Vevmischkess Eiscnbahmingliiek. Der Personenzug der Jekatarin en« bahn stieß in der Nähe dcS Bahnhofs Nostow mit dem Manövrier- zng der Wladikalvkasbahn zusammen. Beide Lokomotiven und acht Waggons wurden zertrümmert. Sieben Passagiere blieben tot, vier wurde» schlvcr vcrivundct. Ncbcr ein seltsames Tiinamit-fllttelitat wird berichtet: In T r o ck e m b c r g(Schlesien) warf ein Bergarbeiter eine mit Zülld- schnür versehene D h n a m i tp a t r o n e in die Eßschüssel, lvcil das Mittagessen noch nicht ganz fertig war. ES erfolgte eine heftige Explosion, wobei Frau und Kinder deS DergmamiS furchtbar zn- gerichtet tvltrdcn. Der Thäter ist verhastet. Drei Opfer dcS Schneesturms. Ans Labischin(Posen) wird gemeldet, daß zwei Brüder Fellniuth ans Schlochan und der Brief- träger Post bei den, jüngste» Schnceslnrn, ihren Tod fanden. Schiffbruch. Ans London wird am Dienstag berichtet: Heute früh wurde wcstlicki von Eraiglcith in der Nähe von North Benvick im Firth of Förth ein D r e i», a st c r mit dem Kiel„ach oben allsgeslindm. Am Ufer loa ein Brett mit der Aufschrist ,.T h a l i a- W i n d a Man befürchtet, daß die ganze Mannschaft nmgelommcn ist. Nebcrschweulinnilgen in Spanien. Tie durch plötzlich ein- sctzciidcii Südwind und gewaltige Regengüsse in nngewöhnlichen, Maß beschlennigte Schneeschmelze hat im nördlichen Spanien selbst kleine Flüsse in reißende Ströme verwandelt. Namentlich hat daL Flußgebiet de? Ducro darnntcr gelitten, und zwar in seiner ganzen AiiZdchinlng von Soria biZ zur Mündung, vor alle», aber die Gegend bei Valladoüd und die Provinz Zamvra. da, wo bei Bcnaventa Orbigo und Esla zusammen kommen. Der Ort Vacilla de Palva- ro'ä ist sozusagen vom Erdboden weggeschwemmt, und auch anderwärts sind zahlreiche Hänser eingestürzt und die Ernten ver- „ichtet._ Marktpreise von Berlin n», Februar kSOv luirfi Ermiillimz«» des kzl. PolljeipräsidtiUuS. »lVelze» D.-Elr. '/liogac» Fvjler-Elcrsle Hascr an, „»nllel .. lieriliz Zuchislroh He» i)E,k>se»» ßlSpeisetohmn. �Linien ttaitofsctt,, HCl» NindiNv'ch, 3e,l!« l do. Biwch *) Ennillelt pro 15,30 14,30 1 3.00 15,- 14,10 ,330 T,:iO Jo,- >--? per Schock 1.60 1,80 1,60 2.«0 2.20 3.80 2,50 2,- 1,60 2.80 1,40 12,- 1,10 1,- I,- s'~ 1,20 1,40 1," J,- 0,80 1,20 0,80 3,- ■Mi der Eeulralslelle der PrenS. Land- wirtschastKaniincr»- NoticnmgssttNc- imd„», gerechnet vom Polixel- präsidiin» sür den Doppelcentiier. ß) KlelnhandelS,'reise. Produktenwarkt von, 20. Februar. Der B e t re i d e m a r kt bekundete scsle Haltung, Frankreich meldet festere Welzenpreise, und oiuh in Nordamcrila schloffen die Getreidebörsen nach«eniger festen, Beginn mit erhöhten Notierungen anf geringes Angebot bei abnehmenden Besiiinden in New Uork. Tie stimulierend« Wirkung dieser Momente blieb auf dem hiesigen Platze nicht ohne Einflus;. ES wurdeii vielsach Deckungen lind Neu- Iniise oorgeiiomnieli,»nd die Prelle zogen bei starler Znriickhalmng der Ab- gcbcr trotz reichlichen Jiilaiidsangcdots für Weizen um 0,75, für Roggen bis 1 Mark an. Den Saateustand in Slldrnhland hält mau wegen man- gclnder Schneedeike sür gefährdet. Haler lag bei ruhigem Geschäft 0,50 M. höber gehalten anf sortdaucrnde Maishausse u, Nordamerila. Riibäl Ani S p l r i t» s m a r l t wurden 25 000 Liier 70« loco mit 47,20 M. (mweränierl) gehandelt._ Vrieskasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet Montag. Dienstag und Freitag von 0—8 Uhr abends statt. A.&. 1900. Auf Ihre Eiitschädigungöforderung»lüffen Sie sich das inzwischen Verdiente aiircchnci, lassen.— Zi. B. 63. 1. Ja. 2. Nein, es fei beim, Sie haben die Ware für sich verwendet.— Thomas 24. 1. Ter Vater ist pflichttcilsbcrcchtigt. 2. Tann würden Sie und Ihre Schwiigerninen erben. 3. Ja. 4. Sie löniieu kostenlos ein wcchselscitigeö Testament eigen- händig machen. Bei gerichtlicher Aufnahme betragen die Kosten in Ihrem Fall circa 20 M.— 215. Sic sind»tr Zahlung der Kosten verpflichtet.— Gew. Ger. Fa.— X. K.. Schönhauser Zlllee. 1. und 2. Ja. — BZ. St, 207. Wenn»liudesteuS 200 Marlen für Sie geklebt sind und Sic invalide sind, so haben Sie Anspruch ans Invalidenrente.— O. C. 33. An die Kreis Ersatzlommission.- F. M. 300. Jeder Erbe hat ein Recht auf seine» Anteil.- C. SS. 21. 1. und 2. Wenden Sie sich an die Kreis-Ersatzkommissum. 2. Aus die Halste.— 100 au I. Wenden Sie sich wiederholt an die Versicherungs-Aiistalt. Ihnen steht zweifellos ein Anspruch aus JnvalidenreMe zu, wenn ivenigstenS 200 Marlen für Sie geklebt sind.- Zl. 48. Nein.- M. Ja. — A. 87. 1. Nein. 2. Nein, er kann Herausgabe der Möbel nur gegen Rückzahlung eines Teils, etwa 150 M., verlangen. 3. Für den Verkauso- wert. 4 Er kann nur das nehmen, was jeder Gläubiger nehme» kann, all» nicht die der PsSiidniig entzogenen Gegenstände.— 9t. Z. 12. Nach Ihrer Schilderung ist die«asie im Recht.-»llinieute. 1. Die Klage des Polizisten wäre abznweiieu. 2. Beantragen Sie beim Gericht Pfändung des Gehalts des Poliztstei, wegen Alimente Jbreü Mündels.— O. K. 78. Linksseitige Bruchaniagew— I. T. 1. Ja. 2. Sie könnten klagen. 3. Die Kosten trägt der unterliegende Teil, das wäre mit Rücksicht ans die Verjähr, mg in Ihrem Fall schwerlich der Käufer.— 9t. Z. 100. Nein. - C. 99.. Ztdolfstr. 7. Sprechen Sie u,tt den etwaigen Bescheiden und den blauen Büchern in der jurislischci, Sprechstunde vor.— 9l. 29. 7. 1. Nein. 3. Ja, beim dortigen Gericht.— M. Z. Wer über 1150 M. Jahres-Arbeitsverdienst in, Sinne des Jnvaltdenversicherungs-Gefetzeö hat. div in nnsrer Fabrik täglich entstehen, geben, um damit zu räumen, spottbillig ab. Muster davon sofort franco. Lehmann& Assmy Tnchlabrik, Spremberg L. Einzige Tnchfabrik Dcutsclilanrts, die ilire Fabrikate direkt un Prlvatlente versendet. 140/6* Schneidormeistor, welche Rem heroit sind, Anzüge anzufertigen, ohne dass der Stoff von densolben entnommen wird, weisen an jedem grösseren PUtze nach, Für den Inhalt der Inserate »ibcrninimt die Nedaktia» dein Pnbliknnt gegeniiber keinerlei Berantworlniig. Tlzr!ikev. Mittwoch, 21. Februar. Qdcruhaus. Die Stumwe von Portici. Zlnfang Uhr. TchanspiclhanS. Jugend von heute. Anfang 7Vz Uhr. Tcntschcd. DerProbekandidat. Aw saug 7V- Uhr. Lcsjing. Als ich wiederkam. Anfang 71/5 Uhr. Berliner. Das Erbe Anfang 7-/, Uhr. Neuro. Nackte Kunst. Anfang 71/2 Uhr. Schiller. Fröschweiler. Anfang 8 Uhr. Westen. Undine. Anfang 7>/z Uhr. Thalia. Im Hiinuielhos. Anfang 71/2 Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim Ansang 7l/z Uhr. Luise». Auf goldenem Boden. Am sang 8 Uhr. Central. Die kleine Exccllenz. Ans ?>/, Uhr. Carl Weih. Die Jagd nach dem Glück. Anfang 8 Uhr. Bclle-Zllliancr. Läuschen u. Nimels Hanne Nütes Abschied, Ein ttciuer Beamter aus Osipreunen, Jochen Pasel, wat büst sör'n Esel Anfang 8 Uhr. Bietorin. Berliner Bilder. Aiifang 8 Uhr. Friedrich- Wilhclnistädtischcs. Allein in London. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitätenvorstellung. Die verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialitnten- Dorslcllnng. Im Reiche deS Jndra. Anfang 7V2 Uhr. Balast. Specialitäten- Borslcllung. Aniang 71/. Uhr. Vte chshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage< Panoplitni». Special! tntcn-Vorstellnng. Urania. Jnvnlidciistr. k;7/«iÄ. Täglich abends von ö— 10 Uhr Slcrnivarie. Tandenstrasie 48/49. Abends 8 Uhr:„Bon den Alpen zum Vesuv". Im Hörsaal: Professor Lann. »Wie ficht es aus dem Monde auo?" CchillttThtliter tWallner-Thcater). Mittwoch, abends 8 Uhr: rriilscUvrcilcr'. Schauspiel in 4 Akten von H. v. Wentzel und Ferd. Runkel Donnerstag, ahendS 8 Uhr: Zum erftenmale: Der l'robejifeil. Freitag, abends 8 Uhr: Der Probepfeil. Thalia-Theater. Tel. Amt I Va 644 0. Dretdenenir. 72/73. Täglich: Ricsenlachcrfolg k In» Hi»ttNtelhof. Thomas, Thielscher, Helm«ding, Junkerulaun, Paulmüller. Anfang 7»/, Uhr. Morgen und folgende Tage: Jin Himuielhof. OsR'IHV SisK-taiei' Gr. Frankfiirterftrasic ISS. Die Jas� Uhr. Sonnabend, dcil 24. Februar 1000: Cr« Cnfcls-Fesi und lotste f diesjähr. Masken-Ball. Grosser aktueüor Festzug. Wohl herAmMg-Mjjlv. Itlzrincimchlacht. 5 0 0?I i t vv I r k c n d«. Cipkus Schumann. Heute, Mittwoch, den 21. Februar, abends 7� Uhr: Croße lülsicrorh.PorstellNg. 10 der best. Nummern d. Programms. Direktor Alb. Schumann mit seinen anerfannt unerreicht dastehenden Originaldressuren. Zum Schlum Zum 19. Male: Dr. Faust. (Anfang der Pantomime 9 Uhr). Eine roinantisd,-phantastische Hand- lung in 3 Abteil, nigeu von August Siems. In Scene geietzt v. Dir. Albert Schuman» und Ho»- Balletinicistcr A.Siems. Musik von R. Hcyer. Regie Ballettmeister Reifingcr. I.Akt: im Sludlerzlmmer des Or.Fanst. I>» Deiche der l iebe. T. Akt: Ein Schützenfest Im 16. Jahrhundert. 3. Akt; Die Herzogin von Parma. Der Hezensahhat ans dem Blocksberge. Fausts Höllenfahrt. W. Noacks Theater, Brimneiifirabc 16. Heute, Mittivoch, den 21. Februar: �Vogon Privatfcstlichkcit keine Vorstcllnng. Donnerstag: Grosse Extra-Theatcr-Vorstcllnng. NolitUl-Vliiteil-Koilig, prachtvoll nii» sehr dillig, wieder neu eulgcrrosfcn. �PsnNdglasÖäPf.��� Butter- u.Delifaiesseilhaildluilg Btlo Krause, 7/15 Greifswalderstr. 226 und 10. ör. mi Sohaper, spÄ'rzf«; yfmd'aMtf'-nfeiJm Frauen-KrnnhbeUcii. Königgrätzerstr. 27. Spr. 9-1. 4-7, Hoiiiü«i>atIi. Poliklinik: Montag, Mittwoch, Sonnabend, Ab. 7—8; Friedrichstiasse 114, I. Achttwg! iffloallitl A>l>t«ns! Dontterstag, den AÄ. Februar er., abends 8 Uhr: Grösje Htlitlillje KommltNlWljhler-BechminlW im Saale der Arendsschen Brauerei, Tnrmstr. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Stadtv. Dr. Furt Frendenberg über: Die bevorstehende Stichwahl. 2. Diskussion. Zahlreiches Erscheinen erwartet__ 219/10__ Das Walilkomitee. «7 z Nlltm'-Keilvkchhren. _ Haut-, Harn- n Blasenleiden, Ci Aranrn-Krankhcit.» heilt sicher Z ohne BerilfsstZriing. f3444ü� ZV WarillPI' Wakistrahe 23, H a. ndljllci, 9-2 5-9©t. 9-2 Seil wltze, Wasserttaor- Str. 1/2. [ Behandlung aller Haut-, Blasen-! und Harnleiden ohne Berufs-! | stSrung. 3575L*| Sprechstunden 0—2, 6—9. | AM" Bei Borzeigung der\ \ Berbandskarien 10 Proz. ,o l Baustellen in Schänebcrg mit»lästiger Anzahlung, genehmigter Zeichnung und Bangcld. Adressen unter U. 2 an die Expedition des„Vorwärts". 2416b FaSbe, 44. Elsasserstr. 44. Behandlung aller Haut-«. | Harnleiden ohiieBeriissstörung Sprcchst. 9 morg. bis 9 abends, Sountag u. Donnerstag 9—3. 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Dtslnisioii und Anträge. 3. Verschiedenes. 79/S Die Bertraneiwmänner haben eine Sinndc vor Beginn der Bsrsaiilin- limg zu erscheinen, cbellso die EeschästSkomuiissian. (gesperrt»»d ,z»»leiden sind Bau Neue Friedrichstrabe Amts- und Landgericht. MeisterH a rd t, Gitschinerstr. 91. S o m m e r l a t t c Stralau, M eier, A» der Stadtbahn 47; Bend ix Söbue, AndrcaSs Del- � AndrcaSstr. 32. F.lnbei-iifer. Lclluegelslzergs Eeslsäle, Inhaber: Max Schindler.— Telephon: Amt IV Ztr. 1132. Heute: Grosser Ball ab? SPecinlität: Pfannkncbearegen verbünde» Mit Schlangen- und Apfelsinen-Regen und diversen Ueberraschungen. Täglich: Specialitäten-Vorstcllnng. Entree st ei. Empschie den geehrten Eeivertschasten, Vereineu, Fabriken zc. meine Säle, 300 nnd 1200 Personen fastend(mit Bühne) zu Vcrsamm- Ipiigen nnd Festlichkeiten jeder Art. 33BSV fglsst-Htegter früher Feen-Palavt, Burgstr. 22. hciltl Itiltjij„Lb.. Helene V o tz. Einmalige Zlussünrnug: Im meiken NölZl« Röschen— Helene Vom«. Auftreten bedeutender(Säfte und Knnst- Specialilätcn. Rlesen-Frogeamm. Ansang Uhr Lowerkanf 11 bis 1 Uhr. Nach der Vorstellnilg: 7anz- krilnzoben. Besucher der Borstelliing haben Frel-lanz. Ehrenkarten und (Suticheilic haben Gültigkeit. Hettbii«er»tr. 4a. Honte Mittwoch: H e I ii e S e 1 r e e. Morgen Don ncrstag: UMtsniis Norddtiltsllie Taiigtr Bockbier-Anstich. Dienstag, 27. Februar: Gr. Fastiiachts-BnII. __ Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger Au fang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 60 Pfennig. Vorvcrkans 40 Pf. Eroßartiges Progriiim! AchtMlg! Donnerstag, de» SS. Februar li>«l>. abendS 7 Uhr, bei Paater. Jnsclslr. 10: Oefsentliche Bersantmlnng. Tages-Ordnung: 1. Sitnationsbericht über den Streik. 2. Beschlustfastung über denselben. 3. Diskussion. 101.4 Pstichl eines jeden, auch in Arbeit Stehenden, ist es, wegen der wichtigen Tageoardnung zu erscheinen. Sämtliche Maler, weldie Kleberarbeite» verrichten, sind besonders ein- geladen._ Die tiohiikomiiilsaion. Metallarbeiter! Douuerstag, de» Z°Z. Februar abends 8 Uhr: Oeffentliche Gersammlung in Kellers Festsnlcn, Koppenstr. 20. TageS-Ordnung: Abttchllmlg voiil Agitütioiis- tinti Utlterstjihliiigssoütis. Die Kallegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen.— Die Vertrauensmänner-Koiisercnz für den Süden fällt diesen Monat aus. 115/1 Der Bertraneiismaiiu: Otto Naetiier, S., Annenstr. 39. l"Mg Sotmldemollrattscher Mklhlverem Tettow-Beeslww-Storkolv-Ehllrlotteiibmg Douncrötag, den 22. Fcbrne.r er., abends 8Us Uhr: MP" Mitglieder- Werfammlung'WW in der„Gambrinnö-Branerci", Wallstr. 04. T a g o S- O r d n u n g: 1. Vortrag des Genusteu P. Jahn über:»Die materialistisch« Ge- schichtsanifastimg." 2. Abrechnung von der Kommuiialwahl. 3. Abrechnung vom 4. Quartal sowie vom Stiftungsfest. 4. Vcreiiisangelegenheiten. ätÄiT' Hierdurch werden die Mitglieder, die noch mit ihren Beiträgen im Rückstand find, aus Z 10 des Statuts aufmerksam gemacht. 350/3__ Der Voraland. Acintuflig, Wedciing! Großer öffentlicher Bortrag Fftp Oamen und Herren im„Nene« Nnturheilvereiu" Charlottcuburg-Berlin (Borsitzcndc M, Kubas im„Äöslincr Hof«, Berlin X., Köslinerstr. 8 Fttitllg, Kit tl geöriiöE IM, abends%% ttje, spricht Frl. M. Kifilje, MalurlieilkUDdlge über Nerven- und Geistes- Krankheiten. Unsere heutige Jrrenpflege. Es werden Krank« vorgestellt. 24g3b Es versäume niemand, diesen interessanten Vortrag zu besuchen. Um zahlreschen Besuch bittet__ Der Vorstand. Jede Frau muss ihrem MannT Carola-Kaffee vorsetzen, denn i Thee- löffei Carola-Katfee um sich 2 Tassen vorzüglichen gesundheitlich zuträglichen alfeös herzustellen. Halb ßohnon- Jiefcrt in Stärke und Goschuinck ein tränk, trotz dieser Vorzüge kostet 5IO Pfg. Uoboralt zu haben. künstliche Zähne, 3 M. a», vor» Plombieren, Zahiischm. bes. und bald Oaroia-Kaifee lusgezoichnetcs De - Pfund Carola-Kaft'ee nur [26341� zliglich, seht schmcrzl. ein. Plombieren, ichmerzf. Zahnziehen, Zahiischm. bes. Rcp. sos. Olaldftein, Orantenstr. k23. 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