Nr. 44. Abonnements-Kedingungrn: SlbonnemenlS-PretZ pränumerando: vierteljährl. 3,30 3Jir, monotl. 1,10 SDlt., wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer s Psg. Sonntags- Nummer mit illullrierler Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: ZLO Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- PretSltste für lg cid unter Nr. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, fiu da» übrige Ausland S Marl pro Monat. «rscheiuk täglich aufter ZvonUg», Nerlinev Volksblettt. 17, Jahrg. Die Inserttons- Gebühr beträgt für die fechsgefpallene Kolonel« zeile oder deren Raum SO Psg., für politische und gewerkschaftliche BereinS- und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Psg. snur da« erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen btS 1 Uhr nachmittags in derExpedilton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher:»mk I, Nr. rflfe: 1500. Telegramm-Adr� „Sorialdemokrat Berlin" Csntralorgan der soricddemokratifcisen Partei Deutschlands. Nrdaktion: L'V!/'. 19, Veutlz-Straszr 2. Expedition: 3M. 19. Benth-Strasze 9. Belagerungszustand im sächsischen Kohlen-Revier. Gegen den Ausstand der Bergarbeiter gehen die sächsischen Behörden in einer Rücksichtslosigkeit vor, wie sie selbst in Sachsen bisher in solchem Matze unbekannt war— dem Protzcntum der Gritbenbarone zum jubelnden Frohlocken, den armen, schwer um ihr Dasein ringenden Proletariern zum erbitternden Trutz. Die Bckamitniachung der Zwickauer Amtshauptmannschaft, deren das Versammlungsrecht vernichtenden Inhalt wir bereits kurz mit- geteilt haben, hat das Anrecht, im Wortlaut der breitesten Oesfentlich- keit bekannt gegeben zu werden: Bekanntmachung. Mit Rücksicht auf den Ausstand der Bergarbeiter ordnet die königliche Anitshanptmannschafr zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit hierdurch für die Ortschaften Ober-, Niederplanitz, Ober-, Niedcrhetzlau, Wilkau. Culitzsch, Vielau, Oberhohndorf, Eckersbach, Friedrichsgrün, Marienthal, Lichtentanne mit Brand, Stenn, Schönfels, Thanhof, Reins- dorf, Pöhlau, Schedewitz, Cainsdorf und Bockwa bis auf weiteres an, 1. datz sämtliche öffentliche Schank- und Gastwirtschaften, mit alleiniger Ausnahme der Bahnhofs- Restaurationen zu Wilkau, von abends V2II Uhr ab bis zum andern Morgen S Uhr für allen Verkehr geschlossen werden müssen, 2. datz die Abhaltung öffentlicher Bcrsamiulungen sowie 3. die Abhaltung öffentlicher Tanzmusiken zu unter- bleiben hat. Zuwiderhandlungen werden, sofern nach den bestehenden Ge- setzen und Vorschriften nicht härtere Strafen einzutreten haben, mit Geldstrafe bis zu 150 M. oder mit Haft bis zu 14 Tagen geahndet ivcrdcn. Zwickau, am 17. Februar 1900. Die königliche Amtshauptmannschaft. Dr. Schnorr von Carolsfeld. So wird das gesetzlich den Arbeitern gewährleistete Koalitions- recht ausgelöscht.„Zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit"— sagt die Behörde. Aber nirgends war irgend- wie im gcringstcu die öffentliche Ordnung und Sicherheit ge- fährdet. Ueberall im Zwickaner Revier herrschte absolute Ruhe und Ordnung. Die Behörde„nimmt an", das genügt! Gründe für ihre Annahnie führt sie nicht an. Es ist auch unabsehbar, woher sie Gründe nehmen sollte. Das bequemste ist jedenfalls, etwaige Gründe, die sie anführen zu können vermeint, zu verschiveigcn, so datz niemand sie auf ihre Stichhaltigkeit prüfen kann. DaS Versammlungsrecht ist vollständig in das„Ermessen" der Behörde gestellt. Und seltsamerweise geht das Ermessen in diesem Fall wie hundertmal früher dahin, datz das Vcrsammlungs- recht der Arbeiter vernichtet werden müsse! Doch nicht genug damit, datz das Versammlungsrecht mit einem Fedcrzug ausgestrichen ivird. Die sächsischen Behörden erweisen sich Attgust Bebel. lZum 60. Geburtstag.) Weite Welt und breites Leben, Langer Jahre redlich Streben, Stets geforscht und stets begründet, Nie geichlosscn. oft geründet, Ael teste S bewahrt mit Treue, Freundlich aufgefatztcs Neue, Heitern Sinn und reine Zwecke: Nun, man kommt wohl eine Strecke. Diese Verse schrieb Goethe am Abend seines Lebens, im Jahr 1817, in traurig zerfahrener Zeit der einzige Deutsche, der mit so gelassener Zuversicht auf ein wohl vollbrachtes Tagewerk zurückblicken konnte. Seitdem sind achtzig Jahre verflossen, und ei» neues Geschlecht von Menschen ist erstanden, dem Goethes Bekenntnis wie aus der Seele gesprochen ist, ein neues Geschlecht von Menschen, dem die unvergleichliche Grötze seiner historischen Aufgabe jene ge- lasiene Zuversicht gicbt. die vor achtzig Jahren nur dem Einzelnen die unvergleichliche Grötze seiner Begabung geben konnte. Der erste aber aus diesem neuen Geschlecht, der in die deutsche Geschichte eintrat,>var der Mann, dessen sechzigsten Geburtstag die deutsche Arbeiterklasse heute feiert. August Bebel wurde am 22. Februar 1840 geboren, in einem kleinen weltcntlcgenen Neste; die Armut stand an seiner Wiege und begleitete ihn durch seine LÄndhcit, durch die ersten Jahre seiner Jugend. Als Handwerks- bursche ivandcrte er in Teutschland und Ocstreich; so traurig ivaren damals die Zustände seiner Klasse, datz er eine dürftige Quelle geistiger Nahrung und gemütlicher Erqnickung nur in den katholischen Gescllenvercincn fand, denen er deshalb immer und trotz alledem eine freundliche Erinnerinig bewahrt hat; als östreichischer Freiwilliger wollte er den jlrieg um die Unterjochung Italiens nutmachen; auch zu prciihischen Militärdiensten meldete sich der Jüngling, der als Mann ein wirksamster Gegner des Militarismus ivcrdcn sollte. Dann aber schlug ihm seine Stunde, als er im Februar 1861, gerade jetzt vor SS Jahren, einer Arbeiterversammlung in Leipzig beiwohnte; nun lag klar vor ihm sein Ziel: Weite Welt und breites Leben, Langer Jahre redlich Streben. In der gewaltigen Woge erwuchs der rüstige Schwimmer. Bebel selbst hat zu Zeilen ivohl darüber gesprochen, datz ganz andres aus ihm hätte werden können, als thatsächlich aus ihm geworden ist, wen» dieser oder jene kleine Zufall seinem Lebenslauf eine andre fabelhaft erfinderisch. Jeder Tag bringt neue Matznahmcn. Die Amtshauptmannschaft in Glauchau lätzt allen Gemeinden eine Verfügung zugehen des Wortlauts: „Alle ansländischcn am Ausstand beteiligten Berg- arbeitcr müssen wenigstens binnen 24 Stunden die Arbeit wieder aufnehmen, im andern Falle die Ausweisung un- verzügltch erfolgen werde. Die Wiederaufnahme der Arbeit haben sich die Betreffenden von den Werken bescheinigen zu lassen und die Bescheinigung bei der Behörde niederzulegen." Dieser Anlveisung entsprechend sind bereits zahlreiche Aus- Weisungsbefehle durch, die Gcmcindcvorstände an ausländische Ar- beiter ausgehändigt worden. Zum Teil ist ein Verlassen des sächsiscben Gebiets binnen 12Stunden angeordnet worden, sonst sind 24 Stunden Frist gegeben; für Arbeiter, die Frau und Kinder mit sich haben und vielfach Jahre lang in Sachsen seßhaft sind und ein einwandsfrcies Leben führen! Dabei ist von den ausländischen Arbeitern ebenso wenig ivie von den einheimischen auch nur eine einzige Ausschreitung begangen worden, auch spielen die Ausländer in keiner Weise eine führende Rolle im Streik. Natürlich würde lebhafte Entrüstung der sächsischen Behörden antworten, lvenn jemand behaupten wollte, derartige Matznahmen würden behufs Parteinahme für die Unternehmer und gegen die Arbeiter getroffen. Sächsische Behörden sind nicht parteiisch gegen Arbeiter. Auch streikende Arbeiter sollen von sächsischen Behörden nimmermehr„minderen Rechts" gemacht werden. Alles geschieht„im Interesse von Ordnung und Sicherheit" und auf Grund formeller Berechtigung durch das Gesetz. Schade nur, datz das alles die thatsächliche Wirkung hat, die Rechte, vermittelst deren allein ein geordneter und die öffentliche Sicher- heit nicht gefährdender Lohickampf geführt werden kann, für die Arbeiter zu beseitigen. Natürlich, die sächsische Behörde denkt gar nicht daran, gegen den Streik Partei zu nehmen. Das wäre ja ungesetzlich. Der Hüter des Gesetzes handelt niemals ungesetzlich in Sachsen. Die sächsische Behörde will nicht den Unternehmern dienstbar sein, nicht den Arbeitern die Lust nach ein wenig erhöhter Lebensführung austreiben, indem sie die östreichischen und sonstige» ausländischen Arbeiter ivofern sie nicht als „Arbeitswillige" von den Ausständigen abfallen und auf Gnade und Ungnade in die Unternehmerfrohn zurückkehren, �dcs Landes verweist. Wie dürfte das eine sächsische Behörde? Sie will nur„im Interesse von Ordnung und Sicherheit" die Ausländer ab- schieben, wie sie„im Interesse von Ordnung und Sicherheit" das Versammlungsrecht aus der Welt der bürgerlichen Freiheit ver- schivinden lassen will, als lebten wir in der Zeit der Rechtlosigkeit und Sklaverei, nicht in der Zeit, wo auch der Arbeiter ein gleich- berechtigter Staatsbürger— so steht es auf dem Papier der Verfassungsurkunde geschrieben— sein soll. Wir richten die Aufmerksamkeit der weitesten deutschen Ocffcnt- lichkeit auf diese Vorgänge in Sachsen. Wir fordern die Reichs- regierung auf. schleunigste Fürsorge zu treffen, datz nicht durch die geschilderte Anwendung und Auslegung von einzelstaatlichen Landes- gesctzen und Befugnissen fundamentale reichsrechtlich gewähr- leistete Rechte der Arbeiterklasse dieser entrissen werden! Wendung gegeben hätte. Wäre Bebel, das preußische Soldatcnkind, nicht von der Musterungskommission für untauglich zum Militär- dienst erklärt worden, so wäre er heute vielleicht— wer mag es wissen?— ein Gendarm, der dem proletarischen Emancipations- kämpf mit heiligem Eifer auf den Hacken sätze. Allein so anregend solche Gedankenspicle sein mögen, so enthalten sie doch immer nur eine halbe Wahrheit, die dem historischen Urteil ebenso ge- fährlich werden kann, wie jene andre halbe Wahrheit, die sich in dem bolden Philistertroste verkörpert, datz jeder Mensch seines Glückes Schmied sei. Der historische Prozetz ist immer ein dialektischer Prozetz; cS kommt nicht nur darauf an, was die Dinge aus dem Menschen, sondern auch darauf, was der Mensch aus den Dingen macht. Goethe hat mit seinen Sonnenaugen auch hier auf den Grund gesehen, als er sagte:„Alles kann der Edle leisten, der versteht und rasch ergreift". Der Zufall mag Bebel in jene Leip- ziger Arbeiterversammluug geführt haben, aber was e r aus diesem Zufall gemacht hat, wie er ihn verstand und rasch ergriff, das ist seine That, sein Ruhm, sein Verdienst. Es ist unmöglich, an dieser Stelle auch nur in flüchtigsten Um« rissen die gewaliige Arbeit Zsti schildern, die Bebel im Dienste der Arbeiterklasse vollbracht hat. Auch hat eS keine Not, datz die deutschen Arbeiter diese Dienste je vergäßen. Wenn wir»och einen besonderen Blick auf seine parlamentarische Thätigkeit,'werfen, so nicht deshalb. weil wir diese Thätigkeit höher einschätzten, als seine agitatorische oder organisatorische oder schriftstellerische Wirksamkeit, sondern weil hier ein unmittelbarer Vergleich zwischen dem alten und dem neuen Geschlecht der Menschen möglich ist. Es hat vielleicht noch beredtere und gewiß noch gelehrtere oder geistreichere Parlamentarier gegeben, als Bebel ist; einige wenige mögen auch ebenso lange wie er. derben parlamentarischen Kampf nun schon ins vierte Jahrzehnt führt. auf diesem Kampfplatz ausgeharrt haben, aber kein bürgerlicher Parlamentarier Hai je fertig gebracht oder wird je fertig bringen. eine so lange Zeit hindurch immer gleich frisch, immer gleich klar, immer gleich fest in den Grundsätzen und immer gleich gewachsen jeder noch so wechselnden politischen Situation die Sacke einer großen Klasse zu führen. Das ist so geblieben vom ersten Tage an., als Bebels noch halb im Jünglingsalter, ein Einzelner in einer lachenden und spottenden Menge, mit hell klingender Stimme die Forderungen des Proletariats anmeldete, bis zum heutigen Tage, Ivo er an der Schwelle des Grciscnalters einer starken Fraktion voran kämpft, die den Gegnern das Lachen und Spotten gründlich abgewöhnt hat. Diese schlechthin einzige Erscheinung wird von dem alten Geschlecht nicht einmal verstanden. Bebel besitzt auch die Achtung der Gegner in so hohem Grade, datz er vor ihren absichtlich übelwollenden Urteilen ziemlich geschützt ist. Liest man aber, was Wir erhalten noch folgende Zuschrift aus dem sächsischen Streik- gebiet: Der Streik steht fortgesetzt unter dem Druck behördlicher Matz- regeln gegen die Streikenden. Die Flugblattausträger werden an- gehalten und ihnen die Flugblätter abgenommen, ebenso Sammellisten samt den gezeichneten Geldbeträgen konfiscicrt, kurzum.allerlei Schikanen sind die Streikenden seitens der Gendarmerie und Polizei- Organe unterworfen, und doch kann konstatiert werden, datz die Ruhe deshalb nirgends gestört worden ist; das Verhalten der Ausständigen ist ein mustergültiges. Trotzdem ist ein größeres Gendarmerie-Aufgebot im Streikrevier thätig, und wie verlautet, beabsichtigt der Minister M e tz s ch, auch Militär in das Streikgebiet zu entsenden. Unser Parteiorgan in Zwickau, das bisher nur dreimal in der Woche erschien, wird jetzt täglich herausgegeben, damit von dieser Stelle die Streikenden informiert iverdcn und auf sie eingewirkt wird. Wie ein Berliner Blatt berichtet, sind die Unternehmer von der Ausdehnung des Streiks überrascht und bedauern jetzt, datz sie den Arbeitern nicht mehr Entgegenkommen gezeigt haben. Die Unternehmer mögen sich bei der Regierung bedanken, denn diese hat wesentlich durch ihr Verhalten die Stimmung er- bittert. Der Friede, und vor allen Dingen ein dauernder Friede, kann mit Polizeimitteln nicht diktiert werden. ZDolikifche Mvbevfichk. Berlin, den 21. Februar. Die wiedergewonnenen Brüder. Nach kurzer Pause hat der Reichstag seine Arbeiten wieder aufgenommen und der erste Tag bedeutet eine böse Schlappe für die Neichsregierung. Seit fünfund- zwanzig Aahren hat der Reichstag zu vielen Malen die Be- seitigung des Ausnahmerechts gefordert, das die wohlwollende Regierungskunst der Reichslenker über die 1871 erworbenen Reichslande verhängt hat. Die Reichsregierimg hat diesem Verlangen der Volksvertretung beharrlich Widerstand entgegen- gesetzt und so stand am Mittwoch wiederum der Antrag der Vertreter von Elsaß- Lothringen auf der Tagesordnung, der die Aufhebung der außerordentlichen Ge- walten des Statthalters von Elsaß-Lothringen fordert. Während gewöhnlich die Regierung ihre Achtung vor dem Parlament dadurch zu beweisen beliebt, daß bei Beratung von Anträgen aus dem Hause alle bundesrätlichen Bänke leer bleiben, mußte die Regierung bei dieser Beratung, da sie wichtige auswärtige Verhältnisse streift, auf dem Platze sein. Fürst Hohenlohe, des Reiches Kanzler, erschien in hoch- eigener Person. Die Bedeutung der Aktion ließ den Fürsten um beinahe einen Zoll über seine übliche Lcibeswinzigkeit hinausgewachsen erscheinen, der sonst tief in die Brust gebohrte Kopf schien freier emporgehoben, und wirklich, Fürst Hohenlohe produzierte sich in fast ungeahnten Neigungen— zum starken Mann. Die jugendliche Kraft dehnte sich zwar nicht aus auf die Beredsanikeit des Kanzlers, denn solche übt er nur lse s e n d, aber sie erging sich um so machtvoller in der Vertretung des Regierungswillens, daß eine Aufhebung ihre gelehrten Häuser über ihn schreiben, so erscheint er in all' seiner Geschlossenheit als ein wunderliches Doppelwcscn. bald als absterbende Mnmit. bald als jngendfrischer Kämpfer, und manchmal nennt ihn dasselbe gelehrte Hans bald so, bald so. In den verkrüppelten inib verkrüppelnden Zuständen des alten Geschlechts weiß höchstens noch ein überragendes Genie, was ein ganzer Mann und was ein volles Leben ist; auf das Klagen wie auf das Frohlocken sei es über seine Principienrciterei, sei es über seine Mauserungen darf Bebel lächelnd antworten: StetS geforscht und stets gegründet, Nie geschlossen, oft geründet. Aeltcstcs bewahrt mit Treue, Freundlich aufgefaßtes Neue. Das neue Geschlecht dersMenschen, das der proletarische Emancipa» tionskampf geschaffen hat, ist ein glückliches Geschlecht. Seine reinen Zwecke geben ihm den heitern Sinn, der, unverwüstlich durch allen Drang und Sturm, noch der bitter» Not zu trotzen weiß und auch die Schrecken des Todes verscheucht. Wie viele aus diesem neuen Geschlechte sind freudig in den Kanipf gcslürnn, wohl wissend, datz sie nach menschlichem Ermessen in einen frühen Tod stürmten. So auch Bebel, von dem keiner derer, die vor einem Menschenalter den blassen schmächtigen Mann in seiner ruhelos aufreibenden Thätigkeit sahen, je geglaubt hat, datz er seinen sechzigsten Geburtstag in ungebrochener Rüstigkeit erleben Ivürde. Er hat dies Glück mit seiner Arbeit redlich gezahlt, wie auch das andre Glück, das ihm schon in jungen Jahren eine Lebensgefährtin schenkte von jener echten und unerschöpflichen Hcrzensgüte, die des Weibes schönster Schmuck, des kämpfenden Mannes süßester Trost ist. Sein Buch über die Emancipation der Frau hat in viele Tausende von Frauenherzcn neue Hoffnung gegossen. und jede Frau, die an den Sklavcnkctten ihres Geschlechts rüttelt, Ivird heute ihres Vorkämpfers gedenken. Ilm das Glücks- gefühl, womit Bebel auf sein Tagiverk zurückblicken darf, können ihn Könige beneiden, und er selbst wird seine Narben nur zählen, um sich seiner Siege zu freuen. Danach aber glauben wir, datz die deutschen Arbeitcr dem rast- losen Streiter, dein die Pflichten des Rekruten immer lieber gewesen sind als die Neckte des Veteranen, zn seinem sechzigsten Geburtstag nichts andres wünschen können, nichts andres wünschen werden, als ein Jahrzehnt neuer Kämpfe und Siege, bis ihn dann an seinem siebzigsten Geburtstag das Wcltproletariat grüßen wird mit dem Worte des deutschen Wcltdichtcrs: Heitern Sinn und reine Zwecke: Nun, mau kommt wohl eine Strecke. Scr Slsatz-loMichischcn Ungerechtigkeiten n i ch t i n Aus- ficht zu st e l l e n sei. Die Regierung ist keine schwache Regierung. die sich um die Wünsche der Äevölkerung kümmert, sie ist_ eine starke Regierung, die eine Macht- befugnts, die sie einmal hat, sich nimmermehr entwinden läßt. Die starke Regierung entbehrt auch nicht der die Stärke ergänzenden Eigenschaft der— sagen wir: Ntcht-Weisheit in dem Versuche, ihr Verhalten zu rechtfertigen. Zwar sei, so las der Kanzler, die Bevölkerung von Elsaß-Lothringen „deutsch gesinnt Niid loyal", aber irgendwo gebe es doch noch einige Leute, die noch nicht genug deutsch und genug loyal seien. Zwar, las der Kanzler weiter, seien unsre Beziehungen mit Frankreich die allerbesten, aber es könne doch eittinnl anders werden:„darum" müsse die Regierung den Diktl�urparagraphett beibehalten. Die Erklärung des Reichskanzlers stieß bei fast allen Parteien des Reichstags auf eine um so lebhaftere Abwehr, als sie im Widerspruch steht nnt Aeußernngen deö Reichs- kanzlers vom Jahr 1895, wo»Nr„zur Zeit" noch die Be- seitigung des Ausnnhinezustaudes vom Fürsten Hohenlohe für nicht angängig erklärt worden ist und zwar in so milden Wendungen, daß eine baldige Erfüllung der Forderung erwartet werden koUnte. Die gänze kleine Hecrschnar der Elsaß- Lothringer machte alsbald mobil aegeü die Regierungserklärung, und der Kanzler, der sich durch seine starke Vorlesung sichtbar- lich erhoben fühlte, schrumpfte von Redner zu Redner tiefer in sich nnd in seinein Fautcnil zusammen. Der ehrwürdige Stadtpfarrer W t n t e r e r. der Justizrat Riss ans Straß- bürg, Hospitant der freisinnigen Vereinigung, der Schrift- steller H anß, der neugewöhltc Rechtsanwalt Vonderscheer, sowie die Herren P r e i ß und W e t t e r l e, sie eröffneten ein wahrhaftes Kesseltreiben, in dein der Diktätnrparagraph und das reichsdtutsche Gewaltrcgiment in Elsaß- Lothringen moralisch zur Strecke gebracht wurden.- Die Herren aus den Reichslanden schilderten an zahl- reichen Beispteleir die unseligen Zustände in ihrer Heimat. Sie wiesen nach, daß die Bevölkerung keinerlei Anlaß ge- geben habe zur Aufrechterhaltung der Diktatur.(£ie forderten für die Reichsländer Gleichberechtigung mit der übrigen deutschen Bevölkening. Ja, in ihrem eifrigen Drangs, das häßliche Unrecht zu beseitigen, überboten sie sich in Be- teuerungen ihrer guten deutschen Gesinnung, als ob mit der Hinweg räUmung des Tiktaturparagraphen- Unrechts alles Unrecht beseitigt sein und nationalliberale Reichshoffart in der keichsländischen Bevölkerung Einzug halten würde. Die Herren mußten sich denn auch gefallen lassen, daß der Kommissar der Landesverwaltnng für Elsaß-Lothringen, Geheimrat H a l b e g ihnen bemerkte, die Regierung müsse doch erst abwarten, ob die Versicherungen des„guten Deutschtums" auch die richtigen„Praktischen Folgen" bringen würden, d. h. natürlich die Aufgabe jeder oppositionellen Meinung. Inmitten der argen Bedrängnis, in die der Reichskanzler geraten war, sollte ihm seltsame Hilfe kommen. Des Reichskanzlers Sohn— genannt das„Reichskind"— Vertreter des elsaß- lothringischen Wahlkreises Hagenau- Weißenburg, Bezirkspräsident für Ober- Elsaß, eilte herbei, den Karren der väterlichen Politik aus dem Sumpfe zu hebe», aber ach, er schob ihn nur um so tiefer, rettungs- los tief tn den Sumpf hinein. Der Reichskanzlersproß, ein noch junger Mann, aber einer von den jungen Männern, die bereits alt auf die Welt gekommen erscheinen, ist fast so zier- lich und winzig wie sein Herr Papa nnd würde sicherlich schon heute das müde Haupt ebenso tief herabsenkeii, wenn nicht ein mindestens 15 Eentimeter hoher, jedes Gigerl Neidgefühl erweckender Halskragcn ihm nach oben Halt und Stühe gewährte. Prinz zu Hohenlohe verteidigte den Diktaturparagraphen. Aber ach, der Retchsbeamte nnd Freund des Ausnahmegesetzes Hohenlohe karambolierte alsbald lebensgefährlich mit dem Abgeordneten Hohenlohe, der seine Wahl im Jahre 1898 mit der Ziisichernng betrieben hatte, daß er die Gleichstellung Elsaß Lothringens init dein übrigen Reiche wolle. Der Prinz suchte sich ans dem Wider- spruch seiner damaligen Versprechungen und seiner jetzigen volksfeindlichen Haltung herauszuwickeln, aber lebhafte Heiter- keit drS Reichstags zeigte ihm, wie wenig der Versuch geglückt ist. Und das Resultat seiner Rede war, daß die staats- männischen und diplomatischen Fähigkeiten des Prinzen— an dieser Rede gemessen— allenthalben so bedeutend erschienen, daß der Prinz, nicht nur als Sohn seines Vaters, berechtigten Anspruch aus sehr schnelle Veamtenlanfbahn erheben darf; wenn er sich fürder so verheißungsvoll entwickelt, wird ihm die Lese- Nachfolge seines Vaters sicher sein. Daß er sich dabei um sein Mandat in Hagenau geredet hat, wird ihn nicht allzu arg grämen. Nach dem verunglückten Unternehmen des Prinzen zu Hohenlohe kamen die Vertreter zweier der großen Parteien zu Wort, die den elsaß-lothringischen Beschwerden die Majorität des Hauses sicherten. Herr Gröber vom Centrum hielt eine gute Rede gegen das System, das durch Unterdrückungs- maßnahmen Vertrauen und Liebe gewinnen zu können der- nieint. Er bemerkte recht treffend, wie wenig passe doch die großangelegte W e l t p o li t i k, die nian nach außen jetzt betreibe, zu dieser Winkelpolitik des Mißtrauens, die in Elsaß-Lothringen umgehe. Von socialh�mokratischer Seite sprach Singer, der zu- nächst betonte, daß unsre Partei, wie früher wiederholt, so auch jetzt einen ganz ähnlichen Antrag wie derjenige der Elsaß- Lothringer eingebracht, also die Ausrottung der abscheulichen Mißbrauche auf Grund des Diktatur- Paragraphen stets verlangt habe. Keinerlei Gründe seien von der Regierung vorgebracht, um die unerhörte Vergewaltigung der elsaß-lothringischen Bevölkerung zu rechtfertigen. Wie könne mau solckie Chitanerei und Quälerei betreiben, wenn tn den Verhältnissen der Reichslande nichts gegeben ist, was Ausnahmebestimmungen gegenüber den übrigen Rcichsteilen nötig mache? Singer zeigte ferner an einer Reihe von Fällen, wie kleinliche Versolgnn�ssucht gegen angebliche französische Neigungen durch den Geist des Diktaturparagraphen großgezogen und wie insbesondere die Arbeiter in Elsaß-Lothringen in ihrem Zcitungswesen und in ihrer politischen BewegnngSfveiheit völlig gehemnit werden. Sehr glücklich führte Genosse Singer den Prinzen Hohenlohe ab, der sich beklagt hatte, daß einige französische Blätter in den Reichslanden den deutschen Verhältnissen nicht genügende Lobes- crhebungen spendeten; Singer erinnerte den Priyzen. daß er zu solchen Ausstellungen bielleicht am letzten ein Recht habe, da seine Familie so international wie nur irgend eine, und da er selbst— der Prinz— aus Bcsitzrücksichten die Absicht ge- habt habe, russischer Staatsangehöriger zu werden. Der Stich faß; der Prinz, schwer getroffen, versuchte leisen Widerspruch, bestätigte aber nur die Berechtigung der Singer- scheu Annagelung der deutsch- nationalen Makellosigkeit derer zu Hohenlohe. Von den Konservativen sprach v. L e v e tz o w gegen die Aufhebung des Diktaturparcigraphcn— wenn die Regierung sage, sie brauche ihn, so müsse man ihn ihr lassen!—, von den Fretkonscrvattven Dr. Höffe! aus dein Elsaß und Dr. Arendt für Aufhebung. Die Abstinimung ergab eine sehr große Majorität, die bis in die Reihen der Konservativen reicht, dafür, daß das Scheusal des Diktaturparagraphen, wie Dr. DoNderschccr es nannte, ausgetilgt werde. Für die Regierung, so„Wurst" ihr auch sein mag, was der Reichstag denkt und beschließt, war der Tag nichts weniger als angenehm. Am DonNekstäg beginnt die Beratung des Militäretats. Da» preußische Abgeordnete», haus erledigte Mittwoch endlich die erste Beratung der S e k u n d ä r b a h n- Vorlage. Der Entwurf ivurde der Blidgetkonmiission überwiesen. Die zurückgestellten Titel des Domäncii-Etats und des Forst-Etats wurden nach den Vorschlägen der Budgctlominission erledigt und eine von dieser Kommission vorgeschlagene NesolutioN angenommen, wonach die Regierung ersucht wird, die D o in n n e n v e ra utz e r» n g e n und Erwerbungen, soweit sie den Betrag von 100 000 M. im einzelnen stall übersteigen, in den Rachweistnige» der bei der Domänen« und Forstverwaltung vorkommenden stlächcnoeränderimgcn au- zuführen und in einer Denkschrift zu erläutern. Der Versuch der Linken nnd des Centrums, im Interesse deS Etatsrechts das Domäncnverkaufsrecht der Reqietitug auf drei Millionen im Höchst- betrage zu begrenzen, mutzte scheitern, da die Rechte, die sich bei der ersten Lesung der zurlickgestollten Titel sehr ungebärdig gestellt hatte, sich mit der Regierung vertragen und mir der nachträglichen Nachivcisung der borgcnommcncn Veränderungen im Domäncnbcsitz begnügt hat. Die Vorlage über die AnSdehnUNg der Wasiergenossenschast auf das Ruhrgcbiet wurde in erster und zweiter Lesung iluveränderr genehmigt. Der freikonsrrvative Abgeordnete G a m p entdeckte dabei wieder einmal die Rettung der kleinen Industrie durch die billigen Wasserkräfte und prägt das Wort: Die Zukunft unsrcr Fudustrie liegt ans dem Wasser.„Kanal" riet ihm der nationatlibcrale Abg. v. E y n c r u zu. Aber davon ivill Herr Gamp nichts wissen. — Di» Vorlage wegen der Weichselregulierung winde an eine Kon,- Mission verwiesen. Auf der morgigen Tagesordnung steht die Vor- läge betr. die Polizeivcrwaltung' von Charlotteuburg, Schviiebcrg und Rixdorf und die Abänderung der Krelsordmliig. Deutsches Zteich. Portofreie BiSmarlkverchrnng. Nus Ostprenhen wird uns geschrieben: Wie bekannt, hat das KönigSberger Gericht in dem Prozetz gegen unsre»„Ostpreutzischcn Landboteu" als festgestellt erachtet, datz durch die Verschickung von Agitationsmaterial für den „Bolksfrennd", welche vom Ragniter LandratSamt erfolgte. P o rt o h i n t e r z i e h n» g verübt sei. Der Prozeß hat auf de» Landrat Graf Lainbsdorf anscheinend nicht de» geringsten Eindruck gemacht, oder aber die indirekte B e l o b i- gung durch den Minister des Innern im Abgeordiietenhause das spornt ihn zn neuen Thnten an. Der Herr benutzt nach wie vor Avers» m für die Verschickung von Schreiben, die nicht den ge- riiigsten Anspruch darauf erheben können, als amtliche bezeichnet z» werden. In diesen Tagen haben die Guts- und Gemeindevorsteher einer ganzen Reihe von Gütern und Ortschaften des Kreises Ragnit vom Landratsamt Schreiben erhnltcit, die etwa folgenden Inhalt haben: Die Sammlung füt die Bismarrk- Sänke deS Ragniter Kreises hat über-1000 Mark bis jetzt ergeben, doch vermisse ich noch den Beitrag Ihrer Ortschaft und bitte ich Sie, den Beitrag ans Ihrem Ort einsenden zu wollen. Diese Schreib«» tragen iviedcr de» Rversialvcrmrrk und sind mit der Unterschrift des Landrats v. Lambsdorf versehen. Da es zweifellos nicht zn den«nittlichon Aufgaben der Land- rntc gehört, für dir Errichtnng von BiSinarck-SäuIe» thätig zu sein, liegt abermals ein Mißbrauch des Aversnmö vor, d. h. eine Porto- hiiiterziehmig. Daneben zeigt das Schreiben des Ragniter Land- rat«, in welcher Weise die Beiträge Zu Denkmälern znsaMiiieiigebracht werde».— Das Ende des EocialistengesctzeS. Ilm den Fall deS Sodalisteiigcsetzes ist von den Gcschäftslenten der Bismärckcrei eine Legende gewoben worden. TaS Gesetz kam Januar 18S0 bekanntlich deshalb nicht zu stände, rneil die Konservativen gegen den abgeschwächten Entwurf ftuumtei» und damit den Absichten Bismarcks zn entsprechen glaubten. Neulich hat nun Herbert Bismarck im Reichstag eine bereits vor Jahr und Tag aufgetauchte„LcSart" aufgefrischt, wonach der Kanzler wohl für dos abgeschwächte Gesetz gewesen sei und in diesem Sinne auch den Mittelsmann zwischen ihn, und den Konservativen sHerrn v. Hclldorsff instruiert habe. Dieser Unglücksmensch ober habe— sei eö ans Dummheit, sei es aus Böswilligkeit— den Fürsten Bismarck»titzvcrstandcn und der konservativen Partei erklärt, der Kanzler lege keinen Wert auf ein Socinlistengcsctz ohne polizeiliche Aus- weisnngsbcfngnis. Demzufolge hätten die Konzervativen gegen das Gesetz gestimntt nnd es somit zn Falle gebracht. Gegenüber diesem Märchen von.dem MitzverständniS habe» wir im Alischhiß an Herbert Bismarcks Bchnnptuna sofort darauf hin- acwicsen, die historische Wahrheit Wiste niclils von dieiem Mißverständnis. Vielmehr habe Bismarck, der bereits ivnßte, datz die Tage seiner Kanzlerschaft gezählt seien, die Vorlage mit Flcitz'fchcitcrn lassen. indem er sich in seinen Weisungen an die Konservativen absichtlich unklar und zweideutig ans- sprach. Er spekulierte darauf, datz ohne das Socialisteiigcsctz der Kaiser bald in Verlegenheiten geraten würde, die ihm die Uiieut- behrlichkeit des starken' Mannes a»fs neue bewiesen! Bismarck ivurde, falls ihn das Selbstniidigteitsgefiihl Wilhelms II. gestürzt, unter den Wirren der socialistcngeseßloscn Zeit vom Kaiser ivicdcr zu Hilfe gerufen und im Triumph,»nächtiger dem» zuvor, als Retter in Berlin erfcheine»». Die Folge hat gelehrt, datz die Berechnung deS Heros schmählich falsch war. Und weil die Bisniärcker nun unmöglich zugeben konnte»», datz der Geniale sich so blöd»icrrechncr habe, brachten sie das Histörchen von dem Hclldorffschcn Mißverständnis auf. Jetzt veröffentlicht nun der schivcr verdächtigte ehemalige konser- vativc Parteiführer Herr v. Helldorf in der„Deutschen R e v n e" Aufzeichnungen über die letzten Tage des Schandgesetzes, die— vor der Herbert Bismarckschen Auswäriming niedergeschrieben— Wort für Wort unsre Auffastniig von den damaligen Vorgängen be- ftätigen. Neu und wichtig ist in diesen Aufzeichnuitgen die folgende Enthiillimg: „Dafür.... datz er sBiSmarcks mir nicht hat andeuten wollen, datz die Znfttmmmig zur KonnniisionSvorlage erwünscht fei, kann ick, ans Grinid zuverlässiger Jnfonnatioil folgende Thalsache mitteilen: An demselben 2i. Januar hat eine Beratung deS Staatsministcrii sKronrats stattgefunden. in welcher die Frage zur Erörterung kam. ob das Socialisteiigesetz, wie es in ziveitcr Lesung(nach der KomuitsstouSvorlagc) im Reichs- tag beschlossen ivnr, aiigellomiiicn werden köime. Gegenüber der Befürwortung der Zlimahmc der—»venu ancki abgeschwächten— Vorlage von feiten Seiner Majestät des Kaisers, hat Fürst Bismarlk die Ablehnung derselben verlangt, und da die Minister ihm beistimmte»», ist diese beschlösse»»»vvrdcu. Es handelte sich dabei, ivie ans dem dargestellten Sachverhalt hervor- geht, thatsächlich um die Frage der Abgabe det von de» Kon« servativtl» erbetenen Erklärung. Diese Thatsache ist erst nach dem Fall des SocialifteiigesetzeZ zu meiner Kenntnis gekommen— und von Wert für die Beurteilung der ganzen Vorgänge ist es, datz, wie ich erst später erfahren, jene Sitzung des Staats- ministerit vom 24. Januar vor der Unterredung stattgefunden hat, welche Fürst BlsiNarck am Abend dieses Tages mit mir halte. Dies« Thatsache lätzt es denn doch wohl als undenkbar erscheinen. daß Fürst Bismarck mir den Wunsch hat ausdrücken wollen, datz die konservasive Partei für eine Vorlage stinime, deren Ablehnung bereits beschlossen war." Diese Mitteilung ist in verschiedener Richtung bekannt. Es geht zunächst aus ihr unzweideutig hervor, datz die Ablehnung des ab- geschwächten Entwurfs seitens der Kouscrbatiden genau der Anwenung Bismarcks entsprach. Dann aber erfahren»vir, datz die Losung„alles oder nichts" vom Katset bekämpft wurde, dätz aber Bismarck mit dieser Parole bei seinen Miiiisterkollegen durchdrang. Die Miniftcr ahnten offenbar damals noch nicht den nahen Sturz Bismarcks und, da sie aus viel- jähriger Ersahrnng wußten, datz Bismarck in_ Konflikten mit dem Monarchen die Oberhand zu behalten pflegte, so zogen sie es vor, auf die Seite des Kanzlers gegen den Kaiser zu treten. Sie hielten cS für minder gesiihrlicki. es M Wilhelm II. als es mit Bismarck zu verderbe». Heute wäre eine solche ministerielle Widerspenstigkeit gegen Wünsche des Monarchen ausgeschlossen. Man begreift aber nml- mehr vollständig, warum Wilhelm IL nach solchen Erfahrungen tein eigener Kanzler werden wollte. Seitdem sind solche selbständige Beschlüsse der Verantwortlichen schwerlich mehr erfolgt. Nach den Helldorffschen VcröffeutlichtNtge» darf es jetzt als gesicherte Thatsache gelten, datz niemand anders als Bismarck selbst das Soemlistengesetz zu Falle gebracht hat— in der kurzsichtigen, elend niitzglückten Spekulation, die Unentbehrlich- keit seiner gepanzerten Faust durch T b a t s a ch e n zu beweisen. Wo aber Bismarck sich oerrechner hat, da erscheint immer und überall sofort jenes hilfreiche Vcrlegciiheitsmärchcn: Bismarck habe das eigentlich gat nicht geivollt, aber seine Widersacher hätten seine wirklichen Absichten dlinhkrcnzt. An Bismarcks Fehlern sind näm- lich stets die andern schuld gewesen, wie umgekehrt die Ver- dienste der andern immer z» persönlichen Erfolgen des erhabenen Staatsmanns gefälscht worden sind. Ans diese Weise wird mau leicht unsehlbar, genial, säknlariibermenschlich.— Die Konservativen in der Zlvilkmiihlc. Die„Konscrbatlbe Korrespondenz" ist durch imserii Hinweis, welche Verlegenheiten dem Junkertum eine Licichstags-Auflösnng unter der Parole:„Für die Flotte", bringen würbe, natükltch sehr geniert. Sie nennt unsre Meinung eine Phnntasieleiftung und behauptet, von uns wäre früher die Ansicht ausgesprochen« die Konservativen arbeiteten aus eine NcichStngsnuslöstmg hin. Daß wir nicht ivntzten. Die„Konservative Korrespondenz' ver- wechselt ihre Doppclhaltung mir»nsrer eindeusigen, den Thaffachen entsprechenden Ucberzcugnng. Die Konservativen wüitschen einerseits die gräßliche Flotte beseitigt, andrerseits haben sie alle Ursache, eine Reichstags-Auriösung zu fürchten, die sie zwingt, mit der Losung für die Flotte in den Wablknmps zu ziehen. Wir haben wiederholt schon erklärt: wir brennen darauf, in ländlichen Versammlungen gegen die tonservativen Flottcn.frcnildc" zu sprechen.— Auf die dcmokratischcu Flottcnschwnrmcr von lS48 be« rufen sich die heutigen Mnrinisten gern. Tic„Franlsurter Ztg." ver- vollsiändigt die Mottenerinnerimgen an 1848, indem sie einen An- trag aus den Drucksachen der deutschen Nationalveriammlung zu Frankfurt a. Vi. des Abg. Karl Vogt zum Abdruck bringt, welcher lautet wie folgt: „Die Nationalversammlung möge beschlietzen, im Vertrauen auf den Patriotismus der deutschen Fürsten dieselben zu er- suchen: die Hälfte der ihnen auf ein Jahr bewilligten Zivil- liste,« und Apanagen als freiwilligen Beitrag zur Gründung einer deutschen Flotte auf dem Altar des Vaterlandes nieder- zulegen." Da die Gehälter und Einkünfte der Fürsten seit 1848 stark ge- stiegen sind, so wird ihnen jetzt solche palriolische Bcisleucr zu den Boikslasten um so leichter werden.— Bcrdiichiige Monarchisten. Die liberale„National- Zeitung" belustigt sich darüber, datz das kleine Licutz ä. L. nichts von der Flottenvorlage wiffeu will.„Europa ist ruhig", spottet das Blatt. Ter Hohn ist niivorstchlig. Reutz ist ein völlig gleich- berechtigter Bltlidesstaat, nnd der Fürst von Reutz ist genau so intensiv von Gottes Gnaden wie etwa der König von Preußen, diewcil das Gottcsgnadcntnm nicht mit der Onadratmeilenzahl des regierten Landes zunimmt. �... Der Spott des Bourgeoisblattes trifft also die vom LiberaliS- MUS so inbrünstig beteuerte monarchische Gesiinnmg selbst und außerdem die Reichsverfassung.— Die„nationale" Industrie. Es wurde viel Aufhebens da- von gemacht, daß die Kruppschen Nickelstahlplatten, die unsre Kriegs- schiffe bewehre», 25 bis 50 Proz. mehr Widerftandslraft besäßen als alle andern Panzerplatten. Das Kruppiche Patent ist jetzt auch von Rußland, England, Frankreich nnd Nordamerika angekauft worden. Gute Kerle, diese Großindustriellen I Sie verteilen ihre Gaben gleichmätzig an alle Völker— Barzahlung vorausgesetzt.„Schützen" lätzt sich die Großindustrie mit de» Milliarden des deutschen Volks, aber ihre„geschützten" Waren liefert sie rmbekümmerl ans Aus- land. Uebrigcns zweifeln wir nicht, daß. wenn England Krupp mehr bezahlt als wir. es sogar bessere Nickclplatte» und Kanone» von ihm kriegt als das Deutsche Reich.— U nf, ig bei der Flottenagitation. Die Flottenagitationsschrift (Preis 10 Pf.) wird, ivie man»nö aus Essen berichtet, gratis durch Schulkinder an den Ausgängen der Kruppschen Fabrik und zwar des Abends verbreitet. Haben die Lehrer dagegen nichts einzuwenden? Ei» zntrcsscndcr Vergleich. Bei einer Besprechung der Warciihausftcuer weise» die„Berliner Neuesten Nachrichten" darauf hin. daß in ullfrer Schiffahrt die„Großen" die„Kleinen" mehr nnd»nchr verdrängt, ihnen mehr und mehr das Passagier- und Frachtgeschäft abgenommen haben.„Würde es hier wohl jemandem einfallen,„zur Erhaltung des Schiffs-Mittelstandes" eine steuerliche Sondcrbclaftnng unsrcr großen Schiffskolosse zu verlangen?" Gewiß nicht. Aber der heuchlerische Hnmbng der„Mittel- stands-Politik" wird auch gar nicht seiner logischen Konsequenzen ivegc» betrieben.— Prinzcuprüsnng. Der Kronprinz hat am Mittwoch in Plön sein A b i t u r i e n t e n e x a m c n vor dem Geheimrat Kvpke aus dem KnItnSministerium abgelegt. Die schriftliche Prüfung soll er befriedigend bestanden haben. Der Prinz hat also nicht wie sein Bater ein ordentliches Exanien nach Absolvierring des Gymnasiums zu bestehen brauchen. Tarmstadt« 21. Februar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Das Negiernngsblatt veröffentlicht die Neu-Ordming der Ministerial- abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe. Es wird darin verfügt die Zuzichmig von Arbeitern zur Beratung und Bear- beitimg aller Fragen betreffend Titel VII der Gewerbe- Ordnung. der die Verhältnisse der gewerblichen Arbeiter regelt, die sogenannten Arbeitcrschutz-Bestimmlmgen enthält zc. Beabsichtigt wird, datz die Gcwerbegerichts- Beisitzer die Arbcitervertreter wählen sollen.—_ Wohlthatcn nnd Tockalresorin. Gewisse»vohltvvllcnde Leute, die sich auch noch Socialreformct nennen, die von Wohlwollen gegen die Arbeiter triefen sonst aber /ich nicht gern die Hände schnmtzig machen und über jede selbständige Regung der Arbeiter erschrecken, machen sich daS harmlose Vc'r- gnngc», sorgfältig zu registrieren, Ivcmi irgendwo itltd irgendwann rill Unternehmer oder ein Unternchniin Arbeitern iracnd eine Wohlthat erwiesen hat. Der in Dresden unter der Acgide des Herrn v. Bohmcrt erscheinende„ArbciterfreuNd" gehört zu dieser zweifelhasten Sorte Arbciterfrcnnde. In seinem letzten Vierteljahrs- hefte wird da ausgerechnet,, dast im Jahre 18NV von b25 Einzel- Unternehmern und Aktiengesellschaften gegen 40 Millionen Mark für »Arbeitcrwohlfahrt jc." ausgegeben wurden. Wir wollen die zuteil Leute, die darüber Dhraiten der Rührung Ivcinen, in ihren Gcfühlsergüst'en nicht stören und wir würde» über diese Angelegenheit rein Wort verliere», wenn sich nicht die Scharf- macherei hinciiNnengter um für sich Kapital daraus zu schlage». Die „Bert. N. R." greifen die Mitteilungen deS.Arbeitcrfrcnnd" auf und bemerke» dazu: Hierin liegt wohl eine neue Mahnung für Bundesrat und Reichstag, auf dem Wege der„Socialrcform" Mit gröhter Behutsamkeit weiter vorznschreitcn. I» einem Laiide, in welchem in einem Jahre freiwillig 40 Millionen Mark für Arbeitcrwohlfahrt aufgewendet werden— und das ist wie gesagt nur ein Teil der wirklichen Aufwendung— kann das Bedürfnis nach„Social- deform' in der Thät nicht so groß seilt, wie einzelne wohlmeinende Theoretiker und andre, auf den Stimmenfang ausgehende Paria- mcntaricr eZ darstellen. Das konnte den Herren passen, well» sie der Arbeiterklasse ihr Recht auf den gebührenden Anteil am Arbeitserträge abkaufen könnten um das Linsengericht„freiwilliger Answendnngen für Ar- deiterwohlfahrf, kostete es auch gleich 100 Millionen statt 40. Wie steht eS in Wirklichkeit mit den 40 Millionen oder mehr? Zunächst sei festgestellt, das; sich darunter auch alle Spenden für kirchliche sowie für allgemeine Wohltbntigkcits« und dergleichen Zwecke befinden. Sodann bestehe» diese Wohllbatcn in Prämien und Gratifikationen, deren Zahlung, selbst wenn es sich um b oder 10 M. für ein Jahr schwerer Profitschafserei handelt. Meist vom„Wohl- verhalten' abhängig gemacht ist und Streberei und Kriecherei gros;- zieht; in Ausstattmig von Pension.?- und Ilnterftützungskassen, deren Fonds vielfach gar nicht ans den Betriebsmitteln heraus- gezogen werden und deren Leistungen allen denen nicht zu gute kommen, die aus einem solchen Betriebe ausscheiden; im Bau von Arbeiterwohnungen, aus denen die Arbeiter hinansgeworscii werden, wenn sie sich beikommcn lassen zu streiken;»nid ähnliches mehr. Mit Socialreform hat das alles aber gar nichts zu thnn. Die Arbcitertlasse versteht unter Socialreform gesetzliche Garmiticn für die Ejistenz des Arbeiters. Vollen Ersatz des Schadens für die im Dienste der Gesellschaft erlittene Eiiibnhc an Erwerbsfähigkeit; ans- leichenden Unterhalt bei Kranlheit und Invalidität— nicht als Wohl- ckhnt, sondeni als Recht. Als wichtigstes aber Schutz des gesunden Arbeiters gegen übermäßige Ausbeutung und Mitrederecht des Arbeiters hei der Regelung der Arbeitsbedingungen. Für den gesetzlichen achtstündigen Arbeitstag verzichten die Arbeiter gern auf die 40 oder nnscrtivegen auch 100 Millionen, überhaupt auf alle „Wohlthaten", die man ihnen etwa»och zugedacht hat. Zwangsweise Polizeipernichrmig. Eine Vennchrinig der Polizcikräfte um zwei Wachtmeister u»v zwei Sergeanten war der Stadt Finstcrivaldc von der Regiening unter Hinweis auf die zahlreiche Arbeiterbcvölkeru n g aiifgegebcn lvordcn. Die Stadt verhielt sich ablehnend und bat um Aufhebung der Ver- sügung; dies Gesuch wurde indes abschlägig bcschiedc». Der Rc- giernngSpräsident ordnete darauf die zwangsweise Einstelliing der treffenden Gehälter, 8100 M., in den Etat an. Gegen diese Ver- füoung hat der Magistrat jetzt, wie ivir der„Volks- Zeitung' cnt- ttehmen, die Klage beim Ober- Verwaltungsgericht in Berlin ein- gereicht. Die zahlreiche Arbcitcrbcvölkernng kami doch nur ein Argument gegen die Vermehrung der Polizei sein. Ja. wenn Fiiistcrwaldc noch eine Universitätsstadt wäre!— Bcrgarbciterschutz in Bayern. München, 20, Februar. Ucbcr die Beratung dcS Berggesetzes fm bayrischen Landtag haben wir bereits berichtet. Im folgenden trage» wir unserm Bericht»och einiges nach: Einer Anregung'nnsrer Frottion entsprechend, sicherte sich der FiskuS das Monopol auf Gc- winnuna von Salz und Kali, was ursprünglich im Gesetzentwurf nicht vorgesehen war. Bezüglich des Arboiterschntzes sind nachfolgende Bcftiinmungcn bemerkenswert: B c r e ch- » u n g und Auszahlung des Lohns muß mindestens alle Monat erfolgen. gegen Mitte des Monats mich Abschlagszahlung erfolgen. Sofern der Lohn nach Gedinge sich beniesten soll, muß die Vereinbarnng binnen 10 Tagen nach lieber- nähme der Arbeit erfolgen, andernfalls hat der Arbeiter Anspruch auf den durchschnittlichen Tagesverdienst gleichwertiger Arbeiter. Das Gedinge ist im G e d i n g c b n ch zu bourkünden und ivenn es länger als 14 Tage dauert, den Arbeitern entweder durch einen Gcdingzettcl oder durch öffentlichen Anschlag bekannt zu geben. Verboten ist. Verwirkt,»gen des rückständigen Lohnes über den Wochen- betrag des für den Betriebs sitz des Berg- Werks geltenden ortsüblichen Tagelohns anszii- bedingen. Für jedes Bergwerk, ivclchcs mindestens zehn Ar« beiter beschäftigt, mutz eine Arbeitsordnung erlassen werden. Die Arbeitsordnung mutz alle auf das Arbeitsverhältnis Bezug habende Vorschriften enthalte», insbesondere die in, Gesetz fest- gelegten Arbeiterschntz-Vorschrifteii. In Betriebe» mit mindestens zwanzig Arbeitern sinb A r b e i t e r a u s s ch ü s s e zu errichten, die von den volljährigen Arbeitern des Bergwerks in un»litte l- barer geheimer Wahl gewählt werden. _ Die ArbeitcrauSschüsse sind alle 3 Jahre» e u z N wählen, der Wahktennin ist vier Wochen vor der Wahl bekannt zu geben. Zur F ö r d e r u u g d e S g e w o n n e n e n M a t e r i a l s dürfen nur geaichtc Gciätze von gleichem Ran m in halt verwendet werden. Rauminhalt und L c e r g c>v i ch t der Gefäße ist den Arbeitern durch ö f f e n t l i ch c» Anschlag bekamit zu machen. A u f den Abschluß und die L v s u» g des Arbeitsverhältnisses finden die Bcstimniiingen der lllcichS- Gewerbeordnung Aiiwcndnng, mit der Maßgabe, daß Arveiter die Arbeit ohne Kündigung verlassen tömmi: wenn sie bei Abschluß des Arbeits- Vertrags von dem B e r g w c r l S b e s i tz e r oder dessen S tellvert reter durch Vorspiegelung falscher T h a t s a ch e n in eincii Jrrtnin versetzt wurden, wen» infolge gänzlicher oder teil>v eis er Unterbrechiing des Betriebes an drei oder mehr aufeinander- folgenden Schichten keine Arbeit gegeben werden kann. J» Bergwerken, wo Wagen genullt werden, mutz der Bctriebsinhaber gestatten, daß von den Arbeitern gcivählte Anfsichts- Personen das Verfahren bei F e st st e l l u n g solcher Abzüge überwachen. Strafgelder lind Abzüge von g e- nullten Wagen müssen der zu Gunsten der Arbeiter etwa bc- stehenden UliterstützungSlasse. an deren V e r w a l t» n g die Ar- t> e i t e r mitbeteiligt find, überwiesen werden. Wo solche Kassen nicht bestehen, fließen diese Gelder in die Knappschasts- lassen. Soweit die Knappschaft s e l b st in Bctrachl kommt, ist hervorzuheben, datz a ,i S dem Betriebe ausscheidenden Mitgliedern gegen eine R e k o g» i t i o n s g e b ii h r. die monatlich V0 Pfeiinige nicht übersteigen darf, Gelegenheit geboten ist, sich die bis z u>» Tage des Austritts e r w o r b e n e ii P e n s i o ii L a» s p r ii ch e für sich u» d ihre Angehörigen zu wahren, insofern nicht bei Eintritt in einen andern KnappschaslSverein die bisherige Dienstzeit angerechnet wird. Im übrigen ist das Gesetz feinem prenhischen Vorbild« ent- sprechend. Die Kammer hat dann noch drei Resolntioiien be- schloffen: 1. anzuordnen, daß ans allen Bergwerken die nötigen Vorkehrniigen für Verband und Transport verunglückter Ar- beiter getroffen, bezw. Vcrbandsstubcn eingerichtet, oder itändiae Sanitätskolonnen organisiert werden; 2. dahin zu wirken, laß die in Bayern bestehenden Kltappschttflskcifsett sich zu einent Kartcllvcrband zusammenschließen; 3. bei» Landtage baldmöglichst einen Gesetzcntwiirf für Errichtung von Berg-Gewerbe- Gerichten vorzulegen. Eine weitere Resolution, wonach eine ständige G r n b e n a u f s i ch t durch im Bergwerke beschäftigte Arbeiter etabliert werden soll, wurde zur Borberatuiig dem Finanzausschüsse überwiesen. Run erhält die Kammer der'ReichSrnte das Wort.— „Christlich- social ist Unsinn!" Wie die„Hilfe' mitteilt, ist dem Pastor H i l l in a n n an der reformierten Kirche in Hamburg bon dem Presbyterium der Kirche seine Stellung gekündigt worden. Aulatz dazu soll der Umstand gegeben haben, daß dcrfclbe's o c i a l e Fragen in seiner Predigt berührt hat. Dem Pastor Hilliiiann sollen' mich in seiner frühem Stellung in Brmnischwcig wegen seiner socialen Thätigkeit Schwierigkeiten erwachsen sein, die' zum Scheiden ans dicscni Wirkungskreis führten.— Zcitmigsverbot itt Clsast-LothriNge«. S t ratz bürg i. E.. 20. Fe binar. Durch Verfügung des MiliistcriiNNS ist die Vetvreitnng des Pariser Blattes„ L' E c I a i r' in Elsatz-LothringeN verboten worden. Dem Vernehmen nach ist das Verbot auf die Angriffe zurückzuführen, welche das Blatt in letzter Zeit wiederholt gegen elsässifche Persönlichkeiten gerichtet hat. die sich auf die deutsche Scitc gestellt haben. Der„L'Eclair' ist das Blatt, dessen Vertreter kürzlich eine Unterredung mit dem Herzog- Regenten von Mecklenburg hatte, «in derentwillen dem Regenten vom Kaiser sein.Befremden' ausgesprochen worden ist.— Ausland. Chamberlatu auf der Anklagebank. Wir berichteten schon gestern im Depefchenteil über den im englischen_ Unterhaus eingebrachten Antrag, in eine neue Unter- siichung einzutreten über das Ziistanbekoinmen der 1896 er Pcr- schwürmig gegen TranSvaal. Bekanntlich wird dem englischen Kolonialmiiiifter Chamberlain ein voll gerüttelt und geschüttelt Matz von Schuld an dem Jamesonschen Einfall zugeschrieben, und die Anttagstellcr wiesen mit Recht darauf hin, datz' eine neue und diesmal erschöpfende Untcriuchung vor allem in EhamberkainS e i g ii e ,ii Interesse läge, sofern er sich von den schweren auf ihm lastenden Anklagen reinigen könne. Herr Chamberlain ist jedoch ein skrupelloser Mann. Er zog es vor, die Einsetzung einer neuen UiNcrsuchung nnter allen Umständen zu verhindern, was ihm denn auch gelang. Die Mehrheit dcS englischen Unterhauses ist jetzt so imperialistisch und legt so hohen Wert auf die siegreiche Fortführung deS Kriegs, datz es lieber die faulen Machenschaften Chainbcrlains und Cecil Rhodes gegen die Boercii-Nepublit dem hellen TageSIicht entziehen hilft. Der U n t e r s n ch n n g S a n t r a g wurde mit 286 gegen nur 152 Etimmeu zu Kalt gebracht,— kein RiihineSblätt in der Geschichte dcS englischen Parlamentarismus. Mit welchem ChiiiSnins Chamberlain die neue Untcrsnchiliig zu vereiteln wußte, das zeigen die folgenden Stellen aus seiner jetzt aiisfiihrlichcr vorliegenden Wertcidigiingsrede: Man hahc gesagt, datz eine weitere'Untersuchung nötig sei, um die Kritik im Auslände zu beruhigen. Er' teile die Hoffiunig nicht, datz irgend etwas, was das Hans thnn könne, seine(Chamberlaliisj auswärtigen Kritiker zum Schweigen dringen werde. ES sei ferner gesagt worden, datz die gegen ihn erhobenen Slngriffe auch bei vielen Landslcutcii Wurzeln schlügen; es sei jedoch durch dieselben niemand beeinflntzt worden, auf dessen gute Meinung er Gewicht lege.(Beifall.) WaS die Uuistände bei der Eiiisetznng des UntersiichiingSausschuffes betreffe, so habe er, che irgend ein Wort über seine Mitwisscnschast geäußert worden sei, eine vollständige Untersuchung versprochen; niaii habe ihm dagegen cingewcindt, daß dies gegen das öffentliche Interesse sei, jedoch ohne Erfolg. Bei den Beratungen des Komitees sei er auf alle Anträge HareonrtS ciiigegangen. ans dessen Vorschlag die Verband- limgrn geschlossen worden seien. Die heute aufgeworfene Frage wegen der Telegramme sei von dem Ausschuß erörtert worden. Er wiederhole mit Nachdruck, was er früher darüber erklärt habe. Die T e l e g r a in in e, welche fehlen, seien nicht auf Veranlassung cincS der Beteiligten beiseite gekommen, sondern lediglich in Verfolg des g e w ö h n l i ch en G e s ch ä's t s g a ii g e s der Telcgraphcngescllschaft. Wie festgestellt wurde, seien die sehlenden Depeschen von ähnlicher A r t wie die dem Ausschuß vorgelegten. Seither habe sich nichts ereignet, was eine nciic Untersiichnng rechtfertigen würde.(Beifall.) Jetzt werde eine neue Untersiichnng gefordert ans Anlaß der in der „Jiidöpeiidauce Bclge" veröffentlichten kostbaren Sammlung von Schriftstücken, die von eineiig ciitlasicncii Bureau- Angestellt«, HawksleyS gestohlen worden seien. Mit diesen Schriftstücke» sei man in London hausieren gegangen und habe sie radikalen Zcittingcn angeboten, welche sie nicht nehmen mochten. Schließlich hatten sie einen Kinidcii in einem bekannten Boerenfreunde gefunden; dieser habe sie au Dr. Leyds geschickt, der dafür 100 Pfund Sterling zahlte oder zu zahlen versprochen habe. Leyds b a b e ii i e ein schlechteres G e s ch ä f t g c m a ch t. In den Schriftstücken sei nichts enthalten, was nicht dem Parlaments-Ans- schuffe und jedermann schon vollkommen bekannt gewesen sei. Eine neue Untersiichnng verlange man jetzt nicht im öffenilichcn Interesse, sondern um zu versuchen, daS Kolontalamt des Meineids zu überführen. Was die Opposition wolle, sei, das Vertrauen zu dem Minister zn erschüttern, den sie im gegenwärtigen Augen- blicke nngerechterweise beschuldigten, datz er in ganz besonderem Sinne für den Krieg verantwortlich sei. Qcstrcich- Ungarn. Siene«Ugrisch« Partei. In Ungarn beginnt sich eine neue r e g i e rn n g s f e in d l i ch c Partei zu regen, deren Spitze gegen Sz'ell gerichtet' ist und die unter dem Banner des früheren Ministerpräsidenten B a n f f y marschiert. Sie«ciiiit sich „u'iiabhäliglgt liberale Partei' und verfolgt eine«ltraiiationalc Richtung, ihr Hauptzweck aber besteht in dem Bestreben, Szell zu stürzen und Banffn wieder in die Höhe zu bringen. Je mehr die jetzige ParlmneittSraginig sich ihrem Ende nähert und die Neu- wählen heranrücken, desto reger will die Partei auftreten.— Frankreich. Vom Staatsgcrichtöhos. Paris, 20. Februar. Der Präsident beginnt mit dem Verhör Marcel Haverts. Dieser protestiert dagegen, daß man abgelehnt habe, jDvroulöde behnsö Zeugen- Aussage freies Geleir zn bewilligen. Havert erinnert daran, datz er vom Schwurgericht wegen der Vorgänge in der Reililly-Kaserne freigesprochen sei, und fügt hinzu, die Kundgebungen im letzten Jahre seien keineswegs vorbereitet gewesen. ES habe niemals ein Einvenichmcu zwischen Dsronlödc und den Royalisten bestanden; die Mitglieder der Patriotenligne» wären Republikaner. Havert legt sodann in längerer AiiLfnhruiig seine Ansichten über Republik und Plebiszit dar und spricht von der Ans- gäbe FaschodaS, der Eroberung Kubas und der Philippinen sowie jiber den Krieg Englands mit Transvaal. Darauf wird die Sitzung unterbrochen. Militärattaches. In der Kainmerberatiuig über das Heer» erfordcrnis verlangte am Montag der S o e i n l i st Marcel Sc in bat die Abschaffung der Militärattaches. „Man hat,' sagte er,„früher behauptet, sie gaben sich nicht mit Spionage ab; seit den Renner Verhandlungen wissen wir jedoch, was wir von dieser Behanptimg zn hatten haben. Frankreich darf nicht fortfahren, das tief bedauerliche Beispiel eines Staates zu geben, der die abscheulichen Kundschafterpraktiken ermutigt. Dies ist eine Frage internationaler Borsicht und politischer Sitt- lichkcil." Kriegsmiuister G a l l i f f e t erwiderte:„Handelte es sich darum. die Einrichtung der Militärattaches erst zu schaffen, so würde irb ihre Bor- und Nachteile sorgsam erwägen; aber sie besteht einmak, und wir haben uns für nnsern Teil über sie nicht zu be- klagen gehabt. Was die Nenner Vcrhandluiige» betrifft, so weiß ich nicht mehr, was dort gesagt und getyan wurde. Ich habe in meinem Heerbefehl erklärt, der' Z w i s ch e n f a l l i st geschlossen, öffnen wir ihn nicht wieder.' Paris» 21. Febriiar. Der Knttusminister Waldeck-Ronsscan hat über acht Pfarrer, welche ihrer Sympathie für die Nsslimtio- nisten Ausdruck gaben» die Strafe der G e h a l t s s p e r r e per- RoM, 80. Februar. Wie die Blätter melden, beschäftigte sich heute der Knssötionshvf als Bcrnfuiigsinstanz mit der Angelegenheit des lüerrrttcreNS von(Yeseyen. Der Knssntioiishof fäüte lein Urteil, welches dahin geht, das Dekretieren eines Gesetzes dürfe künftighin nicht mehr angewandt werden, da ein Gesetz, Nachdem es in der Kaiinnek nur eingebracht worden, lediglich ein Gesetz- e n t lv u r f sei. Der„Popolo ronwno" stellt fest, datz obiges seitens der ersten Kammer des Kassationshofes ergangene Urteil im Gegensatz stehe zu eiiiem von der zweiten Knmnter' desselben Gerichtshofs gefällten.— Ruhland. Frauenbewegung in Finulaiid. Der Senator Michelin in HelsiNgsSrs hat dem„Fiiinländischen«bgcorvnetenhanse' eine Petition überreicht, in welcher letzteres NM die Erteilung des Wahlrechts an Frauen iit der städtische» und ländlichen Selbstverwaltung ersucht wird._ DnVlsmvnkttv llnfallversichcriingö-Komintssion. Der größte Teil der Sitzung am Mittiuoch wurde in Anspruch gciiomnieii durch die Beratung der Vorschriften über die Ver- in ö g e n s- V e r w a l t u n g der BeMfSgenossenschaften. Es handelt sich'hierbei um die Frage, ob das Vermögen der BeNissgeiiossen- schaften auch in Pfandbriefen deutscher Hypothckciiaktien-Banten ohne weiteres angelegt werden dürfe oder ob diese Befugnis ans gewisse Hypotheken-Banten eiNgcschrnntt werden sollt. Die Bernfsgenosscn- schatten und mit ihnen die deutschen Hypothekenbanteii wollten jede Bc- schränkung als nnnvtig beseitigen, die Regierung jedoch hat in ihrem Entwurf das umständliche Bcschräntungssystcm i aus dem neuen Gesetz für die JnvnIidenversicheriings-ANstalten einfach abgeschrieben, obgleich es für die Beriifsgenosscnschafte» ganz und gar iiicht patzt. Die Socialdemolraten erklärten, datz sie dieser Frage eine große praktische Bedenrnng nicht zumessen. Obgleich sie wenig Zutrauen zn den Bernfsgenossenschaften im allgemeinen haben, so glaubten sie doch, daß die dort maßgebenden Großunternehmer schon aus eigenem Interesse bei der Anlage des Vermögens mit der nötigen Vorsicht vorgehen werden. Die Konservativen dagegen und die Regiernngsvertreter traten mit geradezu auffallendem Eifer für die Beschränkung ein. Den Grund für diesen Eifer ließ der Abg. v. L o b e l l durchblicke». DaS Herrenhaus hatte seiner Zeit bei der Verabschiedung des preußischen Ansführungsgesctzcs zum Bürgerlichen Gesetzbuch eine Be- g u n st i a u n g f ü r die I u tt k e r b a n k e tt i n Ostpreußen, die prentzischen Landschaften, infolge der üblichen Rückgrats- l o s i a k e i t des D r e i k l a s s e n h a n s e S durchgedrückt. und dieser„Erfolg' sollte jetzt durch daS llnfallversicheriings- Gesetz bestätigt werden.' Der Abg. v. Löbcll meinte höchst naiv, datz der Reichstag jenen Beschlutz des Herrenhauses doch respektieren müsse. Dieser vesmeidene Wunsch wurde von den S o c i a I d e m o k r a t e n mit dem nötigen Nachdruck zurückgewiesen. Da es sich hier um einen Wunsch der Berufsgenossenschaflen handelte, blieben die Vürger- lichen Mitglieder der Kommission fest und verwarfen die von der Regierung' so dringend befürwortete Beschräiikung. Hierauf beschäftigte sich die Kommifsion mit dein für die Arbeitet wichtigsten Abschnitt des ganzen Gesetzes, mit der Unfallverhütung. Nach dem Negiernngsentwnrf sollen auch ferner die Arbeiter so gut wie keinen Einfluß auf diese zum Schutze ihres Lebens und ihrer gesunden Glieder durchgeführten Maßnahmen erhalten. Abg. R ö s i ck e bcaiileagtc einige kleine Verbesserungen, die aber im wesentlichen so ziemlich alles beim alten lasse». � Die S o c i a l d e m o k r a t e ii verlangen, datz die Arbeiter mit genau denselben Rechten wie die U n t e r n e h m er bei der U n f a l l v c r h!i t u» g zugezogen werden. Ilm dic§ zu erreichen, sollten die Vorschriften zur Verhütung von Unfällen und zum Schutz für Gesundheit und Leben nicht mehr von den BcriifSgeiiosscnschaften, sondern von den Schiedsgerichten erlasse» werden. Zur Beratung und zur Beschlutzfafiimg über diese Vorschriften treten nnter der Leitung des Vorsitzenden der Schiedsgerichte eine gleiche An- zahl Vertreter der Arbeiter und der Vertreter der Unternehmer zu- lammen, lieber diese Anträge entspinnt sich ebenfalls eine längere Debatte. In derselben versichern sämtliche Parteien wie auch die R e g i e r ii ii g s v e r t r e t e r, datz der Wunsch der Arbeiter. an der Unfallverhütung mitznarbeite», vollkommen be- r e ch t i g t sei. Die socialdemokratischen Anträge werden jedoch von den bürgerlichen Abgeordneten mit den üblichen Rede- Wendungen als z n weitgehend hingestellt. Schlietzlich mutzte die Debatte vertagt werden. In der nächsten Sitzung am Donners« tag kommt jedoch erst ein Antrag auf Einführung des Kapital D e ckn n g S v e rf a h r e n s zur Verhandlinig und erst dann wird die Debatte über die Unfallverhütung fortgesetzt. Die Flcischbeschan-Konttiiisflon beriet am Mittwoch die Straf« Vorschriften des Entwurfs, die von der agrarischen Mehrheit gegen- über de» Regieruiigsvorschlägen noch verschärft wurden. An den Beschlüssen nahmen die socialdemokratischen Mitglieder nicht mehr teil, weil die agrarische Mehrheit es beliebt hatte, sich vor den gemeinsamen Beratungen zu Beschlüssen zn vereinigen, gegen die keine andere Meinung mehr aufkommen tonnte; mit der agrarischen Mehrheit stsninite in der MittwochSsitzung auch der Abg. Steinhaiier von der freisinnigen Bercinigung. Der Reichstags- Abgeordnete«TanitätSrat Dr. Ernst Kruse. Bade-Arzt zu Norderney, nationallibcraler Vertreter des 2. hannoverschen Wahlkreises, erlitt Mittwochvormittag im Reichstags- Gebäude einen Schlagansall. Da der schwer Erfranttc nicht trans- portiert werden tonnte, wurde in einem Zimmer des Reichstags ein Bett für ihn aufgeschlagen._ GemvvkMslftliches. Berlin und Umgegend. Zum Time der Berliner Möbeltischler. Der Stand der Bewegung hat sich im Laufe des gestrigen Tag�. wenig verändert. Bewilligt haben noch 7 Meister mit 100 Mann, so daß rund 1300 Mann zn den gestellten Bedinginigen arbeiten, abgesehen von einer Anzahl Werkstätten, wo keine Forderungen gestellt sind, da dort schon vorher die verlangten Löhne gezahlt wurden. In den Ausstand traten noch die dein Holz- arbeiter-Verband angehörigen Maschincnarbeiter. sowie die Tischler in einigen bisher dem Streit nicht angeschlossenen Werkstätten. Die Zahl der Streikenden beträgt 6800 Mann. Einige Vorstands- Mitglieder der„Freien Vereinigung der Tischlermeister' fahren per Droschke von Meister zn Meister und wenden alle Mittel an. datz diejenige» Meister, die bereits bewilligt haben, ihre Bewilligung zurückziehen mögen. Unter ihnen ist der eifrigste der in Arbeiter- kreisen bekannte Franz Berndt. In Anwendimg der Mittel scheinen die Herren Meister nicht wählerisch zu sein; sie schimpfen, wenn die Arbeiter an das Solidaritätsgefühl appellieren, aber sie selbst fordern es ziemlich nachdrücklich. So wurde einer Meistcrswittlve. die bewilligt hatie, angedroht, datz. wenn sie die Bewilligung nicht zurückziehe, dafür gesorgt werden würde, daß kein Fraiser für sie arbeite. Eine rührende Fürsorge für die kleinen Meister. Eine VertranenSmiinner-Vcrsammlung der Tischler, die am MUlmoch unter ungemein zahlreicher Beteiligung stattfand, ermächtigte die Ortsverwaltung, datz sie, sobald die Situation des Streits es erforderlich macht, die unverheirateten Kollegen eventuell schon im Laufe dieser Woche zur Abreise veranlassen kann.— Die Zahl der in Frage kommenden Unverheirateten ivurde auf 2051 angegeben. Die Abreise der Ledigen soll den Erfolg haben, daß die ilnter- nehmer, falls sie die Aussperrung verwirklichen, auch nach Wieder- Nllsnahme des Betriebes nicht die nötigen Arbeitskräfte bekommen. Ferner beschloß die Versammlung, die ctiva zur Hälfte aus Arbeitenden bestand, daß jeder in Arbeit stehende Tischler wöchent- Uch eine Mark zum Streikfonds zu zahlen hat. Die Situation des Streiks wurde als eine günstige geschildert. Aus den Ausführungen der Redner ging hervor, daß die Haltung der Streikenden durchaus zuversichtlich ist. Bon den Maschinenarbcitern sind vorläufig circa 150 Personen im Streik beteiligt. Jedoch dürften von dem Ausstand noch mehr Arbeiter dieser Branche in Mitleidenschaft gezogen werden, da die Fraisereibesitzer beschlossen haben, für die Tischlereien keine Arbeit anzufertigen, die die Forderungen der Tischler bewilligt haben. Die Maichincnnrbeiter, die entlassen werden, haben sich sofort im Bureau, Kleine Andreasstr. 15 im Restaurant Schmidt, zu melden. Achtung, Kleber �Tapezierer)! Die Werkstatt von Kalm- dach, Potsdamerstr. 89, bleibt für Polsterer und Kleber gesperrt. Ferner sind die Firmen: Sciffcrt, Ansbacherstr. 19, Lorenz. Nene Wilhelmsir. 14, Wappenhans. Bahreuthcrstr. 28. Nedina, Motzstr. 16. kür Kleber gesperrt. Der Streik der Berliner Korbmacher sGrünbranche) dauert fort. Die Forderungen sind in der Werkstatt von Knorr, Lichten- b«g, Frankfurter Chaussee 85, bewilligt. Es befinden sich demnach nur noch 57 Kollegen im Streik. Das Streikkomitee. Deutsches Reich. Zu 30 M. Geldstrafe verurteilt ivurde Genosse Knoll, Redactcur der„Allgemeinen Steinsetzer-Zeitung", von dem Schöffen gericht in Bingen wegen Beleidigung der dortigen Pflastenneister Gebe. Stoll. Das Gericht erblickte den„Thatort" der Beleidigung in Bingen, iveil die genannte Zeitung— in einem Exemplar in dem Orte Ockershcim gelesen ivird. Gegen das Urteil wird Berufung eingelegt, weil allem Anschein nach das Gericht den K 193 nicht genügend berücksichtigt hat, dessen Schutz nach der neueren Rechtsprechung des Reichsgerichts grade in Fällen, wie dem vorliegenden, den Vertretern der Presse zuerkannt werden muß. Die Schncidcrgehilfen in Dresden beabsichtigen nach längeren Vorbereitungen in eine Lohnbewegung einzutreten. Es sollen folgende Forderungen gestellt werden: Einheitlicher Lohntarif. Einrichtung von den Verhältnissen entsprechenden Bctricbswerlstätten, zehnstündige Arbeitszeit, für Sonntags- und Nachtarbeit bis 12 Uhr 25 Proz.. nach 12 Uhr 50 Proz. Zuschlag, menschenwürdige Behandlung, für Hausarbeit 10 Proz. Zuschlag, Lieferung der Nahznthaten für Werk- stättenarbeitcr. Eine öffentliche Versammlung erklärte sich mit diesen Forderungen einverstanden, und beauftragte eine Kommission, die notwendigen Schritte zu unternehmen. In Magdeburg haben die Hafenarbeiter einen allgemeinen Ausstand Peschlossen. Die Differenzen bestanden seit einiger Zeit und führten zu einem partiellen Ausstand. an dem 200 Arbeiter beteiligt waren. Jetzt ist der Ausstand ein allgemeiner geworden und verlangen die Arbeiter einen Tagelohn von 4 Mark, eine einstündige Mittagspause und Frühstücks- und Vesperpause. Anöland. Neber den Stand des Textilarbciterstrciks in Warnsdorf in Böhmen wird einem freisinnigen sächsischen Blatt folgendes berichtet: Von den Führern der streikenden Textilarbeiter war nach dem Scheitern der letzten Unterhandlungen eine Versammlung der Gewerbetreibenden und Hausbesitzer einberufen worden, die einstimmig folgende Kundgebung de» schioß:„Die in Hoffmeisters Gasthofe versammelten Ge- werbetreibenden und Hausbesitzer erklären sich mit den streikenden Textilarbeitern solidarisch und fordern die Stadt vertret u n g auf, endlich energische Schritte zur Beilegung des Streiks zu unternehmen und in kürzester Zeit Unterhandlungen zwischen den streitenden Teilen anzubahnen, damit der nun schon so lange andauernde Streik beigelegt und endlich wieder geregelte Verhältnisse in Warnsdorf eintreten." Das Unrecht der Unternehmer muß geiviß schon ganz offenbar sein, wenn das Bürgertum in so entschiedener Weise Partei für Streikende nimmt._ Der Streik der Bergarbeiter. Die Ausdauer der streikenden Bergleute in Ocstreich ist geradezu bewundernswürdig. Fünf Wochen haben sich die Arbeiter mit einer sehr mäßigen Unterstützung durchgehungert und noch ist kein Wanken in den Reihen der Streikenden zu verspüren, sie de- harren auf ihrem Recht und ivolle» es in zäher Ausdauer gegen die Millionäre, die fünf oder sechs Grubenbesitzer, zur Anerkennung bringen. Mit einer Unterstützung von 1 Krone 50 Heller bis 2 Krone» 50 Heller haben sich die Ausständigen in O st r a u am letzten Zahl- tag begnügen müssen, aber unbeirrt ist der Kampf fortgesetzt worden, ja die Zahl der Streikenden hat sich in diesem Revier nur noch ver- mehrt, während in den andren Gebieten alle Versuche der Behörden, die Arbeiter zur Rückkehr in die Gruben zu bewegen, erfolglos blieben. Indessen leidet die Industrie ungeheuer unter dem Kohleimiangel und schließlich muß sich auch hier der Un- mut gegen die Kohlenbarone wenden, die durch ihr hochmütiges Verhalten die Aussichten auf eine gütliche Beilegung des Konflikts in iveite Ferne rücken. In der Arbeiterschaft wächst die Sympathie mit den Streikenden in dem Maße ivie die Ausständigen in tapferer Gegenwehr ausharren im Kampf. Die Unterstützungen fließen reich» licher und von den Parteigenossen in Wie n wurden am Dienstag fünf große überaus stark besuchte Versammlungen abgehalten, in ivelchen die gesetzliche Einführung des Achtstundentages im Bergbau gefordert ivurde. Troppau, 21. Februar. Zwei heute im Ostrau-Karwiner Streikgebiete abgehaltene große Versammlungen nahmen ein- stimmig eine Resolution an, in welcher der Beschluß des Verbandes der socialdcniokratischen Abgeordneten, im Reichsrate einen Dringlichkeitsantrag betreffend die sofortige Einführung des Achtstundentages vorzulegen, mit Befriedigung begrüßt und ferner die Erwartung ausgesprochen ivird, daß die Regierung durch ein energisches Einschreiten, wozu ihr die Verhandlungen im Parlamente Gelegenheit geben, die Wahrheit ihrer Versprechungen erivcisen werde. Die Resolution fordert schließlich den Reichsrat auf, die Anträge des socialdeniokratischen Verbandes anzunehmen. Im Meuselwitzcr Bezirk hat der Streik begonnen. Am Dienstag abend ist die Nachtschicht des„Wilhelmschacht" bis auf vier Mann in den Ausstand getreten. Die Verwaltungen wollen es also wieder auf eine Kraftprobe ankommen lassen. Ans Halle wird uns berichtet: Die Lage des Streiks ist un verändert geblieben. In einigen Gruben, wo gestern noch einige Berg- lente schafften, ruht heute v o l l st ä» d i g der Betrieb. Jedoch dürfte sich die Zahl der Streikenden nicht wesentlich vermehrt haben. In den letzten Versammlungen der Ortschaften, wo der Streik noch nicht proklamiert worden ist, nahm man eine abwartende Stellung ein, indem man hofft, daß die zum Mittwochnachmittag 4 Uhr einberufene Einigungs-Konferenz zu einem befriedigenden Ergebnis führen' wird. Diese Hoffnung ist zunichte geworden, die Werke haben die Beteiligung am Schiedsgericht abgelehnt. Welchen Eindruck dies auf die hoffnungsvolleren Kameraden machte, brauchen wir nicht erst zu sagen. Die Erbitterung war groß. Aus dem mittcldcntschcn Braunkohlen-Rcvier wird u»S ge- schrieben: Die Situation verschärft sich auch im hiesigen Bezirk, weil, wie borauszusehen war, die Verwaltungen so viel wie nichts bewilligen und die Kominissionsinitgliedcr hinziehen. Auf Grube„Emma" in Strekau hat der Obersteiger Ruppert einfach drei ältere Leute zur Kommission bestimmt und die Einrede der Belegschaft, daß sie selbst wählen wolle, einfach zurückgewiesen. Hier kommt es zum Konflikt, denn die Belegschaft erkennt eine solche octroyierte Vertretung nicht au. Auf Grube„Greitzscheu" bei Zeitz hat man zwar verhandelt, jedoch so viel wie nichts bewilligt, das hat die Leute sehr empört, doch will man die Versammlung am Mittwoch- abend in Zeitz abwarten, ehe man es zum äußersten kommen läßt. Grube„Nene Sorge" war 1897 die erste, die in den Streik trat. Mittwoch und Donnerstag finden hier und im Meuselwitzer Bezirk sechs Versammlungen statt, die höchst ivahrscheinlich allgemeine Arbeitseinstellung proklamieren. Soeieiles. Ihren Pflichten ans der Invalidenversicherung sucht sich die Firma Feibisch, hier, dadurch zu eutzieheu, daß sie ihren Haus- ivebern in Nowawcs folgenden Vertrag aufzwingt: Hiermit verpflichte ich mich, Jnvalidenkarten lediglich auf meine Kosten selbst zu kleben, und erkläre, in Bezug darauf keinerlei weitere Ansprüche an meinen Arbeitgeber Herrn Feibisch, wohnhaft zn Berlin, zn haben, ivas ich hiermit ausdrücklich mit meiner Namcnsnntcrschrift bestätige. Dieser Vertrag ist durchaus ungesetzlich und eine strafbare Handlung. Die Versichcrungspflicht der Hausweber beruht auf der Bekanntmachung vom 1. März 1894. Nr. 11 dieser Bekanntmachung statuiert ausdrücklich die Anwendbarkeit des Z 147 des Jnvaliden- gesetzes, welcher lautet: Den Arbeitgebern und ihren Angestellten ist untersagt, durch Uebereinknnft oder mittels Arbeitsordnung die Anwendung der Bestimmungen dieses Gesetzes zum Nachteile der Versicherten' ganz oder teilweise auszuschließen.... Vertragsbestimmungen, welche diesem Verbote znividerlanfen, haben leine rechtliche Wirkung. Arbeitgeber oder deren Angestellte, welche gegen die vor- stehenden Bestimmungen verstoßen, werden, sofern nicht nach andern gesetzlichen Vorschriften eine härtere Strafe eintritt, mit Geldstrafe bis zu dreihundert Mark oder mit Haft bestraft. Wir können den betroffenen Arbeitern nur raten, die Firma Feibisch trotz des famosen Vertrages zur Zahlung der Beiträge auf- znfordern, sie eventuell darauf zu verklagen und überdies Anklage bei der Staatsanwaltschaft zu erstatten. Invalidenversicherung und Rrmennnterstützung. Die hanseatische Versicherungsanstalt zeichnet sich bisher durch eine weit- gehende Fürsorge für die Versicherlen durch rechtzeitige Anordnung eines Heilverfahrens bei Erkrankenden aus. In den Ausgaben für diese voibeugeiide Thätigkeit steht sie an erster Stelle. Ilmsomehr muß ein Verfahren befremden, das sie, wie die„Bremer Bürgerztg" feststellt, jetzt einzuschlagen beginnt. Sie verweist nämlich Versicherte, die in einer Heilanstalt untergebracht werden sollen, aber die in der Anstalt vorgeschriebene Ausrüstung an Kleidung und Wäsche nicht beschaffen können— was bei den meisten der Fall sein dürfte— an die Armenvcrivaltung. Bisher hat sie diese, unentbehrlichen Dinge aus den Mitteln der Anstalt bestritten. Durch das neue Verfahren stellt sie Heilungsbedürstige vor das Dilemma, entweder auf eine mögliche Wiederherstellung ihrer Gesundheit, auf die sie sich durch Leistung der Beiträge ein Recht erworben haben, zu verzichten, oder eine Armenunterstützung mit in Kauf zu nehmen, wodurch sie ihrer politischen Rechte verlustig gehen. Dieses Verfahren widerspricht durchaus dem Geiste des Jnvalidengesetzes, dessen Hanptwert ja gerade darin liegt, dem erwerbsunfähig gewordenen Arbeiter seine Existenz zn garantieren, ohne ihn zum Bettler herabzudrücken. Der Jahresbericht des Arbeitersekretariats Nürnberg ist wieder erschienen. Es ist der 5. Bericht dieses vortrefflich geleiteten Instituts und er bietet, reicher noch als seine Vorgänger, eine Fülle des Wissenswerten über die Arbeiterverhältnisse in Nürnberg, lieber die Menge des ans mehr als 100 Seiten Gebotenen giebt das Inhaltsverzeichnis Auskunft, aus dem wir hervorheben: Zur Lage der Nürnberger Bäckergehilfen. Zur Entwicklungsgeschichte der Leb- küchncrei in Nürnberg. Zur Lage der Staatsarbeitcr. Frage des Bauarbeiterschutzes. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Zimmerer- gewerbe. Erhebungen über die Lage der Steindrncker. Die Geschäftsgewinne der Nürnberger Aktiengesellschaften. Dann folgt der sehr umfangreiche, mit vielem thatsächlichen Material ausgestattete Bericht der Sekretäre und andres. Der Bericht giebt aufs neue Zeugnis davon, welchen Wert für die Arbeiter ein gut geleitetes Arbeiter- sekretariat haben kann. Polcnstatistik. Dem St. Petersburger„Kraj" zufolge hat sich die Zahl der Polen in den letzten hundert Jahren mehr als ver- doppelt. Die Polen zählten damals rund 9 Millionen und heute etwa 20 Millionen und zwar in Deutschland 3 627 000, in Rußland 10 600 000, in Oestreich 4 270 000. in Amerika 1 600 000 und in den übrigen Ländern rund 50 000 Seelen. Vom �U'iegsschemplatz. liegen auch heute keine die Kriegslage wirklich aufhellenden Nach- richten vor. In London ist man ja sehr optimistisch, ohne aber durch vorliegende sichere Nachrichten dazu wirklich berechtigt zu sein. In einem militärischen Artikel führen die„Times" aus: Während ohne Zweifel eine beträchtliche Abnahme der Streitkräfte CronjeS stattgefunden habe, sei es als wahrscheinlich an- zusehen, daß die Hauptmacht desselben umzingelt sei und dazu gezwungen werden würde, sich zu ergeben. Die„Times" schließen, der allgemeine Vormarsch im Centruin könne doch nicht länger ver- zögert werden. Die Lage habe sich sehr gebessert, und während man Nachrichten über das volle Gelingen der Verfolgung von Cronjes Armee abwarten müsse, könne man den neuen Ausblick in die Zukunft mit Befriedigung begrüßen. Wie Kimberley entsetzt wurde. Daß bei der Besetzung Kimberleys von einem Sieg gar nicht gesprochen werden kann, geht aus den folgenden näheren Mit- teilungcn über den Entsatz hervor; diese zeigen, daß die Stadt den Engländern seitens der Boeren kampflos überlassen worden ist. Der Reutersche Korrespondent bei der Truppe deS Generals French sendet über die Einzelbeiren deS Entsatzes von Kimberley folgende Depesche aus Modder-River vom Montag ftüb: Als wir acht englische Meilen von Kimberley entfernt standen, empfingen wir von den Belagerten die heliographische Mitteilnng. daß die Boeren die Stadt beschießen. Wir signalisierten zurück: Hier steht General Frenchs Kolonne, die zu Eurem Entsatz vorrückt. Die Belagerten antworteten, da sie wohl fürchteten, uusre Depesche könne von feiten der Boeren heliographiert sein: mit der Frage: Was für ein Regiment seid ihr? Unsre Antwort überzeugte sie dann, daß der Entsatz in der That nahe sei. Schließlich ritten wir. ohne Wider st and zu finden, in Kimberley ein, dessen Bewohner unter laute» Aus- brächen der Begeisterung unsre Truppen umringten und sich unter sie mischten. Die Truppe rastete die Nacht über und verfolgte am andern Tage den Feind nach Drontveld, indem sie ihn durch Artilleriefeuer von den Kopjes vertrieb. Zins der Berfolgung. Auch von der Verfolgung Cronjes weiß man jetzt etwas Näheres. Ein Telegramm des„Standard" aus Modder-River vom 18. d. M. meldet darüber: Am Freitag morgen begann die 13. Brigade den Angriff auf den Nachtrab des Feindes. Ungefähr 2000 Boeren hielten einige Kopjes nordöstlich von Klipdrift desetzt, von wo ans sie den Rückzug des Hnupttrupps deckten. Zwei Kopjes wurden erstürmt, doch die Boeren verteidigten das dritte mit der änßerste» Hartnäckigkeit durch ein furchtbares Feuer. Es wurde dann auf jede Weise ver- sucht, den Hügel zu stürmen. Unsre Truppen hielten sich glänzend; die Boeren behaupteten jedoch ihre Stellungen bis zum Dunkel- werden; dann ivurden sie durch das Feuer der 84. Batterie vertrieben. Inzwischen gelang es der Hauptmacht der Boeren. die Klipkaal-Drift zu erreichen, wo sie den Fluß»ach Süden zu über- schritten. Eine kleine Abteilung berittener Infanterie und eine Batterie waren über die Klipdrift zurückgezogen und nach dem Südufer des Klipflusses gesandt worden. um den llebergang unmöglich zu machen, sie sahen aber, an Ort und Stelle angelangt, daß bereits so viele Boeren über den Fluß gegangen waren, daß sie ihre Stellung dort verteidigen konnten. Unsre Geschütze feuerten bis zum Dunkelwerden iveiter. Gestern früh befanden sich die Boeren unter General Cronje in vollem Rückzüge südlich des Modderflusses. Kitchener und Kelley-Kcnny folgten ihnen dicht auf den Fersen. Letzte Nacht machte Macdonald mit der Hochlander- brigade einen Gewaltmarsch von 20 Meilen, um die Koodoos-Rand- Drift so rechtzeitig zu erreichen, daß er dort den Feind abschneiden kamr. Ein Erfolg der Boeren. Cradock, 20. Februar. Hier sind Einzelheiten über die Weg» nähme von Wagen am Rietflusse eingegangen. Die Wagen waren an einer Drift zu einem Lager geordnet worden, daß sie von 1800 Boeren mit 4 Geschützen angegriffen worden. Das Schießen dauerte den ganzen Tag. Es wurden 180 Wagen mit Lebensmitteln für Menschen und Vieh von den Boeren erbeutet. � Die Hälfte der Treiber und Führer sind getötet oder werden vermißt. Da gar keine Nachrichten über den jetzigen Aufenthalt und den Znstand von Cronjes Armee vorliegen, so läßt sich mit einiger Sicherheit nicht voraussehen, welchen Ausgang die jetzigen Opera- tionen im Westen des Oranje-Freistaats haben werden. Trotzdem man in England sehr siegesfreudig ist, wird doch am Mittwochabend ans London telegraphiert: In militärischen Kreisen hält man den zweifelhaften Plan Lord Roberts, das Erdrücken der Armee des Generals Cronje und den Marsch gegen Bloemfontein für ver- e i t e l t. Ein entscheidender Zusammenstoß auf dem Freistaatgcbiete dürste nicht vor nächster Woche zu erwarten sein. Lord Roberts verlangte relegraphisch die Absendung von� Offizieren. Die Befreiung von Ladysmith. In London kursierten am Mittwoch Gerüchte, wonach die Be» lagerung von Ladysmith durch die Boeren aufgehoben sein sollte. Dies Gerücht wurde an der Börse verbreitet und auch in der Sitzung des Stadtrats wurde mitgeteilt, daß im Schlosse Windsor, in welchem die Königin gestern eingetroffen ist, die Nachricht ein- gegangen sei, Ladysmith sei entsetzt worden. Alis Anfrage im K r i e g s a in t e wegen der Nachricht wurde jedoch geanllvortet, dem Kriegsamt sei keine Bestätigung zu- gegangen und der Meldung, werde kein Glauben beigemessen. Wenn dies Ereignis wirklich eintreten sollte, so würde es sicher- lich keinem Bullerschcn Siege zu verdanken sein, sondern der Absicht der Boeren, die dann verfügbar werdenden Truppen auf dem West- lichen Kriegsschauplatz zu verwenden. Vom mittleren Kriegsschauplatz. Aruudcl, 20. Februar. Die Boeren in der Umgegend sind thätig und unterballen ein lebhaftes Artillerie- und Gewehrfeuer. Da eine auf 200 Mann geschätzte Streitmacht der Boeren die Ver- bindung mit Naauwpoort bedrohte, wurden von britischer Seite 200 australische Soldaten mit 2 Feldgeschützen abge» sandt, ivelche jedes Kopje beschoffen haben, auf welchem der Feind sich blicken ließ. London, 21. Februar. Den..Times" wird aus Bulaivayo vom 12. d. M. gemeldet: Eine 200 Mann starke britische Streit- macht aus Rhodesien griff heute ein von Buren besetztes Kopje bei 51rokodill-Pools an; die Stellung war jedoch zu stark und die britischen Truppen zogen sich mit einem Verluste von verwundeten 2 Offizieren und 19 Mann zurück; ein Offizier und 9 Mann werden vermißt. Letzte Meldungen. London, 21. Februar. Dem Reutersche» Bureau wird über Lorenco Marques ans Pretoria von gestern gemeldet: Für den Dienst an der Grenze sind viele Bürger und für den aktiven Dienst zahlreiche Freiwillige einberufen worden.— Präsident Steyn meldet, er habe gestern in der Nähe von Koodoosrand mit englischen Truppen.' welche das L a g e r C r o n j e s zu umzingeln versuchten, ein Gefecht gehabt und die Engländer zurückgeschlagen. General Dewet berichtet über Kämpfe, welche zwischen Paardcberg und Koodoosrand stattgefunden haben und bei denen die Boeren mehrere von den Engländern besetzte Kopjes nahmen. Auf englischer Seite betrugen die Verluste mehrere Tote und Ver- wundete sowie 40 Gefangene, die Boeren hatten 2 Tote und 4 Ver- wundete. London, 21. Februar. Eine Depesche des Generals Buller aus dem Lager von Chieveley von heute besagt:„Die fünfte Division überschritt heute auf einer Pontonbrücke den Tugela und trieb den Feind zurück. Marinegeschütze brachten die feindlichen Ge- schütze znm Schweigen. Lorcnco MarqucS, 21. Februar. Ans dem Hauptlager der Boeren vor Ladysmith ivird vom 19. Februar gemeldet: Gestern fanden am Boschkop bei Colenso heftige Kämpfe statt. Die Boeren hatten nur einige Verwundete. Die Verluste der Engländer sind beträchtlich. Mail glaubt, daß die Garniso» von Ladysmith keine Munition mehr hat._ Uetzte und Depeschen« Geestemünde, 21. Februar.(W. T. B.) Der Fischdnmpfer „Mannheim" ist von seiner Reise nach Island nicht zurück- gekehrt. Man ist der Ansicht, datz er zweifellos mit seiner Besatzung von 11 Mann nntergangen ist. Flensburg, 1. Februar.(W. T. B.) Amtliche Meldung: In Jütland sind noch folgende Strecken unfahrbar; Hobro— Fredericks- have, Hobro— Lögstör. Vi borg— Aalestrup. Viborg— Skive, Skive» Herning, Oddesuiid— Tjisted, Romders— Grenaa, Aarhns— Ryom- gaard. Rom, 21. Februar.(W. T.®.) Depntiertenkammcr. In der heutigen Sitzung erklärt der Justizminister: Angesichts der von den beide» Kammern des Äassalionshofes abgegebenen widersprechenden Urteile, von denen das der Zweiten Kammer die Gesetz- lichkcit>lnd Zlnwendbarkeit des königlichen Dekrets über die politische» Massnahme» anerkannt habe, während das Urteil der Ersten Kanimer dahin gehe, daß das betreffende Dekret zwar völlig rechtskräftig gewesen, als es erlassen worden, später aber hinfällig geworden sei, halte es die Regierung, obgleich die Begründung des Urteils des Kassationshofes noch nicht bekannt sei, doch für ihre Pflicht, die Beratung de« Entwurfs betreffend da? zur Umwandlung in ein Gesetz bestimmte Dekret zu beschleunige» und verlange daher, daß die Beratung hierüber auf die Tagesordnung von Sonnabend gesetzt werde.(Anhaltende Bewegung; Lärm auf der äußersten Linken.) Mehrere Deputierte geben hierauf Er- klärungcn ab zur Begründung ihres Votums. Pantano sagt, die änßerste Linke werde den Gesetzentwurf mit der äußersten Energie bekämpfen.(Bewegung und Zustimmung auf der äußersten Linken.) Der Antrag deS Justizminister wird schließlich nach nainent- licher Abstimmung mit 159 gegen 53 Stimmen angenommen. Valladolid, 21. Februar.(W. T. B.) In der Ortschaft A t a q u i n e s sind 420 Häuser durch eine Fenersbrunst zerstört worden. Während des Brandes ist viel Vieh ningekonimen. mehrere Menschen sind aus Schreck wahnsinnig geworden; es herrscht großer Mangel an Lebensmitteln. Bombay, 21. Februar. Die Sterblichkeit ist hier höher, als je zuvor; es sind täglich vierhundert und einige Todesfälle zu ver- zeichnen. Im letzten Monat sind in der Stadt 10 AZA Personen an der Pest sowie an Pocken. Dysenterie und andern epidemische» Krankheiten, die unter den Flüchtlingen aus den Distrikten, in denen die Hungersnot haust, wüten, gestorben. BeraMwortlicher Redaeteur: Paul John tn Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu S Beilagen und IluterhaltmigSblatt. Nr. 44. 17. JalMNg. 1. Keilm des„Pmilrls" KM« WIksblM 22. Miim lSVV. VeickzskÄg. 15t. Sitzung vom 21. Februar IRX), 1 Uhr. Am BnudeSratStisch: Reichskanzler Fürst Hohenlohe, Graf P o s a d o lv S k y. Zunächst steht ans der Tagesordnung die erste Beratung des von den Adgg. W i n t e r e r und Genossen iEls.) eingebrachten Gesetz- ciitiuurfv betr. Zlufhcbnng deö Diktatnrparagraphk». Abg. Winterer(Elf.): Der Diktatnrparagraph ist das älteste Ausnahmegesetz; er ist noch ctwaS älter als das bekannte Jesuitcngesetz. Unser Antrag auf Aufhebung desselben ist bereits bor 25 Jahren zum erstenmal hier eingebracht worden. Der Diktatnrparagraph bedeutet den fort- dauernden Belagerungszustand in Elsast-Lothringen. Auch in andren Staaten kann, falls die öffentliche Sicherheit in Gefahr ist, der Be- lagernngSzustaitd eintreten, aber er kommt nur zur Geltung, tvenn er besonders erklärt ist. In Elsaff-Lothringen ist eine solche Er- klänmg nicht notwendig. Man kann sagen, in Elsatz-Lothringcn be- sieht der Belagerungszustand bereits seit 28 Jahren. Der Slusdruck Diktatnrparagraph stammt nicht bon uns. Er ist im deutschen Reichstag im Jahre 1873 zum erstcnmale bon Windhorst gebraucht worden. Dainals war der Gencralvikar des Bischofs voii Strafe- bürg ohne gerichtliche Verhandlung ausgewiesen worden, und Windhorst sagte, eine gesetzliche Bestimmung, auf Grund welcher so etwas vorkommen kann, ist eine exorbitante Ansnahmebestimmung, sie begründet die fortdauernde Diktatur in Elsafe- Lothringen. ES wird behauptet, dafe wir dem Paragraphen eine zu weittragende Bedeutung beimessen. Man hat den Paragraphen verschieden ans- gelegt. Uns kommt es aber nicht auf die Auslegung an. sondern darauf, wie er thatsächlich angewendet wird. Ich wicS schon an' den Fall des Generalvikars des Bischofs von Strafeburg hin, der, ohne verhört zu werden, ausgewiesen wurde. Auch andre harmlose clsässische Staatsbürger sind ohne gerichtliches Verfahren ausgewiesen worden. Eine Bestimmung, auf Grund deren eine solche Ausweisung erfolgen kann, ist thatsächlich eine exorbitante AuSnahmebestinnnnng. lSehr richtig! bei den Elsäsicni.) Bereits vor 25 Jahren hat in der Debatte über den Diitaturparagraphen Herr v. Pntt- kamer erklärt, wir erkennen an. dafe dieser Paragraph ein schweres Ausnahmegesetz ist. und wünschen alle, dafe der Zeitpunkt, wo wir ihn aufheben können, bald kommen möge. Seitdem ist das 19. Jahrhundert zu Ende gegangen, und der Diktatnrparagraph ist noch nicht aufgehoben, trotzdem in ganz Elfafe-Lothringcn keine Per- schwörnng, kein Ausstand mehr vorgekommen ist, selbst die Streiks find nihig verflossen, unser Volk ist fortwährend ein wahrhast ordnnnglicbcndcs Volk geblieben. Die Kriminalitätsziffer in Elsafe- "ochringcn in Bezug auf Geivaltandrohung gegenüber Beamten ist günstiger als in jedem andern Staat des Deutschen Reichs. Es ist seit 25 Jahren keine einzige Ausschreitung vorgekommen, die man nicht mit gewöhnlichen Mitteln hätte bekämpfen können. Elsafe-Lothringcn hat eine Militännacht von 77000 Mann. Der Richterstand, die Vcrwaltnngs- beamtensind zum grofecn Teil nicht Elsässcr— unter solchen Umständen ist eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit im Sinn de� Diktatur- Paragraphen gar nicht möglich. sTehr richtig! bei den Elsässcrn.) 1895 erklärte der Herr Reichskanzler bei Beratung unjrcö Antrags, der Diktaturparagraph wäre noch notwendig wegen der ausivärtigc» Agitation an der Grenze. Wir haben von dieser Agitation scitdcui nichts gemerkt.(Sehr richtig! bei den Elsüsscrn.) Wo sollen denn auch die Agitationen herkommen? Nach dein Prefegesetz kann ja ein Blatt, das gefährlich sein könnte, verboten werden, und das BereinSgesev in Elsafe« Lothringen gicbt die Möglichkeit, gegen Vereinigungen, die in dieser Weise agitatorisch wirken, einzuschreiten. Alan'sagt Ivcitcr, der Tiktaturparograph werde sehr wenig angewendet. Das sollte doch aber gerade ein Gnind sein, ihn aufzuheben.(Sehr richtig! bei den Elsässern.) Der Diktatnrparagraph hat eine Situation geschaffen, die schwer lastet auf allen Verhältnissen des Landes. Er beruhigt incht Elsafe-Lothringen, sondern er ivirkt deprimierend und aufregend. sSehr richtig! bei den Elsässern.) Daher haben wir heute unsrcn Autrag wieder eingebracht. Er ist bereits mehrfach von einer be- deutenden Mehrheit des Reichstags angenommen worden; ich bitte Sie, ihn auch heute wieder anzunehmen.(Bravo! bei den Elsässern.) Reichskanzler Fürst Hohenlohe: Es ist nicht meine Absicht, auf die staatsrechtlichen Deduktionen über die Stellimg von Elsafe-Lothringen einzugehen, ebensowenig auf die von dem Hern, Vorredner geschilderten angeblichen Nachteile der aufeerordcntlichrn Gewalten, die früher dem Oberpräsidenten von Elsafe-Lothringen. seit 1879 dem Statthalter eingeräumt worden sind. Diese Ausführungen können uns zivar ein Bild der Wünsche des Landes geben, haben aber ivenig praktischen Wert; denn ich bcdaure. deren Ersiillung nicht in Zlnösicht stellen zu können. sHört! hört! links.) Der sogenannte Diktaturparagraph ist erst in neuerer �eit an die Oberfläche getreten, nachdem lange Zeit hin- durch nicmaud sich um die angeblickic» Gefahren des- selbe» geknmmert hat.(Bewegung.) Ich habe 9 Jahre in Elsafe- Lothringen als Statthalter gelebt und darf sagen, dafe man sich damals nur wenig mit den aufecrordentlichen Gewalten des Statt- Halters beschäftigt hat. Konnte doch der frühere Unterstaatssekrctär in Elsafe-Lothringen. Staatsniinister v. Köllcr, hier im Reichstag erklären, dafe er-1 Jahre im Amte gewesen sei, ohne den Diktatur- Paragraphen gelesen zu haben. Wenn dies einer der ersten Ler- wallniigobramten des Landes sagen konnte, so beweist es doch, dafe die Schrecknisse, die man dieser gesetzlichen Bestimmung jetzt zu- schreibt, nicht im Vordergrund der Diskussion standen. Erst in neuerer Zeit ist die Frage ivicdcr aufgetreten, und zwar, iveil man erkannte. dafe sie sich als Agitationsniittcl verwerten lasse, mn Uuzlifricdenhcit und Mifestiiunning zn erregen. lBcwcgung.) Im tvesciitlichcn ist jene gesetzliche Bestiimming mir eine Warnungstafel, oder— bester gesagt— eine Fabne. die wir auspflanzen gegenüber der französischen Gcsiimnng. soweit sie noch vorhanden ist. Ich erkenne gern an, dafe die Bevölkerung deS RcichslandcS deutsch gesinnt und lohal ist. ES kann aber Nicht geleugnet werden, dafe eine Minderheit noch anti- deutsche Gefmnnng hegt. Die alten Beziehungen haben Wurzeln hinterlassen, die hie und da wieder neue Reiser hervor- treiben. Ich ivill damit dieser Minderheit keinen Vorwurf machen. ich erwähne nur Thatsächlichcs. Dafür Ivill ich Ihnen ein Beispiel ans jüngster Zeit anführen. Sie wissen, dafe die Regierung mit dem Gedanke» umgeht, die wissenschaftliche iiluSbildnng deö reichsländtschc» tllcrns ciiicr katholischen Fakultät au der Universität Strafeburg zu übertragen.(Bewegung in der Milte.) Hervorragende deutsche Katholiken empfehle» diese Maferegcl und in Rom ist man dem Projekt günstig gestimmt. Nun erhebt sich dagegen unter einem grofee» Teile des elsäsfifcheu K l e r u S Widerspruch und leidenschaftlicher P r o t e st. Ich lami diesen Widerspruch nur dadurch erklären, dafe ich ihn ans die französische Gesiuuung eines Teiles deö Kleruö zurückführe(Bclvcguiig). dafe ich aimehme, dafe dieser protestierende Teil des Klerus an den französischen Traditionen hängt, die sie im grofee» Seminar erhalten haben. Ties beiläufig als ein Beispiel. Was die anfeerordcutlichcn Gewalten des Statthalters betrifft, so gelten diese nur für aufeerordentliche Zustände. Dafe solche Zu- st ä n d e eintreten können, wird niemand leugnen können. Elsafe-Lothringen ist ein Grenzland. Unsre Nachbarn find erregbar. Unsre Bevölkerung steht noch an vielen Orlen in Beziehungen zu ihren früheren LmidSleuten. Es ist immerhin möglich, dafe wir von etwaigen im Nachbarlandc auftrctciidcn Erschütterungen nicht uubc- rührt bleiben. Allerdings sind nnsre Bezichnuge» zu der fran- zöstschc» Negicrimg die denkbar beste»(Hört! hört!) und auch im Lande ist die Stimmung für uns eine freundlichere als in früheren Jahren.(Hört! hört!) Aber eine Gewähr für die Dauer dieser Stimmung kann niemand geben. Deshalb müssen wir f ü r a l l e Eventualitäten vorbereitet sein und dürfen die Mittel nicht ans der Hand geben, deren wir zur Sicherung unsres Besitzes bedürfen. Wir höben Elsafe-Lothringen nicht durch Vollsabstimmung sondern mit Waffengewalt erworben und wollen das wieder- gewonnene Land bchaltrn. Das ist unser Recht!(Bravo rechts.) Abg. Dr. Riff(frs. Vg.): Die Elsafe-Lothringer sind bereit, ihre Pflichten als Staats bürger vollkommen zü erfüllen, sie verlangen dann aber auch Gleichberechtigung mit allen ändern Staatsbürgern des Deutschen Reichs. Die heutige Erklärung des Herrn Reichskanzlers ist aber viel schärfer und UN- freundlicher ansgefallcn als diejenige, die 1895 von dem Rc- giernngsvertreter abgegeben wurde. Seit 1880 ist doch n i ch i ein einziger Fall von Aufruhr, Landfriedensbrnch usw vorgekommen,' sodafe der Paragraph, der nur znr Anfrechterhaltung der öffentlichen Sickicrheit bestimmt ist, vollkommen überflüssig ist. Man beruft sich nun immer auf die Agitationen, die von answärts kommen rcsp. von dem angeblich französisch gesinnten Teil der Be- völkerimg ausgehen sollen.' Man verweist auf französische ZeituiigS artikel und Versammlungen, die die Losrcifeung von Elfech Lothringen forder». Ich verlange aber den Nachweis von der Re- giernng, dafe solche Artikel oder Versammlungen einen Ein- flnfe auf die eliäfe- lothringische Bevölkerung gehabt haben Ans den gesunden Menschenverstand der elsafe-löthringischcn Bevöl- kcrnng niacht solches Geschreibsel und Bramarbasieren nicht den gc- ringsten Eindruck.— Man hat auch behauptet, der Diktatnrparagraph werde nicht aufgehoben, weil einige elsafe-lothringischc Reichstags- Abgeordnete nicht patriotisch und loyal genug seien. Allerdings behaupte ich, dafe Rcgicrnngsfrcnndlichkcit nicht der einzige Gradmesser für Loyaiität nnd Patriotismus ist.(Sehr richtig' links.) Dafe der Diktatnrparagraph thatsächlich ein Ausnahmegesetz ist ist nicht zn bezweifeln. Auf Grund dieses Paragraphen werde» z. B Mafenahmcn getroffen, die mit dem ReichS-Prefegesetz in Widerspruch stehen.— Die bestehenden Gesetze genügen vollständig. Auch bei uns kann wie in jedem andern deutschen Staat ein Ausländer, der sich unliebsam niacht. ausgewiesen ivcrdcn, ohne dafe es der Be- stiniimmg des Dikiatnrparagraphen bedarf. Wir sind gewife dein Kaiser dankbar für das Wohlwollen, daS er stets der elsafe- lothringischen Bevölkerung ciitgegengebracht hat, aber wir können die Zukunft Elsafe- Lothringens' nicht von dem Wohlwollen einer einzigen Persönlichkeit, und sei sie noch so hoch gestellt, abhängen lassen, sondern verlangen gesctz liche Garantien znin Schutz der Bevölkerung. Die Ans rechtcrhaltnng des Diktöwrparagraphcn hat im Elsafe ein Gefühl der Demütigung erzeugt, das nur allzu berechtigt ist. Wir Elsässcr wollen nicht mehr länger dcntschc Staatsbürger mindrre» RcchtS sein. Der Reichstag Ivird sicher das erlösende Wort sprechen: Der Diklaturparagraph ist aufzuheben, nnd ich habe trotz der Erklärung des Reichskanzlers noch nicht alle Hofinnilg ver- lorcn, dafe sich auch der Bundesrat zur Aufhebung entschliefet. (Beifall.) Abg. Haust(Elf.): Die junge Generation empfindet die Anfrechterhaltung der Diktatur ebenso schmerzlich, ivie nnsre Väter sie en'.pfunden habe». Wir empfinden sie um so schmerzlicher, als lvir ihre Berechtigung nicht einsehen kv»»en. Der Vorivurf gegen die Illoyalität der elsässischen.Abgeordneten ist 1879 zuerst von Bismarck erhoben wör- den. vor einigen Jahren hat ihn der Staatssekretär von Putkamer wiederholt. Ich habe hier zu erklären, dast wir elsässischen Ab- geordneten ans dem Boden der RcichSvcrfassnng stehen. Der Vorwurf der Reichsfciiidschaft ist ganz nnbereckitigt. In Eliafe� Lothringen herrscht jetzt die Ruhe deS Kirchhofs. Nicht mucksest immer das Manl halten, das ist hier die Parole. Wer dagegen verstöfet, der ist ein Reichsfeind Aber sollen lvir nicht nnsre Stimme erheben dürfen? Man hat hier die Fatultätsfrage hineingezogen. Wer hat an dieser Frage das Hauptinteresse? Doch die Geistlichkeit. Warum soll sie ihre Stimme nicht erheben dürfen? Etwas andres hat sie nicht gcthan. Als zweiter Grund für die Dittatur weiden Revanchegelüfte angegeben. Positive Beweise würden für das Vorhandensein solcher Gelüste nicht zu er- bringen sein. Auch olnic Diktatur aber können ausländische Blätter verböten werden. Auch ohne Diktatur köiiiicn Hetzereien vom Ausland her nnlcrdrückt werden. Es herrscht jetzt im Elsafe eine ans Krankhafte grenzende Franzos enriecherei. Einem s o c i a l d e m o- k r a t i s ch e ii Arbeiter wurde in Metz von der Behörde erklärt,»wir können hier keine socialdcinvkratischen Agitationen gebrauchen, iveil wir init den Franzosen genug zu thun habe». Durch solche Dinge ruft man aber»nr Erbitterung jenseits der Grenzpfähle hervor. Die Behörden strebe» Ruhe inid Ordnniig mit ganz vcrschlten Mitteln an. Verfehlt ist es, wenn man, ivie es geschehen ist, die Wähler Bebels mit den Worten„Schufte" belc�t. Die Behörden sagen, es herrscht noch Unruhe und Unfrieden im Lande. Damit steht das letzte Dankschreiben des Kaisers an die Elsafe-Lothringer im Widerspruch. Der Kaiser sagt darin, ivie wohl er sich im Elsafe befunden habe. Auch die reichstreucn Blätter haben das patriotische Verhalten der Bevölkennig aiierkaimt. Ohne den Diktatlirparagraphen»vürde es freilich inanchcn Beamten nicht gefalle». Ich sage nicht allen Beamten, sondern nur inanchcn. ES giebt Beamte, die sich gern als Diktatoren auf- spielen nnd mit unnötiger Schärfe nnd Ungerechtigkeit vorgehen. Willkür herrscht besonders ans dem Gebiete der BcrsammlungS- frcihcit. Von einem Polizeikomniisiar wurde in einer Versamm- liiiig verlangt, dafe iämtliche Fenster nnd Thnren geschlossen bleiben mnfeten. ES war im Juli. Der Kommissar berief sich ans den Wortlaut des Gesetzes, das; die Versammlungen in geschlossenen und gedeckten Räumen tagen müssen. Wir zogen nnS ivegcn der Hitze die Röcke ans, der Polizeikommissar in dick wattiertem Rock nnd Helm hat ordentlich geschwitzt.(Grofee Heiterkeit.) Bei der nächsten Vcrsaiiimlung hat der Kommissar das Verlangen nicht mehr gestellt. Er war durch die Schwitzkur kuriert. Heiterkeit.) Dem Freidenker Dr. Rüdt ivurdc in einer Versammlung gesagt: lieber StaatScinrichtnngc» darf nicht gesprochen iverden.(Grofee Heiterkeit.) Ein Bürgenneistcr hat lustig Wahl- zettel gefälscht nnd, obwohl er verurteilt wurde, erklärte er offen, dafe er dasselbe bei Gelegenheit wieder machen würde.(Hört! hört!) So etwas kann nur in den ReichSlanden vorkoinmen. Aber nicht die Bevölkerung ist schuld an der Unruhe, sondern die Regiernng durch ihre unruhigen Mafenahmen. Ich rufe der Regierung zu: links.) Abg. Prinz zu Hohenlohc-SchillingSfürst(wild): Ich habe das Wort ergriffen, weil meine persönliche Stellung zu dem vorliegenden Antrag für einen Teil der Ab- geordneten von Interesse sein dürfte. Ich habe allerdings, als ich in den Reichstag gewählt wurde, dem Wahlkomitee erklärt, dafe ich für die allmähliche Glcichstcllnng Elsast- Lothringens mit den übrigen Binidcsstnatcn nnd auch für die Aufhebung deS Tiktaturparagrapheu eintreten würde, jedoch für diese Auf- hebiliig»nr unter der Bedingung, dafe der Regierung ausreichende Waffen zur Bekäinpfnng reichsfeindlicher Agitation blieben. In dem vorliegenden Antrag ist aber von solche» Waffen nicht die Rede, er verlangt einfach Ailfhebnng deS Dittaturparagraphen. Ich irnife nun ällcrdingS offen gestehen, wenn ich an die ruhige nnd friedliebende Bevölkerung meines Wahlkreises nnd mancher andern Kreise des Landes denke, dann wäre ich versucht, den Standpunkt der Antragsteller zu teile». Für einen grofeen Teil der ruhigen deutschdcnkendeu und dcutschsühlendcn Bevöllerung wäre in der Thal der sogenannte Diktatnrparagraph nicht nötig, aber auch innerhalb der Grenzpfühle Elsafe-Lothringens giebt es Leute, deren Verhalten es der Regierung zur Zeit sehr schwer, ja fast unmöglich niacht. auf das Machtmittel des Diktaturparagraphen zu verzichte». Wer das zweifelhafte Vergnügen hat, täglich das«Journal de Colmar" oder den„Elsässischen Kurier" nnd ähnliche Organe zu lesen, bekomnit ein eigentümliches Bild von der Gesinnung, die dieser Presse, die fast ausschließlich von katholischen Geistlichen geleitet und inspiriert wird, zu Grunde liegt. Französische Verhältnisse werden dort stets im günstigsten Lichte dargestellt, während auf der andeni Seite deutsche Einrichtungen herab- gesetzt iverden nnd stets die Verschiedenheit der Elsässcr und der Altdeutschen hervorgehoben wird. Das Bestreben dieser Blätter geht nur dahin, die Kluft zwischen Deutsche, i und Elsässcrn nach Möglichkeit zu vergröfeern. Und das alles trotz emer Regierung, die so milde ist, ivie sie Elsafe-Lothringen seit Jahrhunderten nicht gehabt hat.(Lachen bei den Elsässern). Wenn die Aufhebung des Diktaturparagraphensdeshalb nicht möglich ist, so hat sich der friedliebende Teil der Bevöllerung dafür bei diese» Herren zu bedanlcn, die nicht müde werden, Unruhe zu stiften. Abg. Höffel(Rp.): Die Regiernng müßte sich sagen, dafe die elsafe-lothringische Bebölkernng daS Bestehen des Diktatnrparagraphcn als ein Mife- trauensvotüm anffafeb Wenn der Paragraph so selten angewendet ivird, so liegt gerade darin der Beweis dafür, dafe er überflüssig ist. In Anbetracht der ruhigen, friedliebenden Bevölkernng des Landes lind der hohen Entivickliing des Handels nnd der Jndllstrie in Elsafe- Lothringen läge cS gewife' mir im Interesse deS Landes, wenn man dasselbe auf den Boden voller Gleichberechtigung mit den andren BilndcSstaaten stellte. Der ganze Eharaltcr bei der Be- vormnnduitg, wie er jetzt herrscht, ist nicht dazu angcthan, das Gc- deihen deS Landes in wirtschaftlicher nnd politischer Hinficht zu fördern. Es liegt also sowohl im Interesse des Reichs als in dem von Elsafe-Lothringeii. dafe der Diktaturparagraph aufgehoben wird. (Beifall bei den Elsässern.) Abg. Gröber(C.): Ich kann auch heute namens meiner Freunde die Erklärung abgeben. dafe wir für den Antrag stimmen iverden. Die Anhänglichkeit der reichSländifchen Bevölkeniiig an das stammverlvandte deutsche Vaterland ist im Laufe der Jahre immer offciikundiger geworden. Der heutige Herr Reichskanzler hat selbst vor 5 Jahren erklärt, der Diktatur- Paragraph habe nnr noch eine theoretische Bedeutung.(Hört! hört! im Centrum.) Heute sagte er, der Paragraph habe ivescntlicki de» Zweck, der Regiernng gegenüber auswärtigen Agitationen eine Handhabe z» bieten.' Gleichzeitig sagte er aber, dafe nnsere Beziehlnigeil zn der französischen Regierung die denkbar besten seien, freilich habe nian keine Garantie, dafe dies immer so bleiben werde. Werl Elsafe- Lothringen nicht durch Volksabstimmung, sondern durch Waffengeivalt geivonnöir sei. sei die Anfrechterhaltung deS Dittaturparagraphen notwendig. Die Logik dieser Folgerung ist mir unverständlich ge- blieben, besonders da der Herr Reichskanzler anerkannte, dafe die grofee Mehrheit der Bevölkernng deutsch gesinnt sei. Was die Frage einer iätholischen Faktnltät an der Universität Strafeburg mir dem Diktatnrparagraphen zu thml hat. weife ich nicht. Das ist eine rein kirchliche Frage, die mit der politischen Ge- sinnung der Beteiligten überhanpt nichts zu thun hat.(Sehr richtig? im Centrum.)— Prinz Hohenlohe hat dani» auch Material für die Anfrechterhaltniig des Diktaturparagraphen bcigebrackit nnd hat auf einzelne Prefeorganc hingewiesen, die aufhetzend wirken sollen. Soivcit dies wirklich der Fall sein sollte. würden jedenfalls das Prefegesetz und die Strafbesti»»nungen über Majestätsbeleidigung. Beamtcnbcleidignng usw. zn ihrer Verfolgung vollkommen ans- reichen.(Sehr richtig! ii» Centn»».) Uebrigens war es bezeichnend, dafe Prinz Hohenlohe von dem Standpunkt seines Wahlkreises ans den Diktatnrparagraph für nicht notwendig erklärte, nur die Ver- hültnisse in anderen Wahlkreisen bedingten ihn.(Heiterkeit, sehr gut! im Centrum.) Der Herr Reichskanzler sagte, man hätte lange nicht von dem Diktatnrparagraphen gesprochen, erst neuerdings iverde er wieder als Agitationsmittel zur Erreglmg von Nnzufriedenheit unter der Bevölkerung benntzt. Nu», ivenn doch, ivie anerkannt, kein dringendes Bedürfnis für dieses AiiLnahmegesetz vorliegt, so möge man doch den Leuten das Agitationsmittel nehmen.(Sehr richtig I im Centrum.) Man möge der Bevölkerung mit Liebe und Vertrauen e»t- gegenkommcn, mir dann kann maii von ihr Gegenliebe und Vertrauen erwarten. Man spricht jetzt so viel von der grofeen gewaltigen Welt- Politik in Deutschland. Da muß es einem doch recht kleinlich vor- kommen, wenn innerhalb Deutschlands grofee Teile des Reichs»och ivie Stiefkinder behandelt werden. Die Wettpolitik setzt voraus ein geschlossenes Volk, da« cinmütig die grofeen Projekte zu«nteniehmcn sucht. Mit einer Krähwinkel- Politik, mit einer Politik deS Mife« trancns im Innern kann man diese Weltpolitik»ach anfecn nicht treiben.(Lebhaftes Bravo! im Centrum.) Abg. Singer(Soc.): Meine Freunde werden natürlich für den Antrag stimmen. Die AuSfühnmgcn des Herrn Reichskanzlers gegen die Anfhebung des Diktaturparagraphcn beweisen, dafe die Regierung keine Gründe für die Notlvcndigkeit der Beibehaltung dieses Paragraphen anführen kann. Der Herr RcichSkanzler sagte, die Ausführungen des ersten Redners hätten wenig praktischen Wert für ihn, iveil er eine AufheblMg des Paragraphen nicht in Aus- icht stellen könne. Ich nnife sagen, seine Ausführungen haben auch nicht den allergeringsten praktischen Nachweis dafür gc- liefert, dafe in Elsafe-Lothringen»och Zustände herrschen. die auch nur den Schein der Notwendigkeit der Anfrechterhaltung eines olchc» Ausnahmegesetzes bedingen. Früher hat die Regierung ich um diesen Paragraphen mcht gekümmert. Herr von Koller jat ihn überhaupt nicht gelesen, sagte der Reichskanzler. Das timmt ja ganz mit der burschikosen Auffassnng, die der Herr hier im Reichstag oft gezeigt hat(Sehr richtig! bei den Social- demokraten), aber er hat doch damit bewiesen, dafe dieser Paragraph nicht notlvendig ist. Meine Freunde haben soviel Beispiele beigebracht über die unerhörten Vergewaltigungen, die in Elsafe-Lothringen ans Grund dieses Paragraphen vorkommen, dafe sich die Gründe gegen die Aufhebung diese« Paragraphen wirtlich etwas komisch anhören. Ich iiiiife sagen, die Bedeutling solcher Bestimmunaen kann nur daini gerechtfertigt iverden, ivenn sie sich aus den Berhältnisien des Landes ergiebt. Sonst haben sie nur die Bedeutung, dafe sie die Bevölkernng unnötig chilanieren. Der Herr Reichskanzler meinte, man verlange die Beseitigling des Diktaturparagraphen erst wieder in neiicrer Zeit. nm ein Agitationsmittel zur Erregung von Uiiznfriedenheit z» haben. Ich tvciß nicht, ob sich der Herr Reichskanzler die Verhandlungen noch einmal angesehen hat. DaS Verlangen»ach Aufhebung des Dittatur- Paragraphen ist so alt wie der Paragraph selbst, nnd alle elsässischen Abgeordneten mit Ausnahme des einen Kollege», ans dessen Aus- üh'rlingen ich nachher noch zu sprechen komme, sind einig in der Notivendigkeit der Beseitigung des Diktatnrparagraphei,. Der Reichs- kanzler selbst hat vor zwei Jahren eine ganz andere Stellung in dieser Frage einaeiiommen. Damals erklärte er, dafe die Regienmg der Aufrechterhaltniig des Paragraphen zur Zeit noch bedürfe. Heute aber hat er uns gesagt, er könne die Aufhebung des Dittaturparagraphen nicht in AnSsicht stellen. Der Herr Reichs- kanzler hat seine Erllänmg damit geschloffen, dafe er meinte. Deutsch- land habe Elsafe-Lothringeii mit Waffengewalt gewonnen, und Deutsch- land lvolle das eroberte Land behalten. Wenn die deutsche Reichsregierung aber kein andres Mittel kennt, um Elsafe-Lothringen dauernd an sich zn fesseln, so sollte sie sich iiur mit dem Gedanken vertraut machen. fofe c5 ihr nie gelinge» wird. Wenn Elsav-Lothringcn durch solche Gclvnltmittcl an das Deutsche Reich gefesselt' werde»- ums;, wird mau nie erlvarten dürfen, daß die innere Anhänglichkeit zum Reiche irgend welche Fortschritte macht. Wenn derHerr Reichskanzler die Sache so darstellt, als wen» in der That der Paragraph nur theoretische Bedeutung habe, so haben die Vertreter für Elsasz-Lothringen schon das Gegenteil bewiesen. Wer die Dinge verfolgt, weiß, daß das Schwert des Diktatlirparagraphen jeden Augenblick ans die Elsag-Lothringcr »iedersansen kann. Ich kann es in der That nicht begreifen, dag eine solche gesetzliche Bestimmung hier als harmlos hingestellt werden kann. Das ganze geistige Leben muß unter dein Diktaturparagrnphen leiden. Ich erinnere nur an die vielen Zeitungsverbote. Meine Partei bot ebenfalls unter diesen Umstanden leiden müssen. Solche Maszregcln. Ivie sie unter dein Diktaturparagraphcn möglich sind, können nur Erbitterung hervorrufen. Der Herr Reichskanzler weiß ganz gewiß, ivelche Auffassimg auch in Regiernngskreiscn, wenn auch nicht in deutschen, über den Belagernugs- zustand geherrscht hoch DaS Wort C a v o u r s ist ihm jedenfalls be- Mimt, mit dem dieser solche Zustände bezeichnet. Ich gehe noch weiter und sage: Wer ohne solche Maßregeln nicht regiere» kann, kann überhaupt nicht regieren.(Sehr richtig! bei de» Socialdcmo- traten.> Aber der Belagerungszustand des Diktaturparagraphcn ist ein Zeichen der Kultur des deutschen Reichs. Er ist entweder ein Zeichen der Schwäche der Regierung oder aber ein Zeichen der Ge- waltpolitik, die eines Kulturvolks unwürdig ist. Ich muß es der Regierung überlassen, sich von beiden Fällen den auszusuchen. der ihr am meisten bchagt. Wir im Reichstage dürfen uns jedenfalls nicht auf den Standpunkt stellen, den der Herr Reichskanzler eingenommen hat. Die Meinung, als ob die Zu- fricdcnheit in Elsnß-Lothringen durch den Diktaturparagraphen gc- fördert werden iviiutc, wird dem Herrn Reichskanzler durch uiisre Abstimmung hoffentlich gründlichst genommen werden. Ich wende mich noch kurz zu den Ausführungen dcS Abg. Prinz Hohenlohe. Der geehrte Herr Kollege hat ja in manchen Dingen eine andre Auffassung gehabt, als sie von der Rcichsrcgieruug aus- gesprochen ist. Wenn er sich heute zn der Auffassung des Reichs- kanzlers bekennt, so hat er leider vergessen diel Gründe dafür uns bekannt zu geben. Er meint, wenn die Regierung auf den Diktaturparagraphen verzichten sollte, müßten ihr Waffen gegeben werden, um alle Störungen im Innern oder von außen unmöglich Zu machen. Solcher Waffen bedarf es aber gar nicht; die Regierung hat sie schon. Zu welchen Härten der Gebrauch einer solchen Gc- Waltmaßregel führen kann, dafür nur wenige Beispiele. In Mül- hausen wurde ein harmloser Mensch, der auf der Straße einigemal ..vivo la France!" gerufen hatte, ohne jemand zn stören und ohne Aufsehen zu erregen, verhaftet und mit 4 Monaten Gefängnis bestraft. Ebenfalls in Mülhausen wurden am Ende vorigen Jahres Flugblätter, die ganz ordnungsgemäß hergestellt waren und sich gegen die Umsturzvorlage richteten, koiifisciert. Sie wurden ans den Wirtschaften herausgeholt, und jede Verbreitung und Ver- teilnng wurde verhindert. Daß man auch Versammlungen verboten hat, versteht sich von selbst.— Der Herr Reichskanzler hat gemeint, man müsse den Diktaturparagraphen behalten, um. falls es nötig würde, von ihm Gebrauch zn machen. Diese Begründung erinnert sehr an die Begründung, die wir seiner Zeit bei der Umsturzvorlage gehört haben. Damals hieß es:„Die vorgeschlagenen Maßregeln sind das Mindestmaß dessen, was die Regierung zur Aiifrcchtcrhaltnng der Ordnung braucht." Die Umsturzvorlage ist abgelehnt und die Regierung kommt auch ohne sie aus.— Der Herr Abgeordnete Prinz Hohenlohe hat namentlich die Gesinnung der dortigen Presse als Grund für die Notwendigkeit der Beibehaltung des Tiktaturpara- graphcn genannt. Wenn er die Presse erwähnte, hätte er lieber die Ausdehnung deSReichspreßgesctzes auch ausElsaß-Lothringen verlangen sollen. Die Reichslande haben noch immer unter dem altfranzösischcn Gesetz zn leiden, das in Frankreich selbst nicht mehr gehandhabl wird. aber in Elsaß-Lothringen noch zu Recht besteht. Eine Verurteilung der antideutschen Sri m m u n g ist übrigens gerade bei einem Gliede der Familie Hohenlohe verwunderlich. Die Familie Hohenlohe ist sozusagen international, namentlich in ihrem Besitz. Es ist ja bekannt, daß damals, als ein Ukas vom russischen Kaiser befahl, daß Ausländer ihren Besitz zn ver- äußer» hätten, ein Mitglied der Familie Hohenlohe— wenn ich nicht irre, war es gerade der Prinz Hohenlohe— die Absicht hatte, sich in Rußland naturalisieren zu lassen. Gegenüber dieser Thatsache ist es doch verwunderlich, wenn der Abg. Prinz Hohenlohe die antideutsche Gesinnung einiger Blätter in Elsaß- Lothringen als Grund für die Aufrechterhaltung des Diktaturparagraphen anführen will. Wenn die Verhältnisse in Elsaß-Lothringen wirklich so gut lägen, wie man uns glauben machen will, würden die berufenen Vertreter von Elsaß-Lothringen nicht Jahr für Jahr mit demselben Antrage wiederkommen, und ich vermute, auch im Wahlkreise des Prinzen Hohenlohe wird die Verurteilung des Diktaturparagraphen ebenso stark sein, wie überall. Vielleicht ist aber der Paragraph für die Wahl des Abg. Prinz Hohenlohe nicht ganz uunützlich gewesen. Für uns kommt es nicht so sehr darauf an. ob der Diktaturpäragraph auf- recht erhalten wird. Die Thatsache, daß er überhaupt vorhandcii ist. finden wir beschämend. sSchr richtig! links.) Wir meinen, die Reichslande brauchen kein Ausnahmegesetz und fordern daher seine Beseitigung. Der Reichskanzler sagt nein. Dann hat er aber auch die Ver- antwortung dafür zu wagen, daß der Assimilieningsprozeß in den Reichslanden so gut wie keine Fortschritte macht.(Beifall bei den Socialdcmokraten.) Abg. Büsing snatl.): Wir haben immer auf dem Standpunkt gestanden, daß die Re- gierung. die die Verantwortung für die Sicherheit in den Reichs- landen zu tragen hat, nicht einseitig gezwungen werden soll. Macht- , Nittel ans der Hand zu geben. Indessen es sind seit Einführung der Diktatur beinahe 30� Jahre vergangen, und es läßk sich »icht leugnen, daß durch die Aufrechterhaltung die Bevölkerung in Unruhe und Leidenschaft erhalten wird. Wir halten den Augenblick für gekomnicn, wo die gewöhnliche» regulären Machtmittel ausreichen sollten, um in Elsaß-Lothringen Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten zn können. In seiner Aufrechterhaltung sehen wir ein Hindernis für die Ausbreitung des Dentschtums im Elsaß. Die Diktatur ist ein Zeichen der Schwäche des Reichs, sie erweckt den Schein der Willkür. Gerade im Interesse der friedlichen Entwicklung der Reichslandc fordern wir die Aufhebung der Diktatur sind werden für den Antrag stimmen. Geh. Rat Hallein! Die heutige Erklärung des Abg. Hauß, die Elsässer ständen auf dem Boden der Rcichsverfasiung, kommt etwas sehr spät und verliert dadurch an praktischem Wert. Sollte sie in der Zukunft praktische Erfolge zeitigen, so werden wir uns sehr darüber freuen. Der Abg. Singer ist auf die Behandlung der Presse in den Reichslanden zu sprechen gekommen. Auch wir sind bestrebt, das Rcichspresserecht auch auf die ReichSlande zu übertragen, allein einige Bestimmungen desselben würden heute nur dem Assimilicrungs- Prozeß hinderlich sein. In Bezug auf die Behandlung der Presse sind wesentliche Erleichterungen gegen früher eingetreten. Die frühere Bunt- fcheckigkeit derBcstimmungen ist durch ein einheitlichcsGesetz ersetztworden, bie engeren französischen Bestimmungen mußten freieren deutschen Westimmungen weichen. Die Uugebundenhcit der Sprache ist im Elsaß größer als irgend anderSivo.(Redner verliest den auch durch die Presse gegangenen Schimpfartikel eines klerikalen elsässischcn Blattes' gegen die s o c i a l d e m o k r a t i s ch e Zeitung„Freie Presse". Ruf links: Deshalb brauchen wir doch keinen Diktatur- Paragraphen!) Herr Singer hat dann gemeint, es werde aus dem Gebiete der öffentlichen An- kündigung zu schroff verfahren. Das Verfahren der Behörden cnt- spricht nur dem Gesetze. Freilich will ich dem Abg. Singer zugeben, daß die Handhabung der Jnschristcnverordnung viel Takt bei den untern Polizeibehörden voraussetzt und daß nach dieser Richtung manchmal gesündigt wird. Die oberen Behörden haben es aber ine an der nötigen Rcdressicrung fehlen lassen. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Meine Freunde werden in ihrer großen Mehrheit gegen den Antrag stimmen. Sie wollen der Regierung die Initiative über- lassen. Ich stehe auf einem andern Standpunkt, ich werde schon heute für den Antrag stimmen. Die Reden der Herren Hauß und Singer haben mich zwar etwas stutzig gemacht, aber die Erklärung des Reichskanzlers und des Abg. Prinz Hohenlohe haben mich in meiner Ansicht nur bestärkt. Ich schließe mich ganz den Ausführungen des Kollegen Büsing an. Abg. Werner(Aut.): Ich bin jahrelang bereits für Aufhebung des Diktaturparagraphcn eingetreten, weil ich mir von seiner Wirkung absolut nichts ver- spreche. Er findet ja ohnehin fast gar keine Änwenduug mehr. So lange er aber besteht, müssen sich die Elsaß-Lolhringcr als Staats- bürger ziveiter Klasse fühlen. Abg. Rickcrt(fccis. Vg.) erklärt kurz im Namen seiner Freunde, für den Antrag stimmen zu wollen. Abg. Vondcrschccr(Eis.): Der Herr Abgeordnete Prinz zu Hohenlohe hat seine heutige Stellungnahme zu dem Antrag mit seiner Programmrede bei seiner Wahl zum Reichstag in Einklang zu bringen versucht. Ich weiß aber aus zuverlässigen Berichten, daß er damals erklärt hat, er werde für alsbaldige, ja sofortige Aufhebung des Diktaturparagraphcn eintreten.(Hört! hört!) Ein großer Teil seiner Wähler ivird es nicht verstehen, daß er heute noch schärfer als der Herr Regicrungsvcrtrctcr für die Aufrechterhaltung des Diktaturparagraphen eingetreten ist. Mit Rührung haben wir heute gehört, wie die Vertreter fast aller Parteien für Gleichberechtigung der Elsaß- Lothringer eintreten, mit Wehmut und Entrüstung dagegen haben wir es vernommen, daß ein elsässischer Abgeordneter für Ans- rcchtcrhaltinig des Diktaturparagraphen eintrat. Freilich ist dieser Herr auch Bezirkspräsident. Viccpräsidcnt v. Fregc: Herr Abgeordneter, es ist nicht Sitte, daß man die außeramiliche Thätigkeit eines Abgeordneten hier anführt.(Große Heiterkeit.) Abg. Preist(Elsässer): Die Besserungen, die das neue Prcßgcsetz nach dem Herrn Regierungsvertreter enthalten soll, könnten doch nur dann von Wert sein, wenn daneben der Diktaturparagraph ausgehoben wäre. Prinz Hohenlohe meinte, daß Elsaß-Lothringen seit Jahrhunderten nicht so gm regiert gewesen sei. wie jetzt. Er muß es ja wissen.(Große Heiter- keil.) Jeder Elsässer wird ihm aber gegenüber dieser Acnßerung nur ins Gesicht lachen. Die französische Regierung war sogar so tolerant, daß bis zum Jahre 1870 auf dem Lande nur deutsch gepredigt wurde. Gegenüber der schroff ablehnenden Erklärung des Herrn Reichskanzlers kann für uns die in etwas mildere Form gekleidete Erklärung der elsaß-lothringischen Regierung nicht in Betracht kommen. Der Herr Reichskanzler aber sagte, daß die Ausführungen des Begründers des Antrags, der die einstimmigen Wünsche des Landes vorbrachte, keinen praktischen Wert gehabt hätten. Ich lege Wert darauf, diese Erklärung zu konstatieren und festzunageln. Die rcichs- ländischc Bevölkerung wird sich dieses Wort merken, und die Regierung wird sich nicht wundern können, wenn die Ver- bittcrung in den Herzen der elsässischcn Bevölkerung sich immer tiefer eingräbt. Abg. v. Levctzow(k.): Ter Diktaturparagraph gefällt mir und meinen Freunden auch nicht, und wir ivünscheu recht dringend. daß er alsbald beseitigt werde...(Zurufe links: aber!>... aber(Große Heiterkeit) nicht wir, sondern die verbündeten Regierungen allein sind in der Lage, zn übersehen, ob der Zeitpunkt zu dieser Aufhebung schon jetzt gekommen ist.(Lachen links.) Diese Waffe, die die Regierung jetzt noch braucht, soll ja nur für besondere Fälle ans der Scheide gezogen werden, daß solche Fälle eintreten können, wird niemand leugnen.(Lachen links.) Wenn dieser Paragraph die Bevölkerung wirklich sehr de- drückte, würden auch wir viel geneigter sein, ihn auszuheben. Heute werden wir noch gegen den Antrag stimmen. Abg. Wcttcrls(Elf.): Wir haben niemals das Deutschtum als solches bekämpft, ern nur das Deutschtum, wie es bei uns auftritt und dazu sind wir berechtigt gewesen.— Gegenüber dem Prinzen Hohenlohe muß auch ich behaupten, daß er direkt aufgefordert worden ist. zu sagen, ob er bereit sei. nntcr allen Umständen gegen den Diktaturparagraphcn einzutreten und er hat die bindende Ertlärnug abgegeben, dicS zn thun. Damit schließt die Diskussion. Persönlich bemerkt Abg. Prinz zn Hoheulohe-Schillingssürst(wild): Herr Singer meinte, die Familie Hohenlohe sei imcruativual und wie« besonders daraufhin, daß ich einmal die Absicht gehabt hätte, russischer linker- than zu werden. Ob ich diese Absicht gehabt habe, kommt hier nicht in Betracht, Thatsache ist, daß ich heute deutscher Unterthan bin. Ilcbrigcus glaube ich. daß der Name Hohcnlohc-Schillingösürst an sich schon so urdeutsch ist, daß da von Jnteniationalitäl gar leine Rede sein kann. Weiter ist mir von zwei Herren unredliche Interpretation meiner Wahlprogrammrcde vorgeworfen worden. Ich muß dabei bleiben, daß meine heutige Interpretation auch damals schon bekannt war, in einem gegnerischen Flugblatt wurde ausdrück- sich daraus hingewiesen, daß ich mich nicht unbedingt für die Ab- Schaffung des Diktaturparagraphcn ausgesprochen hätte. Abg. Singer(Soc.): Wenn der Herr Abgeordnete daraus hin- wies, daß der Name Hohenlohe urdeuisch sei. so beweist das nur. daß in diesem Fall der Name nichts zur Sache thut.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Damit ist die erste Lesung erledigt. Das HauS tritt sofort in die zweite Lesung ein. Abg. Singer(zur Ecschästsordnnugl: Da ein von uns ein- gebrachter Antrag, der denselben Gegenstand behandelt,, beute gc- ichäftSordnungsmäßig nicht mehr zur Verhandlung kommt, durch die bevorstehende Abstimmung aber seine Erledigung finden dürste, so ziehe ich den Antrag namens meiner Freunde zurück. Eine weitere Diskussion findet nicht statt. Der Antrag Wiutcrcr wird in zweiter Lesung gegen die Stimmen der Konservativen und eines Teils der Rcichspartci angenommen. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr.(Militäretat.) Schluß ö Uhr. Die lex Heiuze nud die öffentliche Sittlichkeit lautcie das Thema, über welches Genosse Bebel am Dienstag in einer Volks- Versammlung sprach, die den Saal der Brauerei Fricdrichshain bis auf den letzten Platz füllte. Da das Lokal schon lange vor 8 Uhr vollständig besetzt und polizeilich abgesperrt war. so fanden viele Hunderte keinen Einlaß mehr. Der Referent führte unter anderin ans: Die Urheber der lex Heinze gingen von der Ansicht aus, daß gc- iellschaftlichc Gebrechen, wie die Prostitution eins ist. durch polizeiliche Maßnahmen und Strafen ans der Welt geschafft werden könnten. Das, was der Gesetzentwurf treffen will, besteht solange wir eine bürgerliche Gesellschaft haben nud wird solange bestehen wie diese. ES handelt sich nicht um Schäden und Gebrechen, die in der Natur des Individuums begründet sind, sondern um Uebclstände. die ihre Ursache in den gesellschaftlichen Verhältnissen haben. Bei allen Völkern, wo mit dem Entstehen des Privateigentums und mit Rücksicht aus dieses die Monogamie auskam, cutstaud neben der Ehe die Prossitution. Sic führte schon im alten Griechenland zu gesetzgeberischen Maßnahme», Im Mittelalter wurden Prostitution und Ehebruch mit so brutalen Strafen verfolgt, daß, wenn diese Dinge durch Strafe aus der Welt geschafft werden könnten, sie längst ausgetilgt sein müßten. Vom Anfang des 9. Jahrhunderts bis zur Gegenwart hat die Gesellschaft fortgesetzt einen Kampf gegen die Prostitntion geführt, ohne sie jedoch beseitigen zu können.' Immer mußte man mit der Prostitution als mit einem iinvcrineidlichcn Nebel rechnen. In dem Maße, wie sich innerhalb einer Gesellschaft. die wirtschaftlichen Ver- hältnisse, namentlich die der Frauen, verschlechtern, nimmt die Prostitution zu. Das ist Thatsache. Die große Zunahme dieses soctalen UebelS wird den herrschenden Klaffen nnbequem, und des» halb versucht man. demselben mit allerlei kleinlichen Mitteln zu Leibe zn gehen, aber man denkt nicht daran, daß eine durchgreifende Aenderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, derart, daß jedem, auch dem weiblichen Geschlecht. ein ausreichendes Einkommen zu teil wird, allein geeignet ist, das llcbcl der Prostitution mit der Wurzel auszurotten. Gewiß spielt hier außer dein.socialen Moment auch die Verführimg eine Rolle. aber es steht fest, daß es in»enn Zehnteln aller Fälle wirtschaftliche Ursachen sind, die das Hebel bcdingeli. Aus einer Erhebung, die dcrS Berliner Polizeipräsidii»» im Jahre 1878 veranstaltete, geht hervor, daß damals die größte Zahl der Proslitiliertcn kleinbürger- ftcheil Kreisen entstaminten. Diese Thatsache ist durchaus erklärlich, wenn man bedenkt, daß gerade das Kleinbürgertum durch den großen Krach der siebziger Jahre wirtschaftlich sehr gelitten hat. Der Zusammenhaiig zwischen Prostitution und wirtschaftlicher Lage würde noch schärfer erwiesen, wenn wir eine ausreichende Statistik über die Prostitntion hätten. Die Mädchen, welche in den Kontrolllisten der Polizei stehen, bilden nur den kleinste» Teil der- jcliigeil, die sich durch Preisgabe ihres Körpers einen Erwerb schaffen. �, Eine Folge der Prostitntion sind die geheimen Krank- heiteu, die viel mehr Unheil anrichten, lvie andre gefährliche Er- kraiikinigeii. Die Gesetzgeber stehen dem llcbcl der Prostitution ratlos gegenüber. Sie wissen, daß sie es nicht bc- seitigcn können, und bemühen sich deshalb, es nach Möglich- keit ciiizilschränkeu. Ans der euieu Seite_ ist man für Kasernieruiig der Prostitnierten. Man glaubt, ans diese Weise ließe sich eine Kontrolle in gciiliidheitlicher Beziehnng besser durchführen. Wir sind gegen diese Maßnahme, weil die Mädchen in den öffent- lichen Häusern einer AilSbclltiing preisgegeben würden, die der Sklaverei gleicht, und weil trotz aller Alifsicht über die Mädchen die Anste ckuiigsgefahr nicht beseitigt wird, wenn man sich nicht entschließt, auch die Männer, die ein Bedürfnis haben, solche Häuser zu bc- suchen, der ärztlichen Kontrolle zn nnterzichen.(Beifall.) Dafür wird aber im Reichstag keine Mehrheit zu haben sein.(Beifall.) Ter Uiisittlichkcit, besonders so iveit sie die Oeffciitlichkeit bclästigr. läßt sich schon mit den hentigen Gesetzen wirksam entgegentrete,'. Eine Illusion ist es. wenn nnsre Gesetzgeber glanbeii. sie könnten durch drakonische Strafen gegen die Uiisittlichkcit die Sittlichkeit heben. Besonders verwerflich sind solche Maßnah», en. wenn sie sich gegen alte Volkssitten richten,»nd seit langer Zeit besichcnde Gc- ivohnheitcn, wie es in iiianchen Gegenden der intime Verkehr zwischen Verlobten ist, als nnfittlich unter schwere Strafe stellen. Redner ging min die cinzelnen Paragraphen der lex Heinze durch, kennzeichnete die Stellung der Regierung und der Parieten des Reichstags zu denselben niid begründete die Haltung, welche nnsre Parteien den einzelnen Bestiniinungcn gegenüber eingenommen hat. Der Redner zeigte unter anderin. ivie»otwendig es ist. daß Arbcitcrinnen und Dienstboten gegen die Nachstellungen dnrch ihre Arbeitgeber geschützt werden und führte bei dieser Ge- legenhcit einen ihm kürzlich bekannt gewordene» Fall'an: Ein Mädchen, das im Hause eiiicö Probstes im Posenschen in Stellung ivar, wurde von dein Probst verführt. Nachdem es Mutter gcivordcn war, zahlte der Propst 7 Monate lang Alimente, dann stellte er die weiteren Zahlungen ein, und das im Elend sitzende Mädchen brachte in der Berziveiflmig ihr Kind um. ES wurde mjt Gefängnis bestraft. Der gcwiffenlose Verführer aber, der eigentliche Urheber des Verbrechens, geht leer ans. Er macht es vielleicht ei» andermal wieder so.— So gering auch in dem Enl- ivurf der Schutz der Arbeitcrinncn ist, so verlautet doch, daß die Mchrhcitspartcicn jetzt nach den Unterhaiidluiigeir mit dem Regieriliigsvertreter bereit sind, auch den letzten Rest des so- genaimteir Arbeitgeber-Paragraphen preiszugeben. Weiter führte der Redner ans, daß der K 184a, welcher die Ausstellung von Bildwerken:c. bestraft, die. ohne linzüchtig zu fein, das Schnnigeftihl verletzen, eine schwere Schädigung für die deutsche Klliist sei, da mit diesem Paragraphen alles getroffen werden kanir, was besonders prüde Personen als ärgeniiserregcnd erklären.— Als besonders schwerwiegend iiinß der§ 360 Ziffer 6 bezeichnet werden, denn er giebt der Polizei die Möglichketr, die öffentlichen Häuser, die ja in verschiedenen Städten noch bc- stehen, ivicder allgeineill eiiizuführen. Dieser Paragraph giebt auch jedem Polizcibcainreil die Befugnis, jede beliebige weibliche Person, von der er annimmt, daß sie gelvcrbtiche Unzucht getrieben hat, fest- znnchmcil»nd untersuchen zu lassen. Dieser Paragraph ist ein Ans- iiahnlegcsctz gegen das ganze iveidliche Geschlecht. Das wird in be« sonders krasser Weise durch folgenden Fall dargcthan: Im Scp- tcmber vor. IS. ivnrde in Hamburg eine Frau unter sttteupolizeiliche Kontrolle gestellt. Da hierzu gar keine Ursache vorlag, so fügte sich die Frau den Koutrollvorschnfteii nicht. Sie erhielt ein Strafmandat, beantragte richterliche Eiitschcidinig und ivnrde auch freigesprochen, weil das Gericht die polizeiliche Maßnahme für unbegründet erklärte. Ans Bcrnsnng der Siaatsaiiivaltschast verurteilte das Hanseatische ObcrlandeSgcricht aber die Frau mit der Begründimg. daß die Polizei auf' Grund des K 360 ganz allgemein das Siecht habe. Per- so»en unter Kontrolle zn stellen, vbnc daß die davon Betroffene dagegen EinsprnÄ erheben dürfe. Wir werden im Reichstage die Allfhebung dcö Paragraphen beantragen, aber unser Antrag wird wohl keinen Erfolg Imbcii. Ter Paragraph wird»ich: verschwinden, wen» sich nicht in der Frmienwelt ein Stnnn der Entrüstung gegen denselben erhebt und ihn hinwegfegt. ES ist notivendig. daß die gesamte anständige Frauenwelt begreift, daß der durch den Z 360 Ziffer 6 geschaffene Znstand ein unwürdiger ist. den sich daS weibliche Geschlecht nicht gc- fallen lassen darr. Erst dann können wir im Reichstag etwas gegen den Paragraphen ausrichten. Was schließlich als lex Heinze Gesetz werden wird, kann nach keiner Richtung hin zufriedenstelle». Das Gesetz_ kann nicht eine Hebimg der fittlicheu Zustände der Nation herbeiführen. DaS kann mir geschehen durch eine Aenderung der gesellschaftlicheii Verhältnisse, derart, daß die Frau nicht inchr durch kapitalistische Ausbeutung ihren häiislichcir und mütterlichen Pflichten entzogen ivird. Ein solcher Zustand läßt sich aber»ich: von Hein ans morgen herbeiführen, darum ist es nötig, die heutigen Verhältnisse zu mildern durch iveitgehcnden Schutz der Arbeiteriiiuen nicht nur in den Fabriken, sondern auch in der Heimarbeit. Gleichstellung der Diciiftbotcir mit den Arbeitcriiuicii, volle KoalilionS- sreiheit für dieselben, ja den Arbeiterinncu müßte die gcsctz- lichc Pflicht auferlegt iverden, einer Orgainsation anzugehören. Ferner ist nötig vollständige politische Gleichverechtigniig und das Stimmrecht der Frauen.' Nach all diesen Richtimgen hin zu agitieren»ruß die Aufgabe nicht nur der Männer, fondem auch der Frauen sein. Die Unterdrückten werden nicht befreit, wenn sie nicht selber für ihre Befreiniig eintreteii.(Stürmischer Beifall.) In der DiSkiisfion beincrkte Felix F r ä n l e l. nach dem Bericht des„Vorwärts" habe Bebel im Reichstage mir Bezug auf den intimen Verkehr zwischen Verlobten gesagt:„DaS ist zivar un- sittlich, aber cS ist Sitte." Wenn der Bericht zutreffend ses. dann habe Bebel sich nickt nur mii der in weiten Parteitrcisen ver- vreilelen Auffassung von der freien Liebe, sondern auch mit den An- schauiiugcn des Verfassers des Buches„Die Frau" in Widerspruch gesetzt.— Darauf entgegnete Bebel: Ein gedrängter ZcitungS- berickit köinic bei aller Gciviffcnhastigkeit des Berick>rcrstattcrs die AnSftihrniige» eines Redners niemals ganz korrekt wiedergeben. Die betreffende Stelle inr„Vorwärts" gebe feine Acrißcruiig nicht zutreffend wieder. Wenn der Vorredner den stenographischen Bericht, der allein inaßgcbcnd sei. nachlese, danii werde er finden, daß der Verfasser des Buches„Die Frau" auch in diesem Falle korrekt gesprochen hat.— Nachdem Hran W e n g e l s die Anwesenden anfgefordeet hatte. auch andre Versamuilunge». in deiieir nicht gerade große Redner auftreten, ebenfalls zahlreich zu besuchen, schloß die Vorsitzende Fräulein Baader die imposante Verjammlung mit einem Hoch auf die Socialdemokratie. Kinderarbeit, Ladenschlnst nud Streikangekegenheiten. Diese drei Punkte standen ans der Tagesordnung einer öffentlicheii Versainmknng der Bäckermeister, die von den Vorständen beider Jininngen am Dienstag nach den Konkordia-Sälcn einbenifeu und zablrcich Bciudit war. Uebcr die Verordnung, betreffend die Be- schäftignng schulpflichtiger Kinder, referierte Bäckenneister Vogel. Er behauptete, daf; das Austragen der Backware zu früher Morgen- stunde durchaus nicht für die Gesundheit der Kinder nachteilig sei. Die äußerste Linke der Stadtverorducten-Vcrsauunlung sei bei der Befürwortung der Verordnung vom Humaiütätsduscl geleitet worden, aber nicht von Interesse für das Wohl der Kinder. Die Beschränkung der Kinderarbeit sei ein Eingriff in die heiligsten Familienrechte, eine polizeiliche Bevormundung des Erziehungsrechts der Eltern. Viele Familien feien auf die Arbeit der Kinder, als einen notwendigen Teil des Einkomnicns angewiesen. Mit dieser Begründung empfahl der Referent eine Resolution, worin. das Polizeipräsidium ersucht Ivird, die Verordnung aufzuheben oder zu mildern. Wenn die Beschäftigung der Kinder im Sommer von S Uhr und im Winter von tl�IIhr an gestattet würde, dann wären die Bäckermeister schon zufrieden. Hierauf referierte Bernard über den gesetzlichen Ladenschluß und die gesetzliche Ruhezeit des Ladcnpcrsouals. Wie nicht anders zu erivartcn war, sang der Redner das bekannte Klagelied über die Schädigung des Bäckcrgcwerbcs durch die gesetzlichen Ein- griffe zu Gunsten der Arbeiter. Es herrsche jetzt ein social- reformntoriichcs Fieber. was man in seinen Auswüchsen als social- rcfonnatorischcs Delirium bezeichnen könne. Herr Bernard bcfür- Ivortete eine Resolution, ivclchc den Bundesrat ersucht, der Rooclle zur Gcwerbc-Ordnuug, welche der Reichstag am 5. Dezember v. I. angenommen hat, nicht zuzustimmen, oder doch den Passus zu streichen, welcher die Oessimiig der Läden vor 5 Uhr morgens untersagt, da viele Bäcker schon vor 5 Uhr ein Haupt- gcschäft mache». Weiter ersuchen die Bäckermeister den Bundesrat, der Bcslinnuung nicht beizutreten, ivclchc eine uuuntcrbrochcnc ll stündige Jtuhczcit für das Ladcnpersonal vorschreibt. Gegen eine 11 stündrge Ruhezeit, die beliebig über de» ganzen Tag verteilt werden darf, ließe sich dagegen nichts einwenden. Uebcr den m Aussicht stehenden Streik der Bäckergesellen referierte Altmeister K a n f m a n n. Die Hauptforderung der Gesellen: Abschaffung von Kost und LogisJim Hause des Meisters, iverde als eine Verbesserung der socialen Stellung der Gesellen bezeichnet. In Wirklichkeit hätten aber die Agitatoren nur die Absicht, die Gesellen auS dein Hause des Meisters herauszutreiben, um dieselben der Agitation zugänglich zu machen. Darum müßten die Meister nicht nur in ihrem eignen, sondern auch im Interesse der braven Gesellen, die der agitatorischen Verführung noch nicht zugänglich sind, dieser Forderung entschiedeneu Widerspruch cnt- gcgcnsctzcn. Die Forderung sei aber auch undurchführbar. Wer werde denn einem Bäckergesellen eine Schlafstelle zur Benutzung am Nachmittag überlassen. Die Gesellen würden gezwungen sein, in Pennen zu logieren, und auf diesen Unlstaud rechnen die Arbeiter- sührcr, denn in den Pcuncu hätten sie einen weitgehenden Einfluß auf die Gesellen. Wir wollen den Kampf nicht— so schloß der Redner— aber wir fürchten ihn auch nicht und sind in jeder Hinsicht vorbereitet. Hierauf wurde über alle drei Referate genieinsam debattiert. Der erste Redner, Bäckermeister Pfeifer, init allseitigem Aha! empfangen, vertrat die Ansicht, daß die Bcschäftignng von Kindern überhaupt nicht notwendig sei, man könne die Kundschaft daran gewöhiien, sich die Backware selber zu holen, was Redner in seinem eignen Gcschäft ohne Schwierigkeit beivirkt habe. Mißstände, die sich aus Anlaß der Beschränkung der Kinderarbeit bemerkbar gemacht hätten, habe ja selbst der Referent nicht anführen können. Bei gutem Willen ließe sich übrigens die Nachtarbeit, dieser große llcbelstand im Bäckergewerbe, abschaffen. lGelächter.) Wenn die Meister den Kanipf mit den Gesellen nicht wollen, dann sollten sie doch niit denselben unterhandeln. Statt dessen habe die Innung die Gesellen mit ihren berechtigten Forderungen abgewiesen. ES gehe doch nicht, daß sich die Bäckenneister dem Fortschritt der Zeit entgegenstellen. Redner empfiehlt, wegen der Forderungen der Gesellen' in einer Kommission mit diesen zu verhandeln.— Die Debatte, die zuerst ruhig verlief, nahm später einen sehr bewegten Charakter an. Obermeister Ge Meinhard von der Konkordia- Innung trat für Abschaffung der Nachtarbeit ein, ein andrer Redner Namens Müller war für Herbeifühnmg ciueS paritätischen Ver- hältnisses zwischen Meister und Gesellen innerhalb dcr Jnnung. Diese Ansichten riefen den heftigen Widerspruch des Obermeisters Aernard von der Gcrmania-Jnnung hervor, der seinem Kollegen Gemeiuhard mit großer Schärfe entgegentrat. Als Pfeifer hierauf nochmals das Podium betrat, wurde ihm, als er das Thema der Nachtarbeit und der Einigung mit den Gesellen wieder berührte, auf Beschluß der Versammlung das Wort cutzogen. Schließlich gab es noch vor versammeltem Publikum eine theatralische Vcrsöhnun'gsscene zwischen Bernard und Gemeiuhard, dann wurden die beiden Resolutionen der Referenteil angenommen, der Antrag Pfeifer auf Kommissions- Verhandlung mit den Gesellen dagegen fast einstimmig abgelehnt. Die Putzer Berlins und der Bororte hielten am Dienstag eine gut besuchte Versammlung ab. um zu der diesjährigen Lohn- bcivegung Stellung zu nehmen. Nach dem Referat deS Vertrauensmanns Fr. Schultz werde» die im vorigen Jahre beschlossenen und auch allgemein durchgeführten Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht mehr strikte inuegchalteu. Ein Teil derjenigen Putzer, die von den Unternehmern die ganze Arbeit übernehmen, unterbietet sich nicht nur gegenseitig bezüglich der Preise, sondern erklärt sich sogar dazu bereit, die Hilfsarbeiter sPntzcrträgers zu bezahlen. Die Bezahlung der Hilfsarbeiter durch die Putzer tvird von Unternchnier» besonders mit Vorliebe gefordert, ein- mal weil sie damit die Putzer zu selbständigen Unternehinern stempeln wollen, andrerseits natürlich, um den Loh» der Putzer wieder hcrabzudrücke». In einigen Fällen haben die Unternehmer versucht, die schlechtere Konjunktur zu benutzen, um die neunstündige statt der 8'/Z stündigen Arbeitszeit cinzufiihrcu. Nach einer längeren Diskussion, in der auf die großen Opfer und Kämpfe» welche die Durchführung der Lohn- und Arbeitsbedingungen erforderten, hin- gewiesen wurde, und in der alle Redner für die strenge Aufrcchterhaltuug derselben plädierten. gelangte nachstehende Reiolutiou, die im wcsentlichcn die Forderungen vom vorigen Jahre enthält, einstimmig zur Annahme: „Die Versammelten halten ein einheitliches Vorgehen aller in Berlin und der Vororte arbeitenden Putzer für unbedingt uotivcndig und verpflichten sich, für die folgenden Forderungen einzutreten: 1. Der Transport der Materialien zur Verwendnugsstelle ist in den veraccordicrten Preisen nicht ciiigckchlosseu; die Bezahlung der hierzu erforderlichen Hilfsarbeiter ist Sache des Arbeitgebers. 2. An der SVestüildigeil Arbeitszeit und den Abschlagslohn von 8 Mark pro Tag wird seitens der Putzer festgehalten. 3. Wird in der festgesetzten Arbeitszeit künstliches Licht gebraucht, so hat der Arbeitgeber die Lampen und sonstiges Material zu liefern. 4. Die Lieferung des Rüstzeugs, s Latte». Schablonen, Schrubber und Pinsel zum Absnubcrn der Fassade»»ruß vom Arbeit- gebcr geschehen. Der Vorstand des Ceutralverbands deutscher Maurer, Zahl- stelle I Berlin, wird von der Versammlung beauftragt, im Sinne der ausgestellten Forderungen zu wirke» und die säumigen Putzer an ihre Pflicht zu mahnen. Dem Vorstand der Zahlstelle I wird die ganze Leitung der Lohubcivcgung übertrage»." Außerdem wird in der Resolution das Verhalten derjenigen Kollegen verurteilt, die sich im sogenannten Untcrstützuugsvcrcin der Putzer zusamincngcfuudcn haben. weil sie zum Teil bereits während der letzten Lohnbewegung als Arbeitswillige aufgetreten sind, solvie auch jetzt wieder den Bestrebungen der organisierten Putzer gewissermaßen entgegenarbeiten und damit sich den Plänen der Unter- nchmer dienstbar machen. Ohne Debatte wurde sodann einem Autrag zugestimmt, wonach dem Ccutral-Streikfonds des Verbands deutscher Maurer, in Rücksicht auf die vielen Lohnbewegungen in der Provinz, sofort die Summe von 6000 M. überwiesen werden soll und nach welchem der Vorstand der hiesigen Zahtstelle der Putzer ermächtigt ivird, in Bedarfsfälle» ivcitcre Summen an den Ccntral-StreilfondS abzuführen. Tie Ccincutiercr Eiliale IV des Ceutralverbands deutscher Maurer) tagten am 18. Februar. Nachdem H ü n t e n den Äasscu- bericht vom vergangenen Jahre gegeben, sprach H e i d c p r i c m über die Notwendigkeit einer Lohnerhöhung. Zur Grundlage lag der folgende Lohutaris. der bereits an die Unternchnier zur Mcinungs- äußerung abgesandt ist: 1. Eine prozentuale Lohnerhöhung von 20 Proz, pro Stunde für alle im Berns beschäftigten Arbeiter. 2. Die Arbeitszeit beträgt S Stunden, welche'folgendermaßen festzusetzen ist: Von 7—8�s Uhr früh Arbeitszeit, von 8vs— g Uhr Pause, von 9— 12 Uhr Arbeitszeit, von 12—1 Uhr Pause, von 1—4 Uhr Arbeitszeit, von 4— 4Vs Uhr Pause und von 4Vs bis 6 Uhr abends Arbeitszeit. Sonnabends 1 Stunde, an den Tagen vor den großen Festen 2 Stunden früher Arbeitsschluß, ohne Lohn- abzug, die Vesperpause fällt an diesen Tagen fort. 3. Für Uebcr- stunden, Nacht- und Sonntagsarbeit ist ei» weiterer Zuschlag von 25 Proz. pro Stunde zu zahlen. 4. Auf allen Bauten außerhalb der Weichbildgrenze Berlins ist das volle Fahrgeld zu ersetzen. 5. Für Arbeiten, die über den Bereich des Vorortverkehrs liegen, ist einmalige Hin- und Rückfahrt III.(dritter) Klasse und eine Laudzulage von 40 Proz. pro Stunde z» zahlen. Die volle Fahrzeit ist als Arbeitszeit zu rechne». 6, Der Lohn ist wöchentlich auszuzahlen. Schluß der Woche: Freitagabend. 7. Sämtliche Ar- bcitc» werden in Lohn ausgeführt. 8. Auf allen Bauten muß ein verschließbarer Raum zum Einnehmen der Mahlzeiten und zur Auf- bcwahruug der Kleidungsstücke vorhanden sei». Derselbe muß im Winter geheizt werden. 0. Der 1. Mai ist als Arbciter-Feiertog frei zu geben. 10. Vorstehende Forderungen treten mit dem I.April 1900 in Kraft. In einer Resolution bekundete die Versammlung den Willen, für die Durchführung der Forderungen energisch zu wirken. Die Maurer des Cciitralvcrbands(Zahlstelle II) hielten am 16. d. M. eine öffentliche Versammlung mit Frauen in den Arminius- Halle», Brcmcrstraße, ab. Frau M e's ch spr-ch in interessanter Weite über: Ist die Frau verpflichtet, sich am ivirtschaftlichen und politi- schcn Kampf zu beteiligen? Die Diskussion bewegte sich im zustimmenden Sinn zum Referat und gelangten dann einige interne Angelegenheiten zur Erledigung. Eine vom Ccntralvcrbaud der Handels-. Transport- und Bcrkehröarbciter einberufene Bersaininluug der Kutscher aller Brauchen tagte am 18. Februar im Englische» Garten. Schumann referierte über die neueste Straßen-Polizeiverordnung und hob hervor, daß diese nur geeignet wäre, den Kutschern die Ausführung ihres Berufs zu erschivcre». Ganz besonders aber ist die Bcstim- mnug, daß Wagen von über 5,5 Meter Länge in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends circa 49 der verkehrsreichsten Straßen und Plätze Berlins nicht passieren dürfen, dazu augcthan, den Kutschern ihre ohnehin schon lange Arbeitszeit zu verlängern. Folgende Resolution gelangte hierauf einstimmig zur Annahme: Die Versammlung protestiert ganz entschieden gegen die in der neuen Polizciverordnung enthaltenen Beschränkungen' des Transports von Waren in den Straßen Berlins. Sic erblickt darin eine un- nötige Erschwerung der beim Warenverkehr thätigcn Kutscher und Arbeiter, und beauftragt den Vorstand des Ccntrnlvcrbandes. diesen Protest d e g r ü n d e t dem hiesigen Polizcipräsidinnl zuzustellen. Es wurde hierauf ein Rundschreiben der Berliner Spediteure zur Sprache gebracht, aus welchem hervorgeht, tvic die Herren Spediteure es verstehen, auf Grund des im vorigen Herbst durchgeführten Streiks ihrer Angestellteil Vorteile für sich zu schaffen. lieber die Koiiscquenzcn. ivelchc die Kutscher hieraus zu ziehen haben, soll in einer späteren Versammlung Beschluß gefaßt lvcrden. lieber die Novelle zum llufallvcrsichcrüiigsgesctz referierte Werner. Redner hob hervor, daß auch in dieser Vorlage genau so wie früher der größte Teil der Angestellten im HandclSgeiverbe von der Ver- sicherung ausgeschlossen sind. Redner empfahl den Bcrsmnmclten. sich der vom Berliner Arbcitcrvertrcter-Vcrcin ausgearbeiteten Petition anzuschließen und fand eine diesbezügliche Resolution cinstinimig Auliahme. FricdrichShagcn. Am 17. d. Mts. fand hier eine Versammlung des Arbeiter- Bilduugsvcrcius statt, in der die Gemeiudcvertrctcr Barth und S o» n e n b u r g den Bericht über ihre Thätigkcit in der Gemeindevertretung erstatteten. Die Redner erinnerte» daran, daß die Anträge, betreffend die Lehrmittelfreiheit und die uucutgclt- lichc Badegelegenheit für Schulkinder, die Zustimmung der Geinciudc- Vertretung nicht fanden. Auch die Forderungen auf Lohnerhöhung der Pferdebahn- Angestellten und die Vermehrung der Gemeinde- Vertreter winden abgelehnt. Die Schularztsrage' schien den Per- trctern noch nicht genügend geklärt. S o u n e n b u r g wies daraus hin, daß es Pflicht der Gemeinde sei. ein' Kraukeuhans zu bauen. Besonders dringend erscheine diese Aufgabe wegen des Platzmangels in Berliner Krankenhäusern. Zum Kandidaten für den zweiten Bezirk wurde hierauf Genosse A l b r c ch t bestimmt. Für den ersten Bezirk konnte kein geeigneter Kandidat gefunden werden, da beide Hausbesitzer sein müssen.' Hier wurde Stimmcuthaltung empfohlen. Eeutralvcrband der Konditorcu(Mitgliedschaft Berlin). Heuie, abends präcise 8>/z Uhr bei Schiller, Rosentyalcffir. 57: Mitgliederversaunu- luug. Gäste wilUomme». Charlottenburg. Sonntag, den 25. Februar, findet in der GanibrimiS Brauerei eine außerordentliche Geueralversaimiilung der Allgemeine» OrtS- krankenkasse statt. Wegen der Tagesordnung werden die Delegierten ersticht, vollzählig zu ericheinc». freie Volksbühne. Sonntagnachrnittag 23/i Uhr: 5. Abteilung: im I-cttslng- xheater: Rosmersholm. yCF 3. Abteiinns' im Carl Welss-Theatcr: Hamlety Prinz von Dänemark. 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Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tanzkrättzche«. Todes-Anzeige. Nach schweren Leiden verstarb am 19. Februar nicine liebe Fran, unsre gute Mutter Marie, geb. Müller. Die Beerdigung findet heute Donners tagnachmittag'."Vz Uhr von der Eharitö ans nach der Seestraste statt. Der trauernde Gatte Wilhelm Winter nebst Kindern. Dorle»• Anzeige. Verein der Maschinisten, Heizer und Berufsgenossen Berlins und Umgegend. Am 19. d. Mts. verstarb unser Kollege kllstolf Lehnlze. Die Bccrdiglilig findet Donnerstag, den 22. d. Mts, nachmittags U/. Nhr, von der Leichenhalle des Barlhotomäns- Kirchhofs, Weistensce, Falkenbergsiraste, statt. Ilm rege Beteiligung bittet 138/5 I. A.: Hsrmann Holz, Lütke Hut 0 Nhr 30 Minuten Die verkehrte Welt mit der feenhaften Francn-Paradc. Ansang an Wochentagen um 8, an Sonn- und Festtagen 7'/, Uhr. Sonnabend, den 24. Februar 1900: Grosses Kamels- Fest lind IctKtor diesjähr. Masken-Ball. Grosser aktueller Festzug. Mhl ßttKmMkß-Königm. 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Abrechnung des Vertrauensmannes. 4. Antrag Bräun ig, den Sireik. sonds betreffend. 5. Gewerkschaftliches. Um pünktliches Erscheinen aller Kollegen bittet 82/8 Der Vertrancnamann. AM«««! HMhaner. AM«««: Donnerstag, de» 22. Febrnar er., abends 8'/« Uhr: Oeffentliche Versammlung im Lokal Fenerstexn, Alte Jakobstraste 75. Tages-Ordnung: I. Wie stellen sich die Kotlegen züm Tischlerstreit? 2. Die Novelle zum Unfallvcrsicherungs-Gesetz. 3. Verschiedenes. Die Kollegen, auch der Stein- und Gipsbranche(?. Punlt), werden er- sucht, zahlreich zu erscheinen, gleichzeitig auch Holzarbeiter, welche intcr- essiert sind. 20/0 Ter Vertrauensmann. Rixdorf. Mtuns! Rizdorl. __Releh8liallen. Taglich': Stettincr Hänger Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pseunig, Vorverlans 40 Pf. Asßsrtiges Progrinnm! lt Donnerstag, den 22. Febrnar, abends 8 Uhr: bei Thomas, Hcrmannstraste 48/49. Tagesordnung: Beschlustfasiung über unser Vorgehen. 70/7 Jeder Kollege muß erscheinen. Der Bertranensmaun. 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Zuzug sernziibalten bittet 115-5 Ter Borstanb des Verbandes. . ilfiUUOlllAüüISI Rixdorf. In der Tischlerei von Man«& Kunow, Steininetzstraßc 30, nnö WlUers, Kiiesebeckstraste 39, haben wegen Nichtbewllligung des Tarifs sämtliche Kollegen die Arbeit nieder- gelegt! Zuzug fernhalten! 79/4 Die Ortsperwaltung. Ms- titorhelter! Sämtliche Kollegen der Werkstatt von Küster, Baiitischlcrci, Maxstraste 8. haben wegen Tarifstreitii- leiten die Arbeit niedergelegt.[79/3 Die Ortsverwaltung Schöneberg.> Verantwortlicher Rcdaeteur: Paul John in Berlin. Für de» Jnscraleuicil verantlvvrtlich: Dh. Glocke in Berlin. Dnick und Verlag von Max Babing in Berlin. 01.41 17. 2.{ifiliijc i>cs.Amiirls" Sttlinrt ynlWlilt-m»«.» U)Kv!ei-NÄzszvrchke»r» Tie Freiide» socialdemokratischcr Zeitungen. Die„Sächs. Arbeitcr-Zeitung" schreibt: Genosse Beyer, unser früherer vcrciutwortlicher Nedocteur, hat am Mittwoch voriger Woche auf zwei Monate das„Mathilden- schlößchen" bezogen, um die Beleidigung der Beamten- Redacteure vom„Dresdner Journal" zu bühen; es handelte sich dabei be- kanutlich um ein Nachspiel zimi Zuchthaiisprozesp Montag wird auch Genosse Häuisch wieder einmal, gleichfalls auf zwei Monate, ins Gefängnis gehen. Bei ihm handelt es sich um Beleidigung der Dresdener Polizei im Falle Jmle. Da auch Genosse Block inimer »och— bis Anfang April— Gelegenheit hat, in einem schlesischen Gefängnis über daS Wesen rcichsdeutscher Freiheit nachzudenken, so iverdeu sich demnächst nicht weniger als drei unserer Redacteure hinter schwedischen Gardinen befinden. Die Massenprotesto gegen die Flottcnvorlage werden im Lande immer lebhafter und zahlreicher. In Lübeck protestierten am Montagabend gegen LlXX) Arbeiter durch Annahme einer Resolution nach einem begeistert aufgenommenen Vortrag des Genossen Schwarz. Auch die Arbeiterschaft Kiels veranstaltete am gleichen Tage eine imposante Protestkundgebung. Den Vortrag hielten hier Legten. Weitere Meldungen kommen aus Glückstadt, Spremberg, Köln am Rhein. Die Resolutionen wurden allenthalben ohne Widerspruch angenommen. Ueberaus stark besuchte Versammlungen fanden femer in Gräfenthal, Pößneck und S a a l f e l d(Sachsen-Meiningen) statt. In den drei Versammlungen referierte R e i ß h a u s- Erfurt und fanden die Resolutionen gegen die Flottenvorlage einstimmige Annahme. ToltAles. Achtung 1, Wahlkreis! Die Parteigenossen werden auf die morgen Freilag. den 23. d. M. bei Dräsel, Nene Friedrichstr. 35, stattfindende Versammlung aufmerksam gemacht. Näheres siehe Inserat in der Freitagnummer. Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstand. Zur Lokalliste. Das Lokal von Bötsühr,„Zum Schultheiß"' Kastanien-Allee 23. steht der Arbeiterschaft unter den bekannten Be- dingungen zu Versammlungen zur Verfügung. _ Die Lokalkommifsion. Im Moabiter 44. Kommunal- Wahlbezirk entfaltet die Bürger Partei eine eifrige Tbätigkeit, um in der S t i ch iv a h l ihren Kandidaten, den Bäckermeister Wolf, gegen den Arbeiter- kandidaten Glocke durchznbringen. Nicht bloß denjenigen Wählern. die am 14. Februar für Wolf gestimmt haben, sondern auch den Freisinnigen und den Anhängern der Mieterpartei werden Anschreibe» zugeschickt, die zur Unterstützung des Bürger parteilers auffordern. Vor allem aber werden die der Wahl bisher ferngebliebenen Wahlberechtigten aufs n a ch drücklich st c bearbeitet, um sie zur Beteiligung an der Stichwahl und zugleich zur Stimmabgabe für Wolf zu ver- anlassen. Der bürgerparteiliche Stadtverordnete Ulrich erklärte am Dienstag in einer von den Deutsch-Socialen nach Brauerei König- stadt einberufenen„Großen Volksversammlung"(die von 31 Personen besucht war), der Sieg Wolfs sei zweifellos; man dürfe mit Bestimmtheit ans eine Mehrheit von 200—300 Stimmen rechnen. Bon den Moabiter Freisinnigen wie von den Anhängern der Mieter- Partei erivartet Herr Ulrich, daß sie bei der Stichwahl zum größeren Teil für Wolf eintreten. Herr Ulrich spricht da. soweit die Freisinnigen in Betracht kommen, allerdings aus Erfahrung. Er selber hat ja im Moabiter 45. Bezirk bei der Stichwahl am 27. November Gnade vor den Augen des Freisinns gefunden. Dennoch könnte er sich über den Ausfall' der Stichwahl im 44. Bezirk täuschen— m e n n unsre Moabiter Genossen und Freunde auf dem Posten sind. Wie groß der Schaden ist, den die Arbeiterschaft durch die bekannten fragwürdigen K a s s e n g r ü n d u n g e n erleidet, läßt der soeben erschienene ö. Jahresbericht des Arbeiter-Sekrctariats Nürnberg von neuem erkennen. In diesem vortrefflichen Büchlein heißt es auf Seite 49: Nach Tausenden von Mark berechnet sich der Verlust, den im ver- flossenen Jahr hiesige Mitglieder der Krankenkasse„Hüls e" erlitten haben. Weil die Beschwerden von Mitgliedern dieser Kasse über rückständige Krankenunterstützung immer zahlreicher beim Arbeiter- Sekretariat angemeldet wurden, entschlossen wir uns, in der „Fränk. Tagespost" alle Mitglieder der„Hülfe", die rückständiges Krankengeld zu fordern haben, aufzufordern, sich beim Sekretariat zu melden. Es meldeten sich so viele Gläubiger der genannten Kasse, daß ivir von einer Aufzeichnung aller F o r d c r u n g e n A b st a n d nehmen m u ß t e n, da eine eigne Arbeitskraft für diesen Zweck erforderlich gewesen wäre. Das von uns in Aussicht genommene Vorgehen gegen die„Hülfe" ist in- zwischen g e g e n st a n d s I o s gewordem da die Kasse ihre Liquidation beschlossen hat. Nunmehr erhielten alle Mitglieder, welche die BeitragSleistnng verweigerten, die schriftliche Auf- forderung, ihre rückständigen Beiträge bei Vermeidung des Zwangs- Verfahrens einzuzahlen. Die Kasse' befindet sich damit formell im Recht. Nach§ 5 des Statuts dieser Kasse ist der freiwillige Ans- tritt von dem Mitglieds dem Vorstand schriftlich anzuzeigen und ztvar mittels Einschreibebrief. Mit dem Eintreffen des Einschreibe- briefes bei der Kasse ist der Austritt als vollzogen zu betrachten, der für den laufenden Monat fällige Beitrag ist jedoch zu zahlen. Kassenmitglieder, welche die schriftliche Abmeldimg beim Vorstand in Berlin unterließen, sind somit der Kasse so lange verpflichtet, als nicht die schriftliche Abmeldung erfolgt ist. Die „Hülfe" hatte kaum ihre Liquidation angemeldet, als sich ein andres Unternehme» mit dem Namen„Humanität" zur Uebcrnahme der Mitglieder crbötig machte. In kurzer Zeit sollen sich, es ist dies nach den Erfahrungen mit der„Hülfe" kaum glaublich, 1700 Personen als Mitglieder bei der Vor st and- schaft der neuen Kasse gemeldet haben. Die Leichtgläubigkeit des Publiknnis ist eine um so bedenklichere Erscheinung, da in Nürnberg eine große Zahl alter gut fundierter Kassen ihren Sitz haben, deren Leistungsfähigkeit durch langjährige Wirksamkeit erprobt ist, die allen Perfonen offen stehen und allen Verhältnissen Rechmiiig tragen; trotzdem finden auswärtige Unter- nehimmaen fragwürdigster Art immer wieder Mitglieder, die trotz aller Erfahrungen und Warnungen nicht klug wurden. So der Bericht des Arbeiter-Sekretariats Nürnberg. Die gleichen Erfahrungen hat die Arbeiterschaft mit den un- sicheren Kassengründungen in vielen andren Orten und vor allem auch in Berlin gemacht— trotz der Warnungen, an denen es die socialdemokratische Presse wahrlich nicht fehlen ließ. Wie entstehen die Dachstuhlbrändc? Zu dieser, durch die Mitteilung in der Sonntagsnummcr wieder angeschnittenen Frage erhalten wir von einem Maurer folgenden Beitrag: An der That- fache, daß sich das im Hause Mariannenstr. 37 entdeckte Gemisch in der geschilderten Zusammensetzung vorgefunden hat, ist wohl kaum zu zweifeln. Doch kann es sich rn diesem Falle nur um ein älteres Haus handeln; in neueren Häusern trifft man solche Substanzen nicht mehr. Nun kommt aber folgendes in Betracht: die Schornsteine wurden früher in Berlin teilweise vom Boden aus gereinigt. Ungefähr einen Meter vom Fußboden entfernt befand sich das mit einer Eisenblech- thür versehene Neinigungsloch; die gußeisernen Schieber kannte man noch nicht. Sodann kam die Verordnung, daß sämtliche Schornsteine vom Dache aus gereinigt werden mutzten. Die alten ReinigungS- türen auf dem Boden sind seitdem vergessen und vom R o st zer- fressen worden. Nach Beobachtungen, die ich bei dem in der neuesten Banverordnung vorgeschriebenen Zumauern der Löcher machte, flogen recht häufig Funken heraus, die nur auf Papier zu fallen brauchten, um einen Dachstuhlbrand hervorzurufen. Wenn in»eueren Häusern Dachstuhlbrände entstehen, so ist das nicht auf sogenannten Feuerschwamm, sondern meist auf mangelhaftes Vermauern der Schornsteine zurückzuführen. Ich habe selber in solchen Hänsern beobachtet, daß der Rauch bei stürmischem Wetter aus allen Fugen trat; nach einigen Jahren wird der Kalk durch die Hitze sandig und es können dann auch leicht Funken heraus- treten. Zur Verhütung von Dachstnhlbränden ist es notwendig, daß zunächst die Behörde die Böden daraufhin untersucht, ob noch Rcinigungslücher vorhanden sind, ferner nrüssen sämtliche Schorn- steine auf den Böden berappt und beputzt werden, ingleichen müßte untersagt werden, daß Strohsäcke, Matratzen und andre leicht brenn- bare Sachen auf den Böden lagern. Die Corncliuöbrücke soll verbreitert werden. Die Brücke ist jetzt zwischen den Gelände» nur 14,70 Meter breit. Wegen des namentlich an Sonntagen außerordentlich starken Verkehrs ist die Verbreiterung auf 19 Meter dringend notivendig, wofür in den städtischen Etat für 1900 50 000 M. eingestellt worden sind. Die Notwendigkeit eines Vereins zur Hebung der Sittlichkeit in den„besseren" Kreisen wird aufs neue durch folgende Zcitungsmelduug dargethan: Die Berliner Schau- senster-D ekorateurinnen haben eine Bewegung ein- geleitet, um sich möglichst gegen jene unmanierlichen Patrone in Cylinder und Ballonmütze zu schützen, denen es Vergnügen bereitet, sie bei Ausübung ihrer Thätigkeit in unschicklicher Weise zu belästigen. Die Dekorateurinnen, welche bei ihrer Arbeit häufig längere Zeit sitzend, knieend und selbst auf einer Leiter stehend im Schaufenster zubringen müssen, haben mit Unterstützung angesehener Damen, die sich für die Hebung der Lage der in den Geschäften thätigen Frauen inter- essieren, a» die Chefs ein Gesuch gerichtet, in welchem sie darauf hin- weisen, daßsie bei ihrer große Sorgfalt erfordernden Arbeit nur zu häufig durch das wirklich unflätige Benehmen der„Schaufenster- Rowdics", denen nichts ferner liegt, als die ausgelegten Waren zu betrachten, gestört werden. Die beteiligten Damen wünschen, daß die Dekorierung der Schaufenster bereits in den Morgenstunden, also zu einer Zeit, Ivo die„Flaneure aus Beruf" erfahrungs- gemäß noch nicht auf der Straße zu sehen sind, vorgenommen werde find daß, wo dies nur irgend angeht, die Schaufenster während der Dekorierungsarbeiten verhüllt werden, wie dies schon bei einer Reihe sehr bedeutender Firmen der Fall ist. Hoffentlich richtet sich die Bewegung der weiblichen Angestellten gleichzeitig gegen jene Geschäftsinhaber, die sich nicht schänien, junge Mädchen als Maschinennäherinnen, Maschinenfchrciberinnen ec. zu Reklamezwecken ins S ch a u f e n st e r zu placieren. Die städtische Tanbstnmmcnschnlx, Marknsstr. 49. in welcher zur Zeit 14 Klassen in 9 aufsteigenden Stufen unterrichtet werden. hat jährlich zweimal Aufnahme, zum April und Oktober. Die An- Meldungen können bei der städtischen Schuldepntation, aber auch direkt bei dem Direktor Gutzmann augebracht werden. Die städtische Taubstummenschule nimmt die Kinder schon mit dem fünften Lebens- jähr auf, wodurch es möglich wird, die Kleinen für den eigentlichen planmäßigen Schulunterricht insonderheit für den Unterricht in der iautsprache erst zweckmäßig vorzubereiten und denjenigen taub- stummen Kindern, welche noch Sprach- und Hörreste haben, früh- zeitig Gelegenheit zu geben, sich dieselben zu erhalten. Wegen Einstellung der Paketfahrt-Beamten bei der Rcichspost schweben zwischen der Berliner Obcr-Postdircktion und der Direktion der Paketfahrt-Aktiengescllschaft schon feit längerer Zeit Unterhandlungen. Fast die sämtlichen Beaniten der Briefabtcilung der Gesellschaft hatten sich zum Uebcrtritt in den Reichspostdienst ge- meldet, eine bedeutend größere Zahl, als thatsächiich zur Berücksichtigung komme» sollte. Wie die Direktion der Paketfahrt-Gesell- schuft ihren Beamten jetzt mitteilt, wird spätestens Anfang nächsten Monats eine Entscheidung getroffen werden. Soviel stehe jedoch schon jetzt fest, daß der größere Teil der aus dem Dienst der Paketfahrt-Gcsellschaft ausscheidenden Beamten bei der Reichspost Anstellung finden werde. In Berlin und den größeren angrenzenden Vororten dürfte die Zahl der Postbeamten etwa um tausend ver- mehrt werde». Die Weichbtldgrcnze von Berlin gilt an amtlicher Stelle immer noch als streitig. Sie ist� zwar durch das städtische Ver- messungSanst bei Gelegenheit der Stadtvermessung, die jetzt in der Hauptsache abgeschlossen ist, gegen die angrenzenden Gemarkungen festgestellt, aber nicht von allen beteiligten Nachbargemeinden an- erkannt worden. So ist es bisher nicht gelungen, die Anerkennung des Geineindevorstandcs von Treptow für»die Feststellung der Weichbildgrenze Berlins, wie sie vom städtischen Vermessnngsamte bewirkt worden ist, zu erlangen. Von SSO Accumulatorwagcn, über welche die Große Berliner Stratzenbahn-Gescllschaft zur Zeit verfügt, sollen nicht weniger als 40 Proz. betriebsunfähig sein. Die Accunmlatoren müssen erfetzr oder verbessert werden, ehe die Wagen wieder eingestellt werden können. Ein schwerer Zusammenstoß hat gestern vormittag gegen 11 Uhr in der Jnvalidenstraße stattgefunden. Vom Stettiner Güter- bahuhof fuhr ein Kutscher aus der Greifswaldcrstraße mit einem mit Mehl beladenen Lastwagen im Trab herunter, bog nach links in die Jnvalidenstraße ein und rannte mit einem Wagen der Pferdebahn- linie Schönhauser Allee— Nolleudorfplotz zusammen. Die vordere Plattform der Pferdebahn wurde zertrümmert, der Kutscher rettete sich durch Abspringen. Infolge des Zusammenstoßes fand eine Ver- kehrsstörung von längerer Dauer statt.— In Charlotten bürg wurde gestern mittag der Straßcnbahnbetrieb durch Reißen eines Leitungsrohrs auf längere Zeit unterbrochen. Ncber die Verhaftung ciueS LcbcsöhnchcnS wird gemeldet: Aufsehen erregt in den beteiligten Kreisen die Verhaftung eines 19 Jahre alten Lehrlings M., die Dienstagabend in einem hiesigen Bankgeschäft durch die Kriminalpolizei bewirkt wurde. Der junge Mann, der einer guten Familie aus der Umgegend Berlins angehört, stand bei dem Inhaber des Hauses in großem Vertrauen find verwaltete die Porto- und Stempelkasse. Bei einer Kontrolle stellte sich gestern heraus, daß der junge Mann in dem einen Jahre seiner Lehrzeit dauernd Unterschleife in der Weise be- gangen hat, daß er die Schlußnoten nicht nach Vorschrift gestempelt, fondern ohne Stempel ausgab. Die Veruntreuungen sind bis zu der Höhe von 7000 M. bereits erwiesen. Der junge Mann konnte den Verlockungen der Großstadt nicht widerstehen, hatte sich bald „noble Passionen" angewöhnt und brauchte viel Geld znr Be- friedigung seiner Neigungen. Er war bei den Besuchcrinnen der Amor- und Jägersäle ein gern gesehener Gast, Ivo er zuweilen an einem Abend eine Zeche bis zu 600 M. zu begleichen hatte. Die Sache Ivird noch zu weiteren bemerkenswerten Enthüllungen führen. Ein junger Verschwender, der 15jährige Sohn Otto eines Millionärs Lenz aus einem Vorort Berlins, wird von der Polizei und von Angehörigen gesucht. Der Knabe befindet sich seit dem vorigen Herbst in einem Lchrinstiwt zu Moabit. Kürzlich hatte nun Otto Lenz einen namhaften Gewinn in der Lotterie erzielt und davon noch 150 M. übrig behalten. Mit dieser Summe hat er sich am letzten Sonntagnachmittag entfernt. Der kleine„Millionär" führt ein flottes Leben und ist öfter i» Wirtshäusern nnt weiblicher Be- dienung aufgetaucht. Es dürfte indes nicht lange dauern bis dem jugendlichen Krösus die Mittel von den zarte» Händen in den Kneipen abgenommen sind. Der deutsche Tierschutzvercin hatte wegen Steuererlatz für die zum Ersatz für Ziehhunde bestimmten, vom Auslande nach Deutschland eingeführten Esel sowohl an die Zollbehörde als auch an das Ministerium petitioniert. Der Eingangszoll für jeden Esel beträgt 10 M. Die Petition ist in ablehnendem Sinne beantwortet worden. Der Polizeikrieg gegen die„unsittliche Kunst" wird fort- gesetzt. Einer größeren Anzahl Kunsthandlungen der Friedrichstadt find wieder polizeiliche Besuche abgestattet worden. Einige Photo- graphien mußten aus den Schaufenstern entfernt und durch„Harm- iosere" ersetzt iverden. AnS dem Fenster gesprungen ist am Mittwochnachmittag um 3 Uhr die 44 Jahre alte Ehefrau' des Kaufnianns G. aus der Peters- bnrgerstraße 66. Die Frau war sehr nervös und schon kurze Zeit in einer Anstalt gewesen. Als der Mann um die genannte Zeit aus dem Geschäft heimkehrte, kamen ihm Leute entgegen, die nach einem Arzt liefen. Frau G. hatte sich aus dem dritten Stock auf den Bürgersteig gestürzt und war mit gebrochenen Gliedmaßen und inneren Verletzungen bewußtlos, aber noch lebend liegen geblieben. Ein Lückscher Wagen brachte sie nach dem Krankenhaus Friedrichs- Hain. Eine zweite Verzweiflungsthat wurde fast uni dieselbe Zeit in dem Hanse Petersburgerstr. 27 begangen. Der Gastwirt Wilhelm L. wohnte dort mit einer Wirtschafterin seit einigen Wochen im Hintergebäude. Er ging mit der Absicht um. in einem leeren Laden des Hauses ein Geschäft zu errichten. Mit seiner Frau lag er in der Ehescheidung. Infolge dieser Angelegenheit in Verbindung mit seiner Beschäftigungslosigkeit hatte er den Lebensmut verloren. Seine Wirtschafterin empfing von ihm in einem Brief die Nachricht von der selbstmörderischen Absicht, und man fand ihn in dem leer- stehenden Laden, wo er sich an einem Nagel erhängt hatte. Die Leiche wurde spät abends nach dem Schanhause abgeholt. Die Wiederholung der Giordano Bruiio-Feier im Beethoven- Saal kann wegen Erkrankung des Festredners Prof. Höckel nicht am nächsten Sonntag stattstnden. Sie ist auf später verschoben worden. Theater. In Halbes neuem Drama:„Das tausendjährige Reich", welches im Deutschen Theater am nächsten Sonnabend, den 24. d. Rk., zum erstenmal in Scene geht, wirken in den Hauptrollen mit die Damen Else Lehmann und Lotti Särrow, sowie die Herren Engels, Fischer, Junker, Kaystler, Kurth, Nissen, Pauli, Reicher, Reinhardt, Sauer, Schwaiger, Ballentin, v. Winterstein und Ziener.— Im Schiller- Theater wird bei den Aufführungen des Blumenthalschen Lustspiels „Der Probepfeil" die Hauptrolle der Hortense von Frau Lili Schwendemann- Pausa vom Neuen Theater gespielt werden. Die weiteren Hauptrollen sind folgend erni aste» besetzt: Leopold von der Egge: Albert Patry; Hellmuth: Georg Pasch kc; Bogumil Krasinsky: Ferdinand Grcgori; von Dedcnroth: Julius Eichen. Die erste Aufführung findet heute statt. 3l»S de» Nnchbiuovte». Parteiversammlungen i» den Vororten. Die Mitglieder des socialdemokratischcn Wnhlvcreins für Tcltow-Bceskow-Storkow- Charlottcnburg werden ans die heute abend in der Gambrinus- Brauerei C h a r l o t t e n b u r g, tagende Versammlung aufmerk- sam gemacht. Es wird ersucht, wegen der Wichtigkeit der Tages- ordnung vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand.— Adlershof. Heute abend 8Vs Uhr im socialdemokratische» Arbeiter-Bildungsverein bei Schmauser, Bisinarckstr. 16, Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Albrccht. Die Charlottenburger Stadtpcrordnetcn-Versammlung hat in ihrer Sitzung am Mittwoch nach längerer, teilweise sehr heftiger Debatte, die Erhöhung der Verpflegungssätze für die dritte Klasse i nr st ä d t i s ch c n Kranken hause ab- g e l e hjn t. Zu der Magistratsrvorlage betr. die Bewilligung von 300 000 M. siir ein Denkmal für Kaiser Friedrich gab Gen. Baake folgende Erklärung ab:„Ich habe— zugleich im Namen meines Freundes Hirsch— zu erklären, daß wir es grundsätzlich mit unsrer demokratischen Gesinnung für unvereinbar halten, aus Gemeindemitteln Gelder für Fürstendenkmäler zu bewilligen". Stadtv. Ströhler: Die eben gehörten Worte werden uns nicht abhalten, den Antrag zum Beschluß zu erheben, umsomehr, da keiner unter uns sein wird, der auch nur andeutungsweise die Gefühle hegen wird, die der Kollege Baake eben ausgesprochen hat.(Beifall.)— Die Vorlage wurde einem Ausschuß von 13 Mitgliedern überwiesen.— An einen Ausschuß von 9 Mitgliedern, darunter Genosse Hirsch, ging die Vorlage betreffend die Nachbewilligung von 56 250 M. für den Etat der Annenverwaltung. In einer weiteren Vorlage verlangte der Magistrat die Gewährung von 500 M. als einmaligen Beitrag an den Berlin-Brandenburger H e i l st ä t t e n- Verein für Lungenkranke. Die socialdemokratischcn Mit- glieder, unterstützt von der liberalen Fraktion, beantragen, diese Zu« wenduug auf 1000 M. zu erhöhen. Baake begründet den Antrag mit dem Hinweis auf den humanitären Zweck, um den es sich hier handle. Stadtv. Ströhler macht etatsrechtliche Be- denken gegen den Antrag geltend, ebenso Stadtvcrordnetcn-Versteher Dr. Jaffö, während Stadtv. Baake die enorme Höhe des Defizits des Vereins betont. Hierauf wird unter Ablehnung des socialdemo- kratischen Antrags die Summe von 500 M. bewilligt.— Bei der Vorlage betreffend den Ankauf des Grundstücks Charlotten- burgcr Ufer 10 für den Ban einer Realschule macht Stadtverordneter Hirsch darauf aufmerksam, daß in jener Gegend die Errichtung einer Gemeindeschule ein dringes Bedürfnis sei, da viele Eltern gezwungen seien, ihre Kinder auf eine Schule in Berlin zu schicken. Bürgermeister M a t t i n g er- widert, daß der Magistrat für die Emürtclung eines geeigneten Ge- bäudes für eine Gemeinde-Doppelschule in jener Gegend bereits weitere Schritte gcthan habe, die hoffentlich bald zu einem befriedigenden Ab- schlnß kommen werden. Die Vorlage wird angenommen. Der letzte Punkt der Tagesordnung ist die Beratung der Vorlage betr. Er- richtung einer neuen Realschule. Der Referent Stadtv. Kaufmann beantragt, die geforderte Vorschule abzulehnen, im übrigen aber die Errichtung der Schulen zu genehmigen. Bürger- meister M a t t i n g und Stadtschulrat N e u f e r t ersuchen um An- nähme. Die Vorlage wurde sodann einem Ausschutz von 9 Mit- gliedern überwiesen, darunter Genosse Baake. Es folgte eine geheime Sitzung. Ans Rixdorf. Wegen eines angeblichen Sittlichkeitsvergehens gegen das 5jährige Töchterchcn des Arbeiters Kennert aus der Ziethenstr. 71 wurde der Arbeiter Julius M a h r o n verhaftet. M. bestreitet die That. Da er bereits früher in einer Irrenanstalt war. soll M. ans seinen Geisteszustand untersucht werden.— Aus Liebes- gram hat sich der 26jährige Tischler Eduard H o l l a ck aus der Hermannstr. 120 mit Opium vergiftet. Er starb unter den Händen des herbeigerufenen Arztes. Die Leiche wurde polizeilich beschlag- nahmt. Die seltsamen Vorgänge in der HanShaltnngSschule zu Grotz-Lichterfelde haben eine teilweise Klärung erfahren. Gegen die verhaftet gewesene Lehrerin richtet sich bisher der einzige Verdacht und die Staatsanwaltsckiaft stellte nach dieser Richtung die umfangreichste Ermittlung an. Wie ein Berichterstatter wissen will. wird die Anklage gegen die Lehrerin thatsächlich ausgearbeitet, doch ist gleichzeitig vom Nntersnchungsrichter angeordnet worden. die dringend Verdächtige auf ihren Gesundheitszustand untersuchen zu lassen._ t Goviitzk-s-Zeitung. Der Staat und das KoalitionSrecht der Arbeiter. Es ist eine bekannte, traurige Wahrheit, daß die Arbeiter ihl gesetzlich gewährleistetes Koalitionsrecht nur im Kampf mit den ft a a t l i ch e n G e w a l t e n»virkjam ausüben können. Einen neuen Seit rag hierfür bietet die Gerichtsverhandlung in Ko bürg, in Ivelcher der Rcdactcnr der in Bochnm crsckieinenden„Berg- und h ü tt en a r b e i t e r- Z e i tu n g. Genosse Hn e, unter Anwen dung dcS ambulanten Gerichtsstands auf zwei Monate WS Gc fängnis gesandt Ivnrdc. Der Verurteilung liegen folgende, in agitatorischer Beziehung ansierordentlich ivcrtvolle Thatsachcn zu Grunde: Im Herbst 18S8 hatten sich die Schicfcrgrifsel- Arbeiter von Stcinach und Umgegend (Sachsen- Mciningcn) an den Berg- und Hüttenarbeiter» Verband um Anschlns; an dicfe Organisation gewandt. Der Verband unterzog sich pflichtgemäß der Aufgabe, die Schicferbnich Arbeiter zu organisieren. Wenige Tage nach den Versammlungen, in welchen sich die Schiefcrarbciter dem Verband an- geschlossen hatten, erließ der Chef der staatlichen Grube», Staats rat Z i t t e r eine Verordnung, in welcher er verbot, auf de» Arbeitsstätten s o c i a l p o I i t i s ch e Agitation zu treiben. Die„Vcrg- und Hüttenarbeiter-Zeitung" brachte nun einen Artikel, in welchem diese Verfügung gegeißelt und dem Staatsrat gesagt ivnrde, er solle erst das Versprechen, die Lage der Grifsclarbciicr zu bessern, einlösen. Infolge Strafantrags des nielningischen Gesamlmliiistcrimns wurde nnn unter Ainvendnng dcS ambulanten Gerichtsstands wegen Beleidigung gegen Hne vor' der Kobnrgcr Strafkammer verhandelt. Das Elend der Griffclnrbeiter ist in Mitteldeutschland sprich tu v r t l i ch und in mehreren Werken bekannter national-vkonomischer Schriftsteller, ivie Dr. E. S a x, Sommerfeld u. a., eingehend und gründlich besprochen worden. Als Zeuge war der Chef der Abteilung der Finanzen vom Ministerium in Mciningcn, Geh. Staatsrat Z i t t e r selber er- schienen. Nach seiner Aussage hat die Regierung sehr viel für die Griffelmachcr gcthan. Zu der Verordnung gegen die social politische Agitation auf den Arbeitsstätten äußerte sich der Zeuge: Im Interesse dcS Staates sind wir nicht gewillt, uns das Griffclgeschäft durch eine Agitation, wie sie stattgefunden, erschweren zu lassen, und daher haben wir am Weihnachtsabend(!> vorigen Jahres eine Verfügung erlassen, ivonach alle Agitation durch Wort und Schrift, ivclche die Gründung des Verbandes bezweckt, mit Kündigung bedroht Ivird. Auch ist nach Erscheine» des unter Anklage gestellten Artikels von mir eine weitere Verfügung erlassen worden, wonach dem L a n d t a g S- A b g c o r d n e t c n des Bezirks, Griffelmachcr Karl Weigel die Arbeit gekündigt ivird. Weigel war nämlich Expedient der in Betracht kommenden Fachzeitung. Weiter sprach dieser Staatsbeamte seine Meinung noch dahin onS, daß er die Entlassung wegen Zugehörigkeit zur G c w e r k s ch a f t S o r g a n i s a t i o n keineswegs' für u n- gehörig halte, wenn er auch bi« jetzt noch nicht zu diesem Mittel gegriffen habe. Diese Worte sind nicht mit Gold anfzuwiegen. Sie zeigen von neuem, wie man in hohen RcgicrungSIrciscii über das den Arbeitern gesetzlich gewährleistete Koalition srecht denkt. Sic sind um so wertvoller, als bei dem Kulturstand und der IlcberzeilgungStreue der thüringischen Grisfelarbeiter kaum an- genommen werden darf, das; die in Betracht kommenden Arbeiter sich auch fortan nur im geringsten von der Ausübung des Koalitions- rechts abhalten lassen werden. Die nunmehr vernommenen Griffelmacher bekundeten fast Übereinstimmend, daß die vom FiSkuS erbauten Großhllttcn viel un- gesunder seien wie die kleinen. Die Löhne seien nicht besser ge- worden: die Lohnerhöhung von 2 M. auf 20 000 Griffel im Jahre 18g.? sei von der Verwaltung dadurch wieder illusorisch gemacht worden, daß stärkere Ware verlangt worden sei. Einige Zeugen bekunde», daß die jetzt eingeführte Teilarbeit, wodurch die Grisfelarbeiter nicht nichr in dem Bruch arbeiten und nur mit Sägen und Spalte» in den slauberfüllten Hütten beschäftigt werden, viel gesundheitsschädlicher sei als früher. Der Staatsanwalt beantragte drei Monate Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Wallach ans Essen, begründete in glänzender, häufig vom Vorsitzenden unterbrochener Rede seinen An- »rag auf Freisprcchnug. Wie schon mitgeteilt, hat Hne sein Eintreten für die Griffelmachcr mit zwei Monaten Gefängnis zu büße n. Neues doui Kampf um das KoalitioiiSrccht. Die Zahlstelle Dortmund des Central- Verbandes deutscher Maurer hatte am 24. April des vorigen Jahres eine Versammlung abgehalten, in der sich 17 Personen in den verband auf- nehmen ließen. Die Parteigenossen F r c i s e, I n d s mid Beyer, die damals den Vorstand der Zahlstelle bildeten, erhielten darauf Strafmandate von je 60 Mark, weil sie gemäß 8- des VereinsgcsctzeS die Anfnahnie der 17 Mitglieder nicht binnen drei Tagen der Ortspolizeibehörde angezeigt hatten. Die Angeklagten beantragten richterliche Entschcidmig. Sie machten gellend, daß sie überhaupt nicht verpflichtet gewesen seien, die Ver- änderungen im Mitgliederbestände der Polizei anzuzeigen. Die Zahlstelle sei erstens kein selbständiger Verein, sondern nur eine Mitglicdcrgrnppe deS Verbandes, und zweitens bezwecke weder die Zahlstelle in Dortmund, noch der Gesamtverband eine Einwirknng auf öffentliche Angelegenheiten. Das Schöffen- gerächt hielt aber die Strafen aufrecht und die Straf- kammer als BerufiingSinstanz ermäßigte sie aus je 20 Mark. Die Angeklagten legten Revision ein. zu deren Begründung Rechts- anlrrilt Dr. L i e d k n e ch t vor dem Kammergerichi nnssüh'rte: Die Zahlstelle sei kein selbständiger Verein, sondern lediglich ein unter- geordnetes Glied der großen Centralorganisatioii, deren Zwecken sie diene. Das Vennögcn der Zahlstelle und seine Verwaltung werde durch das Berbandsstatut in ganz bestimmter Weise beschränkt. Es müßten z. B. bestimmte Beitragssätze an die Verbandskasse ab- geliefert werden. Auch den Begriff öffentliche Angelegenheiten habe das Landgericht falsch ausgelegt. Die Annahme, daß zu den öffentlichen Angelegenheiten alles gehöre, ivas über das Privatinteresse der esnzeliieii Mitglieder hinausgehe, sei bedenklich und geeignet, den Wert dcsßlbL der Gowerbe-Ordnmig illusorisch zu machen. Das freie KoalitionSrechr leide darunter. Die Gelverkschaften lömiten bei dem Zusammen- hängen des ArbeitSmnrkts nicht jedes Interesse, daS nicht mehr Privatinteresse der Mitglieder sei, ansschließen.— Der Strafsenat des Kammergerichts wies indessen die Revision mit folgender Begründung zurück: Der Vordcrrichtcr habe ohne Rechtsirrtum fest- gestellt, daß die Zahlstelle ein selbständiger Verein sei. Ferner habe er den Begriff der öffentlichen Angelegenheiten nicht verkannt. Die sich anS dem Statut des Verbandes ergebenden Zwecke: die Regelung des Arbcitsmarkls. besonders des ArbeitSuachweises, die Gewähnnig von Reise- und Streikunterstütznng ic. seien Zwecke, die über die Privatinteressen der Bcreinsiuilglieder hiiiausgingen und erheblich ans öffentliche Angelegenheiten einwirken könnten, Es sei gleichgültig, daß diese Zwecke zugleich die Privatinteressen der Mitglieder verfolgte»: entscheidend sei, daß sie außerdem geeignet seien, ans öffentliche Angelegenheiten einzuwirken. Ein trauriges Bild jugendlicher Verkommenheit bot eine An- klage wegen Kuppelei, die den noch nicht IS Jahre alten Klavierspieler Marx vor die dritte Strafkammer des Landgerichts I führte. Der Angeklagte hatte vor etwa zlvei Jahren in Köln ein 14jährigcs Mädchen keimen gelernt und es sehr bald auf schlechte Wege geleitet. Er ging alsdann ans Köln weg und fing die verschiedcnarligften Beschäftigungen an, ohne bei einer einzigen auszuharren. Schließlich kam er»ach Berlin, wo das Mädchen auch seinen Aufenthalt gc- nommen hatte und hier gerierte er sich als Zuhälter der verwerflichsten Sorte. Er lernte das Mädchen geradezu dazu an, einem schimpf- lichcn Gewerbe nachzugehen und ließ sich von ihr vollständig er- nähren. In den als Beweisstücke dienenden Briefen, die der An- geklagte dem Mädchen geschrieben hat, waren Stellen enthalten, die an Schamlosigkeit und Brutalität ihresgleichen suchten. Der Gerichts- Hof hielt den Angeklagten trotz seines Lengnens gerade durch diese Briefe für überführt und verurteilte ihn zu zwei Iahten Gefängnis. Ausweisung. Die unverehelichte P. ans D e ut s ch- W i lm e r S- darf war bis zum Jahre 18S0 viermal wegen Diebstahls bestraft worden, daS letzte Mal mit einem Jahr Zuchthaus. Eine Ans- weisnngsverfügiing vom Jahre 1892 kam nicht zur Vollstreckung, weil die P. mittlerweile nach Ebarlottenbnrg übersiedelt war. Nachdem sie sich 1898 in England aufgehalten hätte, kehrte sie im I a n u a r 1899 nach Chailottcnbnrg zurück. Hier Ivnrdc sie am 18. Januar wegen Verdachts des Diebstahls festgeiiomNicn und in Untersuchungshaft gebracht. Am 8. Mai ivnrdc sie jedoch freigesprochen. Am 13. Juli erhielt sie dann einen AusweisungS bcfchl, der sich auf Berlin und seine sämtlichen Vororte erstreckte. Durch Beschwerde beim Obcrpräsidentcn verlangte die P. vergeblich die Zurücknahme der AnSweisung. Der Rechtsanwalt Brasch'tlagtc dann für sie beim Ober-Ber Walt nngSgeri cht und ninchte geltend, daß das Gesetz über die Aufnahme Neuanziehender Personen vom Jahre 1842 ans die Klägerin schon deshalb nicht angewendet werden könne, weil cS sich mir auf entlassene Sträflinge bc ziehe. Die Klägerin habe ihre letzte Kriminalstrafe bereits 1890 verbüßt, sie könne also jetzt nicht mehr als entlassener Sträfling angesehen werden. Auch sei sie im Juli 1899 keine in Charlottenbnrg neu anziehende Person gewesen, denn sie sei ja schon im Januar anS England znrückgekchrt. Und schließlich habe sie in Eharlottenburg ihren UnterstützungSwohiisitz.— Ter erste Senat unter dem Borsitz deS Präsidenten Persiiis verwarf die Klage als unbegründet und führte anS: Das Gesetz von 1842 finde Anwendung. Die P., die außer wegen Diebstahls auch noch häufig wegen sittcnpolizeilicher Ucbertretnngcn bestrast sei, wäre mit Recht von der Polizei als eine für die öffentliche Sicherheit und Moralität gefährliche Person angesehen worden, obwohl sie in den letzten Jahren keine weiteren Strafen mehr erlitten habe. Sie sei ferner noch zur Zeit der Ausweisung ein entlassener Sträf ling gewesen, denn begrifflich sei auch jemand ein entlassener Sträfling, der schon vor längerer Zeit aus der Strafanstalt entlassen worden sei. Auch habe es sich um ein neues Anziehen gehandelt. Der Polizeibehörde müsse für die notwendigen Er Mittelungen ein gewisser Spielraum gelassen werden'. Daß Charlottenbnrg der UnterstützungS- Wohnsitz der F. sei, könne die AnSweisung nicht hindern: indessen müsse der Ausgewiesene am Unterstütznngs- Wohnsitz geduldet werden, wenn die Untcrstützungsbcdiirfligkelt eintrete. Die Ans Weisung aus Berlin ziehe nicht notwendig nach sich, daß die P. nnn überall ansgewicsen werden könne. Sei ihre AuSweisniig ans Berlin und Umgegend berechtigt, so wäre ihre Ausweisung' ans einem kleineren Orte, Ivo sie besser beobachtet weiden könne, wahrscheinlich nicht zu billigen. Religionsprozest. AnS Breslau Ivird herichtct: Die hiesige Strafkanimer verurteilte den Naturprediger und Schriftsteller Johannes G n t t z e i t ans Loschwitz bei Dresden wegen Bc schimpfung der jüdischen Religio nsgesellschast durch einen im hiesigen freireligiösen Verein gehaltenen Vortrag über„das alte Testament in Beziehung ans Bildung und Sittlichkeil" zu drei Monaten Gefängnis. Wegen einer während der Verhandlung begangenen Ungebühr wurde Guttzcit zu 24 Slnnden Haft ver- urteilt und sofort ins Gefängnis abgcsührt. Eiiigegangeue Drnckschrifte». Von der„Reuen Zeit--(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben daS 81. Heft des 18. Jahrgangs erschienen. Ans de»! Inhalt heben wir hervor: Zeichen und Wunder.— Allgemeines und SpeciellcS zur Bnchdruckcrtarif- frage. Von Dr. Adolf Braun.(Schlilh.)— Die französischen Arbeiter- ansstilnde der Jahre I80Z—!>7. Vo» Dr. I. Hertz in Hcrisau(Schweiz).— Jugend vo» heute— I. I. David. Van Therese Schlcsiiiger-Eckslci».— Revue der Revuen.— Litterarilche Rundschau.— Notizen: Der Stand der Jndiislrie in Serbien. Von Z. Baiugdgisch. Etwas Statistisches aus Niederländisch-Jndicn.— Feinllctoii: Liiteraturhtsiorische Streiszügc. Von Franz Mehring. II Vermischtes- Unwetter in England. Infolge der Schneestürme und Regen- gliffe der letzten Woche ist, wie man London. 20. Februar, berichtet, die Thenise stark angeschivollen und an vielen Stellen ausgetreten. In Snrrey und Middlescx stehen Tuuscnde von Morgen unter Wasser. Besonders stark ist der W i n d s o r d i st r i t t von der Hochflut betroffen. Weite Länderftreckcn in der Nähe des töniglichcii Schlosses stehen unter Wasser. Im Oxford- d i sc r i k t ertranken eine Anzahl von Rindern und Pferden. Auf den nördliche» Eiscnbahnlinien gab eS eine Reihe von U n- fällen, bei denen eine Anzahl von Personen ums Leben l a m e>1. Ganze Züge wurden im Schnee begraben und konnten nur nach großen Schwierigkeiten wieder frei gemacht werden. Ans dem Lande wurden manche Häuser vollständig in Schnee eingehüstt, und die Bauern mußten einen künstlichen Schiicetmiiicl ausschaufeln. um nicht von dem Verkehr mit der Außciiwclr ganz abgeschnitten zu werden. Der Sturm hat schließlich auch ans der See und im Kanal eine Reihe von ltiiglückSfällen zur Folge gehabt. Folgende Schiffe sind ihm zum Opfer gefallen: Der Dampfer „Edenezer" ging auf der Fahrt von Grimsby nach Porsgrund unweit Banff total verloren; vier Mann der Besatzung sind er- trunken. Der deutsche Dampfer„Mathilde Joost". Kapitän Dedow, der mit Äohlcnladnng von Leith nach Rostock unterwegs war, wurde im sinkenden Zustande von der Besatzung verlassen, wo bei der Matrose Haase erirank. Das Schiff„N o x" ist unweit Lcrwick wrack geworden, während das Schicksal der Besatzung un- bekannt ist. Der Dampfer„O s s i a n" sank auf der Fahrt von Swansea nach Charentc mit Mann und Maus. Ginsturz einer Fabrik. In Urberach bei Offenbach a. M. ist die Gcnscrtsche Thon Warenfabrik infolge Ueberlastung ein- gestürzt. Der Schaden ist, da ei» beträchtlicher Warenvorrat ver- nichter wurde, erheblich. AnS Budapest, 20. Februar, meldet ein Telegramm: Heute abend entgleiste bei Steinbruch am Güterbahnhof ein Lastzug. Neun Wagen sind schwer beschädigt, ein Bremser und der Lokomotivführer sind lehensgefährlich verletzt. Ein furchtbares Unwetter hat DicnStagmittag Fiume heimgesucht. Die im Hafen liegenden Schiffe gerieten in große Gefahr: es gelang jedoch, dieselben zu retten, bis ans einen griechischen Dreimaster, welcher vor der Torpedofabrik auf das Ufer geworfen wurde. Im Crystal Palace, der bekannten riesigen VergiiügungS- anstatt in London, wurden während der Nachmittagsvorstellung am Sonntag, als das Hans von einer nach Zehntansenden zählenden Menschenmenge besetzt war, z w e i E l e f a n t e n scheu, rissc» sich von ihren Ketten los und tobten durch die verschiedenen Hallen. CirkiiS und Restaurants des Etablissements, alles zertrümmernd, was sich ihnen in den Weg stellte. Ein Wärter wurde zu einer formlosen Masse zerstampft, niehrcre Personen trugen Verletzungen davon, Francn fielen in Ohnmacht und ein Kamel, das zu derselben Tier- larawane gehört, wurde von den wütenden Elefanten halbtot ge- schlagen. Einer der Elefanten brach durch die UmfassungS« mancr ins Freie ans und wurde in der Nacht nach einer verzweifelten Jagd durch Gärten und über Felder in meilenweiter Entfenmng vom Crystal Palace erst wieder eingefangen: der andre wurde mit Explosivstoffen zur Strecke gebracht, nachdem man ihn vorher durch ein volles Vicrtelpftmd Cyankalium, das man ihm in Brot beibrachte, einigermaßen zur Ruhe gebracht hatte. Tie Witwe brS Marschalls Mac Mahon ist Dienstagabend in Paris gestorben. Freisprechung der Herzogin Beauffremont. Aus Padua wird unter dem 13. Februar berichtet: Heute ging hier der Prozeß gegen den Priester Cogo und die Herzogin von Beauffremont zu Ende; die beiden waren bezichtigt, zu betrügerischen Zwecken die Geburtsurkunde der Abenteurerin Tilkin, die als Fürstin Trubeykot, die Welt durchbog und im Berliner Polizcigericht durch Selbstmord endete, gefälscht zu haben, wofür sie in erster Instanz zu lniigcreii Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Diesmal ging es ihnen besser; die Geschworencii verneinten die Schuldfragen, und die Angeklagten mußten freigesprochen werden. Die Herzogin wurde bei der Nachricht von ihrer Entlassung ans der Haft ohnmächtig. Don Cogo warf den Geschworencii Handliisse zu und dankte allen in überschwenglicher Weise.— Erdbeben. In Agram wurde Dienstagiiachmittag 2 Uhr öl Minuten ein schwaches Erdbeben in der Richtung von Nordwest nach Südost verspürt. Marktpreise Hoii Berlin am 20. Februar Istvft noch Ermittiniigeii des tgl. Polizewräsidiinns. D.-Etr. Ii), M 14.20 11.90 15,— 14,10 13,30 4,- 7,20 40,- 45,- 70,- 7,- 1,60 1,20 Tonne 14- 13, oO 13,- 14,20 13,40 12,60 3,66 4,40 25,- 25,- 30,- 4 50 1,20 1,- von Schiveitiesleisch kaldiieisch Hnimiielsleisch Butter Eier KorPsei! Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie llrebie 1 li-r 60 TtiM Ikg per Schock der CenlralilcNe der Preich. Land- 1.60 1.70 1,60 2,60 6,— 2,20 2,30 2,50 2_ ßOO 2,80 1,40 12,- 1,10 I,- 1- 3,- 1,20 1,40 ],- 1,~ 0,80 1,20 0,80 3,- «)WeIzei> •�Rogflcn„ Fnllcr-Äcrfle„ Hafer gm„ . initlel gering. Richlslroli„ Heu. PErbsen ß)Sveiicdohiicii f)Ln>'cii Kartofieln, neue Rindileifch, Keule l kg to. Bauch„ *) Ermittelt pro ivirtichaitsiamiuem— NolierungssleNe— und imi gerechnet vom Polizei- Präsidium sür den Doppelcentuer, ß) KleinhaudeiSpreiie. Produlten markt vom 21. Februar. Auf dein Getreidemarkt herrschte schwächere Tendenz auf vorwiegend mattes Ausland und warmes Wetter.— Jedoch bereiis am Friihmarkle griff eine krästige Befestigung der Gcsauitstiiumung Platz, da die Offerten Rußlands und des sonstigen Aus- landcs lein Rciidemeitt bieten, und das eiugebot des Jniandcs allein iür die lebhafte UnternchmungSIust des hiesigen Markts nicht genügte. Äs- sonders für Lieferungen war die Nachfrage bedeutend. Die Umsätze nahmen leine» großen l'.msang an und bcichräiitte» sich hauptsächlich ans Roggen, der aniangs weichend, später erholt war und etwas höher als gestern schloß, Weizen war zu Beginn des Verkehrs 1 M. gedrückt, zuletzt 0,50 M. erholt. Hafer lag eher schwächer, Rüböl geschästslos, Am S p i r i t n S m a r k t wurden 20 000 Liter 70« loco mit 47,20 M, wie gestern gehandelt. Städtischer Schlachtviehmartt. Berlin. 21. Februar 1900. Amt- licher Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 365 Rinder, 2122 Kälber, 451 Sckiaic, 8682 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 tUlogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a> vollfleiichige, ausgemästete, höchsten Schiachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 00- 00, d) junge fleischige, nickt ausgemästete und ältere ausgemästete 00-60; o) m.äßig genährte fnuge und gut genährte ältere 00-00; ä) gering genährte jeden Alters Ol>— 00,— Bullen: n) vollficischixe höchsten SchlacktwerieS 00-00; d) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 00—00; o) gering genährte 48—52,— Färsen und Kühe: a) vollfleiichige, ausgemästete Färsen höchsten Schiachtwert« 00— 00; b) vollfleiichige, ausgcinästeie Kühe höchsten Schiachlwertes bis zu 7 Jähren 60-00; o altere onogrinästele Kühe und wenig gut entwickelte inngere Kühe und Färsen 00—00 i ä) mäßig genährte Kühe und Färsen 46—47; e) gering genährte Kühe mid Färsen 43—45.— Kälber: a) feinste Mast- kalb«(Vollinilchmust) und beste Saugkälber 70—73, d) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 65—67, o) geringe Saugkälber 54—60,<1) ältere, gering genährlc(Fresser) 60- 00.— Schase: a) Mastlämm« und jüngere Mast- Hammel 50-62, b) ältere Masthammel 63-58, o) mäßig genährte Hammel und Sckase(Merzschase) 46—52, ck) Holsteiner Niedcrunge- schase(Lebendgewicht) 00—00.— Schweine: a) vollsleischiae, der feineren giaise» und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1'/« Jahren 48—00, b) Käser 00- 00, c) flcifchigc 40-47, d) gering entwickelte 42-45, e) Sauen 43-44. Verlauf und Tendenz. Vom Rinderaustrieb blieben ungesähr 140 Stück unverkaust. Der Kälberhandel gestaltete sich ruhig und still. Die zugesührle» Schafe fanden ziemlich afle Abiatz. Der Schweinemarkt verlief glatt und wurde geräumt. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde sindct Montag, Dienitag und Freitag von