Zlnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 18. Sonnabend den 25. Januar 1913 18] Gefcbicbte einer Bombe» Von Andreas©trug. Langsam, angestrengt, schnaufend schleppte sich der ge- mischte Zug durch die Nacht. Er kroch förmlich von Station zu Station und machte den Eindruck, als käme er nicht vom Fleck oder müßte jeden Augenblick stehen bleiben. Obwohl man glauben mußte, daß eine Lokomotive vorgespannt war, schien es doch, als wären es ein Paar Ochsen. Schließlich erreichte er irgendeine kleine, in Dunkel getaucht« Station, und es begann ein verzweifelter Aufenthalt. Man schob die Waggons hin und her, koppelte sie ab, koppelte wieder an, schob die unseligen Passagiere vorwärts, rückwärts, rangierte, stieß, schüttelte, knarrte, ließ Dampf ausströmen, klingelte und pfiff. Endlich bewegte sich der Zug weiter in die dunkle Nacht, ganz langsam, Schritt für Schritt, bis zur nächsten Haltestelle. Der Genosse Marek konnte nicht schlafen und wand sich vor Langeweile. Er sah durchs Fenster hinaus und zählte die Sterne, rauchte eine Zigarette nach der andern, wälzte sich auf der harten Bank von einer Seite auf die andere, unterhielt sich mit zwei Juden, die im Eoup6 saßen, versuchte zu schlafen und bildete sich ein, einzuschlafen, obwohl er wußte, daß es nicht möglich war. Er hatte nichts, womit er dieses große Loch der Zeit hätte stopfen können. Er hatte nichts, woran er denken konnte. Er war übermüdet. Vor nicht langer Zeit war es ihm durch einen Glückszufall gelungen, aus dem Gefängnis zu entkommen, oder vielmehr, er wurde durch ein Wunder aus dem Gefängnis entführt, wo er seit langen Monaten ruhig auf den Tod gewartet hatte. Dies war vor einigen Wochen geschehen, und jetzt noch konnte er sich in seinem neuen Leben nicht zurechtfinden. Er wußte sich ja freuen, als sei er wiedergeboren worden! So freute er sich auch, ober nur er allein wußte, wie diese Freude beschaffen war. Er war den Freunden, die ihn ge- rettet hatten, dankbar. Aber auch diese Dankbarkeit sah in ihrem Wesen dem Haß verflucht ähnlich. Ihm schien, als wäre ihm bitteres Unrecht widerfahren, als hätte sich ein sehr braver, sehr vertrauter, prachtvoller Mensch brutal in seine intinisten Angelegenheiten eingedrängt und sich so mit seinen guten Absichten eingedrängt und sich so mit seinen guten Ab- sichten zwischen ihn und etwas sehr Wichtiges, Unaussprech- liches gestellt, das einen Teil seines schrecklichen Antlitzes be- reits vor ihm enthüllt hatte. Man hatte ihm alles und für immer verdorben. Er fühlte sich schlecht. Hätte man jetzt die Tür zu feiner Zelle wieder geöffnet und ihm gesagt: ziehr zurück,— es bleibe, wie es war, es geschehe, was geschehen soll,— so würde er sich mit Wider- willen abgewandt haben. Doch zur Freiheit, zum Leben zu- rückgekehrt, wußte er nichts dannt anzufangen. Er gehörte nicht her und gehörte nicht hin. Er stand wie auf der Schwelle. Schon wenige Tage nach seiner Befreiung verschwand die erste eingebildete Freude, und es überfielen ihn Gedanken, die rein unbegreiflich waren. Das konnte man immerhin noch als Nervosität bezeichnen. Man gab ihm Pulver, empfahl ihm, sich ins Ausland außer Gefahr zu begeben und auszuruhen. Die Pulver nahm er, aber gegen die Reise wehrte er sich mit allen Kräften. Allmählich nahm er wahr, daß er aus dem Gefängnis eine gewisse befestigte Art zu denken mitgenomnien hatte, eine seelische Verfassung, welche ihm im Leben alles vergiftete: während er dort eingeschlossen und in Erwartung der bekannten Lösung sich durchaus an seinem Platze gefühlt hatte. Er schämte sich dieser Pein und verbarg sie. Er verstand sich selbst nicht. Er konnte nicht erfassen, worauf es da eigentlich ankam. Er wollte leben und konnte nicht. Er sehnte sich nach etwas. Er wartete auf ettvas und konnte es nirgends in der Welt finden. Die ganze Wirklichkeit war verändert. Er wunderte sich über die einfachsten Dinge. Aus allem gähnte ihn Langeweile an. Es war alles klein geworden, unnütz. Und er selbst verniochte nichts richtig zu wollen, weder in persönlichen noch in allgemeinen Dingen. ES gab eine Frau, die er sehr liebte, und die Liebe zu ihr hatte ihn auch im Gefängnis erfüllt und trunken gemacht. Diese Frau war zurzeit weit fort, aber er wußte, daß sie jeden Augenblick bei ihm eintreffen konnte.. Er wartetS darauf wie ein Verurteilter. Die Geliebte war, wie immer, schön und lieb und ganz ihm hingegeben, doch in ihm war das Unterste zu oberst gekehrt. Wie sollte er leben?„Es gehört Zeit dazu, die Zeit wird es schaffen" wiederholte er sich ständig und wollte daran glauben. Als er sich keinen Rat mehr wußte, gab er seine Muße auf und ging wieder an seine alte Arbeit. Doch wie seltsam hatte sich in seinem Bewußtsein auch diese bekannte, geliebte Tätigkeit verändert! Auch sie, wie alles andere! Doch er dachte: ich werde dabei schon warm werden! Und halb un- bewußt sprach etwas in ihm, daß gerade bei der Arbeit ge- wisse Umstände wiederkehren und dadurch sich vielleicht rascher die seltsamen Mißverständnisse dieses neuen wunderlichen Lebens lösen würden. Er tat dies, tat jenes, jetzt reiste er, wohin er sollte. Auf dem Gepäckbrett standen seine beiden schweren Koffer. Im CoupS war es drückend heiß. Das gelbe, trübe Licht der Lampe und das ununterbrochene Geschwätz der Mit» reisenden reizte ihn. Sein Kopf war aufs äußerste erschöpft. Jetzt wollte er überhaupt nichts mehr. Alles war ihm gleich- gültig,— dennoch konnte er sich von den automatisch arbeiten- den Gedanken nicht losreißen: sie liefen wie eine losgelassene Maschine ihr eigenes Tempo imd ließen sich nicht bändigen, als hätte er alle Herrschaft über sie verloren. Es war, als würde sich ein Fremder über ihn auseinanderfetzen, seine Ver- gangenheit durchwühlen und seine Zukunft erfragen, sich wundern, höhnen und über gewisse Erscheinungen bedeutungs- voll den Kopf schütteln. Er glich einem Arzt, der mit seinem Patienten unzufrieden ist. Der Arzt verdüstert sich, unter- sucht, horcht, tastet, erwägt verschiedene unbedeutende Kleinig- keiten, klassifiziert sie und ist unzufrieden. Der Kranke wartet gleichgültig. Er weiß etwas, wovon der Arzt nicht einmal eine Ahnung hat. Er macht sich innerlich über den Arzt lustig. Er erwartet nichts von dem Arzt. Ter Kranke weiß alles, aber er leidet. Er hatte einen jener Träume, die ganz sinnlos sind und im Gedächtnis weder einen Begriff noch ein Bild zurücklassen. Man erinnert sich an nichts, weiß jedoch, daß sich etwas sehr Wichtiges zugetragen hat, daß im Schlafe eben das sich ge- zeigt, wonach die Seele so lange Zeit vergebens sich abgemüht hatte. Endlich ist das geheimnisvolle Wort ausgesprochen worden, das die Tore des Unbegreiflichen öffnet. Der er- wachte Mensch jagt danach mit feiner Erinnerung, arbeitet, versucht zu erraten, verfolgt die Spur der entschwundenen, formlosen Bilder, von denen nur ein trüber Schein zurück» geblieben ist... Marek erwachte und griff nach dem verflüchtigten Traum. „Wie war das?— Was war es eigentlich?" Er griff hitzig und blindlings zu, wie man im Dunkeln nach einer lästigen, summenden Mücke greift. In der Faust bleibt nichts, und die Mücke summt, droht und ist irgend- wo da. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, aber es war schon Tag. Marek hing mit dem halben Körper im Fenster und atmete erleichtert die frische, feuchte Luft ein. Er sah in die Welt hinaus. Der Zug schob sich langsam durch den Wald, an der dichten Wand der Tannen vorbei, deren Stännne rot und deren Zweige noch dunkel waren. In der Tiefe des Waldes war es schwarz. Das Auge durchdrang die geheimnisvoll dämmerigen Räume zwischen den Stämmen. Tie Nacht webte dort noch still, etwas veränderte sich und verschwand. Der Wald lockte und gab vor, alles zu wissen— schon lange alles zu wissen. Lichtungen öffneten sich, kleine feuchte Wiesen, auf denen sich die Nebel tief und breit ausdehnten Strecken dichten Heidekrauts zogen sich hin, naß und beschwert vom Tau. Der Wald hörte auf, nnd das Auge blickte weit ins Freie. Felder, Wiesen liefen unendlich hin. Am niedrigen Horizont zog ein Wolkenstrcifon dahin: dunkel, däinmcria war seine Farbe auf dem grauen Himmel. E* schliefen noch ihren letzten kurzen Schlaf die in de? Eben? zerstreuten menschlichen Ansiedelungen, Es war alles gewöhnlich. Ganz gewohnlich... Langsam schoben sich die Telegraphenstangen vorbei, eine nach der anderen, liesen hinunter, liefen hinauf, verschwanden eine Weile, kehrten wieder. Kleine Hügel mit verkrüppelten Fichten und kleine Tälchen dazwischen. Ter Zug grub sich m einen tiefen Einschnitt ein und lief dicht unter der sandigen Wand hin. Mächtige Sterne ragten aus ihr heraus sie waren vor vielen tausend Jahren aus der Ferne hierher gewandert. Tausend Jahre überschüttete sie' der Sand, begrub sie Tag um Tag, immer tiefer, das keinen Augenblick rastende tätige Leben der Erde. Bis der Mensch sie aus ihrem jahrhundertealten Grab herausholte und ihre Nackt- heit wieder preisgab. Die Massen arbeiteten und vollzogen geduldig wie Naturkräfte die Arbeiten der Jahrhundertc. Hunger und Sklaverei trieben sie zu dieser Grabarbeit. Das unmenschliche Recht der Menschen rief sie aus den entfernte- sten Gegenden zusammen und versammelte sie in diese Ebene mit der gleichen Kraft, mit der die Naturkräfte die großen Steine hierhergcwälzt hatten. Schon hat die Erde längst die Gebeine der namenlosen toten Arbeiter zugeschüttet, so wie sie einst alle ihre großen Arbeiten verschlingen wird. Was wird überdauern? Was wird bleiben? Und wozu? Wozu? Ermattend wie ein Gähnen trat dieser alte, immer wiederkehrende vergiftende Gedanke auf. Er quälte bei Tag und bei Nacht und schob sich zwischen ihn und alles, was immer das Auge erblickte, was immer das Herz ergriff. Man hatte ihn von dem Ouell der Weisheit entfernt, hatte ihm— dem Schatten— befohlen, sich wieder in das menschliche Ameisengetriebe unter ihre kleinen Angelegen- heiten, zu begeben. Das Leben verurteilte ihn zu einem - ewigen, blinden Irren. Doch bald wird diese Ewigkeit ein Ende nehmen... kllortsetzung folgt.I 3] Hn die Scholle gebunden. Von G u st a f I a n s o n. Hurtig wandte sich das Mädchen um und musterte ihn von oben bis unten. Ohne daß cr's wußte, hätte der Ton eine Saite in ihrem Herzen berührt. „So"— sagte sie fast freundlich und blickte ihn mit dem einen Auge mitleidig an. Auf der Insel war man es nicht gewohnt, der Eltern in Liebe und Kummer zu gedenken, denn jeder hatte vollauf mit sich selbst zu tun. „Sie ist tot," fügte er kurz hinzu. „Ja— in seinem Alter— so..." Sie vollendete nicht den Satz, sondern wandte ihm den Rücken «U und fuhr fort zu melken. „Ist Karin hier daheim?" „Nee." „Dachte mir's. Mehr wurde an dem Abend nicht gesprochen, und er ging mit kurzem Kopfnicken, das unerwidert blieb. Bald darauf stand Hans Mortensson im Laden, den der Kauf- mann noch nicht geschlossen hatte. „Bolen hat'ne tüchtige Magd." warf er beiläufig hin, nach- dem sie einige Worte gelvechselt hatten. „O, ja. aber sie ist weltlich gesinnt." Hans Mortensson pfiff verächtlich. »Und lange werden wir sie wohl nicht behalten." »Weshalb denn nicht?" „Sie geht mit'nem Burschen von dort unten," daher deutete er mit dem Daumen nach Süden. „Wie heißt der Kerl?" fragte Hans mit unnatürlicher Ruhe. „Keller, glaub ich." Abtvechfelnd auf den Fußspitzen und Hacken balancierend, trncgte sich Hgns Mortensson hin und her. „Hol's der Teufel!" brach er nach einer Weile aus und spie seitwärts. Befremdet blickte der Kaufmann ihn an, da er aber nicht ahnte, was jener wolle und ob er etwas mit seinen Fragen be- zwecke, gab er sich zufrieden. „Ja, so steht's damit," sagte er und zog die Kassenschubladc heraus um nachzurechnen. Indessen wiegte sich Hau? Mortensson auf den, Absätzen. „Wir wcrdcn'S ja sehn," sagte er endlich und verließ den Laden mit kurzem Gruß. Am folgenden Morgen machte er einen Abstecher nach dem südlichen Teil der Insel, und am selben Abend erzählte man sich im Kaufmannsladen, daß der Knecht Per Keller von einem Manne, der ihn draußen guf dem Anger aufgesucht habe, übel zugerichtet worden sei. lleber das Ereignis wurde viel hin und her geschwatzt, einige übertrieben, andere milderten das Gerücht, und schließlich meinte man, annehmen zu müssen, daß der Ueberfallene auf dem Totenbett liege, wobei man es bewenden ließ und wartete, was für Nachrichten der nächste Tag bringen werde. Zu der gewöhnlichen Stunde fand sich Hans Mortensson im Kaufmannsladen ein und ließ sich auf einen Stuhl nieder. So- bald er hörte, wovon die Rede war, fiel er ein: „Ist das etwa der Kerl, den ich dnrchgcbläut habe?" Der Kaufmann durchschaute den Zusammenhang und maß Hans mit prüfendem Blick. „Bewahre mich, hat Mortensson,. „Ist's der, so hat'Z keine Not.., ein bis zwei Tage im Bett..." „Um's Himmels willen, Mortensson fängt doch keine Schlag» reicn an?" „Nee. wenn ich's vermeiden kann." Bolen schielte mißtrauisch nach ihm hin und benutzte schnell die Gelegenheit, als Hans sich umwandte, seine Kasse in Sicherheit zu bringen, worauf er, einigermaßen beruhigt, die unterbrochene Unterredung fortsetzte, nachdem er sicherheitshalber die Klappe des Ladentisches heruntergelassen hatte. „s' ist wohl nicht's erstemal, daß Mortensson einen durchprügelt?/' begann Bolen, als halte er Verhör. „Nee, vor'm halben Jahr war's letztemal." „Na— a?" forschte Bolen, der sich einer gewissen Acngstlichkeit nicht crivchrcu konnte. Die phlegmatische Ruhe des Mannes b» hagte ihm durchaus nicht. „Der geht seitdem mit Krücken," erklärte HanZ, ohne«ine Miene zu verziehen. Jetzt hatte Bolen genug gehört, und da er nicht weiter fragte, schwieg auch Hans. Nach einer Weile erhob der sich, deutete mit einer Handbewegung nach der Mütze einen Gruß an und verließ den Laden. Gleich darauf stand er in der offenen Stalltür. „Guten Abend!" grüßte er vergnügt. Karin nickte, ohne sich umzuwenden. Da sich Hans heute spät einfand, war das Melken bereits besorgt. Sie erhob sich vom Schemel, ergriff die Eimer und schickte sich zum Gehen an. Voller Bewunderung folgte Hans mit leuchtenden Augen ihren Bewegun- gen. Als sie an ihm vorüberging und ihm den breiten Rücken zu- kehrte, konnte er sich nicht enthalten, ihr einen freundschaftlichen und kräftigen schlag auf den Hinteren zu versetzen. „Blitzmädel!" rief er entzückt aps. „Schäme Er sich, Tölpel!" schnaubte ihn Karin mit vor IoM sprühenden Augen an. Hans Mortensson brach in herzliches Lachen aus. Er merkte wohl, daß er zu derb gewesen war, vermochte es aber um alles in der Welt nicht zu bereuen, sondern setzte selig hinzu: „Prachtdirne I" Karins Miene klärte sich plötzlich auf. Es war unmöglich, in seinem Gebaren aufrichtige Bewunderung und wirtliche Verehrung zu verkennen. Es war eine Huldigung eines verliebten Mannes,« i n Weib vor allen anderen auszuzeichnen. Dunkle Röte bedeckte ihre gebräunten Wangen, als sie sich dessen bewußt ward und ungeduldig auf die Fortsetzung wartete. Da diese aber ausblieb, warf sie gekränkt den Kopf zurück und verließ ihn. Aber hinter ihr erscholl Hans Mortcnssons zufriedenes Lachen. Es war ihm eine unend-> Ische Erleichterung, seinem innersten Herzen Luft gemacht zu haben. Am folgenden Tage durchstreifte er die zu Hagen gehörigen Felder. Vorzugsweise hielt er sich auf einem steinigen Abhang auf. von dem sich eine herrliche Aussicht über das Meer bot. Er kletterta unter den Felsen umher, maß ein nahezu rechtwinkeliges Gebiet ab und schrieb einige Zahlen in einen schmutzigen Taschenkalender. Nachdem er einige Stunden auf diese Weise verbracht hatte, nickte er befriedigt und ging seines Weges. So kam der erste Sonntag nach seiner Rückkehr. Aus eine« unter seinen Habseligkeiten befindlichen Käste langte er seine Sonntagskleider, und festlich geputzt machte er nicht geringes Auf- sehen. Nachdem er sich in feiner Eleganz einige Zeit in der Nähs des Kaufmannsladcns umhergctrieben hatte, schlug er den Weg zu seinem Elternhause ein. Ein« Weile blieb er unten an der Landstraße stehen und starrte zu den Fenstern hinauf, ging aber dann entschlossen auf das Haus zu. Der jetzige Eigentümer, der nun wußte, wer der Fremde war, trat ihm in der Tür entgegen. Hans Mortensson grüßte und fragte, wie es ihm gehe. Darauf teilte er ihm mit, daß er hier geboren sei. Das wußte der Mann bereits. So standen die beiden Männer stumm einander gegenüber, ein jeder erwartend, daß der andere das Schweigen unterbreche. Ein paarmal öffnete Hans Mortensson den Mund, als wolle er etwas sagen, schwieg aber. Endlich begann er: „Wieviel hat er sür's Gehöft bezahlt?" Als die Summe geuynnt war, blinzelte er mit den Augen und versank in Nachdenken. Nach einer Weile fuhr er fort: „Will er vielleicht verkaufen?" „Denk' nicht dran! Wie kommt er drauf?" Hans hatte nichts anderes erwartet und zeigte sich dahev weder überrascht noch verlegen, lächelte nur aufmunternd und sagte: „Wcnn's aber doch dazu käme, wie hoch würde der Preis sein?" „So lange ich lebe, wird nicht verkaust, nun weiß etzs." Mit sanftem wohlwollenden Lächeln entgegnete HanSZ .>Sag' er» für alle Fälle!" Der Besitzer gab eine bedeutend höhere Summe an. Fast schien es, als freue sich Hau» Mortcnsson des hohen Kauf- Preises.„Recht sol" rief er vergnügt,„das Gehöft ist sein Geld Wert!" Mißtrauisch kniff der Bauer die Augen zusammen und tnuftcrtc den Mann vor sich. Der nickte ihm freundlich zu und fragte, ob er Stall und Scheune sehen dürfe. Dagegen hatte der Besitzer nichts einzu- wenden, er selbst begleitete ihn und wies sein Eigentum vor. Wie früher stöberte Hans in allen Winkeln umher, verglich und rechnete. Nachdem er alles gründlich besehen, fragte er beiläufig: „Wie alt ist er?" .Fünfzig Jahre." „Er sieht älter aus/' Wiederum trat eine Pause ein. Schließlich räusperte sich Hans Mortensson: „Will er mal verkaufen, komm' er zu mir!" Dabef schlug er Mit der Hand auf seine Brusttasche. .Daraus wird nichts, Hab' ich schon mal gesagtN .Ucberlcg' er's sich, wenn die Zeit kommt!" (Fortsetzung folgt.) Blumen des Südens. Die gewaltigen Berge blühender Blumenmengen, die zurzeit in der Blumcninarkthalle feilgeboten werden, wie auch der Reichtum in den Auslagen der Blumenhandlungen stammen nur zum geringsten Teile aus den Kulturstätten einheimischer Züchter. Das meiste davon ist unter dem ewig blauenden Hnnmel des Südens, an den Ge- ftaden des Mittelländischen Meeres erblüht. In besonderen Blumen- eilzügen und in einzelnen Postfrachtslücken wurde all' die Herrlicdkeit von dort eingeführt. Vor etwa drei Jahrzehnten wurden die ersten schüchternen Versuche mit dieser Blumeneinfuhr unternommen, die sich zunächst auch nur langsam entwickeln konnte, dann aber einen plötzlichen Aufschwung nahm. Jetzt konimen alljährlich rund 70 000 Doppelzentner Blumen und Lanbzweige nach Deutschland. und davon stammt weit über die Hälfte von der Riviera. Die ersten Blumen, die vor rund 30 Jahren von dort zu uns kamen, waren Rosen, ganz kurz geschnitten und in kleinen Kistchen verpackt. Die Reisedauer betrug damals noch etliche Tage mehr als heute, und da Blumen beim Transport recht empfindlich irnd, war ihr Zustand bei der Ankunft recht erbarmungswürdig. So blieb es lange Zeit, bis der Versand derart organisiert werden konnte, daß die Blumen durch- schnittlich nur zwei Tage reisen. So ist es denn jetzt eine Selten- heit, daß in normalen Zeiten die Blumen verdorben ankommen. Nur in Ausnahmefällen, wenn plötzlich ein starker WitterungS- Umschlag eintritt oder bei Verkehrsstockungen, gibt es großen Aus- fall, da sind dann oft die ganzen Sendungen erfroren oder verfault. Je günstiger die Versandbedingungen für die Blumen wurden, um so größer wurden auch die Anlagen, in denen die Blumen an der Rivrera besonders herangezogen werden. Aber nicht nur das, auch die Sortenanzahl der zum Versand gelangenden Blumen wurde stärker. Zu den Rosen gesellten sich Veilchen, Margareten, Levkojen und Reseden. Nelken, Kamelien, Ranunkeln, Anemonen und vieles andere folgte. Jetzt werden selbst Zwiebelblumen, wie Narzissen, Schneeglöckchen und dergleichen ausgeführt. Dazu treten von Bäumen und Sträuchern abgeschnittene Blütenzweige, die teilweise künstlich zur Oesfnung ihrer Blüten gezwungen werden. Zunächst wurden die Blumen nur von Pflanzen beS freien Landes geschnitten und die ganzen Kulturstätten waren Kleinbetriebe. Heute bedient man sich an der Riviera in ausgedehntem Maße allerlei technischer Hilfsmittel, darunter künstlicher Wärme in großen Gewächshausanlagen nicht die geringste Rolle spielt. Und neben den an Zahl bedeutend zugenommenen Kleinbetrieben bestehen jetzt eine Menge umfangreicher' Großbetriebe, die durchaus auf kapl- talistischer Grundlage aufgebaut sind. Daß die Blumen an der Riviera wild warfen und in der Er- zeugung gewissermaßen nichts kosten, ist eine irrige Anschauung. Im Gegenteil verursucht die Anzucht nicht unerhebliche Kosten. Die Gärten ziehen sich an den Abhängen de? Küstengebirges hin. Ebene Flächen sind im Zusammenhang selten, durch Terrassenbauten mußten solche geschaffen werden. Brunnen und BewässerungSeinrich- tungen waren anzulegen. Gute Erde und Dünger galt es zu be- schaffen. Die Transportkosten dafür sind nicht unerheblich, da Fuhr- Werk gar nicht oder doch nur schlecht auf den schmalen. Be'gpfaden Verkehren kann. Die besonderen Kultureinrichtungen, wie Gewächshäuser und dergleichen, bedingen größere Ausgaben. Die Pflanzen müssen das ganze Jahr hindurch sorglichst gepflegt werden. Dazu kommt, daß den Kulturen manche Feinde erstehen. Gerade mit Ausdehnung der Großkulttiren und Anlage der im allgemeinen ja rationeller arbeitenden Spezialkulturen erhielten die tierischen wie auch pflanzlichen Schädlinge eine größere Macht. Manchmal wird das Ergebnis all der Mühen durch einen trockenen, tagelang an- dauernden Wind in Frage gestellt, der alle Kulturbccte anLdörrt. Auch plötzlich einsetzende Fröste sind den Kulturen schon manchmal zum Verhängnis geworden. Wenn nun trotz all dieser ProdustionS- Unkosten, wozu noch"die Spesen des Versandes und des Handel» kommen, fich die Blumen bei uns zu Lande billiger stellen als jene, die in unseren Gewächshäusern erblühten, so ist dies einzig auf da» Konto der günstigen klimatischen Verhältnisse an der Riviera zu setzen. Verhältnisse, denen wir in Deutschland selbst mit dem größte» Aufwand künstlicher Wärme kein Gegengewicht gegenüberstellen können. Werden die Blunien an der Rivicra meist auf Kulturbetten gepflegt, so werden die meisten Laub- und Blätierarten, die von dort nach hier eingeführt werden, zumeist in den geräumigen Gärten alter Familienhäuser oder auch in den Wäldern geschnitten. Nur einiges davon wird besonders herangezogen. Die Unkosten für dieses Material sind darum noch geringer als bei den Blumen. Der vorwiegende Kleinbetrieb bei den Blumernultiustätten begünstigte die Eniwickelung eines besonderen Handelsstandes, dem die Vermittelung zwischen dem Züchter an der Riviera und dem Ab- nehmer in Deutschland sund natürlich auch in anderen Ländern) ob- liegt. In verschiedenen Städten an der Riviera wird alltäglich während der etwa vom Okiober bis in den Mai hinein dauernde» Saison regelrecht Markt abgehalten, der in frühester Stunde einsetzt. Mit Wagen und in Traglasten bringen die Züchter, es sind meistens Bauern, ihre Produkte zum Markt. Hier kauft der Kommissionär diese auf und versorgt dann damit seine Kundschaft im Auslande. Dieser Handel wird vielfach von Deutschen ausgeübt. Die Groß- betriebe, meistens von Gärtnern, darunter wieder viele Deutsche, geleilet, haben fich größtenteils selbst Abnehmer im Auslände gesichert. Die nach Deutschland reisenden Blumen finden nur in der Minderzahl direkte Austiahme im Blumengeschäft. Zumeist passieren sie auch hier noch den Zwischenhandel. Außer nach Deutschland gehen von d-r Riviera auch noch nach der Schweiz, nach Oester- reich, nach Skandinavien und nach England nicht unbedeutende Blumenmengen. Der Blumenvervrauch an den Kulturorten selbst ist im allgemeinen gering: nur zur Zeit der Blumenfeste braucht man auch dort größere Mengen, meist abcr der geringeren Oualitäten. Doch befinden sich neben den geschilderten Blumenkulturanlagen auch noch weitere Gärten, in denen Blumen herangezogen werden, die ausschließlich im Lande verbleiben; diese Blumen dienen der Par- füineriegewinnung. _ Herin. Krafft. kleines feuilleton. Literarisches. Der deutsche Lausbub in Amerika. Erinnerungen und Eindrücke von Erwin Rosen sVerlag Robert Lutz. Stuttgart. 2 Bände). Der Verfasser hat sich vor zwei Jahren bekannt gemacht durch ein Buch Erlebnisse in der Fremdenlegion, von dem bis jetzt sechzehn Auflagen erschienen sind. Mußte man mancherlei Schilde- rungen von überstandenen Abenteuern und romantischem Heldentum anzweifelnd begegnen— eins zeigte sich doch: ein urwüchsiges DarstellungStalent. Rosen ist ein echtes„Münchner Kindt". Als Gymnasiast war er ein waschechter„Lausbub"— von jener Sorte, die Ludwig Thoma so köstlich humorvoll gezeichnet hat. Weil er nirgends gut tat. mußte er über'» „großen Teich". Da hat er denn als Farmer, Apotheker, Arbeiter, Fiichpökler, Tramp, Vrofesior, Reporter sich durchgeschlagen und schließlich als nordamenkaniilber Soldat den Krieg auf Kuba mitgemacht. Von ihm handelt der zweite Teil— charmant, abwechselnd, auf- regend, wie'S trifft. Dem Inhalt des ersten Bandes gebührt aber ein Allgemeininteresse. In dem Wort„Lausbub", das man in München am vertraulichsten, weil sowohl von seiner verächtlichen wie „aufgekratzten" Seite handhabt, liegt ja schon das Leitmotiv. Einer. dem's weder an Wagemut, noch an„Hamur" gebricht, demonstriert am eigenen Erleben, wie man. um ein wirklicher"Amerikaner zu werden, erst sich neunundncunzigmal häuten muß. Bei den wenigste» verläuft die Prozedur schmerzlos. So manch einer läßt Haut und Haar— schließlich auch die zermürbten Knochen dabei. DaS persönliche Erlebnis hat immer nur etwa» Individuelles— jeden trifft'L anders. Und jeder erzählt es anders. Eine gute Dosis Don- quixoterie und Maulheldenmm läuft dabei unter. Vollends vor einem honorigen humoristischen Lausbuben wird man aus der Hut sein müssen. Humoristen sind BiertelS-Poeten und DreiviertelS-Wolken- kuckucksheimer. Sehen wir also lieber hin auf das. was von Land und Leute» gesagt wird. Da kann man dem Verfasser eine geschärfte Beobachtungsgabe zugestehen. Nur, die tieferen Zusammenhänge soziologisch und ökonomisch zu denken, wie daS Hollistcher tut— das kann Erwin Rosen nicht. Er rechnet einfach mit dem Gewordenen— und nichts als blanke Tatsachen schildert er so, ivie sie ihm im brutalen Zm'ammenprall erscheinen. Das ist freilich wenig und kostet bloß eine Portion rofsinierte Reportergabe, um die Eindrücke sektionsweise aufmarschieren zu lasse., und sie dann einzeln nacheinander mit verblüffendem Knalleffekt abzufeuern. So komint es aber, daß wir in Rosens Buch eigentlich nichts Neues über Amerika erfahren. Daß dieses das Land des rücksichtslosen ElldogenrechrS und des Bluffs sei; daß Frömmelei und Geschäft sich decken; daß der lluge Aincrikancr die Tendenz habe, immer äußerlich den Gentleman zu zeigen; daß die Tramps in drei Kategorien: die arbeitsuchenden, die ausgemergelten. vcrlomnunen und die einer obenteuernden Komantik frönenden zer« fallen:— dies und anderes ist ziemlich bekannt. Immerhin— Rosen erzählt flott. Und so viel läßt sich für jeden Einwanderer lernen: Geld, das jemand mitbringt, ist so wertlos für ihn wie altes Papier. ES hindert ihn nur im Lebenskampf. Denn je schneller er vor das Problem gestellt wird, entweder zu hungern oder wenn er das nicht will, jede fich darbietende Arbeitsgelegenheit zu ergreifen, desto rascher lernt er die Verhältnisse kennen. DaS Trainieren wilder Pferde dort, was ist eS anders als symbolisch für die amerikanische Lebenserziehung? Frist Vogel— oder stirb I Wer diese Weisheit rasch kapiert, wird oben bleiben, vielleicht auch, wenn er gründlich auf alle Moralgeseye pfeift, Mammon erwerben— zum Gaudium lachender Erben, die in Deutschland sitzen geblieben sind. AlleS Sonstige ist— purer Schwindel. o. k. Hygienisches. D i e Eigenart des Grahambrots. Der Name Graham, der allerdings ziemlich häufig ist und mehrere berühmte Träger gehabt hat. wird jetzt überall am meisten in Verbindung mit dem Grahambrot genannt, das erst infolge der hygienischen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte in weiten Kreisen in Auf- nähme gekommen ist. Von den Leuten, die sich seiner gewohnheits- mästig bedienen, werden die wenigsten wissen, woher dies Erzeugnis seinen Namen hat, das schon auf ein Alter von fast einem Jahr- hundert zurückblickt. Sylvester Graham war ein Mann, der zu Ansang des 19. Jahrhunderts als Mähigicitsapostel einen großen Ruf erworben hatte. Er wollte den Alkohokismus durch Ernährungs- Vorschriften an der Wurzel fassen. Besonderes Gewicht legte er dabei auf die völlige Enthaltsamkeit von Fleisch, so daß er gleich- zeitig als einer der tatkräftigsten Vorfcchter des Vegetarismus zu betrachten ist. Da Graham aber einsah, daß anstatt des Fleisches eine besonders kräftige Pflanzennahrung geboten werden mußte, so empfahl er die Ernährung durch ein Brot, das aus unge- beute ltem Weizenmehl hergestellt werden sollte. Nach ihm wurde infolgedessen ein solches Mehl als Grahammehl und das daraus gebackene Brot als Grahambrot bezeichnet. Es ist ein Beweis für den erstaunlichen Einfluß dieses Mannes, dah die von ihm in Vorschlag gebrachte Brotsorte noch heute eine so hohe Be- deufung in der.Nahrungsmittelindustrie besitzt. Er hatte ein- gesehen, daß der Weizen den ihm zugewiesenen höchsten Rang unter den Getreiden zu ssiecht innehat. Der Reis ernährt zwar eine noch viel größer« Zahl von Menschen fast ausschließlich, ist dem Weizen aber in der Zusammensetzung nicht überlegen. Graham war aber mit der Verarbeitung des Weizenkorns unzufrieden, und das um so mehr, als das Weizenmehl in der unendlichen Mannig- faltigkeit von Verwendungen immer mehr die Beliebtheit der Völker in den gemäßigten Zonen erworben hatte. Wenn das Wcizcnkorn in der einfachsten Weise gemahlen wird, ist das Ergebnis ein mehr oder weniger feines Pulver, das aber noch grobe Teilchen der Kleie enthält, also der äußeren Um- ihüllungen des eigentlichen Samens. Das daraus gebacken« Brot hat infolgedepen ein gröberes Gewebe und eine dunklere Farbe, auch einen kräftigeren Geschmack. Es ist mit einem Wort das, was man als grobes Brot bezeichnet, und leider hat die Ver- weichlichung der Menschheit bis in die ärmeren Klassen hinein so zugenommen, daß ein solches grobes Brot auch in übertragener Bedeutung als unfein eine. Geringschätzung erfährt. Graham wollte nun, um seinen Lehren Eingang zu verschaffen, einen Teil der gegen das grobe Brot erhobenen Einwände entkräften und stellte fest, daß ein von weichem Winterweizen kommendes Mehl, das verhältnismäßig wenig Eiweiß und viel Stärke besitzt, trotz der Erhaltung der nahrhaften Klei« eine feinere Beschaffenheit in Aussehen und Geschmack annimmt. Noch jetzt ist das käuflich« Grahambrot ärmer an Eiweißstosfen als das gewöhnlich« weiße Mehl. Auch andere Leute waren mit dem Aufschwung des feinen Weizenmehls wenig zufrieden, unter ihnen namentlich der große deutsche Chemiker Liebig, dessen Urteile von Graham für seine Kämpfe zugunsten des groben Weizenmehls kräftig ins Feld ge- führt wurden. Trotzdem ist die loeitere EntWickelung dem feinen gebeulelten Mehl günstig gewesen, zumal die Mittel zu seiner Ver- «rbeitung vecbesscrt wurden. Auch trat eine Reihe von Forschern dafür ein, daß die ungünstigere chemische Zusammensetzung des gebeutelten Weizenmehls für die Ernährung reichlich dadurch auf- gewogen werde, daß es leichter verdaulich sei und daher vom Körper ausgiebiger verarbeitet werde. Man machte dem groben Brot auch eine Reizung des Darms zum Vorwurf, die freilich von mancher Seite wiederum als nützlich, weil der Verdauung fördcr- lich, bezeichnet wurde. Durch die neueren Maschinen zur Ver- Mahlung des Getreides ist nun die Ausscheidung der Kleie in immer vollkommenerem Grad gelungen. Andererseits hat die Landwirt- schaft darauf hingearbeitet, dem Niehl durch die Zucht von hartem Weizen einen höheren Eiweißgchalt und außerdem auch einen höheren Klcbergehalt zu geben. Es wird in diesem Zusammen- hange behauptet, daß es schon j'tzt gebeuteltes Weizenmehl gibt, das dem Grahammchl an verdaulichen Eiweißstosfen und an Gc- kamtioert für die Ernährung überlegen ist. s 7 6 6 4 8 2 1 3 7 • 6 4 3 3 1 Schach Nachrichten. Heute abend in den.König» s ä l e n" Generalversammlung der Berl. Ar b.- Schachklub S. Tagesordnung: Vorstandswahlen und Vorberatungen über den Wettkampf, der zu Ostern in Wittenberg gegen die vereinigten Leipziger und Chemnitzer Arb.-Schackvereine geplant ist. Morgen, den 26. Jan.. Massenwettkampf zwischen dem Röpenicker A. S. K. und den vereinigten Abteilungen 3. u. W. des B. A. S. K. Dem Massenwettkampf reiht sich ein Bortrag über.Kampf der Bauern gegen den König" und ein Simultanspiel an. Lokal:.Lindengarten", Grünauerstr. 7. Eintritt frei. Das letzte Heft der.Wiener Schachztg."(Organ der inter» nationalen Schachmcister-Vercinigung) verkündet auf S. 373 die Abficht, demnächst eine ausführliche Untersuchung gewisser auf 1. o4, eb; 2. St3, Scß; 3. Lb5, a8; 4. La4, Sf6; 5. De2 1 bezugnehmender Bariaitten speziell.auf Grund der im. B o r w ä r ts" erschienenen Analysen" zu veröffentliche». Dies veranlaßt uns, behufs Vermeidung mißverständlicher Auffassungen, zur nach- stehenden, kurz beleuchteten Rekapitulation der wichtigsten theoretischen Grundlagen der zitierten, von uns empfohlenen Spielweise in analytiicher Form. Spanisch: 1. v2— e4. o7—e5; 2. Sgl— f3, Sb8— 06; 3. Lfl— b5. Der allgemeine innere Sinn, d. h. der K r i e g s p l a n dieser mit Recht beliebten Eröffnung besteht im wesentlichen darin, unter dem Drucke der fortwährenden Drohung eines BauerngewiuneS mittels I.X8 nebst SXe5 in feindlichen Lager Schwächungen(wie etwa b7— b5 oder g7— g6) und Einengungen(wie z. B. ck7— 66) zu provozieren. Die Vorbedingung der Wirksamkeit dieses Kriegsplanes ist nach: 3...... a7— a6. 4. Lb5— a4, Sg8— k6(Gegenangriff auf den Be4) die Sicherstellung des eigenen Bo4, der in diesem Moment also zu decken ist. Denn statt dessen übliche Rochade ist ein von der zitierten Grundidee der Eröffnung insofern abweichender Gambit- zug, als er für den noch zu erobernden Lob schon den Be4 preisgibt. Diese Auffassung wäre selbst dann richtig, wenn der nach 5. 6— 0, SXe4I folgende Angriff des Lnziehenden theoretisch siegreich wäre. Da aber das letztere bekanntlich nicht der Fall ist, so ist 6. 0— 0 nicht einmal eine siegreiche.Abweichung". Von allen hier mög- lichen D e ck u n g S z ü g e n des Bg4 hat 5. Ddl— e2 I die wenigsten Schattenseiten. Nämlich 6. Se3 ist z u n ä ch st nur eine Schein» decknng im Sinne des Angriffs auf den BoS und zwar wegen 5. ScB, Lc7; 6. LXS, dXc6; 7. SXe5, SXe4!:c. Wollte aber Weiß nach 5. So3, Le7 mittels 6. 0—0 die Grund-Drohung(LXS nebst SXe5) auf später verschieben, so würde er milder wichtigen Schattenseite deS Zuges Soll zu rechnen haben, daß nach 6... bü; 7. Lb3, d6(droht eventuell Lg4 nebst Sd4) der S den Zug o-— c3 hindert und daß deshalb eine wichtige Angriffssigur deS Anziehenden dem Abtausche durch 806— aoXb3 ausgesetzt ist.— Diese Schattenseite des Springerzuges haftet dem plausiblen und sicheren DcckungSzuge 5. 63 nicht an, denn auf S.... 66 kann mit 6. o3 das Manöver b7— bS nebst Sc6— aXb3 vereitelt werden. Nun aber entsteht ein anderer, allerdings schon geringerer Nachteil dadurch, daß das zur Ausbeutung der Einengung 67— 66 nötige Vordringen des weißen Damenbauern nach 64 nur unter dein offenbaren Tempoverluste 62—63—64 ge- schehen würde, z. B. 6.... L67; 7. Sbd2, Le7; 8. 64, ed; 9. cd, 0—0 zc. Schwarz kann das überschüssige Tempo mit 66— 66 oder Se8 nebst£5 zur Befreiung von der Einengung benutzen. Dem von uns empfohlenen Damezuge der Hauptvariante(6. Vv21) ist keine der zitierten Schattenseiten vorzuwerfen. Dr. Tarrasch ver- suchte zwar den Damenzug dadurch zu diskreditieren, daß er angeblich die v. dem Angriffe Sek— 64 exponiere. Die« ist offenbar unrichtig) denn auf ä. Vc2!, 864? 6. 8XS, vX64 7. e5 käme Schwarz in unreparierbarcn Nachteil. Später ober wird 8cS— 64 durch den in den Kriegsplan hineingehörenden Zug c2— c3 für immer verhindert. lFortsetzung folgt.? Scbacb. Unter Leitung von S. Alapin. Jswolsky. Ad 060 t g b ab ode£ g h 2ch(tq— 9�S T) Berantw. Redakteur: Alfred Wirl'PP, Neukölln. � Druck u. Verlag: vorwärtsBuchdruckereiu.Verlagsanstc.ltPaulSingerzrEo.,BerI»n8s>V.