HB H B»| «r. 45. Adomumritts■ f tKtnpngtn: Abonnements- Preis pränumerando: Pierteljährl. 3,30 Ml., monatl. l.ioMl. wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Psg. TonntagS- Nummer mit llluslrleriec Sonntags- Beilag«„Die N«ue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ILO Mark pro Quartal. Singetragen in der Post-Zeitung», Preisliste für 1900 unter£r. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland ö Mark pro Monat. Erschelnk täglich nutzer MouUg». Vevliner Volksblstt. 17. Zahrg. Die Inscrtions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zetle oder deren Rauin»0 Pfg., für politisch« und gewerks chaftltche Vereins- und BerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Zinfeigen" jede» Wort S Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächst« Nummer müssen bi» l Uhr nachmittag» in derSrpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bttSUhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Dr. 1S0S. Telegramm-Adrelse: «Sorinldrmokrnt Berlin" Centratorgan der saciatdemokratischen Uartei Deutschlands. Redaktion: 3�. 19, Beutlz-Straste 2. Expedition: 3M. 19. Beuth-Strafze 3. Der Kampf der Bergarbeiter. Der gewaltige Kampf der Bergarbeiter, der in Ocstreich feit fünf Wochen tobt, hat nunmehr auch die deutschen Bergarbeiter er- griffen. Zündstoff hatte sich in deutschen Bergarbeiterkreiscn seit langem überreich aufgesammelt, und wenn der Ausstand nicht ftüher zum Ausbruch kam. so hat der Berg- und Hüttenarbeiter- verband sein redlich Teil dazu beigetragen, die erregten Ge- miiter zu beruhigen. Die Schwäche der Organisation zwang ihn, das Verlangen der Bergarbeiter, eine Besserung ihrer Lage zu ver- suchen, auf eine fernere Zeit zu vertage». Mittlerweile sind aber Ereignisse eingetreten, die diese Vorsätze über den Haufen werfen muhten. Der heroische 5kampf der östreichischeu Bergarbeiter bedeutete einen tiefen Eingriff in daS gesamte Wirtschaftsleben dieses Staates. Der Streik legt einen grohen Teil der Kohlcnproduktion in Oestreich brach und trifft die Industrie an ihrer empfindlichsten Stelle. Ohne die Wärme und Lkraft spendenden Kohle steht das rasselnde Räderwerk der Industrie still und das ganze moderne Wirtschaftsgetriebe droht zu erstarren. In solchen Zeiten steigt der Wert des Materials, das der modernen Industrie das Leben einhaucht, und wo ünmer, wo Profite einzuheimsen sind. so steht auch hier kapitalistischer Geschäftssinn in Blüte. Die sächsischen Kohlengrubenbesitzer sandten ihre Erzeugnisse in das mährisch-böhmische Ausstandsgebiet, um ihren bedrängten Kollegen gegen guten Gewinn zu Hilfe zu eilen. Es ist klar, daß diese GeschäftspraxiS die Arbeiter aufs höchste erbittern muhte, umsomehr, als im Jnlande ein genügender Absatz für Kohle zu finden war. Ihre Sympathie stand auf feiten der streikenden Arbeiter, die unter dem Joch von sechs mächtigen Kapitalisten, die brutal jedes Verlangen der elend entlohnten Arbeiter zurülkwicsen, seufzten. Für die sächsischen Bergarbeiter versprach aber eine Lohnbewegung auch dann grohere Aussicht auf Erfolg, ivenn die Zufuhr aus Böhmen unterbunden war. Es ist somit er- klärlich, dah die Arbeiter diese günstigen Uinstände für sich aus- zunutzen suchten, zumal ihre Lage keine beneidenswerte war und die glänzende Geschäftslage der Kohlenwerke eine Lohnaufbesserung leicht vertragen konnte. Der finanzielle Stand der sächsischen Werke ist überaus günstig. Von den vier Werken: Zwiikauer Bürger- gewerkschaft, Zwickau- Oberhohndorfer, Zwickaner Steinkohlen- Bauverein„Vcrcinsgliick" und Oberhohndorf» ReinSdorfcr Kohlen- Eisenbahn stehen die Aktien heute auf einem Kurswert, der das Zehn- bis Zwanzig fache ihres nominellen Wertes überragt. Dementsprechend haben sich die Dividenden auf- wärts bewegt, während die Löhne der Arbeiter von 1393 bis 1398 im Stcinkohleu-Bergbau nur um 10 Proz. gestiegen sind. Dabei ist im sächsischen Revier in einigen Gruben noch eine Arbeitszeit von 10 bis 12 Stunden üblich und selbst Sonntagsarbeit wurde in den letzten Jahren in erhöhtem Mahe geleistet. Daraus erklären sich die höheren Lohnziffern, die einer durchschnittlichen Mehrleistung der Arbeiter entsprechen. Auf diegünstige Lage des Kohlen Marktes dellten auch die Preisbeivegungen. An der Essener Börse wurden in den letzten Jahren folgende Durchschnittspreise pro Tonne notiert: Preiserhöhung 1893 1896 1893 1899 gegen 1893 in Proz. Flainmkohlcn. 7.S8 8,03 8,84 9,13 24 Fettkohlen... 7,29 8,25 9,08 9,57 31 Magere Kohlen. 7,50 7.67 8,59 8,88 13 Gaskohlcn... 9,79 10,17 11,46 11,75 20 HochofencoakS. 11,00 12,02 14,00 14,37� 80 GiefiereicoakS.. 14,00 14,23 16,25 16,69 19 Brcchkohle I u. II 15,25 15,19 16,75 17,27 13 Briketts.... 9,75 10,19 11,21 12,08 23 Trotzdem sind auch in diesem Bezirk die Löhne weit hinter der Steigerung der Preise zurückgeblieben. Und gegenwärtig haben wir abermals eine Preissteigerung von 75 Pf. bis 1 M. pro Tonne zu verzeichnen. Mit der preußischen Eisenbahuverwaltung ist vor kurzem ein Vertrag abgeschlossen, ivonach das Kohlensyndiknt sich für das kommende Jahr bei einem Auftrag von 2 300 000 Tonnen Lokoniotivkohlcn eineit um 1,50 Mark höheren Preis ausbe- düngen hat. Kann irgend jemand bei solchen Ergebnisien die Forderungen der Arbeiter lmberechtigt finden? Sie verlangen nur eine winzige Lohnerhöhung und Verkürzung der täglichen Arbeitszeit. Eine überaus bescheidene Forderimg, ivenn man bedenkt, unter welchen Gefahren der Bergarbeiter seiner Beschäftigung nachgehen mich, welch schwere körpeilichen Leistungen verlangt werden und ivie ungesund seine Beschäftigung ist. Umgeben von Kohlenschmutz ist er gezwungen, bald an unerträglich wannen Orten, dann wieder an durchnäßten Stellen seinem Berus nachzugehen. Rheumatismus und Lwigenschntzudsucht sind ständig auftretende Krankheiten, die ihn früh dahinsiechen lassen. Während eines großen Teils des Jahres be- kommt der unter Tag Beschäftigte nicht einmal das Sonnenlicht zu sehen, früh geht er vor Sonnenaufgang in die Grube und abends kehrt er nach Sonnenuntergang zurück. Angesichts einer mit soviel Entbehrung und Mühsal verbundenen Arbeitslast ist die Herab- sctzung der Arbeitszeit eine mich unter den bestehenden kapitalistischen Vcrhältniffen unabweisbare Aufgabe. Nicht so denken die G r n b c n b e s i tz c r, die unter Abweisung jeder Verhandlung mit den Arbeitern fast ohne Ausnahme die Forde- rungen der Arbeiter zurückwiesen. Am rücksichtslosesten treiben cS die sächsischen Werksbesitzcr, die auch nicht die geringsten Konzcssionen machten und jede Vcrniittclung auch von andrer Seite zurückwiesen; sie wollen ihre Lohnsklaveu demütig vor ihrer Autorität zu Kreuze kriecheu sehen. Im mitteldeutschen Braun kohlengebiet hat nian in der Lohnfrage einiges Entgegenkommen gezeigt, aber auch hier jede Konferenz mit den Arbeitern zurückgewiesen; der Konflikt ist unvermeidlich. Ueberaus bezeichnend ist dabei die Stellung der Bergiverksinspektion. Herr Bergrat Humperdick in Halle schien erst geneigt, Verinittelungen mit den Werken einzuleiten. Plötzlich erfolgte eine sehr kurze Absage, die ohne Zweifel auf einen Einfluß von andrer Seite hindeutet und die besagt, der Herr Bergrat möge die Finger davon lassen. Und die dritte, die mächtigste Unternchmergruppe, das Kohlen- shndikat in Rheinland und W e st f a l e n. antivortet gering- schätzig auf die Forderungen der Arbeiter: Was wollt Ihr? Was Ihr verlangt, ist in unseni Werken jlängst eingeführt!— Allerdings, man sollte es erwarten, daß so bescheidene Forderungen, ivie sie die Arbeiter hier stellen, erfüllt sind. Die Arbeiter haben hier keine Lohnforderungen, sondern nur das Verlangen nach besseren hygienischen Einrichtungen geltend gemacht. Die zahlreichen Unglücksfälle im Bergbau gerade in den letzten Jahren, die vielfachen Uebertretungen der Gciverbe-Ordnung, die mangelhafte Inspektion— alle diese Ucbelstände sind fortgesetzt Gegenstand der Beschwerde gewesen. Erst vor kurzem wurde im Anschluß an den Streik im Wurmrevier berichtet, daß dort die Knappschaftskasse nur alle vier Wochen die Krankenunterstützung ausgezahlt. Ein Zustand ganz ungeheuerlicher Art, der wieder die Jämmerlichkeit unsrer Socialreform darlegt und die Rücksichtnahme beweist, die von der Regierung solchen mächtigen Interessengruppen gegenüber geübt wird. Hätte man die Knappschaftskasse unter die Bestimmungen des KrankeitversicherungsgesetzcS gebracht, wäre diese Behandlung kranker Arbeiter unmöglich. So liegt der Arbeiter unter Umständen vier Wochen krank, ehe er das kärgliche Unterstütznngsgeld bekommt. Das ganze Kassenwesen bedarf dringend der Reform, denn es wird heute nur benutzt, um die Arbeiter im Abhängigkeits- Verhältnis zu halten, wie es gegenwärtig die Kohleubarone in Sachsen so deutlich zum Ausdruck bringen. Und wie es mit der Fürsorge für Verunglückte seitens der Zcchenverivaltungen aussieht, davon gab unser Dortmunder Organ vor einigen Tagen folgende Schildenmg: „Liegt da so ein armer Mensch mit zerbrochenen Gliedmaßen in der Grube, so wird einfach ein Förderwagen halb voll Kohlen geladen und der Vcnmglückte hineingepackt, lieber Tage ange- kommen, wird ihm ein halber oder ganzer Schoppen Branntwein in den Hals geschüttet, um dann auf einer Pfcrdekarre forttrans- portiert zu iverden. Jawohl I Solche Zustände herrschen noch auf einer ganzen Anzahl Zechen des Ruhrreviers!" Von de» Badecinrichtungen sagt das Blatt, daß die Waschkammern eher Schweineställen als Badeanstalten gleichen. Vorläufig hat der Ausstand nur in Sachsen einen großer» Umfang angenommen und die Arbeiter haben sofort ein starkes Eingreifen der Behörde zu verspüren bckomincn. Zunächst widmete der Herr Minister Mctzsch seine Aufmerksamkeit dem Streik und das geschah iil durchaus eingehender Weise. Die beste Information bieten für ein Ministerium Mctzsch die Unternehmer und die Polizeibehörden, die Streikenden hat man nicht gefragt; es ist schließlich genug, daß man lveiß, sie ivollen nicht arbeiten; der Umstand genügt, um die bürgerliche Ordnung aus Rand und Band zu bringen. Dem- entsprechend war das Ergebnis der Mission des Herrn Metzsch. Die Maßnahmen, die vo>. der Behörde getroffen sind, gleichen Be- schränkungen, die bei Verhängung des Belagerungszustandes verfügt werden. Ein Belagerungszustand, weil die Arbriter streiken? Ja, haben denn die Arbeiter nicht das Recht, die Arbeit einzustellen, müssen sie im Dienst der Gmbeiibarone frohnden? Gewiß haben sie das Recht zu streiken, aber sie versündigen sich an der bürgerlichen Ordnung, an der Autorität ihres Arbeitgebers, sie gehören als die Lasttiere der Gesellschaft in die Grube, sie haben sich nicht aufzulehnen gegen die heilige bürgerliche Ordnung, die da will, daß sie von früh bis spät das kostbare Material aus dem Erd- inuern hervorbringen. Deshalb bemühen sie sich alle, alle, die ein Interesse daran haben, die Widerspenstigen zur wahren Erkenntnis zurückzubringen. Der Kapitalist durch die Hungerpeitsche und indem er ihnen androht, daß sie aller erivorbenen Rechte auf ihre Kassen ver- lustig gehen, für die sie jahrelang gesteuert haben und die Behörde glaubt für die Ordnung zu wirken, indem sie die Versanunlungen verbietet. Polizeistunde einsetzt und Lustbarkeiten verbietet. Das behördliche Vorgehen muß dem Arbeiter als Unrecht er- .scheinen, denn das Verbot der Versammlungen trifft ihn, ihn als Glied der Klasse, die sich zum gemeinsamen Widerstand gegen kapitalistische AuSbentnng rüsten will. Die Unternehmer freilich haben kein Interesse an Versammlungen, ihre Lustbarkeiten sind nicht öffent- liche, sie geben sich in den Salons ein Rendezvous. Der Streik hat einen rechtlichen Zustand geschaffen, der nirgends in Deutschland ein Beispiel findet. Man müßte die Zustände in Rußland heranziehen, um einen Vergleich zu haben mit der recht- lichen Stellung der Arbeiter unter den gegenwärtigen Verhältnissen. In diesen schiveren Kämpfen wider Unternehmergcwall und be- hördliche Eingriffe begleiten die sehnlichen Wünsche der gesamten Arbeiter die ringenden Genossen. Daß der Sieg dort sei» möge, wo Recht, Wahrheit und Kultur ihre Stätte hat I Aus Dresden wirb uns telegraphiert: Heute kam die socialdemokratische Interpellation über das Verhalten der Behörden gegen die streikenden Bergarbeiter in der Zweiten Kammer des Landtags zur Sprache. Minister v. Metzsch erklärte in seiner Beantivortung der Interpellation, daß der Streik in Sachsen ein durchaus frivoler, von socialdemo- kratijchen Agitatoren angezettelter sei. Die Rc- gierung stehe ans dem Standpunkt, daß besonders in diesem Falle den Arbeitswillige» ein möglichst weiter Schul? gewährt werden müsse. Die A u s w e i s u n g s v e r f ü g u n g halte er aber für unberechtigt, und dieselbe sei bereits a« f g e h o b e n. Jni übrigen verteidigte der Minister aber alle Maßnahmen der Behörden mehr oder weniger. Die Frage, wie die Situation, durch den Streik hervorgerufen, zu ändern sei, habe nicht die Rc- gierung, sondern die Socialdemokratie zu beantworten. Alle bürger- lichen Redner erklärten sich mit der Regierung einverstanden. Für unsre Partei sprach Abg. Frätzdorf. » Von der sächsischen Regierung, die das LaiidcS-Wahlrccht der Arbeiter beseitigt hat und keinen höheren Stolz kennt, als den extremsten Reaktionskonservativen willfährig zu sein, war kaum eine andere Antwort zu erwarten. Die Ausweisung von Ausländern erklärt der Minister für unberechtigt; doch>vohl nur, weil man in dieser Hinsicht unangenehme Vergeltung seitens der östreichischeu Regierung befürchten muß. Die Beseitigung des Versammlungs- rechts dagegen findet vollste Billigung bei der sächsischen Regierung. Statt sachlicher Gründe, die eine solche Maßregel rechtfertigen könnten, wird der Versuch gemacht, den Streik als einen „frivole»* auszugeben. Also„frivol* ist es. wenn die Ar- bciter auch ein Geringes von den ungeheuren Profiten der Grubenhcrren für sich erringen wollten. Frivol nennt es der sächsische Minister, wenn die Bergarbeiter durch bessere Arbeits- bedingungen ihre Gesundheit ein wenig zu sichern, die Gefahren, die täglich ihrem Leben drohen, zu verringern trachten. Und ivären die Forderungen der Arbeiter ebenso unberechtigt wie sie berechtigt sind, wäre der Streik wirklich frivol vom Zaune gebrochen— gäbe das der Behörde ein Recht, die staatsbürgerlichen Rechte der Arbeiter aufzuheben? Es ist Sache der Arbeiter selbst, zu entscheiden, ob sie die Opfer des wirtschaftlichen Kampfes aus sich nehmen ivollen. Sie tragen die Verantwortung, sie würden den Schaden tragen müssen. * Aus Zwickau wird uns vom Donnerstagabend telegraphiert: Die Bergarbeiter haben ihre Forderungen in neuer Forniulicnmg eingereicht, um Verhandlungen anzubahnen. Bisher ist keine Antwort der Unternehmer eingetroffen. Nolikifiszo Mebrvfichsk» Berlin, den 22. Februar. Militär-Etat. Der Tag der sechzigsten Geburtstagsfeier Bebels wurde auch parlamentarisch ein Tag unsres Genossen. Bebel nutzte die zweite Etatsberatung wie in früheren Jahren zur Auf- rollung des militari st ischen Sündenregisters aus dem letztverflossenen Jahre. Und das Register konnte wiederum kein kurzes sein, denn auf den Beeten des Mili- tansmus, man mag aus ihin jäten und umackern so viel man will, wächst immerfort allerlei neues Unkraut nach. Bebel begann mit der Darlegung des Falles Giese. der schon im vorigen Jahre behandelt wurde. Giese war, weil er, während einer Reserve-Uebung als Zeuge vor ein Eivilgericht geladen, auf Befragen des Richters unter dem Eide wahrhcits- gemäß erklärt hatte, er sei Socialdemokrat, von der Militär- behörde zu Haftstrafe verurteilt ivorden. Im vorigen Jahre hatte der Kriegsminister erklärt, er kenne den Fall noch nicht genügend. Darum forderte Bebel nunmehr Auskunft. Weiter brachte Bebel eine längere Reihe von Soldaten- Mißhandlungen zur Sprache, so aus den Garni- sonen Bernburg, Thorn, Oschatz. Er betonte die Schwierigkeiten, solche Mißhandlungen auch nur festzustellen; ganz abgesehen davon, daß in den meisten Fällen die Be- troffenen sich nicht getrauen. Beschwerde zu erheben oder Mit- teilungen zu machen, sei selbst in solchen Fällen, wo schwere Folgen für Gesundheit und Leben entstehen, eine sichere Fest- stellung und damit die erforderliche Zurstrafeziehung der Uebel- thäter unmöglich, da die Militärärzte wohl wissen, wie unan- genehm dem Regimentskommandeur und sonstigen Vorgesetzten das Bekanntwerden solcher Vorkommnisse zu sein pflegt, und deshalb derartige Fälle gewöhnlich im mildesten Licht darzu- stellen bemüht sind. Nachdem der Redner hierbei die Ab- kommandierungen von Soldaten als Streik- b r e ch e r scharf gerügt, behandelte er das immer noch fortdauernde, dem Gesetz hohnsprechende D u e l l u n- Wesen in der Armee. Trotz aller Resolutionen des Reichs- tags und selbst Anordnungen des obersten Kriegsherrn ereigneten sich immer von neuem derartige Vorkommnisse, die hervorgehen aus falschem Ehrgefühl und lächerlichem Standesdünkel der Offiziere und häufig damit enden, daß der Beleidigte den Tod findet, während der Beleidiger zur Be- lohnung dafür, daß er den Gegner niedergeschosscil hat. nach kurzer Festungshaft begnadigt wird und in seinen Kreisen als Ehrenmann gilt. Das ist die Moral, die Achtung vor dem Gesetz in den militärischen Kreisen; da ein Pfarrer am Grabe eines im Duell gefallenen Offiziers von dem Unrecht des Duells sprach, trat ihm der Major entgegen, indem er das Duell und den Tod durch das Duell verherrlichte. Den Höhepunkt in Bebels Anklagerede bildete ein Rück- blick auf die Ereignisse des„Harmlosen"- Prozesses. Im vorigen Jahr habe der Kriegsminister erklärt: Aktive Offiziere seien nicht an deni Spielunfug des Klubs der Harmlosen beteiligt. Es habe sich aber gezeigt, daß die weitesten Kreise der vornehmen jungen Welt und insbesondere die Offiziere aus den feudalen Kavallerie-Regimentern jenes Lottcrtreiben mitgemacht hätten. Das seien dieselben Leute, die dann später als Beamte, als Richter, als Land- vätc, als Regierungspräsidenten, ja als Minister hier im Hause für Religion, Sitte und Ordnung sich gegen die Social- demokratie entrüsten. Hätten sich entfernt ebenso scheußliche Norruptionserscheinungen� irgendivo sonst im Volksleben gezeigt, sofort hätte man nach einem Specialgcsetz geschrien, aber ein Harmlosengesetz mache mqn nicht, da sucht NlNN lieber den Mantel christlicher Liebe darüber zu breiten. Der Eindruck der jugendlich feurigen Rede Bebels wurde trefflich unterstützt durch eine entsetzlich matte, nichtssagende Antwort des KrtegLministers v. G o ß l c r. Seitdem die Marine bei ims Trumpf ist, scheint die politische Vertretung der Armee dem Herrn Kriegsminister allzu langweilig geworden zu sein. Er gähnte sich durch die Sitzung hindurch uild seine Rede war ein Meisterstück von Langweiligkeit, aus der selbst mcht die geringste militärische Keckheit erfrischend hervorbrach. Natürlich galten dem Kriegsminister Bebels Beschwerden als völlig ungerechtfertigt. Die Mißhandlungsfälle seien zum Teil nicht nachprüfbar, zum Teil sei Bestrafung erfolgt. Das Duell- wcsen sei eingeschränkt worden, lasse sich aber nicht ganz be- seitigen und es»verde Herrn Bebel nicht gelingen, das Ehr- gefühl des Offiziercorps herabzudrücken. Der Harmlosen» Prozeß habe gezeigt, daß die Militärbehörde solche Aus- fchreitrmgen nicht beschönige; er, der Minister, habe im vorigen Jahre nicht gewußt, daß aktive Offiziere beteiligt waren. Im Fall Giese sei der Reservist mit Recht bestraft worden, denn er dürfe als Soldat nicht sagen, er sei Social- demokrat. Mit seiner letzten Behauptung holte sich der Kriegs- minister aber alsbald eine strikte Absage sowohl seitens des nationalliberalen Juristen G r a ß m a n n als seitens des Centrumsjunstcn Gröber. Herr Gröber wies nach, daß das Rechtsgutachten, auf das sich der Minister berufen hatte, irrig sei, daß ein Soldat nicht bestraft werden könne, ivcnn er eine Frage des Richters wahrheitsgemäß beantwortet. Sodann sprach Abg. Dasbach gegen das Duell- Unwesen, das vom religiösen Standpunkt durchaus verwerflich sei und nicht, wie es Herr v. Goßlcr that, beschönigt werden dürfe. Bebel erwiderte dem Kriegsministcr in einer Replik, deren knappe Sätze jeder wie ein wohlgeziclter Schlag die kriegsministeriellen Ausflüsse und Widersprüche trafen und niederwarfen. Darauf versuchten zwei antisemitisch-christliche Männer dem verurteilten Militarismus mildernde Umstände zu er- wirken. Der weltchristliche Demagogen-Antiscmit Werner sprach von der Unvermeidlichkeit der Duelle und der excep- tionellen Stellung des Offizierstaudes. Und der kirchenchrist- liche Antisemit S t ö ck e r zeigte sich unzufrieden, daß man so lebhaft gegen die Duelle sprach, während doch der höchsten Stelle Anerkennung gebühre, daß so erhebliche Besserung auf diesem Gebiete eingetreten sei. Schließlich gab es ein kleines heiteres Nachspiel. Der konservative Berichterstatter für den Militär- Etat. General- lieutenant z. D. Graf v. R o o n Ivollte im Schlußwort. da niemand ihm antworten darf, den Mut einer Polemik gegen Bebel finden, aber die Linke protestierte sofort und Graf Ballestrcm nötigte unter lebhafter Heiterkeit des Hauses den Grafen, von dem tapferen Unternehmen abzustehen und sich zu setzen. Freitag: Fortsetzung der Beratung des Militär-EtatS.— Ein Sieg der Mnckerei. Allem Anschein nach gelangt diesmal die lex Heinze wirk- kich zur Verabschiedung. Die Konservativen und Ultrainon- tancn verzichten auf den Arbeitgeber- Paragraphen und die Heranffetzuug des Schutzalters, dafür bewilligt ihnen die Rc- gierung den Kunst- und Theatcr-Paragraphen. Tie„Deutsche Tageszeitung" versichert, die Anträge, die das Ergebnis des Kompromisses darstellen, werden von so vielen Abgeordneten unterzeichnet, daß ihre Annahme im Reichstage im voraus vollkommen gesichert ist. Das Ergebnis der ekelhaften Komödie ist nun, daß un- sittliche Handlungen nicht von Strafe bedroht werden, hingegen Kunst und Theater den» Muckertum ausgeliefert Iverden. Ein Arbeitgeber darf auch fürdcrhin die Abhängigkeit eines Mädchens geschlechtlich ausbeuten— die infamste Specialität der Unsittlichkeit geniert das Centrum nicht, aus daß die Autorität des Unternehmers nicht er- schüttert»verde. Hingegen, wenn auf dem Theater ein keckes Wort gesprochen, wenn in» Schaufenster ein nacktes Bild erscheint— sofort ist der Staatsanwalt zur Stelle. Handle unsittlich, so viel du willst, das geht niemand etlvas an. Wehe aber, wenn du„Unsittliches" malst oder schreibst oder sprichst, hinein mit dir in den Kerker. Das ist die Moral des Centnuns und der Konservativen, Den tieferen Grund für diesen scheinbar tollen Widerspruch hat man darin zu sehen, daß manche Leute nichtivüiffchen, daßman ihrcnLebens- »vandcl hüllenlos künstlerisch darstelle. Unter diesemGesichtsPunkte läßt sich die Halfirng namentlich der Konservativen g»ck ver- stehen. Die kriminelle Bedrohung der Sittendarstellung in der K u n st soll die Harmlosen aller Arten in ihrer unsitt- lichen Lebensführung schützen. Dergestalt wird die lex Heinze, die gegen die Unsittlichkeit sich richten soll, in Wahrheit zu einem Schutzmittel der Liederlichkeit, in dein sie der künstlerischen Darstellung unsittlichen Lebens wehrt; dicke Schleier sollen über die geheuchelte Ehrbarkeit der bürgerlichen Lebensführung ausgebreitet werden, und»ver sie anklagend lüftet, nicht wer unter ihnen Unzucht treibt, wird bestraft. Besonders charakteristisch ist das Verhalten des Ccntrums hinsichtlich der Heraufsetzung des Schutzalters. Keine Forde- rung ist in der klerikalen Presse niit solchem Nachdruck ver- treten»vordcn. wie gerade diese. Man behauptete in Centrums- blättern, die Regierung sei gegen den Schutz bis zum 18. Jahr, »veil von einflußreicher Stelle darauf hingetviesen sei, wie dann die— Soldaten im Manöver fortwährend Gefahr laufen würden,»vegen der Verletzung des Paragraphen zur Ver- antwortung gezogen zu»verden. Man enipörte sich furchtbar über dieses Motiv und jetzt giebt dasselbe Centrum nach. Man kann ja dafür die verhaßte freie Kunst zur Strecke bringen. Man muß angesichts dieses Gesinnungswechsels zu dein Argivohn gelangen, daß es den Muckerparteien von Anfang gar nicht ernst gewesen ist mit dem»virklichen Schutz der sttt- lichen Persönlichkeit, wie er in dem Arbeitgeber- Paragraphen angestrebt zu»verden schien. Vielmehr habe niau diese iForderung nur vorgeschoben, uni ungestört die Befriedigung IdeS alten Herzenstvunsches endlich zu erlisten: die freie Kniist mit"dem Lasso elastischer Strafparagraphen einzu- fangen. In der That: Diesmal scheint man endlich ain Ziel. Kein Ziveifel. daß.»venu das konservativ- klerikale Attentat, »vic zu fürchten ist, gelingt, gerade die bedcutsanisten, kräftigsten Bethätignngcn des künstlerischen Genies bedroht »verden, daß insbesondere auch die herbe,»vahrhaftige G c- scllschaftsfatjre schiveren Gefahren ausgeliefert»vird. Die lichtscheue Unzucht geschäftsmäßiger Afterkunst wird in rentablein Gehetmhandel auch fürderhin blühen; die iveiß sich allen gesetzlichen Schranken zu entziehen. Aber die ehrliche, offene Kunst»vird ein Opfer deS MuckerkriegeS werden. Unsre Künstlerschaft aber, um deren Leben es sich handelt, verharrt in stupider Gleichgültigkeit. Kein Lüftchen rührt sich. Statt dessen rüstet sie Flottenredonten mit Narrenspäßen und Hansabildern— patriotische Biedermänner. Mag denn die lex Heinze über sie kommen!— Abgeordnetenhaus. Da» preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am DonnerS» tag mit zlvei Gesetzeiitlvjirfcn, die sür Berlin und seine Bororte von großer Bedeutung sind. Die erste Borlage, die sich aiff dicP o li z e i- v e r>v a l t u n g in den Stadtkreisen Charlottenburg, Schöneberg und Nixdors bezieht, hat das Haus bereits in der vorigen Session beschäftigt, sie ist damals jedoch nicht über die Komniissioiisberatung hinaus gekommen. Der neue Entwurf lehnt sich an den Vorschlag d«r Koinniission an und beschränkt sich darauf, die geuamiteil Stadtkreise mit Berlin zu dem Laudespolizei-Bezirk Berlin, mit dem Polizeipräsidenten von Berlin an der Spitze, zu vereinigen. Principiell stieß die Vorlage auf keinen Widerspruch, nur Abg. Dr. Träger ffrs. Vp.) machte Be- denken gegen die Wahl der Mitglieder zum Bezirksausschuß geltend. da er in dem Vorschlag der Negierung eine Gefährdung de» Selbst- verivaltuiigSrcchts der Kommunen erblickte. Die zweite Vorlage beziveckt eine Aendcrung der Kreis- o r d n u n g für die a l t e n P r o v i n z e n. Wir haben bereits früher crivähnt, daß es sich dabei nm eine Stärkung des agrarischen Elements in den Kreistagen auf Kosten der Hausbesitzer und Gewcrbctreibcndcn in den Voroitgcmciiiden handelt. Zunächst Werden davon die Kreise Nieder-Barniin und Teltolv betroffen, doch soll- das Gesetz durch königliche Berordinrng auch auf andre Provinzen ausgedehnt»verde» können. Die Vorlage stieß bei ver- schiedcne» Rednern, nnmentlich bei dem Abg. Richter sfrs. Vp.) auf lebhaften Widerspruch. Beide Gesetzcntivlirfe»vnrden einer Kommission von tl Mitglieder» überlvieseit. Morgen sieht die erste Lesung der K ommu nalwahl- Vorlage auf der TageSordiinng. » ** Aeuljches Weich. Das VerständigungS-Ecntrniu. Der CeiitrumS-Abgeorduetc M 11 l l e r- A u l d a hat auf ein an ihn gerichtetes Telegramm ge- autivortet, er hege die Hos f n» n g, daß die Flotten- a n g c l e g c n h e i t zu einem gedeihlichen Ende geleitet Ivcrdc. Natürlich!— Ans dem Wahlkreise deS Agrarier-Hahns. Die Gencral- vcrsauunlung de» deutsch-hannoverschc» Wahlvereiiis im Wahlkreise des Dr. Hahn hat eine Resolution gegen die Flotten vor läge beschlossen und die Abgeordneten von Hannover unter Mitteilung der Ncsolntion aufgefordert, der Vorlage ihre Zustimmung zu ver- sagen. Am Schluß der Mitteilung an die Abgeordneten finoet sich folgender gedrückter Vermerk: „In Anbetracht des zweideutigen Verhaltens unsre» Abgeordneten Herrn Dr. Hahn gegenüber der Flottenvorlage nimmt die Versammlung von der Ueberweisimg der Resolution an diesen Herrn Abstand." Das ist nicht hübsch von der Versammlung. Denn in der Resolution sind recht gute Gründe gegen die Flottciivorlagc auf- gezählt, die Herr Sah» für seine Propaganda gegen die gräßliche Flotte bei andern Parteien recht gut verwenden könnte.— Ter Markgraf. Während der Kaiser sonst regelmäßig bei dem Festmahl deS Braiidciibiirgischcn Provinzial-Landtags anwesend zn sein pflegt und dort in der Mitte seiner Märker die für sein Wesen charaktcristischtcn Reden zu halten gewohnt ist, wurde er diesmal durch die Jagd verhindert zii erscheinen. Er schickte aber ans Hubertnsftock(bei EberSwalde) das folgende Telegramm: „Den versammelten Brandenburgern sendet, schmerzlich bewegt, abwesend sein zu müssen, seine wärmsten Grüße in alter Treue. Markgraf Wilhelm." Die Märker antworteten mit folgender Depesche: «Treue Brandcnburgische Männer danken Euer Majestät aller- niiterthänigst für das gnädige Telegranim. Sie leben und sterben sür ihren Markgraf.i„Vorwärts" und der„Freisinnigen Zeitung" hinsichtlich des Waffenholcns genau das umgekehrte ist. Er hat also wider besseres Wissen seine Verleumdung in das national-sociale Publikümchen geschickt.— Zedlttziade. In der Reichstagssitzung vom 16. d. M. hat der preußische Eisenbahnmiiiistcr Über den kohlenstreik geäußert: »Ich gebe der Hoffnung lebhaften Ausdruck, daß der Un« verstand, der dazu geführt hat, derartige Kalamitäten hervor- zurufen, sehr bald als solcher erkannt wird, und daß die streikenden Arbeiter»viedcr zn ihrer Arbeit zurückkehren." Die erschütternde Thatsache. daß im Parlamentsbericht des „Vorwärts" infolge eines Druckfehlers„Umstand" statt„Unverstand" zn lesen»var. giebt der„Post", dem Organ der Fälschungen, Anlaß zn einer blödsinnigen Verdächtigung, daß der„Vor>värts"-Bericht, „der bekanntlich auf Parteiktzsten her- und den socialdemokratischen Blättern zugestellt wird", den Smn absichtlich entstellt habe; der socialdcmokratische Parteivorstand lasse stir seine Blätter die Bericht- erslattmig deran sälschen. Da hat Zedlitz für seine 17.56 aber einen netten Kohl gekocht. Erstens läßt weder der Parteivorstand noch der„Vorwärts" Paria- mentsberichte herstellen, sondern die Parteipresse bezieht eine rein private Korrespondenz. Dann aber enthielt dieser Bericht ganz richtig das Wort„Unverstand". Unsre andern Parteiblätter— ivie z. B. das„Hamburger Echo"— haben denn auch die Thielensche Perle in der ersten Fassung»viedergegeben. Der„Vorwärrs" allein hat den korrekt berichteten„Unverstand" tückisch in einen„Umstand" umgefälscht— gerade als»väre der Geist der—„Post" über ihn gekommen.— Tic neue Kaualvorlagc, deren Inhalt bereits in der„Nord- deutschen Allgemeine» Zeitung" veröffentlicht»vordeu ist. soll, wie man geflissentlich ausstreut,„zu Gunsten des Flvtlc»pla»S" bis zur nächsten Landtagsscssion zurückgestellt werden. Bekanntlich hat der Kaiser erklärt, er stehe dafür, daß dieses große Werk mit aller Wucht durchgesetzt iverdc. Und am Schlüsse der letzten Landtagsscssion hat Fürst Hohenlohe feierlich erklärt, die Regierung halte an der Vorlage inwcrbrüchlich fest, und die Wieder- ciiibriiignng des Entwurfs sür die„nächste Session" augekündigt. Danach handelt es sich also ivicdcr um ein Hohciilohesches Versprechen und obendrein um ein Kaiscrwort, beides Dinge, von denen man oinichmen sollte, daß gerade die Regierung sie respektieren müßte. Indessen, die Regierung ist eben das— Junkertum.— Vom Befinden des Herrn Miguel. Einige Blätter sprechen von einem Rückfall, den der Fiiianzniinister erlitten haben soll. Die Mitteilung ist. wie die„B. P. N." mitteilen, unrichtig. Der Minister ist von seiner Krankheit wieder hergestellt und leidet mir noch an de» gewöhnlichen Nachwehe» der Influenza, so daß ihm sein Arzt noch einige Tage Schoimiig empfohlen hat. AnS diesem Grunde ist die erste Lesimg des W a r e n h a u s st c u c r- G e s e tz e S, an der Herr Mianel teilnehmen will, um einige Tage verichobeu und wird zu Begiim der nächsten Woche stattfinden.— Ausweisungen. In Westfalen ist vielen Ausländern der A n S w e i s u ii g S b c f e h l zugegangen, und gegen 200 Personen soll er noch vorbereitet werden.— Keine Verbiliignng der Zeitungstelegramme.(Privat» dcpesche deS„Vorwärts".) DaS auf Veranlassung der Vereinigung ostdeutscher Handelskammern vom deutschen Handelstag an das RcichS-Postamt gerichtete Gesuch nm V e r b i l l i g un g der Preß- t c l c g r a m m e ist vom Staatssekretär des Reichs-Postamtü ab- schlägig beschiedni worden.— AuS dci» Großherzogtum Sachscn-Wcimar»vird uns gc- schrieben: Arges Mißfallen»cheincii der Regierung die„p o l i t i sch c n S p r e ch st u>i d c n" erregt zu baden. ivelche alS Ersatz für die strenge Durchführung des Verbot« aller socialdemokratischen Ver- sammlungen abgehalten wurden. Die Regiening will künftig der- artige zwanglose Znsaimiicnküiifte als verschleierte p o l i l i s ch c Zusaniiiiciikilnftc betrachten mid sollen die Ortsbehörden an- gewicsen werden, dieselben zu verbieten.— Im Landtage»vurde bei Beratung des Antrags, 6000 Mark als Unterstützuiig an aeeignte Personen zum Bestich und Studiuni' der Pariser Weltausstellung zu belvilligen. von nnsrem Abgcorducteii der Antrag gestellt, daß zu gleichen Teilen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu entsenden seien, und bezüglich der letzteren die gioßherzoglichc Staatsregiernng die Vorschläge der Arbeiter- organisationeii zn berücksichtigen habe. Dep.- Chef v. W u r m b bekämpfte diesen Antrag entschieden und erklärte, der Antragsteller bezwecke damit nur, daß einige Socialdcmokraicn auf Staatölosten zum iiitcniationalcn Kongreß reisen könnten. Schließlich wurde der- selbe gegen 4 Stimmen(3 freisinnige, 1 socialdemokratische) ob- gelehnt und bcancnite man sich nur dazu, daß im Antrag die Be- zeichmnig„Arbeitgeber und Arbeitnehmer" eingeschalten wurde.— Eine Acnderung deS alten Hamburger PrcßgesetzeS, dahingehend, daß an Stelle der für das Ankleben gewisser Plakate usw., ohne polizeiliche Genehmigung, angedrohten Gefängnis- strafe fürderhin Geld- oder Haftstrafc treten soll, ist von der Bürger- schast und dein Senat beschlossen worden. Auf Grnnd des jetzt abgeänderten Gesetzes ist bekanntlich Genossin Zietz zu der Befäiignisftrafe verurteilt ivordcn, bei deren Verbüßnng sie so unwürdiger Behandlung untcrivvrfen wurde.— Ausland. I» Ocstreich hat am Donnerstag die Tagung des Abgeordnetenhauses begonnen, und wieder sieht eS aus als sollte die Arbeit dieses Parlaments an der Klippe der Obstruktion scheitern. Der Czechenklub beschloß, gegen das Ministerium Körber in die c n t s ch i e d e nst c O p p o si t i o n, ja sogar in Obstruktion zutreten und sich in cinzeliien Fällen vorzubc- halten. Die Mitglieder des Klubs haben sich auch verpflichtet, in jeder Sitzung zu erscheiiieii inid bis zum Schlüsse derselben ausziiharren. Wieder handelt eS sich um das Verlangen, die Sprachcnfrage sofort dem Wunsche der Czechen gemäß zu regeln. Die Regierung freilich zieht vorläufig milde Saiten auf, und auö der Erklärung des neuen Ministerpräsidenten ist unschwer die Bitte herauszuhören, die Regierung nun endlich einmal zu Atem kommen zu lasse». Bezüglich des ZlusstandeS in de» Kohle»lreviercn Böhmens, Mährens und Schlesiens werde die Regierung tziitcr gleich- mäßiger Beachtung der Interessen der Produktion und der Be- strebnngcn der Arbeiterschaft nach Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen auch die Frage der Arbeitszeit gewissenhaft erörtern und leitete bereits die unerläßlichen Vorarbeiten ein und »verde nach deren Abschluß ihre Zusage einlösen. Der Miiiistcrpräsident lucist auf den nahen Ablauf der Handels» vertrage und die Nolwendigleit einer raschen Genehmigung der berciiS getroffene» Verciiibaningen mit Ungarn hin. Der Redner schließt:„Die materiellen und kulturellen Fragen pochen mit Gclvalt an die Pforten deS Reichs. Die Regierung darf sie deshalb nicht ablveiscn.iveil die politischen und nationalen Fragen noch nicht gelöst sind. Die Regiening bittet schließlich das Haus, den so lange ivährendcn Streit wenigstens in so weit einzudämmen, daß daneben ein Weg freib leibe jür die geistige und»virffchaft- ridje Cnliuiclfmifl bc-S Stants, denn bei' Stciat mich leben, er ist der Hort seiner Bürger." Die Rede des Ministerpräsidenten wurde von starlem BeifaN unterbrochen und nur schlich wurde gleichfalls lebhafter Beifall laut. So liebelverbend der Minister hier auftritt, so sollen doch auch schon scharfe Maßregeln vorbereitet sein. Wie das„N- W. Tagebl." mitteilt, hat das Ministerium bereits die Vollmacht zur Auf- lösnng dcö Abgcorductcuhauscs, falls die Czcchen wirklich in die Obstruktion eintreten sollen. Nach den gestrigen Beschlüssen des Jnngczechcnklubs, die in Anwesenheit ciues Mitgliedes der Regierung, nämlich ihres Landsmannininistcrs Dr. Rczek, gefaßt tv»rd«u, unter- liegt dies aber ivohl kaum einem Zweifel. Wie», 22. Februar. Dem Abgoorduetenhause sind von ver- schiedcnen Parteigruppen Dringlichkeitsanträge zugegangen und zivar betreffend die Beilegung deö Ausstandeö i» den Kohlcnbergtvcrkcn, die gesetzliche Feststellung einer verkürzten Arbeitszeit in den Kohlcnberglvcrken, die Sicherung von Kohlenvorräten für den Fall von Kohlenuot, die Einsetzung einer Reichsrats-Kommission zur Untersuchung der Zustände in den Kohlenrevieren. In dein von dem christlich-socialen Geh mann eingebrachten DringlichkcitSantrag wird u. a. die Einführung einer Achtfluudcuschicht und Herbeiführung eines Einvernehmens mit dem Auslande, namentlich mit Deutschland, zum Zwecke eines ge- weiusameu Vorgehens verlangt.— Frankreich. Paris, 22. Februar. Tepiitiertenkainmer. Das Haus Nahm mit 457 gegen 10 Stimmen die Vorlage an, welche einen Maximalzolltarif für Kolonialivarc». Kaffee und Kakao aufstellt. Alsdann wurde in der Beratung des KrirgSbndgctS fortgefahren > id mit 260 gegen 208 Stimmen ein Antrag angenommen, nach dem für das Jahr 1900 die militärischen Ucbnngscinberiiftmgen von 28 und von 13 Tagen in Wegfall kommen.— Vom Staatögcrichtöhof. Das Verhör der Zeugen wurde am Mittwoch fortgesctzr. Der frühere Polizcipräfekt Blaue wiederholt sctne im Laufe dcö ersten Prozesses vor dem Staatsgerichtshof gemachte Aussage und erklärt, daß er nichts lvissc, was Hadert persönlich vctreffe. Zeuge erwähnt, dah bei den von der Patriotenliga veranstaltete» Kundgebungen Rufe„es lebe der König" ans- gestoßen worden seien. Polizcipräfekt Lepine erklärt. Hadert sei der thätigste und der hingebendste von Dsrouledes Gehilfen gewesen. Lepine betont die Wichtigkeit der von de» Ligen veranstaltete» Kundgebungen. Hierauf beginnt die Vernehmung der Entlastungszeuge». Die Entlastungszeugen. unter denen sich mehrere Deputierte befinden, betonen die repnbli- kanische Gesinmma Habcrts. Am Donnerstag sollte der Staatsanwalt fei» Plaidoyer halten. Als General Jacquey sein Zeugnis zu Gunsten Marcel Haberts abgelegt hatte, bedrohte er ,m Abgehen den Senator L e c o m t e. der sein Verhalten bemängelt hatte, mit Wort und Geberde; L-comte wollte die Sache sofort zur Sprache bringen, er- hielt jedoch vom Vorsitzenden Falliercs nicht das Wort. Am Abend sandte General Jacqucii dem Senator K a r t c l l t r ä g c r. Zola-Prozeff..Journal" behauptet. General de Galliffct übe aus die Offiziere des Esterhazy-Kriegsgcrichts cinen hcstiacii Druck aus, um sie zur Zurücknahme ihrer Ver- lcumdungsklage gegen Zola zu bestimmen, in der für den S. Marz neue Verhaiidlmigsfrist ansteht.— England. London, 22. Februar. Unterhaus. UutcrstaatSsekretär des Aeuffern Brodrick erklärt, die Regierung besitze keine Be- weise dafür, daff Kriegskonterbande»ach Transvaal durch die Delagoabah oder andres portugiesisches Gebiet gelangt sei Allerdings seien allgemeine Behanptimgen aufgestellt worden, baff die portugiesischen Lokalbchörden den Weiftnigen ihrer Regicruna bezüglich der Konterbande nicht in der nötigei, Weise nachgekommen seien, jedoch selen keine Beweise für jene Bchanptiiiigcn erbracht worden.' Staatssekretär für Indien L o r d H a m i l t o n führt ans. die tviage der Verbinduiig des indischen und des russischen Eisenbahn- Systems sc, eine solche, bei welcher neben der einfache, i Bequemlichkeit durchgehender Verbindimg vielfache andre SiiicEsichten i» Frage kommen. Jede solche Verbindung müsse durch das Gebiet des Emirs von Afghanistan gehen, dessen Zusliinnmng vor der Erwägung eines solchen Unternehmens erforderlich sei.' Er glaube nicht, das; die von Maclean angeregte Einsetzung eines Komitees zur Untersuchung der besten Art der Herstellung einer solchen Verbindmia dem Zwecke dienlich sein werde. Spanien. DaS spanische Kriegsgericht hat dm General Monct und den Oberst Francia, welcher während de» spanisch- amcriknnischm Kriegs Macabebe auf den Philippinen aufgegeben hatten, frei- gesprochen.— Türkei. RustlandS Bahnbauplänc. Rußland verlangt in der Türkei, auf kleinastatischem Gebiete, nicht mir Bahnban-Konzessiolie». sondern rs sucht auch den Bau andrer Bahnen von seiner Gcuchmigmig ab- hängig zu machen. Nach einer aus Ä o» st a n t i>i o p e l koin- menven Mitteilung erachtete der türkische Ministerrat die Forderung Rußlands, daß in den die russische Grenze derührenden türkischen Gebieten eine Eisenbahn- Konzession nur nach vorherigem Einveriichnicn mit der riissischcn Regierung erteilt werde, für zu weitgehend. Wie verlnute, sprach sich der Ministerrat dahin ans, daß die Pforte sich verpflichten könne, keine Eiseiibahn-Konzcssion an eine fremde Gesellschaft zu erteilen, und eventuell den Bau einer Eisenbahn in eigenee Regie unter- nehmen werde. Der russische Botschafter Sinowjew sei hierdurch nicht befriedigt und ebensowenig durch die mündliche Bcr- sicherung des Sultans, daß die russische» Wünsche befriedigt werden sollen.— Konstautinopcl, 21. Februar. Eine Jrade deS Sultans beauftragt den Staatsrat ein Gesetz auszuarbeiten, wonach künftighin nur türkische ll n t e r t a n e n M.i u e u« K o n z e s s i o n e n' erhalten und cxploitircn könne». Der heute abgehaltene Ministerrat bcschäf- tigte sich mit dieser Angelegenheit. In hiesigen diplomattschen Kreisen wird bemerkt, daß ein derartiges Gesetz gegen den Artikel 20 des Mineii-Konzessions-Neglcments verstoße und den Widerspruch aller interessierten Mächte hervorrufen dürfte.— Amerika. Washington, 22. Februar. Infolge sder Vorstellungen Spaniens hat das Staatsdepartement anerkannt, daß die Inseln Cagayan-Snlu und Sibutu südlich der Philippinen außerhalb der im Pariser Frieden festgesetzten Grenzen liege» und hat beschloffen. den Anspruch Amerikas auf dieselben zurückzuziehen. Der amerikanische Senat nahm das d e u t s ch» a m e r i k a n i s ch- englische SchirdSabkoinmrn, betreffend die samoanischen Kriegs- schädcn, an. Auf eine Resolution des RepräsentantenhaiiseS, in welcher die Frage gestellt wird, ob die Meldung, daß zwischen Groß- b r i t a n n i e n und den Vereinigten Staaten ei» geheimes ViiudniS bestehe, irgendwie begründet sei, ließ Staatssekretär Hay dem Repräsciitantcnhause die Mitteilung zugehen, daß an der Meldung nichts Wahres sei. Unter der bestehenden Verfassniig sei ein geheimes Bündnis in keiner Forin möglich, da Verträge der Genehmigung des Senats bedürften.—- Der Streik der Berliner Möbeltischler. Die Holzin du st riellen terrorisieren mit allen Mitteln in Versamminngen solvvhl als in den Behausungen die kleinen Tischlermeister.'Wo auch nur geringfügige Zugeständnisse gemacht wurden, sucht man die Meister zur Zurückziehung derselben zu bewegen. In den Versammlungen crzälzce» sie. nicht SM Möbeltischler streikten, sondern 12 000. Nun. die korrekt geführten Listen der Streikenden stehen den Meistern zur Einsicht. Der Deutsche Holz- arbcitcr-Verband verschmäht es. mit solchen Mitteln zu arbeiten. Die Lügen der Großindustriellen werde» kurze Beine habe». Die Arbeiter verfechten ihr gutes Recht. Die Fordern»» eines Minimal- lohns von 24 Mark in einer Großstadt wie Berlin ist keine ungerechte Forderung. Den kleinen Meistern wird vorgeredet, sie dürften nicht bewilligen, die Möbelindustrie könne den Aufschlag nicht ertragen, das Rohmaterial tverde teurer usw. Und was erklärte der Werkführcr eines Millionärs, des Herrn Bry, als ihm in einer Sitzung mit den Arbeitern entgegen gehalten lvurde, daß die gestellten Forderungen nur ein Ausgleich der bisher verschiedenartigen Lohne herbeiführe» solle? Er erklärte, die kleinen Meister treffen sie ja doch nicht, deren Ge- sellen sind nicht in ihrem Verband. Wie reimt sich diese Aufiassung mit der Agitation, die in den Meisterverfammlungen vpn de» Industriellen insceniert wurde, zu- sammen? Eine elende Kampfesweiie ist es, wenn den kleinen Meister» angedroht wird, daß ihnen die Fraiserarbeitcn abgeschnitten werde», wenn sie den Gesellen Zugeständnisse machen. Die Möbel- Händler will man veranlassen, von solchen Meistern keine Waren zu nehmen. Dabei hat nian sich nicht geschämt, Schläge den Meistern anzudrohen, die auf die Wünsche der Antragsteller nicht eingingen. Wir fragen, ist das kein TerrortsmuS? Infolge dieser Androhinigeii habe» im Laufe des heutigen TageS sechs kleine Meister mit 40 Mann ihre Bewilligungen zurückgezogen, und auf Ansragen bei diesen Meister». >vas sie zu diesem Vorgehen veranlaßte. sind obige Angabe» ge« macht. Wenn mit solchen Mittel» gearbeitet Ivird, dann muß eö schlecht stehen um die Sache der Herren Industriellen. Das können lvir den Herren heute schon sagen, daß ihr brutales Vorgehe» dahin führt, daß die Holzarbeiter Berlins wie ein Mann zu- sammcnstehen werden. Die Situation des Streiks hat sich im Lauf des gestrigen TagS fast nicht verändert. Mit mehreren besseren Möbeliverkstcllen soll heute a»f Wunsch der Meister in Verhandlung getreten werden. Ucbcr S0 Unverheiratete sind gestern abgereist. Die Freie Vereinigung der Holzindustriellcn«eriinS hat an sämtliche Tischleriimnngen Deutschlands ein Eirknlar verschickt mit der Meldung, daß die hiesigen Tischlergcsellc» seit dem 10. d. M. im Ausstande stehen und daß die Meisterschaft einmütig zu- sammen stehe, um die maßlosen Forderungen der Arbeiter zurück- zuiveisen. Mit Rücksicht aus den Beschluß der Arbeitnehmer, daß die imverheiratcten Gesellen zwecks Ersparung von Streikimter- stützuitg während der Dauer des Ausstand« Berlin verlassen solle», iverden die auswärtigen Innung«» dringend ersucht,«tivn znreisende streikende Arbeiter nicht einzilstellen, um der hiesige» Meisterschaft den Kampf nicht zu erschweren. Um möglichst bald ei» klares Bild von dem Umfang des AuSstandS zu gswinnen. haben die Arbeitgeber fast 100 Vertraucnslentc ernannt, die mit der Ausiiahme einer Gesamt« kontrolle betraut sind, deren Ergebnis in einer große» Arbeit- g e b e r- V e r s a»i in l u n g bekannt gemacht werden ivird. Die Zahl der Alisständigen würde sich erhöhen, wenn die F r a i s o r e i- b c s i tz e r die vielfach geförderte Gencralansschließniig ihrer samt- lichcn Arbeiter beschließe» sollten. Achtung, Möbrlpolicrcr. Laut Beschluß der Versammliing vom 18. Februar haben die Kollegen im Interesse der streikende» Tischler beschlossen, überall da. wo eS nötig ist, die Arbeit nieder« zulegen. Diesem Wunsche sind auch mit' Ausnahme einiger Vorarbeiter alle»achgckominen. Im Ausstände bcsindeil sich 657 Kollegen in 183 Werkstätten. Die Ausständigen müssen unterstützt werden. Wir erivartcit deshalb von jedem Kollegen, der in Arbeit steht, daß er am Soiiiiabend in der Zeit von 8 bis 10 Uhr abends in einer Zahlstelle des Verbandes der Möbelpoliercr einen Extrabcitrag in Höhe von mindestens cincr Mark abliefert und in der Versammlung am Montag, den 26. Februar, Admiral- straßc 18c, erscheint. Die Kommission. I. A.: H. Schulz, Meinclerstr. 60a. Die Maschinenarbeiter sollen, wie in einer gestern Abend ab- gehaltenen Versammlung von einer Anzahl Redner zum Ausdruck gebracht iviirdc. von ihren Meistern ausgespe r r t werde». Die Fräscrcibesitzer wollen ans diese Weise den große» Holzindustricllen helfen, die Tischlergeselle» unterzukriegen. Die Auftraggeber der Fräscreibcsitzer sind nämlich zirni allergrößten Teil die Klennneistcr, welch« fast alle beivilligt haben. Ruhe» die Holzbearbeitungsbetriebe, so lvärcn vielfach auch die Kleinmeistcr zum Feiern gezuniilgen. Das .wünschen die Großindustriellen, weil sie glauben, daß dadurch der Streikfonds eher erschöpft tverde. Auch fürchten die Fräserei- bcsitzcr, ihre Arbeiter könnten nach Schluß des Tischlerstreiks eben- falls Forderungen stellen. Dem glauben sie vorbeugen zu könne», iildein sie die Kassen dcö Verbandes der Holzbearbcitniigs-Arbcitcr schon jetzt durch Anösperrung erschöpfen. Wiewohl diese Arbeiter lclbst gar nicht die Absicht haben, für sich Fordeninaen zu stellen. sondern»lir die Tischler zu unterstützen wüiischen, wurden sie, wenn die Unternehmer ihre Drohung ivahr machen sollten, den Kampf auch nach dieser Seit« oufiichmcl,.' Der Kampfpreis wäre dann allerdings eine weitere Verbesserung der Lage. In Wciffcnsee nahmen am Donnerstag früh die Ausstäudigen den Bericht über den Streik entgegen. Es wurde bemerkt, daß man cS auch hier versucht habe, die'Meister, die schon beivilligt haben, zur Umkehr zu bewegen. DaS ist in einigen Fälle» von Erfolg gcivcieit. Besonders hat sich Herr Springer nach der Seite eifrig bemüht. In der Kiichenmöbelbranche sind die drei letzten Arbeits- lvilligen ausgesperrt. Außer in vier Werkstätten, die nicht in Be- trachr kommen, ist in allen andern die Forderung gestellt. Vonrmunalrs. Stadtverordneten- Versammlung. 8. S i tz u u g v o in Donnerstag, b e n 22. F e b r n a r, nachmittags 5 Uhr. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung erklärt der Vorsteher Dr. Langerhans, es thue im leid, daß er m der vorigen Sitzung infolge eines lapeus linguau einen Ausdruck gebraucht habe, der mißverständlich ausgelegt worden sei; er habe von„ZeituugS- schreibcrn" gesprochen. Der Ausdruck sei nicht bloß ein iapsns lingnae, sondern auch sachlich falsch. Der Anregung. den StadthaushallSetat heute au erster Stelle zu beraten, ivird von der Mehrheit der Versauinilung keine Folge gegeben. Zunächst finden mehrere Wahlen von Vürgerdeputierten in Deputationen statt. Es iverden gewählt: in die S t e ti e r d c p u t n t i o n Bürgermeister a. D. Engel- mann, Klopstockstr. 50, init 73 von 00 Stnmnen:_ in die Deputatioii für die städtische B l i n d e n p f l e g e Rentier Wiese mit 75, Fabrikant B l u m e» t h a l mit 51 von 09 Stinmien. Das Bauprogrannn mid den Vorentwurf zum Neubau einer dritten städtischen I r r e n a n st a l t ans dem Gute Buch hat der niedergesetzte Ausschuß genehmigt. Betänntlich ist der Bau auf etwa 10 Millioiien veranschlagt. Die Ausführung in eigner Regie ist im Ausschüsse angeregt worden, hat aber keinen Ailkkang gesunden. Dagegen wird vom Ausschüsse beantragt, de» Magistrat zu ersuchen, bei dem Bau für da§ Anstaltspersonal besondere Erhol ungs- räume, möglichst in einem eignen Gebäude, vorzusehen. Man lvill auf diesem Wege dem oft beklagten Mangel emes seßhaften Wärterpcrsonals abzuhelfen suchen. Stadtv. F ä h n d r i ch sieht die Möglichkeit, das Wärterpersonal dauernd zu fesseln, weit mehr in der Geivährnng ongcmcssener Löhne und geeigneter Wohnräume. Die jüngeren Wärter hätten an den freien Tagen nur eine Porole, und die laute: Nu aber raus! Ein Erholungshaus könne ohne Bierwirtschaft nicht gedacht werden: letztere sei aber in einer solchen Anstalt nicht statthaft. Der Schlußsatz des AnsschußantragS fei also abzulehnen. Stadtrat S t r a ß m a n n kann auch und zlvar auf Grund der Erfahrungen in Herzbcrge den Bau cineö eignen Erholungshauscs nur widerraten. Stödtb. Dr. Frendenberg: Ich bitte, den Antrag, den wir NN Ausschuß angeregt haben, nnzunchmcn. In den Berichten der Jrreiibanö-Bcrwältniig sinden lvir ständig die Klage über die Mangelhaftigkeit und den häufigen Wechsel des Personals. Die Ursachen dieses Mißstands liegen doch auch an der Behandlung, welches dieses Personal erfährt, indem nichts geschieht, um es an die Anstalten zu fesseln. Ein großer Teil des Personals hat nicht«in- mal eigne Schlasstätten. sonder» muß selbst im Schlaf dort Dienst thn», indem die Nacht in den Schlaf- sälen bcr Irren zugebracht iverden muß. Das ganze Wartepersonal umfaßt mit dem ständigen Arbeiterpcrsonal etwa 200 Personen: dieses Haus könnte etiva 30—40 000 M. kosten, eine höchst gering- fijgiqe Summe im Vergleich zu de» Bankostcn der Anstalt. Jetzt geht das Personal nach Berlin, denn was soll es in den Zandhänser» mit seiner freie» Zeit machen, Iveim es nicht geradezu a» kultnr» widriger Bedürfnislosigkeit leidet? Die Aerzte werden jedenfalls ganz' unverhältnismäßig besser behandelt. Jeder einzelne hat sein besonderes Schlaf- und Wohnzimmer, und zwar soll es nach dein Wunsche des Professors Moelt an möglichst ruhiger Stelle belegen sein. Dazu kommen die Kasiiloränmlichkciten. Die Wärter und Wärterinnen iiiüsscn eigene Räume haben, die sie auch nach cigenein Geschmack ausstatte» kviincn, und das kann nur in einein eigenci' Gebäude geschehen. 'Die Versammlung geilchmigt da? Bauprogramm, die Mehrheit lehnt aber den Znsatzanirag des AuSstlnisses ab. Die Beratung des Antrags Kreitling, der darauf gerichtet ist, der vopschnßlveisell Gewährung von städtischer K ranke nhaus- K u r u n d P f l e g e den Charakter als A r m e n u n t e r st ii tz n n g zu nehmen, hat im Ausschusse mit der Annahme einer Re- solution geendet, wonach der Magistrat ersucht iverden soll, geeignete Vorkehrungen zu treffen, um zu verhindern, daß diejenigen, oie mit der Zahlung von Kraiikenhans-Knr und Vcrpflegungskosten im Rückstände sind, das Wahlrecht entzogen werde. Eine Direktive, wie das anzustellen ist, fehlt in diesem AuSschnßantrage ganzllch. Referent Stadtv. H. Sachs: Ueber die Unholtbprkctt der gegenwärtigen Magistratsauffassung bestand im Ausschnffe Em- stimmigkeit. Der Ausschußautraa soll nicht besagen, daß wir nur einen frommen Wunsch aussprechen wollen, sondern der Magistrat wird uo» uns dringend ersucht, sich für einen bon den verschiedenen sich darbietenden Wegen zu entscheiden. Im Elsaß haben zahlreiche Kommunen besondere Fonds für den gleichen Zweck ausgeworfen Stadtv. Heimann: Wir bedauern sehr lebhaft, daß die Beratung dcö Ausschusses so ergebnislos geblieben ist. Der Antrag Kreitling hatte die Bereitstcllmig bestimmter Mittel vorgesehen, jtatr nun ans diesen Weg oder eineil andern gangbaren sich zu verenngen, schlägt der Ausschuß vor. den Magistrat um einen Vorschlag zu er- suchen. Wir werden unter Vorbehalt nnsrer definitiven Stellung- nähme für den Antrag dcS Ausschusses stimmen und haben nur den Wunsch, daß der Magistrat die Sache nicht aus die lange Bank schiebe. Durch die Erhöhung der Krankengelder ist eine Lage geschaffen, ivelcke das Wahlrecht einer erhebllchen Anzahl von Bürgern stärker als bisher gefährdet. In Frankfurt a. M. hat man das Krankengeld herabgemindert lHört, hört!), bei uns geht der Magistrat den umgekehrten Weg. Ilm so mehr hat er die Ver- pflichtung, die unnötigen Härten, die sein Vorgehen geschaffen hat und schafft, baldigst z>> beseitigen.(Beifall.) Stadtv.»t r e i t l i n g: Der Weg. den imS die Herren gewiesen haben, war unaanabar. Wenn lvir allen, die unter 2000 M. Ein- kommen haben, freie KrankcnhauS-Behandlung garantleren sollen, w fehlt»nis jeder Anhalt für die finanzielle Tragiveite eine» solchen Vorschlags. Es wird nichts übrig bleiben, als die hoffentlich bald erscheinende Magistratsvorlage abzuwarten. Der Ansschußantrag ivird aiigeiionuneit. Hiernach wird der Antrag, die Etatsberatung vorwegzunehmen. erncilert. Die Stadtvv. Schwalbe und Singer widersprechen dem vom Stadtv. Meyer befürworteten Antrage, der wiederum abgelehnt wird. Für die am 1. Dezember d. I. stattfindende Volkszahlung soll eine besondere Komilussioii und zwar durch Berstärkung der Deputation für Statistik gebildet werde». Die Zahl der Stadt- verordneten in dieser Deputation soll eine Erhöhung von sims aus zwölf erfahren. Die Wahl der sieben Mitglieder soll der Slns,ch»ß für die Atiswahl mibesoldctcr Komnuinalbeamter vorbereiten. Auf die A»frage dcö Stadtv. Dr. Schwalbe.>vaS den Magistrat veranlaßt hat, die Hergäbe deS NathanSsaales zu einer Giordano B r» n o» F e i e r zu verweigern. Ivollte der Magistrat in der letzten Sitzung die Antivort geben. Der Gegen- stand verfiel damals mit vielen andern der Vertagung und steht heute ivicderinn zur Verhcmdlmig. Stadtv. Schwalbe: ES ist das erstemal, daß der Fcstsaal des Rathauses zu einer derartigen Feier versagt worden ist. Im Publiklim sind die verschiedenartigste» Gerüchte über den Grund entstanden. Wir wollen die Wahrheit erfahren. Giordano Bruno ist nicht von der katholischen Kirche, sondern vom römischen JnqujsitionLtribunal verurteilt ivorden. Er war derjenige, der der kopcrnikaiiischcn Lehre zum Dnrchbruch vcrhalf und hat schließlich gerade in Deutschland Zuflucht gefunden. Er ist eine der größten Leuchten der Wissenschaft aller Zeiten gewesen. DaS Gerücht, daß der Oberbürgermeister selbst die Versagung veranlaßt habe, kann ich nicht glauben. Oberbürgermeister Kirschner: Die Sache ist so ausgelegt ivorden, als hätte sich der Magistrat gegen Giordano Bruno ernären wollen, als hätte er ihm nochmals den Feuertod zu teil werden lassen ivolle». Solche Gesinnung hat ,»lS sehr fern gelegen; wir sind nicht von irgend einer Seite beeinflußt ivorden, noch habe ich persönlich liitervcnicrt. Ueber den Festsaal verfügen die städtischen Behörden durch Geiiicindebeschluß: zur Bewilligung ist die Zu- stimmung beider Körperschaften erforderlich. Die Grundsätze, nach denen der Festsaal zu vergeben ist, sind ebenfalls festgelegt. Ter Magistrat geht von der Änffafsmig a»S, daß der Festsaal zu verweigern ist, wenn nur einzelne Gruppen oder Parteien der Bürgerschaft den Saal für ihre Zwecke beanspruchen.(Bewegung.) 1884 ist ausdrücklich beschlossen worden, den Saal für alle Feiern, die politischen, relcgiösen. selbst ivissenschaftlichelt Zwecken diciicn, zu verivcigcrn. Danach hat sich der Magistrat gerichtet. Eine Giordano' Bruno- Feier kann mau sicherlich auch in einer Weise begehen, die sich nicht zu einer rcligiösen oder politischen Feier macht: aber die Besorgnis war sicher- lich nicht ungerechtfertigt, daß die Feier Formen aiinehmeu könittc, die mit jeiiem Gcmeiudebcschliiß in Widerspruch geriete». Der Antrag ist gestellt worden von einer Reihe Pcrsonc», die fast sämtlich keinem Magistratsniitglicde bekannt waren: die wenigen be- kannte» schienen nicht anszureicheii, um imö vor jener Besorgnis sicherzustellen. Gegen eine Stimme ist der Antrag abgelehnt ivorden. Das Komitee hat die Freundlichkeit gehabt, trotz der Ab- lehnintg Karten zur Verfügung zu stellen; einige Magistratsmitgliedcr haben auch teilgenommen; ich war verhindert. Von einer Abneigung gegen diese Feier a» sich Ivar also keine Rede. Stadtv. Singer beantragt die Besprechung der Anftage: die Mehrheit beschließt demgemäß. Stadtv. Singer: Ich hatte gehofft, wir würden i» eine Be- sprechung nicht einzutrete» brauchen, iveil ich diese Begründung der Ablehnung nicht für möglich hielt. An sich hat der Magistrat keine Einwendungen gegen eine solche Feier gehabt: um so weniger iverden seine Ablehnniigsgrnnde die Berliner befriedigen. Der Magistrat hat sich alö Ketzergericht konstituiert. Die Unterzeichner des Aufrufs sind den Herren vom Magistrat nicht bekannt gewesen. Allerdings, der Obcrhoftneister v. Mirbach hat nicht darunter ge- standen.(Große Unnihe und Heiterkeit.) Der hgtte vielleicht dem Magistrat die Gewähr gegeben, daß der Saal nicht mißbraucht werde» würde. Eine ganze Reihe der Unterzeichner stehen im öffentlichen Leben, lilid niemand hat da? Recht, ihnen eine derartige Unterstellung zu machen. Der Magistrat ivar schlecht beraten, wenn er solchen Ecnsor-Mäßstab anlegte. Die Unterzeichner gehören den verschiedensten Parteien an: es handelte sich weder um politische noch u»i religiöse Zwecke. eS sollte eine rein wissenschaftliche Feier sein zum Audeuicu eines Mannes, dessen Feuergeist malt im Magistratskollcgium vertreten iviinschen müßte.(Heiterkeit). Es ist beschämend für Berlin.»venu jetzt von deu Gemeindebehörden gelagt werden muß, sie haben nicht einmal Gewissensfreiheit gewahrt. Es ist ja vielleicht ein Milderungsgrund für den Magistrat, datz die meisten seiner Mitglieder von Giordano Bruno nichts gewußt haben.(Heiterkeit.) Die Furcht, daß die Feier hätte zu politischen Demonstrationen führen können, ist durchaus unbegründet gewesen. Der Magistrat hätte doch besser gethan, erst mit der Versammlung zu beraten; er hätte dann vielleicht Männer wie Schwalbe gefunden, die seine Be- fürchtungen zerstreuten. In der heutigen Zeit wäre es sehr angebracht gewesen, ivenn der große Italiener auch in Berlin gefeiert worden wäre als der grimme Hasser aller Knechtseligkeit, aller Duckerei und Muckerci, dann wäre die Feier auch für den Magistrat als den Hüter unsrcs Festsaals sehr vorteilhaft gewesen!(Beifall.) Stadtv. L a d e w i g: Nicht bloß beim Kollegen Singer besteht diese berechtigte Entrüstung. Zur Gustav-Adolf-Feier ist doch der Saal auch hergegeben worden. Professor Paul Förster und Hoß Kapellmeister Richard Strauß hätten als Unterzeichner des Aufrufs dem Magistrat allein schon genügen müssen. Ich glaube im Namen der großen Mehrheit der Versammlung zu sprechen, wenn ich dem Magistrat das tiefste Bedauern für' sein Verhalten erkläre.(Zu stimmung.) Oberbürgermeister K i r s ch n e r: Das werden wir zu tragen haben.(Große Unruhe.) Wir werden nach ivie vor, so lange wir mitzureden haben, uns die Leute ansehen, die den Saal beanspruchen. Es findet sich unter den Unterzeichnern ein Prof. P. Förster- Friedenau.(Heiterkeit.) Der Gustav-Adolf-Verein befaßt sich nicht mit dogmatischen Fragen, sondern baut nur Kirchen. (Heiterkeit und Widerspruch.) Stadtv. Dr. Rüge: Ich möchte konstatieren, daß der Magistrat mit seiner Haltung auch nicht die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hat, denn für Geistesfrciheit kämpft nicht bloß eine einzelne Partei oder religiöse Gruppe.(Lebhafter Beifall.) Stadtv. Schwalbe erklärt sich von der Beantwortung seiner Anfrage nicht befriedigt(fast allgemeine Zustimmung) und hätte auch erwartet, daß der Magistrat sich von der Verweigerung mit der Versammlung ins Benehmen setzte. Damit ist die Besprechung beendet. Den Stadthaushalts-Etat für 190(1 hat der Magistrat nebst den Etats der Kanalisations-, Wasser-, Gaswerke, der Markt- hallen, des Viehmarkts und Schlachthofs und der Hauptkasse der städtischen Werke zur Beschlußfassung im Entwurf vorgelegt. Der Entwurf balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 107 356 743 M. Kämmerer M a a ß: Von den 107 Millionen müssen 59 Millionen durch Steuern gedeckt iverden, und davon sind 56,7 Millionen auf die drei großen Steuern angewiesen, Grund- und Gebäude-, Ge- werbe- und Einkommensteuer. Wir haben mit 150 beziv. 100 Proz. Gemeinde-Einkommcnsteuer zn balancieren vermocht. 100 Prozent Gemeinde-Einkommensteuer repräsentieren 29,7 Millionen Mark. Es ist gelungen, den alten Steuersatz noch einmal aufrechtzuerhalten. Die Steuern sind stark augespannt, doch kann man auf den voll- ständigen Eingang rechnen, nicht aber auf Ueberschüsse. Es kommt diesem Etat zu gute, daß aus dcni Abschuß von 1898 2 600 000 M. mehr als Ueberschuß eingestellt werden konnten als im Vorjahre. Die einzelnen Etats sind knapp bemessen; Mchrforde- rungen sind nur soweit vorhanden, als sie mit dem Auwachsen der Gemeinde unvermeidlich verknüpft sind. Der Kämmerer geht dann die Neuerungen in den Spccialetats durch und hebt besonders die starke Anschwellung der bereitzustellenden Bauraten für eine große Anzahl städtischer Schul-, Krankenhaus- und sonstiger Bauten hervor. Stadtv. Mommsen: Die Steuererträge für das laufende Jahr haben sich als richtig veranschlagt erwiesen und das dürfte auch von dem neuen Anschlag gelten. Die Ueberschreitung der 100 Proz muß thunlichst vermieden werden. Der Hochban-Etat ist sehr angeschwollen! eine gleiche Anschwellung dcs Tiefbau-Etats wird nicht aus- bleiben. Wir sollte» doch endlich auch an die Regulierung des Schloßplatzes herangehen und die Vorurteile überwinden, die man uns immer wieder einpflanzen will. Stadtv. K a l i s ch: So schwarz in schwarz wie heute hat der Kämmerer den Etat noch nicht gemalt. Ich sehe nicht so schwarz. Die Steuererträge wachsen immer noch in höherem Maße als die Bevölkerung, und das liegt an dem unerhörten Anziehen der Steuerschraube. Die Selbsteinschätznng ist in Berlin zur Farce geworden. Seit vielen Jahren steht'die Reform des Volks- schulwesenS aus, die Sache scheint allmählich einzuschlafen, wie das höhere Schnlivesen seit 20 Jahren schläft. Für den Fall des Ausbaues des Kanals Berlin- Stettin sollte die Stadt rechtzeitig Vorkehrungen treffen, die verhindern, daß die Privatspekulatiou sich der Ausbeutung der neuen Verkehrsanlagcn bemächtigt. Stadtv. Bruns: Wäre Herr Mommsen noch hier, er würde Herr» Kaiisch beweisen, daß nur durch Verpachtung der Kanal nutzbar gemacht werden kann. Welche Nackenschläge wir noch immer durch den Vertrag mit der Pferdebahn erleiden, brauche ich nicht hervor- zuheben. Es wird auch in diesem Etat nicht über 100 Proz. Ein- kommeustener gegangen, und Herr Mommsen hat sich darüber gefreut. Aber notwendige Bauten dürfen wir nicht deslvegen zurückstellen, tveil sonst dieser Satz überschritten würde. Ob es notwendig ist, schon in diesem Jahre 130 000 Mark für die Regu- lieruug des Schloßplatzes auszugeben, werden wir sehr gründlich prüfen; wir haben, glaube ich, wichtigere Aufgaben zu erfüllen. Schon jetzt haben ivir z. B. über 1500 kranke Irre in Privataustalten untergebracht; wir können gar nicht warten, bis die neue Anstalt fertig ist, wir müssen schon früher Vorsorge treffen. Die Löhne der Arbeiter in den städtischen Werken sollen aufgebessert werden: aber in den meisten Etats begründet der Magistrat diese Aufbesserung damit, daß er zu den jetzigen Löhnen keine Arbeiter mehr bekommen kann. Die Stadt niuß doch auf diesem Gebiet voranmarschieren. Da alle Preise gestiegen, alle Lebensansprüche gesteigert sind, müssen von Stadt wegen die Grenzen elivas weiter gesteckt werden. Die Volksschule ist immer noch das Schmerzenskind unserer Verwaltung, 1897 sind aus den Berliner Volksschulen 18 878 Kinder entlassen, nur 11 000 ans der I., 4900 aus der II., 1900 aus der III. und 400 sogar aus der IV. Klasse.(Hört, hört!) lieber 7000 haben im ganzen das Pensum der Volksschule nicht erreicht.(Hört! und Bewegung). Woran liegt das? Zum Teil an den Kindern, aber nicht an ihnen allein. Die Hauptursache ist die übergroße Frequenz in den � G e m ein d e sch u l e n.(Lebhafte Zustimmung und Widerspruch.) Die Durckschuittsfreqncnz ist SÄ, rn den höheren Schulen nur 37 bis 34. Man schreckt uns niit der Kvstcnsragc. Aber von 1889 bis 1895 sind die Kosten für cin Gcmeiudcschulkind mir um 9,22 M. auf 56 M. gestiegen, dagegen die Kosten pro Kopf des GymuasialschülerS von 94,05 M. auf 129 M. Dieser Unterschied zu Gunsten der besitzenden Klassen muß uns doch zu deni Verlangen führen, daß die Gemeiudeschulen nicht niehr das Aschen- brödcl der Schulverwaltung bleiben solle».(Sehr gut!) Die Schul- reform, die allgemeine Einführung des acht- oder doch fiebenklassigen Schulsystems kommt nicht; man will eine siebente Klasse nur aufsetzen,„wo sich die genügende Zahl von Schülen, findet". Also die meisten müssen nach wie vor in der ersten Klasse hocken bleiben und sich die alten Pensen immer wieder vortragen lassen! Unsre Klagen über die Bibliothcksverhältnisie sind nicht berücksichtigt worden. Die Bibliothek in der Zimmer- straße läßt noch sehr wenig von dem Gmndstock einer Berliner Stndtbibliothek merken; mit 15 000 M. wäre hier schon viel gethan. Die Mißstände bei den Heimstätten sind auch noch die alten; noch immer iverden die Genesenden viel zu früh wieder in das Erwerbs- leben hinausgeschickt. Für die Hebung der Gesundheitspflege ist sehr wenig in den letzten Jahren geschehen. Wir haben keine Entbindungs- austalt; die Ausbeutung der Mütter unehelicher Kinder schreit zum Himmel. Die Angelegenheit der Pensionskasse für die städtischen Arbeiter kommt noch immer nicht vom Fleck. Und wo bleibt die Reform des Armenwesens? Eine wesentliche Verringerung des Armenetats wird übrigens um so weniger möglich sein, als die meisten Armen bloß eine monatliche Unterstützung von 9—21 M. erhalten. Schon vor �Jahren haben wir den Magistrat befragt, warum im vorigen Etat bei gclvissen Angestellten der Viehhoss-Vcrwaltnng statt„Gehalt" „Entgelt" gesetzt war; noch heute ist keine Antwort erteilt. Es ist doch selbst von einer Viehhofsverwaltung nicht zu viel verlangt, in drei Viertel Jahren eine Antwort zu formulieren. Rednert plädiert schließlich für die Einsetzung einer socialen Kommission und motiviert dies Verlangen speciell mir dem Hinweis auf die Berliner Wohnungs- Verhältnisse, die Uebervölkerung der Arbeiterquartiere und das Schlafstellenunwesen. Stadtv. Gerstenberg tritt den Ausführungen des Vorredners, soweit diese sich auf das Schul- und Steuerwesen bezogen haben, entgegen. Damit schließt die erste Beratung des Etats. Derselbe geht an den Etatsausschuß, der vom Vorstande sofort ernannt wird und dem auch die Stadtvv. B orgmann und Bruns angehören. Ein von sämtlichen Parteien mit Ausnahme der Antisemiten unterstützter Antrag Lüben geht dahin: den Magistrat zu ersuchen, 60 000 M. bereit zu stellen, um Beamte, Techniker, Arbeiter bezw. Handwerker aus den städtischen Betrieben nach Paris zur Be sichtigung der Weltausstellung schicken zu können. Der Antrag wird nach kurzer Begründung durch denAntrag st e l l e r in einen Ausschuß verwiesen. Schluß 9V« Uhr. I)avkei-Maihvichken. AuS der Wnhlbcwegung im Kreise Calbe-Aschcrslebcn. Für den Ordnungskandidaten Placke, Major der Landwehr und Holzhändler, machen alle unpolittschen Kriegervereine mobil. In einem Amtsblatt wird über die Versammlung des Kriegervereins in Barby berichtet: Auf der Tagesordnung stand: Bericht über die Kreis-Krieger- Vcrbandssitzung in Groß- Salze und Besprechung über die Rcichstagsivahl. Den Bericht über den Kreis-Kricger-Berbandstag brachte der Abgeordnete Kamerad Huudertmark in einem ausführlichen schönen Vortrag. Sodann erbat sich Herr Schuh- machermeister Kamerad Buttler zu Punkt 2 das Wort und brachte auch einen schonen Vortrag über einmütige Wahl des Herrn Placke, die der Vorsitzende noch mit der bestimmten Weisung er- gänzte, daß kein Kamerad des Barbyer Kricgervereins anders wählen darf als den Major Placke, und daß derjenige, welcher anders denkt und handelt, dem Verein nicht länger an- gehören kann. Dieser Verein erläßt unter der Anrede„Wähler und Krieger" ein Inserat, dessen Schluß lautet: Gebt deshalb am Wahltage keinem andern Eure Stimme als dem Major d. L. Georg Placke. I. A.: Der Vorstand des Kam. Krieger- und Militärvereins. Politik treiben die Kricgervereiue nicht, aber iver politisch anders denkt wie der Herr Major Placke, der fliegt hinaus. Von der Kampfesweise der Herren Nationalliberalen ein hübsches Beispiel: Ein Herr Schneidt hatte den Prozeß gegen Alb. Schmidt in einer Broschüre besprochen, worin er die Ansicht vertrat, daß der inkriminierte Artikel der„M. V." keine Majcstätsbelcidiguug enthalte. Zwei darauf erlassene nalioualliberale Flugblätter denunzierten Herrn schneidt der Majestütsbcleidignug und behaupteten, das„Märchen aus Bagdad" in der„M. V." enthalte eine Beleidigung des Kaisers und des Prinzen Eitel Fritz. Daraus geht hervor, daß der Ver- fasser der Flugblätter den Inhalt des Märchens aus Bagdad genau kennt. Dennoch wandte sich ein Buchhalter des Herrn Placke an Herrn Schneidt mir der Bitte, ihm„zu Juformationszweckcn" eine Nunimer der„Volksstimme" mit dem betreffenden Artikel zu ver- schaffen. Herr Schneidt schließt daraus, daß man ihn zur Verbrei- tung des an Schmidt so schwer bestraften Artikels verleiten wollte, um ihn dann der Majestätsbeleidigung denunzieren zu können. Der Schluß liegt allerdings sehr nahe. Unsere Reichstreuen sind feine Leute. Die Konferenz der siiddentschc» LandtagSfraktione» unsrer Partei gicbt bürgerlichen Blätter» wieder einen Anlaß zu den üblichen Spintcsen über Gegensätze zwischen„radikaler" und „praktischer" Richtung in der Partei, man redet von Sonder- organisation und dergleichen. Man sorge für ein Wahlgesetz, das eine socialdcnwkratische Landtagsfraktion in Preußen möglich macht und wird mit Staunen sehen, wie sich nord- und süddeutsche social- denwkratische Landtagsfraktiouen in einer für die praktischen Arbeite» so nützlichen Vereinigung zusammenfinden werden. Treffliche Radierungen unsrer Parteigenossen Bebel, Liebknecht, Singer hat die Buchhandlung Vorwärts fertig- stellen lassen und soeben in den Handel gegeben. Die Abzüge sind vorzüglich gelungen, diq bekannten Köpfe'zeigen sich in vollster Lebeuswahrheit. Die Bilder sind in großem Format augefertigt und eigne» sich daher als Schmuck auf größer» Wandflncheu. Der Preis beträgt pro Bild 1,50 Mark. Die Bilder sind in der Buchhandlung Vorwärts in Augenschein zu nehmen. Polizeilichrs» Gerichtliches ufw. — Wege» Beleidigung zweier Spediteure, denen in einer Notiz des Blattes Vorwürfe über ihr Geschästsgcbahrcn gemacht über wurden, wurde der verantwortliche Nedacteur Anhalt", Genosse Günther, zu 30 M. Geldstrafe des„Volksblatts für verurteilt. Sooiollvs. Die Freiheit des Arbeitsvertrages. Das Bürgerliche Gesetzbuch hat in Beziehung auf den Arbeits- vertrag einige Bestimmungen gebracht, die den Arbeitern kleine Vor- teile gewähren. So muß nach Z 616 der Lohn fortgezahlt werden böi kurzzeitigen Krankheiten und andren«verhältnismäßig nicht er- hebliche»" unverschuldeten Verhinderungen des Arbeiters. Nach § 278 haftet der Schuldner für das Verschulden seiner gesetzlichen Vertreter und der Personen, deren er sich zur Erfüllung seiner Verbindlichkeiten bedient, der Unternehmer also für Ver- sprechungen oder Unterlassungen seiner Geschäftsführer, Werk- meister zc. Durch Vertrag kann jedoch in beiden Fällen etwas andres bestimmt werden. Die Unternehmer beeilen sich nun— ver- mutlich um den Schwärmern für den freien Arbeitsvertrag zu demonstrieren, welcher Segen für die Arbeiter im freien Arbeitsvertrag liegt— auch diese kleinen Vorteile durch entsprechende Abänderung der Arbeitsordnungen zn be- seitiaen. Wir konnten einen solchen Fall schon im Dezember vorigen Jahres von einer Berliner Firma berichten; dasselbe wird uns jetzt andb von einer Firma in Halle berichtet und wie aus den jüngsten Verhandlungen des Centralverbandcs der deutschen Industriellen zu entnehmen ist, handelt es sich dabei um ein plan- mäßiges Vorgehen des Unternehmertums. Wie da berichtet wurde haben einige Gewerbe-Jnspcktoren diese Abänderungen der Arbeitsordnung als gegen die guten Sitten ver- stoßend bezeichnet und sie deshalb beanstandet. Der Centralverband ist natürlich nicht dieser Meinung; wann hätten es wohl Unternehmer als gegen die guten Sitten verstoßend gefunden, sich gesetzlichen Pflichten gegen die Arbeiter zu entziehen. Der Verband will die Angelegenheit„im Auge behalten" und eventuell auch bei einer einschlägigen Bestimmung der neuen Unfallrente die Ansicht der Unternehmer zur Geltung bringen. Das wird ihnen hoffentlich nicht gelinge», denn dabei könnte leicht noch Schlimmeres für die Arbeiter hcrauskonimen; womöglich irgend eine recht unbestimmte Allgemeinheit, die sich nach allen Seiten drehen und wenden läßt und am Ende die vertragsmäßige Ausschließung verschiedener Pflichten der Unternehmer aus dem Unfallgesetze ge- stattet. Ob dem jetzigen Vorgehen der Unternehmer im Einzelfalle ent- gegengetreten werden kann, kommt auf die besonderen Umstände dieses Falles an. Solche Fälle können vorkommen, doch nützt das den Arbeitern im allgemeinen sehr ivcnig. Wenn die Unternehmer peinlich alle Formen des Vertragsschlusses wahren, dann ist gegen die Ausschließung solcher Verpflichtungen nicht? zu machen, wenn nicht da und dort die Arbeiter durch ihre Organisation stark genug sind, sich dagegen zu wehre». Ernsthaft kann dem nur entgegengetreten werden durch weitgehende gesetzliche Ein- schränkung der Verttagsfreihcit hinsichtlich des Arbeitsverhältnisses. Das gehört vor allem in das Gebiet der Gewerbeordnung und d.. t muß bei Gelegenheit dafür gesorgt werden, daß der Ausschlietznn c von Pflichten der Unternehmer gegen die Arbeiter durch Vertrao immer mehr Riegel vorgeschoben werden. Die Petitionen, in welchen die deutschen Hebammen zur Hebung ihrer bedrängten wirtschaftlichen Lage um Erlaß eines Heb- ammen- und Wochenpflegerinnen-Gcsetzes für das Reich, sowie um Gewährung von Alters- und Invalidenrenten ersuchten, ist durch Majoritätsbeschluß in der letzten Sitzung der Pctitionskommission dem Reichskanzler,„als Material" für einen vielleiht später aus- zuarbeitenden Gesetzentwurf überwiesen worden. Den Petitionen der Hebammen, die wohl ein freundlicheres Schicksal verdient hätten, ist damit ein Begräbnis dritter Klasse zu teil geworden; denn es ist kein Zweifel, daß das Plenum des Reichstags sich dem Kommmissious- beschluß anschließen wird. Der Krieg. Noch immer keine zuverlässige Nachricht von Cronjes Armee! Die wichtigste der vorliegenden Meldungen stammt vom Dienstag und lautet für die Bocren recht ungünstig. Das„Reutersche Bureau" meldet nämlich vom Modder-Rivcr. Die Division Kellh-Kenny griff am Sonntag bei Tagesanbruch das L a g e r C r o n j e s bei der KoodooSranddrift am Moddcrflnß an. Die Schlacht dauerte den ganzen Tag: die Engländer rückten unter beträchtlichen Verlusten auf ebenem Terrain vor. Fünfzig englische Geschütze richteten am Sonntag und Montag ihr Feuer auf das Boercnlager. Am Dienstag erbat Cronje einen Waffenstillstand; er giebt zu, daß er am Montag mehr als 800 Mann verloren habe. Aus Paardeberg wird vom Mittwoch iveiter gemeldet: Die Engländer nahmen auf einem von den Boeren besetzten Kopje 50 Boeren gefangen. Im übrigen ist die Position CronjeS ullverändcrt. Das heißt also: G e s ch I a g e n i st er nicht. Näheres weiß man in London auch nicht. Der„Standard" meldet aus Kapstadt vom Mittwoch: Ein Telegramm an das hiesige Blatt„Argus", datiert vom Paardeberg, den 21. ds. Mts. besagt: General Cronje ist eingeschlossen. Seine Truppen sind einem heftigen Gewehr- und Granatenfeuer ausgesetzt. Die Bocren leisten verziveifelten Widerstand. Londoner Stimmen. Ein Artikel der„Times" führt aus, das Schweigen des Feld Marschalls Roberts könne in mehr als einer Weise aus- gelegt werden. Es scheint aber sicher anzudeuten, daß ernste Operationen, in welche Roberts unter äußerst schwierigen Ilmständen verwick.'tt ist, noch nicht zu einem vollständigen und endgültige» Abschluß gelangt sind.— Der„Standard" bemerkt in einem Artikel: Wenn die Verstärkungen, welche General Joubcrt zn Cronje gesandt hat, gleich nach Eingang der Meldung von der neuen Bewegung des Generals Roberts abgegangen sind, können einige Abteilungen der- selben noch zur rechten Zeit eintreffen, um ihren bedrängten Kameraden am oberen Modderflnß z u h e l f e n. Es besteht aber größere Wahrscheinlichkeit dafür, daß Cronjes Armee vernichtet oder wenigstens gesprengt iverden wird, bevor noch die Bocren aus Natal zur Hilfeleistung herankommen können. Aufstand der Kapboercn. London, 22. Februar.„Daily Mail" veröffentlicht ein Telegramm ans Kapstadt, lvorin berichtet wird, daß das Blatt„Cape Argus" das Vorhandensein von mindestens 250000 Mann englischer Truppen für nötig hält, um Herr der Situation werden zu können. Der Korrespondent der „Daily Mail" versichert ans bester Boerenquelle zu ivissen, daß die A f r i k a n d e r p a r t e i sich wie ein Mann erheben wird, falls die Engländer noch weiter in den Oranjc-Freistaat eindringen. Die allgemeine Ansicht geht in gut infornnerten Kapstädter Kreisen dahin, daß der Krieg jetzt erst begonnen hat. »• # Ladysmith. Sehr sieges sicher lauten die Meldungen aus dem Bullcrschcn Lager. Am Dienstag telegraphiert man von dort: Wir haben die Ladysmith belagernden Linien der Bocren noch nicht durchbrochen. Ein heißer Kampf steht uns noch bevor. Aber die Flanke der Boeren ist vollständig zurückgedrängt, und starke Vetteidigungs- stellnngen sind von uns'genommen worden. Für unsren iveiteren Vormarsch haben wir uns wertvolle Stützpunkte gesichert, und der Feind ist, soweit es den Kriegsschauplatz in Natal an- geht, seit Elandslaagte zum erstenmal wieder in die Flucht geschlagen worden. Die Soldaten schliefen die letzte Nacht in Boeren'zclten auf den Spitzen der genommenen Hügel. Wir können direkt nach L a d y s m i t h hineinblicken, und alle Truppen sind voll Mut. Aus Ladysmith selbst stammt die folgende Meldung vom Montag: Die Bocren sandten vorige Woche 400 Wagen gegen die Drakensberge zu; heute zogen 130 Wagen den Moddersprnil entlang nördlich ab'; dennoch hat die Streitinacht der Boeren anscheinend nur eine unbedeutende Verringerung erfahren. Die Beschießung dauert stetig fort. Unmöglich ist es trotzdem nicht, daß die Boeren, ohne von Buller besiegt zu sein, die Belagerung von Ladysmith aufheben, um die Kräfre auf dcni Ivcstlichcn Kriegsschauplatz zn verstärken und sich auf die Verteidigung der Republiken zu beschränke». Keine FricdcnSvermittlnng. Washington, 21. Februar. An maßgebender Stelle wird er- kl-krt, daß die Gerüchte, die Vereinigten Staaten und Deutschland hätten durch den Staatssekretär Hay und den Botschafter v. Holleben ein Abkommen getroffen, in Transvaal zu intervenieren, unbegründet seien. Die Frage einer gerneinsanien Vermitteluug sei überhaupt nicht erörtert worden. Letzte Meldungen. London, 22. Februar.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Feldmarschall R o b e r t s telegraphierte aus Paardeberg vom 21. d. M., er habe, da er sich nach sorgfältiger Nekognoscicrung der feindlichen Stellung am 20. d. M. überzeugt hatte, daß die- selbe nicht ohne schweren Verlust zu nehmen sei, beschlossen, den Feind mit Artillerie zu beschießen und seine Aufmerksamkeit den Verstärkungen des Feindes zugeivandt, welche nach allen Richtungen vertrieben wurden und bedeutende Verluste erlitten. Fünfzig Bocren feien gefangen genommen; dieselben sagten ans, daß sie vor zwei Tagen von Ladysmith angekommen seien. Auf britischer Seite seien 2 Offiziere und 4 Mann leicht verwundet. London, 22. Februar. Ein hiesiges Abendblatt meldet aus Paardeberg vom 21. Februar: Kommandant Botha versuchte dem General Cronje zu Hilfe zu kommen;»ach lebhaftem Kanipfo wurde sein Kommando mit empfindlichen Verlusten zersprengt. Uetzke ZtaifzviMen und Depeschen. Paris, 22. Februar. Die Deputiertenkammer willigte ohne Debatte ein drittes provisorisches Bndgetzwölftel. be- Verantwortlicher Redacteur: Panl John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von V.'ax Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen und llnterhaltnngsblatt- Nr. 45. 17. Illhrgllllh. 1. LtilU des Jjraärts" Kttlim JnlWim. wi.i. a. M.« im Nvirszsketg. 152. 3 i tz u nfl u ü m 22. Februar 1000, 1 N h r. Äui BuiideSratStisch: v. G o ß I c r. Auf der Tngcsordiiunq steht die zweite Beratung dcS M i I i t ä r- r i a t c-. Tie Beratung beginnt mit„Fortdauernden Ol u ö- gäbe n" Titel„KriegSminister". Abg. Bebel(See.): Ich habe seit einer Sieihc von Jahren die Beratung dcS Militär- den Borgängen in der Armee noch iniincc ein geheimnisvoller Schleier liegt nud zivcitcnS. lvcil bei dem jetzigen Mangel an Miitit an solchen Vorgängen ini größte» Teil der bürgerlichen Presse es mir als dringende Ztotwendigkcit erscheint, diese Vorgänge hier im Oicichstage zur Sprache zu bringen. Ich hoffe, das;, wenn derartige Beschwerden hier von der Tribüne ausgesprochen werden, sie in weit ausgiebigcrem Maße gehört und beachtet iverdcn und andrerseits bin ich der Uebcrzcngnng, daß alle Bestrebungen der Armee Verwaltung, gewisse Lcbelstände zn beseitigen, noch nicht den Lrfolg gehabt haben, den sie haben sollten und haben mutzten. Zunächst mutz ich ans einen Vorgang zurückkommen, den ich bereits im vorigen Jahr erwähnte. Es handelt sich um den Ncser- visleii ftricse. der bei einer gerichtlichen Zeugenvernehmung vor dem Schöffengericht in Maricmmrg auf eine Frage des Otichtcrs xrklärtc, er sei in Civil Sorialdcmokrats Infolgedessen wurde er ans Eirund dcS bekannten Erlasses, datz kein Soldat soeialdemokratische Bestrebungen bekennen dürfe. mit 11 Tagen Gefängnis bestraft. Diese Strafe halte ich auch heute noch für eine ungesetzliche. Der Betreffende hatrcZdcn Zcngcncid geleistet, nichts Kg verschweigen und nichts hinzuzusetzen und nachdem ihm der Richter die Frage vorgelegt hatte, ob er Socialdeniokrat sei, war er genötigt, zu erklären:„Jalvohl, im Eivil bin ich Socialdeniokrat". Oluf eine solche Aussage hin zn verurteilen, scheint mir ein ganz iachvcrhalt WWW» ist eö mir ivichtig, datz auch er erklärt, dem Manne sei mit den 11 Tagen Gefängnis unrecht geschehen. Eine weitere als eine solche moraltschc Gcnugthnnng kann ja dem Manne nach Lage der Sache nicht gewährt werden. Weiter habe ich eine Reihe andrer Borgänge zu erwähnen. Im vorigen Herbst wurde von der Strafkamnicr in Halle ein Ober- licuicnant Hochhcim wegen vorsätzlicher Körperverletzung bestraft. Er ivar auf dem Felde mit einer andren Person in Streit geraten. ES ivar zn einer Prügelei gekommen und der Lieutenant zunächst dabei unterlegen. Er bat seinen Gegner, er möge ihn in Ruhe lassen.� TaL geschah auch. Kaum aber hatte der Obcrlicutenant freie Hand, so rief er dem in der Rähe befindlichen Hofbesitzer zn, er mnfie seine Ehre rcttc», der Hund miiffc sterben. Der Hofbesitzer holte eine Anzahl polnischer Olrbcitcr bcrbei und mit diesen zusammen drang der Obcrlicntcnant wieder ans seinen Gegner ein mit den Worten:„Schlagt ihn tot, sterbe» muff er, ich U!»ff niciiic Chrc retten." Daö Endresultat war, datz sein Gegner aufs vichischtc misthandelt wurde, bcsimningSloS liegen blieb und lange Zeil an den erhaltenen Verletzungen zu kurieren halte. Vor dem Landgericht in Halle wurde die Sache schlirtzlich dahi« entschieden, datz der Lientcn ant wegen schwerer Körperverletzung mit s e ch S M o n a t e n G e f ä n g n r S, einer feiner Arbeiter mit drei Monaten, einer mit zwei Moiiaicn bc- straft wurde. Diese Strafe ist eine austerordrutlich milde. lTchr richtig! bei den Soeialdcmokrnten.) Slllerdings gehen ja nnsrc illichtcr überhaupt von der Ansicht aus, datz Vergehen hochgestellter Pcrsön- lichkciten milder beurteilt werden' mütztcn. Gerade um- gelehrt meine ich mutzte die Strafe für Nohcitsvergehcn viel höher sein bei Personen, denen ihre hohe gesellschaftliche Stellung gewisse Rücksichten auferlegt. Für mich handelt es sich bei diesem Falle darimi. ob der Oberlicutcnaut in seinem MilitärvcrhältniS gc- blieben ist oder, wie ich glaube annehmen zu müssen, anL demselben entfernt ist. Enn andrer Borgang hat sich in Wittcicherg an der Elbe abgespielt. Tie Ranicn habe ich dem Herrn Kriegsminister privatim mitgeteilt. Die Vorgänge haben sich in der Zeit vom 11. bis 21. April ab- zespielt. Von zwei Reservisten wird mir mitgeteilt, datz insbesondre ein Lieutenant, dessen Name dein Kricgsministcr bekannt ist. tvicderholt seine Mannschaften mit den stärksten Echimpsworten rcgaliert habe. Ans die Wiedergabe der- selben verzichte ich. Weiter hat dieser Offizier einen Mann vor die Brust gestosten, so das; er gegen die OSmid fiel und mit zwei ueiteren Leuten hat er es ebenso gemacht. Olm Donnerstag, den 20. Olpril, hat bei einer Ucbnng auf dem Felde ein Offizier, dessen ?kame dem Kricgsminister ebenfalls bekannt ist. einen Mann mit den Worten:„Dn verfluchter Hund, ich drehe Dir das Gcnitk um," .im Halse genommen und heftig gclvnrgt. ES ist weiter dort üblich gewesen, das; die Mannschaften der älteren Jahrgänge gegen die füngcren sich fortgesetzt Züchtigungen erlaubten nnd zwnr bci den geringsten Veranlassungen und datz auch die Borgcictztcn davon iinterrichtet gewesen seien, ohne dnS geringste dagegen zu ihnn. Dieser Zustand scheint nach den Mitteilungen, die mir zugegangen sind, in der ganzen Armee verbreitet zn sein. Ich habe aiiS Otord- dcuischland, Ostdeutschland und ans dem fernsten Westen überall von solchen Miszhandltingcn der jüngeren durch die älteren Mannschaften nchort. Das spricht zum mindesten dafür, datz die Vorgesetzten nicht diejenige pflichtiuätzige Ansmerksamkcit, die sie ihren Untergebenen ntgcgeriznbringcn haben, beobachten. In einer Reihe von Fällen wird behauptet, das; die Ilnterosfizierc die älteren Mannschaften 'irckt mifhctztcn, damit sie die jüngeren, die sich irgend ctivnS zu Zchuldcir kommen lietzcn. bestraften. Ich mochte dem Kriegs- ninistcr raten, einmal diesen Vorgängen seine Aufnicrkfamkeit zn chcnlen. Ein weiterer Fall hat sich beim dritten Train-Bataillon in Spandau zngctragc». Dort hat ein Wachtmeister im Mai vorigen Jahres die gesamte Eompagnie nach 7 Uhr antreten lassen, ' i bio■r,'i Stunde» stramm stchc» lasse» und ihncu grotzc Reden gehalten. Er hat dabei auch stark mit Schimpftvortcn um sich ge» tvorfcu. Einem Soldaten sagte er:„ES wnudert mich, daß Sie sich noch nicht aufgehängt haben. Wenn Sie Eonrage Hütten, so hättet! Sie es längst gethan. Zeigen Sie, datz Sic Evnrage haben, hängci: Sic sich noch heute auf, dann sind sie morgen tot." Er soll sogar eine Bctvcgnng nach der Tasche gemacht haben, als ob er ihm das Geld für den Strick geben wollte.(Lachen rechts.) Ja, meine Herren, das merkwürdige ist nur, datz sich der Mann an dem- selben Abend wirklich aufgehängt hat. Ein Arzt mag ja untersuche», wie das pshchologisch zn erklären ist, aber wenn man an die fort- währenden Zurechtweisungen im denkbar unhöflichsten Tone denkt, so ist das nicht so unerklärlich. Die Untersnchnug, die gegen den Wachtmeister eröffnet ist. hat lein Resultat ergeben, weil alö Zeugen drei Offiziere vernommen worden sind. die von den' betreffenden Vorgängen keine Kenntnis gehabt haben. Von einem Manne Ramens Hnnold. der gegenwärtig Hohcnstanfcnstr. 1 hier beschäftigt ist, sind mir die Thatsachen mitgeteilt worden. Er nannte zum Beweise den Sergeanten Walter, Unteroffizier Richter, Lenz und andre. Ich erwarte, datz nunmehr die Untersuchung ans diese Personen ausgedehnt wird, dann wird sie jedenfalls eiii andres Resultat haben. AnS Metz berichteten die Zeitungen vor einiger Zeit, datz dort innerhalb H Tagen nicht weniger als 4 Selbstmorde vor- gekommen feien. Das wirft kein gntcS Licht auf die Zustände in der dortigen Garnison. Mir ist ein Fall ans Metz bekannt, wo ein Mann Anfang Februar vorigen Jahres infolge Ucberanstrcngung bei einer Schietzübung starb. Der Bruder des Verstorbenen schreibt: „An jenem Tage wurde nach der Schictzübnng der bcttcffcndc Soldat zum Gclvchrstrcckcn vorgenommen, das in solcher Weise vorgenommen wurde, datz er am nächsten Tage das Lazarett aufsuchen mutzte. Olls der Bruder ihn im Lazarett aufsuchte und fragte, waS ihm sehlc, konnte er nur die Worte„Grwehrstrcckcn" hervorbringen. Infolge der Urbcraustrcugnng starb er am nächsten Tage. Merkwürdig ist. datz der Bruder selbst der Ansicht ist. datz der Tod durch die lieber- anstrengung veranlaßt wurde, durch seinen Hauptmann aber vcr aulatzt wurde, seinem Vater zu schreiben, der Bruder wäre m einmal tot. er solle die Sache nicht weiter verfolgen. Der Haupt mann selbst schrieb an den Vater einen acht Seiten langen, eng gc schricbenen Brief, worin er sein Bedauern über den Fall ausspricht ausdrücklich aber erklärt, die Aussage seiucs Sohnes sei eine irrtüm- liche, die Aerztc hüttcu Bluibcrgiftimg koiistaiicrt. Er behauptete weiter. der Verstorbene sei im Dienst zwar etwas schwerfällig gewesen. aber eine Mitzhaudlung sei nicht vorgekommen. Der Fall ist dann an das Generalkommando gegangen und am 2l. Mai vorigen Jahres hat der Vater des Verstorbenen ein Schreiben von dem Generalkommando erhalten, in dem zugegeben wird, datz aller- dings eine gewisse vorschriftswidrige Behandlung seines Sohnes vorgekommen sei, auch sei festgestellt, datz es an der nötigen Aussicht gefehlt habe. Im übrigen bestehe aber ein Zu- sammcnhaiig zwischen der Mitzhaudlung und dem Tode seines Sohnes nicht. Der Sohn sei vielmehr an einer hochgradigen Lungen entzündung gestorben. Ich habe schon früher betont, datz die AnS sagen der Militärärzte in solchen Fällen manches zu wünschen übrig lassen. Es kann ja keinem Vorgesetzten angenehm sein, wenn konstatiert wird, das; in dem ihm untergebenen Truppenteil Mitz- Handlungen schwerer Art vorgekommen' sind, und eS scheint mir, das; ein großer Teil der Militärärzte da. Ivo dennoch solche Fälle vorgekommen sind, die Vorgänge möglichst günstig darzustellen sucht. ES ist mm hier sehr anffallcnd, datz man von einer hochgradigen Lungcnentznndung nicht vorher etwas gemerkt hat. das; der Mann mit aus den Schießplatz gegangen ist und erst am nächsten Tage gestorben ist. Jedenfalls ist der Vater, in dessen Auftrag ich die' Sache hier zur Sprache bringe, heute noch der Meinung, datz sein Sohn infolge der Misthandlungen gc storbcn ist. In einem Privatbrief ans B c r n b u r g vom 30. Januar werden mir ebenfalls Mitzhandlnngen von 4 Soldaten durch 3 Sergeanten mitgeteilt. Ter Briefschrcibcr wünscht nicht genannt zn iverdcn ich hoffe aber, das; die Erwähnung der Vorgänge die Hand- habe zur Einleitung einer Ilntcrsilchnug bieten ivird. ES wurden vier Mann zur zweiten Schießübung kommandiert; es scheinen in Bezug auf ihre Leistungen nicht die besten gcivcscn zu sein. AIS sie aus den Schießplatz tarnen, bemerkten Sie. datz zwei Sergeanten sich ans einem Strauch jeder einen Stock schnitten. Natürlich waren die Leute dadurch bereits in Erregung, weil sie wußten, was ihnen bevorstand. Ter erste, der schießt, schießt fehl. Darauf wird er von dem einen Sergeanten gehalten und die beiden andern schlagen mit ihren Stökte» auf ihn ein! Ebenso erging cS den andern. Es ist doch jedenfalls ein e i g e n r ü in- I i ch c S Erziehungsmittel, wenn man glaubt, eine größere Befähigung der Leute durch solche körperlichen Strafen erreichen zn können'. Infolge der Erregung konnten die Leute nntür- lich erst recht nicht schießen, sie waren i:: höchster Wut und hätten am liebsten die Sergeanten niedergeschlagen. Ganz ähnliche Zustände herrschen in der 0. und 10. Eompagnie dcS Infanterieregiments 1t in Thor n. Tort sind auch eine Reihe der schlimmsten körperlichen Mitzhandlnngen neben Schimpfereien der allerärgstcn Olrt vorgekommen. In einem Falle wurden die Mann- schaftcn durch ciiicn Unteroffizier genötigt, mitten in der Otacht anf- znstchei:, einen Appell vorzunehmen und bei dieser Gelegenheit stics; der Unteroffizier die Ztöpfc zwcier�Soldatcn an die eiserne Pcttstcllc.(Hört! hört! bei den Socialdemokratcn.) Auch in diesem Falle kann ich die Otainen nicht ncimen, hoffe aber, datz die Mitteilnng der Tbatsachcn genügen wird, um eine Nntcrsuchnng herbeizuführen. Tie Otamen' der'Unteroffiziere und Offiziere stehen deni Herrn Kricgsministcr zur Verfügung.' Ein ganz besonders schwerer Fall ist in Oschatz in Sachsen vorgekommen. Dort fand eine Schlägerei zwischen Civilistcn und Ulanen statt. Ein Ulan wurde schwer verwundet, konnte sich nur noch mit Mühe in die Kaserne schleppen und war am nächsten Tage nicht fähig, aufzustehen. Der Unteroffizier gerät darüber in große Aufregung, zerrt den halb ohnmächtigen Mann aus dem Bett und stöstt ihn so heftig, dast er zusammenbricht. Als zwei andre ihn aufheben wollen, droht er ihnen mit Fest- nähme, wenn sie ihn anrühren würden. Als der Unter- offizicr weg ist, tragen den Verletzten feine Kameraden wieder ins Bett. Ter Unteroffizier kommt wieder, zerrt den Mann wieder aus dem Bett heraus, gicstt ihm einen Eimer kalten Wasierö ans den Kopf und lätzt ihn auf dem Boden liegen, bis die Kameraden hinzukommen und den Mann ins Bett tragen. Der Mann soll an einer schweren Gehirn- und Rnckeninarlentzündung erkrankt 'ein. Was das Resultat dcrUntcrsnchung gewesen ist, ist mir nicht bekannt. Bei Gelegenheit der Beratungen des.Militäretats habe ich schon wiederholt Beschwerde geführt.' datz so viele Leute des aktiven Dienstes zn den verschiedenartigsten Verrichtungen verivcndet werden. Ich habe hier einen solchen Fall, wo ein Mann als Maler und Lackierer den weitaus größten Teil der Dienstzeit verbrachte. Ich habe die betreffenden Korrespondenzen eingesehen und mich über- zeugt, das; der Mann, um diese Dienste zu vollziehen, genötigt war, sich' für 7,35 M. Pinsel kommen zu lassen. Olm 13. Januar lintte er eine Stube zn weißen. Werkzeug wurde ihm natürlich nicht zur Verfügung gestellt. Er mutzte zwei Stühle neben einander stellen, ans die Lehnen ein Brett legen und in einer höchst unbequemen Stellung, den Kopf beständig nach hinten gebeugt, arbeiten. Er stürzte, trug eine schwere Verletzung davon und starb am nächste» Tage. Der Vater kommt zum Regiment, wo ihm der Oberst sein Beileid ans- spricht. Als min der Vater den Wunsch ausspricht, sein Sohn möchte in Rirdorf beerdigt werden und es möchten ihm die Kosten der Beerdigung sowie die Reisekosten ersetzt werden, erklärte sich der Oberst damit einverstanden. Schließlich aber kam cS zwischen dem Oberst und dem Mann zu Differenzen, als nämlich der Mann noch 20,21 M. forderte, die ihm das Regiment nicht zahlen wollte. Daß der Mann mit seinen Forderungen nicht unverschämt war, geht daraus hervor, datz er nur Reisekosten 1. Klasse beanspruchte. Meines Er- achtens wäre es nur recht und billig gewesen, datz nach der ganzen Olrt des Vorgangs das Regiment' alle Kosten voll getragen hätte. In der Kommission wurde mir erwidert, der Mann habe nicht nach den Vorschriften gehandelt. In der ganzen Korrespondenz ist aber von Vorschriften gar keine Rede. Allerdings hat der Mann dem Oberst gegenüber eine Aeutzerung gethan, die dieser als Beleidigung aufgefatzt hat. Nach der Lage, i» der sich der Mann befunden hat. wird man eine unbedachte Oleutzernng ent- chuldigen können. Ich hoffe daher, datz der Herr Kricgsminister dafür sorgen wird, daß die Klage, die der Oberst angestrengt hat, zurückgenommen wird. Ich habe schon angeführt, es kommt in erheblichem Matze vor, datz Maimschaftcn des' aktiven Dienstes für die verschiedenartigsten Arbeiten verwendet werden, als Schneider, Schuhmacher, Maurer, Gärtner, Maler usw. Die Leute werden von ihren Lorgesetzten ausgenutzt und wenn dann ein Unglücksfall vorkommt, übernimmt niemand die Verantwortung. Die Militärverwaltung cillärt: Das ist bedauerlich, aber aufzukommen haben wir dafür nicht. Nach meiner Auffassung ist eine solche Ansnntzung überhaupt nicht zulässig, und die Militärverwaltung müßte deshalb darauf hinwirken, daß eine solche Ausnutzung überhaupt unterbleibt. Sehr richtig! links.) Ein andrer Fall. Es handelt sich um den Sohn eines Schnhivarenhändlcrs in Hamburg, der im Infanterie- Regiment Nr. 70 diente. Der Mann ist von seinen Kameraden in schivcrftcr Weise mißhandelt worden. Fünf Mann fielen über ihn her, warfen ihn auf den Fußboden und mißhandelten ihn in brutalen Weise, weil dieser Mann Gärtner war, die Vorgesetzten ihn alck Gärtner in Anspruch nahmen und deshalb die übrigen Mannschaften die Bcrrichiniigen übernehmen mutzten, die ihm eigentlich zukamen. Die Verantwortnng in diesem Fall trifft also allein die Militär« Verwaltung.'"< Im Juni vor. IS. wurden bei einer Hnndc- AuSstellnng in R o st o ck nicht weniger als 30 Soldaten unter dem Kommando eines Sergeanten abkommandiert. nni Wärterdienste in der Hunde- Ausstellung auszuüben.(Hört! hört! links) Ja, Ivenn Soldaten zu solchen Sachen zur Verfügung stehen, dann ist auch unsrck 2 jährige Dienstzeit noch viel zu lang, dann genügt eine viel titocre Zeit,»in die Maimschaftcn vollständig auszubilden. Ein erheb« lichcr Prozentsatz der Mannschasteu wird zu �allerhand Bc« schäftigimgeii in Änspnich genommen, und die Betreffenden erlangen doch die Änsbildimg, die sie als Soldat notwendig haben. Es wird weiter gemeldet. datz in G ö t t i n g c n auf einem Sänger- bnndesfest eine Anzahl Soldaten als Kellner verlvendctt worden find.(Hört! hört! links.) Die engagierten Kellnev glaubten die Gelegenheit ausnutzen zn können. Sie erklärten, wenn ihr Wirte unsre Forderungen nichterfüllt, streiken wir. Die Wirte erfüllen die Forderungen nicht, sondern wenden sich an die L'tilitärvcnvalrnng, und der Oberst bat die Freundlichkeit, eine An- zahl Soldaten zn kommandieren, damit diese die streitenden.Kellner vertreten.(Hört! hört! links.) DaS ist ein Mißbrauch, der immer wieder zur Sprache gebracht werden mutz.(Sehr richtig! links.) Wenn die Militärverwaltung die Soldaten zn solchen Zwecken vcr« wenden kann, ist eben die Dienstzeit zu lang, ei» Schluß, dcit übrigens auch ein Rcgimentskonimandeur in Köln a. Rh. gezogen yat. Olks man von ihm verlangte, cS möchten eine größere Anzahl feiner Mannschaften für landivirtschnstliche Zwecke zur Verfügung gestellt werden, lehnte er dies ab und meinte, sonst kämen die Social- dcmokraten. brächten den Fall im Reichstag vor und sagten, die Dienstzeit sei zu lang. Ter Mann hat ganz recht.(Sehr richtig! links.) In der Kommisston ist auch das D u e l l-w e s e n wieder Gegen« stand der Erörterung gewesen. Am 21. Olpril 1800 hat der Reichs- tag nach einer mehrtägigen Verhandlung über das Duell eine Resolution gefaßt, in der die verbündeten Regierungen ersucht werden, mit allen zn Gebote stehenden Mitteln dem Duellwesen mit Entschicdcnhcit entgegenzutreten. Wir haben cS bis heute noch nicht gehört, was die verbündeten Oiegierungen darauf beschlossen haben. Jedenfalls haben sie nichts beschlossen,(sehr richtig! links.) Es ist dann am 1. Fanuar 1897 eine Kabincttöordrc des obersten Kriegsherrn erschienen, die mit den Worten beginnt:„Ich will, da s; den Zweikämpfen meiner Offiziere mehr als bisher vorgebeugt wird." Nach dem Strafgesetz ist Duell ein Vergehen. Der oberste Kriegsherr ist nach meiner Oluffaffnng in erster Linie verpflichtet, das Strafgesetz zn beachten. Wenn mm eine Berordiilmg crlasicii ivird, die mit den Worten beginnt, ich will den Zweikampf meiner Offiziere mehr als bisher vorbeugen, so finde ich in dieser Verordnung und dem Gesetz einen starten Wider- f p r ii ch. und der Reichstag hätte im Interesse seiner Würde, seines Ansehens schon längst Ursache gehabt, zu fragen, ivie denn dieser Widerspruch ans die' Dauer aufrecht erhalten werden kann. Es geht doch nicht an, datz ans der einen Seite das Duell mit so und so viel Jahren Festmig bestraft wird und das; man andrerseits erklärt. daS Duell lätzt sich nicht entbehren. CS wird in der Bcr- ordiinng nmsrändlich davon geredet, das;, soweit die Standessitte es irgrndivic zulasse, aus ein Duell nickit einzugehen sei. Wenn aber ein andrer Weg der Vcrftändignng nicht möglich ist, ist daS Duell eine Pflicht,' trotzdem das Gesetz das Duell verbietet. Da mm das Ducllwcsen jedes Jahr eine Reihe von Opfern st'rderl. die eine allgemeine Olnfregimg hervornifen. hat der Reichstag immer wieder Ursache, sich mit dieser Frage zn beschäftigen. Man spricht von Standes- und Ehrgefühl der Offiziere. Anschauungen, die mit der bürgerlichen Moral in Widerspruch stehen. Ist denn eine derartige Absondcrnng eines bestimmten Standes und die kirnst- liche AufrVchterhaltung von künstlichen Ehrbegriffen nötig, um dem Stand dasst'nige Ansehen zu geben, welches er haben soll, und um ihm die Fähigkeiten beizulegen, die er ausüben soll? Ja, wenn das der Fall wärci wie erklären wir uns dann die Thaffache, datz nnsrc Offizitröwckt- in Heller Begeisterung für die Bocrcn- offizicre ciugcnominen i't, die doch solche Ehrbegriffe gar nicht kennen? Wollten Sie(nnch rechts) einem Boeren- Offizier �mit solchen Dinoen kommen, die würden Sie schön auslachen,(�ehr richtig! bei" den Socialdcmotrcrlen.) Dabei haben sich die Boeren- Offiziere mit einer Geschicklichkeit.»nd Bravonr benommen, die all- gcmcin Bcwlindermig bei den fostländischen Armeen erregt yat. Und weder in der englischen noch.in der schweizerischen Armee hat man so eigentümliche Ehrbegriffe aufrecht erhalten, wie in der deutschen. Bei dieser eigenartigen Auffassung cnt- scheidet schließlich die äußere Form üb« den Kern der Sache. Im vorigen Frühjahr hat allgemeines Anflehen ein Duell in Koblenz am Rhein erregt. Olm Ostermontag waren.0> Gütz bei Koblenz der Student und Vicefeldlvebcl-Aspiranl Klövekorw und der Lieutenant Döring des 08. Infanterie- Regiment bei einem öffentlichen Tanz- vergnügen. Döring hatte mit demselben Mädchen gefanzt wie Klöv ekoni, nnd sagte dem Biädchen, eS solle mir dem dnmm'FN Jimgen, dem Klvbckorn nickit mehr tanzen. DaS Mädchen teilte dem-Klövekvrn die Oleutzernng mit. Die beiden Herren werden gegen eiiiä.ndee thätlich und der Schluß ist eine Forderung ans Pistolen„bis zu'tL.Kanips- mifähigkcit". Die Sekundanten des Klövclorn erklärten, nach dem studentischen Eommcnt sei das Duell nach dem dritten Kugelwechicl einzustellen, der Unparteiische war dagegen. DaS Ende davon war, datz Klövekorn beim fünften Schutz tödlich getroffen wurde. Das ist nacki meinen Begriffen im höchsten Grade skandalös.(Lebhafte Zustimiinmg links.) DaS merkwürdigste an diesem Vorgange ist, datz das Generalkommando des VIII. OlrmcecorpS eine öffentliche Er- tlärung abgab, nach einer so schweren Beleidigung habe eins Forderung'unter andren Bedingungen nicht stattfinden können. iHört I hört! links.) WaS ist aber daS Endresultat? Der Lieutenant wurde mit e Jahren Festung bestraft, nnd nachdem er 6 Monate gesessen hat, ist er begnadigt worden. Festung ist überhaupt keine Haft im strengen Sinne. Der Begnadigte ist nun wieder ein vollkommener Ehrenmann, er' trägt ruhig die Uniform, obwohl die erste Handlungs« weise, die zum Duell geführt hat, allein genügt hätte, um den Mann aus dem Militär ausznschlietzen.(Sehr richtig! links), Wenn einer unsrer Parteiführer sich AehnlicheS zu Schulden kommen Uetze, flöge er morgen ans seiner Stellung heraus. Wir Haben im Laufe des letzten Jahres eine ganze Reihe von Duellen erlebt; ste sind mir nicht immer an die Oeffcntlichkeit getreten.' So zwischen einem Prinzen von.Siam nnd einem Fähnrich eines Potsdamer Regiments, wo beim sünften Gange der eine Duellant einen heftigen Säbelhieb auf den Kopf bekam.' Dann hat ein Duell stattgeftnidc» am ersten Feiertag, dem höchste» Feiertage der Ehriftenhcit iHört! hört! UntS) im Osten, zwischen einem Major und einem Lieutenant. Der Major hat die Frau des Lieutenants verführt. Im Duell wird der unschuldige Lieutenant zu Tode geschossen. Es ist ein Herr v. Thilo ans der Provinz Sachsen. Ter Major hat seine Ehre wieder hergestellt, obwohl seine Ehre gar nicht verletzt war, sondern die des Lieutenants. In München wurde am 28. Dezember ein Lieutenant begraben, der im Duell gefallen war. Der protestantische Pfarrer drückte in der Grabrede den Wunsch anS, die Thntsache möchte beseitigt werden, daß die Angehörigen eines bevorzugten und hoch geachteten Standes dem Zwange unterworfen. sind, durch den Zweikampf eine Entscheidung' herbeizuführen. Kaum hat der Pfarrer diese Rede gehalten, da tritt der Major des Regiments ans nni» Ijütt auch eine Siebe. Er dankt bcm Totcn dafür, daß er sein Leben zinn Opfer gebracht hat:„Das Regiment dankt Dir dafür, n»d in diesem Bewußtsein magst Du ruhig' schlafen!" lHört! hört! links.) Wenn sich ein ähnlicher Vorgang am Grabe eines Social- demokraten abgespielt hätte, es wäre zweifellos Anklage ans Grund des§ 167 des Strafgesetzbuchs erhoben.(Sehr richtig! links.) Der Offizier soll mit einem einfachen Verweise davongekommen sein. Freilich, wir reden hier über das, was außerhalb des Hauses passiert. Dabei wird hier im Hanse ebenfalls ein derartiger Komment gehandhabt(Heiterkeit), daß ein Kollege den andren gefordert haben soll, und daß es ziemliche Mühe gekostet hat, den einen jungen schneidigen Herrn von der Forderung zurückzubringen. Auch angesichts dieser Zustände hätten ivir alle Ursache, nnS wieder einmal mit der Duellfrage zu beschäftigen. Entweder hat der Sieichstag seinen ganzen Einfluß auf zubieten, um dem Dnellnnfiig ein Ende zu bereiten, oder tvir wollen die Paragraphen des Strafgesetzbuchs, die das Duell mit Strafe belegen, aufheben. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Herren, die damals in so energischer Weise für die Resolution eingetreten sind, sich äußern wollten, ivas sie fernerhin thuii wollen. Ich habe in der Sitzung vom 2. März v. I. Bezug genommen anf die bekannten Preßänßernngen, wonach eine größere Änz'ahl aktiver Offiziere in dem Klub der Harmlose» gewesen sind. Ich finde überhaupt, daß die Anordnung«» dcs obersten Kriegsherrn seitens eines Teiles der Ossiziere nngrhcner wenig beachtet werden. Es sind wiederholt Verordnungen über den Luxus gegeben worden. der Luxus geht ruhig weiter, die Spielwnt geht weiter desgleichen die kostspieligen Liebesessen und so weiter. Es »ersteht sich ganz von selbst, wenn gar mancher in der Ver- ziveiflnug darauf verfällt, zur Erlangung des Geldes, das er anderweit nicht auftreiben kann, schließlich den Spielteufel zu versuchen, ob der ihn» günstig sei. Als ich damals die Vorgänge hier erlvähnte, erklärte der Herr Kriegsminister:„soweit meine Kenntnis reicht, sind aktive Offiziere' hierbei überhaupt nicht beteiligt," und Herr von Thielniann erwähnte.„soweit ich ans dein Zeitungsklntsch ersehen kann, sind Offiziere dabei in geringer Zahl beteiligt, aktive Offiziere, wie ich von meinem Rachbar höre, gar nicht." lHört! hört! bei Soeialdemokraten.) Mittler- weile hat ja min der bekannte Harmlosenprozeß stattgefunden. Ein Sittenbild von nnsrer Zeiten Schande ist zu Tage gekommen, wie man es sich gar nicht schöner vorstellen kann. Angehörige der höchsten Kreise. Glieder des alten Adels, nicht allein in einzelnen Exemplaren, in Dutzenden und Hunderten sind in die Sache verivickelt. Sitten und Gewohnheiten komnien zu Tage, die, wenn sie in andern Klassen hervorgetreten wären, längst zu einem Ausnahmegesetz geführt hätten. (Sehr richtig! bei den Soeialdemokraten.) Der eine Fall Heinze hat die lex Heinze erzeugt, mit der wir uns seit 10 Jahren quälen. Hier aber, wo die Dinge dntzeiid- und hundertweise vorkonime», ist uan bemüht, den Mantel christlicher Liebe darüber zu decken, und die Vorgänge zu vertuschen.(Sehr richtig! bei den Soeialdemokraten.) Da erfahren mir. wie die Herren in einer einzigen Nacht Summen verspielen, von denen Dutzende von Arbeiterfamilien daö ganze Jahr zu lebe» vermöchten, und für die sie das ganze Jahr schwer arbeiten müssen. Wir erfahren, daß man käufliche Weiber wie Handschuhe wechselt, daß man sirti per Postkarte mitteilt, wie man die„Schicksel" mit einander rauscht. (Heiterkeit.) Ungeheure Schulden des leichtfertigen Sohnes müssen die Eltern um jeden Preis tragen, damit nur der Sobn in der kninnrerlich erworbenen Stellung bleiben kann. Die armen Schwestern müssen zn Hanse darben und sind oftmals gezwungen, mit ihrer Hände Arbeit die Kleidungsstücke zu verdienen, weil der Familienbesitz ihnen nicht gestattet, sich die standesgemäße Kleidung zu beschaffen.(Sehr wahr! b. d. Soe.) Das sind die Zustände in einer ganzen Reihe vornehmer, angesehener Familien, jener Familien, die nach einem gewissen, bekannten Wort die Elite der Nation darstellen. (Zuruf bei den Soeialdemokraten.) Natürlich, die Träger von Religion, Sitte und Anstand! Dieselben Leute, die dort an den Pranger gestellt werden wegen Handlungen, worüber die ganze Oeffentlichkeit empört ist, die hernach als Staatsanwälte, als Richter, als Polizeipräsidenten, als Regierungspräsidenten, womöglich zuletzt als Minister dann hier vor uns hintreten und gegen die Sitte, Ordnnno und Religion störende Socialdcmotratic schöne Reden halr� (Sehr wahr! bei den Soeialdemokraten) oder die sich drüivez nlI Abgeordnetenhause hinstellen und die$0cifllfecniftr'atcl, mit Brandstiftern vergleichen(Sehr wahr! bei den Soqhipcnie- kraten)— dieselben Kreise sind es, die durch den Hnrmsis,,»�,�. in gebührender Weise gebrandmarkt sind.(Bravo! bei jcn(gpCiai, demokraten.) Einer der Augeklagten, von Kaytz� verhöhnt den Polizeibeamten von Mauteuffel, er möge'cjJt voizüg, licher Kriminalist für Bauernfänger sein, j„ vornehmen Kreisen, wo er. Kahser. verkehxa- sei er nicht heimisch. Dabei der Umgang dieser vornehmen iZpielcrircisc mir einem Kornblum, mit einem Znchthjuoler Wolf? Das sind die Leute, die dem AntisemwsniuS büßten. Von einem Oberkellner niüffen sie sich sagen lassen:„llkS giebt kaum einen Kavalier, der nicht schon Schuldner eines Kellsxxg gewesen wäre!"(Hört! hört! links.) Graf Günter von Koggsmarck erklärt, er sei beim Polizei- direktor gewe,en mit dem Ers,�,, die betreffenden Artikel des„Verl. Tageblatt" zu verhindern, H dadurch mehr als 200 Offiziere und Kavaliere und die ganze tzmiehnie Welt von Berlin in Nlitleidrn- fchaft gezogen ivürden.(Hbrt! hört! links.) Da kann man nicht mehr von einer Aißsiginne- Erscheinung sprechen. lind verformieren.— Herr Bebel meinte, er müsse hier stets solche Fälle vorbringen, weil über die Vorgänze in der Armee ein geheimnis- voller Schleier liege. Das ist nicht der Fall. Wir sind jederzeit bereit, alles zu erklären, was in der Armee geschieht) daß Mängel in einer so großen Organisation vorhanden sind, kann niemand wundern, das liegt an der großen Zahl von Menschen, an den ver- schiedenen Temperamenten und Leidenschaften. Aus diesem Gnmde werden immer einzelne Fälle vorhanden sein, gegen die wir ein- schreiten müssen, und ich glaube, daß die Verhandlungen, die hier jedes Jahr stattgefunden haben, daS hohe Haus davon überzeugt haben werden, daß mit größter Strenge in solchen Fällen seitens der Militärverwaltung eingeschritten wird.— Herr Bebel ist wieder anf den Fall K r i e s e in M a r i e n b u r g zurückgekommen. Der Fall liegt folgendermaßen. Soeialdemokratische Agitatoren, zu denen auch Kriese gehörte, tvaren anf das Land gegangen, um dort Flugblätter zu verbreiten, waren aber von den Bauern aus dem Dorfe hinausgeworfen, wobei eS auch zu Mißhandlungen gc- kommen war. Einer der Flugblattverteiler hatte daraufhin geklagt und Kriese wurde als Zeuge vor daS Schöffengericht in Marienburg vorgeladen. Er diente als Gefreiter in Danzig und wurde von der Militärbehörde beurlaubt. Es ist vollständig richtig, daß er die Antwort auf die Frage, ob er Soeialdemokrat sei, gegeben hat. nachdem er vereidigt worden ivnr. Tie Sache wäre nicht weiter verfolgt worden, wenn nicht in der soeialdemokratische» Königsberger Zeitung, der„Volkstribüne", darauf aufmerksam gemacht worden wäre. Der kommandierende General bat daraufhin, wie das in der Natur der Sache liegt, seinen j u r i st i s ch e n Beirat gefragt und dieser bat ihn dahin beraten, daß nnzwcifclhaft eine Verletzung des Verbots vorliegt, das den Soldaten social- demokratische Kundgebungen untersagt.(Zinse links: Unerhört!) Es kann nicht davon die Rede sein, daß der Mann hätte einen Meineid leisten sollen. sondern es handelt sich darum, ob der be- treffende Zeuge berechtigt war, ve Antwort anf diese Frage abzn- lehnen. In der Tbat hat jeder Z ge das Recht, die Antwort anf eine Frage abzulehnen, wenn eine strafrechtliche Verfolgung gegen ihn die Folge dieser Antwort wäre. Ter Mann hätte seiner Instruktion gemäß gehandelt, wenn er die Beantwortung der Frage abgelehnt hätte. iLnchen bei den Soeialdemokraten.) Der Richter hätte sich dann höchstens an die Militärbehörde mit der Mitteilung tvenden können, daß der Zeuge die Antwort verweigert habe. Daß dann die Militär- bebörde den Soldaten recht gegeben hätte, da er nur seiner Instruktion gemäß bandelte, unterliegt für mich keinem Zweifel. Ich für meine Person stimme dem Verhalten des kommandierenden Generals d n r ch a n s bei.— Was den Fall anlangt, der vor dem Landgericht in Halle verhandelt ist, so ist vorläufig gegen das Urteil dieses Gerichts Berufung eingelegt und tvir können gegen den betreffenden Offizier nicht eher ehrengerichtlich vorgehen, ehe das endgültige Urteil des Eivilgerickits vorliegt. Daß ehrengerichtlich gegen den Betreffenden vorgegangen werden wird. ninerlieat keinem Zweifel.— Daß der Fall mir den Offizieren, die sich in Wittenberg vergangen haben, so liegt, nie Herr Bebel cS dargestellr hat. bezweifle ich. Ich niöchi" d'c Namen nicht nennen, weil ich hoffe, daß die Untersuchung für sie günstiger ans- laufen wird. Wenn Herr Bebel daraus geschlossen hat. daß in der Armee Mißhandlungen der jüngeren Mamu'chaflen durch bi£aY(£'vcnl üblich seien, w lehne ich ab, dieser Behauvtnng näher 7,', 11 treten, bis'J mir Beweise für sie beigebracht werden, lieber de» All des Train-' Wachtmeisters in Spandau bin ich nicht orieutu�' die Darstellung lichst zu erhöhen. Damit glauben tvir zur Charakterstärkung der» selben am meisten beitragen zu können. Den Eindruck, daß es in der Armee Uebermenschen giebt, habe ich nie gehabt.— Ich muß schließlich bedauern, daß die Länge der Rede des Herrn Bebel mit ihrem Inhalt in so schlechtem Verhältnis stand.(Bravo! rechts.) Sächsischer Bnndesbevollmächtigter Krug zu Nidda: Herr Bebel hat einen Fall von Soldatenmißhandlnng auZ Oschatz in Sachsen angeführt. Ich bin nicht in der Lage gewesen, mir in der kurzen Zeit das Material zu verschaffen und werde später darauf zurückkommen. Abg. Grastmauu(natl.) tritt der Ansicht deS Kriegsministers im Fall Kriese entgegen. Del Mann ist zu Unrecht bestraft worden, er mußte unter seinem Eid die Wahrheit sagen. So sehr wir sonst mit dem Kriegsminister und seiner Stellmig zur Soeialdemokratie einig sind, so sehr muß ich in diesem Falle das Verfahren der Militärbehörde verurteile«. Abg. Gröber(C.): Ich kann nur wiederholen, was ich schon im vorigen Jahre ge» sagt habe: der Reservist Kriese ist zu unrecht bestraft worden. Eine Verweigerung der Aussage Iväre absolut unznläsfig gewesen und Kriese hätte vom Richter ohne weiteres dafür bestraft werden können. Der Herr Kriegsminister hat hier erzählt, das Generalkommando habe erst ein juristisches Gutachten ein- geholt. Er möge es mir nicht übel nehmen, dieses juristische Gutachten ist durchaus unrichtig.(Sehr richtig! im Centruin und links.) Z 54 der Reichs-Strafprozeß-Ord- nnng. der eine Verweigerung der Aussage zuläßt, giebt diese Mög- lichk'eit nur bei der Voraussicht strafgerichtlicher Verfolgung, nicht bei der Möglichkeit diseiplinäre» Einschreitens. So äußern sich alle Kommentatoren, ich nenne nur Stenglein, so lautet auch ein Reichs- gerichts-Erkenntnis, das ich angenblicklicki nicht zur Hand habe. Nach dem ganzen Wortlaut aber des Z 54 konnte er in diesem Falle keine Anwendung finden. Denn er bezieht sich nur auf die etwa früher begangenen Strafthaten. deren Bekanntgabe eine Verfolgung nach sich ziehen könnte. Hier handelt es sich aber um eine Aussage, die, wenn sie der Zeuge machte, erst den That- bestand des diseiplinäreu Vergehens erfüllte. Ich bleibe also bei dem. was ich im vorigen Jahre gesagt habe. Ich Muisfjstt andrer Meimmg geworden. Aber der Kriegsmiilist� � Meinung geworden.(Sehr richtig! im Centr' V j;> Der H�r Kriegsmiiiister sagte dmuals: Wenn b£ Soldat schon den Eid gele.Itet hatte hatte ,e».e Bestrafun;;;d t erfolgen dürfen. Damals hat das natürliche gute- durch einen NNtzst, scheu Beirat ange rnnkelte �m.siude,. deö Herrn KriegS- ministerS geiproche»(Gr� Heiterkeit), und ich kann den Minister beute nur � diesen, guten. natürlichen, genmoen Standpunkt Üüm Jahre festzuhalten und sich 1 11 lurlstlichc Spinfiitdigkriteu nicht beirren zn lassen. (Bravo! im 6e,;tntm »mit ,ebr beb�(t(,jtd nbct deshalb----- links.) Die Sache selbst ist ja an sich principicll ist sie äußerst wichtig und (Beifall.) r chlsertigt sich ihre ausführliche Besprechung. Kriegsminister v. Goßlcr: aitzundung /er Gewehrübiinq sieben dieie beiden enteil eine wickelt sind darij xm Prinz von T h n r n u n d Taxis, der 5�. b p x i n z von K o b u r g, ein Graf K ö n i g s m a r ck ein Egloffstein, ein Graf von R e u e it 1 1 o m ein von K r ö ch e r, von K n s s er o w und so fort, Angehörige der ältesten Adelsfamilien in Preußen. Verbinden., tzir hiermit, was ivir im Leckert-Lützow-, im Tauich- ProZeh stn hannoverschen Spielerprozeß, in all den Wncherprozessen tzchtzk haben. Ja, wenn ich Minister des hentigen Staates .Kfte und nur in w eiligen Jahren eine solcbe Fülle von Skandal- Prozessen vorkämen, die die Spitzen der Gesellschaft brandmarken, dann würde ich mich sehr ernsthaft fragen, ob ich es nicht mit einer durch imd durch verfanlten Gesellschaft zu thnn habe, und ob es nicht notwendig ist, diese eiternde Wunve mit Feuer anszu- brennen. Begreiflich sind ja die Vorgänge, llnsre Offiziere, die doch dem gebildeten Stand angehören und gewisse geistige Bediirfiiiffe haben, können sich ganz unmöglich befriedigt fühlen von dem eintönigen Kasernend, eilst. Etlvas Entsetzlicheres kann ich mir gar nicht denken sür einen gebildeten Mensche», lvie diese Thätigkeit, die zu drei Vierteln für den eigentlichen Kriegszweck überflüssig ist. Dazu kommt auf der andern Seite die tatal falsche Erziehung in den Kadettenhänsern, wo die Leute mit spartanischer Einfachheit er- zogen werden. Sie kommen dann als die reinen Asketen, ivesentlich «ach der äußern Erziehung in das öffentliche Leben. Was ist natür- licher, als daß die jungen Leute über die Stränge schlage», daß sie sich bei andrer Erziehung auf solche Dinge nicht ein- gelassen hätte»? Ein dritter Fehler ist das künstliche Emporheben des Standes über alle übrigen Stände. Die Herren betrachten sich gewissermaßen als die Herr«» der Welt, sie sind die Führer der Nation, die Nietzeschen Uebermenschen. Alles das zusaninien erzeugt dieses Nebel. Daß der junge Mann, der in diesen Stand ein- tritt, iinii auch denieiitsprechend leben will, erklärt sich ganz von selber. Das ist aber auf der andern Seite ein Beweis, daß der ganze Zustand unhaltbar ist. Wir haben keinen Einfluß darauf, in welcher Weise Sie Ihr System gesund»lachen ivollen; aber wir haben ein großes Interesse daran, der Welt zn zeigen, wie die Dinge liegen, und das glaube ich heute wieder einmal gethan zu haben.(Lebhafter Beifall bei den Soeialdemokraten.) Preußischer Kriegsminister v. Goßlcr: Ich hatte eigentlich gehofft, der Abg. Bebel würde heute seine Etats rede über die Mißhaiidlnngeii nicht halten. Ich habe mich aber leider darin getäuscht. Herr Bebel hat mir zwar das Material zu- gestellt, aber erst so spat, daß cS mir nicht in vollem klmfange möglich geweseu ist, mich über die einzelne» Fälle zn in- !...................................____ �elde» ober ni tenicm Zinam�,,��. Der betreffende llntero'fizier ist b c- n r a r t mmvc', tveil er Eewebrübim um bal vornehmen lassen, wa liren o ��jr ßüb im gen angeoi diiel waren, und weil der Betreffende Tag zu spät in das Lazarett gekoinmeii ist. Daß aber Mißbandlinig vorgekonmieii ist, ist ans den Alten liebt zn ersehen.— Herr Abg. Bebel bat dann noch eine Reihe ähnlicher Fälle angeführt, olme näbercs Detail mizngeben. Wenn er mir solches zustellt, bin ickl bereit, die Iliiternidmng vor- nebmeii zn lassen. Daß die Selbstmorde siib in der Armee kort- wäbrend vermiildert baben, ist eine feststellende That'acbe. Es ist weiter ein Fall erwähnt, wobei ein Soldat beim Weißen einer Kaserne verunglückt ist. Die Answeißunq der Kaserne» findet alle drei Jahre durw die M a n n s ch äf t e n,'oweit dies möglich ist, statt. Der Mann ist vom Gerüst gefallen. Ein besonderes Vcrsckuldcii ist niema d beizimiesfen. Dem Vater sind die Kasten sür einen Zinksorg nud den Transport der Leiche naw Berlin bewilligt, eine Summe von ea. 30 M.. die der Vater mehr verlangte, hat ihm vom Regimenr nicht bewilligt werden könncii.— Daß in Rostock Soldote» als Wärter bei der Hniidc- AaSstellling verwendet worden sein sollen, kann ieb niibt aiinebiiieii. Tas wäre voll- konimcu reglelnrntswidrig. Falls cs wahr ist, wird eingeschritten werden.— Herr Bebel bai dami von den Tnelleii gesproclieii mid behauptet. sie sländeii in Widerspnicb mir der bekannieii Kabinettsordre. Tyat- sacke ist, daß die Bestimmuiigen gegen die Duelle wesentlich strenger geworden sind und die Duelle infolgedessen bedeutend ab- geiionuiien haben. Im Jahre 1360 sind nur 4 Duelle ziviscke» aktiven Offizieren vorgekomiiicu, an dcnen 7 dcntsckc und ein auswärtiger Offizier beteiligt waren. Diese geringe Zahl von Fällen beweist dock.' doß die allerhöchste Kabinetts- ordre durchaus befolgt wird. Wenn Herr Bebel de» Lffizicren Ehrgefühl absprickt. so zeigt das mir seine vollständige Ilnfemmiis militärischer Verhältnisse. Er verwies anf die Boeren-Offizicre Nun. ick möchte ihm nickt raten, einen Boereu-Osfizier zu ohrfeigen(Sehr gul! reckts). dieser würde sofort den Revolver nehmen und ihn niedersckießen. Gerade lim zn ver- meiden, daß solche Konflikte nicht sofort durch Totschlag oder Mord erledigt werden, ifl die Jnstitutioil des Duells entstaiideii. Sie sollen eine mildere Form der sonst auf der Stelle geübte» Rache sein. Ans das Duell Klövelom gegen Döring vrauche ich nickt näber einzngehen. Ick kenne keine schimpflichere Beleidigniig, als wenn ein Offizier geohrfeigt wird, nnd ich weiß nicht, lvie innii anders ans einer derartigen Siiiiation hcransloinmen soll, als wenn man sein Leben einsetzl für feine Ehre.— In dem eine» Fall eines.Duells" handelt eS sich um einen Streit zwischen zwei Fähnrichen, der mit Schlägern erledigt ist.(Heiterkeit rechts.) — Em Beweis dafür, daß die Begriffe in der Armee über die Ehre nicht die richtige» seien, ist von Herrn Bebel nicht geliefert. Wenn Herr Bebel sein Buch„Die Frau imd der Soeialismus" liest, wird er sich überzeugen, daß er von der Ehe gar nichts bält.(Rnfe bei den Soeialdeniolraten: au! an!) Nach ihm ist die Ehe das größte Unrecht, das ei» Mensch begeben kann. Was mm die Beerdigung in München anlangt, so ist der betreffende Offizier von dem Gedanken ausgegangen, daß inaii als Geistlicher einem Tote» keineii Vorwurf macht, sondern vergißt, ivas er im Leben begangen hat. Wenn der Offizier dabei über die Grenze hinansgegaiigcn ist, so wird das berücksichtigt werden.— Herr Bebel ist daiiii wieder ans den sog. H a r m I o s e n- P r o z e ß zu sprechen gekonunen und hat darauf verivieseu, daß doch aktive Offiziere in die Angelegenheit verivickelt ivärcn, obgleich ich daS gelengncl hätte. Ich pflege aber nicht anzuklagen, che ick die Thatsachen kenne, und Namen zu nennen, wenn ich die Vorwürfe nicht begründen kaim. Es ist dnickaiis nickt der Fall, daß wir diese Augelegenheit nach Möglichkeit haben vertilscheii wollen. In diesen« Prozeß ist mit ganz besonderer Schärfe vorgegangen worden, wir bielten cS gerade für »ölig, um in dieser Beziclinng endlich eiunlal Wandel zu schaffen, die Betresicildc» an den Pranger zu stellen. Schließlich stellen doch aber die Vorgänge des.Harinlosen-PcozeffeS nur Ansnahmen dar. Daß die vornehme Welt von Berlin überhaupt durch dicscil Prozeß gekeiuizcichnct sein soll, kann ich nickt auerkeinieii, cs sind ii»r einzelne Elemente, die durch solche Prozesse auSgesckicden werden.— Herr Bebel schätzt die geistige Thätigkeit der Offiziere sehr gering ein. DaS liegt nur daran, daß er die Dienstverhältinffe nickt kennt. Wir sind darauf ans, die Bildung der Offiziere mög- Ich bin dnrchans bereit, den geslinden Mellschellverstand auch iveiter sprechen zu lassen. Ich tvcrdc in Zukunft solche Tinge dein obersten ReichS-Militärgerichtshof zur Entscheidmig vo-'.cgen, den wir mit der nelieil Militär-Strafprozeß-Ordnniig bekomnien. Nur eins möchte ick noch sagen: Ich glniibc, der Richter bättc die Frage gar nicht stellen dürfen. Die politische Gc- sinunng ging ihn tzicr nichts an. Abg. Gröber(E.): Gegen die letzte Aeiißening muß ick den Richter im allgeiueinen in Sckntz nehmen. Es kann nicht nur seilt Recht, sondern geradezu seine Pflicht jeiii, die Frage nack der P a r t e i st e l l n n g eines Zeugen zn stellen. Wenn sich zivei Parteien gegenüberstehen, muß ber Rickter wissen, ob der Zeuge zur einen oder andern gehört. lim die Glaubwürdigkeit beurteilen zu köiinen. Ob im vorliegenden Fall der Richter die Frage stelle» mußte, kaim ich ohne genanere Kenntnis der Akten nicht entscheiden. Abg..Hoffmann-Hall(südd. Bp.) tritt sür Befferstellung der Roßärzic ein, verzichtet aber ans Wunsch des Biccpräsideuten ti. Frcge aufs Wort, um die Angelegenheit bei dein betreffenden Titel vorzubringen. Abg. Dasbach(C.): Ter Abgeordnete Bebel hat recht, die Stellnngiiahiile deS Reichstags gegen das Tnell hat nicht die erhoffte wohlthätige Wirknng gezeitigt. Das Tnell Klövckorn- Döring ist ans ganz geriiigfligigenl Anlaß auf einem Tanzboden entstanden. Die Schuld lag dabei ganz beim Lieiltenaiit Döring. Die Ansicht des Ofsizier-Ebrenrats ging dahin, daß einer solchen Bagatelle ivegeu das Duell notwendig sei. Selbst die erste Bcrivnndung gilt nicht als genügende Sühne. Das ist nichts als rohe, barbarische Titte, nichts als Mord, verbrämt durch die höfliche Form des Duells.(Sehr richtig! im Centrum nnd links.) Auf Mord steht eine'ckw-re Strafe, und es ist nolwendig. daß dieselbe Strafe aus das Duell gelegt irerdc.(Sehr richtig! im Eentriim nnd links.) Solange ober solche Auffasstliigen an'höchster Stelle der Armee vorbanden sind, wie wir sie hier aussprechen gehört haben, iiinssen uii jede Hoffnung aufgeben, daß diese bar- barischc Sitte beseitigt wird, die nnsrer Armee zur höckslc» Uiizicrde gereicht.(Sehr gut! links.) Der Kriegsministcr hat sich auf daS Ehrgefühl berufen. Ja. erfordert denn das Ehr- gefühl, daß ick jemand eines kleinen Streits ivegcii vor die Pistole fordere nnd die Gefahr lieranfveschivöre, daß zivc'i Familien nuglück- lich werden?(Sehr richtig! in, Centrum.) Das Ehrgefühl erfordert, doß man. ivcii» mall cincii Fehler begange» hat. ibn einsieht und lim Entschuldigung bittet.(Sehr gut!' links.) Redner citiert nach ZeitnngSmcldnngcn eine Reihe von Duellen, die im letzten Vierteljahr stattgcfimdcii haben, so ein Duell im Zchlendorfcr Forst vom 7. Februar d. I., wo ein Oberlicutenant eine Kugel in den Leib erhielt; so bald er wieder hergestellt sei, solle das Duell fort- gesetzt werden: der Gegner soll der Sohn eines Generals sei». Hier muß der Kriegsministcr nachspnrcil und ivciiil möglich. das Tnell noch verhindern.— So sind nach Zeitu'ngs- meldiingen in den letzten drei Monateii vier bis fünf Duelle in der Armee vorgekommen. Wenn das so fort geht, jvird sich die Statistik des Herrn Kricgsiiiiiiisters bedenklich ändern. Das Duell in Potsdam zwischen den beiden Fähn- richc», von denen der eine ein Prinz von Siam war, ist in der Tnrnschnle in Gegenwart der militärischen Vor- gesetzten ansgefochte» worden. In Weimar ist ein junger Mann ans Dresden ivegcn Duells deshalb lvorden, ivcil er Offiziersaspirant war nnd mcnt ausgeschlossen gewesen wäre, wenn er das hätte. Solange das Duell den Offiziere» nicht ständen verboten lind jedes Duell mit der der Armee bestraft wird, ist aber hoffen.(Sehr richtig! im Ceiitrlim.) milde bestraft jedes Avance- ünell abgelehnt unter allen Um- Entlassung ans aus Besserung nicht zu Ein großer Uebelstaud ist die rasche Vcgnadigung der Dnellanten. Immer hören tvir, daß eine scheinbar harte Strafe Ivegen Dliellvergehens durch Begnadiguiig aufgehoben wird. Wenn es dem Kriegsmiiiifter ge- länge, die oberste Stelle davon z» überzengen, daß die Amvciidniig des Begnadigungsrechts in solchen Fällen verderblich für die Armee ist, dann würde er dem Lande einen großen Dienst erweisen. (Sehr richtig links.) Redner' erinnert an das Dilellinandat Friedrich Wilhelms I. vom 23. Juni 1713, der das Duell durch harte Strafen auSzurotteii suchte. Der Erlaß vom 1. Januar 1897 steht leider auf einem ganz andern Boden. Er will den Duellen unter Offizieren nur„mehr als bisher vorbcngcifl'. Wir müssen eS anss tieffte bedauern, daß an maßgebender Stelle nicht andre Aiischailuilgcn Platz gegriffen haben. Wenn sich auch die Zahl der Duelle im letzten Jahre ver- mindert haben niag, so wirkt doch schon allein ein Fall lvie der in Coblenz geradezu verheerend. Er zeigt dem Volke. daß ein Mord ungestraft begangen werde» darf, ein vorbedachter S)Jovb mit 2Va Jahren Festung gesühnt wird. Wenn sich im Zorn zwei jnngc Leute raufen und der eine in der Wut sei» Biester zieht, so wird er sehr schwer bestraft. Hier aber hatten die Beteiligten Zeit, sich die Sache 24 Stunden lang zu überlegen, und doch wird zum Morde geschritten. TaS sind die Zustande, die der Armee nicht zur Ehre gereichen. Sie würde tüchtiger werden, wenn dieser Unfug ausgerottet würde.(Bravo! im Ccntrum.) Kricgsministcr v. Gostler: DaS Duell in Koblenz ist doch nicht ans geringfügiger Ursache, sondern einer schweren Beleidigung wegen ent- standen. Daß Klövckorn ein so hervorragender junger Mann gewesen sei. wird durch die Mitteilungen, die mir geworden sind, nicht bestätigt. Da es sich aber um einen Toten handelt, will ich davon abschen, sie mitzuteilen, um sein Ansehen nicht zu schmälern. Bon dem Duell im Gnuieivald weiß ich nichts. Das Duell in Potsdain>vnr ein Säbelgang. Die Bcr- ordnnng von 1713 sieht eine Bestrafung des Duells' vor, die den barbarischen Zeitsitten überhaupt und den damaligen barbarischen Strafen entsprach. Auch jetzt wird jedes Duell nach dem Gesetz be- straft. Ich verstehe deshalb die Bezugnahme des Abg. Dasbach auf jene Verordnung nicht. Die Begnadigung ist Sache Seiner Majestät. Ich werde Seiner Majestät nicht Lehren darüber geben, wie er sein Begnadigungsrecht ausüben soll. Tas ist Sache dcS allerhöchsten Kriegsherr». Die Begnadigung kommt in umfassendein Maße auch den Soldaten zu gute, und das Heer ist dankbar für die gütige Gesinnung des Kriegsherrn.(Bravo! rechts.) Die Empfehlung des Abg. Dasbach, im Zorn lieber zum Messer zu greifen, halle ich nicht für richtig. Ton den Streitigkeiten, die vorkommen, führen die allerivenigsten zu Duellen, Dank dem Dnellcrlaß. Die meisten Ehrensachen werden durch Ausgleich beigelegt. Abg. Dasbach(C.): Düring hatte die Lhrfcige von Klüvekorn einfach verdient. (Lho! rechts.) Ob der Student ein tadelloses Leben geführt hat. geht uns nichts an. Jedenfalls ist ein hoffnungsvolles junges Leben als Opfer gefallen. Wir haben alle Veranlassung, die Wiederkehr solcher Vorgänge zu verhüten. Wenn der Ehrenrat in Koblenz fest- gesetzt hat: es muß gekämpft werden bis zur Kamvfunfähigleit, so ist das geradezu eine Aufforderung zum Mord:(Lärm rechts. Glocke des Präsidenten.)... Vicepräsident v. Frrge: Ich kann nicht dulden, dag Sie einem deutschen Gericht die Absicht vorwerfe», zum Mord ans- zufordern.(Zuruf links: Ehrenrat!) Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung. Abg. Dasbach: Ich habe nicht von einem Gericht, sondern vom Ehrenrat gesprochen... Vicepräsident v. Frege: Ein Ehrenrat ist ein Ehrengericht. (Lachen links.) Es bleibt bei meinem Ordnungsruf. Abg. Dasbach: Für besonders bedenklich erachte ich, um es zu wiederholen, die Begnadig» n g e n. Sie bedeuten eine Verminderung des Rechts- bewusttseins im Volke. Ich habe durchaus nicht empfohlen, zum Messer zu greifen. Ich habe nur die harte Bestrafung des Messerstechers und die milde Bestrafung der Duellanten gegenüber- gestellt, obwohl diese doch 24 Stunden Zeit haben, sich die Sache zu überlegen. Das Rechtsbelvuhtsein gebietet, daß man sich nicht selbst Gerechtigkeit verschafft, sonder» zum Richter geht.(Sehr richtig I links.) Kriegsminister v. Gostler: DaS Duell in Koblenz hat nicht der Ehrenrat festgesetzt, sondern die Parteien haben das unter sich vereinbart. Daß der Ehrenrat das Duell festsetzt, davon kann keine Rede sein. Abg. Bebel(Soc.): Ich muh dem Herrn Kricgsministcr zunächst bemerken, das) ich ihm meine Beschwerden nicht aus einem Zettel, sondern in einem Briefe initgeteilt habe. Datz wir uns nicht verständigen werden, Ii. gt auf der Hand. Trotzdem halte ich es für meine Pflicht, die ll.welstände in der Armee hier zu erörtern, weil ich dies für den einzigen Weg halte, um Abhilfe zu schaffen, auch wenn sich der Kriegsministcr in so wenig entgegenkommender Weise ivic heute äußert. Wenn jemals einem Menschen unrecht geschehen ist, dann war es bei Kriese der Fall. Als ich die Sache zuerst hier zur Sprache brachte, war der Kriegsminister der Meinung, daß die Frage nacb der Parteizugehörigkeit an Kriese vor der Abnahme des Eides gc- rte.net worden sei. Heut weiß er das Gegenteil, er scheut siw aber, die richtigen Konsequenzen zu ziehen, nur um einer Militärbehörde nicht unrecht zu geben. So ivird dem zu Unrecht Bestraften nicht einmal moralische Genugthnung gewährt. Was die Soldatenmißhandlungen betrifft, so habe ich dem Kriegsminister die Zeugen genannt. Er ist nun vcrpflicvtct, eine Uutcrsuchmig ein- treten zu lassen. Darum kommt er nicht herum.(Sehr richtig! links.) Ob die Angaben richtig sind, die mir gemacht ivvrdcn, wird die Untersuchung ergeben. I» dem Wittcnbergcr Fall habe ich die Namen nicht genannt, aber Truppenteil'und Datum au- gegeben. Durch die Nennung des Truppenteils will ich die Herren, die es angeht, warnen, in der bisherigen Weise ivcitcr zu verfahren. Für die Mißhandlung voir Soldaten durch die eignen Kameraden, Ivill der KriegSminister die zweijährige Dienstzeit vcraulivortlich wachen. Aber auch unter der dreijährigen Dienstzeit hatte ich solche Fälle schon vorzusiihrcn.(Sehr richtig! links.) Wenn diese, im höchsten Grade bedauerlichen Vorgänge nicht verschwinden, so liegt das allein daran, daß die entscheidenden Stelle» davon nichts hören, sehen und wisse»«»vollen.(Sehr nchlig! lints.) Der Kriegsmiiiister hat dann bestätigt, daß der Vater des beim Weißen der Kaserne vcrnnglücktcii Soldaten seine Auslage» nicht ersetzt bekonnne» hat. Ich nieinc, bei dem großen Verlust, den der Vater durch den Tod des Sohnes erlitten hat, wäre cS nicht mehr als anständig, dem Manne die öö.vt) M. zu geben, die ihm die Ueberführnng der Leiche gekostet hat.— Was ich über die Ehrengerichte gesagt habe, »miß der KriegSminister völlig mißverstaiiden habe». Ich' habe nichts e-drcs behauptet, als daß es meiner Ansicht nach die Ausgabe der r. ircngcrichte sein sollte, die Duelle in Zukunft unmöglich zu i. achcn. Heute werden die Offiziere gerade durch die Ehrengerichte gezwungen, ans die Duelle einzugehen. Der KriegSmiiiistcr sagte, ivenn ei» Offizier gcohrfcigi ivird. so ist' das die schlimmste Beleidigung, die ihm passieren laiin, nnd es bleibt ihn» nichts andres übrig. als) sein Leben dafür einzusetzen. diesen Schimpf wieder gut zu niachen. Darum dreht es sich ja gerade. Wir bekämpfen die Ausnabnicstellmig der Offiziere. Ter Offizier soll kein andres Recht habe», wie jeder andre Staatsbürger und ivie auch der Reichskanzler, der höaiste Beamte im Reick. Wenn es jemand cinfallcn jollte, dem höchste» Rcichsbcamten eine Ohrfeige zu versetzen, so könnte auch dieser »nckts andres thnn, als zum Kadi zu laufe» und dort Sühne zu verlangen. Das verlangen»vir auch von einem Offizier. Die Selbst- Hilfe ist verpönt, sie ist anck ftw Offiziere strasrccktlich verpönt; trotzdein greift der Offizier zum Duell, und dieser Zustand ist eS. den wir in einem Rechtsstaatc für unmöglich halten. Eine» Offizier darf man nicht ohrfeigen, aber wenn ein Offizier seinen Untergebenen »fit den gemeinsten Schimpfivorten und den unerhörtesten Mißhandlungen maltraiticrt, so ist das nach der Meinung des Kriegs- Ministers nicht in Ordnung; aber ein solcher Untergebciicr sollte sich »>ur unterstehen, ein Wort des Widerspruchs zu äußern, er lvnrdc seine Handlung mit vielen Monaten Gefängnis büßen müssen. In, Falle Döring-Klövekorn hatte der Lientenant Döring den Studcutcu Klövekoru provoziert. Wie kommt er dazu, einem Mäd- chcn, das doch gewiß nickt zu seinen Staudcsgciiostiniicn zählt, zu sagen:„Tanze doch mit diesem dumnicu Jungen nicht mehr"? Als »hü der Student Klövekoru ivcgcn dieser Acußerung zur Rede stellte, hätte sich Döring, wenn er ein anständiger Mensch sein ivollte. ent- schuldige» müsse». Statt dessen hat er nenc Schimpfworte auf den Gegner gehäuft, und wenn dieser, in Wut versetzt, ihm eine Ohrfeige versetzt hat, so ist das entschuldbar, und»venu er vor den bürgerliche»» Richter gekomincn wäre, so wäre er mit der mildesten Strafe davon- gekonimen. Das feine Ehrgefühl des Offiziers forderte aber, daß er seine, n Gegner auf dein Kampfplatz eittgegentrat. Köinge und Generäle. die doch auch gewiß Ehre im Leibe haben, haben sich gegen das Duell erklärt, nnd ich meine, nachdem vom Ministerium' das zwanzigste Jahrhundert dekretiert»vorden ist, sollte der Kriegsunnistcr uicht mehr der Aufrcchterhaltung des Duclluufugs das Wort rede».(Große Heiterkeit.) Es ist ja charakteristisch, daß der Minister in dem Streifschuß am Bein, den Klövckorn erhalten hat, nichts Besonderes sieht, er sei dadurch nicht kantpfunfähig geivordcn. vielleicht nicht, aber er>var sicherlich nicht in der Lage, sich noch ebenso gut verteidigen zu können, wie vorher. Fragen Sie den ersten besten Arzt, der wird Ihnen das bestätigen. Was der Minister über meine Stellung zur Ehe gesagt hat,' Ivar mir total imvcrständlich. Ich habe gesagt, ich halte es für unanständig, das Weib eines andre» zu verführen und halte es für doppelt»mauständig, wenn der Vorgesetzte es bei der Frau seines Untergebenen thnt. Wenn sich der KriegSminister aber in eine Disputation»nit mir über die Ehe einlassen»vill, so stehe ich ihn, zur Verfügung, heute freilich kam» ich das nicht, dem» daS, von den» er behauptet hat, daß es in meinen» Bliche„Die Frau" stehe, steht nicht darin. Ich müßte ihn also bitten, sich erst mein Buch einmal durch- zulesen, dam» Ivill ich mit ihm auf Mensur treten, vorausgesetzt, daß es der Herr Präsident erlaubt.(Präsident Graf Ballcstrcm schüttelt »nit dem Kopf; stürmische Heiterkeit.) Der KriegSminister hat von einen» Geistlichen behauptet, er habe einem Toten an» Grabe Vorivürfe gemacht. Ich»nuß den Geistlichen in Sch»ttz nehmen. Nach den n»ir vorliegen- den Berichten ist ein solcher Vorlvnrf nicht erhoben»vorden, und ich bin heute»och der Meinung, hätte eil» Bürgerlicher sich so. lvie der be- treffende Offizier benommeii, er lväre ans Grund des 8 167»vegen Störung gottcSdicnstlichcr Halidlungen bestraft»vorden.— Um»och einmal ans den Hannlosenprozeß zürückzulominen, so muß ich lvicder- holt mein Verwunderung aussprechen, daß der KriegSmiiiistcr so wcnig Kenntnis vo» den Vorgängen hatte, die dock sonst allgeniei»» bekannt »varcn. Ucbrigens habe ich nicht gesagt, in den» Prozeß sei die ganze vornehme Gesellschaft Berlins kompromittiert ivordc», sondern ein Zeuge, der Graf Günther von Königsniarck, und der muß es doch »visse».(Große Heiterkeit. Der Kriegsminister schüttelt mit den» Kopf.) Ich gehöre nicht zu den Harmlose»», ich habe auch mit den vornchmen Gesellschaftskreisen Berlins keine Fühlung.— lieber die Erziehuiigs- nicthode der junge»» Soldaten»verde ich mich mit dem Herrn Kriegs- minister»vohl nicht einigen. Ich fürchte nur, daß er gerade deshalb von mir noch oft Beschiverden zu höre» bekommen ivird, die meiner Ansicht nach eben mit der verkehrten Erziehung der Offiziere in Zilsanlmcnhang ftchei».(Lebhaftes Bravo! bei den Socialdciiiokrntcn.) KriegSminister v. Gofflcr: Ich muß anerkennen, daß mir der Abg. Bebel cinc»» Brief gc- schrieben hat, keinci» Zettel. Ter Ausdruck kam daher, daß der Brief als Zettel registriert»vorden ist. Ein Vorivilrf sollte darin nicht liegen. WaS nun den Fall Kriese anlangt, so hielt ich mich ver- pflichtet, den» juristischen Gntachlcn des GciicralkominandoS beizutreten. Daß man verschiedener Mciiinng sein kann,»vill ich gern zugebe». Die von Herrn Bebel vorgebrachten Beschivcrde»»»verde ich ja»vcitcr ver- solgen, aber lieber»väre es mir doch,»veiu» der Herr Abgeordnete sich erst informierte, ob die Ansckilldigiingen»virklich begründet sind. Es ist ja hier sehr leicht Anschiildigunge» zn erheben, auch »vcilli sie nicht völlig substantiiert sind. Ich habe ferner miS- drürklich zugegeben, daß bei den älteren Maiiiischaftci» Neigung besteht, die jüngeren Kameraden ungehörig zu bchandeli». Herr- Bebel muß»»ich niißoerstandei» haben. Den» Vater des verstorbenen Soldaten»vill ich, lvcim er sich an mich wendet, ohne»veitcres die SV, SO M. bezahlen. Die Compagnie konnte es nicht. Ihr ist daraus kein Vorlvnrf zu machen. Die Ehrengerichte für Offiziere sind mit der Reichs- vcrfasiuiig zusammen aiigciioiinuei» worden, sie bestehe» also zu Recht. Was die Ansichten dcS Abg. Bebel über die Ehe anlangt, so habe ich sie aus der Lckrüre seines Buches„Die Frau" gcichöpfr.(Redner verliest Stellen des Buches, die seine Ansckamulg»iiitcrstützei» sollen). Ich kann nur versichern, daß ich diesen Anfchanungen dcS Abg. Bebel über die Ehe niciiials beitreten»verde.(Heiterkeit links). (Abg. Frhr. v. Hodci»bcrg(Welse) protestiert gegen die Acußcriiiig des ÄricgSmiiiistcrs. daß ein Geist- licher iiicht Vorivürfe einem Toten gegenüber machen dürfe. Der Geistliche habe die Pflicht zu sagen, datz Gottesdienst vor Herren- dienst gehe. Abg. Werner(Ant.): Die Duelle»verde»» unter Osfizicren nicht ganz zn vermeide» ein.(Lebhafter Widerspruck im Ccntrum und links.) Aber es muß genau erlvogen»verde»», ob Duelle»virklich unilmgänglick notwendig sind. In einer großen Armee können sich Mißstände zeige». Die Zahl der Ausschreitiingei» beim Militär ist aber nicht groß z»»tciiiici». Redner verlangt Abschaffung von Mitzstäiidcn bei den Fourage- lieferlingei». Kleine Licicranteil»verde» dazu laiim zugelassen. Gerade diese sollte» berücksichtigt»verde»». Abg. Stöctcr(»vildk.): Ich muß dem Frhrl». v. Hodcuberg reckt geben. Ein evangelischer Geistlicher bat die Pflicht, am Grabe eincS Dliellantei» die Sünde nicht uiicnvähnt z» lassen, die>>» dem Duell liegt. Die Kirckc Ivie daS Gesetz verbiete»» das Duell. ES bandelt sich aber bei dem Duell um Gefühle, von dciici»»»»r ciiizeliie Klaffen beherrscht sind, die aber andre Vollskrcise nicht verstehe». Es iichmeii mit Reck: so viel Leute an dem Duell Anstoß,»veil sie dann einen Durchbruch der ckristlichei» Lehre sehen. Vom praktischen Stand- punkt kann»»an deshalb nur»vünscken, daß sick die Duelle möglichst verringern. Wir können die KabineltSorder Seiner Majestät mir mit Freuden begrüßen und»vüilschci», daß sie eine» guten Erfolg haben möge. . Tie Diskussion Ivird hierauf geschlossen. Das Schlußlvort erhält der Berichterstatter der Budgctkommissioii. Berichterstatter Abg. Graf v. Roo»: Da ich einmal das Wort habe, möchte»ck nock Herrn Bebel ein paar Worte ertvidern. (Abg. Bebel ruft: Als Referent?) Nein, für nieinc Person. Präsident Graf l». Vallcftrcm: Herr Berichterstatter, für Ihre eigene Person dürfen Sie jetzt,»achdem die DiSlussioi» geschlostei» ist. nichts mehr sagen. Sie dürfen mir im Nainc» der Kominissioii sprechen. Abg. Graf v. Roo»(k): Dann habe ich nichts mehr zu ».(Große Heiterkeit links.) Der Titel„K r i c g s»» i n i st e r" wird Vclvilligt. Die Iveitere Berat»» g des Militärciats Ivird hieraus auf Freitag 1 Uhr vertagt. Schluß 5'/» Uhr._ Marinc-Etat. In der Budgetkommissioi» des Reichstags begann am Dienstag die Beratung des Marinc-Gtatö. Bei den Eiunabmei»»vurde fest- gestellt, daß ein Verkauf alter abgängiger Schiffe vorläufig nicht beabsichtigt sei. Bei den Ausgaben bemerkt der Rcscrciil Abg. Müllcr-Fulda. die Ausgaben für das Rechnungsjahr ISOO halten sich zivar in» allgcnieinen»och»»»»erhalb der Grenzen des Flotten- gcsctzcs, doch je» nicht zu verkennen, daß es kainn möglich sein »verde, i» den folgendc»» Jahren die Slusgabe» innerhalb der Grenzen der Limitieriiiia zu halten. Es seien ElatS Überschreitungen in Höhe vvn 6 234 OVO M. vorgekommen, hauptsächlich aus Mehr- ausgaben für den Univau der Schiffe der Sachscuklasie und bciin Neubau des LiniciischiffcS„Kaiser Friedrich", solvie»vegen der Erfordernisse für Einstellung von Schiffen und Mannschaften zum ÄusloiidSdienst. Es sei eine Mchrcinstellinig vo» zusammen 1777 Mann erfolgt. Weitere Mehrkosten habe» die Verteucrung dcS Materials und die iieue Militär- Strafgesetzgcbung verursacht. In Siimine betragen die Mchrnnsgaben 18 SSO OVO M. Ans Anfrage des Abg. Richter, betreffend den Umbau des Küsten- Panzers„Hage n", erklärt der Staatssekretär Tirpitz, der Umbau sei zunächst veranlaßt»vorden dtzrch die Notivciidigkeit der Erneuerung der Kessel. Mai» beabsichtige eine Eriveiterung des Deplacements nnd der Verivcndbarkeit des Schiffes zn erzielen. Der Umbau des„Hagen" sei ein Versuch, der vcihälliiiSmägig geringe Kosten verursache. Die ostasiatische Station niüsse zur Zeit stärker be» setzt bleibe», eine Schwächung sc» zur Zeit unmöglich. Abg. Gröber(E.) äußert budgctäre Bedeulc»» gegen den Umbau der Küftcnpaiizer. Es handle sich um eine so ivescntlichc Aendermig des Schiffst>)ps. daß ein ganz andres Schiff entstehe. Ausgabe» für solche Zivccke »»üßtcu»»» besonderem Titel gefordert»verde». Auf Anfrage des Abg. Miillcr-Fnlda,»varum niai» Küstenpanzer überhaupt umbaue. da doch nach dem Flottengesctz der ganze Tlzp der Küstenpanzer aufgegeben werde» solle, erklärt Staatssekretär Tirpitz, durch den Umbau des„Hagen" hoffe man das Schiff»och lv Jahre im Ge- brauch halten zu können. Die Axticruiig des Schiffes»verde� nicht »»»cht als eine Million kosten, die übrigen Alifivcuduiigen seien so »vie so notivcndig geworden. Abg. Richter befürchtet, daß der Umbau des„Hagen"'den Anfang großer Ausgaben für >v e i t e r e Umbauten v o» K ü st e u p a n z e r>» bilden»verde. Er beantragt folgende Reso lnti on:„Die Erlvartuug ans- zusprechen, daß künftig Umbauten von Schiffen nicht oh»e vorherige ctatsmäßige Bewilligung voraenonmien»verde»." Staatssekretär Tirpitz hat keine Bedenken gegen die Resollition,»velche darauf einstiinmig angenommen Ivird. Nach Erledigung einer Anzahl»veitercr Kapitel mächt bei dem Kapitel„Jiistandhaltmig der Flotte und der Werften" Abg. Singer Bedenken geltend gegen die Art der Ueberwachung und Kontrolle der Arbeiter behufs Verhütung von Dtebstählen. Diese Ueberivachiliig Iverde durch Schutzleute ausgeübt, sie köniitc doch sehr wohl durch Werftbeanite erfolgen. Staatssekretär Tirpitz erwidert, die Einrichtung der Ueberwachmig durch Schutzleute habe sich bisher sehr gut bewährt. Er»volle jedoch die Frage nochmals prüfen, damit bei der Kontrolle jede etlva verletzende Härte vermieden»verde. Auf Antrag des Referenten M ü l l e r- Fnlda ivird die Forderung für die Schntzlente nur in Höhe des vorjährigen Etats mit l lS lSS M. bewilligt. Die Mehrfordernng von 7763 M. Ivird gestrichen. Im übrigen wird das Kapitel nicht beanstandet.— Die Beratungen werden Freitag fortgesetzt._ Geviihks �Jeikung. Der frühere Haupt««»»» Sidney O'Dan»»«, der schon ss vielfach die Gerichte beschäftigt hat,»vurde gestern wieder der 141. Abteilung des Schöffengerichts vorgeführt. Der einstmals so schneidige Offizier, der sogar seiner Zeit zn»» Militärgouvcrnenr deS Kaisers auscrsehei» war, ist inzivischei» zu einem ergrauten, vorneh»» aussehenden Herrn geworden, den die abenteuerliche Vergangenheit nnd die viclcn Vorstrase»»niirbe gemacht haben. Vor ctiva anderthalb Jahren gründete O'Daime hier ein biichhändlerisches Unternehme» unter der Firnia„Deutscher Militär- Verlag". Er soll sich hierbei Kantions- Schlvindeleien in bedeutendem Um- fange schuldig gemacht haben, flüchtete nach Paris,»vurde dort ver- hastet»nid nach Berlin zurückgebracht. Jetzt handelte es sich»in Vergehen gegen das Prcßgesctz.»mbefngte Führung deS Adelstitcls, sowie nnbcsngte Beilegung des Titels„Hauptnian» a. D." im Berliner Adrctzbnche. An» 4. Oktober v. I. erschien in» Berlage des Angeklagten ei» Buch betitelt„Ziveierlci Tuch. Ans de»» Militärlebei» zu Wasser»md zu Lande". Als Verfasser war auf dem Umschlag der Name S. O. D. v. Schwerin angegeben. Der Angeklagte ivollte hierin eine Verfehlung nicht erblicke»». Er sei der Verfasser des Buches, sein Schriflstellcriianie sei aber so,»vie er ans dem Buche angegeben habe,»»id er habe dasselbe Recht, sich»ach seiiieii» Geburtsort S. O. D. von Schivcrii» zu nennen, ivie beispielsweise Wolfgang von KönigSivinter nnd Hoffmaiin von Fallersleben es gethan. Uebrigens' sei sofort die Fortlassmig des NamenS erfolgt, nachdem er von» Polizeipräsidium auf die Unzulässigkeit hingewiesen worden sei. Betreffs der Bezeichiinng„Hauptmann a. D." i>n Adreß- buche machte der Angeklagte geltend, daß dicS ohne sein Zuthlin,»vahrschcinlich von eine»» Angestellte» des Ver- legers, bcivirkt»vorden sei. Sobald er hiervon Kenntnis erhalten, habe er schriftlich um Abänderung in„früherer" Hauptmann ersucht. Ter Gerichtshof unter dem Vorsitz des Aintsrichtcrs Degen beschloß nus den Antrag deS Amtsanwalts Hcyie über diese Behauptung des Aiigcllagtci» Beivcis aiizutrctc» und vertagte»vicdcrnm die Verhand- lung. Der Verteidiger, Rechlsamvalt Leonh. Friedman»»,»vies noch darauf hin. daß der Angeklagte vor zlvei Jahren in Metz»vegen Geisteskrankheit frcigcsprockci» ivordc»» sei und sich dann sechs Monate ii» Jrrcnhanse befunden habe. O'Danne erklärte, datz er von dem Einivande der Geisteskrankheit keinen Gebrauch machen lvolle. Die Mitglieder einer Mnfikkupelle hatten gestern vor der vierten Slrafkanimer des Landgerichts zu erscheinen,>»»» als Zeugen gegen ihren früheren Leiter, den Kapellmeister Eriist Jacobsohn. anszutrete», der nus der UlitersiichuiigShaft uorgesiihrt wurde. Der Jiibabcr des Eases Koch- und Friedrichstraßen-Ecke hatte im ver- flosiciien Somiiicr den Angeklagten damit beauftragt, eine aus fünf Personen bcstchciidc Musikerkapelle znsamme» zu stellen. Er sollte dafür täglich 30 Mark erhalten,»vovon er seine Musiker zu bezahlen hatte. Jacobsohn zahlte den Mitlvirkcnden je 4 Mark 50 Pf. für de» Abend, sodatz für ihn selbst 12 M. täglich übrig blieben. Jacobsohn spielte im Cafe Friedrichshof mehrere Monate nnd zahlte die Gagen pünktlich aus. Mitte Juli haperte es mit der Gagczahlimg. der Angeklagte vertröstete seine Leute durch die Angabe. datz der Lotalinhabcr gerade anderweitige größere Zahlungen habe nnd er selbst demselben schon habe unter die Arme greifen müssen. Als dam» der näckste Zahltag kam, ließ der Kapellmeister sich nicht blicken. Der Inhaber des Lokals»vnr nicht»venig ver- imiiidm, als er von den Musiker»» erfuhr, daß sie keine Gage erhalten hältc». Es blieb ihm nichts andres übrig, als den Leuten 40 M. z» zahlen, im» sie»vcnigsteiiS zun» Spielen an diesen» Tage zu bcivcge». Jacobsohn blieb vcrschwiiiidci», er ist später verhaftet »vorden. Im Termin»vaudte der Angeklagte ein, datz ihm jede be« trügerische Absicht fcriigclcgei» habe. Der Inhaber, Herr Zöllner. habe ihm»vicdcrholt Vorschuß gegeben, und bei der letzte»» Ab- reckmmg, bei der zugleich die Kündigung erfolgte, sei ihn» der ganze Vorschuß iiiiicgehaltei» worden. Dadurch sei er außer stände ge- ivescn, seinen Leiilen am Zahltage gerecht zn»verde»». Der Gcrickts- Hof ivar mit dem Verteidiger Rcchtsainvalt Dr. Schivindt der An- sickt, daß dem Angeklagten eine betrügerische Absicht»icht nachgelviesen »verde» könne. ES mußte deshalb ein freisprechendes Urteil erfolgen. Gefährdeter Zlrbeitersch>»t». Der Kaiifmau» DülvelSdorf. der cinc» aiiSgedchntcrc» Handel mit Milch betreibt,»var angeklagt Ivordc»», die Bcstimmiliigen über die Sonntagsruhe übertreten zn habe». Seine Kutscher hatten sich des Sonntags vormittags währen� der für de» Handel»icht srcigegcbenc» Stiinden in Kneipen an»- gehalten und von der Gaststube aus die auf der Straße ftchenden Gespanne überwacht. Der Angeklagte wandte ein, iolchcs sei»ich» strafbar, weil die Kntscher zur fragliche»» Zeit nach de»»» Bciricbsgrundstück hätten zurückkehren kömici». DaS Landgericht als Berusiingsitistaiiz stellte denn auch fest, daß D. es den Kutschern freigestellt habe, ciitivcdcr»vährcud der betreffenden Stunden mit ihre» Wagen zuriickziikchrrn oder sich in abgelegenen Straßen aus- znhaltei». Das Gericht sprach den Angeklagte»» frei, iiidem eS ausführte, cS fei entscheidend. datz D. die Kutscher lvährcnd der verbotenen Zeit»» i ch� beschäftigt habe. Gegen dieses Urteil legte die StaatSamvaltschast Revision bei»» Ä a»»»i e r g e r i ch t ein und»»achte geltend, da§ Land- gcricht habe den Begriff„beschäftigen" zu eng ausgefaßt. Der Angeklagte müßte dafür sorgen, daß seine Kutscher zur verbotene»» Zeit aiich nicht freiwillig im BctncbSiiitereffe thätig seien. Die AnSiiahmebeftimninngen für Molkereibesitzer säiiden auf ihn keine Amvcndilng, da er keine Kühe besitze. Das K a in>n e r g e r i ck t folgte den Darlegungen des Staat Saitivalts. hob die Vorentscheidung als r e ch t s i r r t ü in l i ch auf und vcrivics die Sache an die Voriiistanz zurück. Zur B>� gründiliig»vurde ansgeführt. daß der Angeklagte st r a f b a r s c ff. iv e» n e r e S auch» u r duldet, daß die Kutscher zur kritischen Zeit im HandelSgelverbe für ihn thätig wären. Die ganze Arbeiter- schul;- Gcsetzgebi'ing würde ja sonst' i» Frage gestellt. Wenn die Kutscher a»» ch»,» r in de r Kneipe g c s e s s e>» und vo» dort nuS die Wagen beaufsichtigt hätte», so sei dies doch eine Be- s ch ä f t i g u i» g. dein» die Leute seien für jene Zeit»icht frei geivese». Der Vorderrichter»»üsse Nliiiinehr noch die Höhe der Strafe feststellen. Relehshallen. Ni glich: Stcttlncr Einiger Auflinfl: Wochentags>i llfjt. iSoauUigu 7 Uhr. if! Guuvc 70 Pfennig. frt Porvrrkanf JO P' Krojjllrtiges Prozrmm SlNiiöii-csfllörchs?s «riisit. Jnftitlit Wjelstr. Ii Elte Alkerßr. Aeizrnde«.'ison-Neicheite». 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Viifr.rTjciililiibigc.-- Tprechst im Franeitycllbad Mllickttßr. 72, �«Sn-afte Dienstags». Freitags!ilie>i>«eio. lim gahlrctchen Besuch bittet Ter Bertrnnciiöiiianii. Hvhwllg, Lolsarheiter! Stillt, vormiltiigs lil Uhr, in her BrniiereiZrithrichHiiiii, Ani Fricdrichöhain: Versammlung der Streikenden. Freitag, den 23. Februar, abends 7 Uhr, im»Markischen Hos--. _ iZldiniralstr. 18 e: AM" Branchen-Versammlttng"WE der SV ES ist Pflicht aller in der Brauche beschäftigt«» Kollegen, in dieser BersaninllMlg zu erscheinen. lZöukeltei'Holzarlieitkr-Vkrband. Sonntag, de» Ä.?. Fcbrnar, bormittagS lv Uhr: ÄtisserorElentliclie General-Versammiuns bei Koller, Koppenstrasie Sir. St). Bericht über de» Ttand der Bewegung. Wahl der Delegierten zum Verband. Slntrögr. Tie Versaiiimlinig wird pünktlich eröffnet. Vevbnndsbnch leqikimrevk. I>?«<)i't>ivof cr nltiinx. Uolltung, karkettdedenlegerl M o» t a g, dcn Stt. d. Mts., abcnds 8 Uhr, bci H n b e, „Sprerhallcn". Kirchstrassc S7: DM- NevlÄuiinlnng.-Mg T a g c S- O r d ii n n g: 1. Weiterberaiinig des Tarifs. 2. Verschiedenes. � 79,9 Kollegen! Ilmsiändehalber tan» die Bersaininliing nicht am Sonntag staitfindcn; eS ist alier Pflicht der Kollegen, daß sie alle in der Montags- Veriauiuilliyg erscheinen niid für dieselbe agilieren. I'aizkIIsiisilikilks UM und lIiNUWd. Sonnabend, de» St. Fcbrnar, abcndS 8 Uhr: Grosse öffentl. Versammlung im Lokal des Herrn ll»>>c kZprcehalle»), Kirchstraste. T a g e s- O r d n ii n g: Petition zur Gesetzesvorlage, die Ltbänderinig der UnsalkverficheruiigS- Geseke bctrcsseno. Nefercnt: Genosse stiel» rietll«»'. Diskussion.[265/17 Zu Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist cS Pflicht eines jeden BerusskoUege», zu erscheinen. Ter Ginbcrnscr. Alliiuilg; M U AWlig! Sonntag, SS. Februnr, voemitt. Uhr, in. Lokal Borussia-Säle, Zlckerftr.<5-7: Lrdtiitliche Mitzilehtl'-BelldiüRlüW des Btreiiis zur W«jr»iiz hcr her Mmer Berlins lüih llmgegellh. Tagesordnung: 1. Tortrag des Gcuoffen liessloi.' über: Tic Tcränderinlge« dcS Uufallverfichenings- Gesetze?. 2. Diskussivii. 3. Verschiedenes.' 129/4 Zahlreiches und pünkliiches Erscheinen cnvartct De»' Vorst»»»»!, l. 6.: Julius Geld. Alhtlm! Bauarbeiter Berlins u. llmsjsg. Iditiiiig! Lesfeittliche Versammlung"MZ lil» Ssnlitag, hkil 2s. Kbrm ISiig, niitm 12 llhr, in Cohns ktstfälen, Benthftraste 19-21: Tagesordnung: 7. Wie stellen stcki die Bauarbeiter zu einem paritätischen SlrSeiiSnachwciS? Ncsercn! Kollege Nennthnler. 2. Diskniiio». 3. Die von der Negiermig vorschlagcne Verbesserung der lliisail- und JnvaliditätS-fliovelle. Referent Gcnvffe vlnttzclt. 30,5 lim rege Beleiligung ersucht Dir l,okl,iIcoziii»l!«�ioi,. Central- Kranken- nnd Be- grabniskafse der Sattler und Berufsgcnoss. Teutschlands „Hosfnnng"(E. H. 61). >»clir»f. Am 3. Februar starb plötzlich am Herzschlag unser Mitglied, der Sattler Julins Schulze. Ehre seinem Andenken. 2506b Tie LrtSvcnvaltnng. Ziim Lundtiiblin! Gebrauchtes Kantholz, Bretter, Latten, Leiste», Thülen, Fenster, Dachpappe, Teer, billig. ZI. Utilil«. Kottbnier Damm 22. 2529b Ilnscrni Klub- Budiker D«I»»»r ereil zu seinem heutigen Wiegen feste ein dreimal donnerndes Hoch, daß die ganze Blmnengaffe wackelt. „Oskar" laß gießen! 077651 Skatllub Null. Ripdorf. UmssinspganMilsdM,� äiinZs nur mit gsiiniZM'sZ MsnienliiinM IlitobixerSeluitTwsrlieverseben-, «cbte Istreaei e für IS 25 H. 40 A 1 u. 60 in OroKen-. niRtrrinl- j wareu-. Itluiuen-c.üiauien-] Uandlnngeu. Schnitze, Wasserthoi-•!Str. 1/3. Behandlung aller Haut-, Blascu- und Harnleiden ohne Berufs- störimg. 05751,» Sprechstunden 9—2, 5—9. BV Bei Torzeignng der TcrbandSlartcn 10 Proz. Ilur 4 IVIarlt Reste, sehr groß, zu Knabeuaiizügcu, Reste zu Herrcnanzügcii, schöne Muster, 7-10 Mark. Für lO Mark ff. Cheviot-, auch Kamniganirrstc, Paletotrefle, Hosenrcste, so lauge der Borrat reicht im Riki'tnstojsldger 11 Ariinleil-Ztrliße 11, 1 Tr. Kein Laden. 0778I> Baustellen in Schöncbcrg mit mäßiger Aiizahliiiig, genehmigter Zeichnung und Baugeld. Adressen unter El 2 au die Eipcditivu des„Vorwärts". 2116b Sonntag, U1 vouiuvittuiluvl (ikalilstollo»«-rill».) Februar, vormittags 10 llhr. in den Zlrininhollc», Kominaudaiitenstr. 20: Uerfmnmlnttg. T a g e s- O r d n u n g: 1. Die neue Novelle zu dem UiifallvcrsichcruligS- Gesetz. Referent Genosse ist. Si«a»owskti. 2. Kouserenz der Zimmerer für die Provinz Brandenburg und Wahl der Delegierten zu derseibeu. 3. Verschiedenes. Die Kaineraden werden besonders gebeten, recht zahlreich zu erscheinen, die Wichtigkeit der TagoZordniing erfordert eS. Der Vorstand. Deutsch. Metaiiarbeiter-Verband TeriraltnnsMtelle Berlin. Sonntag, 25. Fcbrnar, vorinittaaö 10 ItJjr, km Friedrich- städtische» kiasino, Fricdrichstraße SZ6: Grdentl. Grneralvevsammlnng Tageö-Ordnung: 1. Kassenbericht, Bericht der Revisoren. Jahresbericht, 2. Neuwahlen zur OrtSvcrlvalwng. 3. Berichterstattung des Schiedsgerichts tn Sachen Vits in. 4. Stellungnahme zum 1. Mai. 5. An die OrtSverwaltung ge- langte Anträge. 3V Ohne Mitgliedsbuch kein Zniritt!-WS Die Vertrauensleute sind verpflichtet, allen Mitglieder» die Mitglieds- büchcr auszuhändigen. 111/4 Am 11 und is. März, noruiittagö 10 Uhr, findet in der„Urania" je eine Vorstellung statt. Zur Aufführung gelaugt: Bon den Alpen bis znm Besnv. BilletS a 70 Pf. inkl. Garderobe sind bei dcn Kalfferem sowie im Bureau, Amienstraße 39, zu erhalte». Die PrtsverHvaltmizx. Achtung, Holzarbeiter Hon Zldlershof, Alt-Glienicke, Grüna«, Köpenick, Nieder- Schöneweidc, Johannisthal«nd Umg. Große öffeutiiche Versammlung an» Sonntag, de» 25. Februar, nachmittags BVj llhr, im Lokal de» Herrn Scliniaitsoi- tu ZldlerShof, Bisinarckstr. 10. Tages-Ordnung: I. Der Stand der jetzige» Lohnbewegung und wie stellen sich die Kollegen von AdlcrShof und Umgegend hierzu? 2. Diskussion. i NM" Die Kollegen und Maschwcnarbeiter der Küchciiiiiöbel-Fabrik von Lutze und Kasteninöbcl-Fabrik vou Roßbach in Zldlershos sind hierzu hc'oiidcrS eingeladen. 79/10 _ Die Ortwversvaltnns. Chnv lotkrnbuvg. JI. Schmerberg[040 iL° WM mersd orfer-Strasse 127, Uhrmacher inib Goldarbriter. Großes Lager von Uhren .und Uioldwaren zu I änßersi billigen Preisen. g - llptiseiw Srlitzei. Ohrlöcher werden schmerzlos gestochen. 1 Natur- Heiluerfahttil. Haut-, Harn- u. Blasciileideu, Frauen Krauthcit.. heilt sicher BeriifSstöruiig.[0411L- Wallftraße 20. 9-2,5-9, St. 9-2 Johne BernfSstS: R. Wagner, Lösl. Frühstücks-Siippen Gemüse• und Kraftsuppen Bouillon-Kapseln Suppsn-Würze nucli zu haben hrtR. MUllcr, FricdricliEberg, Frankfurter Chausee 109. •JJJL—_ n tü io Ja!ire~Garantic. Voilkommen schmerzloses Zahn. ZOilliC/ Ssi ziehen I M. Plomben 1,50 51. Teilz. wbchentl. IM. *■" Z.-.hisarKt IVoir. Leipzlgerstr. 130. Spieobst. 9-7, yeaes /z* Pfennig, Wort: p Jg erste Wort fett. 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MiilM des.Imiirts" Kerliner Aldsdllltt. FNN«S. 2� Mmr 1WV. Der Streik der Bergarbeiter. Aus Wien wird uns vom 21. Februar geschrieben: Der ostreichische Reichsrat wird bekanntlich morgen zusammentreten und das erste Wort, das in den Hallen der Gesetzgebung gesprochen werden wird, wird dem großen Kampf der Bergarbeiter gelten. Der S o c i a I d e m o k r a t i s ch e Verband ist' heute zu einer Vorbesprechung zusammengetreten und hat beschlossen, einen aus- gearbeiteten Gesetzentwurf über die Schichtdauer b e i in B e r g b a u im Hause morgen als Dringlichkeitsantrag ein- zubringen. Gleichzeitig wird beantragt werden, den Entwurf dem Social- politischen Ausschuß zuzuweisen, der den Bericht binnen drei Tagen erstatten soll. Der Gesetzentwurf wird noch morgen zur eisten Lesung kommen; Abg. Dr. Verkauf wird ihn begründen. Da auch andre Parteien Altionen wegen des Streiks vorbereiten, unterliegt die Zuweisung an den Ausschuß keinem Zweifel; sein weiteres Schicksal ist allerdings ebenso von der Haltung der Regierung als von deni Schicksal des Parlaments bedingt. lieber den Stand des Streiks ist nichts zu berichten, als daß er überall ausgezeichnet steht. Von einem Nachgeben der Arbeiter oder einem Abbröckeln des gewaltigen Kampfes ist keine Rede. In Sachsen erfreut sich der Streik fortgesetzt der behördlichen Aufmerksamkeiten, die Zahl der Streikenden hat sich auf der bis- herigen Höhe gehalten. Die vom Streikkomitee in Zwickau als Antwort auf die bcrgamtliche Bekanntmachung bezüglich Verlust der Kasscngelder herausgegebenen Plakate sind infolge Verfügung des 'Zivickauer Polizeiamts konfisciert worden bezw. müssen von den Plakattafeln entfernt werden. Jede Kundgebung der Streikenden wird planmäßig unterdrückt, zu welchem Zwecke sie auch erfolge. Zu der langen Serie Polizei- licher Verfolgungsmaßregeln ist jetzt noch eine neue gekommen. Die Zwickauer Behörde bat angeordnet, daß der Branntweinverkauf in den Branntwcin-Kleiuhandlungen während des Ausstandcs nicht mehr erfolgen dürfe. Wie verlautet, soll die Bergbehörde im Zwickauer Revier nicht geneigt sein, der Aberkennung der Knappschafts rechte, wie sie den Arbeitern seitens der Werke angedroht ist, beizutreten. Die Behörde wird sich auf den Standpunkt stellen müssen, daß wo keine Kündigung vereinbart ist, auch eine Aberkennung der Rechte au» den Knappschaftskassen unzulässig ist. Tie Arbeiter haben noch- mals einen Eiuigungsversuch unternommen, eine Antwort der Gruben- besttzer ist noch nicht erfolgt. Aus Zeitz wird berichtet: Aus deni Meusclwitzer Bezirk ist noch zu erwähnen, daß auch die Tagschicht des„Wilhelmschachts", der zur Grube„Forlschritt" gehört, nicht angefahren ist. Es streiken hier 50 Mann. Am Donnerstag findet nochmals allgemeine Bergarbciter-Vcrsammluug statt, die über die Einigungsverhandlung, die am Donnerstag statt- findet, und über weitere Maßnahmen entscheidet. In Zeitz fand Mittwochabend eine sehr gut besuchte Versammlung statt. Stadtverordneter Krüger- Halle referierte. Dem folgte» die Berichterstattungen der Gruben-Kommissione». Den Berichten war zu entnehmen, daß einige Gruben Zugeständnisse von 3 bis 10 Proz. in der Lohnfrage machten, die Verkürzung der Arbeitszeit aber allgemein abgelehnt wurde. In der längeren Debatte wurde entschieden verlangt, nichts von den aufgestellten Forderungen aufzugeben. Die Ausführungen der Redner sind durchweg enist und der Situation angepaßt. Die Ab stimmung ergiebt einstimmig, daß hier weitere Verhandlungen statt findeil sollen, und daß. weim nicht alles bewilligt wird, der Streik eintreten soll. Dem Beschluß sind am Donnerstag 130 Mann nach- gekommen und sind in den Streik eingetreten. Aus Halle wird uns geschrieben: Die Einigungskonfercnz, die polizeilich überwacht war, wurde nachmittags 4 Uhr vom Verbands- Vertreter Genossen P o k o r n y im Hofjäger eröffnet. Die 30 Beleg- schaftsdelegierten von 10 Gruben waren erschienen. Nachdein Pokorny die Lage des Streiks, die weitere Ausdehnung und die damit verbundene Gefahr geschildert hätte, nahm der B e r g- d irektor Gabel niann'vom Karl Ernst-Schacht das Wort. Er bedauerte zunächst, daß Pokorny— der hier als sog. Hetzer verschrien ist— von den Arbeitgebern so verkannt werde, trat aber nachdem in ziemlich anmaßender und dreister Weise gegen die Delegierten auf. Er redete die Bergleute einmal mit„Ihr" an, gebrauchte Äenßernngen wie:„Glan den Sie denn, daß Sie die D n m m e n sind" zc. Die Bergleute wiesen die Angriffe mit Entrüstung zurück und sagten dem' Herrn tüchtig und ungeschminkt die Wahrheit. Als die Verhältnisse seiner Grube näher erörtert werden sollten, nahm er seinen Hut und Ueberzicher und erklärte den Bergarbeitern, die ihn baten, dort zu bleiben, wörtlich:„Aus Gesundheitsrücksichten muß ich gehen." Die Stimmung unter den Streikenden ist gut und die Konferenz beschloß, da k e i n e E i n i g u n g erzielt worden ist, nuimrchr es auf eine Kraftprobe ankommen zu lassen. Pflicht der Parteigenossen, für sehr guten Besuch der Versammlung zu agitieren, als uns das Lokal nach langer Zeit erst jetzt wieder zur Verfügung steht. Näheres siehe heutiges Inserat. Tic Giordano Bruno-Fcicr, welche am letzten Montag von der Freireligiösen Gemeinde in Kellers Festsälen abgehalten worden ist, soll am Montag, 5. März wiederholt werden, uiid zwar sind die Veranstalter diesmal der socialdemokratische W a h l v e r e i n des 4. Reichstags- Wahlkreises Osten, sowie die Vertrauens- Personen des Kreises. Wir zweifeln nicht daran, daß diese zweite Feier sich desselben Zuspruchs erfreuen wird, wie die erste; war es doch am Montag wegen Ueberfüllung des Saales vielen Hunderten Männern und Frauen nicht möglich, der Veranstaltung beizuwohnen. NommunÄlles. Der Bericht über die Wafserkalamität bei den Müggelsecl werke» am 17. Dezember v. I. liegt nunmehr vor; wir entuehnien ihm folgendes: Wenn man auch mit Rücksicht auf die Selbst reinigung der Flüsse annehmen konnte, daß die Verschmutzung in der Nähe des Müggelsees stattgefunden habe, so wurde doch die Unter- suchung des Spreewassers bis Kottbus ausgedehnt, da die dorftge Kanalisationsanlage der Spree Abwässer zufühn und man in neuerer Zeit die Erfahrung gemacht hat, daß die Abwässer der Zuckerfabriken an der Saale während der Eisperiode selbst noch in Haniburg be- merkbar sind. Nun liegt in Erkner eine Tecrproduktions- Fabrik. welche Benzol, Karbol und Dachpech fabriziert und ihre Abwässer dem Dämcritz« See zuführt. Die Besichtigung ergab folgendes: Die Fabrik führt, nach Angabe des Direktors, das erwärmte Wasser, welches zur Kühlung der Destillationsschlangen gebraucht ist, in einer Menge von rund 100 Kubikmeter pro Tag' einem Klär- bassin zu, aus welchem das Wasser, nachdem das reichlich vor- handene Oel abgefangeu ist, in den Dämeritz-See abfließt. Im Abfluß dieses Klärbassins war anscheinend in neuester Zeit Tannen- reifig eingebaut, um eine weitere Klärung herbeizuführen. Außerdem führt die Fabrik durch einen Graben allerdings sehr geringe Mengen ungeklärten Wassers aus dem Laboratorium bezw. einer Senkgrube deni Dämeritz-See zu. Sämtliche Wasserproben, welche dort cnt- nommcn wurden, hatten einen penetranten, an Karbol erinnernden Geruch und scharf bitterlichen Geschmack. Sie schienen mit Teer- ölen verunreinigt zu sein, worauf die große Oxydierbarkeit hinwies. Es erscheint somit festgestellt, daß die Kalamität am 17. Dezember dieses Jahres durch Abwässer der oberhalb des Müggelsees bestehenden Anlagen, speciell der Teerprodukten-Fabrik, entstanden ist. Da nach dieser Erklärung die regelmäßig durchgeführte baktcrio- logische Untersuchung nicht genügt hat, um schlecht schmeckendes Wasser von der Stadt abzuhalten, so ist auf den Erzeugungswerken Müggelsee und Tegel ein regelmäßiger Wachtdienst eingeführt worden, wodurch das Wasser in bestimmten Zwischenräumen gekostet wird. Auf diese Weise wird die Zuführung verunreinigten Wassers zur Stadt zur Unmöglichkeit. lokales. Achtung, S. Wahlkreis! Die Parteigenossen werden ans die heute bei Dräscl, Neue Friedrichstr. 35, stattfindende öffentliche V e r- tammlung, in welcher der Genosse Reichstags- Abgeordneter Thiele referieren wird, aufmerksam gemacht. Es ist um so mehr Tic Ttadtvcrordnctcu-Pcrsainnilung hat in ihrer gestrigen Sitzung zu der Frage, ob eine längere Stundung der Krankenhaus- Kurkosten die Entziehung des Wahlrechts zur Folge haben dürfe, mit sehr großer Mehrheit einen Beschluß gefaßt, durch den der Magistrat ersucht wird, eine solche Wahlrechts- Entziehung durch„geeignete Vorkehrungen" zu verhüten. Der Ausschuß, dem diese Angelegen- heit zur Vorbcratnng überwiesen worden war, ist leider selber zu keinem bestimmten Ergebnis gekommen. Von socialdemokratischer Seite waren entsprechende Vorschläge gemacht worden— die Krankenhauspflege sollte bis zu einem bestimmten Einkomnicn überhaupt unentgeltlich beansprucht werden dürfen—, sie hatten aber nicht die Billigung des Ausschusses gefunden. Im Plenum gab gestern unser Genosse Heimann, der den Standpunkt der socialdcmokratischcn Fraktion zu dieser Frage noch einnial darlegte, die Erklärung ab, daß die Fraktion auf ihre Forderung zurückkommen werde, sobald der Magistrat in hoffentlich nicht zu ferner Zeit der Versammlung eine bezügliche Vorlage machen werde. Die Anfrage tvcgcn Verweigerung des Rathaus- F e st s a a l e s zur A b h a l t u n g der G i o r d a no B ru n ofiFeier wurde vom Oberbürgcrnieistcr Kirschner niit einer sehr gewundenen Erklärung beantwortet, aus der nur das eine deutlich hervorging daß Herr Äirschner keinen stichhaltigen Grund für die Verweigerung anzuführen hatte. In der Besprechung wagte niemand, den Magistrat in Schutz zu nehme». Sämtliche Redner ließen ihn nicht in Zweifel darüber, daß sie die Verweigerung nach ivie vor als unbegründet ansehen. Herr Kirschner erwiderte darauf in merklich heraus forderndem Tone, der Magistrat werde das TadelSvotnm ja wohl hinnehmen können. Den ganzen übrigen Teil der Sitzung nahm die erste Lesung des Stadthaushalts- Etats für 1V00 in Anspruch. Die verschiedenen Fraktionen der Versammlung gaben dem Ausschuß, dem der Etat zur Vorbcratung überwiesen wurde, ihre Specialwünsche mit auf de» Weg. Genosse Bruns, der namens der socialdcmokratischcn Fraktion zum Etat sprach, mußte eine besonders große Zahl von Wünschen vorbringen, weil es um die Fürsorge der Kommune für die weniger bemittcllc Bevölkerung in Berlin besonders schlecht steht._ Klingel-Bolle wurde dieser Tage in einem hiesigen Blatt, das vorwiegend in den Kreisen der kleineren Gewerbetreibenden gelesen wird in einem vier Spalten langen Reklainc-Artikcl gepriesen. Der Herr Kommcrzienrat, hieß es darin, habe es verstanden, seinem ganz klein b e g o ii n e n e n Unternehmen einen nie g e ahnten Aufschwung zu geben. Der Milchnmsatz der Meierei Bolle sei von täglich 6633 Litern im Jahre 1331 au täglich 80 041 Liter im Jahre 1899 gestiegen. Beim Anblick dieser Zahlen mag mancher Leser dieses Blattes recht schmerzlich geseufzt haben. Wie viel kleine und kleinste Milch Händler mögen da kaput gegangen sein. bis es Klingel-Bolle zu seinen 80 000 Litern pro Tag bringen konntel Wir verspüren iinn keine Neigung, in diese Klage einzustimmen. Den, der in solchem Konkurrenzkampf unterliegt, wird sclbstverstäiid- lich jeder von Herzen bedauern; aber mit Klagen wird an der Sache nichts geändert und dem untersinkenden Kleingewerbetreibenden nicht geholfen. Gegen die Bolle und Konsorten ist eben nichts zu machen. Daß die kapitalschwachcn Kleinen von den kapitalkräftigen Großen beiseite ge- schoben werden, das ist der Gang der wirtschaftlichen Entwicklung. Auch die Leute, die sich so gern als„Retter des Mittel- st a n d s" aufspielen, werden diese Entwicklung nicht aufhalten Vse r s p r e ch u n g c n helfen dabei ebenso wenig wie Klagen. Der Fall Bolle interessiert uns aber ans einem andern Grunde Klingel-Bolle gehört nämlich z» den auserlesenen Groß gewerbetreibenden, vor denen die„Retter des Mittelstandes" verstummen. So kräftig sie sonst, um die Kleingewerbetreibenden für ihre Zwecke einzufangen, auf die Groß- betriebe zu�schimpfen verstehen— an Klingel-Bolle drücken sie sich scheu vorbei. Woher das wohl kommen mag? Sollte dabei nicht der Umstand mitsprechen, daß der Herr Koinincrzicnrat durch seine politische wie durch seine religiöse Richtung gerade den jenigen Kreisen nahe steht, die in,'.Rettung des Miiielstands' machen? Der Fall Bolle hat in dieser Hinsicht sogar ein doppeltes Interesse. Die kleinere» Gewerbetreibenden klagen auch darüber, daß sie durch den Straßen- h an d e l geschädigt werden. Nun ist aber Bolle bekanntlich gleichfalls ein Straße»Händler. Mit den 166 Wagen, die er jeden Morgen durch ganz Berlin fahren läßt, fängt er säint liche» Berliner Milchhändlern einen beträchtlichen Teil ihrer Kund� schaft weg. Ueber 50 000 Haushalttmgen versorgt Klingel-Bolle mit Milch. Daß e r den Straßenhandel im großen betreibt, das stellt ihn wirtschaftlich und social turmhoch über den armseligen Händler, der seinen Karren eigenhändig durch die Straßen zieht. Den„Rettern des Mittelstands" sollte aber gerade dieser Umstand den Herrn Kommerzienrat doppelt verhaßt machen. Doch siehe da: so eiftig sie sonst in den Ruf der Kleingewerbetreibenden„Fort mit dem Straßenhandel! einstimmen— Klingel- Bolle ist ihnen auch hier wieder ein Rühr-nicht-an, Draußen in M o a b i t, wo dieser größte aller Strnßenhändler residiert, ziehen die„Mittelstands- Retter" mit dem Ruf„Gegen den Straßenhandel I" in den K a m p f nm das Stadtvcrordneten-Mandat— aber über Klingel-Bolles Straßenhandel breiten sie den Mantel christlicher Liebe. Es ist an sich sehr gleichgültig, ob die„Mittelstands-Retter" ihr Klagen und Schelten über die Schädiger des Kleingewerbes auch auf die ch r i st l i ch- k o n s e r v a t i v e n Schädiger ausdehne» oder nicht. Helfen können sie, wie gesagt, doch nicht— da kommt's auf ein bißchen mehr oder weniger nicht an. Aber die Partei- lichkeit. die sie dabei an den Tag legen, die verdient allerdings einmal festgenagelt zu werden._ Abschläglich beschiedcn hat das Polizcipräsidinm eine Petition der auf dem städtischen Schlachthof beschäftigten Fleischbeschau er und Fleischbeschanerinnen. Diese erblickten ein ernstes Hindernis bc- züglich ihrer festen Anstellung als städtische pensionsbcrechtigte Be- anite in dem Umstand, daß das Polizeipräsidium gesetzlich berechtigt ist. jederzeit die den einzelnen Angestellten gewährte Erlaubnis zur Ausübung der Fleischschau wieder zurückzunehmen. Der in der Petition ausgesprochenen Bitte, der Polizeipräsident niöge im Interesse der Bittsteller auf jene Beftlgnis verzichten, ist nun nicht entsprochen worden, doch betonte der Präsident in dem ablehnenden Schreiben ausdrücklich, daß in der Aufrechtcrhaltung des bisherigen Zustandes ein Hindernis für die Anstellung als städtische Pensions- berechtigte Beamte nich' zu finden sei. Unter den Vorlesungen der Universität zu Berlin im Sommerhalbjahr 1900 haben verschiedene auch Interesse für weitere Kreise. Zugänglich sind sie auch für Nichtstudierende mit Erlaubnis des Rektors. In Betracht kommen in erster Reihe die in der philosophischen Fakultät vereinigten Wissenschaften. So aus dem Gebiet der Nationalökonomie: Schmoller über die Wirtschaft- liche und rechtliche Lage des heutigen Arbeiterstandes; Jastrow, Sociale Zustände Deutschlands; Voigt, Arbeiterbewegung und Socialismus im 19. Jahrhundert. In Berlin soll nun auch die Milch verteuert werden. Wie dem„Telt. Krsbl." geschrieben wird, tagte auf Veranlassung und unter Vorsitz des Herrn Neuhautz- Selchow eine Versammlung von Landwirten aus der Umgebung von Berlin, die ihre Milch nach Berlin liefern, um darüber zu berate», welche Maßregeln zu ergreifen seien, um alle Milchlieferanten Berlins zusammenzuschließen und die Milch vom 1. Oktober 1900 ab zu einem einheitlichen erhöhten Preise zu verpachten. Man sei von dem Gesichtspunkte ausgegangen, daß heute Milch zu 10—11 Pf. frei Berlin nicht mehr zu pro- duzieren ist, die Landwirte setzen dabei Geld zu. Es wurde be- schlössen, ein Komitee von fünf Herren zu ernennen, um schleunigst die Vorbereitungen zu einem allgemeinen Zusammenschluß zu treffen. Es soll in Berlin ein Bureau gegründet werden, das den Vertrag zwischen Milchprodnzent und Milchhändler verniittelt, ein enger Zusammenschluß zwischen beiden Teilen soll erstrebt werden! Demnächst wird auch eine große Versammlung aller Milch- lieferantcn Berlins stattfinden. Alle Milchproduzenten werden auf« gefordert, der Vereinigung beizutreten, neue Verträge nur bis zum i. Oktober 1900 abzuschließen und zum 1. Oktober ihre Milch noch nicht wieder neu zu verpachten, sondern das Ergebnis der allgemeinen Milchlieferanten- Vereinigung Berlins abzuwarten. Ein reizendes Gegenstück zu den Maßnahmen gegen die Konsumvereine, in welchen Arbeiter und kleine Leute sich vor der LebenSmittcltenerung zu schützen suchen. Die städtische Schnldeputatiou hat am Mittwoch unter Vorsitz des Stadtschulrats Dr. Bertram beschlossen, deni Magistrat zu cm- pfehlen, Heil Unterricht für Stotternde für alle schul- Pflichtigen Kinder der Berliner Schulen, sofern die Eltern derselben hier den Unterstützungswohnsitz erlangt haben, einzurichte». Zunächst sollen 10 Kurse unentgeltlich— je 12 Teilnehmer und 12 bis 14 Wochen bei 6 Wochenstunden— gegeben werden. Schriftliche Anträge der Eltern solle» erforderlich sein. Für dieses Mal sollen die dem Erlöschen der Schulpflicht zunächst ftcheiiden Kinder Berück- sichtigung finden. Aktiengesellschaft Aschingcr. Die� Aschingerschen Unter-, »ehmungcii sollen zu einer Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Es handelt sich bei dieser Umtvandlung um eine sogenannte Familien-! gründung. bei der ein Bankhaus nicht mitwirkt und die lediglich diei rechtliche Fixierung des Vcrmögensstandcü der Gründer, Karl und' August Aschingcr. zum Gegenstände hat. ,• Ueber die Verhaftung des Banklehrlings, die wir gestern meldeten, wird noch berichtet: Der Verhaftete heißt Paul Müller und stammt aus Straußberg. Nachdem er das Zeugnis zum Ein- jährig-frciwilligen-Dicnst erlangt hatte, brachten ihn die Eltern iiv das Bankgeschäft von Dienstbach n. Möbius in der Oberwallstraße.� Nun geriet er in schlechte Gesellschaft; die ihm von den Eltern ge- währten Mittel genügten nicht und er beging Unterschlagungen, die� zunächst nicht entdeckt wurden. Diese Veruntreuungen hatten Ende Januar dieses Jahres die Höhe von etwa 7000 M. erreicht. Nuni wurde Müller mit 75 000 Mark nach der Bank des Berliner Kassenvcreins geschickt. Dort fehlten an der Summe 8 Tausend- und 3 Hundertinarkscheinc, die ihm angeblich in einem Augenblick gestohlen wurden, als er sich nach einem Einlieferungsschein seitwärts' wandte. Dieses Geld hat er vcrinutlich ebenfalls unterschlagen oder, mit Hilfe eine? Komplicen verschwinden lassen,»ni damit die vorher. veruntreuten Gelder zu decken. Das ist eben nicht geschehen. Müller,� der die Unterschlagungen in der ihm anvertrauten Porto- und' Stenipclkasse einräumt, will von der andern Unterschlagung der 3300 M. nichts wissen. Nach den polizeilichen Ermittlungen hat der junge Mann, der Neue Jalobstr. 9 bei einer Friseuriii Stein wohnte. verschiedene Liebschaften unterhalten und seinen„Bräuten" wcrt-i volle Geschenke in Goldlvaren gemacht. Paul Müller hat auch seiner Mutter gegenüber, die gestern zu ihm gelassen wurde, sich zu einem Geständnis der Unterschlagung bezüglich der ihm angeblich cm-, wendeten 8300 M. noch nicht bequemt. Freilich dürfte ihm daS Leugnen nicht viel nützen.» Ein einpsehleus werter Meister. Der Besitzer einer Graveur-, und Präge-Anstalt in der Neuen Königstraße war voni hiesigen' Gewcrbcgericht verurteilt worden, scinem früheren Lehrling das' Arbeitsbuch sowie 2,83 M. Kostgeld auszuhändigen. Nachdem daS Urteil rechtskräftig geworden war, erhielt der Vater deSl Lehrlings einen Brief, der an den Seiten angebramitf war, wodurch angedeutet werden sollte, daß der Schreibet} derselben sich im abgebrannten Zustande befinde. Die Zuschrift ent- hielt folgende Worte: Beifolgend sende ich Ihnen das Arbeitsbuch,! da mir daran nichts liegt. Die 2,88 M. zahle ich Ihnen arw 33. Januar 1900 mit Zinseszins, wollen Sie diese 2,88 M. eher,! so zahlen Sie einem Gerichtsvollzieher 3 M. Vorschuß, damit cr einÄ erfolglose Pfändung vornimmt. Ein rätselhafter Todesfall hat der Staatsanwaltschaft Ver« anlassnng zum Eingreifen gegeben. Die in dritter Ehe lebende Schlosserfrnu Albertine Bräuer aus der Lützowstraße klagte am Sonn- abenduachmittag 3 Uhr über heftige Kopfschmerzen, zu denen sich abends um 10 Uhr Erbrechen gesellte. Um 11�/« Uhr nachts trat der Tod ein, ohne daß ein hinzugerufener Arzt die Ursache erkenne» konnte. Die Leiche wurde beschlagnahmt und gerichtsärztlich geöffnet. Dabei haben sich kleine Blntteile im Gehirn gezeigt. Behördlich soll nun ermittelt werden, ob die Frau B. durch fremde Hand irgend eine Verletzung erlitten hat. deutsche Winterblumcn-Ausstellimg ist gestern im deutsche Gartenbau- I Eine Luisenbof, Drcsdenerstraße. eröffnet worden. Die kunst ist hier namentlich auf dem Gebiete der Treibsträucher und Amarylliskultur vertreten. Garten- Ans den Nachbarorte». Die Erhöhung der Verpflegungssätze für daö Charlotten» burgcr Kraukenhaus hat die Stadtverordneten-Versammlung, wie bereits berichtet, abgelehnt. Der Magistrat schlug bekanntlich vor, nur die Sätze für Auswärtige und für Mitglieder auswärtiger Kassen zu erhöhen; die Koiiiinissio» beantragte statt dessen eine all- gemeine Erhöhung von 2 M. auf 2,50 M. Außerdem lag noch ein Antrag Bake' vor, die Sätze von 2 M. für Ein- heimische, auch für Mitglieder von Kassen, beizubehalten. Nachdem der Stadtverordnete Dr. Rose im Namen des Ausschusses Bericht erftattct hatte, warnte Stadtrat Boll vor Annahme des Kommissionsantrags; man solle nicht ivegen eines Mehrertrages von 12 000 M. zu so rigorosen Maßregeln greifen, die die Kassen erheblich schädigen und die öffentliche Gesundheit ge-, fährdcn würden. Stadtv. Bake begründete seinen Antrag und sprach sein Behauern darüber aus, daß der Ausschuß fiskalischer gewesen sei, als der Magistrat. Stadtv. Münch erklärte sich, ebenfalls gegen jede Erhöhung. Stadtv. Hirsch wies auf; die Slbädign'ng hin, die die gesamte Bcvälkening durch' die Erhöhung' der Sätze erfahren würde. Man solle nicht' etlva glauben, daß es sich bei dem Kommissionsbeschluß lvirflich um eine Ersparnis handle, im Gegenteil, das Ersparte werde doppelt und' dreifach durch eine Vermehrung der Armenlasten wieder wett ge-, macht. Der Kommissionsbeschluß sei unvereinbar mit dem Grundsatz de>- ftjcialen Fürsorge. Stadtv. Pulver mann gab der An- ftd�t Ausdruck, dab von einer Schädigung der Kassen« niitglieder keine Rede sein könnc. es handle sich hüchsienS um eilte Mehrausgabe von 3/3 Pfennig pro Kopf und Mitglied. Stadtrat Gertz und Oberbürgermeister Schujtehrus Ivandten sich scharf gegen eine Erhöhniig der Sätze. Stadtv. Ströhler: Wenn man der ärmeren Bevölkerung entgegenkommen will, so solle man hier nicht einsetzen: für diesen Zweck sei ja der Armen etat da. Er fürchte eine Ucbcrfiilliing des Krankenhauses. Was würde man dazu sagen, wenn alle Städte' ihre Sätze erhöhen und nur Charlottcnbnrg zurücksteht? Statv. M c s ch c l s o h n tritt für den Kommissionsantrag ein. Wenn man die Sätze nicht erhöhen würde, so wurden noch mehr Kranke abgclviescn lverden als heute schon. Stadtv. H i r s ch erwidert, wenn'lediglich die Furcht vor einer llcbcrfüllung das leitende Motiv sei. so miitzte man konsequenterweise die Sätze so hoch schrauben, dag nur noch ganz reiche Leute das Krankenhaus aufsuchen lönuten. Das hieße aber die Aufgabe der Gemeinden verkennen. Herrn Ströhler gegen- über bemerke er, daß die arbeitende Bevölkerung keine Annen- 'Unterstützungen mit allen daraus sich ergebende» Folgen für ihre politischen Rechte haben wolle. Wenn wir allein die Sätze nicht erhöhen, so würden die socialpolitisch einsichtigen Elemente höchstens sagen: Die Charlottenburger sind verständiger als die Berliner. Einen solchen Vorwurf würde Herr Ströhler doch noch ertragen können. Im übrigen würde für die Mitglieder der Orts-Krankcnkasse die Erhöhung nicht 50 Pf., sondern 3,12 M. pro Jahr betragen. Eine solche Steuer gerade denjenigen auf- znbürdcn, denen infolge ihres geringen Einkomineus die Gemeindesteuer erlassen sei, sei etwas Widersinniges. Ober- b ü r'g e r in e i st c r S ch n st c h r u s entgegnet dem Stadtverordneten Ströhler. daß auch nach scincii Erfahrungen der Arbeiter lieber hungert, che er eine A r in e n u n t e r st ü tz u n g erbittet. Hierauf wurde zur Abstimmung geschritten, die die Ablehunng der erhöhten Sätze mit 34 gegen 22 Stimmen ergab. Schiinebcrg. Der den Stadtverordneten soeben zugegangene Schul- Etat weist eine Einnahme von 120 100 M.. eine Ausgabe von 010 702 M. auf, ein Mehrbetrag gegen das Vorjahr von 106084 M. Dem Gymnasium, welches eine Eiuuahnie von 71810 M.. eine Ausgabe von 115 774 M. hat, stehen die Volksschulen mit Ein- nähme von 30 700 M. und Ausgabe von 484 508 M. gegenüber. Diese letzteren Ausgaben haben der bürgerlichen Gesellschaft nun schon oftmals Veranlassung gegeben, darauf hinzuweisen, wie viel die Kommune für die Schulbildung der Arbeitcrbcvölkerung auf- zubringen habe. Sicht mau sich jedoch das wirkliche Wer- hältuis etwas genauer au, so kommt man zu einem ganz vudern Resultat. Es erfordert z. B. das Gymnasium für das Jahr 1900 einen Zuschuß von 43 064 M. oder pro Schüler 00,20 M, dagegen betragen die Kosten für einen Volksschüler nur 44,30 M. (bei einem Zuschuß von 447 803 M. und einer Schülcrzahl von 10 000). Aehulich gestaltet sich das Verhältnis bei der höheren Töchterschule, wo auf eine Schülerin 53 M. Zuschuß kommen.— Ganz bedeutend höher stellen' sich auch Jim Jahre 1900 die Ausgaben im A r in c u- E t a t. Während die Einnahmen 52 400 M. betragen, stellen sich die Ausgaben aus 218 642 M. Es belaufen sich die Armenpflege- und Kraukenkosten für die Personen, Ivelche sich in der Fürsorge de? hiesigen OrtSarmen-VcrbaudeS befinden. ans 182 547 M., für auswärtige Verbände auf 20 000 M. Sehr hoch sind ferner die Kosten der verlragSmäßigen Beiträge an die Krcis-Krnnkenhäuscr in Britz und Lichtcrselde im Betrage von 48 707 M., die Heil- und,' VerpflegimgSkostcn an andre Kranken- Häuser und sonstige Ausgaben für Kranke 25 000 M. Die Pflege- gelber und Uiiterstütznngen stellen sich auf 90 000 M. Ferner wurde eine Summe von 12 000 9)1. für Verpflegung von Irren, Idioten, Blinden, Tauben in Anstalten des ProvinzialverbnudeS auSgcivorfen. I» Tciiipclhof soll es Heller werden. In der Gegend der katholischen Kirche, sowie in der Friedrich Karlstraße werden Straßen- latenten aufgestellt, sobald die in Betracht kommenden Eigentümer den Bürgcrsteig gepflastert haben. Von nnscrin Parteigenossen H. Lamms war gegen die Richtigkeit der Gcmcindc-Wählcrli'stc Ein- spruch erhoben worden. Die beantragte Aufnahme in die Liste tvurde aber abgelehnt, da der Antragsteller nach Ansicht der Gemeindevertretung keinen eignen Hausstand führt. Die Gemeinde- Vertretung nahm ferner den EnNvurf einer neuen Grundsteuer- Ordnung an. AuS Pankow wird uns berichtet: DaS hier im Jahre 1898 in der Schmidtstraße mit einem Kostenaufwand von 200 000 Mark errichtete Schulhaus giebt bereits zu schlimmen Bedenken Anlaß. Schon im vorigen Jahre tvaren wiederholt Ausbesserungen nötig. da sich im Treppenhause und in den Klassenzimmern beträchtliche Risse zeigten. Vor acht Tagen fiel während des Unterrichts ein großes Stück Putz von der Decke. Es war ein Glnckszufall, daß von den Kindern niemand verletzt wurde und daß der Lehrer sich durch einen schnellen Sprung in Sicherheit bringen konnte. Frägt man, wen' die Schuld an solcher Bauart trifft. so ist zunächst in Betracht zu ziehen, daß auch in diesem Falle ein Mindestfordcrndcr und zlvar der Baumeister Heckrath die Arbeit übertragen erhielt. Nun hat aber die Gemeinde den Grund und das Kellergeschoß selber errichtet und zwar unter Aufsicht einer ans Mitgliedern der Gcnicindevcrtretnng gebildeten Baukommission, die auch später die Arbeiten des Submittenten begutachtete. Der Baumeister kann jetzt selbstverständlich behaupten, dag die Reparatur- bcdürftigkcit des SchnlhauseS in einer ungenügenden Konstruktion des Kellergeschosses ihre Ursache habe. Das Ende vom Liede ist. daß der Steuerzahler die Kosten trägt. Diese Angelegenheit, die manche Leute gern vertuscht haben möchten, wird hier lebhaft besprochen. Ohne Zweifel wird sie auch bei den nächsten Gemeinde- tvahlen eine Rolle spielen, Gcviefzks-Beif uitiß« Der Potsdamer Fleischschmuggcl, wobei der Schlächter- meister Wilhelm Stünz im vorigen Jahre als Kutscher verkleidet in seiner Equipage 410 Kilo Fleisch steuerfrei einschmuggeln wollte, dabei aber von den städtischen Steuerbeamten abgefaßt wurde, hat am Mittwoch vor der Strafkanimer in Potsdam sein gerichtliches Nachspiel gefunden. Stünz, der den ihn verfolgenden Steucrbeamten mit der Peitsche geschlagen hatte, wurde wegen Widerstands z» zwei Wochen Gefängnis und wegen der Stcuerhintcrzichung zu 240.80 M. Geldstrafe verurteilt. Sein Helfershelfer, der Schlächter- meister Dnch, der dem Fuhrwerk des Stünz auf einem Zweirad voransfnhr, um zu sehen, ob die Lust rein sei, wurde zu 45 Mark Geldstrafe verurteilt. Stünz hat sich durch diese Steuerhinterziehung gezwungen gesehen, sein Geschäft zu verkaufen, Grmevkslkszttf ttiches. ZwaugSiuuuugö-FiaSko. Mit 34 gegen— eine Stimme tvurde in der ZwaugSinnungs-Gcneralversaminlniig der Schuhmacher. Sattler und Polsterer in E s s c n die Auslösung der Innung be- schlössen. Desgleichen beschloß die Zivangsinnung der Stuhlbauer in Rabenau, sich aufzulösen. Der Streik der Zinkhi'ittenkclltc in C h o p a c z o w (Gnidottohütte) dauert nnverändert fort. Ein Eiuignngsverfahren vor dem Bcuthencr Gcwerbe-�nspcltor hat leider nicht stältgefnnden. obgleich eS die Arbeiter Wnnichtcn. Tie Haltung dcS Gcwerbc- JnspcktorS ist vollkommen unverständlich. In Lipinc und Godnllahlitte ist wieder alles ruhig; die Arbeiter haben durch den Streik nichts erreicht. Der Bcuthener spolnisch-christliche) Berg- und Hiittcnarbciter-Verband, der unter den streikende» Zinkhüttciilcutcn eine nicht geringe Anzahl Mitglieder hat, weigerte sich, den Streik zu nnterstützeii. Er wiederholt das alte Spiel: im entscheideiiden Moment läßt er die Arbeiter im Stich. Der Streik der Hafenarbeiter in Magdeburg. Die Lohn- bewegimg der Gctreideverlader ist von Erfolg gekrönt worden. Am Dienstag früh legten allenthalben die Getreidearbeiter die Arbeit nieder, darauf ließen sich die Firmen zu Verhandlungen herbei und bewilligten mit einer Ausnahme die Forderungen der Aus- ' udig'c». Im Gegensatz zu den Privatmitcrneymern befindet sich daS Verhalten der städtischen Hafcndircktion. Miitwoch früh war eine Kommission der Streikenden zivecks Unterhandlungen beim Hafcndirektor, erhielt aber in recht schroffem Tone nur die Antwort, der Herr Direktor unterhandle nur mit Leuten, ivelche auf dem städtischen Hafen arbeiten. Die Zahl der Ausständigen be- trägt 400. Vevlmnntfungett« Der socialdemokratische Wahlvcrcin für den 4. Wahlkreis (Südost) hatte zum Dienstag eine Versammlung bei Brüder, Waldcmarstraße, einberufen, in der Genosse Dr. I. Zadel einen interessanten, populär-wissciischaftlichcii Vortrag über:„Die Influenza- Epidemie" hielt. Eine Diskussion über den mit lebhaftem Beifall aufgciiommcnen Vortrag ivurde nicht beliebt. Nachdem der Vorsitzende zur regeren Be'tciligimg an den Zusammenkünften der Gc- nossen in den einzelnen Bezirken aufgefordert hatte, erfolgte der Schluß der gut besuchten Versammlung. Ter Wahlvcrcin für den sechsten Berliner Reichstags» Wahlkreis hielt am Dienstag im Lokal von Glcincrt eine Mit- gliedcrvcrsammlung ab. Vor Eintritt.in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Gcnoffm Hiera nimus in der üblichen Weise. Alsdann hielt Genosse Warn st einen sehr instruktiven Vortrag über das Invalidität?- und Altersversicherung�- Gesetz, welcher von der leider mir schwach besuchten Versammlung mit lebhaftem Interesse aufgenommen ivurde. Genosse Kiesel stellte in Aussicht, daß derselbe Vortrag noch einmal vor einem größeren Zuhörerkreise gehalten würde. Unter Vcrcinsangclegcn- yeitcn ersucht H i n tz c die Genossen, bei der Stichwahl in Moabit alle verfügbaren Kräfte in den Dienst der Partei zu stellen. Nach- dem der Vorsitzende»och ans das am 10. März im Fccnpalast statt- findende Stiftungsfest hingcwicscii, erfolgte der Schluß der Versammlung. Marktpreise von Berlin am 21. Februar 1000 unlb Crmillbuigcn des tgl. Polizeivräsidimus. *)Wcizcn D.-Ctr. »/Höngen Fmter-Baft«, Hafer gm„ . niillel„ gering Richislroy„ He»„ OSrbscu„ cklSpeisebohncli„ Tlümfen„ Kmtojjcl», neue Nindlleisch. Keule l llx do. Bauch„ *) Enutllelt pro 15,30 14.30 13,00 15,— 14,10 13,30 4. 7,20 40,- 45,— 70,— 7,— 1,00 1,20 Tonne 14,- 13,00 13,- 14,20 13,40 12,60 3,66 4,£>0 25,- 25,- 30,— 4,50 1,20 1,- «011 Schivcüieslcijch Kalbfleisch taimiiclflcijch ulter Eier Karvfen Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krcdle 11-°: eo SliKk 1 1-" U per Schock 1,00 1,70 1,60 2,60 6,- 2,20 2,',0 2,»0 2,- 1,60 2,80 1,40 12,— 1,10 1,- I,- 2,- l'so 1,40 1,- 1,- 0,80 1,20 0,80 der C ciilralflelle der Prenh, Land- wirtschastelaiiiniern— RotiernngSpclle— und»ingerechuct vom Polizei- präsidinm für de» Doppeiccntiier. f; KleiiihaiidelSpreilr. Produktenmarkt vom 22 Februar. Der Getreide markt verharrte auch heute in Unthätigkeit bei schwacher Haltung. Zluslchlazgebend lücrfür waren neben dem ansgesprochenen Früblingswetter die matten Meldungen vom'Auslaiide. Besonders Paris sandle schwächere Preise, und auch Nordamerika war nach scstcrcm Beginn flart weichend. Am hiesigen Plapc war das Eiiellivgeichäsl bei nach wie vor starkem Jnlandsaugebole unverändert im LleserungShandel gab besonders Wetze» 0,75 M. nach, während Roggen sich besser behauplen konnlc und nur eine Kleinigkeit unter gestern schloh, Hafer wurde wenig gehandelt, Riiböl, welches gestern zum Schluß, noch 3,30 M gestiegen war, ans Icbhaslcn Konsumbegehr sür Rübsaaten, behauptete seinen höheren Preisstand. «in S p i r i t u s m a r l l winden 15 000 Liier 70« loco mit 47,30 M. (+ 0,10) gehandelt. BOtttceiiuzSiil'erslch» vom ÄL. Februar tilOV. morgen»»«Hr. i I£ I e f Stationen Z 2 5. i' Weiter |B|! KZ- |ei L« PK m !=» Swinenide Hamburg Berlin Wiesbaden M fluchen Wien « 753 SSW> 4,wollig 754 WSW i 2 heiter 756«NW 4hlb.bed 758 ,W 190 3 750 NW heiter 3wolkenl 3wolkig 1 -0 0 -1 -3 2 ärarionen « s m* ' S Si Wetter •f ijj aE =— K". s» Haparaiida Petersburg lioik Abcrdee» Paris 74S|3£0 744jW 7-4SO 2 bedeckt 4h«it« iegen 2Ä. -1 5 Wetter-Prognose kür Freitag, den 23. Februar Itlvv. Teils heiter, teils wolkig mir geringen Niederschlägen, ziemlich frischen südwestlichen Winden und steigender Temperatur. Berliner Wetterb urea». Mnr den Inhalt der Inserate nbcruimiut die Nedntlion dem Pnblitnm gegenüber keinerlei Berantmortiing. Freitag, 23. F c b r u a r. Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Anfang 7 Uhr. SchniispielhanS. Jugend von heute, Anfang?>/, Hku, lrciitsckies. Der Probekandidat. An- fang V/2 Uhr. Lcssing. Der Athlet. Anfang v/2 Uhr. berliner. Harold. Anfang 71/z Uhr. Neues. Nackte Kunst. Anfang V/2 Uhr, Schtlirr. Der Probepfeil. Anfang 8 Uhr. Westen. Der Postillon von Lon- juliicau. Anfang V/2 Uhr. Tholta. Im Hiininelhos. Alifana 7i/, Uhr. Oiestdcnz. Die Dame von Maxim. Anfang 7i/z Ubr. Luise». Faust.(1. Teil.) Anfang 7-/, Uhr. Neutral. Die kleine Excellcnz. Auf, 71/, Uhr. Carl Weist. Die Jagd nach dem Glück. Anfang 8 Ubr. Belle-Ztlliancc. Geschlossen, Bictorin. Berliner Bilder. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WilhclmstndtlschcS. Allein in London. Anfang 8 Uhr. Meiropok. Specialitätenvorstellung Die verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialltäten- DorsteNung. Im Reiche des Jndra. Anfang 71/z Uhr. Palast. Svccialitäten- Vorsiellniig. Ansang 7i/z Uhr. vieichshalle». Siettiii« Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Pauopliknm. Special!- läteit-Vorstelliuig. Urania. Jnvatidensir. Rl/ftft, Täglich abends von 5—10 Uhr: Steriuvarl«. Tanbenstraste 48/49. Abends 8 Uhr:„Von den Alpen zum Vesuv". Im H ü rf aal: Dr. Schwohn: „Die Oberslächenformen des nord- deutschen TieflnudeS"._ Belle-Alllance-Theater. l/egen Generalprobe oeachloiten. Sonnabend, zum 1. Male; Die Reise nach Amerika. Srfjillfi'-Iljciiier (Wallner-Theaterl. Freitag, abends 8 Uhr: Iber?r»I»«pl'«ll. Lustspiel in 4 Akten von O. Bliniienthal, Sonnabend 11 a ch m i t t. 3 U h r: Idas Ritthchcn v»» Hcilbroiin, Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Drohejil'ell. Sonntag, nachuiittags 3 Uhr: 8, Vorstellung im Schiller, üiiclnö: IVilhclm Teil. Sonntag, abends 8 Uhr: _ t'.vprlenne, Carl W elss-Theatcr Gr. Fraiiksnrterftraste 13Ä. I. Volksvorstellimg, ermässlgte Prelso. Parkett durchweg 1,10 Mk. Die J«s(l nach dem Glück. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabendnachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung. Aschendrödel. Crntpnl Direktion: sose fereneex. Die kleine Excellenz. Operette in drei Akten von Richard Hellberger. Anfang 7i/z Uhr: Morgen und folgende Tage: Die kleine Excellenz. Sonutagnachiiilttag 3 Uhr zu halben Preisen: Der Zigennerbaron. Operette von Ich. S traust. Thalia-Theater. Tel. AmtlVa 6440. Dresdenerstr. 72/73. Täglich: Riesenlacherfolg! Im Himmelhof. Thomas, Thtelscher, Helmerding, Juiikernian», PaulmüNer. Ansang 7i/z Uhr. Morgen und folgende Tage: Im Himmelhof. W. Noacks Theater, Vrniineliflraste 10. Der jiiiigfte iituf e nniit. Posse mit Gesang in 3 Alten v. Jacodsohu. Musik v. Lehnhardt. Jeden Sonntag. Dienstag und Donnerstag»ach der Vorstellung: Tanzkrättzchen. Arheiter-Liläullgsschule. 8onntagt, den!iZ. Pebrnar, abends 7 Ahr, im l okal des Herrn Knddatx(Könlgstädt Kasino), Holzmarhtstr. 73: Vorttas des Scllriftsteliers Dr. Rudolf Stelner über; Gierliard Häim Nach dem Vortrag: Gemlill. Beisammensein u.Tanz. 1(! Pintritt IO Pf. 4/n Garderobe I« Pf. RNetropol-Theater| Behrenstrasee 55 57. Sonnabend, den 24. Februar: Grosses Karnevals-Fest und letzter Itlaskenlball. 1000 Hark in bar ah> Schöuheitspreis. «S Konfektwerfen! Blumenschlacht Näheres die grossen Plakate. Apollo-Theater. Um 9 Uhr abends: Im Reiche des Indra. Eine Fahrt durch dl« Indischen Wundergärten. Um Vj8 Uhr; I a Facette. Schweetern Serlnl. Dell Pro. SHT" AcqaaniarlnolTn.' Wvf, Hill u. Null. Dlamantlne. Ephraim Thompeen. Dagmar Hansen etc. etc. etc. Der Koamoeraph, neueste Aufnehmen aus dem Transvaal- kriogo. Anfang Vi8 Uhr. Vorverkauf im Theater von 10 bis 1 Uhr, sowie im Invalidendank u. Künstlcrdank. Verantwortlicher Rcdacteur: Paul John in Berlin. Für den Jnsetatcntiil veranswortlich:»h. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bnding in Berlin. vehrenetr. db/L?. Dir. flied. Schulte. Vollstilndlg neues Fcbraar- Spcclallthtca- Programm. Mle.$idley. issDejo. les Arbras. Les Vicentina. Allison-Truppe. Lütke Carlsen. lim» Uhr 30 Minnteu Die verkehrte Welt mit der feenhaften Frauen-Parade. Anfang an Wochentagen um 8, an Sonn- und Festtagen 7i/z Uhr. Urasiln Tjuibonstrasse 48/4U. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen zum Vesuv". Hörsaal: I>r. Schwahn:„Dio Ober- fiächenformen dos norddeutschen Tieflandes." IiivnlidciiMtr. 57/02: Tagl. Sternwarte. Naclimlltags 5—10 Uhr. Cirkus Schnmann. Heute und täglich, adds. 7i/z Uhr: Auster 10 der besten Nummern des llteperloires: Romantisch- phantastische Handlung in 3 Abteilungen vom Hos-Ballett- meister A. Siems. Sonntag: 2 Vorstellungen. Nachm. lm Welhnscbtshszar. Abds.: Dr, Faust. Nachm. 1 Kind frei. Palast-Theater früher Fccn-Palast,©nrgflt. 22. Beispielloser Erfolg des neuen DlcAcn-Prcxramm». Hur erstklassige Speclslltilten. Neu! Scenen Neu! vom Kriegsschauplatz In Transvaal. di/z Uhr. Neu inseentert: 8i/z Uhr. Endlich allein. Hauptrolle: Dir. Rieh. Winkler. Ansang 7»/, Uhr. Vorverlaus 11 bis 1 Uhr. Feden Sonnabend nadi der Vorstellung: Tanzkrtlnzchen, Besucher der Vorstellung haben Frel-Tanz. Sonnabend, den 3. März 1900: Grosses Itockbier- Fest. Cirkus JBuhcIi. Heute, Freitag, den LZ. Februar, abends 7i/z Uhr: Hum. Klown-Abend. Zum 106, Male: I>le Cauiorra. Austerdeiu; Amateur- Konkurrenz- Reiten. 50 M. Prämie. Eharivari von 100 KlownS. Osker Renz, Schul- reite,. Signor Ricardo mit fein, brejs. Hunden. Eguestrjscher Karnevalsmo. "Passap-Pasiopticum; CeBffnet 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Neu! Die Neu! Katakomben der Kapuzinermönche zu Palermo* Sanssouci läottbnscrstr. 4 a. Freitag und Sonnabend: Keine Soiree. Sonntag, den 25. Februar: Hölttnanns Xordd. Sänger. Präsident Krüger. Die Sangesbrüder. Nach der Soiree: Tanzkränzchen. Dienstag, 27. Februar: Gr. Fastuachts-Ball. SEm Riese der englischen Armee Sergeant Th. Dalroj HS m 30 cm hoch I Oberbayrische Sänger und Schuhplattler- G esellschsft. Maskengarderobe von Adolf Runge, Gr. Frankfnrterstr. 79, Amt VII, 4078, empfiehlt den Vereinen seine große Auswahl in Kostümen in sed. Preislage, Grohes Lager von Kamevah-Aufzügen.