UnterhaltungsSlatt des Vorwärts Nr. 33. Sonnabend� oen 13. Februar. 1913 CS] Gerdricbte einer Bombe. Von AndreasStrug. Uni mit beiden Händen an den Kopf sich fassend, be- gann er zu klagen: „Ich bin verloren! Ich bin hin! Ich bin in eine Falle geraten! Ich gehe mit meiner ganzen Familie zugrunde! Ach Gott, ach Gott, ach Gott, ach Gott!" Der betroffene Knabe nahm den Zettel wieder an sich und wartete auf eine Aufklärung. Aber der Vetter rief den Hausknecht, einen kräftigen Kerl, und befahl ihm im Tone xmes Chefs: „Jetzt hör', Benzion, was ich Dir sage! Nimm diesen mir ganz fremden Buben und fi'hre! ihn zum Tor hinaus. Sag' ihm. wenn er sich noch einmal sehen läßt, laß ich ihn arretieren!— Du, Benzion, wirst, wenn es dazu kommen sollte,— was Gott verhüten möge— bezeugen, daß ich ihn nicht kannte und hinausgeworfen habe. Hinaus mit Dir!" Der Knabe war über diese Wendung der Dinge sehr ge- kränkt. Um so größer wurde seine Neugierde, das Ge beimnis des Dokuments zu erforschen. Gleich am nächsten Tag begab er sich aufs neue auf die Suche nach einem ver trauenswürdigen Menschen, der Polnisch verstand. Nach langen Bemühungen fand er ihn endlich. Es war dies ein geheimnisvoller Mann, auf den er von einem Kaufmann hin- gewiesen worden war(der Kaufmann trug seinen ganzen Laden in einem Korb mit sich!), und der auf dem Markt in der Gänsegasse stand und nichts tat, als sich lustig mit allen Leuten zu unterhalten, mit welchen er Geschäfte hatte. Sie bestanden im wesentlichen darin, daß die Krämer, die Schlächter, die Bäcker ihm zu bestimmten Terminen kleine Sümmchen bezahlten. „Zu diesem geh," wurde ihm gesagt.„Dieser verteufelte Kerl kann alles! Er ist von der„Partei"— er wird Dich nicht verraten." Der höflich aufgeforderte Vagabund nahm den Zettel. verlangte sechs Groschen für das Lesen, und als der Knabe darauf erwiderte, er hätte kein Geld, wallte er ihn schon zurückgeben. Als jedoch sein Auge eine Zeile gestreift hatte. vertiefte er sich in den Inhalt. Er las lange und mit großer Aufmerksamkeit. Darauf zündete er sich eine Zigarette an, steckte das Papier in die Tasche und entfernte sich gleichmütig. „Bitte, gib mir mein Papier zurück! Ich habe es sehr nötig!" „Mach, daß Du fortkommst. Du Lump! Solang Du heil bist!" Und als der Knabe laut zu rufen anfing und den Eni- eigner festzuhalten suchte, nahm ihn der Kerl mit zwei Fingern beim Ohr und zog dermaßen an, daß dem armen Buben Funken vor den Augen tanzten. Der Junge brach in Tränen aus und entfloh schreiend. Am Abend dieses Tages fand im Hintergebäude eines Hauses im ärmlichsten Viertel der Stadt die Wochensitzung des„Komitees der Hand der Gerechtigkeit" statt. Jedes der anwesenden Mitglieder gab Rechenschaft von seiner Tätigkeit. Der„Draht" beklagte sich, daß er in seinem Revier keine Sammlung mehr zustande bringen könne; die Händler streikten und erklärten, die Revolution sei zu Ende, und sie wollen nicht mehr zahlen. Die„Nadel" berichtete von elf Besuchen bei reichen Leuten, die zusammen nicht mehr als acht Rubel ergaben. „Warum hast Du genommen? Du hättest nicht nehmen sollen, nur ein Gesicht machen und so tun, als wolltest Du gehen. So wurde es immer gemacht. Dann pflegten sie noch zu bitten, daß man's von ihnen nimmt. Und haben oft hundert Rubel gegeben." „Ja, wann war das?— Jetzt sind andere Zeiten!" Das„Briefchen"� berichtete die traurige Neuigkeit von der Verhaftung des Genossen„Haus" mit Waffen in der Hand. Das„Brieschen" hatte Tränen in den Augen, als es den Vorfall erzählte: ».Sie haben ihn mit den Bajonetten blutig geschlagen, und als ich zu unserem Reviervorsteher ging, wollte der Schuft nicht einmal davon reden, obwohl ich ihm erst fünf» zehn Rubel, dann fünfzig und schließlich sogar hundert bot! „Auch mir tut er leid," hat er gesagt,„aber ich kann jetzt nichts tun. Andere Zeiten!" sagte er." „Ach schlimm, ach schlimm! Unser„Haus" ist verloren! Wo sitzt er?" fragte„Richter". „Schon— dort!" Der Richter machte eine resignierte Bewegung mit der Hand. Alle seufzten tief über den Verlust des guten Kameraden und berieten weiter. Der Vorsitzende, der Kerl vom Markt in der Gänscgasse, schimpfte die Genossen wegen ihrer Un» fähigkeit aus, denn bei der Teilung fielen nicht ganz fünf Rubel auf jeden. „Ist das erhört? Habt Ihr ein Gewissen? Lumpen seid Ihr und nicht Kommunisten! Was macht Ihr denn eigent- lich so in einer ganzen Woche? Ihr seid nicht wert, einer anständigen Organisation anzugehören!" „Sei nicht böse,„Richter", sondern begreife, daß jetzt andere Zeiten gekommen sind. Jetzt kannst Du nicht mehr ein Geschäft von fünfhundert Rubeln machen und Dich dazu für den nächsten Tag bei demselben Bourgeois zu Mittag mit Gänsebraten selbst einladen, und darauf noch ein Tänzchen machen. Versuch's doch selber! Für dergleichen ist es zu spät!" „Ich verlange von Euch keine großen Transaktionen von fünfhundert Rubeln. Nur, daß Ihr Eure kleinen Geschäfte pflegt. Das muß gehen wie eine Uhr!" „Ja, eine Uhr muß zuweilen auch aufgezogen werden," sagte der„Schutzmann". „Ein kluges Wort!" lobte der„Schneider". „Ein kluger Rat!" bemerkte die„Nadel".„Aber wer soll sie aufziehen? Waffen haben wir keine. Leute zum Tot- schießen auch nicht. Dazu haben sie auch noch das„Haus" verhaftet in diesen dreckigen Zeiten! „Das„Haus", ja, der hätt's gekonnt! Das war ein an- ständiger Kampfgenosse, einer von den Alten!... Uüs aber fürchtet man immer weniger. Sagen wir uns die reine Wahr- heit: uns fürchtet man schon gar nicht mehr. Es kann sich eben nicht ein jeder so hinstellen wie der„Nichter"."' „Bei mir, in meinem Viertel sagen die Leute ganz offen: warum sollen wir Steuern zahlen, wenn sechs Wochen ohne das geringste Attentat vergangen sind! Sie sagen: aus mit der Revolution! Sie sind alle aus einmal zur Vernunft gekommen." Der bisher schweigsame„Kanarienvogel" brachte eine» formalen Antrag ein: Man möchte in den nächsten Tagen eine Reihe von Ucberfällcn in verschiedenen Gegenden des jüdischen Viertels arrangieren, um das daniederliegende Ge- schäft zu beleben. Die Waffen könnte man mieten. Aber niemand hatte rechte Lust dazu. Es lag an der Zeit. Endlich ergriff der„Richter" selbst das Wort. Er schrie mehr als er sprach, so daß die Kinder, die hinter der Wand schliefen, erwachten und zu weinen begannen, so daß die ge- lähmte und seit zehn Jahren in den letzten Zügen liegende Mutter des„Schneiders", in dessen Wohnung die Beratung stattfand, ,u stöhnen und mit Grabesstimme ein unheilvolles Geschrei zu vollführen begann: „Ach. Ihr Diebe! Ihr Räuber! Daß Euch noch der Donner nicht erschlagen hat! Daß Gott mir Unglücklichen Hände und Füße benommen hat! Daß ich Unselige nicht aufstehen kann und Euch der Polizei auslieferu! Daß man Euch alle endlich einmal aufhängt! Diebe! Räuber!" Die Beratenden ließen die Augen sinken und und saßen still, beschämt die schrecklichen Wahrheiten hörend, mit denen der Vorsitzende sie nicht verschonte: .. Was seid Ihr für Leute! Armenhäusler! Feiglinge! Kombinatoren I Der gemeinste Dieb hat mehr Mut und Ehre im Leibe als jeder von Euch! Schande häuft Ihr auf die große Sache! Schmach auf die alte Organisation der„Hand der Gerechtigkeit", deren Gründung so viel Blut und Opfer gekostet hat. Sind dafür unsere Tapfersten den Heldentod gestorben und unser großer Gründer, der Held der Heldett. unser geliebter„Luser". daß Ihr, stinkendes Pack, an ihrem heiligen Andenken nur verdient und von Euch aus nichts für die Sache tut? Schon lange sehe ich Euch zu, Ihr Fetzen, und sag nichts. Schon lange warte ich geduldig auf Besserung wie ein Vater, aber jetzt ist's genug! Ich weiß genau, was jeder von Euch denkt. Er denkt, daß der„Richter" ebenso ist, daß der„Richter" das erlaubt, daß der„Richter" Angst hat, den Browning selbst in die Hand zu nehmen, und nur Geld erpressen will bei der Bourgeoisie, zusammensparen, um bald ein eigenes Geschäft damit zu gründen! Ihr ge- nieinen Feiglinge! Du,„Nadel", lächle nicht und denke nicht, daß ich bloß so rede, weil in dieser Woche der Umsatz so ge- ring war. Du.„Nadel", erinnere Dich wohl, was am hellen Tag mit dem„Tramwaykutscher" geschah, der mich nicht als feinen Chef achten wollte. Und Du,„Roß", ich weiß wohl, was Du denkst: Du willst Dich ganz im stillen drücken und zusammen mit Deinem Schwager ein Geschäft gründen, für das Geld, das gesammelt wurde, und für das, das Tu der Partei gestohlen hast, trotz Deines Schwurs. alles bis zum letzten Pfennig abzuliefem. Aber von uns zieht man sich nicht so leichten Kaufes zurück. Und der an so was denkt, mag sich an gewisse Ereignisse erinnern! Und jetzt rate ich euch in Güte— denkt an das, was war!— Hier redet heute einer wie der andere und sagt: schlechte Zeiten! Ja, warum? Ihr dummen Feiglinge! Jetzt erst kommt für uns die Zeit! Jetzt erst ist es unsere Sache, der Welt zu zeigen, was Kommunisten sind! Aber ihr versteht nichts! Oder verstehst du's,„Schutzmann", so sprich! Warum glaubst du, daß man jetzt keine größeren Geschäfte mehr machen kann? Sprich, ich befehle es dir!" (Lortietzung folgt.)! Die Spintie. Von Paul Eitel. (Schluß.) Schweigend arbeitete ich längere Zeit. Tiefe Stille herrschte— die dumpfe, eintönige Stille eines Nes in der Erde liegenden Gc- wölbes mit seinen kahlen, sckmutzigen und finsteren Mauern, die ctwaS Grausiges, Unheimliches hatten. Das Gaslicht über meinem Kopfe, daS frei brannte, summte leise, zischend, in kurz abgebrochenem Pfeifen. Und dieses Geräusch klang wie ein schwermütiges Lied, das Lied eines lebendigen Grabes, eintönig und monoton, und inachte die Stille, das unheimliche Schweigen in diesem Raum nur noch dunipfer und erdrückender. Als ich mit dem letzten Breit Schrippen fertig war. sah ich einmal flüchtig auf. Ich war überrascht: mitten an der Wand lief die Spinne. Sie war von dem ällen Netz heruntergekrochen. Plötzlich bielt sie inne und blieb stehen, als wäre sie selbst überrascht, datz ich fie sah. Und zögernd wandte sie sich, einnial nach rechts, dann wieder nach links, um dann, wie in einem schnellen Entschlüsse, mit einem einzigen Satz in ihr neues Gewebe dnhinzufchietzen, wo sie sich gleich in den äußersten Winkel verkroch. Sie blieb da mehrere Tage verborgen, kaum daß fie sich hin und wieder ein wenig rührte. Ich opferte jeden Tag'/�Stunde für fie und fing ihr eine Fliege. Manchmal zwei, auch drei, sie nahm fie olle an. Allmählich verlor sie die Scheu»nb wagte jetzt öfters, au« ihrem Netz hervorzukriechen. Anfangs blieb sie aber immer in deficn Nähe. Eines Nachts aber — ich rollte gerade den Kuchenteig zu einem langen dünnen Fleck aus— kam sie zu mir herunter und kroch bis zu dem schmalen Rand der hölzernen Teigmulde vor, wo sie eine ganze Weile sitzen blieb und mir aufmerksam zusah. Mich rührte und fcfielte daS Gebahren dieses kleinen, winzigen Tieres, daS eine große Intelligenz verriet, und ich dämp'Ie den Lärm des alten Roll- Holzes, das furchtbar quietschte, um sie nicht zu erschrecken? Endlich wagte sie sich mehr vor und kroch aus der Mulde hin bis zu dem ausgerollten Tetgfleck hin, den sie mit ihrem spitzen Schnabel be- fühlte. Und zuletzt stieg sie hinauf und spazierte auf dem Teige herum. Mir war das höchst unlieb. Eine Weile wartete ich in der Hoffnung, daß sie von selbst wieder weggehen würde. Aber ihr fiel das nicht im geringsten ein: sie schien sich im Gegenteil beinahe häuslich niederlassen zu wollen. Ich hatte wenig Zeit, und mit dem Fellopf in der Hand stand ich ratloS da und wußte nicht, was beginnen. Sie hinderte mich an der Arbeit. Und anfassen wollte ich sie nicht, da ich fürchtete, ich könnte ihr wehetun. Zweimal rief ich ihr zu:.Aber so geh' doch weg. Siehst du denn nicht, daß du mich aufhältst!" Sie börte nicht. Da blies ich sie mit meinem warmen Atem sachte an. Sic sträubte sich, krümmte ihren Leib hoch, indem sie mit den Füßen sich fest gegen den Teig anstemmte. Ich blies abermals, diesmal aber stärker. Und wirklich, ich brachte sie von ihrem Platz herunter. Ganz böse drehte sie sich nach mir herum, dann schlich fie wieder langsam, trübe weiter. ES tat mir eigentlich leid, daß ich fie ein wenig geärgert hatte. Aber diesen Borfall halte fie bald wieder vergeffen. und sie wurde von Tag zu Tag kecker und zutraulicher. Wenn ich jetzt abends in die Backstube trat, schlüpfte fie gleich auS ihrem Winkel hervor, ge« rade als ob fie auf mich schon gewartet hätte. Sie rannte unruhig an der Wand hin und her und sah mich erwartungsvoll an. Ich wußte schon, was das hieß, und ich begann, die Wände nach einer Fliege abzusuchen. Das war das erste, was ich tun mußte. Sie war ein sehr boshafter Tyrann, meine kleine Freundin, die mir wenig Ruhe ließ. Manchmal verlor ich die Geduld und fuhr fie an:„Aber so geh doch endlich nial, du dummes Ding. Ich habe jetzt keine Zeit." Sie blieb aber sitzen und sah mich groß, der- wundert an. Ich konnte ihr wirklich nicht böse sein, und ich mußte sie dann schön bitten und locken, an meinem Finger hinailfznkriechen» damit ich sie an ihr Gewebe hängen konnte. Denn anders brachte ich fie nicht fort. Besonders gerne spazierte fie auf meinen Händen hernm, gerade als ob sie mich liebkosen und mir ihre Freundschaft damit beweisen wollte. Ich hatte sie darin ganz verwöhnt. Aber sehr milieb war es mir, wenn ich mich zum Eisen auf die Teigmulde setzte und sie dann ankam und über meine Hand oder über meine Schenkel lief und aus die belegten Stullen hinauf spazierte, um auch ihre Nase da hinein zu stecken. Oesters spielte sie mir einen Schabernack. Einmal war ich eine Weile draußen vor dem Ofen gewesen, um nach dem Feuer zu sehen. und als ich wieder zurückkehrte und weiter essen wollte, fand ich meine übrigen Swllen mit einem ganzen Netz von feinen Fäden überzogen. Triumphierend stand sie aus dem einen Ende und blinzelte mir übermütig, ein wenig boshaft zu und rieb sich ihre Beine auf der glatten, schwarzen Wurstichelbe ab. Ich unterdrückte meinen Acrger und jagte sie etwas unsanft weg. Die Stullen mußte ich fortwerfen. Ich entdeckte noch eine andere Eigenschaft, die ich bisher an ihr noch nickt kannte:— eine furchtbar große Neugier, die sie oft zu den gewagtesten Torheiten verleitete. Sie kletterte einmal an dem eisernen Gasrohr doch, um das Licht, die summende, tanzende und inimer nervös flackernde Flamme näher in Augenschein zu nehmen. und hätte sich beinahe ihren Kopf dabei verbrannt. Erschreckt purzelte sie wieder an einem langen Faden hängend herunler und landete auf der Mulde. Sie war rm ersten Augenblick so bestürzt, daß sie sich nichr rührte. Ich konnte nicht umhin, ihr ein wenig Vorhaltungen zu machen. und sagte zu ihr:„Siehst du, meine Liebe, daS kommt daher, weil du zu vorwitzig bistl Ueberall muß mau seinen Schädel iricht hineinstecken!' Aber fie hörte herzlich wenig auf meine Moral und kehrte mir ihren Rücken zu. Und»ach einer Weile lief fie, müde und schlecht- gelaunt, in ihren Winkel, um sich dort auszuruhen. UebrigcnS besaß sie auch einen große» Mut. DaS bewies sie, als eines Nachts ein schwarzer, dicker Käfer durch die schmale Ritze aus dem Mehllrog hervorkroch und neugierig den Kops in die Höhe streckte und in der Luft herumschnüffelte. Kaum halte sie ihn gesehen, als sie auch schon wie ein schnelles, flinkes Rad aus ihn losschoß. Der Käfer machte erschrocken kehrt und rannte schnell davon, dicht hinter ihm her meine kleine, energische Freundin mit vorwärts gebogenem Kopf wie ein Stier, der aus den Feind losgehen will. Sie ver- schwanden beide durch die schmale Ritze in den Mehlirog hinein. Eine ganze Viertelstunde blieb sie verschwunden, dann erschien fie wieder, ganz weiß, mit einer dicken Schicht Mehl bedeckt und be- wegte sich langsam und schwer vorwärts wie ein kleiner, runder. lebendig gewordener Mehlklumpen. Ich erkannte sie kaum wieder und es fehlte nicht viel, so hätte ich sie mit dem Besen von der Mulde heruntergefegt. Ganz erstaunt rief ich ihr zu:„Na. wie siehst denn du aus?...' Sie schüttelte sich, kratzte mit ihren langen Hinter- beinen das Mehl vom Rücken und scheuerte ebenso ihren Kopf. Ihre alte graue Farbe bekan sie aber nicht wieder, fie blieb immer noch von einer dünnen Schicht Mehl bedeckt, die sich nur langsam verlor. Das kümmerte sie aber äußerst• wenig; sie lief herum, munterer und vergnügter denn je. Einmal kletterte sie, wohl um mir bester zusehen zu können, wje ich den Schneckenteig zusammenrollte und ihn in schmale Scheiben zerschnitt, aus den Fetttops hinaus und balancierte auf dem dünnen. ichmalen Rand. Es war gewiß Neugier, die sie veranlaßte, sich etwas tiefer über den Topf zu bücken. Plötzlich rutschte fie auf den, glatten Rand aus und plumpste mitten in das flüjfige Fett hinein. lind erbärmlich, dem Ersticken nahe, zappelte sie in dieser gelben Flüsfigkeit brrum und arbeitete sich, je mehr fie sich anstrengte, auS dieser tückischen Falle herauszukommen, nur immer tiefer hinein. Ich fischte sie mit einem Finger heraus, fie hatte so viel Fett auf- gesogen, daß sie sich kaum mehr rühren konnte; nur mühsam kroch sie vorwärts, einen langen, dünne» Fettstmfen hinter sich bildend. Zum Glück war das Fett nicht heiß gewesen, sonst wäre fie un- fehlbar verbrüht. Das sind nur einige der Abenteuer, die sie erlebte— und sie erlebte deren viele!... Aber eines Abends trat etwa? ein, das ihrem jungen, winzigen Leben ein jähes EndS' bereiten sollte. Es waren sieben, vielleicht auch acht Wochen verflossen, seit ich mit der Spinne befreundet war. Da erschien einmal mitten in der Nacht der Meister. Er kehrte von einem Skatklub zurück, dem ein halbes Dutzend Bäckermeister der Nachbarschaft angehörten und den er jeden Mittwoch regelmäßig besuchte. Meistens hatte er verspielt, und so trat er denn fast jedesmal herein, um seinen Aerger erst irgendwo auszulassen, ehe er sich hinauf zur Meisterin in das Ehebett begab. Ich war aN sein unvermutetes Erscheinen bereits so gewöhnt. daß ich laum noch aus ihn achtete. Wenn er mich sah, kniss er seine Augen zusammen, tückisch und boshaft, und ließ fie in der Backstube scharf spähend umherschweifen, um einen Anlaß zu finden, mir eins auszuwischen. Ich bewohne aber meine kalte Ruhe und fing diesmal, um ihn noch etwas mehr zu ärgern, zu pfeifen an, während ich die Strcußelkuchen fertig machte. Ich tat da-Z sonst nie. Aber heute schien— im ersten Augenblick wenigstens— alles in Ordnung zu sein: trotzdem ließ seine schlechte Laune keineswegs nach. Mit beiden Händen faßte er in alle Teige, die auf der Mulde und auf dem schmutzigen Erdboden, in leere Mehlsäcke ge- hüllt, lagen. Er prüfte fie aus ihre Festigkeit hin, mit weit aus- einandergespreizten Fingern, wie mit Krallen eines Raubvogels, an den seine ganze kleine, gcduckr-lauernde Gestalt lebhaft erinnerte. Dann richtete er sich langsam wieder hoch und warf mir einen kurzen, wütenden Blick von der Seite zu. „Der Schrippcnteig könnte auch etwas weicher sein. Der ist viel zu fest.... Sie scheinen wohl gar nicht daran zu denken, daß das Mehl Geld kostet.... Mein Geld I Ich muß es vorher auch verdienen... und sehr sauer verdiene ich's!" Ich belegte ihn im stillen mit einigen zärtlichen Kosenamen und schwieg. Er aber fuhr weiter fort in seiner Litanei, die ich schon kannte, da ich fie fast täglich zu hören bekam: „Ach I— wie schwer»st es, lein Geschäft zu führen I Sie haben keine Ahnung... nicht einen Schimmer verstehen Sie davon, gar nichts verstehen Siel... Ja. und da plagt und plagt man sich und setzt fast noch dabei Geld zu— und obendrein soll man sich dann noch ärgern I Das ist die ganze Sache kaum wert.. Ich pflichtete ihm in Gedanken bei. Aber plötzlich bemerkte er die Spinne, die wahrscheinlich von irgendeinem Winkel zurückkehrte und ahnungslos über die Wand kroch nach ihrem Netz hin. Er brach ab und mit der Hand weit ausholend, schlug er sie mit lautem Klatschen an der Wand breit. „Diese ekelhasten gemeinen Biester I Ich möchte nur wissen, wo das Aeug bloß herkommt. Ueberall sind sie, kriechen überall herum und steigen überall hinein. Hol der Teufel die Luders 1" Er wischte sich die Hand an seiner Hose ab und schwieg eine Weile. Dann schien ihm aber noch etwas einzufallen, und er wandte sich wieder zu mir: „Besser aufpassen könnten Sie auch. Das wollte ich Ihnen noch sagen. Gestern war die Nachbarin, die Petscholde, da und zeigte mir einen schwarzen Käfer, den fie im Brot gefunden hätte I... Zu was sind Sie denn da?... Glauben Sie vielleicht, ich zahle Ihnen umsonst mein schönes Geld?.,.* Bisher hatte ich geschwiegen, da ich mich nur ungern austegte. Aber die letzten Worte, die ganz seiner schmutzigen Gesinnung entsprachen,' brachten mich doch auf und versetzten mich in äußersten Zorn. Kaum fähig, mich noch einigennaßen zu beherrschen, lief ich auf ihn zu, faßte ihn am Kragen und wies nach der Tür. „Jetzt machen Sie aber, daß Sie schleunigst hinauskommen und lasse» Sie micb in Ruh! Haben Sie micb verstanden?" Er duckte sich zusammen, ganz erschreckt, und verhielt sich Plötz- lich mäuschenstill. Dann richtete- er sich auf und rannte mit einem schnellen Satz hinaus— bis zu der allen, morschen Treppe, die nach dem Laden führte. Dort fühlte er sich etwas sicherer und begann, zum erstenmal in seiner wahren, erbärmlichen Feigheit sich zeigend. erst seinem Herzen in einer Flut von wüsten Schimpfworten Luft zu machen, ehe er sich ganz davonschlich. Ich war nach diesem Ereignis willens, schon den andern Tag zu gehen. Aber als ob der Meister dies geahnt hätte, hielt er sich verborgen und ließ sich den ganzen Tag nicht sehen. Ich verschob es, zumal meine Erregung nach und nach abflaute, auf ein anderes �mal. Doch hatte mich eine plötzliche Unlust zur Arbeit ergrifien, eine wilde Unruhe und Nervosität, die mir sonst fremd war. Von Tag zu Tag ging ich mit größerem Widerwillen an die Arbeit heran, die mir mit einemmal verhaßt war. Die Langeweile beschlich mich wieder, aber fie war hundertmal größer und erdrückender als wie im Anfang. ES fehlte mir etwas... was, wußte ich nicht genau... das heißt, ich wollte es mir nicht eingestehen... die Spinne I... So ttef hatte sich dieser kleine Kobold in mein Herz eingeschlichen I... Sie fehlte mir wirllich, und waö fie für mich war, entdeckte ich erst jetzt. Ein Ueiner. runder, brauner Schmutzfleck an der Wand, der allniälig zu verblassen anfing, war alles, was von ihr noch übrig blieb. Ost blickte ich unwillkürlich auf und sah nach dem Netz, als ob sie da noch hinge oder jeden Augenblick hervorkommen könnte. Ich schämte mich beinahe vor mir selbst, wenn ich mich in Gedanken an sie ertappte; und um nicht fortwährend an fie erinnert zu werden, riß ich das Netz ganz herunter, das feine, zarte Gewebe, das kaum eine Spur an meinen Fingern zurückließ. Aber trotzdem sehe ich noch öfters nach jener leeren Stelle hin. wo fie damals gehangen hatte: Jetzt gähnte mich wieder das schwarze düstere Loch an. Ich faßte einen kurzen Entschluß und kehrte einige Tage später diesem Schmutzwinkel von Bäckerei den Rücken, in dem ich drei Monate lang täglich fünfzehn Stunden zugebracht hatte. Die Gcrdricbtc der 8üdpolar- forfckung. Zum ersten Male in der Geschichte der antarltischen Forschung haben jetzt kühne Pioniere der Wissenschaft in der Eiswüste des Südpolargebiets ihr Leben lassen müssen, und während die Eni» deckung der Nordpolarländer in allen Jahrhunderten reiche Opfer an Menschenleben erforderte, waren bis zum Untergänge des Kapitäns Scott und seiner vier Begleiter alle Südpolareppeditionen glücklich zurückgekehrt, wenngleich auch hier einzelne Teilnehmer, allerdings stets nur infolge von Krankheilen, den Tod gefunden hatten. Freilich wat die Zahl der Forscher, die die Geheimnisse der AntarkliS zw lüften versuchten, weitaus geringer als die der Nordpolarfahrer, wie überhaupt die Geschichte der antarktischen Forschung viel jüngeren Datums ist. Sie beginnt erst mit dem Jahre 1773. in dem James Cook, der berühmte Seefahrer, der Neuseeland entdeckte, zun: ersten Male einen Vorstoß nach dem äußersten Süden des Erdballes unternahm. Es war am 17. Januar 1773, kurz vor Mittag, als Kavitän Cook zum ersten Male den südlichen Polarkreis mit seinem Schiffe kreuzte. Er war also noch rund 2400 Kilometer vom Südpol entfernt. Die nächste große Südpolarexpedition war die russische unter Leitung des Admirals Bellinghauien, die ISIS von Portsmoulh ausfuhr. Sie gelangte bis zu 69 Gr. 2 Min. südlicher Breite, wo sie durch die große Eisbarriere aufgehalten wurde. Viel weiter gelangte im Jahr- 1822 Kapitän James Wedelt von der englischen Marine, der dem Südpol bis auf etwa 1300 Kilometer nahe kam. Im Jahre daraus weilte der Amerilaner Benjamin Morrell in der Antarktis. Er erklärte, daß auf 70 Gr. 14 Min. der Weg zum Pol offen vor ihm gelegen habe, daß er aber durch Mangel an Heiz- Material und Nahrungsmitteln an der Weiterreise gebindert Wörde» sei. Seine Berichte begegneten freilich starken Zweifeln an ihrer Glaubwürdigkeit. Im Jahre 1837 erforschte� eine französische Expedition unter Du Mont d' Urville die südlichen«Heilands- Inseln, konnte aber angesichts der massiven Eisbarricre nicht weiter vordringen. 1838 entdeckte der amerikanische Kapitän Charles W i l k e S weite Landstrecken in der Südpolarzvne, die nach ihm WilkeS-Land genannt wurde», und die er kartographisch austtahm. Auf ihn folgte der er- folgreichste unter den älteren antarktischen Forschern, JameS Clark Roß, der 1841 bis zu 78 Gr. 10 Mi», südlicher Breite vordrang und die Küste von Viktoria-Land befuhr. Von hier� auS sind, wie man weiß, während der letzten fünfzehn Jahre die erfolgreichen Ber- suche ausgegangen, die schließlich zur Erreichung des Südpols ge- führt haben. Der jüngere Roß entdeckte 1841 auch die beiden ge» walttgen Vulkane von Viktoria-Land. die später, nach dem Unter- gange der Franklinschen Nordpolexpedition, zur Erinnerung an dessen beide Schiffe„ErebuS" und„Terror" genannt wurden. Nun dauerte es rund 60 Jahre, b»s es wieder gelang, weiter nach Süden als Roß vorzudringen, und die in der Zivischenzeit unternommenen Expeditionen waren nicht sonderlich vom Glück be- günstigt. So kam im Jahre 1373 Sir Georges RareS nur bis zu 66 Gr. 42 Min., wo er als Führer der ersten Dampferexpedition durch dickes Packeis zur Umkehr gezwungen wurde. 1894 kam der skandinavische Kapitän Larsen bis zu 68 Gr. 10 Min. südl. Br. Bessere Erfolge erzielte erst die.Velgica"-Expedition von Adrien de Berlache, die im Jahre 1897 erfolgreiche Wissenschaft- liche Untersuchungen unter 71 Gr. 35 Min. durchführte. Es war die erste Expeditton, die während des SüdwinterS in der 2'/, monatigen antarktischen Nacht überwinterte. Erst Carsten Borchgrevink, der norwegische Führer einer aus zehn Personen bestehenden englischen Expedition, drang um die Jahr- hundertwende um 40 Min. weiter nach Süden vor als 1841 der jüngere Roß: Borchgrevink landete im Viktorialand bei Kap Andare und gelangte bis zu 78 Gr. 50 Min. südl. Br. Nun folge in den Jahren von 1901 biö 1904 Kapitän Scotts erste große ForschungS- reise, die sogenannte Discovery- Expedition, die den eigentlichen Unter» grund für dte späteren Vorstöße zum Pol legte. Scott, der dem Pol bereits bis auf 550 Kilometer nahe kam, machte wichtige geologische Entdeckungen und wies das Vorhandensein des antarktischen Kontinents unzweifelhaft nach. Erwähnt werden muß außerdem noch die deutsche Südpolarexpedition unter Erich v. D r y g a l S k i, die um die Jahrhundertwende vor allem wichtige ozeanographische Fest- stellungen machte, die aber nicht sonderlich weil nach Süden gelangte. Im Jahre 1903 gelangen auch dem Schotten Dr. Bruce bedeutsame wissenschaftliche Feststellungen in der Antarktis. Run folgt die letzte Etappe im Kampfe um die Südpolttophäe. Am 9. Januar 1909 gelangte Ernest S h a ck l e t o n bis zu 88 Grad 23 Min. südlicher Breite. und er hätte gewiß schon damals die noch sehlenden 170 Kilometer bis zum Pol zurückgelegt, wenn ihn nicht Mangel an Lebensmitteln zur Umkehr genötigt hätte. So blieb es dem Begleiter Scotts auf der DiScovery-Expedition verwehrt, den endgültigen Sieg davon- zutragen, der am 14. Dezember 1911 dem Norweger Roald Amundsen zufiel. Er Pflanzte auf dem 90. Breilegrad die — 132— •*.U"* �'"gge auf, We nun fünf Wochen spZter, am »». Januar KU bot Kapitän Scott, der als Zweiter den Südpol erreichte, am Pol nocu gefunden wurde. Dieser aus den bei der Leiche Scotts aufg-fundenen Aufzeich« Iwngen hervorgehende Umstand ist übrigens ein unumstößlicher Bc« weis dafür, daß sowohl Amund�n wie Scott tatsächlich den Südpol erreicht haben. Denn Scott war von dem Erfolge Amundsens nichts bekannt, und wenn er Anr.ndsen» Spuren nicht gefunden hätte. so wären immerhin Zweifel möglich ge- Wesen. ob der eine oder der andere der beiden Ztoschm: sich bei seinen Ortsbestimmungen nicht vielleicht doch geirrt hätte. In bezug auf die Erreichung deS Nordpols durch Peary liegt ein solcher unumstößlicher Beweis bekanntlich nicht vor. Es fei zum Schlüsse noch einiger anderer antarktischer Expeditionen «dacht, die zwar gleichfalls bemerkenswerte Entdeckungen gemacht. Im» Ziel der Erreichung des Südpols aber nicht im Auge gehabt haben. Es sind da« die Expeditionen des Franzosen Dr. C b a r c o t und deS Deutschen F t l ch n e r. die sich beide die westliche Antarktis zum Ziel ihrer Forschungen gesetzt hatten. kleines Feuilleton. Physiologische?. Die Tugenden der Kartoffel. Man sollte glauben, daß eS namentlich in deutscher Sprache ganz überflüssig wäre, jetzt Noch ein Loblied auf die Kartoffel anzustimmen. Keine Nutzpflanze, die auS einem fremden Erdteil stammt, auch nicht der Neis, der Tabak oder der Kaffee, haben eine so fest eingebürgerte Stellung in der ganzen Welt und vorzugsweise in Mitteleuropa gewonnen Dazu kommt, daß die Kartoffel im Gegensatz zu den genannte? Pflanzen in unserem Klima gedeiht und gleichzeitig als Volks- Nahrungsmittel ersten Ranges sowie als Delikatcffe für den feinsten Gaumen unentbehrlich geworden ist. Trotz dieser seit langem begründeten Stellung kann auch die Kartoffel noch immer nicht als restlos erforscht gelten. Die Wissenschaft der Erl nährungsvorgänge hat sich erst in den letzten zehn Jahren entwickelt und demnach noch längst nicht alle Fragen aufklären können, die zu ihrem Bereich gehören. Deshalb herrschen auch noch verschiedene Ansichten sowohl über den Nährwert wie über die Bei- daulichkcit der Kartoffel, ganz zu schweigen von ihrer Verwendung bei gewissen KrankheitSzuständen. Die Eigenschaft, die von den Gegnern der ausschließlichen Pflanzenkost zur Begründung ihrcS Standpunkts zu allererst hervorgehoben wird, ist der große Gehalt ider pflanzlichen Nahrungsmittel an unverdaulichem Zellstoff und Rohsasern. Wegen diese? Gehalt? muß zum wenigsten vonPflarzen- stoffen mehr genoffen werden als von Fleisch, um eine Sättigung herbei- zuführen, und das hat wieder seine Bedenken mit Rücksicht auf eine Ucberlastung der Verdauungsorgane. Ferner werden auch die großen Wiengen von Kohlehydraten bemängelt, die leicht zu Gärungen und zur Bildung von Säuren Anlaß geben, llebrigens ist von diesen beiden Erscheinungen weniger der Eintritt von Verdauungsstörungen zu fürchten, als eine zu schnelle Verdauung, die eine genügende Ausnutzung der Nährstoffe nicht gestattet. Dazu kommt der geringe Eiweißgehalt der Pflanzen im Vergleich zu dem deS Fleisches. 10 Pfund Kartoffeln oder nahezu 4 Pfund Roggenbrot führen dem Körper erst denselben Betrag an Eiweiß zu wie ein Pfund mageres Flci'ch. Diese Tatsache, auf die früher daß Hauptgewicht gelegt worden ist, erscheint nach den Forfchungen der letzten Jahre in etwa? anderem Licht, da sich die Anschauungen über da? Eiweißbedürfnis des menschlichen Körpers gewandelt haben. Insbesondere kommt diese Atlffaffung in einer Arbeit zum Ausdruck, die der dänische Forscher Dr. Hindhede in der Zeitschrift für diätetische und physikalische Therapie über die Verdaulichkeit der Kartoffeln veröffentlicht hat. Er sammelte seine Ersahrungen an einer Versuchsperson, die mehr als einen Monat ausschließlich von Kartoffeln mit Zutat verschiedener Fettarten ernährt wurde. Auf diesem Wege wurden dem Körper weniger als vierzig Gramm Eiweiß täglich zugeführt, während stüher der Eiweißbedarf des Menschen auf 125 biS 150 Gramm geschätzt worden ist. Dennoch war das Befinden de? Betreffenden aus- gezeichnet. Das Körpergewicht blieb unverändert und eS zeigte sich auch keine Störung des Gleichgewichts der Gesundheit mit Rück- ficht auf den Stickstoffbedarf. Auch weitere Experimente der- selben Art haben da? gleiche zufriedenstellende Ergebnis gehabt, nur wurde besonder? darauf geachtet, daß die Nahrung gut gekaut wurde. Dieser Erfolg der Kartoffel ist hauptsächlich wohl dadurch zu erklären, daß sie emen nur mäßigen Gehalt an»n- verdaulicher Zellulose befitzt.(Daß die Kartoffel einen hohen Nähr- wert' hat. ist von der bäuerlichen Bevölkerung und auch in der industriellen Arbeiterschaft längst erprobt. Trotzdem wäre es nicht ratsam, au? den Hindhebeschen Versuchen so weitgehende Schlüffe zu ziehen. Insbesondere ist das Eiweiß- und Fleischbedürfnis de? städtischen Arbeiters ein weit größeres, als Hindhebe annimmt. Daß übertriebener und cinseittger Fleischgenuß Gefahren bietet und nicht vonnöten ist. kann dagegen zugegeben werden. Aber die größte Maffe de? �Volke? ist ja dank der deutschen Wirtschaftsordnung vor solchen Gefahren aus? reichlichste bewahrt.» Scbacb» Unter Leitung von S. Alapin. Shinkman. Gambit in der Rückhand. Rabinowttsch. Verlan. 1. o2— ei e7— e5 2. Sgl— f3 f7— 15 Dieser zweifelhafte Ganibitzuz giöl der E-cffnung den Namen. Aus 2...... äö gibt der neue Vilguer nur folgenden angeblichen Gewinn für Weiß an:„Z. ed5 1, DXd5; 4. Bc3, De6; 5. Lb5 I, c6; 6. I,a4 nebst Lb3". Jedoch nach 6...... 1,46; 7. ,Lb3", De7; 8. 0—0, Lg4; 9. 64, 8d7 K. ist von einem Gewinn sür Weiß nicht» zu sehen. 3. Lfl-c4I. Nach dem Bilguer ein Er gibt folgende zwei angebliche Gewinn- Methoden an: „3. ciXK 1, 67— dg; 4. 62-64, eS— e4".(Gar nicht erwähnt Ist: 4...... LXfS; 5. deS, De7; z. B. 6. De2, de5j 7. SXe5, LXc2 k.) ,5. Sf3— g5I, LcBXkS; 6. Sbl— c3l, Sg8— f6: 7. 12—131. I>68—o7; 8. 13X04". Jedoch nach 8...... h7— h6(gar nicht erwähnt?.. 9. L11— e2, Iis— g6 müßte der Gewinn noch nachgewiesen werden (weil eben nicht ersichtlich?...) Der andere Weg besteht angeblich in:.3. 813XV5I,»68—16; 4, 62-64, 67— 66; 5. Se5— c4, 15X04; 6. Sbl— c3,»16— g6".(Nicht erwähnt ist 6......»17, woraus 8Xe4 wegen der Gabel 65 sehlerhast wäre, während 7. 65 mit 7...... 816 beantwortet wird.).7. 12-131, 61X13; 8.V6I;<13, Sb8— c6"(v. Rardelebcn und Mieses). „ScS— b5,»cS-gl; 10.»13— eSf, KeS— 67; 11. 1,11—63". Jedoch nach 11...... Dh5(oder auch De6); 12. 0—0, Te8 je. ist der Gewinn des Weißen ziemlich unklar.(Ob über- Haupt vorhanden?...) Der vom Bilguer als schlecht be- zeichnete Tcxtzng scheint doch der beste und klarste zu sein!? 3...... f5Xe4 1 4. Sf3Xe5»68— g5l 6. 62-64 Dg5Xg2 6. Ddl— h5t g7— gb 6...... Kd8, 7. 817+ nebst 34- 7. Lc4-t7t KeS— 68 1 Bisher alles nach dem Bilguer, von dem auch die obigen„ l" zur Spielsübrung de? Nachziehenden her- rühren. Nun aber sührt der Bilguer merkwürdigerweise(in 5 Tabellen- Varianten und sieben Glossen) nur (?...)»8. LXgß 1* aus, womit höchstens Remis erreicht wird. Mit Das„Gambit in der Rückhand in Mode, wird auch heute noch, vielfach kultiviert._ d e I g h 2+(lP— OPiL*T) keiner Silbe wird der a U g e n« I ch e t n l i ch e(I) Zug 8. Dh5-g5t!..... erwähnt, der den Tbl deckt und auch Hiermit den einfachen(I) Gewinn bringt. Eine uubegmsliche Unter« tasjung I i 8...... Dg2Xg5 9. LclXgöf 1-18-67 10. Lf7-b3 Lo7Xk5 11. S05-f7t Kd8— e7 12. Sf7Xg5..... < 12. SXT?, Sh6 nebst 1-16 12..... Sg8— 18 13. Sbl— c3 Sb3-c6 13..... c6; 14. 65 ic. Auch andere Züge sind nicht viel besser. 14. 0—0—0 67—66 14..... Te8; 15. Sb5 je. 15. Tbl— el Lc3— 15 10. 12—13..... Alle bisherigen Züge de? Nach« ziehenden(vom dritten Zuge an, also nach 3. Lc4.) find augenscheinlich fast erzwungen. Nachdem nun auch sein Mehrbauer sällt. hat er gar keine Kompensation mehr sür die evident schlechtere Stellung und der Gewinn sür Weiß kann nur Frage der Zeit sein. 16...... h7— h6 16..... Kd7; 17. fe4, Lgi; 18. Td3 nebst ev. 64— e5 bzw. 817 je. 17. Sg5Xe4 816X64 18. 13Xo4 1-15— g4 19. Sc3— 65t Ke7— 68 20. T61— 63 g6— g5 i. 814. ES drohte Tg3 nebst ev. 21. 865—16 Lg4— 67 22. 64— e5 Sc6— e7 23. 65X66 e7X66 24. 816X67 K68X67 25. Lb3— a4t K67— 68 26. Tel— e6 867—15 27. T63— 13 815— h4 Hier hätte Schwarz, da 8X64? eine Figur kosten würde, eigentlich mit ruhigem Gewisien schon ansgebcu können. 28. 173—17 Ta8-b8 29. Te6X66t K68— c8 80. La4— bS Th8-68 31. T66— 67 Te8— elf 32. Kol— 62 Tel— e4 33. Kd2— 63 T64— el 34. Lb3— 65 Tel— 61t 35. K63— c3 Tdl— el 36. Kc3— 62 Tel— e8? 37. T67— c7t Kc8— 63 38. T17— 674= war jahrzehntelang sehr besonders im Norden Europas, Briefkasten. Fr. G.. Innsbruck. Das Buch von Fr. Gut« maher„Der Weg zur Meisterschaft" erscheint in zweiter Auflage in wemgen Tagen und ist schon jetzt bei C. Ronniger, Leipzig. Perthes« straße 10. zu bestellen.(4 M.s__ kverant-v. Redakkeur: Alfred Wielepp, Neukölln.--Druck u. Verlag: vorwärtöPuctzSruckeretu.Verlagsunftuit Paul StngcrtEo., Berlin