HlnterhaltMgsblatt des Horwärts Nr 66. Sonnabend oen 5 Zhiril 1913 5] Die Bauern von Steig. Roman von Alfred Huggen berger. Zu meiner Vernmuderumj kam er fchon nach einer Vier- telftunide mit dem Blatt zurück. Er legte es hin und setzte sich auf einen Stuhl, tat zwar immer noch ernst und großartig, schwieg aber beharrlich. Nh wagte keine Frage aus Furcht, er würde aufbrausen. � Das mochte ihn nun aber eben zornig. Nachdem er einige Minuten steif dagesessen, fuhr er mich heftig au:„Bub-- geht Dich das nichts an? Hä?" Ich stand am Ofen und wußte nicht, was ich sagen sollte. ' Endlich fragte ich zaghaft:„Habt Ihr die Zeichnung dem � Leherer gezeigt?" Ein verächtlicher Zug legte sich um seinen Mund. „Mit dem habe ich das letzte Wort geredet deinetwegen! Der kann das Einmaleins auswendig, aber vo» Kunst ver- steht er nicht mehr, als eine Kuh von der französische» Gram- rnatik.—„Es sei nicht perspektivisch richtig..." Solche Ausdrücke zu gebrauchen eineni jungen Anfänger gegenüber! Als ob denn so etwas perspektivisch richtig sein müßte!-- Und dann plapperte er noch etwas von„Brotbenlf", und daß die Kunst immer betteln gehen müsse! Als ob ich nicht init eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört hätte, wie ein kleines Bild für fllnfhunidert Franken, sage und schreibe: für fünfhundert Franken vergantet wurde! Ein Bild, nicht größer als diese? Blatt! Was gelten dann Bilder, die so groß sind wie ein Tisch? Oder wie diese Wand hier? Hä?" Damit war seine Anteilnahme an meinem ersten Kunstwerk für irmner erloschen: es kümmerte sich auch sonst kein Mensch darimr. Die Zeichnung meinen Mitschiilern vorzu- zeigen, unterließ ich tvohlweisbich. Doch setzte ich meine Ver- suche als Landschafter in der nächsten Zeit fleißig fort, tvcnn auch nicht mit dem gewünschten Erfolg. Knabenliebe. Als ick ungefähr zwölf Jahre alt war, verliebte ich mich in Margritte Stamm. Das kam ganz unvermittelt, ich kann mich nicht erinnern, daß ich mir vorher mehr als aus andern Mädchen aus ihr gemacht hätte. Da fragte sie einmal, wäh- rend wir zufällig allein nebeneinander die schmale Treppe zum Schulzimmer emporstiegen, gmiz wie nebenbei, obnc sich nach mir umzudrehen:„Du, Gideon, hast Du aber genug Geld, um Maler zu lernen?"' Halb geschmeichelt, halb verletzt gab ich ziemlich selbst- bewußt zurück:„Ich kann es mir vorher mit Schaffen ver- dienen." Da blieb sie stehen und wandte den Kopf schräg nach mir hin. Sie musterte mich scharf, ein wenig von oben herab, nicht imr weil ick um eine Stufe tiefer stand als sie. „Vielleicht— ich weiß es jetzt noch nicht— vielleicht geb' ich Dir dann etwas von meinem Spargeld. Halt für Kleider, damit Du ein bißckien besser aussiehst. Dafür mußt Du mir aber ein Bild machen, wenn Du erst etoas kannst." Ich warf mich ein wenig auf, ihre kühld Sicherheit nachahmend.„DaS versteht sich doch von selbst. Zum Beispiel Euer Haus, den„Steinernen Platz"." „Also.". Damit ging sie hinein, schien aber im Schulziinmer gleich alles wieder vergessen zu haben. Denn sie blickte geradeaus und auf ihre Arbeit, ich schien für sie nicht mehr vorhand>m> zu sein. Um so eifriger fmg ich nreinerscits an, heimlich nach ihrer Bank hinüber z» schielen. Ich bemerkte, daß sie schöne braune Augen hatte und daß ihr bewußtes, doch nicht herri- sches Wesen ihr sehr gut stand. Es schmeichelte mir. daß so ein ernstlwftes. seines Mädchen sich heimlich mit mir be- schäftigtc, und ich baute ihr dafür einen Dankaltar in meinem Herzen. Sie war mit einem Schlage meine Verbündete' und unbedingte An teilhaberin an allem Schönen und Großen, das mir die Zukunft bringen mußte. Ich nahm mir fest vor, nie ein anderes Mädchen gern z» haben u/id ganz bestimmt keine andere zu heiraten, als Mac- gritte. auch wenn mich eine Grafentochter haben wollte, wie mein Vorbild, den Maler Heinrich Striirde. Mein Haus in Traumland bekam unversehens ein kleines Seitentürmchen mit einer hübschen Altane, wo Margritte nach Herzenslust schöne fremde Blumen ziehen und wo sie an Sommerabenden kurzweilige Bücher lesen konnte. Ich ging am Sonntag nie zur Kinderlehre. bevor Mar- gritte an unserem Haus vorbei war. und wenn ich eine ganze Viertelstunde hinter den: wurmstichigen Scheunentörchen durch ein Astloch nach ihr ausgucken mußte. Sie hatte damals ein schönes hellgrünes Kleid mit weißen Bändern, das stand ihr fo gut, daß ich mich nie an ihr satt sehen konnte. Dabei war ich aber sehr ängstlich und fürchtete immer, von den andern Knaben heimlich beobachtet zu werden. Ich tat mir viel Ge- walt an, denn keiner durfte eine Ahnung davon haben, wie gern ich Margritte sah. Während der Schulstunden ertappt« ich mich zwar oft darüber, daß ich, meine besten Vorsätze vergessend, mich ganz mit meiner stillen Mitschülerin beschäftigte, so zwar, daß die Blicke, mit denen ich sie in ihrem Tun und Lassen mit großem Wohlgefallen betrachtete, nicht einmal etlvas verstohlenes an sich hattm Aber dann gab ich mir jedesmal einen Ruck und ließ mich eine Zeitlang von kainer Versuchung anfechten. Auch ans dem Spielplatz drunten hielt ich mich absichtlich von ihr fern. Wenn ich bei dem beliebten Kettenfangspicl, das Mädchen und Knaben gemeinschaftlich zu machen pflegten. durch Zufall neben Margritte zu stehen kam, dann wagte ich es kaum, ihre kleine werck« Hand mit der ineinigen zu um- schließen. Es floß aus diesem Händchen ein geheimnisvoller Strom bis zu meinem Herzen, ich lies und stand neben ihr wie im Traum und war der Glücklichste in der Kette der Ge- fairgenen. In jener Zeit war mein ganzes Denken und Trachten darauf gerichtet, vo» Margritte beachtet zu werden und vor ihr zu glänzen. Verächtlich schlug ick den Fünfer aus, den mir der Lehrer einmal beim Turnen als Preis für die beste Leistung im Wettlaufen geben wollte. Ich hatte dreimal nacheinander das Ziel zuerst erreicht. Aber nicht wegen des in Aussicht stehenden Fünfrappenstückes' hatte ich meine Kraft aufs äußerste gespannt, sondern weil ich Margritte nach dem zweiten Gang hinter mir hatte sagen hören:„Das dritte mal gewinnt aber der Hans Kinsperger."— Eines Winterabends stand ich, die Hände in die Hosen- taschen gesteckt, vor dem Hanse zum Steinernen Platz lind schaute mir den Spruch an, der in altväterisch verschnörkelten Buchstaben auf das weiße Niegelwcrk unterm Vordach hingemalt war: „Laß Neider neiden. Hasser hassen, „Was Gott mir gibt, mutz man mir lassen." „Kannst Du den Spruch jetzt bald auswendig?" sagte Margritte, die unter die Haustüre getreten war.„Gelt, wenn Dl« so etwas abzeichnen könntest!" fügte sie dann herausfor- dernd bei. „Ich?— Aha. Du meinst wohl, das machte mir Mühe!" Mit diesen Worten ging ich scheinbar beleidigt meiner Wege. Während der nächsten Abende machte ich in meiner Kam- mer mehrere Versuckle, de» Spruch aus dem Gedächtnis nach- zubilden. Trotz der Kälte hielt ich es oft bis um elf Ubr aus, das heißt, wenn es mir Tags zuvor gelungen war, mein Pe- kroleumlämpchen heimlich in der Küche nachzufüllen. Mein heißes Ringen war'anfänglich nicht mit Erfolg gekrönt. Ich mußte nnr die Buchstallen noch viel besser einprägen, zu welchem Zwecke ich mich so oft es ging und so ungesehen als möglicu zu allen Tageszeiten am Steinernen Platz vorbeischlich. Nach diesen Vorstudien zeichnete ick den Spruch ans die Rückseite eines meiner Zeichnungsblütter. und zwar so genau, daß nach meinem Dafürhalten der größte Kenner nichts daran hätte aussetzen können. Aber nun trat eine schwere Frage an mich heran: wo sollte ich die rote Farbe auftreiben, mit der ick die großen Anfangsbuchstaben bemalen mußte? Für die kleineil Buch- staben konnte man sich ganz gut mit schwarzer Tinte behelfen: aber um die kunstreich nach den rotbemalten Vorbildern ge- zeichneten L. N, H und G wäre es doch jammerscklade gewesen! Würde mir mein Pflegevater nicht endlich eine Farben- schachte! kaufen, wenn ich ihn geradeheraus darum bitten würde? Nein. daS war iurS�eschlosscie. Schon nwhrmalL hatte ich in günstigen Augenblicken eine leise Anspielung gewagt, war aber immer abschlägig beschieden worden.„Ein Genie jmch sich durch Entbehrung abhärten", behauptete der Schnei- ber Enz hartnäckig.„Del Maler Heinrich Strinde hat bis au seinem fünfzehnten Jahr weder Pinsel noch Farben ge- Ichcn. Ten richtigen Zeitpunkt mutz man abivarten, wui? Laßt nur m i ch machen!" Ich wußte freilich genau, daß die G c l d s r a g e den Aus- Kslag gab. Frau Rike-Scholiette hatte die kluge Gewohnheit, n Lohn, den der Meister auf der Stör in den Bauernstuben verdiente, wo irgend möglich selber einzuziehen, was�ich Enz im ganzen gern gefallen ließ, wenn er nur jeden Sonntag in'i�choppengeld erhielt. Fan Rike ihrerseits tvar aber rrchaus nicht kunstsinnig. äo war also von dieser Seite keine Rettung zu erhoffen. Und irgendwoher mußte sie doch kommen! Bereits hatte mich Margritte an einem Nachmittag auf dem Spielplatz flüchtig geneckt:„Gelt, den Spruch kannst Tu aber nicht machen!" Wie oft schaute ich in jenen Tagen sehnsiichtig nach dem Fläschchen mit roter Tinte hinüber, mit welcher der Lehrer die Fehler in den Heften unterstrich. Ein paar Tropfen davon halten für mich genügt. Aber ich wagte nicht, darum zu bitten, denn da hätte ich ja sagen müssen', wozu ich die Farben brauche. Und gewiß hätte der Lehrer verlangt, daß ich die Zeichnung in halbfertigem Zustande vorweise, und er hätte sie spottend der ganzeni Klasse vorgezeigt. Was mußte dann Margritte denken! Ach, ohne die rote Farbe nahmen sich die Anfangsbnckistaben im Vergleich zu den Vorbildern armselig aus!— Und vielleicht wruc die Zeichnung nicht einmal per- spektivisch richtig!...(Forts, folgt.) Oer Streckenwärter. Von Leonhard S ch r i(f c l. Vtö war ein Unglück. Line Heimsuchung Waes, wie sie das Schicksal nur über die allrrschlcchlcstcn Menschen hätte verhängen dürfen. Martin Quast trug sie; mit schwerer Not und heimlich auf» begehrend zwar, aber er trug sie.— Dreizehn Woche» hatte Marie, sein Weib, im Krankenhaus drüben in Eichstädt gelegen, nachdem sie vorher schon eine schlimme Woche aus ihrem Brlt zugcbracht.�wohin er sie getragen, als sie von einer Lokomotive ersaßt und zur Seile geschleudert worden war, mit einer saustgroßen, grausigen Wunde in der Hüfte. Damals hatte der Arzt bedenklich dreingeschaut und hätte sie am liebsten gleich in seinen Wagen gepackt und mitgenommen', aber «r wagl« es nicht. Er fürchtete, daß sie während des gefährlichen Transports sich verbluten könnte, die bis zum Erlöschen Äeschwächi?. Darum hatte er ihr einen Verband angelegt und sie fürs erste im Wärtcrhänschen gclasicn, das sie bewohnten und das so einsam an der Strecke stand, wie weltverloren, stundenweit entfernt von Stadt und Dorf, mitten im Walde. Hatte sie bei ihm, Martin Quast und ihrem achtjährigen Lenerl gelassen, ihnen die Gefährdete an- empfehlend. „Sorgt mir ja, daß sie ruhig liegen bleibt', daß sich der Ver- band nicht derschicbt— sonst steh ich für nichts." Und sie hatten gesorgt. O, sie hatten gesorgt.-- Nach einer Woche war sie dann wenigstens so weit gewesen, daß sie im Krankenwagen nach Eichstädt hatte gefahren werden können. Dreizehn Wochen war sie dort behandelt worden. Ein paarmal war Martin hinübergegangen, anderthalb Stunden Weges fast; viel zu selten, gewiß; aber gar so oft konnte er nicht fort, das litt der Dienst nicht. Und nun war gestern das Lenerl gegangen, die Mutter wieder heimzuholen; der sorgliche Doktor hatte sie gefahren und er selber hatte unten an der Brücke, sie erwartend, gestanden, so oft er ein paar Minuten von seinem Posten weggekonnt. Schon von weitem hatte er ihr zugewinkt und war ihr schließ- lich cntgcgengctrabt; hatte alsbald, kaum daß er den Heriii Doktor ist, begrüßen sich Zeit genommen, sein armes Weiberl. dem die Tränen vor Freude über da« schmale, blutleere Gesicht liefen, vom Wagen gehoben und an sich gedrückt, so fest, als wäre da jemand, der es ihm nehmen wollte. Waren alles erfahrene Leid und alle ertragene Not. alle Schwäche und Blässe vergessen worden und sie hatten stumm ein glückseliges Wiedersehen gefriert; dann waren sie selbander Arm in Arm behutsam und voll fröhlicher Zuversicht heranfgewandcrt inS trauliche Budchen, als wie in ein Schloß voll Jubel und Glanz. Dos war gestern gewesen Heute gegen Abend, als die Drosseln ihre tönenden Lieder an- gestimmt, war die Genesende, von dem Jrirden de« goldenen Mai» iogeS verlockt, ein wenig in den rundum jungknospenden, frisch- duftigen Wald geivandert, Schrittchen für Schrittchen, von Lenerl geführt.. Ein knappes Stündchen fpäier war da« Kind dahergeslürmt ist maßlosem Entsetzen. „Bater, hilf! Vater...!>" und hatte sich schreiend in seing Arme geworfen. To war er ohne langes Fragen davongcstürmt und hafte seist Weib an der Brücke gefunden. Lag« am Wegrand mit geschlossene!! Augen in einer Blutlache, von einem durchgehenden Pferde aoi troffen, dem die Schwächliche nicht schnell genug auSzuweichetB Vermocht. Die alte Wunde war aufgebrochen und stand weit offen wie der schwarz-rote Mund des Todes. Und wieder hatte er sie aus den Armen ins Wärterhäuschcir getragen und auf ihr Lager gebettet und ihr einen Notverband an- gelegt, um das unaufhaltsam rinnende Blut zu stillen.� Es war ein Unglück. Eine Heimsuchung warS, wie sie das grausame Schicksal nur über die allerschlrchtesten Menschen hätte verhängen dürfen.... Nun saß er am Bett und wachte. Das Kind hatte er zum Arzt nach Eichstädt geschickt, trotz der einbrechenden Dämmerung. Und das arme, um seine Mutter zitternde Kerlchen war den Weg hinab- geflogen in seiner Angst und Liebe, wie ein gehetztes Häslein. Marie lag erschöpft in den Kissen, die Augen noch immer ge- schloffen. Es dünkte ihn fast ein Glück, wahrhaftig, ob er auch sein halbes Leben darum gegeben, wenn sie die Lider endlich aufgeschlagen. Aber wenn sie ihn erblickt hätte und seinen wühlenden, kaum nieder. znzwingenden Jammer gewahr geworden wäre, eS hätte sie er» schrecken, ängstlich und aufgeregt machen muffen. Und beunruhigen durste sie sich nicht! Sie mußte still liegen wie sie da lag, daß der Verband an seiner Stelle blieb und nicht etwa das Blut von neuem davonschoß, sonst— Großer, barmherziger Gott...! Er biß sich in die Finger und preßte den Atem mit aller Gewalt zurück, um nicht laut aufzuschreien oder sie durch sein kummervolles Keuchen zu erschrecken. In einer Stunde konnte der Arzt da sein. In einer Keinen Stunde. Wenn sie bis dahin ruhig blieb, war Reftung möglich; wenn nicht, dann— Aber er würde sie halten, wenn es nottat; er würde sie zwin- gen, still zu liegen, wenn es sein mußte; denn er wollte sie sich er- halten. Er wollte sie nicht verlieren! Nein, er wollte sein Weib nicht schon verlieren.... Jetzt schlug die Signalglockc draußen an. EinS— zwei k längs in die weltweite, tiefe Stille. Und nach einer Weile wieder: eins — zwei. Stand er leise auf, um die Weiche am Gleise zu stellen, denn der gemeldete Zug hielt in Eichstädt nicht, fondern fuhr bis Ballen- stadt durch, und mußte deshalb auf das Gleis 1 umgelegt weiden. Auf der Schwelle blieb er noch einmal stehen und schaute sich prüfend nach der Bleichen um, ehe er an seinen Posten eilte und seines Amtes waltete. Eine Biertelminute später war der Zug vorüber. Run legte er den Hebel wieder um und eilte in wahren Tigersprüngen zurück zur Tür. Gottlob! sie schlummerte noch oder ruhte doch, wenn vielleicht auch nur in tiefer Erschöpfung. Nnhörbar schlich er wieder auf seineu Stuhl. Wenn nun noch der Exprcßzug umgelegt war, dann hatte er Ruhe für diese Rächt. Dann konnte er bei der schwer Getroffenen sitzen in einem fort. Denn die Strecke beging er nicht. Nein, und wenn es sündhaft war und fahrlässig über alle Maßen, die Strecke beging er heute Nacht nicht; eS sei denn, daß der Doktor blieb und ihn in der Wache am Krankenbett ablöste für eine Stunde. Aber außerdem,'— nein!__/ Es ging ihm wider das Gefühl und wider den innersten Willen, denn er war gewohnt und gesonnen, allenthalben seine Pflicht zu tun bis auss Titrlchem gewissenhaft und pünktlich. Aber was da? Er wich nicht von der Seite seines Weibes; er kam ja doch nicht los, mochte er anstellen, was er wollt«; er mußte bleiben bei ihr, die er au» ganzer Seele liebte und aus der Stelle hätte an sich reißen mögen in ungestümer Sorge und Sehnsucht. Aber er mußt« still sitzen und auf sich achte», daß er nicht hör- bar ward; sitzen und die träge dahinschlcichenden Minuten zähle». Draußen vor dem Fenster stand nun schon die Nacht in ehernem Schweigen und sterneitlos. Ein Känzchen schrie im Walde, aber sonst klang kein Laut auf. Das war. als seien sie tief unter der Erde, abgeschloffen vom Leben, in einem Raum, dahin kein Weg führte, keine Mücke drang, geschweige denn der Wagen des Arztes sich fand..... Er lauschte binaus in die Totenstille. Ein beklemmendes Gc- fühl packte ihn und er hätte gern ettvas gesagt oder getan, um das atemberaubende, unheimliche«chwcigcn zu brechen und das Leben zum Bekenntnis zu zwingen; und beugte sich stockenden Herzens über Mari«. Atmete sie noch? Oder-- Rein, nein! Sie atmete. Leise, leise und matt, aber sie atmete. Kaum spürbor kam es über ihre fahlen Lippen,— aber der Atem ging! Ging! und würde geh» und mußte gehn»och fünszig, seckizig Jahre lang, vis sie beide all und grau und müde geworden. Bis dahin waren sie miteinander glück! ick. To reckt von Grund aus in ihrer Enge nick ihrdr bescheidenen Art glücklich! Das wußte er. Zum hundertsten Male schaute er auf die Ahr. Noch tirt Biertklpündchtn, bann würbe der Arzt gewiß ba sein und' alles war gut. Jetzt meldete die SignalgloAe schon mit ihrem lärmenden Bim— bim— tnrn und Bim— bim— bim ohne Snde> bah der Expreßzug in der Vorfiation abgefahren sei. In zehn Minuten war er da und vorbei und er hatte Ruhe— „Mich faßts...1" Wie von einem scharfen Messer durchwühlt taumelie er auf, von dem gellenden Aufschrei getroffen. Marie war wach. Von dem Geläute aufgeschreckt, starrte sie mit großen Augen ins Leere, eine Hand auf dem Herzen, Im nächsten Augenblick fuhr Martin zu und faßte ihre Rechte. „Liebe..."— stammelte er in jagender Not—„Ruhig, ruhig, ruhig... Es ist nichts... Schlaf." Aber sie suchte sich seiner zu erwehren und sich ihm zu ent- winden. Ta ließ er sie frei, hoffend, daß sie sich zufrieden gäbe. Doch nun focht sie mit beiden Armen in steigendem Fieber und suchte sich aufzurichten. „Mich faßrs!..."— stieß sie in wilder Angst von neuem hervor und schlug die Hände auf» Herz, als wolle sie eine fremde Faust hinwegzwingen—„Laß los, du! Laß los"— und strebte zur Flucht. Haschte er wieder nach ihren Händen; die waren glühend heiß und ihre Wangen schienen das lodernde Feuer und ihr furchtcnt» stcllter, stammelnder Mund, auf den er seine Lippen preßte, ver- brannte die schier. ..Liebe, Liebe!" Er gurgelte eS in wahrer Todesangst hervor, sie sanft nieder- haltend, damit sich der Verband nicht doch noch verschiebe und das Ungeheure ereigne. Umsonst. Sie stemmte sich gegen ihn mit aller Gewalt und suchte sich loszuringen, um dem vermeintlichen Würger zu entkom- mcn, so daß er sie nur noch mit Mühe in den Kissen festzuhalten vermochte. „Laß loS, du!"— keuchte sie mit einer Stimme voll Grauen und Entsetzen—„Das Pferd zertritt mich! Laß doch, laß loooSÜ" O, er kämpfte einen schweren Kampf, stumm und verzweifelt; kämpfte mit seinem armen Weibe— und nnxWe doch auf feinen Posten hinaus. Großer Gott im Himmel, die Weiche muß doch ge- stellt werden, denn-- „Marie, liebe, gute!... Sei ruhig, lieg still. Noch zlvei Minuten nur, ich bitt dich! Ach, ich flehe dich an! Ich muß ja draußen... So Hab ein Erbarmen mit mirl Du verblutest mir ja, wenn ich dich lasse! Und laß ich dich nicht... Heiland, Hei- land...!" Die Stimme versagte ihm und Tränen und Schweiß perlten ihm in den Bart. Aber die Fiebernde rang mit immer größerer Kraft gegen ihn, wehrte sich immer heftiger und ungestümer, von ihrem Schreckens- Wahn getrieben, daß er sich auf sie werfen mußte, um sie zu de- zwingen. Inzwischen sauste der Zug durch die Rächt daher, unaufhaltsam, unaufhaltsauu.... Ihm brauste es vor den Ohren. Oder donnerte da schon der Koloß heran in wahnwitziger Fahrt?! Hunderte von Menschen der- gcnd und vorn auf der Maschine der Tod, der grausige, fürchterliche Tod, der den Expreß auf den Güterzug jagte, ver in Eichstadt jetzt auf dem Gleise hiöt— und: Staub, Splitter, Fetzen, Aechzen, Stöhnen... „Hilfe!!" Er schrie es wild hinaus in Berztveiflung und Oual— und unter ihm sein keuchend ringendes Weib schrie»S ihm nach. „Hilfe!"— gellte auch ihr Ruf schaurig in die Stille und brachte ihn vollends von Sinnen, so daß er sie jählings fahren ließ und in wilder Jagd davonstürzte. Blindlings, taumelnd raste er hinaus, riß den Hebel herum und wie ein aus Rächt und Schweigen rasender Blitz war der Zug auch schon an ihm vorbei, ihn beinahe mit sich reißend im Wirbel. Die Faust am Hcbcleisen stand Martin, wi« erstarrt; lein Glied gehorchte ihm mehr. Da ward eine Stimme laut. Bo» der Türe her riefk: „Hedal Menschenkind—!" Das war der Arzt. Martin fuhr auf, wi« aus einem wüsten, lühuiendru Traume geschreckt und wankte«inen halben Schritt auf das WärtcrhäuSchen zu; da traf ihn die Antwort auf seine ungesprochen« weltum- !pon»«ndc Frage: „Perblutctl Sie haben sie verbluten lassen, zum Henker. Manul" Seines Lenerl markdurchdringcnden Schrei hörte er noch,— dann brach er zusammen. Die Sntäeckung der Deimat» Von R. H. France. Als Stifter seine Kleinmalrrci gegen die Kritik Hebbels verteidigen wollte, die von ihm, dein Feinschmecker aller Idyllen und Süßigkeiten des Racksoinmers. Wucht forderte und tragisches Widaespiel ringender Kräfte, da entwarf er ein Bekenntnis seiner Raturanschauuna, das in seiner altvaterischen Einfachheit seltsani modern anmutet?»DaS Wehen der Luft," sagte er damals, JdaS Rieseln deS WasserS, daS Wachsen der Getreide, das Wogen d«S MeereS, daS Grünen der Erde, da» Glänzen des HimmelS, dag Schimmern der Gestirne halte ich für qrotz; daö prächtig«inh«a ziehende Gewitter, den Blitz, tvelcher Häuser spaltet, den Sturm, der die Brandung treibt, den feuerspeienden Berg, da»- Erdbeben, welches Länder verschüttet, halte ich nicht für ssrößer als die obiges Erscheinungen, ja, ich halte sie für kleiner, weil sie nur Wirkungen viel höherer Gesetze find." Ich finde, darin ist die ganze EntWickelung des heutigen RaiuH« empfindens vorweggenommen und ein Stück aus dem geistiges Werden einer Generation erzählt, deren Väter von der Schönheit der Welt nur das Verblüffende, Schreckhafte oder Absonderliche! sahen. So ist denn Stifter eine späte Rechtfertigung zuteil go- worden, und sie ist es wohl, die allerorten wieder das Verständnis kür seinen zarten und sorgsamen Geist erweckt. In seinem„Heide- vorf" hat er uns ein Gleichnis gegeben, das auf unser« Zeit paßt! wie sonst kein anderes. Hat man die Welt und alle Welten, nach denen man sich sehnt, durchwandert, entdeckt man zum Schluß seine! Heimat. Vielleicht deshalb, weil von einem gewissen Punkte de» sich drehenden Lebensradcs manches kostbarer wird, was früh«« wertlos schien. Das gilt nicht nur für den einzelnen, sondern auch für alle Völker, wenn sie bei einer gewissen Kulturreife an* gelangt sind. Und so entdeckten wir Deutsche vor einigen Jahren! — Deutschland. Wir fanden, daß in dem altgewohnten, wohlbekannten Stück Land, von dem sich jeder in der Jugend wegsehnt, daß in de« Heimat eine Menge Schönheiten verborgen sind, auf die man nicht achtet, weil ihr Genutz keine Mühe kostet. Es sind jene, die! Stifter zu sehen wußie und so geliebt hat und die unsere Maleck nach einem harten Kampf mit ihrer romantischen Vergangenheit wieder entdeckten. Ja, lvir fanden, daß auch die Scholle Heimat- erde, die sonst gar nichts ist als keuscher Boden mit den alU bekannten Wäldern und Blumensluren, mit der Stille der Ben- lassenbeit und der Lebensfreude, der tausend Wesen, die sich stets einfinden, wo Natur sich selbst überlassen bleibt, daß das vlleS ein Heiligtum sei, an sich schon wert, daß man eS schätze und lietck und hege, als ob ein Schatz darin verborgen wäre. Hier ist da? Rätsel der Frage, auf die mein Gedankengang Antwort geben will. Woher kam diese Wandlung? Was lehrte, uns diese neue Heimotliebe? Was ist die Psychologie der wieder«, erwachten Natjurverehrung? Man mag da zuerst daran denken, daß diese neue Generation vielleicht nur müder sei und nicht reifer. Vielleicht ist eS nuv eine Frage der Nerven und nicht d«S Gemütes, wenn wir unS nach keuscher Natur sehnen. Vielleicht ist es wieder einmal Hebe» sättigung und damit nur ein« Mode, wenn diese Zeit jetzt das Rousseausche Zurück zur Natur in ihrem Sinne wiederholt. We« mag es entscheiden? Das Urteil darüber werden erst unsere! Kinder sprechen, indem sie Gericht fitzen über die Torheiten de« Väter, indem sie„Kulturgeschichte" schreiben. Eines werden sis uns in jedem Falle zubilligen müssen: daß wir unter dem tiefen und starken Bedürfnis gelitten haben, wieder ein Stück echteck Natur unser eigen nennen zu können, um dadurch selbst Wied«« mehr Nattirwesen zu sein. Und darum kann ich es nicht glauben, daß diese Entdeckung der Heimat nur eine Mode sei, die spurlos vorübergehen kann* wie Jugendstil oder Symbolismus. Was so elementar aller Orten« hervorbricht, das mutet viel mehr wie ein lebcnserhaltender In- stinkt an. Es ist ungetvollt und unbewußt und darum eine echt«! Notwendigkeit, wenn zu gleicher Zeit im ganzen Bereiche de« Kulwr. von Amerika bis Australien, ohne Führer und Plan, bald mit schwachen Kinderhänden und nnbehilflich. mehr gut gemeint als gut getan, bald wieder mit allen Machtmitteln des Staates und der Ueberlegtheit wissenschaftlicher Arbeit die Natur auf«in- mal geschützt wird— vor uns selbst... i Ein Kulturphilosoph muß angesichts dieses Anblickes das weh- mutige Lächeln finden, das allein ihm ziemt bei Wägimg de« menschlichen Kultur. Denn es ist wahrhaft ein kurioses Problem. daß derselbe Mensch, der seiner ganzen Veranlagung nach darauf angewiesen ist, sich durch die Vergewaltigung der Natur zu erhalten, der nur leben kann, wenn er sie zerstört, daß er sich doch wieder selbst hemmen und sich in den Arm fallen muß bei diesem Beginnen, will er nicht zugrunde gehen. Weil er fühlt, daß seine Wurzeln und feinste Fasern von ihm zu jener Erde gehen, an die! er nicht rühren darf. Wenn ich es in eine Formel bringen soll. so möchte ich sagen: Man hat eS endlich empfunden, daß deck Mensch nicht der Herr, sondern das Kind der Erde ist. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr kristallisiert sich mir in diesem Satz die Geschichte, der Sinn, die Zukunft, ja, di« Metaphysik dieser sonderbaren Entdeckung der heimischen Natur. Ich glaube sogar, daß der Philosoph, der diesen Fadeii wciterspinnt, vieles entdecken muß von feinsten Kulturmöglichkciten und iin- geahnten Beziehungen fernster Dinge zueinander. Anders kau» ich mir da» in einer so spontanen Betvegung gegebene Problem nicht zurechtlegen. Eine andere Erklärung habe ich dafiir nicht, wenn dft Schweizer Schulkinder Rappen um Rappen ziisammenlegen und eine große Stimme aufbringen, damit das Rütli verschont bleibe vor einem Hotclbau und erworben werde als Freistätte. Man denke, was da» heißen will: Schw«t»»r 264 weigern sich, ein Hotel zn bauen an einem der besten Punkte de? FreurdenverkehrsI Oder wenn der Fürst PutbuS die Insel Vilm bei Rügen als Freiland der Natur von jeder Nutzung freihält, nicht uni darauf zn jagen, sondern damit sie für immer ein Stück ungebändigten deutschen Bodens bleibe! Was soll es sonst bedeuten, das Wunoerhafte, oah die Groftfaufleute auS der City um London sechs grohe Güter kaufen, zu keinem anderen Zweck, als tmjj sie Wildland bleiben und das schöne Wort des Ruskin wahr machen, da er sagte: Hat man die Lebenskunst erlernt, so erkennt man, daß auck die lieblichen Dinge notwendig sind: die tviloe Blume am Wograin sowohl wie das gebaute Korn und die wilden Bogel, die Tiere des Waldes sowohl tvie die gepflegten Haustiere. In aller Stille haben sich in den letzten Jahren wunderbare Wandlungen mit oen Menschen vollzogen. In Holland bringt ein einziger Verein 300 000 K. auf, um einen Sumpf zu erhalten. Das Naardennecr heißt er und soll für immer eine Schilfwildnis bleiben, und seine Besitzer wollen nichts von ihm, als sich freuen, daß dort die Wasiervögel ungestört nisten und die bunten Sumpf- blume» blühen. Ein englischer Verein bat zwölf riesige Landgüter erworben und läßt sie unberührt als Strand, als Moor, als Wald und. Heioe, Oamit die Buchen in voller Freiheit grünen, die Tiere ihr Leben ausgenießen und die Blumen sich wiegen und glühen und das Land mit ihrem Duft erfüllen. Frankreich ist nock am wenigsten ergriffen von dieser Natur- liebe, die noch unsere Väter für eine Krankheit gehalten hätten. Aber auch�dort ist der Wald von Fontaineblean für unantastbares Nationalcigcntum erklärt worden. Und jenseits des großen Wassers hat der neue Geist seine gewaltigsten Blüten getrieben. Geraoe die rücksichtslosesten Äusnützer der Natur haben in Amerika se«bs uiigcheure Freistätte» errichtet. Sie schützen das wunderbare Felsenland des Uosemitetales, sie ehren das feierliche Schlveigcn im Hain der Mammutbäume niit dem Gelöbnis nach vielen Jahren wahnlvitziger Zerstörung nun keinen mehr ohne Not zu fällen: im Vellolvftonepark schufen sie eine Zufluchtsstätte aller bedrängten Tiere des Landes, die versteinerten Wälder von Arizona wurden heilig gesprochen, ebenso die Gletscher im fernsten Nordosten der großen Republik. Wer hätte es je für möglich gehalten, oaß die Dollarjagd Hul: machen könne vor einem Gebiet. größer denn ein europäisches Königreich? Und dennoch ist das Unglaubliche zur Tatsache geworden: mit scheuer Ehrfurcht geht der allmächtige Erplorateur vorüber an den alten geweihten Hainen und Bergen, als-ob auch er es als sündhaft empfände, sich an ihnen zu Vergvcifcn. Es ist wie eine neue Naturreligion, die nn» die ganze Erde umspannt, denn' selbst Afrika hat seine Nationalparkc in den deutschen und englischen Kolonien, und ?lustralicn blieb nicht zurück im Wettbelverb und bat seine höchsten Berge für unantastbar erklärt. In Deutschland, im Land der Naturfrsunde. aber ist ein wahre? Naturschutzfieber ausgebrochen. Staat, Städte, Gemeinden, Vereine und einzelne suchen sich darin zn überbieten. Alte Bäume. seltene Pflanzen, Vogelborste werde» geschützt, ganze Wälder, Berge, Heiden und Moore werden geheiligt, sobalo sie irgendein Meisterwerk der Natur umfrieden; ein Netz von Gesetzen und Polize> verordu u ngen zum Schutz der heimischen Nabur, manchmal so streng, daß selbst der Wissenschasi Verbote auferlegt werden. überzieht das ganze Land. Auch Oesterreich ist nichts zurück. Es erlebte allerdings auch hier' das echt österreichische Schicksal, daß in ihm früher denn anderStvo der Sinn für den Heimatschutz entstanden ist, daß es aber nur bei den Anfängen blieb, die dann erst im Ausland recht erfaßt und fruchtbar gemacht, von dort nach Oesterreick zurück- gebracht tvurden. Aber jedenfalls waren der von dem Fürsten Schwarzenberg geschützte Kubaniurtoald in Böhmen sotvie der Wald- und Wicsengürtel um Wien Vorbilder für die ganze Welt, und das ist für immer vermerkt zum Ruhme Oesterreichs auf diesem neuen Blatt der Kultur von der Harmonie zwischen Natur und Menschengeist. Ich brauche tvohl keine weiteren Beweise zu häufen für diese, Wanolung des Menschcngeistes und lmbc eigentlich auch schon mein letztes gesagt in der Kette der Gedanken, die mich befallen angesichts dieses froh verwirrende» WiederfindcnS der heimischen Schönheit. Denn: Harmonie ztuischen Natur und Menschcngeist. da? scheint es nur zu sein, was unser Instinkt in all diesen Taten sucht. Er sehnt sich nach einer Harmonie, die wir in einem inaterialistisch-technifchen Zeitalter verloren hatten.— Doch diese Erkenntnis ist nichts Neues. Auch sie ist nur eine alte Weisheit, die man immer wieder findet. In einer Fabel jenes Volkes, das Weisbeit noch immer am tiefsten erfaßt hat. ist cS ani schönsten ausgesprochen, ohne was des Menschen Wesen nie dauernd zu seinen höchsten Kräfte» kommen kann. Antäos, der Sohn der Erde, der seine Kraft wiederfindet, wenn er die Mutter berührt— das ist unser eigen Sinnbild. Er lehrt nnS die Philosophie der Zukunft, jene, zu der wir ein Jahrhundert der Natur- Wissenschaften brauchten, die wir nun zaghaft, nach unendlichen Umwegen, unter Kämpfen und Wioerstrebcn unserer ganzen Vergangenheit langsam wiederfinden. Und ich kann noch so viel nachsinnen und kritisch wägen, ich finde doch kein besseres Wort, um dies- Philosophie auf ihre höchste Vereinfachung zu bringen, als da? bon der Erdgeborcnheit des Menschen. Daß wir uns wieder als Sobn der Erde fühlen, ist nicht nur der Schlüssel, um Zugang zu finden zn den Motiven all der für den Tiefäugigen wunderlich freudigen Tatsachen, die ich hier ausbreitete, sondern darin liegt auch alle Beschränktheit und Unendlichkeit des Menschengeistes beschlossen, ScKacK. Unter Leitung von S. Alapin. P. Johner. fa 24-(33— fPI"Tl Philidorsches Spriugerspicl. P. Leonhardt. H. Encn. 1. e2— c4 p7— e5 2. Sgl— f3 d7— dG Der Zweck dieser Einschränkung dcS Lf8 kann nur in einer Borbercilung von n—fo erblickt werden. 3. 62—64..... Die stärkste Entgegnung, die die Koirellbcit der Sröstnung in Frage stellt, bcstcbt in 3. Lkt— c4 I Falls hicrans 3____ 1. f7— fr. saus andere Züge kann im wesentlichen o2— o3 nebst 62—64 folgen) so 4. 62—63!, D68— f6(4______ 8(6; 5. So3, c6; 6. De2, Le7: 7. 8g6, TfSV; 8. SXh7, SXS; 9.Dh5+): 5.Sf3-gch,tig8-h6; 6.f2-f4, e5Xf4; 7. 1-vtXtt. f5Xs4: 8. 0—0 2C. mit übermächtiger Angriff- stell ung. 3...... 81)8—67 Hier ist 3...... 57—45 zwar ebenfalls ASkant, jedoch schon eher mög- lich(als bei 3. I,v4 1); z.: 4. Sbl— c3, 4...... fr>Xe4; 5. ScXo4. 66-65; 6. Sf3Xe5, 6S>Xe4: 7. D61— h5f, g7— g6; 8. Se5Xg6, li7Xg6; 9, IrtiSXl'ä, l,e8—o6; 10. Dh8— e5, 1)68—65 JC. Weist bat kaum GcwinnauSsichten. Der Tertzug trägt den Stamen: „Hanham-Variante". 4. m— o4 c-7— c6 1 Notwendig. Falls 4..... 1,fH— e7 1 (4...... Sg-fü; 5. Sg5 sc.) so 5. 64X e5, 367Xs5(5...... 6e5? 8. D65); 6. SfSXeS, d6Xe5; 7. D61— h5 ic. 5. 813— g5 Sg8— hO 6. a2— a4,,,,, Eine sehr beachtenswerte Neummg von Leon Hardt. Dr. Tarrasch und Dr. Emanuel LaSkcr setzten hier mit 6. U, r,e7; 7. c3, ef4; 6. Sf3 fort. waS jedoch wegen 8.... 451(Alapin) mindestens keinen Vorteil dem Weihen einbringt, z. B.: 9. o5(Schlechter) 9.... 65: 10. 1,63. 848: lt. I,Xk4, 847, 12. I>