Anterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 7S. Sonnabend 0en 19. AprU 1918 15] Die Bauern von Steig. Romon von AlfredHuggenberger. Bauernfrühling. Ja— wenn der Frühling nur endlich hätte kommer. wollen! Ich fing an. ernstlich mit der Möglichkeit zu rechnen. daß er dieS Jahr gänzlich ausbleiben könnte. Ein schwerer Februarschnee hatte sich auf die Wiesen und Weg« gelegt. der sich tief in den März hinein hiett und auch da noch keinerlei Miene machte, daS Feld zu räumen. Wo zwei Bauern einander trafen, fingen sie von den Heustöcken zu reden an. die bei dieser anhaltenden Kälte gleichsam die Aus- zehrung bekämen, besonders da man im Herbst so früh mit dem Dürren habe anfangen müssen. Der Zeigerhaniß war fast der einzige, der noch gelassen blieb. Es sei noch alleinal wieder Tag geworden, sagte er; und die frühen Frühling« feien noch nie die besten gewesen. Daheim vermochte er seine Besorgnis doch auch nicht ganz zu verbergen. Fast jeden Tag fing er vom Roggen in der obern Breite an, der im Herbst etwas zu stark geworden sei und der nun. besonders dem Rain entlang, unter dem unvernünftigen Schnee Schoden nehmen könnte.— Aber am Ende kam die Erlösung doch. Eines Abends sagte der Zeigerbaniß beim Essen, er habe jevt im Sinn, noch zum Rechenmacher-Felix hinüber zu gehen, der sich ein wenig auf die Kunst deS Barbierens verstand. Frau Esther sah ihn verwundert von der Seite her an. Es sei ihr jetzt wirklich an der Witterung nichts aufgefallen. Was er denn eigentlich meine? Er habe da so ein späsfiges(sonderbares) Windlein ge- merkt beim Bulcheln oben im Wäldiholz. berichtete der Haniß. Und eineweg sei jetzt die Zeit da, letztes Jahr habe er die Aenderung schon nach Lichtmetz vorgenommen. Als er wieder zurück kam, sah sein Bart aus wie eine Hecke, die ein schlechter Gärtner in einer unguten Stunde mit ungutem Willen zurückgestutzt hat. Merkwürdigerweise schien aber das Wetter nur auf dieses Zeichen gewartet zu haben. Schon während der Nacht kam es leise über die Dächer daher und unversehens fetzt« ein schwerer, lauer Wind ein, dem kein Gätzchen zu eng und keine Luke zu verborgen tvar. Am Morgen regnet«, es, mit Schrecken besah der Winter sein kläglich zugerichtetes Gewand von dem wahrhaftig nach wenigen Tagen nur noch ein paar schmutzige Fetzen übrig blieben. Und damit war der März noch nicht zufrieden. Er ver- sprach der Sonne einen höheren Wochenlohn, und wie die denn von jeher eine willwänkische und keineswegs ganz einwandfreie Dame war, fiel sie ohne weiteres vom Winler ab. Sie lief gleich am hellichten Tag mit jedem hergelaufenen Fant von Walb- und Wiesenwind spazieren und guckte an Rain und Hecken in die verborgensten Winkel hinein. Ob dieser Untreue und neugierigen Zudringlichkeit bekam der Winter eine Herz- schwäche. Er saß dem ersten besten bergwärtsfahrenden Eisen- bahnzuge hinbenouf und wäre ohne Zweifel gänzlich verduftet, wenn nicht weit droben im Gebtrge ein vorwitziger Schaffner seine Anwesenheit bemerkt und ihm die Fahrkarte abverlangt hätte. Nun machte er sich dünn, richtete sich in einem ver- lorenen Seitental als Verbannter so gut es gehen wollte ein und ersann ein Gedicht auf den Unbestand und die Wandelbar- keit aller irdischen und himmlischen Dinge. Auf der Steig aber war eitel Herrlichkeit und Frohlocken. ?;m Pfarrgarten blühte der(jelbe Krokus. Die zähen Schlüssel- lumenstöcke, mit denen dw kleinen Blumenbeete vor den Häusern im Oberdorf eingesatzt sind, hatten es sehr eilig, ihre blatzroten Blütenkelche zu öffnen. Frieda lief jeden Tag ein paar mal hinau«, um mit inniger Neugier nach den Tulpen und Narzissen zu sehen, deren erste blaugrüne Blattspitzen aus der feuchtbraunen Erde hervorstachen. Im Uebrigen be- hauptete sie, datz die Welt nun wirklich noch nie so schön ge- Wesen, und daß die Primeln und Anemonen beim Mesnrer- Hölzchen noch in keinem Frühling in solcher Menge geblüht hätten, was die Mutter freilich nur mit der Bemerkung gelten ließ, sie habe das noch jede? Jahr gemeint, und sie müßte auch gar nichts vom Vater geerbt haben, um nicht ein kleines Früh- lingsnärrchen zu sein. Ueber die Bauern von Steiy war jeht unversehens ei» richtiges Fieber gekommen. Sie gingen aneinander vorbei wi« abwesend: kaum, datz sie sich den üblichen kurzen Gruß oder ein hasttges Wort gönnten. Die Arbeit! Die Arbeit! DieS- mal kam sie gleich auf allen Vieren daher! Am Examen, daß just in diese bewegten Tage fiel, hatten die Schulvorsteher die halbe Zeit am Fenster gestanden und über die unnütz ver- lorenen Stunden gejammert. Und nun lag wirklich der erste Märzenstaub auf den Straßen. Die schweren Düngerfuhrwerke knarrten dorfauf und dorfab, ja der Steinli-Nöggel, der nie die rechte Zeit ab- warten konnte, fuhr bereits mit dem aufgeschienten Pflug durchs Oberdorf hinaus. Vor allen Häusern lagen die sauber gespitzten Rebstecken in luftigen Beigen zum Trocknen aufge- schichtet. Einzig der Elfibauer war noch nicht so weit. Er hatte seinen Zunahmen deshalb, weil er selten vor dem Elf- uhrläuten ausrückte und mit jeder Arbeit vierzehn Tage oder drei Wochen hinter den andern drein kam. Während jetzt an der sonnigen Rebenhalde schon die Scheren klapperten, lud er mit verdrießlicher Miene die ungeschälten Rebstöckenhölzer auf den Wagen, um damit nach der kleinen Säge in Untersteig zu fahren. Nun sei schon die ganze Welt verrückt, weil eS drei Stunden lang nicht geschneit habe, schimpfte er. Wenn man die nächste Woche nur nicht schon mit Heuen anfangen wolle! Der Schuhmacher Napf hatte es auch bereits in den Gliedern. Er behauptete, immer, wenn die Sonne zwei oder drei Tage nacheinander in die Butik hereinscheine, bekomme er es in den Gliedern. So etwas könne man ganz gut für ein Zeichen nehmen. Er hatte in seiner Tenne emen Haufen Holzasche, Ruß und Torferde aufgeschichtet, den rr nun eifrig um- schaufelte und von Lage zu Lage etwas Schwefelsäure und andere Flüssigkelten zuschüttete.„Wenn diese Mischung gelingt, brauche ich nicht mehr Schuhe zu flicken", sagte er.„Auf die Studierten ist kein Verlaß, die wichtigsten Fragen müssen in der Praxis gelöst werden. Es ist nun ziemlich gewiß, daß die Landökonomie einer ganz neuen Zeit entgegengeht. Der Zeigerhaniß war etwa auch nicht faul in diesen Tagen. Gleich nach der Schneeschmelze waren wir an einem Sonntagnachmittag miteinander durch den ganzen Bann ge- gangen, er hatte mir sein und anderer Leute Land gezeigt, dabei nach der Saat und nach den jungen Bäumen gesehen und alles gut angetroffen.„Man sieht halt dock Ivieder gern den aperen Boden," hatte er mehr als ein Mal gesagt.„Man freut sich, wenn jedes Stücklcin Land wieder daliegt, wie man im Herbst von ihm weggegangen ist. nur ein wenig erschrocken, wie wenn es nach der langen Dunkelheit die Augen iwch nicht recht auftun könnte." Während ich um jene Zeit in den Zeislerreben die abgeschnittenen Schosie zusammenlas, machte ich mir im Stillen etwa meine Gedanken darüber, wie es jetzt wohl um mich stände, wenn ich den Fehler nicht gemacht hätte? Von der Sekundärschule hatte niemand mehr ein Wort gesprochen; und ich hatte es auch nicht erwartet. Aber e? ist ein liebes Geschenk der Jugend, datz sie uns neben einem verwehrten Pfade nnndert neue zeigt, die alle in ein reiches Leben führen müssen. Als& nun so richtig Frühling war und die Wiesen und Grasgärten schon ein ganz merkwürdiges Grün trugen, wie ich es vorher nie gesehen zu haben glaubte, war ich der vergnügteste und arbeitsfreudigste Güterbub, der jemals mit einem wohlgemachten Bauernfuhr- werk dorfein und dorfaus fahren und mit der Peitsche knallen durfte. Es dauerte wenige Wochen, so kannte ich den letzten Karr- weg im Dorfbann: fast von jedem Streifen Landes wußte ich, wem er gehörte, und so bekam die Steig für mich unvermern ein ganz neues Anllitz. Die Aecker und Matten sahen mich� ohne daß ich etwas dazu tat, jeder mit den Augen seines B� sitzers an: Präsident Stamm's Talerwiese mit den zwölf mäch- tigen Kugelbirnbäumen, die wie an einer Schnur in der Reih« standen, hätte einfach keinem andern im Dorfe gehören können: und ein schmales Kornäckerlein, daS an den Helttgen- ioald hinaufstietz, erzählte mit seiner ungleichmäßigen, lacken- haften Saat über da? ganze Tälchen hinaus davon, daß d«! - 302 Seilerkobi beim Säen wieder einmal einen Schwips gehabt habe. Da konnte sich dann der Zeigerhaniß mit seinem Heimenacker sehen lassen! Freilich, den uralten, verkrüppelten Apfelbaum vorn vn der Straße hätte mancher andere Bauer längst umgehauen. Aber mit diesem Bauni hatte es halt seine eigene Bewandtnis.«Das sind Kornäpfel I" belehrte mich der Haniß mit besonderem Nachdruck, als ich wegen des Krüp vels eine Bemerkung machte.„Und diesem Baum zulieb habe lch den Acker gekauft und einundzwanzig Jahre darauf ge paßt. Kornäpfel sind die besten, da mag einer noch so weit herkommen und das Gegenteil behaupten, ich sage: er hat den Begriff nicht! Wenn man das erste Korn mäht, sind sie reif. Wenn Du glaubst, es gehe leicht, an so einem Baum vorbeizu- kommen, so hast Du noch keinen Kornapfel gegessen. Als ich so alt war wie Du jetzt bist, hätte ich mein Vermögen für diesen Bauin gegeben. Der alte Schreinerjörg hat immer aufgepaßt, halbe Tage lang ist er hinter dem großen Weiß- dornbusch gehockt. Wie der niir einmal auf's Leder gegeben, so etwas vergißt man nicht. Damals— schon währenddem er mich gehauen hat— Hab ich es mir vorgenommen, daß dieser Acker eininal inein sein müsse. Und es ist alles niöglich, wenn man Zeit hat. Der Baum hat das Gnadenbrot. Wenn er nur noch je�es Jahr drei Aepfel gibt, damit ich mir einen unter die Nase halten und bei mir denken kann: gelt, Haniß, er» zwungen hast es doch! Ich habe zwar von seinen Zweigen welche auf einen jungen im Grasgarten gepfropft, aber das ist nicht das gleiche. Weißt, so ein Apfel muß seinen Geruch haben. Wo soll er den Geruch hernehmen, wenn kein Korn in oer Nähe ist?" lLortsetzung folgt.x Staätsergeant pufakl. Von Georg Busse-Palma. (Tdjluß.) Als et tags darauf, beschämt, aber alter Gewohnheit treu, den üblichen Rundgang machte, wurde er überall kühl und der- ächtlich empfangen. Gänzlich ungestärkt und in einer Nüchtern- heit, die allen sichtbar davon Zeugnis abgelegte, daß es mit seiner Beliebtheit vorüber war, kam er an seinen Ausgangspunkt zurück. Schon dadurch auf das äußerste niedergeschlagen, wollte er eben die kleine Steintreppe hinaufsteigen, als vom Schulhause her, aus dessen Pforte gerade eine Schar Knaben strömte, ein Lied erklang, das, nach der Melodie des„General Laudon" ge- sungcn, wie ein Peitschenhieb sein Ohr traf: Pufahl, Pufahl, Pufahl zieht blank. Zieht mit empörtem L-inn, Aber sein Schwert bleibt drin. Pufahl. Pufahl. Pufahl zieht blank!— I, ihr Himmelhunde I" Wetternd und fluchend wandte er sich um. Die Kinder stoben aber schon auseinander, ehe er überhaupt nur daran denken konnte, eins zu erwischen. Und das wiederholte sich nun Tag für Tag. Wo er auch ging und stand, durch Haustüren oder Zäune, Hecken oder Fenster, von irgendwoher scholl es ihm immer nach. Es half ihm ganz und gar nichts, daß ihm auf sein dringendes Ersuchen hin ein neuer Säbel bewilligt wurde, der wirklich heraus- ging und blank, schneidig und spitz war. Jahrelang hatte man an seine alte Plempe geglaubt, die doch überhaupt nicht aus dem Futteral zu bringen war, weil man an ihn selber geglaubt hatte. Nun glaubte man an seinen nagelneuen Säbel ebensowenig wie an ihn! Er durfte gar nicht Iwran denken, noch einmal die Pracht- volle Haltung früherer Tage einzunehmen und seine berühmte Aufforderung in die Welt zu schmettern. Ein schallendes Gelächter wäre die einzige Folge gewesen.— Ja, er war eine gefallene Größe; dem einen ein Aergernis, dem andern ein Gegenstand mehr oder weniger gutmütigen Spottes. Und das fraß nicht weniger an ihm als der Verlust an Genuß- und Nahrungsmitteln, der mit seinem Sturz aus dem alten Ansehen verknüpft war. Mag und hohläugig, nur noch ein Zerrbild seines früheren behaglichen Selbstbewußtseins, schlich er ta�s durch die Stadt. In schlaflosen Nächten aber wurde er sich allmählich darüber klar, daß es nur ein Mittel gab, das verlorene Paradies wiederzugewinnen: Er mußte seine Waffe einmal wirklich gebrauchen und damit vor Stadt und Land beweisen, daß er nicht nur wie ein Löwe brüllen, sondern auch, wenn es sein mußte, wie ein Löwe beißen konnte! Aber wie um alles in der Welt sollte er das anstellen? Die größten Uebeltäter, gegen die er einzuschreiten hatte, verdienten bestenfalls eine Polizeistrafe von einigen Mark, und er konnte sie doch unmöglich um seines Ansehens willen kaltblütig durchbohren! Schließlich verirrte sich seine Phantasie bis in die Möglichkeit eines erneuten polnischen AufstanbeS. Seine Augen flammten, wenn er da? alte.Noch ist Polen sticht verloren" von irgendwoher erklingen hörte, und seine von Scham und Ehrgeiz beflügelte Einbiloungskraft trug ihn in die Stunde der Entscheidung. In breiten Kolonnen sah er die Sensenmänner heran- marschieren. In der vordersten Reihe schritt Stephan Modlibowski, der Aufrührer, die Ursache seines Sturzes, der der Fahne mit dem Bilde der Mutter GotteS, der Königin von Polen trug. Da warf er, der Stadtsergeant Pufahl, einsam, aber todesmutig, sich dem Heerzug entgegen!—„Halt, oder ich zieh' blank!"— Klat- schend flog seine Hand an den Degengriff, und als Stephan Modli, bowski höhnisch zu feixen begann, da funkelte seine Klinge auch schon aus der Scheide, und er, Pufahl, der zahnlose Wiedehupfj zagte sie bis an das Heft in seinen verruchten Nabel. Wenn Pufahl in seiner Vorstellung so weit gekommen war, hob sich seine Brust immer in mächtigen, befreienden Atemzügen» als ob seine Lunge mittriumphierte und mitjauchzte. Was dann mit ihm selber geschehen würde, kümmerte ihn nicht mehr. Tot oder lebendig, seine Ehre wäre für alle Zeiten wieder hergestellt... Aber es blieb bei diesen Träumereien. Die Polen waren niederträchtig genug, friedlich und gemütlich bei Ackerbau und Viehzucht zu verharren und nicht den allerkleinsten Aufstand an- zuzetteln. So mußte er denn, täglich magerer und täglich hohl- äugiger, den Fluch der Lächerlichkeit weiter durch Monat und Monat schleppen und es sich mit hängenden Ohren gefallen lassen, daß er von den frechen Spottver-chen:„Zieht mit empörtem Sinn, aber sein Schwert bleibt drin" beinahe auf Schritt und Tritt verfolgt wurde. Bis endlich auch für ihn wieder die Sonne aufging! An einem Jahrmarktstaa weilte auch eine kleine Wander- Menagerie in Lopuchowo, in der, nach den Versprechungen greller Plakate, gegen zehn Pfennig Eintrittsgeld sibirische Steppenwölfe, ein echt indischer Königstiger und andere Bestien zu sehen waren. Auf dem bretternen Podium vor dem Eingang stand der Besitzer und führte, der' größeren Anlockung halber, mit einem braunen Bären allerhand drollige Szenen auf. DaS große, stattliche Tier, das mit ihm in herzlichem Ein- vernehmen zu stehen schien, watschelt«, hock auf den Hinterbeinen aufgerichtet. Arm in Arm mit ihm auf und ab, ließ sich gemütlich brummend einen Weiberrock überziehen und«inen Strohhut auf, fetzen und trat dann mit seinem Herrn zu einem Rundtanz an, dessen Ausführung man von einem Bären unmöglich zierlicher verlangen konnte. Hinterher setzte er eine Flasche Bier an die Schnauze, ließ den Inhalt kunstgerecht durch seine Kehl« rinnen und bedankte sich bei dem gütigen Spender durch einen zärt- lichcn Kuß. Die Landleute und besonders die Kinder des Städtchens drängten sich in hellen Haufen vor dem Zelt. Mit blanken, runden Augen und halboffenen Mäulern, oft genug auch laut auflachend, sahen sie dem seltsamen Schauspiel zu. Mit einem Mal wurde der Bär unruhig. Seine kleinen, verschlagenen Augen fingen zu glühen an. Mit zuckenden Nüstern witterte er über den Marktplatz und stieß ein heisere? Gebrüll aus. Vielleicht hatte der Blutgeruch von den Schlächterbänken oder irgendein anderer Eindruck, der eben nur für«inen Bären von Bedeutung war, seine Seele aus ihrem zivilisierten Gleichgewicht gebracht! Eine Minute verharrte er reglos, di Vorderpranken in der alten Tanzstellung auf den Schultern seines Bändigers. Nur fein Kopf wiegte sich wie suchend und witternd hin und her. „AllonS, Dodo! Marsch, tanz! schrie der Budenbesitzer. Ein derber Rippenstoß, den er Meister Petz gleichzeitig vcr- setzte, sollte seinen Worten einen freundschaftlichen Nachdruck ver- leihen. Aber die Bestie verstand das diesmal falsch. Die Schnauze ganz hoch reckend, als ob sie ihren Schmerz gen Himmel heulen wollte, hob sie die rechte Pranke und verabfolgt« dem Ueberraschten eine gewaltige Ohrfeige. Ohnmächtig, blutend brach der Getroffene zusammen. Brummend und schnuppernd, wie überrascht von seiner eigenen Tat, sah Dodo auf den Gestürzten, dessen Verwundung gefähr- licher aussah, als sie war. Dann stieg er watschelnd über ihn fort und kletterte die Holztreppe hinunter, geradewegs in das gaffende Volk hinein. Ein unbeschreiblicher Tumulk entstand. Unter kreischenden „JessuS Maria Josephs" drängten Kinder, Weiber und Männer. von panischem Schnecken erfaßt, flüchtend zurück. Nur einer wankte nicht. Während der Platz sich um ihn leerte, wie von'eisernen Besen gekehrt, blieb Pufahl. flammenden Glanz in den wäffrigen Augen, einsam und aufrecht stehen. Er fühlte eS: jetzt oder nie war feine groß« Stundet Der Bär kam langsam auf ihn zu, ihn mit seinen kleinen. verschlagenen Augen dche und listig anglitzernd. Als er nur noch wenige Schritte von ihm entfernt war, lief«S wie«in elektrischer Schlag durch dessen Glieder. Seine Hand flog an den Degengriff, Kopf und Schulter wie einen Sturmbock vorschiebend, ganz in der prachtvollen Haltung seiner früheren Zeiten, rief er mit donnernder Stimme:„Zurück! Oder ich zieh' blank!" Der Bär stutzte. Dann aber, ganz so, als ob auch er bereits von PufahlS Kampf mit Modlibowski erfahren hätte, richtete er sich brummend auf den Hinterbeinen auf, anstatt der Aufforderung Folge zu leisten. Wiegend streckten sich seine Pranken nach vorn. Er schien den Stadtsergeanten an den Schultern fassen und zu Boden drücken zu wollen.___ Da sprang Pufahls Säbel funkelnd aus der Scheide. Sich selber vorwärts werfend, so daß auch seine Helmspitze die zottige Brust des Untiers berührte, stietz er ihm die Klinge mit voller Wucht in die Herzgegend. Ein heiseres Aufheulen flog über den Marktplatz. Tann brach da? schwere Tier über dem mitstürzenden Stadtsergeanten zu- sammen, seine im Todeskampf zuckenden Tatzen in dessen Gesäß vergrabend. Acht Tage lang mußte Stadtsergeant Pufahl bäuchlings zu Bette liegen,«he er seinen Dienst wieder antreten konnte. Als er dann in voller Montur— die Stadtverordneten hatten ihm eine neue Hose bewilligt— zum erstenmal wieder aus den Markt- platz trat, winkte David Mundgeruch aus der Ladcnttir freundlich zu ihm herüber. „Nu, wie steht das Befinden, Herr Polizeirat?" Würdig und gemessen kam Pufahl näher. „Wie soll's stehen, Herr Mundgeruch? Immer so lala." „Schnäpschen gefällig, Herr Polizeirat „Eine Ehre, Herr Mundgeruch, eine Ehret" Aeußerlich lieh er sich nichts merken, innerlich aber strahlt« er vor Freude, und sein Herz schlug Generalmarsch. Es war keine Frag«: seit seinem Kampf mit dem Bären saß er fest wie nur je in der Volksgunstl Niemand. erinnerte ihn mehr an Stephan Modlibowski, und Zigarren, Schnäpschcn und Wurstwaren gab es wieder in Hülle und Fülle. Ja: noch mehr sogar als zuvor! Als nämlich alles wieder in das alte Gleis zurückgekehrt war, und die Pufahlsch« Tat nicht mehr ausschließlich das Tages- gespräch beherrschte, machte sich bei ihm gelegentlich eine sanfte Melancholie bemerkbar, die man sich lange nicht erklären konnte, da er selber hartnäckig schwieg. Bis David Mundgeruch, der ein feiner Menschenkenner war, einmal das Geheimnis löste. „Er ist doch e Mann und kein Wiedehupf, unser Herr Pufahl," sagt« er eines Abends zu Eli Rosenstock, als er mit ihm zusammen aus der Synagoge kam.„Aber was hat er dabei doch gehabt für e Pech! Es muß e grausamer Seelenschmerz sein, was er zu tragen hat!" Eli Rosenstock, der schwerhörig war, legte die Hand hinters Ohr. „Was hat er zu tragen? E Seelenschmerz?" fragte er ver- wundert. David Mundgeruch tippte ihm ve fraulich auf die Schulter. „Nun etwa mcht, Käppch«? Denk' nur: e so ehrenvoll« Narbe und ausgerechnet an e Platz, wo er st« keinem kann zeigen!" Da leuchtete es in Eli Rosenstocks Augen verständnisvoll aus, und als sie sich beide trennten, drückten sie sich mit besonderer Be- deuhxng die Hände. „Nu, die Bürgerschaft wird'S ihm gedenken," sagten sie zum Abschied._ Hcchnirchc Rundfchau. (Die Orientierung in der Luftfahrt.— Der Elektrogroßmotor in den Walzwerken.— Die Herstellung deS Linoleum?.— Die elektrische Zu g b ele u ch tun g.) Die Irrfahrt des Zeppelinkreuzers nach Luneville hat fast zum Erschrecken deutlich gezeigt, daß wir von der„Eroberung der Luft" noch sehr weit entfernt sind und unser« stolzesten Lüsteseglcr noch gar zu leicht zum Spielball der Winde werden können. Zugleich wurde dadurch das Problem der Navigierung in der Luftfahrt in den Brennpunkt des allgemeinen Interesses gerückt. Denn wir sind ja nun aus dem Zeitalter der Schauflüge in das der Ueberlandflüge getreten; fast jeden Tag kommt irgendwoher die Nachricht von einer „Reise" im Flugzeug, die oft über Hunderte von Kilometern geht, uno die langen Fahrten unserer Luftschiste nimmt jedermann als etwa? Selbstverständliches hin. Die konstruktiven Schwierigkeiten sind also überwunden, nun heißt es, dem Luftschiffcr und Piloten die Mittel an die Hand geben,„zielbewußt" zu fliegen. Eine brauchbare Naviegierung ist' dem Luftfahrer nur möglich, wenn er die Erde zu sehen vermag; dann richtet er sich nach den Landmarken. Kompaß und Sextant wird er kaum zu Rate ziehen. Anders aber, wenn die Erde sich unter einer Wolken- oder Nebelschicht verbirgt, die dem Piloten vielleicht auch noch den Anblick der Sonne entzieht, dann ist er ganz auf seine Instrumente angewiesen. Selbst der Anblick der Sonne würoe ihm nicht allzuviel helfen, denn bei der geringen Bewegungsfreiheit im Flugzeug läßt sich die Beobachtung mir schwierig ausführen, außer- dem dauert eine genaue Beobachtung, wie sie der Seemann vor- nimmt, immerhin ihre 20 Minuten. Im Luftschiff wird«S stets niöglich sein, die notwendigen astronomischen Tabellen und Jnstru- mente mitzuführen; man wird also«ine regelrechte astronomische Beobachtung machen, natürlich unter möglichster Vereinfachung aller Prozeduren und Rechnungen. Hand in Hand damit geht aber eine magnetische Beobachtung, und diese spielt in der Luft noch«ine größere Rolle als zur See. Bekanntlich zeigt die Magnetnadel immer nach dem magnetischen Pole, der im Innern der Erde liegt; kann sie sich also in einer vertikalen Ebene bewegen. so stellt sie sich nicht horizontal ein, sondern mit der Spitze nach unten. Diese Abweichung von der Horizontalen heißt die In kling- tion der Nadel, ihre Abweichung von der geographischen Nord- Südrichtung die Deklination. Der'Luftfahrer nutzt die Erscheinung aus, daß die magnetische Inklination mit den Breitengraden variiert. Die Linien gleicher magnetischer Inklination(die Jso« klinen) sind genau bekannt und in Uebersichtskarten eingetragen. Sie sind ziemlich gleich weit voneinander entfernt und ihre Wert« nehmen von Süden nach Norden zu. Man hat daher nur nötig, den Unterschied gegen den Aufstlegsort zu messen, um ungefähr di» geographische Breite des Beobachtungsortes zu bestimmen. Aendern sich die Werte der Inklination nicht, so fährt man in ostwestlicher, nehmen sie zu in nördlicher, nehmen sie ab in südlicher Richtung. Eine gleiche Beobachtung wird am Kompaß(dem Deklinatorium) gemacht, und die Kombination beider ergibt den jeweiligen Stand« Punkt. Freilich ist es nicht ganz so einfach, eine solche Beobachtung zu machen, als sie zu beschreiben. Denn zwei Hindernisse sind zu über« winden: erstens die Beeinflussung des Kompasses durch das Eisen des Motors, und zweitens die- Schwierigkeit der Ablesung infolge des Rollens und Stampfens des Fahrzeugs. Man muß dann einen Mittelwert zwischen den äußersten Ausschlägen der Nadel nehmen. Der Horizontalkompaß wiederum hat sehr stark unter den Erschütte« rungen durch den Motor zu leiden; eZ sind deshalb besondere Kon- struktionen mit einer möglichst stabilen Rose geschaffen worden, Ganz genügen indessen diese Instrumente den Anforderungen d«S Flugzeugbetriebcs nicht, weil sie hier nur in kleineren Dimensionen verwendet werden können. Dagegen ist für Aeroplane eine eigen- artige Kompaßkonstruktion geschaffen worden, die es ermöglichen soll, die Versetzung des Flugzeugs durch seitlichen Wind automatisch zu berücksichtigen. Der aus der Werkstatt von C. Bamberg, Berlin, stammende Apparat ist unten durchsichtig und oben mit eine» Marienglasschcibe verschen, in die Parallelstriche eingraviert sind. Wenn die Erdoberfläche sichtbar ist, so gestattet dieser Kompaß ein Innehalten der Flugrichtung zwischen Aufstiegs- und BestimmungS« ort, vollständig unabhängig von jeder Windversetzung. * Zur Bewältigung der Walzstückejn den Walzwerken sinh außerordentlich große Kräfte erforderlich. Dazu brauchte man früher riesige Maschinen, während man setzt diese Kräste bequem auf kleinstem Räume in Elektromotoren unterbringen kann. Man verwendet daher in Walzwerken jetzt nur noch Elektromotoren, die sich auch besonders leicht bedienen lassen, weil sie einfach sind. Der Elektromotor besitzt nur einen einzigen beweglichen Teil, den Anker, ist daher so einfach wie keine andere Kraftmaschine. Bei den Walzwerken, die immer in einer und derselben Richtung laufen, den„kontinuierlichen" Walzenstraßen, kann man die gewöhnlichen Motoren ohne irgendwelche Aenderüngen benutzen. Da in jedem Falle sehr große Kräfte erforderlich sind, so hat man Motoren von lovoo Pferdestärken in Benutzung. Geht die Walzenstraße frei, befindet sich kein Arbeitsstück unter der Walze, so hat auch de» Motor so gut wie nichts zu leisten und seine Stromentnahme auS dem Netz ist gering. Sowie aber Arbeitsstücke unter die Walzen kommen, ist der Stromverbrauch enorm. Das würde in dem ström- liefernden Elektrizitätswerk gewaltige Schwankungen hervorrufen, denen es nicht folgen kann. Um daher die Gleichmäßigkeit des Be« triebes zu gewährleisten, benutzt man mächtige Schwungräder, dl« in sich große Energien aufspeichern können, von denen sie bei boller Belastung des Walzwerkes abgeben, während sie bei Leerlauf di« ganze Arbeit in sich aufspeichern. Diese Schwungräder, die oki einen Durchmesser von 7 Meter haben und 1 bis 2 Meter breit sind, haben so ungeheure umschwingende Massen, daß sie die Stetig- keit des Betriebes gewährleisten. Auf Reversier- oder Umkehrwalzcnstraßen, also Walzenstraßen, die hin- und hergehen, bei denen das Arbeitsstück hin- und her- gerollt wird, muß man die Drehrichtung der Walzen immerwährend umkehren. Wie soll man aber eine Maschine, die lOOlXZ Pferdestärken in sich vereinigt, so oft umschalten, daß sie jede dritte Sekunde in anderer Richtung läuft? Keine Maschine vermag daS zu leisten; sie würde beim Versuch, das zu tun, unweigerlich zu den fürchterlichsten Explosionen führen. Allein der Elektromotor kann das. Man hat für diesen Zweck Elektromotoren konstruiert, die ihre Richtung in der Minute bis zu 28mal umkehren können und dabei doch jedesmal auf eine minutliche Tourenzahl von 60 kommen! 10 006 Pferde lassen sich mit Hilfe dieser besonders konstruierten Motoren in der Minute bis zu L8mal hin- und herwerfen l Das ist nur möglich, weil die umlaufenden Ankermassen selbst so große« Motoren noch verhältnismäßig sehr gering sind. Tie Kupferwicke- lungen und Bandagen müssen bei diesen Schleuderwirkungen natür- lich besonders geschützt werden. Auch in diesem Falle kann man nicht fortwährend an- und abschalten, sondern man muß erst ander« Maschinen zwischen Motor und Netz einschalten. Der Elcktrogrotz« motor im Walztvcrkbetriebe ist eine Anwendungsart, die diese» Gattung Maschinen von keiner anderen streitig gemacht werden kann. Alle kennen das Linoleum, diesen gegenwärtig so viel a« brauchten Stoff, doch wenigen dürfte die sehr interessante Zu« bereitringsart dieses Produktes der neuzeitlichen Technik bekannß — 304— sein. So wird z. B. wohl kaum einer von hundert Käufern wissen. datz der Linoleumläufer, den er etwa in einem Warenhaus für einen sehr billigen Preis ersteht, nicht weniger als S Monate lang verschiedene Stadien des Produktionsprozesse» durchlaufen mutzte, bevor er marktfähig wurde. In einem der letzten Hefre der..Revue technique" werden einige Einzelheiten dieses langen Produktionsweges beschrieben. Die Eigenschaften, die wir von einem Material verlangen, das in seinen Verwendungsmöglichkeiten so mannigfaltig wie Linoleum sein soll, sind: Undurchlässigkeit, Reinlichkeit, Festigkeit. DaS Linoleum, das 18S0 von A Walton erfunden wurde, genügt allen diesen Anforderungen in beinahe vollkommenem Matze. Die Roh Materialien, die bei seiner Fabrikation Verwendung finden, sind Leinöl, Harz, Kork in Pulverform. Jute und Farbstoff. Die erste Stufe de» Produktionsprozesses besteht in einer äutzerft sorgfältigen Reinigung des Leinöls, das sodann oxydiert und in feinster Weise mit Kreide vermischt wird. Durch das Kochen mit Harz(Kolopho- nium oder Kapalharz) wird ein Linoleum..zcmcnt" bereitet, den man einige Wochen lang ruhig stehen lätzt. Nach dieser Wartezeit wird die Masse mit fein pulverisiertem Kork versetzt, wobei sie einige spezielle Maschinen, die den Mischungsprozetz besorgen, passieren mutz. Die so erhaltene Masse wird auf einen Webstoff aus Jute aufgetragen, der meisten? S bis 3 Meter breit ist. Die Auftragung geschieht mittels erhitzter Walzen. Da» Linoleum, da» aus der Walzmaschine kommt, hat eine glänzende Fläche. ES mutz wiederum einige Wochen in besonderen Trockenkammern unter der Temperatur von 30 bis 35 Grad zubringen, damit der OxydationSprozetz voll- endet wird. Erst dann kann da» fertige Produkt geschnitten und aus den Markt gebracht werden. DaS Sprichwort.wa» lange währt, währt am besten", könnte füglich auf da? Linoleum angewandt werden. Denn eS besitzt wirk. lich hervorragende Eigenschaften: auher der Undurchlässigkeit und leichten Abwaschbarkeit zeigt eS für Temperawrfchwankungen nahe- zu totale Unempfindlichkeit. Die erste Bedingung bei dem Gebrauch des Linoleum», gegen die übrigen» öfter» gesündigt wird, ist, datz der Futzboden glatt und immer trocken bleibt. Nur dann wird das Linoleum nie brüchig und bewährt fein« hervorragenden Eigen- fchaften mehrere Jahre. » Mit dem Aufgebot aller Kräfte, mit Konstruktionen, Verbesse» rungen, Reklame und Statistik wird der Kamps zwischen Elektro» technik und GaStechnik uw die Vorherrschaft in der Be- leuchtung geführt. Leidenschaftlicher noch, als Mephisto und die himmlischen Knaben um das Unsterbliche Fausts rangen, kämpfen Gasmann und Elektriker, wenn nicht um daS Unsterbliche, so doch um den Anschlutz de» letzten Konsumenten. Auf einem Sondergebiet aber, da? von der Beleuchtungstechnik durch seine Eigenart scharf geschieden ist, hat die Elektrotechnik einen unbestrittenen Sieg errungen, und da» ist in der Zugbeleuch- tung. Wenn auch heute noch die grotze Mehrzahl der Wagen mit Fettgasbehälter und Glühstrümpfen ausgestattet ist. ihre Tage find gezählt. Die Schlafwagen werden aus Gründen der Feuer- sicherheit durchwog mit elektrischer Beleuchtung versehen, das be- deutet, datz jährlich 400 bis 500 neue Wagen mit elektrischem Licht eingestellt werden. Do die Lampenpreise und die Kosten der Kraft» crzeugung ständig sinken, wird e» nicht ausbleiben, datz auch die vorhandenen Wagen, dann die Personenzugswagen nach und nach mit elektrischer BcleuchtungSeinrichtung versehen werden. Die Gasbeleuchtung in den Wagen hat sich nicht viel Freund« erworben. Bekanntlich verwenden die Bahnen Fettga», da« sie in eigenen Gasanstatten herstellen, unter hohem Druck in Behälter pressen und in dieser Form den Wagen beigeben. Diese FettgaS» cmstatten nehmen aus dem Bahngeländ« sehr viel Platz ein. Datz die Anstalten einen sehr üblen Geruch verbreiten, macht sie auch -nicht gerade beliebter. Im Betriede ist da» GaS wenig angenehm, da es nicht leicht ist, die unter hohem Druck stehenden Gasrohre ständig in Ordnung zu halten, ein besonders wunder Punkt sind die zum Anschlutz an die Gaskessel dienenden Gummischläuche, deren Ersatz recht kostspielig ist. Ebenso die Glühstrümpfe. Es gibt mehrere Systeme der elektrischen Zugbeleuchtung, von denen jedes seine Freunde hat. Man kann eine Dynamo in den Packwagen stellen, oder jedem Wagen ein« beigeben, die dann von der Radachse auS angetrieben wird, oder man kann endlich die Wagen mit einer Sammlcrbatterie versehen. Die? System hat vorläufig den Sieg davongetragen.' Dabei werden die Batterien am besten nachts geladen, wenn die Elektrizitätswerke, froh über» Haupt etwas verkaufen zu können, sehr billige Stromtarif« stellen. Die Bedienung und Unterhaltung der Batterien ist sehr bequem, man kann den Strom damit überall beziehen und überall hinleiten Ebenso sind die Leitungen leicht in Ordnung zu halten. Einen wesentlichen Vorteil bietet die elektrische Beleuchtung vor dem Gas bei Zugzusammenstötzen. DaS aus dem zertrüm- Merten Gasbehälter ausströmende GaS wird fast stet» Gelegenheit haben sich zu entzünden, dann ergeben sich jene fürchterlichen Szenen, wo die uichlücklichen, eingekeilten Passagiere, vor den Augen der anderen den Flammentod sterben, ohne datz man ihnen helfen kann. Die zertrümmerte Batterie dagegen kann keinen Strom mehr entsenden. Und da jede Einrichtimg auch auf den äußersten Fall berechnet wird, mag diese Erwägung den Sieg der elektrischen Beleuchtung sehr stark gefördert haben Scdach. Unter Leitung von S. Alapin. Horrwitz. Weiß zieht und gewinnt. 1X3-l-Qn'8'■ IT!'ILVT."i i gS?'ia3 v •133'eP3'9 ig®— 231'QO—«3'* ieq— 8P1 PI— 2�3 8(AI 8 :i33••"g) SP—#1...... S(SlUwiL qun 1X3 I1X3 e"qo _ TT I t e,* t-trrr V-t-Vt-t'if !zs33 iin 8 iL 1X3...... T) 183—133 Rusfisch. Mayer. Steiner. 1. e2— e4..... Da» Ringen der Parteien um de» Doopelschrttt beider Zentrum»- b a n e r», durch den die Eni» Wickelung am raschesten und vollkommensten bewirkt wird, bildet da» innere Wesen einer jeden, wie immer gearteten Eröffnung«- weis«. In diesem sinne ist der Textzug logischer al» 1. d2— d4, well hicraus nach der symmetrischen Eni- gegnung, in l._____ d7— db be» lchend, der Doppelschrttt de» König»- dauern mehr oder weniger dauernd sllr beide Parteien verhindert ist, während bei der symmetrischen Eni- gegnung auf den Tcxtzug. in 1...... o7— e6 bestehend. Weih allein leicht und bequem zu d2— d4 kommen kann, wa» sllr Schwarz viel schwerer ist. Au» diesem Grunde ist 1.»7—«»I s. A r a n z ö s t s ch") scdensall« vor sichtiger, weil dann d7— db unbedingt erfolgen kann. Allerding» geschieht ..... e6 aus Kosten der Bewegung» freibest de» Lc8; aber bei der un- gerechten, symmetrischen Ansang»- stellung der Steine mutz schon der Nachziehend« irgend einen Nachteil in den Staus nehmen, und der Nach. teil der.Französischen Partie�' ist nach dem heutigen Stände der EröffimiigSIehre wohl noch da» ge- ringsle der Uebel. S. Sgl— 13..... Der exponiert« B«6 wird sosort angegriffen und Schwarz kommt in» Gedränge. 2...... Sg8— 16 Dieser»Shtfftsdje* Gegenangriff auf den B«4 ist nur insosern nicht zu tadein, al« vollauf befriedigende andere Züge auch nicht bekannt sind. 8. 62-64..... Am einfachsten ist der Vorteil wie folgt zu behaupten- 8. SOX»®, 67—6«! 4. Seü— ß,■ 8f6Xe4; 5. SM— 08I, SMXo«(»...... 65 T: 9. voL): 6. d2Xc3, 8b«— 0« (6...... 65;«. c4); 7. Lot— e« nebst event. Dd2 und 0—0—0(l v. .. Lg4; 8. h«, Lh5; 9. 1)65 nebst event. LdS oder 7...... Lk6; 8. LdS nebst event 364). Weist ist im klaren theoretischen und prakttschen Borteil,«eil es allster dem Anzüge noch um ein Tempo voraus ist und weil seine offenen ZentrumSlwien ihm für die Türme da» freiem, beffere Spiel verschaffen. 'S) V®— 8�1 J Cst II 8 813 1X3'S '-i-83— SP1 1 tvunjpz 8...... e5Xd4 4. e4-66 Sf6— 64 6. D61— e2..... Kein guter Zug. Gut und sicher war OX64l Der Tertzng rührt von W. Steinttz lf) her, der zwar einer der größten Meister war, aber sür bizarre Sachen ein« zu grast« Bor- liebe hatte. 6...... Lf8— Mf 6. Kel— 61..... Bringt zwar ewe Figur et«, ge- stattet aber dem Gegner einen viel zu starken Angriff. Bester 8b62. 6...... 67-66! 6.... 8c5t; 7. Lg5 und gewinnt. 7. 65X6« n—a 8. SfS— gö?..... In Betracht kam 8. dXo7, VXo7; 9. 8X64»c. inst Remts-AuSfichten. 8...... 0-0 1 9. Sg6Xe4..... In Match-Turnier von St. Beter». bürg geschah hier zwischen SIetnitz und PiUSbury: V. I)o4t, Kh«; 10. DXL. Sc«; 11. DaS, SXßt fNicht 3X8? wegen 6Xo7I) lS. Kol, SXT; IS. dXc7, De8t: 14. L«2, f4; 15. Kfl, Ld7; 16, 862, 8e5; 17. Sdß, Sg4; 18. LdS, wonach Schwarz mit 19.... h« I da» bessere Spiel hätte haben können. 9...... f6X«4 10. De2-o4t Kg8-h8 11. Dc4Xb4..... Auf 11. 6X07 folgt: 11.... Lg4+; 12. La2t, LXLf; IS. KXU I3i4; 14. eXbSD, Dg4+ je. mit Gewinnstellung für Schwarz. 11...... Sb8— c« 12. 6«Xo7?..... Ber hältnismästig besser war 12. Do!, obichon auch dann der An- griff de» Nachziehenden aus die Dauer durch drmgen mutz. 12...... Lc8— gif 13. Lfl— 62..... 13. Kel, D»; 14. Dd2, eS; 15. fe3. 6eS; 16. DX«8, T«e8 rt 13...... Lg4Xe2+ 14. KdlX®« Tk8X«ti 16. Ke2—«1..... 15. KXT, D«+ nebst SXD. 16...... Dd8— h4 1«. g2— gS Tf2Xh2! Schwarz spiest bit Parti« sehr elegant. 17. Tbl— gl 18. Db4— o4 19. Sbl— oÄ 20. Kel— 61 13i4-g4 64—68 Th2— e2+ 68X024- Der Berliner Arbeiter-Schachklub veranstaltet jeden Sonntag vormittag von 10—1 Uhr in den.KönigSsSlen", Reue Kvnigstr. 28,»men fteien Sebachverkehr für jedermann.___ «erantw. Redakteurr Älfrrd Wirlepp. Aenkölln.— Druck u. Verlag: BorwärtS«nchdru-keret u.VerlagSanftaltPaul Singer ö-Co., Berlin S\W.