Ur. 47, Adomtme«?• Kedingungen: «bonnemenis-Preti pränumerando: «ierteljährl. 3L0 Tit., monall. 1,10 mt., wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags« Nummer mit illuNrterier Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettungs- Preisliste für lg 00 unter Dr. 7071. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Erscheint täglich«uster Montag« Verliner Volktsblakk. Centralorgan der socicildemokratischen Partei Deutschlands. 17. Jahrg. Die Instrtions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für polittsche und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpeditton abgegeben werden. Die Erpcdttton ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508, Telegramm-Adresse: „Soiialdemolirak Berlin" Redaktion: SW. 19, Veuttz-Strage 2. Ein Sieg des starken Mannes. Endlich hat sich das preußische Staatsministerium zu einem Entschluß in Sachen Arons aufgerafft. Am Freitag ist unsrem Genossen Arons das endgültige Urteil zugestellt worden; es lautet auf Abcrkeuuuug der Eigenschaft als Privatdoccnt. In der Begründung heißt es: „Nach dem eigenen Zugeständnis des Angeschuldigten steht fest, daß er der socialdemokratischen Partei angehört und es sich angelegen sein läßt, ihre Bestrebungen zu unterstützen und öffentlich zu fördern. Die Disciplinarbehörde erster Instanz nimmt an, daß der Angeschuldigte sich dadurch noch nicht in Widerspruch mit seiner Stellung gesetzt habe, so lange er in seiner Agitation gewisse Grenzen des Takts und Anstandes beobachtet und sich aller ungerechten, unwahren Behauptungen und gehässigen Angriffe ent- halte. Dieser Ansicht kam» nicht beigetreten werden. Die socialdemokratische Partei erstrebt den Umsturz der gegenwärtigen Staats- und Rechtsordnung mit Hilfe der zur polirischen Macht gelangten Arbeiterklasse. Die bewußte Förderung dieser Be- strebungen ist unvereinbar mit der Stellung eines Lehrers an einer königlichen Universität und der sich daraus er- gebenden Verpflichtung, die jungen Leute,»velche sich dieser Anstalt anvertrauen,„zum Eintritt in die verschiedenen Zweige des höheren Staats- und Kirchendienstes tüchtig zu machen"'(§ 1 der Statuten der Berliner Universität). Ein akademischer Lehrer, der mit derartigen Gegnern der bestehenden Staats- und Rechtsordnung gemeinsame Sache macht, zeigt sich des Vertrauens, das sein Beruf erfordert, unwürdig. Der Angeschuldigte hat sich hiernach eines Disciplinarvergehens im Sinne des Z 1 No. 2 des Gesetzes betreffend die Disciplinarverhältnisse der Privatdoceuten:c. vom 17. Juni 1833 sG.-S. S. 12S) schuldig gemacht". Das Urteil trägt nur eine Unterschrift— die des l i b e r a I e n Fürsten Hohenlohe. Das Gesetz, das angeblich die Stellung der Privatdoceuten sichern sollte, hat fernen wirklichen Zlveck erreicht, die Wissenschaft ihrer Selbständigkeit zu berauben und der Gewalt unterthan zu machen. Die durch keinerlei Rücksichtnahme beengte Forschung nnd die freie Aussprache gewonnener Wissenschaftsergebnisse gaben dem Univcrsitäts- lehrer einst die besondere Bedeutung und die moralische Macht über die Jugend, deren Gcisteserzichung ihm obliegt. Die Achtung die die Jngciid dem Lehrenden zollt, erwächst ans der Empfindung, daß er aus seinem Innersten schöpft und lautre Wahrheit offenbart. Die Achtung geht verloren und jede höhere Jugenderziehung wird unmöglich, sobald der zu Unterrichtende den Glauben verliert, daß er aus reinem Quell schöpft. Der heutige Staat aber duldet weder freies Forschen noch eine Jugend, der die Wahrheit das Höchste ist. Er gebietet der Wissen- schaft Halt, sobald sie die von ihm geschaffenen Einrichtungen an- greift. Er will eine Lehre unterdrücken, die ihm gefährlich erscheint, lvie einst die orthodoxe Kirche die Bekenner freierer Anschaunngcn auf den Scheiterhaufen band. Zwar verkündet der Staat in seiner Verfassung als oberstes Gesetz:„Die Wissenschaft und ihre Lehre sind frei", aber sobald die freie Wissenschaft ihm nn- bequem wird, so zerreißt er sein Gesetz und seine Verfassung, ver- uichtet selbstmörderisch seine eigene Rechtsordnung. Doch die Gewalt vermag nicht die Wissenschaft selbst zu knebeln, sie kann»ur die Stätte, von der von Staats wegen Wissenschaft gelehrt wird, verwüsten. Wie das moderne Denken trotz Bannfluch und Folter sich durchgerungen, so lvird auch das Licht der Wissenschaft,»velche die„gegenwärtige Staats- und Rechtsordnung" verwirft und eine höhere Ordnung des Staats und des Rechts fordert, nicht verlöschen. Die Disciplinieruug unsres Parteigenossen Arons bedeutet eine uin so beschämendere Zumutung gegen die WisscnschastSlehre der Ilniversitäten, da sie sich gegen einen Docenten richtet, dessen Lehrfach fernab lag von der Frage des Werdens und Vergehens staatlicher und rechtlicher Ordnungen. Selbst a u ß e r a m t l i ch— so erklärt der Staat— darf der Gelehrte nicht seine Meinung frei äilßern. Der Gelehrte lvird herabgewürdigt noch unter die übrige Staats- bürgerschaft. Weil er ein Manu der Wissenschaft ist, darum darf er nicht Anschauungen haben, welche Millionen von Deutschen haben und ausspreche». Der erste Scheiterhaufen ist entzündet. Aber wird man wenigstens den Mut der Folgerichtigkeit haben? Wird man stark genug sein, um allen den zahlreichen andren Nagetieren, die die„Staats- und Rcchtsprdnung" gefährden, auf den Leib zu gehen, um alle die auszumerzen, welche nicht geeignet sind, zum Eintritt in den höheren Staats- und K i r ch e n dienst tüchtig zu machen? Wie männiglich weiß, wirken viele Professoren v o m Ka t h e d e r herab ftir socialistische Ideen und gegen die gegenwärtige Staats- und Rcchtsordming, während Dr. Arons mir Probleme der Mathematiker und Physik behandelte. Sind sie nicht noch viel gefährlicher? Und ivie will mau länger dulden, daß Naturforscher, die offen sich zum Atheismus bekennen, die Jugend zum Eintritt in den Äirchendienst tüchtig machen? Die Reaktion jubelt ob der Maßregelung Dr. Arons nnd lechzt danach, daß die Regierung das ,Reinignngs"wcrk fortsetze. Tie„Staatsbürger- Zeitung" fordert bereits: „Leider ist in den letzten Jahren vieles unterlassen worden. Nur so erklärt sich's, daß sich neuerdings an den Universitäten socialdemokratische Umtriebe vor aller Welt ungeniert breit mache» durften, daß die Socialdemokratie sich aus den Hörsälen der Universität die Kräfte für die Arbeit des Umsturzes holen durfte. Wir hoffen, daß die Behörden schärfer als bisher ihr Augenmerk auf diesen Zustand richten und daß sie die Universitäten vom social- deinolratischen Gift rein halte»." Und die„Post" verlangt, daß die Kathedersocialisten den Sociah demokraten nachgeworfen werden: „Auch für den immer radikaler werdenden kathedersocialistischen Nachwuchs möge der Fall Arons eine Mahnung zu matzvoller Besonnenheit sein." Der starke Mann soll noch stärker auftreten, so gebietet der groß industrielle Kapitalismus, der seine angemaßten Vorrechte, seine Ausbeuterherrschaft— auch ein Stück und ein sehr wichtiges Stück der„gegenwärtigen Staats- und Rechtsordnung"— durch die unab- hängige Wissenschaft bedroht sieht. Doch je stärker er auftrumpft, um so mehr wird seine Schwäche offenbar. Indem er die bedrohliche Wissenschaft vernichten Ivill, zwingt er seine Wissenschaftslehrer zur Unwahrhaftigkeit. Indem er die Socialdemokratie schädigen will, läßt er die Jugend entarten, auf die er sich stützen wollte. Während er äußerlich siegt, wird er innerlich morsch. Das einzig Erfreuliche in diesem Unternehmen gegen die Wissen- schaft Ivar die Haltung des Universitätskörpers. Die philosophische Fakultät hatte Dr. Arons freigesprochen und so die deutsche Wissen- schaft von der Schmach der Selbstentweihung bewahrt. Wie aber werden sich die Professoren zu dem Urteil des Ministeriums stellen? Es handelt sich nicht um eine bloße Meinungsverschiedenheit der beiden Instanzen. Es handelt sich um eine höchste Prineipieufrage, um die Unabhängigkeit der Wissenschaftslehre überhaupt in Preußen. Besäßen die Lehrer unsrer Hochschulen ein wenig von jener Solidarität, welche die für ihre Ideale ringende Arbeiterklasse aus- zeichnet, sie könnten»immermchr die Herabwürdigung der Wissen- schaft zur gefügigen Magd der politischen Gewalt in stummer Er- gebenheit ertragen._ Nolikifcho Mebevfichk» Berlin, den 24. Februar. Der Reichstag. Zu Beginn der Sonnabendsitzung weigerte sich der agrarische R ö s i ck e durchaus, gesunden Menschenverstand zu bezeugen. Obschon der Kommissar für die Pariser Welt- ausstelbung— die Tagesordnung begann mit dem be- treffenden, früher zurückgestellten Titel aus dem Rcichsamt des Innern— Gchcimrat Richter klar stellte, daß gemäß dem von der französischen Regierung aufgestellten Programm die Landwirtschaft nur eine Gruppe unter 18 Gruppen bildet und daß daher die Unterstützungssumme behufs Beschickung der Ausstellung durch deutsche Landwirte eine verhältnismäßig sehr hohe sei, sah Herr Rösicke auch hier eine Benachteiligung der Landwirtschaft. Wo von Landwirtschaft die Rede ist, da müssen die Agrarier schreien und wäre es noch so sinnlos. Um so bedeutender zeigte sich alsbald der Pferde verstand auf der agrarisch-konscrvativen Seite, als das Haus zur Fort- beratung des Militüretats, Kapitel„Rcmontepferde" überging. Graf Stolberg und Dr. Hahn— der nach überstandenen Duellschmerzen wieder gar keck darein kräht— forderten Erhöhung der Remonteankaufspreise und die agrarischen Herren hatten ein lebhaftes Wohlgefallen an der Unterstützung ihrer Pferdesorgen durch— Herrn Ricke rt, der schon nicht nur in Marine- fragen sachverständig geworden zu sein scheint. Graf Ka nitz, den man lange nicht im Reichstag gehört hat, erhob sich, um höhere Zölle auf ausländischen.Pferdeimport zu be- gehren. Im Fortgang Sagau(freis. Vp.) Soldaten während der Debatte forderte Dr. Müller- mindestens einmaligen Urlaub für jeden seiner Dienstzeit und Ermäßigung des Eisenbahn- Fahrgeldes für Urlauber. Wenn letztres nicht schon längst eingetreten sei, so sei als Schuldiger anzusehen der Vater aller Hindernisse im Kastanienwäldchen. Eine längere und interessante Auseinandersetzung entspann sich über die Verhältnisse der Arbeiter indenstaatlichenGewehr- und Pulverfabriken. Der wildkonservative Ageordnete Pauli, der sehr befürchtet, seinen Wahlkreis zuvcrlieren, in dein die Arbeiter der Spandauer Gewehrfabriken ausschlaggebend sind, durchbrach alle gut konservative Sitte und that sich auf als Fürsprech der kleinen Leute und der Arbeiter aus den Span- dauer Waffenwerkstätten. Das kühne Wagnis mißlang aber durchaus. Die agrarischen Nachbarn blickten den Sprecher erstaunt an und kein ermunterndes Hört! Hört!, keine Beifallsbezeugung, mit denen sie bei agrarischen Klagen nie- mals geizen, feuerte ihn an. Und dabei hatte der kon- servative Arbeiterfrcund von den Beschwerden der Spandauer „königlichen Arbeiter" nur das allermindcste und in ganz unzulänglicher Weise zur Sprache gebracht, so daß es unsrem Genossen Zubeil überlassen blieb, die zahlreichen Mißstände, die auf den Spandauer Werken herrschen, gehörig zu be- leuchten. Der Regierungsvertreter Generallieutenant v. d. Boeck versuchte, alles möglichst harmlos hinzustellen, die Löhne seien gut, die Wohlfahrtseinrichtungen tadellos zc. Dabei ließ sich der Herr Generallieutenant die reizende Mitteilung entschlüpfen, daß festgesetzte- Accordlöhne, sobald 10 Proz. der Arbeiter über den festgestellten Höchstsatz hinauskommen, herabgesetzt werden sollen. Genosse Hoch, der alsdann die Mißstände in den Pulverfabriken bei Harniu, schilderte, geißelte dann auch das Lohndrückungssystem, das die Heeresverwaltung schlimmer als der Privatunternehmer betreibe, aufs schärfste. Er kenn- zeichnete den Humbug, der mit den sogenannten Arbeiter- ausschüssen getrieben wird, die thatsächlich völlig ohnmächtig sind und nur Dekorationsstücke der Arbeiterausbeutung bildeten. Er fordert dringend notwendige Lohnerhöhung, Ver- kürzung der Arbeitszeit, bessere hygienische Vorkehrungen für die Arbeiter der staatlichen Betriebe, die vorläufig alles andre, 1 Expedition: SW. 19, Veuklz-Skrasze 3. nur keine„Musterbetriebe" darstellen. Schließlich kritisierte Genosse K u n e r t das Verhängen von Militärboykotts, was auch tief in bürgerliche Kreise Erregung und Schädigung trage._ „Deutsche" Weltpolitik. Man mag unsrer jetzigen Weltmachts-Gewaltspolitik jeden Titel beilegen, nur berufe man sich nicht gerade auf ihren „deutschen" Charakter. Das heutige Schneidigkeits- Zeit- alter widerspricht in jedem Zuge den guten deutschen Kultur- traditionell: diese Weltpolitik ist im Sinne des klassischen Deutschtums antinational. Unter dem Titel„Deutschland voran" erscheint jetzt eine „Burschenschaftliche Bücherei", welche sich die Aufgabe stellt, die Deutschen zum„nationalen Egoismus" zu erziehen. Das ist nämlich der umständliche Ausdruck für den ein- fächeren Begriff Chauvinismus, von dem Treitschke zu be- haupten Pflegte, daß er ebenso undeutsch sei wie das Wort selbst. In dieser Broschürenreihe soll auch die„Gedankenwelt Fichtes" erörtert werden, was wir sehr löblich finden; denn echt nationaler Selbstbestimmung zu verteidigen, wo die Nationalen die grimmig verfolgten Umstürzler waren. Fichte nun schrieb in seiner„Bestimmung des Menschen" vor 100 Jahren: „So soll uns die Natur immer dnrchschaubarer und durchsichtiger werden bis in ihr geheimstes Innere, und die erleuchtete und durch ihre Erfindungen bewaffnete»icnschliche Kraft soll ohne Mühe dieselbe beherrschen, � und die einmal gemachte Eroberung friedlich behaupten. Es soll allmählich keines größeren Aufwands an mechanischer Arbeit bedürfen, als ihrer der menschliche Körper bedarf zu seiner Entwicklung, Ausbildung und Gesundheit, nnd diese Arbeit soll aufhören Last zu sein; denn das vcruiinstigc Wesen ist nicht zum Lastträger bestimmt. Aber es ist nicht die Natur, es ist die Freiheit selbst, die die meisten und die fürchterlichsten llnordnungen unter unscrm Geschlechte verursacht; des Menschen grausamster Feind ist der Mensch. Noch durchirren gesetzlose Horden von Wilden ungchenrc Wüsteneien; sie begegnen sich in der Wüste, und werden einander zur festlichen Speise; oder, wo die Kultur die wilde» Haufen endlich unter das Gesetz zu Völkern vereinigte, greifen die Völker ein- ander an mit der Macht, die ihnen die Vereinigung gab nnd das Gesetz. Den Mühseligkeiten nnd dem Mangel trotzend, durchziehen die Heere friedlich Wald nnd Feld; sie erblicken einander nnd der Anblick von ihres Gleichen ist des Mordes Losung. Mit dem Höchsten, was der menschliche Verstand ersonnen, ausgerüstet, durchschneiden die Kriegsflotte» den Occa»; durch Stnrm und Wellen hindurch drängen sich Menschen,»in auf der einsamen nnwirtbarcn Fläche Menschen zu suchen; sie finden sie, nnd trotzen der Wut der Elemente, um mit eigner Hand sie zu vertilgen. Im Innern der Staaten, selbst wo die Menschen zur Gleichheit unter dem Gesetze vereinigt zu sein scheinen, ist es großen Teils noch immer Gewalt nnd List, was unter dem ehrwürdigen Namen des Gesetzes herrscht; hier wird der Krieg um so schändlicher geführt, weil er sich nicht als Krieg ankündigt, und dem Befehdeten sogar den Vorsatz raubt, sich gegen ungerechte Gewalt zu verteidigen. Kleinere Verbindungen freuen sich laut der Unwissenheit, der Thorheit des Lasters und des Elends, in. welche die größeren Haufen ihrer Mitbrüdcr versunken sind, machen es sich laut zum angelegensten Zwecke, sie darin zu erhalten, und sie tiefer hinein zu stürzen, damit sie dieselben ewig zu Sklaven behalten;— und jeden zu verderben, der es wagen sollte, sie zu erleuchten und zu verbessern." So bekämpft der nationale Fichte vor 100 Jahren die nationale Weltpolitik von 1900. Und weitblickender als die heutigen Professoren erkannte dieser wahre Held des Deutschtums, daß Gewaltpolitik nach außen und Gewaltpolitik im Innern zusammen gehören, oder, um in der heutigen Sprache zu reden, daß Zuchthausvorlagen und Marineplüne auf demselben Baume wachsen. Die Vergewaltigung andrer Nationen ver- trägt sich nicht mit der Freiheit im Innern, wie unsre National-Socialen lallen. Es giebt nur eine Politik der Frei- hcit, wie es mir eine Politik der Knechtschaft giebt— nach außen wie nach innen. Die wahrhaft deutsche Weltpolitik wußte nichts von den Brutalitäten der Welteroberung mit Panzerschiffen und Kanonen.— «I *» Deutsches Meich. Die Marinelieferanten betrachten die Erregung öffentlicher Begeisterung für die Flotte mir unter dem Gesichtspunkt der Geschäftsnnkoste». Wie aus Er- örternngen der Budgetkommisston hervorgeht, werden die gesamten Panzerplatten ausschließlich von Krupp und Stumm geliefert, die sich überdies koaliert haben. Wie wir der„Freisinnigen Zeitung" entnehmen, bedingen die Atlsführmigen des neuen Flottenplans Lieferungen von Panzerplatten zum Preise von nicht weniger als 279 Mill. Mark. Es wurde in der Kommission behauptet, daß von diesen 27g Millionen Mark 17 In der direkt an die kaiserliche Werft Kiel angrenzenden Ort- schaft Ellerbeck hat am Freitagabend eine von mehreren hundert Werftarbeitern, zum größten Teil auf der kaiserlichen Werft beschäftigt, besuchte Versammlung nach einem Referat L e g i e n S einstimmig die vorgeschlagene Resolution gegen die Flottenvorlage angenommen. Auch hier fand sich nicht ein Verteidiger der Flotten- vorläge. Selbst die sogenannten Kummerfelder, die Sorte früherer und jetziger Werftarbeiter. Mitglieder des„Nationalen" Arbeiter- Vereins, die während der 18g8er Wahlbewegunq den Versuch machten, die Arbeiterschaft für die Flottenvermchrung zu begeistern, haben es vorgezogen, einen neuen derartigen Versuch nickir zu rmternchnrc». Die damalige Niederlage hat ihnen wohl jegliche Lust dazu benommen. Die Flotteustndente» als Patriote» und— anderes k Im Anditoricnhaus zu G ö t t i n g e n befindet sich nachstehender Anschlag: „Hochverehrte Kommilitonen l Wir Unterzeichnete, Vertreter aller Fakultäten, teilen Euch ergebenst niit, daß sich ein„Flotten- ausbau-Verein deutscher Studenten" gebildet hat, der bereits mehrere hundert Mitglieder zählt. Der Verein hat sich das erhabene Ziel gesteckt, die weitansschauenden. allein richtigen Pläne Sr. Majestät unseres Kaisers, Deutschland unbedingt stark und»»besiegbar zur See zu machen, mit aller Energie zu unterstützen und die breiten Massen des deutschen Volkes durch Wort und Schrift von der unbedingten Notwendigkeit einer starken Flotte zu überzeugen und für die Flotte zu b e g e i st c r». Kommilitonen! Studenten waren es. die das Volk' allzeit zu nationalen Thatcn begeisterten. Seien wir auch dieS- mal nnsrer ruhmreichen-Vergangenheit eingedenk k Feigen wir auch diesmal uns würdig der Ruhmesthaten nnsrer Vorfahren? Wir fordern Euch daher auf, alle ohne Ausnahme obigem Vereine beizutreten und mitzuwirken an nnsrem nationalen Werke. Nochmals, Kommilitonen, tretet alle imsrem Verein bei durch gefällige sofortige Einzeichnung in die beim Herrn Haus- Verwalter liegenden Listen. Mit echt studentischem Gruße! Die Vertreter der Fakultäten. �Unterschriften.)" An dem gleichen Göttingcr„Schwarzen Brett" nun, an dem sich derart die nationale Gesinnung ausläßt, sind auch folgende Bekannt- machungen der Univcrsitätsbehördeil angeschlagen: „Den Herren Studierenden wird wegen Uebcrhandnahmc der nächtlichen Rnhestörungcu bekannt gegeben, daß nebe» den polizeilichen Ordnungsstrafen die akademische Behörde auch in jedem einzelnen Fall Disciplinarstrafen verhängen wird." Göttingen, 1. Juli 1399. Der Prorektor, gez. Merkel. Und ferner der folgende Erlaß: „Von feiten des Herrn Oberlandesgerichts- Präsidenten in Celle wird Klage darüber geführt, daß wiederholt Rechtskandidate», welche sich nach Entlassung von der Universität zum Zwecke der Vorbereitung für die Staalsprüfung in Celle aufhalten, sich grobe Exccffe dort haben zu Schulden kommen lassen, meist verübt znr Nachtzeit und in betrmikenem Zu- stand. Es wird darauf anfnrerksam gemacht, daß eine strenge Ahndung solcher Iliizukömmlichkeite», evenlucll Aus- schließung solcher Ezcedente» von der Zulassung zur Vorbereitung auf den höheren Jnstizdieiist in Betracht gezogen werden wird. Die von der hiesigen Universität abgehenden RechtSkandidateii ivollen ihr Verhalten in Celle danach einrichten." Göttingen, 3. Juli 1899. Der Dekan der juristischen Fakultät. gez. Merkel. Die drei Bekanntmachungen an einem Brett ergänzen sich trefflich; sie schildern die Studenten zu Wasser und zu Lande. Wertheim oder Flotte. Diese Alternative stellt die folgende entrüstete Briefkastcnnotiz eines agrarischen Berliner Blattes: Sie senden uns ein in der königl. Hofbuchdruckerei von E. S. Mittler u. Sohn gedrucktes Flugblatt, durch welches zum Abonnement auf die Monatsschrift„Die Flotte, amtliche Mit- teilungcn des Deutschen Flotten- Vereins"(Eigenttmr des Deutschen Flotten- Vereins Berlin) aufgefordert wird. Auf der 4. Seite diese? Flugblatts befindet sich— über die ganze Seite fort— eine Reklame-Annonce des Warenhauses Wert- h e i in in Berlin. Sie äußern sich sehr entrüstet darüber, und auch wir gestehen, daß uns das„über die Hutschnur" geht. Der Mittelstand soll ans Vaterlandsliebe neue Lasten tragen helfen für die Verstärkung der deutschen Seemacht, und da schickt man ihm— wohl als Aufmunterung— die Reklame für einen Bazar ins Haus, der schon manchen Mittelstnndsmann um sein tägliches Brot, seine Familie in tiefes Elend gebracht hat.— Wenn der Flottcnverein die Ablehnung der'Flottenvorlage wünscht, so braucht er nur so fortzufahren. Das gute Agrarierblatt begreift nicht, daß der Flottcnverein ganz konsequent handelt: die ganze Vorlage wird ja mit dem Schutz des Handels begründet, und da sollte er nicht einmal ihn durch ei» Inserat befördern dürfen. Der Mittelstandsinann empört sich in seiner Vaterlandsliebe, wenn eine Finna sich durch ein Inserat empfiehlt, er selbst aber ist bereit sechs Milliarden für die Händler zu opfern. Ist schon eine Reklame geeignet, den Mittelständler gegen die Flotte zu ver- stimnicn, um wie viel mehr müßte er die sechs Reklame-Milliarden verweigern!— Die flottenfrcnndlicheu Ttadtväter in Nöten. Aus Straß- bürg i. E. wird uns geschrieben: Die einseitige Begünstigung der Flottcnpropaganda hat die Väter nnsrer Stadt in eine peinliche Verlegenheit gebracht. Vor einigen Wochen hielt hier Professor S ch m o l l e r anS Berlin in einem der Stadt gehörigen Saal einen Vortrag zu Gunsten der neuen Marinevorlage. Das Lokal war dem hiesigen Flottenverein zu diescin Zwecke auf Ansuchen zur Ver- fngung gestellt worden. Nun besteht aber seit einigen Jahren ein Beschluß des Genicindcrats der Stadt, der bestimmt. daß städtische Lokalitäten zu politischen Versammlungen'nicht benutzt werden dürfe». Nachdem nun die Flotten f r e n n d e. dieser Be- stimmung zum Trotz, bei der Stadtverwaltung für ihre Zwecke ein fo freundliches Entgegenkommen gefunden hatten, meldeten sich auch die Gegner der Marineverstärkungeu in Gestalt der Straß- bnrger Socialdemokraten zum Wort und stellten durch ihre Vertreter im Gemeindcrat den Antrag, das erwähnte Lokal auch ihnen zur Abhaltung einer Protestversanimlung zu überlassen. Der Bürgermeister Bä ck meinte aber, man müsse unterscheiden zwischen einem Vortrag wie dein de» Professor Schmoller und einer östentlichen Verfammluug. Dort habe eine„bekannte nationalökonomische Größe" die Flottcnfrage vom wissenschaftlichen Standpunkte behandelt; hier dagegen werde Partcipolitik getrieben, und dafür könne man doch nicht ein städtisches Lokal hergeben. Von andrer Seite wurde erklärt, der erwähnte Beschluß des Rates sei durch die Hergabe eines städtischen Saals für die Schmollerschc Ver- sammlung nicht verletzt worden, weil die Flottenfrage im Grunde genounneu keine politische Angelegenheit sei. Ter An- trag wurde schließlich an eine Kommission des Gcmeindcrats ver- ivicsen, i» welcher die Juristen der Stadtverwallung sich jetzt die Köpfe darüber zu zerbrechen haben, wie die unbequemen Absichten der bösen Socialdemokraten sich am besten durchkreuzen laffcn. Freisinniges. In Fürth hat die soeialistisch-demokratische Mehrheit ini Gemeindckollegium eine Herabsetzung der H e i m a t g e b ii h r für Inländer von 49 auf 27 M. eingeführt. Der freisinnige„F r ä n k. K u r." bemerkt dazu: „Im Effekt läuft die Maßregel auf nichts andres hinaus, als durch die erleichterte Aufnahme von Arbeitern sich die Herrschaft auf dem Ratbansc womöglich zu sichern." Echt freisinnig!— Leipzig, 24. Februar. Das Reichsgericht verwarf die von den- Redactcur I c s s c n-F l c» s b n r g gegen' das Urteil des Land- gerichtS Kiel eingelegte Revision. Durch dasselbe war Jessen wegen Beleidigung des Landgerichts Flensburg und eines von diesem vernommenen Zeugen zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Beleidigung war gefunden worden in einem Artikel der Kopen- Hagener Zeitschrift„Daiiske Tidslrift", worin die Rechtsprechung im Deutschen Reiche, besonders in Nord-Schleswig. einer scharfen Kritik nnterzogcii ivar. In seinem RevisionSgesnch bemängelte Jessen insbesondere den Strafantrag und behauptete, in Deutschland habe keine Verbreitung des Artikels stattgeftniden.— Polizeilich kontrollierte GcsiiinungStjichtigkcit. AnS Elsaß- Lothringen schreibt man uns: Durch jenen Zufall, der uns Socialdcmotraten bekanntlich so sehr günstig ist. wurde unser» Mül- hanser Parteigenossen dieser Tage ein allerliebstes Schriftstück in die Hände gespielt, welches ollen Freimdeii der.Ordnung" die tröstliche Sicherheit gicbt, daß die Polizeibehördezi über dck: Gesinnung der Staatsbürger allezeit mit Eifer und Sorgfalt wachen. Dasselbe trägt die Unterschrift eines Schutzmaniis niid ft'icllt sich dar als ein „Verzeichnis der Bcanitcn, die an Kaisers Ge- b n r t s t a g nicht g c f l a g g t h a b c n": es zählt die Namen von 13 im Dienste befindlichen oder bereits pensionierten Beamten auf. Unter denselben befindet sich der derzeitige Bürgcnncister von Mülhausen, Hack, ferner ein Schuldircktor, ein Oberlehrer. Professor, Landgerichtsdirektor, Rechtsanwalt zc. Was mit den Lcntcn geschehen fvli, die sich das erwähnte schwere Verbrechen zu Schulden kommen ließen und die in Mülhausen alle- samt als zuverlässige Staatsstützdn bekannt sind, geht ans drin Schriftstück nicht hervor. Allem Anscheine nach handelt es sich bei der polizcinmtlichcn Gcsiniiungvschnüffelci um eine Maßregel, die auf höhere Weisung zurückzuführen ist. In Mülhausen, wo man schon seit Jahren nach einer Verstärkung der Schutzmannschaft schreit, weiß man jetzt wenigstens, welches der Grund der Ueberbürdung der Polizeiorgane ist. Die Strafe des Duellmörderö. Mülhauser Blätter berichten, in der Dnellaffäre S ch l a b i tz- K i ß l i ch habe das Kriegs- gericht bereits das Urteil gesprochen. Lieutenant Ernst, der erste Dnellgegiier von Schladitz, der diesem eine ungefäbrliche Verletzung beibrachte, sei zu vier M o n a t e n. Lieutenant Kißlich, dessen Kugel Schladitz sofort tot niederstreckte, zu zwei Jahre u Festungshaft verurteilt worden.) Die Strafen seien auf der Festung Wesel zu verbüßen. Aus den Restbcständc» der Znchthauödcnkschrist scheint folgende Grenelgeschichte der„StaatSbürger-Ztg." übernommen zu fein, die sie aus Harburg berichtet: „Einen nenen traurigen Beweis für den Strrik-Tcrroriömus der„Gcnoffcn" liefert folgende Mordlhat. Im Lanenbrncher Felde, auf der hinler dem Stlllkenschen Hause belegenen Wiese, wurde gestern morgen eine männliche Leiche aus dem Graben gezogen. Dieselbe wurde später als die des etiva 42 jährigen Seilers Heinrich Hose aus Laucnbrnch erkannt. Derselbe soll gestern abend in LohmannS Park die Vollsvcrsammlnng besucht haben und daselbst mit einigen Leuten in Streit geraten sein. Der Streit soll dadurch entstanden sein, daß Hose bei dein vor cinigc» Jahren i» der früher Hcinrauschcii Seilerei in Lanenbruch anogebrochcne» Streik weiter gearbeitet haben soll. Die öffentliche Meinung ist die. daß Hose gestern Abend von LohmannS Park ans geflüchtet ist. gcfolgr von mehrere» Personen, die ihn auf der Wiese wieder erreicht haben und so lange auf ihn losgchaucn haben, bis er tot war. Um die Vermutung zu erregen, daß Hose ertrunken sei. wird derselbe dann in deii Graben geworfen sein. In dem Graben, wo die Leiche gefunden wurde.' war das Eis zertrümmert. Daß Hose in eine Prügelei verwickelt gewesen ist. beweisen die an ihm sichtbaren vielen Verletzungen. Außerdem lag in dem Graben neben der Leiche eine zerrissene, halbe ftcmde Weste, die gewiß zur Ermittelung der Thätcr beitragen wird. Der Ermordete war ver- heiratet und Vater von 9 Kindern." DaS nennt man-inen dauerhaften StreikterrorismnS. Weil der Mann vor„einigen Jahren" Stteikbrechcr gewesen, darum„soll" er jetzt von den Genossen ermordet worden sein. Merkwürdig, warum die Genoffen so lange gewartet haben: ein rechter Genosse von der„Staatsbürgcr-Zcituiig"-Färbung schlagt doch einen Arbeitswilligen ans der Stelle tot. Die Faffimg der Geschichte verspottet nicht übel den„Soll"-Toii der Posadoivsly'schen Denlschrifl. Zur Sache selbst bemerkt unser Harburger Parteiblatt: 1. Hose hat die Versammlung in Lohmanns Park besucht, aber im Lokale sowie in der nächsten Umgebniig ist absolut keine Streitigkeit entstanden. 2. Das wird auch dadurch bewiesen, daß Hose nach Schluß der Bersammlniig mit noch einigen Personen ganz ivohl und munter in einer Wirtschaft am Hohlweg eingekehrt ist. 3. Auch hier ist eine Uneinigkeit nicht vorgekommen. 4. Wenn behauptet wird, der Streit sei durch den Heinrauischen Streik entstanden, bei dem H. damals weiter gearbeitet habe, so scheint diese Behauptung jeder Grundlage zu entbehren, denn erstens sind seit dem Streik schon ganze fünf Jahre verflossen und zweitens w a r H. nicht in der Arbeit stehen geblieben, sondern während des Stteiks zugereist. Alle die ihn kennen, wissen, daß er seitdem nicht das ollermindeste gethan hat, was organisierten Arbeitern Anstoß geben konnte: er war ein regelmäßiger Ver- sammlnngsbcsncher. Wie H. zu Tode gekommen ist, das ist bis jetzt nicht ans- geklärt.—'. Chrsuik der MajestätsbeleidigungS-Prozeffe. Wegen Majestätsbelcidigniig verurteilte die Bernburger Straf- kammer einen Handelsmann in A j ch e r s l e b e n zu zwei Monaten Gefängnis. Wegen Majestätsbeleidiguiig wurde der Arbeiter E. aus Fümmelie bei Wolsenbüttel znr Anzeige gebracht. C. soll in der T r u n t e n- h c i t beleidigende Aeußeningen über den Kaiser gethan haben. Wegen Majestätsbeleidigirng wurde der Arbeiter August Sacher von der ersten Strafkammer Breslau zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Auf dieses niedrigste gesetzlich zulässige Strafmaß wurde erlaimt, iveil der Angeklagte die beleidigende Acußerung in der Trunkenheit hatte falle» lassen. Wegen Majestätsbeleidigung wurde in Schweidnitz ein BrcSIaner Maurer verhaftet.— In Iserlohn denunzierte ein eine Flottenversammlnng überwachender Polizeibcamrcr in dem von ihm erstatteten amtlichen Bericht zwei Vertreter der Presse, beim Kaiserhoch sitzen geblieben zu sein. Alsdann wurde die Untersnchiuig wegen Majestätsbeleidiguiig eingeleitet, wobei sich herausstellte, daß beide Personen bei der Aiisbriiigung des Kaiserhochs überhaupt nicht mehr anwesend waren. Da dennoch der Beamte bei seiner Behauptung bleibt, sehen die Vertreter der Presse sich veranlaßt, gegen den Be- amten Anklage wegen falscher Anschuldigung zu erheben. Rene Jnscl-Erwcrbungeu. Das französische Blatt„Matin" will wissen, es sei davon die Rede, daß Spanien wegen der Ab- tretung weilerer Besitzungen, nämlich der Inseln Cagayan, Snlu und Sibuin, mit Deutschland unterhandele.— Ausland. Ein Ministerium der Bourgeoisie. Unter diesem Titel sendet uns unser Wiener Korrespondent noch folgende Charakterisierung der K ö r b e r s ch e n Programm- r e d e: � -st- Wie», 23. Februar. Der östreichische Reichsrat ist gestern zusainmengetreten. und Herr v. Körber hat ihm und der Ocffentlich- teit in einer unsäglich weitschweifigen und geschniegelten Zlede sein Programm vorgelegt. Der Ministerpräsident sprach lediglich von zwei Dingen: der Beendigung der nationalen Wirren und der Förderung der Industrie. Was die Sprachenfrage betrifft, so' scheint die Regierung von den opnniistischcn Hoffnungen, die sie ans die Vcrständigungs- Konferenz ge- setzt hatte. gründlich kuriert worden zu sein: Herr v. Körber kündigte auch bereits an, er werde die notwendigen Ge- setze über die Siegelung der Sprachenfrage in Böhmen und Mähren dem Hause anck, vorlegen, wenn die Konferenz ganz ohne Resultat bleiben sollie. Es ist aber sehr zweifelhaft, ob der Regierung für diese und andre Pläne überhaupt Rauni bleiben ivird, denn das HauS ist beute, am zweiten Tage semer Tagung, schon in voller Anflösniig. Die Jungczechen sind nicht geneigt, die rulfige Beratung zu tolerieren, wenn ihnen die durch Aufhebung der bekannten Sprnchenvcrordiiung genomniene innere czcchische Amtssprache im czechischen Gebiete Böhmens nicht ohne Verzug rückersiattct wird. Nim hat es aber Herr v. Körber so sinnreich'eingerichtet, daß die heikle Sprachenfrage von Böhmen in der Berständigungskonferenz gar nicht angeschnitten wurde, die Sache also auf demselben Punkte steht, den die durch Clary voll- zogene Aushebung der Badenischen Sprnchenverordnnngen geschaffen bat. Die Ansfickiteil aber, daß sich die Jungczechen mit Worten beschwichtigen lassen werden, sind sehr gering. Das Programm der neuen Regierung ist aber sonst ganz inter« essaut, denn man spürt in ihm den Unmut der leitenden Kreise darüber, daß Oestrcich von dem industriellen Aufschtvuna des Konti- nents ganz unberührt geblieben ist. Deshalb proklamiert Herr v. Körber für Ocstreich ein Programm der industriellen Bourgeoisie. Die Regicrniig hat schon gestern eine Vorlage eingebrächt, die den Van von sechs neuen Bahnliniennit seinen» Haß, und es scheint, daß jetzt Musurus und Jebedullah eine Falle gestellt ivurde, um sie zu unvorsichtigen Ucnßerunaen über die Zweckmäßigkeit der parlaincntarischen Regierung für die Türkei zu veranlassen.— Asien. RusilaudS Vordringen. Die„Daily Mail" meldet aus Bombay vom 23. Februar: Große Erregung herrscht hier über die Meldung von der Ankunft eines russischen Kreuzers in Bender Abbas im p e r s i s ch c n Golf. Das britische Kricgsschifi „Pomone" und das Kanonenboot„Sphinx" sind dahin sofort anfgc- krochen. Englische Kreise in Bombay sind über die russische Thälig- lcit an der afghanischen Grenze sehr beunruhigt. Der Urlaub sämtlicher englischen Offiziere ist aufgehoben. Vorige Woche wurden einige Osfiziere, die sich bereits auf dem Dampfer zur Urlaubsreise nach England befanden, von Bord des Dampfers zurückgeholt.— Aus Petersburg meldet„Daily Telegraph", auf den Vor- schlag des Kriegsministers Kuropatkin, ans dem Krieg i n S ii d- afrika Vorteil zu ziehen und Herat zu besetze», habe der Kaiser von Rußland geantwortet, eS sei seine Absicht, während deS ganzen Krieges ungeachtet der zu Tage getretenen Volkssympathie jiir die Boeren die strengste Neutralität zu bewahren.— Amerika. tlinerikanischc Politiker. Nicht ohne Grund ist der Senat der Vereinigten Staaten Millionärklub genannt ivorden, seitdem jedes Mitglied dieser Körperschaft, neben den 20 000 M.. welche es für seine Dienste erhält, noch zahlreiche andre Privilegien besitzt. Jeder Senator hat vier lluterbeainte, die ihm für seine verschiedenen Geschäfte zuertcilt sind. Auch sein Diener erhält 3600 M. jährlich. Jeder Senator ist fcnierhin berechtigt, die Dienste deS für den Senat angestellten Friseurs umsonst in Anspruch zu nehmen, und nun bezahlt die Regierung auch die Rechnungen für Arzneien und Toilcttcngegenstände. Ein Geschäftshaus in Washington erhielt in, letzten Jahr über 6400 M. sür derartige Lieferung. Der Dürft der Senatoren erforderte während einer heißen Juni- Woche gegerr 600 M. für Citroncn zur Linionndenbcreitnng. Jedem Senator stehen amh noch 600 M. für Schreibmaterialien und Zeitungen zu. sowie eine Vergütung für Reisen, die er, weil er Besitzer eines FreibilletS ist, in seine eigene Tasche stecken kann. Unter diesen Umständen ist es sehr begreiflich, daß ein Sitz im Senat für viele Bürger der Union so große Anziehungskraft besitzt.— Eine Zuschrift erhalten wir von» Genossen Mehring: Da Sie den» Genossen Eonrad Schmidt gestattet haben, sich in Ihren Streit»lit dem Professor Sombart zu mische», so bitte ich sür mich»ni die gleiche Vergünstigung. In dem von Ihnen ab- gedruckten Schreiben stellt sich dieser Qnirite auf den öffentlichen Markt, enthüllt die von Ihnen empfangeueir Wunden und brichr in die rührende Klage aus:„Sollte es denn nicht möglich sein, eine abweichende Meinung in ehrlichen», offenen» Kampfe" zu verfechten? Ist eS denn gar nicht zu vermeide», daß man den Gegner bekämpft, indem inan ihn beschimpft?" Um diese Klage auf ihren»vahren Wert zurückzuführen, bitte ich Sie, folgendes den Lesern des„Bonvärts" vortragen zu dürfen. Als das Buch deS Herrn Sombart über den SocialiSmnS vor drei Jahren erschien, besprach ich eS in der„Neuen Zeit", 15. Jahrgang, 1. Band, 449 ff. in einem mehr als sechs Seiten langen Aufsatze, nachdem ich vorher brieflich mit der Redaktion die »vesentlichen Gesichtspnnlte der Kritik diskutiert hatte,»vobei sich herausstellte, daß Genosse Kautsky und ich das Buch völlig tiberein- stimmend beurteilten. Unser Urteil»vich allerdings von dem Urteil, das Genosse Conrad Schividt neulich in diesen Spalten veröffentlicht hat, ivesentlich ab, jedoch verkannten»vir nicht manche Lichtseiten der Schrift und es lag uns fern, sie zn„beschimpfe»»" oder selbst»lir im feindlichen Sinne des Worts zn„bekämpfen": es kam uns nur darauf an, Ansre„abivcichende Meinung"„ehrlich und offen" ans- zusprechen. da»vo Herr Sombart nnsres Erachtcns zu irren schien. Die von mir geschriebene und von Kautskh unverändert in den Druck gegebene Kritik findet sich an der angegebenen Stelle: ich darf jeden herausfordern, darin auch»ur einen Satz aufziifindei», der als.Beschinipfiing" gedeutet »verde»» könnte. Ob Genosse Conrad Schmid» oder ich das Buch richtiger beurteilen, ist natürlich eine Sacbc für sich, darin bii» ich zu jeder Nachgiebigkeit bereit, aber es ist mein Recht, in einer Partei-Zeitfchrist meine„abwcickieiide Meinung"„ehrlich und offen" oder mcinetlvcgen auch„in ehrlichem und offenen» Kampfe" anszu- sprechen, wenn Herr Sombart in Marx und Engels Leute sieht,„die emsig von Ort zn Ort liefen, den Welteneichhörnchen vergleichbar", »im �,bci jeder Gelegenheit, die sich bot, dem verhaßten Gegner in die Waden zu beißen" oder wen» er Lassalle als einen eitlen Demagogen schildert, der eine Arbeiterparte» gegründet habe, Iveil er bei den Fortschrittlern abgefallen sei und auf konservativer Seite »»icht habe stehen können, da hier Bismarck alles überstrahlt habe. Nun hat Herr Sombart der dritten Auflage seines Bnchs einen „Führer durch die socialistische Litteratur" angefügt, der ans elf Seiten Marx, Engels, Lassallc, Rodbertus, F. A. Lange, Heine, Carlyle, Zola und eine sehr große Zahl geringerer Leute abhandelt, dabei abq meiner Wenigkeit den relativen Lvlvenanteil von mehr als einer Seite »vidmet. Ich verdanke diesen ganz unverdienten und mich be» schämende» Vorzug dein Wunsche des Hern» Sombart. für meine sachliche, aber nicht durchivcg beivundcrndc Kritik seines Buches Rache an mir zu nehnien. Aus billiger Rücksicht auf den Raum des „Vonvärts" will ich nicht das ganze Larifari abdrucken, sondern be« gnüge mich, die ersten Sätze als Äosthäppchen zu geben,»voraus au das Uebrige geschlossen»verde» kann. Herr Sonibart schreibt also: „Hat inan Kautsky den Großinquisitor der Marx-Orthodoxie genannt, so ist der Henker in psrsoua Franz Mehring. Er ist der Kam- proinittiercndste der Marxisten. Er treibt die Irrtümer in den philo- sophischen Grundlage»» des MarxiSinus ebenso wie in der aus dein Marxismus folgenden Beurteilung der spätere» Entlvickelnng ui»d der polnische»» Lage dermaßen auf die Spitze, daß sie auch dem blöderen Auge sichtbar»verde»». Mehrings historische Mission liegt»vesentlich in dieser all absurdum-Führmig der leitenden Sätze des Marxistischen Systems."(Ein reizender Stil beiläufig sür einen Mann, der fort- während mit scinein Stil prahlt.)„Wie die materialistische Ge- schichtsauffasiung nicht verstanden sein Ivill. zeigt seine„Lesstng- Legende"(1893), iind wie die Theorie des Klassenkampfs, der Ver- elendling, des Zrisammenbr-uchs:c. zuin Gegenstände des Gespötts herabgezogen»verde» köniien, beweisen seine Leitartikel in der„Nene» Zeit", in denen seit Jahren in unerschütterlich»oiederkehrenden Wendungen das alsbaldige Ende der verfaulten bürgerlichen Welt von Woche zu Woche prophezeit wird." Und ein Mann, der eben diese Rache für eine sachliche Kritik seines Buchs genommen hat. greint»im» den Lesern des„VorlvärtS" vor:„Sollte es denn nicht »nöglich sein, eine ablvcichelide Meinung in ehrlichem, offenein Kainpfe zn verfechte»? Ist es denn gar nicht zu vermeiden, daß man den Gegner bekämpft, indem man ihn beschimpft?" In der That, wie rührend! Beiläufig druckte Herr Maurenbrecher, den Sie»viederholt nach Verdienst gekennzeichnet haben, sofvrt in der„Hilfe" die lieblichen Sleußerrlngcu des Herr»» Soinbart über»nich vollständig als «wiindcrbar treffend" ab, in derselben„Hilfe", die seit Jahren und noch vor»vcnigen Monaten mir Eloge» für meinen Charakter wie für meine Fähigkeiten hatte. Herr Manrenbrecher trieb die Liebe», s- Würdigkeit sogar so»veit.»nir die betreffende Nummer der„Hilfe" unter eigenhändig adressierten» Kreuzband und die Sombartschcn Aeußeruligei»»nir jauchzendem Blaiistift innrahmt ins Hans zu schicken. Aber so sind diese Brüder. Wenn sie einen anbiedern»ind man pflichtgemäß antivortct:„Na, das ist ja ganz nett, aber auch ganz gleichgültig: es koinmt»»»r darauf an,»vie ihr Euch zn den Arbeiteriiiteresfti» stellt,»nid»venn Ihr mit denen ein frivoles Spiel treibt, fo giebts eins anf die Finger", so gcbcrdcn sie sich, als stände die Well in Flainmen. U»» jedoch anf Herrn Soinbart zurückzukommen, so hätten die Trcibcrcic» dieses Herrn in den letzten Jahren vielleicht schon größere Alifinerkfaiiikeit verdient, als sie gefunden haben. Ich für meine Person habe sie nicht beachtet,»vcil ich ivußte, daß nicht„ein sehr großer", aber doch ein sehr kleiner Teil der Partei über Herrn Sonibart so günstig dachte,»vie Genosse Conrad Schinidt. und ich alle Reibniigcn vermeiden»vollte. so lange die Treibereien des Herrn ungefährlich»varcii. Das ist aber nicht»»ehr der Fall, seitdem sein Bestreben. Zivietracht zivischcn der geiverkschaftlichen iliid der politischen Organisation der dentschci» Arbeiterklasse zn säci», den Erfolg gehabt ha», daß seine verdächtigende »ud»viffcntlich miwahre Schilderung der Stellimg, die Marx und die Socialdcniokratie zur gcivcrkschafilichen Bcivegung cingeiiomme»» haben, in einen Teil der Geiverkschaftspresse nnbcsehcn aufgenommen worden ist. Niimnehr muß natürlich Klarheit gcschaficn»Verden. Herr Sombart scheint der gleichen Ansicht zn sei», indem er»nich zun»„Henker" der Partei ernennt. Ich danke ihm für den ehren- vollen Stuf, den» ich»nich beniühe»»verde, sobald als möglich zu folgen._ F. Mehring. Danksagung. Ans Anlaß nieincs sechzigsten Geburtstags sind»nir von so außerordentlich vielen Seiten aus dem In-»vie ans dem Ausland Glückwünsche und Zeichen der Anerkennung zugegangen, daß es für mich ein Ding der Unmöglichkeit ist, jedem Einzelnen zn danken, »vie ich es gern möchte. Ich bin deShalv genötigt, anf diesem Wege allen Beteiligten incincn herzlichsten Dank anszilsprechen niit der Versicherung, daß die mir zn teil gewordenen Ehningen inir ein ncner Ansporn sein »verde», auch fcrncrlveit meine volle Schuldigkeit für unsre große Sache zn thlin. Berlin, den 24. Februar 1900. A. Bebel. Der Streik der Bergarbeiter. Ans Wie»»»vird»»s vom 23. Februar geschrieben: Im Ab- gcordnctenhanS, das gestern seine erste Sitzung hielt, sind zivar nicht ivcnigcr als sieben TrinallchkeitSanträge eingebracht ivorden, die ach mit der durch den Streit der Bergarbeiter geschaffenen Notlage beschäftigen, aber eS ist doch fast gar leine Hoffunng vorhanden, daß dieses entnervte und nur aufs Schwätze» cingcrichiete Parlament die so nvtlveiidige T h a t vollziehen»verde. Von den sieben Sluträgoi» rührt einer von der socialdemokrntischcn Fraktion her— »vir haben ihn schon mitgeteilt—; er ist der einzige, der ciiic»» vollständig ausgearbeiteten Gcsctzcnlivnrf vorlegt. Tie übrige» seckis 'ind dnrchnlis nur„Anffordcriiiigen" an die Regier»»»,», eine» Gcsctz- cntwnrf über die Achfftlindenschicht„baldigst" vorzulegen. Tie saubere Rrgiernng aber, die sich in süßlichen Redensarten nicht genng t Hins kann, Hai dazu alles andre dein» Neigung und Bcsähignng. Der Herr Ministerpräsident fertigte in ieincr Progrannnrcde gestern den Streit mit einigen nichtssagenden Worten ab. Die Rcgicrimg, er- klärte er.»verde„unter g l c i ch u» ä ß i g e r Beachtling der Interessen der Produktion und der Bestrebungen der Arbeiter- chaft nach Verbesserung ihrer Arbeitsbediiiguiige», auch die Frage der Arbeitszeit geivissnihaft erörtern': sie habe die„,»»- crläßlichcn" Vorarbeiten schon eingeleitet und»verde nach deren Abschluß ihre Ansage einlösen. Kühler tonnte Herr v. Körber gar nicht niehr»verde»»; man erkennt ans diesen Worten, das; die Regierung kein Bedürfnis hat, die private Aktion der Negiernng zu fördern, sondern»veit eher. sie in«iiicin der Massengräber, als was die Ausschüsse des Abgeordnetenhauses seit jeher fungieren, verschwinden zu machen. Ilebrigens ist die Geschäftsordnung des vstreichischen Abgeordnetenhauses an sich so schwerfällig, daß nichts von der Stelle rückt. Ueber die sieben im Wesen gleichlautenden Anträge wird die Debatte so icfiihrt. daß zuerst alle Antragsteller sprechen, dann die Debatte ber die Frage der Dringlichkeit folgt, an die erst die wirkliche Debatte sich aiiinüpft. Da sich die Regierung überdies kapriciert, die ans der Tagesordnung stehende Rcgicrungs- Vorlage auf Beivilligung deS diesjährigen AckrulenIontiiiäentS vor der Beratung der Strcikcinträge zn entivickeln, so ist nicht einmal das Ende der ersten Lesung jener anf den Streik beznghabendcn An- träge abzusehen. Das Parlanient crlvcist sich also als brirchans unfähig, der drängende» Not des Aiisstandcs abzuhelfen. Die Berg- a r b'e i t e r sind»v i e d e r n» r allein ans ihre eigene Kraft angewiesen, und»veit wertvoller als die platonischen Untcrstiitzlmgsanträge der bürgerlichen Parteien ist die Thatsache, daß die Reihen der kämpfenden Arbeiter fest stehen. Mögen nur die»vackercn Streiter ausharre», dam»»vird der Kampf nicht fruchtlos bleiben! Aus Ztoicka»»vird»ins geschrieben: Als wir den letzten Bericht abfaßten, konnte der Stand des Streiks als ein allgemein befriedi- gcnder bezeichnet und gehofft werden, daß anf irgend einem Wege eine Einigung und damit ein Erfolg für die Arbeiter zu stände kommt. Die Thatsache» haben»ms aber das Gegenteil belviescn. Der neuer- liche Einigungsversuch auf Grund reduzierter Forderungen, ver- anlaßt durch die Arbeitcrvcrtreter der Werlsausschüsse unter Hinzu- ziehung des Streikkomitees,»vnrde abermals vo» den Gruben- Herren abschlägig beschieden. Arich das letzte Mittel, die nachgesuchte Intervention des Kreishauptmnnns v. Welck versagte; derselbe erklärte, analvg den Werksbesitzern, daß nur die Arbeiter- ausschüsse der Werke einzeln mit ihren Werksbesitzern und Ver- »valtnngen zn unterhandeln hätten und erst bei Ablehnung einer solchen Unterhandlung das vermittelnde Eingreifen der Behörde sich möglich mache. Das also ist deS Pudels Kern. Man will mit dein Streikkoinitee, mit jenen von der Allgemeinheit gewählten unabhängigen Männern nichts zu thnn haben, sondern nur mit den einzelnen A r b e i t e r a u s s ch ü s s e n, und da auch wiederum jedes Werk für sich, verhandeln, in der ganz richtigen VoranSsetznng, mit diesen ab- hängigen Leuten leicht fertig zu»verde»». Man sieht also, von feiten der Arbeiter war alles gethan, urn eine befriedigende Beilegung des Slusstandes zu ermöglichen, jedoch alle Liebesmüh ivar vergebens. Hier gab es nur zlvei Wege, die zu beschreiten»varen: entiveder ausharren im Kampfe bis zun» äußersten, oder bedingungslose Rückkehr zl»r Arbeit. Es mußte in Anbetracht der überraschend schnellen Wendung der Dinge letzterer Weg betreten»verde». Iveil es zur Durchführung des Lohnkanipfes mit eiserner Strenge einer kräftigen Organisation ermangelte, um die notwendige Mnnition, die einmal zn», Kriegführcn gehört, zu be- schaffen. Am Somiabendmorgen ivurde demzufolge seitens des Streik- komftces der Streik für beendigt erklärt. Eine zivecks Beilegung des Streiks einbenlfene Versammlung ivar seitens der Polizeibehörde ebenfalls verboten worden, es ist sonach in Sachsen nicht einmal niehr möglich, die Beendig, mg eines Streiks durch V e r f a m m l n n g s b e f ch l u ß herbeizuführen. Niemand Hütte geahnt, daß dieser mit beivimdernnaSlvürdigen» Eifer begonnene Lohnkampf der Bergarbeiter ein so jähcS»ind be- dauemSivertes Ende nimmt. N i ch t s i st erreicht ivorden, eher ist eine Verschlechterung zu erwarten und Hunderte von Maßregelungen. Das ist aber sicher, einzig und allein der Hoch- druck der Behörden, die Verhängnng des kleine n BclagerungS- z u st a» d e S, der die Werkbesitzer in ihrer ablehnenden Haltung stützte und ihren Widerstand gegen die Arbciterforderiingen stärkte, trägt die Verantivortimg für das Mißlingen dieser Lohnbelvcguiig und für dnS Unheil, welches über viele Familie» nun hereinbrechen »vird durch die von den Werken in ihrem Siegestaumel verhängte AuSspernillg. Konstatiert sei auch, daß an» Sonnabend bei Beendi- gung des Streiks noch ca. 3000 Streikende,»vornnter eine große Anzahl alte erprobte Bergtente sich befinden, vorhanden waren: 1 sie koniiteil den Streit aber nicht halten, da die Abbröckclnng vom Gros durch die von den Werken»ind Behörden angestiftete Verwirrung bezüglich des Verlustes der Kassengelder zu rapid»in sich griff. Im Gegensatz zn dem Bericht aus Sachsen kann im Gebiet von Zciff-WeistenfelS über eine Zunahme des Streiks berichtet werden. Ans Zeitz»vird uns geineldet, daß die Zahl der Ausständigen jetzt 330 beträgt. Auf manchen Gruben arbeiten unterirdisch mir 2—3 Mann, die nicht genug.Kohle für die Wasser>»»aschinen schaffen können, so daß der größte Schaden für die Gruben durch die eintretende» Grund- »vässer zu verwerten ist. Der Kohlcninangcl macht sich sehr fühlbar, manche Fabriken haben ihren Vorrat aufgebraucht, da sie in den letzten Tagen keine Kohlen erhielten. Der Centncr Briguetts ist hier von 60 Pf. auf 1 M. gestiegen. Die Eiscnbahnverivalcung hat auf der Strecke Zeitz-Sllteiibiirg 6 Züge, ans der Strecke Zeitz- Leipzig 2 Züge, anf der Strecke Mniselivitz— Leipzig 4 Züge einstweilen eingestellt. Am Montag »vird der Aussland nach an Ausdehnung gelvinnen, die Bergarbeiter »vollen nur noch die Lohnzahlimg am Sonnabendabend mitnehmen. Im M e u s e l w i tz-R o s i tz e r Bezirk hat dcrStreik schon größere Diinensiouen aiigenommen. Der Bergrat Böhmisch hat am Donners- tag den Bergleuten als einzige Beivilligung der Wcrtsvcrlvaltnngen in ciiicin Schreiben mitgeteilt, daß die Verwaltungen alle 4 Wochen die gesanimtc Slrbeit im Schacht wechseln lassen»vollen, damit jeder Slrbcitcr auch»nal die gute Arbeit machen könne und keine Begünsti- gmig eintrete.- Darauf haben die Bergleute an» Domierstagnbend in übervoll besuchter Bersaminlung den allgemeinen Streik be- 'chlossen.?lm Freitag früh traten ans ackt Schächten über 400 Ma»»» in den Ausstund. Auch hier»vollen die Arbeiter erst den Sonnabendabend abivnrtcn»lud dann allgemein in de» Ausstand trete». o daß am Montag früh circa 2000 Mann ausständig sein»verde». Auf Grube„Agnes" find die Koiiiinissioiisniitglieder'(3 Man») ohne weiteres gemaßregclt»vorde». Ein starkes Gciidarnicric-Aiifgcbot ist in beiden Bezirken statio- nicrt und beivacht überall die Gruben. Die Leute»Verden nicht das Geringste zu thnn bckonimcn, denn die Arbeiterschaft ist so geschillt, daß sie keine Ausschreitung begeht. Die Lage des Streiks in der Umgebung von Halle ist»inver- ändert. Die an» 23. Februar nachmittags in Beesen stattgehabte Bersominlniig»var von circa 400 Personen besucht. Es herrschte volle Einmütigkeit. Beinerkcnsivert ist, daß der Knappschaftsälteste in der Veriaminlimg mitteilte, daß die ständigen Mitglieder von der KnappschaftSkasse,»venn sie ihrer Rechte nicht verlustig gehen»vollen, sich»vährend des Streiks als „feiernde Mitglieder" nbmeldcn»nüssen. Der Landrat des Saale- krcises, Rcgicrimgsasscssor v. Krosigk,»veist in der„Halleschen Ztg." auf ß 366 Nr. 10 des Strafgesetzbuches hin.»vonach die zur Erhal- tiiiig der Sicherheit, Begiicinlichkeit, Neinlichkeit»md Ruhe erlasienen Verordillingcii strengstens zu beobachten find»md den Aufsichts- beamten unbedingt Folge zu leisten ist. Zuividerhaiid- lungci» sollen niit sechzig Mark oder vierzehn Tagen Haft geahndet»verde»». Die Bergleute glauben diese Bekanntmachung gar nicht auf ihre Bcivegung beziehen zn kvmieii, da noch»icht die g e r i n g st e Störung vorgekommen ist. Die Beuiühniigel» des Landrats waren ganz überflüssig. Die Zahl der Streikenden ist nicht genau festzustellen; es möge» jetzt ca. 1600 Bergleute in» ganzen Revier streiken. Wenn die Einigungsversilche von Sonnabend und Sonntag»vicdcr scheitern, dann ist die»veitere Ausdchmmg des Strcils uiive», neidlich. Genosse Pakorny wird der EinigimgSlonfcrenz fernbleiben, um den Grnbciiverivaltnngen auch noch die l c tz t e G e l e g e n h e i t zn nehmen, sich von den Verhandlniigen niit den„eigenen Leuten" zn drücken. Wir be- zweifeln trotzdem, daß eS z»» einer Einigung kommt. GemevkfiszKfkliifies. Verl!« und Nnigegcnd. Löhne und Arbeitszeit in, Barbier-»nd Frisenrgewerbe. Einer vom Zivcigverein Berlin des Verbandes der Barbiere, Fri- scnrc und Pcrrückenmachcr für daS Jahr 1899 aufgenommenen Statistik entnehmen wir folgende Angaben: Die misgegebeiien Fragebogen sind von 196 Gehilfen»md 5 Lehrlingen bcantivortet ivorden. SlrbeitsloS»varen 119 Gehilfen zusammen 7663 Tage, 32 Ge- Hilfen verzeichnen zusainmcn 1163 KrankheitStage.— Die wö ch entlich e Arbeitszeit betrug bei 4 Gehilfen 80—90 Stunden, bei 8 Gehilfen 90—95 Std.. bei 141 Gehilfen 96— 100 Std., bei 36 Gehilfen 100—105 Std., bei 6 Gehilfen 106—112 Std.. bei 5 Lehrlingen 100—105 Std.— Des S o n n- tags arbeiteten 190 der Befragten bis 2 Uhr, 10 bis 3 Uhr, 1 bis 3Va Uhr.— Eine»» freien Nachmittag in der Woche hatten 73 Gehilfen und 1 Lehrling von 1 Uhr an. 61 Gehilfen von 2 Uhr an. 18 Gehilfen von 3' Uhr an. 5 Gehilfen von 4 Uhr an, 1 Gehilfe von 6 Uhr an. 33 Gehilfen und 4 Lehrlinge hatten keine reic Zeit in der Woche, dafür erhielten 26 Gehilfen Eni- ch äd ig u u g e n von 0,50—2,— M.— Der Wochcnlohn betrug bei ganzer Kost(dieselbe wird einschließlich Logis mit 1,40 M. täglich belvcrtet) bei 10 Gehilfen 4—5 M.. bei 46 Gehilfen 6—7 M.. bei 4 Gehilfen 8 M.»md bei 1 Gehilfen 10 M. Bei halber K o st(ciiischließlich Logis mir 0,90 M. pro Tag bewertet) bei 12 Ge- Hilfen 6-8 M.. bei 52 Gehilfen 9 M., bei 49 Gehilfen 10 M„ bei 9 Gehilfen 11 M., bei 1 Gehilfen 12 SP?. Ohrte K o st erhielten 2 Gehilfen 15 SD?., 1 Gehilfe 16 SP?., 1 Gehilfe 17 M.. 2 Gehilfen 18 SP?, und 1 Gehilfe 100 SP?, monatlich. Diese Angaben bestätigen in vollem Umfang die bekannte Thab fache, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Barbier- und Friseur- gehilfen mit zu den allerungünstigsten gehören. Deutsches Reich. Die Stuccatcure in Königsberg i. Pr. haben den Erfolg «u verzeichnen, daß in zwei Geschäften ihre Forderungen durchgeführt sind. Ausständig sind 20 Mann. Zum Redacteur des„KorrespoudenzblattS" der General kommiffion der Gewerkschaften Deutschlands, das auf Beschluß des Frankfurter Gewerkschaftskongresses bedeutend erweitert werden soll, ist Genosse Paul Umbreit in Leipzig, der seither zahlreichen GeWerk- schaftsblättern socialpolitische Leitartikel lieferte, gewählt worden. Umbreit, der früher Drechsler war, tritt die Stelle am 1. April dieses Jahres an. Die frommen Kapiteldespoten in Einsiedeln, die Benziger u. Co., verharren bei ihrer protzigen Unnachgiebigkeit. Am Sonntag beschlossen die Streikenden, neuerdings die Bestellung eines Schieds gcrichts mit dem Ministerpräsidenten des Kantons Schwhz, einem Parteigenossen der Herren, als Präsidenten, vorzuschlagen, allein der Vorschlag wurde zurückgewiesen. Inzwischen scheuen' die frommen Ausbeuter keine SP?ühe und keine Kosten, um auf krummen Wegen Streikbrecher zu fangen, bis jetzt aber vergeblich. Es ist zweifellos. würde von den 400 Weiterarbeitenden der größte Teil ebenfalls die Arbeit einstellen, so würde dieser Despotismus rasch gebrochen werden. Ausland. Aus der Schweiz. Die streikenden Steinhauer im Tessin be- harren im Ausstand. Weil sie nun auf keine Weise dazu zu bringen sind, durch Annahme der infamen Arbeitsordnung sich selbst zu er- drosseln, haben die Unternehmer beschlossen, den Betrieb der Stein- bräche auf ein Jahr einzustellen. Die Arbeiter bleiben dennoch fest. — In B u r g d o r f erreichten die Schriftsetzer durch eine Lohn- bewegung einen Lohnzuschlag von 10 Proz. für 1000 Buchstaben. ein wöchentliches Gewißgeld- Minimum von 29 Fr., 70 Cts. für Ueberstundcn und 80 Cts. pro Stunde für Sonntagsarbeit.— In Basel erreichten die Parkettleger durch eine Lohnbewegung einen neuen Tarif mit dreijähriger Gültigkeit. Auftauchende Streit- fragen sollen durch ein Schiedsgericht geregelt werden. Der Streik der Berliner Tischler. Die Aktion der Scharfmacher im Tischlergewerbe setzt mit hoch fliegenden Plänen ein, überlegen verkünden sie, ihnen wäre die Ab- ficht der Arbeiter schon lange bekannt und sie hätten danach ihre Maßnahmen getroffen. Welcher Art sind nun ihre Vorbereitungen? Sie schrumpfen zusammen auf den großen Plan, alle Arbeiter in Tischlereien auszusperren und die Nebenbetriebe für Holz- bearbeitung mit in diesen Kamps hineinzuzerren. Der Erfolg dieser Taktik ist vorläufig ein sehr geringer, denn nur die Möbelbranche ist auf dieses phantasievoll ausgehechelte Projekt hineingefallen. Die Spekulation der Herren Großindustriellen, durch eine große-jahl der Streikenden die Kasse der Organisation zu spreiigen, ist eitle Selbsttäuschung. Für eine Organisation von 70 000 Mitgliedern, wie sie der deutsche Holzarbeiterverband aufzuweisen hat. bedeutet der Ausstand von 6000 Tischlern noch keinen Bankrott, wohl aber könnte dieses Schreckgespenst bei einigen Kleinmeistettt laut und vernehmlich anklopfen, wenn sie hinter den Groß- industriellen weiter einhertrotten. Die Arbeiter können ruhig den Dingen einige Wochen zusehen. bis dahin haben sich die Herren Unternehmer besonnen, die günstige Geschäftslage aus der andern Seite bekehrt sie zur besseren Einsicht. Die Unternehmer wollen die Kraftprobe, die Arbeiter haben darauf nicht hin- gearbeitet, aber sie können guten Muts den Fehdehandschuh auf- nehmen, die mutwillige Aussperrung einiger Tausend Arbeiter ist das Werk der Unternehmer, zur Verschärfung des Kampfes haben die Arbeiter nicht beigetragen. Die Unternehmer haben manches gethan, was den Konflikt schon früher heraufbeschwören konnte. Hat nicht erst vor kurzem Herr Marschall, der Obermeister der Tischlerinnung, erklärt, daß er es bedauere, daß die Innung nicht die A r b e i' t s s ch e i n e ein- führen könne. Was bedeuten diese Arbeitsscheine? Nichts andres als ein Führungsattest, das den Arbeiter herabsetzt in seiner socialen Stellung, ihn von der Laune und Willkür eines Unternehmers ab- hängig macht. Wäre die Absicht des Herrn Marschall zur Durch- führung gelangt, dann wäre der Konflikt frivol hervorgerufen. Einige Herren der Großindustrie sind seit langem bemüht, systematisch gegen die Organisatton der Arbeiter, den Holzarbeiter- Verband, zu hetzen, um eins der ihnen geläufigen Worte gegen die Agitation der Arbeiter zu gebrauchen. Ihr Groll richtet sich' dagegen, daß die hiesigen Tischler es verstanden haben, durch ihre Organisation bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Gewerbe herbeizuführen. Daß aber trotzdem keine für die Arbeiter glänzenden Zustände herrschen, beweist schon der eine Umstand, daß die Ar- beiter um einen Minimal- Wochcnlohn von 24 Mark streiken. Die Arbeitsverhältnisse im Tischlercibcruf sind über- aus schlechte und nur unter diesen Verhältnissen tvar es möglich, eine Schundkonkurrenz in Berlin hervorzurufen, die in der Provinz die Möbelmagazine mit billigen Fabrikaten füllten und jede solide Konkurrenz aus dem Felde schlug. Dieser Zustand ist auf Kosten der Arbeiter herbeigeführt, vor allem durch niedere Löhne. Und so ivenig der blind wütende Konkurrenzkanipf der Unternehmer die Arbeiter elbst veranlassen könnte einzugreifen, dagegen müssen sie sich wehren, daß sie die Kosten dieser Wirtschaft tragen. » Ueber den Stand des Streiks wird berichtet, daß sich die Zahl der Ausständigen am Sonnabend um 200 vermehrt hat. In zwei Werkstätten haben infolge der zwanzigprozentigen Aus- sperrung alle dort Beschäftigten die Arbeit eingestellt. Dte Leitung des Verbands wird jedoch in der heute stattfindenden Generalversamm- lung den Tischlern, in deren Werkstellen ausgesperrt wird, empfehlen, daß diejenigen, die von der Aussperre nicht betroffen werden, ruhig weiter arbeiten, bis nach Ansicht der Leitung der Moment gekommen ist, wo alle Kollegen auS den betreffenden Werkstellen gezogen werden sollen. Abgereist sind gestern etwa 100 Unverheiratete, insgesamt bis jetzt 250. Die Maschinenarbeiter berichten, daß die Zahl der Aus- gesperrten 450 beträgt, jedoch werden am Montag noch weitere Aus- sperrungen erfolgen. Vielfach sind Arbeiter entlassen, die eine Kündigung zu beanspruchen haben. Die Unternehmer haben sich bereit erklärt, den Lohn zu zahlen, sie werden von der.Freien Vereinigung der Tischler" entschädigt. Unter solchen Umständen läßt sich schon streiken und die Arbeiter werden sich ganz wohl ftihlett, wenn sie auf.Wartegeld" von der noblen Vereinigung der Unter- nehmer gestellt werden. In Weißensee erstreckt sich der Streik jetzt über 32 Werkstätten mit 220 Arbeitern. Abgereist sind bis jetzt 30 unverheiratete Ar- beiter, denen bald andre nachfolgen dürsten. Die Zahl der Ausständigen dürfte am Montag noch größer werden, denn der eifrigen Agitation der Herren Großindustriellen sind mehrere Meister unterlegen, die bereits ihren Arbeitern Zugeständnisse ge- macht hatten. Auch sämtliche Fabriken für Holzbearbeitung sind geschlossen, die Arbeiter dieses Berufs sind ausgesperrt, ohne daß sie überhaupt auf den Streik irgend welchen Einfluß hatten. Die Herren wollen eine Kraftprobe und sind in der Wahl ihrer Mittel zur Erreichung dieses Zwecks nicht wählerisch. Den Meistern, die sich den Bedingungen der Scharfmacher nicht fügen, wird gedroht, daß ihnen der Bezug von Nohmatcrial vollkommen entzogen würde. Wir sind überzeugt, daß wenn die Arbeiter auch nur entfernt diese Mittel anwendeten, sie mit dem Erpressuugsparagraphen und den§ 153 der Gewerbe-Ordnung un- angenehme Bekanntschaft niachett würden. Allerdings sind es hier die Unternehmer, die Terrorismus üben und der Schutz.arbeirs- williger Unternehmer" vermag sich zu reaktionären Presse emporzuschwingen. keinem Schlagwort der Socinlos. Socialpolitik der sächsischen Staatsbahn-Verwaltung. Seit Jahren werden von den sächsischen Eisenbahnent lebhafte Klagen er- hoben über den Mangel an geeigneten Uebernachtungs- und Unter- kunftsräumen und die schlechte Beschaffenheit der vorhandenen. Der Staatsbahn-Verwaltung scheint nun doch das Gewissen geschlagen zu haben: sie hat wohl gemeint, der Oeffentlichkeit zeigen zu müssen, daß sie nicht bloß„unzufriedene Elemente" maßregeln, sondern daß sie wirklich etwas zum Wohle der Arbeiter thun kann. Der Vertrauensarzt der sächsischen Staatsbahnen. Dr. Gilbert, hat jetzt die bestehenden Einrichtungen dieser Art geprüft und fordert als Ergebnis seiner Untersuchungen die Herstellung von Unterkunfts- und Uebernachtungsräunten unter Aufstellung bestimmter, an solche Räume zu stellender hygienischer Anforderungen. Die General direktion der sächsischen StaatSbahn hat diese Vorschläge zum Beschluß erhoben und als ihre Folge sind in den jetzigen Etat für die nötigen Bauten und Anschaffungen 700 000 Mark eingestellt. Gilbert erhofft, wie er in der„Ztg. d. V. dt. E.-V. ausspricht, von dieser Einrichtung für„die Gesunderhaltung und Erholung des Personals im Dienste" großen Nutzen, währeitd es jetzt„ bei vielen, die die 60 er Lebensjahre über- schritten haben, fast zur Regel gehört, daß sie all- jährlich ohne irgend welche Krankheit und infolge all gemeiner Slbspannung und Entkräftung vorübergehend den Dienst aussetzen müssen". Es ist für die sächsischen Eisenbahner sehr wertvoll, wenn zur Beschaffung und Ausstattung der UnterkunstSräume endlich einmal etwas Ernsthaftes geschieht und wir begrüßen es besonders als einen Erfolg der Thätigkcit der gemaßregelten„Hetzer" sowie als eine An erkennung der Berechtigung ihrer„Hetzereien". Noch wertvoller ist aber das Zugeständnis des Herrn Dr. Gilbert, daß die Leute all jährlich infolge allgemeiner Abspannuttg und Entkräftimg vorübergehend den Dienst aussetzen müssen. Eine bessere Bestätigung der Forderungen der gcmaßrcgelten„Hetzer", die ja namentlich auf eure allgemeine durchgreifende Verkürzung der Arbeitszeit gehen, kann man sich gar nicht wünschen. Daß diese allgemeine Eni- kräftung durch bloße Verbesserung der Unterktinftsräume beseitigt werden' könnte, wird kein Einsichtiger behaupten wollen. Sie ist eine Folge der übermäßigen Anstrengung verbunden mit der schlechten Bezahlung, die keine ausreichende Ernährung gestattet. Hier ist der Hebel anzusetzen, um der allgemeinen Entkräftung der Arbeiter ent- gegenzuarbeiten. Russische Tocialresorm. Der russische Finanzminister Witte hat an die Fabrikinspektoren Cirkulare erlassen, in denen er ihnen das Verhalten bezüglich der Ueberstuttdettarbeit in den Fabriken vorschreibt. Diesem Rundschreiben zufolge darf Ueberstundenarbeit fortan nicht anders, als nach gegettseitiger Vereinbarung zwischen Unternehmer und Arbeiter zu- gelassen' werden. Bezeichnend aber ist, daß zu gleicher Zeit in dem Schreiben die Fabrikinspektoren dringlich er- mahnt werden, derartige Vereinbarungen„auf keinen Fall" zu verhindern: ihre Pflicht sei nur, sich in jedem einzelnen Falle von der freiwilligen Entschließung der Arbeiter zu überzeugen. Die Leiter der Fabriken werden gehalten, die Fabrikinspektoren recht- zeitig von getroffenen Vereinbarungen zu verständigen. Diese Ver- einbarungen sollen aber nicht als Verträge lim juristischen Sinne) gelten, deren Bruch in ölutzland bekanntlich mit kriminellen Strafen bedroht wird. Die Arbeiter, welche sich zu Ueberstimdenarbeit verpflichtet haben, können dieselbe also in Zukunft zu jeder Zeit, ohne wenigstens Gefahr zu laufen, strafrechtlich belangt zu werden, einstellen.— Socinlv Vrrfjtspflrgr. Für Rollkutscher ist der folgende Rechtsstreit von Bedenttmg. Gegen eine Lohnforderting des Kutschers K. machte der Spediteur W e n d s ch l a g vor dem Gelverbegericht geltend, der Kläger habe ihm einen Schaden von 5 M. dadurch verursacht, daß er auf einer Tour seinen Auftrag nicht ganz erfüllt habe. Er habe eine Sendung Pappen nicht abgeholt, so daß Beklagter an Standgeld M. mehr habe bezahlen müssen, als notwendig gewesen wäre. Der Kläger betonte dem gegenüber, der Beklagte habe ihm gesagt, er solle alles, was auf dem Rollwagen sei, abfahren: wenn er das nicht thäte, dann wäre er faul. Dieser Auf- orderung habe er nur genügen können, indem er den Wunsch, des Beklagten, die Pappen abzuholen.nicht erfüllte: Mehr als in seinen Kräften stehe, könne er aber nicht thun. Nunmehr meinte Herr Wcndschlag, der Kläger hätte lieber etlvas andres liegen lassen sollen. Die Pappen hätte er abholen müsien. Auf Befragen des Vorsitzenden, Dr. Meier, mußte der Beklagte zugeben. daß er dem Kläger nicht direkt gesagt habe, er solle die Pappen unter allen U m st ä n den abholen. Der Kläger hätte es ir schaffen sollen". Der Gerichtshof hielt den Beklagten unter diesen Umständen für nicht berechtigt, sick am Lohn des Arbeiters für die 5 Mark Standgeld schadlos zu halten. und riet ihm, das Geld freiwillig zu zahlen, was er schließlich that. Ter Krieg. Noch immer ist in England die hcißerschnte Nachricht von der Vernichtung der Cronjeschen Armee nicht eingelaufen. Gerüchte kursieren zwar genug; so trat mit ziemlicher Sicherheit die Meldung auf, Cronje sei mit 8000 Mann gefangen und 1700 Bocren seien gefallen. Aber das Kriegsamt in London weiß von nichts— würde es aber ganz sicher wissen, wenn es sich wirklich so verhielte. Dabei gewinnt es, soweit man nach den spärlich einlaufenden Nachrichten urteilen kann, immer mehr den Anschein, daß die Auf- reibung der Boerenarme den Engländern entweder überhaupt nicht gelingen, oder daß dieses Ziel von den Engländent doch nur mit ehr großen eigenen Opfern erreicht werden kann. Die Ein- chließung CronjeS kann noch nicht vollständig sein, denn aus Pretoria wird gemeldet, daß die Verbindung mit Cronje noch offen ist. Auch vom Norden her drohen den Engländent Schwierig- ketten. Dem„Daily Chronicle" wird aus Kiinberley vom 21. Februar gemeldet: Transvaal-Boeren haben sich an der Grenze nördlich von Kimberley angesammelt. Ein Teil der feindlichen Truppen hat unser Lager beschossen. Die wichtigste der heute vorliegenden Nachrichten reicht bis Donnerstag. Sie ist von Paardeberg, den 22., datiert und lautet: Die Beschießung des Lagers CronjeS durch die englische Artillerie dauerte den ganzen Tag. Heute wütet hier ein heftiges U n- Wetter. Gestern abend traf eine Transportkolonne mit reichlichen Lebensmitteln und Munition im englischen Lager ein. Es geht das Gerücht, daß in nördlicher Richtung von der englischen Stellung 2000 Boeren operieren. Gestern abend rückten die Engländer 250 Meter näher an das Bett des ModderflusseS vor, sie fanden mehrere Leichen von Boeren. General French hat noch 75 Boeren gefaitgett genommen. In London ist die Aufregung der Bevölkerung unbeschreiblich, da noch immer die Skachricht'von der Niederlage Cronjes nicht eingetroffen ist. Das Kriegsamt wird förmlich von dichten Menschenmassen, die sich aus Leuten aus allen Kreisen der Bevölkerung zusammensetzen, b e- lagert, um möglichst schnell das Resultat der letzten Schlachten am Modder River zu erfahren. Der„Standard" sagt in einem Artikel über den Krieg: Alles deutet auf Konzentration im Oranje- Freistaat und vielleicht auf Festsetzung in einer befestigten Stellung int SD?itteI- Punkt des Freistaats, welche unsre Truppen werden angreifen müssen. Nach der Entschlossenheit zu urteilen, welche die Boeren noch an den Tag legen, wird die Aufgabe, sie zu besiegen, weint es ihnen gelingt, sich in beträchtlicher Zahl� von starker Artillerie gestützt. zusammenzuschließen, selbst mit der überlegenen Streitmacht schwierig sein, die Marschall Roberts gegen sie zur Wirkung bringen würde. Em Artikel der„Times" meint, es sei weniger wahrscheinlich als bisher, daß gegenwärtig bedeutende Ver- stärkungen der Boeren gegen Roberts marschieren. Sliischeinend hätten sich die Boeren von Ladysmith nicht in der Stärke zurück- gezogen, wie man vor einem oder zwei Tagen annahm. Der Tranöbaalgesattdte Dr.LehdS erklärte einem Interviewer, er sei überzeugt, daß Cronje rechtzeitig über Hanysmith und Betlehein bedeutende Verstärkungen erhalten hat. Selbst iveiin die Eng- länder Cronje besiegt hätten, würde die Zusammenziehung der Boercii- armee schnell und leicht zu ermöglichen sein. Wann dieselbe statt- finde, wisse er nicht, aber der Rückzug über den Vaalfluß werde sobald nicht erfolgen. Der Freistaat könne besonders von der nörd- lichen Seite, wo zahlreiche Hügelketten sich befinden, verteidigt werden. Die Zahl der Bocrentruppcn schätzt Dr. Leyds ans mindestens IVO OVO Manu. Das Gelände zwischen Jaeobsdaal und Bloemfonteiu schildert im Brüsseler„Petit Bleu" ein Kenner des Landes in folgender Weise:„Der Weg von Kimberley nach Blocmfontein ist 160 Kilometer lang. Ich habe diesen Weg schon ungefähr zwölfmal per Postkutsche zurückgelegt und kann auf Grund eigener Anschauung versichern, daß auf diesem Wege prächtige Ver- t ei d i g u n g s sie llun g en zu finden find. Marschall Roberts wird mit seinein großen Train riefigen Schwierigkeiten bc- gegnen und diese werden zunehmen, je weiter er sich von der Eisenbahnstation Modder River entfernt. Auch Ueberraschungen harren seiner. Die Wärme im Februar tnid März ist kaum auszu- halten und die Sandwirbelstürme führen Erfticknngsfälle herbei. In- zwischen naht die Siegenzeit und die Engländer haben mit reißenden Strömen und sumpfigen Wegen zurechnen. Die Bocren iverden alles daran setzen, um den Schienenweg zwischen Naauwport-Colfsbcrg.Norvals Pont. Bloemfontein nach Kronstadt aufzubrechen. Diese Linie teilt den Freistaat in zwei Hälften; die östliche besitzt vorzügliche Verteidigungs- stellungen, die westliche, an der Seite von Kimberley ist unfruchtbar. Ucbrig'cns wurden schon vor einigen Wochen die Regierungs- Archive und die der Bank von Bloemfontein nach Pretoria über- geführt, für den Fall, daß die Boeren und die Oranje-Freistaater gezwungen werden würden, den Freistaat und Natal zu verlassen und sich hinter dem Vaalfluß zu verschanzen. In letztrem Fall ivürde der Krieg noch lange danern und den Engländern große Ver- luste verursachen. An der Seite von Natal ist die transvaalsche Grenze durch die Natur so gut befestigt, daß einige tausend Mann genügen, die englische Armee in ihrem Marsch aufzuhalten. Dann erst wird den Engländern deutlich werden, was es heißt, im Gebiet der Boeren zu kämpfen." » Vom mittlere» Kriegsschauplatz. Aus Pretoria wird vom 22. Februar gemeldet: Der Text deS KriegsbulletinS von gestern abend lautet folgendermaßen: Der Kommandat der Verbündeten in Colesberg meldet, daß er gestern von einer starken Kavalleriemacht ange» griffen wurde; es folgte ein heftiger Kampf, die Engländer ver- suchten die Stellung mit Sturm zu nehmen und kamen bis auf 400 Iards an die Kanonen der Verbündeten heran. Sie mußten sich aber mit schweren Verlusten zurückziehen, ans feiten der Verbündeten wurde ein Mann verwundet. General Grobler, der ebenfalls in den Kampf vertvickelt wurde, hatte keine Verluste. Das„Reutersche Bureau" meldet aus dem Boerenlager bei Colesberg vom 20. d. M.: Die Verbündeten griffen die Stellungen der Engländer bei Rietfontein an und nahmen mehrere Positionen, welche die Engländer später wieder nahmen. DaS Gejchützfeuer dauert auf beiden Seiten fort. Ladysmith. „Daily Telegraph" berichtet aus dem Lager von Chieveley vom 20. d. SP?.: Nachdem die Boeren aus einer Stellung, welche sie besetzt hatten, über den Tugela zurückgetrieben waren, haben sie gestern wieder eine Schwenkung gemacht und jetzt die Höhemücken bei Nelthorpe-Station, südlich'des Bulwanaberges besetzt, von wo sie uns denlledergaug über den Tngela st reitig machen. Demselben Blatte wird aus Pietcrntaritzburg vom 22. d. SP?, gemeldet: In der Nähe von Pictcrs hat heute früh ein Gefecht begonnen, da der Vormarsch B u I l e r s auf ein starkes Gewehr- und Geschützfeuer des Feindes gestoßen ist. Die Boeren bcabsichtigen also offenbar, die Tugela-Linie vor- läufig noch zu halten. Pretoria, 24. Februar. sMeldung des„Rcuterschen Bureaus".) Eine Depesche aus dem Boerenlager bei Ladysmith meldet: am 22. d. 3)1. überschritten die britischen Truppen mit Geschützen den Tugela und griffen das Ermelo- und daS Middleburg-Kommando an,' mußten sich aber nach einem heftige» Gefechte zurückziehen. Der Angriff wurde am folgenden Morgen erneuert, die Engländer wurden aber nochmals mit schweren Verlusten zurückgetrieben. Uvtzte ZlKchvirlxken und Vezkefchen. Kattowitz, 24. Februar.(W. T. B.) Wie der«Berg- und Hüttenmännische Verein" meldet, sind heute sämtliche Arbeiter der „Guido Otto Zinkhütte" angefahren; der Atisstand sei somit beendet. Wie», 24. Februar. sW. T. B.) Der niederöstreichische Landtag nahm die Wiener Gemeindewahl-Ordnung in zweiter und dritter Lesung in der vom Landesausschluß vorgeschlagenen Fassung unter Ablehnung sämtlicher Abänderungsanträge an. Der Landmarschall erklärte hierauf den Landtag für vertagt. Trieft, 24. Februar. iW. T. B.) Auf dem heute" hier ans Brasilien eingetroffenen Lloydampfer„Orion" sind während der Fahrt in den brafilianischen Gewässern ein Maschinist, ein Heizer und der erste Lieutenant am gelbe» Fieber erkrankt. Der Maschinist wurde in dos Spital von Rio de Janeiro aufgenommen. Der Heinzer ist gestorben, der Lieutenant genesen. Mit Rücksicht auf die Krankheitsfälle hat die Sanitätskommission eine siebentägige Quarantäne des Dampfers in dem Seelazarett von San Barto- lomeo angeordnet. Genf, 24. Februar.(W. T. B.) L u e ch e n i, der Mörder der Kaiserin Elisabeth, machte heute in seiner Zelle einen Attentats- versuch gegen den Gesängnisdirektor Perri» mittels eines scharfen Instruments', welches er aus einem Konservenbüchsen-Schlüssel ver- fertigt hatte. Luccheni brachte Klagen vor wegen verschärfter Maß- nahmen, welche infolge der Entweichung von zwei Sträflingen verfügt worden waren. Als Perrin im Gespräch mit ihm den Kopf wendete, versuchte Luccheni ihn niederzustoßen. Nach kurzem Kamps mit dem Attentäter ivurde dieser von dem Wärter bewältigt und wiederum in eine unterirdische Einzelzelle abgeführt. Philippopel, 24. Februar. sSPieldung des Wiener Telegr.» Korrccspondenz-Bureaus.) Ans Konstantinopel eingetroffenen Nachrichten zufolge sind dort der Staatsrat Jmail Kemal Bey, serner die Veranstalter der letzten Sympathie- Adresse für England sowie einige andere höhere Beamte verhastet worden. Kalkutta, 24, Februar.(W. T. B.) Aus bester amtlicher Quelle wird gemeldet, daß die beunruhigendeti Nachrichten eines Blattes in Bombay über militärische Vorbereitungen in Indien sehr über- trieben seien. Es sei keinerlei Befehl ergangen, ein zweites Armee- corps zu mobilisieren oder Kavallerie an die Grenze zu entsenden. Im Hinblick auf die jüngst vorgenommene Vermehrung der russischen Truppen in der Nähe der Grenze von Afghanistan sei die Regierung auf der Hut und es seien bestimmte militärische Vorbereitungen ge- troffen worden. Dieselben blieben aber geheim. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für denJnseratenten ll:rantwortlich: Th. Glocke in Berliu. Druck und Verlag von Max Badtng in Berlin. Hierzu 3 Beilagen und Uttterhaltutigsblatt. St. 47. 17. rnmn. 1. Itülljt MeichskAg. 154.© t(j u n n l) o m 24. Februar 1000, 1 Uhr. Am BnildeSratStisch: v. P o s a d o w s k y. Zunächst stehen zur Beratung die zurückgestellten Titel des Etat-l des Reichsamts des Innern.'(Einmalige Ausgaben.) Ans Anlas; der Beteiligung de? Reichs an der Pariser Welt- audstclluug ivird 1 OOS 000 Mark gefordert. Die Kominission bc- antrckgt Be'.villignng der Summe. Gcheimrat Richter: Nach den ausführlichen Darlegungen, die ich bereits früher über die Beteiligung Deutschlands an der Pariser Weltausstellung gegeben habe, ivill ich mich heute auf einige Bemerkungen vcschränleu. � Es ist bezweifelt worden, ob die Ausstellung zur fest- gesetzten Zeit wird eröffnet werden können. Demgegenüber lege ich Wert darauf zu erklären, das; unzweifelhaft die Ausstellung am 15. April, am{Ostermontag. eröffnet werden tvird. Zwei Gebäude werden allerdings erst Anfang Mai für das Publikum zugänglich sein. ES sind dieS das Gebäude für Heer und Marine, das,' als es ichon fast fertig war, durch einen orkanartigen Sturm wieder zerstört wurde, und das ElcktricitatS- Gebäude, das auch erst zu Beginn der Ausstellung den Ausstellern zur Verfügung stehen wird. Alle übrigen Gebäude sind vollständig vorbereitet für die Aufnahme der Ausstellungsgegenstände. Auch Deutschland hat seine Jnstallationsarbeiten in Angriff genommen und ist insbesondere in der Kunstgruppe und der Gruppe der Kraftu rasch inen bedeutend im Vorsprnng. Redner giebt nunmehr an der Hand von Bildern und Plänen, die auf dein Tisch dcS Hanfes zur Anficht seitens der Abgeordneten niedergelegt find, ein ausführliches Bild von der Ausstellung. Schlieszlich will ich noch konstatieren, dast auf den deutschen Bauplätzen eine große Zahl aus Deutschland gesandter Arbeiter zusammen mit französischen Arbeitern thalig ist. Ich freue mich, feststellen zu können, daß diese Arbeiter stets in harmouischcr Weise zusammengearbeitet haben. Mit der mir zur Verfügung gestellten Summe, hoffe ich, werden wir, wenn nicht ganz unerwartete Ereignisse eintreten, auskommen können, und es bleibt mir nunmehr nur übrig, den gesetzgebenden Körperschaften für ihre liberale Bewilliguna der erforderlichen Summen meinen Tank auSgesprcchcu.(Bravo.) Abg. Dr. Rösickc-Kaiscrslautern(B. d. L.): Von den 5 Millionen, die das Reich für die Ausstellung be- lvilligt hat. sind für die landwirtschaftliche Ausstellung nur 100 OOO M. ausgesetzt worden. Das ist nur ein ganz winziger Teil. Für die" deutsche Schivcinezucht sind nur 0000 M. für die gesummte Riudviehzucht 10000 M. bewilligt. Natür- lich kann infolgedessen die deutsche Zucht in Paris nicht in würdiger Weife vertreten werden. Das ist umso beklagenswerter, als die deutsche Viehzucht nur allein mit der englischen'zu konkurrieren hat. Dazu kommt nun noch, daß die französische Regierung die Schiveiuc und das Rindvieh einer zehntägigen Quarantäne au der Grenze untertvirft, während das englische Vieh ohne Quarantäne lediglich aus Grund eines sanitätspolizeiliche» Zeugnisses eingeführt werden kann. Das bedeutet natürlich eine schlvere Schädigung der deutschen Viehzüchter, die die Absicht gehabt haben, in Paris auszustellen. Ich bitte den Herrn Reichskanzler, dafür zu sorgen, daß die Quarantäne aufgehoben ivird oder jedenfalls, daß einige tausend Mark für die deutsche LandwirtschaftLausstellung bewilligt werden. Geheimrat Richter: Ich mnß die Behauptung, daß die Summe, welche für die laud- wirtschaftliche Ausstellung seitens dcS Reichs ausgeworfen ist. in keinem Verhältnis stehe mit der Gcsamtsubveutioii, auf das eut- schiedenstc zurümvcisen. Natürlich kann die Landwirtschaft bei einer solchen Ausstellung nicht bedacht werde» nach der Stellung, die sie innerhalb der deutschen Produktion hat. sonder» nur nach der Stellung, die ihr das französische Programm zmvcist. Dieses Programm kennt 18 Gruppen. in denen Dcutichland in vollständig gleicher Weise beteiligt ist. Also würde die Landwirtschaft »ur auf den 18. Teil der Subvention Anspruch erheben können. Die Landwirtschaft hat aber mit der Beisubvcntion von ca. 120 000 M. ungefähr sechsmal so viel alö irgend eine industrielle Gruppe. Dazu kommt, daß von feiten der industriellen Gruppen ganz enorm schlvere Opfer für die Ausstellung gebraucht sind, während die Kosten für die landlvirtschaftliche im tvcscntlichcn durch die Reichssubvention gedeckt sind. ES würde nur interessant sein, zu erfahren, ob die einzelnen Landwirte, die sich beteiligen, noch irgend welche Zuschüsse zu den Ausstcllungskostcn werden zahlen müssen. Ich glaube es nicht.(Bravo! links.) Abg. Rösicke-Kaiserslautern(B. d. L.): Der Herr Kontmissar hat die landwirtschaftliche Gruppe gegen- übergestcllt einer einzigen industriellen Gruppe. Ein solcher Vergleich ist bisher noch nie in Deutschland gebraucht worden.(Sehr richtig! rechts.) Die Regierung sollte sich entschließen, für die Landwirtschaft mehr Aufwendungen zu machen, ivcil die Landwirtschaft eine viel größere Bedeutung hat, als eine einzige industrielle Gruppe. Geheimrat Richter bemerkt, eS habe ihm fern gelegen, die Landtvirtschaft mit einer einzigen Jndustriegrnppe zu vergleichen. er habe nur gesagt, die Landwirtschaft' könne bloß eine der 13 Gruppen einnehmen, die von der französischen Regierung fest- gesetzt seien. Darauf wird die Diskussion geschlossen, der Titel wird be- lvilligt. ebenso der seinerzeit zurückgestellte Rest des EtatS des Jiineru. Zweiter Punkt der Tagesordnung ist die Fortsetzung der Bc- ratung des M i l i t ä r e t a t S. Beim Kapitel:„Remontepfcrde" empfiehlt die Kommission folgende Resolution: „Der Herr Reichskanzler wolle in Erwägung ziehen, ob sich nicht iin Interesse der Aufrcchterhallung der Zucht von geeigneten Rcmontepferden eine Erhöhung der Rcmontc-Anknufsprcisc empfiehlt." Abg. Graf Stolbcrg-Wcrnigerodc(k.) bittet tun Annahme der Resolution, da die Zucht von Remoute- Pferden zur Zeit nicht mehr lohnend sei. Redner bittet den Kriegs- minister um Annahme einer Statistik 1. über die Zahl der Pferde, die überhaupt der AukaufSkonunission angeboten sind, 2. über die Zahl der Pferde, die angenommen worden sind: 3. über die Zahl der Pferde. Ivelche brauchbar waren, aber nicht angenommen worden sind, ivcil der Bedarf gedeckt war. Kriegsminister V. Goßler: Ich erkenne die Wichtigkeit dieser Frage für die Militärverwal- tnng durchaus an und kann konstatieren, daß das Material an Pferden in den letzten Jahren wesentlich besser geivorden ist. Ich gebe auch zu, daß die Kosten für eine sorgsame Züchtung recht er- hebliche sind. Abg. Graf Klinckowström bittet ebenfalls um Annahme der Resolution. Abg. Hahn(wildkons.) wünscht, daß die Militärvcrlvaltuug sich nnt den LandlvirtschaftS- kannucrn in Verbindung setze: diese könnten auch AnSlnnft über die Selbstkosten der Züchter erteilen. Redner empfiehlt weiter Einstih- rnng eines erhöhten Zolls auf ausländische Pferde. Abg. Rickert(frs. Vg.) schließt sich dem Wunsche des Abg. Graf Stolbcrg auf Vorlegung' einer Statistik über die Zahl der brauch- barcii aber nicht angekauften Pferde an. Abg. Graf Kattitz(k.) bittet ebenfalls bei der Neuregelung dcS Zolltarifs den Zoll auf auS- läiidische Pferde zu erhöhen. Im Falle eines Kriegs kann das Land Ks.Fmick" leicht in Gefahr kommen, wenn es auf auswärtiges Pferdcmatcrial angewiesen ist. Daher muß die einheimische Pferdezucht so weit ge- fördert lverden, daß sie im stände ist, den Bedarf auch im Kriegs- falle zu decken. Der Titel ivird belvilligt. Die Abstimmung über die Resolution wird bis zur 3. Lesung verschoben. Bei Kapitel 34 Titel 1, Reisekosten und Tagegelder, beantragen die Abgg. Schmidt-Elberfcld, Dr. Müller-Sagan und Genossen (frs. Vp.): Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß jedem Hccrespflichtigen mindestens einmal während Ableistung seiner aktiven Dienstzeit Heimaturlaub mit unentgeltlicher Eisenbahn-Beförderung gewährt werde. Abg. Dr. Müllcr-Sagan(frs. Vp.): Seitens der Militärverivaltnng ist der Versuch gemacht worden, für die Urlauber ebenso freie Eisenbahnfahrt zu erhalten, wie solche für größere Abteilungen von Mamischasten existiert. Wir müssen also den Widerstand gegen diesen unsern Wunsch nicht bei der Militär- Verwaltung, sondern an einer andern Stelle suchen. Unser Antrag bezwelkt. denjenigen Mannschaften, die sich gut geführt haben, die Möglichkeit zu geben, einmal während ihrer Dienstzeit die Heimat aufzusuchen. Wir wollen auch die sociale Kluft zwischen den reichen Soldaten und denen überbrücken, denen es ans Mangel an Geld- Mitteln nicht möglich ist, einen Urlaub zur Reise in die Heimat zn benutze». Die Frage ist keine politische, sondern eine rein mensch- liche, und ich hoffe, daß von allen Seiten des Hauses diese Anregung eine wohlwollende Aufnahme finden wird. Abg. Dr. Hahn(wild!.): Ich kann mich im allgemeinen mit der Tendenz dieses Antrags nur einverstanden erklären und hoffe, daß der Widerstand im Kastanienwäldchen, auf den der Vorredner himvies, allmählich schwächer werden wird. Ich kann mich aber nicht mit der Form deS Antrags einverstanden erklären, wonach jedem Heerespflichtigen mindestens einmal ein solcher Heimaisnrlaub gewährt werden mnß, da dem Eompagniechcf die Möglichkeit offen gelassen werden muß, einem Soldaten wegen seiner Führung den Urlaub während seiner Dienst- zeit überhaupt zu versagen. Abg. Cnolfl(natl.) wünscht einheitliche Negelnng der Reise- kosten und Tagegelder. Eine solche Regelung solle nach einer früheren Erklärung der Regierung eintrete», sobald in Preußen die Angelegenheit geordnet sei.' Diese Ordnung der Angelegenheit in Preußen sei ehigetrete». aber eine einheitliche Verordnung für das Reich sei noch nicht erlassen. Damit schließt die Diskussion. Der Titel wird bewilligt. Die Abstimmung über die Resolution erfolgt bei der dritten Lesung. Beim Kapitel 37:„Artillerie und W a ffc n w e se n" wünscht Abg. Pauli- Potsdam(wildkons.) Besserstellung der Zeichner in den Artillerie- und KonstruktionS- Bureaus. Diese Zeichner haben Arbeiten zu verrickten, die sich für die Oeffcntlichkcit nicht eignen. Ein häufiger Wechsel in diesen Beamten lväre also für die Geheimhaltung ihrer Arbeiten gefährlich, und daher empfiehlt es sich, diese Beamten fest anznstclleit. Redner beklagt sich weiter über Mißstände in den technischen Instituten in' Spandan. Es ist vorgekommen, daß Arbeiter aus den Artillcriewerkstälten einfach nach den Geivehrfabriken ablonnnandicrt wurden, obgleich in den letzteren die Einkommen- Verhältnisse bedeutend schlechter sind als in den crstercn. Die Löhne von 3,50 M., die die Arbeiter dort verdienen, sind in Anbetracht der hohen Mieten in Spandau durchaus nicht sehr hoch zn ncimen. Jit Privatwerlstätten verdiene» die Arbeiter mehr alö in diesen königlichen Instituten. Die Militärverivaltung hat all? Veranlassmig, diese Verhältnisse zu prüfen. Generallieutenant von der Boeck: Die Verhältnisse in Spandau liegen doch anders, als der Herr Vorredner sie geschildert hat. 1896 wurde aus Anlaß des herunter- gegangenen Betriebes in den Geivehrfabriken eine Anzahl Arbeiter dort überflüssig. Sie hätten also entlassen lverden müssen, wurden aber tnit ihrem Willen in andren Jnstilutcn, Feuerwerks- kaboratorien und so weiter beschäftigt. Dort lverden aller- dingö höhere Löhne gezahlt, als in den Gewehrfabriken. Im Laufe der nächsten Jahre änderten sich aber die Verhältniffe in umgekehrter Richtung, so daß die Gelvehrfabriken mehr Arbeiter brauchten. Es wurden daher die früheren Arbeiter auS den Artillerie- Werkstätten in die Geivehrfabriken zurückgenommen, und zivar, wie ich ausdrücklich betone, mit ihrem eignen Willen. Hierbei erlitten sie natürlich eine Einbuße in ihren Lohnvcrhältnisien. Ilm dies Mißverhältnis zn beseitigen, ist ihnen seitens der Militärbehörde eine ?;tilage von 10 M. bewilligt worden. Eine Anzahl von Arbeitern at sich auch beschwerdeführend an die' Militärverivaltnng gc- wandt, mußte aber abgewiesen lverden, da sie den richtigen Instanzenweg nicht eingehalten hatte. Infolge dieses ablehnenden BeichcidS sind damals 18 Arbeiter freiwillig ansgeschicdcii bei einem Verdienst von 3,50 bis 5 M. pro Tag. Am 1. Januar 1900 ist mm in Verbindung mit den Arbcitcransschüsscn unter Berücksichtigimg der Lohnverhältiilsse der Privatindustrie eine neue Lohnordnung in Kraft getreten, durch die ein Ausgleich in den Lohnverhältnisscn der ver- schiedcnen Arbeiterkategorien stattgefunden hat. Die Wirkung dieser neuen Lohnordnung mnß abgewartet werden. Sollte cS sich ergeben, daß die Grundlagen für sie keine durchaus rickitigeit gewesen sind. so ist die Militärverwaltung� selbstverständlich bereit, eine Abündcrimg dieser Lohnordnung in Erwägung zu ziehen. tlebrigcnS war auch der Verdienst der Arbeiter vor Erlaß der Lohnordnung durchaus nickt sehr ungünstig. Dafür spricht der Zudrang zu diesen Instituten, lieber 70 Proz. der Arbeiter verdienten pro Tag zwischen 4 und 6 M. Ich betone schließlich, daß die Militärverivaltung die Verhältnisse dieser Arbeiter sortgesetzt mit besonderem Interesse ver- folgen wird. Abg. Znbetl(Soe.): Die Verhältnisse in de» Spandaner Fabriken sind zum großen Teil unhaltbar. Es wurde von dem RegicrungSvcrtrcter angcsührt. daß in diesem Jahre eine neue Lohnordimiig eingeführt ist. Bis zum heutige» Tage weiß aber»och kein Arbeiter, zu welcher Lohnlasse er eigentlich gehört. Mir liegt die neue Lohnordiinng vor. Danach erhalten die Arbeiter in der ersten Klasse im eisten und zweiten Jahre 3,50 M., im dritten, vierten und fünften Jahre 3,80 M.. vom sechsten Jahre an 4M. pro Tag. In der zweiten Klasse einen Zeitlohn von 4.50 M. in den ersten 2 Jahren, bis zum 5. Jahre 4.80 M., vom 6. Jahre an 5 M. An Stücklohn bei einer Thäligkeit, die hohe Intelligenz bei außerordentlichen körperlichen Anstrengungen erfordert, in der ersten Klasse 5.50 M., der bis zum 6. Jahre ans 6,50 M. steigt. In der 3. Lohnklnsse erhalten die Arbeiter zmiächst einen Lohn von 3,80 der im 6. Jahre bis 4,80 M. steigt, in der 4. Klaffe zunächst 3.50 bis später 4 M. pro Tag.— Sehr schlecht liegen auch die Verhältniffe der Beiricbssckrcibcr. Diese haben eine 'ehr veranilvortlicheThätiftteit. Sie haben dieLohnlistcnaufznsicllcn, was sehr gewisscnhast geschehen muß. Sic haben die Kostenanschläge zn machen. Sie müssen an jedem 3. und 4. rcsp. 17. und 18. des Monats 5 Stunden Ucbcrarbcit leisten ohne die geringste Eni- schädigtmg. Der Herr RcaicrnngLvertrctcr sagte, die Arbeiter hätten bei ihrer Bittschrift nicht den Instanzenweg eingehalten. Das mag schon sein. Jedenfalls haben die Arbeiter in dieser Bittschrift ausdrücklich festgestellt, daß sie gegen ihren Willen ans besser bezahlten Instituten der Artilleriewerlstätte in die Gcwehrfabrik abkomniandiert waren. Wenn sie dem Gebote Smilig, 25. Mm 15)00. M!?«! nicht nachfolgten, wären sie natürlich entlassen; ein indirekter Zwang wurde also auf sie ausgeübt. Daß sie eine Lohneinbuße erlitten, hat der Regierungsvcrtrcter selbst zugegeben. Um diese Ansbeuttmg z» verdecken, hat die Miliiävverwaltimg sogar von selbst einen Zuschuß von 10 Vi. den Arbeitern bewilligen müssen. Besonders geklagt wird von den Arbeitern über das Vorgehen eines Inspektors Josef der aus eigner Machtvollkommenheit alte Arbeiter aus ihrer eigent- lichen Beschäftigung herausnahm und sie zu der schlechter bezahlten Hofarbeit verwendete. Es wird der Socialdemokratie immer der Vorwurf gemacht, daß sie terroristisch vorgehe. Bei der Militärverwaltung ist ein Fall von Tcrrorislnus ganz eigentümlicher Art vorgekommen. Ein Arbeiter Zwirner, dessenVater in der Spandaner Werkstätte beschäftigt ist und dort eine fiskalische Wohnung innehat, kam nach der Wiederlvahl des social- demokratischen Abg. Fischer-Bcrlin nach Spandan und verkündigte dort in einer Versammlung dieses Wahlresultat. Schon am andern Tage lvurde dem Vater Zlvirner in der Fabrik erklärt, wenn sein Sohn nicht innerhalb drei Tagen die elterliche Wohnnng verlasse, müsse der Vater erstens die fiskalische Wohnung räumen und dann würde er aus der Fabrik entlasscii werden,(Hört, hört! b. d. Soc.) Der Vater war bereits 23 Jahre in der Fabrik thntig, und selbstverständlich lväre es einent so alten Mann schwer geworden, in der Privat- industrie Arbeit zn finden. Der Sohn hat infolgedessen, um dem Vater nicht die Stcllnng zn rauben, in Berlin Wohnnng genommen. Weiter mache ich darauf aufmerksam, daß in dieser Militär- Werkstätte Wohlfahrts-Einr ichtun gen ganz merk- würdiger Art bestehen. Es besteht dort' eine Unterstntzungs- lasse, in die jeder Arbeiter eintreten muß. Er hat ein Eintritts- gcld von 1 M. in der 1., 2 M. in der 2., 3 M. in der 3. und 6 M. in der 4. Klasse zu zahlen. DielBciträge betragen alle 14 Tage in der 1. Klasse 48 Pf., in der 2. 72 Pf., in der 3. 1,20 M. und in der 4, 1,60 M. Diese Beiträge werden den Arbeitern sofort vom Lohn abgezogen. Die Vorteile, die die Kasse den Arbeitern erwiesen hat, sind folgende: Bis zum 5. Jahre erhalten die Arbeiter nichts, vom 5.-10. Jahre in der 1. Klaffe monatlich 2 M., in der 2. 3 M., in der 3. 5M.,m der 4. 6,25 Rk. Nach dreißigjähriger Thätigkeit zahlt die Kasse den Arbeitern in der ersten Klaffe 14,40 M., in der zweiten 26, in der dritten 36, in der vierten 45 M. Ein Arbeiter, der 10 Jahre gearbeitet hat und der drittelt Lohnklasie angehört, hat aber allein an Bei- trägen eingezahlt 312 M. Wird er nach 10 Jahren invalide, so erhält er 7 M. pro Monat, als Halbinvalide 3,50 M. UebrigenS besteht im Statut eine Bcstimmnng, daß erst diejenige» Arbeiter, die üben 3 Jahre in der Fabrik beschäftigt sind, beim Austritt zwei Drittel ihrer gezahlten Beiträge zurückerhalten. Also diejenigen, die noch nicht 5 Jahre erreicht haben, das find Hundert und aber Hunderte von Arbeitern, erhalten von ihren Beiträgen auch nicht einen einzigen Pfennig zurückvergütet. Dafür haben die Arbeiten aber die Genngtbnnn'g, daß der Ucberschnß dieser Kassen dem Nationaldank für Pcteranen Uberliefert wird.(Hört! hört! bei den Socialdcinokraten.) Eine andre Wohlfahrtseinrichtnng bestand seit 1893 darin, daß diejenigen Arbeiter, die in der Pulverfabrik arbeiten und ihre Wohnung in der Neustadt Spandan haben, die 45 Minuten von der Arbeitsstätte entfernt ist, sich morgens und mittags am Fcucr- lverks-Laboratorimn sammelten und in Kähnen hinübcrbesurdcrt lvnrden. Diese Vergünstigung lvurde plötzlich aufgehoben und die Arbcilcr müssen bis heute den langen Weg zu Fuß machen, trotzdem sie sich mit einer Bittschrift an die vorgesetzte Behörde und anck an die Feldzeugmclsterei in Berlin gewandt haben.— Bei alledem herrschen auch in de» Werkstätten selbst anstcrordcntlich ungünstige gesundheitliche Verhältnisse. Bei oft fast nnerträg- licher Hitze ist die Ventilation durchaus unvollkommen. In den Pulverfabriken haben die Arbeiter nicht einmal einen Schrank zur Verfügung, wo sie ihre guten Kleider während der Arbeit aufhängen könnten.— Eine merkwürdige Wohlfahrtscinrichinng sind übrigens auch die Mädchenheim«; Mädchen, die bei ihren Eltern in der Gegend der Fabrik wohnen, werden gezwungen, in diesen Mädchenheimen Logis zu nehmen. Diese Arbeiterinnen verdienen 1,20 bis 2 M. pro Tag. Die sogen. Hofarbciter verdienen in den ersten drei Jahren 2.50 M., wenn sie sich sehr gut führen im Höchstfälle 2,80 M.. nach 5 Jahren 3 M. und nach 11 Jahren sieigt der Lohn auf 3,50 M. pro Tag. Das sind die Lohuvcrhällnisse in diesen„M u sie r a n st a I t e n",! wie sie sich so gerne nennen. Herr Pauli,' der ja auch die Mißstände in diesen Werkstätten her« vorhob. hat aber ganz vergessen, zu erwähnen, daß das Koalitions- rcchl für diese Arbeiter überhaupt nicht besteht. Sehr be- zeichnend ist auch, daß von den Arbeiter«, die beim Einreichen der Bittschrift nicht den richtigen Instanzenweg eingehalten hatte, jeder mit 2 Mark bestraft ist.(Hört! shört! bei den Social- dcmokraten.) Nun, die Arbeiter haben bei den letzten Stadtvcrordnctenwahken gezeigt, daß sie die richtigen Konsequenzen aus diesen Verhältnissen zu ziehe» ivissen. Sie haben sich ans sich selbst besonnen und haben der Socialdemokratie in Spandan zum Siege vcrholfen. Fahren Sie nur so fort, dann werden wir noch mehr Anhänger erhalten/ (Bravo! bei den Socialdemokraten.) Gencralntajor von der Bocckh; Die Lohnordnuilg hängt in den Fabriken nuS, ist auch der Arbeitsordnung eingefügt. Jeder Arbeiter kann sich also unter- richten, in welche Löhnklasse er gehört. Die Löhne sind die üblichen, sie sind im Einverständnis mit den Arbeiteransschüssen festgestellt.. Die niedrigsten Löhne sind Tagelöhne und gleich hoch wie die andren Spandaner Tagelöhne. Der Empfang bei dem Direktor ist nicht unhöflich gewesen. Die Arbeiter haben sich nicht korrekt benommen. Allerdings hat der Direktor. um den Arbeitern den Ernst der Abweisung begreiflich zu machen, selbst die Thür geöffnet und die Arbeiter zum Verlassen des Zimmers anfgefordert.(Hört! hört! links.) Die Bestrafung für die Nichteinhaltung dcS Instanzenweges entspricht der Arbeits- ordnnng. Arbeiter, die in einem jolchen Institut arbeiten, müssen die Arbeitsordnung unterschreiben und könne» sich dann nicht wnnder», wenn sie wegen einer Kontravention gegen die Ordnung bestraft werden. Die Bestrafung ist nnsrcr Ansicht nach also durchaus zn Recht erfolgt. lieber den Fall dcS Inspektors Joseph ist mir nichts bekannt, ebenso wenig über den Fall Zlvirner. Doch lvurde ich darüber Recherchen einleiten. Die WohlfahrtSeliirichtungen lverden überall als mustergültig angesehen, das Urteil des Vorredners halte ich daher für unberechtigt. WaS nun die Anstösting der Kasse der Werkstätten für die Jiiföiitene anlangt, so ist sie zustande gekommen ohne Znthnn der Heeresverwaltung. Ich gebe zn, daß in den Statuten manche angreifbare Bestimmungen enthalten sind. Die Heeres- Verlvaltnng hat selbst deshalb mehrmals auf die Auflösung der Kasse hingewirkt, aber erfolglos. Erst als für die Werkstätten der Artillerie ans Rcichsmiiteln Fonds bereitgestellt wurden, kam es zur Ans- lösung der ersterc» Kasse. In die Art der Auflösung bat sich die Heeresverwalinng in keiner Weise eingemischt. Die Mitglieder der' Kasse haben allein darüber beschlossen. Der Vorredner hat nach der Verwendung der Ueberschüffe gefragt und gesagt, sie würden wohl für den Nationaldank der Veteranen verwendet werden. Das ist irrig. Der Nationaldank der Veteranen wird sich daran nicht bereichern. Die Ueberschüffe lverden zur Zahlung an diejenigen Mit- gliedcr verwendet, die bisher schon Unterstützmig bezogen haben, und zlvar soll diese Unterstützung so hoch bemessen werden/ lvie die jetzt anS Reichsmitteln gewährten. Was die technischen BetriebSvornchtungen anlangt, so sind überall Schutz- maßregeln für die Arbeiter ciiigcführt. Die Arbeiter, die mit Blei zu thnn haben, erhalten täglich je einen Liter Milch. Für die Mädchen, die bei unS belchäftigt sind, besteht allerdings ein gewisser Zwang, in den Mädchciiheime», soweit Platz tst, zu wohnen. Dieser Zwang liegt aber meines Erachtens lediglich im Interesse der Mädchen selbst. Pauli(luilbl.): Ich habe die Anqclcgcn�eit der Spandaiier Arbeiter nicht im Partei-Jnteresse zur Sprache gebracht, sondern um den Arbeitern zu helfen. � Der Ausfall des Abg. Zubcil, ich sei nicht siir das Koalitionsrecht der Spandauer Arbeiter eingetreten, ist ganz unberechtigt. Die Spandaner Arbeiter haben ja das KvalitionSrecht und niemand hindert sie an seiner Ausübung. Es besteht ja auch ein patriotischer Arbeiterverein mit 1000 Mitgliedern. Der ist aber gelvisi dein Abg. Znbeil nicht angenehin. Steht doch fest, daß in die socialdemokratischen Versammlungen in Pichelsdorf, zu denen große Plakate mit der Tagesordnung: die Zustünde in den Militarwerkstätten einluden, kein Arbeiter' dieser Werkstätten hingeht. Abg. Zubcil(Soc.): �ie Heeresverwaltung ans die llntcrstiitznngskasse gar keinen Einfluß gehabt haben soll, erscheint sehr merkwürdig. Hat sie doch die Hälfte der Beiträge geleistet. Der Herr Negiernngsvcrtreter hat sich weiter_ daraus berufen, daß die Geiverbe- Inspektoren die Militöriverkstätten in Spandau Musterbetriebe genannt hätten. Ans zahlreiche» Zuschriften, die mir zugegangen sind, kann ich konstatieren, daß die Aufsichtsbeamten zwar auch iin vorigen Jahre die Betriebe kontrolliert, aber gerade das, worauf es ankam, übersehen haben. Tie Einzelheiten, die ich vorgetragen habe, werden der Heeresverwaltung hoffentlich Anlaß geben, nähere Untersuchungen vorzunehmen. Dem Abgeordneten Pauli erwidere ich, daß uns vor allem daran liegt, daß sich die Arbeiter überhaupt koalieren. Das Wie ist nicht so bedeutungsvoll. Möge er doch den Spandauer Arbeitern Gelegenheit geben, in wirklich freier Abstimmung zu entscheiden/dann iverden ivir ,ja sehen, welcher Koalitionsform sie sich zuwenden werden. jedenfalls müssen die Arbeiter das Recht haben, sich auch in Staats- betrieben zu koalieren. sSchr richtig! bei den Socialdemokraten.) >Was die angeblichen Versammlungen in Pichelsdorf anlangt, so sollte Herr Pauli doch wissen, daß seit dreiviertel Jahre» dort keine Versamnilnngen mehr stattfinden, iveil uns der Saal nicht mehr zur Verfügung steht. Wenn ivirklich ein Einberufer lo dumm gewesen sein sollte, eine Versammlung mit der Tages- Ordnung:„Die Zustände in den Militärwcrkstättcn" einzuberufen, so wundere ich mich gar nicht,« ivenn da die Arbeiter der königlichen Werkstätten nicht hingegangen sind. In einer solchen Versammlung iviirdc natürlich das A n f s e h e r p e r s o n a l. das S p i tz e I t u m so stark vertreten gewesen sein, daß kein Arbeiter es hätte lvagen können, Beschwerden vorzubringen. Dazu stehen ihnen ja bessere Wege offen. So wie dem Abg. Pauli anS Spandau Beschwerden zugegangen sind, so gehen sie auch uns zu. Der Unterschied ist nur der, daß der Abg. Pauli eine ganze Reihe Beschwerden vorzutragen vergessen hat. sSehr gut! bei den Socialdemokraten.) DaS Kapitel wird belvilligt. Beim Kapitel:„Technische Institute der Artillerie" bringt Abg. Hoch sSoc.) Beschwerden über die Verhältnisse in der Pulverfabrik in Hanau zur Sprache und zivar zunächst die Länge der Arbeitszeit. Die Arbeits- zeit von 10 Stunden steht nur auf dem Papier. Der Weg von der Arbeitsstätte nach Hanse kommt hinzu und da die Pulver- fabrik weit entfernt von deir Ortschaften liegt, muß der Arbeiter durchschnittlich 1ö Stunden von Hanse fern bleiben. Im Winter und im Sonimcr beginnt die Arbeitszeit um 6 Uhr morgens, er muß also schon um 4 Uhr früh aufstehen. Die Pulverarbciter haben mit überaus gefährlichein Material zu thun, zum Teil auch mit giftigen Stoffen, die auf die Gesundheit schädlich cinluirken. Bei so er- schwerten Arbeitsbedingungen ist die Arbeitszeit eine viel zu lange. Auch der Lohn ist gering, und der Arbeiter kann keinen Notgroschen zurück- legen. Der Herr Negierungsvertreter hat zwar versichert, daß ein Lohn von 4—0 Mark ein besonders hohes Einkommen darstelle. Thatsächlich sind die Preise für Mieten und Lebens- mittel so gestiegen, daß ein Wocheneinkommcn von.24 bis 20 Mark für die Arbeiterfamilie durchaus ungenügend ist. Die allermeisten Arbeiter haben aber nicht einmal eine» Tages- lohn von 4 Mark, sondern fangen mit einem viel niedrigeren Satze an. Die Verloaltung scheint den Standpunkt zu haben, so wenig Lohn als irgend möglich zu zahlen. Bei 4 Mark hört jede iveiter'e Erhöhung auf. Dazu kommt der ungeheuerliche Zustand, daß die königliche Palvcrfabrik auf den Acrord nicht verzichtet. Wieder hat der Negierungsvertreter vorhin naiv erzählt, wie es mit dem Accordlohn gemacht wird. Wird bei ihm nämlich mehr verdient als früher, so luerdcn die Sätze einfach heruntergesetzt. Bei der Pulverfabrik ist dieses Verfahren ja geradezu unerhört. Das Accordsystcm mnff Unglücksfälle geradezu mit Gewalt herbeiführen. Der Regiernngsvcrtreter hat sehr energisch erklärt, wenn die Arbeiter nicht den Beschtverdeweg einhalten, Iverden sie bestraft. Den Ton kenne ich. Ich bin selbst Soldat gewesen und kenne den Kascrnenhos �Heiterkeit). Im Arbeitsverhältnisse sind aber glücklicherweise andre Töne gebräuchlich. Gewisse Bcschivcrden können gar nicht auf dem Instanzenweg vorgetragen werden, weil das für den Arbeiter nichts andres heißt, als den Teufel bei seiner Großnmttcr zu verklagen. Das schlimmste ist,, daß der" Kasernenton, der von oben herunter ditlicrt wird, höchst ungünstig auf das Benehmen der untern Beamten einwirkt. Die Militärverwaltung hat zum großen Teil selber Schuld, daß die Zustände sich so herausgebildet haben. Sie räumt den untersten Beamten einen viel zu großen Einfluß ein; auch bei der Zuweisung der kleinen Lohnerhöhung, die am 1. Januar erfolgte, aber durchaus sticht gleichmäßig erfolgt ist. Der eine Arbeiter hat eine größere Zulage willkürlich erhalten, als der andre, je nachdem ihn der Meift'er oder Meistcr- gehilse empfohlen hat. Auch die erheblichen.Ueberschüsse der Arbeiter- tantinc werden nicht gleichmäßig verteilt, sondern zu Extrageschcnken an die Arbeiter ganz nach Belieben verwendet. Der Kommandoton gegen die Arbeiter hat zur Folge, daß die Einrichtungen znin Schutze der Arbeiter einfach versagen. In den Arbciterausschuffeu wagt ans Furcht vor Maßregelung niemand den Mund aufzuthun. Die Arbeiter wenden sich deshalb mit ihren Beschwerden gar nicht mehr an den Arbeiterausschnß. der zu einem bloßen DckorationZ- stück geworden ist. Aehnlich liegt eS bei den Arbeiter- Vertretern bei der Betriebs- Krankenkasse. Ucbcr die Kassen- ärzte wird vielfach Beschwerde geführt, aber die Arbeitervcrtrctcr Müssen ans Furcht vor Maßregelung schweigen. Bei Betrieben, die ans de» Mitteln der Gesamtheit errichtet werden, sollte doch nicht die Rücksicht auf Profit wie in Privatbetrieben maßgebend sein. Gerade in der Pulvcrindnstric werden Nicsenprofite eingeheimst. Die Militärverwaltung sollte wirklich mehr Rücksicht auf das Wohl und Wehe der Arbeiter nehmen und dafür sorgen, daß ihre Betriebe nicht Musterbetriebe nach der schlechten Seite hin werden und Zu- stände ausweisen, deren sich anständige Privatunteniehmer schämen würden.(Bravo! bei den Socialdcmokralen.) Generalmajor von der Bocckh: Die Direktion der Pulverfabrik Hanau hat uns berichtet, daß Klagen nennenswerter Art von Arbeitern an sie nicht herangetreten sind. Die Zustände können also nicht so schlimm sein, wie sie der Herr Vorredner hier geschildert hat. Wenn der Herr Abg. Hoch im Eingang seiner Rede sagte, Hanau biete dasselbe Bild wie Spandau, so kann ich vom Standpunkt der Militärverwaltung nur sagen, die Arbeiter können dann sehr zufrieden sein.(Heiterkeit rechts.) Es ist richtig, daß die Arbeitszeit zehn Stunden beträgt. Der Herr Vor- redncr hat aber noch betont, daß die Arbeiter einen sehr weiten Weg nach der Fabrik zurückzulegen hätten. Es ist richtig, daß nur wenige Arbeiterhänscr in der Nähe der Fabrik liegen, ein Bedürfnis nach weiteren solchen Arbeiter- wohnnngen ist'aber von den Arbeitero nicht geäußert worden. Die Arbeiter wohnen in den mehr oder weniger weit entlegenen Dörfern der Umgegend, wo sie und ihre Familienmitglieder in ihren freien Stunden nebenbei noch Landwirtschast betreiben. Sie benutzen für den Weg nach der Fabrik Fahrräder und für den Ankauf solcher Fahrräder sind ihnen Erleichterungen verschafft worden. Accordlöhne kommen nur höchst selten in Anwendung. Von einem Ans- pressen der Arbeiter kann in den staatlichen Betrieben keine. Rede sein, ich muß Viesen Vorwurf auf vas energischte zurückweisen. Im Gegenteil, die Fürsorge für die Arbeiter ist bei uns so gut, wie in jeder guten Privatfabrik, ebenso die Behandlung. Wenn manchmal ein Unterbcamter etivas schroff vorgeht, so ist das begreiflich und kommt überall vor. Daß bei den Lohnherabsetzungen die Unterbeamtcn willkiirlicki verfahren, ist kaum denkbar, denn es sind dafür ganz bestimmte Normen anf- anfgestcllt. Die Kantiuenbewirtschaftnng trägt einen rein privaten Charakter, wie in der ganzen Armee so auch in den Pulver- fabriken. Wie der Bataillonskommandenr, so muß ancki der Direktor der Pulverfabrik für ein Manko auskommen und er hat deshalb auch die Verwendung der Uebersöbiisse zu bestimmen. Der Herr Vorredner sagte, die Arbeitcransschüsse würden nicht ge- hört. Wenn er einen Einzelfall vorbrächte, so würde ich der Sache nähertreten, so allgemeine Behauptungen kann ich aber nicht zum Anlaß von Recherchen machen. Der Vorwurf des Herrn Abgcord- netcn, daß die Pulverfabrik ein Musterbetrieb sei, aber nach der schlechten Seite, ist ganz unberechtigt. Abg. Hoch(Soc.): Die Mißstände, die ich angeführt habe, haben in nur die Ueberzengung hervorgerufen, daß die Pulverfabrik einen Musterbetrieb nach der schlechte» Seite hin darstellt; von meinen Beschwerden ist durch den Herrn Rcgierungs- Vertreter keine einzige entkräftet worden." Gewiß' ist kein Bedürfnis nach Arbeitcrwohnnngen von den Arbeitern geäußert worden. Die Arbeiter wollen sich gar nicht in der menschen- leeren Umgebung der Fabrik ansiedeln. Ich habe nur verlangt, daß lvcil der Weg so weit ist, die Arbeitszeit verkürzt wird. Der Herr Negierungsvertreter hat von einer Nebenbeschäftigung nnt Land- Wirtschaft' gesprochen. Ich wundere mich, daß die Herren von der Rechten das so ruhig hingenommen haben.(Heiterkeit.) Ist denn das überhaupt möglich, daß ein Arbeiter, der 15 Stunden von Hause weg ist, noch Landwirtschaft betreiben kann? Nein, weil der Staat, der Millionen für militaristische und marinistischc Zwecke zur Verfügung hat, seine Arbeiter so schlecht bezahlt, müssen Frauen und Kinder dieser Arbeiter noch nebenbei etwas Landwirtschaft betreiben.— Accordlöhne sind nicht selten, sondern häufig. Ich habe mich nicht über ein schroffes Wort von Untcrbcamte» beschwert, sondern betont, daß das ganze Ab- hängigkeitsverhältniS der Arbeiter zu ihren Vorgesetzten zn den allerschwerste» sittlichen Mißständen in Bezug an die Arbeiterkinder und Arbeiterfrauen Veranlassung giebt. Der Negierungsvertreter verlangte die Anführung von Einzelfällen. Ich könnte Dutzende von Fällen anführen, wenn ich weniger ge- wissenhaft wäre, wie ich bin. Die Vorgänge spielen sich im engen Kreise ab. Mir ist die Möglichkeit'genommen, sie zu unter- suchen. Ich kann keine Zeugen vernehmen und bringe hier allgemeine Beschwerden zur Sprache, damit die Militärverwaltung den Dinge» ihre Aufmerksamkeit schenkt. Ich habe auch' nicht behauptet, daß die Unterbeamten sich bei den Lohnfestsetznngen Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen lassen. Ich habe von Lohnerhöhungen gesprochen, die von den Be- amten willkürlich vorgenommen werden, je nachdem der Arbeiter bei ihnen beliebt ist oder nicht. Sehr eigentümlich hat mich die Ant- wort des Rcgiernngsvertrctcrs über die Kantinenbcwirtschaftuug berührt. Mag der Direktor auch ein etwaiges Manko zu tragen haben, moralisch ist die Militärverwaltung verpflichtet, sich uni die Bewirischastnug der Kantinen und die Verwendung der Ueberschüsse zu bekümmern. Der Major ist kein Privatmann. Was er treibt. treibt er als königlicher Angestellter. Die Arbeiter würden sich be- danken, mit einem Privatmann in dieser Weise in Verbindung zu treten. Die Mißstände, die ich vorgebracht habe, sind von dem Rcgiernngs- Vertreter eigentlich bestätigt worden. Ich würde ihm doch raten, in Zukunft meine Beschwerden nicht so kurzerhand abzuthnn. Er würde sich ein Verdienst erwerben, wenn er den von mir aägercgten Fragen näher treten würde. Hierauf schließt die Diskussion; das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„Diverse Fonds" fragt Abg. Kunert(Soc.) an, ans welchem Geheimfonds denn diejenigen Ausgaben ge- deckt würden, welche zur Durchführung der Mili'tärbohkotts bezahlt würden, die an allen Ecken und Enden verhängt werden. Ein ausgedehnter Militärboykott ist in Halle und dem Saalkreis über die Wirtschaften verhängt worden, in denen Socialdemokraten verkehren. Der Boykott hat darin seinen Grund, daß das 75. Ar- tilleriercgiment von Torgau nach Halle versetzt worden ist lind der Regimentskommandenr von der Boeckh(Große Heiterkeit) den Boykott wie schon in Torgau auch in Halle verhängt hat. Sein Zweck ist ja verfehlt, der So'cialdemokratie Abbruch zn thun, ist ja unmöglich. Aber es entstehen Kosten. ES werden z. B. Listen gedruckt, auf denen die boykottierten Lokale verzeichnet sind. Ein Teil der Kosten wird ja nun von den Mannschaften selbst getragen. Die Soldaten müssen für eine solche Liste einen Reichspfennig zahlen. (Hört, hört I links.) Es handelt sich hier nicht um � die Höhe der Summe, sondern um das Princip. Gegen die Zahlung des Pfennigs können die Soldaten nichts thun. Das Verfahren grenzt sozusagen an Erpressung. Die Kosten sind aber nicht unbeträchtlich. Zur Zeit des Socialistengesctzcs wurden solche Listen einmal einer socialdemokratischen Druckerei in Auftrag gegeben. Heiterkeit.) Daher weiß ich es. Die Militärbehörde ist natürlich keineswegs konsequent. Socialdemokraten können doch in jedem Lokal sein. Wäre die Militärbehörde konsequent, sie inüßte den Offizieren und Mannschaften überhaupt den Besuch von Wirtschaften verbieten. Wie überall, so wird auch hier nnt zweierlei Maß gemessen. Vcr- hängen nämlich Arbeiter den Boykott, so laufen sie Gefahr, wegen groben Unfugs bestraft zn werden. Das moralische Recht liegt dabei im Gegensatz zn den Arbciterboykotts beim Militärboykott bei den Boykottierten. Kriegsminister von Goßler: Was die Sache mit dem Kapitel hier zn thun hat. weiß ich zwar nicht; ich will aber auf die Ausführungen des Vorredners eingehen. Es handelt sich in Halle nm das Verbot an Soldaten, gewisse Wirtschaften zu besuchen, deren Lokalitäten für ocialdcniokratische Versammlungen benutzt werden. Ich habe Bericht eingefordert und befinde mich in vollem Einverständnis mit den Anordnungen des betr. Kommandos. Was mm den Kostenpunkt anlangt, so sind Liste» der verbotenen Lokale gedruckt worden und es ist den Soldaten freigestellt worden, diese Listen für einen Pfennig zu beziehen.(Heiterkeit rechts.) Abg. Knncrt(Soc.): Die Erhebung des Pfennigs ist eben eine Erpressung, denn von Freiwilligkeit kann keine Rede 'ein. Präsident Graf von Ballcstrem: Wenn ich recht gehört habe. haben Sie das Wort Erpressung gebraucht. DaS ist gegenüber einer Militärbehörde ein ganz ungehöriger Ausdruck.(Bravo rechts.) Abg. Knncrt(Soc.): Es ist schwer einen parlamentarischen Ausdruck zu finden. UebrigcnS ist der Zweck, den ick erreichen wollte, erfüllt. Ich habe die Angelegenheit hiermit der Ocffentlickkcit übergeben. Sie mag zwischen mir und dem Kriegsminister entscheiden. Auf ein Vcr- jtändnis des KricgSniinistcrs' für meine Beschwerde habe ich von vornherein nicht gerechnet. Hiermit schließt die Diskussion. Das Kapitel wird bewilligt, ebenso der Nest des OrdinarinmS des Militärctats. Hierauf vertagt sick daS Hmis. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr.(Militäretat. Gefetzentwurf betreffend die Bestrafung der Entziehung von elektrischer Kraft. Petitionen.) Schluß 6 Uhr._ Nstvkei-NA�vrrfzken. Die Bcanstaudung der Wahl unsrer Genossen Reck nagel, Weise, Warte nberg und I» n g h a n S zu Stadtverordneten in Weitzenfcls beschäftigte am Freitag' den Kreisausschuß in Mersc- bürg. Beknimtlich sind die vier Genossen am 14. November v. J. mit ganz bedeutenden Majoritäten zn Stadtbcrorduelen gewählt worden. Die Stadtverordneten-Versammlnug erklärte aber die Wahl für ungültig, weil die Mahlzeit beschränkt gewesen sein sollte. In der Stadtverordnelcn-Sitznng ivar beschlossen worden, die Wahl von 10 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags stattfinden zu lassen und iin Amtsblatt war die Wahlzeit von 11—2 Uhr an- gegeben. Es war eine von 31 Personen unterzeichnete Be- schwcrde eingegangen. Der Vertreter Rccknagels und Genossen beantragte, den Stadtverordnetenbeschlnß für ungültig und die Wahl für gültig zn erklären. Der Kreisansschuß wies den Kläger aber ab. weil die Wahl ungesetzlich vollzogen sei. ES war in zwei Lokalen, ohne die Stadt in Bezirke einzuteilen, gewählt worden und das Resultat als ein Ergebnis angesehen worden, was un- zulässig sein soll. Die andern Ungülligkeitserkläriingsgründe kamen gar nicht in Betracht. Demnach ist, ivaS" für den Magistrat nicht schmeichelhaft sein niag, seit langen Jahren die Stadtverordneten- wähl st e t s ungesetzlich vollzogen worden. Daß die social- demokratische Wahl gerade das Pech haben muß, für ungültig erklärt zu werden, ist wohl weiter nicht auffällig! Schlimme Erfahrnngen haben die Parteigenossen in Elms- Horn mit einigen ihrer„Auserwählten" gemacht. In einer geheimen Sitzung des dortigen Stadtverordnetcn-Kollegiums beantragte der Bürgermeister, den Oberpräsidenten v. Köller. ehemaligen preußischen Polizeiminister, berühmt durch seine verunglückte Aktion gegen unsre Partei-Organisation und durch seine jetzige Dänenausweisungen, zuin Besuche der Stadt einzuladen und dabei auf Kosten der Stadt ein Festessen nicht unter 20 M. das Couvert zu veranstalten. Diesem Antrage stimmten vier von den fünf socialdemokratischen Stadtverordneten zu. Die vier socialdemokratischen Köllerftenude sind: der Maurermeister F e l d v o ß, der Gastwirt Krause, Firmenträger der„Schleswig- Holsteinischen Volksztg.", der Schuhmachenneister Gö tische und der Gerbcrgeselle Rehders, Vorsitzender der Agitationskölnmission des Lederarbeiter-Verbandes. Gegen den Antrag gesprochen und gestimmt hat nur der fünfte socialdemokratischc Stadtverordnete, Genosse B n d a y. Die Partei-Organisation am Orte hat sich bereits mit der An- gelegcnhcit beschäftigt, wobei von Feldvoß die Austrittserklärung aus' dem Wablverein einging. In der Wahlvcreins- Versammlung wurde beschlossen, die Herren aufzufordern, in der öffentlichen Sitzung der Stadtverordneten zn erklären, daß sie sich bei ihrer Abstimmung im Widerspruche mit ihren Wählern befinden. Diese Erklärung gaben sie nicht ab. In einer nächsten Wahlvereins-Versammlung. an der die Wahlkreisleitung teilnehmen wird, soll die Angelegenheit endgültig erledigt werden.'— In solchem Falle giebt es nur eine Erledigung: Für Leute, die sich an der Ehrung eines Köller be- tciligen, ist in der socialdemokratischen Partei kein Platz. Ntve Tdjrifttn zur DieuWottusrage. Die Dien st böte»frage un d ihre Reform. Vortrag von Eliza Jchenhäuscr, gehalten' im Berliner Frauenverein in Berlin und im Rechtsschutzverein für Frauen in Dresden.(Berlin. Verlag von Hermann Walther.)-( Seit im Sommer vorigen Jahres zum erstenmal nach langer Zeit die Dienstboten sich in stark besuchten Versammlungen zusammen- fanden, um ihre Lage zu besprechen und ihre Forderungen den„Herr- schaffen" gegenüber zu formulieren, haben bürgerliche Frauen in; einer ganzen Reihe von Zeitungsartikeln und Broschüren Stellung zur Dienstbotenfrage genommen. Eine der verständigsten� Schriften über dieses nachgerade brennend gewordene Thema ist die oben erwähnte kleine Broschüre der bekannten Frauen- rechtlerin Eliza Jchcnhänser. Sie wendet sich zunächst mit aller Entschiedenheit gegen die wie ein ungeheurer historischer Anachronis- mus in unsre Zeit hineinragenden Gesinde- Ordnungen''). denen im Deutschen Reiche l'/s Millionen Dienstboten unterstellt sind. Davon sind 98 Prozent Frauen. E. Jchenhäuscr verlangt die Abschaffung der Gcsmde- Ordnungen ebenso wie die der Dienstbücher, die nur eine polizeiliche Bevormundung der Dienstboten bilden, wie sie andre Staatsbürger nicht kennen. Dagegen befürwortet die Verfasserin die Einführung obligatorischer Arbeits b ü ch e r für die minorennen und fakultariver Arbeits z e n g n i f f e für die majorennen Dienstboten� Die Reform der Dicnstbotenfrage habe sich ferner zu erstrecken auf? die Einbeziehung der Dienstboten in die obligatorische Kranken- undj Unfallversicherung sowie auf ihre llnterstellung unter die Reichs- Gcwerbe-Ordnnng. Außer diesen Forderungen, die nur auf gesetz- gcberischem Wege' erfüllt werden können, wendet sich Eliza Jchen-, Häuser auch an' die Arbcitgebcrinnen. Sie wünscht von diesen die' Einführung einer geregelten Arbeitszeit mit einem Wochenminimum an Freiheit, Gewährung von gesunden, freundlichen Wohnräumen, Ab- schaffnng der Trinkgelder und dafür angemessene Bezahlung von Uebernrbcit. Die Bezeichnung„Dienstbote" müsse in die zeit- gemäßere„Hausgehilfin" umgewandelt werden. Zur Hebung der wirtschaftlichen Lage empfiehlt die Verfasserin ferner obligatorische Fortbildungsschulen mit HanShaltungsnnterricht und— was ebenso wichtig ist— die Einrichtung kontmunaler Arbeits- nachweise. Die hier skizzierten Forderungen von Frau Jchenhäufer decken sich durchweg mit denen, die socialdemokratischerseits im Interesse der Dienstböten aufgestellt wurden. ES ist nun leider anzunehmen, daß Frau Jchenhäuscr mit ihren Anschauungen unter den bürgerlichen Frauen, die ja in letzter Zeit wiederholt Gelegenheit hatten, ihre Vcrständnislosigkcit für die Bestrebungen der modernen weißen Sklavinnen zu dokumentieren, ziemlich allein stehen wird. Die Broschüre„Zur D i e n st b o t e n f r a g c" von Else Lejcune �") geht auf denKern dcrFrage gar nicht ein. Sie empfiehlt im wesentlichen„gute Behandlung und gute Beköstigung" als Mittel, um sich bräuchbare und anhängliche' Dienstmädchen zu ver- schaffen. Ausschließlich der Erörterung der Dienstbotenfrage gewidmet ist das 2. Januarheft der in Wien erscheinenden„Dokumente de r Frauen". In mehr als einem Dutzend Artikel wird dieses Problem dort von allen Seiten beleuchtet. Mehrere der in der genannten Zeit- sckrift zum Worte kommenden bürgerlichen Damen erwarten cine Bcssc- rnng dcr vorhandencn Mißstände von dem Wohlwollen und der Einsicht der Arbcitgcberinnen, die sich bemühen sollen,„geduldige Lehrmeisterinnen, mütterliche oder schwesterliche Beraterinnen ihrer Dienstmädchen zu sein. Neben diesen abgedroschenen Gemeinplätzen, nnt denen man keinen Hund voni Ofen' locken könnte, geben die„Dokumente" aber auch radikaleren Ansichten Ranm, die„nicht von der Rücksicht für die größtmögliche Bequemlichkeit der Hausfrauen, sondern von der not- wendigen Fürsorge für die Dienstboten" ausgehen. Auch in Ocstreich besitzt man noch heute Gesindc-Ordnnngcn, die dem gesetzlichen Ur- vätcr-Hausrat entstanunen und von dcni Geiste der Hörigkeit ver- gangcncr Jahrhunderte erfüllt sind. Deshalb fordcrr Dr. Julius Oftier in einem bemerkenswerten Artikel die Abschaffung dieser gesetzlichen Bestimmungen und völlige Gleickstellnng der Dienst- boten mit den gewerblichen Arbeitern.' Seine Fordeningen sind im allgemeinen dieselben wie die der Frau Jchenhäuscr. Darüber hinaus verlangt Dr. Osner nock staatliche oder städtische Fürsorge llir zeitweilig arbeitslose Dicnstmädcken. Dr. Fritz Winter-Wien veröffentlickt in den„Dokumenten" inter- cssantes statistisches Material zur Dienstbotenfrage. Danach gab es im Jahre 1890 in Wien 86 486 weibliche Dienstboten, das sind 12,31 Proz. der Gesamtzahl der Wienerinnen. Jede achte Frau in Wien i st ein D i e n st b o l e. Fast alle Dienstmädchen komme» voni Lande, in der Hoffnung, die frische Kraft ihrer rüstigen Anne in der Stadt bei besseren Lohnen als den in der Heimat üblichen zu verwerten. Nach 30 Jahren ungefähr— lehrt uns die Wintersche Statistik— pflegt die Arbeitskraft der Dienstmädchen verbraucht zu sein. In einem andern Artikel behandelt Dr. Fritz Winter die Dienst- Vermittlung, die auch in Wien die großen Mängel zeigt, daß sie *) Die Anzahl derselben beziffert sich nach Kühler:„Gesinde und Gesinderccht" auf 59, nach Wurm:„Volkslexikon" ans 100, **} Berlin, Verlag von Hermann Walther. nicht einheitlich und nicht unentgeltlich ist. Es sind riesige Summen. die c»!jährlich in die Taschen der Dienstverniittler fließen. Eine Besserung dieser Zustände imrd nicht eher eintreten, als bis die Dienstboten das Recht der Organisation haben. Emma Ecksteins Artikel„Das Dienstmädchen als Mutter" schildert die Recht- und Schutzlosigkcit der weiblichen Dienstboten vor dem Gesetz, das in Ocstreich wohl Bestimmungen enthält, nach denen sie als„Verführer zur Unzucht" bestraft Iverden können, die ihnen aber keinerlei Schutz vor dem Verführer gewghren. Daher fällt ein großer Teil der verführten und verlassenen Dienstmädchen alljährlich der Prostitntion zum Opfer. In Paris bilden— wie Dr. Käthe Schirrmacher ausführt— den größten Prozentsatz der unehelichen Mütter die Dienstmädchen, da kein andres weibliches Wesen dem Arbeitgeber so schutzlos aus- geliefert ist wie dieses. Dagegen sind die Löhne der Pariser Dienst- boten wesentlich höher als bei uns. Dasselbe ist nach den Aus- fllhruugen von Anna Kellner in London der Fall, wo die Dienstmädchen zudem eine Reihe von Freiheiten besitzen, unr die sie von ihren dcutscheii Schwestern beneidet werden können. Andrerseits besteht hier eine solche«cheideivand zwischen„Herrschaft" und Dienstpersonal, daß z. B. ein Dienstbote niemals grüßt und niemals gegrüßt wird. In Amerika wird— wie Bertha Pauli schreibt— das Streben der„sorvant girls" nach Freiheit, nach achtungsvoller Behandlung und höherer Lebenshaltung längst anerkannt, ein Beweis dafür, daß, was anderswo möglich ist, auch bei uns eingeführt werde» könnte. Lokales. Den Mitglieder« der Lokalkommission in Berlin und der Umgegend die Mitteilung, daß die nächste Lokalliste am t l. März erscheint. Acndcrungen und Neuausnahmen sind spätestens bis zum 6. März dem Gcnosten Karl Scholz, Wrangelstraße 110, mitzuteilen. Zur Lokalliste. In S ch m ö ck w i tz steht dös Lokal zur „P a l m e" sJnhaber Peters) der Arbeiterschaft zur Verfügung, ebenso in Z i e g e n h a l s- N i e d c r l e h m e das Lokal zum„Sport- bau s" �Nachfolger H. Engel).— Gr ii n a u. Da den Genossen am Ort durch Entziehung des Lindenhaynschen Lokals kein Bersammlungs- lokal zur Verfügung steht, so hat die Lokalkommission im Em- Verständnis niit den dortigen Parteigenossen die»achfolgenden Lokale für den Verkehr freigegeben: 1.„Zur Taverne", verlängerte Wilhelmstraße: 2. Buchholz, Friedrichstraße: 3. G e s e l ls ch a s t s- h a u S, Friedrichstraße. Die Mitglieder des WahlvereinS für den sechste» Wahl- kreis werden darauf aufmerksam gemacht, daß Montag in den Arniiniushallen eine Versammlunglstattfindet, in der die Stichwahl im ii. Bezirk auf der Tagesordnung steht. Siehe Annonce. Achtung, dritter Wahlkreis? Heute abend findet bei Spiel- berg, Röpirickerstr. 62, eine öffentliche Versammlung statt, in der Genosse Wagner über:„Schmcrzstillung durch' einfache Hand- griffe" sprechen wird. Nach dem Vortrag: Gemütlickics Bei- lammen sein. Achtung, K. Kreis. Heute Sonntag, nachmittags 6 Uhr, findet im Kolberger Salon, Äolbergerstr. 23. eine öffentliche V e r- s a in»i l u n g für Männer und Frauen statt, in welcher der Reichs- tags-Abgeordnete E. R o s e n o w ein Referat hält: Bilder aus der deutschen Banernbetvegung von 1525. Siach der Versammlung findet ein gemütliches Beisammensein statt. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vertrauensmann. Arbritcr-Bildnngsschule. Heute abend 7 Uhr im Lokale des Herrn Raddatz sKönigstädt. Kasino): Vortrag des Schriftstellers Rudolf Steiner über G e r h a r t Hauptmann. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. ..Freie Volksbühne. Heut Nachmittag 2�/4 Uhr findet im Ostend-Theater die Vorstellung der dritten Abteilung(graue Karten) statt. Zur Aufführung gelangt„Haurlet". Im Lessing-Theater hat die fünfte Abteilung gleichzeitig die Vorstellung„Rosmersholm".— Die M ä r z f e i e r findet am 17. März abends 8 Uhr in der Brauerei Friedrichshain statt. Von links nach rechts. Der am 9. März stattfindenden Stichwahl im 44. Kounnunal- Wahlbezirk sieht man in b ü r g e r p a r t c i l i ch e n Kreisen mit großer Siegeszuversicht entgegen. Der bürgerpartciliche Wahlausschuß erklärt in seinein nenesten Aufruf, daß für den Kandidaten der Bnrgerpartci„der definitive Sieg nicht ausbleiben könne". Worauf stützt sich eigeuilich diese Zuversicht? In der Haupt- wähl am 14. Februar ist der Biirgerpartcilcr Wolf doch um volle 500 Stimmen hinter dem Arbeiterkandidatcn, unsrem Genossen Glocke, zurückgeblieben. Die Zuversicht der Biirgerpartcilcr stützt sich auf die Meinung, daß sich in den Kreisen des Mittelstandes, unter den kleineren selbständigen Gelv er betreibe»den Berlins, e i n Z u g v o n l i n k s nach r e ch t s b c m e r k b a r zu machen b e g i n n e. Der Ausfall der Stadtverordnetenwahlen im November, sagen sie, habe das klar erwiesen. Run brachte es' die Bürgerpartci in, November nur in den wenigsten der Bezirke, in denen sie sich energischer an dem Wahl- kämpfe beteiligte, ans eine einigermaßen beachtenswerte Stimmen- zahl. Aber die Leutchen, die den„Zug von links nach rechts" bc- merkt haben wollen, meinen ja auch gar nicht die Hauptwahlcn vom 6. November, aus deren Ergebnis sich etwas Derartiges beim beste» Willen nicht erweisen läßt, sondern die Stichwahlen vom 27. No- vember, Ivo sie im Moabitcr 45. Bezirk ihren Rechtsanwalt Ulrich d u r ch b r a ch t e n. Herr Ulrich bekam in der Hauptwahl rund 800, in der Stichwahl rund 1900 Stimmen. Mit diesem in in der That ganz außerordentlichen Stimmenzuwachs renommieren sie, und einen ähnlichen Zuwachs erwarten sie am 9. März für ihren Bäckermeister Wolf. Der„glänzende" Sieg Ulrichs habe gezeigt, daß der Mittelstand sich endlich aufraffe, und es sei zu hoffen, daß der Mittelstand sich im 44. Bezirk gleichfalls aufraffen werde, um auch Wolf zum Siege zu verhelfen. Ein merkwürdiger„Zug von links nach rechts"— merkwürdig deshalb, weil erst bei der Stichwahl etwas davon zu spüren ist, noch mcrstvnrdiger deshalb, weil er hier mit einem Male so kräftig auf- tritt, daß die Stimmcnzahl gleich auf ungefähr das Zwciundeinhalb- fache steigt! Hat die Bürgerpartci wirklich so starke Reserven? Die Führer sagen: ja! Aber da müssen wir die Bnrgerpartci denn doch gegen ihre eignen Führer in Schutz nehmen.' Ein so großes Maß von Wahlfaulhcit können wir den Wählern keiner Partei zutrauen. Nein— die„Reserven", die die Bürgerpartci bei der Stichwahl vom 27. November ins Feld sührcn konnte, gehören zniii großen, vielleicht sogar zum größten Teil der freisinnigen Richtung an. Freisinnige haben zu dem„glänzenden" Sieg des Bürgcrparteilers Ulrich nritgcholfen— Freisinnige, die sich an der Hauptwahl beteiligt und da für den Kandidaten ihrer Partei gestimmt hatten, und Freisinnige, die, nachdem sie der Hanptwahl aus Faulheit ferngeblieben waren, erst bei der Stichwahl mobil gemacht wurden und nun für de» Bürger- partcilcr eintreten zu müssen glaubten. Wenn man will, kann man auch das einen„Zug von links nach rechts" nennen, aber er ist allerdings von etivas andrer Art, als die Führer der Bürgerpartci meinen. Daß dieser„Zug von links nach rechts", den die Frei- sinnigen Moabits zu stände bringen halfen, von der Bttrgcrpartei schon bei der Nachwahl im 44. Bezirk gegen den Freisinn selber agitatorisch ausgebeutet und als ein Beweis für den Nieder- gang des Berliner Freisinns angeführt wurde, daS ist das Tragi- komische an der ganzen Geschichte. Die Bürgerpartei rechnet mit Bestimmtheit darauf, daß auch bei der bevorstehenden Stichwahl zwischen Glocke und Wolf der größte Teil der Freisinnige n des 44. Bezirks— derjenigen, die in der Hauptwahl für Bredcreck eingetreten sind, und derjenigen, die der Wahl ferngeblieben sind— nach rechts ab- nrarschiert. Es ist leider sehr wohl möglich, daß der Moabiter Frei- sinn sich thatsächlich auch diesmal wieder nicht für zu gut hält, die „Reserve" der Bürgerpartci zu bilden. Es gilt ja, den verhaßten Socialdemok raten einen Sitz zu entreißen. Um dieses Ziel ist es allerdings nur dem Freisinn zu thun, während das für die Bürgerpartci erst in zweiter Linie in Betracht kommt. Der Bürgerpartei schwebt als viel wertvolleres Ziel vor, den Nachweis zu führen, daß ihre Bewegung neu aufgelebt sei. Sie betrachtet eS als Ehrensache, das Moabitcr Mandat zu erringen, und sie will zugleich den„Zug von links nach rechts", der sich angeblich daraus beweisen ließe, bei späteren Wahlen ausbeuten. Nach den Erfahrungen, die sie im November gemacht hat, glaubt sie wiederum hoffen zu dürfen, der Freisinn werde auch diesmal weder merken, daß der„glänzende" Sieg später gerade gegen ihn selber ausgespielt werden soll, noch empfinden, daß auch seine Ehre bei der Sache in Frage kommt. .Das Verhalten des PolizcilieutenantS, der am Freitag die Versammlung des Gewerkschaftskartells überwachte, führte zw einem Zwischenfall, wie er im Berliner Versammlungslcbcn zu den Seltenheiten gehört. Als der erste Redner von seinem Platz aus anfing zu sprechen, verlangte der Beamte nicht nur. wozu er befugt ist, Angabe von Namen. Stand und Wohnung des Be- treffenden, sondern er wünschte auch, daß die Redner vom Vor- st a n d s t i s ch e aus spreche. Der Vorsitzende. Zimmerer Th. Fischer, wies dies Verlangen gebührend mit der Bemerkung zurück:„Das machen wir, wie wir wollen!" Hiermitgab sich denn auch der Beamte zufrieden. Im Laufe der Versammlung wurde auch der Tischlcrstrcik besprochen, der einem Redner Gelegenheit zu längeren Auseinandersetzungen bot. Während der Ausführungen dieses Redners zeigte der Polizeilicutenant erkennbare Zeichen der Ungeduld, und als der Redner geendet hatte, ließ der Beamte ein deutlick vernehmbares„Gott sei Dank!" hören, begleitet von einem Seufzer der Erleichterung. Der Vorsitzende bemerkte darauf, er halte solche Acußcrnngcn für durchaus unangebracht, uamenllich wenn sie von dem Polizeilicutenant ausgingen, der nur die Versammlung zu überwachen, sich aber durch keinerlei Bemerkungen an derselbe» zu beteiligen habe. Nun wollte sich der Beamte verteidigen, indem er rief:„Ich habe ja zu Ihnen nichts gesagt!" Die unmittelbare Folge dieses Auftritts war, daß sowohl der Vor- sitzende wie ein andrer Redner dem Polizeilicutenant die Grenzen seiner Befugnisse klarlegten und sein Verhalten als unberechtigt bezeichneten. Da erhob sich der lieber- wachende, verbat sich jede weitere Erörterung dieser An- gclcgenheit und drohte mit Auflösung der Versammlung, für den Fall, daß an seinem Verhalten noch weiter Kritik geübt werde. Erst nachdem der Vorsitzende den Beamten wiederholt darauf hinge- wiesen hatte, daß er nicht berechtigt sei, durch Reden in die Vcr- sammlnng einzugreifen, sondern daß eS ihm nur zustehe, die Ver- sammluug aufzulösen, wenn er Grund dazu zu haben glaube, beruhigte sich der Beamte und der Zwischenfall war damit er- ledigt. So lange noch der Znstand besteht, daß Staatsbürger sich in ihren Versammlungen die Anivesenheit von Polizeibcamtcn gefallen lassen müssen, darf man wohl erwarten, daß die mit der lieber- wachung betrauten Herren sich über die Grenzen ihrer Befugnisse gc- nau informiert zeigen. Es mag ja gewiß für einen Polizeilicutenant langweilig sein, wenn er Reden mit anhören muß, die seine m Jdcenkreis fernliegen. In Rücksicht hierauf hat das Polizeipräsidium vielleicht ein Einsehen und mutet seinen Beamten ferner nicht mehr zu, sich durch die gänzlich überflüssige Ucbcrwachung von Arbeiter- Versammlungen zu langweilen. Gicbt es doch Gelegenheiten genug, wo die Polizeibcamtcn in einer für sie vielleicht intcr- essantercn. und für das Publikum nützlicheren Weise beschäftigt werden könnten. Die Spree ist i» den letzten Tagen enorm gestiegen und zeigt den höchsten. Wasserstand, der seit der Regulierung des Unter- lanfs dieses Flusses beobachtet worden ist. Im Oberlauf sind die Niederungen an der Spree in weitem Umfang überschwemmt und bilden gewaltige Seen. Ein Verzeichnis vergcffcner Gegenstände ist von der Straßenbahnverwaltung soeben dem Polizeipräsidium zur öffentlichen Aufrnfung der betreffenden Verlierer übergeben worden. Danach sind im Jahre 1899 dem Fundburcan der„Großen Berliner Straßen- bahn" von deren Schaffnern nicht weniger als rund 15 000 in den Wagen zurückgelassene Gegenstände abgeliefert worden, und hiervon ist noch nicht die Hälfte, nämlich nur ca. 7000 der Fundstücke, wieder abgeholt, so daß etwa 8000 Gegenstände noch im Besitze des Fnnd- bnrcaus find, die nun. falls deren Eigentümer auch auf den Polizei- lichcu Aufruf hin sie nicht zurückverlangen, öffentlich versteigert werden. Von all den 15 000 Gegenstände» an Wert der bedeutendste war ein Brillantcnschmuck, der auf ca. 130 000 Mark geschätzt wurde. und den, wie damals auch berichtet worden ist, ein Kammcrhcrr ans Potsdam in einem Wagen der Großen Berliner Straßenbahn hatte liegen lassen. Dieser Schmuck ist allerdings alsbald reklamiert worden. Wie weit sich die Grenzen der Erwerböthätigkeit des weibliche» Geschlechts in„bürgerlichen Berufen" erweitern, wird durch die Thatsache illustriert, daß sich demnächst zwei— B u ch- in a ch e r i n n e n vor der Strafkammer zu verantworten haben. ES ist dies der erste Fall, in welchem eS zur gerichtlichen Kenntnis kommt, daß auf dem Gebiet der Buchmacherci auch Frauen thätig 'ind. Die beiden Angeklagten sollen an Gewandtheit in diesem Berufe ihren männlichen Kollegen keineswegs nachstehen. Die Verhaftung dcö Liittgenöschcu Hchlerpaars hat zur Festnahnic von neun andern Personen geführt. Von ihnen hatten nur zwei feste Wohnnngcn, die übrigen wurden auS„Kaschemmen" und„Pennen" herausgeholt: alle. sind„schwere Jungen" und gc- hören vornehmlich der Zunft der Einbrecher und der der Kollidicbe an. Damit ist aber die Zahl der zu verhaftenden Personen nicht erschöpft. Ans dem Hchlcrnest sind auch einzelne Waren anS dem Einbruch in d e r L e i p z i g c r st r n ß e zum Vorschein gekommen, welche die Firma noch gar nicht vermißt hatte. Dieser Einbruch war schon seit längerer Zeit geplant und wurde in einer Versammlung, welche die Beteiligten in der Wohnung ihrcS einen Mitglieds in der Linienftraße abhielten, am Sonntagnachmittag um 5 llhr genau besprochen. Die Rollen wurden je nach den Fähigkeiten der Teilnehmer vergeben. Zur Wegschaffimg der Beute wurden außerdem Beckcratbschen Handwagen später andre und auch Hnndcwagcn benutzt. Schließlich gelangten die Sachen, von denen ein Teil schon verkauft wurde, an' den Hehler. LüttgcnS hatte seinen Keller seit 14 Jahren inne; beide Eheleute sind bisher unbestraft. Sie haben die Hehlerei schon längere Zeit betrieben. GcwichtSrevisio». Polizeilich wird mitgeteilt: Die unter Zuziehung eines Aichmeistcrs stattfindenden technischen Revisionen der Maße und Gewichte beginnen mit dem 2. April. Zur Vcnneidung von Bestrafungen aus§ 10 der Maß- und Gewichts-Ordmmg bczw. aus 8 369 Nr.' 2 des Strafgesetzbuchs werden die Gewerbetreibenden hierdurch aufgefordert, ihre Maße je., soweit deren fortdauernde Nichtigkeit zweifelhaft erscheint, zuvor aichamtlich prüfen zu lassen. Diebstahl. In der Nacht zum 17. Februar wurde mittels Einbruchs der am Bcllevuc-Bahnhof von P. Guttmanu, Brücken- Allee 32, ausgestellte Schaukasten seines Inhalts(seidene Blusen) beraubt. Eine Belohunng von 100 M. sichert der Geschädigte dem- jcuigc» zu. der zur Ermittelung der Einbrecher derartig beiträgt, daß deren Bestrafung herbeigeführt werden kattn. Durchgegangen ist mit einer einkassierten Summe der 20 Jahre alte Kutscher Paul Bahn, der Gollnowstr. 26b bei der Großmutter wohnte und seit sieben Monaten bei der Finna Hiibuer in der Alten> Jakobstraße beschäftigt war. Bahn wurde bereits früher gelegentlich seiner Geschäftsfahrten als Kassierer verwandt und brachte die per- einnahmten Gelder stets ordnungsmäßig nach Hause. Am Freitag- vormittag sollte er in der Gegend des Spittelmarkts an vier Stellen Waren abliefern und Bezahlung eutgegeunehmen, kehrte aber nicht zurück. Später wurde dem Geschäft gemeldet, daß daS führerlose Gefährt vor dem Hause Alte Jakobstr. 136 siehe. Es mußte von dort abgeholt werden, während Bahn mit den vereinnahmten 413 M. verschwunden blieb. In seine Wohnung ist er nicht zurückgekehrt, und. die Polizei hat seinen Aufenthalt noch nicht ermitteln können. Man vermutet, daß B. das Geld in leichtsinniger Weise vergeudet. Von der elektrischen Bahn überfahren und schwer verletzt wurde am Freitagnachmittag der Arbeiter Otto Strasche aus Rixdorf. Durch einen unglückliche» Zufall ist die Söjährige Maurer» frau Siebte schwer zu Schaden gekommen. Als die schwerfällige Greisin in einem Hause der Ruppinersiraße die Treppe hinabstieg, wurde sie von einem kleinen Mädchen augeraunt, verlor den Halt und stürzte aus dem erste» Stock herunter. Mit einem schweren Schenkelbruch blieb die alte Frau liegen. Sie mußte in einem Lückschen Wagen nach einem Krankenhaus gebracht werden. Im wiffeuschastlichcu Theater der Urania wird an allen Tagen dieser Wocbe mit Ansnahnie von Mittwoch das dekorative AuSstattuugSstlick „Von den Alpen zum Vesuv" gegeben; am Mittwoch findet der 1Z. Centenar- Vortrag statt und zwar spricht Herr Geheimrat Profestor Reulcaux über „die mechanischen Nawrkräste und ihre Venvertmig". Im Hörsaal werden folgende Vorträge gehalten werden: Dienstag, Herr Dr. G. Naß:„Die Glassabrikation".— Donnerstag. Herr Dr. P. Spies:„Telephon und Telegraph".— Freitag, Herr Dr. P. Schwahn:„Geologische Wirkungen deS Wassers und Windes".— Sonnabend, Herr Dr. Donath:„Heber Röntgenstrahlen". Fruerbcricht. In den beiden letzten Tagen hatte die Feuer- wehr nur einmal ernstlich ciiizugrcifcu und zwar Salzwedclcrstr. 16, wo Souuabeud früh 5 Uhr einige Bodeiwerschläge im Flammen staudeu. Ein Rohr genügte jedoch zur Ablöschuug. MarniicruugeN nach Briickcnstraße 13 und Lniidwehrstraße 20 lag blinder Lärm zu Grunde. Vier kleine Ziminerbräude und zwar Wcidenweg 12, Garlcnstraße 82, Friedrich Wilbelmstraße 11 und Danzigerstraße 9 konnten durch Ausgießen abgelöscht werden. Tie Feuerchroiiil.dcr letzten Jahre ivcist keinen Zeitraum auf, iu welchem so wenig Brände zu verzeichnen waren als iu den letzten Wochen. AuS den Nachbarorten. Partribcrsammlungc» in de» Vororten. JnWilmers- d o r s finden die Wahlen zu der Gemeindevertretung der III. Wählerklassc am Montag, den 5. März d. I. in der Zeit von vormittags 10—2 und von 3—6 Uhr statt. Zu morgen. Montag, abends Sb/s Uhr. ist in Wittes VolkSgartcn, Berlinerstr. 40, eine K o m in n ii a l w ä h l e r- B e r s a in m l u n g cinbcnifen. Dr. Freiidcnberg hält ciiicn Vortrag über die Gemeiiidewahlen. Auch erfolgt die Aiifsicllinig ciiics Kandidaten. G r o ß- L i ch t e r f e l d e. Heute nachmittag 2>/s Uhr findet im Pagclschcu Saale, Chaussee- straße 104, eine öffentliche A r b c i t e r v c r s a m m l u n g statt, in welcher Redacteur W e tz k c r einen Vortrag halten wird. Die G c- m c i n d c v c r t r e t c r- W a h I c n finden' am 9. März statt. Die Aufstelllliig der Kandidaten erfolgt in heutiger Versamiuluiig; die Partcigcuösseu werden ersucht, zahlreich zu erscheinen. Die VcrkchrSdrpntation der Stadt Nixdorf besteht nicht, wie gestern berichtet, aus der Ticfbau-Dcputation, souderu aus einer durch mehrere andre Stadtverordnete verstärkte Unter konimission der Ticfbau-Deputatiou. In Eharlottenburg wird zu Ostern eine sechsklassige Real- schule ciügcrichtct. Ausgegrabene Geldschränke. Iu der Braudruiue deS Aron- schen WarciihauscS in Rixdorf find iu de» letzte» Tagen die beiden� Geldschränke der Firma anfgefimdc» worden. Der eine von ihnen' enthielt die völlig imverschrte» Geschäftsbücher, doch mußte festgestellt werde», daß gerade die Bücher und Belege deS letzten Jahres fehlte». Der andere Schrank barg eine bcträcbtlichc Summe in Kassenscheinen, Gold und Silber und wurde«nversehrt vorgefunden. Die Läden- kasic ist noch nicht gefunden, obwohl die Stelle, wo sie gestanden, gleich zuerst freigelegt iviirde. Gevichks-Jeikung» Fiskalische Sparsamkeit. Bei Anlegung des Zlord- Ostsee- kanals hatte die Kanallonimission infolge von' Verhandlungen mit den Jiitcrcsscnten erklärt, eS solle den Einwohnern mehrerer Ge». mciiidcii snr de» Fall, daß bestimmte Fähren nicht beimtzbar wären, die Bcnntziiiig der Deichkrone als eines NotwcgeS gestattet sein. Der AmiSvoistchcr deS Bezirks Jcvcnstädt gab nun vor einiger Zeit dem NeichSfisluS in einer Verfügiing an das Kannlamt auf, an zwei Stellen, wo die Eider dicht au den Kanal herantritt, auf dem Deiche wehrhafte Schutzgeläuder von 220 und 400 Meter Länge anzu- bringen. Der Fiskus klagte darauf beim KrcisauSschuß in Rends- bürg auf Nufhebuug jener Verfügung. Der Kläger machte geltend, der AmlSvorftchcr als Wegepolizeibehördc kömic ihn. bezüglich der Deichkrone überhaupt u i ch t S vorschreibeu, weil eS sich hier nicht um einen ö f f c u t l i ch e u Weg handele. Der Deich sei Privateigentum deS FiSkuS. Ferner seien die Geländer auch nicht not- wendig, da auf der Deichkrone au den gefährlichen Stellen zu beiden Seiten Bäiimcheii ständen, und schließlich würden sich die Kosten viel zu hoch stellen. Der KreiSaiiSschuß wies die Klage ab. Er er- klärte den Notweg für cincii öffentlichen und nannte die Auflage des Amtsvorstehers eine sehr bescheidene. Nachdem der Bezirksausschuß zu Ungiinsten dc§ Beklagten erkannt hatte, ist jetzt auf dessen Revision die Entscheidung des Kreis- (HiSschuffeS vom Obcr-Vcrwaltiingsgcricht wieder her- g e st e l l t worden. ScnatSpräsidcnt ii. M e h e r c n führte bc- gründend miS: Auch Wege, die nur vorübergehend und mit Bc- fchränkiingen, wie hier, dem öffentlichen Verkehr ft-cigcgeben seien, müßten so lange als öffentliche gelten, wie sie zu recht öffentlich bc- nutzt würdtu. Der Senat sei niit dem AmlSvorftchcr und dem KreiSaiiSschuß der Meiiinng, daß Fuhrwerke in der Diuikelheit möglicherweise von der Deichkrone abstürzen und Menschen und Tiere innS Leben kommeii könnten. Wo aber eine solche Gefahr vorhanden sei, da dürften keine Kosten gespart werden. „Oberschlesische" Arbeiterbehandliing. Der Hütteinneiftcr Alfred Müller aus Bismarckhütte hatte im Januar v. I. de» Maschilicnivärter Richard K i r f ch n e r in brutaler Weife mißhandelt. Weil K. angeblich feine Arbeit nicht verrichtete, gab ihm M. mehrere grobe Stöße mit der geballten Faust gegen die linke Brustseite; so daß St. mit dem Rücken auf eine Leiter fiel. Als sich K. über diese Behaiidliing beklagte, gab ihm M. noch einen Stoß, so daß K. auf das Schutzblech einer Maschine fiel. K. spürte sofort Schmerzen in der Brust. Der Hnttenarzt Fröhlich behandelte K. nicht, sondern wies ihm die Thür (echt oberfchlesifch!), St. mußte sich also von einem Privatarzt � behandeln lassen. Das Amtsgericht in KönigShütte, daS- fich zuerst mit der Sache zu befassen hatte, verivies mit Rücksicht daraus, daß der Verletzte dem Siechtum verfallen sei. die Sache an das Benthencr Landgericht In der Verhaiidlnng vor diesem am' 22. Februar war der Angeklagte Müller vom persönlichen Erscheinen cntbuiidcu(I), das Gericht verurteilte ihn nach dem Antrag des Staatsanwalts zu— 20 Mark Geldstrafe, weil K'S. Gcsiindhcit durch die Schläge nicht verletzt sei. Alle Anträge des Vertreters£'§.,< der als Nebenkläger zugelassen war, auf Schmerzensgeld, Ersatz der Schichtversäumnisse usw. wurden abgewiesen.— So wird man' bestraft, wenn man in Obcrschlcsicii als Hiittenmctstcr die Leute prügelt. Der Skmldalprozest in München. In dcm Bcleidi.qnngS- Prozeß. dcn der O r d e nsp r i c st c r Ncitili in München �gcn den Schriftsteller G e r a r d nnqes''engt hcit, verurteilte das SctivffeiiIcricht dcn della�tcn Schriftsteller wegen Beleidigung zu -00 M. Geldstrafe. In der Verhandlung kanr eine Fülle erbanlichcr Dinge aus Licht. Slus dcn Zeugenaussagen heben wir, gestützt auf cineu Bericht der„München er Post- folgendes hervor: Die Krankenpflegerin Anna Stein, zur Zeit in IlrSberg, war Hilter dein Nanien(histachia Schwester in der Natalischcn Anstalt. Die Schwester Hilara war oft eifersüchtig; deshalb habe sie diese Schwester in der ersten Zeit oft gefragt, ob Natali nachts nicht bei rhr(Zeugin) war. Natali komme öfter zu den Schwestern, um dort zn nächtigen. Zeuge, Sicherheitskominisfar P f r c i m t c r, hat nn Auftrag des Staatsanwalts seiner Zeit über Natili Recherchen eingeholt und dort Haussuchung gehalten. Auch bei einer Frau Standinger habe er Recherchen gepflogen. Diese habe ihm an- gegeben, dast Natili sie öfter trotz ihres Widerstrebens geschlechtlich benutzt habe, sie sei auch durch eine Medizin NatiliS untcrleibskranl geworden, an welcher Krankheit sie heute noch laboriere. Die beiden O b e ri n u e n NatiliS seien auf einander eifersüchtig gewesen. Der Zeuge � hat bei seinen Recherche» cbcnfallö gehört, daß Natili in seiner Kapelle mit den Schwestein das sogenannte Fangspiel„Blinde Kuh- aufgeführt habe, wobei auch der Beichtstuhl bcnützr wurde; er habe bei der Haussuchung an allen Ecken und Enden Geld gefunden und eine— N a b e I s ch n u r. Zeuge deponiert ferner, das; ihm gegenüber Pater Odilo den Kläger � einen italienischen Spitzbuben nannte, was der Pater bei seiner eidlichen Vernehmung in Abrede gestellt hat. Dom- kapitnlar Dr. Audrelaug hat zu den Zeugen geäußert, Dr. Natili beuütze den Beichtstuhl, um Geld zu erhalte». Als die Standinger zu Natili einmal sagte, daß sie wegen des Ehebruchs Gewissens bisse cuipstude, soll Natili geantwortet haben wir das Sakrament der Buße. Zeugen wurde auch über P r ü gel die Schwestern ausgeteilt hat. „Das ü r habe n Von verschiedenen berichtet, die der Priester au Vevsmnnthmgon. Taö Gewcrkschaftskartell für Berlin und Umgegend hielt am Freitag eine Delegierten- Versammlnug ab. Zuerst erstattete Aren dsee dcn Bericht der Revisoren. Er bemerkte, daß der Kassierer eine Einnahme von 1S38.— Mi., eine Ausgabe von 1294,52 M. hatte, und ein Bestand von 243,43 M. vorhanden ist. Ter!, Antrag auf Decharge ivnrde ohne Debatte angenommen. Sodann erklärte die Verfaimiiluiig nach einem Bericht StrasscrS den Streik der Kleber für gerechtfertigt.— Hierauf gab Fischer eine Darstellung von dem Streik der � Bergarbeiter. Nach einer weiteren Besprechung dieses Gegenstands wurde beschlofscii: Die Delegierten verpflichten sich, in ihren Gewerkschaften nach Kräften für die materielle Unter- stützimg der streikenden deutschen und östreichischcn Bergarbeiter ein» zutreten. Die gcsammclteii Gelder sind durch den Ausschuß dcn Jiitcrcsscnten zu übermitteln. Gclverkschastcjt. welche Sammel- listen zn diesem Zweck wünschen, erhalten solche im Bureau des Kartells.— Eine längere Besprechung entstand über den Streik der Möbeltischler. Dietrich berichtete, daß die lokalorganijicrteii Tischler, obwohl sie die vom Holzarbeitcr-Verband aufgestellten Forderungen für zn minimale halten, und ihrerseits eine Verkürzung der Arbeitszeit fordern wolltcu, sich doch mit ihren Kollege» voiii Verband solidarisch erklärt haben und den Streik durchfechten werden. I ä ck schilderte die Sittiation der Maschiiicnnrbeitcr. Die meisten derselben seien bereits ausgesperrt, obwohl sie gar keine Forderungen gestellt haben. Die Freie Verrinigung der Holzindustriellkn scheine es ans eine ähnliche Kraftprobe abgesehen zn haben, wie daS Ilntcrnehnicrtnm in Däneniark. Dieser Versuch iverdc aber an der Einmütigkeit der beteiligten Arbeiter zn Schanden werden. Leder- Hanse teilte mit. daß auch eine Anzahl von Möbelpolierern durch den Streik in Mitlcidcnschajt gezogen seien. Lange töinie der Tischlerstreik nicht dauern, denn der größte Teil der Nntmichmer sei so gestellt, daß er es nicht lange anShalte. Tie Übrigen Redner sicherten den Streikenden volle Sympathie und thatkräftige ilnterstützuug zn. Maurer Metzle erklärte, da es sich hier um eine durch nichts gcrechtsertigte Aussperrung von Arbeitern handle. so sei seine Gcivcrkschast bereit, mit ihren ganzen Geldmitteln, und wenn die Kasse umgekippt werden mußte, hinter den Aiisacspcrrten zu stehen. So würden sicher auch alle andern Gewerkschaften denken, und darum sei der Sieg gewiß. lBeifall.s In welcher Weise die Freie Vereinigung der Holz- industriellen auf die kleinen Tischlermeister einzuwirken sucht, dafür führie Reuter folgendes Beispiel au: Bei der Inhaberin einer Tischlerei, die die Forderungen bewilligt hatte, erschienen zwei Ab- gesandte der Freien Vereinigung und suchten die Gcschäftsiiihaberiu zur Zurücknahme der Bewilligung zu bewegen. Die Frau weigerte sich dessen und verbat sich jede Einiiiischiing von iiiiberufencr Seite. Tarauf sagten die Vertreter der Freien Vereinigimg, sie würden dafür sorgen, daß die Eigentümerin des Geschäfts von kciiiciii Holzhündler Holz bekomme, und daß kein Fräsereibesitzcr für sie arbeite. Als das alles nichts half, da versuchten die Herren von der Feien Vcr- ciniguiig die Gesellen der betreffenden Tischlerei zur Stellung weiter- gehender Forderungen zu überreden, um so deren Entlassung zu bewirken.— Die Delegierten sicherten dcn Streikenden volle Soli- dnrilät und sobald es erforderlich ist. auch materielle Unterstützung seitens ihrer Gstverkschaftcu zu.— Beim Punkt„Vcrschiedcncs" be- iiierkteu die Vertreter der lokalorganisiertcu Haudcls-HilfSarbeiter: Nach dem Bericht des„Vorwärts" zu urteilen, sei die Angelegenheit der Dclcgicrtciiwahl zur OrtS-Kraiikenkassc der Kaufleute in der Berliner Gewerkschaftskviininssion einseitig tendenziös behandelt worden. Die Vertreter bcmittagen deshalb, in der nächsten Kartellversammlung die Frage zn besprechen: Wie stelle» sich die Delegierten des Kartells zn Kompromissen mit arbcitergcgiicrischcii OrgamsationeU?— Der Antrag wurde angenommen.— In der Versammlung fehlte der Delegierte der Böttcher. Die Gärincr hielten am Freitag eine gut besuchte Versanmilnng ab, die recht stark daS Thema von der Harmonie zwischen Kapital und Arbeit betonte. Besonders zeigte sich der Kontrast zu den sonst von der Arbeiterschaft üblichen Anffassnngcn, als ein Redner für die Gärtnereien einen höheren Schutzzoll befürwortete und ohne Widerspruch zn finden erklärte, daß diese Zollpolitik auch im Interesse der Arbeiter läge. Sodann pkädirte der Redner für dcn Clfstimdcntag. Aber er will, daß nicht etwa gestreikt werde, sondern den Prinzipalen in höflicher Weise der Wunsch unterbreitet werde. In dieser Unklarheit bewegte sich auch die Diskussion, die den Beweis lieferte, eine wie rückständige socialpolitische Auffassung unter de» Arbeitern dieses Berufes zu finden ist. Die Stuccateurc hielten am 19. Februar eine gutbcsnchte Generalversammlung ab. Nach einem Vortrag dcS Genossen M a r I Wald gelangte die Abrechnung vom letzten Quartal zur Verlesung. Diese ergab für die Hanpttasie eine Einnahme von 453,48 M. und eine SluSgabe von 1V2.10 M. In der Filiale wurde» 571,76 M. ciiigciioiiimcu und 559,30 M. ausgegeben. Vom Vorsitzenden wurde hervorgehoben, daß leider viele Kollegen zu dem Streikfonds nicht beisteuern. Hierüber entstand eine rege Diskussion und wurde im Verlauf derselben von vielen Rednern vctont, daß andre im Verdienst niedriger stehende Geivcrlschaflcn mehr bezahlen als die Stuccateurc Es gelangte sodann folgender Antrag zur Ännahnie: Von jetzt ab hat der Kassierer nur Beiträge elltgegcnzunehmcu, die der fest gelegten BcitragShöhc(0,43 M.) entsprechen. Alle Kollegen haben rückständige Beiträge für den Streikfonds nachzuzahlen Zum Schluß ivnrde allen auswärtigen Kollegen empfohlen, daß, che sie ans Berschreibung bei der Finna Hauer oder Knancr Arbeit iiehinci!, sie sich zuvor an die hiesige Filiale wenden mögen. Wie es sicki jetzt lvicder zeige, befinden sich Hunderte arbeitslos, aber die vornehme Firma Hauer zog dennoch von auswärts Arbeiter heran. um dieselben nach 14 Tagen wieder auf die Straße zu setzen. Die Einsetzer nahmen in einer am Donnerstagabend im Lokal Alte Jakobstr. 75 ftattgefnndencii Versammlung den Sitnations bcricht über den Stand ihrer Lohnbewegung entgegen. Wie Ker kowsti mitteilt, hätten bis jetzt 182 Firmen, welche 800—859 Ein fetzer bcschästige», den nencn Tarif bewilligt. Unter de» Firmen die noch nicht bewilligt haben, befinden sich sehr viele, die im all gemeiiien bcdcntniigsloS sind. Die Zahl der bei diesen beschäftigten Einsetzer beträgt im günstigsten Falle 200, so daß der Streit im großen und ganzen als erfolgreich durchgeführt bezeichnet werden kann Es sei zu tadeln, daß viele Einsetzer, nachdem die betreffenden Unter nchmer bewilligt, gleich weiter gearbeitet haben, ohne eine Arbeits bcrcchtigungskarte zu holen. Desgleichen könnte sich mancher noch immer nicht von den Zwischenmeisterir trennen, trotzdem doch durch die Lohnbewegung gerade dieses beiseite geschoben worden sei. Ein zelne Arbeitgeber, die selbst schon bewilligt haben, versuche» jetzt an- scheinend ein taktisches Manöver, niu dcn'Tarif nach und nach wieder zum Abbröckeln zn bringen, indem sie andre llnteriichnier, die noch nicht bewilligt haben, in ihrem Widerstand bestärken und zwar da- durch, daß sie erklären, selber auch»och nicht bewilligt zn haben. Die DiSkusston drehte sich hanptsüchlicki um die Frage, ob das Streik- und ArbcitsiiachweiS-Bnrean aufgelöst bczw. letzteres mit dem Bnrcan des Holzarbcitcr-Verbandcs zu verschmelzen sei. Einmütig erklärte sich die Versammluiig für die selbständige Aufrechterhaltuiig der bisherigen Institution. Weiter gelangt ein Antrag zur An iiahme, nach welchem jeder arbeitende Einsetzer von nächster Woche ab bis auf weiteres 1 M. Extrasteuer zu entrichten hat. Um die vrouipte Einziehung dieser Gelder zu crniöglichcn, beschließt die Versammluiig gleichzeitig, daß ans jedem Bau ein Bau-BerttauenSmami zu wählen ist, welcher des Somiaveuds die Gelder einzieht. In nächster Zeit sollen die Namen derjenigen Firme» veröffentlicht werden, die noch nicht bewilligt haben. Äcrband der Maurer(Zahlstelle III. Rabitzpntzcr). In der Versammlung vom 21. Februar ivnrde über die Bcdeiitiing des Arbeitsnachweises debattiert und allgemein dringend empfohlen, den Arbeitsnachweis der Lrgmiisation zn bciiiitzen. Sodann wurde» die Neuwahlen zimi Vorstand vollzogen, wobei W. Müller zum Bcvoll- mächttgtcn gewählt wurde. Am 14. Februar hatte eine Versammlung der Rabitzpntzcr folgende Rci'olntion gesaht: Die Versammlung beschließt, daß in Znlimft die Putzer jede Spannerarbcit. dagegen die Spanner und Trager jede Pntzarbcit, sowie Ausdrücken und Ans räumen zn initerlassen haben. Wie lichanptet wurde, soll ein Mitglied der Lohiikonmiission der Bau-, Erd- und gewerbliche» Hilfsarbeiter gegen diese Bestimmniig verstoßen haben, indem er den Spaimcrn cinpfahl, die Arbeit zu cineni Stinidcnlohn. wie ihn die Putzer erhalten. auSziisührcn. In einer Resolution wurde nnnmehr von der Organisation der Spanner verlangt, daß sie von diesem Standpunkt zurücktrete. Allgemeine Kamilieii-Tterbc-Kasse. Heute Zahltag: Ackcrslr. 123 bei Diele und Orainenslr. 185 bei Bulow von 3— ö Uhr. Samariter Knriiis für Arbeiter»»d Arbciterinnc». Morgen Montag, abends 9 Uhr, Neb»:igsst»ilbe in der Centtale DreSdenerstr. 45. Vortrag über die Gmndzüge der Krankenpflege. Spandau. Heute cSvuntag) nachmittags 3 lllir im Weheschen Lokale, Pichelsdorserslraßc 39: Oesfclitlicho Gewerkschaftsversamuilung. Schriftsetzer Günther-Berlin über:„Das Unfall- und Invalidengesetz" und Genosse Äuulcl über die„Lage der Schuhmacher ani Orte". Nieder-Zchönbausc». Dienstag, de» 27. d. M. bei Settekorn: Lese- abcnd des Arbcitcr-BildungsvcrcinS. „AeSkulap". Berein für private Gesundheitspflege. Sonntag den 25. d. M. nachmittags 5 Uhr, im Restaurailt Zimmermann, Invalide» siraße 5. ordentliche Gencralversamnilung. EiiNritt nur gegen Vorzeigung der FeSrnar-Ouittung._ Vevmipltzkes. Ein schreckliches Eiscubah>muglück ivird aus Warschau, 23. Febmar, gemeldet: Ein von Jwangorod kommender Personen- zug der Wcichselbah» stieß mit einem Rmigierzng zusammen. Der Anprall war trotz des GegendainpfeS so heftig, daß beide Lokomotiven und 12 Waggons total zertrümmert wurden. Sieben Per- fönen blieben tot. 17 wurden schlver v erwund et und im Spital nntergebracht. Zwei Menschen erfröre». Aus Osterode wird bcr chtet: Wo» einem Laudbriefträger wurden in der Gegend von Sophieuthal am Wege die Leichen eines Mannes und einer Frau gefunden. Die selben wurden als die Jnftlente Katolla aus KirsteinSdorf rekog- nosciert. welche zum Markte nach Höllenstein gegangen, auf dem Rückwege aber vom Schneesturm überrascht waren und so ihr klag licheS Ende gefunden hatten. Wieder ein Grubeuunfall wird auS Bcuthen O.-S. berichtet: Dcm Bergmann Labezynski auf der Heinitzgrube wurde der Schädel durch herabstürzende Kohlen zerschmettert, so daß der Tod ans der Stelle erfolgte. L. ist 35 Jahre alt und hinterläßt seine Frau niit fünf kleinen Kindern. Acnes Königliches Opern-Theater. Diesen Sonntag: Faust. Donnerstag: WoblthätigkeitS-Vorstelllw«. Nächslcn Sonntag; Das füiiite Rad.- Rcsidcnz-Theater. Alle Abende: Die Dame von Mmm.- Metropol-Thcater. All- Abende: Die verkehrte Welt.- Thalia. Theater. Alle Abende: Im Himnielhos.- Carl Weist-Theater. Alle Abende: Die Jagd nach dem Glück.- Zlpollo-Theatrr. Alle Abende: Im Reiche des Jndra. Marktpreise von Berlin am 23. Februar 1LVV nacki Eriiiittliiiigen des lzl. Polizewräfidinms. D.-Ctt. 15,30 14,30 13,90 15,— 14,10 13,30 4,- Az 45,- 70,- 7,- 1,00 1,20 Tonne 14.- 13,80 13,- 14,20 13,40 12,00 3,60 4,- 25- 23,- 30,- 5,- 1,20 1- Schweinesleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Korvin ?la!c Zander Heckte Barsch« Schleie Bleie Krebse 1 b-c 60 Stück 1 1-x per Schock 1.00 1,70 1,60 2,60 0,— 2,20 2,80 2,50 1,60 2,80 1,40 12,- 1,10 1,- 1 1,20 1,40 1,— 0,80 1,30 0,80 von der Cenlralstelle der Prentz. Land- »)Weizen »Moggc» Fmier-Gcrfle« Hafer gilt, inillcl. gering„ Richtfleoh„ Hcn„ +)Ev(ifeii t)$Vciiotohntn, s-)Liuien ftartoiicfit, nene Rindfleisch, Keule 1 1-s do. Bauch„ _.WW>»»»WWW wirtschaftSkaumicr!!— Skotieruilgsslcfle—»ud iimgerechnet vom Polizei- prilfidinui für den Doppclccntiice.-f) Kleinhandelsr'reise. P r o d u k t c n m a r k t vom 24. Februar. Auf dem Getreiden: arkt herrschte schwache Tendenz im Einklang mit den gleufilauteudeu Meldungen von den Börsen Nordamerikas und den europäischen Märkten. Eine wcsent- liche Verbilliquiig der Weizenonerten Argentiniens rief starke Rcalisalions- inst hervor, die aber kein Entgegenkommen von feiten der Käufer fand. Bei sehr trägen: Gcschäslsgang war Weizen 1 M., Roggen 0,75 M. billiger zn habe». Hafer war im Preis unverändert, Ziüböl still, aber behauptet.— Zum Schlug erholte sich Brptgetrdde, Roggen erreichte sein gestriges Niveau wieder, Weizen schlofl um etwa 0,50 M. billiger. Am SpiritnS markt wurden 15 000 Liter 70er loco mit 47,50 M. (+ 0,10) gehandelt. Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin, 24. Febmar 1900. Amt- sicher Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 4928 Rinder, 1402 Kälber, 8376 Schafe, 8873 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht irr Mark(beziehungswerfe für 1 Pfund in Pf.); Für Rinder: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwcrtes, höchstens 7 Jahre alt 62- 65, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 56—60; c) rnälsig genährte junge und gnt genährte ältere 53—55; d) gering genährte ieden Alters 48—52.— Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwcrtes o9— 63; b) mästig genährte jüngere und gut genährte ältere 55-58; c) gering genährte 48—52.— Färsen und Kühe: a)' voUfleischige, ausgemästete Färsen höchsten SchlachtwertS 00—00; b) vollfleischige, ausgemästete Lühe höchsten Schlachtrvertes bis zu 7 Jahren' 53—54; c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe nnd Färsen 50-52; d) mästig genährte Kühe und Färsen 47-48; c) gering genährte Ktihe und Färse» 43—46.— Kälber: a) sciuste Mastkälber(Vollinilchinast) und beste Saugkälber 68—70. d) intttlere Mastkälber und gute Saugkälber 62—65, c) geringe Saugkälber 62—58, d) ältere, gering genährte(Fresser) 42- 48.— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mast- Hammel 61— 64, b) ältere Masthamnwl 55—60, c) mästig genährte Hammel und' Schafe(Merzschafe) 48—54, d) Holstcincr Zliedemuge- schafe(Lebendgewicht) 00-00.— Schweine: a) vollfleischige, der feineren Rasse» und deren Kreuzungen im Alter bis zu!>/« Jahren 47—47, b'' Käser CO-OO, c) fleischige 45—46, ä) gering cntwickeltc 42-44, s) Sauen 41-43. Verlauf und Tendenz. DaS Niudergefchäft verlief langsam und hiuterlästt lleberstand. Der Kälbcrhandcl gestaltete sich langsam. Bei den Schafen hatte der Geschäftsgang ruhigen Verlauf, es wird voraussichtlich ausverkauft. Der Schweinemnrlt wickelte sich ganz ruhig ab und wird voraussichtlich geräumt._ Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bei jeder Zlnsrage eine Chissre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der d:e Antwort erteilt werden soll, und die letzte. Zlbonncinentsquittimg beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beam- wortet und schriftliche AiiNvort wird nicht etteilt. Tic juristische Sprcchsiunde findet Montag, Dienstag und Freitag von«—8 Uhr abends statt. L. H. S. 39. Der Vertreter Transvaals in Berlin ist Herr General- Konsul Winterfeldt, Justizrat, Bchrenstr. 32.— Dienststunden 10—12. — R. B. 4S. 1. Ja. 2. Net». 3 Die Beiträge werden kurzer Hand bei- getrieben.— M. H. I. 21 Jahre.- N. 13. Eine Rechnung kann vcr- langt werde».— G. 3V. Ja.— F. L. 38. Nein. Sie können lediglich Ihre Fardenrng einklagen und dann ans Grund deS Urteils Vollstreckung in die Sachen vonichmen.— H. S. 13. I. Ein solcher Anspruch besteh:. Der Hauswirt ist für den Schaden verantwortlich, der durch Austeracht- lassuug des polizeilich vorgeschriebenen Streuens erfolgt ist. Aber das Gericht »nd die meisten Gcsctzcsausleger»ehmeu an, er werde von seiner Verbind- lichlcit frei, wenn er einer geeigneten Person(z. B. Hansverwalter) die Stten Pflicht überträgt. Dann hastet nur der Hausverwalter. 2. An den Hauswirt. 3. In 3 Jahren.- S. 1999. Sie würden sich durch solche Duldung nur dann strafbar machen, wenn Sie für diese Duldung Vor- teile fordern oder nehmen.— O. 1999. DaS wissen wir nicht. - G. V. Neichen Sie Statuten und Mitgsiedcrvcrzcichnis mit dem Er- suchen um Rückgabe der Papiere der Polizei ein. Slllerdings verpflichtet tz 2 des VereiusgcictzcS lediglich Vereine, die auf»fsentliche Slnaelegeiiliciten ewzuwirkeu bezwecke::, zur Eiurcichnng der Statuten und des Mitglieder- Verzeichnisses und bedroht die Unterlassung mit Strafe. Seit etwa 10 Jahren hat aber das Obcrvenvaltungsgcricht in ständiger Praxis entschieden, dast die Polizei berechtigt sei, auch von andren Vereinen die Papiere einzufordern, um sich daraus zu tnsormicrcn, od nicht doch ein politischer Verein vor- handelt sei. Es ist deshalb seit Jahre» wiederholt an dieser Stelle der Rat erteilt, so auf Erfordern der Polizei zu verfahren, wie Eingangs an- gegeben. Tic Nichtbefolgung dieses Rats hat lediglich nutzlosen Zeitverlust, Scherereien»nd Kosten im Gefolge. Die Polizei hat Statut und Mit- gliederoerzeichuiS zurückzugeben.— H. L. 13. Ja, aber eö kann in der Art der Vcrösscntlichuvg eine Beleidigung erblickt werden.— — F. P. R. Sprechen Sie mit dem Kasienstatut vor. In der Regel hat der Setbstzahlcr dieselben Rechte wie ein Zwangsmitglied.— W. H. 4. 1. Die Schuld ist nicht verjährt. 2. Sie Uiüfsen auf Freigabe der Maschme klagen.— Brau». Es ist seit dem 1. Januar 1900 unzulässtg, vom Loh» abzuziehen, tvaS durch den notwendigen Besuch bei einen: Arzt versäumt ist. Das ist nach tz 394»nd 616 B.-G. zweifellos. Erfolgt dennoch ein Lohn- abzng, so sollen die Betreffenden den ihnen gebührenden Lohn einklagen. lieber die Unzilläuglichkeit der Versuche, für den Arbeiter tz 616 B.-G. auster KnrS zu setze», ist bereit öunter dem 17. Dezember unter„Lokales" des„Vor- wätts" berichtet.— 213. Der Gerichtsvollzieher ist im Recht.— Grabowsee. Bescheinigte Krankheitswochen gelten ebensoviel wie wirkliche Klebe- wochen. Sind also für 121 Wochen geklebt und sind 79 Wochen Krankheit — gleichviel in welchem Zwischenraum die Krankheiten sich ereigneten— bescheinigt, so ist die Wartezeit erfüllt.— H. R. 43. Ist erwünscht. WlitclnnaSüberstcht vom 24. Februar 1999. morgens 8 Uhr. Weiter s, 4" w?, 4 Schnee 3 bedeckt 3wolkig �hlb.vcd -7 _2 9 g Wetter-Prognase für Sonntag, de» 23. Februar 1999. Ziemlich warm. teils heiter, teils wollig bei mästigai südwestlichen Winden, leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterb urea 11. ktak-TskcBk billigste Preise[34852* Max Jacoby Sirelilzersirasse Nr. 52. Rohiabak. Saniatra von Mk. 1,60—4,50. l-oosgat, Pfd. 85 Pf., empsiehlt Carl Roland, 3n Kottbuserstr. 3a.(34898* Roh-Tabak. P. E. Platt& Söhne,'-t* Brmmeustr. 10 tf$8. Neues Rohlabak- Lager bietet Fabrikanten besondere Vor- teile in guten Qualitäten zu billigsten Preisen.— En gros- En detail. A. Flacher, Auguftstraste 39. nahe Nofcnthalerslrasts.(34868» "kohwdAh. Gröstte Auswahl.— Billigste Preise? Guter Brand! Vorzügliche Qualität Sämtliche(34872* MMmls-Uteilsilttil. Nene Formen, sehr grobe Sluswahl zu Original-Fädrilpreisc». Reiuiieli?rsnek, 183. Arunuenftr. 183. Verantwortlicher R-dacteur: Panl John i» Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Nr. 47. 17. Ilchrgang. 2. AnliP des.lorairts" Sttlintt WksblÄ Soiintdo, 25. Febrnar 1900. Gevirfzks-Zeitung. Um den Hieb mit einem Schutzmannssäbel drehte sich eine gestern vor der 6. Strafkammer geführte Verhandlung, bei welcher sich die Zeugenaussagen in auffallender Weise widersprachen. Der Eisendreher Krüger, ein bis dahin unbescholtener Manu, kam in der Stacht des 18. Mai aus lustiger Gesellschaft die Lothringcrstratze ent- laug, geriet mit einem Schutzmann in Konflikt, weil er auf der Straße gesungen hatte und erhielt im Laufe der Auseinandersetzung von de m Schutzmann einen Säbelhieb gegen den Kopf, so daß das Blut in Strömen floß und der Verletzte vor seiner Mitnahme zur Wache ernstlich für die Stillung des Blutergusses Sorge tragen mußte. Dieses nächtliche Abenteuer hatte für den Verletzten noch eine Anklage wegen Widerstandes zur Folge und das Schöffengericht verurteilte ihn s. Z. zu 14 Tagen Gefängnis, weil der Schutzmann unter Berufung auf Zeugen bekundet hatte, daß er infolge eines Angriffs des Angeklagten auf seine Person von seiner Waffe Gebrauch gemacht habe. Diesen Bekundungen traten bei der gestrigen Verhandlung in der Berufungs- instanz vier unbeteiligte Zeugen, welche zufällig das Rencontre gc- sehen hatten, entschieden gegenüber. Während die Zeugen des Schutzmanns � dabei blieben, daß der Angeklagte den Beamten vor die Brust gestoßen und dann erst den Säbelhieb erhalten habe, bestritten die Gegenzeugen ebenso bestimmt, daß ein derartiger Angriff auf den Schutzmann erfolgt sei. Nach ihrer Dar- stellung habe sich die Sache wie folgt abgespielt: Als der Angeklagte ivegen seines Singens zur Wache gebracht iverden sollte, habe er den Schutzmann nach dem Grunde gefragt und als er diesen hörte, zu dem Beamten gesagt:„Na, Sie haben doch wohl auch schon'mal gesungen!" Darauf habe der Schutzmann die Bemerkung gemacht: „Sie sind wohl übergefahren?" und als der Angeklagte ge- antwortet:„Ich nicht!" habe der Schutzmann seinen Säbel gezogen und dem Angeklagten den Hieb über den Kopf versetzt. Der Bluterguß sei ein so starker gewesen, daß jemand aus dem schnell sich ansammelnden Publikum dein Verletzten beisprang und sein Taschentuch auf die blutende Wunde drückte. Die sich gegenüber stehenden Zeugenaussagen ivaren absolut nicht zu vereinigen/ so daß Rechtsanwalt Dr. Schöps es für geboten hielt, die Sache als nicht aufgeklärt zu betrachten und auf Freisprechung cvent. aber auf eine mäßige Geldstrafe zu erkennen. Der Gerichtshof hielt auf Grund der Aussagen der Belastungszeugen für erwiese», daß der Angeklagte dem Schutzmann einen Stoß vor die Brust versetzt habe, ermäßigte aber die Strafe auf SO M. Geldstrafe cvent. 10 Tage Gefängnis.' Die Große Berliner vor Gericht. Eine Civilklage, die der Referendar von N. gegen die Große Berliner Straßenbahn- Gesellschaft angestrengt hat, gelangte gestern vor der 8. Civil- kammcr des Landgericht I zur Entscheidung. Der Kläger benutzte im August vorigen Jahres die elektrische Bahn der Strecke Alexanderplatz-Nollendorfplatz. In der Französischenstraße erfolgte ein Zusammenstoß mit einem Lastwagen. Der Kläger, der auf dem Vorderperron stand, hatte das Unglück kommen sehen und bereits das Trittbrett betreten, um sich durch einen Sprung auf das Stratzenpflastcr in Sicherheit zu bringen. Bevor er dici'e Absicht ober auszuführen vermochte, erfolgte der Zusammenstoß und da Kläger zwischen zwei Fuhrwerke geriet, erlitt er einen Bruch beider Beine. Die übrigen Fahrgäste kamen ohne Verletzungen davon. Der Verunglückte klagte gegen die genannte Gesellschaft auf Kurkosten- und sonstigen Schadensersatz. Im Termine wurde Kläger durch Rechts- anwalt Morris, Beklagte durch Rechtsanwalt Gundlach vertreten. Der letztere erhob den Einwand, daß Kläger sein Unglück selbst ver- schuldet habe, denn wenn er wie die übrigen Fahrgäste seinen Standpunkt nicht verlassen hätte, würde er unverletzt davongekommen sein. Den Führer des elektrischen Wagens könne ein Vorwurf nicht treffen, da er sehr laugsam gefahren sei und mit aller Macht gebremst habe. Es müffe angenommen werden, daß der Unglücksfall durch ein Zusammenwirken verschiedener Umstände ent- standen sei, für die die beklagte Gesellschaft nicht verantwortlich zu machen sei. Das Gericht war andrer Ansicht. Die Gesellschaft wurde vorläufig verurteilt, dem Kläger 300 M. Kurkosten-Ersatz zu zahlen. Die Festsetzung des sonstigen allgemeinen Schadens soll einem be- sonderen Verfahren vorbehalten bleiben. Die Elektrische. Unter dcir a ch t(!) TransportgefährdungS- Prozeffcn, die heute vor der ersten Strafkammer ain Landgericht' II verhandelt wurden, erregte einer besondres Interesse wegen der be- gleitenden Umstände. In diesem Fall tvar der Wagenführer A u g u st D ä h n st angeklagt. Derselhe fuhr am Sonntag, den 26. November vorigen Jahres einen Motorwagen der Linie Dönhoffplatz— Knesebeckstraße. Auf dem Rückwege»ach Berlin fahren diese Wagen durch die Stciiunetzstraße in Nixdorf, die nach der Bergstraße zu sehr stark abschüssig ist. Die Strecke ist daher besonders gefährlich, denn die Wagen sausen mit solch rapider Schnelligkeit bergab, daß sich dieselben kaum regieren lassen. Am Abend des genannten Tages gegen Ve 10 Uhr fuhr der vom Angeklagten geführte Wagen 17S5 über die Weiche, ivelche von der Steinmctzstraße in die Bergstraße fährt, im rechten Winkel hinaus und direkt in das Schau- fenster des Tengelmannschen Kaffcegeschäfts. Der ganze Vorder- pcrron des Wagens drang in das Geschäft hinein. Der Führer des Wagens fiel quer auf die vordere Plattform, kam aber gänzlich ohne Vcrlctziulgcn davon. Dagegen erlitten eine Anzahl Passagiere leichte Kontufionen. Dem Angeklagten, der nicht nur wegen fahrlässiger Trausportgefährdung, sondern auch ivegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt war, wurde zur Last gelegt, daß er— im kritischen Moment den Kopf ver- licrc'ud— neben der Handbremse, ivelche versagte, nicht auch die elektrische Bremse in Thätigkcit gesetzt habe. Die Beweis- aufnähme ergab zunächst, daß die programunvidrige Exkursion des Wagens tausend Mark Schaden angerichtet hat,' welche die Straße nbahn-Gesellschaft zu zahlen sich wei- gert, weil der Wagenführer den Schaden be- zahlen soll. Nun ergab aber die Bcwcisaufiiahme in unzweifelhafter Weise, daß die Handbremse thatsächlich nicht funk- tioniert hatte und bezüglich der Slrombrcmsc(elektrische Bremse) konnte die Behauptung des Angeklagten, daß auch diese nicht funktioniert habe, von den beiden geladenen Sachverständigen, einem Ingenieur und Betriebsiuspcktor der Gesellschaft, nur angezweifelt. aber nicht direkt als ausgeschlossen erklärt werden. Infolgedessen wurde der Angeklagte im vollen Umfange der Anklage freigesprochen und nun wird sich wohl die Straßcnbahngescllschaft bequemen»nüssen, den Schaden zu ersetzen. Man darf nun ivohl erwarten, daß die Direktoren einer Gesellschaft, die derartig unzuverlässige Wagen im Betriebe zulassen, auf die Anklagebank komnicu. Um ein Kreuzband? Die Nichtbcstellung einer an sich wertlosen Kreuzbandscndnug hat für de» Briefträger Karl H o h e u st e i n nicht nur zur Folge gehabt, daß er seine Stellung verloren hat, sondern er hatte sich auch gestern wegen Ver- gehens im Amte vor der vierten Strafkammer des Langerichts I zu verantworten. Der Angeklagte, der beim Postamt ö angestellt war, hatte bei seinen Bestellnilgen eine Wittivc kennen gelernt, mit der er ein Verhältnis anknüpfte. Er besuchte sie häufig und verweilte länger bei ihr, als mit der ihn: zu den Be- stelluugclr zugemessenen Zeit vereinbar war. Während dieser Zeit sollen bei der Postbehörde mehrfach Beschiverden über nicht bestellte Sendungen eingelaufen sein. Der Angeklagte räumte dem ihn vernehmenden Vorgesetzten gegenüber ein, daß er nur ein einziges Mal eine Kreuzbandsendung, eine Probenummer der„Deutschen Zeitung" enthaltend, bei seiner Braut gelassen habe, anstatt sie dem Adressaten zuzustellen. Dieser Thatbestand wurde auch in der Verhandlung festgestellt, so daß der Angeklagte verurteilt werden mußte. Der Gerichtshof erkannte an, daß im vorliegenden Falle die vom Gesetz vorgeschriebene geringste Strafe von 3 Monaten eine harte sei. Die Postbeamten sollten aber durch strenge Straf- androhung vor Pflichtwidrigkeiten gewarnt werden. Der Angeklagte sei mit drei Monaten Gefängnis zu bestrafen. Das Vcreinsgesctz und die„Stellvertreter". Einen Schlag gegen die Vertrauensmänuer-Centralisation bedeutet ein Strafverfahren, das gegen die Steinarbeiter Albert und Karl Selz er aus Droyßig angestrengt worden war. Die Steinarbeiter in Droyßig, dk zur sogenannten Vertrauensmänner-Centralisation der S t e i n a r b e i t e r Deutschlands halten, hatten sich in öffentlicher Versnnnnlung Albert Selzcr zu ihrem Vertrauensmann undKarl Selzer zum stellvertretenden Vertrauensmann erkoren. Die Behörden konstruierten künstlich eine Zahlstelle Droyßig eines angeblichen„Verbands der deutschen Stein- arbeitet" und erklärten die beiden Selzcr für die Vorsteher des ort- lichcn Vereins. Nachdem so der Boden für eine Anklage vorbereitet ivar, tvnrden Albert und Karl beschuldigt, sich gegen die§§ 2 und 8 des Vercinsgesctzcs vergangen zu haben. Während das Verfahren hinsichtlich des Z 8 noch schwebt, ist es jetzt, solveit der§ 2 in Frage kam, in letzter Instanz erledigt worden. Das Schöffengericht und das Landgericht nahmen an, daß in Droyßig that- sächlich ein Verein der zur Vertranensmänncr- Organisation steilernden Steinarbeiter bestehe, der ans öffentliche Au- gelcgeuhciten einzuwirken bezwecke und daß seine Vorsteher es nicht hätten Unterlasten dürfen, binnen drei Tagen nach der Stiftuilg des veri""'nMchen Vereins das Statut und das Mitgliedcrvcrzeichnis bei der Lnspolizei einzureichen und die Veränderungen im Mit- glicdcrbcstand anzuzeigen. Die Strafkainmer führte unter audcrm ans, daß die Hebung der socialen Lage eines ganzen Bernfsstandos eine öffentliche Angelegenheit sei. Beide Gerichte verurteilten jedoch nur Albert S e l z e r als„Vorsteher", indenr sie davon ausgiiigen, daß Karl Selzcr, Iveil er nur zum stellvertretenden Bertrauensmänn gewählt worden ist, nicht ein Vorsteher der„Zahlstelle Droyßig" sei. Die Staatsanwaltschaft zu Naumburg legte Revision ein und machte geltend, auch der Freigesprochene sei ein Vor- sicher der„Zahlstelle" gewesen und ebenfalls strafbar. Nechtsanlvakt W. Heine als Vertreter des Angeklagten Karl S. beantragte die Zurück- Weisung der Revision der' Staatsanwaltschaft niid führte vor deni Strafsenat des Kaininergerichts aus, die Strafkammer habe richtig festgestellt, daß Karl Selzer gar u i ch t V o r st e h c r des gedachten Vereins gewesen sei, sondern nur in e i n e in b c- st i m m t e n F a l l Vor st eher werden sollte. Dieser Fall sei nach den Feststellungen der Gerichte gar nicht eingetreten, denn Karl S. habe Albert S. niemals vertreten brauchen. Das Kanimergericht verivarf die Revision der Staats- a n>v a l t s ch a f t und legte die Kosten der Staatskasse auf. Der Präsideut bemerkte, daß der Senat den Ausführungen des Verteidigers beigetreten sei. Herr Albert Noack, Wcißensee, Charlottenbnrgerstr. 69, ersucht uns mitzuteilen, daß seine lvegen eines Rencontres mit den Gemeinde- verordneten Baschin und Büttner, sowie mit dem Restaurateur P f a n n e n st e i n erfolgte Verurteilung in der Berustliigsinstanz in kostenlose F r e i s p r e ch>l n g umgewandelt ist. Die Preise sind streng fest, sehr billig und in Zahlen an den IVaaren gezeichnet. » I Die 14. Säkular-Prcls- llste 1900(Auflage 1 Million) Uber gesamte Bekleidung wird kostonlos und portofrei zugesandt Chausseestrasse 24a u. 25 11 Brückenstrasse 11 20 Gr. 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Ansang 2''/, Uhr. Oheriihnnö. Die Zaubersiöte. An- sang 7�2 Uhr. Montag: Die Afrikanerin. Schauspielhans. Jugend von heute. Anfang 71/2 Uhr. Montag; Dieselbe Vorstellung. Neues Lpern- Theater(Kroll). Faust.(Erster Teil.) Anfang 7 Uhr. Deutsches. Das tausendjährige Reich. Anfang 71/2 Uhr. Nachm. SV2 Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Der Probelandidat. Lessuig. Der Athlet. Anfang 7»/, Uhr. Montag: Im meisten Röst'l. lverlincr. Das deutsche Jahr hundert Ansang 7Vz Uhr. Nachm. SV, Uhr: Gvtz von Bcr- lichingen. Montag: Der goldene Käfig. Neues. Nackte Kunst. Anfang 7-/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Hofgunst. Montag: Nackte Kunst. Schiller. Cvpricnne. Anfang 3 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Montag: Der Probepfeil. Westen. Der Zigcuncrbaron. An- fang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Undine. Montag: Der Postillon von Lon- jnmeau. KhfMa: Im Himmelhos. Anfang 7l/z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellmia. Residenz. Die Dame von Maxim. Anfang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagen- Controleur. Montag: Die Dame von Maxim Luisen. Drei Paar Schuhe. Anfang 3 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Montag: Auf goldenem Boden. Cientrnl. Die kleine Exccllenz. Ans. 7y2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Zigeuner baron. Montag: Die kleine Excellenz. Carl Weist. Die Jagd nach dem Glück. Ansang 71/2 Uhr. Montag; Dieselbe Vorstellung. Belle-Zllliauce. Die Reise nach Amerika. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Bictoria. Berliner Bilder. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3>/.. Uhr: Verlorene Ehre Montag: Berliner Bilder. Friedrich- Wilhelnistäbtischcs. Die Dame von Maxim und der Probekandidat. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Die Räuber. Montag: Die Dame von Maxim und der Probekandidat. Metropol. Specialitätenvorstellnng. Die verkehrte Welt. Anfang 7V2 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Specialitäten- Vorstellung. Im Reiche des Jndra. Anfang 7»/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Polast. Specialitäten- Vorstellnng. Anfang 7 Uhr. ReichshaUr». Steitiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Passage> Pan-ptikniu. 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In beiden Vorstellungen: Gleich reich- baltiges abwechselndes Programm. Nachm. zum i Schluß: Auf vielseitiges Verlangen, die reizende Pantomime: Im Weihnachtsbazar oder: Die Puppenkönigin. AbendS 71/2 Uhr: Dp. Faust. Einephantasttsch-rvmantischeHandlung in 3 Abteilungen vom Hos- Ballettmeister A. Siems. Montag; Gala» Sport- Vorstellung und Dr. Faust. W. Hoacks Theater, Brunnenstraße 16. Familie Bnchholz. Lebensbild in 4 Akten v. L. Treptow. Jeden Sonntag. Dienstag und �Donnerstag nach der Vorstellung: I Tanzkränzchen. Montag: I Versammlungen nnd Festlichkeiten zu Familie Buchholz.«vergeben.' utibner. eugso* Gesellschaftshans Swinemnuderstr. 42. Säle 150—800 Personen fassend zu llFsnia Dniilionstrasse 48/41«. Im Theater abends 3 Uhr: „Von den Alpen zum Vesuv", Montag: Dasselbe. Iiivnlidcnstr. 57/62: . Stcrinvarte. Nachmittags 5—10 Uhr. Passaye-Panopticum. Geöfiftiet 0 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Montag u. 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Donnerstag: Grosser Hall. Außerdem Sonnabend, Mittwoch und Freitag zu Vercinsfestlichkeiten und Versammlungen zu vergeben.(Große Thenterbühne.)_[36S2L* Max Kliem8 Fest-Säle, Hasenheide 13, 14, fiS. � Im ncitcii Festsaal, Eingang Hasenheide 13, jeden Sonntag: Gr. Iitstninicntnl-KoiiKert. Anfang 6 Uhr. Entrce 30 Pf., Vorverkauf 25 Pf.— Nach dem Konzert Tanzkrknzclien!— In den Nr. 14 und 15 belegenen Sälen jeden Sonntag: Grosi-ier Ball! Anfang 4 Uhr, Ende 2 Uhr.— Empfehle meine gesamten Säle Vereinen und Gesellschaften zu Versammlungen nnd Festlichkeiten.— Die Ostcrscicrtage sind noch zu MatinccS zu vergeben._[3449g*]_ 31ax Rlicm. Schneoelshergs Festsäle, Inhaber: Max Sc Ii in dl er.— Telephon: Amt IV Nr. 1132. Heute: Grosier Ball alS Spccialität: Pfannkuctacnregcn verbünde» mit Schlangen- und Apfelsinen-Regen und diversen l�eberraschungen. Täglich: Spccialitäten-Borftellnng. Entrec frei. EuipfchlOÄen geehrten Gewerkschaften, Vereinen, Fabriken zc. meineA Säle, 300 nnd 1200 Personen salsend(mit Bühne) zu Versäum,-' lungen und Festlichkeiten jeder Art. 3382L* W sli'nsus fSsissSs, Dienstag, den 27. Februar: Grostes Wurst- und Wellfleisch- Gffen. (wozu ergebenst einladet 4»liiix Wernau. iSfitÜr Die Sonnabende sind vom April ab zu Frühjahrs- und Sommer- Festlichkeiten zu vergeben._____ . Mörschel, Vereinshalls ~ JUdcn.strassc 3a/36. Telephon: Amt V Mo.»380.[34942 Empfehle meinen großen Frllhstllcks-, Mittags- u. Abendtisch. Echt Münchener Helles Lagerbier, ff. Weiße ec. Franz. Billard. Vereinszimmer, 40-80 Pers. fastend noch einige Tage frei. Jcd. Montag: kr. Rlut- u. Leberwurst, gr.Welifleischessen Aen eröffnet![36722*] IV cu eröffnet i Frankes SpeisehalBe Neue Griillstrasic 39(zw. Kcmunandanten- und Seydelstr.) Jeden Tag 12 verschiedene Gerichte I Speisezcit ununtcrbrocheu von vor- Nim Preise von 10—30 Pf.| mittags lU/s— 10 Uhr abends. "«ier Vi« 10 Pf., Vw 5 Ps. 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Bereincn bcdeut. Ermässigung. III. Wahlkreis. Sonntag, den 25. Februar 1900, abends 6»Hr. bei Spielbere, Kopnickerstrasze Nr. 62: Oeffenkl. NevzQNttttlnng. Bortrag des Genossen Veoi'g IVagiier über: Schmerzsttvmig durch einfache Handgriffe. 240/5 Nach der Vcrsaulmlung:es kei»nmniea»eli». _ Eintritt inklusive Garderobe 20 Pf. .mm VI. Wahlkreis. Sonntag, den 25. Febrnar, abends 6 Uhr: Deffentliche Versammlung für Männer nnd Fronen im Kolbcrgcr Salon, Kolbcrgerstraste Rr. 2Z. Tagesordnung: 1. Bortrag dcsReichstags-Abgeordncten3.Iio»enov nbcr:„Bilder ans der deutschen Vaucrnbewcgung von 1525.» 2. Diskusnon. Ziv/ll Nach der Bersanilnkung: sSciiliitHclie» Bcisaiiiiuensciii. Um zahlreichen Besuch bittet Ter AcrtraiienSman». Znisllleiiiokigtizeiies Völiismiii für den sechsten Berliner BeicIrstap-WelilM. Achtung! Moabit! Montag» den 26. Februar 1889, abeudS 8Va Uhr, in den Avmlnius-Hallen, Breinerstr. 73/74: Zk VevlÄinmlung. A Tages-Ordnung: l. Die bevorstehende Stichwahl im 44.«ommunal-Wahlbezirl und welche Pflichten haben die Mitglieder des Wahlvcreins. Referent: Stadtverordneter August Hinze. 2. Diskussion. 3. Bereinsangelegenheiteiu Gaste habe» Zutritt. ____ Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Branche Korbmacher. Montag, den 26. Febr., abends 8 Uhr. Im Lokal des Hrn. Wlllce, Zlndrcasstraffe 26:_ VersammEung."MW ._. Tag eS- Ordnung: 1. Borttag über Streikbewegung. 2. Diskussioii, Verschiedenes. Achtung! Achtung! Dl«n»tae, Sei» Z7. Febrnar, abends 8 Uhr, tüdtischen Kasino(grosser Saal), Holzmarkt- und Alexanderstrassen-Ecke: im KOnlgss wje BraHtk-Versllmiiilüilg der DreDler Berlins. Tages- Ordnung: . 1. Der Mübeltischler-Streik und inwieweit sind die Drechsler in Mit- leidenschaft gezogen. 2. Diskussion. 3. Verbands- u. Branchcnangelegcnheiteu. Die Branchcnkomniission. Achtung, karhetthcSenleger! Montag, de» 26. d. Mts., abends 8 Uhr, bei Hube, „Spreehallen", Kirchstrahe 27: Vsr1Äm»ttlitiig. T ages-Ordnung: 1. Weiterberatung de» Tarifs. 2. Verschiedenes. 79/15 Kollegen! Umstündehalber kann die Versammlung nicht am Sonntag stattfinden; es ist aber Pflicht der Kollegen, dass sie alle in der Montags- Versammlung erscheinen nnd für dieselbe agitieren. Achtung! Achtung! Schneider Kerlins! Mittwoch, den 28. Februar, abends 8'/,»Hr. in de» Slruiinhallen. Kommandantenstr.'20: Große öffentliche Uersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Ist es möglich, feste Lohntarife bei uns einzuführen, welche Votteile bieten dieselben der Kollegenschaft. Stellung der Organisation dazu. 2. Tis- Iwsion und Beschlussfassung betreffs der Zustellung der Tarife an die Unter- »eh vier. 3. Verschiedenes. 1V2/4 Kollegen! Agitiert allerorts in Anbetracht der wichtigen Tages-Ordnung für regen Besuch der Versammlung._ Der Vertraiiensmaini. Ziiiimem Berlins uiidüliigegtlid tVottrsuenimSniier-LentrsII-atloo). Montag, de» 26. Februar 1860. abends 8 Uhr, in den ArnilnbaHen, Kommandantenstr. 20: (Kroge Nerlennntlutts. Tages-Ordnung: l. Bericht der Revisoren. 2. Jahresbericht und Abrechnung für 1809. 3. Neuwahl von vier Mitgliedern zur Achtzehner-Kommifsion sowie deren Stellvertreter. 4. Verschiedenes. Lös/l Die Vertranenslente. Achtung! Achtung! Motalkarvetter. Oeffentl. Protest- Versammlung am DienStag, den 27. d. M.» abends präeise 8 Uhr, im Kösliner Hof, Kvslinerstr. 8. Tages-Ordnung: Die Abrechnung vom öffentlichen Fonds«nd die Handlungsweise des deutschen Metallarbeiter-BerbandeS. Um zahlreiches Erscheinen aller Metallarbeiter ersucht_ Ter Eiubernser. Mtuns! Kleber! Tapezierer! Am Montag, den 26. Februar, abends 6>/s Uhr, im Lokal des Herrn Paster, Juselstraste 16: Grütze öffeutl. Versammlung stiiitlichtt Kleber Berlins nilli llmgebNg. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung über de» Stand des- Streiks. 2. Diskussion. Gesperrt sind folgende Firmen: Für Polsterer»nd Kleber Kalmbach, Potsdaurerstr. 89. Für Kleber S e i s f e r t, Ansbacherstrasse 19; Küche- ui a n n, Kurfnrsieiistr. 98; We inert, Mauerstr. 42; Meyer, An der Stadtbahn(Bau Israel, Spandanerstr. 27). 101/8 DI« Qobnlioininlsslon. gy Die zu Mittwoch, den 28. Februar bestimmt« BereinSversamm- lung deS Vereins der Kleber füllt zu Gunsten der an diesem Tage statt- findenden 4 öffentliche» Tapezicrer-Versammlungen aus. Näheres hierüber wird noch bekannt gemacht. MilitSreffekten-Sattler. Filiale Berlin IV. Dienstag, de» 27. Febrnar 1000, abends S1/; Uhr. in den Zlrmiu- hallen, Kolninandantenstraffe 20: Mitglieder- Bersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Wahl der Delegierte» zur JummgS- Kommission. 2. Antrüge zur Geueral-Versammlung. 3. Verschiedenes. 136/14 Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, zn erscheinen. vor Vorstaml. Mtungl Bauanschläger! AAmigü Am M o-ii tag. de» 26. Februar, abends 7 lthr, findet bei Knsbe, Grenadierstr. 33, eine Grotze öffentliche Verfommlnng >tt. Tagesordnung: Bericht des Obmanns und weitere Beschluss! stall. Verschiedenes. 33/12 Zahlreiches Erscheinen erwartet fassung. Die Lohnkommission. Verband der an Dolzbearbettnngs-Maschinen beschäftigten Arbeiter Berlins n. Umg. Montag, 26. Februar, abends 8 Uhr, im Lokal Königsbank» Gr. Frankfnrterstrasse 117: irai- Tages-Ordnung: 1. Beschlnsssassung über die Höhe der Unterstützung der ausgesperrten Kollegen. 2. Berbandsangelegenheiten. SV Ohne Mitgliedsbuch keinen Zutritt.-WM 82/10 He»» Vorstand. NgeNine MkmktäW gelverbltjer Arbeiter- nnd Arbeiterinnen. Die für die Wahlperiode 1000 und 1001 gewählten Delegierten, Arbeitgeber und Ardeitnehmcr, werden hier durch zu einer zusseroröeMeben venera!-VeTLammiung am Sonntag, de» 1. Marz 1900, Vormittags 10 Nhr. in der Berliner Ressource, Komman- dantenstrasse 57 ergevenst eingeladen.[270/0 Tages-Ordnung: 1. Wahl des Rendantcn laut Z bka des Statuts. 2. Statutenänderung. 3. Mitteilungen des Vorstandes. Berlin, den 24. Februar 1000. Der Vorstand. _ Paul Löhe, Vorsitzender. Tapezier er I 4 öffentliche Versammlungen am Mittwoch, de» 28. Februar, abends VHS Nhr. T.-O.: Unsere tievorstehende Kohnbewegnng. NorilSn i Norddeutsche Brauerei, Chausseestr, 58. SildSn i Königshof, Bülolvstr. 37—40. Osten i Louiö Kellers Fcstsäle, Koppenstr. 29. Charlottenburg und Moabit: Hubes Spreehallen, Kirchstr. 27[Bahnhof Bellevue). 177/7 _ Die Verbandslcitnng. Verein deutscher Schuhmacher. Montag, den 26. Febrnar, abends 8>/s Uhr: Drei Mttgliki>rr-Vtfflimmlungen. 1. Arbciter n. Aiiciterinneit ber mech. Tchiihivertilsebrikeil bei fetechort, Andreasstrasse. Vortrag des Genossen Dr. IVezd über:„Der Einfluß des Alkoholis- ums auf die Arbeiterbewegung." I Arbeiter imi) Arbeiteriilm der ztlzschvh-Brzche bei Aiiinann, Briiiinciistrasse 188. Vortrag dcS Kollege» Lankow über:„Platonischen und urchristlichcn Komnmnismus". z. Arbeiter öllb Arbtiieriiülen her bei 8oblIIer, Dosentbalerstr. S7. Mittwoch, 28. d. M., abends H1,? Nhr, Im Lokal Königsbank, Gr. Frankfnrterstr. 117: Verfammluttg der Ballschuharbeiter. Wahl einer Branchenvertretung. Um zahlreiches Erschcüien ersucht Die Ortsverwaltung. Sonntag, den 18. März, nachmittags 4 Uhr, findet ein„Urania"- Besuch statt. Zur Aufführung gelangt: 69/6 Von den Alpen bis zun» Vesuv. Billcts a 60 Pf. sind im Bureau, in den Zahlstellen und bei den Ver- trauensmänncr» zu haben.___ UMineM-AmkeMe siir Rirdors. Das in der Geuerawersammllmg vom 30. November 1899 beschlossene Statut ist genehmigt worden und tritt sofort in Kraft. Die wesentlichsten Nencrunge» sind folgende:[2606b Zu z 11: Meldungen können durch die Post erledigt werden, ober nur ans Gefahr des Meldenden, auch ist das Rückporto beizusügen. Alle Meldungen haben in zwei Exemplaren zu erfolgen. 8 18. Trunkfälligkeit:c. ist ganz gestrichen. Zu tz 26. Das Krankengeld wird wochentäglich an jeden: siebenten Krankentage gezahlt. Festtage, welche auf einen Wochentag fallen, kommen nicht mehr in Abzug. Zu§ 62. Die Mahngebühren be tragen bei rückständigen Beiträgen in Höhe von über 30 M. ausser c--,,. Porto 75 Pf. Zu§ 67. Die Bekanntmachungen der Kaste geschehen durch das„Rix� dorser Tageblatt", die„Rixdorfer Zeitung" und den„Vorwärts". Rixdorf, den 22. Februar 1900. Der Vorstand. 0. Koch, Vorsitzender. Socialdemokratlscher Wahlvereiu f. den 6. Berliner Rciclistags-Walilkreis. Den Genossen zur Nachricht, dass unser Mitglied, der Tischler Johann Rehmer Uferstr. 14g, an: 23. d. M. verstorben ist.— Die Beerdigung findet am Montagiiachmttiag 4 Uhr von der Charite nach d. EharitS-Fricdhos statt. Zahlreiche Beteiligung erwünscht Der Vorstand. ��Deulscher� Holzarbeiter-Yerbanö. Den Mitgliedern zur Nachricht, dass der Kollege, Tischler Joltäim Rehmer, in der Charits verstorben ist. Die Beerdigung findet Montag, den 26. d. M., von der Leichenhalle der Charits ans statt.— Um rege Be- teilignng der Kollegen ersucht 79/l4j T-ie Ortsverwaltm�� Todes-Anzeige. Am 22. d. M. schied unser Kollege kein Angust freiwillig aus dem Leben. Die Beerdigung findet am Montag, den 26. d. M., nachmittags 5 Uhr, aus dem Begräbniöplatz der Frei- religiösen Gemeinde, Pappelallcc, statt. Die Kollege, i i262lb der Pianofabrik von Hirschfeld. Achtung! Rixdorf. Achtung! Verband der; Verwaltungs- beauiton d. Ortn-Kranken- fcasseu n. Rerafsjxenosscn- Schäften Dcntselilauds. Bezirksgruppe: Berlin- Brandenburg Montag, d. 26. d. M., abends 8 Uhr, in Berlin, �rniluhallen, SV Kommandantenstr. 20, öffenll. Bezirlisrersammlnng TageS-Ordnnng: 1. Die Stellung der Krankenkassen-Beamten unter dein Vürgerlichen Gesetzbuch. Referent: Herr Rechtsanwalt Victor Fränkl. 2. Abrechnung vom Winterfest. 3|öe- richterftattmig des Delegierten zur GewettschaftSlommissio» nnd Neuwahl eines Delegierten. 4. Besprediung der über die Verhältnisse der Berliner OrtL-KrautenkVssen- Beamten aufge- nommeuin Statistik. Wegen der grossen Wichtigkeit dieser Tageoordniiiig sür alle Angestellten bei Krankenlassen und Bernfsgenossen- schasten legen wir sowllhl den Mit- gliedern der Gruppe als auch den- jenigen Kollegen, iveldie nicht Mit- glieder sind, ihr Erscheine» in der Versammlung nochmals ganz besonders nahe. Der Vorstand. Heute Sonntag, de» 25. d. M.. vormittags 8 Uhr. im Lokale deö Herr» Thomas: Vertrattettsmiiutter-Verfammlttng und»achmitkags 1 Uhr: O e ffe n t t i ch e Doltarbetter-Versammlnug. Tages-Ordnung: Cndgnltige Bcschliltsfassnng über unser Vorgehen. 82/10_ Der Vertrauensmann. Achtung! I>SksutSUUi'S. Achtung! DienStag. de» 27. Februar 1868, abends 8 Uhr, im Lokal Tenersteln, Alte Jakobstr. 75: (OeZfenkl. Ve�pennznlttng. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Carl Hübsch über die deutschen Arbeiter- schutz-Gesetze. 2. Diskussion. 3. Die Sperre bei der Firma»dolk Behmack. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen aller Kollegen ersucht 58/1 Ter Vertrauensmann. % 34722* Nach beendeter Jnventttr Salougrüss« a Stetscle> Teppich., Gar 8, 10-300 M. wuheitskänfe in ine», Portiere». Möbelstoffen, Tischdecken:c. ca. 450 Abb«- düngen, gratis und franco. Emil Leföm, Berlin 8. Spedalhaiis Brnnienstr. 158. Kistenmacher! Am 22. Februar früh 6 Uhr starb»ach kurzem Krankenlager unser Kollege, der Kisteiuuocher liusla? kasevalllt im Alter von 61 Jahren. Wir verlieren in ihm einen langjährigen Mitarbeiter und pflichttreuen Kollegen. Sei» Andenken werden wir stets in Ehren hallen. Die BecrdiPlng findet heute Sonutaguachmittag 5 Uhr vou der Leichenhalle des St. Andreas- Markns-Kirchhofs in Wilhelms- berg ans statt. 2585b Bie Arbeiter der Firma Theodor Adolph, Rummelsburg. �teresseil-Berm lißtimiher Berlins. Todes-Anzeige! Am 22. d. M., früh 6 Uhr, starb nach kurzen: Krankenlager unser langjähriges Mitglied, der Kistemnacher 94/5 Gustav Pasewaldt im Alter von 61 Jahren. Ehre seinem Andenke». Die Beerdigung findet heute, Sonntag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des St. Andreas- Markus- Kirchhofs in �Wilheknisberg statt. Um rege Beteiligung bittet ver Vorstand. Durch Berkauf eines Lebensmittels können Bcanitenfralrei:, auch Arbeiter in grösseren Betrieben bc- schäftigt, wöchentlich bis 26 Mark verdienen. 237.% Nciimnnu. Mehnerstr. 1. 30 Mark!! elegante Mittuncticnhl Suppe, Gemüse, IVmiayöllSGIU Braten».Kompott. inkl. Bier SO Pf.) Kßpnlckerstr. 6ba. Herren-Anzüge m nach Mass m 30 Mk. mm hochfeine na Sommer-Paletots nach Mass. Für 16 Hark hocholeganto Beinkleider nach Mass,[3777L* guter Stoff, tadelloser Sitz. Rlesenstofflager 14 Krausenstrasse 14, 1 Tr. Kein Laden, l Tr. Ter Gesamtauflage«»serer heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Firma Lehmann tfk. Assmy, Tuchfabrik in Sprem- berg L. bei. Das weitbekannte große Warenhaus von Singer u. Co.. Chausseestr. 56, ist durch die bedeutende Entwicl- lung semes Kaufhauses wiederum gezwungen, seine Ver- kaussräumc um das Doppelte zn vergrößern. Um während dieses umfangreichen llmbnues mit den vorhandenen grossen Warenbeständen zu räumen, hat das Warenhaus von Singer u. Co., Chausseestr. 56, einen Räumnngs- Ausverkauf größten Stils eröffnet. Der Ausverkauf umfasst die bei der Inventur ganz bedeutend herabgesetzten Waren und bringt ausserdem ganz hervorragend billige Geleaenheitskäuse zu fast unglaublich billigen Preisen. Die Verkaufsräume dieses bekannten Warenhauses waren behufs Herabsetzung der Preise zwei Tage geschlossen. Der ausgezeichnete Ruf dieser seit 12 Jahren bestehenden Firma bürgt für strengste Reellrtät und wollen wir hier tes Ranmmangels wegen nur 30 hervorragende Gelegen- heitSkänfe aus diesen: groben Ränmungsausverkauf bringen: 1. Reinseidene Foulards, Mir. 66 Pf. 2. Rein- seidene Phantasiestoffc, etwaS defekt, Mir. 86 Pf. 3. 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Eine Partie Saal- Teppiche, Prack«- Exemplare, jetzt durch- schnittlich 36 Mk. 28. Eine Partie reinwollene Stepp- decken mit Tttcotstltter 3,66 Mk. 29. Eine Partie Chaiselongue-Decken, circa 3 Meter laug, 3 Mk. 30. Eine Partie abgepaßte Tüll-Gardinen, das Fenster 1.66 und 2 Mk. Warenhans Singer n. Co., Ehnutreestvaße 56. Zn haben in allen Pellhateas- und Kolonlalwaren-OeschUften, Drogaerlen und Mehlhandinngen [ In der heutigen Zeit, wo fast Alle mit Kecht das Ziel erstreben, sich [««»und durchjaleben, kann deren Devise nur nächst. Bild sein. �> /n dem nasskalten KlimaDeutschlands billiger u. bekomm Hoher als Bier! Von 10 Pf. pro VioL. aa, sowie in m. plomb. Orlg.-Flasohen von »/*'/- u.»/. Liter. Kein kUnatl. Gemisch, kein Malz, keine sog. schweren Weine etc., ■ onilem(laut Forst von Slamtirok's Worten;„National- getränk") angenehme, leicht trinkb. n. dabei Wir trinken 1»o sehr stärkende Oswald Nier's reine uZgÄetIublt,enwein8 f. Festlichkeiten, Vereine, Krankenhäus. bew. höh. 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Durch die verschiedenartige Handhabung deS Z 157 des neuen Bürgerlichen Gesetzbuchs seitens der Justiz- verlvaltnng und vor allein durch den Erlas; deS preuhischcn Justiz- nnnisterS,'welcher die Erteilung der Erlaubnis zum mündlichen Wer- handeln vor Gericht von der Bedürfnisfrage abhängig macht, find wir gezwungen, energische Schritte zu unternehmen, um nnsre Zulassung bei dem Amtsgericht unbekümmert um die Be- dürfuisfrage zu erreichen. Nur durch einmütiges geschlossenes Vorgehen werden diese unsre Bestrebungen von Erfolg begleitet sein. Um nun Mittel und Wege zu finden, wie wir am zweckmäßigsten und thatkräftigsten in jenem Sinne wirken können, haben unsre Kollegen aus dem Kammergcrichtsbezirk es für notwendig erachtet, zum Zwecke der Beseitigung der Bedürfnisfrage und Gründung eines Centrakuerbands der Kollegen Deutschlands einen mehrtägigen Kongreß nach Berlin, K o m m a n d a n t e n st r a ß e 20- sArmin- hallen) einzuberufen, welcher in der Zeit vom 12. bis 14. März dieses Jahres tagen wird und zu diesem Kongresse werde» so- wohl der preußische Herr Justizmiuister als auch der Herr Staats- sekrelär Nieberdiug sowie die Mitglieder deS Reichstags eingeladen. Kollegen I Da es sich um so ernste Berufsfragen handelt, so ist wohl die Erwartung der Unterzeichneten berechtigt, daß sich die Kollegen recht zahlreich zu dein Kongreß einfinden und weder Kosten noch Mühen scheuen werden, um mit vereinten Kräften für unser gutes Recht einzutreten. Die Kollegen, welche an dem Kongreß teilnehmen wollen, werden gebeten, ihre Adresse und. ihre etwaigen Wünsche betreffend Logis-c. unverzüglich an den mitunterzcichneten Kollegen Münch mit- zuteilen und 20 Pf. in Briefmarken für die Rückantwort beizufügen. E. Rieger, Rechtskonsulent, Spandau. Moltkestr. 3. O. Münch, Rechtskonsulent, Potsdamerstr. 23. KseÜs Sjahrige •chriftllche Garantie für guten Gang. Silberne Herren- Uhren v. 9 Mk. bis 30 Mk Gold Damen-Uhren v. M. bis 300. Goldwaren-Imlustrie Belmonte& Di bringen hierdurch zur gell. Kenntnis, dass am 21. Februar d. J. der Einzelverkauf, Fabrik, Versand und Export nach den gesamten Parterre-Eäumen des Hauses KUnigstr. 46 verlegt wird. Ilm mit den grossen vorhandenen Warenbeständen, als wie Uhren, Eingen, Brosches, Ketten, Brillanten und anderen Goldwaren zu räumen, gewähren wir bis zum 21. Februar d. J. [3637L* Königstrasse 22, Hof parterre. 5 bis 10 Prozent Kabatt. Belmonte& fe M. Krügers Speise-Leinöl iills beste, taglich irisch tutb garantiert rein."1�| Zum Pfannkuchen- und Puffert-Backen, als Zuthat zum Kartoffel-, Blatt- und Gurken- Salat, zu sauren Heringen und weissem Käse nehme man sortan-O. Kriigci-M Spcise- licinöl, und man wird zu der Ueberzcugiing gelangen, daß es nichts Besseres gicbt. Für die Gesundheit des Mannes und der Kinder kann die Hausfrau nicht besser sorgen, als wenn sie denselben morgens zum Kaffee die Semmel mit ZI. Krügers Speise- I.cinöl bestreicht. 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Verantwortlicher Redacteur: Paul Joh» in Berlin. Kür den Inseratenteil verautwortlich: Th. Glocke in Berlw. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.