Mr. 48, Ablnmements■ Kedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Visrteljährl. Z,30 Mb, monatl. 1,10 Ml,, wöchentlich 28 Psg. frei ins Hau«. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags« Nummer mit iliuNrierier Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: SL0 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitungi» Preisliste sür 1900 unter Hr. 7971. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, sür da« übrige Ausland S Marl pro Monat, Srfchriul läflluJj cufttc Moni na«. � 6 achtet, aber in ihr doch noch nicht die alleinige Quelle des Völker reichtnmS zu erblicken vermag. Die holländischen Kaufleute waren eben Kauflelite: der Handelsprofit blieb dem Moloch, dem sich schließlich alles beugen mußte. Indem sie für fich freien Handel bis zur Hölle verlangten, kehrten sie gegen die übrigen Völker Europas einen engherzigen, krämerischcn Monopolgeist hervor: alle andren Nationen„aantasten", war auch einer ihre Kernsprüche. Dadurch wurden sie gezwungen, eine ungeheure Land- und Seemacht zu unterhalten, die vollständig die Kräfte des kleinen Volks aufzehrte. Die Steuerlast wuchs so unerschwinglich an, daß sie die arbeitenden Klassen der Nation erdrückte; in jedem Gericht Fische, das in dem fischreichen Lande ans den Tisch des Handwerkers kam, steckten dreißig verschiedene Steuern. Und wie das Handelskapital durch seinen antagonistischen Charakter gezwungen wurde, den Reich- tum des Landes zu vernichten, den zu fördern und �u schonen sein Interesse war, so zerstörte es sogar die Produkte der Kolonien um seines Profits willen: um die Preise der Kolonialware» zu steigern, wilrdeil große Schiffsladungen von Muskatnüssen in die Südersee geworfen und große Pflanzungen von Gewürzbäumen auf den Molukken verbrannt; diese verruchte Praxis, die später dem Socialis- miis in Fourier einen seiner genialsten Denker eriveckte, ivar den holländischen Kanflcnten schon eine liebe Gewohnheit. Unter ihrem entarteten Regiment sank Holland, noch che auf seinem Bode» die Weltpolitil des bürgerlichen Handelskapitals ihre historische Expan- sionskraft ganz entfallet hatte. Wie die spanisch-portugiesische Kolonialpolitik durch Junker und Pfaffen, so wurde die holländische durch Kaufleute geleitet. Der ostindischen Compagnie fiel seit 1601 die Ausbeutung der asiatischen, der westindischen seit 1621 die Ausbeutung der amerikanischen Küste zu. Jedoch nur die ostindische Compagnie vermochte die Weltpolitik des bürgerlichen Handelskapitals typisch auszugestalten: ihre Aufgabe war, die Märkte kulturell hochstehender Völkerschaften zu erobern und zu monopolisieren; sie brachte nicht nur die indischen Produkte nach Holland, sondern auch die holländischen Produkte nach Indien. In Amerika dagegen, wo arme und unkultivierte Bevölkerungen auf ungeheuren Länderstrecken hausten, kam das kleine und schnell einem hart- beschränkten Kaufmannsregiment ver fallene Volk der Niederlande nicht einmal immer gegen die spanischen und portugiesischen Niederlassungen auf, die in feudaler Weise auf der Zivangsarbeit versklavter Eingcborner organisiert waren, geschweige denn, daß es durch die freie Arbeit von Ansiedlern ans dem Mlitterlande zu kolonisieren verstand. Die westindische Compagnie lebte wesentlich von Sccranb und Schmuggel, der pri mitivstcn Form der handelskapitalistischen Weltpolitil. Darin leistete sie zwar Erkleckliches; innerhalb zwölf Jahren sandte sie achthundert Kaperschiffe in die amerikanischen Meere, aber als ihr 1635 durch einen Gliickszufall Brasilien zufiel, ließ sie sich bald wieder durch die Portugiesen hinausjagen, und in Nordamerika verkümmerten ihr> Niederlassungen an den Mündungen deS Hudson und des Delaware Ncn-Amstcrdam gedieh erst, als es umgetauft wurde in?lcu-Nork. Erst in England gelangte die Weltpolitil des bürgerlichen Handelskapitals ans ihre volle Höhe. Seit der Mitte des 17. Jahr Hunderts begann England die Niederlande zu überflügeln, und von der Schnelligkeit dieser Entwicklung giebt es nur ein ungefähres Bild, wenn sich den holländische Handel 1650 zum englischen ver hält wie 5: 1, 1750 aber wie 6: 7. Holland gebot noch lauge über das größere Geldkapital, und auch die günftigere geographische Lage Englands erklärt nicht so sehr viel. Ungleich entscheidender ivar, daß als England seine Weltpolitil begann, die nationale Arbeit, Ackerbau, Handwerk, Manufaktur, schon viel zu tiefe Wurzeln ge schlagen hatte, um jenes hypertrophische Anfschicßcn des Großhandels zuzulassen, das in Holland einen so glänzenden Aufschwung und einen so schnellen Verfall herbeigeführt hatte; ein zahl reicheres Volk stand aus festerem, fruchtbarerem, geräumigerem Boden, in dessen Schöße mächtige Eisen- und Kohlenlager einer Zukunft cntgegenrciftcn, vor deren Reichtümer alle Schätze fremder Weltteile verbleichen sollten. Die holländische Weltpolitil be gann damit, daß waghalsige Kanfleute das Joch eines fremden DeS- poten zerbrachen, um dann die eigne Nation auszuivuchern, die eng tische aber damit, daß kräftige Landsasscn und Handwerker das Joch eines heimischen Despoten zerbrachen und die trotz alledem unzcr- störbaren Grundmauern der bürgerliche» Freiheit errichteten. Karl I. von England war auf die Laune des kapitalistischen Despotismus verfallen, zugleich eine Flotte und ein Heer ersten Ranges zu unterhalten. Da der in gesetzmäßigen Formen versuchte Widerstand der Bevölkerung durch seine verbrecherischen Handlungen vereitelt wurde, so schlugen die Engländer in gerechter Notwehr dem Despoten den unbelehrbaren Kopf ab und sicherten sich für alle Zukunft dagegen, daß je wieder ein englischer König gegen den Willen deS Parlaments eine Flotte oder ein Heer rüsten könne. Eine souveräne Volksvertretung, so schlecht sie sonst sein mag, und in England ist sie oft schlecht genug gewesen, kann nie darauf verfallen, das Volk mit Molochs Doppelgcißel zu Land und zu Wasser zu züchtigen. Die Engländer begnügten sich fortan, wie es der insularen Natur ihres Landes entsprach, mit einer Flotte ersten Ranges, die ein mächtiges Werkzeug ihrer Weltpolitil geworden ist, aber nicht minder dem Schutze ihrer bürgerlichen Freiheit gedient hat, was noch dem Heere keiner kontinentalen Militärmacht hat nachgesagt werden können. Nicht aber ihrer Flotte, sondern ihrer bürgerlichen freien Verfassung verdankten die Engländer, daß sie den Schlußstein in die Weltpolitik des kapitalistischen Handelskapitals fügen, daß sie nicht bloß Handels-, sondern auch Ackcrbau-Kolonien gründen konnten, daß ihre Kolonien nicht nur von zehrender Aus' beutung, sondern auch von schaffender Arbeit lebten. Mit der Be siedelung de« nördlichen Amerikas vollbrachten sie die für die menschliche Gesittung folgen« und segensreichste That, die von der Weltpolitik des bürgerlichen Großkapitals überhaupt vollbracht worden ist. Giebt eS eine Thatsache, die durch eine kapitalistische Kolonial- Politik von vier Jahrhunderten unwiderleglich bewiesen wird und die, ehe es eine deutsche Kolonialpolitik gab, auch von allen bürger- lichen Historikern übereinstimmend anerkannt wurde, so ist es die, daß ein Staat mit bürgerlich unfreier Verfassung keine Ackerbau- kolonien gründen kann. Die Ursachen davon hat Treitschke, der offizielle Historiker des preußisch-deutschen Reichs ebenso einleuchtend wie kurz auseinander gesetzt, indem er ausführte, aristokratische Regierungen könnten keine Ackerbaukolonien gründen, einerseits, weil alle Lebensformen solcher Kolonien auf die politische und sociale Freiheit drängten, andrerseits weil der Geist des Mutter- landes sich stets in den Kolonien zur Einseitigkeit steigere; wer werde denn die Heimat verlassen, um mit der Axt die Wildnis zu roden, wenn er draußen den Druck, dem er entfliehen wolle, nur noch verstärkt wiederfinde? Hier ist der „Prophet des Reichs" allerdings ein Prophet gewesen; wer möchte wohl dem Deutschland der Puttkamer, Köller, Recke, Rhcinbaben den Rücken kehren, um als Ackerbauer unter die Fuchtel der Leist, Wehlan, Peters, Arenberg zu geraten? Also die Thatsache, daß bürgerlich unfreie Staaten niemals Ackcrbaukolonicn gründen können, ist von der bürgerlichen Gelehrsamkeit stets anerkannt und namentlich mit dem englischen Beispiele nach der positiven, mit dem französischen nach der negativen Seite beleuchtet worden. Ehe wir jedoch die ranzösische Kolonialpolitik betrachten, sei eine kurze Auseinander- etzung mit den gegenwärtigen Fanfarenbläsern der deutschen Welt- Politik gestattet. Da sie einsehen, daß mit den paar Sand- oder Sumpfwiisten, die das deutsche Kolonialreich so glorreich repräsentieren, nicht viel Staat zu machen ist, so reden sie ein langes und breites von der Uebervölkcrung des Deutschen Reichs, wodurch die Gründung von Ackerbaukolonien notwendig werde. Wir sehe» nun ganz ab von dem malthusischen Gespenst der Uebcrvölkerung, das, von der Wissenschaft längst verscheucht, dennoch oder grade deshalb an deutschen Hochschulen herumspukt. Wir sehen auch davon ab, daß auf der Erde kein Raum mehr ist für Ackerbaukolonien, wo deutsche Bauern arbeiten könnten; vielleicht setzen sich die Herren Wagner, Sombart und Wenckstern,— ein neuer Kolumbus und neue Gebrüder Pinzons— auf drei Kam» Vellen und entdecken neue Erdteile; was wäre dem verzehrenden Thaten- dränge dieser Wasserpatioten nicht alles znzutrailen l Aber nach Erledigung dieser Vorfrage bliebe immer noch die betrübende, aber entscheidende Thatsache übrig, daß jener, um mit Marx zu sprechen,„mit pnr- lamentarischen Formen verbrämter, mit feudalem Beisatz vermischter, von der Bourgeoisie beeinflußter, bnreaukratisch gezimmerter, Polizei- lich gehüteter Militärabsolutismus", der das preußisch-deutsche Reich darstellt, überhaupt keine Ackcrbaukolonien gründen kann. Wo die Arbeiter mit dem Gerede über solche Kolonien behelligt werden, sollten sie antworten:„Schön, geh» wir gleich ans Werk und schaffen wir die Vorbedingung, die ihr selbst in euren gelehrte» Werken hundertmal als ganz unerläßlich hingestellt habt. Helft uns — aber nicht bloß mit Redensartc»!— den zweiten Teil des Erfurter Programms ausführen, oder wenn euch das zu viel ist, die deutsche Krone in die englische Krone und den deutschen Reichstag ins englische Parlament verwandeln. Dann lohnt sich ja erst eine sachliche Unterhaltung über Ackerbapkolonien, gleichviel ivas dabei herauskommen wird." Gehn die Schwärmer für Ackerbaukolonien auf diesen ganz selbstverständlichen Vorschlag nicht ein, so können die Arbeiter ihnen ruhig den Rücken kehren als demagogischen Schwätzern, die das Proletariat ans schnöden Gründen und für schnöde Zwecke zu prellen beabsichtigen._ MvbevPliszk. Berlin, den 26. Februar. Tie„Erdrosscluugöstcucr" im Zlbgeordnetcuhause. Vor überfüllten Tribünen begann das preußische Abgeordneten» haus am Montag die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die W a r e n h a u s st e u e r. Minister Dr. v. Miguel, auf dessen Wunsch die Beratung bis zu seiner Wiedergenesnng ausgesetzt war, leitete die Debatte eiii. Wie ein roter Faden zog sich durch seine Rede der Gedanke, daß die Vorlage durchaus nicht geeignet sei, den von den Mittelstandsrettern gewählten Zweck zu erfüllen und den Warenhäusern den Gäraus zu machen. Miguel ist viel zu schlau, als daß er glauben könnte, es sei möglich, durch Gewaltmittel der kapitalistischen EntWickelung Halt zu gebieten, aber Geivaltmittel sind nun einmal die einzigen Waffe», deren sich unsre Regierung zu bedienen weiß, und wer diese Regierung politisch mitmacht, der muß unter Umständen auch wider besseres Wissen und entgegen seiner Ucbcrzeugnng für bestimmte Maßregeln eintreten. Allzuschwer wird das ja dem Viel- gewandten nicht fallen. Lieber wäre es ihm natürlich gewesen, die Gemeinden wären seiner vor einigen Jahren ergangenen An- reguug gefolgt und hätten ihrerseits eine Warenhaussteuer projektiert. Da diese ihm aber den Gefallen nicht gethan haben und da die Konservativen und das Centrum ihn bedrängen, so muß er, um eS mit diesen Parteien nicht zu verderben, wohl oder übel in den sauren Apfel beißen. Nach Ansicht des Ministers v. Miguel darf die Gesetzgebung nicht den Zweck verfolgen, die großen Warenhäuser zu drangsalieren. Darin pflichten wir ihm bei. Wenn er aber als Ziel der Vorlage eine Verlangsamung der modernen fortschrittlichen Entwicklung hui- stellt, so mögen ja einige vertrauensselige Leute wirklich an die Er- reichimg dieses Zieles glauben. Wir glauben nicht daran, und Herr von Miguel glaubt auch nicht daran. Er will dem Kleinbetrieb Zeit lassen, die erforderlichen Maßnahmen zur Abtvehr durch genossen- schaftlichen Zusammenschluß zu treffen. Als ob die Kleinbetriebe nicht Zeit genug gehabt hätten, und als ob es an derartigen Versuchen bisher etwa gefehlt hätte! kämpfte Abg. Dr. Crüger sfrs. Vp.), der bekannte Genossensifiafts- anwalt, die Vorlage. Ebenso brachten die Abgg. Hausmann(natl.) In recht geschickter Weise und mit wirksamen Argumenten be- De' alt, die Vorlage.>.. und G o t h e i n jfrs. Vg.) eine ganze Reihe von Gründen gegen den Entwurf, sinsbesondere gegen die geplante Umsatzsteuer, vor.' Völlig auf die Seite der Regierung stellte sich nur Abg. v. Brock- Hausen sk.), der mangels andrer Argnnrente die Notwendigkeit einer Bekämpfung der Warenhäuser aus der Thatsache herleitete, daß die durch diese Geschäfte vernichteten selbständigen Existenzen der Social- demokratie zufallen. Im preußischen Abgeordnetenhaus darf man derartige Gründe bekanntlich ruhig vorbringen. Weiter als die Regierung will Abg. R ö r e n sC.) gehen, der die Sonderbestcuerung bereits bei einem Umsatz von 200 000 M.(statt 500 000 M.) beginnen lassen und die Steuer beträchtlich erhöhen will. Auch bei dieser Gelegenheit erwies sich das Centrum wieder als die wirtschaftlich reaktionärste Partei, die höchstens noch von den Antisemiten übertrumpft wird. Die Rede des Handelsministers Brefeld, der ebenfalls in die Debatte eingriff, bot nichts Erwähnenswertes. Auch er macht, genau wie sein Kollege, die Sache offenbar nur deshalb mit, weil er von andrer Seite gedrängt wird. Am Dienstag wird die Beratung fortgesetzt. Mit dem Staatsstreich spielt ein Artikel der offiziös bedienten Miinchencr„Allgemeinen Zeitung": „Gerade einer starken Regierung, die den Drang in sich fühlt, das, was sie als recht und notwendig erkannt hat, auch im vollen Umfang durchzuführen, soll man die Wege nicht unnötig verlegen und durch kleinlichen Partcistreit die Arbeit über Gebühr er- schweren. Sie könnte sonst mit dem Dichter doch vielleicht sich sagen:„Es war noch immer, wo es galt zu retten— das Recht des Stärkeren nicht das schlechteste Recht", und wenn auch nicht conir»(gegen), so doch praater legam(neben dem Gesetz) ihr Ziel zu erreichen suchen." Unter kleinlichem Parteistreit versteht die.Allgemeine Zeitung� g. 8. die Ablehming der Zuchthausvorlage und die teilweise Opposition gegen die Dkarinephantastik. Demgegenüber wird das Recht der Revolution zu- gestanden, allerdings nur einseitig der Regierung. Indessen zeigt die Geschichte, daß bei dem Gebrauch des Rechts des Stärkeren die Ne- gierungen zumeist den— kürzeren gezogen haben.— • »• Deutsches Weich. Dast der Kaiser der Urheber der Flottenbewegung sei, da? hat Graf P o s a d o w s I y in einer Ansprache im»Deutschen Nautischen Verein" erklärt: »Man hat diese Bewegung als eine künstliche darzustellen ge- sucht. Alle großen Gedanken, alle großen nationalen Bewegungen schlummern latent im Herzen des Volks, und es werden immer einzelne bedeutende Männer sein, die zuerst einen im Herzen eines Volks schlummernden Gedanken zum praktischen Ausdruck bringe». Und so hat Ihr Herr Vorsitzender mit Recht ausgeführt, daß es unser Kaiser war, der mit seinem schnell durchdringeude» Verstand und kräftige» Wille» das, was das deutsche Volk fühlte, als dringende wirtschaftliche und politische Notwendigkeit seinerseits vertreten und zur klaren Erkcmituiö des deutschen Volks gebracht hat." Was Graf PosadowSky von der Anregung des Kaisers sagt, i zutreffend. Nur ist es nicht das Volk, vas zu den Plänen des Kaisers erweckt worden ist, sondern lediglich einzelne Marine-Interessenten und akademische Schwärmer.— Börsen- Beklemmungen. Ob der außerordentlichen Inanspruchnahme de? Nationalvermögens, welche die Verwirklichung der neuen Flottenpläne herbeiführen muß, steigen allgemach' auch den Geldleuten lebhafte Besorgnisse auf. Die Bvrseubeilaae eines der flotteubegeistertsteii Blätter Berlins bringt eine AnSlassung, die für die Be'denklichkeit der am Flottenbau nicht unmittelbar interessierten Finanzkrcise recht charakteristisch ist: „Nun wird ja allerdings Dcntsehland seine Flotte wesentlich vergrößern— die Flottenvorlage betrachtet man als unter Dach und Fach—, und so für dauernde Beschäftigung der deutschen Gruben und Hülten sorgen. Aber dieser verlockenden Aufträge kann man sich nicht so V o» H e r z e n f r e n e», wenn man sich die Frage vorlegt, womit denn die Flotte bezahlt werden soll. Ob die erforderlichen Mil- lionen im Anleihe wcge, also durch Kontrahierung weiterer Staatsschulden, oder durch energischere Aus- beutung der Steuerkraft des Landes beschafft werden solle», ist an sich irrelevant: aber in beiden Fällen werden Teile des Nationalvermögens der regulären Ver- Wertung in der I n d u st r i e, dem Handel 0 d e r i n der Landwirtschaft entzogen. Die den Schiffswerften znznwendenden und so mittelbar die Eisen- und Kohlenförderung beeinflnssenden Aufträge müssen notwendigerweise an irgend einer andern Stelle, der dentschen Produktion ein Loch reißen, llebrigeus sind andre europäische Groß- stanten in ganz analoger Lage. England verpulvert einen nani- haften Teil seiner Erspanüsie in Transvaal. Frankreich baut gleich uns Schiffe für die Kleinigkeit von rund einer Milliarde Francs, und Oestreich vergrößert sein Eisenbahnnetz, wobeises bei de» bisher in Ansatz gebrachten b Millionen Kronen wohl auch nicht bleiben wird. Da ist eS denn ganz erklärlich, wenn eine allgemeine Kapital- und Kredit not— man sac�t dafür gemeinhin: knappes Geld— ans diesen stetig gesteigerten Ansprüchen an die Kapitalkraft der Länder resultiert; nmsomehr, als ja schon Industrie und Handel etwas unbescheiden an dieser Kapital- kraft zerren. Man wird sich daher mit dem Gedanke» an eine dauernde und wachsende Kreditteuerung vertraut machen müssen, wenn auch gegenwärtig im schönen Monat Februar Ultiniogeld verhältnismäßig billig erhält- lich ist..__ TaS eingelöste Wahlversprechen. Aus Elsa ß-Lothri ngen wird uuS geschrieben: Die Ans- führungen, mit welchen Prinz A lexa»der von.Hohenlohe, der Sohn des Reichskanzlers, Bezirkspräsident von Obcr-Elsah und Bertreter des 10. elsaß-Iothringischen Wahlkreises sHagenan-Weißen- burg) im Reichstag, am verflossenen Mittwoch in der Debatte»der den Diktatmcharagraphen seinem hartbcdrängtcn Vater zu Hilfe kam, ist wieder einmal ei» Beispiel dafür, wie kurz das Gedächtnis nnsrer beamteten„Volksvertreter" ist. wenn es gilt, die' Vörden Wahlen gemachten Versprechungen nachher auch ein- zulvsen. In der_ Mittwoch- Sitzung des Reichstags suchte Prinz Alexander die Sache min so darzustellen, als habe er seinem Wahlkomitee im Sommer 1898 erklärt, er werde für die a I l m ä h l i ch e Gleichstellung Elsaß-Lothringens mit den übrigen Bundesstaaten und auch für die Aufhebung des Diktatnrparagraphen eintreten, jedoch für diese Aufhebung nur unter derVedingung, daß der Regierung ausreichende Waffen zur Bekämpfung reichsfeindlicher Agi- tation verblieben. Hier hat dem prinzlicheu Volksvertreter da« Gedächtnis in einem entscheidenden Punkte im Stich gelassen. In dem vom 11. Juni 1898 datierten Wahlausruf, mit dem sich der Sohn des Reichs» knnzlers an die Wähler des Kreises Hagenan-Weißenbnrg wandte, und dem er sein Abgeordnetenmandat verdankt, lautet der tu Frage kommende Pasins kurz und bündig dahin: „Ich werde im Fall inciuer Wahl eintreten: Für die Gleichstellung Elsaß-Lothringens mit den übrigen deutschen B n n d e s st a a t e n und vor allem f ii r Abschaffung de» sogcuamiten D i k t a t u r p a r a- g r a p h e n." Von einer bedingten oder verklausulierten Gegnerschaft des Prinzen gegen die unseligen Ausnahme- und DiktaiiirznstäNde im Äeichsland also keine Spur, vielmehr bedingungslose Aufhebung der- selben! Ein Zweifel an der Stellung des Wablkandidateu v. Hohen- lohe in dieser für uns Elsaß- Lothringer wichtigsten Frage war damit ausgeschlossen, und nicht weniger als 11485 fast durchweg ei 11 gebor ue Wähler gaben daraufhin am 13. Juni 1898 dem Prinzen ihre Stimme. Keine tausend von diesen hätte der Prinz— daS wußte er sehr gut — auf seinen Namen vereinigt, wenn er sich in seinem Wahlaufruf so ausgedrückt hätte, wie er es am Mittwoch im Reichstag thuu zu müssen glaubte.—_ KonfiScierte Narrcnzcitnug. Straßburg i, E.. 26. Fe- bruar. Von der Polizei wurden 2000 Exemplare einer Narrenzcituug konfiseiert, in der über den sogenauutew Diktat urparagrapheii gespottet wurde. Wer den Witz nicht vertragen konnte, dessen Sache hat noch immer faul gestanden.— Die glänzende Finanzlage. Für das Rechnungsjahr 1300 ist, so sckireibt die„Germania", nach dem Etat ein Deficit von 88 820 783 M. vorgesehen, wovon 12 722 874 M. durch Matriknlnr- beitrüge, 76 008 411 M. durch Anleihen gedeckt werden sollen, dagegen dürfte für das Jahr 1901,>vo die Ansprüche für die Heeres- verivaltuiig und Flotte ohnehin erheblich wachsen werden, auch ohne Annahme des neuesten F l 0 t t e 11 g c s c tz e s mit einem Deficit von mindestens 140 Millionen Mark, und wenn dieses und die neuen Koloiiialbahu-Projektc Annahme finden sollten, mit einem solchen von rund 200 Millionen Mark zu rechnen sein. Wie man angesichts der Ergebnisse für 1839 und des Etats für 1900 noch von einer„glänzenden Finanzlage" reden kann, ist für jeden Kenner deS Rcichshaushalts unverständlich, jedenfalls lagen die Ver- Hältnisse im Jahre 1893, als die verbündeten Sicgiernngen auf die Annahme der Tabak-Fabrikatsteuer drängten, wesentlich günstiger, als heute.— Die Jstciimahme an Zöllen und BcrbranchSstenern für die ersten zehn Monate des laufenden EtatSjahrS hat die Summe von 632 Millionen oder 8,9 Millionen Mark mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs ergeben. Tie Zölle hatten ein Weniger von 11,3 Millionen Mark, die Tabaksteuer von 0,4 Millionen und die Vranutweinmaterialstcncr von 3.3 Millionen zu verzeichnen, dagegen die Zuckersteucr ein Mehr von 8,9 Millionen, die Salz- stener von 1,4 Millionen, die Branntwein-VerbrauchSabgabe von 9,4 Millionen und die Brausteuer von 0,7 Millionen Mark. Von den übrigen Cinnahmezweigen brachten die Reichs- Steinpelabg'aben eiw Mehr von 1,8 Millionen, darunter die Börsnistener 1,1 Millionen, die Post- und Telegraphcnverlvaltrmg von 21,3 Millionen und die EisciibabliveNvaltling von ö,4 Millionen Mark ein.— Die politische Liebesgabe für die Grostgrniidbcsitzcr, die Herr Rheinbobeii in seiner Ausnahinc-Kreisordnimg für die Berliner Vororte schaffen will, gewinnt einen Stich ins Komische, ivenn man sich die Großgrundbesitzer ein wenig ansieht. Nach einer Zusainiiieii- stellmig der„Freis. Ztg." befinden sich unter den vierzig Großgrund- besitzern im Teltower Kreis nenn Berliner, die gar nicht im Kreise wohnen, darunter Rudolf M 0 s s e, Baurat Böckmann, Assessor Badenitz, Bankier Mendelssohn, v. Görtzke, Arnold ».Siemens, Bankier Max G u t t m a n 11, die Landbank, v. S ch tu a b a ch. Ferner gehören zu den vierzig Großgrundbesitzern 6 Witwen, 7 j u r i st i s ch e Personen, wie der Fiskus das Hnnsfideikoinmiß, das Fideikommiß dos Prinzen Friedrich Leopold, die Stadt Berlin, die Gemeinden Steglitz und Rixdorf und die Bandemersche Stiftung in Berlin. Noch einseitiger sieht es ans in betreff der 37 G r 0 ß g r n n d- b e si tz e r, denen künftig im Kreise Niederbarnim ihr Einfluß nach der Besetzung des Kreistags gesichert werden soll, Danmlcr finden wir wiederum v. S i e m e 11 s- Berlin, v, Mendels- söhn- Berlin, ferner der II n i 0 n k I u b in Berlin, Bankier P i n k u s in Berlin, Schrödtcr in Charlotte«Burg, Kaufmann Frauke, Ziegeleibesitzer Herzberg, GrafRedem in Berlin, Graf Arnim in MuSlau, die Birkeulverder Aktiengesellschaft in Berlin, eine Ballgesellschaft in Hohen-SchLiihmisen, Hclfft in Berlin, Hensen- Zehlendorf. Unter den noch verbleibenden 23 Wahlberechtigten sind sodann zwei Wilweii, vier Erbmasseii, die Kur- und ritterschastliche Darlchnskasse in Berlin, die Familien- stiftimg von Voß, der Fiskus und die Stadt Berlin für die Riesel- guter. Herr Rheinbaben hat ein auffälliges Interesse für die„Agrarier" Siemens. Rudolf Mosse und Pinkus.— „Meuterei". Ans Pirna in Sachsen wird berichtet: Der Fahrer Schreiber aus Riederhatzlan, bei der 2. Batterie deS in Pirna garnisonierenden Fnßartillerie-Regiments, wurde zu- folge Kriegsgerichts-Erkenntnisses zu einer Gefangms- siräfe von ein Jahr acht Monaten und mit ihm acht Mann mit je ei» Jahr fcchö Monaten und ein weiterer Mann mit sechs M 0 n a: e n wegen Meuterei verurteilt. Die Thatfache, welche dem schweren Vergehen der Meuterei zu Grunde gelegt worden ist. ist folgende: Die zweite Batterie hatte, weil am hohen Nenjahrstage(6. Januar) einige zweijährige Maniischaften im angetrunkenen Zustande die Kaserne passiert haben, Kascrnenbeschränkung erhalten. Die Verurteilten sind unbekümmert um diese Kasernenbeschränkung Sonn- tags daraus bis nach nachts 2 Uhr ausgeblieben. Derartige drakonische Beslrasungen wegen eines unüberlegten Streichs junger Leute werden nimmermehr dazu beitragen, dem Militarismus Freunde zu erwerben.— Schwcinbnrg-Schwindel. Nachdem Herr Schweinburg seine aufopfernde Thätigkeit beim Flottenverein aufgegeben, har er wieder mehr Muße, sich seinem eigentlichen Geschäft der Arbeiter- und Sociaiistenhetze zu widmen. In Deutschland ist jetzt wenig in„StreikterroriSnius" zu inachen, die Begcistcrnng für das Zuchthaus hat zur Zeit dem Wasserfanatismus weichen müssen. Schweinburg bringt deshalb zur Abwechslung aus Frankreich einen Brief zum Abdruck, den 4 Bürgermeister des Industrie- vezirks von Gar 111 a n x an den Präfekten des Tarndepartcmeiits ge- richtet haben. In diesem Schreiben wird erzählt, daß in dcr Umgegcnd von Carmanx Banden, bewaffnet mit Dolchen, Knüppeln ee., herumstreiften und die n i ch l st r e i k e n d e n Arbeiter belästigen und mißhandelten. „Diese gefährlichen Znsaminenrottungen, welche einer Ihrer Amtdvorgängcr bereits untersagt hatte, müssen vor allen Dingen auseinander getrieben werden. Dann erst können die zur Wieder- aufnahllie ihrer Beschäftigung neigenden Arbeiter ihr staatsbürger- lichcS Recht in voller Freiheit ansübcn. Die Gendarmerie, die städtische Polizei von C a r»1 a u x haben bisher zur Verhütung von Konflikten und zur A u s e i 11 a n d e r t r e i b u n g von Zusammenrottungen nichts g e t h a n. Daher halten wir es für unfre Pflicht, diese Zustände zu Ihrer Kenntnis zu dringen. Als Vorsteher der Ortspolizei in unsren resp. Gemeinden verbürgen wir nnS für Aufrechterhaltung der Ordnung in unsren Gemeindebezirken, wenn uns Gendarmen genug zur Verfügung gestellt werden. Unser Kollege, der Maire von Carmaux, wird denn schon das übrige besorgen." So haben die vier Biederen in der That an den Präfekten ge- 'chriebeu. Soweit ist also diesmal wahr, was Herr Schweinburg wiedergicbt, wahr ist aber auch, daß die ganze Schreiberei der Bürger- meister purer Schwindel ist; doch davon sagt Herr Schweinburg nichts. Der jetzige Präfekt und sein Vorgänger sind zu wiederholten Malen seit Beginn des Streiks in Connaux gewesen, um eine Ver- ftäiidigung mit den Werken herbeizuführen, ohne Erfolg damit zu habeir Die Unteruehnier lehnen jede Unterhandln ng ab. schreien aber nach Polizei und Soldaten. Da die Präfekten sich aber über- zeugt haben, daß die Streikenden uollftändig ruhig sich verhalten, lehnen sie die Erfüllung dieses Geschreies ab. In der That ist noch kein Streik so ruhig und gesetzmäßig in Earmanx geführt worden, wie dieser. Während die früheren Streiks von Earmanx allerdings häufig genug von Trimnlten begleitet waren, sind heute. dank deS socialdemokra- tischen Einflusses, die Massen organisiert. diScipliniert und— da die Provokationen der Gendarmen und die Brutali- täten der Soldaten ivegfallen, bleibt alles ruhig. Aber gerade das ist es, was den' Unternehmern mißfällt.'Mit den Ruhe- störern von ehemals wurden sie schnell fertig. Die Gendarmen provozierten die Massen zu irgend einer Dummheit, dann folgte ein blutiges Gemetzel und die Eonipagnien hatten wieder ans einige Jahre Ruhe, Daß sie dies probate Mittel jetzt nicht wiederholen können, ist die Wut der Nnteriiehmer, und die vier Bürgermeister handeln im Interesse der Kapitalisten.— Die Angestellten der Wareuhäuscr gegen die neue Steuer. Wie wir hören, bat sich ein Ausschuß von Angestellten der drei größten Warenhäuser Berlins gebildet, um eine Agitation regen die Waren Haus st euer ins Leben zu rufen. In der Erkenntnis, daß eine Erschwerung des Handels, wie sie geplant ist, eine Gefahr für die Handelsaiigestellteii bedeutet, beabsichtigt der AiiSschuß. sich an das Personal sämtlicher Geschäfte zu wenden, um gemeinschaftlich mit diesem vorzugehen. Wie matt gerinauificrt? Die„Volks-Ztg." erzählt folgendes Stückchen gerniaiiisierender Wahlbeeinfliiffnng; In M e w e war der Fabrikant Jäger zum Stadtverordneten gewählt worden und zwar mit 20 Stimmen von 39 Stiniincii, Diese Wahl wurde von der polnischen Partei aiigcsocksten. Bei der Wahl soll eine unzulässige W a h l b c e i 11 f l u s s u n g statt- gefunden haben, besonders aber soll der Gastwirt Hirschberg beeilt- stußt worden sein. Der Direktor der dortigen Bank soll Hirschberg mit Entzichimg beS Kredits jc. gedroht haben, AIS Hirschbcrg von der polnischen Partei Vorhaltungen gemacht wurden, soll er erklärt haben, er könne nicht wählen, wie er wolle; seine Familie sei ihm mehr wert, als die ganze Wahl. Vor dem Ober- Verwaltnngsgericht bezeugte Hirschberg, der Leiter der Bank tu Mewe habe zu ihm etiva gesagt:„Mit Rücksicht auf unsre geschäftlichen Verhältnisse wäre es mir lieb, wenn Sie Jäger wählen." Das Ober-VerwaltungSgericht hob darauf die Vorentscheidung auf und erklärte Jägers Wahl für ungültig. Wenn auf diese Weise die deutsche Gesinnung nicht rasend zu- nimmt.— r- Ter„Vcrtrancus- Unwürdige". Neber die wissenschaftliche Thätigkeit mifreS Genossen A r 0 n S, der die politische Unduldsamkeit des Staats, in dem„nur Gott, sonst nickits in der Welt gefürchtet wird", ein Ende gesetzt hat, bringt die»Voss. Ztg," folgende Angaben: Dr. Leo Arons gehörte dem Lehrkörper der Universität Berlin seit 1389 an. Zuvor war cr Doeent an der Universität Stratzburg. Er hatte in Berlin unter Helmholtz und in Straßbnrg unter Knndt seine Studien gemacht, war dann Kundts Assistent an der Straßbnrger physikalischen llniverfitätsanstalt geworden. Als Knndt 1888 als Nachfolger von Helmholtz sHelm- holtz übernahm damals das Präsidium der wesentlich mit Werner Siemens' Unterstützung begründeten physikalisch-technischen Reichs- aiistalt) zur Leitung des physikalischen Universitätsinstituts be- rufen wurde, folgte ihm Arons hierher. Er unterstützte Knndt bei den phpsikalischen Ucbnngen und übernahm als Privatdoeent ergänzende Vorlesungen zu den Hauptkollegien der ordentlichen Professoren der Physik. Diese Vorlcstmgeii hatten Hauptstücke ans der theoretischen und der Experimentalphysik und die Anwendniig der Differential- und Jiitegralredmnng auf physikalische Probleme zum Gegenstände. Die Lehrthätigkeit und die wissenschaftlichen Leistungen Arons wurden von den Vertretern der Physik in der philosophischen Fakultät dadurch anerkannt, daß sie Arons für eine außer- ordentliche Professur der Physik vorschlugen. Die Unterrichtsverwalkung lehnte es aber ab, den Vorschlag zu verwirklichen, lediglich wegen der politischen An- schanung AronS. ES hat ein besonderes Interesse von der wissenschaftlichen Arbeit Arons' ein Bild zu zeichnen. Dies legt Zeugnis davon ab, wie ernst er es mit seiner Aufgabe als Forscher, die nach deutschen Aiischannngen mit derjenigen des Universitätslehrers organisch verbniiden ist, nimmt, Jahr für Jahr gab Arons mit seinem Ein- tritte in die wissenschaftliche Arbeit eine oder mehrere Studien in den Druck. Man trifft auf Arons Namen in der physikalischen Litteratnr(Arons ist 1860 geboren) zuerst 1885. Seine Erstlings- arbeit, die im Straßbnrger physikalischen Laboratorium entstand, betrifft Jnterferenzstreifen im Spektrum, Aus demselben Jahre stammt eine auf Helmholtz Anregung 1883 begonnene Untersuchung über Verdiinnungswärme und Wärmekapacität von Salzlösungen im Hinblick auf das Energiegesctz, Einige Zeit später lvandten sich Arons Forschungen der Elektricität zu, bei denen er dauernd verblieb, Sie haben teils praktisch, teils theoreftsch wichtige Fragen zum Vorwurf. Die Reihe der elektrischen Arbeiten Arons eröffnet eine im elektrotechnischen Laboratorium der technischen Hochschule zu Haimover gefertigte Studie über Messung der elektro- motorischen Gegenkraft im elektrischen Lichtbogen. Es folgten Mit- icilnugen über den elektrischen Rückstand, über die Dielektricitäts- konstanten leitender Flüssigkeiten(mit E. Cohn) und Beobachtungen an elektrisch polarisierten Pla'tinspiegeln. Als Heinrich Hertz seine grund- legenden Untersuchungen über die Ausbreitung der elektrischen Kraft veröffentlichte, nahm Arons gemeinsam mit Rubens mit Erfolg Versuche in Angriff, die durch die Hertzsche neue Erkenntnis Interesse er- langt hatten. Sie betreffen die Fortpflanzungsgeschwindigkeit elek- irischer Welle» in isolierenden Flüssigkeiten und in einigen festen Isolatoren. Daran schließen sich Vorlesungsversuche zur Hertzschen Theorie an. Zu vermerken sind weiterhin Arons' Mitteilungen über die Vorgänge bei der Elektrolyse, über den Extrastrom beim Unter- brechen' ciiics elektrischen Slroms über einen neucii elektrischen Saitemiiiterbrechcr u. a. m. Eingehende Arbeit wandte Arons auf die Crforschiiiig des elektrischen Lichtbogens. Die Kenntnis des diircki Marconis Erfindung allgemein bekannt gewordenen Cohärens erweiterte Arons auf Grund mikroskopischer Beobachtungen. ** Ter preußischen Stantsministerial- Sitzung, in welcher die rettende That der Aburteilung des Genossen Arons stattfand, wohnten bei: Hohenlohe. Hanimerstein, Thielen, Brefeld, Gotzler. Tirpitz. Schönstedt, Posadowsky. Studt und Rheinbaben; Miguel fehlte in dem schönen Kranz— dafür betragen die Kosten des Ver- fahretiS auch insgesamt nur 6,20 M. Ausland. Wirren im östreichische» ReichSrai. Tie Seenen, die sich am Freitag im Wiener Abgeordnetenhause bei der Beratung der Dringlichkeitsanträge über den Kohlenarbeiter st reik abgespielt haben, stehen wohl ohne Beispiel in den Beratungen der gesetzgebenden Körper. Schon früher war der Ackerbanminister Freiherr v, Giovanelli,— ein ele- gantes Herrlein, was sich sehr gemessen giebt— mit den blutigsten Zwischenrufen unterbrochen worden. Als er aber nun in der»Er- llärung", die er ablas— denn der Mensch versteht vom Bergbau so viel wie etwa ein Esel vom Lauteschlagen— die Bemerkung machte, eine solche gesetzgeberische Altion von solcher Tragweite könne nicht unter dem Einflüsse des.Augenblicks" zu stände kommen, brach das Ungewitter wie mit Naturgewalt hervor. Aus dem Stimmen- Chaos hörte man folgendes: Abg. Börner: Schmach und Schande! Abg. Dr. Verkauf: Das ist ja, wie wenn man es bei Ihnen bestellt'hätte. Abg, Berner: TO 000 Bergarbeiter hnugern fett sieben Wochen l Schmach nud Schande dieser Regierung n»d dem Ackerbauminister!!(Anhaltender Lärm und zahlreiche Zwischen- rufe der Soeialdeinokraten.) Der Präsident giebt das Glockenzeichen und ersucht um Ruhe. Ackerbanminister Freiherr v. Giovanelli: Die Verantwortung in dieser Sache ist eine ganz bedeutende, denn es handelt sich nicht bloß um den Bergbau, sondern um die gesamte Industrie... (Neuerliche stürmische Nnterbrechnngeir der Socialdeniokratcn.) Abg. Dr. Verkauf: Natürlich, das sagen Sie dem Roth- s ch i I d nach! Abg. Bmier: Hören Sie schon auf! Abg. Taszynöki t Das sagen die Rothschilds und Wilezeks, die die ganze Bevölkerung noch weiter ausbuiigern wollen, und das Ackerbanministerinm bestätigt ihnen, daß sie das thnn dürfen! Dafür haben wir die Larisch und Noihschild und nicht die k. L Regierung! Wir brauchen Nesonuen und Thaieu. keine Worte! Ein Volk hnugert! Abg. Dr. Verkauf t Eine halbe Million Arbeiter hungert: Das sind auch gesellschaftliche Kräfte!(Andauernder großer LänN.) Der Präsident giebt das Glockenzeichen und ersucht neuerlich um Ruhe. Ackerbanminister Freiherr V. Giovanelli:... und damit um die wirtschaftlicke Lage des Staats selbst. Und ein M i ß g r i f s, eine nachträgliche Cnttänschnng könnte zu viel schlimmeren Kon- fliiten führen...(iliitcrbrechnngen und höhnische Rufe bei den Soeialdemokraten: Natürlich, die Angst des Ackerbanniiinstcrinins!) Abg. Berner: Er versteht eS ja nicht, er komNit herein und weiß nicht wie I Die Nichte des Herrn Dipault...(Großer Lärm.) Ackerbanminister Freiherr v. Giovanelli:... als es diejenigen sind, die durch die letzten Angriff st reiks geschaffen wurden. Die Regierung hat in den bereits citiertcn Erklarungeii vor dem geiiossenschaftlicheii EiuignngSamte für das Ostraii-Karwiner Stein- lohlcnrcvicr den Weg angedeutet, welchen sie in dieser Frage zu be- treten gedenkt. Die Regierung wird halten, was sie versprochen hat. Aver vor Abschluß der als notwendig erkannten Erhebungen lani, sie einem mcritorischen Beschluß in dieser Frage nicht folgen— wenn sie auch keinen Anstand nimmt, im Ausschuß etwa gewünschte Aufklärinigen bereitwilligst zu erteilen.(Großer Lärm bei den Socialdemolraten.) Abg. TaSzynöki: Für die Aufklärungen werden wir uns be- danken l Abg. Börner: Heute wird auf den Schlössern der Herren Larisch und Rothschild illuminiert I Abg. Dr. Verkauf: Sie bekommen ein solennes Vertrauens- Votum von den Gewerken. Den armen hungernden Prole- tarier n in den Rücken z u fallen! Dafür werden Sie b e z a h l 1 1 Abg. TaszynSki: Sie verstehen gar nichts, das hat Ihnen ein Scktiouschcf stilisiert I(Länn und zahlreiche Zivischenrufe seitens der Socialdeniokraten.) Abg. Daözyuökt: Vergessen Sie nicht, daß ein Mitglied der kaiserlichen Familie daran engagiert ist! Abg. DaSzynöki t Wir brauchen keine Komödie mit Social- Politik! Abg. Dr. Verkauf: Natürlich! Die Millionäre würden dann 12 Prozent anstatt 18 bekommen! Abg. DaSzynöki: Gestern haben Sie Hunderte von Millionen nach allen Seiten hingeworfen, und heute, bei der ersten That geben Sie den Arbeitern Steine statt Brot I Abg. Schrannnel: Das hat Ihnen wohl der Taussig diktiert. � Abg. Taözynöki: Schließen Sie lieber diese Bude, che Sic !>icse anmaßende Heuchelei hier ausführen l Ordnungsrufe. Präsident: Herr Abgeordneter Dnszynski, was Sie sagen, ist ganz unparlamentarisch. Ich erteile Ihnen den Ordnungsruf. Es hat nunmehr der Abgeordnete Dr. Slama das Wort,(llua usgefctzter großer Lärm der Socialdemokratcn.s Abg. Bcrncr(zum Ackerbaum inister): Ein zweiter Falkenhayn sind Siel Abg. DaSzyuski: Wozu haben wir diese Bude? Wir brauchen Ihr Studium nicht! Diese Bude brauchen wir zu Thaten. nicht zu Ihrem Geschwätz! Sie sind von Rothschild be- st e l I t I Der Präsident erteilt dem Abg. DaSzhnsli nochmals den Ordnungsruf.(Fortdauernder Lärm bei den Socialdemolraten.) Abg. DaSzynöki: Studium brauche n Sie! Ilntcr- dessen sollen die Arbeiter hnnger»! Siebzehn Jahre haben Sie sich nicht gerührt, seit 1884 haben Sie nichts gethan! Abg. Resel: Gesellschaft von satten Komödianten! Präsident: Ich erteile auch dem Abg. Resel den Ordnungsruf I (Neuerliche Zwischenrufe des Abg. Resel.) Es ist traurig, daß Sie sich nicht schämen, den Ordnungsruf zu erhalten!(Unter- brechungcn, Lärm und zahlreiche Zwischenrufe bei den Social- deinokraten.) Präsident: Herr Abgeordneter Dr. Slama, ich bitte doch, das Wort zu ergreifen., Abg. Dr. Slama: Unter Vorbehalt des Rechts, das Wort wieder zu ergreifen, stelle ich den Antrag ans Schluß der Sitzung. (Der Lärm und die Zwischenrufe der Socialdemolraten dauern ununterbrochen an.) Abg. DaSzyuSki: Studieren Sic einmal, wie der Hunger schmeckt! Die Arbeiter sollen wissen, daß das eine Farce ist! Präsident: Ich erteile dem Herrn Abgeordneten Daszynsli zum drittenmal den Ordnungsruf.(Andauernder, wachsender Länn und Schlußrufe.) Abg. Dr. Berkauf: Wai ist das für eine Gesellschaft auf der RegieruiigSbanl I Rothschild- Knechte seid Ihr alle mit- cinander! Abg. DaSzynöki: Dazu brauchen wir die Regierung nicht und das Parlament nicht, daß der Ackerbauminister kommt und Studien begeh rtl Abg. Resel: Was er sagt, steht ja in der Petition der Industriellen I Er soll die Petition der Industriellen verlesen.(Un- unterbrochener, starker Lärm; anhaltende Bewegung.) Endlich flüchtete sich der Präsident v. F u ch s, indem�er fornikos die Sitzung schloß. Ihm nach folgte» die Minister, nur Graf WclserLheimb blieb im Saale zurück. Ein tosender Sturm von Pfui- und Abzngrnfen, in die ein Teil der zweiten Galerie, ans der Arbeiter vertreten waren, einstimmte, begleitete die Flucht der Regicrimg. Es war eine Scene von wilder Leidenschaft und stürmischer Kraft. *« Wien, 26. Februar. Abgeordnetenhaus. In der heutigen Sitzung nimmt zunächst Präsident Fuchs das Wort. Er kommt auf die Borfälle der letzten Sitzung zurück und richtet czu alle Parteien des Hanfes die dringende Aufforderung, derartige bedauernswerte Auftritte in Zukunft zu vermeiden. Sollten sich solche Vorfälle wiederholen, fügte der Präsident hinzu, so würde er um den Parlamentarismus in Ocstreich ernstlich besorgt sein. Nach Ver- Icsting der eingelaufencii Anträge beantragt der Socialdcmokrnt Zeller die sofortige Beratung der Dnnglichkcitsänträge über den A u s st a» d in den Kohlenbergwerken. Der Antrag wird mit 124 gegen 73 Stimmen abgelehnt, worauf das Haus zur Tagesordnung und zwar zur Fortsetzung der Debatte über das Rekrutenkontiugent übergeht. Arbetterdemonstration in Wien. Aus Anlaß der Annahme der neuen Gemeindewahl-Ordnung durch den nieder- östrcichifchen Landtag fanden am Sonntag große Arbeiter- knndgebimgen gegen dieses reaktionäre Gesetz statt. Nach einer P r o t e st v e r s a m m l u n», welche Sonntagvormittag ini Ronacher-Saale abgehalten w\irde, sammelten sich etwa 5000 Personen in der Ringstraße an. Ivo sie unter Pfuirnfen und dem Absingen von Arbeiterliedern ans und abzogen. Tie Wache trieb die Menge auseinander und verhinderte sie gegen den Franzcnsring vorzu- dringen. Nur eine kleine Gruppe gelangte zum Rathaus, wo sie dann abermals Kundgebungen veranstaltete, aber auch hier wurden die an den Kundgebimgen beteiligten Personen schließlich von der Wache zerstreut. Im ganzen wurden etwa 40 Personen verhaftet; die meisten wurden jedoch alsbald wieder frcigclusicii. Am Montag wird dazu noch gemeldet: Sämtliche bei der gestrigen Knndgebzmg auf der Ringstraße vcrhastetcii Personen sind wieder freigelassen. Gegen 10 derselben wird gerichtlich, gegen die übrigen polizeilich verfahren werden. Schweiz. Internationales Amt für ArbciterschUtz. Der schweizerische Bundesrat hat die Errichtung eines internationalen Amtes für Arbeiterschntz angeregt, lieber die Aufnahme, die diese Anregung in den wichtigsten Jndustricstaalcn Europas gefunden hat, wird der „Frankf. Ztg.' aus Bern mitgeteilt: O e st r e i ch- U ii g a r n zeigte die meiste Bereitwilligkeit zu vor- läufigen Verhandlungen. Deutschland betrachtet die Frage als zur Zeit noch nicht reif; Belgien nahm eher eine ablehnende Hol- tuiig ein. in der Befürchtung, das projektierte internationale Bureau mochte statt nach Brüssel nach Bern kommen. Die weitere Förde- rung der Angelegenheit hängt in erster Linie von der Stellungnahme des Deutschen Reiches ab.— Italic». Rom, 23. Februar.(Eig. Ber.) Hier hat dieser Tage ein Kongreß der antiklerilale» Studenten stattgefunden, der auch von socialistischen Studenten besucht war. Obwohl in der Minorität, haben die letzteren doch, wie selbst die biirgerlicke Presse zugebe» muß. den Kongreß geistig beherrsch:. Sie waren eS, die. im Gegensatz zy den Liberalen, welche sich an rein formalistischem Kram feftbeißen, wirtlich praktische Vorschläge machten, dem freien Gedanken zum Siege zu verhelfen, die Massen aufzuklären:c. Auch bei den Eriimerungsfeiern zu Ehren G i o r d c> n o Brunos waren es überall die Socialiften, welche die Liberalen beschämten. Da das Gesetz, auf Grund dessen die offiziellen Feiern verboten worden waren, vorn Kassationshof als ii i ch t i g erklärt ist, wird demnächst noch eine öffentliche B r u n o- F e i e r stattfinden. Roin, 26. Februar. Deputiertentamm er. Die heutige Sitzung war mit der Einbringung und Besprechimg zahlreicher Jnterpellatione« ausgefüllt, die die Lage ans Sizilien im Hinblick ans die im Prozeß Notarbartolo zu Tage getretenen Umstände zum Gegenstände hatten. Die Sitzung ist ruhig verlaufen. Minister- Präsident Pcllouz wird heute über acht Tage ans die Interpellationen antworten. Senat. Nach dreitägiger Beratung lehnt das Haus die Ab- ändenrngsanträge ab, welche die Scnatsloinmission zu der von der Depntiertenkammer bereits genehmigten Regierungsvorlage betreffend die Besteuerung dcö ZuckerS gestellt hat, und nimmt darauf die Vorlage mit 73 gegen 31 Stimmen an.— Frankreich. Paris, 25. Februar. Wie verlautet, wird zwischen dem Vatikan und der fraiizösischen Regierung eine Verständigung über die gemäß- regelten Bischöfe zu stände kommen. Der Vatikan will der franzö- fischen Regierung in vielen Punkten entgegenkommen, während in andrer Hinsicht Zugeständnisse verlangt werden. Belgien. BrLffcl, 25. Februar, Gestern abend fand eine socialistische Kundgebung gegen den Militarismus statt. Eine große Menschenmenge durchzog die Straßen unter Absingen rcvolntionörcr Lieder und Rufen gegen die„Blutsteuer*.— England. London, 26. Februar. Unterhaus, lknterstaatssekrctür des Aeußcru B r o d r i ck erklärt, die Bekanntmachung, welche englischen Unterthancn verbietet, mit dem Feinde Handel zn treiben, hindere neutrale Schiffe nicht, solches zn thmi. Die Frage, ob eine be- stimmte Handlung als Handel mit dein Feinde anzusehen sei, müsse in Gcniäßheit der Umstände jedes entstehenden Falles entschieden werden. Ferner erklärt Brodrick, daß ein Vlanbnch über China in Vorbereitung ist und sobald als möglich herauskommen wird.'— Afrika. Insubordinationen in der ägyptischen Armee. Infolge der in Omdurman angestellten Uutersnchung über die bei zwei sndane- fischen Bataillonen vorgekommenen Fälle von Insubordination wurden fünf eingeborene ägyptische Offiziere verabschiedet und al» Gefangene nach Kairo gebracht.— - M chkeir. Partei-Organisation. Die Düsseldorfer Parteigenossen be- schloffen, das Lertraucnsmännersystein aufzuheben und die Leitung der Partcigcschäfte dem Svcialdemokratischci: Bolksverein zu überweisen._ Der Streik der Bergarbeiter. Ans Wien wird uns vom 25. Februar geschrieben: So gering die Hoffnungen waren, die man auf das Eingreifen der Regicrimg und des Parlaments gesetzt hatte, sie sind dennoch durch die zweite Sitzung des Abgeordnetenhauses in der bitterste» Weise enttäuscht worden. In der Fortsetzung der Verhandlung über die Dringlich- keilsaitträge wegeu der Streiks der Äohleiigräbcr erhob sich Freitag der Ackerbauminister, in dessen Ressort in Oeslreich der Bergbau füllt, und gab eine Erklärung ab, deren Ton und Inhalt derart ist, dag sie direkt von den Unternehmern verfaßt sein könnte. Die stürmische» Sceuen. die sich während und nach dieser unglaub- lichen Erklärung abgespielt haben, spotten jeder Beschreibung; sie übertrafen au Wildheit und Kraft die lärmendsten Vorfälle, an denen das östreichische Parlament seit drei Jahren sicherlich nicht zn arm war. Die s o c i a l d e in o k r a t i sch e n Abgeordneten, die sich unmittelbar vor der Ministcrbaiik zusammengeballt hatte», überschütteten den Minister, ein Gigerl, das kühle Vornehmheit posiert, mit einem Hagel von Zivischeurufen, der zum Schluß zu einem so gcivaltigen Stiinn anwuchs, daß der Präsident die Sitzung schließen mußte und die Minister nntcr drohiienden Pfui- und AbzugLrufen aus dem Saale entwichen. Seit dem historischen Novcmbertag im Jahre 1807, wo die Vertreter des revolutionäre» Proletariats die von den Badenischen entweihte Tribüne des Abgeordnetenhauses stürmten, hat die östreichische Volksvertretung eine ähnliche Scene, ein Schauspiel von so gewaltiger Kraft und flammender Leidenschaft nicht gesehen. Es war ein Ausbruch des aufs tiefste beleidigten Rechtsgefühls, ein Aufschrei der bctrogcncii Massen, den das östreichische Parlament a» diesem Freitag sah und den es weder bald vergessen noch jemals verwinden wird. Die Situation der Reaiermig, die ohnedies eine ungemein prekäre ist, isldurch diesen Zwischenfall eine geradezu bedrohliche geworden. Die Regierung, voran der Ministerpräsident Körber und der Justizmiuister Spens, sind durch die schändliche Rede des Ackerbau» Ministers ganz überrascht worden; erzählt man sich ja mit großer Bestimmtheit, daß Herr v. Körber die Einbringung eines Gesetz- eiitwnrfS verlangte, im Ministerrat aber überstimmt worden war. Wenn die Ncgicrnng das schmachvolle Vorgehen deS klerikalen Ackerbau- Ministers am Montag nicht desavouiert, so ist au eine ruhige Ver- Handlung im Abgeordiietenhause überhaupt nicht mehr zu denken. Freiherr v. Äiovanelli, so heißt der. Unglücksmensch, der jetzt das Ackerbanministerinm keilet, war vorher Ober- Landes- gerichtSrat und er hat natürlich vom Bergbau keine blasse Ahiiniig. Die Erklärung, die man ihn vorlegen ließ, stammt miziveifcckhaft vom Ober-Bergbaurnt Z e ch n e r, dem Vater aller Hindernisse, einem verbissenen Feinde der Bergarbeiter, der seiner Zeit auch das vom Abgcordnctcnhaiise beschlossene Gesetz auf Bestallung der Bergbau- Inspektoren im Herrenhause zu Fall brachte. Was er durch den Mund des iiiuvisscudcn Ministers sagte, ist eine offene Verhöhnung der kämpfenden Arbeiterschaft. I» unsäglich siisfisanter Art setzt die„'Erklärung* nnS- einander, daß„das gründlichste Studium* notwendig ist. um ein Gesetz zu schaffen, von dem nicht zu befürchten ist,„daß eS eine Schwächimg der Posttivu der Industrie* hervorrufen würde. Diese Erwägung' lasse es nicht zu. eine gesetzgeberische Aktion„unter d c m' E i ii f l u ß des Au a e n b l i ck§" zu beginnen. Ein»Miß- griff* könnte zu schlimmeren Konflikten führen, als die sind, die„durch die letzten Angriffsstreiks"— der Minister gcbrauchle that- sächlich diesen frechen UitteruchmerauSdriick„geschaffen worden sind*. Kurz, die Reaierung lehnt es ab, auf die Initiative im Parlament ciiizugehen; sie verläßt sich lieber ans den Hunger, der schon die Ar- beilcr in die Grude treiben wird. Der Zweck der ganzen Erklärung liegt klar zn Tage: die Gewerke lasse» durch den staatlichen Minister die Arbeiter einschüchtern. Der Minister des Kabinetts, das in Tesche» versprochen hatte, im Herbst eine VorInge auf Abkürzung der Arbeitszeit im Bergbau zu bringe», benutzt die'Verhandlung im Parlament, um lang und breit° die Gefahren der Achtstimdeiischicht anseinanderznsehen und deren Unmöglichkeit zn beweisen! Ein solcher Treubruch war noch nicht da! Und dabei hat der Elende nicht ein Wort der Sympathie ftir die Arbeiter aufgebracht; die Haltung der Gewerke, die doch während des ganzen Streiks der Regierung so auffällige Gcringjchätzung bezeugt hatten, hat er nicht einmal gestreift und über die gewaltige Not einer halben Million Menschen ist er mit einer Gleichgültigkeit hinweggegangen, als handelte sich'S um Dinge im Mond. Schon beim Lesen macht diese Gckinmchätzimg der brennenden Fragen der arbeitenden Menschen den denkbar erbitterndsten Eindruck, und die grimmige Wut, die die socialdcmokratischen Abgeordneten erfaßt hat, als sie den geschniegelten Lebejüiiglina die eingelernten Phrasen herunter- stottern höricn, ist also nur allzu begreiflich. Einen Tag vorher hatte die Negierimg Körber als ihre Devise die Hebung von Wohlstand und Kultur proklamiert, und da die arme» Bergarbeiter kommen und einen Sonnenstrahl fordern, einen bescheidensten Teil von den Gütern dieser Erde verlangen, schlägt man ihnen mit Hohnlachen die Thür vor der Nase zu. Gegen die süßlichen Worte, die Herr v. Körber immer macht, zeugen seine Thaten; was man von dieser Regierung bis jetzt erlebt hat, übertrifft an Arbeitcrfeindlichkeit alles Dagewesene I Der Streik der Bergarbeiter tritt nun in sein schwerstes Stadium. Mehr als sechs Wochen kämpfen die Arbeiter mit einem Heroismus, der in der gesamten gesitteten Welt Bewundenuig erregt, und immer beseite sie dabei das Vertrauen, das Parlament werde schon helfen. Das Parlament hat es noch immer in der Hand, die Spekulation der Nuteriiehmer zunichte zu machen, es kau», trotz der Regierung, die Beratung der Vorlage forcieren. Wie sehr die Regierung die Tücke jener Erklärung fühlt, zeigt die Thatsache, daß sie mm die Kommission, die die Vorarbeiten für den Gesetzentwurf besorgen soll, nock in diesen Monat zusammen- treten lassen wird und in einer offiziösen Mitteilung verspricht,„die Arbeiten mit allein Nachdruck zu fördern und einem raschen Abschluß zuzuführen.* Vor einem Monat hätte die Einberufung einer solchen Kommission vielleicht noch etwas genützt; jetzt genügt kein Versprechen, jetzt braucht's der T h a t. Die Arbeiter werden morgen nicht einfahre» und die Kohleniwt wird die Gewerke samt ihren Protektoren in der Regierung schon zu Paaren treibe». Ans dem mitteldeutschen Vraimkohlcn-Ncvier. Halle a. S., 25. Februar. Die zum Sonnabend von den Streikenden einberufene Einiglings- Konferenz hat zu keinem Resultat geführt, da von den Grubenbesitzern niemand erschienen war. Man besckiloß, nun keine Unterhandlungen wieder angu- bahncii. Einige Fabrikbesitzer benutzen jetzt die Gelegenheit, einige ihnen durch die Sommerbewegung der Metallarbeiter unliebsam ge- wordene Arbeiter(Kommissionsmitglieder zc.) zu entlassen. Die Eisendreher der Firma Dehne werden Montag früh deshalb bei ihrem Chef vorstellig werden. Von Eisleben lief heute früh bei dem Streikkomitee ein Telegramm ein, wonach die Bergleute im Kupfer- Hammer lind im Crcsaner-Schacht in Röblingen in den Streik gc- treten sind. An: der Grube Marie in Atzendorf bei C a I b e a./S. will der Obersteiger den Schichtlohn mu 10 Pf. erhöhen; die Berg- lcnte wollen aber darauf nicht eingehen und wird erst morgen die Entscheidung fallen. In der Grube Grene und 530 bei K a u t s ch e n (Hokiciimölsen, Zcitzcr Revier) ist es zu einer Einigung gekommen, da Generaldirektor Siemens die Lohnzulage von 10 Prozent und die übrigen Forderungen bis auf die Berkürznng der Arbeitszeit bewilligte. In den Gruben bei Osmünde sind die Forderungen ebenfalls bis auf die Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde bewilligt. Die dort beschäftigten Bergleute sind am Soniiaveiid bereits wieder angefahrcu. Eine heut nachmittag in Beesen in der BranhauSschänke stattgehabte Versammlung war äußerst stark hesucht»nd nahm eine» guten Verlauf für die Streikenden. 'Die Zahl der Streikenden in den drei Revieren von Halle, Meuselwitz, Zeitz ist ans 2100 gestiegen. Es ist ein größeres Aufgebot von Gendarmen ans Bitterfeld in das Strcikgcbict gesandt worden. Von Zeitz nach Menburg sind bereits 6 Züge wegen des Kohlciimnngcls eingestellt._ Der Streik der Berliner Möbeltischler. Die Freie Vereinigung der Holzindustriellen setzt ihr Agitationsiverk unter den Tischlermeistern fort. Am Montag fand wieder eine Mcisterversammlung im Concordiasaal statt. Der großkapitalistische Holzbändler Bich und andre Großnnteriiehmer gaben sich krampfhafte Mühe, die Kleinmcister vor den durch Social- deinokraten verhetzten und verführten Arbeitern zu warnen und sich selbst als die einzig wahren Freunde des ehrsamen Handwerks zn empfehlen, untcr deren Führung es gelingen werde, die„unverschämten" Forderungen per Gesellen zurückzuweisen. In unserm Kampfe— sagte Herr Bry— heiligt der Zweck die Mittel. Außerhalb erwartet man Großes von miserm Vorgehen in Berlin.— Von allziigroßcr Siegeszuversicht zeugt es gerade nicht, wenn Herr Bry uiid später auch Herr Lindemami nieiiiten; Wenn wir auch in diesem Kampf nicht siegen sollte», so haben wir doch gezeigt, daß wir Rückgrat haben! Der bürgerlichen Presse aller Parteien erteilte Herr Bry das Lob, daß sie dem Vorgehen, der Freien Vereiiiigliug volles Verständnis entgegenbringe. Die Zci- timge» aller bürgerlichen Parteien hätten das ihnen von der Freien Bereinigung gelieferte Material bereitwillig ver- arbeitet. Ein andrer Redner verlangte dagegen, daß der Presse noch mehr Material zur Verfügung gestellt werde, damit die öffent- l i ch e Meinung, die jetzt auf feiten der Streikenden stehe, zu Gunsten der Uiiteriiehmcr bearbeitet»verde. Der Vor- sitzende der Freien Vereinigung versprach denn auch, diese Bearbeitung der öffentlichen Meiming durch die bürgerliche Presie zu besorgen.— Herr Lorenz bemühte sich, die Lage der Berliner Tischlergcsellen als eine so günstige hinzustellen, daß eine Lohnerhöhung durchaus nicht not- wendig sei. Er führte zu diesem Zweck eine Liste von 12—15 Ge- sellen ans drei großen Geschäften an, von denen im Accord Wochen- löhne von 30—50 M. verdient worden seien. Das erstaunte Ge- murmel der Versammlung bewies zur Genüge, daß wohl keiner der anwesenden Meister je auch nur annähernd so hohe Löhne gezahlt hat. Wenn ein derartiger Verdienst nicht eine ganz seltene Ans- nähme wäre, die nur»ntcr besonders günstigen Verhältnissen bei ganz tüchtigen Arbeitern hin und wieder einmal ein- tritt, dann hätten doch die � Streikenden wahrlich nicht nötig, einen Wochenverdienst von mindestens 24 M. als Ziel ihres Kampfes mifzustellen.— In der Ecrsaminlnng wurde noch mitgeteilt, daß etwa 100 Fräsereien mit ungefähr 1000 Arbeitern den Betrieb ein- gestellt hätten, daß auch die Holzbändler sich dem Vorgehen der Freien Verciniguilg cmgcschlosie» hätten und bereit seien, die Schulden der Tischlernicistcr erforderlichenfalls zn prolongieren. Die Zahl der Streikenden schätzen die ttiitcriichmer auf 15 000. ohne daß jedoch angegeben werden konnte, auf welchen Thatsache» diese Schätzung beruht. Die Häupter der Freien Verciiiignng hoffe», daß die Kassen der Streikenden bald erschöpft sei» werden, imd erklären den für eine» strafbaren Pessimisten, der am Sieg der Unter- »chiner zweifelt. Die Zahl der Tischlermeister, die der Leitung der Freien Vereinigung folgen, soll 2000 betragen. Vielleicht um ihres Anhanges sicher zu sein, ließen die Scharfmacher ein Vertrauens- votum, welches jedem Vcrsaiiimlungöbesilcher gedruckt in die Hand gesteckt wurde, unterzeichiieu. Am Somitagvormittag beschäftigte sich der Holzarbeiter- Verband in einer Versaminlliug bei Keller, Koppenstraße, mit dem Streik. Trotzdem alle Tische und Stühle entfernt worden ivarcu. waren der große Saal und die Galerie bis auf den letzten Platz gefüllt und bereits gegen 10 Uhr erfolgte die polizeiliche Ab- Ipernma, so daß viele hinidcrie Personen keinen Einlaß mehr findcii konnten. Nachdem sich die Bersammlnlig darüber geeinigt hatte, daß die Delegierten zum bevorstehende» Vcrbandstag in Bezug ans die Einführung der Arbeitsloscii-Uiiterftützimg kein gebundenes Mandat erhalten, daß sich dieielben aber ans dem Verbands- tag auch nicht an der Abstimmmig über diesen Punkt beteiligen, sondern eventuell nur für eine Urabsliinmiuig eintreten sollen, berichtete der Vorsitzende Theodor Glocke über den gegenwärtigen Stand der Lohnbcwcgling. I» seincil AuSführiMgi», die sich mit den Berichten des„Vorwärts" deckten, betonte der Redner, daß das rigorose, provokatorische Vorgehen der Unternehmer, iliSbcsviidre das der Freien Verciiiignng der Holzinduslricllcii, die den Kampf mit den brutalsten Mitteln führt, doch keineswegs geeignet sei, die Be- Ivegung ungünstig für die Arbeiter zu gestalten. Die Leitung der Organisation ist demzufolge m jeder Beziehung vorbereitet und werden die Pläne der Scharsmacher, die Organi- sation der Arbeiter zu zerstören oder die Lohnbewegung� Wegen Mangel an fiiimizicllen Mitteln illusorisch zn machen, sicherlich vereitelt werden. Der Stand der Lohnbewegung ist ein » Durchaus künftiger. Ein großer Teil arbeitet zu den neuen Bedingungen nnd entgegen den Behauptungen der Unternehnicr kann festgeftellt werden, daß die Zahl der Ausständigen sich bis jetzt auf cn, bOOO beschränkt, die allerdings am Montag durch weitere Au sperruligcii erhöht werden wird. In der Diskussion wurde von de» Rednern gleichfalls darauf hingewiesen, daß ein bc rraebtlicher Thcil der llnternehmer bereit wäre, die F�rd rungen zu bewilligen und keineswegs geneigt sei, die Aussperrungen vorzunehmen, nur wenn sie sich mchl dem Zwange der Scharf- nrachcr nnterwerfen mußten. Außer andren Branchen sind inßbesondcte die Fräsereibcsitzcr mit dem Vorgehen der freien Vereinigung der Holzindustricllcn nicht einverstanden, obivohl sie bereit ca. 400 Maschinenarbeiter ausgesperrt haben. Es steht sogar erwarten, daß die Fräsereibcsitzer, wie ein Vertreter der Maschinen arbeitcr niitleilte, die Arbeit sehr bald wieder aufnehmen. In der weiteren Diskussion, in der die volle Einmütigkeit der Ar netter zum Ausdruck kam, wurde unter anderm auch das Ver halten des Möbclhändlers I. Apelt, Skalitzerstraße, der, ivie angeführt wurde, in der lhiternehmer-Versammlung am Freitag beit_ Leitern der Holzindustriellen eifrig sekundierte, einer herben Kritik unterzogen. Einstimmig itrnrde sodann beschlossen, es der OrtSverwaltung zu überlassen, die durch den Verlauf der Bewegung sich notwendig ntacheiidc» Maßnahmen zu treffe» und eine den Verhältnissen cntiprcchcnde Taktik einzuschlageir, Anch soll die Vcrivaltung entscheiden, in welchem Umfange da Abreisen der uiivcrhcirateten Arbeiter noch zu veranlassen stt. Inwieweit die llnorganisierten, die. bei dieser Bewegung in Betracht koinincn, unterstützt iverden sollen, bleibt der Beschluß sassung einer Vcrtrnucnsmänner-Vcrsammluug vorbehalten, Außcrden wurde beschlossen, daß in denjenigen Werkstätten, wo Aussperrungen vorgenommen werden, die übrigen Arbeiter ohne Zilstiinmung der Ortsvcrwaltung die Arbeit nicht ciirstcllen sollen. Mit einem Hoch auf das Gedeiheil der Lohnbelvegiing schloß l.... me Ver sammlung. •« • Aeber den Stand des Streiks ist zu berichten, daß am Montag 443 Arbeiter wiederum ausgesperrt wurden, ferner sind 121 in den Streik getreten, indem sie die Forderungen geltend machten. 82 Ge- sclleil haben die Forderungen bewilligt erhalten, so daß 1800 zu den neuen Bedingungen arbeiten. Insgesamt befinden sich 0472 Arbeiter im Streik, int Laufe des TagS sind 92 Streikende abgereist. Die Holzbildhauer befinden sich in folgenden Werkstätten im Anssmnd: Marschall, Nannynstraße; Zelter u. P I a t e n Frankfurter Allee 117; C o u r t o i u s, Schwedtc''str. 253; K ö ni e r Chausseestraße 23 i Hohne il, 5� r ä ni e r,, Krautstraße 52 Wegen Nichtbcivilligling der Lohnarbeit sind bei M e ß t e r Manteuffelstraße 53, die Bildhauer im Streik, Kollegen, welche durch den Tischlerstreik in Rlitleidenschaft gezogen werden, wollen sich air die Agitationskoininission der Bildhauer wende». Dieselbe ist täglich von 9—10 Uhr vormittags, sowie Dienstag. Donnerstag und Sonnabend, abends von 8 Uhr ab, sin Restaurant S p i e l b e r g, Köpnickerstr. 62, anwesend. Der Verband der au HolzbearbeitiingSmaschinen bcschaf- tigtcn Arbeiter hielt gestern eine Generalvertammlung ab, die von ca. 900 Personen besucht war. Wie berichtet ivurdc, sind bisher, soweit dies durch die Kontrolle festgestellt, etwa 450 Mitglieder ausgesperrt und ebenso viel iverden ungefähr gegenwärtig noch arbeiten. Auf Antrag des Vorstandes erhalte» die verheirateten voll- berechtigten Mitglieder wöchentlich 12 M.. die unverheirateten voll berechtigten 9 M. Unterstützung und diejenigen Mitglieder, ivelche nicht vollberechtigt sind, aber bis zum 12, Februar der Organisation schon angehörten, 6 M. Bei der Abinessung der Unterftütznng ist erivogen worden, daß der Kainpf von lauger Dauer sein kann. Die weiter arbeitenden Mitglieder und diejeiligeit, welche die Kündigungsfrist bezahlt erhalten, sind verpflichtet, pro Woche mindestens eine Mark an den Streikfonds abzuführen. Mehrere Anträge, nach welchen die Ansspcrrnng durch die Forderung auf Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit be- antwortet werden soll, wurden vorläufig vertagt nnd sollen in einer späteren Versammlung verhandelt werden. Was bisher trotz reger Thätigkeit nicht gelungen ist, haben durch ihr brutales Vorgehen die Fräsereibcsitzer fertig'bekonimen. nämlich: alle in der Branche beschäftigte» Arbeiter zu vereinigen, lieber 100 Mann, die vordem völlig indifferent wäre», haben sich in den letzten Tagen der Organisation angeschlossen, um gemeinsam mit den übrige» Kollegen den Kampf gegen das Unternehincrtuiii aufzunehmen. In der gestern abend im„Märkischen Hof" stattgefundenen außerordentlichen Generalversammlung der Möbclpoliercr wurde mit- geteilt, daß sich bis jetzt 619 Streikende haben einzeichnen lassen. Beschlossen wird: 1. Die Streikenden in den Vor- orten in die Berliner Streikliste aufiiehmen; 2. diejenigen Möbelpolierer, welche trotz rechtzeitiger Aufforderung der Tischler erst nach dem 21. Februar die Arbeit niederlegen, werden nicht als Streikende betrachtet; 3. wo Bewilligungen stattgefunden haben nnd nachträglich rückgängig gemacht werden, sind die deshalb ans- ständig Werdenden als Streitende zu betrachten: 4. auS eigener Initiative, also ohne von den Tischlern dazu aufgefordert zu sein, haben die Möbelpolierer die Arbeit nicht einzustellen; dagegen kann da, wo es z» berechtigten Arbeitsnicderlegnngen kommt. die Beseitigung vorhandener Mißstände gefordert werden, jedoch ist davon die Streikkommission zu benachrichtigen: 5. es sollen Sammellisten ausgegeben iverden; diejenigen, welche ihre 1 M. Cxtrabeitrag pro Woche nicht zahlen, verlieren ihre Anrechte an den Verband i 6. diejenigen, welche arbeitslos sind oder infolge dcS Streiks arbeitslos oder ausgesperrt iverden, erhalten die gleiche linier- stützung wie die Streikenden; 7. die Abstempelung der iStrcikkarten findet nur einmal täglich und zwar von 9— 12 Uhr vormittags statt; 8. die 1 Mark Extrasteuer ist auch von denen zu entrichten, die nur etliche Stunden täglich arbeiten. Kollege Curlh berichtet über die Lohnbeivegung der Dresdener Möbelpolierer. In Rixdorf haben die Tischler am Sonntag in einer gut be- suchten Versammlung beschlossen, ain Montag' den Meistern ihre Forderungen vorzulegen und bei Verweigerung derselben in den Ausstand zu treten. Der Obermeister der Innung hat bereits ge- antlvortct, daß er die Forderungen der Tischler für unbegründet halte. Am Montag sind hierauf in 11 Betrieben 57 Arbeiter in den Ausstand getreten. Beivillizt wurde in 7 Werkstätten mit 28 Ar- bcitern. In Adlershof tagte am Sonntag eine Versammlung, die von 250 Personen besucht war. Nach dem Referat des Tischlers Stusche erklärte sich die Versainmlnng mit dein Streik der Berliner Berufs- kollegen einverstanden nnd verpflichteten sich diejenigen, die in Arbeit stehen, pro Woche 1 Mark zum Streikfonds zu zahlen. 10.—. Galvanoplastik 10,—. Centralisierte Bauarbeiter Berlins und Umgegend 500,—. Für die deutschen Bergarbeiter: Centralisierte Bauarbeiter Berlins und Umgegend 500,�» M. Werkableilung M. Babing 25,—. Scbirmstockfabrik Wendt 10.—._ Weitere Beiträge nimmt entgegen das Bureau der Berliner Gcwerkschaflskoniniission. Annenstr. 16 l. I. A.: Der Ausschuß. DciltslHcö Reich. Der Streik der Ranchwaren-Zurichtcr in Leipzig und Umgegend ist am Sonnabend für beendet erklärt Es ist ein bell- ständiger Sieg der Gehilsen zu verzeichnen. Nickt nur, daß der aufgesetzte Lohntarif bis auf einige nebensächliche Punkte von den Prinzipalen anerkannt worden ist, es ist auch die Arbeitszeit um eine Stunde verkürzt und�die Lehrlingsfrage geregelt worden. Die Gemeindc-Arbeitcr-Lrganisation in Halle, die nicht bloß von der Polizei, sondern auch von dem Magistrat und den bürgerlichen Stadtverordneten tnit scheelen Augen angeschen wird, hatte am Sonnabend die erste gerichtliche Verfolgung zu bestehen. Vor dem Schöffengericht waren drei Gcmeinde-Arbeiter und der gemoßrcgelte Vertraucnsinann Cichozewsky wegen Vergehens gegen das Vereins- gesctz angeklagt, Sie wurden beschuldigt als Vorsteher des Vereins der Gemcinde-Arbeiter die Statuten soivie die Mitgliederliste der Polizei nicht eingereicht zu haben. Die Angeklagten behaupteten, sie seien Einzelmitgliedcr des über mehrere Städte verbreiteten Ver bandes. Das Urteil lautete gegen Cichozewsky auf acht Tage Gefängnis und gegen die übrigen Angeklagten auf 15 M Geldstrafe, Berufung wird eingelegt. Die organisierten Textilarbeiter der Düsseldorfer Firma Herzfeldt-Söhne hatten der Firma die Forderungen auf lOstllndige Arbeitszeit, Lohn von 21—27 M. und Abschaffung der»»gerechten Sirasen gestellt. Die Firma antwortete durch Plakat am schwarzen Brett, daß sie nichts bewillige. Diejenigen, die damit nicht einverstanden seien, könnten sofort aufhören. Die Ar- beiter versuchen zur Zeit noch einmal, sich mit der Firma zu ver- ständigen, dock erscheint es nach der ganzen Haltung der Firma jetzt schon notwendig, daß sämtliche auswärtigen Spinner, Färber, Weber, Drucker ec den Zuzug nach Düssel- dorf fernhalten. SlnSland. In Skicn(Norwegen') befinden sich die Schneider und Näherinnen im Ausstand. Zuzug ist feriiznhalte». Aussperrung in Finnland. Am 3. März werden in Helsingfors 500 Schneider ausgesperrt werden. Die Unter- nchmer legten ihren Gehilfen einen reducierten Lohntarif vor nnd glaubten bei der schlechten Geschäftskonjuiiktur ihre Absicht leicht durchführen zu können. Die Arbeiter sind aber gesonnen, Wider- 'tand zii leisten, ivcshalb die Aussperrung nnverincidlich sein tvird.— In A k t i u b o l a g sind die Arbeitcr einer größeren Schuhfabrik ausgesperrt. Der Wcrlsührcr, Herr Sckultzc, soll die Absicht haben, in Deutschland Arbeitskräfte anzutvcrben. Die Schuhmacher Iverden deshalb gut thun, dies zu beachten,— Die junge ausstrcbcndc Arbeiterbewegung hat überhaupt eine starke Aktion des gesamten Untcruchmcrtnnis gegen sich zu erwarten. Man plant eine große Aussperrung der Jndustric-Arbciterschnsl. Ein nencs Syndikat bei de» französischen Staatsarbciteru Bisher kannte mau lein Syndikat unter den Arbeitern der Posten und Telegraphen. Diese Lücke hatte die Briefträger zwar nicht ge hindert, vor einiger Zeit in den Ausstand zu treten; aber sie haticn hierbei doch Erfahrungen niancherlei Art gesamniclt. die ihnen de» Wert der Organisation nahelegten. Seit dem 12. d. M. ist nun, wie das„Journal des Debüts" berichtet, da? Syndikat der „A r b c i t e r und Arbeiterinnen der Posten nnd Telegraphen" regelrecht gebildet. Die Foroernnge» sind: Achtstundentag, feste Anstellung nach sechs Monaten, Anfangs- gchalt von 5 Frcs. für den Tag, Ruhegehalt auf Staatskosten. Bezahlung während der militärischen Hebungen, Wicder- anstellung der als Soldaten Eingezogenen nach erledigter Dienstzeit ec, „Nun kann, wie die„Ztg. d. V. d, E.-V." betrübt sciifzt. die dcntschc Socialdemokratic mit ihren vom Reichstag abgelehnten Anträgen auf vollste VcrbindungSfreiheit auch für Staatsbeamte usw. sich auf die Thatsachc in Frankreich berufen." Aus der �ruurubeiurtguug. Der allgemeine östreichifchc Franenpcrei»(bürgerlich) nahm in einer Versamnilung in Wien Stellung zu der Abänderung des Gcmeinde-Wahlrcchts. Nach den Vorträgen, in denen die christlich- 'ociale Raubpolitik scharf gegeißelt wurde, wurde einstinimig folgende Resolution angenommen:„Die hier versammelten Frauen erkennen die Unzulänglichkeit der gegenwärtigen Gemeindeverwaltung in Bezug auf die Wahrung und Förderung der wirtschaftliche» nnd geistigen Interessen der arbeitenden Bevölkerung; sie erklären sich gegen die Verkürzung des Wahlrechts der Pcrional- Einkommeusteuerpflichligen und— von der Forderung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts für alle Vcrtrenmgstörpcr ausgehend— verlangen sie das aktive und passive Wahlrecht für den Gemcinderat, um ihre Interessen 'elbständig vertreten zu können." .�ocinles. Die focialrcformcrischc Thätigkeit des französischen Eisenbahn- minister B a u d i n ruft in dem Organ der vereinigten Eisenbahnen Deutschlands, der„Ztg. d. V. dt. E. V." ein lautes Echo hervor. Hat Baudin im November vorigen JahrcS die Arbeitszeit aller Zug- und Bahnhof- Vcdicnstctcn, welche dirctten Anteil am Fahrdienst haben, auf das Höchstmaß von 100 Stunden für 10 Tage beschränkr, während sie bisher bei der Mehrzahl mehr als 12 bis über 14 Stunden täglich betrug, so„überschüttet" er min, wie das Organ sagt, die Eisenbahn-Gescllschaftcn„förnilich mit Erlassen", um die genaue Jnnehaltung der Arbeitszeit und der Ruhezeit sicher zu stellen. Mehr Unwillen erregt aber noch die Neuregelung der Zu- ämmensetzniig des technischen Eisenbahn-BetriebS- i u s s ch n s s e§. Baudin hat nach der genannten Fachschrift nämlich soeben den socialistischen Abgeordneten Vi Viani nnd drei hemalige Eisenbahn-Bcamte in diesen Ausschuß ein- treten lassen, um„dadurch dem Arbeite relement Zutritt zu gewähren". Da. sagt das Organ der vereinigten deutschen Bahnen, von den technischen Beamten der Eisenbahn- Gesellschaften kein einziger weder diesem Ausschuß noch einer der bcrateiidcn Körper- 'chaflen des Ministeriunis der öffentlichen Arbeiten angehört, so bleibt den Gesellschaften nichts übrig, als ohne Murren zu-- chweigen"! worden und cZ war den Boeren unmöglich, sich während des Tage» darin aufzuhalten. So sind die Boeren zur Zeit thatsächlich auf das Bett des Modderflnsscs beschränkt, oder in andern Worten auf eine Flußrinne von zwei Meilen Länge, 150 Fuß Breite und 50 Fuß Tiefe. Das Flußbett gewährt den Boeren aber guten Schutz, General C r o n j e ist auch mit Lebensmitteln reichlich versehen. Am Donnerstag wurde ein zerstreutes Feuer sowohl inr Norden wie im Süden des Flusses unterhalten. Die Brigade des Generals Knor hält die Linie südlich vom Flusse. während General Smith im Norden das Lager der Boeren angreift. Im Laufe des Tags griff General French mit Artillerie ein Kopje an, welches von einer starken durch Zuzug von Ladysmith verstärk'.en Abteilung von Cronjes Truppen gehalien wurde. Die Boeren machten plötzlich einen Angriff auf General French, welcher sie mit heftigem Grnnatfauer gegen die Drift zurückwarf; eine große Anzahl entkam, viele wurden jedoch getötet und 50 gefangen genommen. Ties Kopje bildet eine vorzügliche starke Stellung. Im Laufe des Tages Ivurden während eines kurze» Waffenstillstands verschiedene Beiprechungen gepflogen. Cronje scheint gewillt, sich zu ergeben, aber die jungen Transvaalboeren sind dagegen, der andre Teil der Bc- lagerten ist sehr für die Uebergabe. Nichtsdestoweniger ist die Lage unverändert. Die Boeren werfen starke Ver- s ch a n z u n g e ii rings ums Lager auf. Jedermann bewundert den großen Mut des Feindes, jedoch wird der weitere Widersland als absolut hoffiiungölos angesehen, der nur unnötige Opfer an Menschenleben mit sich bringe. Ob die Meldung von den Uebergabegelüstcn im Boercnlagcr richtig ist. kann natürlich nicht kontrollicrl werden. Die letzte ausführlichere Depesche reicht bis Freitag und ist ebenfalls aus Paardcbcrg datiert. Cronjes Lage ist danach hoffnungsloser, denn je. Ilnsre Geschütze beherrschen die vom Fluße anfsteigenden Anhöhen ans allen Seiten. zudem haben die Boeren durch eine» Mittwochuacht vom Shropshire« Regiment ausgeführten Vorstoß oberhalb des Flußbettes 200 Dards von ihrer gedeckten Stellung eingebüßt, Frauen und Kinder befinden sich bei der Streitmacht der Boeren und Lord Roberts hat ihnen angeboten, sie aus dem Bereich derGefnbr h i n a u s z u I a s s e n; aber sowohl dieser Vorschlag ivie das An- erbieten, ärztliche Hilfe zu senden, wurde abgelehnt. Ein Kopje, welches von den Engländern am 21. d. MtS. genommen wurde, wobei 50 Gefangene gemacht wurden, ist von größter strategischer Bedeutimg. Der Besitz dieser Position dürfte die Eng- länder in Stand setzen, alle von Osten heranzichenden Verstärkungen der Boeren zurückzuschlagen. »» * Von den beiden folgenden kurzen Depeschen bezieht sich die erste auf den Sonnabend, die zweite auf den S o n n t a g, Von einem Ballon aus wurden verschiedene neue vom Feinde aufgeworfene V e r s ch a n z u n g c n entdeckt, ivelche heute nut Granaten beschl'cn iverden. Zwei englische Regimenter schlugen einen neucil Angriff der Boeren zurück. Die Verluste des Feindes sind bclrächUich. RhodcS Geschäfte florieren. London, 26. Februar. Cccil illbodes führte in einer Versammlung der Debcers-Company zu K i m b e r l c y den Vorsitz und teilte mit. der Gewinn der Gesellschaft habe sich ans nngefäke zwei Millionen Pfund Sterling belaufen. Die Lage der Company sei eine erheblich günstigere geworden lind sebr befriedigend. In der Versammlung beschrieb Cccil RhodeS Transvaal und den Oranje-Freistaat als Oligarchien, welche schon lange sich ver- schworen hätten, sich Südafrikas zu bemächtigen. Jede dieser beiden Regierungen sei eine kleine politische Klique, ivelche die Holländer hinter das Licht geführt halte. Die Afrikauder arbeiteten seit zivanzig Jahren für ein iliiabhängiges Südafrika. Es gehört die ganze Frechheit dieses KricgSaustiftcrs dazu. von Verschwörungen den Boeren zu sprechen, während e r eS ist, der die Versckivöriiiig gegen die Boeren im Jahre 1895 und den Jameson- Einsall angezettelt hat. » �» , Ladysmith. Ein Telegramm der„TimeS" aus Colenso vom 24. d. MtS. lautet: Wir haben jetzt nur noch zwei Meilen vor uns, bis wir in Berührung mit Ladysmith kommen, aber dieser noch vor uns liegende Teil ist der f ck l i m m st e und wir müssen uns auf einen sehr harte» Kampf gefaßt machen. Die Wahlen in Calbe-Aschersleben. Stasisurt, SS. Februar, 11 Uhr 53 Mi».(Privatdepcsche des„Vorwärts".) Schmidt 17VSZ, Placke 17 SSV Stimmen. Es fehlt noch Barby. Tics ändert jedoch nichts mehr am Endresultat. Wir sind unterlegen, jedoch nicht besiegt. Trotz der Niederlage bedeutet das Wahlresultat doch ein ver- »ichtcndcs Urteil der bei nnS herrschenden Rechtsanffassinig, wonach Beleidiger der Majestät niit den schwersten Strafen belegt werden. Der hinter Kerkennanern Schmachtende gilt in den Augen der großen Masse des Volkes nicht als ein Verbrecher; nach wie vor genießt er das Vertrauen seiner Wähler, er hat die Stimmenzahl von der Hauptwahl im Jahre 1898 noch nm einige überschritten. Der Wahlkreis war seit 1867 bis zur Wahl 1337 von Dietze, freikonservaliv, vertreten. 1890 gewann die Socialdemokratie in Stichwahl zum erstenmal den Kreis; Vertreter August Heine. 1893 ging der Wahlkreis wieder verloren. Placke, national- liberal, siegte niit 17 656 Stimmen gegen 2616 freisinnige und 13 630 socialdemokratische Stimmen. 1893 erhielicn in der Hanptwahl Schmidt(Socialdeinokrat) 17 090 Stimme», Placke(iiallib.) 13 894, St., Freisinnige Volks- Partei 2232 St., Antisemit 1237 Stiinmen. In der Stichwahl siegte Schmidt mit 13 300 gegen 18 000 nationalliberale Stimmen. Die jetzige Wahl wurde nötig, da das Landgericht zu Magde- bürg, als es uiisern Parteigenossen wegen angeblicher M a j e st ä t s- beleidigung zu drei Jahren Gefängnis verurteilte, zugleich sein NeichStagsmandat für ungültig erklärte. GeweMfiLzelfkliiszes. Berlin und Umgegend. Die Lohnbcwcgnüg der Kleber(Tapezierer) nimmt einen an- dauernd günstigen Verlauf. Wie die Lohnkomniission in der gestrigen Versammlung, die bei Pastcr, Jnsclsiraße, ragte, berichten konnte, arbeiten bercirs über 300 Kleber bei 100 Unternehmern zu den iiciicn Bediiigmigcii, während sich nur noch etwa 80 Mann im Ausstände befinden. Trotzdem nur in einer kleineren Anzahl Werkstellen die Forderungen noch nicht anerkannt worden sind, soll doch die Bewcginig in vollem Umfange ausrecht erhalten werden, weil einige Unternehincr schon wiederum versuchen, den aufgestellten Tarif auf Umwegen illusorisch zu machen. Berliner Gcwcrkschastökominissiott. Für die östreichischen Bergarbeiter gingen ei»: 'Verband der Buchbinder 100,— M. Buchdruckerei Gebr. U. 14,—. B. L. u. E, Z, 3,—. X. g). Z. 10,—. Verband deutscher Gastwirtsgehilfen 50,—. Steindrnckerei Hnrtkopf 6.50, Neun Schneider 10,—. G P. 20,—. Stocksabriken Schülke Nachf. 10,—. H. Goldbach 10,—. Alter Parteigenosse, Bnchholzerftraße 5.—. Organisierte Hntmacher Berlins 100,—. Schirnistockfabrik Wendt Der Krieg. Cronje hält sich immer noch, trotz aller englischen Mitteilungen, daß seine Lage hoffnungslos sei. Schwierig ist sie ganz gewiß. Aber bei dem heroischen Mut der unter Cronje känipfenden Boeren wäre es doch verfrüht, die schließliche Niederlage der— wenn nicht ciiigeschlosscne», so doch festgehaltene»— Armee voraussagen zu wollen. Von besonderen den Boeren zu« gekonmiencil Verstärkuilgeii erfährt man freilich bisher nichts. aber möglich ist ja, daß die Engländer Meldungen darüber zurückhalten oder selbst nicht, genau unterrichtet sind. Die Stellimg, die Cronje nach den englischen Berichten inne hat, kann man nicht einmal als sehr ungünstig bezeichnen. Er steht auf beiden Seiten des Flusses und ist von einem nach diesem jäh abfallenden Gelände umgeben, das sich anscheinend als ein Hindernis für Angriffe der Engländer erweist. Von den heute ziemlich zahlreich vorliegenden Nachrichten über die Belagerung Cronjes geben wir im Folgenden die wichtigsten. Am Mittwoch wird aus Paardeberg gemeldet: DaS Lager der Boeren ist von der britischen Artillerie in Brand g e s e tz t i und Auslande gestört. Uehke Llttiszvichkcn und Oopeschen« Wie», 26. Februar./z Uhr, Köpnickerstr. 62; Versammlung. Vortrag des Herrn Victor Fränkl über: Das neue Bürgerliche Gesetzbuch. Eingegangene Druckschriften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das 22. Hest des 18. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Das Ende des Socialistengesetzes.— Der französische Socialismus und der Pariser Kongretz. Von Hubert Lagardelle.(Schluß.)— Verustein und die Bebelsche Resolution. Von K. Kautsky.— Calderon de la Barca.— Feuilleton: Litteraturhistorifche Streifzügc. Bon Franz Mehring. III. Von der„Gleichheit", Zeitschrist jür die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben die Nr. 5 des 19. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Stttlichkeitsheuchelei.— Die hessische Gewerbe-Jnspcktton 1838 und die Lage der Arbeiterinnen. Von H. Fürth.— Aus der Bewegung.— Feuilleton: Ein Opfer. Gedicht von Klara Müller.— Nottzenteil von Lily Brau und Klara Zetkin: Weibliche Fabriiinspektoren.— Frauenarbeit auf dem Gebiete der Industrie, des Handels und Verkehrswesens.— Sociale Gesetzgebung.— Gewerkschaftliche Ärbeiterinnenorganisation.— Dienstbotensrage.— Frauengenossenschasten. — Frauenstiinmrecht.— Frauenbewegung. Etwa folgender Antrag genügt:„Meine Ehefrau ist am... verstorben. Aus unsrer Ehe sind zwei Kinder, Clara und Max, vorhanden. Ich will' mich wiederverhciraten und beantrage die Auseinandersetzung mit meinen Kinoern. Auf den Nachlaß meiner Ehefrau will ich zu Gunsten meiner Kinder verzichten, Als Teilungspfleger schlage ich vor Herrn..... Die Sterbe-Urkunde meiner Ehefrau und die Geburts-Urkunden meiner Kinder füge ich bei."— 1900. Machen Sie ein wechselseitiges Testament. Sonst kann der Ueberlebende nicht allein erben.— W. Sch. 1. Ja. 2. Nein. — Zl. K. 20. Ihre Schwester soll schleunigst auf Herausgabe der Sachen klagen.— P. 39. Sie müßten sich den Anspruch aus das Sterbegeld mit Einwilligung der betreffenden Kasse ausdrücklich cedicren lassen und als Gegenwert Ihre Darlehen und die Verpflichtung, weiter zu zahlen, in dem Schriftstück festsetzen.— Gesangvereine. Das Bürgerliche Gesetzbuch hat, wie wiederholt dargelegt ist, keinerlei Einwirkung aus die Anmeldung usw. Eine Anmeldepflicht für einen Verein, der sich nicht unt ogentlichen An- gelegenheiten befaßt, besteht nicht.— B. Z. Das ist jetzt nicht mehr ratsam. — 100. E. G. 1. Nur der Sohn haftet. Warten Sie bis zu seinem vollendeten 21. Lebensjahr, laffen«ie dann Ihre Forderung anerkennen und klagen Sie dann. 2. Die zweite Lesung der lsx Heinze. 3. Eine Ueber- mittlung des betreffenden Materials schadet nichts.— Norderney III. I. Die Berufung sollte versucht werden. Zwar hat die Berufung wenig Aussicht aus Erfolg. Wenn aber in die Unfallversicherungs-Novelle eine ähn- liche Uebergangsbestimmuug hineinkommt, wie in die Jnvalidcnversichemngs- Novelle, dann ist ein Erfolg möglich, falls der Prozeß sich über den 1. Januar 1391 in letzter Instanz hinzieht. Eine Vertretung durch einen andern ist nicht erforderlich, ein Vertreter uns nicht bekannt. 2. Dem Dienst- Mädchen.— M. H. 87. Das Erbrecht der Stadt ist zweifellos. Mani- pulatiouen, um die Sachen den Kindern zu übereignen, sind zwecklos. Wen» nach dem Tode die Kinder mit dem Autrag, Ihnen die Sachen zu belasten, hervortteten, pflegt die Stadt hierauf einzugehen.— M. K. 21. Sie sind im Unrecht. Sie können nur auf Verabreichung des Waffers und eventuellen Schadensersatz klagen, nicht aber wegen Vorcnthaltung des Waschtags- waffers den Bertrag aufheben oder die Mietszahlung ablehnen.— Z. Ja. Murkipreisc ttou Berlin um 24. Februar 1900 »ach Ermittlungen des kgl. Polizeipräsidiums. 15,29 14,29 13,39 15,— 14,19 13,39 4,- 6,89 49,- 45,— 70- 1,69 1,20 Tonne 14.— 13,80 13,— 14,20 13,40 12,60 3,66 ch— 25,- 25,— 30,- 5,- 1,20 1,- von Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechte Barsche Schleie Bleie Krebse IKg; 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,70 1,60 2,60 6,- 2,20 2,80 2,50 2, 1,60 2,80 1,40 12.- 1,10 1,- 1- 2,- 3,— 1,20 1,40 1- 1,- 0,80 1,20 0,80 3,- der Cenlralstelle der Prenß. Land, ")We!zeu D.-Ctr. "Moggen Fnttcr-Gerste„ Hafer gut „ mittel„ „ gering Richtstroh, Heu s-)Erbsen s)Speifebohnen, t)9itiieii Kartoffeln, neue Rindsirisch, Keule 1 kg do. Bauch„ •) Ermittelt pro wirtschaftskammcrn- Notierungsstelle- und umgerechnet vom Polizei- Präsidium für den Doppelcentuer. ff) Kleinhandelspreise. Produktenmarkt vom 26. Februar. Getreide. Die Tendmz war zu Beginn des Verkehrs unentschieden. Weizen setzte im Anschluß an die matten Meldungen aus New York und Chicago schwächer ein. Roggen lag unter dem Einfluß geringen Angebots bei aiumiertester Kauflust von vornherein sehr fest und schloß eine Mark über Sonnabend. Die Festigkeit des Roggenmarkts übertrug stch schließlich auch auf Weizen, der sich kräftig erholte und am Schluß 0,50 M. höhere Preise, als am Sonnabend erzielte. Hafer lag still, im Preise unverändett, Rüböl auf stärkeren Konsumbegehr 0,20 M. besser bezahlt. Am Spiritus markt wurden 15 000 Liter 70er loco mit 47,50 M. (unverändert) gehandelt. Eier-Bericht vom 26. Febniar. Normale Eier je nach Qualität von 2,95—3,20 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von 2,65 bis 2,70 M. per Schock. Kalkeier je nach Qualität von 0,00 bis 0,00 M. per Schock. Tendenz: lebhafter. Kartofselfabrikatc. Feuchte Kartoffelstärke 10,50 M. la, reine Kattoffelstärke disponibel und März 13.75 M., Aprtl-Mai 20—20,25 M. Ab- fallende prima Qualitäten Stärke und Mehl disponibel 17,50—18,50 M, per 100 Kilogramm._ NlilierungSübersicht vom 26. Februar 1900, morgens 8 Uhr. Stationen Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet Montag, Ticuslag und Freitag von 0—8 llhr abends statt. CT. R.. Mittenwalderstraste. Derartige Aufforderungen erledigen sich ein für allemal für uns durch den ständigen Hinweis an der Spitze deS Inseratenteils. M. R. 100. Sie müßten sich zwecks Auseinandersetzung mit Ihren Kindern vor Eingehung einer zweiten Ehe an das Amtsgericht wenden. Swinemde Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien -- 5 s« 762 SSO 760 ONO 762 SO 759 SO 761 ISO 766,® Wetter 1 Nebel 1 Nebel Iwolkig 2!wolkenl siwolkenl llwalkig idB i» w Stationen gs - s Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 772NO 751 NO 7630 756SO Wetter öSS B 27)16.6(6 6 Regen 2 bedeckt 1 Regen -13 8 3 L ütvetler- Prognose für Dienstag, den 27. Februar 1900. Etwas kühler bei ziemlich frischen nordöstlichen Winden und zunehmender Bewölkung; nachher Regen. Berliner Wetterinreau. Die Geburt eines Sohnes zeigen hocherfreut an Fritz Hellet' und Fran geb. Brieger. Berlin 17, Lothringersir. 14.(26236 Allen Freunden und Bekannten hicrunt die traurige Nachricht, daß Kiffer lieber Sohn und guter Bnider Paul Fuschke im 23. Lebensjahr verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am 27. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des> alten Michael- Kirchhofs aus statt. 26281) Yerliaiiil d.Helpolierer. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß buser Kollege / Faul Fuschke (im Krankenhaus am Urban ver- starben ist. Die Beerdigung findet am Diens tag, den 27. d. M.. nachmittags 5 Uhr, aus dem alten Michael-Kirchhof in Rirdorf, Hermnnnstraße, stalt, Ehre seinem Andenken. 145/14 Der Borftand. i| Am Sonnabend, den 24. Fe- bruar, starb nach kurzer Krank- hcit unfre liebe Mitarbeiterin Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. Febr., nachm. 4 Uhr, van der Leichenhalle der Bartholomäus- Gemeinde in Falkcnbcrg aus statt. 3801L Das Personal der H. S. Herniannsclien Bnchdrnckerei, Orts- Krankenkasse der Sattler und verwandte» Gewerbe. Ilm 25. d. M. verstarb das Mitglied Goltz (Arbeitsstätte A. PH. Hoffman») ini 53. Lebensjahre an Magenkrebs. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, van der Leichen- Halle deS neuen Jacobi- Kirchhofs, Rirdorf, Hcrmannsttaße 93, aus statt. 2630b I. A.: F. Matschulat. Blumenhandlttttg und Kranzbinderei van[34305* Otto iCnabe 19» Adniiral' Strasse]9n empfiehlt Widiiuingskränze, Sträuße, Kotillons. Tapfgewächse aller Art. Kranzblnderei n. Blnnien- liandlnng von[34312* Robert Meyer, Mo. Ä. Marianiicnstr. Mo. S. Widinungs-Kränze, Giiirlanden, Ball- siräußchen, Bouqnels-c. werden sehr geschmackvoll und preiswert geliefert Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes CS. Qwcitzsch jage ich dem Verband deutscher Ztmmerleute, sowie dem Meister nebst Personal der deutschen Munition- und Wasfenfabrik zu Martinickenfeide, und den: Gesang- verein Südost II, sowie allen Ver- wandten und Bekannten ftir die zahl- reiche Beteiligung und Kranzspenden meinen herzlichsten Dailk. 2637b Die trauernde Witwe lilarls Qweltzsch _ nebst Hinterbliebenen. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben unvergeßlichen Mannes, unsrcs lieben Sohnes, Bruders, Schwiegcr- sohnes und Schwagers Üiofins Raahang;e sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere den Kollegen der Firmen A. E.-G. Abt. Brnnnen- straße und Ed. Puls unsren herz- lichsten Dank. s2644b Berlin, den 26. Februar 1300. Im Namen der Hinterbliebenen Küthe Raaha uge. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung unsres lieben Vaters, Groß- und Schwiegervaters tinstav Pasewaldtfagcn allen Beteiligten, insbesondere den beiden Herren Ver- tretern der Firma Adolph, den Mit- gliedern des Gesangvereins„Allegro", sowie den Kollegen der Firma Adolph und des Jnteressenvereins der Kisten- machcr den herzlichsten Dank. Im Namen der Familie: kobott Paiswalckt. Brot- Ulli» KMeMlkem. Allen Freunden und Genoffen zur Kenntnis, daß ich Göriitzerstr. 55 eine Brot- und Kuchenbückerei errichtet habe. Frühstück sende frei und pünktlich ins Haus. Ebenso bin ich in der Lage, ein gutes reines Roggenbrot nach allen Stadtteilen senden zu können. Indem ich nun bitte, mich durch recht viele Aufträge unterstützen zu wollen, zeichne Achtungsvoll Johann Fischer, Gürlitzerstr. 55, 5— Wrangelstr i». Krautstr.19. Falckeusteinstr. 28. Laiisiherftr. 2. 'ii W. Brut SSM. [2 H. 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Tagest., Jnvaldendank und Künstlerdank. last-Iheater früher Feen-I'alasf, Burgsir. 22. Mittwoch, 28., letzter Tag des sensationellen Februar- Programms. Zum letztenmal: Endlich allein. Ottokar Lehmann: Dir. Rieh. Winkler. lictztes Auftreten sttmt- Ilcher 8pecialUitteii. Anfang 71/2 Uhr. Vorverk. 11—1 Uhr. PW Freitag, 2. März, bleibt wegen Privatfestlichkeit geschlossen."Mg Sonnabend, den 3. März 1900 nach der Vorstellung: Grosses Bockbier Jabel-Fest. Viele Ueberraschungen Große Preis- Verteilung. Besucher der Vorstellung habe» Frcitauz. nol-Wer Behrenstr. 55/57. Dir. Rieh. Schultz. Telephon Amt L 2126. Specialitäten- Programm allerersten Rangs. We. Zilllöf. issDejo. Los Arbras. Les Vicentina. Allison-Truppe. Littke Carlsen. Um 9 Uhr 80 Minute» Die verkehrte Welt mit der feenhaft ausgestatleten Frauen- Parade. Ansang an Wochentagen um 8, an Sonn- und Festtagen 7»/, Uhr. Rauchen i» allen Räumen gestattet. 8»n8Si«u«i Kottbnscrstr. 4 a. Heute am Fastnachts- Dienstag: Fastnachts- Ball vorher Vorstellung von kZottnrnnns Xordd. Sängern. Entree wie gewöhnlich." Ansang 8 Uhr. RsletistisIIeu. Täglich: 8tettiner Sänger Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr Enirce 50 Pfennig Borverkaus 40 Pi. Donnerstag, 1. März: Wiederauftreten von Fritz Steldl. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, Dienstag, abend 8 Uhr. in den Arminhallen, Kommandantenstr. SV: Sitzimg der Orts-Verwaltung. Mitwoch, den 38. Februar er., abends Sllt Uhr. bei Steehert, Andreasstrafte 21: Versammlung sämtlclmr Vertrauensmänner. ArbaMbuch unv MroiieMnnec-Me legitimeren. DonnerStag, den 1. März 1900, abendS S'/s Uhr, im Lokal „Süd-Ost", Waldemarstr. 75: Branchen-Versammlung der Musikinstrumenten-Arbeiter. 1. Tag es- Ordnung: Der Möbelttschler-Strcik und die Aussperrung der Holzarbeiter. 2. Verbandsangclcgenhcit. Verschiedenes. Kollegen, erscheint zahlreich und pünktlich. 79/17__ Die Ortsverwaitnng. Achtung! Einsetzer. Achtung! Mittwoch, den 28. Februar cr., abends 8 Uhr: Krosse Einsetzer- Versammlung bei Herzbcrg, Alte Jakobstr. 75. Tages-Ordnung: l. Die Zwischentreibercien der Arbeitgeber. Referent: floll. Kurkowsky. 2. Diskussion.— Die Einsetzer von Kuhnert und Kühne sind eingeladen. Als gesperrt»»d zu meiden fiud: Hardt, Bau Gerichtsgcbäudc, Neue Friedrichstr. 15; Sommerlatte, Stralau; Meier, An der Stadtbahn; Klempau, Wrangelstraste. 79/20 Der Elnbernfer. Holzarbeiter! ßeutc vormittag lö� Uhr, in der Branerei FriedrWhain (fr. Lipps), Am Friedrichshain und im 79/18 „Zchweiitr- Surfe»". Am Könissthor: Verssrnrnlimg ller Streikencken. Tagesordnung: Der Stand der Bewegung�__ Achtung! Achtung! linder u. Morgen, Mittwoch, den 28. Febr.» abends 8V2 Uhr: Große öffentl. Versammlung aller in Buchbindereien. Contobuch-, Leder-Galanteriewaren-, Lux.uS- Papier- u. Kartonfabriken bcfchäft. Arbeiter u. Arbeiterinnen im IHess-Palast(groster Saal), Alexandrinenstr. 110. Tages-Ordnung: I. Genügt die von der Regierung zu den Unfallvcrsichemngs- Gesetzen vorgelegte Novelle den Arbeitern und Arbeiterinnen, und welche Forderungen haben dieselben dazu zu stellen? Referent: Genosse D ä h n e. 2. Bericht der Delegierten von der Gewerkschafts- Kouimisston und Neuwahl derselben. 3. Verschiedenes. 23/10 Wir richten an die Kollegen und Kolleginnen sämtlicher Branrben das dringende Ersuchen, vollzählig in dieser wichtigen Versamnilung zu erscheinen. Der Elnbernfer. tzM Maler. Mittwoch, den 28. Februar, abends 8 Uhr, in de».Arminhaiien, . Februar, abends 8 Uhr, Kommaildantenstr. 20: Kouldinierte Wttglieder-Versammlung iPF"* der Filialen I und II."WW Tages-Ordnung: I I. Die Notwendigkeit einer einheitlichen Organisation und die Ver- schmelzung der Filialen I und II. Referent: Veibaiidsvorsttzender Kollege T 0 b l e r- Hamburg. 2. Eventuelle Wahl der Filialverwaltung. 3. Wahl des Agitattouskouiitees. 124/4 Das Erscheinen der Kollegen ist durchaus notwendig. Mitgliedsbuch legitimiert._ Der Giuberufer. Gesellschafts-llaus y,Nopd«DstiCa 17. Jnh.: Gust. Brochnow. Telephon VII 1663._ WW» ca. 1000 Personen fassend.— Veretnsziminer mit Piano. WWW Setat irSi Grosser Ball. Donnerstags, nachmittags 3 Uhr: AW" Bäcker-Ball.-Wn Zur prachtvoller Naturgarten mit Laubengang, 500 Personen Sommer-Saison: faffend, elegant eingerichict. WW Sonnabende frei. WW Täglich zu allen Festlichkeiten und Versammlungen zu vergeben. Rixdorf. DkMer iolrailifitpr- ilnlianö. Biittwoch, 28. Februar, vormittags i» Uhr, im I.okai des Herrn Thomas, Hermannstr. 48— SO Oeffentl. Versammlung der Möbettischler. Tagesordnung: Der Stand unsrev Slrciks._ 80/1 Fachverein der Muslkinstrimienten- Arbeiter und Berufsgenossen Berlins und Umgegend. Mittwoch, de» 28. Februar, abends 8b s Uhr, Naunynstr. 27 bei Cranrnann t Delegierten-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Werkstatt-Angelegenheitcn. Die Kollege» werden ersucht, ans jeder Werkstatt einen Delegierten zn senden, da wichtige Punkte zn erledige» sind. Am 1. April, nachmittags 4 Uhr. findet in der Urania eine Vorstellung statt. Zur Aufführung gelangt Von den Alpen Ms zum Vesuv. Billets a 75 Pf., 60 Pf. und 50 Pf. sind zu haben im Arbeits- »achwciS, Naunynstr 79, und bei dem Kafsterer Hensei, Reickenberger- straste 59. 141/7 Der Torstand. Selionet Eure Wäsche mit Karol Wells Seifenextrakt. ueber 2000 Stück Hiiiterschinkeii Extrafeine Ware offeriert I a Pfund 75 Pf. 3790L* I. i. Partenheimer, Berlin, Kaiser Wilhelmstr. 19a RollHchinken a Pfund 70, SO und 90 Pf. JPlClliC-Vordcrschinken a Pfund 55 Pf. Schlackwurst, Salami, f. Leberwurst| apfuna � Zungenwurst und Braunschweiger j eemi80ht'® Pf" Rotwurst, Zwiebel- und Mettwurst, g5e�hdt 48 pf. Geräuchert fetten SpCCk a Ctr. Mk. 48,— mager„ n 58,— Berliner Braumsehmalz a ctr m. 43,- Achtung! Maurer. Mittwoch, de» 28. Februar, abends 8 Uhr, Pasewalkerstrafte 3: Mitglieder- Versammlung des 136/15 ktntrlllverbailiies der Maurer für he» Wedhing. TageS-Ordnnng: 1. Vortrag. 2. Diskussion und Verschiedeues. Um guten Besuch bittet_ Die Tcrbandsleitang. Interessante Neuheiten auf dem Lebensmittelmarkte: Lösl, FrühstUcks-Suppen Gemüse> und Kraftsuppen Bouillon>Kapseln Suppen-Würze zu haben bei Theobald Scholz, Heu-Lichtenberg, Wilhelmstr. 83. Wein zum Ansschanh sehr geeignet! süss, rot, wie Portwein,• ausgezeichnet im Geschmack, garantiert rein, lOLtr. M. 7,—, 100 Ltr. 65,—, Oxhoft M. 120,— Eutzen NeBmaim i Co.. H.i.mJPn""'?™;;. ,v. Schöne bergf. Donnerstag, den I. März, abends 8 Uhr, im Saale deS Rlah- hanses, Hanptstr. 5/6: Uolks Versammlung für Frauen und Männer. i Vortrais der Frau Br. iiltele Gerhardl „Konsnmgcnofscnschasten und ihre Bedeutung." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes 202/11 Die Ncrtrauensperson. Clrkns Busch. Heule, Dienstag, den 27. Februar, abds. 7>/„ Uhr: l-rande8oIräsEgusstre, Zum 110. Male: Die Gamorra. Austrrdeiu: 30 Hengste u. 2 Elefanten auf dem Spielplatz. Herr Burkhard- Foottlt. Schulreiter auf Rabenvater. Siguvr Blcardv mit sein dress. Meute Tie Matwees-Akrobateu-Troupe. ,WSlI kling. lpspk llüller-8trasse 178. A4? SA Norddeutsche S&nger. Biegler, Wolf, Hohenberg etc.[* Entree 20 Pf., Vorzugsbillets 15 Pf. Suppe, Geniüfe, Braten u. Kompott. inkl. Bier 56 Pf.) Köpnlckeratr. 5ba. Cirkus Schumann. Heute, Dienstag, den 27. Februar, abends 7»/, Uhr: Gr.llußtrorb.Ala-Borstch. 10 d. besten Nummern des Repertoires Direktor Aid. Schumann mit seinen anerkannt unerreicht dastehenden Originaldreffuren Zum Schluß. Zum 25. Male: Dp. Faust. Eine vhantastisch-romantlscheHandlung in 3 Abteilungen vom Hof- Ballett- uieister A. Siems. I.Alt: ImStudlerzImmerdesDr.Fausl. SWT" Im Reiche der Diebe. 57 Äkt: Ein Schützenfest Im 16. Jahrhundert. 3. Akt: Die Herzogin von Parma. Der Hezensahhat auf dem Blocksberge. Fansts Höllenfahrt. 7olina Q M 10 Jahre Garantie. 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Da wir indessen den Angriff eröffnet haben, so fühlen wir uns verpflichtet, die Redefreiheit der Verteidiger einstweilen iroch nicht zu beschränken Wir geben deshalb die beiden folgenden Zuschriften wieder, die sich diesmal nicht mit dem Wcltpolitiker, sondern mit dem Social Politiker befassen. Herr Professor Sombart selbst schreibt uns: „In Nr. 43 und Nr. 46 des„Vorwärts" werden meine Vor rage über die moderne Gewerkschaftsbewegung, die ich diesen Winter in Breslau gehalten habe, einer Kritik unterzogen. Insbesondere wird in ihnen eine Art von Widerruf der in meiner Schrift über„Socialismus" ausgesprochenen Ansichtcir gefunden. Es heißt u. a. in Nr. 46 des„Vorwärts":„Wer nun aber seine 18g9cr Vorträge über die Gewerkschaften liest..., der sieht, daß Herr S. die Gewerkschaftsbewegung verteidigt, weil er sich einbildet, in ihr ein Mittel zu haben, den politischen Kampf zu hemmen, der großen socialen Bewegung ihr Ziel, das socialistische Ideal, und ihr Mittel, den Klassenkampf, zu entlisten." Wäre das der Inhalt meiner Ausführungen gewesen, so ständen sie allerdings in schroffem Gegensätze zu meinem„Socialismus". Thatsächlich i't er es aber nicht; man könnte mit größcrem Recht behaupten, daß ich das Gegenteil gesagt habe. Ich hatte die Empfindung, als ob auch die Berichte über meine Vorträge, auf denen sich die Kritik des„Vorwärts" aufbaut, dies hätten deutlich werden lassen. Einen Beweis für meine Behauptung kann ich aber mit ihnen, für die ich_ nicht verantwortlich bin, naturgemäß nicht antreten. Das wird erst geschehen können, wenn die von mir selbst herrührende, zum Teil erweiterte Wiedergabe meiner Vor träge veröffentlicht sein wird. Ich bitte nun die Leser des „Vorwärts", davon Kenntnis zu nehmen, daß jene Veröffentlichung im März- und Aprilheft der„Neuen Deutschen Rundschau" erfolgen wird. Erst nachdem sie abgeschlossen sein wird, dürfte eine Diskussion über den von mir vertretenen Standpunkt fruchtbar sein. Breslau, den 24. Februar 1900. Werner Sombart. Ferner erhalten wir von Genossen B r u h n s folgenden Brief Der„Vorwärts" behauptet in seiner Nr. 46 in einer Polemik mit Professor Sombart. daß dieser in seinen 1899cr Vorträgen über die Gewerkschaften, wie sie in kurzem Auszug die„Sociale Praxis" und ausführlicher ein Teil der Gcivcrkschastspresse vcröffcnt licht habe,„die Gewerkschaftsbewegung verteidigt, ivcil er sich einbildet, in ihr ein Mittel zu haben, den politischen Kamp' zu hemmen, der großen socialen Bewegung ihr Ziel, das socialistische Ideal, und ihr Mittel, den' Klassenkampf, zu entlisten." Da sowohl der kurze Auszug in der„Socialen Praxis" wie � die ausführlicheren Berichte der Gcwcrkscdafts presse— diese sind den erschöpfenden Berichten der BrcSlauer „Volkswacht" über Eombarts Vorträge entnommen— von mir herrühren. darf ich mir wohl ein Wort der Berichtigung und der Abwehr gegenüber jener Behauptung des„Vorwärts"' gc' statten. Wäre der gegen Sombart erhobene Vorwurf berechtigt so müßte ich gewissermaßen als sein Mitschuldiger erscheinen, insw seilt ich mich in der That bemühte, die Sombartschen Anschauungen weiteren Kreisen bekannt zu machen, ohne zugleich die etwa not- wendige Krikik an denselben zu üben. Ich will daher zu meiner eignen Verteidigung erklären, daß zcner gegen Sombart gerichtete Vorwurf durchaus uubcrechtigl ist. Sombart fordert in den beregten Vorträgen allerdings, daß die Gewerkschaften unpolitisch sein sollen'— dem Sinne nach kaum anders, wie das auch von namhaften Social- demokralen, unter andern von Bebel auf dem Parteitag in Hannover. ausgesprochen worden ist—, und er steckt die Grenze für das, was durch die unpolitische Gewerkschaftsbewegung für die Arbeiterklasse zu erreichen sein soll, sehr weil. Aber er erklärt dabei ausdrücklich „Da es also ans absehbare Zeit im Interesse der Arbeiter liegt, daß die Staatsmaschine auch für sie arbeitet, so muß auch in der Zukunft die politische Bewegung den Arbeitern unentbehrlich bleiben. Zwar soll der Arbeiter in seiner Gewerkschaft sein, daneben aber soll er Politik treiben." Und weiter:„Jener Glaube an die Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung schließt keinesfalls die polirische Bewegung aus, schließt nicht ans. daß man Socialdemokrat ist. Ja, ninn kann ein sehr eifriger Socialist . sein und doch jene eigentliche GewcrkschaftSstiinmung haben. Sic wissen ja, daß die neuen Männer der Gewerkschaftsbewegung, die ich Ihnen nannte, alle Socinldeniokratcn sind, daß sie znn'i Teil � Abgeordnete der Partei sind. Und die englische Gewcrkschafts bewegnng in ihrer neuesten Phase hat unter ihren Führern eine Reihe überzeugter Socialisten." Sombart erklärt weiterhin allerdings, daß die unselbständige Art der politischen Bethärigung der'englischen Arbeiter seinem politischen Ideal entspreche, fügt jedoch hinzu:„Ich gebe aber gern zu. daß für die Arbeiter auch andre Formen zur Bethätignng ihrer politischen Interessen möglich sind, daß sie auch s e I b st ä n d i g e politische Parteien bilden können und sollen. lvie ja gerade in Deutschland die Frage in diesem Sinne gelöst ist." Keineswegs ist Sombart geneigt, die Gewerkschaftsbewegung als das letzte und wichttgste Mittel im Befreiungskämpfe der Ar- bciterklasse zu betrachten. So sagt er u. a. über die ihm vorbildlich erscheinende Taktik der englischen Gewerkvereine:„Diese Taktik ist die der gemeinsamen, wohlverstandenen Jntcressenvertretnnq. sie überbrückt nicht die Gegensätze, sie schafft'nicht die sociale Frage aus derWelt, sie ist nicht die ultima, ratio in der Arbeiterfrage, aber sie ver- mindert die Friktionen, die Reibungen zwischen'zwei Jittercssentcw gruppen u»d die schweren Folgen dieser Reibungen." Diese Citate aus Sombarts Vorträgen beweisen, daß der im „Vorwärts" erhobene Vorwurf ganz ungerechtfertigt ist. Gewiß enthalten jene Vorträge auch Aiischanungen, denen ein Social- demokrat nicht zustimmen kann. Sombart selbst ist ja auch nicht Socialdemokrat und will keiner sein. Das aber soll mich nicht hindern auszusprechen, daß nach meiner Ueberzeugung diese ui der Aera der Znchthausvorlage gehaltenen Vorträge eine gute, mutige That waren und der deutschen Gewerkschaftsbewegung manche neue, wertvolle Anregung gaben. Sie nützen dem bisher schwächeren der beiden Beine, auf welchen das deutsche Proletariat marschiert, den Gewerkschaften, ohne dem stärkeren Beine, der politischen Partei, irgendwie zujschadcn. Ich acccptiere daher auch in allem Ernst de» an andrer Stelle erstatteten ironischen Dank des„Vorwärts" für meine Berichterstattung und will nicht mit der Meinung zurückhalten, daß der Socialpolitiker Sombart wohl eine bessere Beurtciluna ver- dient hätte, wie er sie neuerdings im Breslau, den 25. Februar 1900. Julius BruhnS. * Die beiden Briefe, die zu gleicher Zeit bei uns eingetroffen sind, ergänzen sich in eigentümlicher Weise. Herr Sombart'leugnet zwar das Referat nicht ab, indes als vorsichtiger Mann will er doch auf Grund dieses Berichts mit uns nicht polemisieren. Er verweist auf seine zukünfttge beglaubigte Veröffentlichnng. an der ja vielleicht nach Sombarts Art einige„unwesentliche" Aenderungen vorgenommen werden dürften. Dagegen scheint Genosse Bruhns für die Richtigkeit seines Re- ferats eiiizustchcn. das auch in der That den Eindruck der Zuverlässigkeit macht. Uusres Wissens hat Professor Sombart selbst die Richtigkeit des Referats bisher nicht bestritten. bessere Beurteilung ver- „Vorwärs" erfährt. Aber Genosse Bruhns ist der Meinung, Ivir hätten die Tendenz der Darlegungen Sombarts. so wie sein Referat sie spiegelt, nicht richtig gewürdigt. Er beruft sich als Beweis dafür, daß wir auch dem Socialpolitiker unrecht gcthan hätten, ans einige verbindliche Zwischenschätze in den Sombartschen Exkursen. Ja. diese wohlwollenden Zwischensätze, mit denen der Herr Professor um Gunst wirbt! Gerade die sind es, die uns veranlaßt haben, einmal unsre Meinung offen und deutlich auszu- sprechen. Das ist die Art dieses Professors, daß er ewig„wohl- wollend" zwischen ja und nein taumelt, früher mit einer uuverkenn- baren Sympathie für die Socialdemokratie, jetzt mit einer noch dcut- licherc» Frontstellung gegen uns. Aber freilich, den Hut lüftet er heute noch höflich vor uns. Es ist die Manier Sonibarts, in Halbheiten zu denken und Gegensätze zu verbinden. Er ist der Mann der Einschränkungen. Er'bricht seinem Gegner den Arm und wickelt ihn dann liebevoll in einen besorgten Gipsverband ein. Zuerst citiert Sombart anerkennend irgend einen Satz, dann schränkt er ihn ein, und zwar so, daß er das Gegenteil von ihm be- hauptet; er vernichtet so jede ihn störende Lehrmcinnng, indem er sie unter dem Vorwand der Einschränkung würgt. Herr Sombart vergißt nicht, seiner Gewohnheit gemäß, auch in scinen Gcwerkschaftsvor'trägcn ein paar Verbindlichkeiten der Social demokratic zu widmen; wenn sie auch jetzt schon sehr dünn gesäct sind, so daß Genosse Bruhns einige Mühe gehabt haben mag, sie ans- znfindcn. Daß er aber trotzdem keinen andern Zweck verfolgt, ivie in dieser„wohlivollendcn" Manier von innen heraus die Social demokratic zu überwältigen, dafür seien aus dem Bruhnsschen Referat ein paar Proben angeführt. Das ist das Abstoßende an der Sombartschen Art, daß er solche Verdächtigungen der Social- demokratic sacht einfließen läßt, indem er ganz harmlos zugleich ihr seine Reverenz eriveist. Er ist ein humaner Mann; er versüßt seinen Gifttrank und lächelt hold, indem er ihn kredenzt. Man lese: „So sind die Zustände in England, gegen uns um ein halbes oder ganzes Menschcnalter voraus.' eine höhere Form der Arbeiter- organisation. Sic konnten erreicht werden, weil der englische Ali bciter sich nur erreichbare Ziele steckte, ganz naheliegende Wünsche verwirklichte, gewissermaßen triviale Ziele erstrebt. Es war das wichtigste FördcrungSmittcl der englischen Arbeiterbewegung, daß sie sich fernhielt von hochflicgciidcn Plänen, daß sie gänzlich un- politisch war." „Wir befinden uns in der Jugendpcriode der kapitalistischen Entwickelnng Deutschlands, und dieser Jngcndperiodc haben wir auch das reaktionäre Einpfiildc» gegen die anfstrebcndcn Arbcitcrorgani- sationen zuzuschreiben. Tcis find eben die Kinderkrankheiten der Entwickelnng. Aber man kann doch meinen, daß diese Kinder krankheitcn' in Deutschland doch zu langg angehalten haben. Ursache davon ist die Art der Entstehung der deutschen Gc- wcrkschaftcn, die Thatsachc, daß die deutsche Gewcrkschafts- bewcgung ein Ableger der politische» Bewegung ist. Inwiefern ist das ein Hindernis der Entwickelnng geworden? Zunächst ist hier die Thatsachc zu bcachicn, daß die Scheidung der gewerkschaftlichen Organisationen nach politischen und religiösen Anschauungen eine Zersplitterung der Kräfte ergab. Zweitens muß nattirgcmätz jede gcivcrkschaftliche Bewegung, die im Schlepptau der p o l i tischen B c>v c g n n g treibt, in ihrer Entwickelnng zurückbleiben. Wenn die Führer der politischen Bewegung so nebenbei auch die gewerkschaftliche Bewegung zu sührcn haben, muß letztere natürlich zurückbleiben." „... sie waren ganz im Sinne Marx' immer ii»r für die Gewerkschaftsbewegung als Mittel zum Zweck im höheren Dienste der politischen Partei. Ein orthodoxer Marxist muß so denken, denn wer alles von der völligen Umwälzung, vom kommenden tausend- jährigen Reich erwartet, wer die Gewerkschaftsbewegung nicht als Selbstzweck behandelt, der kann nicht mit ganzem Herzen eifrig thätig sein für die gewerkschaftliche Organisation und die Erfüllung ihrer Aufgaben. Meinem Empfinden nach ist also die Enttvickclungsbchindc- rung der deutschen Gewerkschaften hauptsächlich in ihrer Abhängigkeit von der politischen Bewcgung zu suchen. Die erfreuliche, herzhafte Rufwärtödewegung der letzten zehn Jahre nun hat denn auch ihre Ursache in der Emanzipation der Gcwcrkschaftöbcwcgnng von der Vorninnd- schaft der Parter. „Früher glaubte man nicht an die großen Aufgaben, die hohe Bcdeuiung der Gewerkschaften, man sah' immer nur ans das eine große Ziel, das die socialdcmokratischc Partei durch die Gewinnung der politischen Macht zu erreichen strebte. Das war Gift für die Gewerkschaftsbewegung." „Eins freilich ist mit diesem GewerkschnstSglanbcn unverträglich: Utopisnius! Dieser Utopismns soll vom socialistischen Standpunkte aus nach zwei Seiten hin verstanden werden. Einmal äußert er sich in der Anschauung von der Lebensfähigkeit des Socialismus. Wer der Meinung ist, daß durch die Kraft des socialistischen Stimmzettels der„kapitalistische Schwindel zu Ende geführt wird, kann sich mit der Gcwerkschafls- bewcgung natürlich gar nicht mehr beschäftigen. Das wäre genau� so, als ob ich am Tage vor dem Weltuntergang noch eine Spareinlage machen wollte. Wer dagegen glaubt, daß dieser Weltuntergang, hier im kapitalistischen Sinne genommen, noch recht lange auf sich warten lassen wird, der macht allerdings Spareinlagen, der wird in nnserm Sinn sich an der gewerkschaft- lichcn Bewegung beteiligen. Bei der ander» Art des Utopismns handelt es sich um die verschiedene Anschauung von der Aendernng der wirtschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse. Wer an eine plötzliche Veränderung dieser Verhältnisse glaubt, kann natürlich nur dahin wirken, diese Acnderuug zu beschleunigen und alle Erfolg ver- 'prcchcndcn Mittel in dieser Richtung zu gebrauchen. Er kann aber kein Mann der gewerkschaftlichen Belvegung sein." „Das große Problem der Zukunft ist: Wie wird es möglich ein, die Arbeiter an der Leitung der Staatsmaschine zu beteiligen, eine Demolratisicrung aller socialen Verhältnisse zu erzielen, ohne daß die Kultur zu Grunde geht? Die einzige Möglichkeit ist die, daß in viel höherem Maße als bisher die Masse zur Anteil nähme am öffentlichen, politischen wie wirtschaftlichen Leben befähigt wird. Falsche Propheten sind es. die uns sagen, wir sollten nur gebieten, herrschen. Das Herrschen ist eine Kunst' und die größte Kunst ist die der Selbstbeherrschung. Hier sind zunächst wichtige Anfi gaben zu erfüllen, ehe die große Masse ein niitbestimmcnder Faktor im Staatslebc» werden kann... Man kann unendlich viel Stimni- zettcl in die Wahlurnen werfen und doch nicht die geringste Qualifikation zum Herrschen besitzen. Ich will kein Blatt vor den Mund nehmen: Glauben Sie nicht, meine Herren Arbeiter, daß das Schichttuigsverhältnis im Staate auf Zufall beruht, es beruht vielmehr ans der größeren Fähigkeit, der Kunst des Herrschens» wie sie die eben herrschenden Schichten noch bc- ätze». Wenn heute in Preußen das Junkertum noch die ausschlag- zeckende Macht ist, so ist das dem Umstände zuzuschreiben, daß die Bourgeoisie die Reife und Befähigung zum Herrsche» noch nicht hat. Erst wenn durch die Gewerkschaften der politische Sinn so weit entwickelt ist. daß man ein sicheres Urteil über das Erreichbare sich bildet, ist die zum Mitherrfchen erforderliche politische Reife vor- Händen. Diese Reife anzustreben, ist wohl die höchste Aufgabe der Gewerkschaften." „Was wird das zwanzigste Jahrhundert bringen? Wird es ein Jahrhundert des Kapitalismus oder des Socialismus sein?... Das neue Jahrhundert wird sowohl ein Jahrhundert des Kapitalis- mns wie des Socialismus sein. Sie sind nicht sich ausschließende Dinge, sie gehören zusammen wie die beide» Seiten einer Medaille. Man wird im neuen Jahrhundert gewiß eine Zunahme des Gemeinde- Socialismus, der genossenschaftlichen Betriebe konstatieren können. Aber der Schwerpunkt wird in den Händen der Kapitalisten bleiben. Wir können die genialen Unternehmer, die Leiter der Produktion, die königlichen K a u f l e u t e nicht entbehren." „Trotzen Sie nicht auf Ihre eigene Kraft, freuen Sic sich, wenn Sic Buiidesgenossen aus andren Kreisen bekommen. Ich freue mich, daß die Einsicht des Bürgertums wächst, und daß auch die Unter- nehmer immer mehr sich den Formen der Bewegung anpassen. Die guten Ratschläge, die hier Herr Sombart der Arbeiterbewegung gicbt, bedeuten ein Verzicht aus alles das, was ihre Kraft und Größe ausmacht. Kann sich unter solchen Umständen Herr Sombart nicht mit dem Ruhm begnügen, von der„Post" immer noch für einen Umstürzler gehalten zu werden? Was liegt ihm noch an uns. die wir. falsche Propheten, ans unsre eigne Kraft trotzen, anstatt einen Bnndcsgciioffcn in der Einsicht des UnternehnierttimS zu ver- ehren. Wir sind ja so undankbar und rücksichtslos. Uokstles. Das gcwcrbthätigc Berlin. Der neueste Jahrgang des„S t a t i st i s ch e n Jahrbuchs der Stadt Berlin" bringt als Nachtrag ans den Ergebnissen der Volkszählung von 1893 eine Auszählung der Berliner Bevölkerung nach dem Berns. Ein bc- sondcres Interesse beanspruchen die Angaben über die Gewerbe- treibenden. Dieser Bevölkernngsschicht gehören ja, wenn die Angehörigen mitgezählt werden, allein ziemlich drei Viertel der Berliner Gcsamtbevölkerung an. Die Gesamtbevölkerung stellte sich am 2. Dezember 1893 ans 1 677 304 Personen, darunter waren 893 361 Selbst- t h ä t i g c und 778 943 Angehörige. Unter den Selbstthätigen waren 596 943' G e w e r b e t r ei b e n d e(auf die von den Angehörigen 606 374 kamen), und zwar 130 944 Selbständige und 466 001 A b h ü n g i ge. Zu den Abhängigen gehörten 2919 technische Betriebs» beamtc, 57 526 kaufmännisches Personal(ohne Lehrlinge), 5287 Ans- sichtSpersonal, 128 201 Gesellen, 113 080 sonstige qualifizierte Arbeits- gchilfcn, 33 667 Lehrlinge, 123 321 unqualifizierte Arbeiter. Von den einzelnen Berufsgruppen können hier nur die größten aufgeführt werden. Bei de» Selbständigen war weitaus am stärksten vertreten: der Handel mit 39 729, darunter der Waren- und Produktenhandel allein niit 29 821, ferner die Gruppe Bcklcidnng mit 32 833, spcciell die Schneiderei mit 14 442, Näherei mit 8030, Schuhmacherei mit 6792 usw.; bei den Abhängigen am stärksten: die Gruppe Beklcidnng mit 91 969, spcciell die Schneiderei mit 37 173, Näherei mit 26 312, Schuhmacherei mit 8284 usw., ferner der Handel mit 76 734, wovon 59 616 auf de» Waren- und Produkten- Handel kamen, die Metallindustrie mit 46 068(gegenüber 3817 Selb- ständigen), das Baugewerbe mit 46 014(gegenüber 4826 Selbständigen), die Gruppe Holz und Schnitzstoffe mit 34 590(5509 Selbständige), RahrnitgS- und Gcnnßmittel mit 27 584(5748 Selbständige), Maschinen. Werkzeuge usw. mir 26 897(2861 Selbständige). AIS Gegenstück sei von den kleinsten Gruppen die Fischerei angeführt, in der nur 22 Selbständige und 25 Abhängige thätig waren. Die Unterscheidung der Gewerbetreibenden nach dem G e» schlecht läßt erkennen, daß die weibliche Bevölkerung in Berlin sehr erheblich an dem g e w erblichen Leben beteiligt ist. Von allen Gewerbetreibenden waren 438 357 männlich und 153 583 weiblich, und zwar von den Selb- ständigen 92 809 bezlv. 38 135, von den Abhängigen 343 548 bezw. 120 453. Am zahlreichsten war die Frau naturgemäß in der Gruppe Beklcidnng vertreten. Hier waren von den Selbständigen 16 423 männlich, spcciell in der Schneiderei 7938, Schuhmnchcrei 6749 usw., und 16 410 weiblich, spcciell in der Näherei 7973, Schneiderei 6304 usw. Bon den Abhängigen dieser Gruppe waren männlich 28 974, spcciell in der Schneiderei 16 412, Schnhniacherci 7781 usw., weiblich da- gegen 62995, spcciell in der Näherei 26122, Schneiderei 20 761 usw. In: Handel waren von den Selbständigen 31801 männlich, 7928 weiblich, von den Abhängigen 59 302 männlich, 17 432 weiblich. Die Unterscheidung der Gewerbetreibenden nach dem Alter sowie die Angaben über den Anteil der Verheirateten und der geborneu Berliner nntcr ihnen übergehen wir. Ein Wort nur noch über die Hansindustriellen und Heimarbeiter nntcr den Ge- werbetreibenden. Ihre Zahl betrug zusammeii 24 461, davon waren 12 113 männlich und 12 346 weiblich. Allein ans die Bcrufsgrnppe Bekleidung kamen von den männlichen Hausindiistriellen und Heim- arbcitern 8396, spcciell auf Schneiderei 5466, Schuhmacherei 2105 usw., von den weiblichen sogar 10936, speciell auf Näherei 4308, Schneiderei 4264 usw._ Die Knnst-Patrouille. Die Götter im Olymp hatten in den letzten Tagen bekanntlich eine herzhafte Freude ob der Fürsorge, welche die hohe Polizei der Dürftigkeit ihrer Kostüme zuwandte. Nicht geringer war der Genuß bei jenen sündigen Menschenkiiidern, die die Sache von der Humor- vollen Seite auffaßten und gelobten, sich die Freude am Göttlich- Nackten nicht verderben zu lassen— und wenn die Welt voll Nören wärt Sie alle aber, die Himmlischen dort oben, wie die sterblichen Menschen von Fleisch und Blut im sündigen Berlin hienieden, werden gewiß gern erfahren wollen, wie der polizeiliche Feldzugsplan gegen das Nackte beschaffen ist. Er ist niedergelegt in folgendem Tagesbefehl. Dannt das öffentliche Ausstellen, Feilbieten und Anpreisen von solchen Bildern, Photographien, Gummiartikeln usw. auf der Straße und an öffentlichen Orten, durch welche dnS Anstandsgefühl verletzt und Aergernis erregt wird, nach Möglichkeit ein- geschränkt wird, ist zur Ueberlvachung derartiger Mißstände eine b e- sondere Patrouille unterLeitung eines Kriminal- Kommissars zu gcstellen. Die Herren Reviervorsteher wollen etwaigen Ersuchen der Patrouillenführer bereitwilligst entgegenkommen. Für die Wahrnehmung des Dienstes dieser Patrouille gilt die nachstchcndc Anweisung: Die Beamten der Patrouille haben unbeschadet der ihnen ob- liegenden kriminalpolizeilichen Funktionen ihr Augenmerk besonders zu richten auf: a) S ch a u f e n st e r und Auslagen jeder Art. namentlich diejenigen der Buch-, Papier-, Bilder-, Pöstkartcn- und Photographic- Handlungen, b) die Läden der Gummiwaren-Handlungen, der Friseure zc. c) die automatisch oder ans andre Weise betriebenen Muto- skope, Stereoskope oder ähnliche Darstellungen, ck) die straßcnwärts angebrachten und auf der Straße an- gebotenen Ankiindiguiigen. gez. v. W i n d h e i m. Da minder Polizei über den Geschniack nicht zu streiten ist, so wollen wir nicht lange darüber rechten, daß gewisse„Gummi- Artikel" mit künstlerischen Darstellungen des nienschlichen Körpers in einem Athemzuge als lonfiskabel aufgezählt werden. Desgleichen mag man sich in einer Zeit, wo der Major Laufs als Dichter gilt, auch nicht darüber Wundern, daß einer SchutzniannSpatrouille nuter Führung eines braven Kriminalkominissarins die Summe von Geistesbildung zugemutet ivird. die nötig ist,»in noch vor der lex Heiuze in künstlerischen Dingen den Sittenrichter abgeben zu können. Eins aber erscheint als natürliche Konsequenz der ncncn Kunst-Patrouille, nämlich ein SchutzmannSaufgebot, das den ans Hosbällen getragenen Kostümen die erforderliche Nufinerksamkcit widmet. in Der Berliuer Oberbürgermeister als Scharfmacher? Zur Besprechimg über die Einführung der A u s st a n d S k l a u s e l in städtische Bauverträge empfing Oberbürzcrmeistcr K i r s ch n e r am Sonuabendmittag eine Vertretung des„Verbands der Bangcschäftc Berlins". Die Baumeistcr D ö h l c r. W e st p f a h l und Lach- mann führten ans. das; rund t-bv Mitglieder des Verbands mit einer Arbeiterzahl von 30 000 Mann unter allen Umständen an der Ansstandsklanscl festhalten werden. Der Oberbürgermeister stellte darauf eine wohlwollende Berücksichtigung in den einzelnen Deputationen in Sl u s s i ch t. So berichtet die„Voss. Ztg." Unsre Parteigenossen im. Noten Hanse werden gewiß ihr möglichstes thun, um Aufklärung darüber zu schaffen, ob es mit dein Bericht der„Voss. Ztg." seine Nichtigkeit hat. Wenn auch die Behandlung, die städtische Arbeiter sich zum Teil gefallen lassen mußten, auf die Möglichkeit mancher schlimmen Dinge schließen läßt, so wollen wir doch zur Ehre des Berliner StadtoberhauptcS annehmen, daß das liberale Kapilalistcnblatt falsch unterrichtet war. Auch sollte, wenn auch gewiß nicht die Liebe zur Arbeiterschaft, so doch ein gewisses Maß von Klugheit die maßgebenden kommunalen Kreise schon hindern, sich durch offenes Paktieren mit dem Scharfmachertum die F i u g e r z u v e r brennen. Frühling im Febrnar. Offenbar hat die Natur niit dem deutschen Bundesrat Konkurrenz treten Wolfen. Wie dieser zur Sühne für seine politischen Rückwärtscreien das Jahrhundert/„in 365 Tage vordatiert hat. p läßt die Mutter des All jetzt bei 15 oder 20 Grad Wärmc das Mai lüfterl wehen. Ein schnurriges Vcxierspicl zur Fastnacht. Aber wir kviiucn es uns schon gefallen lassen. H»t und Wanderstab zur Hand und hinaus ins Freie, tu den Grüne Wal d. Dort, und nicht in der staubigen Stadt soll der Maicntag im Februar genossen werden, dort muß unter piuicuähulichcu Kiefern italienischer Frühling sein. Aber, o Wunder! Hat einer Lust, bei 15 Grad Wärme— Schlittschuh zu laufen? Im Grunewald kann maiüö haben. Festes EiS in Hülle und Fülle. Wir sehen das befremdliche Schau spiel zunächst auf dem Halcusec. Weiter geht's am Hmidekehlen� See, am Grunewald-, am Riemcister-Sce vorbei bis zum Schlachten sce. Hier können wir dein Verlangen nicht widerstehen. Auf dem schmalen Fußpfad knirscht der Schnee unter nnsern Tritten trotz der wannen Frühlingslnft. Wir treten anfs Eis, vorsichtig mit dem einen Fuß— es kracht nicht. Wir setzen den andren nach— wahr hastig, das Eis ist stark genug, einen Menschen zu tragen, stark genug, um selbst»och etliche solcher Frühlingstage, wie gestern und vorgestern,� aushalten zu können. So hält die Mutter Natur durch dies neue Vcxierspicl sich und lins abermals zum besten. Wir sind aber diesmal die Ilcbcrlcgeiicn. Drinnen in der Stadt, ja, da ist es ein leichtes für sie. eS dem Bundesrat nachziimachen, uns über die Zeit hinwegzutäuschen. In ihren schicklich geordneten vier Wänden aber, im Grimewald, blamiert die Dame sich nur mit den tollen Sprüngen. Ihr eignes Werk, das Eis, wirkt abkühlend auf ihre KarncvalSliift und gemahnt sie wie zum Hohn daran, daß sie selbst zur Fastnacht ein wenig ihre Gesetze respektieren muß. Zur Schulnot. Zum April dieses Jahres sollen zwei, zinn Oktober drei und vielleicht noch weitere zwei G e m e i n d e s ch u l- Häuser in Benutzung genommen werden— falls sie bis dahin wirklich, wie nun bereits zum so und sovieltcn Male versprochen wird, fertig werden. Zu Ostern müssen aber 100, zu Michaelis voraussichtlich 70 nene Gcmcindcscknilklassen eröffnet werden, um den zu crtvartendcu Zuwachs an schulpflichtigen Kindern anfnehmcn zu loimcn. Ein Teil der neuen Klassen muß also wieder noch in Pr i v a t h ä u s e r u untergebracht werden. Der Entwurf des städtischen Etats pro löOO setzt denn auch für Miclung von Schnlränmen wieder um 40 000 Mark mehr an. öbtvohl dieser Ansgabeposten bereits in den Vorjahren sehr erheblich gestiegen ist. Wahrscheinlich wird auch die Zahl der fliegenden Klassen im Sommer eine erneute Zunahme erfahren. Inden Schulkommissionen sieht man übrigens, wie uns mitgeteilt wird, dem Beginn des Sommersemesters mit großer Sorge cnt- gegen. Es Ivird erwartet, daß die S ch w i e r i g k e i t e n beider Einschulung der Kinder, die sich schon zu Ostern und Michaelis vorigen Jahres als ungewöhnlich groß erwiesni, sich dies- >nnl noch um ein Beträchtliches steigern werde». Wir sind wirklich neugierig, wenn es der städtische» Schulvcrwaltmig im Verein mit der städtischen Bauverivaltung gelingen ivird. einmal wieder „normale" Verhältnisse im Berliner Gemeindeschulwesen herbei zuführen. Ski« Fusluenza starben in Berlin in der Woche vorn 4. bis 10. Februar nach den jetzt vollständig vorliegenden Meldungen 47 Personen. Für die folgende Woche vom li. bis 17. Februar ergebe» schon die hisher eiiigcgmigencn ärztlichen Meldungen eine weitere Steigerung bis auf das Doppelte. Eine in absoluter Zahl gleich hohe Jnfliienza-Sterblichkeit in einer einzigen Woche ist in Berlin überhaupt noch nicht beobachtet worden, auch nicht in den besonders uiigüustigcii Jahren 1805 und 1801. Die Sterblichkeit an Jnflueiiza stieg im Frühjahr 1895 in einer Woche bis auf 74 und im Herbst 1801 in einer Woche bis auf 88, aber sie hielt sich damals allerdings mehrere Wochen hindurch auf annähernd derselben Höhe. so daß sie allein in den vier Woche» vom 24. Februar bis 22. März 1805 230 Opfer und in den vier Wochen vom 22. November bis 10. Dezember 1801 302 Opfer forderte. Zwei neue Schulinspcktorcn, mit einem Anfangsgehalt von 6400 M. will der Magistrat infolge der Vermehrung der Schulkrcise zum 1. Oktober d. I. anstellen. Die städtische höhere Webcschule, Mnrkusstr. 40, beginnt ihre neuen Unterrichtskurse für die Abend- und Soimtagsabteilung am Sonntag, den 1. April er. In dieser Abteilung wird Unterricht erteilt für Weber und Wirker, Musterzeichner, Posaincnticrer, Kurbel- stickcr und Färber.— Die Tagesabteilmig beginnt die neuen Kurse am Montag, den 2. April. Diese Abteilimg besteht aus 6 Unter- abtcilungei!: 1. für Weberei; 2. für Musterzeichnen; 3. für Wirkerei; 4. für Posamenticrerei: 5. für Kurbelstickerei! 6. für Färberei.— Nähere Auskunft erteilt der Direktor der Schule, Herr Professor Gürtler. Zum KraurcnvcrfichcrungSwcsen. Nach den soeben der- schieiicncii Bcrvffcntlichuugcn des Statistischen Amts der Stadt Berlin bestanden im Jahre 1808 in Berlin 06 landcsrechtlich ge- nchmigte Kassen, von denen die älteste, die Kranken- und Sterbe- kasse Nr. 34, bereits im Jahre 1753 begründet wurde. Den größten Mitglicderstand unter diesen Kassen, soweit sie sich nur aus die Stadt Berlin erstrecken, nämlich 20507 Mitglieder weist die„Schtvanefeld- sche Kranken- und Sterbekasse sNr. 52)" auf, tvclche im Jahre 1822 gegründet wurde. Die geringste Mitglicderzahl<67) hat die Sterbe- lasse des deutschen Krieger- und Landwchrvereins(Nr. 25). Der erste elektrische Vollbahnzug sollte in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag vom Wannsccbahnhof in Berlin abgelassen werden. Ein aus zwei Personenwagen dritter Klasse bestehender Zug, von denen der eine mit dem Etcktromotor versehen ist. sollte eine erste Probefahrt bis Großgörschenstraßc nach Schluß des fahr- plaiimäßigen Betriebs ausführen. Die Versuchsfahrt konnte jedoch noch nicht stattfinden und zwar aus dem eigenartigen Grunde, weil in Groß- Lichterscldc ein Teil des Kabels gestohlen worden war, welches dazu bestimmt war, den elektrischen Strom von dem dortigen Kraftwerk zur Bahn zu leiten. So wurden die Wagen gar nicht nach Berlin gebracht. Sobald aber da? Kabel ersetzt und verlegt ist, sollen die Versuche aufgenommen werden. Die ganze für den elektrischen Kraftbetricb in Aussicht genommene Strecke Berlin- Zchlendorf ist vollständig mit den erforderlichen Einrichtungen vor- sehen, so daß der erste clcltrische Vollbahnbctricb in Deutschland auf- genommen werden kann. Nadsport. Die Renntermine auf der Nadrennbahn Kur- f ü r st e n d a m m sind für dies Jahr folgendermaßen festgesetzt: Ostcrremicn 15. und 16. April; Vicrtagercnnen 24. bis 27! Mai; Großer Preis von Deutschland 26. Äugnst und 2. September; Meisterschaft von Europa 23. September..Außerdem finde» Rennen statt am 20. April, 20. Mai, 8. Juli und 5. August. Blamabel. 16 460 M. und 40 Pf. hat die Stadt für drei der letzten Magi st ratS-Hilfsarbeiter- Prozesse zu zahlen, die im letzten Jahre zum Abschluß gekommen sind. Von dieser Summe entfallen ans den Hilfsarbeiter Casimir Eichler 5024.26 M., auf den Hilfsarbeiter Trost 2113.04 M. und auf den Militär- auwärter Korth 8423,10 M. Der letztere klagte noch zwei weitere Ansprüche gegen die Stadtgeincindc ein, nämlich den Teil seiner Diäten, die der Magistrat für verjährt hält und die Differenz zwischen dem ihm gezahlten und demjenigen Gehalt, welches die gleichzeitig mit ihm einbcriifenen Militäranwärter(nach Ablcgnng der Prüfung) beziehen. Dieser Prozeß schtvebt gegenwärtig beim Reichsgericht. Der Magistrat ersucht jetzt die Stadtvcrorduetcu-Vcr- sammlmig um ihre Zustimmung, daß' die obige Summe dem Vor- schußkouto erstattet werde. Von den Spitzbuben, die durch Aufhebung des Lüttgen- scheu H ehlernestes in der Friedrichstraße entlarvt worden sind, wurden bis zum Sonntag fünfzehn verhaftet. Unter den Verhafteten befinden sich acht frühere Hausdiener von hiesigen Seiden- und Mauufalturwarengeschäftcn, die, wie bis jetzt festgestellt wurde, die Gelegenheit zu den Diebstählen ausbaldowerten und meist in Gemeinschaft mit den andren Verhafteten ausführten, die alle schon mehrmals wegen Diebstahls vorbestraft sind. Lüttgcn hat mit den Spitzbuben schon seit einige» Jahre» in„Geschäftsverbindung" gc- standen, und von den in dieser Zeit gestohlenen Waren große Posten zu einem Spottpreise gekauft. Vis jetzt ist es noch nicht gelungen, alle Eigentümer des bciLüttgen bcschlagiiahmtcn Warenlagers, das einen ungefähren Wert von 40 000 M. repräsentiert, zu ermitteln. Die Firma Feibusch u. Prcnß hat die ihr entwendeten Waren zum größten Teil zurückerhalten. Zwei Zilsammeustöffe im Straßenbahnbetricbe ereigneten sich gleichzeitig heute vormittag gegen 10 Uhr. In der Oiitterstraße stieß ein elektrischer Wagen der Linie Dönhoffplatz— Schlesische Brücke mit einem Wagen der Weißbierbr?uerei von Willner ans Vankow so heftig zusammen, daß der Bicrkinschcr vom Bock zwischen die Pferde geschleudert und der Hintcrtvagcn zertrümmert wurde. Zu derselben Zeit überfuhr auf der Jamiowitzbrücke ein„Elektrischer" ein Privat- fuhrwerk, wobei ein Pferd getötet wurde. Tödlich verunglückt ist am Sonntagabend der Kanfmann Paul Frommherz, der eine Weingroßhandlung in der Kroncnstraße betrieb. Ans der Heimkehr ans dem Grunewald wollte er nahe am Potsdamer Platz mit dem Z w e i r a b zwischen zwei dicht hinter- einander fahrenden Wagen der Straßenbahn hindurch, kam unter die Pferde, wurde getreten und erlitt außerdem noch schwere Wer- lctziingcn, indem ihm die eine Seite des Körpers von dem Wagen ausgerissen wurde. Ein Schutzmann brachte ihn nach der RettungS- wache 1 in der kgl. Klinik, Ivo er bald darauf gestorben ist. Verein für volkstümliche Kurse von Berliner Hochschullehrern. Herr Professor Dr. Karl Gunther, der wegen plötzlicher Ertranlung seinen Vortrag am vorigen Mittwoch aussallen lassen mußte, wird iiuninehe den sechsten und letzten Vortrag über„Bakterien, Krankheitscrrcgnng und KrankheitSbekäinpfuug" im großen Hörsaal des kgl. hygiemschcn Instituts, Klosterstraße 36, am Mittwoch, den 2s. d. M., abends bl/2 Uhr, halten. Im Hörsaal der Urania tpricht heute Herr Dr. G. Naß über die Glasfabnlation; am Schlüsse dieses Vortrags wird ein Glasbläser einige interessante Glassimncn praktisch zur Ausführung bringen und im Anschluß an diesen Vortrag findet am kommendeil Sonntag eine Exkursion nach der Glashütte von Völ und Äcrsten statt. Orgelkonzert. Mittwoch, bell 28. Februar, mittags 12 Uhr, werden Frau Rosa Wille, Fräulein Luise BehrcndS. Herr Hans Sasse, der Violinist Herr Hans Busseiiiuö und Herr Ernst Bcthke beim Diciiclschen Orgelvortrag in der Marienkirche Hauptsächtich Bachsche Koinpositioim» aufführen. Der Eintritt ist frei. Fcncruachrichtcn. Hartnäckige Brandstifter haben es auf das ans Nr. 101 in der Ncichenbergerstraße abgesehen. Seit »Ii v. I., Ivo der Dachstnhl des Qnergcbändcs total eingeäschert wurde, haben auf jenem Grundstück nicht weniger als sieben Brände stnttgeflinden, die zwar incistens im Keime erstickt werden konnte», aber sicher ans Brandstiftung zurückzilführen Ivaren. Auch Sonntag früh 8 Uhr kam ans dein Dachboden des Qnergebäudes Feuer aus, dessen Ursprung seitens der Fcnertuchr mit Sicherheit ans Brand- 'tiftung zlirückgeführt werden konnte, da Thürcn und Vcrschlägc mir Petroleum begossen waren. Gtücklichcrwcisc konnte die Gefahr von der Wehr schnell beseitigt werden. Kurz vorher war Wiesenstraße 38 ei» Schadenfeuer abzulöschen, das einen Heu- bodcn einäscherte. Nachmittags ging Kaiser Wilhelm- t r a ß e 30 Gcriimpel in Flammen ans, während gleichzeitig Fri e d r i ch s b e r g erstra ß e 23 in einer Tischlerei ein Brand abgelöscht werden mußte. In R c i n i ck e u d o r f, Provinzstraße 07, war Montag früh 3 Uhr in der Holzbcarbeitnngsfabrik von Jordan Feuer alisgebrochen, doch brauchte die alarmierte Berliner Wehr dort nicht in Thätigkeit zu treten. AuS de» Nachbarorte». I» Baumschulcutvcg hält der Verein„Vorwärts" Mittwoch- abend 8>/2 Uhr bei Slaffeldt. Baumschulenstraße 86, seine Versammlung ab. Genosse Gcrisch hält einen Vortrag: Kultur- und -ittcnbilder ans dem 18. Jahrhundert. AnS Rixdorf. Der Inspektor der städtischen Straßenreinignngs- Anstalt, Ludwig W ein r ich, der am 1. April d. I. nach sünf- undzwanzigjähriger Thätigkeit im hiesigen Gemeindcdicnst in den Ruhestand treten sollte, ist Sonntagabend im Alter von 70 Jahren plötzlich verstorben.— In der Nacht zum Montag vernnglückte der Droschkenkutscher Gregor aus Berlin in der hiesigen Steinmetz- 'traße dadurch, daß sein Pferd durchging und ihn eine Strecke mitschleifte. Dein G. tvurde dabei der Arm aus dem Kugelgelenk gerissen. Nach Einrenkung des Armes und Anlegung eines Verbands in der hiesigen Unfallstation tvurde G. mit seiner eigenen Droschke nach Hanse gebracht.— Ein Kabel- b r a n d des Elektricitäts-Schalthanses der Straßenbahn in der Bergstraße fand am Sonntagabend ans unbekannter Ursache statt. Eine Betriebsstörung der Straßenbahn wurde dadurch vermieden, daß man den Strom für den Oberleitungsbetrieb von einem Berliner Schalthause entnahm.— In der Hermannstraße fand gestern ein g u s a m m e n st o ß zwischen einem Motorwagen icr Linie Moritzplatz— Britz und einem berliner Geschäftsfuhrwerk statt. Hierbei wurde zwar der Vorderperron des Motorwagens stark- beschädigt, jedoch glücklicherweise niemand verletzt.— Um ein Unter- kommen zu erhalten, ließ sich der wegen Betteiiis in Haft ge- nommene wohiiungslose Tischler Karl Schmidt auf der hiesigen Polizeiwache eine Majestätsbeleidignngzu Schulden kommen. Der Mann wurde dem Amtsgericht überwiesen. Ei» großer Fabrikbrand wütete in der Nacht zum Sonntag in der Hofwagen-Bauanstalt von Eduard K ll h I st e i n, Salzufcr 4, zu C h a r l o t t e n b ii r g. Die Fabrik wurde bereits im Jahre 1882 einmal total eingeäschert. Diesmal wurde das Feuer nachts gegen 11 Uhr im dritten Stock des Qnergebäudes bemerkt, in welchem die Sattlerei untergebracht ist und erheblichen Mengen von Tlichen, Decken und Leder, sowie die Holzteile für einige Hundert Droschken lagerten. In den Parterrcräumen, sowie im ersten und zweiten Stock befindet sich die Lackiererei. Im zweiten Stock hatten mehrere für die Pariser Weltausstellung bestimmte, sowie verschiedene Postwagen, deren Abnahme Montag erfolgen sollte, Anfstcllung erhalten. Als der Löschzug von der Hauptfcuerwache unter Leitung des Herrn Branbincisters von Tcnbcncr am Vrandvlatze erschien, hatte das jedenfalls schon längst schwelende Feuer die Decke des zweiten Stocks bereits durch- gebrannt, und einige mit Lack gefüllte Schränke waren durch bcrad- sallende Funken entzündet. Der dritte Stock aber stand in hellen Flammen. Tie Gefahr tvar sehr groß. Denn währeno im Vordcrhause große Vorräte von Farbe, Lack und Firniß lagern, sind in den dem Feuerherd benachbarten Seitengebäuden enorme Holzvorräte aufgestapelt. Angesichts dieser Gefahr richtete denn auch der Chcirlottcnbiirgcr'Polizeidireltor an die Berliner Wehr die Bitte um Hilfeleistung. ivcShatv eine Dampfspritze ausrückte inid auch noch kurze Zeit Wasser gab. Vorher aber war die Charlottenburger Wehr mit sechs Schlauch- lcitungen schon von verschiedenen Seiten erfolgreich gegen de» Brand vorgegangen und hatte ihn lokalisiert. Der zweite Stock wurde gc- halten, der dritte Stock brannte icdoch total aus, auch wurde der Dachstuhl eingeäschert. Der Wasserdruck der H t) d r a u t e n ließ viel zu wünschen übrig. Da ein starker Fuiikcnrcgcn das benachbarte Siemenssche Grundstück bedrohte, so ließ dessen Besitzer zum Schutz seiner Gebäude einen Schlauch der Hausleitung mit einem Hydranten der Fabrik verbinden. Dabei zeigte sich, daß der Wasserdruck bei weitem nicht ausreichte, um den Strahl bis zu den oberen Stock- werken zu führen. Schönebcrg. Tie Verlegung des WochciimarktS in der terberlstraße nach der E b e r S st r ä ß e wird beabsichtigt. Zu dem wecke hat der Magistrat mit dem Eiseubahnfiskus einen Pacht- vertrag abgeschlossen, um auf dem fiskalischen Terrain aus der süd« östlichen Seite der Ebcröstraße den größten Teil dcS Markts zu vcr« legen. Die Pacht soll 1300 M. betragen.— Volks-Unter- haltungsabende nach dem Vorbild des Schiller-Thcaters sollen in der Aula des Resonngymnasiums stattfinden. Ein kunstgeschichtlicher oder litterarischcr Vortrag Ivird jeden der Abende einleiten. Bereits am 4. März findet ein Goethe-Abcnd statt. Der Eintrittspreis inkl. Garderobe stellt sich auf 40 Pf. Die Leitung liegt in den Händen des Schriftstellers Lavercnz. Wilulerödorf. Tie Durchlegung der Wilhc lins-Aue bis zur Kaiser-Allce und die Freigabe der iieiicu Straße für den Verlehr soll nunmehr erfolgen. In dem zu Wilmersdorf gehörigen Teil der Käiser-Allee werden Kicsschüttungcn vorgenommen, ein Vorgehen, welches besonders der Gemeinde Friedenau zu empfehlen wäre, da hier bei nassem Wetter die Wege sehr zu wünschen übrig lassen. Schnlznstäude in einem Veelincr Vorort. Aus Weißen- sce schreibt man nns: Den Forderungen auf dem Gebiet des Schulwesens wird von der Mehrzahl der hiesigen Geineindevertreter keine besonders große Wichtigkeit beigelegt. Die angebliche Armut und geringe Steuerkraft der Gemeinde hat noch bei jeder Forderung auf Bermehnliig der nuzureichenden Lehrkräfte und Schul» räume als Grund zur Ablehnung dienen müssen. Als Be- weis für die angebliche Unzulänglichkeit der vorhandenen Mittel werden die' von Zeit zu Zeit von der Gemeinde- Verwaltung vorgeiionimcncn statistischen Erhebungen ins Feld geführt. Der in jenen„exklusiven" Kreisen herrschende Widerwille gegen statistische Aufnahmen ivird spielend überwunden, sobald die Statistik zur Ablehnung einer Sache dienen könnte, die der großen Masse zu gute käme. Wie notwendig die Vermehrung des Lehrpersonals ist, geht aus der Thatsaäie hervor, daß z. B. an der hiesigen katholischen Schule bei 487 Schülern nur 8 Lehrkräfte angestellt sind. Die beantragte Neuaustelluna wurde von der bürgerlichen Vertretung abgclehm. Noch krasser sieht es aus au den evangelischen Schulen. Hier koinmen auf 5021 Schüler 71 Lehrkräfte, d. h. im Durchschnitt hat ein Lehrer 71 Schüler zu unterrichten. Daß unter diesen Umständen den einfachsten Regeln der Pädagogik, selbst beim besten Willen des Lehrers, nicht Rechnung getragen werden kann, liegt klar auf der Hand. Bei der Beratung der beantragten Vermehrung der Lehrkräfte wurde um deren Anzahl gehandelt und gefeilscht, als ob es sich nicht um die Erfüllung einer im Interesse der Kultur unabweisbaren Notwendigkeit, sondern um den Ankauf einer be» liebigcn Quantität Ware gehandelt hätte. �_ i Schlimmer noch sieht es ans, tvenn man die Schnlzustände sich vor Augen führt, soweit die zur Verfügung stehenden Räume in Betracht kommen. Zur Zeit sind vorhanden 00 Klassen und 76 Klassenzimmer. d. h. es schien 23 Klassenzimmer. Von diesen 76 Räumen sind wiederum eriva 25 Proz. Mietsräiune, oder wie der seiner Zeit inspizierende Schuldircktor kl h l e berichtete, gesundheilsschäd- I i ch und uiigceignet zum Aufenthalt für die Kinder,«elbst nach dem geplanten Bau des Schnlhauscs im Westen wird das Verhältnis kein günstigeres werden, da bis zur Fertig- stellung des Baues' der zu erivartende Zuwachs an Schülern allein schon genügt, um diese Klasse» zu füllen. Daß unsre in der Gemeinde« Vertretung' sitzenden Gegner als ein Mittel zur Abstellung dieser Schäden'auch die Verringerung der Zahl der Unter- r i ch t s st n n d e n allen Ernstes vorschlagen, beivcist von neuem, daß bei diesen Herren die Interesse» der Allgemeinheit ans Förderung nicht zu rechnen haben. Die proletarischen Wähler werden gut thun, bei den kommenden G e m e i n d e Iv a h l e n der Socialdcmokratie als derjenigen Partei ihre Stimmen zuzuwenden, die bestrebt ist, die Interessen der Gesamt- heit im wahrsten Sinne zu fördern. Für die Umwandlung der Tempelhofer Ehanffee in eine sogenannte„Prachtstraße" mit besonderen Radsahrbahnen ist das Projett ausgearbeitet und dem Teltower Kreisausschuß vorgelegt worden. Eisciibahn-Uufall. Wie die Eisenbahn- BetriebSinspektion Vi mitteilt, entgleiste gesleni vormittag bei der Einfahrt in die Station Dalldorf(Crcmmener Bahn) der Zug 168 infolge unzoitigen Umstellens einer Weiche. Menschei, sind nicht verletzt, der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. NermiMtes« Ein schweres Brandnngliick hat sich am Sonntag in St. Quen-sur-Seine ereignet. Es wird darüber gemeldet: In einer Ocl- und Alkoholnicdcrlagc in St. Quen-stir-Sciiie brach ein großer Brand ans. Nach mehrstündiger Arbeit gelang es das Feuer eiiizudämineii. Ei» Feuerwehrmann und einige Arbeiter erlitten leichte Verletzungen. Der entstandene Schaden ivird auf zwei Millionen geschätzt. Wie weiter gemeldet wird, erfolgte Sonntagabend 6 Uhr, als der Brand schon gedämpft zu sein schien, eine Explosion von Petroleum oder Spiritus, durch welche etwa 80 Personen verwundet wurden. Von gestern wird telegraphier»: Der Brand in St. Qucn in der Spritfabrik von Depinay dauerte die ganze Nacht; jedoch war die Gefahr einer weiteren Ausdehnung gestern abend 8 lihr beseitigt. Die Zahl der Verletzten beträgt nach amtlicher Feststellmig 130, davon sind 4 schwer verletzt. Die Behörden treffen Maßnahmen zur Unterstützung und Unterbringung der obdachlos gewordenen� 80 Familien. Zweihundert Arbeiter sind infolge des Brandes ohneArbeit, der Materialschaden ist sehr bedeutend. In St. Qnen geht das Gerücht, daß Brandstiftimg vorliege.— Eine spätere Meldung lautet: 40000 Hektoliter Sprit fielen dem Feuer zum Opfer. Als bei den Explosionen das Gas abgedreht wurde, entstand eine im- bcschreibliche Panik. Die ganze nördliche Pariser Baimineile tvar durch turmhohe Flammen erleuchtet, die bis zu den Boulevards sichtbar waren. Der Brand wütet noch immer fort und die Mög-, lichkeit der Entzündung der in der Nähe gelegenen Petroleumlager läßt eine noch entsetzlichere Katastrophe befürchte». Der Verkehr auf den Pferdebahnen sowie auf der Nordbahn ist eingestellt. 15 Dampf- spritzen arbeiten ununterbrochen an der Bewältigung des Riesen- brandcs, ohne das rasende Element bewältigen zu können._ Vercnitwortlicber Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlicki: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.