Mnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 114. Sonnabend den 14. Juni 1918 isz Das entfesselte Scfricfcsal. Roman von Edouard Rod. „Wenn es sich darum handelte, Briefe �u besorgen, wurden Sie damit beauftragt?" „Ja, Herr Präsident." „Sie spielten ja eine schöne Nolle. Hm! Aber das ist jetzt gleichgültig. Aber seine Briefe, die Briefe, die Herr de Pellice an Frau Lermantes schrieb. Was ist daraus ge- worden? Verliebte heben sich diese Art Briefe immer auf. Also— wo sind sie, Sie wissen es. Sagen Sie es. Weshalb wallen Sie es nicht sagen... Sie müssen sprechen, Frau, dazu sind Sie hier." Die alte Frau schwieg hartnäckig, die Blicke gesenkt, das Gesicht unbeweglich. „Wissen Sie es— ja oder nein?" Wieder Schweigen. Der Präsident machte eine ungeduldige Bewegung, wechselte einen Blick mit Herrn Rudrit und änderte seinen Angriffsplan. „Sie wollen nicht antworten? Nun, sagen Sie, war Frau Lermantes lange krank, ehe sie starb?" „Nein." „Wie lange? Erinnern Sie sich. Einige Wochen, einige Tage.. „Einige Tage." „Nach ihrem Tode hat man doch ihre Papiere durchsehen müssen. Ihr Mann oder irgend jemand der Familie. Lebte ihre Mutter noch?" „Nein, Herr Präsident." „Also hat zweifellos ihr Gatte diese Pflicht erfüllt? Sie wissen es nicht? Aber man hätte doch Briefe finden müssen?" Die alte Frau antwortete nur noch durch Zeichen. „Nein? Hit man die Briefe des Obersten nicht wieder- gefunden? Also waren sie vernichtet worden? Ja? Sie sagten doch ja, nicht wahr? Hat sie Frau Lermantes, bevor sie starb, selbst vernichtet? Nein? Nicht sie. Also jemand anderes. Einer muh es doch gewesen sein. Sie waren die Vertraute, die einzige, sagen Sie, also haben Sie sie ver- nichtet?" „Gnädige Frau... wollte es..." In ihrer Erinnerung lebte jene Szene wieder auf: Sie sah die Sterbende wieder, die sie mit dem Blicke an ihr Bett rief, als die Wärterin eines Nachts in ihrem Sessel eingeschlafen war. Sie flüsterte ihr mit schwacher Stimme zu: Die Briefe... verbrennen... Bewegungen, Blicke und abgerissene Worte erklärten ihr, daß diese Briefe sich in dem kleinen Schreibtisch befänden, dessen Schlüssel zwischen der Wäsche in einer Kommode lag. Luise wühlte in dieser duf- tigen, zarten Wäsche, unter der nie wieder das Leben pul- fieren würde. Lavendelparfüm stieg aus ihr hervor und ver- flüchtigte sich in der schweren Luft des Krankenzimmers. Die Blicke der großen, fiebcrglänzenden Augen folgten ihrem Suchen, während die Wärterin leise schnarchte. Als der Schlüssel gefunden war, mußte sie in den Schreibtischschub- laden umherstöbern. Die Wärterin konnte erwachen... der Gatte hereinkommen... Sie fand drei mit blauem Band gebundene Paketchen und einige lose Kuverts mit erst kürzlich erhaltenen Briefen. v Sie fragte:„Ist das alles?" Die großen Augen bejahten, schlössen sich, und das blut- lose, abgemagerte Gesicht nahm den Ausdruck unsägliche� Schmerzes an. Dann knisterten alle diese Liebeszeichen iim Kamin, verflüchtigten sich in blauen Flämmchen zu grauem Rauch, und bald war nur noch ein schwarzer Aschenhaufen vorhanden, den sie verstreute. Die Sterbende hatte den Kopf nach der Wand gewendet, die Wärterin schlief noch immer. Vergebens suchte ihr Herr Motiers de Fraisse über diese Szene, die so klar vor ihrem Geiste stand, Einzelheiten zu entreißen. Wie Zentnerschwere lag es auf ihrer Zunge. Schluchzen schnürte ihr die Kehle zu. Die Worte kamen ihr nicht bis auf die Lippen. Sie wiederholte: „Gnädige Frau wollte es... gnädige Frau wollte es..." „Also gehorchten Sie. Ja, Sie waren sehr gehorsam.—* Frau Lermantes wird doch auf die Briefe geantwortet haben, die sie bekam?... Wissen Sie etwas von den Antworten?" Sie schüttelte den Kopf und murmelte: „Verbrannt..." „Auch? Wer hat sie verbrannt? Sie doch nicht! Zweifel- los Herr de Pellice. Sind Sie dessen sicher? Also mehr können Sie uns nicht sagen? Wir müssen Ihnen aufs Wort glauben. Und wenn Sie uns nicht alles gesagt haben?" Sie widersprach nicht. Ihre Augen blickten stumpf ins Leere. Sie klammerte sich nur mit beiden Händen am Gitter fest, und es war als würde sie dort zu Stein. Aber aus ihrem Schweigen sprach die Wahrheit. „Haben Sie noch Irgend etwas zu sagen?" fragte Herr Motiers de Fraisse. Betroffen starrte sie ihn an. Sie hatte überhaupt nichts zu sagen gehabt, wie auf der Folterbank hatte man ihr die Ja und Nein entrissen, sie wünschte nur eins, schnell nach Hzuse eilen, sich dort zu vergraben und alles zu vergessen: die roten Talare, die schwarzen Baretts, das entstellte, leichen- blasse Gesicht zwischen den Gendarmen. Aber jetzt fragte Br6vine: „Eine Frage nur. Herr Präsident. Frau Donnaz ver- sicherte, daß der Oberst von Pellice die Briefe von Frau Ler- mantes verbrannt habe. Wie konnte sie diese Einzelheiten wissen?" Luise Donnaz wandte sich mit mißtrauischen Blicken dem Rechtsanwalt zu und fragte sich, ob das noch ein Gegner wäre. Dann schien sie beruhigter und antwortete schließlich: „Er hat es mir gesagt." „Ach, er hat es Ihnen gesagt. Wann hat Ihnen Herr de Pellice das gesagt? Während der Krankheit von Frau Lermantes, als sie starb?" „Später." „Später? Könnte die Zeugin die Zeit nicht mehr genau angeben? Die Frage ist wichtig. Ich bitte Sie inständigst, Frau Donnaz, denken Sie nach, geben Sie sich Mühe." Die halb geöffneten Lippen der alten Frau zitterten, und plötzlich begann sie in kurzen, abgehackten Sätzen zu er- zählen. ,�Ja, es war später... Als ich ihn wiedersah... nach meiner Krankheit. Sie wissen doch, Herr Rechtsanwalt, daß er mich nach La Combette geschickt hat. Er sagte mir... o, ich erinnere mich genau... Luise, hören Sie zu. Nur Sic allein wissen, was geschehen ist... Schwören Sie mir, daß Sie zu niemandem davon sprechen werden, daß Sie nie etwas sagen, nie, nie. Ich habe geschworen. Tarauf sagte er noch: Nicht ein einziges Wort, was auch geschehen möge. Und er hat mir noch gesagt: Sie sind eine brave Frau, Luise, Sie begreifen mich schon. Ich will, daß Herr Lionel... das Andenken seiner Mutter... achtet. Das hat der Herr General mir gesagt, das sind seine eigenen Worte. Und ich habe meinen Schwur gehalten. O ja... und darum wollte ich schweigen." Br6vine rief mit triumphierender Miene: „Sie sehen also, meine Herren, daß Lermantes nichts wußte." „Ich bitte Sie, jetzt nicht zu plädieren, Herr Rechts- anwalt," sagte der Präsident. Rutor verbesserte bereits: „Wir sehen, daß die Zeugin dem Angeklagten nichts er- zählt hat, das ist alles." War der General bis zu seinem Tode stumm geblieben? Hatte er piemals dem heißgeliebten Sohn, den er fast täglich sah, die Arme geöffnet? Nur Lermantes allein wußte das. Aber seine Antworten zählten nicht. Wenn die Wahrheit seinem Prozeß diente, würde er sie vergeblich rufen. Man würde ihm nicht glauben. Jeder legte sich das Problem nach seiner Weise aus, nach seiner Hypothese oder seinem Tem- perament. Einige würden sagen:„Er lugt. Was er ver« sicherte, ist unmöglich." Andere würden antworten:„Alles ist mögKch, aber es ist sehr sonderbar." Und selbst die Wohlwollendsten würden Zweifel hegen. 12. Kavitel. 9codj Luise Donnaz wurde der Diener des Generals Justin verhört, der Typus eines guten, dicken, rasierten Dieners. Er erzählte, daß er um Lermantes' Besuch in La Combctte wußte. Lermantes war mit dem Jrühzug ange- kommen. Der General schien sich über seine Ankunft sehr zu freuen. Beide plauderten freundschaftlich beim Spa- zicrcngehen. Am ersten Abend waren sie bis zehn Uhr zu- fammen gewesen. Das hatte Justin verwundert, denn sein Herr ging sonst immer um neun Uhr schlafen, besonders wenn er auf dem Lande war. An senem Tage klingelte er genau um zehn Uhr, um sich frisches Wasser bringen zu lassen. »Was taten der General und Lermantes in jenem Augenblick?" fragte der Präsident. Justin zögerte, als ob er sich nicht mehr ganz genau erinnern könne. „Sie plauderten zweifellos sehr angeregt, stritten sie sich vielleicht?' „O nein, Herr Präsident. Sie— sie spielten Billard." Man lachte, und der brave Mann geriet in große Ver- legenheit. Dann erzählte er von deni lebten Tage des Generals in Sr. Germain, der Ankunft �lm Abend, dem Auf- stehen am nächsten Morgen, von der f�ahrt nach dem Bahnhose, von ganz unwichtigen Einzelheiten, die sich in jenen Stunden ereigneten, die so unbedeu-end schienen, wie'"o viele vorhci gegangene, während der Tod'chon heimlich lauerte. Das ganze Geschwätz enthielt nicht ein wichtiges Wort. Nun wurde Doktor Finge vernommen und erklärte, daß der General an Schwindelansällen gelitten habe, als er im Juni nach La Combette gekommen war. Der Arzt wurde deshalb gerufen, konnte aber keine Ursache für diese Störung finden. Als er seine Unwissenheit eingestand, rief der General:„Wir wollen annehmen, daß es das erste Alarm- zeichen ist, ein Signal. Darum, alter Soldat. Gewehr links!" Der General sagte das in lustigem, scherzendem Ton, fügte der alte Praktiker hinzu:„Die Kranken sprechen nur von ihrem Ende, wenn sie nicht daran glauben." lFortsetzung folgt.» Rektor II. Von Juhani Aho. Er mar nicht wie der selige Dcckerle von unbekannter Her- kunft und die Frucht einer unerlaubten Liebe. Sein Vater und seine Mutter waren von altem gutschmedischen Adel und im Stammbuchc des sinnländischen Huirdezuchtvereins sind ihre Namen unter den besten und geachtctsten des ganzen Landes ver- zeichnet. Und er mußte auch nicht im Walde oder im Stalle ge- füttert werden, wo so viele Hündchen niederer Rasse zur Welt kommen. Auf dem eigenen Familienhofe, wo seine Mutter und Großmutter herangewachsen sind und gelebt haben, konnte auch er das Licht der Welt erblicken, wenn er bei der Geburt schon Augen gehabt hätte, und in einem besonders eingehegten Raum, den man den„Hundehof" nannte, machte er die ersten Schritte auf der ehrenvollen Laufbahn seines Lebens. Ich sage„ehrenvoll", denn so zu werden, war sie vorher be- stimmt, und so wurde sie mich. Schon von seiner frühesten Jugend an war er dazu auserschen, ein großes Werk zu vollen- den und die leuchtenoen Taten seiner Eltern fortzusetzen. Drei, vier Generationen zuvor hatte der Staimnvater dieses Geschlechts, Hektar I, gelebt. Sein Ruhm war über lveite Jagd- felder verbreitet, unzählig waren die Hasen, die er einem sicheren Tode entgegengetrieben und noch zahlreicher die Füchse, die er zu Tode gebissen hatte. Er war mit einer englischen Prinzessin verheiratet, und von diesen beiden hatten die Nachkommen diesen feinen und langge- streckten Kopf geerbt, diesen ruhigen und erhebenden Blick, diese gerade und breite Nase, diese stattlichen Beine, die mit Doppel- sparen versehenen Pfoten und diesen Pelz, der wie das feinste Kleid.glänzte. Die Nasse wurde mit der Zeit immer edler und hatte einen fast krankhaft verfeinerten Geruchsinn erhalten, aber zu gleicher Zeit war sie etwas schwächer, etwas weniger andauernd und minder bellustig geworden, obwohl ihr heiliger Eifer noch unvermindert anhielt. Bei einigen späteren Mitgliedern dieses Geschlechts hatte man sogar eine gewisse Neigung bemerkt, sich Fehlspuren hinzugeben und den Feind dort zu suchen, wo er sich nicht befand. Der Vater unseres Helden hatte deshalb eine ruhige angloschwcizer Hündin als Ehehälfte erhalten, und aus dieser Verbindung stammte er, der da in der Taufe den Namen Hektar II erhielt. Nachdem er endgültig den Namen Hektor II erhalten hatte, ging ein besonderes Schreiben an die Direktion des Hundezucht- Vereins ab, in dessen Register dieses Ereignis dann vermerkt wurde— und bald brachte er diesen Namen zu Ehren. Er war noch nicht zwei Jahre alt, als man ihn schon auf die große Hundeausstellung in Helsingfors führte. Die Hofmanegs war aus diesem Anlaß mit Flaggen und Girlanden geschmückt, und eine Musikkapelle spielte vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Die ganze feinste Hundewelt war dort repräsentiert. Dort fanden sich Schäferhunde, Pudel, Dackel, Fuchs-, Hof- und Bogelhunde, aber den größten Teil bildeten doch die adeligen Boulevardhunde der Hauptstadt. Hinter dem Hause sah man wohl auch vereinzelt tzemeinere Hunde einheimischer Rasse, einige bellende Eichhornhunde oder Wachthunde— wie sich ja immer bei patriotischen Festen einige Bauern einzustellen pflegen. Hektor II war mit seinen Eltern in einem besonderen Käfig. Diese Familie erweckte die allgemeine Aufmerksamkeit, und um sie sammelten sich ununterbrochen neilgierige Betrachter. Das war vor allem Hektars Verdienst, denn er spielte so nett, bellte so froh, hatte einen so klugen Blick und war so wohlgepflegt und zufrieden, wie es nur eines reichen Mannes Kind zu sein vermag. Und den Kindern reicher Männer wird ja immer mehr gehuldigt als jenen der armen. Die Preisrichter musterten ihn mit ihrem scharfen Kenner- blick, hoben ihn auf, ließen ihn von der Kette befreit seinen elastischen Schritt zeigen, maßen seine Proportionen, verglichen sie mit denen anderer Hundejünglinge und zogen aus all dem den Schlußsatz, daß er die besten Voraussetzungen biete, um seinem Lande ausgezeichnete Dienste zu leisten. Einstimmig wurde ihm auch der erste Jünglingspreis zuerkannt, ein rotes seidenes Band am Halse zu tragen. Sein Name kam in alle Zeitungen, und bei dem großen Festbankett wurde auf seinen Herrn der folgende Toast ausgebracht: „Die Hundefreunde ganz Finnlands sind davon überzeugt, daß Sie, Herr Baron, der Sie sich schon so große Verdienste um die finnländische Hundezucht errungen haben, diese noch erhöhen werden durch die Erziehung dieses preisgekrönten jungen Schönen, auf daß er eine Zierde unseres Landes werde, und daß er mit Ehren verwalte das teuerste Erbe, das er vom Mutter- lande erhielt: das echte schwedische Blut. In dieser Hoffnung leeren die Hundebesitzer und Hundefreunde Finnlands ihr Glas auf Ihr Wohl, Herr Baron." In der gleichen Nacht erhoben sich auch donnernde Hurrarufe ihm zu Ehren, während Hektor ruhig an der Seite seiner Eltern im Hotelzimmer seines Herrn schlief und träumte. Im Traum hörte er Jagdhörner und das Gebell seiner Kameraden, und hier und da bellte er selbst vergnügt. Am Morgen erwachte er, wurde nach der Eisenbahnstation gebracht und in einem be» sonoeren Wagen untergebracht, den die Direktion zu seiner und seiner Ausstellungskameraden Verfügung bereitwilligst beige» stellt hatte. Für Hektor und seinen Eltern wurde dies ein Triumphzug. Bei jeder Eisenbahnstation sammelten sich Neu- gierige, um den zu betrachten, der den ersten Jllnglingspreis er- halten hatte, und von der letzten Station bis nach Hause durste er sogar in der Kutsche seines Herrn fahren. Dann verschwand er für einige Zeit aus der Oeffentlichkeit. Seine Erziehung hatte begonnen, uird die ist für adelige Hunde viel strenger als für andere. Er durfte nicht allein über Land und Feld daher laufen und auf allen Märkten herumstöbern. Er durfte sich nicht einmal in der Küche oder beim Eßtisch zeigen, er hatte seinen eigenen Erzieher, und das war ein gestrenger Herr, der ihm allerdings viel Futter gab, aber mich viel Prügel, ivenn es erforderlich war. Gerade dann, wenn Hektor sich bereits frei glaubte und im Begriff war, hinaus auf die Landstraße zu den Huldinncn des Dorfes zu eilen, rief ihn sein Mentor immer wieder zurück, und kam er nicht sofort, dann gab es Prügel. Wenn er bloß des Spaßes halber die Hühner betrachtete oder auf die Schafe an der Kette losstürzte, so war der grausame Mann so- fort hinter ihm her, prügelte ihn fast zu Tode und sperrte ihn für mehrere Tage in die Hundehütte ein. Ereignete es sich, daß der Grausame bei schlechter Laune war, so konnte es ihm ein- fallen, ein Holzscheit weit vor sich hinzuwerfen und Hektor zu be» fehlen, es zu apportieren, und das oft zehnmal hintereinander. Das waren harte Tage. Aber eS ereignete sich auch, daß Hektor zur Belohnung in den Wald geführt wurde. Wie er da raste, lärmte und über Zäune, Büsche und gestutzte Bäume sprang! Vor Verzückung wälzte er sich manchmal auf den? Boden, um so» fort wieder weiter zu jagen und aus vollem Halse zu bellen. Manchmal tauchte irgendein Tier vor ihm auf, das rasch im Ge- büsch verschwand, ehe er noch zur Besinnung kau?. Da fühlte er in den Nasenlöchern einen eigentümlichen Geruch, der ihn lockte und reizte. Der Verschwundene kam wieder, und er folgte ihm langsam. Plötzlich knallte es hinter seinem Rücken. Er hörte seinen Namen rufen, rannte aus Leibeskräften zu seinem Herrn UM fand dort zu seinen Füßen ein Tier liegen. Das war ja em Hase. Hektars erster Hase. Der Baron schmeichelte ihm, ließ ihn an der Beute schnüffeln und in sie beißen. Das war ein Festtag für Hektor wie für seinen Herrn. Der Hund war sich seiner Aufgabe im Leben bewußt, und seinem Herrn erblühten holde Hoffnungen für künftige Zeiten und Jagden. Der Tag wurde mit einem kleinen Familienfest gefeiert. Hektor durfte in aller Gegenwart die Eingeweide des Hasen verzehren. Seine Heldentat wurde immer und immer wieder berichtet, und er er- hielt ein Halsband und eine feine Eiscnkette als Zeichen, daß er nun zu den Erwachsenen gerechnet wurde, aber auch als Zeichen, daß er nun verpflichtet sei, alle seine Kräfte dem Wohle der Ge- sellschaft zu widmen. Er selbst fühlte seine neue Würde im Rücken, in den Beinen, im Schwanz und seinem ganzen Sein. Er sah, welche Ehren ihm alle erwiesen, und hörte den achtungs- vollen Ton, in dem man von ihm sprach. Und da beschlost er, sich dieses Vertrauen« würdig zu erweisen und sich selbst, seine Raffe und seinen Herrn zu ehren. Er erfüllte auch alle Hoffnungen so rasch, daß man ihm schon im nächsten Herbst auf alle Jagden mitnahm unv stets dann ab- koppelte, wenn alle anderen Hunde versagten. Denn er bewährte sich in jedem Wetter und in jedem Terrain, er trieb nicht nur ausgezeichnet, sondern er übertraf auch ckfle anderen im„Aufnehmen'". Er hatte ein rauhes und kräftiges Gebell, trieb ruhig und sicher, und erfastte er einen Hasen, so verliest er ihn nicht, fräst ihn auch nicht auf, sondern legte fich ihm gegenüber und edvartete den Jäger. Er kümmerte sich nicht um Vögel auf dem Baum, und wenn andere Hunde diese anbellten, schenkte er ihnen nicht die geringste Beachtung. Verloren diese aber irgendeine Spur, so konnte man sicher sein, dah es Hektar war, der sie wiederfand. Aller dies bewältigte er wie im Spiel.. Zu Hause war er gehorsam und lieb, und so wurde ihm bia Ehre zuteil, die Hundehütte zu verlaffen und unter dem Tisch seines Herrn schlafen zu dürfen. Man pflegte ihn wie den Augenstern, er bekam besonderes Futter, er wurde zuerst herbei- gerufen, um die Gäste des Hauses zu begrüsten, und die Herren klopften ihm den Rücken, während die Damen ihm die Ohren küstten. Aber Hektars Ruhm drang auch über die engen Grenzen seiner Heimat. Er, dieser hochbegabte Aoelshund, war mit dem lokalen Wirkungskreise, auf den er sich bisher beschränken mustte, nicht zufrieden. Die Zeit war aber vorwärts geschritten und er- öffnete adeligem Betätigungsdrange ein immer weiteres Feld. So sollte er dazu gelangen, unter den vornehmsten Hunden des Landes eine leitenoe und allgemein anerkannte Stellung cinzu- nehmen. Personen, die sich der allseitigen Ausbildung ihrer Hunde ganz besonders angenommen hatten, veranstalteten einen Weit- bewcrb für Jagdhunde auf einem Gut in der Nähe der Haupt- stadt. Dort versammelte sich, was Finnland an vorzüglichen Hunden und Hundebesitzern aufzuweisen hatte. Nachdem man ein Frühstück mit extra feinen Weinen einge- nommen und die Gäste willkommen gehcisten hatte, ging man unter Hörnerklang und freudigen Rufen in den Wald. ES war ein ruhiger, kalter und schöner Herbsttag. Die konkurrierenden Koppeln sollten nach dem Lose losgelassen werden. Die Preis- richtcr waren mit Sekundcn-Chronometern versehen. Verschiedene der Hunde hatten schon früher ihre Kräfte erprobt. Ich begnüge mich, das hier wiederzugeben, was die nach dem Kampsplatz cnt- sandten Spezialkorrespondenten der Zeitungen zu berichten wustten. Ein Blatt schrieb:„Es war 4 Uhr nachmittaa, als die mit der gröstten Spannung erwartete Nummer, der Wettkampf vor sich gehen sollte. Hektor II wurde losgelaffen. Die Darbietungen der anderen Hunde hatten begonnen etwas ermüdend zu wirken. Sie trieben unregelmahig und langsam, und ihr Gebell steckte oft für längere Zeit. Keiner von ihnen hatte es noch vermocht, die für den ersten Preis festgesetzte Zeit von 90 Minuten einzuhalten. Es war daher eine wahre Erfrischung, als Heitor il, dieser Hund, der bereits ein so grohes und berechtigtes Ansehen unter den Herren Jägern unseres Landes genost, vor den Preis- richter geführt wurde. Als er losgekoppelt wurde, stürzte er nicht wie die anderen Hunde Hals über Kopf in den Wald. Er sah seinem Herrn in die Augen, wedelte kräftig mit dem Schwanz und schien einen Befehl abzuwarten. Es wurde sofort allen Zu- schauern klar, dast man es hier nicht mit einem dieser halbwilden, zügellosen Jagdhunde, wie sie in finnländischen Dörfern sich vor- finden, zu tun hatte, die fich ihr ganzes Leben lang ungestraft zwischen dem Vieh auf den Weiden einhcrtummeln. Nein! Hier hatte man einen wohlerzpgcncn und mit den besten ererbten Eigenschaften begabten Rassenhund reinsten Wassers vor sich. So- b»rld ihm der Herr mit der Hand das erwartete Zeichen gegeben hatte, sprang er zur Seite und über den Zaun auf das Roggen- seid, wo er einige greife beschrieb.—— Welcher Gcnust, seine sicheren Bolvegungen'und den immer sich steigernden Eifer'seines Schwanzwedeins zu betrachten! Nun verschwand er ini Walde, und sofort hörte man sein Gebell. Was für ein Gebell! Nicht eine Spur von Erregung oder Heiserkeit. Ein klares und hohes Bellen im Brustton, das wie eine Erzglockc klang und ununter- brachen volle 90 Minuten anhielt. Bogen auf Bogen folgte er kreuz und quer der Spur des Wildes, jagte es über Hügel und Wiesen und durch den dichtesten Jungwalo und verlor es weder bei den Zäunen, noch bei den Wegkreuzungen. Als die Zeit ab- gelaufen war, wurde das Signal für den Schust gegeben, und che noch der Schutz ausgerollt war, stand Hektor II bereits bei dem geschossenen Hasen, bist ihn einige Male in den Nacken und liest sich dann ruhig an seiner Seite nieder." Von diesem Tag an war Hektor der berühmteste Jagdhund des Landes. Sein Porträt wurde im„Sport" veröffentlicht, man sprach von ihm stets wie von dem Vorbilde eines feinen Rasse- Hundes, und rein fabelhaft waren die Summen, die für ihn ge- boten wurden. Aber für keinen Preis der Welt wurde er ver- kauft. Er war wie ein Mitglied der Familie seines Herrn und wurde gepflegt wie das edelste. Immer zahlreicher wurden die Jäger, die im Namen ihrer Hündinnen bei ihm als Freiwerber auftraten, aber sein Herr. der Baron, hatte das Prinzip, dast die Raffe Hektor II nicht ver» mischt werden dürfe. Er liest aus dem Mutterlande für Hektor eine Dame von dem gleichen fürstlichen Blute kommen, und aus dieser Verbindung ist die berühmte adelige„Heklorsche Rasse" hervorgegangen. Das sind nun die besten Jagdhunde Finnlands, und alle ihre Mitglieder gehören der vornehmsten Hundesozietät des Landes an. d. h. sie stehen im Dienste von Jäaern. die eigene Hundchöfe und graste Jagdfelder haben. Hektor II ist nun tot. Er wurde zuerst taub und dunn olind» aber er brauchte nicht den Tod eines gewöhnlichen Hundes zu sterben, er wurde nicht gehängt und auch nicht in den ewigen Schlaf hinüber chloroformiert. Eines Tages fand man ihn leb» los auf seinem Bette, das in dem Zimmer seines Herrn stand. Er wurde begraben, Ivic man grostc Hcrrcnhurrdc zu begraben pflegt. In der herrlichsten Ecke des Gartens wurde unter einer mächtigen Eiche ein Grab gegraben und auf dem Grabe wurde ein Stein mit folgender Inschrift errichtet: ' Hektor II dem adeligen, treuen, reichbegabten Rasse» Hund errichtete dieses Denkmal sein trauernder Herr. EkKnngs neues Dipbtbme- fcbutzmittcl»� Von Dr. Heinrich Viertens. Professor Behring hat auf dem Wiesbadener Kongresse für innere Medizin ein neues Diphtherieschutzmittel der Beachtung der Kliniker und Hhgieniker empfohlen, und gleichzeitig sind auch bereits einige praktische Erfahrungen an den Vortrag angeknüpft worden. Um von vornherein allen Mistverständnissen vorzubeugen, sei bemerkt, dast es sich nicht etwa uni ein neues Heilmittel gegen Diphtherieerkrankung handelt, sondern ausschliestlich um ein Ver- fahren, gefährdete Personen vor der Ansteckung zu schützen. ES soll also hauptsächlich dort seine Anwendung finden, wo Diphtherie- erkrankte eine Gefahr für ihre Umgebung darbieten, also zum Beispiel bei noch gesunden Geschwistern diphthcricCrkrankter Kinder, ferner bei Wärtern, Pflegepersonal usw. Das Verfahren Behrings beruht auf der Einführung eines praktisch vollkommen ungiftig gemachten Gemisches von D i- phtherietoxin und seinem Antitoxin. Dieses Gemisch, das durch das Antitoxin seine giftigen und gefährlichen Eigenschaften vollkommen verloren hat, soll im Körper des damit behandelten Menschen trotzdem eine rapide und sehr energische Antikörper- Produktion hervorrufen und dadurch einen natürlichen Schutz des betreffenden Individuums, der viel wirksamer und viel nach- haltigcr ist als der künstlich durch Uebertragung fertigen Serum geleistete Schutz. Bekanntlich hat man schon seit der Einführun des Diphtherieserums versucht, auch die Umgebung der Ivirk! Erkrankten dadurch zu schützen, dast man ihnen geringere Meng des Heilserums, als zur Heilung der Krankheit erforderlich wäre: injizierte, und hat in der Tat dadurch der gefährdeten Person ein gewisse Zeit lang einen Schutz gegen die Infektion verleihen können. Indessen ist dieser Schutz ein austerordentlich schnell vorüber- gehender. Um die Bedeutung der Sache auch einem weiteren Kreise zu- gänglich zu mache», müssen wir auf die theoretischen Grundlagen aller dieser serotherapeutischen Versahren mit einigen Worten zurückkommen. Bekanntlich erzeugen die Diphthcriebazillen sowie auch einige andere wichtige krankheitserregende Bakterien ein Gift ganz besonderer Art, ein sogenanntes Toxi». Die Sonderheit dieser Toxine drückt sich vor allen Dingen darin aus, dast sie bei der Einführung kleiner Dosen in den Körper empfänglicher Tiere dort ein Gegengift, ein sogenanntes Antitoxin, erzeugen, das nunmehr im Körper dieser Tiere und vor allen Dingen in deren Blute kreist und mit deren Blute gewonnen werden kann. Gleichzeitig sind, solange� diese Antitoxine im Blut kreisen, die Tiere gegen die Wir- kung auch großer Mengen des Giftes vollkommen festgemacht, wie man sagt, immunisiert. Da in dem Falle der Diphtherie- bazillen ferner die Gefährlichkeit der Bakterien ausschliestlich auf ihrer Giftproduktion beruht, so sind die Tiere auch praktisch gegen eine Infektion mit den Bakterien selbst immunisiert. Dies Ver- fahren, Tiere gegen die Infektion mit gefährlichen Mikroorganismen zu schützen, indem man es ihnen selbst überläßt, nach der Ein- führung des betreffenden Giftes Antikörper zu bilden, nennt man aktive Immunisierung. Auf einem total anderen Prin- zip beruht die S e r u m t h e r a p i e. Bei diesem Versahren nimmt man einem vorher absichtlich aktiv immunisierten Tiere das Serum Wir entnehmen diesen Artikel, ein Muster popularisierender Darstellung, sin gekürzter Formi der Wiener„Neuen Freien Presse". Zur Ergänzung sei hier angefügt, dast der Impfschutz erst 21 bis 24 Tage nach der Einspritzung auftritt, aber 1—2 Jahre wirksam bleiben soll. — 458— (Blutflüssigkeit) ab, das die spezifischen Antikörper gegen da» Gift enthält, und überträgt diese Antikörper selbst mit dem Serum in den Körper eines erkrankten oder gefährdeten anderen Lebewesen». Der Organismus des Erkrankten hat in diesem Falle also mit der Bildung der Schutzkörper nichts zu tun, sie werden ihm vielmehr in fertiger Form eingeführt, und aus diesem Grunde bezeichnet man das Verfahren als die passive Immunisierung. Diese Serumtherapie hat im Gegensatz zu der aktiven Immun?- fierung den großen Vorzug, daß man ganz ungeheuer große Ouan- titäten von Antikörpern mit emem Schlage in den vom Gift be- drohten Organismus einführen und dadurch also die verderbliche Kraft relativ großer Giftmengen lähmen kann. Aus diesem Grunoe ist die Serumtherapie oder die passive Einführung solcher Schutz- stoffe im Falle einer bereits eingetretenen Erkrankung für alle Zeiten das einzige Mittel, um eine Heilung herbeizuführen. Denn die langsamen Vorgänge einer aktiven Immunisierung wären nicht imstande, die bereits vorhandenen und die Körperzellen bedrohen- den Giftmengen in der notwendigen kurzen Zeit zu neutralisieren. Anders aber liegt die Sache, wenn eS sich um den Schutz eines noch nicht erkrankten Organismus handelt. Zwar kann man natur- gemäß auch hier durch Einführung des Antitoxins dem Körper einen gewissen Schutz verleihen. Wie sich aber bei genauerer Be- obachtung herausgestellt hat, dauert dieser Schutz nur eine recht kurze Zeit, und zwar aus dem Grunde, weil»das Antitoxin im Körper sehr schnell zerstört wird. Es liegt dies nur daran, daß man gleichzeitig mit dem Antitoxin körperfremdes Blutserum in den Körper einführt und daß dieses, wie alle körperfremden Ei- Weißstoffe, von den Kräften des Organismus sehr schnell vernichtet wird. Wenn wir also vom Pferde gewonnenes Diphtherieserum dem Menschen injizieren, so wird das Gegengift mit dem Pferde- serumeiweiß schnell zerstört. Es wäre also von vornherein das Ideal, auch den bedrohten Menschen gegen Diphtherie aktiv zu immunisieren. Nun ist daS aber mit unvermischtem reinen Diphtheriegift praktisch ausge- schlössen, weil die Behandlung viel zu gefährlich ist. Der Mensch ?st außerordentlich empfindlich gegen Diphtheriegift, viel empfind- ltcher als das Pferd, und kein Hygieniker oder Arzt könnte eS verantworten, einen Menschen mit noch so geringen Mengen reinen Diphtheriegiftes zu impfen. Auch alle anderen versuchten Ver- fahren, durch Abschwächung des Diphtheriegiftes die Behandlung beim Menschen zu ermöglichen, haben keine Erfolge gezeitigt. Da- gegen hat man schon frühzeitig daran gedacht, den Menschen mit einem Diphtheriegist zu impfen, dessen Giftwirkung durch Zusatz deS passenden Antitoxins so gut wie gänzlich aufgehoben war. Daß solche Mischung von Diphtheriegift und Gegengift noch die Kraft hat, in dem Körper der damit injizierten Tiere die Anti- körperbildung anzuregen, ist seit langem bekannt und von Behring selbst mit als einem der Ersten beobachtet worden. Worauf diese Fähigkeit der scheinbar gänzlich ungiftig gemachten Mischungen von Diphtherietoxm und Antitoxin, trotzdem noch immunisierend zu wirken, beruht, ist strittig. Jedenfalls also kann man mit einem praktisch völlig ungiftig gemachten Gemisch von Diphtheriegift und Gegengift Versuchstiere hochwertig gegen Diphtherie immunisieren. Be? der absoluten Unschädlichkeit dieser Gemische konnte es Behring verantworten, solche Versuche auch an Menschen zu machen, und bat damit, wie es scheint, praktisch große Erfolge erzielt. Er konnte bei gesunden Menschen durch die Einführung dieses Toxin-Anti- toxingemisches eine bedeutende Erzeugung von Schutzstoffen im Serum nachweisen; und was das Wesentliche ist, diese Schutzstoffe bleiben im Gegensatz zu dem künstlich eingeführten Antitoxin im Körper lange Zeit erhalten. Das Behringsche Verfahren ist incht etwas durchaus Neues. Die immunisierende Kraft der Gemische von Diphtherietoxin und Antitoxin ist längst bekannt, und Behrings Verdienst ist es, diese altbekannte Methode der Vergessenheit entrissen und praktisch zu einer gewissen Vollendung ausgebaut zu haben, die es ermöglicht, sie nunmehr wirklich an Menschen zu erproben. Er stellt sie nun in den Dienst der Oeffentlichkeit, behält sich aber, was sehr dankens- wert ist, vorläufig, bis die Sache nach allen Richtungen hin erprobt ist, durchaus die Kontrolle über die Auswahl der geeignet erschei- nenden Fälle und auch über die ganze Durchführung des Ver- fahren? vor. Sollte es gelingen, tatsächlich die Umgebung der Diphtherie- kranken durch diese? einfache und anscheinend ungefährliche Ver- fahren vor der Krankheit zu schützen, so wären wir einen großen Schritt loeiter in der Bekämpfung dieser gefährlichen Kinderseuche. Denn trotz aller Erfolge der Heilserumtherapie sind doch nicht alle Früchte reif geworden, die man ursprünglich von dieser großen Entdeckung erhofft hat. Zwar ist die Mortalität(Sterbeziffer) der einzelnen Diphtherieerkrankungen ganz außerordentlich stark herab- gegangen, aber sie ist immer noch bedauerlich hoch, und vor allen Dingen hat die Zahl der Erkrankungen in so erschreckender Weise zugenommen, daß es uns heute fast als wichtiger erscheinen muß, gefährdete Kinder in Schulen und Familien schnell zu immun,- sieren, als die einmal erkrankten mit der Serumtherapie zu heilen. Erst dann, wenn sich beide Verfahren ergänzen, dann wäre dieser schrecklichsten Kinderkrankheit ein großer Teil ihrer Gefährlichkeit genommen. Scbacb* Unter Leitung von T.«lapin. Daniel. ab»da fgh »b ode Igh 2ch(QS-illS-T) Die Teillieferung Nr. g de». Bi lg u e r" ist erschienen und enthält gute Bearbeitungen von.Russisch' und.Zweispringerspiel im Nachzuge'. Diesmal hat man sich endlich ernstlich zusammen- genommen, um eine recht fleißige, verdienstliche Arbeit zu liefern, die, in derselben Art fortgesetzt, da? Werk noch würdig und wertvoll gestalten kann. DaS Nachsiehende entnehmen wir teilweise dieser Quelle. Russisch. Im Jahre 1302 per Korrespondenz. Desendarm,(Paris). 1. o2—©4 Besser(Wien). e7— 65 Sg8— f6 d7— d6 Sf6Xe4 2. Sgl— f8 8. Sf3Xe6 4. Se5— f3 5» d2 di..... Auch der Bilguer führt auS, baß der(von uns warm empfohlene) Zug 5. LoZ I„sehr gut" ist. 5...... d6— d5 1 Mit Recht weist der Bilguer daraus hin, daß mit S...... Le7 (Alapin) 6. Ld3, Sf6(d51) Schwarz nur„ein festes aber b e- e n g t e s Spiel' erlangt. 6. m— dS 1,18—67 6...... Ld61 ist mit großem Er- folg von M a r s h a 1 1 kultwiert worden. 7. 0—0 Sb8— oö Zwingender ist sofort 7...... Lg4I 8. Tfl— el..... Von Dr. Tarrasch herrührend. Mit 8. Sbi— d2I(auch h2— h3) kann Weiß der Textvariante ausweichen. 8...... Lc8— g4 1 9. c2— c3..... 9. LXS, dXe4: 10. TX**, LXf3 1 jc. 9...... 17—£5! 10. Ddl— b3 Rührt(ebenso gehende Zug von L a s k e r her. 10...... 11. S!3— d2?..... 11....'.. DXb??, Tf6 1 sc. Tb8 nebst SXdl) Der Bilguer, der den Textzug durch eine lange Analyse(S. 231) zu widerlegen sucht, erwähnt, daß er 1902(1?) von Alapin in der „Strategie' cmpsohlen wurde. ES handelte sich damals jedoch nur um eine kurze Partieglosse. ES ist zwar schmeichelhast, daß selbst s l ü ch t i g e n Partleglossen von Anno Tobak noch jetzt einer Wider- legung durch spezielle Bilguer- Analysen sür würdig gehalten werden, aber es gibt auch eine V e r j ä h- rungl... Im gegebenen Falle wird übrigens die erwähnte NaatSanwaltlichc Anwandlung des Bilguer sosort dadurch gestraft, daß „seine' Widerlegung deS Text- zugeS gar nicht stimmt I? Dies ist aus nachstehender Partie ersichtlich, j 8b6f). wie der vorher- von Dr. Em. 0—0! (droht die bis zum 22. Zuge dem Bilguer folgt "is! kgixf2 18. g2— g3 14. Kf2-g2 15. h2XgS" BIS hierher recht. Mit „15...... verpaßt er aber fetzung:„IS. Ss4Xk2 l Le7— b4t f5— f4 1 flXgS hat der Bilguer Dd8— dOl»? die richtige Fort- tXgS"l. die er . ,,»»»•»» v c*' ®. 215) nicht weiter ausführt. ES folgt nämlich: 18. 7li1(ICXE-, DgSI; Sel.Tßf; Kg2. DbS) 16.... lZgSI; 17. LXh7t, KhSI: 18. lZX-lS(L+, Lh4 oder Se4, Löf) 18.... Le5!; 19. LflSf, LiiSfl; 20.«XL, Dg31= „10. g3Xh4"?..... Was geschieht aus den von BUguer nicht erwähnten Zug 18. 7sZI(nebst evcnt Sei)?... Schwarz hat eine Figur weniger. ..1«. 17. Kg2Xf2 18. Kf2— e3 19. Sd2-f3 20. KeS— d2 21. DbSXdß 22. Sf3Xel Hier schließt der T{8-f2tI Dd0-h2t Dh2— gSf Ta8— eSf TeSXel I Lg4— 60 L66Xd5" BUguer seine Analyse mit der Behauptung„Weiß sei im Nachteil'. Der nachstehende Verlaus der betreffenden Kor- respondenzpartie bestätigte allerdings dieses Urteil nicht. 23. h4— h6..... Vorzuziehen war 23 Kdl I z. B.: 23____ DXh4: 24. Sd2(oder 1,63) 24.... Dhl(Dg4t: Le2) 25. Sfl, h5; 26. Lf4 je.(nebst event. Tal— ol— c2) Dg3— gSf Dg6Xb5 Dh5-h2t h7— h5 h5— h4 23. 24. Kd2— o2 26. Sbl— a8 26. Lei— d2 27. Sa3— c4 Zu erwägen war 27.... g5. 28. Sc4-e3 Ld5— 17 In Betracht kam 28.... Lhl; 29. Sfl jc. 29. Sei—£3 Dh2— gS 30. Tal— fl h4— h3 Ein schwacher Zug. Aber steht auch ohnedem nicht schlecht. 31. Ld2— el Dg3—£4 32. Se3—£5 gf— g6? 33. Lei— g3 Aufgegeben. Die Dame ist verloren{Dg4; Berantw. Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln, Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.VerlagSanstalt Paul Singer ScEo., Berlin S1V,