Nnterhaltungsblatt des Horwärls Nr. 170. Dienstag, den 2. September. 1913 soz Cin 1>Iann. Von Camille Lemonnier. Die Kleine maß sie ntit haßerfüllten Blicken, die Bot- schaft, die sie hergeführt, war vergessen. Während dem Ehepaare Duc nichts aufgefallen war. hatte sie mit ihrem kleinen, wilden Kinderherzen wohl er- raten, weshalb der Bursche ein so seltener Gast in der Hütte geworden war. Eine Stimme in ihrem Innern verriet ihr die Rivalität einer mächtigen Freundin, die ihn stärker zu fesseln vermochte, als sie alle drei zusammen. Und von An- fang an hatte sie die Unbekannte gehaßt. Mehr denn ein- mal war sie Cachaprds heimlich nachgeschlichen und ihm mit der qualvollen Erwartung in den Wald gefolgt, ein lachen. des Mädchenantlitz aus dem Dickicht hervortreten zu sehen. Oh! um den Preis, sie kennen zu lernen, wäre sie. wenn es nicht anders ging, barfuß über Glasscherben gelaufen. Aber vergebens! die grünen Gewölbe hatten ihr Geheimnis nicht preisgegeben. Sie mußte die zornigen Tränen heimlich in sich eintrinken. Und endlich, endlich kam sie ihr unter die Augen, diese elende Kreatur, die sie mit ihren Zähnen hätte beißen mögen. Und als sVe die feine, zarte, goldig über« hauchte Haut der Nebenbuhlerin vor sich sah. verzerrte sich ihre kleine Fratze ganz fürchterlich. Warum hatte jene nicht auch solch eine schwarze, rissige Haut, einen flachen Leib und rotgeränderte Augen wie die Duc? Statt dessen war sie von hoher, üppiger Gestalt; und sie mußte an cin Erlebnis, das sie einstmals im Walde gehabt, denken. Eines Tages, da sie im Forste Laub sammelte, war eine Dame in einem Samtkleid, reichverbrämt mit weißen Spitzen, die wie Eisblumen über dem schimmernden Samte lagen, langsam an ihr vorllbergeschritten. Es war an einem der letzten Tage des Herbstes, die Dame wandelte in einem breiten Sonnenstreifen, und von ihrer ganzen Erscheinung ging ein Leuchten und Funkeln aus wie von der Statue der heiligen Jungfrau in der Waldkapclle eine Meile von der Hütte der Ducs. Die„Kleine" war mit ausgebreiteten Armen stehenge- blieben und hatte der Vorüberschreitenden nachgeschaut, fest überzeugt, die heilige Jungfrau in Person vor sich zu haben. Ein Wagen mit goldbetreßten Lakaien folgte nach, und sachte, sachte verloren sich Wagen und Dame in den Tiefen des Waldes, mit den langsamen Schritten einer Vision. Ihr wollte es scheinen, als ob Germaine mit jener schönen Dame einige Aehnlichkeit habe. Wütend, mit zorn- funkelnden Blicken mußte sie sie dennoch bewundern. Germaine begann die Geduld zu verlieren. „Was soll das? Wer bist Du?" Der Wildling stammelte einige unverständliche Worte ohne das Tuch aus den Zähnen zu lassen. „Was sagst Du?" fragte Germaine, den Kopf neigend. Es schien ihr, als ob sie einen bekannten Namen gehört hätte. Nun begann die Kleine, diesmal sehr deptlich. sich ihres Auftrages zu entledigen: sie sagte, daß sie von Cachapräs ge- sandt sei, der sich im Walde aufhalte und sie unverzüglich zu sprechen wünsche. Und während sie so redete, schleuderte sie unter ihren buschigen Brauen messerscharfe Blicke auf Ger- maine hervor. Diese zuckte nur verdrießlich die Achseln und antwortete nach einer kleinen Ueberlegung: ..Sag' ihm. daß ich nicht kommen kann. Nein, ich kann nicht, es tut mir sehr leid. Ein andermal!" Aus Furcht vor Ueberraschung vorsichtig nach allen Seiten spähend, sprach sie mit leiser Stimnie, den Kopf ein wenig vorgeneigt. Plötzlich sah sie die bösen, schwarzen Augen wie zwei feurige Kohlen aufflamnien, mit einem unbeschreib- lichen Gemisch von Zorn und Freude darin. Betroffen prallte sie vor dieser seltsamen, Feindseligkeit verratenden Erschei- nung zurück. Noch imnier stand die kleine Wilde auf dem rechten Beine, mit dem linken langsam an dem schmutzigen Schien- bein hinauf- und hinabstreichend, und machte nicht die ge- ringsten Anstalten, abzuziehen. Germaine preßte die Zähne aufeinander: auch sie fühlte, wie in ihr der Zorn gegen dieses kleine, bösartige Tierchen aufwallte. „Geh' fort, ich Hab' Dir doch schon gesagt, daß ich nicht kann," sprach sie. Das Kind schüttelte den Kopf. „Er hat mir aufgetragen..." Und beharrlich, wie eine Schildwache, wiederholte sie ihren Auftrag. Eine unbändige Freude wühlte in ihr, da sie sah.�wie wenig Zuneigung Germaine für Cachaprds enip- fand. Ihr sagte der Instinkt, daß Liebe sich anders gebärden würde. Schließlich begann diese hartnäckige Belauerung daS schöne Mädchen zu beunruhigen. Sie faßte einen Entschluß. „Also, sag' ihm. in drei Stunden bei der Cougnole." Die Kleine entfernte sich lautlos. Germaine sah ihrer mageren, dürftigen Gestalt verwundert nach. Plötzlich wandte sich die Kleine um und schleuderte ihr einen letzten, haß- erfüllten Blick aus ihren schwarzen Augen zu. Da kamen ihr wieder Cachaprös' Erzählungen von eincin kleinen Wald- nwdchen, das er„Gadelette" genannt hatte, in den Sinn. Sie zuckte belustigt die Achseln: eine solche Nebenbuhlerin er- schien ihr drollig. Kaum die kleine Wildkatze zum Hoftor hinaus war, zeigte sie dem Pachthof ihre drohend geballten Fäuste und rannte dann, aus vollem Halse lachend, querfeldein. Sie war plötzlich so lustig geworden, wie die Elster im Hochwald. Von Ungeduld verzehrt, Seufzer in der Kehle,. wartete Cachaprds auf sie. Kaum hatte er sie von weitem erblickt, als er auf sie zustiirzte. „Also was ist mit ihr? Erzähl'!"_£ Sie schüttelte den Kopf und sah ihn spöttisch an, absicht- lich ihr boshaftes Schweigen verlängernd. Da fühlte sie seine Hand auf ihrem Nacken, und sie mit den Blicken durch- bohrend, zischte er: „Sag', was sie gesagt hat, oder ich Sie empfand eine grausaine Freude dabei, ihn noch länger schmachten zu lassen, und hielt mutig seinen Blicken stand, während aus ihren Augen eine heimliche Schaden- freude leuchtete. Immer schwerer wurde der Druck der auf ihrer Schulter lastenden Männerhand, bis sie endlich zusammenknickte. Sie schrie laut auf vor Zorn und Schmerz. „Sie kommt nicht," kreischte sie. Die Hände ließen von ihr ab. Als sie ihn wie von einem Felsblock niedergeschmettert sah, begann sie noch weiter in seiner Wunde zu wühlen. Langsam, stockend, mit Pausen und Wiederholungen berichtete sie, wie das Fräulein die Achsel« gezuckt und hartnäckig nein gesagt habe. Erst bis sie ihn genugsam gefoltert hatte, schien sie sich plötzlich zu be- sinnen, daß Geunaine in drei Stmiden bei der Cougnole sein würde. � Beinahe hätte er sie jetzt umgebracht; aber schon in der nächsten Sekunde war sein Zorn wieder verraucht, und er hob das Kind zu seinen Lippe» empor. Schaudernd rnachte sich die„Kleine" von ihm los. von seinem Kusse einen köstlichen. brennenden Schmerz auf der Haut fühlend, und entfloh ge- hetzt wie ein von einer Bremse gestochenes Tier. Noch nie hatte sie Aehnliches empfunden, obgleich er sie sckwn öfter ge- küßt; während er vergebens nach ihr rief, kroch sie ins tiefste Gestrüpp hinein, ihren Schmerz und ihre Wollust zu ver. bergen. 27,' Zwei Stuirden nach der angegebenen Zeit traf Germaine mit verdrießlicher Miene bei der Cougnole ein. „Weshalb hast du mich rufen lassen?" „Um dich zu sehen." Und in klagendem Tone fügte er hinzu, daß er sie seit fünf Tagen nicht mehr gesehen habe. Sie rechnete nach: erst seit vier Tagen. „Also, meinetwegen vier Tage. Ist das nicht lange genug?" Er lächelte, um sie versöhnlicher zu stimmen. Sie hob die Schultern. Hatte sie denn nicht auch ihre Beschäftigungen? Ob er meine, daß sie ein Freifräulein sei? Das könne nur er sich gestatten, den ganzen lieben Tag nichts zu tun. Uebellaunig sprudelte sie all diese Worte hervor, ohne auch nur eine Sekunde innezuhalten. Kopfschüttelnd hörte er sie an. Allmählich begann die von Germaine ausströmende Kälte auch auf ihn überzu- greifen. Er fühlte das ganze Gebäude seiner Liebe zu- sammenstiirzen, und wortlos, die Kehle wie zugeschnürt, lauschte er ihren Worten, ein wenig beschämt, neben ihr so dumm zu sein. Sie schritt ein paarmal in der Stube herum und sehte sich dann schließlich nieder. Verloren irrten ihre Blicke an den Gegenständen hin ohne sie zu sehen, und mechanisch be- wegte sie nnt ihren Fußspitzen den Saum ihres Kleides. Er saß schweigend im entgegengesetzten Winkel des Gemaches, das Haupt in den Händen vergraben. Schließlich stand er auf, trat ihr gegenüber und lehnte sich an die Wand, den Kopf hängen lassend. Da machte sie einen letzten Versuch, ihni ein Wort zu entlocken-, sein Schweigen erschien ihr be- drückender als seine lautesten Vorwürfe. „So sprich doch, was du mir sagen wolltest." Er wandte den Kopf ab. „Ich... ich wollte... ich Hab' nichts zu sagen." „So: bei Dir ist das alles„nichts".... während ich alle Unannehmlichkeiten zu tragen habe." lFortsetzung folgt.) MlKelm Oftwalds Energetik. Sämtliche Arbeiten Ostwalds, des heute zum Sechziger auf- rückenden Forschers, haben ihren Mittel- und Schwerpunkt in der Energielehre oder Energetik. Was der berühmte Gelehrte besonders in den letzten Jahren auch schreiben und treiben mochte, alles ist ein Ausfluß seiner energetischen Weltauffassung. Um ihn in seinen Lehren und seinem sonstigen Auftreten wirklich verstehen und richtig würdigen zu können, ist es deshalb notwendig, sich mit den Grund- gedanken seiner energetischen Weltbetrachtungsweise genau bekannt zu mache». Für die Oeffentlichkeit zum ersten Male trat Ostwald mit seiner Energetik auf der Naturforscherversammlung zu Lübeck im Jahre 1895 hervor in einem Vortrage betitelt:.Die Ücberwindung des wissen- schastlichen Materialismus." Dieser Vortrag sollte nachweisen, daß eine erfolgreiche Zusammenfassung der Tatsachen der allgemeinen oder physikalischen Chemie nicht mehr durch den alten Materie- begriff, sondern nur unter Anwendung des Energiebegriffs möglich sei, und Ostwald wagte den Versuch,.eine Weltansicht ohne die Be- Nutzung des Begriffs der Materie ausschließlich aus energischem Material aufzubauen". Die Naturwissenschaft des 18. Jahrhunderts war(unter Einfluß der Newtonschen Gravitationslehre) materialistisch-mechanistisch in ihrer allgemeinen Grundlage oder Forschungsidee. Sie sah ihre Aufgabe darin, alle Naturvorgänge auf die Materie zurückzuführen, die sie sich aus kleinsten(unsichtbaren) Stoffteilchen, den sogenannten Atomen, aufgebaut dachte. Diese Atome sollten sich gegenseitig hier anziehen, dort einander abstoßen und in den Bewegungsvorgängen, der Mechanik dieser Atome, sollte die sogenannte letzte Ursache aller Natur- erscheinungen zu suchen sein. Diese materialstisch-mechanistische Anschauung hatte alsForschungs- idee so lange ihre Berechtigung, als man nur wägbare Stoffe als sogenannte Materie feststellen konnte, oder solche wägbaren Stoffe als Grundlage bestimmter Naturvorgänge glaubte annehmen zu müssen. So nahm man z. B. für die Erklärung der Brrbrennungs- Prozesse einen Feuerstoff, für die elektrischen Vorgänge eine ihnen zugrunde liegenden elektrischen Stoff an. Ja. bei dem französischen Chemiker Lavoisier, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts das so- genannte Gesetz von der Ei Haltung des Stoffes entdeckte, daS man richtiger als das Gesetz von der Erhaltung des Gewichts bei chemischen Vorgängen bezeichnet, kommt noch der Wärmestoff und Lichtstoff in seiner Tabelle der chemischen Elemente vor, trotzdem er aber schon wußte, daß diese(nur gedachten) Stoffe kein Gewicht be- sitzen. Infolge dieser Feststellitng kam man im 19. Jahrhundert zu der Annahme einer untvägbaren oder immateriellen Materie, die heute noch in manchen Physiklehrbüchern als Aetherstoff eine wider- spruchsvolle Nolle spielt. Im Jahre 1342 erkannte Robert Mayer, der Entdecker des sogenannten Gesetzes von der Erhaltung der Kraft (richtiger ausgedrückt: des Gesetzes von der Erhaltung der Energie), daß es keine„immaterielle Materie"— was ja auch schon in sich ein Widerspruch ist— geben kann. Er hatte erkannt, daß die Wägbarkeit kein notwendiges Kennzeichen der Wirklichkeit oder Realität der Dinge ist. Es gibt auch unwägbare Realitäten, z. B. die Licht- und Wärmevorgänge, die magnetische» und elektrischen Prozesse usw. Leider unterließ er es, zu untersuchen, ob überhaupt der Eigenschaft der Wägbarkeit für die Bildung des Materiebegriffs die große Rolle zuzuschreiben ist, so daß er, der als Entdecker des Gesetzes von der Erhaltung der Energie als der eigentliche Begründer der Energetik bezeichnet werden muß, im Dualismus von Kraft und Stoff stecken bleibt. Der Wärmestoff, die elektrische und magnetische Materie der Physik des 13. Jahrhunderts verlieren ihren Charakter als Materie und führen nun als die Kräfte Wärme, Elektrizität, Magnetismus usw. eine Art vergeistigtes Dasein. Erst der modernen(energetischen) Phyfik ist eS gelungen, diesen Dualismus zu beseitigen. Der Begriff der Energie ist ihr allge- meinster Oberbegriff. Zwar nicht in dem Sinne, wie es Ostwald mißverständlicherweise von einigen seiner Kritiker als Behauptung unterschoben worden ist, daß die Energie als das Prinzip anzusehen sei, aus welchem die ganze Welt abgeleitet werden soll oder sich ent- wickelt hat— was nichts anderes als metaphysischer Monismus wäre, den O. selbst aufs entschiedenste bekämpft— sondern daß bei allen Vorgängen physischer wie psychischer Art energetische Prozesse festzustellen find. Der Begriff„Materie" genügt uns deshalb nicht mehr zur Be- schreibung der Naturvorgänge, weil es auch immaterielle, d. h. un- wägbare Vorgänge gibt, wie z. B. die Erscheinungen der Wärme, Elektrizität und des Magnetismus. Der Oberbegriff„Energie" er- weist sich da als geeigneter, als er weiter ist, denn Begriffe sollen dazu dienen, einen möglichst großen Kreis von Erscheinungen zu- sammenzufassen und möglichst viel Bestimmtes über jede einzelne auszusagen. Was versteht nm� die moderne Ernegetik unter Energie? Ost- Wald sagt: der Begriff Energie umfaffe Arbeit, sowie alles, was aus Arbeit besteht oder in Arbeit zuriickverwandelt werden kann. R. Mayer hat uns nun durch seine Entdeckung dc8 Gesetzes von der Erhaltung der Energie gezeigt, daß in jedem abgeschloffenen Ge- bilde, durch dessen Wände keine Energie aus- noch eintreten kann, die gesamte Energienrenge die gleiche bleibt, was darin auch sonst geschehen mag. Wir haben ein Recht, aus dieser Fest« stellung zu folgern, daß auch die gesamte Energie im Welten- räume konstant ist, d. h. nie mehr oder weniger wird. Wenn aber die Sumine der Energien im Weltenraum konstant ist, kann keine Energie d. h. keine Arbeitskraft neu geschaffen werden. wir müssen mit vorhandenen, gegebenen Energien arbeiten. AuS nichts wird nichts. Es entsteht also keine Arbeitsleistung von selbst, es muß immer dafür von wo anders her Arbeitskraft genommen loerden. Um z. B. ein bestimmtes Stück Land umzugraben, brauche ich eine bestimmte Summe von Muskel- und Nervenleistungen. Diese letzteren kann ich nur dadurch wieder ermöglichen, daß ich durch Aufnahme von Nahrungsstoffen die verloren gegangene Kraft (Arbeitskraft) wieder ersetze usw. Es gibt also verschiedene Arten oder Formen von Energien, z. B. Strahlungsenergie(Wärme, Licht usw.), chemische Energie, elekrische Energie, Bewegungs- oder linetische Energie, Distanz-, Volumen-, Flächenenergie usw. Man kann nun, wie man es populär auszudrücken pflegt, die verschiedenen Energieformen in einander verwandeln. Ein Beispiel möge das klarmachen: Mit Turbinen fangen wir z. B. die Bewegungs- Energie, die Kraft des niederfallenden Wassers eines Wasierfalls auf und setzen damit eine Dynamomaschine in Bewegung. In dieser wird nun die mechanische Kraft des Wassers in Elektrizität ver- wandelt und zwar erzeugt die Maschine— wenn wir von durch Reibung und sonstige Widerstände verloren gegangenen Energie- mengen absehen— genau soviel elektrische Arbeitskraft, als das die Dynamomaschine in Bewegung setzende Wasser besaß. Von der Dynamomaschine leiten wir dann den erzeugten elektrischen Strom in unsere Häuser, um ihn z. B. zur Beleuchtung derselben zu ver- wenden. Wir verwandeln also nun die Elektrizität in Strahlung«- encrgie(Leuchtkraft) und zwar wieder— unter Berücksicktigung des oben schon erhobenen gleichen EinwandS— in Leuchtkraft von der- selben Arbeitsfähigkeit, wie sie die zur Herstellung der Beleuchtung verwandte elektrische Energie besaß. Oder wir verwandeln die ins Haus geleitete Elektrizität in entsprechenden Heizungsapparaten in Wärme, oder in Arbeitsmaschinen wieder in mechanische Arbeitskraft oder in Galvanisieraiistaltcn etwa in chemische Kraft von der gleichen Stärke usw. Unter bestimmten Umständen(z. B. unter Anwendung bestimmter Apparate oder sonstiger Einrichtungen) bin ich also in der Lage, aus einer bestimmten Menge elektrischer Energie eine bestimmte Menge chemischer, mechanischer oder strahlender Energie mit der gleichen Möglichkeit der Arbeitsleistung herzustellen. Wie ich IG) M. z. B. umwechseln kann in 125 Fr. oder 25 Doll. oder 5 Pfd. Sterl. oder 113 Kronen und doch trotz des ständigen Wechsels in der Münzart immer wieder den gleichen Wert erhalte, so ist es auch bei der Uni- Wandlung der Energieformen ineinander. Jede sogenannte Wirkung, jede Arbeitsleistung ist nichts anderes als Umwandlung einer Energie- art in eine andere. Die Energetik hat nun die Aufgabe, die vorkommenden Energie- arten zunächst einmal festzustellen— und da existiert sicherlich manche uns heute noch unbekannte Energieform— und die charakte- ristischcn Merkinale jeder Art herauszuarbeiten. Sie hat dann weiter die Beziehungen zu untersuchen, in denen die verschiedenen Energieformen zu einander stehen und die Regeln(Gesetze) festzulegen, die für diese Beziehungen gelten. Da die Summe der Energie auf keine Weise vermehrt oder vermindert werden kann, kann man für jeden Naturvorgang eine Bilanz aufstellen, indem man vergleicht, welche Energien ausgegeben und welche vermindert worden sind. Beide Beträge find immer ein- ander gleich. Es ist uns dadurch möglich, von jedem Borgange etwas Bestimmtes, Zahlenmäßiges auszusagen, wodurch wir die Vorgänge nicht nur besser begreifen, sondern sie auch in unseren Dienst stellen können. Das gilt nicht nur für die Physik und Chemie und Technik, sondern auch in der biologischen Forschung wächst ständig die Zahl der Forscher, welche die energetlsche Behandlung ihrer Grundprobleme als ein sehr wirksames Mittel des wissenschaftlichen Fortschritts betrachten. Ostwald hat vor einigen Jahren sogar den Versuch gemacht, die energetische Betrachtungsweise auch auf die wissenschaftliche Bearbeitung der sozialen Vorgänge auszudehnen, der Soziologie gewissermaßen eine energetische Grundlegung zu geben, denn nicht nur die allgemeinen Lebenserscheinungen, sondern auch die des sozialen Lebens vollziehen sich im Rahmen der Energie« gesetze. Selbstverständlich ist es O. nie eingefallen zu behaupten, daß die Tatsachen der soziologischen Forschung nur energetisch be« handelt werden könnten oder dürsten. Er ist fich immer klar da« rüber gewesen, daß es im sozialen Leben noch viele andere, weitere Gesetze gibt, für deren Erfassung und Formulierung die Energetik nicht ausreicht. Viele Kritiker der Energielehre haben das Bedenken geäußert, daß mit einem so allgemeinen Begriff, wie es der Energiebegriff nun einmal sei, unmöglich die unendliche Mannigfaltigkeit der Gescheh- nisse zur Darstellung gebracht werden könne. Sie vergessen nur da- bei, daß es nicht nur eine, sondern eine große Anzahl verschiedener Energien gibt. Die Einheit in dieser Mannigfaltigkeit ist erfahrungs- gemäß durch das allgemeine Umwandlungsgesetz gegeben. Jede Energieart kann nun in zwei Faktoren von allgemeinen Eigenschaften zerlegt werden, in einen Jntenfitätsfaktor und einen Quantitäts- oder Kapazitätsfaktor. Bringt man nun zwei Energieintensiläten, z. B. zwei Körper von gleicher Temperatur zusammen, so lassen diese sich gegenseitig unverändert; die Temperatur ist hernach bei beiden Körpern dieselbe als vorher. Fügen wir aber zwei gleich große Energiequantitäten oder Kapazitätennir 2 M. 20 Pf.; das sind wöchentlich 13 M. 20 Pf. Aber ohne Kost. Meine Leute kochen alle selber für sich. Mit Kost kriegen Sie die Woche 8V Pf. weniger." «Donnerwetter," dachte ich,.da kannst du dir ja noch Geld sparen I Für 80 Pf. die Kost für die ganze Woche— mehr kann man doch wohl kaum verlangen." Doch meine Illusion sollte nicht lange dauern.„Aber da gibt'S bloß Kartoffelm 2ö Pstmd, weiter nichts. Sie können es machen wie Sie wollen; mit oder ohne Kost, ist mir gleich." .Also gut. ich fange an." .Gehn Sie man rein und sagen Sie der alten Frau drin, daß sie Ihnen einen Strohsack zurecht machen soll und eine Wolldecke." Und zu seinen Leuten gewendet rief er mit erhöhter Stinmie: .Man looos I" Einige von den polnischen Leuten schienen unser Gespräch zu verstehen. Und ein altes verh«itzeltes Weiblcin keifte hinter mir her in polnischer Sprache:»Du willst Dich bloß satt fressen und über- »achten und morgen gehst Du wieder Deiner Wege," und die ganze Schar lachte und zollle ihr Beifall. Ich aber markierte den Kann-nit-verstahn und ging«mch der Kaserne. Am Hinteren Ende war der Eingang zur Kaserne. Zunächst betrat man einen kleinen Hausflur, von dem eine schmale Holztreppe nach dem oberen Geschoß führte. Durch die offene Türe links trat ich in die Küche. Ein dichter Fliegenschwarm summte darin umher und säuerlicher Geruch stieg mir in die Nase. Zwei Frauen hanüerten in dem Räume und unterhielten sich in polnischer Sprache. An die ältere wandte ich mich wegen des Strohsackes und der Wall- decke. Sie konnte gut Deutsch und war, wie sie mir erzähste, die Mutter des Vorschnitters. Sie fragte mich aus, woher ich komme. «ind ich erzählte ihr dasselbe, was ich kurz vorher schon dem Herrn und ihren, Sohne erzählt hatte. Als sie erfuhr, daß i