Nr. 51, Abemttment»• Kedwgunzen: Abonnements- Preis pränumerando: «iertellährl. Z,Z0 Mb, monatl. I,I0Mk.. wöchextlich 2S Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- Nummer mit illustrierter Sonntags- Letlage„Tie Neue Welt" ll> Pfg. Post- Abonnement: ZL0 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung», Preisliste für 1900 unter Er. 7971. Unter streuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn Z Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Erschein! liglich aufler Montag«. Devlinev VolKsM�tt. 17. Jahrg. Die Inftrttons- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel» »eile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anseigen" jede» Wort S Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate sür die nächst« Nummer müssen biS 1 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bt» ö Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt l, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: «Sorialdemostrat Scrlin» Csntralorgttn der socialdemokratisthen Vartei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Strage 2. Freitag, den Ä. März 1900. Expedition: SW. 19, Beuth-Straste 3. Hinter den Conliffen. Unser Agrarierwm drängt mit wachsendem Erfolg auf eine Einfuhrsperre für Lebensmittel, solveit sie auch bei uns produziert werden. In der Fleischschau-Kommission hat man den ungeheuer- lichen Beschluß gefaßt, vom Jahre 1903 die Einfuhr von Fleisch überhaupt zu verbieten. Das ist die Liebesgabe an die Agrarier für ihre„patriotische" Zustimmung zur Flottenvorlage. In demselben Augenblick, in dem die Negierung und die Marine- Professoren die Notwendigkeit der Flottenverdoppelung wesentlich mit der Sicherung der Lebensmittel-Einfuhr begründen, beschließt die Neichstags-Kommission das Verbot eines wichtigsten Teils der Lebens- mittel. Und offiziöse Federn versichern, die Regierung sei geneigt. sich dem Votum der Kommission zu fügen. Das scheint wie eine Scene aus dem Tollhaus. Erst schafft man eine Flotte, damit Deutschland sicher Lebensmittel einführen könne, und dann verbietet man die Einfuhr. Der Fall kann den Liberalen zugleich einen Vorgeschmack davon geben, wie es bei den Handelsverträgen kommen wird: diese braven Liberale» bewilligen jetzt Milliarden für Panzerschiffe zum angeblichen Schutz des Handels, der alsdann durch die agrarische Handelspolitik unterbunden werden wird. Die Beschlüsse der Neichstags-Kommission haben auch bereits den von den Junkern beabsichtigten Erfolg gehabt. Wie über London aus Washington gemeldet wird, hat Amerika wegen der Fleischschau- beschlüsse die Verhandlungen über den Handelsvertrag mit Deutschland abgebrochen. Wird man jetzt mit Panzerschiffen die Verhandlungen wieder herstellen? DaS ekelhafte in diesen Treibereien der Agrarier ist ihre Heuchelei. Anstatt zu erklären: wir wollen keine Einfuhr von Fleisch und Vieh, weil wir für unsre Produkte auf Kosten des Proletariats Wucher- preise erzielen wollen— schützen sie eine rührende Sorge für die Gesundheit des deutschen Volks vor, sprechen von der Gesundhcits- gefährlichkeit des ausländischen Fleisches und Viehs, der mangelnden sanitären Kontrolle, sie malen schaurig die Schrecken der amcrika- uischen Trichine und Schildlaus. Natürlich werden die Amerikaner erwidern, daß auch das deutsche Vieh an Seuchen leide, daß auch bei uns die Gesundheitspolizei nicht den Konsumenten vor dem Genuß schädlicher Lebensmittel zu behüten vermöge. Nach der letzten Kriminalstatistik sind in Deutsch land 43 Personen wegen Vergehens gegen das Rinderpest-Gesetz, 1149 Personen wegen wissentlicher Verletzung der Abspernmgs maßregeln bei Viehseuchen. 1474 Personen wegen Vergehens gegen die Lcbensmittelgcsetze bestraft worden. Dabei geben die krimi nellen Bestrafungen nur ein blasses Bild von den wirklichen Zu- ständen. Das Bestreben unsrer Agrarier aber geht darauf hinaus, zu bc weisen, daß bei uns Vieh und Fleisch von blühender Gesundheit und Zuträglichkeit ist. während man unS von außen verseuchte Tiere und vergiftete Lebensmittel einschleppe. Und natürlich sollen vor allem nicht unsre handelspolitischen Gegner, die Amerikaner. wissen, wie die Zustände bei uns seien, ob unsre gesundheitliche Sicherung der Kousummittel denn jenem Ideal entspreche, das unsre Fleisch- schau-Junker von dem Ausland, namentlich den Vereinigten Staaten fordern. Es ist ein Verdienst nnsres Genossen Knnert, daß er in der Donnerstags- Sitzung des Reichstags einen geheimen Erlaß zur Kenntnis der Oeffentlichkeit brachte, der grell in die von unsren Agrariern gespielte„Sanitäts- Komödie" hineinleuchtet, und zugleich zeigt, wie willfährig unsre Regierungen den Absichten der Agrarier unterthan ist. Das Aktenstück lautet: Der Regierungspräsident. C. B. 2323 Geheim! Düsseldorf, 24. Juli 1899. Nach dem Cirkular vom 10. Juni 1894 sMin.-Bl. f. d. inner. Derw. S. 102) können Anfragen und Ersuchen, welche seitens der in Deutschland bestellten, mit dem Exequatur versehenen Konsuln ausländischer Staaten innerhalb der Grenzen ihrer amt- lichen Aufgaben und ihres Amtsbezirks an die diesseitigen Ver- waltungSbehörden gerichtet und von diesen unmittelbar beantwortet werden, sofern es sich nicht um Fragen von allgemeiner Be- deutung handelt. Gegenüber den amerikanischen Konsuln- für welche die vorangeführten Grundsätze gleich- falls Geltung haben, ist indessen von allen zur Be- einträchtigung diesseitiger Interessen geeigneter Mitteilungen a b- zusehen, gleichgültig, ob deren Auskunftsbegehren Fragen von allgemeiner Bedeutung betreffen oder nicht. In zweifelhaften Fällen ist von einer Antwort zunächst abzusehen und an mich zu berichten. Als Mitteilungen, die unter keinen Umständen den ameri- kanischen Konsuln zu machen sind, bezeichne ich z.B. statistische Angaben über Zuwiderhandlungen gegen daS NahrungSmittel-Gesetz und seine Nebengesetze, insbesondere über die Herstellung und den Vertrieb gesundheitsschädlicher Nahrungs« und Genuß- mittel und Gebrauchsgegenstände einschließlich Spielwaren, über die Verfälschung und den Ver- trieb derartiger Waren, über Trichinen- und Finnenfunde in«inheimischem Fleisch und über den Stand von Menschen- und Tierkrankheiten. ES besteht jedoch kein Bedenken, wenn bei Anfragen über die letztbezeichneten Punkte die nm Auskunft ersuchten diesseitigen Behörden auf die regelmäßigen statistischen Mitteilungen in den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesund« heitsamts verweisen; eine Beschaffung weiteren Materials hat indessen zn unterbleiben. Ich ersuche, diese Angelegenheit alS streng vertraulich zu behandeln und die nachgeordneten Behörden mit entsprechender Weisung unter ausdrücklicher Betonung der streng vertraulichen Behandlung zu versehen. Eine Mitteilung dieser Verfügung an die Bürgenneister durch einfache Kenntnisnahme derselben in Abschrift hat zu unter- bleiben, es ist vielmehr im Wege besonderer dortseitiger Ver fügung zu verfahren. Freiherr v. Rheinbaben. An die Landräte und Oberbürgermeister. Der Freiherr von Rheinbaben, der als Regierungspräsident diesen streng vertraulichen Erlaß unterzeichnete, ist jetzt Minister deS Innern. Es ist wohl zweifellos, daß diese Verfügung auf einer allgemeinen Anweisung der Ccntral-Rcgicnmg beruht. Es ist eine Anweisung zur Verschlciernng der Verhältnisse auf dem Gebiet der Konsumarttkel-Hygiene gegenüber den Vertretern der Vereinigten Staaten. Amerika soll, abgesehen von dem, was allgemein amtlich veröffentlicht wird, nicht erfahren, wie cS bei n»S mit der Sicherung der menschlichen Gesundheit vor gefährlichen Gebrauchsmitteln steht. Die Vereinigten Staaten sollen das nicht erfahren, damit sie ihre Kenntnis gegen uns nicht ausspielen können, wenn wir heuchlerisch ihre ungenügende Kontrolle zum Vorwand einer Einfuhrsperre nehmen Die ganze Komödie aber wird zum Benefiz unsrer Agrarier anfgeführt. DaS konsumierende Volk soll vor den gesundheitlichen Gefahren der Gebranchsartikel beschützt tvcrden, indem man sie zu unerschwinglichen Preisen emportreibt. Wir wissen jetzt urkundlich, wie eS hinter den Couliffen der Haiidelsvertrags-Vcrhandlungen aussieht, was hinter der Besorgnis und der Schonung der deutschen Gesundheit steckt: die agrarische Unersättlichkeit. Im Reichstag hat die Regierung keine Antwort auf die Ver- lesung dieses Aktenstücks gefunden. Man wird sie bei der Bcrhand lung über das Fleischschan-Gesetz gesprächiger machen.— Ans England. London, den 24. Februar. Ein Sturm im Lager der Methodisten. Ursache und Bedeutung. Die Wes- leyancr und die Liberalen. Das Buch von John A. Hobson über die Süd afrita-Frage. Eine der kräftigsten Stützen der liberalen Partei in England sind die religiösen Sekten, das sogenannte Dissentcrium oder, wie mair cS auch nennt, der Nonkonforinismus, d. h. die Religionsgcmeinschastcn, die sich zu den Satzungen der staatlich eingesetzten anglikanischen Kirche im Widerspruch s.nod covkorm") verhalten. Von ihnen sind die stärkste und leidenschaftlichste Verbindung das W> leyanische Metodistentnni. Die von den Brüdern WcSley und John Whitfield im vorigen Jahrhundert gegründete Sekte ist in religiöser Hinsicht bornierter als die meisten andren Dissentcrkirchcn, die Methodisten sind Mucker wie sie im Buch stehen. Aber dafür sind oder waren sie daS stärkste Rückgrat des politischen Liberalismus und Radikalismus und mehr als irgend eine andre Sekte die Kirche des kleinen Mannes. Besonders stark sind sie in ver- schiedencn Bcrgarbeiterdistritten und vor allem in Wales, dieser Burgvcste des englischen Radikalismus. Ein Walliser. der Reverend Hugh Price Hughes, ist zur Zeit der angesehenste ihrer Vertreter aus der Kanzel. Oder vielmehr er war cS. Denn der mörderische Krieg, der in Südafrika tobt, hat kaum in einer zweiten englischen Gemcinschast so bittere Gegensätze hervorgerufen, wie bei den Weslcyanern. Ihre ganze Tradition wies sie auf die Parteinahme für die Boeren hin. und sicher findet nian im britischen Reich nirgends so fanatische Parteigänger der Boeren als bei de» Weslcyanern, vor allen den Walliser Wcsleyanent. Die Jrländer z. B. sind mehr aus politischem Opportunismus als aus wirklicher Sympathie auf Seite der Boeren, sie applandieren ihnen, und auch das nicht allzu hestig, weil sie England Schivierigkeitcn machen. Bei den Walliscrn ist, wie bei den sonstigen Weslcvancrn, von einer grundsätzlichen Antipathie gegen England nicht die Rede, ihre Patteinahme sür die Boeren ist Sache der Ueberzcugung. des Temperaments, der Ueberliefcrnng. Der Pietismus der Boeren ist dem ihren durchaus verwandt. Nun haben aber eine Anzahl hervorragender WeSleyaner, voran der obengenannte Rev. HugheS. von Anfang des Krieges an gegen die Boeren Partei ergriffen, Englands Sache in Südafrika für ge- rechtfertigt erklärt. Das hat viel Unzufriedenheit und Reibung hervorgerufen, und Herrn Hughes ist der Vorwurf nicht erspart ge- blieben, sein Verhalten sei durch den Einfluß eines ihm verschwägerten Kapitalisten in Südafrika diktiert. Jetzt aber ist der bisher noch leidlich unterdrückte Gegensatz in helle Flammen ausgebrochen. Zu einer Feierlichkeit, die nächsten Freitag in der Methodistenkirche m City Road in London stattfinden soll, wo noch WeSley selbst ge- predigt hat, bat der Vorstand der betreffenden Verwaltung, in offen- barer Nebercinstimmung von den leitenden Mitgliedern deS Central- komitces der ganzen Gemeinschaft, Minister Chamberlain den Ehren- Vorsitz übertragen. Das hat einen wahren Sturm im Lager der Wesleyaner hervor- gerufen, den die boerenfreundliche radikale Presse nach Kräften unter- stützt. Von Londoner Zeitungen ist es der„Morning Leader", der Tag für Tag Proteste gegen diese Auszeichnung des ManneS veröffentlicht, dem die Verteidiger der Boeren die Hauptschuld an dem Krieg beimessen, in der Provinz neben' Walliser Zeitungen der „Manchester Guardian". Selbst Leute, die den Krieg als unver- meidlicheS Produkt der Gegensätze in Südaftika betrachten, also Herrn Chamberlain nur geringe oder gar keine Verantwortimg an ihn beimessen, tadeln die Einladung als Taktlosigkeit sondergleichen. Die Heißsporne aber sprechen von einer Spaltung bezw. Secession, und viele von ihnen haben ihre Sammlungen für den Jahrhundert- fonds der Methodisten eingestellt oder die von ihnen gezeichneten Be- träge andern Zwecken zugewandt. Natürlich fehlt eS dafür auf der andern Seite nicht an Stimmen, die den Protestierenden engherzigen Fanatismus, Intoleranz und dergleichen vorwerfen. Man hat da ein Bild von der Zerrüttung und Verwirrung, die der Krieg im hiesigen Parteilcben, und vor allem im liberalen Lager, hervorgerufen hat. Von Querströmungen aller Art durch- wühlt, wird die liberale Partei von diesem Konflift in enipfindlicher Weise getroffen. Wohl begreift man eS daher, wenn einer ihrer Führer. Lord Kimberlcy, letzten Mittwoch im nationalen Klub der Liberalen die Mahnung ergehen ließ, man solle doch die jetzigen Differenzen nicht auf die Spitze treiben. Das Land be- drohe eine starke Oppositionspartei, diese sei aber im- möglich, wenn man über den Punkten, mit Bezug auf die man verschiedener Meinung sei, diejenigen vergesse, hinsichtlich deren man einig sei. Aber die Kampfhähne hüben und drüben lassen sich dadurch wenig beirren. Die Boerenfreunde werfen ihren Gegnern JingoismuS, die Verteidiger des Kampfs für Englands Oberhoheit in Südafrika jenen beschränktes Klcin-Engländertnm vor, und wenn sich die parlamentarischen Führer auch in der Form mehr zu be« herrschen wissen, so bricht doch der Gegensatz zwischen ihnen gelegent- lich nm so schärfer durch.— Im übrigen wird jetzt ruhig debattiert über daS, was geschehen s o l I. Nach allem, was vom Kriegsschauplatz verkantet, ist cS wahrscheinlich, daß der Feldzng in absehbarer Zeit vom briti- scheu Kolonialgebiet auf das Gebiet der verbündete» Boerenstaaten verlegt werden wird, d. h. England nicht mehr eigenes Territorium zu verteidigen hat, sondern auf Boerengebict känipft. Unzweiselhaft wird von da ab die Friedensbewegung täglich an Stärke gewinnen und der Ruf nach Formulierung der Friedensbedingungen immer lauter ertönen. Vor einigen Tagen hat der bekannte Ethiker und Socialpolitiker John A. Hobson, der als Berichterstatter des„Manchester Guardian" mehre Monate in Südafrika verweilte, ein Buch über die Ursachen und Wirkungen des Kriegs in Südaftika erscheinen lassen. Hobson geht mit den„OuitlandcrS" und ihren Beschwerden sehr scharf ins Gericht, ohne darum alles zu beschönigen, was auf Boerenseite ge- schehen. Geduld und Takt würden nach seiner Ansicht hingereicht haben, die meisten der wirklichen Beschwerden ans der Welt zu schaffen. Aber die Ränke der, meist jüdischen Kapitalisten, das hochfahrende. die Kaphollänber verletzende Auftreten Sir Alfred MiluerS soivie Chamberlains Ungeduld und Taktlosigkeit hätten den Krieg herbeigeführt, der die beiden zur friedlichen Neben- cinandcrarbcit in Südafrika bestimmten weiße» Nassen in bittere Gegner verwandelt, das Resultat von Jahrzehnten umsichtiger Ver- söhunngSpolitik ungeschehen gemacht habe. Wolle England nicht zu ewiger militärischer Besetzung Südafrikas schreiten, die dieses zu einer klaffenden Wunde an seinem Rcichskörper machen und den der- zeitigen Grundsätzen seiner Kolouialpolitik ins Gesicht schlagen würde, so bliebe ihm nichts übrig, als die Bedingungen so zu stellen, daß die rechtlichen Verhältnisse der einzelnen südafrika- nischcn Staaten und Kolonie» zu einander im wesentlichen die gleichen blieben wie vor dem Kriege. Die Gründung eines Bundes der südafrikanischen Länder würde bei der numerischen Ucberlegenhcit des holländisch sprechenden Elements diesem auch die politische Ucber- legcnheit in die Hand spielen, was doch die englische Regierung gerade verhindern wollte. Oder aber man müßte Wahlkreis- Geometrie treiben und zweierlei Recht proklamieren, was wieder dem von England verkündeten Ziel seiner Verhandlungen mit dem Transvaal widerspreche. Ich glaube, daß— immer Englands Sieg vorausgesetzt— in der That die schließliche Regelung der Dinge nicht weit von dem Bilde abweichen wird, das Hobson entwirft. England wird voraussichtlich das Oberhohcitsrecht wieder herstellen, wie die Konvention von 1881 es ihm einräumte, und auf Durch- iihrung beziehungsweise auf vertragsmäßiger Sicherstellnng der Refornien bestehen, die cS vorigen Sommer i» den Verhandlungen mit dem Transvaal gefordert hat. Eine faktische Aunektion halte ich für»»wahrscheinlich. Sie würde mehr Um- tände und Kosten machen, als sie einbrächte und die Quelle ewiger Unruhen werden. Die Engländer wissen ganz gut, daß sie dos holländisch- niederdeutsche Element in Südaftika heute weniger als je vergewaltigen können und daß der geschichtliche Rechtstitel ihres Kolonialreichs die Selbstverwaltung der civilisicrtcn Rassen ist. Schon zu Ausbruch des Krieges klagten einige Re- gierungsblätter. das Schlimme sei, daß die Boeren wüßten, ihnen könne nicht viel geschehen. Denn es sei ja doch sicher, daß bei der endgültigen Lösung England, ohne formell dazu genötigt zu sein, auf die interessierten Großmächte Rücksicht nehmen werde. polikifche Aebevlrchk. Berlin, den 1. März. Im Reichstag and bei der gestrigen Beratung des Etats des Auswärtigen ÄmtS die Haag er Friedenskonferenz, ganz be- anders aber die Haltung der deutschen Regierung zu und auf lerselben eine nachträgliche, wohlverdiente Kritik. Genosse Sr. Gra dnauer, der in ausführlicher Rede das Thema. das den größeren Teil der gestrigen Sitzung beherrschte, anschnitt, sprach vor allem sein Bedauern darüber aus. daß der Staatssekretär des Auswärtigen bisher mit keiner Silbe dieser Konferenz Erwähnung gethan habe, was aller- dings bei der Ergebnislosigkeit derselben erklärlich sei. Er rügte nicht nur dieses Stillschweigen des Staatssekretärs, sondern die zrincipiclle Geheimniskrämerei auf der Konferenz selbst. Bei dem hohen Interesse, das die breiten Schichten der Bevölkerung an den Verhandlungen derselben genommen hätten, sei das Tagen der Konferenz hinter verschlossenen Thüren einer Rücksichtslosigkeit gegen die Oeffentlichkeit gleich gekommen, an der sich die deutsche Regie- rung mitbeteiligt habe. Noch merkwürdiger sei die Regierung bei der Auswahl und Instruktion ihrer Delegierten vor- gegangen. Nach außen that die offizielle Welt, als ob sie mit izen Zielen des Friedensmanifests des Zaren voll und ganz einverstanden sei, hinter den Coulissen aber instruierte man sie deutschen Delegierten zu Vorbehalten und Erklärungen, die von vornherein die ganze Haager Konferenz zu einer Komödie degradieren mutzten. Ganz besonders ein- g ehend wics dcr Redner das Doppelspiel der Regierung bei der Auswahl der Delegierten nach und charakterisierte den einen derselben, Professor Stengel, als den denkbar ungeeignetsten Vertreter für eine Friedens tonserenz> Die angebliche Offenheit und Ehrlichkeit der aus- wärtigen Politik Deutschlands habe duräi dieses Doppelspiel im Haag eine drastische Beleuchtung erfahren. Der Staats sekretär v. Bülow, der auf diesen Angriff nicht gefaßt war, that, als ob ihm die Gelegenheit doch erwünscht käme, um dem Reichstag einmal einige Mitteilungen über die Haager Konferenz machen zu können. Es war aber herzlich wenig Neues, was er zu sagen hatte. Daß Deutschland für die Veröffentlichung des Protokolls der Konferenz eingetreten,>var noch die angenehmste Botschaft. Daß die Beschlüsse und Konventionen von Deutsch- land unterschrieben sind und dem Reichstage sogar nach ihrer Ratifikation noch ziigestcllt werden sollen, ist deswegen nichts- sagend, weil der Wert dieser Dokumente für die Anbahnung des allgemeinen Friedens unter den Völkern sganz belanglos ist. Zur Verteidigung der Auswahl der deutschen Delegierten wußte Herr von Bülow in der Verlegenheit nichts Weiteres vorzubringen, als daß die beteiligten Staaten ohne Ausnahme gegen das Auftreten der deutschen Delegierten auf der Konferenz nichts zu erinnern gehabt hätten.'Bebel war es ein leichtes, nach dieser Rede des Leiters der auswärtigen Angelegenheiten zu konstaticrciu daß die gegen die Stellung der deutschen Ztcgierung zu der Friedenskonferenz gemachten Angriffe vollinhaltlich bestehen bleiben. Bebel sieht eine versteckte Aktion der deutschen Regierung gegen die Absicht der Friedens- konferenz ganz besonders darin, daß man von den vielen deutschen Staatsrechtslehrern just zwei ausgesprochene Gegner der Fricdcnsidce als Vertreter ausgewählt habe; denn auch Prof. Zorn. huldige den nämlichen Anschauungen wie sein Kollege Stengel. Indessen einen Erfolg will doch auch Bebel der Haagcr Friedenskonferenz fassen: sie habe flipp und klar ergeben, daß die heutigen Regierungen weder den Willen noch die Fähigkeit haben, die im Manifeste des Zaren ausgesprochenen Ideen zu verwirklichen. Damit bei dem Ernste aber der Humor doch nicht ganz fehlte, gaben zwischendurch Abgeordnete der antisemitischen Partei ihre Tiraden zum besten. Lieber mann von Sonnenberg donnerte gegen die Ausnutzung des . Wölfischen Depeschen-Bureaus durch das Haus Bleichröder. während der Abg. Bockel es bitter beklagte, daß man „schmutzige Börsenjobber", wie Cecil Rhades, an hoher, maß- gebender Stelle empfange. Bebel traf den Nagel auf den Kopf, als er unter schallender Heiterkeit Licbcrmann v. Sonnen borg zwar nicht mit einem Löwen, aber mit einem bellenden und fleffchenden Bullenbeißer verglich, der leider keine Zähne mehr habe, um beißen zu können. Der übrige Teil ' JBeratmig verlief ohne stärkere Teilnahme, nur Genosse Abg. Kunert brachte noch eine pikante und eine die Amerikaner ganz besonders interessierende Enthüllung .äur Beleuchtung der Einheitlichkeit innerhalb der Regierung. -Wahrend man offiziell aus dem Munde des Herrn v. Bülow unsre guten politischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten rühmen hört, ziehen unterdessen sehr hohe Regienmgs- behorden unverfroren mit der agrarisch- konservativen Meute au einem Strang, um diese guten Beziehungen um jeden Preis zu stören. Kunert war in der Lage. auch hier wieder das Doppelspiel durch Mitteilung eines G e h e i m e r l a s s c s zu entschleiern, den der frühere Obcrpräsidcnt der Rheinprovinz, letzjge Minister von Rhcinbaben voriges Jahr zu dem Zweck erlassen hat, den amerikanischen Konsuln ihre garantierte Gleichberechtigung nut den Konsuln andrer Staaten zu nehmen. Diese Eröffnung machte die Herren am Regicrungs tische gänzlich sprachlos. Keine Erwiderung, nicht einmal ein Wort der Verteidigung zu Gunsten des jetzigen Polizei- Ministers erfolgte. Das letzte Wort über diesen Erlaß wurde gestern jedoch sicherlich noch nicht gesprochen.— Morgen steht die zweite Lesung des Marine-Etats aus der Tagesordnung. Die Beratung des Eiscnbahu- Etats. Tos preußische Abgeordnetenhaus begann Donnerstag die ztoeite Beratung des Etats der E i s e n b ä h n- V e r lv a l r u n g mit einer Art Generaldebatte. zu der ein Antrag Dr. Wi einer ffrs. BP.) vorlag, die Regierung zu ersuchen, bei der in Aussicht gc- nommeneii Reform der Personentarife nicht bloß eine Vereinfachung des Tciriflvesens, sondern auch eine Ermäßigung der Tarifsatz e unter Ausschluß der Erhöhung bestehender' Fahrpreise ein- treten zu lassen. Wie vorauszusehen, wandte sich der Minister v. T h i e l e n gegen den Antrag. Indes hob er zum höheren Lob und Preis seiner Thätig- kcit rühmend hervor, daß die Eiscnbahn-Verwaltiing unter glänzende» Aussichten ins neue Jahrhundert trete und daß der Verkehr sich in unbegrenzter Weise iveiter entivickele, aber diesen» erweiterten Berkehrsbediirfnis durch oernüiiftige Reformen, vor allem durch Tarifermäßigungen, gerecht zu werden, danach trägt er kein Ver- langen. Im Gegenteil, Herr v. Thielen ividcrsetzt sich von Jahr zu Jahr mehr allen Neformvorschlügen. Ging er doch heute sogar so weit, den jetzigen Gepäcktarif als verfehlt zu bezeichnen, weil derselbe SH'KgePiicl enthalte! Recht sonderbare Anschauungen hat der Minister über die A r b e i t e r v e r h ä l t n i s s e in seiner Verwal- tnlig, er wiegt sich in dem holden Wahn, daß es unter den Eise ii b ahnarbeitern so gut wie keine Social- de.mokraten giebt. Natürlich, offen dürfen sieb die Arbeiter, denen die Verwaltung sogar ihr verfasiungsgemäß ihnen gewähr- lciftetcS Koalilionsrecht nimmt, sich nickt zur Soeialdcniokrane bekenueu. Ins Innere ihrer Seele aber kann ihnen selbst ein so scharfsichtiger Mann wie der Minister v. Thielen nickt blicken. Die Gründe,� die gegen die Herabsetzung der Tarife angeführt würden, waren die altbetannten. Gras L i n» b u r g- S ti r üm(t) fürchtet davon ein Erwache» der Wanderlust; natürlich seitens der Arbeiter, denen es nach Ansicht dieses Agrariers verwehrt sein soll, sich da Arbeit zu suche», wo es ihiie» gefallt. Graf M o l t k e ffrk.) glaubte den Antrag Wiemer durch einige billige Witze abthun zu können, und Abg. v. Z e h n h o f sE.)' brachte' finanzielle Bedenken dagegen vor. Für den Antrag Wiemer sprach außer dem Aickrag- stell er nur Abg. S a c n g e r lHosp. der frs. Vp.). Die Beratung wird Freitag fortgesetzt.— Deutsches Weich. Bon de» Berufs, zcuoffenschaften. Ein bemerkenswerter Bericht lEgt jetzt vor über eilte„Beratung über die weitere Ausgestaltung der Unsallvcrhütuug und der Ueber- wachnng der Betriebe", welche vom Präsidenten des Reichs- Ver- sichcrnngsamts einberufen worden war und am 15. Dezember 1809 stattfand. In dieser Borsamnilmlg, die zusammengesetzt war aus 7 Mitgliedern des Reichs- VersichcrunqSamts und 39 der hervor- ragendsten Vertreter der Berufsgenossenschaften, wurde u. a. eingehend verhandelt über das, was bisher in der lleberwachung der Betriebe von de» Berufsgcnoffenschaften geleistet»vorden sei. Prof. Hartmann, Geh. RegierüngSrat in» Reichs- Vcrsicheiungs- amt, also gewiß ein unverdächtiger Zeuge,»vies hierbei»ach, daß im Jähre 1898 die 312 Beauftragten der Berufsgenossenschaften nur während eines Teils ihrer Zeit die Betriebe kontrolliert und deshalb hierin nicht mehr geleistet habeu, als 50 vollbeschäftigte Beamte. Diese Beamten haben 13 090 Betriebe revidiert. Man kann sich denken, wie gründlich bei einer solchen Massenleistung die einzelne Revision gewesen sein muß. Trotzdem bilden die revidierten Betriebe nur eine ganz verschwindende Minderheit, da nicht weniger als 156 366 Betriebe versichert waren. Sein allgemeines Urteil gipfelte darin, daß bei der Mehrzahl der Berufsgenossenschaften die Ucberwachungsthätigkeit durchaus ungenügend sei. In etwa 20 Bcrufsgenosscnschasten. also in faß l/a der Gesamtheit, haben anscheinend gar k c i n e R e v i s» o n e n stattgefimden. In den andren koinine es häufig vor, daß einzelne Sektionen bei der Kontrolle vollständig versagen. Esse ferner nicht ausgeschlossen, daß die Beauftragten nur aus kurze Zeit. tage- oder wochenweise augestelll werden. Diese Beamten könnten miinöglich mit Lust nnd Liebe ihr Amt ausüben, noch sich fort- laufend über die Fortschritte der Unfallverhütlingstechnik informieren. Ueberhaupt sei es mit der Förderung der lliifallverhütungstechnil bei den Bernfsgenossenschasteii im allgemeinen schlecht bestellt. Um die neueren Schutzkonstrnktioncn küinmern sich die meisten Berufs- gcnossenschafte» wenig oder gar nicht. Es sei nicht selten, daß Erfinder von anscheinend ganz brauchbaren Sicherheitsvorkehrungen bei den BerusSgenosicnschastei» nicht da» gering st e Entgegen- koinmen finden.' Die Erfinder, ivelchc oft nicht unerhebliche Kosten bei dem Ausprobieren ihrer Konstruktionen aufgewendet haben, erkennen nach langen, fruchtlosen Beniühungen, daß sie auf kein esr Seite Gegenliebe finden und lassen dann ihre Konstruktionen wieder fallen. So sind manche anscheinend gute Sicherheitscinrichtungn» wieder vcrsckwunden, Diese Thatsachen komiten von den Vertretern der Bernfs« genosiensch asten nickt im geringsten widerlegt werden. Der Vorsitzende, der Präsident des Reichs- Versicherungsmntc Gäbel. faßte daher das Ergebnis der Verhandlungen dahin zusanimci». daß über wesentliche Punkte ein Einverständnis erzielt worden sei. Der erste dieser Punkte ist: „Es wird als dringend n o t w c n d.i g anerkannt, daß die Berufsgenosseilschaften die Unfallverhütung noch in größeren, Umfange und in weit ausgiebigerer Weise al».bisher ausüben und überwachen." Zun» Schluß heißt eZ:„Der Vorsitzende erklärte sich schließlich bereit, von vorstehendem Ergebnis der Beratnngcn, gegen dessen Nichtigkeit von keiner Seite Bedenken erhoben wurden, den» Herrn Staatssekretär de».Innern Mitteilung zu machen." Trotz dieser Feststellimgen hat der Direktor im Reichsamt des Innern, Dr. v. W o e d t k e, in der Uufallpersicherungs-Koiniiiissioi» des Reichstags es fertig gebracht, ein Loblied anzustimmen auf die gewissenhafte Kontrolle der versicherungspflichtigen Betriebe durch die Bcrufsgenosscnschaftci, I Znm Fall AronS. „Die Aktenstücke des Disciplinarverfahrcns gegen den Privat- docenten Dr. Arons" sind soeben bei Georg Rcimer-Berlin in einer Broschüre veröffentlicht worden. Das Heft enthält außer dem Vorwort: den Beschlnß betreffend Eröffmmg deS Verfahrens und Verfügung der Suspension; die Anschuldigungssckrift des Staatsanwalts; das Urteil der philosophischen Fakultät als erster Instanz, mit dem Anhang: die Verwarnung vom Jahre 1895; die BerufungS-RcchtfertigilngSschrift deS Staatsanwalts; die Beantwortung der Berufungs- Rechtfertigiingsschnft seitens des Angeschuldigten; da» Urteil deS Staatsministcriilms als letzter Instanz. Wir werden auf die Broschüre zurückkommen. Für heute sei nur aus dem Urteil der letzten Instanz der Satz erwähnt,„daß die Beschränkung auf eine Ordnungsstrafe nach der ganzen Lage der Sache um so weniger angezeigt»st, als der Angeschuldigte bei der mündlichen Verhandlung vor de»n DiSciplinarhofe selbst erklärt hat, daß er auch durch eine erneute Verurteilung sich von der öffent- lichcn Vertretung der Grundsätze der Socialdeinokratic nicht abhalten lassen ivcrde". Der„H a m b n r g i s ch e K o r r e s p o n d e n t" schreibt: „Die Entscheidung de» preußischen Ministeriums, die den bis- herigc» Privatdocenten Dr. Aron» ans den Reihen der Berliner Uuiversitätslehrcr entfernt hat, ist, wie wir zuverlässig hören, ein- stimmig im Ministerrat beschlossen. In einen, früheren S t a d i n n» der Angelegenheit bestand allerdings bei einem Teile der M i i» i st e r— wir vermeiden absichtlich. Namen zu nemien, obwohl sie uns bekannt sind,»m jeder perjvnlickci» Ans- eiiiandersetzniig vorzubeugen— Ncigiing und Absicht, der Amts- entsetzung die Zustimmung nicht zu geben, sondern cS angesichts des FakultätSgntachtens bei einen» Verweise bewenden zu lassen. Ein von Tr. Arons selbst herbcigcfiihrtcr Zwischenfall hat indessen hier eine Wandlung herbeigeführt. Vach der Verhandlung vor dem DiSciplinarhofe hat nämlich AronS in einer Bersammlnng seine Rede ausdrücklich uiit einein Hoch ans die rote, revolutionäre, internationale Sociakdemokratie geschlossen. Darin mag für»bn ein Be- kcniitnis seiner Neberzeugungstreue gelegen haben, die �früher einer niilden Auffassung zuneigenden Mitglieder des Staats- Ministeriums aber erblickten darin eine Provokation, auf die als Antwort nur die AinlSenthebung erfolgen konnte." Der„Hamb. Korresp." hat offenbar das Bewußtsein, daß die Regierung durch diese ihre rettende That den Rest von Ansehen ein- büßen nniß, den sie vielleicht noch besessen hat. Und das offiziöse Blatt erfindet darum da» Märchen, die Regierung hätte teilweise früher eine liberalere Haltung eingenommen, sc» aber dann durch eine Provokation des Genossen Arons zu dem„harten" Verdikt ver- anlaßt worden. Abgesehen davon, daß das Urteil auch dann nicht gerechtfertigt wäre, wem» sich Genosse Arons wirklich, auch nach Einleitung des DisciPlinarverfahrenS seiner Uebcrzeugung gemäß politisch bethätigt hätte, so ist die Behauptung des offiziösen BlatteS völlig erfunden: Genosse Arons hat sich seit der Einleitung des Verfahrens jedes politischen HervortretenS enthalten, hat also auch nicht jenes„provo- kätorische Verbrechen" verübt. Der Reinigungsversuch deS„Hainb. Korresp." ist also mißglückt. Der Ruhm, die Gelehrten r e p u b l i k in eine Wissenschaftsbeamten- a s e r n e umgebaut zu haben, hastet unmiSlöschlich auf dem ganzen Ministeriiun Hohenlohe. Und die in Berlin garnisonierten Universitätslehrer tragen schweigend mit an dem Ruhm, dieweil fie den Schlag wider ihr freisprechendes Urteil demutsvoll auf sich nehmen.—_ Flottendeckung. In Centruinskreisen soll neuerdings, so will die„Deutsche Tageszeitung" ivisseu, zur Deckung der Flottenkostei» für den Fall, daß die bisherigen Reichscinnahnien nicht zureichen, eine Erhöhung der Börsen st euer und eine R e i ch Z st e u e r auf Surrogate, insbesondere Saccharin, ins Auge gefaßt worden sein.— rufen': Gott erhalte und schütze den Kaiser! Sc. Majestät de» deutsche Kaiser: Hurra! Hurra! Hurra!" l-sx Hcinzc. Endlich regen sich die Künstler und Dichter gegen die schweren Gefahren, die.ihrem Schaffen aus dein Dunkelmänner- gesetz, das eine Reichstagsmajorität au» Centrum und Konservativen verlangt erwachsen. Am Sonntag wollen verschiedene Berliner Künsilervercine eine Protestversammliliig veranstalten. Auch der Verein„Berliner Presse" hat bercirS eine Protestresolution bc- schlössen. Spät kommt Ihr! Wir fürchten, zu spät. Die„Deutsche Tagesztg." weiß zu berichten: Ans sicherer Ouelle können wir mitteilen, daß eine E i n i« gung der Mehrheitsparteien über den Theater- Paragraphen erfolgt ist, daß der Wortlaut festgestellt ist, daß der entsprechende Antrag für die dritte Lesung voii der Mehrheit de» Reichstag» unterschrieben ist. und daß begründete Ans- ficht auf die Verabschiedung de» ganzen Gesetzes — abzüglich des Arbeitgeberparagraphen und der Hcranfsctzuug de» Schiitzalters für Mädchen— vorhanden ist, da aiizimehiimi» ist, daß die verbüiidetei» Regierungen der neuen Förmuliernng ihre Ziistmimuiig nicht versagen werden." Der Arbeitgeverparagraph, der einzige Paragraph, der ernstlich eine Abwehr unsittlicher Zustände bedeuten könnte, wird gestrichen und die übrigen Bestimmungen, die nicht die llnsittlichkeit treffen, wohl aber die wahrheitsmulige nnd ungeschminkte Geißelung des Unsittlichen behindern werden, sie sollen Gesetz werden.— Ter gesunde Hunger. Wir haben im heutigen Leitartikel die Komödie von den„sanitären" Rücksichten beleuchtet. Herr Schwein- bürg führt in den„Berk. Pol. Nachr." soeben wieder dieses Argument vor, indeni er beteuert: Um irrtümlichen Auffassungen bei Beurteilung der von der Neichstags-Kommission in«achen des Fleischschaugesetzes cingenomineiien Stellung vorzubeugen, kann kann» Nachdrucks voll genug betont werden, daß das geplante Fleischschangesetz nicht etwa darauf hinauskommt, die Einsnhr ausländischen Fleisches irgendwie zu unterbinden, sondern daß der Schwerpunkt der ganzen Maßregel auf den» Gebiete der VolkSHYgiene zu suchen und zu finden ist." Man muß nicht vergessen, daß die Kommission vom Jahre 1903 ab die Einfuhr völlig gesperrt wissen will. Damit das Volk keine schädliche Nahrung zu sich nehmen kann, wird es überhaupt davor bewahrt. Fleisch'zu eisen. Am Schluß deutet übrigens der OffiziosuS an. daß die Beschlüsse der Kommission für die Regierung doch nicht so ganz aimehmbar seien:-. „Der Reichstag aber würde sich ein desto größeres Verdienst um die Lösung des in Rede stehenden Promblems erwerben, je eher er endgültige Beschlüsse faßt, welche für die verbündeten Regierungen annehmbar sind." Der Abbruch der Handelsvertrags- Verhandlungen seite»»! Amerikas scheint die agrarische Willfährigkeit der Regierung ein wenig gezügelt zu haben. Freilich, wie weit die Regierung den Agrariern „auf dem Gebiete der Volkshygieue" entgegenkommen wird, verrät die offiziöse Auslassung einstweilen nicht.— Maschinengewehre. Wie die„Schles. VolkSztg." vernimmt, ist eine Anzahl von Offizieren und Obcrjägen» des Oelser Jäger- Bataillons vom Schlesischen Feldartillerie- Regiment Nr. 6 nach Breslau kommandiert worden, um dort im Reiten und Fahren aus- gebildet zu werden. Dieselben sollen zur Führung der mit vier Pferden bespaimteu sechs Maschinengewehre bestimmt sein. die bei den Jägern schon zum diesjährigen Manöver zur Einführung gelangen sollen. Ein Ansbildiingskiirsus im Schießen mit den Maschiuengewehrei» wird sich auf der Spandauer Schieß- chule den» Reit- mid Fahrkursus anschließen. Herrliche Kulturcrruiigenschaft I— Wahlprotest. Daö socialdemokratische Central- Wahlkomitce von C a l V e- A s ch e r s l e b e n beabsichtigt, einen Wahlprotest gegen die Wahl de? Herrn Placke einzureichen. Die bisher bekannt ge- wordenen Ungesctzlichkeitei» und Beeinfluffungen seien so zahlreich. daß sie voraussichtlich zu einer Kassierung der Wahl Plackes führen würden. Namentlich sollen in den Kriegervereinen Drohungen und Beeinflussuiigci» ganz krasser Art vorgekommen sein.— Bei der Reichstags- Ersatzwahl im Wahlkreise 2. Oberpfalz (Ambcrg) wurde der bisherige Abgeordnete Lcrno(C.)»viedergcwählt. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt. Ter polnische Hochverrat. Dem„Orendownik" wird in der Ostrowoer Hochverrats-Angelegenheit berichtet, daß der verhaftete Oberprimaner Rowiiisk» auf freien Fuß gesetzt worden sei. ES hätten sich aber zwei Beamte nach Greisswald begeben, um bei dein Studenten der Medizin Wladislaus Bolewst» Haussuchung abzuhalten und ihn zu verhaften.— Eine brüderliche Rede. Prinz Heinrich, der Bruder des Kaisers, der einen Gestmdheitsurlaub von sechs Monaten erhalten hat. antwortete in Hamburg auf eine Ansprache Wörmanns wie folgt; „Ich bin seiner Zeit auf Befehl uns res Kaisers mit Freude hinausgezogen, um auch die Interessen der deutschen Kauf- Mannschaft wahrzunehmen. Es war mir ein leichtes, in Ihren Kreisen zu verkehren; ich habe es gern gethan und stets Freude dabei empfunden. Aber, meine Herren, ich war nichts, als daS Werkzeug Ihres Kaisers, meines Kaisers, jenes Mannes, der an der Spitze des Reiches steht und sich alle Zeit identifiziert mit den Interessen des Reiches. Ihm danken wir an» heutigen Tage, und ich bitte Sie. mit mir Ihre Blicke zu richten nach den» ehrwürdige» alten Kaiserschlosie an der Spree und unsrem Kaiser einen Hnld'igungsgrutz darz»»bringen, indeni Sie mit mir Ein Mittel gegen Zwischenrufe. Neue Auweudungsformcn deS Grobeu-Unfüg-Paragraphen auf- zufiitden, ist gewiß nicht leicht; die Ehre, diese um eine vennehrt zu haben, hat sich der Herr Bürgermeister O l f e in G ü st c»» verdient. Um bei seinen Reden nicht durch Zwischcnriifc unterbrochen zu werden, schickt er denen, die es doch wagen, ein Strafmandat. Herr Stadtverordneter Boa» hatte in einer Sitzung de» Kollegiums beim Verlesen eines Schriftstücks seitens des Bürgermeisters einen Zivischeu- riif gemacht; dafür erhielt er eine Strafverfüguiig, die wert ist, der Nachwelt überliefert zu werden: „Der Stadtverordnete und Kaufmann C. F. BoaS. hier, hat in den Gemeinderatssitzungei» vom 9. und 16. November v. I. den Vorsitzenden während des Vortrags durch störende Zwischen- rufe unterbrochen und sich dadnrch des groben Unfugs schuldig gemacht. Beweis: durch die amtlichen Verhandlimgen. Es wird deshalb hiermit gegen den p. Boa» aus Gnmd des<3 360.11 R.-St.G. eine bei der hiesigen Polizeikasse zu erlegende Geldstrafe von 15 M., an deren Stelle, wenn sie nicht beizutreiben»st, eine drei- tägige Hast tritt, festgesetzt. Findet der p. Boas sich durch diese Straffestsetzung beschwert, so kann derselbe biiiiiei» einer Woche von» Tage der Zustellung der Strafverfügung an bei der Polizei- behörde. welche dieselbe erlassen hat, oder bei den» ziiständigen Einzelrichter auf gerichtliche Entscheidung antragen. Erfolgt biimen dieser Frist ein solcher Alitrag nicht, so wird die festgesetzte«träfe vollstreckt. Güsten, den 3. Februar 1900. Die Polizeiverwalrung. gez. Olfe." Diese Ausdehnung des Groben- Unfug- Paragraphen entbehrt jedenfalls nicht der Originalität. Das Königreich Sachsen wird mit Neid auf dieses in Güsten entdeckte Mittel gegen Zwischenrufe blicken._ Der Bundesrat erteilte in feiner Donnerstags-Sitzung dem Ausschußbericht über den Entwurf einer kaiserlichen Nerordimng wegen weiterer Jnkraftsetzimg des Gesetzes betreffend die Abänderung der Gewcrbc-Ordnung vom 26. Juli 1397 die Zustimmung.— Chronik der MajestätsbeleidigungS-Prozefse. Ein Majestätsbeleidigungs- Prozeß wurde am Donnerstag ohne Ausschluß der Oeffentlichkeit vor der zweiten Strafiainmer an» Landgericht II verhandelt. Angeklagt war der Militärinvalide Joham» Ernst Arndt, ohne Doniizil. Er ist schon drcißigmal wegen Betteins— daneben auch vielfach wegen Gewaltthätigkeiten— vorbestraft und seit einer langen Reihe von Jahren fast ununterbrochen im Korrektionshause gewesen. Erst ain 2. September v. I.»var er nach zweijähriger Detention aus dem Arbeitshause in Strausberg entlassen»vorden.. An» 11. November betrat er in angetrunkenem Zustande das Behreiidtsche Restaurant in Schönfeld bei Bernau und beganil, anknüpfend an seine Invalidität, Vergleiche ztvischen Kaiser Wilhelm I. und dessen Enkel, dem jetzigen Kaiser. zu ziehen, die sijr ersteren sehr günstig. für letzteren überaus abfällig ausfielen. Die an- wescndcn Bauern»varnten den Angeklagten, er möge den Mund halten und sich keiner ZZcajestätSbeleidigimfl schuldig inachen, aber er fuhr mibeirrt in seinen Schimpfereien fort, bis er aus dem Lokal hinausgeworfen wurde. Bor Gerickt gab er an, er müsse sinnlos betrunken gewesen sein, denn er wisse von dem Borhalte gar nichts und sei im übrigen kvnigstreu bis auf die Knochen, wenn er auch das Unglück habe, nicht arbeiten zu können. Die Zeugen bestritten die sinnlose Trunkenheit und deshalb erkannte der Gerichtshof auf ein Jahr Gefängnis. Im vorigen Sommer bei der Anwesenheit der Kaiserin in Hamburg unterhielt sich die Logiswirtin des Monteurs Johannes v. L a w S k i mit einer Nachbarin über den Besuch der Kaiserin im Krankenhausc. v. LawSki soll sich in diese Unterhaltung gemischt und höchst un ehrerbietige Aeutzerungen mit Bezug auf die Person der Kaiserin gemacht haben. Der Schwager der LogiSwirtin, zu dessen Nachteil v. L. sich des Betrugs schuldig gemacht hat. denunzierte ihn. Der Angeklagte will schuldlos sein und behauptet, die Denunziation sei aus einen Racheakt seiner LogiSwirtin zurückzu- führen. Er sei ein Verehrer des kaiserlichen Hanfes. Er sei nicht 3 o c i a l de nr o k r a t und gehöre auch keinem politischen Verein an. Ter Staatsanwalt erachtete den Angeklagten durch die Zeugen- aussagen für völlig überführt und beantragte zuzüglich der gegen den Angeklagten kürzlich wegen Betrugs erkannten Strafe von fünf Wochen eine Gesammtstrafe von sechs Monaten Gefängnis. Ter Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu dieser Strafe und beschloß die sofortige Verhaftung.— Ausland. Die Konferenz für Arbeitcrvcrtretung in England. London, 27. Februar. Heute trat in der Mcmorial-Hall die vom letzten TradcS-UnionZ- kongreß beschlossene Konferenz von Vertretern der verschiedenen Arbcitcrvcrbindnngcn zusammen, um über die Mittel und Wege zur Erzielung einer stärkeren und wirksameren Vertretung der Arbeiter im Parlament zu beraten. Die Konferenz ist von 130 Delegierten besucht. Davon vertreten l17 Delegierte 63 Gewerkschaften oder Gcwerkichastssektionen mit zusammen 515 316 Mitgliedern. Die unabhängige Arbeiterpartei(13 600 Mitglieder) sandte sieben. die SocialdcmoiratisÄe Federation(0000 Mitglieder) vier Delegierte, der Verein der Fabier(361 Mitglieder) einen Delegierten. Zum Borsitzenden machte die Konferenz' den Arbeiter Will.' Steadman (Vorsitzender der Bootbauer- Gewerkschaft und Vertreter von Puplar-Ost-London im Parlament), zum stellvertretenden Vorsitzenden W. I. D a v i e s, Generalsekretär der Messingarbeiter-Geiverkschast. Das übrige Personal des Bureaus stellten Mitglieder des parlamen- tarilchcn GewerkschaftSkomitees. Nach einer kurzen, aber eindrucksvollen Ansprache des Bor- sitzenden, der auf den geringen Einfluß hinwies, den die Arbeiter- Vertreter derzeitig im Parlament ausüben, und die Schwierigkeiten schilderte, welche die derzeitige Ecschäftsordnung und Arbeits- Methode des Parlament» ihrem Wirken entgegensetzen, ging die Versanimlnng zur Beratung der Tagesordnung über, die sieben Punkte umfaßt: 1. Zweck' der Konferenz( 2. Stellung der Arbeitervertretcr im Parlament. 3. Zu- sammensetzung des Komitees der neuen Verbindung; 4. Pflichten des Komitees bei Wahlen; v. allgemeine Pflichten des Komitees; 6. finanzielle Verpflichtungen; 7. Berichterstattung des Komitees an den Gewerkschaftskongreß und die Speeialorganisationen. Nach einer ziemlich regen Debatte, an der sich u. a. George BarneS, Joseph Burgest, John Burns, James Macdonald. I. Rcir Hardie, Henry Queich, I. Scrton, Panl Vogel und Alex. Wilkie beteiligten, wurden die von dem Parlamentarischen Gewerkschaft!- komitee vorgeschlagenen Resolutionen zu Punkt 1 und 2 mit kleinen Veränderungen angenommen. Sie lauten: 1. Die Versammlung erklärt sich für die Vertretung der An- schauungen der Arbeiter im Parlament durch Personen, die mit den Forderungen und Zielen der Arbeiterbewegungen sympathisieren, und deren Kandidaturen von irgend einer der Verbindungen ausgehen und unterstützt werden, die in der von dieser Konferenz geschaffenen Organisation vertreten sind. 2. Die Konferenz erklärt sich für die Bildung einer spcciellen Arbeitergrnppe im Parlament, die ihre eigenen Einpeitscher(eine Art Sekretäre) haben und eine Politik vereinbaren soll, kraft deren sie sich unter andrem bereit hält, mit jeder Partei zu kooperieren, die zur Zeit für Gesetze wirkt, welche im direkten Arbeiterinteresse liegen, und in gleicher Weise bereit ist, sich jeder Partei im Wider- stand gegen Gesetze entgegengesetzter Tendenz anznschliesten.— Ans der Debatte über diese Resolutionen ist hervorzuheben, daß zur zweiten Resolution die Genossen Macdonald und Queich von der socialdcmokratischen Föderation eine Resolution beantragten und mit Wärme vertraten, die ausdrucklich das Princip de» Klassenkampfs und die Forderung der Nationali- sicrung der Produktions-. Austausch- und Verteilungsmittcl als s'chließlicheS—.ultim-tte�— Ziel der Arbeiterbewegung betonte. Gegen sie sprachen u. a. von der Unabhängigen Arbeiter- partei Jos. Burgest und John Serton. die es für unklug erklärten, der neuen Bewegmig cinrn Charakter zu gebe», der ihr viele zu gewinnende Arbeiter entfremden würde. Man solle Vertrauen in die natürliche Entwicklung der Dinge haben und das Programm so fassen, daß e» von der Masse der Arbeiter heute schon acceptiert werden könne. Zu einer ipecisllen Abstimmung über den Antrag Macdonald-Quclch kam c6 nicht, da ein ihm entgegenstehender Antrag deS Schisiszimmerer- Vertreters Wilkie. der ein kurzes Programm praktischer Reforme» verlangte, mit 50 gegen 35 Stmnncn angenommen wurde. Man kann aber aimehincii, daß diese 35 Stimmen gegebenenfalls dem Antrag Queich zugefallen wären. Der Antrag Wilkie winde in weiterer Folge durch die einstimmige Annahme der von Keir Hardie befürivorteten Resolution Nr. 2 ersetzt. Soviel über den ersten Tag. Noch sei bemerkt, dast von Gelverk- schaften fast nur solche vertreten sind, die dem neuen Gewerkschafts- bimd angehören. Die Bergarbeiter, die Kesselschmiede, die großen Bauarbelterverbindungen sind der Konferenz ferngeblieben. Vertreten sind dagegen auf ihr die Maschinenbauer, Eisenbahner, Schriftsetzer, Textilarbeiter, GaSarbciter. Docker. Lord Roscbcry, der noch jüngst im Parlament so unzweideutig für den englischen JmpcrialisnluS eintrat, will sich von der Führung der liberalen Partei zuriirtziehc». In der Jahresversammlung der„Midlothian Liberal Ast'ociation", die gestern in Edinburgh statt- fand, teilte der Leiter der Versammlung mit. daß Lord Roscbcry den Vorsitz niedergelegt habe, und fügte hinzu, Roscbcry sei iin Begriff, seine Beziehungen zu andern schottischen liberalen Vereinigungen zu lösen. Verschiedene Londoner Morgenblätter sagen, der Vorgang bedeute, daß' sich Rosebery von der aktiven Politik zurück- ziehe.- Kolonisierende Verbrecher. Von einem niederträchtigen Verbrechen macht der französische radikal-socialistische Abgeordnete Vignv d'Oeton in der„Revue des RevucS" Mitteilung, der 1385 als Schiffsarzt den Kriegszug der Franzosen zur Wiedereroberung Madagaskars mitmachte. Er beschuldigt den französische» Truppenführer G e r a r d. die ganze Bevölkerung cincL friedlich gesinnten Dorfes niedergemacht zu haben, lediglich, um mit seinem Äriegsruhm paradieren zu Töimcn. Unter friedlichen Aussichten, so heistt es in dem Bericht, setzte die Expedition ihren Marsch fort von Station zu Station und sie nahte sich bereit» dem Meer von Mozambique, wo das Kanonenboot „La Surprise" ihre Ankunft erwartete. Die ganze Bevölkerung bereitete sich zum fröhlichen Empfang der Expedition Görards vor. Alle Häuptlinge der Umgegend strömten herbei: man i'a uzte, sang und musizierte nach landesüblicher Art. Am 29. August kam die Nachricht, daß Görard nur noch wenige Stunden entfernt sei. Samat, ein aus Madagaskar ansässiger Franzose, der mit der Bevölkerung des Bezirks Ambike befreundet ist, und der schiff!- sähnrich Blot gingen ihm entgegen, ihre Diener und ihr Gepäck zu- versichilich in Ambike zurücklassend. Sie beeilten sich, den Major Gsrard über die s r i e d l i ch e Stimmung des Landes zu belehren. Der Major that. als ob er nicht verstanden habe; er bedeutete dem Schiffsfähnrich, dast er am nächsten Morgen am Angrif teilzunehmen habe. Der General Gallicni hatte in Jmern'a mit einem Hauptschlag begonnen; der Major Görard wollte seine Besitz- ergreifung ebenfalls durch einen H a u p t> ch l a g bekräftigen. Blot und Samat protestierten; sie glaiibten an ein Mißverständnis. Aber der Major wiederholte seinen Befehl in einem Tone, der jede Widerrede ausschloß. Außerdem liest er die beiden bewachen, um zu verhindern, dast sie in die Stadt zurückkehren und die Bevölkerung warnten. Einen Augenblick später traf der König T o u 5 r c selbst ein,»m den Major zu begrüßen. Gsrard lehnte es ab, ihn zu empfangen; er ließ dem arnicn Teufel antworten:„Ich werde meine Befehle selbst nach Eurer Haupt- stadt tragen." Mitten in der Nacht erhielten die französischen Truppen Marschbefehl. Sie schlugen sich unter großer Stille durch das Gehölz, das Ambike nmgiebt; die Artillerie besetzte einen Hügel, von wo sie im Notfall das ganze Dorf zusammenschießen konnte. Bei Tagesanbruch drang man von sechs Seiten gleichzeitig in die schlafende istadt: die Scnegalschntzcn stürzen sich auf die Häuser. Das Morden(massacre) beginnt. Ohne Mißtrauen überfallen, ohne die Möglichkeit eines Widerstands ist die ganze Bevölkerung den Reihen' der französischen Bayoncttc preisgegeben; was in der ersten S runde nicht getötet ist, versucht zu fliehen: von unsrcn schwarzen Compagirien unizingelt, rennen sie wie wahnsinnig, von Blut triefend aus frischen Wunden, immer wieder gegen die>v äffen st arren den, unbarmherzigen Reihen, von neuem getroffen und über ihre toten Kameraden hinstürzend. Der König To'usre. alle Honora- tioren, alle Einwohner fielen an diesem Morgen unter den Schüssen unsrer Soldaten. Diese hatlen Befehl, nur' die Männer zu töten, aber niemand hielt sie zurück, und berauscht vom Blut schonten sie keine Frau und kein Kind. Selbst die Träger und Diener des Herrn Samat teilten das Schicksal aller Einwohner. Als es heller Tag geworden war. glich die Stadt nur noch einem schrecklichen Blütgefilde, in dem Franzosen hemmirrten, müde vom Uebermaß der Schießerei. Eine gewisseZahl unter ihnen fühlte Scham und Widerwillen. Beim Appell fehlte keiner der nnsrigen. Man ruhte sich aus, man atz; kein Jnbelgcsang feierte den Sieg. Den Boden bedeckte eine rote, feuchte Masse und am Nachmittag entstieg ihm leichter Nebel: das war der Dampf des Blutes von 5006 Opfern. Die„Gazette offizielle" meldet aber nur:„Der König Touöre, sein Minister und zwei Häuptlinge sind in dem Kamps gefallen; 500 Gefangene gerieten in unsre Hände." In Wahrheit ist kein einziger Eingeborener lebend entkommen. Die Greuelthat Gsrard enipörte natürlich. die ganze Umgegend und führte eine Reihe Feindseligkeiten seitens der Eingeborenen herbei, die bisher keinerlei Absicht eines Widerstandes gegen die französische Macht geäußert hatten. In Frankreich versuchte man die Schandthat zu vertuschen durch Ordensverleihungen und Avancement» an die Augenzeugen. Der Major Gsrard wurde zum Oberstlieutenant beförderl." Das sind Früchte von, Baume der Weltpolitik. Ganz gleich, ob nun. nachdem dys Verbrechen ruchbar geworden ist. Unter- snchuiig und Strafe erfolgen. Solche Greuel werden sich so lange wiederholen, als die„civilisierten" Staaten unter dem Vorgeben. die Kultur anSzubreiten, ihre Flotten und Truppen hinauSschickcn, um„uncivilisicrtc" Völker zu vergewaltigen und auszubeuten.— Oestreich- Ungarn. Verbot deutscher Vicheinfnhr. Das ostreichische Ministerium des Innern hat, wie die„Wiener Zeitung" meldet, auf Grund des Vi e h seuch e n- U e b er e i n k o m mon s mit dem Deutschen 3! e i ch e die Einfuhr von Rindvieh ans den von der Luiigenseuche betroffenen Sperrgebieten Magdeburg, Zwickau und Bcrnburg vcr- boten. Diese» Verbot tritt an die Stelle des am 10. Februar vcr- fügten.— Italien. Rom, 1. März. Tepntiertenkammer. Das Hans setzt die Generaldebatte über das„Ueceoto Legge" fort. Es herrscht allgemeine Ungeduld und uamentlich von der äußersten Linken ertönen Rufe: Abstimmung! Unter großer Aufmerksamkeit des Hauses spricht sodann Sonnino für die Vorlage und wendet sich unter Beifall der Ministeriellen und Lärm der äußersten Linken gegen die Obstruktion, welche er als einen traurigen Einfuhrartikel aus Wien bezeichnet. Durch die Obstruktion eigne sich die Minderheit das Vetorecht gegenüber allen Gesetzen an, welche ihr nicht zusagten, die Geschichte Polens zeige, ivclch vernichtende Wirkung das Liberum xeto ausübe; das ve erste, Legge habe seine Bcrechiigmig als Widerstandsmittel gegen die Obstruktion. Nachdem sodann der Berichterstatter gesprochen, wird die Weiterberatung auf morgen vertagt. Ter Papst begeht am 2. März seihen neunzigsten Geburtstag, welcher Tag von den Katholiken der ganzen Well gefeiert wird.— Frankreich. PariS. 1. März. Senat. Auf eine Slnfragc erklärt Waldeck- Rousseau, trotzdem die Kammer sich dafür ausgesprochen habe, in diesem Jahre von den Einberufungen zu den'28- und 13tägigc» militärischen Uebungen abzusehen, sei es doch unmöglich, zu unter- lassen, was das Gesetz vorschreibe. Jedoch«verde er, so weit dies irgend möglich, Befreiungen von den Uebungen eintreten lassen. Türkei. Berbauumtg. Philippopel, 23. Februar. Nach Be- richten ans Konstantiiiopel verlautet, Abdullah E s f e n d i, der Inspirator der s. Z. veranstalteten Stzmpathie-Adresse für England, ist nach E'-Täif sArabicn) verbannt werden.— Russische Bahusordernngen. Die„Politische Korrespondenz" meldet au» K o n st o n t i n o p e l. die Pforte finde die russische Forderung betreffend die Eisenbahnen in den türkischen Grenz- Vilajet» zu weitgehend; deshalb sei noch keine Vcrständigniig erzielt worden. Die anders lautenden Nachrichten seien vollständig verfrüht. Auch russischerscits»verde erklärt, daß die Vorstudien für die beabsichtigten Schienenwege überhaupt noch nicht so weit gc- diehen seien, um heute ein bestimmtes Programm vorzuschlagen. Von keinem einzigen der andren Botschafter in Konstantinopel sc« in die Angelegenheit eingegriffen worden; die Pforte habe auch den andren' Machten bisher keinci» Anlaß gegeben, sich mit der An- gclegenheit zu befasse». Insbesondere sei das Gerücht, der deutsche Botschafter Freiherr v. Marschall habe dem Sultan gegenüber die nissische Forderung zur Sprache gebracht, durchaus unbegründet.—_. Vavkei-ITarijtiiJjfcu. Partei-Orgauisation. Eine Versammlung de? Sociakdemo- kratischen Vereins in Effen beschloß einstimmig, das Vertrauensmänner- System aufzugeben und säintliche Parteigeschäfte dein Socialdemokratischen Verein zur Erledignug zu überweisen. In den Landorten sollen Zweigvcreiiie, die zwar selbständig arbeiten, aber doch dem Hauptbercin' in Essen angegliedert sein sollen, gegründet werden. Der Streik der Bergarbeiter. Die Lage des Streiks im Bezirk Halle ist noch unvcr- ändert, jedoch sind einige Belegschaften geneigt, mit den Gruben- Verwaltungen in Unterhandlungen zu treten, da die Grubenbesitzer bereit sind, einige Forderungen zu bewilligen. Die Zahl der Streikenden ist zurückgegangen, indem die Bergleute im Schacht Kupferhammer und im EreSdncrschacht die Arbeit auf Grund von Ver- sprechungen tvieder aufgenommen haben. Im Mensekwitzer Revier scheint man in ähnlicher Weise wie in Zwickau vorgehen zu wollen und hat man bezüglich Abhaltung von Versammlungen die ersten Schwierigkeiten bereitet. Die Bergleute werden durch den Streik etwas erreichen, aber ihre Forderungen leider nicht ganz durchsetzen. Zeitz, 28. Februar. Der Bergarbeiter- Ausstand im hiesigen Revier geht seinem Ende entgegen. Die Zahl der Streikende» hat abgenoinmen, nur ans der Grube„Neue Sorge" bei Zeitz ist noch die alte Zahl ausständig. Aus einer Grube bei Bröditz sind aller- dings am Dienstagabend 20 Mann in Streik getreten, doch dürften diese wohl bald wieder die Arbeit aufnehmen. Es fehlt hier an einer einheitlichen bestimmten Leitung, dadurch sind in den Revieren die verschiedensten Beschlüsse gefaßt worden. Eine Versammlung der Streikenden in Zeitz am Mittwochnachmittag beschloß, noch bi» Sonn- tag im Ausstand zu verharren; ist bis dahin in den übrigdn Bezirken nicht der Streik verallgemeinert Ivorden, dann soll er auch hier aufgehoben werden. Eine Versammlung der Streikenden in" Bröditz an, Mittlvochabend faßte denselben Be- schluß. In der Versammlung war wieder der Obersteiger Zimmermann von Grube„Gottlob" anwesend, der diesmal zugestehen mußte, daß die Verwaltungen so viel wie nichts bewilligt haben. Vor 14 Tagen erklärte der Herr noch, daß die Verwaltungen den Forderungen s h m p a t h i s ch gegenüberstünden. Nun, die Bergarbeiter werden hoffentlich hieraus die richtige Lehre zu ziehen wissen. Auch aus dem Meufclwitzer Revier wird eine Abnahme der Streikenden gemeldet, so daß auch hier wohl mit Ende der Woche der Ausstand beendet sein wird. In Sachse» rächen sich die Besitzer der Bergwerke an den zur Arbeit zurückkehrenden Arbeitern. Ans allen Orten werden Matz- regelnngen gemeldet. Dabei sucht mau sich mit Vorliebe ältere 'Arbeiter mit starker Familie aus, die um so schiverer unter der Arbeits- losigteit zu leiden haben. Bei der 3iücksichtslosigkcit, mit der die Arbeiter in den sächsischen Betrieben behandelt werden, war diese vom Haß eingegebene Gewaltmaßregel der Unternehmer vorauszusehen, ohne Organisation können sich die Slrbeiter aus diesem Joch nicht befreien, der Hochmut der Unternehmer kann sich unbegrenzt ans- toben. Zur Unterstützung der Ausgesperrten ist folgender Ausrufer- laffcn: Aufruf! Der Ber�arbeitersirejs in den Revieren Lugau und OelSnitz ist unglücklich für die Arbeiter verlaufen. Entlassen wurden bis jetzt etwa 90. meistens ältere Männer und Ernährer zahlreicher Familien. Genossen aller Branchin. bewahrt Eure Solidarität in jeder Bezichnng! Alle Anfragen, Briefe:c. nimmt entgegen Emil H ü b n c r. GcrSdorf. Bezirk Zwickau, Sir. 128.! Troppau, 1. März. Der'Ausstand im Ostrau- Karwiner Kohlenreviere hält unverändert an; die Zahl der Ausständigen be- trägt 23 000.— Der Ausstand der Maschinenwärter und' Heizer nimmt bedeutend ab. E» herrscht Ruhe. Der Streik der Berliner Möbeltischler. Die Tischlermeister haben sich in ihrer Versammlung gestern nachmittag wieder einmal gegenseitig Mut zugesprochen.'Tischler- meister Kümmel erklärte, die in der Presse enthaltene Mitteilung, daß der Vorsitzende des Gcwerbegerichts sich an sie gewandt habe zwecks Einleitung einer Einigung,' sei unrichtig. Sie wollten auch von einer Einmffchung des Gewerbegerichts nichts wissen. In der nächsten Woche, so meinte der Siedner siegestriumphierend, würden die Tischler- gesellen schon gefügiger werden. lieber den Ilmfang des AnSstands selbst gaben sich die Herren noch immer den sonderbarsten Tänschungen hin. Herr Kümmel behauptete auch tvieder, daß gegen 12 000 Mann ausständig seien. Die Zahl der Streikenden könne mau zwar nicht feststellen', denn die zu dem Zweck auSgesandten Fragebogen liefen nickt piinkt- lich ein, ober es müßten bestimmt viel inehr anSständig sein, als der„Vorwärts" angebe. Wenn c» zur Beruhigung des Herrn bei- tragen sollte, mag er rnhig bei dem Glauben bleiben. Tischler- meister B e r n d t stellt sich als einer vor. der es vom kleinen nun schon zum großen Fabrikanten gebracht habe. Er wundert sich, daß der„Vorwärts" zwischen beiden Kategorien einen Jntereffengegensatz konstruieren will. Sie, die Meister, wollten dafür sorgen, daß auch die kleinen Meister Gesellen bekommen.(O, diese Uneigennützigkeit.) Mit der Abreise der Gesellen, so versicherte Herr Benidt seinen Kollegen, sei es„Finte". Die Gesellen wollten nur einen solckcn Eindruck erwecken. Schließlich schwärmte auch noch ein Redner für christliche Arbeiterorganisation, damit die willigen Arbeiter aus der Provinz gleich in sicheren Schutz und nötige Führung christlicher Meister genommen werden. Mit den christlichen MeistenPvird es wohl triibeJIauSsehen. aber zu einer Organisation für gefügige„Arbeitswillige" machen die Herren auch ein bißchen in christlicher Erbauung mit und damit die Arbeiter gleich den richtigen Begriff bekommen von ihrer Großmut, haben sie folgenden Beschluß gefaßt: a) Im Interesse der schnellen Beendigmig des Streiks sind sämtliche Arbeiter nach Fertigstellung ihrer jelveiligen Arbeit sofort zu ciitlasse», gleichviel ob Lohn- oder Accordarbeiter. d) Neue Arbeiten dürfe» keinesfalls, che der Streik nicht auf dep ganzen Linie beendet ist, vorgegeben werden. Den Beschluß mögen die Herren nur ausführen, sie schädige» sich selbst am meisten. Ihr Vorgehen wird in der gesamten Arbeiter-. schast einmütig bekämpft werden, denn jeder wird empfinden, daß der Sieg mit solchen niederträchtigen Mitteln eine Niederlage der gesamten Berliner Gewerkschaften bedeuten würde, hier heißt es mit allen Machtmitteln gegen diese Willkür Front zu mache». Eine gemeinsame Versammlung von Meistern und Gesellen hatte die Streikleitung am Donnerstagiinchmittag einberufen. Wie der Referent Glocke ausführte, sollte die Versammlung den Zweck haben, eine Verständigung mit denjenigen Meistern anzubahnen, die nicht uilter dem Einfluß der Freien Vereinigung der' HolziNdastriellen stehen. DaMdie Freie Bereinigung jede Verhandlung über die aufgestellten Forderungen abgelehnt habe, und auch den Vertretern der Streikenden der Zutritt zu den von derselben cinbernfeilen Meister- Versammlungen verwehrt»Vörden ist, so solle diese Versammlung den Meistern,»velche geneigt sind, sich mit den Gesellen zu einigen. Gelegenheit zu einer Verständigung bieten. Nachdem. Glocke die Forderungen der Streikenden begründet hatte. wurde auf Antrag deS Tischlermeisters Raab festgestellt,'daß nur etwa 25 Meister in �er Versammlung anwesend waren. Hierauf erklärte Herr Raab namens der Freien Bereinigung, daß die Meister unter diesen Umständen von jeder Beteiligung aii der Diskussion absehen, und daß sich die Klei» meister. in vollem Umfange mit den Großindustriellen solidarisch fühlen. Einige der antvesenden Meister nahmen, unbeirrt mit diese Erklärung deS Vorredners das Wort. Es waren dies solche, die nicht hinter der Freien Bereinigung her- laufen, weil sie erkannt haben, daß ihr Interesse nicht mit dem der Großindustriellen zusammenfällt. War es doch bisher der einzige Erfolg der Großindnstriellcii, daß das hiesige antisemitische Schmntzblokt für den Juden Brh gegen die Arbeiter Partei ergriff. Diese Redner erklärten die Forderungen der Gesellen für so nriuimal. daß sie dieselben schon längst bewilligt haben. Tischlermeister Rödel vertrat dagegen die Ansicht, daß die Forderungen sowohl für die Großnntoriich'mer, als auch besonders 'ür die Kleinmcister unannehmbar seien. Eine Verständigung ließe ich allenfalls auf der Basis erzielen, daß eine Lohnerhöhung mir in den Werkstellcn gefordert werde, wo der Durchschnittsverdienst»veniger als 24 M. beträgt. Die Maschinenarbeit könne wohl vom Meister bezahlt iverden, aber die Garantie für rechtzeitige Lieferung der- selben könne der Meister nicht übernehmen', darum müßten sich auch in Zukunft die Gesellen kümmern. Der Redner tcllte zum Zlvcck der Verständigung eine Meisterversammlung in Aussicht, die nicht von der Freien Vereinigung einberufen werden soll und wo auch die Gesellen zum Wort kommen solle», denn er. wünsche, daß der Streik so bald als möglich beendet werde. In seinem Schlußwort bemerkte Glocke, die Einigkeit zwischen Groß- und Klemunternehmeru sei keineswegs so groß, wie es auch hier wieder. hingestellt»vurdc. Wenn auch die Versammlungen der Freien Vcr- eini'gung gut besucht werden, so seien doch viele darunter, die nicht ans der' Seite der Holzindustriellen stehen. Was die Vorschlage des Herrn Rödel betreffe, so seien die Streikenden natürlich zu einer Verständigung jederzeit bereit, aber nicht auf der Basis eines Durch- fchnittSlohnS. Die Tischlerinnung in Nixdorf hat setzt auch zur Lohn- Bewegung Stellung genommen. In der fraglichen Versammlung. an der die Britzer Dtcistcr ebenfalls teilnahmen, wurde gegen drei Stimmen beschlossen, die Forderungen der Gesellen ab zu- lehnen. Ferner setzte man zwei Kommissionen ein und beauf- tragte sie, darauf hinzuwirken, dah die beteiligten Meister in allen Angelegenheiten nach einheitlichen Grundsätzen handelten. Wogen des Streiks will die Innung mit Berlin in Fühlung bleiben. Der Obermeister ermahnte noch die Versammelten, human und ch r i st l i ch zu verfahren, sich aber nicht in ihrer Werkstatt terrorisieren zu lassen. Die Arbeitswilligen seien in Zukunft zu schützen. In Schönebcrg hat die Zahlstelle des Holzarbeiter-Verbands den Beschlust gefaßt, gleichfalls pro Mitglied 1 M. zu dem Streik fonds beizusteuern. Auch die Charlottenburger Zahlstelle hat den Beschluß gefaßt, pro Mitglied jede Woche 1 M. Streikbeitrag zu leisten. ES wurde bekannt gegeben, daß die Inhaber von einigen Bautischlereien, dem Wunsche der Scharfmacher entsprechend, LO Proz. ihrer Arbeiter aus« gesperrt haben. Die Strcikmarken sind Freitagabend von 7 Uhr an beim Vorsitzenden Karl Banschcck, Pestalozzistraße 93, vorn III, in Empfang zu nehmen. GemevksÄzslfkliltzvs. Berlin und Umgegend. Achtung, Berliner Straßenbahner! Wir warnen dringend davor, auf einzelnen Bahnhöfen, wie in Moabit geschehen, in den Ausstand zu treten, da ein derartiges Vorgehen von vornherein aus- sichtslos ist. Bei vorkommenden Differenzen wende man sich in erster Linie, bevor irgend welche Schritte gethan werden, an unser VcrbandSbureau, Bischofstraße 13, I, Telephon Amt V 3001. Unbesonnene Ausstände auf einzelnen Bahnhöfen sind der Direktion sehr willkommen, weil durch solche die Aussichten einer allgemeinen Bewegung bedeutend verschlechtert werden. Dic�Vertrauenslcute der Berliner Straßenbahner. I. A.: O t t o M a r t i n i. In der Fabrik wasserdichter Zelte mid Pläne von Oskar Eckert, Berlin, Stralauer- Brücke 3, haben die dort beschäftigten 13 Sattler die Arbeit niedergelegt, da ihre Forderungen: nenn- stündige Arbeitszeit, Abschaffung der Aecordarbert, Minimallohn für Neueingestellte 21 M., für Maschincnnäher 24 M., Zuschlag für aus- wärtige Arbeiten, höhere Bezahlung der Ucbcrstunden und Freigabe des 1. Mai abgelehnt wurden. In den Fabriken von Reichelt, Stralanerstr. 88 und von Weiser u. Dube, Alexanderstraße, sind die- selben Forderungen unterbreitet worden, doch steht die Antwort noch aus. Der Zuzug nach diesen Werkstellen ist streng fern zu halten. Die Berliner Malermeister haben in Anlehnung an den Ver band der Baugeschäfte einen Verein gegründet, dem 286 Meister beigetreten sind. Deutsches Reich. In der Schuhwaren-Fabrik von Max Tack in Strausberg ist sämtlichen Zwickern gekündigt. Infolgedessen dürfte es zum Aus- stand kommen, da auch die übrigen Arbeiter die Kündigung ein- gereicht haben. Die Maler der Schiffswerft HowaldtSwerke in Dietrichsdorf bei Kiel haben wegen fortgesetzter entwürdigender Behandlung durch den Meister die Arbeit niedergelegt. Schon vor der Arbeitsnieder- legung hatten die Maler von der Direktion die Entlassung des Meisters verlangt und bis zum 1. März Antwort erbeten. Der Meister suchte nun vier seiner Arbeiter zu maßregeln, worauf sämtliche Maler sich mit diesen solidarisch erklärten. Benennungen wie Spritbagage, Saufbande, faule Gesellschaft, waren durch den Meister besonders beliebt. Es stehen im Ausstand 48 Mann; weiter arbeiten 3. Der Ausstand der Bauarbeiter in Halle nimmt an Umfang zu. Die Maurer haben, nachdem über zwei größere Bauten der Streik verhängt wurde, auf einem dritten die Arbeit eingestellt. Man beansprucht die Jnnehaltung dcS vereinbarten Tarifs. Der Streik im Düsseldorfer Emaillierwerk von Wort- mann». Elb ers dauert unverändert fort. Das sei namentlich deshalb betont, weil das Gerücht verbreitet wird, der Streik sei zu Ende und zu Ungunsten der Streikenden ausgefallen. Es sei festgestellt, daß die Streikenden nun schon seit einem Viertel- fahr einmütig und zähe auf ihren bekannten Forderungen bestehen und Arbeitswillige en masse fern bleibe». Die Unterstützungsgelder werden an die Streikenden prompt ausgezahlt. Die auswärtigen Klempner, Emaillebrenner, Planierer zc., wollen ihren streikenden Kollegen nicht in den Rücken fallen und Zuzug nach Düsseldorf streng fernhalten! Die Karlsruher Schueidcrgchilfcn sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Die Forderungen wurden im Laufe dieser Woche der Zwangsinnung unterbreitet, die sich bereit erklärte, die kaufmännischen Geschäfte zur Unterhandlimg einzuladen. Gevichks-'Seikung. Polizeikampf gegen Streikposten. Welche Schwierigkeiten die Polizei den Arbeitern bereitet, ivcnn diese ihre Koalitionspflicht gewissenhaft ausüben, ist bekannt. Wir haben in letzter Zeit wieder- holt über u n gerechtfertigte, den gesetzlichen Bestimmungen in keiner Weise entsprechende polizeiliche S t r a f v e r f ü g u n g e n gegen Streikposten berichte» müssen. Die Statistik wird bereichert durch eine am 1. d. M. gegen den Metallschleifer Igel vor den« Schöffen- gericht l hier verhandelte Strafsache. Die Verhandlung ergab folgendes: Bei H a b i l d t u. Co. war vor kurzem Streik. Die Polizei scheint in diesem Fall recht streng gegen die Streikposten vorgegangen zu' sein. Denn eine Reihe dieser Strafverfügungen ist bereits von den Ge- richten aufgehoben. Igel hielt sich vor dem Streiklokal auf. Der Schutzmann verbot ihm dies. In diesem Augenblick aber trat be- rcits der Fabrikant Habildt hinzu und machte den Schutzmann auf Igels früheres Verhalten aufmerksam, worauf Igel sofort sistiert wurde, ohne daß ihm Zeit gelassen wurde, der Aufforderung des Schutz- mauns, sich zu entferucn. nachzukommen. Trotzdem erhielt Igel em polizeiliches Strafmandat wegen Verletzung der Z§ 117, 118 des Stratzen-Polizeireglemcnts, die denjenigen' bestrafen, der der Auf- forderung eines Beamten nicht Folge leistet. In Uebereinstimmuug mit dem Antrage des A m t s a n w a l t s f e l b st und des Ver- teidigers, Rechtsanwalts Dr. H e i n e in a n n, gelangte das Gericht zur Freisprechung des Angeklagten, da der Angeklagte sistiert worden sei, bevor er überhaupt der Aufforderung des Beaniten, sich zu entfernen, folgen konnte. Welche Strafe wird nunmehr den Schutzmann wegen seines gesetzwidrigen Handelns treffen Z VevfANttninngen. Die Korbmacher nahmen in ihrer Versammlung am 26. Fe- bruar den Bericht über die Lohnbewegung entgegen. Es wurde mit- geteilt, daß gegenwärtig 8 Arbeitgeber die Forderungen bewilligt haben. 88 Korbmacher befinden sich im Ausstand, es ist aber auch begründete Hoffnung vorhanden, daß der Streik bald beendet wird. Im Verschiedenen wurde das Verhalten der Arbeiter bei der Firma Fechner getadelt, da hier fortgesetzt Ueberstnnden gemacht werden, während Arbeitslose recht zahlreich vorhanden sind.' Man beschloß, die Ueberstunden gänzlich zu vermeiden. Die Lohnbewegung der Einsetzer war in einer Versammlung am Mittwoch Gegenstand längerer Verhandlungen. K u r k o w s k y schilderte zunächst den Verlauf des Holzarbeiter-AusstandS, der auch von den Bauunternehmern benutzt wird, den von den Einsetzern aufgestellten und auch anerkannten Tarif zu verweigern. Um aber die Anschläge der Unternehmer zu vereiteln, sei die Einigkeit unter den Ein- setzeru, ob central, lokal oder gar nicht organisiert, unbedingt erforderlich. Im übrigen wurde der Beschluß der vorigen Versammlung auftecht erhalten. ArbeitsbcrechtignngS-Karten, Listen, Marken jc. sind nach wie vor nur im Bureau bei Herzberg, Alte Jakobstr. 75, zu entnehmen. Einstimmig gelangte ein Antrag zur Annahme, daß vom Sonnabend, den 3. März, jeder arbeitende Mnsetzer außer der bisherigen wöchent- lichen Unterstützung von 1 M. während der Dauer de§ Streiks noch 50 Pf. auf Listen zu zeichnen hat, die von den Vertrauensleuten auf allen Bauten zc. ausgegeben bezw. eingesammelt werden und unver- züglich an die Streikkommission abzuliefern sind. In«ine Lohnbewegung treten nunmehr auch die Rixd orfer M ü I l k u t s ch e r ein. Die Erfolge, welche ihre Kollegen in der Berliner Wirtschafts-Gcnossenschaft errungen haben, haben auch sie ennutigt, bei ihren Prinzipalen um bessere Lohn- und Arbeits- Verhältnisse vorstelligi zu werden. Aus diesem Grunde fand am Mittwochabend im Äpollo-Theater zu Rixdorf eine öffentliche Ver- sammlnng der Kutscher und Mitfahrer der Müllabfuhr statt. In der Versammlung, die sehr gut besucht war, referierte Rein. Redner schildert, daß die Kutscher verpflichtet seien, morgens um 4 Uhr anzufangen und abends bis 9 Uhr zu arbeiten. Das gehe tagein tagaus� Jahr für Jahr, und wenn der Arbeiter nach 10 Jahren krank und abgeschindct ist, dann werde er entlassen und dem Elend preisgegeben.' Redner weist darauf hin, daß in Rixdorf die Kutscher Sonntags bis nach 12 bezw. 1 Uhr arbeit-n müssen. Redner kommt nun zu den Forderungen, die die Kutscher und Mitfahrer zu stellen haben, und schlägt er folgende vor: 1. EiniWochenlohn für Kutscher und Mitfahrer von 30 M., für Aushilfsarbeiter ein Tage- lohn von 6 M. 2. Arbeitszeit von 6 Uhr früh bis 6 Uhr abends. 3. Für Sonntagsarbeit für die Kutscher eine Mark extra und um 10 Uhr Feierabend. 4. Die Lohnzahlungen haben am Freitag oder Sonnabend stattzufinden. 8. In jedem größeren Be- triebe muß ein Vertrauensmann der Arbeiter fein. Redner fordert zum Schluß die Anwesenden auf, sich zum Kampf zu rüsten. In der hierauf stattfindenden Diskussion stellt UthcS nostz folgende Forderung auf: In jedem Betriebe mutz ein Wasch- und Ankleide- räum s»>n. Diese Forderung sei schon aus hygienischen Gründen geboten. Große Erregung riefen die Verhältnisse, die bei der Witwe Schlüch, Stralau, herrschen, hervor. Dort sind die Kutscher in Kost und Logis. Die Schlafstelle befindet sich im Stall und ist nur durch eine Bretterwand von den Pferden getrennt. Die Betten, die nur aus Feldmatratzen bestehen, werden' jahrein und jahraus nicht gemacht. Die Kutscher sindZ gezwungen, am Tage nicht nur zwei, sondern drei Touren zu machen. Ja des Sonntags müssen sie sogar anspannen und dann erhalten sie den Lohn von 30 M. per Monat. Nachdem die Versammlung sodann eine Resolution amstinnit, in welcher sich die Versammelten mit den Ausführungen des Referenten einverstanden erklären und in welcher die Forderungen festgestellt sind, schreitet nian zur Wahl einer Lohn- kommission, welche mit den Prinzipalen unterhandeln soll, Die Engländer in Ladysmith. Nachdem sich die Engländer durch die Ueberwältigung EronjeS den Einzug in den Oranje-Freiswat von Westen her erzwungen haben, mußte Ladhsmith preisgegeben und die Boerentruppcn zurück- gezogen werden, da sie einem Frontangriff durch Buller und einem Rückcnangriff durch Roberts nicht ausgesetzt werden konnten. So sind denn Bullersche Truppen in dem so lange von den Boeren eingeschlossen gewesenen Ladysmith eingezogen. Die Depesche BullerS lautet: D u n d o n a l d ist mit den Natal- carabiniers und einem kombinierten Regiment in der ver- gangencn Nacht in Ladysmith eingerückt. Das Gelände zwischen mir und Ladysmith soll vom Feinde gesäubert seilt. Ich rücke auf Nelthorpe vor. Diese Abwicklung der Dinge, wie sie jetzt erfolgt, ist für jeden, der sich einmal die Karte des Kriegsschauplatzes an- gesehen hat, selbstverständlich. Man kann hinzufügen, daß cS auch mit der Preisgabe von Ladysmith noch nicht fein Bewenden haben wird, sondern daß auch die Position im Norden der Kapkolonie für die Boeren unhaltbar geworden ist, daß sie auch die dort stehenden Truppen zurückziehen müssen und werden. Bereits ist denn auch NenSburg und EoleSberg von den Engländern wieder besetzt worden. Von großen Waffengängen bei diesem Ereignis wird nichts gc- meldet, waS darauf schließen läßt, daß sich auch hier die Boeren bereits zurückgezogen haben. Eine Depesche des Feldmarschalls Roberls, datiert Paardeberg, 28. Februar, meldet hierüber: Auf die Nachricht, daß die Boeren Colesberg geräumt hätten, entsandte General Elements Truppen zur Besetzung von Colesberg- Junktion und ritt dann selbst in EoleSberg ein, wo er mit Jubel begrüßt wurde. Er erbeutete in Colesberg Munition, ließ mehrere Rebellen verhaften und kehrte dann nach Reitsburg zurück. Aus der Wendung von den.Rebellen" zu schließen, scheint man gegen die Kap-Boeren, die sich gegen die Engländer erhoben hatten, scharf vorgehen zu wollen. Alles daS sind leichte Siege für die Engländer. Größere Schwierigkeiten aber dürften ihrer harren, wenn es den Boeren gelingt, ihre Truppen im nördlichen Teil des Oranje-Freistaats oder hinter dem Vaalfluß, der die Grenze des letzteren und Transvaals bildet, zum Widerstand gegen das weitere Vordringen der Engländer nach Norden hin zu sammeln. Der Jubel'in London. London, 1. März. Der Jubel auf den Straßen über den Entsatz von Ladysmith ist ganz beispiellos. Die Nachricht von der Kapitulation EronjeS wurde, verglichen mit der heutigen Begcistenmg, ruhig aufgenommen; Union Jacks sdie englische Flagge) wehen von den öffentlichen und privaten Gebäuden. Auch das Aus- wärtige Amt hat einen großen Union Jack gehißt. Auf den Straßen siebt man viele Leute mit Flaggen, die sie jubelnd schwenken, und kräftig ruft man sich Hurra zu.' Die Abendblätter verzeichnen die Meldung, daß die englische Kavallerie Bloem fontein erreicht habe; dem Auswärtigen Amt liegt jedoch keine Bestätigung vor. Vom General Buller ist gestern noch folgende Depesche in London eingetroffen: Nelthorpe, 1. März, 8 Uhr nachm. Ich komme eben von Ladysmith zurück. Von einer kleinen Nachhut nördlich der Surprise-Hill abgesehen, haben sich die Belagerer sämtlich in höchster Eile zurückgezogen und das Land südlich der Stadt ist völlig frei von ihnen. Die Garnison wird einiger Pflege bedürfen, ehe sie wieder feldtüchtig ist. Eine amtliche Depesche des Feldmarschall Roberts aus Paarde- berg vom 28. Februar besagt: General Cronje und seine Familie find gestern in Begleitung deS Generals Pretyman und einer militärischen Eskorte abgereist. Später folgten die andern Gefangenen ebenfalls unter Eskorte. Die Frauen und Kinder wurden nach ihrer Heimat gesandt. Ich erfahre, daß man bei den Boeren sehr ungehalten darüber ist, daß Cronje sich geweigert hatte, freies Geleit für die Frauen, Kinder und Verwundeten anzunehmen. 170 der letzteren bleiben hier im Hospital. Ein großer Teil derselben befinden sich in einem schrecklichen Zustand. Ich habe gestern das Lager der Boeren aufgesucht und war erstaunt darüber, mit welchem Geschick und mit welcher Energie sie ihre Stellung zu einer f a st uneinnehmbaren gemacht hatten. Ueber die Kämpfe um Ladysmith vor dem Abzüge der Boeren wird noch gemeldet: London, 1. März. DaS„Reutersche Bureau" meldet aus dem Hauptquartier der Boeren bei Ladysmith vom 24. Februar: Durch Verwundete vom Tugela gebrachten Meldungen zufolge wurde dort bis spät in die Nacht hinein eine furchtbare Schlacht geschlagen. Die Engländer versuchten viermal die Position bei Krügersdorp zu stürmen und wurden jedesmal mit schweren Verlusten zurückgeschlagen. Augenzeugen behaupten, daß die englischen Verluste enorm sind. Die Engländer wurden auf 70 g)ards aus den Positionen der Boeren beschossen und geradezu niedergemäht. Die Engländer hatten 30 Kanonen diesseits des Tugela aufgefahren, jedock in solcher Nähe, daß dieselben nicht mit Erfolg gebraucht werden konnten. Die Boeren hatten 9 Tote und 14 Verwundete. London, 1. März. Aus dem Hauptlager der Boeren bei Lady- smith wird dem„Reuterschen Bureau" unterm 26. Februar ge- meldet: Die Belagerten machen an verschiedenen Punkten fortgesetzt nächtliche Angriffe, um sich über die Stärke der Belagerer zu vergewissern. In der letzten Nacht versuchte eine Reiter- abteilun'g, aus der Stadt den Ausgang nach Westen zu gewimien, wurde aber von den Burghers so heiß empfangen. daß sie umkehren mußten. Dann versuchten sie es mit den südöstlichen Zugängen nächst der Strecke nach Colenso, mit dem Resultat jedoch, daß Ladysmith fast eine Stunde lang fest im Mauserfeuer eingehüllt erschien. Gestern suchten die Engländer einen! Waffenstillstand zur Beerdigung ihrer Toten nach und erhielten den- selben bewilligt. Die Gefechte am Freitag und Sonnabend waren sehr blutig. Die Juuiskilliug-Füsiliere und die Regimenter Dublin, Dorset und Connaught hatten ungeheure Verluste. Beunrnhigung der Engländer im Norden. London, 1. März.' Die Boeren machten am Sonnabend einen heftigen Angriff auf Mafeking siinweit der West- grenze der südafrikanischen Republik), wurden aber auf allen Punkten zurückgeschlagen. Ein weiterer Angriff am Sonntag wurde ebenfalls zurückgeschlagen; hierbei hatten die Boeren einen Verlust von 40 Toten und Verwundeten, während die Engländer nur 2 Tote und 3 Verwundete hatten. London, 1. März.„Daily Chroniele" meldet aus Kapstadt, daß der Lieutenant Harrison vor das Kriegsgericht gestellt sei, weil er den Korrespondenten des„Daily Chroniele" er- mordet hat. Es war zwischen beiden ein Streit ausgebrochen, bei welchem der Offizier den Journalisten durch einen Revolverschutz niederstreckte._ Vrtzke MKchvichken und Depeschen. Seerüstungen in Frankreich. Paris, 1. März.(W. T. B.) Deputierteukammer. Bei der Beratung des Marinebudgets spricht sich Admiral Rienuier für den Bau starker Geschwader-Pcmzer aus und weist auf das Beispiel Deutschlands. Englands und der Vereinigten Staaten hin. Lockroy hält es für notwendig, bedeutende Geldopfer für die Marine zu bringen, die auswärtige Politik Frankreichs hänge von seiner Macht zur See ab. Redner bedauert, daß man vom Budget die Forderung für den Bau von 8 Uuterseeboten vom Typ„Narval" gestrichen habe, und verlangt, daß in Bizerta sofort alle notwendigen Arbeiten auS- geführt werden.(Lebhaster Beifall.) Hierauf spricht Marineminister Lanessan und begründet die Forderung einer gewissen Anzahl von großen Panzerschiffen. Der Bau von„Narvals" sei verschoben worden, weil der Erfinder derselben um die Erlaubnis bat, seine Versuche zu machen, welche von ausgezeichnetem Erfolge gekrönt waren. Lanessan fügt hinzu, die Verteidigung von Bizerta müsse durch die Errichtung von einem Damin und von Forts sichergestellt werden._ Ter Boerenkrieg im italienische» Parlament. Rom, 1. März. Bosdari und 7 andre republikanische Depu- tierte haben in der Kammer eine Interpellation eingebracht, in welcher der Minister des Aeußern Viseonti-Venosta um eine Erklärung darüber ersucht wird, od er beabsichtige, mit Rücksicht auf die zwischen Italien und der großen britischen Nation bestehenden freundschaftlichen Beziehungen und in Bewunderung der heldenmütigen Tapferkeit der für ihre Freiheit und Unabhängigkeit kämpfende» Boeren ein Wort für den Frieden zwischen den kriegführenden Parteien zu sprechen._ Der Krieg im Oberhause. London, 1. März. fW. T. B.) Obesrhaus. Lord BlythSwood hebt die Notwendigkeit hervor, 10 000 weitere Freiwillige baldigst aufzurufen, welche als Ersntzmannschaften der Regimenter in Süd- afrika dienen, und betont, daß alle Kosten hierfür durch die Regierung und nicht durch private Zeichnungen aufgebracht werden sollten. Kriegsminister Lord Lansdowne erwidert, die Furcht vor einem drohenden Unheil sei jetzt behoben, und fährt fort: Wir haben vom Entsätze Ladysmiths mit Gefühlen der Genugthuung darüber gehört, daß wir einem Unglück entronnen sind, und mit Ge- fühlen der Bewunderung für die Männer, welche solche Achaten für uns vollbracht haben. Ich weiß nicht, ob wir eine größere Bs- wunderung dem General White und seinen Truppen zollen sollen, welche so tapferen Widerstand geleistet haben, oder, den Männern unter Butler oder nicht an letzter Stelle dem Ober- kommandierenden in Südafrika. Es ist der energischen und erfolgreichen Offensivbewegung im Oranje-Freistaat zu verdanken, daß der Druck in Natal behoben ist. Diese beiden Erfolge werden nicht den Vorwaud dazu bieten, daß wir in unser» Anstrengungen nachlassen, wir werden in diesen Anstrengungen nicht ermatte». In der niit dem 4. März endenden Woche werden 8 Schiffe mit 4700 Mann abgehen, am 11. März 5 Schiffe mit 11 800 Manu, an: 18. d. Vi. 11 Schiffe mit 9900. am 25. 9 Schiffe mit 8900 und am 1. April 6 Schiffe mit 3200 Mann. zusammen rund 38 800 Mann. Weitere 17 300 werden bald darauf folgen, für welche die Schiffe noch nicht bestimmt sind, der Strom der Verstärkungen wird nicht versiegen. Der Finanzsekretär des Kriegsamts, Powell-Williams, erklärt, eine Depesche des Feldmarschalls Roberts vom 24. Februar habe die erste Mitteilung enthalten, daß bei den Boeren Mauser- Patronen mit hohler Spitze gebraucht worden seien. Ob Gefangene hierüber befragt ivorden seien, wurde nicht mitgeteilt. Es sei keine Verständigung mit den beiden Republiken über den Gebrauch solcher Kugeln erfolgt, und er könne gegemvärtig nichts sagen, ob ein Vor- gehen in der Angelegenheit möglich sei. Explosion auf einem Schiffe. Dieppe, 1. März. jW. T. B.) Auf einem nach London be- stimmten französischen Postdampfer fand eine Rohrexplosion statt. Sechs Heizer wurden getötet, vier schwer verletzt. Frankfurt a. M., 1. März.(SB. H.) Die„Frankfurter Ztg." meldet aus Konstautinopcl: Von besonderer Seite wird dem Korrespondenten mitgeteilt, Rußland erstrebe mit seinen erweiterten Forderungen lvegeii der Eisenbahnen nichts Geringeres, als ein Protektorat über das ganze nordöstliche Kleinasien. Als der Sultan dem russischen Botschafter bei der letzten Audienz erklärte, daß die Türkei überhaupt keine Bahnbau- Konzessionen mehr fremden Gesellschaften erteile und ein- tretenden Falls selbst bauen würde, antwortete der Botschafter, daß seine Regierung diesem Plane mit Bezug auf das nordöstliche Kleinasien entgegentrete und auf seinem ihm ausschließlich be- willigtem Baurecht bestehen werde. Dresden, 1. März. sW. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Der Verkehr auf dem Neustädter und Altstädter Elbquai in Dresden ist weqen Hochwassers eingestellt. ' Prag, 1. März.(W. T. B.) Kaiser Franz Joseph bestätigte die Wahl des Dr. Erb zum Bürgermeister von Prag. Budapest, 1. März.(B. H.) Aus unbekannter Ursache er- schoß sich der Chef des parlan, entarischen StenographenbureauS, Jankovich. Budapest, 1. März.(B. H.) Nach einer ZeitungSmeldung beabsichtigt Oestreich-Nngarn die Errichtung von Handelsstationen in Founkmg und Fonkiangfe, sowie den Bau einer Eisenbahn durch die chinesische Provinz Kiangsi und die Erwerbung eines Teils der siamesischen Halbinsel Malaga behufs Kolonisation. Loudon, 1. März.(S8. T. B.) Das Armecbudget für 1900/1901 beläust sich insgesamt auf 61 499 400 Pfd. Sterl. bei einem Mannschaftsbestand von 430 000 Mann gegen 20 617 200 Pfd. Sterl. bei einem Mdnnschastsbestand von 184883 im vorher- gehenden Jahre. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen und Nuterhaltungsblatt. Dr. 51. 17. Iahrgasg. 1. örillP des.ArMs" Kllim KcksdlÄ Freitag, 2. Mär! WOO. Veichsksg. 157. S i tz u tr g com 1. März 1900, 1 Uhr. 9fm BnndeSratStisch: Graf 58 ü I o H'. Auf der Tagesordnung fleht die zweite Beratung des Etats für das Auswärtige Amt.(Berichterftattcr' Prinz von Arenberg.) Die Beratung beginnt mit den„fortdauernden Ausgaben", Titel .Staatssekretär". Abg. Dr. Gradnauer(Soc.): Ich möchte mir gestalten, eine Angelegenheit zur Sprache zu bringen, von der ich allerdings geglaubt hätte, doi> der Herr Staatssekretär selbst bei einer geeigneten Gelegenheit zu ihr Stellung nehmen würde, eine Angelegenheit, in der die Reichs regicrung eine eigenartige Rolle gespielt hat. Ich meine die Stellung nabme der Regierung zu der sogenannten internationalen Friedenskonferenz, welche im Haag im vorigen Jahre statt- gesunden hat. Sie werden sich vielleicht"wundern, daß meine Partei der dieser Gelegenheit, wenn ich so sagen soll, etwas verspätet die Angelcgcuhcit zur Sprache bringt, aber der Reichstag war im vorigen v,ahre bereits geschlossen, als die Resultate beziehungsweise die Rcsultatloftgkeit der Friedenskonferenz zu ersehen war und bei der erstell Lesung des Etats beherrschte die Flotlcnvorlage derartig die Debatte, dag es nicht möglich war, auf andere Dinge ein- zugehen. Als der' Herr lstaatssekretär im vorigen Jahre in seiner großen Rede für die Flottenvorlage die internationalen Beziehungen der europäische» und außereuropäischen Staatcuwclt schilderte, hat er auch in sehr düster» Farben uns ein Bild entworfen von den nngeheuer gewaälsencn Ronfliktsnlöglichkeiicn, von der Vcr- mchnnig der Reibungsflächen und meinte, daß dadurch die Kunst der Diplomaten in höherem Grade in Anspruch geiiomlucil werde denn je zuvor. Merkwürdig war aber doch, daß er jene interiiatioualc Frledenskoiifespiiz mit keinem einzigen Wort zu erwähne» für nötig hielt, obwohl viele der Meinung gewesen waren, daß gerade jene Koilferenz die Staatskuiist der Herren Diplomaten etwas erleichtern sollte, baß durch sie eine Mildernng der Gegensätze zu ermöglichen sei. Der«taatssetretär ist ober überhaupt nicht ans diese Konferenz zu sprechen gekommen, er hat sie totgeschwiegen. Darüber muß mau sich»ii höchsten Grade wundern, denn diese Konferenz isi zweifellos ein Novum in der Geschichte. Es waren nicht nur ans Enropo, sondern ans Amerika und Asien Delegierte der Mächte z» sannnen gekommen. Nicmals war ein so großer äußerlicher Au wand, gemacht worden als hier. Ich weiß nicht, warum der Staat». wkrctar niemals aus diese Angelegenheit zu sprechen gekommen ist. . Sollte es etwa deswegen sein. weil diese Konferenz so sehr schlecht zu den Flottcnplänr» pasite, oder meinte er,, oaß_ sie eine völlig dedrutungslosc Aiigelegenheit ac Wesen ist, war er endlich derselben Meinung, die ich noch des näheren darlegen werde, daß dos Verhalten der deutschen Regierung gegenüber jciier Äonferenz so befremdlich war. daß aller dnigS die deutsche Regierung nicht gern daran erinnert sein mochte �ch will S,e nun keineswegs ermüden mit einer detaillierten Dar stemm g über den gesamten Verlaus der Äoiiferenz, sondern will imch darauf deschränke», das den cigeiitliclien Zielen der Konferenz durchaus abträgliche Verhalten der deulschen Regierung ein wenig zu beleuchten. Zunächst muß ich mein Bedauern darüber aussprechen, daß man bei dieser Konfcrcnz die Orffcntlichteit völlig aus' §ela;,ßffen hat. Das mag ja den Hebungen der Diplomatie ent sprechen, aber gerade eine Konferenz, die ihren Ausgang von einem Manifest nahm, welches die gesamte europäisch! Ocnentkichleit aufgeregt hatte, hätte ohne Zweifel der Lcsioullichkcit_ zugänglich, sein müssen. Die Erwartungen, me man ans diese Äonferenz setzte, waren immerhin ziemlich große. Es gab Leute, die mit sehr starker Zuversicht auf die Konferenz bliaten. Andre hatten ja von vornherein große Zweifel, nocks andre, und dazu gehört meine Partei, meinten, daß diese Konferenz einen sehr starken S�t ich ins Groteske, Komödiantenhafte haben wlirde. jedenfalls hätte uns die Möglichkeit gegeben werden müsscil die Resultate der Konferenz zu prüfen. Aber sie verhandelte hinter verschlossenen Thüren. Was bekannt wurde, waren die deutbar durstigsten Depeschen, aus denen man sich kein Bild über die «tellungiiahine der einzelnen Regierungen machen konnte. Dieses Verfahren war um so merkwürdiger, als es sich 1Z...auf der Konferenz nicht um Fragen der aktuellen Politik, etwa um die orientalische oder elsaß- lothriiigensche Frage handelte, sondern ausschließlich uin allgemeine Fragen des Völker- rechtS, die Ausgestaltung des Krieasrechts. die Frage des Schicds- gci�chtslvejens und um die Dämlichkeit, kriemerischen Konflikten über haiipt vorzubeugen.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraicn.) Ich meine, die Böller haben einen Anspruch darauf, daß sie in dieser Beziehung rücksichtsvoller behandelt werden. Mit der ganzen Eni- wnkliiiig des modernen Verkehrs und des ZeitungSwesens ist auch das Jntcresie der Bevölkerung gewachsen, von den' auswärtigen An gclegeuheiteil sder Staaten Keiintnis zu erlangen. Aber die ans wältigen Angelegenheiten sind ja auch hier im Reichstag eine Sache, über die man möglichst kurz hinwegzugehen versucht. Man rührt an diese xnige nicht gern. Aber das Volk hat doch ei» Interesse daran, denn unter Umständen ist es verpflichtet, sein Blut herzugeben für die etwaigen Fehler der auswärtigen Politik. Aber man bat nicht ein mal die Ergebnisse der Äonferenz der Oesientlichkeit mitgeteilt, ob- gleich hierzu wenigstens eine moralische Verpslichiung vorgelegen pftttc. Gros Münster hat bereits Ende vorigen Jahres die Beschlüsse niNerzeichiiet, und doch habe» wir bis heute noch nicht den Wortlaut derselben erfahren. Die�„Frankfurter Zeitung" vcrössentlichte die Konvention betreffend die Schiedsgerichte und unser Regierungsorga» bat sich erst aus dieser Zeitung belehren müssen. Allerdings sind ja die Ergebnisse der Konferenz derartige, daß man sich vielleicht ans seilen des Auswärtigen Amts geschämt hat, sie der Ocsicnllichkcit mitzuteilen. Ich komme nun mit einigen Bemerkungen ans den eigentlichen Zuhält der Vorschläge der Äonferenz. Es handelt sich einmal um die sogenannte Hilmanisierinig deS Kriegswesens. die Ansdehming der Genfer Konvention auf den Seekrieg. Eine zweite Gruppe be- handelte das Vermittelungs- und Schiedsgerichtsverfahren. Den Kernpunkt des Ganzen bildete die Frage der Abrüstung, ob Kriege überhaupt vermieden werden köiiucu und wie sich die KricgLlastc» verniinhern ließe». Diese Frage ist ja der Ausgangspunkt der ganzen Allion gewesen, wegen der andern Fragen hätte eine derartig sensationelle Konferenz nicht abgehalten zu werden brauchen. DaS wichtigste, worüber beraten wurde, war eben das Problem, das bisher die zünftigen Diplomaten und Militärs mit Hohn u»d Spott angesehen halten, bis endlich der russische Zar die Sache in .seinem Manifest llargestellt hat. Es handelte sich darum. ob nicht durch internationale Vereinbarungen die Kriege vermindert und schließlich überhaupt aus der Welt geschafft iverden könnten. Was die ersten beiden Punkte der Konferenz betrifft, so ist eine Konvention zu stände gekomme», die das KriegSrccht behandelt. Aber die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat selbst erklärt, daß alle»s. was in dieser Konvention steht, bereits bisher seitens des Deutschen Reichs in Anwendung gekommen ist. Andrerseits bemerkt die„Norddeutsche Allgemeine", deiß Oberst v. Schwarzhoff mehr als einmal durch Anreguiig oder Widerspruch nützliche Gesichtspunkte in den Vordergrund gestellt hat und unpraktischen oder z» weitgehenden Forderungen entgegen getreten ist. Es wäre doch sehr interessant zu erfahren, worin diese Ailregmigen bestanden haben nnd welchen zu weit gehenden Vorschlägen der Herr entgegengetreten ist. Man spricht soviel von der Huinanisierung des Kriegs. Das ist aber nurjein geringer Ausgleich. Die Entwickelung der Technik hat dazu, geführt, daß die Verwüstungen im Kriege viel bösartiger sein müssen, als früher. Nicht viel bester steht es mit der Konvention, die die Ausdehnung der Genfer Konvention. ans den Seekrieg betrifft. Es ist ja sehr wünschenswert, daß der Schutz der Sauitätspcrsonen und die schonendere Behandtling der Verwiliideteii durch inter- nationale Vereinbanmgen geregelt wird. Aber auch hier wieder hat die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" mitgeteilt, daß die deutsche Regierung alle diesbezüglichen Konv'eiitioneu zwar uiitcrzeichnet hat, aber de» Artikel 10 der Konvention über die Anwendung der Genfer Konvention einem ähnlicheu Vorbehalt unterworfen hat, wie ein solcher auch von England gestellt worden sei. Da müssen wir doch erfahren, Ivos denn der Artikel 10 eigentlich besagt. Wenn die Frage des Schicdögcrichtswcscns gut zur Lösung gc- bracht wäre, dann hätte lhatsächlich im Sinne des Manifests des Zaren gewirkt werden können. Aber auch diese Konvention ist ihrem sachlichen Inhalt nach bedentungslos und das bedeutet ein völliges Fiasko der Haager Konferenz. Durch diese Konvention ist allerdings ein Fortschritt erzielt worden, indem ein geordnetes Verfahren ein- geführt ist. ES ist ein permanentes Bureau geschaffen und eine Liste ailsgestellt worden von Schiedsrichtern, die sofort in Funktion treten können. Aber diese Konvention ist mit cincr Klausel versehen, die den betreffenden Paragraphen im Fall der Ainveiidung wieder auf- heben kann. Ueberall soll nach dieser Klausel das Schiedsgerichts- verfahren nur dann eintreten, wen» der betreffende Staat es mit seiner Ehre nnd seinen Interessen für vereinbar hält. Bon einer Verbesserung kann man also nicht reden. Von irgend ivclchcn Erfolgen in Bezug auf Beilegung von Streitigkeiten kann keine Rede sein. Ich möchte Sie noch daran eriimeni, wie sich die Sache ent- wickelt hat. Im Januar vorigen Jahres hat der russische Minister des Auswärtigen das Programm deS Kongresses aufgestellt, in dem der Gedanke der Abnisiimg eine Hauptrolle spielte. Im Eingang schildert er. daß sich die internationale Lage verschlechtert hat, und fährt dann fort: „In der Hoffinmg, daß die Elemente der Bennrnhigung bald mehr ruhigen Zuständen Platz machen werden, ist die kaiserliche Regierung der Meimiiig, daß es schon jetzt möglich sei, an einen Ideenaustausch heranzugehen, um Nüttel zn suchen, den fühlbar zliiichmendcn Rüstungen zu Wasser nnd zu Lande ein Ziel zu setzen, eine Frage, deren Lösung mehr und mehr dringlich wird." Erster Pniikt des Programms war, ein Uebereinkon suchen, um die gegenwärtigen See- und Landkräfte nicht zn er- höhen, und eine vorläunge Untersiichiilig anzustellen über die Wege, auf dciicii sich sogar eine Veiniinderung der Streitkräfte erreichen läßt. Das war der ursprüngliche Gedanke des Manisestes. Ver- gleichen wir dieses Programm mit dem Ergebnis der Kon- serenz, so»n'issen wir sagen, die Konfereuz hat vollkommen Fiasko gemacht. Meiiie Partei hat freilich zn ihr niemals Vertrauen gehabt. Wir sind der Meinung gewesen, daß die heutige» Regie rungeil, die ja nur die herrschenden Klassen vertreten, die sich voller Vorurteile, voller EhanvinismuS gegenüberstehen. daS Werk des Friedens nicht fördern können.' Aber wie hat sich nnsre Regie rung noch dazu dieser Konferciiz gegenüber verhalten! Sic hat ciiic Deputation entsandt, die in keiner Weise geeignet ivnr. die Ideen. um die eS sich handelte, zu fördern. Seiner Zeit hat die deutsche Regierung die Aktion des russischen KasterS begrüßt. Die„Norddeutsche Allgenieine Zeitung" brachte ja Ende Äuglist vorigen Jahre? eineil Artikel nnlcr der Ueberschrift:„Weltfrieden". In diesem Artikel, der die Ansicht des Auswärtigen Amts wieder- gegeben hat, hieß es: Wenn jetzt aus dem Munde des russischen Kaisers der Ruf ergeht, dem Frieden neue, Sicherheit verbürgende Grundlagen zu geben, so wird das friedliebende Deutsche Reich die Hand, die ihm ent- gegengehaltcn ivird, gern ergreifen, und sollten sich Schwierigkeiten ergeben, so wird e's sich ümsomebr bemühen, das hochherzige Programm des Zaren Nikolaus durchzuführen. Nachher hat man noch nicht einmal gcignete Delegierte nach der Haagcr Konfcrcnz geschickt. Zu den Militärs Hot man Lei'chtcn der Wissenschaft hingeschickt, die aber noch militaristischer gesinnt waren als die Militärs. Der eine der Herren, Prof. v.« t e» g e l, hat sein VeiähiguiigSzeiigiiiS für die Forderung des Friedenswerls mit einer Schrift erbracht, die sich aufs schärfste gegen die »Haagcr Konferenz ausspricht.(Hört l hört! linls.) Herr v. Stengel ivoist in seiner Broschüre darauf hin, daß schon in der Bibel der Krieg als Besiandteil der göttlichen Weltordnung steht. Darüber will ich aber gar nicht ivciter reden. Sehr charakteristisch für die Denkweise diese» Herrn ist es jedenfalls, wenn er bei her Besprechung des Kantschen Buchs über den civtgen Frieden meint, Kant habe sein Buch gar nicht ernst gemeint, cS sei mir eine ironische Arbeit. Das zeigt doch, daß Herr ivir aus für des uns es j. Stengel die philosophischen Gedanken eines Käut nicht im ent»......„..A. o!.»,-.'.'..., «ntesten begriffen hat. Er belnstigt sich in seiner Schrift über �,1 Ä Mitglieder der Fricdciisgcscllschaft. über dieselben Perionsn. ans deren Werken der russische Zar die Anregungen zu seinem Manifest geschöpft hat: eS seien phantastische Personen Da muß mau sich nur wundern, daß er sieh über den russischen Kaiser nicht ein ähnliches Urteil erlaubt. (Sehr richtig! links.) Herr v. Stengel kommt zu dem Resultat, dnst alle solche Friedensbewegungen zwecklos, wenn nicht kindisch seien, iveil das angestrebte Ziel niemals er- reicht werden könne. Schließlich spricht er sich über das Zaren- manifest sehr deutlich aus:„Man weist nicht, ob eS»ichr Wahninn oder Verbrechen ist, wenn bei solcher Lage der Dinge dem deutschen Volk der ewige Friede gepredigt wird."(Hört! hört! links.) Auf Grund cincr derartigen Schrift ist Prof. v. Stengel um Delegierten der Haagcr Konferenz gewählt worden. Man köinitc eine Wahl noch begreisen, wenn er vielleicht meinte, mit einem Schlage könne daS Ideal deS Weltfriedens nicht erreicht werden. Aber einen Gelehrten dorthin zu schicken, der die feste Absicht bat. die FriedenSbestrebungen zn durchkreuzen, das ist doch ein empörender Vorfall. Da ist es' kein Wunder, wenn die Konferenz Gegenstand des Spotts geworden ist. Herr v. Stengel geht ja in seiner Militär- reundlichkeit so weit, daß er dem dcul>chcn Reichstag Vorwürfe macht, weil er nicht jede Militärvorlage unbesehen bewilligt, sondern weil er sie jedesmal erst auf ihre sinnnzielle Tragweite prüft. Herr v. Stengel sagt auch, hosfelitlich werde die Friedeusbewegung für die Haltung der Neichsregienmg nicht maßgebend sein. Die Regierung teilt also die Theaterbühne in zivei Abteilungen. Auf der einen eite macht sie Komplimente gegenüber dem Manifest de» Zaren, aus der aiider» Seite hören wir von ihr das Evangelium der uncrlösten Sünde. Auch der deutsche Kaiser hat zunächst zu den FriedeuZgedauken deS russische» Herrschers seine Zustimmung ausgesprochen, aber schon am 3. Februar vor. I. beim Diner deS braiideuburgischen Städtetags erwärmte er sich für den Friede», der hinter dem Schild und unter dem Schwert des deutschen MichelS steht. Wir kommen zu dem Ergebnis, ivas innerhalb eines Staates möglich ist, soll in den Beziehungen der Volker unmöglich sein. Während der barbarische Krieg eine» Menschen mit dein andern innerhalb unsrer einzeliien Staaten beseitigt ist, bleibt der Krieg in der Staatenwelt vollständig erhalte». Aber wenn man an das Ideal des dauernden Völkerfriedens nicht glaubt, dann ipreche man eS wenigstens auS, damit Wahrheit herrscht. Für blut- gierig halte ich auch die sogenannte Äricgspartei nicht. Die Frage i't aber, ob das System, das bei uns herrscht, nicht notlvendig zum Kriege führen muß. Jedenfalls treibe man nicht eine Politik, ivic ich sie eben geleimzeichnet habe, wo man ans der einen Seite von Frieden spricht nnd auf der andern Seite die Krtegsrüstungcn verstärkt und die Gegensätze verschärft. Ehrlich ist citze solche Polilik nicht.(Sehr richtig! links.) Und wie sich die deutsche Regierung verhallen hat, so haben sich, wenigstens ähnlich, auch andre Regierungen verhalten; kein Wunder, wenn die Konferenz resultatlos verlaufen ist. Es ist ein charakterischcs Zeichen, daß sich im Jahre der Friedenskonfereiiz die KriegSriiftungeu mehr wie sonst gesteigert haben. Gerade die civilisiertcsten Nationen rüsten am meisten. Alle Regierungen, die sich bemüht haben, eine Konferenz zu stände zu briugeu, sahen ruhig zu. wie der Krieg gegen die Voeren mutwillig vom Zaun ge- brachen wurde. Das ist geradezu ei» skandalöses Verhalten der Regierungen. In derselben Zeit, wo im Haag die Konferenz tagte. ist bei uns der Staatssekretär des Ncich-s-Marillc-Amts zn den Großindustriellen gereist, um zu fragen, ob gciiiigciid Material bor- Händen sei, damit die Regierung neue Rüstungen vornehmen könne. Ich glaubte, dieses'seltsame Gebahrcn hier einmal kritisieren zu solle». Ich hoffe nicht, daß, lveim in Zukuuft weitere iutcruatioliale Koilferenzen abgehalten werden sollten, die deutsche Regierung wie die andren Reglermigen den Friedensgedaiikeil fördern werden. Der militaristische Zustand kann nicht durch die heutigen Regierungen beseitigt werden. So lange das kapitalistische System im Innern tinsres Reichs und zwischen den Völkern besteht und so lange man diesem System nicht zu Leibe geht, ist es nicht möglich, die FriedeiiSbestrebuiigeu zu realisieren. WaS ich aber hoffe und wünsche. ist, daß die Regierung in Zukunft mit offenen Karten spielen möge. Dann werden wenigstens die Völker wisse», von den heutigen Regieningen haben wir nicht zu hoffen und zu crivarten, daß die Kriege je beseitigt iverden. Sie werden wissen, die heniigen Regie- rungen können nichts Besseres schaffen, es wird bleiben bei dem heutigen System der Rüstungen und Verwüstungen.(Lebhafter Beifall bei den Socialdcmokraten.)' Staatssekretär Graf Biilow: Ich gestehe, daß ich nicht erwartet hatte, daß die Haager Kon» serenz hier so cingehcnd zur Sprache gebracht werden würde. Ich bin dem Herrn Vorredner aber dankbar, daß er mir Gelegenheit .gegeben hat, die Stellung der Deutschen ReichSregierung in dieser Frage klar zu lege». Nnsre allgemeine Stellung ging hervor aus unsrer ganzen bisherigen Politik, die immer und unentwegt gerichtet ist auf die Erhaltung'des Friedens. Wir habe» uusre Rüstungen zu Laude und zu Wasser immer nur zu dem Zweck verbollständigt. um unser Territorium und unsre wohlcrworbeiicu Rechte gegen feiud- liche Angriffe zu schützen; von unsrer Seite ist der Frieden nicht gestört worden. Für das Gegenteil können wir aber keine Garantie übernehmen und gegen eine nicht ausgeschlossene Möglichkeit müssen rechtzeitig Vorsichtsmaßregeln getroffen werden.— Also bei den friedliche» Tendenzen unsrer Politik habe» wir dem Vorschlage Sr. Majestät deS Kaisers von Rußland, der dem Frieden dienen will und davon ansgcht, daß jeder die Rcchie des andern zu' achten habe, selbstverstäiidlich nicht mir keinen Augenblick irgend welche Schwierigkeiten in den Weg gelegt, sondern wir haben diesen Vorschlag bereitwillig angenommen, nachdem festgestellt war, daß durch die Konfereiizverhandliuige» der territoriale Status quo(bisherige Bestand) der beteiligten Mächte nicht tangiert werden sollte. Wir haben uns an den Verhandiiingcn eifrig und, wie ich wohl sagen kann, mit gutem Erfolge beteiligt, lieber unsre Haltung zu den verschiedenen auf der Konferenz behandelten Fragen möchte ich aus dem Eirkular, das ich an nnsre Missionen im Auslände gerichtet habe. daS Folgende verlesen. Vorher will ick nur noch erwähnen, daß die Konveiitioilen nnd Deklarationen der Konferenz von unsrer Seite nur deshalb nicht sofort unterzeichnet worden sind, weil sie zunächst einer cingehenden Prüfung durch die betciligteir Ceuiralbchörden im Reiche und im preußischen Staatsmiiiisterinni unterzogen worden sind. Nachdem diese Prüfungen keine Bedenken ergeben hatten, sind die Beschlüsse von deutscher Seile unterzeichnet worden. Sie werden auch veröffentlicht werden und wir werden die Ehre haben, sie dem hohen Hause zu unterbreiten, sobald die Ratifikation derselben stattgefunden haben wird. Wir hatten unsre Teilnahme zugesagt, iveiiii und solange alle übrigen Großmächte dabei wären, zugleich hätten>vir die' ausdrückliche Voramssetziliig gemacht, daß eine Minorität auf der Konfereuz nicht verpflichtet sein könnte, sich einem Votum der Majorität zu unterwerfen. Die deutsche» Delegierten waren ferner angeiviesen, an allen Beratungen teilzunehmen, und ferner, nicht nur mit ihren östreichischen imd italienischen Kollegen Fühlung zu hallen, sondern' auch den russischen Delegierten, soweit angänglich. Entgegenkommen zu zeigen.(Sehr gut l rechts.) Was nun also unsre Stcllling zu den einzelnen Fragen angeht so waren wir gerne bereit, alle Änträge zu fördern, welche wirklich geeignet erschienen, der Humanität mid dem Frieden zu diene», ei gab aber auch solche, ivelche eher geeignet waren, einen Krieg zu erleichtern. Auf dem Gebiet der Beschränkung der Rüstungen komiten wir im Bcivnßtsein der Verantivortung für das deutsche Volk keine Konzessioiieil machen, welche die Wehrhaftigkeit der Nation beein- trächtigt hätten. DaS verstand sich für nns von selbst. Dieser Standpunkt ist von nilS auch nngeschent zum Ausdruck gebracht worden .' Dagegen habe» die deutschen Delegierten sich den Vorschlägen der ersten Konimission rück- haltlo-s angeschlossen und auch an den Beratungen über die Alisdehining der Genfer Konvention auf den Seekrieg haben sich die deutschen Delegierten in hervorragendem Maße beteiligt. Ich möchte auch er» wähiieii. daß wir im Hinblick ans die Ilnzuträglichkeite», die sich aus den anfänglichen lückenhaften Veröffentlichungen ergaben, Beran- lassung genommen haben, durch unfern ersten Delegierten den Antrag ans Beröffcntlichnng der Protokolle einzubringen. Dieser Antrag ist aber von den andern Mächten nicht angenommen morden. WaS die Frage der Schiedsgerichte aulniigt, so haben einer obligatorischen Arbitrage nicht zustimmen können der Ueberzeugmig heraus, daß ein nuabhäiigiger Staat sich Selbstzweck' ist. Wir mußteil die salus publica deutschen Volks vor allein berücksichtigen, und konnten deshalb einem Schiedsspruch nicht in Fragen unter» werfen, die unsre staatliche Existenz berühren, sondern höchstens tn »ntergcordnetcii Fällen und wir mußten ilns allein die Entscheidung darüber vorbehalten, ob in concreto da»Z erstere oder letztere der Fall sei. Dagegen haben>vir den Vorschlag auf Errichtung eines permnilenten' interiiationalen Schiedsgerichts' initer der Bedingung der Beseitigung jeder obligatorischen Arbitrage n»d der Bediiigmig der Erhöhung der Zahl der Schiedsrichter angenommen. Eine Ge- fährdung vitaler deutscher Jiiteresse» ist mlnmehr von dieser Ein- richtinig nicht mehr zu besorgen.— llnsre Gesamthaltung kann ich dahin zusammenfassen, daß wir. soviel an im» lag, für die großen Ziele der Konferenz eingetreten sind unter vollerWahrung der Interessen de» deutschen BolkS. Eingedenk, daß die Wohlfahrt des deutschen Volks unser oberstes Gesetz ist und bleibt, haben wir unser Verhalten dort so eingerichtet, daß unsre Beziehungen zn den übrigen Mächten durch die Friedenskonferenz nicht nur nicht geschädigt, sondern gekräftigt sind. DaS ist ein Beweis, daß Deutschland nicht fehlt, wo e» sich um humanitäre Jutereffen handelt. Was unsre Delegierten anlangt, so ist eS keiner fremden Re- gterung beigekomme», in dieser Beziehung an»nsrer Wahl irgend ivelche Kritik zn üben. Der llmstand, daß der eine der Delegierten in einer inneren deutschen Frage sich ans die Seite seiner Regierung gestellt hatte, konnte ihm in den Auge» der übrigen Regierungen Zürchaus nichts schaden. Uebrigen» freut es mich, mitteilen zu können, daß der betreffende Delegierte sich»m Haag durch sein taktvolle»? Auftreten die allgenieinm Sympathien erworben. Die deutsche Stimme ist stets von unsrcin ersten Delegierten abgegeben worden auf Grund der Instruktionen, welche er von mir erhielt. Abg. Licbcrmann von Ronnenberg(Antis.) ragt an, wie weit die Verhandlungen über die Entschädigungen der aus Samoa geschädigten Deutschen gediehen sind und ob die Entschädiglmg. zu der sich England ivcgen der Beschlagnahme deutscher Schiffe verpflichtet hat, bereits erfolgt ist. Redner erbittet Aiiskniift über das Verhalten des Konsuls Birg in Ehieago, er soll einem Herrn Halle eine Ordensauszeichnnug verschafft haben, der in der„Chicagoer Tribüne" die schmählichsten MajestätSbeleidigungen veranlaßt hat. Ter Gesandte von Holleben habe sich bei dieser An- !r Aukaabe nickt aewachscn aereiat. An dem Prozeß gelegenheit seiner Aufgabe nicht gewachsen gezeigt. In dem Prozeß Wolff kontra Hirsch sei«« zur Sprache gebracht worden, daß wichtig» doiitische Nachrichten, die auf die Börse von Crinflufc seien können, dem Hanse Blcichröder �ur Ccnsur vorgelegt werden müssen, che sie WolffS Burean veröffentlicht. Das Haus Blcichröder' als Kompagnon des Deutschen Reichs ist ein uncrwniischter Zustand. Merkwürdig sind auch die Prehbezichungen deS Auswärtige» Amts. Mit an Hexerei grenzender Geschwindigkeit werden die LuskandSstiimne» über Reden bei uns veröffentlicht, die Herr ». Bülow zu halten geruht. Man kann das bcklcnnnende Gefühl nicht lvs werde», daß cS schmerzlich wäre, wenn einmal Graf Vlilmv verhindert sein sollte, eine vorbereitete Rede hier zn hakten. VS könnte sonst dasselbe passieren, ivas der„Rordd. A5g. Ztg.» einmal ' passier: ist. alS sie über eine Theatcrvoritcllnng berichtete, die im letzten Augenblick abgesagt war.«Große Heiterkeit.) Ich habe ucnkich uiyrer england-fcindlichen Gesinnung Ausdruck gegeben. Herr Bebel hat das als lächerlich bezeichnet. Ich habe aber das ganze deutsche Dolk mir AnSnahme der Freunde des Herrn Bebel hinter mir. (Lachen links.) Abg. Fürst v. Bismarck hat zwar auch Herrn von Bülow gelobt, aber e. wird eö begreiflich finde», daß ich zwischen icincm großen Vater und Herrn von Bülow noch einen Unterschied finde. Herr Bebel meinte, ei» ltrieg mit England wäre für uns das größte Unglück und Herr Tirpitz trat ihm darin bei. Ich kann daS nur eingeschränkt zugeben. Schlimmer als ei» solcher Krieg wäre c5, wenn wir unsre nationale Ehre ruhig von England beschimpfen lassen inüßten.(Sehr richtig, rechtS.) Im übrigen bcanftandc ich das Gehalt des Staatssekretärs nicht. Untcrstaatssckretär Frhr. v. Richthofcn: In dcr Samoa-Angelegenheit hat der Slönig von Schweden daS Schicdsrichtcrauit übernmnineii. Scincin Schiedsspruch werden wir uns unterwcrfciu England hat wegen dcr Entschädigung der Beschlag- nähme der Schiffe sich»och nicht äußern können, weil ihm von»nt die Ansprüche noch nicht zugegangen sind. Diese sind noch nickst fest- gestellt lieber den Inhall amcrikainschcr Zeitungen brauche» wir iins nicht aufregen. Herr Häkle ist der einflußreichste Deutsch- Amerikaner des Westens, er war Präsident deS Deutschen Vereins während dcr AnSfteiknng in Chicago. Daher die Ordens- dckoralion. Das Auswärtige Amt hat mir dem„Bureau Wolfs" die besten Erfahrungen gcinacht. Die Vermninngen deS Vorredners sind ganz unbegründet. Abg. Dr. Böctel flknttf.): Der Friedenskongreß war nichts weiter als ein: Komödie. 2?are er daS nicht gewesen, so loärc der Krieg in Südafrika nicht möglich geivesen. Die Engländer haben ganz brutal gehandelt. sie� haben sich M.ßhandlungen zn Schulden lommen lassen und AricgSgcsangene ins Gefängnis gesteckt. Warum hat Deutschland »ich: intcrbcnicrt? Ter Krieg hätte vielleicht verhindert werde« können, dieser Krieg, dcr aus Börscurntertssen begonnen worden ist. Tie toeele des Kriegs ist Ereil Rhode?, auf seilt Haupt falle bas Blut deö Kriegs, auf ihn und Herrn Chambcrlain. Wie loar es möglich, daß dieser Ereil Rhode? vom Auswärtigen Amt emp sangen werden kounlc. Diese schmutzigen Börsen- sab der werden vom Auswärtigen Amt chnpfairgen. Akuß das deutsche Volt nicht glauben, wir seien an eine Börsenuique verkauft? Eecil RhodcS ist nicht nur Börsenjobber, sondern auch englischer Imperialist. Er will Afrika englisch machen, vorn Kap bis Kairo. Solchen Leuten gehört bei uns der Stuhl vor die Thür. Tie Boeren find uns stammverwandt, wir haben an ihrer Unabhängigkeit das größte Interesse._ Ich frage die Rcgicrnng, bestehen Beziehungen zwischen ihr und Cccil Rhode? und welcher Art sind diese Beziehungen? (Dcreinzeltcr Beifall rechts mid bei den Antisemiten.) Abg. Bebel(Soe.) Herr Liebermenn v. Sonncnbcrg hat davon gesprochen, daß ich ol-Z wütcnder Löwe gegen Rußland hetzte, aber bei näherem Znsehen befände sich nnler dcr Löwenhaut kein Löwe. Wenn ich ihm auf da? Gebiet der Vergleiche ans der Tierwelt folgen wollte, so' würde ich ihn nicht mit einem Löwen sondern lieber mit einem zahnlosen Bullenbeißer vergleichen.(Große Heiterkeit.) Ich befinde mich mit ihm in Uebercrustinumlug, soweit die Sympathie für die Boeren in Frage kommt, deshalb kann ich aber an seiner Engländer- fresserci auch heute keinen Geschmack finden und mit mir glaube ich cin großer Teil deS deutschen Volkes. Herr Liebcrmami »leinte, feine Engländerfrrsserci werde vom Droschkenkutscher bis znin Minister, von»„Kladderadatsch" bis zur„Krenz-Zertimg" geteilt. Darin irrt er sich. Die Stimmiing in Droschkenkutschcrckreisen ist mir lurtit genau bekannt, über die Stmnming in Ministe rtreisen bin ich anders uiitei-richtet und auch die„Krcnz-Zcitung" bat mit mir gerade in dieser Frage die gleiche Aiisicht. Bei aller Sympathie für die Boeren legt sie doch stets Gewicht darauf, die Frenndschaft mit Eng- land lischt in die Brüche gehen zu lassen. Wenn Herr Liebermaim »11? schon mit England in einen Krieg venvickclt sieht, so hat er wohl eine lleberzcnguiig ausgesprochen, an die er selbst nicht glaubt. Vieepräsident v. Frege: Herr Abg. Bebel, Sic dürfen einem Mitglicdc des Hauses nicht imtcrlcgcn daß er an eine von ihm ausgesprochene Ucbcrzengniig selbst nicht- glaube.(Große Heiterkeit.) Abg. Bebe!(fortfahrend): Nun noch einige Worte über die Friedenskonferenz, die mein Freund Gradnaucr schon bchandelt hat. Ter Staatssekretär meinte, den deiilschen Delegierten ici von allen Vertretern srenider Nationen die allergrößte Rücksicht zu teil geworden. Das glaube ich schon. An der Konferenz haben wohl mir so wohlerzogene Leute teilgenomn»«. daß » sie. auch ioeun sie böse Gesinnnugeu gegen die deutschen Delegierte»! gehabt habrn, dies nicht haben nierken lassen. Gerade bei den Tiplomotcii ist ja auch die Sprache dazu da, die Gedanken zu vcr- bergen(Heiterkeit.) Dcr Staatssekretär hat dann gemeint, die abweichende Meiimiig des Herrn v. Stengel in einer iunercn deiilschen Frage hätte keine» Grund für die Aichtentfendniig zur Haagcr Koiiferenz abgeben töiiiic»; aber auch dcr zweite Delegierte. Herr Professor Zorn ist ein Mann, dcr sich gegen den Grinidgedaiiten des riissischen Mani- jeste» in scharfer Weise erklärt hatie, niid eS ist merkwürdig, daß unter ock den deutsche» StaalSrechlsgelchrien gerade diese beiden Herren aus- gewählt worden sind. Siebt cS doch daciiuter sehr viele, die ans dem ciitgegeiigejetzien Standpunkt stehen. Lluntschli, Holtzcudorff. Jhering haben das Ziel, das der Zar sich in sriiiem Manifest gesteckt balle, für sehr wohl möglich erklärt. Herr Staatssekretär Graf Bülow bat wieder den alten Standpunkt vertreten: 5» vis pacew. IUTH belJuin. Aufgabe der deutschen Regierung wäre eS ober gerade gewesen, den guten Willen zu zeigen, den Gedanken des Manifestes zur Thai werben zu lassen. Ich habe bei der Lektüre dcr Berichte über die Konferenz mir immer gesagt, da find tuiedcr ciimial die Anqnreii bristimmm, die den Anscheii» envecken ivollcii, als handle es sich bei den Berhandliiiigen um die höchste« Güter dcr Menschheit, aber in Wahrheit mrr den Herrschaftsgeliiste» ihrer Regierung Vor- schuv leistru. Graf Bülow sagte:„Wir konnten die Wehrkraft Deutschlands»ich: in Frage stellen." Nur niitcr dieser Voraus- setzung hätte man an den Verhandkimge» teilnehmen löiincn. Ich gebe zu. daß die Frage der Abrüstung eine sehr schwierige ist, ober sie ist nicht unmöglich,»nid gerade wir hätleu doch ein- »ual den ernsthaften Versuch machen müssen, ob mit de» Rüjtiingcii eingehalten werden könnte. Darauf hat nrair sich aber absolut nicht eingelassen, denn in diesem Gedanken erblickte man von vornherein Eiügrifle in die Selbständigkeit der cliizelnen Staaten. Die Bcrhand- klingen waren weiter niclitS als eine Spielerei, sie waren nicht das Papier wert, aus das sie geschrieben wcmdritsiud. Dabei halte ich omfi die Eriictmnig von internaliviiateii SchiedSgerichic» für durchaus möglich. Solch' ein Schiedsgericht, das von allen Kiiltiiinationen gebildet würde, wäre ein großer moralischer Faktor. Ein Staat, der einen» Schiedsspruch entgegen doch diieii Krieg provozierte, würde sich vo» vornherein ins Unrecht setzen, und schon diese Voraussicht wird ihn schwer veranlassen kötincn, zum Krieg zu schreiten. Herr Abg. Bockel hat ganz recht, wenn er die Haager Konferenz eine Komödie nannte. or vergaß nur hinzuzusetzen, daß die deutsche Negiernng eine Hauptrolle bei dieser Komödie gespielt hat. Auch ich glaube, cS wäre inög- lich gewesen, den Doerenkrieg zu verhindern, wenn ninn in» Haag ernstlich gewillt gewesen wäre, den Frieden zi» fördern. Andrer- seii-s muß ich sagen, nach dem Verkauf der Konferenz »mißte jede Verinittliing von vornherein al? aussichtslos erscheinen. Aus der ganzen Konsercnz ist nichts weiter heraus' ckommcn, als«ine Skrt Hnmanifierung des Krieges. Die ober alte auch ohne so großen Apparats erreicht werden könncii.(Bravo! bei den Eocialdemokrateii.) Abg. Licbermanu von Sonncnbcrg(Aiiiis.): Ich danke der Regierung für die Auskünfte auf incine An- fragen. Die Nachrichten, die ich über Herrn Halle bekommen habe. widersprechen denen deö Herrn v. Richthofcn. Die Angelegenheit deS Wolsischc» Bureaus halte ich noch nicht für erledigt. Ter Fall eignet sich zu ivcitcicr Untersuchung. Herr Bebel hat mich n,it einem zahulojcn Bullenbeißer verglichen. Ich accepticre den Vergleich»nit cineii, so treuen, tapferen Tier gerne(Große Heiterkeit), im übrigen aber hoffe ich. Herrn Bebel noch oft den Beweis zu liefern, daß ich noch beißen laim.(Erneute Heiterkeit.) Aber auch ein zahnloser Lullen- bcitzer würde inimcr noch mit einen» Vogel fertig werden, der sich fortwährend mausert.(Große Heiterkeit.) Ii» der Boeren- sympathie ist ja Herr Bebel mit mir einig. England nimmt aber diese Boercnfremidlichkcit sehr übel. In gc- wisscr Beziehung könnte ich also meurerscits Herrn Bebel einen „Iohn-Bullcnbcißcr" nennen.(Heiterkeit.) Daß Herr Bebel die englischen Verhältnisse besser kennt, als ich. gebe ich zu, er kor- refpondiert ja sogar»nit cnglischei» Bischöfen, nur findet er im ge- eigneten Augenblick die Briese nicht.(Sehr gut! rechts.! Er möge mir aber glauben, daß die Stimninug im deutschen Volke so ist, wie ich sie geschildert habe. Gegen diese Stimmung wird Herr Bebel mit all' seiner Beredsamkeit nicht aufkommen, zumal er ivirklich schon etwas oder»u» deutsch zu reden, eine vorübergeheudc Er- schemmig ist.(Große Heiterkeit.) Abg. Kirsch iE.) fragt an. ob dcr Vertrag, den Prcnßeii ,i»it Oeftreich im vorigen Jahre über die Grenzveräuderuiig au der Przensa abgeschlosien hat. dem Reichstag nicht vorgelegt werde. Der Reichstag müsse seine Zustiimnung dazu geben, da es sich um eine Vernude'rung des Reichsgebiets handele. UnterstaatSselretär Frhr. v. Nichthofeu: Die Geiichiiiigimg des Reichstags wird seiner Zeit eingeholt»Verden. Besondere Be- schleiinigling war nicht nötig, da dcr Vertrag seitens Oestreichs»loch nickst genehmigt ist. Abg. Kuncrt(Soc.): Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit ans eine Angelegenheit lenke», die m engster Beziehung mit dcr a m e r i l a u i s ch c u Zoll- p o l i t i k steht imd leicht �u Erörterungen im Rcpräseiitaiitciihaus führen kau». Bon deutscher und amerikanischer Seite sind ivicdcrholt bündige Versicherungen gegeben ivorden, unsre poetischen und wirtschaftlichen Aeziehungen seien bester Natur. Tie stärksten Ausdrücke find da von beiden Seiten gc- braucht worden. Die gritcn Früchte dieser gegenseitigen Betei'.eriiiigcii find auch in gewisser Beziehrmg nicht anSgebliebeii. Im April 1803 bekainen wir den Vertrag über' die Kabellegimg, im September 1833 eine!» bessere« Postpaket-Vertrag, zuletzt die Erlaubnis dcr Einrichtung von amcrikailiichen Äersicherungögcscllschaftcn aus deutschem Gebiet. So sehen die Dinge aus vor den Coulissc«. Dieser freundschaftlichen Politik steht die konservativ-agrorische Partei energisch entgegen, fortwährend führt sie einen Kleinkrieg gegen die Ein- führiiiig amerikanischer Epzeugniff'e. DaS letzte Zeugnis dafür sind die Vcrstichc. das Fleischbeichan- Gesetz so umzumodeln, wie es den Agrariern gefüllt. Nun ist cS merkwürdig, daß seitens dcr Bcainteii- Hierarchie diese Beslrebüiigen der rechten Seite ausgiebig iinterstützt werben, offiziell und geheim. Es lhiin das Bcanitc. die Schulter an Schiiltcr»rir dem Grafen Bülow hier stehen als Vertreter der Nie- gicrung. Ich habe hier cii» Schreiben vor mir, welche-? folgender- inaßen lautet:(Den Wortlaut finden die Leser im politischen Teil deS Blatte-?.) Ans der Weisung, die Angelegenheit streng vertraulich zu bc- hcnidclii. spricht wohl das schlechte Gewissen. Was hat da? ganze Ding aber für eine» Zweck? Derselbe Freiherr bon Sthcin- haben, dcr am 23. Januar 1333 im Abgcordncteiihaiye sagte. daß die lliegiernng über den Parteien zu stehen habe, stellt sich hier einfach in de» Dienst einer Partei. Ich frage den Grafen Bülow. wie diese Art Politik übercinstinunt mit seiner Acnßcriing vom 12. Dezember 1833:..Unsre auswärtige Politik ist ausrickitrg, wir treiben lediglich dciiischc Politik." Ich frage, ist da-? eine Politik der Aufrichtigleit?' Wenn die Nordaineriraucr n»S gegenüber so handelte«, würden»>ir da kaltblütig und ruhig ziischcii? Dami liegt die Frage nahe, ob c? imch mehr dergleichen Echcimcrkasie giebt. Und" irciter: bat der Unterzeichncr an-? eigener Initiative gehandelt. Tie Notwendigkeit freniidschastkicher Beziehiingci» zu Nordamerika kann gar nicht bestritten werden. Zivci groß angelegte Kulturvölker, die auf eiiiander angewicscii sind, sollte mau nicht durch solche Handlungeii i» Gegen- iatz bringen. Herr v. Rhcinbabcu hist dcr Socialdcmokratie de» Fchdehandichnb hingeworfen, er mag nur so fortfahren, er agitiert für uns; deshalb habe ich die Sache nicht zur Sprache gebracht, ich will nur. daß etwa?, was im gcheiinen schleicht, getötet werde. Dieser Eeheunerlaß erscheint mir»uie ei» Produkt einer zweideutigen und in dcr That treulose» Politik. Wns'iursre Neutralität im Tudasrikauischc« Krieg betrifft. so siiidc ich eö sonderbar, daß deutsche Ossizicre zwar attachiert sind bei dcr englische:! Armee, aber nicht bei den Boeren. Einen schamlos«» Handel mit der Krupp-Fabrik hätten wir zu stände konuuen sehen, wenn nicht da? kleine jocialdemvkratiichc Blatt in Essen rechtzeitig Alain» geschlagen hätte. Und scheint eS nicht dem Staatsscirctar als moralische Unlersiütznng eines iiberinächügcn Gegner-?, daß er seiner Zeit die Englandfahrt linternommen hat? Gciviß wollte er neutral bleiben, aber Chambcrlain hat diese Absicht verhindert. Nicht bloß für eine moralische Unterstützung, sondern für eine direkt materielle Unterstützung baite ich es. wenn Großwiirdc»träger de? Reich-? dirett zn dem Fonds der Engländer für die Kriegführung beigesteuert haben; das hat dcr mißische und dcr niccklciibnrs-strclitzsche Monarch gethau. Zun, Schluß spreche ich die Hoffnung onS. daß nnscr Ans- wärtiges Amt stet? ehrlich und nüchtern sein möge im Gcgcnsctz zu aller Weltinacht- und Thcc»i.romantik. Wohin wir steuern, scheu wir mir Flotiengcsctz, die weilereu Folgen können keine cuidcrn sein, als der Konflikr nach innen nnb nach außen. In diesem Konflikt wird dcr Bundesrat auf feiten dcr Dynastien stehen, der Reichstag aber möge sich dorthin stellen, wohin er gehört, auf seiten des BoltS»nd insbesondere des arbriteiide» Lolis.(Bravo! bei den Socialdemo- kraten.) Ter Titel„Staatssekretär" ivird hicranf bewilligt. Beim Kapitel Grsandtschastcn«ud Konfnlatc, Titel Kon- st a Ii t i n o p e l. kommt Abg. Hasse snatt.) ans die Bagdadbahn zu sprechen und Ivarnt, allzu große Ettvartimgen»ud Hoffnungen an die Konzession zu knüpfen. ES handelt sich dort durchaus nicht nur um deutsche, sonderi, auch um französische Jnteressci». Man hätte daher dafür sorgen müsicn, daß bei dem Betriebs- und Beamtciipersoiial das französische Element nicht überwiegt. Ter Titel wird beivikligt. Bein, Titel„Entsendung land- und forstwirtschaftlicher Sachvcrftändigrr in» Ausland" lveffi Abg. Dr. Paasch«(natl.) darauf hin, daß man mehr Sorgfalt anf Auswahl geeigneter Personen legen möge. Die Berilbte. die von diesen Sachverständigen eingehen, sind durchaus' nicht alle gleich- wertig. Es wäre erwünscht, wenn eine Eentrale im Rcichsamt de-? Innern geschaffen werden könnte, an welche diese Berichte eingehen mid die sich überhaupt für alle laiidivirtschnftlichcii Fragen interessieren müßlc. Abg. Frhr. v. Wangcuhciin ik.) wünscht, daß recht bald eine Vermehrung dcr laiidivirtschaftlichen Sachverständigen eintrete. NntcrstaatSsckrctär Frhr. v. Nichihvfr« erkennt da? Bedürfnis nach Vermehrung von Kräfte» an und will bestrebt sein, ihm Ncchiiung zu tragen. Damit schließt die Diskussion, dcr Titel wird bewilligt. Beim Titel„Konsulat in Neapel" bedauert Abg. Dr. Haffe(natl.) die Kürzniig deS Zuschusses für das Kraiikeichous in Skeapel. Dcr Titel wird beivilligt,-■ Der Rest des OrdwarinmS wird ohne wesentliche Debatte er- ledigt. ebenso da-? Exira-Drdinariun» und die Einnahmen. Damit ist die TagcSordniiiig erschöpft. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr.(Mariue-Etckt in zweiter Lesung) Schluß blli Uhr._ Nsvlamenkavifrhes. Unsallversichcvungs-Kommission. Die Sitzung am Douncr-Ztag ivird eröffnet durch eine Erklärung des(Staatssekretärs des Jimer» gegen eine Zeitungsnotiz, die behauptet. daß der Bericht der badischcn Gerverbe- Jrispektion nicht nichr selbständig, sondern rmr noch als Anhang zu den preußischen Berichten und unter preußischer Ecnsiir erscheiiien soll. An dieser Meldung, so versicherte Gras v. PosadowSly, sei nichts Wahres. Beraiilassiliig zu dieser Erfindung habe wohl cin Rundschreiben gegeben, dessen Wortlaut der Minister verliest. In demselben werden die LaiideSregierungen anf die im Reichstage anSgesprocheiicir Wünsche, daß die Berichte der Gcwerbe-Jiispektionen vom Reich im Wortlaut herausgegeben »Verden, aiifmerkfain gemacht und ersucht, mit dem Druck der Berichte nicht schon jetzt zu beginnen, um vorher eine Verständigung über die zu wählende gemeinsame Form dcr Berichte herbeiführen zu könneu. Hierauf wird in die Beratung eines Antrags Rösicke(Dessau) eingetreten, durch den die Genossenschaften verpflichtet werden solle», über die UeberwachunaSthätigkeit der Beauftragten»nd deren Er- gcbiiijse dem Ncicho-VersichernngSaint Bericht' zn erstatten. Die Socialdemokraten erklären, daß auch sie für diesen Antrag stiinmei» werden, da er ja nichts schade» köiiiie. Zn fürchten sei jedoch, daß er jetzt,»achdcm die Arbeiter von dcr Mit- wirkrmg bei der Ueberwachring dcr Betriebe vollständig ans- geschloffen seien, auch nichts nützen werde. Er bleibe rncht nur hinter dem entsprechenden Antrage der Socialdemokraten, sondern auch hinter dem zurück, was zum Beispiel vo» de» sachkundigei» Vertreten! des Reichs- VersicheriiiigSaints gefordert ivorden war. Auch die Negicnmg giebt zu, daß der Antiag recht bedeutuiigslos sei.' Graf v. PosadowSky verspricht jedoch, sich dafür zu verweudei», daß die Berufsgeiiosicnschaftcn möglichst gute Berichte herau-sgcbcn und dam, das Reichs- PersichcrmigSamt alles brauchbare Material daraus veröffentliche. Schließlich ivird dcr Antrag Rösicke einstimmig angenommen. Ein weiterer Antrag des Abg. Rösicke(Dessau) will den Genossen- schalsten ein gewiffes Einspruckisrecht gebe» gegen solche Anordiiungen dcr Gewerbemspektoreii, welche sich nicht mit den UiifallverhiitmigS- Lorschrifteu der BerufSgciiossenschasre» decken. Die Socialdcmokratcn'er- tlärc» sich gegen diesen Antrag, der nur die Wirluiia haben löirnc, die 'Autorität der Gewcrbc-Jiispeltoren den Beriifsgenösseiischaften gegen- über noch mehr herabzndrücken. Komme» Konflikte zivischeu den Unfall- verhiitiiiigs- Vorschriften und den AuordiiuiigeU der Geivcrbc- Inspektoren lvirklich vor. so hat schon nach den bestehendei» Gesetzen jeder Jiltcrciseut die Möglichkeit, Beschwerde da- gegen ciiiziilegen. Trotzdem ivird auch dieser Antrag aiigcnonimen. Em dritter Antrag deS Abg. Rösicke fordert sogar ei» Extrarecht für die BcriijSgciioffciischastcn gegen die z»r Verhütung von Unfällen erlasienci» Polizei- Vcrorduuiigen, imd zwar in allen Fällen, also auch dam», wenn die Iiitercffcn der BenifSgeuoffeiischaften gar nicht berührt find. Dies geht denn doch den iliegierungsvertreteril zn weit, sie raten dringend von der Ainiahine des Antrag? ab, dcr hierauf zurückgezogen wird. Tie Socialdcniokraten beantragen im iveiteren Verlauf der Vcr- bandliingcn die Aufhebung dcr LandeSdcrficherungs-Aeintcr, da kein Grund vorliege, auf dem Gebiete dcr Arbeiterversichcrungeu einen Gegensatz zwischen den chizeliien Bundesstaaten zuzulassen. Das Reich-s-VersichemigSarrit solle seine Thätigleit auf das ganze Reichs- gebiet misdehucn. Ter Antrag ivird jedoch abgelehnt.' Zu dem Abschnitt Über„Reichs- und Staatsbetriebe" liegt cin socialdcmokratischcr Antrag vor, nach dem die Feststellung der Eni- sckuidignlig für die in diesen Betrieben verunglückten Personen.„iiiitcr Hiiizuzichlmg von Arbeitervertreteru" erfolgen soll. Dcr Antrag wird ohne iueiteve? niedergestimmt. Nächste Sitzniig Freitag._ Äns dcv Isvsnenbcmegnng. Tic Acrztinneufrage wurde am Mittluoch in einer gut besuchten Versammlung behandelt, die dcr Verein Fraueiistudiii»! au? Anlaß des Vorgehens deS Gc- schäftsaiisschiisics dcr ärztlichen Standesvereine gegen Rassenärztinncn vcranslaltet hatte. Bckaniitlich hat da? Polizcipräsidiunl infolge einer Dciinnziation des genannte» GeschäftSausschusses verfügt, daß die Krankenkasse des kaufmäimischett Hilfsvereins für ivci'bliche Auge- stellte drei Aerztinnc», welche seither eine Praxis in dieser Kasse hatten, von der Liste streiche. Die Angelegenheit schwebt gegenwärtig noch beim Ministerium al? Nelursinstanz. Frl. I)r. jiu. Anita A n g s p u r g. die als erste Rcferentin in der Versaminkuiig auftrat, betonte, daß die Zulassung von Slerztiinie» zur Kasiciiprnris nicht im Jntcressc der Acrztinnen, die ja eine mehr al? auSreicheiidc Privatpraxis haben, sondern im Interesse der werbliche» Kasseninitglieder gefordert ivcrde. Dann führte dcr zivcite Referent, Dr. Zadel, ans: Das Vorgehen der ärztlichen StandcSvereiiie gegen die ivciblichen Kollegen fei, wein» auai scrincll zulässig, doch sachlich nngerechtfertigt, iveil die Aerzte sehr ivohl imssci», daß die in der Scinveiz ausgebildeten und geprüften Slerztinnc» hinsichtlich ihre-? medizinischen Wissens den in Deutsch- land approbierten Aerzten vollkoimneii gleichstehen. Das Vorgehen fei aber auch moralisch verioerflich, denn es sei ja den Aerzten bc- kauiit, daß cS den Frauen seither nicht möglich lvar, in Deutschland Medizin zu studieren und die Prüfung abzulegen. Iii» übrigen sei da-s Verhalten' dcr ärztlichen StandeSvereine eine Dummheit, denn c? verhelfe den bctrcffeiidci» Damen zu einem billige» Martyrium und schädige das Ansehen und die Sympathie dcr Aerzte bei»» Pliblikuin. Die ziiiiftlerischen Bestrebungen der Staiidesvereine tvLrdci« dem Aerztestand nicht zum Segen gc- reichen.— Reichstags- Abgeordneter Müller- Sagau schloß sich dem Urteil dcr Vorredner an. Er verwies darauf,'daß wohl ein llcberflus; an Eibilärzten herrsche, daß dagegen in der Armee 600 Arzi- stellen unbesetzt seien, iveil man keine Juden als Milirärärzte znlasse. Die ärztlichen StandeSvereine thäten besser, gegen diese» Ausschluß von Aerzten eines bestimmten Glaube»-? zu wirken, al-? sich gegen ihre wenigen ivciblichen Koiikurrciitiniicn zu wenden.— Die Notwendigkeit des VorhaiidenscinS ivciblichcr Kassenärzte wurde durch Frl. H ermann, eiiiein BorstandS, nitgliede dcr Krankenkasse deS kauftnämiische» Hilf?- verein? begründet. Die Rednerin ftihrte unter andern» an-?, daß ln aller Paticiltinnt» ihrer Kasse die drei Aerztinnc« in Auspriich genommen haben, obgleich die letzteren in einer für die Kassen- initgliedcr nicht leicht zn erreichenden Stadtgegend»vohnen. Viele Müglicder seiers gerade deshalb dcr Kasse beigetreten, weil sie hier Gelegenheit hatten, weibliche Aerzte zu konsultieren.— An dcr ivcitcren Debatte beteiligten sieb noch eine ganze Reihe von Rednern und Rcdnsrinnen: Aerzte, Naturheilküiistler und Kassenmitgliedcc. Sic alle stimmten im»vesentlichen dcr Verurteilung öes Vorgehens dcr ärzt- lichen Staiidesvereine z». Nur Dr. med. Becher hielt die vor- liegende Angelegenheit nicht für so sehr erheblich, denn den im Aus- lande approbierten Aerztiiiiiei»— meinte er— sei ja jetzt Gelegen- hcit gegeben, auch in Deutschland die Staatsprüfung abzulegen und sich dadurch de»»ränitlichen Aerzten in jeder Hinsicht gleichzustellen. Darauf antivortete Fräulein Dr. med. Bigoczinski, daß dies doch nicht so leicht auszuführen sei. Rednerin habe bor 11 Monaten beim Knllusmriiijterinni ein Gesuch»im Nach- Prüfung in Griechisch und Latein imd Ziikassnng zur Staatsprüstnig eingereicht, aber vor 14 Tagen habe sie die Änt- lvort erhalten', daß die Berhandliiiigen über ihr Gesuch noch nicht abgeschlosien seien. Die VersainmlMia endete mit der Annahme einer Slesollition, welche da» Vorgehe» des Gcschästsonsschusses der ärztlichen Standes- vereine gegen die Kassciiärztiniien bedauert»»d die Hoffnung ausspricht. daß der Ausschuß von weitercu Schritten in dieser Augelegeu- heit absehe» möge, da es doch ein Alt der Loyalität sei, daß den Acrztirmen während der Ucbergnng'-cit zur Mcguniz ihre? Staats- cxainens in Deutschland die Möglichkeit der Ausübung der Kassen- Praxis nicht genommen werde.— Die Pctitiouskomulission deS Reichstags hat beantragt, über oic Petirion des Bundes deutscher Frauenvcreine in Leipzig auf eine einheitliäie Gestaltung des deutschen Vcr- einS-'und V e rsammlun gSw escnS wie eine Gleich- st e l l u n g der Frauen ans diesem Gebiet, die bereits mehrmals ans der Tagesordnung stand, ohne zur Verhandlung zu kommen, zur Tagesordnung überzugehen. Dahingegen wird der Abgeordnete Rickert beantragen, die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen._ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag. DieuStag und Freitag von«—8 Uhr abends statt. Picischmann. Eignet sich nicht zur Aufnahme. A. 9- Duisburg. Ciebt es nicht.- R.. Berlin. Ein gegin jemand schwebendes Verfahren wegen HauS- friedenSbruch hindert nicht, daß derselbe zum Abgeordneten gewählt werden kann. Ashelm. DaZ Ihnen Ende Dezember ISSS gemachke Geschenk kann nicht mehr widerrufen werden, es ist Ihr Eigentum geworden.— Eousiit. Sie dürfen Ihre Cousine heiraten, wenn sie Sie will.— F. D. SO. Wenn Sie einen Borteil davon haben: ja.— Meiste» H. Z. 1. Ja."J. Nein, der Arbeiter kann von der Polizei verlange», dah diese die Harte dem Arbeitgeber abnimmt und ihm iibergiebl.— BS. Z. Das ist zu spät. Kiir den Inhalt der Inserat« »berniliiinit die Redaktion dem PublikWs» gegenüber tciiicrlei Veraniwortniig. Tszvnkrv. Freitag,?. März. Dprrnhans. Tannhäuser und der Sängerkrieg nus der Wartburg. Ansang 7'/., Uhr. Tcha.isvielhaiis. Jugend von heute. Anfang?>/, Uhr. Deutsches. Der Probckandidat. An- fang 7»/, Uhr. Lessing. Als ich wiederkam... Anfang 7'/, Uhr. Berliner. Harold. Anfang 71/3 Uhr. Neues. Ein Ateliergeheimniö.' An- sang 71/. Uhr. Tchiller. Fröschwcrler. Ansang SUHr. Westen. Der Bärenhäuter. Au- saug 7i/, Uhr. Dhalia. Im Himmelhos. Anfang 7l,'z Uhr. Skesideuz. Die Dame von Maxim. Anfang 7>/z Uhr. Luisen. Drei Paar Schuhe. Ansang 71. Uhr. Eenteiii. Die Puppe. Anfang 7'.� Uhr. Enri Weist. Lcnore, die Grabes- braut. Anfang 8 Uhr. BelleiZlllianee. Tie Reise nach Amerika. Ansang 8 Uhr. Bictorin. Berliner Bilder. Ansang ? Uhr. Friedrich- WilhclnistüMischeö. Die Dame von Marim und der Probekandidat. Anfang 8 Uhr. Metropot. SpectnUtäleiivorfteUiing Tic verkehrte Welt. Aniang 8 lthr. Apollo. Specialiläten- Vorstellung- Im Reiche des Jirdra. Ansang 7>-. Uhr. Palast. Specialiläten- Vorslellung ?! n saug 7*3 Udr. Rc chohallen. Stetlincr Säuger elnfaug 8 Uhr. Passage- Paiiaptitum. Spcciakl- tästm-Vorslclliiiig. »rania. Jnvalidenstr. S7/ts2. Täglich abends von ö— 10 Uhr Stermvarl«. Daiibcnstrastc S8/-IV. SlbcndS « ltfir:„Ton den Alpen zum Vesuv". Im Hörsaal: Tr P. Schwahn: „Geologische WirtUngen des Wassers und Windcö". Urania 'l'n„I,vn«tr>»»«s t8't». Im Tboator ndonäs 8 Udr: „Voil den Alpen znm Vesnvi' Hörsaal: I>r. P. Schwahn:„Geologische Wirkungen dos Wassers und Windes." liivalitlcnsti*. 57/08: Täfll. Stern wart©. Nachmittags 5—10 Uhr. Wlltr-TheM (Wallnet-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Pt'Ovekrvollee'. Schausvicl in 4?l!!cii von H. v. Wcntzel und Ferdinand Runkel. Sonnabend? abends 8 Uhr: llten Pi'»t»et»rell. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Itchandlnng, Sonntag, abends 8 Uhr: TM« Hnnbcnlerclio. CCrntual Dlzrnbrr Direktion: Jose Ferenczy. D i e P n p p e. (I-a Pvupd«). Operette in 3 Slkte» und eincin Vor- spiel von Ordoiineau und Slurgch. Mllstt von Ed. bludran. Morgen und folgende Tage: Die Puppe(La Poupee). Sonntagnachmittag 3 Uhr zu halben Preise»: Tie Fledermaus von Jobann Straub. Veöktvet 5 tltir trllh die lll llkr abends. Heussie Lensation! Katakomben zu Palermo. Änatomisches Museum Dianstags fm- Damen. Passagier lieater 15 erstklassige Debüts. Vorstellung von 7 bis 10'/. Uhr. IM 3 hci [inf cu! g CASTANS PANOPTICÜM H'cn! He» Ein Riese der englischen Armee Sergeant Th. Dalroy L m 30 cm hoch! Oberbayrisclie Sänger und Schuhplattler- Geselischaft. Cirkns R11 seil. mr* Nur noch kurze Zeit! Heule Freitag, 2. März, abends 71/3 Uhr: Humor. Klown-Gala-Abend. Zunt 113. Male: Die Cuiiiovi-a. Slufeetbcm: blmateur- Konkurrenz- Netten. 100 M. Prämie, btenustie a chevai. Das Alberto Laszlo Trio, musikalisch ercentiifchc Klowus. Cirfeus Schumann. Heute, Freitag, den 2. März, abends präc. 71/3 Uhr: Gala-Vorstelutng. Ganz c;quisttcs Programm. Kolossaler Ersolg der neu engagierten Kunsikräfte. Unter andrem: II. Debüt des phänomenalen Reit- künstlers Alt'«. bVlllce» genannt der fliegende Jacken. Die »euefts» anerkannt mierrcidit dastehenden Original-Dressuren des Direktors Alb. Schumann, der Schöpser und Ernuder aller neuen Dressuren. Ferner ?lnstrrten sämtl. Klowns und?luguste mit ihren neuesten Entrees und Intermezzos. Zum Schlug. Zum 28. Male: lir. Faust. Eine romantisch-phantastische Handlung in 3 Abteilungen vom Hosbaflett- meister A. klems. Sonntag: 2 Vorstellungen. Nachm. 3'/- Uhr: Im Weilmachtsdazar. UbdS. 7> 3 Uhr: Hr. Faust. Nachm. I Kind frei. Seite- KIlianee'Idealer. Täglich: Gastspiel d.Hosschauspielcrs LNicbarä Novität! Tie Reise ustli, Aserikß. (DurclMlageudjh'r Erfolg der Saison). Somuagiiachmittag 3 Uhr ser- niässigtc Preise): Hanne Niitc oder de lutie Pudel. IMia-Tkeatsr. Tel. AmtlVa 6440. Dresdsnerstr. 73/73. Täglich: Rioscnlacherfolg k In» Hittimelhof. Thonws, Thictschcr, Helnierdiug, Junker:»,, in:, PanlmiUler. Ansang Vi/2 Uhr. Morgen und folgende Tage: Im Himmelhof. CaerWeSss-Iiiegtei' Gr. Fraiikfnrirrstraste ilttt. II. Volksvorstellnno. KV ParUett t.l0 Tl.-WG Lonorc, die Gradcöbrant. Aiisang 8 Uhr. Sonnabend, zum 1. Male: Aon Stufe zu Stufe.— Nachm. 4 Uhr Kinder• Vorstellung. Rotkäppchen Kleine Preise. Palast-Theater früher Foen-Palast. Burgstr. 22, Heute Freitag, den 2. März.' wegen Privatsestllchkeit geschlossen. Morgen Sonnabend, den 3. März: Ve. Bockbier- Jabel- f'eHt. Etltra Aorstrtlung und Tanz. Viele Uebcrraschuugen mit Preis- Verteilung.— Erstes Wiederauflrctcn des Direktors WUIicIin Fröhcl in der unverwüstlichen Gesangsburlcske Der selige Zwicbclniaiiu. Hauptrolle»: Dir. Winkler 11. Frübcl. Austreten der durchweg ncuengagicrte» SSET" Kunst Spceiaiitäten.-WU Ehren-, Vorzugsiarlcn uud Gutscheine __ sind gültig._ Apollo-Theater. ! H'ene Dcbnts! Ritters dressierte Hunde. PieeoloS Miniatur-Terzett. Lucv Ronon. srauzösische SonbreUe. The 3 Harwcys. Drahtseilkünstler. Zlguaniarinosf» russisches Ensemble. ArotherS Araati. Eqnilibriste». EharleS Räuschlc, Mimiker. Zle«s>tee«. Iio«i»ogicapk, Tranovaal-Bildc? Um 9 Uhr: Im Belebe«le« Indra. Anfang der Vorstellung>/z8 Uhr. 8«iiss«i>ei Bol/t9ö, ans statt. AiNob I. A.: F. Motschulat. tar Tie weltbekannte"Wä Bettfedern-Fabrik ! G»ftadLnftIg,BrrIinS.,7!,inzrn- t ittojif 4ö,(erfenb!, gogen Neckiiadm! Boranl.nmr eeitjeictn d. Psd. 66 PI.. «ineslsche pnllitoancn t. Psd.M.>.2ö. »eh!« Heidt»»,!» t. Pst. M. 1.78. l t»r>»gl,ch! D»»»!» t. Pst. 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A.kttSLdI.Wdcllcritc.61 Untersttifinngssverein aller in der Hutbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Filiale Berlin. Todes- Anzelac. De» Mitgliedern znr Nachricht, dah unser Mitglied Eim! Nenhans am 27. Februar verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonutag. den 4. März, nachmittags 3 Uhr, von der Lciclienhalle des Bartholomäus Kirchhofs in Weistensee auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 80; 1 Der Vorstand. kelltral-KrilllW ül �tcrbe- tilj'l'c Kr Tischler . andrer gewerblicher Arbeiter Verwaltung Berlin D. Ten Mitgliedern zur'Nachricht, das; unser Mitglied Ricdard Kaiser, Arbeiter, am 27. Februar gestorben ist. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 3. März, nachmittags 4 Uhr, vou, Trauerhaufe, Willstoilerstr. 18, nach dem Heilands- Friedhof(Plötzensec) statt. Um rege Beteiligung ersucht 182/4) Tie Ortsverwaltung. N©(ta©t©ui* gesucht. Die Stelle des I. politischen Redacteurs f•y.Ätfn«/» i«f\ro 1,' q n f nnrl i o-st". T.ll VtASi 3820L» an nnsrer Zeitung ist vgkant und baldigst zu besetzen. Bewerber wollen ihre Offerten mit genauer Angabe der bisherigen Thütigkeit umgehend an den Verlag der„Säclisischen Arbeiter-Zeilnng", Dresden-A., Zwingerstr. 22, richten. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Sonntag, dr» 4. März er., vormittags 10 Nhr: Eiufetzer� Versammlung bei Herzherg, Alte Jakobstr. 75. Tages-Ordnung: Berbandsangelegenheiten. Siegelung der Einziehung der Freiwilligen- Beiträge. Aufnahme»euer Mitglieder. Die Bertrauensmäunrr nnd die Geschäfts- Kommission habe» pünktlich zu erscheinen. 80/4_ Die Ortsverwaltwng. Allen denen, die nnsrer lieben Mutter 2687b Wwe. Auguste Maultzsch die letzte Ehre erwiesen haben, sage» wir hiermit unsern besten Dank. Die Hinterbliebenen Kinder. MWWM MTaMWÄBS�BM Höbelpolierer! Heute, abends 8 Uhr» Große Franksurterstraste Nr. II?: OetFeiitlSeh© Versammlnitg. Tagesordnung wird daselbst bekannt gemacht. 145/16•_ Die Streikkommission. Faciwerein der Musikinstrumenten- Arbeiter und Bernfsgenossen Berlins und Umgegend. Montag, de» 5. März er., abends 8"s Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Herrn Oiraumann. Naunynstrafie Nr. Ü7. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Herrn De..Io«I über: Wiffenschast und WcltUNter- gang. 2. Diskussion. 3. Vercinsaiigctegeilheitc». Die ho II igen werde» ersucht, so schnell wie möglich mit Mnsk den Mnskendall-BilletS abzurechne». >41/9 Der Vorstand. UisImM der Elektromoiit« n. Beiüfsgen. Deutschlands. Sektion I. Sonnabend, den 3. März, abends 9 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Restaurant(Tunnel), Sophicnstr. 5. Tages-Ordnnng: I. Vortrag des Jiigenients Herrn P. M. Crempe„Ucber technische Fortschritte". 2. Erledigung von Anträgen zum Delegierteutag. 3. Verbands- Angelegenheiten. ' Kollegen willkommen. 205/18 Den Vorstand. I. A.: Fr. Abraham. Wibmaimstr. 1. 3 ,, Hilter 9 ,, taARosenblumÜitü msfmg her 8. Wale Spiisoor ßrüslß 6 am Haekeschen Markt. E r st e hiesige Filiale: Friedrichstraße 91/92. iwr Achtung: Hansdiener, Facker n. Kutscher in der Holzbearbcitttttgs-Jndnftrie, � iM" Möbelgeschäften und Möbelfabriken. Freitag, den S. März er.» abends 9 Uhr: GrsAo Versammlung im„Englischen Garten". Alexaudcrstr. Sie. Tagcö-Ordnung: I. Die Lohnbewegung der Holzarbeiter und deren Einwirkung auf uufte Lage. 2. Diskussion und Beschlußfassung. «r. 7-8. W. Noacks Theater, Vruniienstrahe 16. Mutter und Sohn. Schauspiel in 4 Akten vou Charlotte Birch-Pseiffcr. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag nach der Vorstellung: Tauzkrälizchen. Berliner Prater, Sonnabend, de» 3. März 1900: 2. Stiftungsfest, verbunden mit €rr. Wiener Maskenball, veranstaltet vom YerbaDd der Bau-, Erd- und gewerbl. IMeiter Zahlstelle Berlin III Um 12 Uhr: Oernatlderung. Nach derselben Kakfeepause, ausgefüllt mit Gesang und komischen Vorträgen. Anfang 8 Uhr. Pillet 5»« Pf. Ende? Hie Musik wird von Civtlberufsmuslkern ausgeführt. BilletS sind bei de» Mitgliedern der Ortsvcrwaltnng, sowie in den mit Plakaten versehenen Lokalen zu haben. Freunde und Gönner sind freundlichst eingeladen._[33/8]__ Die OriSverwaltung. 67/5 Der VertranciiKmann. I. A.: Martini. Verein der Bnnanfchliiger Berlins und Umgegend. Sonntag, den 4. März 1900, vormittags lO'/t Uhr, bei Bnske, Greuadierstr. 33: en eral- Versa in mlmig. Tages-Ordnung: I. Anfiiahine neuer Mitglieder. 2. Wahl des BergnügungSkomiiee« und Festsetzung der Vergnügen. 3. Bericht der StatutenberatmigZ- Kommission. 4. Bcreiiisangclegcnheiten. 5. Verschiedenes und Fragekasten. Beiträge werden nur zwischen 10 bis 11 angenommen. 33/13 Ter Porsiand. rer m\ Oscar Arnold, Hut-Eugroslager anr Dresdenerstr. 116. Herreuhüte, weich..>. 1,40 2,- 2,50 2,- Z,»0 4,- Mk. da. ftoif..... 2,- 2,50!!.- 0,30 4,-, dd. ff. Heaillz..... 5,— 5,50 0,—, Crliuderiuite...... 4,-6,- S,- 10.- Ii,-. Ihapeeuv„lagues....... 8,— 10,— 12,—, Kimicrbtitc...... 1,- 1,25 1 SO Ui 2.- 2,30, Herren Milfza»..... 0,40 0,50 0.60 0,75 bis J„ Kinder Milizen.... 0,2« 0.(0 0.50 0.75 bta 3„ Lodanhüte, Ja�dhütc, TnrnerhUte ete, Si'lujit. Jlestysgitdlc für n'i*1eruerliiti/cr! Bitte genau auf die Adresse zu achten, da ich keine Filialen habe.» FrUhstQcks-Suppen GemOae- und Kraftsuppen Bouillon-Kapseln Suppen-Wfipze_________ stets vorrätig bei Rcluhold Paullck, H., Strelitzerstr. 8, Ecke Anklnmerotraase. MAGGI ZahlHlelle 1, Berlin(Pntxer). Sonntag, den 4. März, vormittags II Nftr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 39: AkltKlleilei'-Vei'�aninilnnx. TageS-Ordnung: I. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Dr. Heinemann über: DaZ neut Bürgerliche Gesetzbuch in besonderer Berückstditigling der Arbeitsverträge. 2. Wahl der Hilfökassierer, Uiiterstützungslomniission und Thürcontroleure. Im Auftrage der örtliche» Verwaltung. Verliand der Ban-, Erd- nnd gewerbl. Hilfsarbeiter Dentschlunds, Zahlstelle Berlin I. Sonntag, den 4. März 1900, vormittags lOV? Uhr: Mitglieder- Bersammlnng" Lokal Alte Jakobstrafte Nr. 73 lobercr Saal). im Tages-Ordnung: I, Vortrag. Referent: Genosse Jahn. 2. Diskussion. 3. Vcrbands- angelcgciihcttcn. 82/7 Dl« Ort n Verwaltung. A FilzhöteFdrHerren neueste Form, 1,50 und 2,00, hochfeine Mustersachen 2,25 ii. 2,50, extrafeine 3,00 bis 4,00 im Hnt- Engroslager Prenzlauerstr. SO, 3 Dr.[28866 Koiifirmandeii- u. Kinderhütc, Cymider- hüte und tlknpeonx-clncues in größkr Auswahl. Mskell-tzllrherobe. Grösitc Auswahl. Billigste Preise.» Verein. Preisermäßigung. fr. Panknin, Oranieiistrafie Nr. 178 11. Adalbertftrafte Ol, Ecke Oranieiistrafie. Mmi Musikinstrumenten- Arbeiter, miä AM- Sonntag, den 4. März IVOO» vormittags lO1� Uhr:'M» Oeflentlicbe Voi'Maiiinilu nx fit fintl. in itt lufifiniinenttn�ntaitic kfMstigtcn Mtiltt«. Ardnlmmw im t okal des Herrn Stcchcrt, Andrcaöstraftc St. Tagcs-Ordnunq: 7 Vortrag über die Lage der deutschen Musikinstrunienten-Jndustrie. 2. Der Ausstand der Berliner Holz- dtdeito 2. Diörusfton. 141/8 Der Ernst der Situation erfordert die Anwesenheit sämtlicher Kollege», sowohl der organisierte» wie der unorganisierietr Idei« Vei-tr»aeni>!in»nn Giordano Bruno-Feier am Montag, den 5. März, in Kellers Feslsälen, Koppenstr. 29. Grosses Vokal- und Instrumental-Konzert Festrede, gehalten von Prof. Dr. Albert€re]irke. Aus dunkler Zeit! Lebende Bilder, arrangiert von A. Hoffmann und B. Schröder, mit verbindendem Text von C. M, Scävola. f. Bild: Buddha. Vom Königsthron zum Volke. IT Bild: Sokrates. Letzte Augenblicke im Kreise seiner Schüler. III- Bild: Christas.„Kreuziget ihn} Kreuziget ihn IV. Bild: Jobannes Huss.„O saucta simplicitasl* V. Bild: Luther. „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!1' VI. Bild: Giordano Bruno. „Verbrennen ist leichter, denn widerlegen!" VII. Bild: fc[215/2* Apotheose: SiegMars, Kastanien- Allee 95/90.— Cbarlotteuburg: Gustav S ch a rn b er g, Schillerstr. 94, v. 1 Treppe,- I»eutseb-Wtlu,ers- dorf: Th. M ü l l e r. Berlinerstr. 132/133, rechter Seitcufl. und W Ä Nte l, Augustastr 3, v. I.- Frledrlebsberg-Frledrlelisfelde: Carl Well. Berlin O.Friedrich-Karlsir. 4.- Grünau: En gel, Dahiiiestr.6.- Bindorf: Öfter m ann, Erliuc.«.-«ebüueberg: Will). B n u in l e r, Apostel Paulnsstr. 13, Qnergeb. Hochp.— Johannisthal-Xiedei'- and Obcr-Schöneweidc: Otto John, Ctrer- ochüntwctöe, Siemensstrabe 7, Ciüarrengesihäft. Aimahmestellen: Nieder-Schänewoide: Karl Weber, Eigarrengeschäft. Jvhaiinisthal: Sen st leben, Ziestauratenr.— Adlershof: Mar Worts, Meherstrabe 4.— Cüpenick: F r a n z Weber, Cigarren-Handlung, Eriinäuerstr. 1/— Frledenan-Gtegllt»: H. Bern sc c, Kirchstrasie 15 in Friedenau. Bestellungen nehmen entgegen in ÄtegNt�: H. M o y r, Düppelstrabe 8, und Fr. S ch c 1 l h a s c, Ahornstr. räa.— Baninsclinlenrveg: Krebs, Baumschulenweg 32, Hos links II.— tfen-Wclsscnsec: Spediteur Heinrich Bochmann. Lehderstrahe 1, pari, links. 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Nonxnunalrs. Stadtverordneten- Versammlung. 9. Sitzung t�om Donnerstag, den 1. März, nachmittags S Uhr. ES haben wiedernm Ansschlchwahlen stattgefunden, u. a. für den Antrag Lüben betr. die Bewilligung von MOOV M. für einige nach Paris zur Besichtigung der Weltausstellung zu entsendende städtische Beamte, Techniler und Arbeiter bezw. Handwerker. In diesem Ausschuß ist die socialdemokratische Fraktion durch den Stadt- verordneten Singer vertreten. Für die allgemeine städtische B e tri e b S- Kr a nk en- lasse, welche voraussichtlich am 16. April ins Leben treten wird, sollen in der ersten Etage des Hauses Wallstr.72 für jährlich 2900 M. auf drei Jahre die erforderlichen Räume gemietet werden. lieber eine Reihe von Rechnungen, sowie über den JahreS- abschluß der Kanalisationswerke und Rieselfelder für 1893 referiert namens des Etatsausschusses Stadtv. Borgmann. Die Decharge wird erteilt, die Etatsüberschreitungen werden genehmigt. Hierauf werden einige Berichte des P e t i t i o n s a ü s s ch u s s e S erstattet. Die seiner Zeit von dem Vorschnitter Hertel auf Blanken- felde in Accord engagierten Arbeiter Dumdey, Krause und Sipelt haben wegen schlechter Behandlung durch den Vorschnitter die Arbeit unter dem Kommando desselben nicht fortsetzen wollen. Darauf ist ihnen von der Kanalisations- Verwaltung die aus Lohnabzügen gebildete Kaution von je 30 M. als verfallen vorenthalten worden. Sie petitionieren um die Unterstützung ihrer auf Herausgabe der Kautionen an den Magistrat gerichteten Bitte, und die Ausschußmehrheit hat Ueberweisung zur' Berücksichtigung beantragt. Stadtrat Marggraff: Mit solchen nicht ansässigen, sondern nur aus Zeit engagierten Schnittern werden Verträge seitens der Gutsverwaltung geschlossen; es ist allgemein üblich,' ihnen für die Vertragserfüllung Kautionen aufzuerlegen, um die Verivaltung vor Zufälligkeiten bö,er Art. namentlich in'der Erntezeit, sicher zustellen, Die Betreffenden hatten an einer Wahl teilgenommen und kehrten nachher im Gegensatz zu den übrigen Mannschaften der betreffenden Kolonne nicht zu ihrer Arbeit, Rübenausnehmen zurück, sondern blieben in der Kneipe sitzen. Der Vorschnitter hat sie hart an- gelassen, aber sie nicht für immer, sondern bloß für den betreffenden Tag weggeschickt. Nachher hat der Administrator ziveien von ihnen auf ihre Bitte ein Zeugnis über ihre Thätig- keit ausgestellt. Einige Monate später hat ein Bürgermeister a, id, Sanne als Vertreter von drei der Betreffenden sich'für die Zurück- Zahlung der Kautionen verwendet, ist aber von der Kanalisations- dcputation und vom Magistrat abgeiviesen worden. Im Interesse der Dis eiplin kann nur die Ablehnung des Ausschußbeschlusses empfohlen werdeil. Jätgdtv. Singer: Der Herr Stadtrat hätte sich wohl etwas vorsichtiger ausgedrückt, wen» er sich nicht hätte auf das Dekret stützen können, welches wir hier auf unfern Plätzen ge- funde» haben, und welches besagt, daß zwei große Fraktionen sich für die Ablehnung des Petitums entschieden haben. Es wundert mich, daß gerade von den Arbeitern verlangt wird, un- mittelbar nach der Wahl wieder an die Arbeit zu gehen, da'doch ziemlich allgemein so ein Wahltag als ein halber Ruhetag angeschen wird. Das Verbreche», daß die Leute noch ein Glas Vier getrunken haben, ist doch ivahrlich nicht so groß, um sie dafür durch Einbchalte» der Kaution zn strafen. Diejenige Partei im Reichstag, der auch die Mehrheit dieierVersammlung immer noch angehören soll, hat seiner Zeit im Reichs- t»!!.liegen solche Einbehaltung der Kaution gestimmt, und mit Recht, Diele Einbehaltung ist durchaus unmoralisch, und ich halte es filr sehr bedauerlich, dah der Berliner Magistrat einen Zwang ausübt, welcher bei den Agrariern als Mißbrauch der ökonomischen Uebermacht gebrandmarkt wird. Die Agrarier werden überhaupt über diese Stellungnahme des Magistrats überaus erfreut sein. Heute wäre der Abschluß eines solchen Vertrags durch das Bürgerliche Gesetzbuch unniöglich gemacht, welches solche Verträge als gegen die guten Sitten verstoßend, als W n che r v e r t r ä g c bezeichnet. Sie haben die Wahl, ob Sie die Bitte, diese 90 Mark zurückzuzahlen, unterstützen, oder aber, ob Sic dem Magistrat beitreten ivollen. womit Sie etwas thun würden, was nach' dem Bürgerlichen Gesetz» Buch gegen die gute» Sitten verstößt; Sie werden sich hoffentlich die Entscheidung noch überlegen. Wie die Disciplin leiden soll, wenn die Zurückzahlung erfolgt, ver- mag ich nicht einzusehen. Die principiclle Bedentnug der Frage reicht sehr weit. Tritt die Versannnlung auf die Seite des Magistrats, so stellt sie sich auf den Standpunkt der schlimmsten Aus- bentcrbetricbe. �Stürmische Nnruhe und Unterbrechungen,) Die gesetzliche Vorschrift ist s. Z. angenommen auf Betreiben der Agrarier, welche die Landarbeiter an die Scholle fesseln wollen, Will sich die städtische Verwaltung Berlins einer solchen moralischen Degradation aussetzen? Stadtv. Marggraff: Ich habe keine Verfügung hier vor- gefunden. Pflichtmäßig und nach meiner ganzen Gewohnheit habe ich mich zur Sache geäußert: habe ich dafür die Zustinimnng von zwc, großen Fraktionen, so ist mir das»alürlick, sehr angenehm. Der Magistrat und die»ichtsocialdcinokratischen Stadt- verordneten haben dasselbe luarme Herz für die Arbeiter, ivie Sie (die Socialdeinokraten) es zu haben behaupten. Wir sind ihnen aber nicht bloß mit Reden zu Munde, sondern wir sorgen besser für sie mit Thaten. Herr Singer ist die Veranlassung, daß die Petition hierher gebracht ist,(Hört, hört! und Sehr gut!) Herr Singer schreibt an den Herrn Sanne in sehr frcundltcher Weise, er möge sich doch an die Versammlung tuenden, der Schritt werde wohl nicht erfolglos sein.(Sehr gut!) Es ist nur in der Ordnung, wenn die Versanunlung gerechten Petitionen entspricht. Die heutigen Verträge siitd auf' Grund des Bürgerlichen Gesetzbuchs abgeschlossen. Die Räten sind nnt monatlich 10 M, vom Lohn einbehalten worden. Wir werden stets unsre Schuldigkeit thun. wir werden sie trotz Herrn Singer thun!(Beifall) Stadtv, Lüben beantragt Uebergang zur Tagesordnung, Die Mitkolonne der 4 Mann sei gerade am meisten über deren Verhalten entrüstet gewesen. Die Herren Singer und Genossen sprächen vom grünen Tisch und hätten keine Ahnung von den wirklichen Zuständen draußen. Mit dein guten Herzen komnie man nicht weiter. Was er als Privatmann vielleicht thäle, könne er als Behörde nicht ver- antlvorten. Stadtv, Wallach: Herr Singer hat die Sache auf ein ganz andres Gebiet hinübergespielt. Hätte die Verwaltung den Leuten die 90 M. zurückgegeben, so wäre es gut gewesen(Hört, hört!): heute aber liegt die Sache anders, nachdem man gegen die Ver- waltung solche Vorwürfe erhoben hat. Mit akademischen Erörterungen nach Art des Herrn Singer hat die Sache nichts zu thun. Die ganze Autorität der Verwaltung und des Magistrats wird unter- graben, tvenn hier nachgegeben wird. Stadtv. Singer: Wenn Herr Wallach meint, es wäre ganz gut getvese», wenn der Magistrat durch die Zurückzahlung' die Sache aus der Welt geschafft hätte, so giebt er mir in der Sache recht, während er jetzt den' Machtstandpunkt herauskehrt. Solches Verhalten entbehrt gänzlich der Logik, Die Herren wollen die Autorität des Magistrats' stützen. Weshalb sollen ober Billigkeitsgründe, denen sonst die Versammlung stets sehr zu- gänglich ist, nicht auch Arbeitern gegenüber gelten? Was diese Frage mit der Disciplin zu thun hat. ist mir unerfindlich, Voin Lohn eines Landarbeiters monatlich 10 M. abzuziehen, ist durchaus ungerechtfertigt, die Leute könneir eine» so hohen Betrag nur auf Kosten der Ernährung ihrer Familie entbehren. Jetzt werdeii solche Verträge nicht mehr gelchlossen, weil sie nicht mehr geschlossen werden dürfen.(Sehr gut!) Was man am 1. Januar 1900 als Verstoß gegen die guten Sitten nicht mehr machen kann, l darf man nicht aufrechterhalten. wenn man«S ein halbes Jahr vorher gemacht hat, am wenigsten darf es der Berliner Magistrat. Als 1869 daS Lohnbeschlagnahmegesetz gemacht wurde, hat der liberale Prof. v. Bar eine derartige Bestimmung als gegen die guten Sitten verstoßend bekämpft. Eigensinn ist eS, was den Magistrat leitet.(Vorsteher Dr. Langerha n s: Herr Singer, das dürfen Sie vom Magistrat nicht sagen!) Er will fernen Stand- Punkt beibehalten, mag auch Billigkeit und Menschlichkeit darüber zun, Teufel gehen!(Große Unruhe.) In dem vorliegenden Fall verspüre ich von dem warmen Herzen des Ma- gistrats für die Arbeiter nichts. In dem erwähnten Brief von mir wird leider das Billigkeitsgefühl der Versammlung überschätzt.(Redner verliest den Brief.) Ich habe auch dem Magistrat bitter unrecht gethan. wenn ich glaubte, für ihn werde das' Votum der Versammlung Bedeutung haben. Sonst habe ich die Angelegenheit in der denkbar objektivsten Weise behandelt. Als Stadtverordneter freue ich mich, wenn aus der Bürger- schaft mein Rat gewünscht wird. Ich habe den Brie' an Herrn Sanne geschrieben, nachdem sich dieser an mich gewendet hatte mit der Anfrage, was auf die ab- schlägigen Bescheide zu thun sei. Nicht ich habe die Sache auf das politische Parteigebiet hinübergespielt. Wir sollten das formelle Recht nicht benutzen, um arme Arbeiter imi 30 M. zu schädigen. Durch Annahme eines Schlnßantrags wird der weiteren Debatte ein Ende gemacht. Stadtv. R o s e n o w erklärt zur Geschäftsordnung, daß seine Gruppe selbstverständlich nach ihrer politischen und wirtschaftlichen Anschauung für den Ansschußantiag gesprochen haben würde und stimmen wird. Der Referent Stadtv. Hugo Sachs hebt noch hervor, daß die Mitteilung, die Worte des'Vorschnitters seien kerne Kündigung gewesen, ein Novum sei(Hört, hört!), im Ausschuß habe nichts davon verlautet. In namentlicher Abstimmung wird der Ausschußantrag mit 70 gegen 36 Stimmen abgelehnt; die Versammlung geht zur Tagesordnung über. Die Petition des Magistrats- Bureauassistenten Reiber um Wiedcranrechnung eines Dienstjahres will der Ausschuß ebenfalls dem Magistrat zur Berücksichtigung überwiesen wissen; die Mehrheit geht aber wiederum zur Tagesordnung über.(Ruf deS Stadtv. Singer: Fraktionsdekret, neue Firma I— Stadtv. M o m m s e n Und keine schlechte I Heiterkeit.) Denselben Beschluß entgegen dem Ausschußantrag faßt die Mehr heit bezüglich der Petition einiger Magistratssekretäre um Gleich ftellung ini Dienstalter mit ihren vom Militärdienst befreiten Examens� genossen. Die Vorlage wegen Errichtung eines Pflegehauses für Ehepaare auf dem Grundstück der Siechenanstalt in der Fröbel- straße hat der eingesetzte Ausschuß gutgeheißen; die Versammlung beschließt ohne Debatte im gleichen Sinn. Zum Bericht des Magistrats über die Wasserkalamität vom 17. Dezember v. I. vertritt Stadtv. Dr. Paul einen Antrag. über die künstige Wasserversorgung Berlins in gemischter Dcputation zu beraten. Die Untersuchung habe ergeben, daß die Verwaltung keine Schuld treffe, daß die Verunreinigung in der Hauptsache' von den Abwässern einer Tecrproduktcnfabrik in Erkner herrührte. Angesichts der Perspektive, die sich hieraus ergebe, sei der Antrag auf schleunige Niedersetzung einer gemischten Deputation ge rechtfertigt. Stadtv. Dr. Freude nberg: Wir stimmen diesem Antrage zu. Mit dem erstatteten Berichte können wir dagegen nicht ganz zw frieden sein. Nicht bloß das Wasserwerk Tegel sondern auch das Müggelsccwerk arbeitete unter sehr ungünstigen Verhältnissen. Der Direktor der städtischen Waffcrwerke konstatiert in dem Bericht, daß eine Schädigung der Gesundheit durch das verunreinigte Wasser nicht entstehen konnte. Das können wir nur bedingt zugeben. Wenn auch keine Vergiftung, so konnte die Verunreinigung mit Karbol und so weiter doch erhebliche Gesundheitsstörungen erzeugen, da grade Karbol in so starker Verdünnung die Entwicklung der Hefenpilze sehr begünstigt. Auf keinen Fol ist das Müg'gelscewasscr als hygienisch durchaus einwandsfrei anzusehen. Leider macht der Magistrat gar keine Vorschläge für die erforderliche Abhilfe. Mit den: bloßen Schmecken des Wassers durch Probenchmer wird doch die Zuführung verunreinigten WasserS in die Stadt durchaus nicht un- möglich. Wir brauchen zur Versorgung Berlins mindestens 30 000 Kubikmeter Wasser täglich aus dem Müggelsee, auch wen» dieses schlecht ist. Wir müssen also eine gemischte Deputation haben, deren Aufgabe sein wird, die Rückkehr zum Tiefbrnnncnsystem möglichst zu beschleunigen. Stadtv. K y l l m a n n bittet den Magistrat, dem Ersuchen der betr. Fabrik in Erkner auf nochmalige genaue Untersuchung auf ihre Kosten zu entsprechen. Von einer gemischten Deputation lasse sich zur Zeit ein Erfolg nicht erwarten. Nach iveitcrer Debatte wird der Antrag, den Magistrat zu er- suchen, mit der Versammlung in gemischter Deputation über die Frage der Wasscrversorgnng zu beraten, vom Stadtv. Paul auf Anregung des Stadtrats Haast vorläufig zurückgezogen, vom Stadtv. R o s e n o w wieder aufgenommen und nunmehr a b gelehnt. Die Vorlage betr. die für 1900 in den städtischen Gasiverken und am Gas'rührenshstem erforderlichen ErncucrungS« und Erweiterungsbauten wird genehmigt. Der Centralverein für A r b e i't s n a ch w e i S kommt mit seinen Lokalitäten, den 5 Stadtbahnbogcn am Alexanderplatz, nicht mehr aus. Andrerseits beabsichtigt die Landes-Versicherungsanstalt Berlin aus Anstaltsgeldcrn ein Gebäude für den Zweck des Arbeitsnachweises als einer Arbeiter-Wohlfahrtseinrichwng zu errichten und dem Centralverein zu vermieten, Grunderwerbs- und Baukosten sind auf 300 000 M. veranschlagt; die jährliche Miete soll 20 000M. betragen. Der Magistrat Ivill„mit Rücksicht auf das Interesse, welches die Stadtgemcinde an einem gut organisierten und gut funktionierende» Arbcitsnachiveise hat, und in Erwägung, daß der Arbeits Nachweis wohl in städtische Verwaltung übernommen werden müßte, wenn die freie VercinSthätigkeit versagt", dem Antrage des CentralvercinS stattgeben und ersucht die Versammlung, sich bannt einverstanden zu erklären, daß dem Centralverein für Arbeitsnachweis für den Fall, daß die Landes« Versicherungsanstalt Berlin ein Arbeitsnnchweisgebäude errichtet und dasselbe dem Centralverein für Arbeitsnachweis vermietet, für die Dauer eines zehnjährigen Mietsvcrtrags an Stelle de§ bisherigen Jahresbeitrags von 8000 M. ein jährlicher Zuschuß bis zur Höhe von 20 000 M. gewährt werde. Stadtv. Lüben beantragt Ausschußberatung. Stadtv. Koblenzer: Wir haben dagegen nichts einzuwenden, wollen aber die Bedingung daran knüpfen, daß der Nach- weis demnächst ohne Einschreibegebühr erfolgt. Dem Ersuchen deS Vereins ist nach unsrer Meinung stattzugeben. Der Verem ist ja schon bisher von der Stadt subventioniert worden und die Arbeiter machen in steigendem Maße von diesem Nachweis Gebrauch, Da der Verein auch weiterhin mit der Mitwirkung der Arbeiter selbst im weitesten Umfange rechnet, allmählich auch das Unternehmertum einsieht, daß auch mit den Arbeitern sehr ersprießlich znsanimengearbeitet werden kann, stehen wir der Sache sympathisch gegenüber. Der Hauptbeitrag wird aber schließ- sich von den arbeitslosen Arbeitern selbst in der Abgabe von 20 Pf, erhoben; sollte diese wegfallen, müßte auch die Subvention noch etwas erhöht werden. Stadtrat Ramsla»: Die freiwilligen privaten Beiträge von 7000 M. decken bei weitem das Bedürfnis nicht. Die 20 Pf. Ein« schreibegeld wären kaum zu entbehren. Bon Berstadtlichung des Rachweises ist keine Rede. Die Borlage geht an einen Ausschuß. Schluß v Uhr. In der am Mittwoch abgehaltenen Sitzung des Etats- AuSschuffes der Stadtverordneten-Versammlung wurde bei der zweiten Lesung des Etats für das g e w e r b l i ch e U n t e r r i ch s w e s e n eine Resolution angenommen, nach der die Kuratorien der Hochschulen dem Unterricht im kaufmännischen Rechnen und in der Buchführung besondern Wert beilegen sollen. Der Stadtschulrat trat für diese Resolution ein. mit deren Hilfe er einen größeren Druck auf die Meister ausüben könne, damit sie ihren Lehrlingen auch die für diese Kurse nötige Zeit freigeben. Beim Etat der D e s i n f e k t i o n s- A n st a l t wurde von einer Seite die Unentgeltlichkeit der Wohnungs- Desinfektion angeregt. Der Ver- treter deS Magistrats glaubte dieser Forderung mit dem Hinweise widersprechen zu müssen, daß schon jetzt 63 Proz. sämtlicher Kosten niedergeschlagen würden, daß aber die Befürchtung vorhanden sei, daß mit' der Einführung der unentgeltlichen Desinfektion auch die Reinigung der Wohnungen von Wanzen und Schwaben verlangt werden würde. Stadtv. B'orgmann wünschte für die Desinfek- toren und Arbeiter eine feste Lohnskala anstatt des bis- herigen Zustandes. der eS vom Wohlwollen_ der vorgesetzten Beamten abhängen lasse, ob eine Lohnzulage gewährt werden solle. Stadtv. B r u n's hält die in den diesjährigen Specialetats vor- gesehenen Lohnaufbesserungen für bei weitem nicht ausreichend. Der Magistrat habe gar kein Recht, sich mit besonderm Wohlwollen für die Arbeiter zu brüsten, zumal er nur dem Zwang gehorchend an die Aufbesserungen herangegangen sei. Auch die für die DeSinfdktoren vorgeschlagene Lohnerhöhung genüge keines- Wegs. Allerdings seien inr Etat für diesen Zweck 803,50 M. vorgesehen; das bedeute aber pro Kopf und Tag eine Zulage von etwa 10 Pf. Auch die Behandlung der Arbeiter lasse viel zu wünschen übrig. Bei dem geringsten Verstoß gegen die Disciplin erfolgten Bestrafungen durch zeitiveisen Ausschluß von der Arbeit und Entlassung. Der Magistrat hält die Bezahlung für auS- reichend, die Behandlung als im Interesse deS Dienstes erforderlich. Nur einmal se, ein Arbeiter ivegen seines Verhaltens entlassen und später auf seine Bitte» wieder eingestellt worden. Die Arbeitszeit derWohmmgsdesinfektoren betrage, die Fahrten abgerechnet etiva 4 Stunden..„ �_ Bei dem Etat der H e i m st ä t t e n für G e n e s e n d e be- antragte Stadtv, Bruns eine Resolution, nach der dem Mangel an Plätzen durch Aufstellen von S o mm e r b a r a cke n abgeholfen werden soll. Die Vormeldungen zu den Heimstätten sind so zahl- reiche und die Wartezeit ist so lang. daß eine große Anzahl der Rekonvalescenten die Aufnahme in die Anstalt nicht ablvarten können, Bis zur Fertigstellung der neuen Heimstätte vergehen noch etwa vier Jahre, Der Ausschuß lehnte die Resolution ab.. Lebhafte Auseinandersetzungen gab es noch bei Titel II der Ausgabe für verschiedene Einrichtungen für die öffentliche Ge- sun'dheitSpflege, der 65 000 Mark zur Beihilfe für die Sanitätswachen, die Berliner Reltungsgesellschaft und die Unfall- stationen verlangt. Einigen Mitgliedern des Ausschusscs war der Beitrag für die Unfallstationen zu'gering bemessen und sie wünschten Erhöhung dieses Zuschusses...... Stadtv. B o r g m a n n war der Meinung, daß die Unfallstation keine Einrichtung sei. die dem öffentlichen Interesse diene, und er fand den vom Magistrat geleisteten Zuschuß für nicht zu niedrig de- messen. Bon einer Seite wurde darauf hingewiesen, daß nach wiederholt geäußerten Ansichten der Direktoren der städtischen Kranken- hänser die in den Unfallstationen angelegten Verbände häufig sehr mangelhaft seien, so daß die Verbände sogar hätten abgenommen, werden müssen, weil sie unrein gewesen wären, und daß die Unfallstationen für unsre Krankenhäuser keine Entlastung bedeuteten/ Stadtv. Borgmann regte beim Etat der Park- und G a r t e n v e r>v a l t u n g an, ob nicht in unsren öffentlichen Parks unentgeltliche Konzerte veranstaltet werden könnten. wie dies in einer Reihe süddeutscher Städte schon geschieht. Unsre Verwaltung sollte sich einmal mit diesem Plan befassen. Die Auf- fassung Borgmanus ist. wie das bei unsren Philistern nicht anders erwartet werden konnte. auf lebhaften Wider- stand gestoßen. Man hat geglaubt, der Anregung mit' dem Hinweis auf die Lustgarten- Konzerte entgegen zu treten; man defürchte ähnliche Scenen in unfern Parks. Wir wollen hoffen, daß die Verwaltung sich nicht dadurch von vornherein ab- schrecken läßt, die gestellte Frage einmal ernstlich in Erwägung zu ziehen. Beim K r a n k e n h a u S in der G i t s ch i n e r st r a ß e soll der Geistliche 200 M. mehr Remuneration erhalten. Stadtv. Borgmann beantragte die Streichung der Mehrforderung. Der Magistrat be- gründete die Erhöhung der Position damit, daß früher der Geistliche nur sehr wenig beansprucht habe und daß auch 600 M, noch sehr wenig sei. Der Ausschuß beschloß nach dem Antrag des Magistrats. Die übrigen Etats werden ohne wesentliche Debatte nach dem Eni- wnrf angenommen. Nächste Sitzung: Freitag. ITolrnles. Flngblattverteilnng in Moabit. Die Parteigenossen, welche gewillt sind, Sonntag bei der F l u g b l a t t v e r b r e i t u n g im 44. Kommnnal-Wahlbezirk zu helfen, werden gebeten, sich früh 8 Uhr bei Johann Pfarr, Putlitzstr. 10, zu melden. Der Vertrauensmann. Die Parteigenossen deS fünften Berliner Reichstags Wahlkreises veranstalte» am Sonntag, den 18, März, mittags 12 Uhr, eine L e r s a m m l u n g im großen Saale der Brauerei Friedrichshain, in der Reichstags-Abgeordneter Wolfgau g Heine über die Bedeutung des 18. März sprechen wird. Zur Lokalfrage. Aiu 3. März feiert der Ranchklub„Starker Tabak" seinen Maskenball in Grünau bei Herrn Lindenhayn. Wir machen die Genossen darauf aufmerksam, daß das Lokal zu Versammlungen nicht mehr zu haben ist. _ Die Lokalkommission. In der gestrigen Sitznng der Stadtvcrordnctcn-Vcrsamm« lnng hat die Kanalisations-Verwaltung dem Ruhmes- kränze, den sie sich in den letzten Monaten gewunden hat. ein neues Blatt eingefügt. Auf der Tagesordnung stand unter anderm eine Petition von drei ehemaligen Riefelfeld-Arbeitern, denen eine Kaution v o n' j e 30 M. ei»behalten worden war, weil sie nach Ansicht der Verwaltung das Arbeitsverhältnis widerrechtlich gelöst hatten. Die Arbeiter baten unter Darlegung des Sach- Verhalts um nachträgliche Rückgabe der Kaution. Der PetitionS- Ausschuß war' nach Prüfung ihrer Angaben zu dem Ergebnis gelangt, der Versammlung aus Billigkeils- gründen die Ueberweisung der Petition an den Magistrat zur Ve- rücksichtigung zu empfehlen. Gegen diesen Vorschlag wandte sich Stadt- rat Marggraff mit Entrüstung. B i l l i g k c i t s g r ü n d e, sagte er, dürften in dieser Angelegenheit nicht geltend gemacht werden,»nr die R ü ck s i ch t auf die Disciplin, die durch Nachgiebigkeit gefährdet werde, dürfe matzgebend sein. Unsrem Genossen Singer fiel die Aufgabe zu, diesen an das Agraricrtum Ostelbiens erinnernden' Standpunkt nach Gebühr zu brandmarken. Herr Marggraff rühmte in seiner ilntwort daS„warme Herz", das der Magistrat und die Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung stets für die städtischen Arbeiter gehabt haben und stets haben werden. Die Mehrheit der Berfammlung empfand das Beschämende der ganzen Angelegenheit so wenig, daß sie an die Seite deö Herrn Marggraff trat und gleich ihm ihr„warmes Herz" für die städtischen Arbeiter durch Ablehnung des Ausschußantrags, also durch Zurückweisung der Petition bethätigte. Die Einklebung der Marken für die Jnvalidenverficherung hat bei der Lohnzahlung zu erfolgen. Nach, dem neuen In- nalidenvcrsicherungZ- Gesetz köniien aber die DersicherungSanstallcn destünmen, daß die Arbeitgeber befugt sein sollen, zu a n d r e n als d e n L o h n z a h l u n g S- T e r m i n e n die Marken beizubringen. Der i Vorstand dcr LandcZ-BersichcrnngsanstaltBerli» hat nun den nachstehen- - den Entwurf einer diesbezüglichen Verordnung dem hiesigen Magistrat, 'dem Gewerbegericht, den.Aeltesten dcrsiaufmannschast und demCentral- ousschlus; kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine zur gutachtlichen Aeutzerung zugehen lassen: I. Arbeitgebern, welche nündestenS'tOO versicherungspflichtige Personen beschäftigen, kann auf Antrag widerruflich gestattet werden, die Marken für die von ihnen beschäftigten versicherungspflichtigen Personen er st in der letzten Woche jedes Kalender- Vierteljahrs, oder sofern das Arbeits- oder Dienstverhältnis früher beendet wird, bei Beendigung desselben, einzukleben. II. Der Antrag ist bei dem Vorstande der Landcs-Vcrsicherungs- anstalt, Berlin C., Klosterstr. 41 zu stellen. Wird dein Antrag statt- gegeben, so wird dem Antragsteller ein Erlaubnisschein ausgefertigt; die Befugnis zur Verwendung der Marken zu den oben genannten Terminen beginnt erst mit Aushändigung des Erlaubnisscheins. Der Erlaubnisschein ist so aufzubewahren, basi er jeder Zeit dem Kontroll- bcamten der Versicherungsanstalt bei etwaigen Kontrollen vorgewiesen iverden kann. III. Dem Reich, den Bundesstaaten, den Kommunalverbänden und sonstigen öffentlichen Verbänden und Körperschaften kann die unter I. erwähnte Befugnis ohne Beschränkung aus eine bestimmte Zahl beschäftigter versicherungspflichtiger Personen erteilt werden; auch tonn der Termin für die Verwendung der Marken bis aus die letzte Woche des Kalenderjahres erstreckt werden. Die Bestimmungen unter II. suiden Anwendung. Vom Standpunkt der Arbeiter wird sich im allgemeinen nichts dagegen einwenden lassen, wenn den llnteniehniern die Pflicht des Markcnklebens erleichtert wird. Nur hat die Behörde Vorkehrungen zu treffen, daß ein etwa entstehendes Risiko auf keinen Fall den Arbeitern zur Last fällt. Im B a u u n t e r n e h m e r t u m z. B. giebt eS der unsicheren Kantonisten so viele, datz dringende Vorsicht geboten ist; wie oft schon sind Unternehmer, die ihre Arbeiter um die K r a n k e n ka sf e n- B e i t r ä g e b e sch w i» d c l t haben, gerichtlich bestraft worden. Komnien solche gefängnisreifen Arbeitgeber, die nebenher bemerkt, sich gewöhnlich durch ein patriotisches Geschrei nach Arbeiterknebelung Hervorthun, der Behörde mit Gesuchen um Erleichterung des MarkenklebcnL, so ist äusierste Vorsicht geboten und die Gewährung der Erlaubnis von Stellung einer eul sprechenden Kaution abhängig zu machen. Eins noch. Der Entwurf ist verschiedenen Unternehmer Vereinigungen zur Begutachtung vorgelegt worden. CS wäre nicht mehr als in der Ordnung gewesen, wenn man ihn ebenfalls I einigen aus dem Vertrauen der Arbeiter heraus entstandenen privaten Organisationen, also der hiesigen Centralkommission der Krankenkassen und der GewerkschaftSkom Mission unterbreitet hätte. Der Vorstand der Landcsverstchcrungs- Anstalt hat alle Ursache, sich bei der Arbeiterschaft nicht in einen Ruf zu bringen, wie ihn die preusiische Regierung sich mit heißem Bemühen glücklich erworben hat. Die Berliner Armen charakterisiert der unter der Presse be- findliche Berwaltungsbericht des Magistrats in der folgenden Weise: ..Das schnelle Emporbliiheu unsrrr Stadt, die erfreuliche Zunahme ihres Wohlstands sind— wie in allen modernen Großstädten, so auch in Berlin— nicht frei von Schatten. Durch die sich täglich mehrende» ArbeitSaiigelegenheiteii unsrer industriellen und sonstigen Unternehmungen, durch die bei den hiesigen Truppenteilen olljährlich zur Entlassung kommenden R es e r v'r st e n. von denen ein großer Teil hier verbleibt, wird eine Unzahl von Arbeits- kräften nach Berlin gezogen, welche den Verhältiiiffen der Großstadt wirtschaftlich nicht gewachsen, sind. Zum großen Teil mittellos und mit den hiesigen Verhälmisse» unbekannt, finden diese Zuzügler entweder überhaupt keine Beschäftigung oder gehen derselben iviedcr verlustig, weil sie den an sie gestellten Anforderungen nicht entsprechen können. Diese Arbeitslosen verfallen ichließlich dem Laster oder sie fallen der Armenpflege anheiiu und bilden einen großen Teil unsrer Hilfsbedürftigen. Ein andrer Teil der aus de» P r o v in z en zugezogenen Personen, denen es geglückt ist, hier festen Fuß zu fassen, suche» die vorhandenen Wohl- thätigleits-Gelegenheiten dadurch anszmuitzen, daß sie ihre hilfsbedürftigen Eltern lind Verwandten»ach sich ziehest, und diese, nachdem sie dieselben einige Zeit unterhalten haben, der Armenpflege zur Last fallen lasse»; auch sie tragen so zur Bermehrung der Hilfsbedürftigen bei. Aus. der andern Seite üben die Gelegenheit, hier schnell und leicht Geld zu verdienen, sowie die Sucht nach Reichtum und Genuß nickt minder ihre verhängnisvolle Wirkung. Zahlreiche Unternehmer. Geschäftsleute und Spekulanten, welche es nicht ver- stehen, die sich ihnen darbietenden günstigen ErwerbSgelegenheite» mit Klugheit auSzuniitzen, verfallen der Verarmung, sinken von Stufe zu Stufe stild Iverden schließlich zu Bettlern. Hierzu kommen die viele» Existenzen, welche cinwcdcr ihren Beruf verfehl: oder ans andre Weise— mit oder ohne eignes Verschulden— Schiffbruch ge- litten haben und dem Elend und der Armut verfallen. Alle diese bilden neben den ortScingescffenen Arme», Kranken und Siechen das große Heer der HilfSbediirstigen unsrer Stadt." Diese Moralpauke der satten Tugend liest sich wie ein Leitartikel der„Deutschen Tageszeitung". Der Polizeipräsident macht bekannt: Es ist zu meiner Kenntnis gelangt, daß did Firma S. Hanfs u. Sohn, JLd'cn- sträße 36/37, daS von ihr verlegte Tagebuch für Heilgehilfen und Masseure auf Karten und Prospekten als das allein richtige und polizeilich vorgeschriebene hinstellt. Demgegenüber bemerke ich, daß ich in meiner Bekanntmachung vom 8. Dezember v. I. lediglich darauf hingewiesen habe, daß das von der Firma Hanfs u. Sohn hergestellte Tagebuch den Anforderungen der Hcilgchilfenordnung vom 25. Juli vorigen Jahres im§ 3 zu b entspricht, daß aber felbstverständlich jedes andre, auch ei» von dem Heilgehilfen selbst angelegtes Tagebuch zugelassen ist. sofern eS mir den Vorschriften des 8 3 zu d der Hcilgehilfenordnung entspricht. Die meisten Soldntcn-Sclbsimordc pflegen erfahrungsgemäß in die erste Rekrutcnzcit zu fallen. Im Volke wird dies vielfach darauf zurückgeführt, daß die»och ungeübten jungen Leute sich nicht der besten Behaiidlimg seitens der älteren Kameraden erfreuen, weil einzelne Vorgesetzte die ihnen zur Verfügung stcheudcu Discipliuar- mittel in einer Weise aiiivendcn, daß von denselben auch die älteren Jahrgänge betroffen werden. Natürlich ist dies nicht die einzige Ursache der Rckrilteii-Selvstmorde; psychologische Vorgänge mannigfacher Art wirken dabei mit. Leider hat dieser Tage wieder einmal ein Rekrut seinem Leben ein Ende zu machen versucht. Wie ivir erst nachträglich erfahren, sprang am Sonnabend der Rekrut F r a n z R e n n e r in selbstmörderischer Absicht vorn Dache der Garde-Füstlier- Kaserne in der Chausscestraße. Er brach sich beide Beine und zog sich schwere innere Verletzungen zu.— Vielleicht erkundigt sich der Herr Krieg»- minister einmal»ach den Ursachen dieses Selbstmordversuchs. Mit ciuer duuklen Pcrsöulichkcit beschäftigt sich der Er- tennungsdienst der hiesigen Kriminalpolizei. Es handelt sich um einen Mann, der am 7. Januar d. I. in Augsburg bei einem Ein- bruch festgenommen wurde und sich für einen im Jahre 1847 zu Stettin geborenen Kaufmann MathicS Köbke ausgab. Diese Personal- angaben haben sich als falsch herausgestellt und es besteht der dringende Verdacht, daß der angebliche Köbke irgendwo ein schweres Verbrechen verübt hat und deshalb seinen wirklichen Namen ver- heimlicht. Zwei Hcimatscheinc, die er bei sich führte, lauten auf Hermann Martin Kristcn. Rullstnialer aus Wiesbaden, geboren ain 19. Juli 1835 zu Frankfurt am Main, und Wilhelm Martin Klausen, Bildhauer, geboren am 19. Juli 1847 zu Kassel. Außerdem fand mau bei ihin Brechiverkzeuge, namentlich eine große Anzahl neuer Schlüssel und Schlüsielbärtc. Der Fest- genommene gieot zu, mehrmals vorbestraft zu sein, unter ouderm wegen Hoteldiebsiahls mit 4 Jahren Zuchthaus. In den letzten 11'Jahren will er als Kommissionär und Fremdenführer in London gelebt haben und von dort im Oktober v. I. nach Deutschland gc- kommen sein. Der angebliche Köbke ist etwa 57 bis 60 Jahre alt. Straffeusperrung. Die Diedcnhofcncrstraße von der Belforter bis zur Tresckoivstraße wird bchuf» Neupflasterung vom 5. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ein schtvercr Verdacht richtete sich gegen die Frau des Gast- Wirts B. in der Mehnerstraße, die von einem Bäckergesellen Nawratzki, der im Hause verkehrte, denunziert worden war, daß sie ihn zur Tötung ihre» Gatten habe überreden wollen. Die Gast- wirtsfrau sowie der Bäckergeselle wurden polizeilich fcstgenomnien, jedoch gestern wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Denunziation hat sich als haltlos erivicsen. Ohne Urlaub haben sich drei Mann vom 48. Infanterie- Regiment zu Küstrin von ihrem Truppenteil entfernt. Einer von ihnen wurde vorgestern hier im. Osten der Stadt bei seinen Eltern ermittelt, von der Polizei der Kasernenwache deS Alexander-Regiments übergeben und von dieser in den Militärarrest"nach der Linden- strnße gcbrachr. Von dort holte ihn gestern ein Sergeant zum Regiment zurück. Die Maul- und Klauenseuche bei den Kühen deS Molkerei- bcsitzers Brüggemann, Wäldftraßc 51, ist erloschen, dagegen ist die Seuche bei den Kühen des MolkereibesitzcrS Nauck, Triftstraße 10, neu ausgebrochen. Auf dem Grabe ihres VaterS hat sich die 34 Jahre alle Lehrerin Martha Egger erschossen, die mit ihrer Mutter, einer Witwe Habcrinann, verwitwet geivescuen Eggcr. in der llhlandstr. 185/187 zu Eharlottenburg ivohntc. Fräulein Egger war eine angesehene Lehrerin und hatte außer ihrem Amt an einer Gemeindeschiilc im Norden Berlins noch eine Privatstelluiig in einer gräflichen Familie H, die sie auch während der Ferien auf Reisen zu begleiten pflegte. Mitzhelligkeiten in der Schule führten schließlich zu ihrem Ausscheiden aus dem Amte. Hierin ist die Veranlassung zum Selbstmord zu suchen. Fräulein Egger ging am Dienstag von Hause weg und kehrte nicht zurück. Ihre Mutter suchte'sie überall vergeblich, bis man sie gestern nachmittags gegen 2 Uhr auf dem Georgen- Kirchhof an der Landsberger Allee als Leiche wiederfand. Die Lebensmüde hatte sich hier auf dem Grabe ihre» Vaters durch einen Revolverschuß in die rechte Schläfe getötet. Mit Gas vergiftet und erhängt hat sich in der vergangenen Nacht der 23 Jahre alte Cigarreiihändler Ernst Rohloff aus der Teltowcrstr. 26. Rohlvsf betrieb seit 2t« Jahren mil seiner Mutter, die Witwe ist. ein Ladengeschäft und schlief in einer Snibe hinter dem Laden, während die Mutter in der Teltowerstr. 52 wohnt. AIS Frau Rohkost gestern morgen um 7 Uhr zum Geschäft kam und die Flurthür aufschloß, strömte ihr GaS eiitgcgcn. Nachbarn, die sie, nicht» GuteS ahnend, zu Hilfe rief, öffneten die Fenster und drangen dann in den Laden ei». Man fand den jungen Mann als Leiche vor. Er harte Mittwochabend den Gashahn geöffnet und sich dann an der Klinke der Ladenthür erhängt. Rohloff befand sich seit einem Vierteljahr in Zahlungsschwierigkeilen und scheint deshalb Hand an sich gelegt zu haben._ Aus den Aachbarortcn. Partciangelcgruheiten aus den Nachbarorten. W i l in e r s- dorf, Halensee: Die für Freitag angekündigte Flugblatt- Verbreitung kann Uinstände Halver erst am Sonnabend von den bekamit gcgcbencii Lokalen aus staltsindcn.— Der sccial- demokratische Verein Johannisthal- Nieder- Schone- weide hält seine Mitgliederveriammlung am 3. März, abends 8Va Uhr. im Lokale von MertiuS ab.— W a i d m a n us l u st: Sonntagnachmittag 4 Uhr spricht in einer Volksversammlung bei Kuhn Genosse Martwaldt über die Kommnnalwahlen. Ten Parteigenossen in Friedrichöhageu zur Kenntnis, daß am Montag, den 5. März, uaaimiltags von 5— 8 Uhr, ftir die dritte Wählcrklasse die Ergänzungswahlen zur Gemeindevertretung stattfinden. Da die zu wählenden Verordneten Hausbesitzer sein müsieil, ist es uuS nicht möglich, im ersten Bezirk einen Kandidaten aufzustellen, und fordern wir die Genossen auf. sich dort der Wahl u enthalten, im zweiten Bezirk aber bis auf den letzten Mann für imscrn Kandidaten. den Eigentümer Friedrich A l b r e ch t, RahnSdorferstraße 6. die S t i nr m« a b z u g e b e n. Das Wahllokal befindet sich im Eiskeller. DaS Wahlkomitee. Der Gemeinde- Etat von Groß-Lichterfelde für 1900 bilanziert in Einnahme und Ausgabe mit 1 181 500 M. Tie Ge- meindc-Eiiitommensteuer beträgt wie bisher 120 Proz., worin die KreiSsteuern enthalten find. Die Gemeindestenern cmfchiießlich der Kreisstenern sind mit 683 118 M. in Anscklag gebracht. Die ein- maligeil außerordentlichen Einnahmen beziffern sich auf 450 500 M. Die dauernde» Ausgaben betragen für Straßenbau:c. 49172 M.: Straßenbclcucktuiig 46 452 M. Für das Gym- iiasium werden gefordert 41691 M., für die Realschule 27 342 M.. lir die Volkssckülcn 112.473 M. Ferner sind für zwei Schulärzte 1200 M. eingesetzt. Ter Armen- Etat ist verhältnismäßig sehr gering dotiert, er beträgt 19 630 M. Für Verzinsung und Amortisation der Schulden sind 141 370 M. notwendig. Die Kreis- feuern beziffern ficki auf 128 520 M. Unter den einmaligen außer- ordentlichen Ausgaven bcsinden sich auch 25 000 M. für de» Bau einer Kirche, welche als Wahrzeichen fromiucr und christ- licker Gesinnung der Herren Gemeiudevertreler auf der Torsanc erstehen soll. Ter Bau einer Volksschule kostet 46 000 M.; für den Erweiterungsbau der Realschule sind 52000 und den Lau des Anns- gerichts 270 000 M. eiiigestcllt.— Während in den meisten Gemeindevertretungen der Etat zu den lebhaftesten Diskussionen und An- regungen Veranlassung giebt, flössen in unsenn Dorsparlainent die Verhandlungen über denselben wie ein schlammiges, versicchendcs Wäsierlein dahin. DaS ivird freilich erst anders werden, wen» Vertreter der Arbeiterklasse ins rote Hau» gewählt iverden und dort im Interesse der Steuerzahler vom Rechte der Kritik den weckdienlichen und ausgiebigen Gebrauch machen. Zur Frage der Eingcmciuduug von Fricdcuau in Schöne- bcrg hat jetzt der Minister de» Innern an den R e g i e r u n g S- Präsidenten z» Potsdam folgenden. dem Schöncbcrgcr Haus- und Grundbcsitzer-Vercin in Abschrift zugestellten Bescheid er- gehen lassen: Bei eingehender Prüfung der Sachlage habe ich nicht die Uebcrzcngunq gewinnen könne», daß die gebotenen Rücksichten auf die wirtschaftliche Lage der Landgemeinde Friedenau und auf die gemeinsamen wirtschaftlichen Jiitcrcffcu dieser Geineiude und der Stadt Schöueberg oder andre überwiegende Gründe deS öffentlichen Wohls die kommunale Vereinigung dieser beiden Gemcindebezirke zur Zeit dringend erfordern. Unter diesen Umstände» ist auch den vom KreiL Teltow zur Begründung 'eisies Widerspruchs gegen den Eingemcind'.mgSplan erhobenen Bc- denken eine besondere' Bedeutung beizumessen. Es crschcim nicht au- gängig, ohne zwingende Notwendigkeit schon im gegenwärtigen Zeitpunkt, während dieser Kreis die durch daS Ausscheiden der jetzigen Stadtkreise Rixdors und Schöneberg hervorgerufenen Schwierigkeiten noch nicht hat vollkommen überwinden köimcn, wiederum durch eine erneute Verkleinerung seines Gebiets in seine fernere gedeihliche Entwicklung störend ein- zugreifen. jJch sehe daher für jetzt davon ab. den E i n g e- m e i n d u n g S p l a n weiter zu verfolgen und ersuche die Beteiligten mit entsprechendem Bescheid zu versehen.? Vcrmistt wird seit dem 20. Februar der Dreher Otto Piillkcn- roth aus der Wittstockerstraße 22. Piillkcnroth ist von mittlerer Statur, trägt dunkeln Schmirrbart und ist mit dunkelblauein lieber- Jeher und schwarzem Knmmgarn-Anzug bekleidet. Wer etwas über den Verbleib des Vermißten'mitzuteilen weiß, wird gebeten, dem nächsten Polizeilmreau Anzeige zu erstatten. Die Gleichlegung der Ferien der Berliner Gemeindeschulen mit den Ferien der höheren Lehranstalten hat den RegiernngS- Präsidenten zu Potsdam veranlaßt, die Orts- Schnlbchörden der Berliner Vororte an die schon vor mehreren Jahren ergangene Verfügung zu erinnern, daß in diesen Orten die Ferien-Ordnung sich der Berliner anschließen soll, damit in der Rcichshauptstadt und den beuachharren Vororten die Ferien einheitlich stattfinden. Demzufolge werden nun in den betreffenden Vororten die Ferien vollständig denen Berlins gleichgelegt iverden. Gevidjfcs Als eine rachsüchtige Handlung stellte sich die�Anzeige des Bgrbier» E l m i n o w S k i dar. wonach der Schankwirt Schneider sich des Duldens von Glücksspielen schuldig gemacht habe. Im gestrigen Termine vor dem Schöffengericht bekundete der Zeuge Elminowski auch, daß der Angeklagte Schneider im' Jahre 1598 nicht nur geduldet habe, daß seine Gäste„Meine Tante, deine Tante" spielten, sondern daß derselbe sich sogar zweimal selbst an den« Spiel be- teiligt habe. Der Beschuldigte bestritt dies mit aller Entschiedenheit. Der Zeuge Elminowski sei'im verflossenen Herbst von ihm wegen Hausfriedensbruchs angezeigt und bestraft worden. Jetzt wolle er sich rächen. Es traten acht cinwandsfreie Zeugen aus. welche unter ihrem Eide bekundeten, daß der Wirt wiederholt den Gästen die Karten weggenommen bade, wenn er bemerkte, daß ein»»erlaubtes' Spiel gespielt ivnrdc. Ter Zeuge Elminowski sei derjenige gewesen. der stets zum Glücksspiel angereizt habe. Wenn der Angeklagte au den Tisch getreten sei, habe ElminowSli die Karten so gegeben, als ob 66 gespielt»verde. Einige Zeugen bekundeten serner. daß Elmiiwwski sich dahin geäußert habe,' er werde nicht eher ruhen, bis er den Schankwirt Schneider zu Grunde gerichtet habe. Der Angeklagte legte de», Gerichtshofe auch Schriftstücke vor, woraus hervorging, daß Elminowski ihn während der letzten 3 Monate nicht weniger als achtmal wegen der verschiedensten Vergeben und lieber- tretungcn angezeigt habe. Nun handelte es sich um die Vereidigung des Zeugen Elminowski, die nach dem Gesetze erfolgen mußte. Der Vorsitzende wies ihn darauf hin, daß ihm die beschworenen Aussagen von acht Zeugen gegenüberständen und daß er sich der Gefahr aussetze, wegen Meineids in Haft genommen zu werden. Nun kanten den, Zeugen Bedeuten, er erklärte schließlich, den Schwur nicht leisten zu wollen, blieb aber dabei. daß er die Wahrheit gesagt habe. Der SraatSanivalt beantragte. den Zeugen wegen Eidesvcnvcigeruiig in eine Geldstrafe von 50 M. zu nehmen. Aufs neue begann eine lange Anseinandersetzung zwischen dem Vorsitzenden und dein Zeugen, die schließlich damit endete, daß der letztere sich zur Leistung des Eides bereit erklärte unter dem Vorbehalt, daß er sich möglicheriveise in Betreff seiner belastenden Wahrnehmungen mit Bezug auf den Angeklagten geirrt habe. In dieser Form leistete der Zeuge den Eid und entzog sich dadurch einer großen Gefahr. Der Angeklagte Schneider wurde freigesprochen. da der Aussage der Zeuge» Elminowski irgend welcher Wert nicht beizulegen sei. Der„Harmlosen- Prozeß" wird am 16. d. M. vor dem Reichsgericht zur Verhandlniig kommen. Gegen das am 21. Oktober vorige» Fahre» von der vierten Strafkammer des Landgerichts I gefällte freisprechende Urteil hat bekanntlich der Staatsanwalt Revision eingelegt. Von den drei Angeklagten wird v. Kröchcr unter Assistenz seines Verteidigers Dr. Schwindt persönlich den Termin in Leipzig wahrnehmen. Detmnstfztes. Das Liuieuschiff„Sachsen" geborgen. Die Abschleppung des gestrandeten Linienschiffs„Sachsen" durch die„Württemberg" ist. wie aus Kiel berichtet wird, gestern morgen gelungen. Die „Sachsen" lief in die Kaiscrwerft ein. Explosion. I» der Schlesischcn Zündhütchen- und Spreng- kapsel-Fabrik in Alt-Berun fand im Laboratorium eine Explosion statt. Ein Arbeiter wurde getötet, zwei schwer verletzt. Trotz de» herrschenden Sturms gelang es nach mehreren Stunden, de» Feuers Herr zu werden. Ueberschwcmmlmgcu. Infolge fortgesetzter Regeugüffe sind in Böhmisch-Leipa die niedrig gelegenen Stadtleile sowie niehrere Nachbarorte fast ganz uiiter Wasser. Durch die reißende Strömung wurden die Rcttimgsarbeiten sehr erschwert. Da die Städte auswärt»,' u. a. Niemes, gleichfalls unter Wasser slehen, sind be- demendc Waffennengen im Anzüge. Infolge vou Dammrutschungen treffen sämtliche Züge verspätet ein. Fu ganz Nordrußland haben ungeivöhnlich starke Schnee- fälle und S ch n e o v e r>v c h u n g e n. tvie seit Jahren nicht mehr, stattgefunden. Viele Ortschaften sind verschneit und viele Menschen sind im Schnee umgekommen. Der Bahnverkehr ist unterbrochen. Zum Frühjahr werden große Ueberschivemmungm be- fürchtet._ Marktpreise von Verlin am 20. Februar 1800 noch E»»iitl»»geii des tgl. PolizelpräfidiiiUlS. D.-Etr. 13,101 14,10 13,00/ Ib.- 14,10 13,30 4,— 0,30 40,— 45,— 70,- 7,— 1,60 1,20 Tvime 14.- 13,80 13- 14,20 13,40 12,60 3,66 4,20 25,— 25,— 30,— 5,— 1,20 1,- von Zchivciiicflcifch fliifSfleifch Hniiiiiiciflcifch Cutter Eier ftiiuije« Aale Ibg «0 Stück Uc Zander Hechle Barsch« «chleie Bleie Krebse ver Schock 1,60 1,70 1 60 2,60 6, 2.20 2 80 2,50 1,60 2,80 1,40 l?.- 1,10 1- 1- O_ ä!- 1,20 1.40 1,- ],- 0,80 1,20 0,80 3.- der Ceulralsielle der Pttufj. La»d- �Roggeii Fmlcr-Eersie Hafer gut »littel„ gering Richtstroh Heu filErbsen f')Evei!cdohiieii rstimfen Kartosseln, neue RilidÜrisch, Keule 1 kg fco. Lauch ,. •) Eiiuitlclt pro wirtschasteiauliucm— Notiermigsslelle— und mugerechnet vom Polizei- praüfciur» für den Toppeiccnti.cr. f) Kleiichandelspreiie. P r o d u kt c niii a rkt vom 1 Mär-. Getreide. Heute.entwickelte sich ein verbältniSinähig lebhaftes Geschäft, doch blieb die Tendenz unglcich- uiägig. Weizen war von vvniherein im Preise abgeschwächt auf weicheude Preismeldungen aus Ncw-Vvrk uiid Chicago und weielitliche Berbifligmig der reichlich vorhandcucn Warenofferten Zliiieritas. Bei uns gab der Zirtikel 0,50 M. nach. Roggen, für welche» vou außerhalb kein Ailgebot vorlag, eröffnet« recht fest, konnte sich jedoch nicht voll behauvlcn. da die Käufer gröüte Reserve bcobachtcten. Hafer �wurde wenig uoigefetzt. Nüböl be- hauptetc seine letzten Preise.— Am S p i r i t u s m o r l t trug der Verkehr einen ziemlich lebhaften Cbaralter Loco 70er zog 0,l0 M. an. Gehandelt wurden 25 000 Liier mit 47,70. Die heutige Lageraufnayine ergab 12 007 Toiincii Weizen(— 483 gegen 1. Februar) und 835 Tonne» Roggen(— 140). Eicr-Bertcht vom 1. März. Normale Eier je nach Qualität von 2,85—3,05 M. per Schock. Aussorlierte kleine Ware je nach Qualität von 2,60 bis 2,70 M. per Schock. Kalkeier je nach Qualität von 0,00 bis 0,00 M. per Schock. Tendenz: ruhig. Kartoffelfavrikate. Feuchte Kartoffelstärke 10,50 M. Ia reine Kartoffelstärke disponibel und März 19.75 M., April-Mai 20—20,25 M. Abfallende prima Qualuätrn Stärke und Mehl disponibel 17,50— 18,50 M, per 100 Kilogramm._ «llilernngSiibeesicht vom 1. März 1900. iiiorzeiiS 8 llfir. Statiouen Sipluemde, Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien 757 NNW 762 N 758 MW 762 N 758 /NNW 756 sNNW Weiler OlSchuee 5 heiter 2 heiter Iwolkenl 5 Schnee 3iZchnee I" 5» «ti -4 — 4 -4 -1 -3 «nuionen SS Haparauda Petersburg Cork Aberdeen Paris iä f Z, W-Ner 770 ONO 773.N 7SZ.NO !*£ = 7« W?, wolkig Zbedeckt 3 bedeckt Zvetter- Prognose für Freitag, de» 3. März 1900. Vielfach heiter, zeitweise wolkig und kalt mit geringen Niederschläge» und ziemlich frischen nördlichen Winden. Berliner W e t t erb u r e a». Verantwortlicher Redacteuri Paul John in Berlin. Kür den Inseratenteil verantwortlich: Dd. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.