Ur. 52. Abeimements-Kedwgungcn: Abonnimentk- Preis pränumirando: Bierteljährb 3,30 Mk,, monatl. I.W Ml,, wöchrotlich 28 Psg. frei ins Haus, Einzeln« Nummer S Pfg. SonntagZ- Nummer mit Mullrierier EonnlagS- Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg, Post- «lbonnemenl: 3,30 Marl pro Quarlal. Singelragen tn der Poft-Zeitungs- Preislisie für 1900 unter Nr. 7971. Unter Kreuzband für Teutschland und Leslsrreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Erfcheitll täglich nutzer Wonlag«. Derlinev Volksbl�tt. 17. Jalfrg. Die Insertions-AebShr detrSgt für die fechSgefpallene Kolonel» zetle oder deren Raum iß Pfg,, für politisch« und gewerts chaftliche Vereins- und igerfammlung»- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Avseigeu" jede» Wo« 5 Psg. (nur das erst« Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bit» Uhr nachmittags tn derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tage» bi» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bt» S Uhr vormittags geoffn« Fernsprecher: Link I, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: „Sorinldemoftrnk Verlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: LW. 19, Venth-Stralze 2. Sonnabend, den 3. März 1900. Expedition: SW. 19, Veuth-Steasze 3. Im Im Dienst des Staats. Abgeordnetenhaus wird der Eisenbahn-Etat beraten. Aber auf die Denkschrift, die wertvolles Material zur Beurteilung der Lage der Ange st eilten im Be trieb der Eiscnbahnvcrwaltung enthält, einzugehen, das fällt den Vertretern der Bourgeoisie im Klassenparlament nicht ein. Um so mehr haben wir Veranlassung, den wesent lichen Inhalt dieser Denkschrift der Oeffentlichkeit zu unter breiten. Was zunächst die an die Gehilfen im mittleren Dienst, die Hilfskräfte im unteren Dienst, die Handwerker und Arbeiter im Betriebe der Staatseiseubahn- Ver waltung gezahlten durchschnittlichen Tagesvergütungen und Löhne betrifft, so zeigen dieselben im großen und ganzen eine steigende Tendenz, bei einzelnen Kategorien jedoch sind sie gesunken. So betrug z. B. bei den Hilfs-Kartenausgebern und-Aus- g e b c r i n n e n der durchschnittliche Tagesverdienst im Jahre 1898/39 nur 2,51 M., während er sich im Jahre vorher auf 2,69 M. belief. Wenn der Bericht, gewissermaßen als Eni- schuldigung bemerkt, daß eine große Anzahl von Frauen, meist Angehörige von unteren Bediensteten, auf kleinen Halte- stellen und Haltepunkten von Nebeneiscnbahnen mit der Ausgabe von Fahrkarten betraut gewesen ist, und daß diesen, da es sich bei ihnen nur um eine Nebenleistung handelt, eine geringere Vergütung gewährt wird, so mag ja diese.eigenartige Entschuldigung auf die Bourgeoisie Eindruck machen. Wir fassen sie eher als eine schwere Anklage auf. als ein charakteristisches Zeichen für gewisse Zustände im Reiche des Herrn von Thielen. Sparsamkeit am unrechten Ort war ja von jeher eine der„Tugenden", durch die Herr von Thielen zu glänzen sucht.» Diese Sparsanikeit veranlaßt ihn einmal, die unteren Be- amten nicht ausreichend zu entlohnen, so daß sie. um ihr Leben fristen zu können, auf die Mitarbeit von Frau und Kind angewiesen sind. Andrerseits aber erhält der Minister durch diese Frauenarbeit billige Arbeitskräfte, die nicht ohne Einfluß auf die Entlohnung der übrigen Angestellten bleiben Auf diese Weise erzielt die Verwaltung ihre überaus hohen Ueberschüsse, die sie dann für kulturfeindliche Zwecke, für Militarismus, Marinismus und abenteuerliche Kolonialpolitik zur Verfügung halten kann. Trotzdem die Löhne etwas gegen das Vorjahr gestiegen sind, giebt es doch noch eine ganze Anzahl von Gehilfen und Arbeitern, die noch nicht einen durchschnittlichen Tage lohn von 3 Mark erzielt haben. So bezogen im Durchschnitt an Vergütung oder Lohn für ein Tagewerk die Kanzleigehilfen 2.99 M.. die Stationsgehilfcn für den Bahnhofsdienst 2,87 M., die Stationsgehilfen für den Ab fertigungsdienst 2,76 M.(im Vorjahr 2,80 M.), die Hilfs billeidmcker, Hilfskassen- und Hilfsbureaudiener 2.78 M.. die Hilfstelegraphistinnen und im Telegraphendicnst beschäftigten Frauen 2,61 M.. die Hilfsladcmeister und Hifsrangienneister 2,87 M., die Hilfsmagazinaufsehcr 2,96 Bt., Gasanstalts- arbciter 2,90 M., Maschinenputzer 2,60 M,, handwerksmäßig ausgebildete Werkstättcn-Handwerker(im Tagelohn) 2,70 M., sonstige Wcrkstättenhandwerker 2,52 M. Eine nicht geringe Zahl von Arbeiter-Kategorien erreicht sogar nicht einmal einen Durchschnittslohn von 2,50 Mark. Werden die Tagewerke und Löhne sämtlicher Klassen von Be- diensteten zusammengefaßt, so ergiebt sich für ein Tagewerk im Durchschnitt 2,55 M. gegen 2,48 M. im Jahre 1897/98 und 2,41 M. im Jahre 1896/97. Im ganzen sind im letzten Jahre 188 577 780 M. an Lohn gezahlt worden. Aus der Nachweisung über die tägliche Dauer des planmäßigen Dien st es des Personals von 324 642 Köpfen ergiebt sich, daß im Herbst 1899 bei 29723 Angestellten der Dienst bis einschließlich 8 Stunden dauerte, bei 29 461 von 8—9 Stunden, bei 94 940 von 9—10 Stunden, bei 68 053 von 10—11 Stunden, bei 72 541 von 11—12 Stunden, bei 15 079 von l2— 13 Stunden, bei 8832 von 13—14 Stunden, bei 3344 von 14—15 Stunden und bei 2696 von 15 bis 16 Stunden. Mit andren Worten: fast 000 Bedienstete haben über 1Ä Stunden Dienst und 170 000, also über die Hälfte der Angestellten, haben einen Dienst von mehr als 10 Stunden, und noch dazu einen Dienst, von dessen sorgfältiger Ausübung so unendlich viel für die Betriebssicherheit abhängt. Auch mit den Ruhetagen des Personals ist es nicht so bestellt, wie es in einem staatlichen Musterbetriebe bestellt sein sollte. In der tabellarischen Uebcrsicht der Denk- schrift sind die dienstfreien Zeiten von weniger als 18 Stunden überhaupt außer Ansatz geblieben. Es wird mitgeteilt, daß die Gesamtzahl der Dienstbefreiungen von mindestens 18stündiger Tauer bei einem Personal von 214 459 Köpfen 705 144 betrugen, davon entfallen 416 014 auf Sonntage. Monatlich einen Ruhetag hatten 13 836. IV2 Ruhetage 24 146, zwei Ruhetage 54 255 und mehr als 2 Ruhetage 117 222 An- gestellte. Gewiß sind in Bezug auf die Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren— wohl hauptsächlich infolge des fortgesetzten Drängens der Presse— schon manche Besserungen erzielt, aber es bleibt noch sehr viel zu thun übrig, ehe die Eisen- bahn-Verwaltung auch nur das Mindestmaß der von einer vernunftgemäßen socialpolitischen Einsicht diktierten Auf- gaben erfüllt. Noch immer ist die Zahl der im Betriebe verunglückten Personen, wenngleich sie gegen das Vorjahr etwas abgenommen hat, erstaunlich hoch. Auf je eine Million Zug- Kilometer verunglückten 1898/99 3,82 Be- dienstetc gegen 4,00 im Jahre vorher und 3,92 im Jahre 1896/97. Im Jahre 1895 96 hingegen betnig diese Zahl 3,53, Es ist also der damalige Stand noch nicht wieder erreicht. Will die Verwaltung etwas zur Hebung der Betriebs- sicherheit thun. so sorge sie vor allem dafür, daß das Personal vor übermäßiger Ausbeutung geschützt wird. Dazu ist aber ein völliger Bruch mit dem bisherigen System nötig. Gelegenheit zu wirksamen Reformen ist ihr gerade jetzt ge- geben, wo sie förmlich im Golde schwimmt. Steht doch dem im Etat vorgesehenen Uebcrschuß von 526 Millionen ein wirklicher Ueberschuß von 536 Millionen gegenüber. Es sind also 10 Millionen mehr erzielt worden, als veranschlagt ist. Freilich wird so lange an eine wirkliche Aenderung des Systems nicht zu denken sein, als man die Eisenbahnen nicht in erster Linie als Verkehrsmittel, sondern als Einnahmequelle für den Staat ansieht. Erst wenn der fiska- tische Standpunkt verlassen wird, wird die Verwaltung wirk- lich etwas für ihre Angestellten thun können. Ein Parlament aber, das in Wahrheit eine Volksvertretung ist, hätte die Aufgabe, der Regierung, die sich selbst ihrer Pflicht nicht be- wüßt zu sein scheint, durch unablässige Kritik den richtigen Weg zu weisen. Von deni Parlament, das aus den Klassen- Wahlen hervorgeht, ist das allerdings nicht zu erwarten. beschäftigte Marine VoMifche MebeLfichk. Berlin, den 2. März. Ter Reichstag sich am Freitag bei der zweiten Beratung des Etats zunächst mit dem Schutzgebiete Kiautschou, dessen klimatische und gesundheitliche Vor- Hältnisse den Abg. Eickhoff bei dem Gehalt deS Staats- sekretärs für die Marine veranlaßten, die Verweisung deS Etats dieses Schutzgebiets an die Bndgetkommission zu verlangen, wogegen sich die rechte Seite des Hauses sträubte. Bei der schwachen Besetzung des Hauses gelang es nun dem die Auszählung in petto haltenden Abgeordneten Richter im Verein mit deni verblüffend schnellen Ueberblicke des Präsi- deuten über die stehenden und sitzenden Mitglieder des Hauses, die Mehrheit für den Antrag zu bekommen. Der eigentliche Marine-Etat erledigte sich ziemlich glatt und ohne größere Debatten. Genosse Singer brachte die Arbciterverhaltnisse auf den kaiserlichen Werften zur Sprache und stellte vor allem ein neues Stück socialer Reform an den Pranger, das auf den Werften eingeführt wurde. An Stelle einer früher üblichen Gratifikation sind seit einiger Zeit Dienst- alicrsznlagen für die Arbeiter auf den Werften eingeführt. Nach fünf Jahren beträgt diese Zulage pro Jahr ganze 6 M., dann steigt die Zulage nach jedem Jahr um 1 M. und erreicht nach 24 Jahren— sage und schreibe— fünfundzwanzig Mark für den Arbeiter, der sich brav wie ein Lämmlein klein Verhalten hat. Da nach Ansicht der Werftverwaltung die Arbeiter aber niit Geld nicht umgehen können, so erhalten die Arbeiter für gewöhnlich diese Zulage gar nicht, sie wandert, das ist das beste an der Sache, nunmehr in eine Zwangssparkgsse, bis die 25 Jahre um sind. Der Staats- sekretär konnte gegen die spöttische Kennzeichnung seiner social- politischen Fürsorge sür die Arbeiter auf den Werften nichts Stichhaltiges vorbringen: doch meinte er ganz resigniert: „Wir haben uns nie gerühmt, daß unsre Betriebe Muster- anstalten sind". Das sind sie ganz gewiß nicht, denn sonst würde man nicht an dem Grundsatze festhalten, ältere, nicht mehr auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit stehende Arbeiter in eine niedrigere Lohnklasse zu versetzen, wofür Abg. Singer einige Fälle angeführt hatte. Von den vielen einzelnen Be- schwerden und Anstagen während der gestrigen Verhandlung sei noch diejenige des Genossen S ch w a r tz- Lübeck erwähnt, der die ungenügende Beschaffenheit eines Peilungsboots bei Ver- Messungsarbeiten anläßlich eines bestimmten Falls bemängelte. Ani Schluß der Sitzung wurde noch eine Resolution des frei- konservativen Abg. Stockmann angenommen, der die Kommunalbesteuerung auf die Reichsbetriebe ausgedehnt wissen will.—_ Der Z?leischtv»cher. Die Bekanntgabe des Rheinbabenschen Geheimerlasses. der zeigt, mit welchen Mitteln man bei uns die Fleisch- Verteuerung zu Gunsten der Agrarier fördert, hat natürlich bei den Agrariern eine ungeheure Wut hervorgerufen. Man ahnt, daß die Veröffentlichung dieses Schriftstücks eS bedeutend erschwert, die„hygienische Komödie" von der Gesnndheitsgefähr- lichkeit der fremden Nahrungsmittel weiter zu spielen. „Kreuz-Zeihing" und„Post" schweigen bisher; sie haben das lösende Wort noch nicht gefunden. Dagegen erklärt die „DeutscheTageszeitung"den Erlaß für„sehr ver- st ä n d i g": „Wer diesen Erlaß liest und dabei erwägt, wie die Amerikaner unsre industrielle Aussuhr mit allen möglichen Mitteln auf das gröblichste chikanieren, ivie sie ferner in Deutschland umher- Ichnüffeln, um einerseits Fabrikanonsgeheimnisse zu erlauschen, andrerseits die deutsche Industrie noch mehr chikanieren zu können, der wird diese Verfügung des früheren Regierungs- Präsidenten für sehr vernünftig, sehr zweckmäßig halten. Man sollte also meinen, daß der Abgeordnete Kunert sie nur zur Sprache gebracht habe, um dem jetzigen Minister dafür zu danken. Aber weit gefehlt! Der genannte Abgeordnete fühlte sich berufen, die Sache der Amerikaner zu führen und die heftigsten Vorwürfe gegen die Regierung zu richten, die nach seiner Meinung die guten, trefflichen,' freundlichen Amerikaner durch solche Verfügungen vor den Kopf stoßen müsse. Ein solcher Bor- gang ist nur ini deutschen Reichstag möglich. Wenn eiwaS Aehn- lichcs im uordamerikanischen Parlament sich ereignete, so ivürden dem betreffenden Redner voraussichtlich die unangenehmsten Dinge passieren." Wenn die„Deutsche Tageszeitung" den Erlaß für sehr verständig hält, so ist nicht begreiflich, warum er sich nur unter der Deckung strenger Vertraulichkeit hervorwagte. Außerdem handelt es sich nicht um die„Erschnüffelung" von Fabrikations-Geheimnissen, sondern um die Aufklärung über die hygienischen Verhältnisse von Vieh, Lebensmitteln und Konsumartikeln. In demselben Augenblick, in dem die Agrarier die Einfuhr von fremdem Fleisch und Vieh zu hintertreiben suchen, indem sie ihre Gesundheitsschädlichkeit und ihre mangel- hafte Kontrolle behaupten, finden sie es sehr verständig, wenn man über die Verhältnisse bei uns dicke Schleier zieht. Unsre Agrarier würden ein hübsches Gezeter anstimmen, wenn sie erführen, daß die Amerikaner die pflichtgemäßen Erkundigungen unsrer Konsuln über die dortigen sanitären Verhältnisse durch amtliche Verfügungen zu hintertreiben suchten! Plumper enthüllt sich der agrarische Grimm in der „Konservativen Korresponden z".„Ein gestohlenes Aktenstück unter dem Schutz der Jnimunität verbreitet", über- schreibt sie ihre Notiz, in der es heißt: „Durch die von der Reichstagslnbüne, also unter dxni Schutz der Immunität, erfolgte Verlesung dieses ohne Zweifel gestohlenen Aktenstücks soll den Amerikanern gedient, soll die a m e r i k a n i s ch e Regiernug gegen die deutsche„scharf" gemacht werden. Derartiges kann nur im deutschen Reichstag geschebe»! Wer wagt es zn leugnen, daß das Auftreten d'eS„Genosicii" Kriucrt gemeingefährlich war, daß es hart an Verrat des Vaterlands' streift? Stelle nian sich aber einmal vor. cs bandte sich nur noch wichtigere, die auSwärlige Politik betreffende Gchciindokumcittc I Glaubt rnaii, die Socialdcmokralie würde sich genieren, solche zu publizieren, wenn es in ihrem Partci-Jntercsse liegt? Man sieht, wie verkehrt es war. den konservativen Antrag ans Bcstrafnng dieser unrecht- mäßigen Publikalioiien abzulehnen." Hart an Landesverrat streifend I Natürlich, wenn sich das Agrariertum als„das Vaterland" fühlt, so sind in der That die Interessen dieses Vaterlandes verraten worden. Das wäre aber ein um �0 größeres Verdienst. Mag auch sein, daß die Amerikaner sich das Aktenstück zu nutze niachen werden. Das schadet aber nichts; denn die Interessen der Amerikaner sind in diesem Falle identisch niit denen des gesamten deutschen konsumierenden Volkes. Tie Veröffentlichung ist also, um in der Sprache der Konservativen zu reden, eine hervorragend nationale That. eine Verteidigung des deutschen Volks gegen die unersättliche Habsucht einer be- sitzenden Minderheit. Uebrigeus müßte eSuach derLogikder„Kons. Korr." zum mindesten Hochverrat sein, daß im englischen Parka- mcnt während eines Krieges Engländer die Gaunereien ihres verantwortlichen Ministers zur Sprache gebracht haben, und zwar auf Grund von Aktenstücken, die zweifellos gestohlen waren! Niemand von unsren Konservativen hat an diesem „hochverräterischen" Gcbahrcn Anstoß genommen. Im Gegen- teil! Gerade unsre reaktionäre Presse hat die„gestohlenen Aktenstücke" mit Wollust abgedruckt! Wenn deutsche Social- demokraten aber in einem wirtschaftlichen Streite aufklärende Enthüllungen über das Verhalten der Regierung bringen, so ist das hart an Landesverrat streifend! Man verschone uns gefälligst mit dem lächerlichen Gerede, als ob es nur in unsrem Parlament vorkommen könnte, Wahrheit und Ehrlichkeit zu verteidigen, während man in andren Parlamenten der Lüge und Heuchelei aus„nationalem Interesse" huldige. Gerade' mngekehrt tväre es zu wünschen, daß im deutscheu Reichstag nur ein wenig der Brauch jener rücksichtslosen Aussprache herrschte, der in England. Frankreich, in den Vereinigten Staaten und in allen Kulturländern als selbstverständlich geübt wird. Die brave„ S t a a t s b ü r g e r- Z c i t u n g", die in ihrer Mittelstandsfreundlichkeit die kleinen Handwerker dem Fleischwucher auszuliefern bereit ist, übertrumpft noch die „Kons. Korresp.": „DaS Ceutralorgan der socialdemokratischcn Partei Deutsch- landS gefällt sich einmal wieder darin, fremde gegen deutsche Interessen anSzuspielen. Das ist zwar bei diesem Partei- Organ nicht überraschend und auch nicht neu; diesmal geschieht es aber doch i» einer so niederträchtigen, landeöverräterische» Weise, daß man dicS Gcbahren nicht streng genug verurteilen kann. Noch verächtlicher, als dies Treiben ist freilich da? der Helfershelfer der „Genossen", da diesen außerdem noch der niedrigste Treubruch und Meineid zur Last fallt. „Der„Vorwärts" veröffentlicht nämlich wieder einmal einen „Geheimen Erlaß" des jetzigen Minister des Innern v. Rheinbabcn als Regierungspräsident von Düsseldorf vom 24. Juli v. I.. der zur Verhütung des Verrats lvirt schaftlicher Interessen u 11 s r e s Landes an das Ausland gegeben lvordcn war. Diesen Erlaß, der als streng vertraulich bezeichnet lvorden, hat irgend ein Lump gestohlen und den„Genossen" zu- gesteckt, und der„Vorlvärts" beeilt sich jetzt, den Verrat, der ver- hütet»verde» sollte, zn begehen,»nid damit den, Anslande Waffen gegen Deutschland in die Hand zn geben. „Diese Handlungslveise charakterisiert sich als eine so empörende, daß jedes»vettere Wort darüber sich erübrigt. Die Socialdcinokratie zeigt hier ihr»vahres Gesicht. Daß' sie die Hehlerei von»i ei»leidigen, pflichtvergessenen L U m P a n g e st o h! e n e r Papiere gewerbsmäßig be- treibt, isl sa eine alte Ersahrrmg. Ihr Haß gegen den Staat sucht nach Befriedigung und scheut, um diesen Zweck zu erreichen, vor keinem Mittel zurück; so erbärmlich, wie hier aber hat sie sich doch kaum noch gezeigt. „Wenn der„Vorwärts" hier den Haß gegen die Agrarier vorschiebt und mit widerlicher Pose vou'der beabsichtigten Verla! ming der Lebensmittel aus Siosteu der Proletarier faselt, so kennzeichnet sich dies um so mehr als eine schlimme Heuchelei, als das soeialdemotratischc Ccntralorgau niemals ein Wort des Tadels gegen den Brot- und Korinvucher der siidischen Jobber und die Ausbeutung des Volks durch jüdische Bampyr- thätigkcit hat." £su ihrer Gier, den Agrariern gefällig zu sein, vergißt die„Staatsbürger-Zeitung" ganz, das Aktenstiick ihren Lesern mitzuteilen und schwindelt von einem im„Vorwärts" veröffentlichten Geheimerlaß„zur Verhütung des Verrats Wirt- schaftlicher Interessen"— die Socialdemokratie hat in der That damit den Verrat wirtschaftlicher Interessen unsres Landes an die Agrarier wenn nicht verhütet, so doch er- fchwcrt!—, während es sich doch mu ein im Reichstag publiziertes Schriftstück handelt. Tic„B e r l. Neuesten Nachrichten" haben Be- denken gegen den Erlaß, dessen„Formuliernng nicht gerade von einer diplomatischen Behandlung der Angelegenheit" zeuge. Weiter meint das Organ der Großindustrie, dem die agrarische Brüskierung Amerikas offenbar unbehaglick) ist, werden dadurch doch die industriellen Interessen geschädigt: „Es wäre von Jnteresic, zn erfahren, ob der Regicnmgs- Präsident zu Düsseldorf zn diesem die internationalen Beziehungen DeiitschlaudS nahe berührenden Erlaß von einem preußischen Ressortchcf, dein Handclsmiuistcr oder dem Miuister dcS Innern, veranlaßt lvorden ist und ob den« betreffendcil Auftrag eine Au- rcgung oder wenigstens ein Mitwisien des Auswärtigen Amts zu Grunde liegt, wie das im Interesse der Einheitlichkeit der Leitung der StaatSgcschäfte als selbstverständlich angesehen lvorden muß." Von prächtigem Humor ist Schweinburg in seinen„Ber- liner Politischen Nachrichten": „Während ain Königsplatz der Socialdemokrat Kunert unter Benutzung eines durch Vecletzimg des AnitsgehciminsscS erlangten Schriftstücks die Jntcrcsscu der Vereinigten Staaten und ihres Fleisch- exporls gegen irnsre Regierniig und Landwirtschaft vertrat, spielte sich im Abgeordnetenhause der polkSpartciliche Abg. Sänger als Advokat sächsischer und brauuschweigischcr Interessen gegen die preußische StaatSbahuverwaltuug auf." Welchen herrlichen Begriff von der deutschen Einheit hat doch der brave Schweinburg. Er stellt das Verbrechen, die Interessen Amerikas wahrzunehmen, auf gleiche Stufe mit der Vertretung sächsischer Interessen gegenüber den Preußischen! Kein Wunder freilich, daß sich in Schwein- burgs Kopf die Begriffe verwirren, pflegt doch sein Herr und Meister Krupp zärtlich die Interessen des Auslands sogar hinsichtlich der Wehrhaftigkcit, indem er ohne Unterschied der Nationalität seine KnegSwaffeu liefert. Die freisinnige Presse kritisiert nach Gebühr die agrarischen Intrigucn, die der Erlaß enthüllt hat, und die„Vossische Zeitung" meint, der Reichstag»verde ein ernstes Wort mit dem Minister Rhcinbabcn reden,„wenn er an die ungeheuer- liche Vorlage tritt,»vclche die Einfuhr von Fleisch vom Jahre tLOS ab verbietet und dainit die Ernährung des Volks in Frage stellt." Heer und Flotte. Unter diesem Titel veröffentlicht der ehemalige Kriegsminister Verdy du Vernois einen Aufsatz im Märzheft der„Preußischen Jahr- dücher", der die Flottcnvorlage in strahlendes Licht setzen soll. Ent- gegen den sonst üblichen Sittel» fügt der Verfasser seinem Namen noch seine militärischen Chargen zn:„General der Infanterie und Chef des Jnfanteric-RcgimentS Graf Schwerin(3. PommcrschcS) Nr. 14", nennt er sich in der Ueberschnft. Wir respektieren diese hervorragenden Qualitäten, wie sich gebührt, aber in der Schrift- stellorei haben sie vorläusig„nix to seggcn". Da kommt es in erster Reihe ans Logik an, in der man gar nicht beschlagen zn sein braucht, auch wenn man„General der Infanterie" und selbst „Chef des Jnfanterie-RegimentS Graf Schwerin(3. Ponnnerschcs) Ar. 14" ist. lieber die volkswirtschaftlichen Betrachtungen,»vomit der Herr General beginnt, gehen»vir mit»vohlwollendcr Schonung himvcg. Sein gesperrt gedruckter Satz:„Wer Wellpolitik treiben»vill. muß auch die Kraft dazu haben." erinnert an Onkel BräsigS tiefsinnige Behauptung, daß die große Armut von der großen Powcrthe kommt. Immerhin würde Onkel'Bräsig bei dem bescheidenen Maß seiner Einsicht in die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge doch begreifen können, daß die große Weltpolitik von dem großem Reichtum und nicht von der großen Kriegsflotte kommt, die wirklich ganz un- schuldig an der bedeutsamsten Thatsache der deutschen Wellpolitik ist, der Thatsache nämlich, daß die deutsche Industrie vou ihren ganz unscheinbaren Anfängen in der Mitte der dreißiger Jahre sich bis zur Mitte der siebziger die zivcite Stelle auf dem Weltmarkt erobert hat. Der Herr General lviirde das nicht verstehen, und so be- schränken wir uns auf die AuSfiihmiigen, die er als Mann vom militärischen Metier macht. Er bezieht sich namentlich auf den dänischen Krieg von 1864 und den französischen Krieg von 1870/71, um die Notwendigkeit einer großen Flotte zu beweisen. Nach seiner Behauptung hätte 1864 der dänische Krieg in wenigen Tagen beendet»Verden können.»venu „»vir" eine zulängliche Kraft zur See gehabt halten: nnn habe er mehrere Monate gelvährt, gewaltige Opfer erfordert und durch seine Länge mehr als einmal die Gefahr eines bewaffneten Eingreifens andrer Mächte hcraufbeschivorcn. Der Herr General beliebt die Dinge von ihren Füßen auf ihren Kops zu stellen. Die Thatsache, daß nicht militärische oder maritime, sondern diplomatische Schwierig- leiten die Länge deS dänischen Kriegs verursacht haben. ziert den distorischen Wissensschatz jedes Primaners. Der Herr General hätte sich nur erinnern sollen, daß selbst im Jahre 1648 die vou den Barrikadenkämpfern aus Berlin verjagten Gardetruppen unter dem LefehldeS unfähigen GamaschenknopfsWrangel die dänische Macht sofort niederwarfen, ohne daß Preußen auch nur ein Kanonenboot besaß, aber daß diese militärischen Erfolge an dem diplomatischeii Einsprüche namentlich Englands und Rußlands scheiterten. Was die „zulängliche Kraft zur See" dabei zu lhnn hatte, zeigte dann im Frühjahr 1349 der Tag von Eckernförde, wo zwei erbärmliche Schanzen, mit 10 Kanonen und 02 Mann schlcslvig- holsteinschcn Truppen besetzt, eine dänische Kriegsflotte von 5 oder 6 Schiffen nicht nur abwehrten, sondern deren größte Schiffe, das Linienschiff Christian V. mit 84 Kanonen und die Fregatte Gefiou mit S8 Kanonen, sogar zur Kapitulation zwangen. Wie 1848. so verschuldete auch 1864 die Eifersucht andrer Großmachte die Schivierig- keit des dänischen Fcldzugs. Wir halten, von andern. noch weit glaubwürdigeren Bciveiscn abgesehen, in diesem Punkt sogar die Denklvürdigkeiten Bismarcks für glaubwürdiger, als die Phantasien des Herrn Generals Vcrdy du Vernois. Sein ganze Argumentation .bricht schon an der ziffernmäßigen Thatsache zusammen, daß die östreichisch- preußische Flotte im Jahre 1864 der dänischen Flotte mindesten? gewachsen war. Noch höher schwingt sich die Phantasie dcS Herrn Generals in seinen Bcirachumgen über den französischen Krieg von 1870/71 auf. ES ziert abermals den historischen Wissensschatz jedes Primaners, daß Frankreich damals eine kolossal überlegene Kriegsflotte besaß, aber damit nichts, rein gar nichts au-gerichtet, vielmehr sich selbst geschädigt hat, indem sein Versuch, eine große Aktion zu Lande und zu Wasser zu führen, nur zu einer verhängnisvollen Zersplitterung seiner Kräfte führte. Der Herr General meint nun: das ist schon richtig, aber Iva? hätte die französische Kriegsflotte nicht alles aus- gerichtet, iveim sie nicht„durch- gänzlich unzureichende Vorbereitung, llnklarheit in den Absichten, Wechsel und Widersprüche in den Be- fehlen" gelähmt lvorden»väre. Mit demselben Rechte könnte der Herr General beweisen, daß die Fricdericianische Kriegführung der napoleomschcn Kriegführung unendlich überlegen sei. Würde mau darauf himvciseu. daß die friedericianischcn Korporale bei Jena von den napolconischcn Generalen doch gottserbärmlich zugerichtet worden seien, so»vürde er antworten: Ja. das wäre umgekehrt gekommen, »venu die preußischen Junker bei Jena nicht durch„gänzlich uu- zureichende Vorbereitung. Iliiklarhcit in den Absichten, Wechsel inid Widersprüchen in den Befehlen" gelähmt gelocsen lvärcn. Wenn man vou allen historisch entscheidenden Thatsachcn absieht, kann man freilich das Blaue vom Himmel henuiterbeiveiseu. Ein Glück für Herrn Berdy du Vernois, daß Logik und Wissenschaft beim militärischen Avancement nicht das entscheidende Wort sprechen:»vir hätten sonst nicht die Freude, ihn als„General der Infanterie" und gar noch als„Chef des Jnfanterie-RegimentS Graf Schwerin(3. PommcrschcS) Nr. 14" unter uns zu sehen.— Das preußische AbgeordiletenhauS setzte am Freitag die zweite Beratung des Eise»bahn- Etats fort. Die Debatte verlor sich in Einzelheiten. Von der Reform der Personcntarife tvar kaum mehr die Rede. Ilm so ausführlicher lvurde über dieAusirahmetarifefürKohlcusonduugen nach dem Auslände verhandelt. Von verschiedenen Seiten lvurde angesichts der Kohlcimot im Jnlande ihre Aufhebung gefordert. Minister»i. Thielen teilte mit. daß die Kohlenlicferön'tcn zwar augenblicklich an Verträge mit ausländischen Firmen gebunden wären, daß sie sich aber bereit erklärt hätten, nach Ablauf dieser Verträge die Kohlen nicht mehr zu billigeren Preisen ins Ausland zu liefern. Eine große Rolle in den Verhandlungen spielte die Kanalfragc. Neue Gesichtspunkte wurden dabei weder von den Anhängern noch von den agrarischen Gegnern ins Treffen geführt. Noch wurden eine Reihe Loke.livünschc vorgetragen, dann lvurde die Wcitcrberatniig auf Sonnabend vertagt.— «v* Deutsches Zieich. Deutsche Wcltpolitik. Wir haben kürzlich die schönen Worte des Philosophen Fichie über den deutschen Weltbcrnf angeführt, ll n wissende oder unehrliche Leute haben uns nun zu belehren gesucht, daß ja Fichte zlvar iu seinen älteren Schriften derlei Gedanken geäußert, daß er sich dann aber unter dem Eindruck der Napoleomschcn Gclvalihcrrschaft gründlich vom Weltbürger zum Nationalen belehrt habe. Das ist eine Fälschung der Thatsacheii. Uchtes Weltbürgertum fließt aus derselben revolutionären Ge- sinnung wie sein Nationalismus, sie sind nicht Widersprüche, sondern notwendige Ergänzungen, gleich»vie die französischen Weltbürger der großen Revolution, die der Welt die Freiheit zu votieren gedachten, sich mit dem Ehrentitel„Patrioten" vezeichuctcu. Dieser Fichtcschc heldenhafte und gefahrvolle Nationalismus aber hat nichts z» th»n mit dem profitablen byzantinischen Chauvinismus der SchueidigkeitSgigerl vou heute. Es war eine revoluriouärc That und zugicich ei» Ausfluß seiner ivcltbiirgcrlicheu Gesinnung, daß Fichte iu einer Zeit, Ivo sich die gänzlich unnaiioualcn Fürsten, die feige und lüdcrliche Junkerschaft, das auslandsservilc Bürgertum mit Napoleons Gewaltherrschaft schnell abfanden,— daß dieser tapfere Denker da- Recht der natioualcir Sclbstbestiinmuiig zu solcher Zeit iu stürmisch aufreizende» Worten verteidigte. Gerade»vir„anti- nationalen" Socialdemokratcu verteidigen ja auch jetzt, ganz im Sinne de-- Weltbürgers Fichte, gegenüber unsren After Nationalen das nationale Recht der Polen, das unsre Chauvinisten gewaltsam zu b recken suchen. Tie deutschen Freiheitskriege waren überhaupt im Geist ihrer idealistischcu Teilnehmer nicht nur und nicht hauptsächlich ein Mittel zur Zertrümmerung der anstvörtigen Fremdherrschaft, sondern mau strebte vor allem, das Joch der inneren Fremdherrschaft zu brechen: die freie einige deutsche Republik, das»vor das Ideal jener nationale» Umstürzler, auf die sich die strebsamen Herrlein von heute zu Unrecht berufen. Er habe den Jakobiner spielen müssen, seufzte ja gelegentlich Friedrich Wilhelm III. Wie wenig aber Fichte im Sinn der heutige» Welipoliiiker „national"»oar. das zeigen gerade auch die„Reden au die deutsche Nation", die zum Freiheitskrieg aufriefen. Dieser„Nationale"— übrigens aitch ein g e m a tz r e'g e l t er Gelehrter— weiß nichts vou blödem Byzmltiiiertnnr. In seinen„Reden an die deutsche Nation" beschwört er die Fürsten Deutschlands: „Diejenigen, die euch gegenüber so thnn, als ob man euch gar nichts sagen dürfte oder zu sagen hätte. sindZ verächtlicbc Schmeichler, sie sind arge Verleumder eurer selbst; weiset sie weit weg von euch. Die Wahrheit ist, daß ihr eben so unwissend gc- boren werdet, als wir andern alle, und daß ihr hören müßt und lernen, gleich»vie auch»vir.»veiin ihr herauskommen sollt aus dieser natürlichen Unwissenheit." Und fordert Fichte' die nationale Selbstbestimmnng. um die Welt unter deutsche Knechtschaft zu bringen? Am Schluß seiner Reden ruft Fichte aus: „CS beschwöret euch selbst das Ausland, niwiescr» dasselbe nur noch im miudesten sich selbst versteht, und noch ein Auge hat für seinen»vahren Vorteil. Ja, es gicbr noch unter allen Völkern Ge- müter, die noch immer nicht glaube» können, daß die großen Verheisjunge»» eines Reichs dcS Rechts, der Vermmft und der' Wahrheit au das Menschengeschlecht, eitel und ein lecrcS Trugbild feien, und die daher an- uehinen, daß die gegenivärtige eiserne Zeit nur ein Durchgang fei zu einem bessern Zustande. Diese, und in ihnen die gesamte »euere Menschheit, rechnet auf euch." Mau sieht, auch der„nationale" Fichte ist und bleibt»vcltbürger- sicher Idealist, er»vill das Deutschtum befreien, um es ftci für seinen»v eltbürgerlichen Beruf zu machen. Wie fremd aber Fichte dem»vcltpositischcn Unfug der heutigen Mode gewesen ist. das zeigen abermals»vichtige Ausführungen seiner„Reden an die deutsche Nation". Fichte lehrte bciänntlich den „geschlossenen Handelsstaat", d. h. eine sociattstische Gesellschaft auf nationaler Grundlage. Wir brauchen das Utopische dieses Gedankens nicht hervorzuheben, nachweisen»vollen»vir nur, daß Fichte auch iu 'einem„nationalsten" Werl der edle Weltbürger blieb, dem es ein Abscheu»var und eine Schändung des deutschen Wesens, mit Kriegs- schiffen die Welt erobern zu»vollen. In seiner dreizehnten Rede an die deutsche Nation sagt Fichte: „Eben so fremd ist dem Deutschen die in unfern Tagen so häufig gepredigte Freiheit der Meere; ob nun»virklich diese Freiheit oder bloß das Vermögen, daß man selbst alle andren von derselben ausschließen könne, beabsichtigt»verde. Jahr- hunderte hindurch,»vährend des Wetteifers aller andren Rationen, hat der Deutsche wenig Begierde gezeigt, au derselben in einem ausgedehnten Maße teil zu nehmen, und er wird eS nie. Auch bedarf er derselben nicht. Sein reichlich aus- gestattetes Land und sein Fleiß gelvährt ihm alles, deffcn der gebildete Mensch zum Leben bedarf; an Kunstfertigkeit, dasselbe für den Zweck zu verarbeiten, gebricht e- ihm auch nicht; und um den einige» wahrhaften Gewinn, den der Welthandel mit sich führt, die Erweiterung der wissen- schastlichcn Kenntnis der Erde und ihrer Bewohner an sich zu bringen, wird es sein eigner wiffenschastlichcr Geist ihm nicht an einem Tanschmittel fehle» lasten.— O möchte doch nur de» Drntscheu sein günstiges Geschick eben so vor dem mittelbaren Anteile an der Beute der a»idern Welt bewahrt haben,»vie es ihn vor dem unmittelbaren beivahrte! Möchte Leichtglnnbigieit und die Sucht, auch sei»» und vornehm zn leben. »vie die andren Völker, uns nicht dir cnibehrlichen Waren. die in fremden Welten erzeugt werden, zum Bedürfnisse ge- macht haben; möchten wir in Absicht der»vcnigcr entbehr- lichcu lieber unsrem freien Mitbürger erträgliche Be- dingimgr» haben machen, als von dem Schweiß und Blut eiueö armen Sklaven jenseits der Meere Gewinn ziehen zu »vollen: so hätten wir wenigstens nicht selbst den Vorwand gc- lieftri zu unsrem dermaligen Schicksal' und tviirden nicht bc- kriegt, als Abiäufcr und zu Grunde gerichtet, als ein Markt- platz. Fast vor einem Jahrzehnt. ehe irgend jemand voraussehen konnte. was seitdem sich ereignet, ist den Deutschen geraten lvorden, vom Weltbandel sich unabhängig zu machen und als Handelsstaat sich zu schließen. Dieser Vorschlag verstieß gegen unsre Gcwöhuuiigen, besonders aber gegen unsre abgöttische Verehrung der ausgeprägte»» Metalle und wurde leidenschaftlich angefeindet und beiseite geschoben. Seitdem lernen»vir, wie durch fremde Gewalt genötigt, und mit Unehre, das, und noch»veit mehr. entbehren, ivas tvir damals mit Freiheit und zu.unsrer höchsten Ehre»ncht entbehren zu können versicherten." Ficbte spricht dann weiter von dem„schwindelnden Lehrgebäude über Welthandel und Fabrikation." So verwarf dieser strenge Nationale den Gedanken der heute gepredigten Welipolitik mit aller Schärfe. Man verteidige also die Wcltpolitik des Panzerschiffs mit so viel Gründen wie man will— aber man verzichte endlich darauf, sie au!„nationalen Empfin- düngen" zu verteidige»». Der nationale deutiche Gedanke in seiner Rcinheit widerstrebt dieser Barbarei; des ist der Philosoph des Deutschtums, Fichte, Zeuge.— Rickelstahl- Panzerplatte» für das A»iöland. Die„ Frank». Ztg." wirst die Frage auf.. ob es richtig ist, daß die ausländischen Palente für die Erzeugung der Nickelstahl-Pauzer- platten, die bei dem KriegSschiffsbai» eine sehr ivichlige und preis- teuerndc Rolle spielen, von Krupp»md Stunun auch au das mit u»S konkurrierende Ausland verkauft lvorden seien. So viel»vir in Erfahrung bringen koimten, wird das Kruppsche Fabrikations- verfahren allerdings an Firmen ausländischer Staaten ver- kauft und für' die Zivecke der Kriegsmarine diesir Staaten oiigewaudt. In cii»en: Fall ist diese käufliche Ucberlaff'ung des Benutzungsrechts au das Ausland sogar bekannt und als ein Truunph de? deutschen Ersindiuigsgeistes gerühmt worden. Vor dem Krllppschcn Verfahren wurden die Nickclstahl- Panzerplatte»»ach einen» Princip des AmcritäiierS Harvelz her- gestellt, der den sogenamitcn Eementätionsprozeß zur Amveudung brachte. Die Nickelstahl-Panzcrplatte ist überhaupt amerikanischen Ursprungs. Als man Ende der achtziger Jahre in den Bereinigten Staaten dazu überging, das zum Kriegsschiffbau iioi wendige Material im eignen Lande herzustellen. machte man die Entdeckung, daß eil» Zusatz, von Nickel die Widerstands.- sähigkci: des Stahls bis zu 20 Prozent erhöhe. Die Versuche»vam» indes überaus kostspielig und nur dem Verfahren Harve»)-? tvar eL zu verdanken, die Entdeckmig praktisch vcrloendbar zu machen. Aber auch das Hcywcysche Verfahren hatte noch den Fehler großer Lang- »uicrigkcit. Da kenn Krupp mit semcn» technisch allerdings bc- wimdcrnSlvcrtei» Verfahren, das namentlich auch die Folge hatte, daß da- Gelaicht der Panzerplatte von 40 auf 23 bis höchstens 30 Tonnen bei gleichzeiriger Steigerung der Wider- ftandsfähigkeit reducicrt lverden konnte.. Das Benutzungsrecht auf diese- Kruppsche Verfahren wurde im Jahre 1893 von den beläiiutei» auierikanischen Carnegie--stahllvcrken er- »vorbei», und in Amerika gegen das bisher übliche Harvc»?- Verfahren ausgenützt. Das amerikanische Marilledeparteinent weigerte sich erst, Versuche mit Platten uach dem Kruppschen Ver- fahren aufzunehmen, schl»eßl»ck> beynemte es sich aber doch zu ballistischen Versuchen ans den» Marine-Schießplatz zu Jiidianhcad. deren Resultat»var, daß für den ainerikanisckei» Kriegsschiffbau das Kruppsche Verfahren nnnmehr ougeivendet wird. Außer diesem in der iveitereu Ocsseiitlichkcit bekam»! gewordenen Fall sollen aber auch uock andre Staaten das Versabre» erworben haben. unter andern»»ehr frühe schon Rußland. Dort sind es die Jschorscheir Admiralitätswerke in Kolpino, die die Panzerplatten nach den» Kruppschen Verfahren herstellen, nachdem diesbezügliche Versuche glänzend ausgefallen»varen. Auf Grund dieser beiden hier n»it- gcteUlen Fälle dürste die Bcai»twortiing der vou der„Franksiirter Zeit, mg" anfgesiellteu Frage dahin möglich sein, daß die Firma Krupp ihr Verfahren zur Herstellung von Rickelstahl-Panzerplatte!» thmsächlich an das Ausland verkauft hat. Zur Würdigung dieses eiacnarsigei» Verhaltens verlieren»vir kein Wort weiter,»»achden» »vir den Geschäftspatriotismus der Flottenmteressentcu und au ihrer Spitze ganz besonders der Firma Krupp schon wiederholt hinlänglich gekennzeichnet haben.—_ Entsetzliches vou Karl PctcrS. Der erste Anreger der beut- scheu Wcltpvlitik. der sriiheste Kündcr unsrer Kolonialherrlichkeit, der Floltenapostel, lauge vor dem jetzigen Stummel der Urheber der alldeutschen Bewegung, der uach Bismarck zweitgrößte Deutsche, der einstige Abgott unsrer Studenten— lnrz Karl PcterS, der Fraueinilörder und glückliche Besitzer eines anSgiebigcn Tropeirkollers »vill— furchtbar zu sagen!— nichts von den Boeren wisicn. In einem Briefe an die„Pall SNall Gazette" protestiert Peters gegen die Behauptung, daß alle Deutschen in der südafrikanischen Frage auf feite der Boeren stehen.„Ich erlaube inir zu bemerke»»", schreibt er.„daß nicht bloß viele meiner LaudSleute dahein», sondern auch viele Deutsche iu Südafrika(auch die Schüller au Schulter nrit bei» Boeren fechtenden), wie ich in der Lage bin. zu belveisen, und maiiche von den leitenden deutschen Staatsmännern die Anschaunugen der Engländer in der Boercufrage teilen. Ich bin überzeugt, daß die stritte und »vohlivollcnde Neutralität des deutschen Kaisers viel dazu bei- getragen bat. England in der gegenwärtigen Krisis kontinentale Ver- Wicklungen zu ersparen, die andre Mächte gerne über das Land gebracht hätten. In Deutschland repräsentiert der Kaiser die Nation in ihren internationalen Beziehungen. Ich möchte mir deshalb die Bemerkung erlaube», daß Ihre LandSIeute auf die Meinungen c i i» z e I»i c r nicht zu großes Ge»vicht legen, sondern Deutschlands Standpunkt aus seiner offiziellen Politik beurteilen sollten. Es»väre schade,»veun eine ernste Entftemdnng der beiden verivandten Nationen die Folge des gegenwärtigen Krieges wäre." Tie„Deutsche Tageszeitung" nennt ihren teuren Liebling von neulich entrüstet einen„Engländer". Aber lvas»vill sie? Erstens steht PeterS in engsischeu Diensten, pfeift also ihr Lied. ZiveitenS ist er eben Imperialist, d. h. er vertritt dieselben lvcltposilischen Gedanken»vie unsre Flottcnschivärmer. deren Boeren- freundlichkeit ganz unlogisck) ist. Und drittens hält PeterS cS für alle Fälle geraten, sich mit den dentschen Machthaber,» gut zu stellen. die bekanntlich im Gegensatz zum Jahre 1896 heute auch nichts Iveniger als bocrenfanatisch sind.— Landlvirtschast und Flotte. Tic wachsende Mißstimmung »vidcr das Flottcnwese», die auS den ländlichen Bezirken heraus- bricht,»vird der Regierung allgemach bedenklich. Die„Berliner Korrespondenz" bringt eine Alnviegelmigsnotiz: Bei Einbringung der Flottenvorlage habe die Frage der Lebensmittel- einfuhr leine Rolle gespielt; diese Frage habe mit der ganzen Flottenfrage nicht das»nilidestc zu thim; die Freunde der Marine- bstmiHrttng würden badet gut thun, für die Femdaltung dieses Moments Sorge zu tragen. Ja. was' solle» denn die Freunde der Marinevermehrung den Leuten alsdann noch vormachen'{ Die Gefahr der Blockade, durch welche die Küste gesperrt und die nötigen Lebensnüttel ferngehalten werden würden, so datz die Deutschen millionenweise verhungern müßten— das war und ist doch das Haupt- und Cbcrgespaist, mit dem man die Bevölkerung zur Marinebcgcisterung zu erschrecken versucht. In den Flugblättern des Flottenvcreins, in den Broschüren. mit denen man das Land überschwemmte, spielte stets die drohende Abschneidung der Nahrungsmittelzuiubr die erste Rolle. Nun soll dem Flottenspektakel das' lauteste Instrument genommen werden, da es den agrarischen Ohren nicht angenehm klingt. Arme Flottenprofessoren l Und die Regierung selbst will das AuZhungcrungSargument niemals benutzt haben. Aber in der Denkschrift über dic'estcigernng misrer See-Interessen finden sich ansehnliche Tabellen, die den Um- fang der überseeischen Ausfuhr und Einfuhr von Weizen, Roggen, Gerste, Fleisch:c. darstellen. Ja. wozu denn das alles, wenn die Verhinderung der Einfuhr dieser Waren gar keine Bedeutung in der Begründimg der Flottenvorlage haben sollte? Die Regierung mag jetzt noch so eifrig abwiegeln. Die länd- liche Bevölkerung wird gegenüber der Marine- und Wellpolitik in stets wachsendem Mißtrauen verharren. Da nützen die Flunkereien des offiziösen Organs nicht»; man kann nicht den Uebcrsecvcrkchr vermittelst Marmerüstlwgcn fördern und zugleich die agrarischen Wünsche befriedigen. Die ivtllcnöciuigc» Fürsten. Mit einem recht verständigen Schreiben hat� der Fürst von Neust ä. L. seine Ablehnung der Flotten- Vorlage begründet. Auf eine Anzeige des Fürsten zu Wied von der Gründung und den Bestrebungen deS„Deutschen Flotten- Vereins" ist die folgende.Autwort ergangen: Euer Durchlaucht sehr geschätztes Schreiben vom 25. d. MtZ habe ich die Ehre gehabt zu empfangen. Bei eingehender Er- wägung der sehr gefälligen Mitteilungen Eurer Durchlaucht über die Bestrebungen des„D c u l ich c n F l o t t e n u e r e i» s" und in ernster Würdigung der Bedeutung und Wichtigkeit der Kriegsflotte des Deutschen Reichs kann ich die großen Gefahren nicht außer acht lassen, welche eine immer weitere Steigerung der finanziellen Lasten durch fortgesetzte Rüstungen für das allgemeine Voltswohl im Gefolge haben muß. und Versicherung weiner vollkommenstcu Hochachtung zu erneuern, ver- bleibe ich Eurer Durchlaucht ergebener Vetter Heinrich XXII. Burgk, 23. Oktober 1830. Reust ist ein schuldenfreier Staat und will. Ivas man begreifen kann, auch ferner schuldenfrei bleiben. Daher die Abneigung gegen die Milliardenflotte. Wir glauben, daß auch andre Eiuzelstaateii ähnliche finanzielle Bedenken haben; sie wagen sie nur nicht auszusprechen.— Floticnlatei». Man hat gemeint, die famose Ucbcrsetznng des Wenckstcivtz'chen Marinecitat»: Gisracarua feljx— Wülielmus faustus rühre von dem Redactcur der amtliche» Mitteilungen des Flotten Vereins her. Diese Annahme ist ein Raub an dem' geistigen Eigen- tum des Herrn v. Wenckstcrn. der vielmehr selbst die Uebersetzung „das glückliche Deutschland und Wilhelm der Faust" ersonnen hat.' In seiner neuesten, wundersam verrückte» Flottcnbroschüre heißt es Seite öl: ES giebt für Deutschland nur ein Eirtweder— Oder. Ent- weder folgt es der Voraussicht seiner leitenden Männer und ver- bündeten Regierungen, und wir sehen in der Zukunft ein starkes, blühendes Deutschland, in welchem unter gesickiertem Frieden es auch gelingen wird, die so viel schwierigeren socialen Fragen in sriedlicheiii Wettstreit in Parlament und bürgerlichem Leben bc- friedigenderen Gestaltungen entgegenzuführen. Oder cS verschließt sich der Voraussicht, und der grimme Speer Hägens wird in kürzester Frist in seine Schulter dringen, Dentschland zum Tummelplatz fremder Waren szn deren„Schutz" soll ja gerade die Schlachtflotte geschaffen werden. Red. d.„Vorw."), fremder wirtschaftlicher Principicn, schließlich fremden Rechts, fremder Verwaltung, fremder Sprache, fremder Nationen werden. Tie Schaffung der Scegewalt ist in Deutschland die Vcrkörpc- rnug der Fausttscheu Lcbcnoidealc. Ju diesem Zusammenhang folgt dann der küchenlateinische Spruch und seine flottenlateimsche Uebersetzung. Der Fritz Tintcnkler der Uebersetznng will also sagen, daß Wilhelm II. das Faustische Ideal und den Titanen Faust verkörpere. Und dieser Mann erwirbt aller- dings in den Tagen des Falls Arons damit den BcfähigungS- Nachweis, die jungen Leute, welche sich der Berliner Universität an- vertrauen,„zum Eintritt in die verschiedenen Zweige dcS höheren Staats- und KirchendicnsteS tüchtig zu machen". Aber Herr v. Wenckstern mag sich vorsehe», daß er nicht vor lieber- maß des BhzantinismuS zum— MajestätSbclcidiger werde. Es wird dem deutschen christgläubigcn Kaiser schwerlich willkommen sein, mit dem gott- und sittenlosen Himinelsstürnier und mit dem Helden einer Dichtung verglichen zu tverden, �dcr ganz bedenklich wider die iez Heinze frebelt.— Eine internationale Flottenschnu ist während der Pariser WeltanSstellung in einem französischen Hafen geplant. Wi?. dem„Lokal-Äiizciger" gemeldet wird, entsendet Deutschland dazu ein Geschwader, bestehend aus dem großen Kreuzer„Fürst Bismarck" sowie den Linienschiffen„Kaiser Wilhelm II." und„Kaiser Friedrich III." Ist die Nachricht richtig, so werden wohl auch Rußland und England einige Panzerschiffe entsenden. Das wird eine originelle Illustration zu den friedlichen und kulturellen Zielen der Weltausstellung abgeben.— Wasserscheue Studenten. Ter von den Vertretern aller Fa- kultäten der deutschen Universitäten an ihre Kommilitonen gerichtete Aufruf zum Beitritt in den. Fl ottcnau-s bau-Verein deutscher Studenten" hat bei den Studierenden der B r e S- lauer Universität gar keinen Anklang gefunden. Trotzdem derselbe vierzehn Tage lang am„Schivarzcu Brett" ousgchangen und die Liste zum Einzeichnen der Beitrittserklärung ebenso lange im Sekretariat ausgelegen hat, haben sich, der„Bresl. Ztg." zufolge, nur z w c i I u r i st e n entschließen können, al-Z Mitglieder beizutreten. Trotz Sombart!— Der dritte Band der Bismarck- Memoiren soll nach der »Boss. Ztg."„demnächst" erscheinen.— Christliche Gottlosigkeit. Das königl.„Dresdener Journal", das sich laut gerichtlicher Entscheidung beamteter Redacteure er- freut, bringt solgeuden Nachruf: „Am 9. d. MtS. verschied der langjährige Vorstand ansres (5. Kreise», Herr v. E. Derselbe hat den Interessen deS Vereins alle Zeit mit hingebender Treue und hohem Verständnis gedient. Waidmaimsdank folgt ihm in die ewigen I a g d g r ü n d e. Dresden, den 13. Februar 1999. Der Landesverein Königreich Sachsen im allgemeinen deutschen Jagdschutzverein." Was für ein indianisches. Heidentum im christlich- frommen Sachsen!— ülus Schlesien wird uns geschrieben: Dieser Tage starb der Schneidermeister Franz Schmidt in Ebersdorf, Kreis Neurode in Scblcsteu.«chmidt war Mitglied des Militärvereins und deshalb wollte, wie üblich, dieser Verein auch die Beerdigung über- nehmen. Alle» war schon in Ordnung gebracht, als aus einmal gegen die Beteiligung des Militärvereins' Einspruch erhoben lvurdc von. einer schönen Seele, der e» tränkte, daß Schmidt einmal von socialdemokratischcr Seite eine Unterstützung erhalten hatte. Der Militärverein beteiligte sich mm nicht an der Beerdigung. Der Wer- storbcne wird deshalb ebenso gut ruhen, aber bezeichnend ist es doch daß der Haß gegen alles So'cialdcmokratische noch über den Tod hinaus geht. Im Landtag von Sachseu-Weimar hatte der von den Agrariern gestellte Antrag um Beseitigung der Grund- stcucr insoweit Erfolg, als' beschlossen wurde, vom 1. Januar 1991 ab den vierten Teil derselben nicht mehr zu erheben, und soll die Regierung bei Ncuansstcllung de» Etats eine weitere Verminderung berücksichtigen. Der Abg. Bandcrt sprach sich für gänzliche Auf- Hebung der Grimdsteucr an» und enipfahl den dadurch entstehenden Ausfall in der Staatskasse dadurch zu decken, daß die höheren Ein- kommen zu einer stärkeren progressiven direkten Steuer herangezogen würden.— Steuerreform in Württemberg. Stuttgart, 2. März. In der heutigen Sitzung der Stenerkonunission der K a m in c r der Abgeordneten, welche sich mit dem Gesctzentivurf betreffend das'Verbot der Malzsurrogate und einer anderweitigen Progression der Malzsteuer befaßte, beantwortete der Finaiizministcr v. Zeh er eine Frage, ob die im Frühjahr 1891 gescheiterte, dann aber wieder von der Abgeordnetenkammer verlangte Reform der direkten Steuern mm dem gegenwärtigen Landtag vorgelegt werde und sagte, diese Frage sei entgegen gewissen Meldungen' in württem- bergischen Blättern nach dem letzten Beschluß der Abgeordneten- kammcr von den beteiligten Ministerien sofort�cnergisch in Angriff genommen worden. Gegenwärtig liege die Sache beim Gesamt- StaatSministcrium. das seine Entschließung unter eingehender Er- wägung der einschlägigen Gesichtspunkte, namentlich auch des Fort- gaiigs der sonstigen Arbeiten des Landtags, treffen werde. Vom Strastburgcr Karneval. �Ucbcr die Faschingstage hat sich die kaiserliche Polizeidirektion zu«traßburg i E. neben der Beschlagnahme einer durchaus harmlosen Karnevalszeitung»och durch eine andre staotsretterische That hcrvorgcthau. Sie verbot, daß ein in de» Boercnsarbc» rot-wciß-blau-grii» ausgeschlagener Wage» in dem in Straßburg arrangierten Karuevalzuge mitgoführt »verde. E» wäre in der That auch' eine bittere Ironie, wenn man im Neichslaude mit den Färben eine» freien Volks demonstrieren wollte. Auch der Aufzug- eine» Trupps gefangeucr Engländer, eskortiert von einer Boerenabteilmig, verfiel der polizeilichen Censur. Dagegen stieß die Darstcllmig der Haag er Friedens- konferonz, die sich in der Vertilgung von Sekt übte, und dem versammeltet! Volte eine riesige Lydditaranate nebst Dnm-Dum- Geschossen als wichtigste Erningciischaftcn ihrer Verhandlungen präsentierte, merkwürdigerweise aus keinen behördlichen Widerstand. Prinz Heinrichs Reden. In Hamburg hat der Bruder des Kaisers weitere Reden gehalten. Auf eine Ansprache des Senators Lehmann sagte er u. a.: „Eure Magnificcnz hatten die Güte, des Wahlspruchs de» preustischen Königshauses„Sinim cuiquc" zu gedenken. Ich möchte den Gedanken verallgemeinern, welchen auch Euro Magnificenz ausdrückten, daß die Kriegsflotte sowohl als auch das ganze Heer und unsre Marine immer gern für die Interessen des gesamten Vaterland» thätig gewesen' sind. Es ist dies die Pflicht und zu- gleich der Stolz der kaiserlichen Marine. Die Erwägung, ob die Kriegsflagge der Handelsflagge oder die Handelsflagge der Kriegs- flagge vorangehe, ist für mich stets von mitergeordnetcr Bedeutung gewesen. Sie sind beide für einander da und beide haben sich daheiiii und im Auslände immer verstände». Sie dienen beide im gleichen Maße Kaiser und Reick. Mit großer Freude habe ich im Auslände gelveilt und die Landsleute dort begrüßt. Freilich sind ja n i ch t a I l c. d i e d r a u ß e n s i n d, H a m b ur g e r. es sind aber«iieiidlich viele und ich darf Jhneit wohl sagen, daß ich Ihnen und den Deutschen da draußen im Auslände vieles verdanke, daß ich vieles gesehen und gelernt habe. Mich indessen trifft kein Verdienst, sondern wir sind das Werkzeug eines höheren Willens, der uns alle geführt und der nuS Soldaten gebietet und ivir thun Uli sie Pflicht mit Freuden, Sie wie ich. meine Herren". Da in der gestern veröffentlichen Rede sich der Prinz als das „Werkzeug" des Kaisers' bezeichnet hat, bezieht sich' also auch der „höhere Willen" auf den Kaiser.— Calbe-Ascherökcbc». Das amtliche Wahlresultat lautet: Bei der am 29. Februar stattgehabten Reickstags-Ersatzwahl wurden im ganzen 37 49t Stimmen' abgegeben. Davon erhielten Kaufmann Placke-Aken siiatl.s 19 224 und Schriftsteller und Stadtverordneter Albcit Schmidt-Magdeburg(Soe.) 17 929 Stimmen. Eutgcgnuug. Durch die Presse macht eine Erklärung die Runde, die ein Herr v. Rathusiiis-Himdisbiirg, ivie verlautet ein Rittergutsbesitzer, in der „Magdeb. Ztg." veröffentlicht hat. Danach soll ich in der ReichStagSsitzmig vom 6. Februar folgende» geäußert haben: „Ein Herr au» der Magdeburger Gegeild schreibt mir, daß dort allgemein jede Arbeiterin den Lüsten de» Gutsherrn all- gemein preisgegeben lvird. Fügt sie sich nicht, so wird sie mit der schwersten Arbeit belastet, mid verläßt sie die Stelle, so bekommt sie in der gmizeil Gegend keine andre. DaS Loykottsystcm ist' hier vollständig durchgeführt." Hieran aukiiüpfeud bemerkt Herr v. NathusiuS-HnndiSburg: „Ich erlaube mir. die ergebene Anfrage an unser» Reichstags- Abgeordnete» Herrn Hosting zu richten, weshalb er nicht Protest erhoben hat gegen diese ungeheuerliche Anschuldigung gegen eine» großen, ehrcmvcrtcn Stand seines Wahlkreises, weLhalb er nicht Bebel aufgefordert hat, durch Neimuitg der Namen der Schuldigen diese Behauptung zu beweisen? Ich bitte Herrn Hosang, das Versäumte nachzuholen und den Abgeordneten Bebel zur Beweis- siihning aufzufordern in der nächsten Plcnarsitzuitg des Reichstags und ihn zu vcranlaffen, diese Schmähungen zu widerrufen, falls ihm dieser Beweis nicht gelingt." Ich empfehle dem v. NathusiuS-Hundisburg, wenn er künftig wieder einmal dos Bedürfnis empfindet, auf Grund einc» Zcittmgs- berichts über eine RcichStags-Sitzung einen Abgeordneten an- zugreifen, er sich zuvor an kompetenter Stelle vergewissert, ob die betreffende Aeußenmg wirklich gemacht worden ist. Im vorliegenden Foll ist der Herr v. Nathusius-Hiuldisburg da» Opfer eiueS falschen Berichts geworden, denn was dieser mich sagen läßt, habe ich weder dem Wortlaut noch dem Sinn nach gesagt, und so wird der Abgeordnete Hosang es ivohl unterlassen, die von Herrn v. NathusiuS-HundiSburg g'etvünschtcn Erklärungen von mir zu verlangen. Berlin, den 2. März 1909. A. Bebel. Ausland. Oestreich-Ungarn. Der fortschrittliche Parteivcrband deS Wiener Ge- m e i n d c r a t S beschloß die gleichzeitige Niederlegung samt- licher Gemeindcrats Mandate, falls nicht zugleich mit der etwaigen Sanktionierung und Veröffentlichung des neuen Gcmcindcstatuts und der neuen Gemeinde- Wahlordnung die Aus- ichreibung von Neuwahlen aus allen vier Wahlkörpern erfolgen 'ollte. Wien, 2. März. Der„Neuen Freien Presse" zufolge beabsichtigt die Regicruug, die Verständigungs-Konferenz für nächste Woche ein- zubernfeu. Wien, 2. März. Von kompetenter Seite wird versichert, daß Oestmch-Uugaru sich im südafrikanischen Kriege streng neutral verhalten habe. Die Pserdeankäufe, sowie der Ankauf von Patronen seien von Privatpersonen, nicht von der englischen Militärverwaltimg 1 gemacht worden. Die Duldung derselben könne daher keinesfalls als Nentralitätsörnch bezeichnet werden. Schweiz. Bern, 1. März.(Eig. Bcr.l Die wegen de» italienische» anarchistische» Kalenders vom Bundcsanwalt Kronaner veranlaßie strafgerichtliche Untersuchnng ist beendet und liegen die Akten vorder Anklagekanmier des BimdeSgenchtS in Lausanne; die darüber zu entscheiden hat, ob in Sachen Anklage erhoben werden soll. Dieselbe würde sich nur gegen die drei Schiveizer Eviggerio, Bertoni und Held(Genfer) richten, da gegen den inzwifcheit freigelassenen Samaja in Genf der Buiideöamvalt keinen Antlage-Antrag gestellt hat, ivas wohl bedeutet, daß an ihm keine Schuld gesimden worden ist.— Frankreich. Aiiiucsticgcsetz. Die Regierung hat sich entschlossen, das von einem Abgeordneten eingebrachte Anmesticgesctz auf eigene Rechnung zu übernehmen, um die Bestimmung hinzuzusiigcn, daß alle mit dem DreyfuS-Handel zusammcuhätigenden Streit- tmd Strafsachen niedergeschlagen werden.— Paris, 2. März. D e p u t i e r t e n k a in in c r. Lasies (Nationalist) begründet in längerer Ausführung seine seiner Zeit aus einen Monat vertagte Interpellation über' den Prozeß vor deni StaatSgerichtshof. Redner beklagt sich über die Akte von Un- gesetzlichkeit, welche begangen seien durch die Haiissilchungen und willkürlichen Verhaftungen. Ministerpräsideiit Waldcck-Rousseau erwidert, der Staatsgerichts- hos habe als unabhängiger Gerichtshof sein Urteil gefällt und das Land dasselbe gebilligt.'Niemals vorher sei bei einem Prozeß� der Verteidigung ei» so weiter Spielraum gelassen tuorden.(Beifall.) Der Ministerpräsident sagt, er beglückwünsche sich dazu, den Prozeß cinqelcitct zu haben, der dem Laude die Ruhe iviedergcgcben habe. Ivofür sich das Land täglich dankbar zeige.(Lebhafter Beifall auf der gesamten Linken; Widerspruch rechts.) Ein Antrag auf einfachen Uebergang zur Tagesordnung, gegen den sich die Ncgicrung ausspricht, lvird mit 318 gegen 232 Stimmen aufgehoben. Italic«. Rom, 2. März. D c p u t i c r't c uka mm e r. Das Haus setzt die Gencraldcvatte über das„Decreto- Legge" fort. Der Juslizmimster Bonasi verteidigt dasselbe. Und erklärt, wenn die Kammer ihr Urteil dahin abgeben werde, daß die Regierung vom Wege des Rechts abgeirrt sei,' werde die Regierung ihre Pflicht thun.' (Beifall in der Mitte und ans der rechten Seite; Lärm auf der äußersten Linken.) Ministerpräsident Pclloux ivcist unter großer Aufmerksamkeit des Hanfe» die Beschuldigimg zurück, die Verfassung und die Rechte der Kammer verletzt zu habe». Die Regierung habe zu dem„Dccreto-Legge" gegriffen, als sie erkannte, daß eS unmöglich sei. andre Maßregeln zu ergreifen, um den regelrechten Gang wichtiger Bestandteile der Staatsmaschine sicher zu stellen. Uebcr die Ai'ischilldigiuigen seitens der äußersten Linken wundere er sich nicht. Im Gegenteil: Je heftiger dieselben, um so fester sei er davon überzeugt, daß die Regierung richtig gehandelt habe.(Beifall und Zwischenrufe.) Auch über die An- fchuldiguiigen des äußersten Flügels der konstitntioncllen Linken. welche jetzt mit der äußersten Linken verbündet sei, wäre er nicht" verwundert: aber über die Vorwürfe andrer Parteien der Kammer drücke er sein schmerzliches Bodauerit aii»., (Lebhafte Zustiminung.) Die Regierung sehe in dem Uebergang zur Beratung der einzelnen Artikel eilt Vertraucusvotnm ohne Hinter- gedonken.(Zllstimmung und Beifall; der Redner wird beglück- wünscht; Lärm auf der äußersten Linken.) Man verlangt unter großer Erregung die Abstimmung. Die Kammcr beschließt den Schluß der'Debatte. Nach Borbringüiig der eingebrachten Tages- ordnmigcn und Erklärungen hinsichtlich der Abstimmung ersucht Pellom; um die Annahme folgender von Giuseppe Frascara und Genosse» eingebrachten Tagesordnung: Die Kammcr nimmt Att von den Erklärungen der Ncgicrung und geht zur Beratung der einzelnen Artikel über. Gioliiti verlangt getrennte Abstimmung über die beiden Teile der Tagesordnung. Pelloux erklärt hierzu, er stelle hiusichtlich beider Teile der Tagesordiumg Frascara die. Vertrauensfrage. Der erste' Teil der Tagesordnung Frascara, wonach die Kammer von den Erklärungen der Regierung Att nimmt, wird in iiamcnt- sicher Abstimmung mit 222 gegen 189 Stimmen, bei 0 Stimm- enfhaltmlaen, augcnomuie». Ter zweite Teil dieser Tagesordimug. wonach die Kammer zur Beratung der cinzcliicn Artikel deS„Dccreto- Legge" übergeht, wird mit großer Mehrheit durch Erheben von den Sitzen angenommen und die Sitzung sodann aufgehoben. Ruftland. Rußland in Pcvstcu. Die deutsche„St. Petersburger Zeitung"-! meldet: Eine„Gesellschaft der persischen Eisenbahnen" wird sich voraussichtlich in nächster Zeit in Petersburg konstituieren. ES steht ziemlich fest, daß einer der persische» Häfen unter ähnlichen Be- dingungen wie Port Arthur gepachtet werden wird. Der Streik der Berliner Möbeltischler. ?!achdem vom Gewerbegericht mit den Vertretern der Arbeiter behufs Anbahnmig einer Einigung Rücksprache genommen ist. sind mmmehr auch die'Unternehmer zur Meiimngsäußeruug aufgefordert worden. ES wird sich zeigen, ob die Unternehmer zur Verständigung geneigt sind, ober ob sie den Kampf mit den von ihiieil beliebten. Mitteln fortsetzen wollen. Die Arbeiter haben keinen Grund, dies zu fürchten, aber sie tverden zu Verhandlungen geneigt sein, weil sie an cincin niutwillig fortgeführte» Kampf kein Interesse haben. Die Situation des Streit» ist dieselbe gcbsieben; gestern war eine Zunahme des Ausstands nicht zu verzeichnen, erst heute wird sich erivciscii, ob der Beschluß der Ilnteniehmer, sämtliche Arbeiter auszusperren, zur Durchfiihrmig gelangt. Wahrscheinlich tvird die Zahl der Ausständigen nicht unbedeutend vermehrt und der Kampf spitzt sich für die Arbeiter immer mehr zu zu einem Ringen ihrer Organisation gegen Uiiternehmerivillkür und brutale ltntcrdrückungsmaßregel». Wohl selten ist ein Kampf von den llniernchmern mit so nieder- trächtigen Mitteln geführt als hier. Tckuscndc von Arbeitern werde» ans die Straße geworfelt, ohne daß sie eine Forderung an die Unter- nehmer gestellt haben, ohne daß sie selbst einen Einfluß aus den Streik hätte». Nicht genug, daß die Kapitalisten die Arbeiter bis zum äußersten auLbeuten, auch zur Bekämpfung und Niederdriickung ihrer eignen Klassengenossen jagt man sie aus Arbeit. Wo sind heute die Verteidiger der Arbeitswilligen, die den Schutz der Arbeiter verlangten für die, die da arbeiten wollen? Niemand rührt sich, frohlocken würden sie. wenn mit diesem niedrige» Mittel die Kapitalisten siegten. Ihnen sind alle Mittel recht und der Führer der Großindustriellen, Herr Bry, proklamiert unter seinen Getreuen den esuitischen Grundsatz: Der Zweck heiligt die Mittel! Der Man», der durch einen Holzhandel Millioneu zusammengescharrt hat. der mit der Tischlerei nur soviel zu thun hat, als er seinen Reichtum durch ein ehr gewiinibringeiideS Geschäft mit den Tischlermeister» erworben hat, tntt als Scharfmacher auf in einem Kampf, der ihn nicht trifft. an dem er nicht bctchligt ist. Der Gcldsack stellt ihn.zur Seite der Kühncmäuner und Genossen, für ihn ist es ein Sport, die Arbeiter leichtfertig aus Lohn und Brot zu bringen. Nim, die großen und kleinen Scharfmacher im Tischlergcwcrbo. sie haben eine» Äiisstcmd angezettelt, der ihnen noch lauge sehr unangenehm in die Eriimerulig treten wird. Ihre Aussichten sind die denkbar schlechtesten, wie ein Maim stehen die Arbeiter und nicht eher werden iie in die Werkstätten zurückkehren, bis ihre berechtigten Forderungen Anerkennung gefunden. Die gesamten Gewerk- chaften stehen hinter dieser unerhörten Aussperrung zahlreicher Arbeiter. Bei einer so starken Gewerkschaftsbewegung, wie sie Berlin hat. darf und kann die Arbeiterschaft nicht unterliegen, eS ist Ehrensache aller Arbeiter» in diesem Kampf zu- sammenzustehenl »»" t'. i■: . Die lokalorganisiertcu Tischler hielten am Freitagvormittag eine Versammlung ihrer streikenden Mitglieder ab. Die Ansichten der Redner gingen im weseiitlichcn dahin, dah man keine Ursache habe, den Streik in die Länge zn ziehen, daß es aber auch nicht an- gebracht sei, unter allen Umständen zu einer Einigung zu drängen. Allerdings würde man Einignngsverhandlungcn nicht von der Hand weisen, aber eine Einigung mit den Meistern könne nur stattfinden, wenn die aufgestellten, ohnehin viel zu geringen Forderungen in vollem Umfang bewilligt werden. Andernfalls werde man ini Streik aus- halten, und wenn er noch tZ Wochen dauern und die Unterstützung auch knapp werden sollte. Ein Antrag wurde angenommen, welcher be- sagt: Wenn vor dem Einigungsamt ohne Hinzuziehung von Wer- tretern der Lokalorganisation verhandelt wird, ist dem Holzarbeiter- Verband die Verantwortung für die Einigungsbcdingnngen zu über- lassen. Wenn aber Vertreter der lokalen Richtung hinzugezogen werden, dann sollen dieselben von den aufgestellten Forderungen nichts ablassen. An die Klavicrarbciter Berlins! Der erbitterte Kampf, zu dem die Lohnbewegung der Tischler geführt, zeigt uns, was wir von unsrcm Unternehmertum zu erwarten haben. Er führt uns mit großer Klarheit die Kampfesart der Freien Vereinigung der Berliner Holzindustriellen vor Augen und zeigt, wie diese Herren kein Mittel scheuen, um die berechtigten Forderungen ihrer Arbeiter zu unterdrücken. Auch einige uusrer Betriebe sind bereits durch das terroristische Vor- gehen des vereinigten Unternehmertums in Mitleidenschaft gezogen, indem sie die in Holzbcarbeitungs-Fabrikcn herzustellenden Roh- Materialien nicht erhalten können. Dem gegenüber kann es nur unsre Pflicht sein, den ausständigen Tischlern sowie den in Betracht kommenden verivandten Berufen unsre Solidarität zu beweisen durch Zusicherung moralischer und vor allen Dingen pekuniärer Unterstützung. Darum Kollegen zeigt, daß Ihr gewillt seid, dies zu thun, indem Ihr Marken zum Streikfonds in größerer Höhe als bis- her entnehmt. Wir hoffen, nicht umfonst an Euer Solidaritätsgefühl appelliert zu haben, um unsre nächsten Berufsgenosfen zum Siege zu verhelfen. Der Vorstand des Fachvcreins der Musikinstrumenten- Arbeiter. Die Holzbildhauer befinden sich in folgenden Werkstätten im Ausstand: Marschall, Naunynstraße; Z e l d e r u. P l a t h e n, Frankfurter Allee 117; Court vis, Schwedterftr. 258; Höhne xi. Krämer, Krautstr. 52. Wegen Nichtbewilligung der Lohnarbeit sind bei M e ß t e r, Manteufsclstr. 58,' und bei Müller, Drechslerei, Königsbergerstr. 26/27, die Bildhauer im Streik. Kollegen, welche durch den Tischlerstreik in Mitlcidenfchaft gezogen werden, wollen sich an die Agitationskommission der Bild- Hauer Ivenden. Dieselbe ist täglich von g— 10 Uhr vormittags, sowie Dienstag und Sonnabend, abends von 8 Uhr ab, im Restaurant Spiclberg, Köpnickerstr. 62, anwesend. Daselbst werden vom Ver- trauenSmann Krippahle Sammellisten ausgegeben. Die Holzarbeiter der Zahlstelle Adlcrshof, welche in Berlin im Streik stehen und in'Adlcrshof, Alt-Glienicke und Grünau wohnen, werden ersucht, sich täglich von S— 12 Uhr in Adlcrshof, Hackeubergstr. 1, im Lokal von Benkert zur Kontrolle zu melden. Außerdem findet daselbst am Montag, den 5. März, abends Sllt Uhr, eine Mitgliederversammlung stati. Die in Arbeit stehenden Kollegen werden ersucht, heute, Sonnabend, von 5—8 Uhr bei Gosche, Bismarckstr. 16b, in Adlershof, die Streikfonds- Marken, welche laut Beschluß der letzten Versammlung 1 M. betragen sollen, abzuholen. Die Ortsverwaltung. Ju Rixdorf sind weitere 16 Mann ausgesperrt. Es befinden sich nunmehr 102 im Ausstalide, davon sind 8 abgereist. Die Zahl der Werkstätten, in welchen die Forderung bewilligt ist, ist aus 11 mit 46 Arbeitern gestiegen. Parteiprcsse. In der„Sächsischen Arbeiterzeitung" stehen einige Aenderungen bevor. In der gestrigen Nummer des„Vorw." wird die Stelle eines ersten politischen Rcdacteurs, die bisher Genosse Ledebout innehatte, ausgeschrieben und mich Genosse Eichhorn, der seit Jahren an der„Sächsischen Arbeiterzeitung" thütig war, teilt mit, daß er diese Stellung am 1. April aufgiebt.' Er wird die Redaktion der„Mannheimer Volksstimme" übernehmen. Aus der Redaktion des„Volksblatts für Harburg" scheidet Genosse Adler aus, um in die Redaktion der„Schlcswig-Holsteinischcn Volkzeitung" einzutreten an Stelle des Genossen S t r ö b e l, der am 1. April in die Redaktion des„Vorwärts" eintritt. Die Landeskonferenz der Socialdcmokrate» Sachsens wird vom sächsischen Centralkomitee für den 17. und 13. April nach Dresden einberufen. Der Hauptpunkt in der vorläufigen Tages- ordnung ist das neue Gcmeindewahlprogramm. Die deutschen Socialiftcn in der Schweiz. Der in Zürich domizilierte Landesausschnß der deutschen und öslreichisch-ungrischen Socialdcmokraten in der Schweiz veröffentlicht soeben seinen Jahres- bericht für 1899. In demselben wird zunächst konstatiert, daß die Landesorganisation in der besten Weiterentwicklung begriffen ist und daß ihr im Berichtsjahre die Vereine in Genf, Zug, Uzwil und Ilster beigetreten sind, so daß die Gesamtzahl der Sektionen 83 in 26 Orten und mit ca. 2800 Mitgliedern beträgt. Soweit Angaben gemacht sind, besitzen 22 Sektionen 7254 Bände in ihren Bibliotheken. Die Jahreseimiahmen des Landesansschusses betrugen 1966,86 Fr., die Ausgaben 1165,57 Fr., der Kassenbestand 801,29 Fr. Der Fonds zu Gunsten der politischen Flüchtlinge halte eine Einnahme von 306,30 Fr. und eine Ausgabe von 151,05 Fr., so daß am Schlüsse des Berichtsjahres ein Kassenbestand von 155,25 Fr. verblieb. Für die Rührigkeit unsrer Genossen in der Schweiz zeugt auch der Um- stand, daß in den Sektionen für 4329,78 Fr. Schriften verkauft lvurden.— Für den Monat August ist eine Zusammenkunst der Arbeitervereine und socialdemokratischen Mitgliedschaften auf dem Berg Rollen im Kauton Thurgau geplant, wobei die Genossen Liebknecht und Dr. A d l e r- W i e n Ansprachen halten werden. Ge we vk fchAftl iches. Berlin und ttmgcgend. Die„Kühnemänner" machen mobil gegen diejenigen Betriebe, kn welchen die Arbeitszeit weniger als 10 Stunden beträgt. � Die Generalversammlung der Berliner Eiscngießereibesitzer und Maschinen- fabrikanten vom 15.' Februar d. I. beschäftigte sich mit dem Ergebnis der aufgenommenen Statistik über die Arbeitszeit in den Verbands- Werkstätten. In dem am 19. Februar erschienenen Protokoll wird hierüber wie folgt berichtet: „Nach den Ausführungen des Herrn Vorsitzenden hat die im Jahre 1899 bei den VcrbandSmitgliederu gehaltene Umfrage betreffend die Arbeitszeit das Resultat ergeben, daß bei etwa Dreiviertel aller Mitglieder der lOstündige Arbeitsfag besteht. Unter Hinweis auf das Vorgehen der Vereinigung Berliner Metallwarcn-Fabrikanten. welche— veranlaßt durch die Erfahrungen beim vorjährigen Streik — für ihre sämtlichen Mitglieder den zehnstündigen Arbeitstag obli- gatorisch eingeführt hat, ersucht der Herr Vorsitzende die Vcrsamm- inng: sie wolle die Vcrtrauenskommission ermächtigen, bei den- je n igen Mitgliedern uns res Verbands, welche geringere Arbeitszeit habe», ans Einführung des Zehnstundcn- tags hinzuwirken und in der nächsten Generalversammlung hierüber zu berichten. Bemerkt sei hierzu, daß bereits seit einer Reihe von Jahren nur solche Firmen als Mitglieder unsres Verbands auf- genommen werden, welche sich zu dieser Arbeitszeit verpflichten.— Räch kurzer Debatte, an welcher sich die Herren E. Becker und Fleck beteiligen, erklärt die Versammlung ihr Einverständnis mit dem geplanten Vorgehen der Vcrtrauenskommission." Soll dieser Beschluß in die That umgesetzt werden, so bedeutet dies den Kampf in einer großen Zahl von Betrieben. Die Metall- arbeiter werden gut thun, sich beizeiten der Organisation. dem „Deutschen Metattarbeiter-Verbaiid", anzuschließen, um ihre be- Verantwortlicher Redactenr: Paul Joh« in Berlin. drohten Interessen zu schützen. Abzuwarten bleibt allerdings, ob diejenigen Fabrikanten, in deren Betrieben weniger als 10 Stunden gearbeitet wird. sich ohne weiteres dem Terrorismns der „Kühnemänner" fügen werden. Falsch ist der Hinweis darauf, daß die Vereinigung Berliner Metallwarenfabrikanteu nach dem letzten Streik die zehnstündige Arbeitszeit obligatorisch eingeführt habe. Im Gegenteil beträgt bei Dreiviertel aller Mitglieder dieser Vereinigung die Arbeitszeit weniger als 10 Stunden. Die Metallarbeiter werden sich in zwei Versammlungen mit diesem Vorgehen der Eisenbarone beschäftigen: Dienstag, dcn'3. März, abends 8 Uhr, im„Moabiter GesellschaftshauS", Alt-Moabit 80—81, und Mittwoch, den 7. März, in„Bnllschmiedcrs Saal", Vadsir. 16. Der Zlnsstand der Stalllcute beiderGroßenBerliuer Straßenbahn-Gesellschaft scheint einen größeren Umfang annehmen zu wollen. Am Donnerstagnachmittag gegen 4 Uhr legten die auf dem Bahnhof XIX der erwähnten Gesellschaft beschäftigten Stallleute den Dienst nieder. Gleichzeitig brachten die in der Schönhauser Allee resp. in der Weißenburgerstraße aufgestellten Vor- spamiburschen die Pferde nach dem Depot zurück und erklärten sich mit den ausständigen Stallleutcn solidarisch. Hierdurch erlitt der Verkehr auf den einzelnen Pferdcbahnlinien einige Störungen. Es konnten die Vorspannpfcrde zum Transport der schweren Tramways den steilen Berg die Schönhauser Allee hinauf nicht gestellt werden und ebenso wenig konnte die Ilmwechslung der Pferde an den End- stationen erfolgen, was um so unangenehmer war, als bei dem Schneegestöber die Tiere außerordentlich überanstrengt wurden. Ein Teil der Streikenden kehrte abends gegen 9 Uhr nach dem Depot zurück und nahm den Dienst zu den alten Bedingungen wieder auf. Am Frcitagmorgcn soll das ausständige Personal durch Hilfskräfte bereits ersetzt sein. Achtung! Sattler! Bei der Firma Eckert, An der Stralauerbrücke 3, R e i ch e I t, Stralanerstr. 58 und Weiser u. D u w e, Alexanderstr. 29, stehen sämtliche Kollegen im Streik.— Zuzug ist fernzuhalten. Die Agitationskommission. Achtung! Kleber(Tapezierer)! Die Werkstatt von Reff, Augsburgerstraßc, ist gesperrt. Die Lohnkommission. Achtung, Tischler! In der heutigen Annonce, in der zu einer Versammlung für Westen und Südwesten bei Habel, Bergmann- stratze, eingeladen wird, muß es anstatt 1 Uhr heißen: Mittags IS Uhr. Die Möbelpolierer find, wie in einer am Freitagabend ab- gehaltenen Versammlung berichtet wurde, in einer Anzahl von 619 Streikenden und 151 Ausgesperrten ani Tischlerstreik beteiligt. Die Situation wurde als unverändert und die Einmütigkeit der Ans- ständigen als ungeschwächt bezeichnet. Eine Anregung, die Unver- heirateten zum Abreisen zu veranlassen, wurde als für die Möbel- Polierer nicht ratsam bezeichnet und damit als erledigt betrachtet. Deutsches Reich. Bcrgarbeiterstrcik. Die Zahl der Streikenden hat auch heute im Revier Halle ab- genommen. Allein ausschlaggebend— man braucht nicht nach Gründen oder Entschuldigungen zu suchen— für den Ausgang des Streiks im mitteldeutschen Revier, ist die behördliche Niederwerfung des Streiks in dem sächsischen Revier. Nach den bekannten Vor- gängen in Zwickau wurde, wie wir berichteten, die Stimmung der' Streikenden gedrückt und die der Grubenbesitzer gc- hoben. Es wird sich nun bald zeigen, ob die Unternehmer hier bei Beendigung des Streiks, trotzdem in einigen Gruben nur ganz wenig Arbeitswillige zu verzeichnen sind, in ebenso rigoroser Weise verfahren wie in Zwickau. In Oestrcich dauert der Ausstand ungcichwächt fort, in be- wundcrnswürdiger Weise, trotzen die Ausständige» allen Eni- behrungen, um ihre kapitalmächtigen Unterneh'mcrprotzen zum Nachgeben zu zwingen. Sollten aber auch sie der Macht des Unternehmertums weichen müssen, wie es ihren sächsischen Kameraden erging, dann ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der Kampf kein vergeblicher war. Schon jetzt gicbt sich in dem Verhalten des Parlaments und der Regierung die Einwirkung des Streiks knnd; die Rcgicrmig ist gezwungen den mächtigen Kapital- Magnaten Beschränkungen aufzuerlegen. Wie dieser große mit so vielen und schweren Lpsern gefiihnc Kampf auch enden mag. er bleibt ein ehrendes Beispiel von Ansdmier und Lpferwilligkeit großer Arbeiterschichtcii, die um eine bessere Lebensstellung ringen. Wegen Bedrohung Arbeitswilliger wurden in Leipzig zwei Former, der eine zn einer Woche, der andre zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. Die Errichtung eines VolkshauseS für die Nürnberger Arbeiterschaft ist jetzt in greifbare Nähe gerückt. Den Gewcrk- schaflcn ist vom Stadtmagisirat das günstige Anerbieten gemacht worden, die Rosenau fein dicht an der ilineren Stadt gelegenes Etablisiement mit prächtigen Parlaiilageich um die Hälfte des Schätzungswertes zu übernehmen, und dieses sehr conlante Angebot wurde bereitwilligst angenommen. Auch hat die Stadt einen ziemlich bedevtenden jährlichen Zuschuß in Aussicht gestellt. Der Umbau wird demnächst beginnen und mau hofft, daß die Einweihiing des Voltshauses im Herbst dieses JahreS erfolgen kauu. Ausland. Die Steinhauer in Tcssiu, die sich durch die Drohung der Ausbeuter, die Steinbrüche für die Daner eines Jahrs außer Be- trieb zu setzen, nicht einschüchtern ließen, haben min doch noch einen Sieg errungen. Die Arbeitszeit wurde von ll'/o aus 11 Stunden herabgesetzt' Die Lohnzahlung findet monatlich statt mit wöchent- lichen' Abschlagszahlungen, während sie bisher nur alle.fünf bis sechs Wochen erfolgte,' die Lohnkaiition ist aus den Betrag eines Wockienlohns beschrankt, während er bisher zwei bis drei Wochen- löhne ausmachte. Ferner erklärte die Regicrung. zur Regelung dieser Verhältnisse ein besonderes Gesetz und zwar schon für die nächste Zeit ausarbeiten zu wollen. Die Buchdrucker in Bern erreichten durch Unterhandlungeii mit den Uutcriiehmerii eine Erhöhung des Wochculohii-Minimums von 35 auf 37 Fr. und des Accords von um 3 Proz. pro tausend Buchstaben gleich 2 Fr. mehr die Woche, für Ueberzeitarbeit wird entsprechend' höherer Lohnzuschlag, für Sonntags- und Feiertags- arbeit doppelter Lohn gezahlt. Der Nachmittag de? 1. Mai wird freigegeben. Die„Nichtverbändlcr" lehnten eine Mitwirkimg bei den' bezüglichen Unterhandlungen ab, das Errungene aber nehmen sie an.'_ Ans Vev Frslnenbenregung. Die Versicherung des häuslichen GcsiudeS gegen Unfall wünscht eine Petition, die der Bund deutscher Fraiienvcreinc an den Reichstag gerichtet hat. Berufsbildung der weibliches Handelsangcstclltcn in der Schweiz. Der Bundesrat will die vom Bunde subventionierten kaufmännischen Unterrichtskurse auch dem weiblichen Geschlecht zu- gänzlich machen, wie dies die Union für Fraueiibestrebungeu ver- langt. Der schweizerische kaufmännische Berein verhält sich aber dagegen ablehnend aus Furcht vor der weiblichen Konkurrenz. Hoffcut- lich wird dieser Widerstand überwunden. Erweiterung der Franeurechte in der Schweiz. Die Regierung des Kantons Neuenbürg hat in dem Entwurf für ein neues VolkSschnlgesetz die Wählbarkeit von Frauen als Mitglieder der Schulkommission vorgesehen. Die Jahresgehälter der Lehrerinnen sind mit 1260 bis 1860 Fr. in den Städten und mit 1140 bis 1740 Fr. auf dem Lande normiert(für Lehrer 2160 bis 2760 Fr. bezw. 1800 bis 2400 Fr.). Fraueustudium. An der Pariser Universität studieren z. Z. 129 Frauen Medizin; die meisten davon, nämlich 91. find Russinnen. Für dm Knicrarenteil veramwortlich llkh. Glocke in Berich. Druck und An der schönwissenschaftlichen Fakultät sind 206 Französinnen und 57 Ausläuderinnen cingeschrieben; au der Rechtsschule 2 Französinnen und 2 Russinnen; an der naturwissenschaftlichen Fakultät 21 Frau- zvsiniieii und 14 Ausländerinnen. Die Zahl der Studcntiiiiien an der Uiiiversilät Helsingfors be- trägt dieses Jahr 345.______ Vom Kriegsschauplatz liegt heute an neuen Nachrichten nicht viel vor. Die einzige Meldung von Belang ist die folgende: Der„Moruing Post" wird aus Paardcberg vom 28. Februar gemeldet, in östlicher Richtung hätten Vorposten mit dem Feinde Fühlung genommen. Die Zahl der dortigen Bocrcn werde auf 7 000 M a ii n geschätzt. Der„Staudard" und die„Daily News" bestätigen diese Nachricht. Eine amtliche Bestätigung dieser Meldung liegt noch nicht vor. Wenn die Thatsache aber wahr ist, so könnte sie bedeuten, daß die Beeren der Robertsschcn Armee schon auf dem Marsche nach Bloom- fontein entgegentreten wollen. lieber Beuiirnhigniigen, die Roberts und Kitchener erfahren, wird schon jetzt allerlei gemeldet. So berichtet man ans Kimberley vom 1. März: Roberts und Kitchener kamen heute morgen hier an und werden morgen Kimberley wieder verlassen.— Eine Ab- teil» ii g Boeren zeigte sich gestern bei K l i p d a m und zerstörte einige Gehöfte. Sodann kamen sie nach Wiiidsortou Station, wo sie ebenfalls einige Gehöfte beschädigten und plünderten. ES verlautet, daß sich die Boeren der Maschinell der Fraitk-Smith Mine bemäch- tigtcu und dieselben stark beschädigt haben. Ein Teil der Boeren zog nach Barkly West und beschießt gegenwärtig diese Stadt. Die letztgenannte Stadt liegt nicht allzu weit von Kimberley in nordwestlicher Richtung, und aus der Thatsache der Beschießung geht hervor, daß die Engländer das weitere Gebiet um Kimberley noch keineswegs sicher beherrschen. »» Ladysmith. Ein Telegramm des Generals B u l l e r aus Nclthorpe vom heutigen Tage besagt: 73 Wagen mit Nahrungsmitteln rücken soeben in Ladysmith ein. Aus Ladysmith wird berietet: Seit dem Beginn der Ein- schließung sind 24 Offiziere und 235 Mann getötet, 70 Offiziere und 520 Mann verwundet worden; 6 Offiziere und 340 Mann starben an Krankheite n. Die weiße Civilbevölkermig ist in diese Ziffern nicht miteinbegriffen. Englische Hoffnungen. Den„Times" wird aus Laurenco Marques vom 23. Februar gemeldet: Leute, die aus Transvaal kommen und glaubwürdig sind, versichern, es sei ganz miwahrscheiiilich, daß die Boeren sich nach Pretoria zurückziehen und dieses zum Punkt eines letzten ver- zweifelten Widerstandes machen. Dtau glaube im Gegenteil, daß nicht mir Bürger des Oranje- Freistaats, sondern auch viele Bürger von Transvaal nach ihrer Heimat zurückkehren, ohne obziiwarten, bis sick die Bocrentruppe» in aller Form ergeben. Die Boereugeiierale, beißt es weiter, schenken den fremden Ratgebern kein Gehör und ihre früheren Erfolge werden mehr ihrem Glück und den von den Briten gemachten Fehlern, als ihrer militärischen Be- fähigmig ziigeschriebcu. Daß diese Sckildcrmig der wirklichen Stimmung unter den Boeren entspricht, dürfte do'cb noch sehr zu bezweifeln sein. Ein Urteil Major AlbrcchtS. Mit Cronjcs Armee wurde auch der frühere preußische Wacht- meistcr und Organisator der Boerenartillcrie, Major 911 6 recht, mirgcfaugeii. Nach Cronjcs Empfmig durch Lord Roberts nahinen die vornehmsten Boeren- Kommandanten am Früh- stück beim Stabe teil. Bei der Unterhaltung daselbst äußerte Kommandant Albrccht die Ansicht, daß die eng- lische Taktik bis einschließlich der Schlacht von Magersfontcin uichr nur d u m m, sondern nahezu w a h u s i n n i g gewesen sei. In den Magerssoiiteiucr Schützengräben seien nur 4000 Manu gc- Wesen, und mir die Hälfte derselben habe am Kampf teilgeiioimneii. Der Krieg würde die vorgefaßten Meinungen europäischer Sach- verständiger umstoßen. Alvrecht drückte die höchste Bewunderung für die englischen Soldaten nnS und lobte die seit Roberls Llukimft eingeschlagene Strategie. doch sei der Krieg keines- Wegs zu Ende, noch ständen 75 000 Republikaner im Felde. Die Uebergabe, fuhr Albrecht fort, sei direkt auf den Fehler Cronjcs zurückzuführen, daß er seine Leute in einem Loch einschloß, anstait die Anhöhen zu besetzen. In der That sei Cronjes Taktik fast ebenso fehlerhaft gewesen, wie die englische, che Roberts erschien. Simonstow n, 2. März. General Cronje ist hier ein- getroffen. SimonStown ist ein befestigter Platz in der Kapkolonie, nördlich vom Kap der guten Hoffmiiig. Die Depesche des Kaisers. Wien, 2. März. Nach einer Meldung des„Fremdenblatts" ans Berlin wird in dortigen diploiiiatischen Kreisen der Absendmig einer G l ii ck w u n s ch- D c p e s ch e Kaiser Wilhelms an die Königin Victoria von England keinerlei politische Bedeutung beigemessen, da eine derartige Anteilnahme durch die engen Familien- beziehungen zwischen Berlin und London genügend erklärt werde. Vehke NAifmifztett und VepeMen. Englische Knltnrträgcr. Rangun, 2. März.(Meldung des„Reuterschen BureanS".) Die zur Bestrafung der Wa-Lente— welche seiner Zeit 2 Offiziere ermordeten und die birmanisch-chinesische Greiizkömniission angriffen— entsandten britischen Truppen zerstörten am 26. Februar den Pallisadeubau der Wa-Leute zu Mengtum, ohne daß sie ielbst Ver- lüfte dabei hatten. Am folgenden Tage eroberten die britischen Truppen, vereint mit den chinesischen Mmiiischaften, die ganze Gruppe von Dörfern, die mit den Mördern in Verbindimg stehen. KV Eingeborene wurden getötet und Ävvv Behausungen nieder- gebrannt. Die chinesischen Truppen halten 4 Tote und 20 Ver- wundete; auf feiten der Engländer fiel ein Gurka und fünf SepoyS wurden verwundet. Dentsch-tttrkische Flottenbcgeisterung. Konstantinopcl, 2. März. Der Feldadjutant des Sultans, Kalan vom Hofe-Pascha, sprach gestern Abend vor über hundert Mitgliedern des Flotteuvereiiis über"die Notwendigkeit der Ver- nielirnng der deutsche» Flotte. Nach Bcendigung des Vortrages wurde an Se. Majestät Kaiser Wilhelm ein Huldigmigstclegramin abgesandt. Der dcursche Botschafter Freiherr v. Marschall sprach dem Vortragenden seinen Dank aus; Kala» v. Hofe-Pascha erwiderte mit einem Hoch auf den Botschafter�_ Wie», 2. März.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus/ Die Debatte über die Regierungserklärung wird fortgesetzt. 9Ibg. Wolf führt aus, das Regierungsprogramin sei ihm sympathischer als das aller früheren Regierungen. Für das wirtschaftliche Programm könne man sich sogar begeistern. Redner bezeichnet die deutsche Staats- spräche als unbedingte Notwendigkeit, ohne welche die deutsche vlrmec- spräche unmöglich sei. Wolf ergeht sich in heftigen Angriffen gegen die politischen Behörden Böhmens wegen deren Einmischimg in die „Los von Rom"-Beweguiig und ihres Vorgehens bei der Bildung politischer Vereine und erklärt schließlich, es sei notwendig, daß alle freiheitlichen Elemente auf der rechten und linken Seite des Hauses sich zusammenschließen zur Lösung der wirtschaftlichen Fragen. -erlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilage». Nr. 52. 17. Mrgans. 1. KilM ilks.Fmiick" Kerlim PcksdlÄ SoHNtmid. 3. Miirz l'JOO. VerchskAg. 158. Sitzung vom Freitag, 2. März 1900, 1 U h r. Am Bundcsralsliich: T i r p i tz.' Auf der TcigeSordnung steht die zweite Beratung des Marine � Etats in LZerkiindimg mit der Beratung des Etats für Kiautfchou. Die Beratung beginnt mit den„Fortdauernden Aus- gaben", Titel„Staatssekretär". Abg. Eickhoff(frs. Vp.): Ich werde mich auf den' Etat für Kiautfchou beschränken und beantrage, ihn au die Budgetkommission zu venveisen. Wir sind niemals gegen Rolonialpolitik überhaupt gewesen, sondern haben nur den Erwerb von Kolonien bekämpft, die nach unsrer Meinung von keinem Wert sind. So haben wir uns entschieden gegen weitere Zuschüffe zu der Usanibarabahu gewandt. Wir haben nie den blinden Enthusiasmus der Herren Kolonialschwärmcr geteilt. Wie weit dieser Enthusiasmus geht, mögen Sic daraus ersehen, dasi Graf Arnim seiner Zeit gegenüber Herrn Richter mciittc, er werde schon für den Bahnbau in Afrika sein, wenn er nur einmal Usambara- kaffee trinken würde. sGlockc des Präsidenten.) Präsident Graf Ballcstrem: Ich möchte den Herrn Abgeordneten doch darauf aufmerksam machen, daß der Usainbarakaffee nicht in Kiautschou gebaut wird. (Grvfze Heiterkeit.) Abg. Eickhoff(frs. Lp.): Was mm Kiautschou anlangt, so billigen wir im allgemeinen die Gründe, aus denen die Reichsregierung uns seiner Zeit diesen nu.ritinien Stützpunkt in China sicherte. Die Entwicklung dort hängt vor allem ab von den Eisenbahnen, die von der Küste aus in das Innere gebaut werde» sollen, um den Koblenrcichtum zu erschlicjzcn, der sich im Hinterlande von Kiautschou befindet, llebrigens hat uns Herr v. Bülow versprochen, den Vertrag mit dem Eiscnbahnsyndikat im Plenum vorzulegen. Das ist noch nicht geschehen, wohl abcr giebt die Denkschrift einige Angaben darüber. Danach gehöre» die ersten Bank- und HandclStrcise Deutschlands zu den Gründern der Gesellschaft, so datz also die Behauptung des Herrn KolonialdirektorS v. Buchka, das deutsche Kapital gehe nicht gern nach den Kolonien, für Kiautschou nicht zutrifft, llebrigens hat sich die Reichsregierung die Uebernahinr der Bahn vorbehalten.— Mit den leitenden Berwaltungsgrundsätzen in der neuen Kolonie sind wir einverstanden. Freilich fehlt noch die Voraussetzung für jede wirkliche Selbstverwaltung, die finanzielle Selbständigkeit, die nach der Denkschrift auch für die nächste Zukunft nicht zu erhoffen ist. Jcdensalls hat aber der Marine-Offizier bisher besseres Verwaltungstalcnt gezeigt als der Lieutenant und Assessor in den andren Kolonien. Ich wende mich nun zu der Denkschrift, soivcit sie vom GcsnndhrttSwescn handelt. Da kann ich ihr den Bonvurf nicht � ersparen, dafi sie manches verschleiert, was besser klar und deutlich aus- gesprochen wäre. In ihr ist zlvar über die Todesfälle, aber nicht über die Zahl der Erkrankungen überhaupt Mitteilung gemacht. Früher wurde nur in Superlativen von den Gesundheitsverhaltnisseii in Kiautschou gesprochen. In dem ersten Bericht des Hafenbau- Direktors Franzius heifit es,„das 51li>na von Tfintau ist das gc- sündeftc von ganz China". Auch Herr Tirpitz hat gejagt, das Klima sei dort sehr gut, ebenso die sanitären Berbällnisse. Im vorigen Jahre wurden dann die ersten acht Todesfälle festgestellt und da meinte der Herr Staatssekretär,' die sanitären Bcr- Hältnisse seien noch nicht günstig. Die Denkschrift behauptet nun zivar»ach den ungünstigen Erfahrungen dcS letzten Sommers. dofi die GesundheitZvcrhällnisse dort nicht„wesentlich von klimatischen Verhältnissen abhängig" seien und dafi das Kraukheitsbild der Malaria niemals in de» Bordergrimd getrcieu sei. anderweitige Meldungen sprechen aber fast übereinstimmend von Malaria. Von 800 Soldaten sind durchschnittlich 60—60 trank. Letzte Woche sind 8 gestorben Dazu nehmen Sie den Satz der Denkschrift, dafi die durch schwere Erkrankungen geschwächten Mariuemannschaften zur Er- holuug ins Marinelazarett in Dokohama geschickt seien. Wie läfit sich damit die frühere Behauptung vereinbaren, dafi Kiautschou noch eiimial der Erholungsort für die südlichen Gcgcuden Chinas werden würde? Neuerdings wird ja gemeldet, dafi die Krankheiten nachgelassen habe it. Das ist im Winter nicht zu verwunder». Im Sounner aber, Ivo die Wärme und die Feuchtigkeit der Luft sehr lästig auftreten,� werden die Krankheitsfälle wiederkehren. Dafi die Gesimdhcitsverhältmssc in Tsingtau nichts ivcuigcr als günstig sind, geht auch daraus hervor, dafi für ein zweites Lazarct dort die Summe von 210 000 Mark gefordert ivird. An Krankheiten sind Darmthphns und Ruhr besonders häufig aufgetreten. Der Grund wird in der mangelnden Wasserversorgung und in den Wohnuugs- verhältmsseii gesucht. Für die Verbesserung der Wasserversorgung werden 176 000 M. gefordert, für Kaseruenbä» und Dienstwohmmgcii 780 000 M. ES ist demnach zu hoffen, dafi tu absehbarer Zeit jene Krankheiten nachlassen werden. Lb daS aber auch rv't denjenigen Krankheiten geschieht, die mehr oder minder uu- klimatischen Verhältnissen beruhen, ist mehr sehr zweifcl- hast. Die RcichSregicrimg scheint da ihrer Sache selbst nicht ganz sicher zu sein. Das schiiefie ich auch aus den, Satze des Vertrages nii: China:„Sollte sich Kiautschou als für den in Aussicht gc- iionmieiie» Zweck nicht geeignet crlvciscn, so mnfi es Deutschland überlassen sei», fich an einem andren Punkte China» iiiederzulassen." Um so befremdlicher mnfi der Optimismus erscheinen, mit dem die Vertreter des Reichs bisher über die dortigen GesundheitSve.rhältniffe genrtcilt haben. Herr Bülow meinte in' seiner Arsten Mitteilung über den Platz an der Sonne. er habe sich jeder Schönfärberei cnt- halten, und er meinte, die Diplomaten könnten nicht sachlich und ruhig genug über die Verhältnisse in den Koloiric» urteilen. DaS ist auch uilsrc Meinung, aber Theorie und Praxis sind leider häufig verschieden.(Bravo l links.) Stoatssctretär Zirpiü: Wir haben uns bemüht, in der diesmaligen Denkschrift im wcseultichcu nur Thatsachen anzuführen und Spekulationen ans die Zukunft nach Möglichkeit zu vermeiden. Mit Geiiuglhuung kann ich sagen, dafi sich die Chinese» allmählich unter deutscher Herrschaft wohl zu fühlen scheinen. Es haben sich namentlich wohlhabende Chinesen in gröfierer Zahl auf»nsrem Gebiete niedergelassen und alte chinesische Hänser haben dort Filialen errichtet. Die erste Eise»- bahnstrecke wird voraussichtlich in zwei Jahren eröffncr werden tö»»e». Auw die Schnlverhältnisse haben sich sehr verbessert. Es ist eine. Schule begründet worden, die etwa das einjährige Examen als Abschluß wird leisten töimen. Die Gesundheits verhält- nissc liegen ja allerdings nicht so gut. Die Gründe dafür liegen aber ans klimatischem Gebiete. Die Zahl der Erkrankungen konnte bei Abfassung der Denischrist noch mcht angegeben werden, weil das Material noch nicht vorlag. Ich bin gern bereit, es Ihne» in der Kommission zu unterbreiten. Natürlich ist China nicht zu ver- gleichen mit einer Somuicrfnsche in Teutschland. Im allgemeinen werden immer ungiiustrgcre Verhältnisse dort sei» als bei uns. Dennoch glaube ich die Behauptung aufrecht erhalten zu können, dafi Kiautschou v e r h ä l t» i s>n ä tz i g ein sanitär günstig gelegener Ort ist. Malaria ist unter den Krautheite» nicht vorherrschend gewesen. Es ist überhaupt nur ein einziger Todesfall daran vorgekommen und dieser ist wahrscheinlich auf die Verhältnisse an einem nördlicheren Punkt zurückzuführen, wo der Betreffende stationiert war. Die Malaria tritt nur häufig ans in den chinesischen Orten die an Flossen liegen. Die Krankheiten in uilsrein Gebiete beschränken sich auf den Flecktyphus und den Darnityphns und sind aus die linzureichcnde Wasserversorgung zurückzuführen. Es ist in- dessen zu hoffen. dafi wir Central- Wafferlcistmg dort bis zur nächsten heitzcn Zeit eine gebaut haben werden. Natürlich werden auch dann noch einzelne Fälle von Darmkrankheiten vorkommen. Das ist in ganz China der Fall. Seit Dezember haben sich die Gesundheitsverhältnisse gebessert und neue Erkrankungen sind nicht mehr vorgekommen. Zweifellos hat das ganze Personal in Tsintau unter besonders schwierigen Verhältnissen gearbeitet; das liegt in der Natur der Aufgabe, die ihm gestellt ist. Ich glaube aber, dafi Deutschland mit der' Arbeit seiner Pioniere durchaus zufrieden sein kann.(Bravo! rechts.) Abg. Haffe(natl.): Ich wüfite nicht, was in der Kon, mission mit dem Etat für Kiautschou gemacht werden sollte. Die Biidgetkommission könnte auch nickits daran ändern, daß in Kiautschou im vergangenen Jahre eine Epidemie ausgebrochen ist.(Lacken links). Im übrigen habe ich mich gefreut, dafi ick diesmal mit Hern, Eickhoff übercinstiminen kam, in der günstigen Beurteilung der'Art, wie diese» Schutzgebiet durch uiisre Marine verwaltet wird. Ich möchte bitten, von einer Verweisung an die Kommission abzusehen. Abg. Richter(frs. Vp.): Wir haben bei Ihrer Kolonialbegeisterung schon manches erlebt, aber der Gedanke, diesen Abschnitt der Beratung der Budget- kommission zu entziehen, übersteigt doch alles bisher Dagewesene. Hier handelt es sich um eine erhebliche Mehrausgabe, die unter keinen Umständen der Nachprüfung der Bndgelkömmission entzogen werden darf. Die Verweisung an die Budgetkommission ist von so grundsätzlicher Bedeutung, dafi bei einem so schwach besetzten Hause am allerwenigsten dazu geraten werden kann, die zweite Lesung gleich im Plenum vorzunehmen. Abg. Graf Roon(k.) spricht sich gegen die Verweisung an die Kommission aus. Darauf wird die Diskussion geschlossen. Der Titel„Stnatssekrctär" wird bewilligt. Bei Kap. 60(Flotte und Werften) bemerkt Abg. Singer(Soc.): Es sei mir gestattet, zu diescin Kapitel einige Bemerkungen zu machen. Vor einiger Zeit ging durch die Zeitungen die Nachricht, dafi auf den kaiserlichen Werften eine Diensiä l t e r S z n I a g e eingeführt sei. Diese DienstalterSzulage erweist sich schlicfilich nur als Versuch, die Arbeiter an die Scholle zu fesseln. Die jenigen Arbeiter, die fünf Jahre iin Dienst der Werst gestanden haben, erhalten eine Alterszulagc von sage und schreibe 6 M. Nach Ablauf von 26 Jahren ist daS Höchstmatz erreicht, es beträgt dann 25 M. Wenn ein Privatunternehmer eine derartige Zulage machen sollte, so ivürde er einfach ausgelacht werden. Man kann nicht vc- Haupte», dafi in der sociale» Fürsorge ein erheblicher Fortschritt gemacht ist, weiin man einer Arbeiterfamilie ichliefilich 25 M. DienstalterSzulage gicbt. Dazu kommt, dafi der Arbeiter, wen» seine Leistungsfähigkeit im Laufe der Zeit geringer ivird, in eine niedrigere Lohnklasse versetzt wird. Und diese Zulage ivird dem Arbeiter nicht etwa ausgezahlt, sondern sie wird auf einem Sparkassenbuch angelegt. Steht dann der Arbeiter 26 Jahre im Dienste der Werst, dann bekommt er das Geld auch nicht, sondern die Zulage wird nur bis zum vierten Teil sofort ausgezahlt, der Arbeiter könnte sonst zu verschwenderisch leben. Die Bewilligmig der DienstalterSzulage hängt auch von der Pflichttreue des Arbeiters ab. Nur die Kinder, die artig sind, erfreuen sich dieser Wohlthat. Wohl ist die Werftverwaltung so freundlich, de» Arbeitern, denen sie selbst kündigt und die später ivicdcr bei ihr eintreten dürfen. die Zulage z» gewähren; nickt aber ist das der Fall bei de» Arbeitern, die selbst gekündigt haben. Im Laufe der 26 Jahre lvcrden die Zulagen nur in besonderen Notfällen, über die die Verivaltnug selbst entscheidet, den Arbeiten, ausgezahlt. Eine solche DienstalterSzulage. die noch dazu materiell so unbcdenteud ist, kann alS sociale Fürsorge nicht bezeichnet werden. Es ivird in den Wersten auch darüber geklagt, dafi die älteren, miiidcrlcistnngsfähig ivcrdcnden Arbeiter m niedrigere Lohnklosse» versetzt werden.(Hört! hört! links.) Ein langjähriger Werftarbeiter, dessen Kräfte für jeiiic Abteilung nicht mehr ausreiche», wird in eine andre Abteilung versetzt. In der nngelvobnten Beschäftigung leisteter nicht, was dort üblich ist. Er kommt in die frühere Abteilung zurück, wird aber in eine niedrigere Lohnklasse versetzt. In einem andren Fall wird ei» Mann, der lange al» Materialverwaltcr gedient hat, wieder seinem eigentlichen Berns zugeführt ilnd an den Schraubstock gestellt. Er leistet hier nichts, kommt deshalb auf den Verivaltungsposten zurück, aber bei gcringetem Lohn. Das nennt man sociale Fürsorge, ivcim man fleißigen Arbeitern auf ihre alten Tage geriiigcrcil Lohn zahlt. Die Werften sollten in der socialen Fürsorge Miisteranstalten sein. Daran scheint aber der Werftverlvaltnng nichts gelegen zu sein. Es wird dann ferner mitgeteilt, dafi in einigen SkesiortL Arbeiter bei einem Lohn von 2,10 M., 2,60 M. mib 2,80 M. beschäftigt werden. Dafi das kein Lohn ist, mit dem ein verheirateter Arbeiter ouSkonuncn kann. liegt auf der Hand, llcberhanpt ist seitens der Werftarbeiter der Wunsch ausgesprochen. eS möchten einlieitliche Lohnsätze für ein und dieselbe Arbeiterkalegorie eingeführt werden. Jetzt karni von der Werftvenvaltuiig ein einmal zngcstandciicr Lohn iviedcr reduciert werden. Da sollte die Werftverwaltung gründlich Wand- lungeit eintreten lasfeir Bei dieser Gelegenheit will ick noch einen andren Pmitt zur Sprache bringen, der auch ein merkwürdiges Licht ans die Art und Weise Ivirft, wie man auf Werften wirtschaftet. In WilhelmShafc» wurde kürzlich ei» Boggerbelricb an die Privatindilstrie übertragen. Der betreffende Privatindustriclle beschäftigt überwicaend holländische Arbeiter, die auf den Schiffen wohnten' und deshalb von dem Unternehmer billiger entlohnt wmdci« als die Werftarbeiter, die vorher das Baggern ausführten. Aufgabe der Werftverwaltung dürfte es kaum sein, cinci» Teil des Betriebs an Privatindustriclle zu verpachten, nur um billiger dazu zu kommen. Die früber mit dem Baggern beschäftigten Arbeiter kamen in andre Abteilungen und wieder zu niedrigeren Löhnen als sie bisher gehabt hatten.(Hört! hört! links.) Bei diejen Zuständen mutz ich der Werftverlvaltnng nahelege», dafür zu sorgen, dafi die Lohnvcrhällnisse der Arbeiter recht bald besser lvcrden.(Sehr richtig! bei den Socialdcmokratcn.) Ich glaube nachgewiesen zu haben, dafi die Werftverwaltung nickt in die Reihe derer eingetreten ist. denen die sociale Fürsorge für ihre Arbeiter am Herzen liegt. Es würde mich freuen, wenn»ach diesen Verband- lungcn die'Wcrftverwaltinig sich entschlösse, mehr sociale Fürsorge den' Arbeitern gegenüber walte» zu lassen.(Beifall bei den Social- dtniokraten.) Staatssekretär Tirpitz: Die Dienstalterszulagen sollen dem Arbeiter daS Recht auf erhöhte Bezüge geben, ihn nicht mehr ans freiwillige Gaben an- gewiesen sein lassen. Die Zulagen stellen sich wesentlich höher, als Herr Singer angegebeit hat. Außerdem sollen die Zulagen de» «parsinil der Arbeiter anregen.(Lachen bei den Socialdemokroten.) Wir wünschen, dafi sich die Arbeiter bei lms ivohl fühlen. Bei der Versetzung in niedrigere Lohnklassen soll mit großer Vorsicht vor- gegangen werden. Ich habe eine demcntsprechciidc Verfügung er- lasse». Wenn aber die Leistungsfähigkeit des Arbeiters abnimmt. so ist es doch natürlich, daß sich der Lohn verkürzt. Mehr als mit großer Milde verfahren, kann eine Reichsvcrwalluiig nicht thnn. Die Wersten haben sich»och nie gerühmt, Mustcranstalten zu sein. iLachen links). Herr Singer sagte, die Arbeiter können wegen der Zulagen»ickt von der Scholle weg. Wenn sie das emiche», so können sie für den Arbeiter doch nicht so wertlos sein. Die Ber- waltung kann aber mit diesem Erfolge nur zufrieden sein. Im ganzen' giebt die Marineverwaltimg für die Altcrsziilagcn 110 000 M. mehr aus. Abg. Singer(Soc.): Eni früherer 5lollege von uns. der Direktor von großen industriellen Anlagen war, hat einmal hier ganz offen geäußert: „Meine Herren, Sie können es mir glauben, die Fabrikanten machen mit den Wohlfahrtscinrichtniigen das beste Geschäft." An dieses Wort wurde ich erinnert, als ich die Entgegnung des Herrn Staatssekretärs hörte. Der Staatssekretär sieht in der Alterszulage ein billiges Mittel, die Arbeiter an die Scholle zu fesseln. Er will damit auch den Sparsinii der Arbeiter anrege». Die Arbeiter find doch aber keine unmündigen Kinder, für die andre sparen müssen. Sie müssen über ihr Eiiikommen freies Ver- fügnngsrccht haben. Der Staatssekretär hat sich daiin offen zu dem Grundsatz bekannt: Geringere Arbcktskraft. geringerer Lohn. Das ist ein recht verfehlter Standpunkt, bei dem es nicht darauf ankommt, ob der Staatssekretär persönlich ivohlwollend ist oder nicht. Wie steht eS denn bei den Beamten in dieser Beziehung? Bei den Beamten steigt das Gehalt mit den Jahren. Ja trotz verminderter LeismiigSfähigkeit werden die Beamten ganz absichtlich so lange im Dienst behalten, bis sie das höchste Gehalt erreicht haben. lieber die niedrigen, ganz unallskömmlichen Löhne hat sich der Staatssekretär gar nicht geäußert. Er holt das hoffentlich noch nach. Weiter hat Herr Tirpitz gesagt, er habe sich noch nie gerühmt, dafi die Wersten Mufteransia'ttcii seien. Wir bedauern eS lebhaft, daß der Staats- sckrctär dazu nicht in der Lage ist.(Heiterkeit.) Wir sähen e» viel lieber, wenn die Werften wirklich Musicraiistaltcn wären. Hoffen!- sich sorgt der Herr Staatssekretär dafür, dafi er diesen neuen Ruhm seinen' übrigen Nnhmcsthatcn recht bald noch hinzusügen kann. (Heiterkeit nnd Bravo! bei den Socialdcmokratcn.) Staatssekretär Tirpitz: Ich wiederhole, eS handelt sich bei den Alterszulagc» nicht um eine Wohlibat, sondern um ein Recht des Arbeiters. Die niedrigen Lohnsätze, die Herr» Singer angeführt hat, treffen höchstens für Hand- langer zu. Die Arbeiterausschüsse haben die Ältcrszulagen mit Daiik begrüßt. Die Arbeiter sind nicht so ohne weiteres mit den Beamte» zu vergleichen, zudem werden doch z. B. Offiziere, sobald ihre Arbeitskraft nachläßt, in ihren Bezügen verkürzt. Abg. Rickcrt(freis. Bg.): ES ist wünschenswert, dafi alte Arbeiter, die lange treu gedient haben, nicht in ihren Bezügen gekürzt werden. Der Herr Staats- sekrclär steht ja der Frage ivohlwollend gegenüber, e» ist also zu hoffen, dafi das von Herr Singer gesteckte Ziel erreicht Ivird. lieber die Alterszulagc» denke ich nicht so gering wie Herr Singer. Ich möchte schließlich den Staatssekretär fragen, ob e» richtig ist, daß der Accordlohn nicht mehr als 30 Pro,;, den Tagclohn überichreiten darf. Staatssekretär Tirpitz: ES ist nicht richtig, dafi die Accordlöhne herabgesetzt worden sind. Zu demselben Kapitel beantragt die Kommissio n statt der für die Werften geforderten 45 Schutz leitte nur 42 zu bewilligen (neben zwei Wachtmeistern). Das Hans beschließt debattelos dem- gemäß. Im übrigen ivird das Kapitel bewilligt. Beim Kapitel„ B e r m e s s u n g s w e s c n" bemerkt Abg. Schwartz- Lübeck(Soc.): Ich habe eine Frage an den Herr» Staatssekretär. Ist es nicht möglich, Ivähreud der großen Flottenmanöver die Bermessungen ein- zustellen, iveim die Peilbootc nnd Dampfpinassen der Küstelistatione» abkommandiert sind? Die hohe Bedeutung der Küstenvermessinig schätze ich gewiß. Hängt doch die Sicherheit der Schiffahrt ganz wesentlich von der genauen Kenntnis der Küstenformation. Meeres- srrömnngcn, Meerestiefcn tmd vor allein der Beschaffenheit des Meeresbodens ab. Wenn aber diese VermcssungSarbeiten mit einzelnen nnznläiiglichen Fahrzeugen uorgeilvmntcn werden, ist es besser, sie für wenige Wochen cinzustellen. Zu meiner Umfrage ver- anlaßt mich ein Unfall aus dem Jahre 1808. Am 26. Anaust 1898 sollten an der samländischen Küste nördlich von Königsberg die Verincffimgsarbciten der ersten Knstcnmspektioii' mit ciiicr zur Korvette„Olga" gehörigen Jolle vorgenommen werden. Die Pcilboote»nd die Pinasse, die sonst hierzu dienen, waren damals an das Küstcn-Bezirtsamt 2 in Stettin wahrscheinlich zum Manöver cibkoinm-tndicrt. Die Jolle sollte 19 Mann ans- nehmen. Der Konunaiidierendc aber hatte schon die Unzulänglichkeit eingesehen und 2 Mann nach Cranz beordert. Die Jolle fuhr mit 1) Mann ah. E» ging auch so weit ganz gut. Aber als die über- ladene Jolle um 3'/s Uhr nachniittogs in Cranz landete und die Brondniigszoiic passieren ivolltc, kam eine sehr hoch aufrollende See hinter der Jolle bcr nnd warf sie über Kopf. Die gesamte Be- satznng fiel inS Wasser. Die Eranzer Fischer kamen' hinzu nnd retteten von der Mannschaft alle bi» ans drei. Der Signal- maat Dittmann au» Eutin, der Obermatrose Balle aus Elsfleth wie der Matrose Hosiiiann ans Pillkallc» fanden ihren Tod. Ich will der Marincvcrwaltnng keinen Vorwurf daraus machen; es liegt im Dienst. Wie die Vorschriften sind, muß die Arbeit ausgeführt werden. Aber die Arbeiten müssen mit Fahrzeugen vorgenonimen werden, die dazu befähigt sind. Lieber sollte man doch die Ver- mcssiiiigsarbeitcit auf 2 oder 3 Wochen ciiistcllcn. In dieser Richtinig sollte der Herr Staatssekretär eine Llenderung eintreten lassen.(Bravo! links.) Staatssekretär Tirpitz: Ich wäre dem Herrn Vorredner dankbar gewesen, wenn er mit diesem Fall nicht zivei Jahre gewartet hatte. Soweit ich orientiert bin kann ich solgendrs sagen. Im allgemeinen iverdcn Pcilboote tmd Tcnnpfpinasscn nicht zu den Manövern abkommandiert. Dock ist eS möglich, dafi es im Einzelfalle vorkominen ist. Dieser Umstand hat aber mit dem Kentern der Jolle nichts zu thnn. lieber- laden war dieselbe nicht. Jnivieweit der betreffende Vorgesetzle, der ja mit uingckoiinncn ist, ciiicn Versuch gemacht hat, durch die Braiidiiiig z» konimen, der besser unterblieben wäre, ist jetzt nicht mehr zu entscheiden. Jedenfalls hat es ganz in seinem Ermessen gestanden, ob er die Vermessmigsarbeiten hat fortsetzen wollen öder nicht. Der Rest der„fortdauernden Ausgabe n" wird hierauf bewilligt. Es folgen die„einmaligen Ausgaben". Unter„Verschiedenes" werden zur Gewährung von Beihilfen an die G e in e i n d e n Gaarden und Ellerbeck 26 000 Mark gefordert. Dazu beantragt die Kommission folgende Resolution: „Die verbiiiideten Regierungen zu ersuche», die Beihilfen für die Gemeinden Gaarden und Ellerbeck dem Bedürfinsse entsprechend zu erhöhen." Die Abgg. Dr. Stockman»(Rp.) nnd Genossen beantragen fol- gende Resolution: „Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstag mög- lichst noch in dieser Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch ivelchc» die B c i t r a g s p f l i ch t der R e i ch s b e t r i e b e zu den K o m m u n a l l a st e n grundsätzlich anerkannt»nd gleichzeitig der Mafistab festgestellt wird, nach welchem die Beitragspflicht zu bc° messen ist. Abg. Stockmannn Sonntag'. nachmittag 3 Uhr von der Leichen- balle des Central- Friedhofs zli Friedrichsfelds statt. Zahlreich« Beteiligung mmmicku Der Vorstand. TM-Auzche. Hiermit allen Freunden, Be- kawuen und Verwandte» die traurige Nachricht, dag mein heihgeliebter Manu, unier herzensguter treuforgender Vater, der Metalldreher Hermann Weber am 2?. Fedrnar, abends 9 Uhr. nach langen schweren Leide» ver- swrdcu ist. Alle, die uusren teuren Cntschlafenen kannten, werde» untren grob«» Schmerz ermesse» Die Bcerdigniig findet am SoniUagnachmittag< Uhr na» der Leichenhalle deK steif. Kreuz Kirchhofs tu Mariendorf aus statt. Um stilles Beileid bitten vi« trauernden Hinterbliebenen. Marie Weber, geb. Bartels, nebst Kindern Willy» Lude. Grunewald. Aillstr. 3. Danksagung. 2702s Allen Freunden und Bekannten. welch: bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Möbelvolicrers Wllbelm I.onllof. diesem die ietzlc Ehre erwiesen haben. inS> besander? dem Verband der Möbel volierer. sowie dem Gesangverein sage ich bicrmit meinen innigsten Dans. Ww. Sophie Leudof geb. Hertel. Nur 4 Mark Reste, lehr grob, zu Sirabenanzstgen. Reste zu Herrenanzügen, schöne lvlustcr, 7— 10 Marl. Für lv Mark fi. Cheviot-, auch Kamuigarnreste, Paletotrestc, Hofen. rste, so lange bei Vorrat rei»t im Ritstilstajslaaer 14 AMstk-straße 14, l lt. __«ein gaben.;;7TSLV & Nur deutslhe Marc!# Speck Sdilackwurst, LandscIMeii-»-»«• (?♦ fkfäfjtt, Hoden, te. 10. mager a Pfd. SS Plg. bei ö Pid. aVsb.SS„ fetter„ 55„ prima>i Pfd. 1,10, halbharte" a Pfd. 83«Kg. M die streiktudeu nud aus gwerrteu liidjfft gingen folgende Beiträge ein: Londwchrlonal 200,-. Geburtstagsfeier P falle von Venedig 2.?0. Fehlo 5,—. Tischlereien Heinz: 4,50. Sänger 16,—. Neumami u. Bauer 20,—- Schubert 9,—. Trispe« 4,—. Sretichinann, Sebastianftr. 8,50. Ein Abgereister 0,30. Bodcnleger 100.—. Dtontckarlo. Schöiicberg Z,50. Tisch lercien Grvth 6,30. Büiigc: 10,—. Zliclrc, Kassierer. Arbeitsnachweis Annrnftr. 39. Garjte-pM Lager von Bruno Gttther, 80 Grüner Weg 80, parterre, sEiuganst vom Flur) WtT kein Lade»,"ML verlause in meinei» feit 31 Jahren bestehenden special-CardilleilgeWst 800 bis 1000 Reste in Zwirn. MuH. 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MitabiserSahutcmaikeveTathene. tebta P«.-J:et« far ISi. 28A,44 a.1 n. 89.3 in irraaen-, Mateiial-I narea-. Hlouien- n.Samen- j Kand Innren. r Laabs"i i 2 ElaAaneratr. z Bchaudl. aller staut. m 39. Hacu- und Blasenleiden ohne schädlich» Mittel u. Gift«. Sprichst: 6—9. Freitag nnd Sonntag nur 9—2 D Berbandskarten Ermäßigung. W »»>«««»»a««»g«»»»»»» Falbe, 44. Elsasseratr 44 Behanvlnng aller staut- n. .Harnleiden ohne Brrniaftönmg.| Sprechst. 9 morg. bis 9 abends, Sonntag ii. Doimerstag 9—3. Bei Vorzeigung der Berbaiids- karten 10 Proz. 34342' Konkursmassen-Verkauf. Raulminger 4� Dröckersche» Koükurs- stlstO'k, 6ier, rrnedtotr. SS, sollen die vorhandenen Hobel- bäntr. Werkzeuge. Fournicr«. Holz usw. bei annehmbarem Gebot freihändig verkauft werden. Nähere Ztustunft ertrilen PristaflTdfc Blcgev, Fruchtstr. 35. Berlin, den 3. März 1900, BoelllUe, Koukursvcrwaltcr. Köpniderstr. Ol. 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Die Stumnie von Portici Ansang Uhr. Schauspielhaus. Der Eiscnzahn. Ansang 7l/.. Uhr Deutsches. Der PrvbckandidaL. An- fang 7!/z Uhr. Sessing. Im weißen Röß l. Anfang 7-/, Uhr. Berliner. Das deutsche Jahr hundert. Ansang 7>/z llhr. Nachm. 3 Uhr: Amphitryou. Bor- her: Totentanz. Neues. Nackte Kunst. Ansang 7-/2 Uhr. Schiller. Der Probepfeil. Anfang 8 Uhr. Westen. Der Barbier von Sevilla. Hierauf: Die schöne Galathec. Anfang 7Vz Uhr. Shalia. Im Himmelhof. Ansang 7Vz Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Anfang 7Vz Uhr. Snise». Drei Paar Schuhe. Anfang 8 Uhr. Central. Die Puppe. Anfang 7V- Uhr. Carl Weih. Bon Stufe zu Stufe. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung Rotkäppchen. Belle-Alliancc. Di- Reise nach Amerika. Ansang 8 Uhr. Bictoria. Berliner Bilder. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmftädtisches. Die Danie von Maxim und der Probekandidat. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitätenvorstellung. Die verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. vlpoUo. Specialitäten- Borstellnng. In: Reiche des Jndra. Anfang 7-/- Uhr. Palast. Specialitäten- Borstellnng. Großes Bockbier- Jubel- Fest Anfang 7V3 Uhr. Rclchshalle». Stettiner Säuger. Ansang 8 Uhr. Passage> Pnnoptiknn,. Speciali- täten-Borstcllniia. Urania. Jnvalidenstr. KT/KS Täglich abends von 5—10 Uhr: Steniwarte. Danbeustraste 48/49. Abends 8 Uhr;„Bon den Alpen zum Besuv". Im Hörsaal: Dr. Donath „Röntgenstrahlen". Urania Tanbenatraase 48/40. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen znm Vcsnv:' Hörsaal: Dr. Donath: Röntgenstrahlen. Invalldcnatr. 57/09: Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. ■Passap-Panopticum." Geöffnet 9 Uhr frtih bis 10 Uhr abends. Neueste Sensation! Katakomben zu Palermo. Anatomisches Museum Dienstags für Damen. PassagT�Theater 15 erstklassige Debüts. Vorstellung von 7 bis lO'/j Uhr. [pa I Hier ml bu: I CASTANS PANOPTICÜM Sien! Ken! Ken Ein Riese der englischen Armee Sergeant Tb. Dalroy 3 m SO cm hoch! Oberbayriselie Sänger und Schuhplattler- Gesellschaft. Cirkus Schumann. Heute Sonnabend, den 3. März, abends vräc. 71/, Uhr: 15. Grande Soiree High. lilfe. Gala-Programm. Kolossaler Erfolg d. neuen Programms.. Unter andrem: Der phänomenale Reitkiinstler iJIr. Wllkes I.oyd, der fliegende Jockey. Die neuesten Original-Dressuren des Direltors Albert Schumann, der Schöpfer aller neuen Dressuren. Zum Schluß. Zum 28. Male: Dr. Faust. Eine romantisch-phaistustifche Handlung iu drei Abteilungen vom Hofballett- uieifter A. Siems. Sonntag: S Vorstellungen. Nachm. Zl/z Uhr: Im Velhnachtshazer oder: vle Ruppeiilionlgln. Abds. 7 r/z Uhr: Dr. Faust. Nachmittags 1 Kind frei. Cirkus Bnscli. SV Nur nocki kurze Zeit!"ME Heute Sonnabend, den 3. März, abends 71/, Uhr: Digh Life Dvenlng. Die Camorra. Außerdem: Sign. Ricardo mit seiner dressierten Meute. vle weisse Dame zu Pferde. Herr Burkhardt- Foottit auf„Maestoso". Equestr. Karnevalszug vo» 30Heligstcil, 2 Elefanten:c. Mr. Charles Clarke. Aiiitimg! Moabit! AAmg; Dienstag, den t». März er., abends 8 Uhr: Grche ösfeiltliche KmmmlllllliUhlerHechmlllU im Saale der Arendsschen Brauerei, Tnrmstr. Tagesordnung: l. Die bevorstehende Siadtvcrordiicten-Stichwahl im II. Kommunal-Wahlbezirk. Referent: Genosse Dr. �roii«. 2. Dislussion. 213/12 Wähler des 44. Wahlbezirks, erscheint zahlreich iu dieser Versauimlimii. __ Pas WaliUtoinitec._ Metallarbeiter! Dienstag, Den 0. Marz, abends 8 Uhr, im Moabiter Gesellslhasishans, Alt-Moabit 8l!j8! und Mittwoch, den H. März, abends 8 Uhr, in Ballschmiederß Laak, Badßr. Iii: z? 2 grotze öffentliche Versammlungen. 31 113/3 Tages-Ordnung: Das Attentat der„Kühnrulänner" auf dru Neuustuudeutiig durch deu Beschluß auf allgemeiue Wtcdereiufuhruug der 1 listiiudigcu Arbeitszeit. Referent: D tko Näthqr._ SchilierTheater sWaNiier-Thraterf. Sonnabend, abendSSUHr: Der Prohepfeil. Lnstspicl in 4 Alten von Q. Blumcnthal. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: In Dehandlang. Sonntag, abends 8 Uhr! Die Haubenlerehe. Dt o u t a g, abends 8 Uhr: Per Probepfeil. Belle-illiance-Tbeater. Crntra l lzratrr Direktion: lose Feienci>, Die Puppe. r.>c. Anfang an Wocheittagen um 8, an Sonntagen 71/, Uhr. Palast-TlieateF früher Feen-Palast, Bnrgstr. 22. Heute Sonnabend, den.3. März: Gr. Doehbier-tlnbei-Fest. Extra Vorstellung und Dauz. <«lros!e Gratis- Preisverteilung on die drei schönsten Damen und drei schönste» Herren nach dem Urteil von 12 Damen und 12 Herreu und dein Publikum.— Ilm 8i/- Uhr Wiedcr- uuftrerett des Dir. Willi Frvbel in der mwenvüstlichenGesangSburlcsle Der selige Zwiebelmau». Haiiptrollc»: Dir. Winller». Kröbel. Durchweg ne»c Spceialitäten. Anfang?>/. Uhr.— Tanz N Uhr. Lorverlauf von ll— l Uhr. Besucher der Borstellnng haben Jrei-Tanz. Lhrein, Borzngskaricn nnd Gutscheine sind gültig. ff. Nuacks Tlieater, Dnuitienstraße 16. Heule Sonnabend, den 3. März: Wege» Privatfestiiebireit belae Vorstellung. Amerika. I Familie Bttchholz. Hofschanspielers ehard. Novität! Apollo-Ibkatoi'. ! Veue Debüts! Ritters dressierte Hunde. Piecolo« Miniatur- Terzett. Luc» Nanon, französische Soubrette. Dhe Z Harwens. Drahtsctlkiinstkcr. Aauamarinofss russisches Ensemble. Brothers Braat,. Egiiilibriste». Charles Räufchle, Mimikcr. Alessters-Kosniograph, Transvaal-Bilder. Um 9 Uhr: Ins Reiche des Indra. Anfang der Vorstellung yzS Uhr. r Relchshallen. Täglich: Stettiner Säuger Anfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pfennig. Vorverkauf 40 Pf. liebe tauftreteu von Frist Steidl. Knimdili-Artni Landsberger Chaussee Nr. 1. Saal frei zu Versammlungen. Jeden Sonntag; 3822Ö* Großes Konzert. Entree frei. mim] Hnsikinstrnmenten- Arbeiter. ■SV Sonntag, den 4. März 1900, vormittags lO1� tthr:"ME Oeffentliche Versaniiulun� slir samt!, in kt Rnfikinsirnmenteil-znbnstrie beslliästigten Arbeiter«. Arbeiterinnen im Lokal des Herrn Stechert, Andreasstrasie Sl. Pipenhagen. s unorganisierten. T a g e s- O r d ii» ii g: 1. Bortrag über die Lage der deutschen Mlisitinstiumenteii.Jndnstrie. arbeiter. 2. Distnssion. Der Ernst der Situation erfordert die Zlyweseisheit sämtlicher Kollegen Der Ausstand der Berliner Holz- 141/8 sowohl der organisierten wie der Der Vertranciisniaiiii. Achtung, Holzarbeiter Westen und Süd-Weften! Sonntag, den 4. vomilttags 1 Ehr, bei Habel, Bergmannstrasse 5—7: Oefentliche Holzarbeiter-Versanunlung. Tages-Ordnung: I. Der Streit der Möbeltischler und die jetzige Situation. 2. Dis- kussion. 3. Verschiedenes. 80/ö Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Uolzarbeiter-Verbaml. (Zahlstelle Charlottcnbarg.) Am Sonntag, den 4. März, vormittags 10 Uhr, im Lokal dcS Herrn Wcrnicke, Bismarckstraßc: m r- Die Aussperrung gegenüber. Tages-Ordnung: der Kollegen ani Orte und unsrc Stellung dem- 80/5 Achtung!"WD MM" Achtung! Lederarbeiter Berlins. Dienstag, den 6. März, abends SVs Uhr, im Lokal von Cranz (Bictoriagarteu). Bädftrahe 13; Große öffentliche Versammlung aller in der Lcdcrfabrikatiou beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen < als: Weißgcrber, Lohgerber, Ledersärber, Zurichter und Berussgenossen). Tages-Ordnung: 1 Bortrag des Genossen A. Kttrsten über:„Die wichtigsten Bc- stiminungeii des Jnvaliditätsgesepes". 2. Kassenbericht vom BcrtrauenS- manu. 3. Revisioiisbericht der Revisoren. 4. Stellungnahme znm 1. Mai. Gewerkschaftliches und BerfchiedeneS. 103/2 SV Kollegen, agitiert recht iräfttg für einen zahlreichen Besuch zu dieser Versammlung, beweist durch Euer allgemeines Erscheinen, daß Ihr uoch ei» Interesse desitzt für derartige hochwichtige Borträge. Der Vertraueasmann. Achimig! Former. Mimte! Sonntag, den 4 März 1900, nachuiittags 4 im Kolberger Talon, Kolbergcrstr. SS: Uhr. Große öffentl. Versammlung der Former imd Bernfsgenossen. Tages- Ordnung: l. Vortrag der Kollegen Wamst mibGnthelt über:„Das Unfall-, Alters- und Jnvalidiiätsgesctz." 2. Diskussion. 3. Berschicdencs. SV Theodor Schrvarx aus Lübeck ist auivcseud. Irina' it haben Zutritt. 61/1 Nach der Berfauinilung: GerniltUehes Beisammensein. Um guten Besuch, auch von seiten der Dame», bittet Oer Einherufer. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder- Galanteriewaren-Jiidlistrie beschäft. Arbeiter ,i»d Arbeiterinnetl Deutschlands. Zahlstelle Berlin. DicuStag, den 0. März cr., abends 8'/» Uhr: aWaeeielleatl. Mitglieder- Versammiang im Lonisenstäbt. Köiizerthinis, Alte Jukobstr. 37. Tages-Ordnung: l. AufstcUimg der Kandidaten für den Berbandstag. 2. Abredniung vom Silvcüervergnügcu. 3. Beratung der Anträge zum Berbandstag. 4. Bcrbandsaiigclegcnheiteii und Bersdiiedenes. 23/11 Um vollzähliges und pünktliches Erscheinen aller Mitglieder wird dringend ersucht vle Ortsverwattung. BilletS n 75 Pf. zur Treptower Sternwarte sind in unsrem Bureau, Annenstr. 50, zu haben. Verband der Möbelpolierer. Heute, Sonnabend, in Kellers Frstsälen, Koppcnstrastc S9: Grosser Wiener Masken-Ball f Billets sind noch in de» Zahlstellen sowie bei bekainiteii Kollegen zu haben. Arbeitslose Kollegen haben gegen Vorzeigung ihrer Kontrollkarte freien Eintritt._ 145/17 Die in Arbeit stehenden Kollegen werde» ersucht, heute abend ia den Zahlstelle» ihre regelmäßigen Beiträge sowie die Sxtrabciträge z« entrichten. Montag, den S. März 1900, bei Babcnfchnrider in Nixdorf, Hermannstraste Nr. 19?: Böf NerlAMttTlung."MB Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Metr.ner über:„Jeder Preuße ist vordem Gesetz gleich". 2. Diskussion. 3. SituationSbcricht über unfren Streik. 4. Ersatzwahl zur Wcrkstatt-Kontrollkommisstoii. 5. Verschiedenes. Mittwoch, 7. März, abends 7 Uhr, Friedrichsbrrgerstr. 11 i Vertrattettsnlämier-Sitznng. SfV Für die Zahlstelle Weißensce findet Sonnabend, den 10. März Versammlung statt. eine Näheres in nächster Soiniabcnd-Ainiouce. Der Vorstand. Sanssonci Kottbnserstr. 4a Heute Sonnabend wegen Bereinsfestlichleit: Keine Soiree. Sonntag, dm 4. März: Hoftmaniis AMtliWe Täiigec Cressartiges Programm. Nach der Soiree: Ta n sh ritn» e hen. Klisllaerstr. 8. Zehen Eonntllg: Vall. SonuadsuS, clsii 24. ISär- er.: Feier des XHI. Stiftungs-Festes in Kellers Feftföle». Ztoppenstr. 29. Großes Vokal- tu Jnstrmnental-Konzert (Neues Berliner Konzert-Orchestcr), Dirigent: Herr T i c tz, unter Mitwirkung des.Vuchbinder-Müuiierchors". FvaklFvUs, gehalten vorn Reichstags- Abgeordneten klossnov. Auftreten de-Z beliebten„FIK-Drio". Rillet» SO Pf..Anfang SVi(ihr. a Ball in beiden Sälen. Herreu, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Billets sind in allen Zahlstellen sowie in unsrem Bureau zu haben. AMm> Kottcher. annun«! Sonntag, den 4. März 1900, nachmittags S Uhr, bei Xtimann, Brunnenstr. 188: Oeffentliche Böttcher-Verfammlnng. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Der Eentral-Arbeitsnachweis der Ring- braucreicn. 3. Bericht des Gesellenausschusseö der alten Innung. 3. Vcr- schiedcneS. 39/4 Pflidit eines jeden Kollegen ist es, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Vertranensmann. Deutsch. Metallarbeiter-Verband TerwaltangsstcIIe Berlin. DienStag, de»« 6. März 1900, abends 7 Uhr, im Lokale des Herrn TOpfcr, Ober-Schöneweld«, SimeiiSstraße 5—6; WM- Versa in m 1 u u g."WU Tages-Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über:„Moderne GcwerlsdiaftSbewegung und christlidie Arbeitervereine." Einleitung durch den Kollegen P. Schlegel. 3. Bcrbaiidsangelegeiihciteii. Aufnahme neuer Mitglieder und Verschiedenes. �«IrtmiK, Rohrleger! Sonntag, den 4. März, vormittags 10 Uhr, bei Dleke, Ackerst». 123: SV-florgen spräche."Rm In Rixdorf findet jeden Sonntag nach dem 1. und lü. seben MonatS bei P r e ß l e r, Ziethcnstr. 89, isilorgenspraehe statt. Achtung, Klempner Moabits! Sonntag, den 4. März, vormittags 10 Uhr, bei Psarr, Putlitzstr. 10: IHorgensprache."98 Aerein der Müslhinisten, Heizer nnh Bernssgenessen Berlins»ind vmgegend. Am Sonntag, den 4. März, nachmittags S Uhr, in CohnS FestfiUen, Benthstraste Nr. 19— SO: Antzerordetttl. Generalverfammlnug. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genoisen l-lnl«. 2. Beschlußfassung betreffs Anteil von 500 M. zum GewerkichastshauS. 138/8 Der Vorstaad. �vlitaazx, Former! Montag» den 5. März, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. SO: VevtrottonzsnrÄnnrv-Nonfovenz Jede Gießerei muß vertreten sein. 111/8 Die Ortsvcrwaltnng. Znm Lilnbtnblln! Gebrauchtes Kantholz, Bretter, Latten, Leisten, Thüren, Fenster, Dach- pappe, Teer, billig. M, Rühle, Kottbuscr Damm 22. 2529 Lßend-AeWnemeihe. Restanrant Sportshans. Emps. Vereinen, Gesellschaften in. Saal Garten, Kegelb. u Kaffecl. vohelii»' �Warenhaus � �Wertheim Berlin, Leipzigerstr. 132133. ßosenthalerstr. 27129 und 51. JCnaben-Garderobe. 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IlihWNg. 2. Jtilajt Ks„Wmiitls" Krim MsdIM. Zmnsdklld, 3. Wiit! 1S00. Eine Antwort an die Bergarbeiter des Rnhrreviers. Die Antwort deZ BergbauvcreiuS auf die Eingaben des GeWerk- Vereins christlicher Bergarbeiter Deutschlands und des Verbandes der deutschen Berg- und Hüttenarbeiter liegt numnehr iu folgendem Wortlaut vor: Wir sind in, Besitz der Eingabe vom 16. v. Mts., welche eine Reihe von Forderungen zur Kenntnis des unterzeichneten Vereins bringt. Die Forderungen bezichen sich auf die nachfolgend be- merkten Punkte: 1. Möglichste Ausgleichung der Löhne. 2. Freiwilligkeit der llcberschichten. 3. Anständige Behandlung der Arbeiter. 4. Ucberlassung guter Braudkohle zum Selbstkostenpreise. 5. Ein- richtung von Verbandstuben, sowie vollkommene Ausbildung des Sanitätswescns ans den Gruben. 6. Säuberung der Waschkauen und Schaffung von genügenden Brausebädern. 7". Genügend grosze, saubere Umkleideräume liebst Gelegenheit, die Kleider sicher änfzu- bewahren. 8. Stellung von sicheren Gezähelisten. 8. Teilnahme der Arbeiter an der Verwaltung der Unterstntzungskaffen. Diese Eingabe vom 16. v. M. ist Gegenstand der Verhandlung in der heutigen Sitzung des Vorstands des untcrzeichnclcn Vereins gewesen und wird auf Grund derselben folgendes erwidert: Wir können eine Berechtigung des sTitel) namens der„Rnhrberglcute", Forderungen aufzustellen nicht anerkennen. Nichtsdestoweniger wollen wir aber unsren Stand- Punkt zu den einzelnen erhobenen Forderungen Ihnen nachstehend bekannt geben: Zu 1.: WaS die Lohnfrage betrifft, so wurde bereits bei früherer Gelegenheit darauf hingewiesen, daß die Feststellung der Löhne wie die Lohnfrage überhaupt sich der Kompetenz des unterzeichneten Vereins entzieht. Die Feststellung der Löhne ist vielmehr ausschließlich Sache jeder einzelnen Grubenverwaltung, welche die Löhne mit den bei ihr in Arbeit stehenden Bergleuten vereinbart und hierbei durch den unterzeichneten Vorstand nicht beeinflußt werden kann. Jeder Arbeiter, welcher eine andre Bemessung seines Lohns für wünschenswert erachtet, wird sich daher zweckmäßig an diejenige Zeche, bei welcher er in Arbeit ist, zuwenden haben, und kann daselbst, wie bisher, der wohlwollendsten Erwägung der Ansprüche versichert fem. Die dortseitige Eingabe gicbt zu, daß in den letzten Jahren die Lohne durchschnittlich gestiegen sind, und der unterzeichnete Verein ist der Ueberzeugung, daß bei Fortdauer der dermaligen günstigen Konjunktur und sofern Störungen im wirtschaftlichen Lebe» ver mieden werden, ein weiteres Steigen der Löhne eintreten wird. Wenn dortscits aber behauptet wird, daß bei der Bc Messung der Löhne vielfach große Parteilichkeit herrsche. vermag der unterzeichnete Verein diese Behauptung Bezug auf ihre Richtigkeit nicht zu prüfen. Es er- scheint indessen ganz unwahrscheinlich, daß Bergleute, welche eine parteiliche Feststellung des Lohns vorauszusetzen Änlaß haben sollten dies ruhig hinnehmen und nicht vielmehr direkt vorstellig werden oder Arbeit auf einer benachbarten Zeche nehmen, was' bei den heutigen Verhältnissen in jedem Fall ohne Schwierigkeiten aus führbar ist. Zu 2: Was die Frage der llcberschichten betrifft, so kann der unterzeichnete Verein lediglich bestätigen, daß auch seiner Heber zengung nach lleberschichtcn nur freiwillig zu verfahren sind, abge sehen von der durch die Arbeitsordnung und das Berggesetz fest gestellten Ausnahmen. Zu 3: Daß die Behandlung der Arbeiter eine anständige sein .soll, ist selbstverständlich auch die Ansicht des unterzeichneten Vereins Derselbe könnte gegenteilige Vorkommnisse nicht billigen, muß aber im gegebenen Fall eine Beschwerde bei der betreffenden Zechen verwalning anheimstellen. Zu 4; Soweit dem unterzeichneten Verein bekannt, werden gute Brandkohlen nach wie vor in liberaler Weise größtenteils und erhcblich�initer den Selbstkostenpreise» den Arbeitern überlassen. Zu 6 bis 7: Die geforderten sanitären Einrichtungen bestehen zirni großen Teil schon auf den Zechen und bilden überdies den Inhalt einer bereits vor geraumer Frist, vor Aufstellung der vorliegenden Förderungen, im königl. Obcrbergamt ausgearbeiteten L erordmmg betreffend Maßregeln zum Schatze der Gesundheit der Bergleute sowie zur ersten Hilfeleistung bei Unfällen.— In der Bcgründmig dieser Verordnung heißt es unter andern,:„Es ist be- kannt, daß auf einen, großen Teil der Zechen des OberbergamtS- BkzirkS Dortmund jetzt schon Einrichtungen bestehen, die den Forderungen dieser Bergpolizei- Verordnungen in allen Bc Ziehungen entsprechen, ja zum Teil weit darüber hinausgehen." — Die jetzt im Entwurf vorliegende Bergpolizci-Verordnnng wird voraussichtlich in kurzer Zeit in Kraft treten und werden demgemäß die in derselben enthaltenen Maßregeln auch bei den Zeche» Verwaltungen, Ivo es an solchen noch gebricht, in absehbarer Zeit zur Ausführung gelangen. Zu 8. Die Stellung von Gezähekistcn, welche eine sichere Auf- bewahrung von Gezähestücken ermöglicht, ist auf allen Zechen üblich. Freilich wird es nie möglich sein, vollständige diebessichere Gezähe listen anzuschaffen, welche vor gewaltsamer Entwendung von Arbeits gerät schützen. Diebstähle fallen stets unlauteren Elementen in der Belegschaft zur Last, und das Bestreben auch der letzteren wird sein müssen, derartige Elemente zur Anzeige zu bringen und aus den Belegschaften zu entfemeii. Zu 9. Die Verwaltung der Zcchcn-Ilnterstützungskasscn vollzieht sich gegenwärtig nach den vom königlichen Oberdergamt aufgestellten Normen, und so sistd auch die Belegschafleu durch Vertrauensmänner bei der Mehrzahl der Zechen an der Verwaltung der Kassen beteiligt..- V' �■ Für das Tie gefallen, „Glückauf", Verein für die bergbaulichen Interessen. Präsidium. Gezeichnet: Jcnke.— Das geschäsisführende Mitglied des Vorstands. Gezeichnet: Engel. Antwort des bergbaulichen Jntcresienvercins ist so aus wie sie bereits vor kurzem in den Preßorgauen der Grubenvcrwaltuiigen zu lesen war. Es niag anerkannt werden, daß der Ton ruhiger gehalten ist, als es sonst bei den Meinungs äußernngen der Herren beliebt wird. Erreicht haben die Arbeiter nichts, die Herren erklären, daß alles, was die Arbeiter wünschen, schon jetzt tadellos besteht. Weis» das der Fall wäre, dann würden die Arbeiter keine Wünsche erheben, dann wären nicht so zahlreiche llebelstände fortgesetzt Gegenstand der öffentlichen Kritik. Die Alst- wort besagt nichts andres, als wir wollen eure Wünsche nicht er- füllen, höher steht uns der Profit, als gute Arbeitsverhältnisse im Bergbau. Die Einigung der amerikanischen Socialisien. Man schreibt nnS aus New Jork: Die zehnte Konvention der„Socialistischen Arbeiterpartei" (Original Fraktion), welche vom 27. Januar bis zum 2. Februar in unzweifelhaft alle ihre Vorgänger an dorr zu Tage trat, an Würde der Ver- an Zielbewußtsein mit Bezug auf die lösen hatte. Galt es doch, aus Monate einen Ausweg zu finden, die in verschiedenen Feldlagern kämpfenden, sich oft genug bekämpfenden socialistischen Streitkräfte fortan gemein- schastlich wandeln tonnte». Und das. und noch viel mehr. ist erreicht worden, besser als selbst die Sangniniker unter den Parteigenossen es erwarteten. Im ganzen waren 61 Delegaten aus den folgenden Staaten anwesend: Califomien, Connecticut, Illinois. Michigan. Minnesota, Missouri. Massachusetts, New Jersey, New Jork, Ohio und Pennsylvania, thatsächlich also, da die Südstaaten taum in Betracht komme», fast jeder Staat von industrieller Bcdentung von der atlantischen bis zur Pacisic-Kiiste. Aochester lagt.', überragte Solidität des Wissens, das Handlungen und vor allem Aufgabe, welche sie zu dem Wirrsal der letzte» den KGlMM Die Verhandlungen fanden im RathauSsaak statt—„sie saßen in den Sesseln der Stadtväter", bemerkt die New Jorker„Sun" in einer ihrer Depeschen etwas verwundert—, einer prächtigen Halle, die den Socialisien ohne Umstände zur Disposition gestellt worden war. Der der Konvention vorgeleczte Rechenschaftsbericht der neuen National-Exekutive. welcher sich mit den wichtigsten Zügen der Partei Verhältnisse beschäftigte, gab u. a. eine meisterhafte Darlegung der tieferen Ursachen, welche zu den Ereignissen der letz tcn Monate führten Darüber seien aus dem Dokument, das nnzweifclhaft von großer historischer Bedeutung ist, nur die nachfolgenden Stellen angeführt „Die kapitalistischen Parteien haben, als Parteien, keine go schichtliche Mission zu erfüllen, keinen fernliegenden Zielen zuzu streben, kein Evangelium zu predigen. Sic existieren nur zu einem Zweck— politischer Raub. Die Wahlen sind der Anfang und das Ende, der Zweck und Inhalt ihrer Existenz. Ihre Organisatiousforni, Regieruugsgnmdsätzc und Aktionsniethoden sind im Hinblick auf diesen Zweck ausgebildet worden. Sie sind politische Parteien und nichts als politische Parteien. Eine socialistische Partei ist zuerst, zuletzt und allerwegen gegründet zum Zweck der Verbreitung der Ideen des Socialismus unter den Arbeitern und zur Orgam- sierung der Arbeiterklasse in ihrem Kampf gegen das Kapital. Ihr festes und unveränderliches Ziel ist Ausführung der geschichtlichen Bestimmung der Arbeiterklasse, die Befreiung der Arbeiterklasse. Diesem großen Ziel gegenüber sind alle anderen Handlungen einer socialistischen Arbeiterpartei initergeordnete Mittel, und unter solchen Mitteln nimmt die politische Aktion eine vorherrschende Stelle ein.".. „Die S. A. P. war in früheren Jahren nicht im stände, der Poll tischen Aktion volle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Zum großen Teil ans im Auslande geborenen Leisten zusammengesetzt, denen Sprache, Gewohnheiten n!id Institutionen unsers Landes fremd waren. wie dies in der früheren Periode ihres Bestehens war, war unsre Partei notwendigerweise im Felde politischer Thätigkeit machtlos. Als nnfre Bewegung mehr eingeborne Elemente an sich gezogen und einen mehr amerikanischen Charakter angenommen hatte, entwickelte ein Teil unsrer Mitglieder, denen der Sinn für gehöriges Maßhalten fehlte, eine Tendenz nach dem entgegengesetzten Extrem und setzte die Politik über alles andre. Von dieser Aistchanung waren die ab- gesetzten Parteibeamteu die stärksten Befürworter. Indem sie in der Socialistischen Arbeiter-Partei nichts als eine politische Partei sahen, suchten sie dieselbe nach dem Muster der alten politischen Parteien umzumodeln, die fundamentalen Unter ckiiede zwischen jenen Parteien und der unsren durchaus nnberiick sichtigt lassend. Für sie waren die Wahlen nicht ein Mittel. Socialisten zu machen, sondern Stimmgebcr zu machen.„Wir geben nichts um Vorlräge, ivir wollen Stimmen," erklärte öfientlich einer ihrer stärksten Anbänger in der Stadt New Jork, und in dieser bemerkens- werten Angabe finden wir den Grundton der gesamten Politik der früheren Parteibeamten..." Wenn wir von allen Rontine-Arbeiten, welche die Konvention während ihrer siebentägigen Dauer bewältigte, abseben, so kommen hauptsächlich folgende' b'icr Punkte in Belracht: Die Frage einer etwaigen Vereinigung mit der„Socialdemvkratischen Partei", die Rekonstruktion der Plattform, die Desavoiiiermig der Trade und Labor-Alliance und die Nominationcn für die Präsidcntschaftswahl dieses Jahres. Was den ersten Punkt betrifft, so gab eine Zuschrift der National-Exekutive der„Socialdemokratischen Partei" an die Kö» vention den Anstoß zu den stattgehabten Verbandlungen. In dieser Zuschrift lud sie die„Socialistische Arbeiter- Partei ein,„indem sie das Wünschenswerte gemeinsamen Handelns aller klassenbewußten Socialisten in unsrcm Lande" betonte:„mit der„Socialdemokratischen Partei" den Kampf zur Emanzipation der Menschheit von der Klaffciiherrschaft und kapitalistischen Sklaverei durch die Einfiihnmg der genossenschaftlichen Produktionsweise vereint zu känipsen". Nach einer bemerkenswerten Debatte wurde erstens ein Beschluß gefaßt, nach welchem deni Socialdemokratischen Exekutiv komitce mit brüderlichem Gruß die Mitteilung gemacht wurde. daß eine direkte Antwort ans diese Einladung tu der laufaugs März stattfilidcnde») Konvention der„Socialdemokratischen Partei" gegeben werden würde; ferner aber wurde mit allen Stimmen gegen eine einzige eine Resolution angenommen, welche die Gemeinsamkeit der Prineipieii beider Parteien feststellt und eine Bereinifung empfiehlt und dazu ausfordert,„angesichts dieses großen Zwecks allen kleinlichen Ehrgeiz und persönliche Vorurteile abzulegen und die Einignngs Verhandlungen in beiden Parteien nicht ini Sinne zweier feindlicher Feldlager zu führen, Ivo jeder nm Friede» verhandelt mit dem Nebengedanken, die größten Vorteile für sich selbst zu erringen. sondern im Sinne ebenbürtiger Parteien, welche bisher getrennt für eine gemeinsame Sache gearbeitet haben, aber jetzt ernstlich suchen, eine passende Basis für ehrenhafte und dauernde Vereinigung zum Besten jener Sache zu finden." Es wurde darauf ein Komitee von nenn Genossen aus allen Teilen des Landes gewählt, welches die Verhandlungen zu führen. ein Snbkomitee nach der Konvention der„Socialdemokratischen Partei" zuschicken und dann das Resultat der Partei zur Urabstimmung vorzulegen bat. Dieses Komitee hat auch die Vollmacht, wenn das nach den Verhandlungen auf der socialdcmvlratischen Konvention wünschens- wert erscheinen sollte, einen der in Rochestcr für die Präsidentschaft resp. Niccpräsidentschaft noniinicrteii Kandidaten zurnckzuzieben. immer natürlich vorbehaltlich der Bestätigung durch llrabstmimuilfl. Die Plattform, welche bisher von schwulstigen Phrasen strotzte und einzelne kleinbürgerliche Züge enthielt, wurde so nmgeslaliet. daß sie nicht allein in der geschlossenen logischen Folge ihrer Sätze der modernen socialistischen Erkenntnis entspricht, sondern auch agitatorischen Wert hat. Auch muß es tvohl als eine Verbesserung angesehen werden, daß die„UebergangSfordernngen" nickst niehr integrierenden Teil der Plattform bilden, sondern daß die letztere in einer besonderen Sentenz es der Partei zur Pflicht macht. bis zur Erreichimg der sogenannten letzten Ziele für alle Fordcrimgen einzutreten, welche, je nach den Umständen, den Arbeitern in ihre» Bestrebungen zur Verbesserung ihrer Lage für die Jetztzeit und zur Eniaiicipation von den Fesseln des Kapitalismus förderlich sein können. Dadurch ist der Agitation für die sogenannten Uebergangsforderungen rcicrer Spielraum geschaffen und die Partei zugleich von der Not- Ivendigkcit erlöst worden, für Forderungen, welche angesichts der rapiden Entwicklung des Kapitalismus längst veraltet sind, aber tradiliouell ans den Plattformen mitgeschleppt werden, fernerhin ein- zutreten. Die Frage der„Socialist Trade und Labor Alliance" wurde in der oben angeführten Denkschrift der National-Exekutibe eingehend beleuchtet. Wir citieren nur die folgenden Sätze: Wir maßen uns nicht an, positiv zu erklären, ob der Zustand der Arbeiterbcwegniig während der letzten zehn Jahre der Bildung eines Gewerkschasts-Ceutralkörpers, der von socialistischer Taktik und Socialisten geleitet würde, günstig war oder nicht. Sicherlich giebt es ein ungeheures, aber nicht vielversprechendes Feld unter im- organisierten Arbeitern. Es ist ebenfalls eine Thatsache, daß ein großer Teil der der„American Federation of Labor" angehörenden Unions der Dummheit und Korruption ihrer Führer herzlich überdrüssig geworden sind. Aber unsre theucr erkaufte Erfahrung hat«ns gelehrt, daß eine solche wirklich socialistische Arbeiterbewegung nicht durch ein paar Doktrinäre mit vorgefaßten Meinungen über die Arbeiterbewegung eingeleitet werden kann. Sie. muß von der Masse der Mitglieder der Unions ausgehen und, bis zur Spitze treibend, die engen Rahmen der alten Organi- sationen sprengen und zu einer höheren Basis des Klasscnkampfs der Arbeiterklasse gelangen. Sie muß aus dem Schöße der Arbeiter- beweguug hervorgehen, spontan in ihrem Ursprung, proletarisch ihrem Charakter, und wahrhaft revolutionär in ihren Er- scheimmacn. Dies ist aber gerade, was bei dem vcrimgliickten Versuch zur Organisierung eines Centralkörpers socialistischer Gewerkschaften der „Socialist Trade and Labor Alliance" nicht der Fall war. Beschlossen wurde, die alte Aufforderung an die Parteigenossen, sich ihren resp. Gewerkschaften anzuschließen,' zu erneuern, dagegen alle früher gefaßten Beschlüsse, in welchen irgend eine bestimmte Organisation von Arbeitern einer andern vorgezogen wird, zu wider- rufen. Damit war das Verdanmnmgsurtcil über die„Alliance", die so viel Unheil angerichtet, gesprochen. Obgleich mm die Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, daß gelegent- lich der formellen Uebereinkimft mit der.„Socialdemokratischen Partei", deren Konvention am 6. März in Indianapolis beginnt, von dieser letzter» ein Kandidat für Präsidentichaft oder Vice- Präsidentschaft beansprucht werden wird,>0 schritt die Konvention dennoch uiitcr großem Enthusiasmus zur Nomiuation von Kandidaten. es dem Nemicr-Komitce(siehe oben) überlassend, eventuell an Stelle eines derselben einen andern zu setzen. Auch der zn adoptierende nationale Parteiname— wegen der bestehenden gesetzlichen Vor- schriftcn über offiziell anzuerkeiiiiende Parteien bon Wichtigkeit— wird erst nach der Jndianapolis-Konbcntion festgesetzt werden. Als Kandidaten für die Präsidentschaft resp. Vicc-Präsidcntschaft wurde» Job Harriman und Max S. Hayes nominiert. Job Harriman, eine iiiigcmcin anziehende und sympathische Er- scheimmg und vorzüglicher Redner, ist am 15. Juni 1861 in Clinton County, Indiana, geboren und ging im Jahre 1836 nach San Frau- ciSco. wo er sich als Advokat Praxis erwarb. Im Jahre 1899 wurde er, durch BellamyS Schriften angeregt, Socialist,. und Californien hatte seitdem keinen eifrigeren socialistischen Agitator als Harriman. Ein wesentlich andrer Typus, als Harriman, Ivird durch Max S. Hayes ans Clevcland, den Kandidaten für die Vice-Präsident- ichaft, repräsentiert. Hayes wurde am 25. Mai 1866 auf einer Farm in der Nähe des Dorfes Havana, Hnron Eoimty, Ohio. geboren. Bis zu seinem 13. Jahre besuchte HnycS die öffentlichen Volksschulen,«in dann in eine Druckerei, „des armen Jungen Hochschule", wie Horace Greeley, der nnvergeß- liche Gründer der„N. J. Tribüne", für welche Karl Marx seiner Zeit seine berühmten englischen Korrespondenzen schrieb, sie genannt hatte. Hayes ist heute Setzer und zugleich Nedncteur des Cleveland „Citizen", des einzigen gewerlschaftlichen Blatte»_ Amerikas in englischer Sprache, das voll auf dem Boden der socialistischen Be- Wegimg steht. Das Resultat der Konvention ist unter den Socialisten de? ganzen Landes mit Jubel begrüßt worden. Nach all', dem Elend der letzten Jahre endlich einmal wieder freie Bahn für gemeinschaftliches Schaffen aller zielbewußten Socialisten l Der„Social Democratic Herald", das ofsiziello Organ der S. D. P.. verspricht den Delegaten der S. A. P. einen brüderlichen Empfang auf der Indianapolis Konvention. Das deutsche offizielle Blatt der S. D. P.. die St. Louis„Arbciter-Zeitiing", schreibt:„ES war dieö seit fünfzehn Jahren die erste nationale Konvention der„Socialistischen Arbeiter-Partei", welche der socialistischen Bewegimg auf amcrikani« schein Boden wirklich Ehre macht. Die Delegaten haben als Männer gehandelt, als Socialisten. Freudig strecken wir ihnen die dar- gereichte Bruderhand entgegen zu' gcmeinichnftlichcm Wirken für unsre große Sache— den internationalen Socialismus." Und der Havcrhill„Social-Democrat", das offizielle englische Blatt für Masiackiusetts, ruft aus:„O. über die Verschwcndmig von Energie, von Talent, von Geldmitteln während der letzten Jahre! Und setzt eine geeignete Organisation, eine vereinigte Presse, eine gccinigte Schaar von Rednern und eine geschlossene Front gegen» über dem Kapitalismus! Diese Aussicht ist wohl geeignet, das Herz mit Jaiiebzeu und die Seele mit neuem Eifer und neuer Hoffnung zu erfüllen." Und inzwischen geben die Genossen diesen Gefühlen praktischen Ausdruck, indem sie' bei Gelegenheit der bevorstehenden Frühjahrs- Koiiimiinalwahlen an vielen Orten bereits gemeinschaftliche Kaiididalenlisten aufstellen._ Unfallversichcrungs-Kominissio». Die Freitagssitziing erledigte nur die beiden Paragraphen, welche sich auf die„Hastimg der Betricbsuiitcrnchmer und Betriebsbeamten" beziehen. In dem ersten Paragraphen handelt es sich zwar um eine' ungchcucrlickie Ungerechtigkeit, aber um eine solcke„nur" gegen die Arbeiter. Den bcrsicherteii Arbeitern wird nämlich seder Anspruch auf denjenigen Schadensersatz gegen den Unternebmcr oder dessen Bevoll« mäckitigten entzogen, der nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch jedem andern Menschen zusteht. Nur in dem durchaus unpraktischen Falle, daß der Uiitcriiehmer den Unfall vorsätzlich herbeigeführt hat, kann der Arbeiter von dem Unternehmer eine Entschädigung auf Grund des Bürgerlichen Gesetzbuchs verlangen. Die in dem Unfall- vcrsicheruugs- Gesetz vorgeschciic Entschädigung ist eine viel geringere als die nacki dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Der ver- imglückte Arbeiter ist also i» all' den Füllen, in denen der Unfall durch die Schuld des UiiternchiiierS herbeigeführt worden ist und in denen ihm nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ein EntichädigungS-> mispruch zustehen würde, durch das UnsallverficherungS-Gesetz schwer geschädigt. Die Socialdcmokraten beantragen, diese durch nichts begründete Ungerechtigkeit gegen die Arbeiter eud- lich zu beseitigen. Die bürgerliche'Mehrheit ließ sich aber hierauf nicht ciii, sondern lehnte den socialdemotratischen Antrag ab. Infolgedessen bemühten sich die Soeialdcinokratcn, wciiiasteiis eine von der Regierung borgeiionimcne Verschlechterung des Gesetzes zu verhindern. Der Anspruch auf die nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch zu zahlende Entschädigmig soll auch den Hinterbliebenen eines Ver« niglückte» entzogen werben selbst dgiiii. wenn, siemach dem Unfallver- sichcrunge-Gcsetz einen Anspruch anf Rcnte nickst haben. Diese Bestimmung wird praktisch in dem Fall, daß ein verheirateter Arbeiter durch einen BetriebSnufall getötet wird, der zum Unterhalt seiner Eltern verpflichtet gewesen war. Wenn nun die Witwe und Waisen des Verstorbenen zusammen bereits als Rente 69 Proz. des Arbeits- Verdienstes erhalten, so steht den Eltern des Verunglückten nach dem UiifallversichcrmigS- Gesetz ein Anspruch ans Eist- schädigung nicht zu. Ohne die von der Regierung bean- iragte Verschlechterung können sie dann ans Grund des Bürgerliche» Gesetzbuchs eine Entschädigung von dem Unternehmer ver- laugen. Dies wird jetzt durch die von der Regierung beantragte Aeiideriing ausdrücklich ausgeschlossen. Die Socialdcmokraten ver- langten, iveingsteiis diesen Zusatz zu streichen. Aber auch das wurde abgelehnt, so daß also nicht nur die frühere Ungerechtigkeit bestehen bleibt, sondern eine neue hiiiznkoiiimt. Bei dem nächsten Paragraphen Herhielten sich die bürgerlichen Vertreter ganz anders. Hier ist ja auch von der Haftung der Unter- iichmcr gegen die BerufSgenossenschaften die Rode. Nach dem bestehenden Gesetz haftet unter gcivissen Umständen der BetricbSniiternehnicr oder dessen Bevollmächtigter, und zwar dann, wenn durch straf- gerichtliches Urteil festgestellt worden ist, daß er den Unfall vorsätzlich oder doch fahrlässig durch Außerachtlassimg derjenigen Aufmerksamkeit, zu der er vermöge seine» AmtS, Berufs oder Gc- werbes verpflichtet ist, herbeigeführt hat. Es hat dmin alle Aus- wcndungen zu bezahlen, welche die BcriifSgenosseiischaft oder Kranken- lasse zu«lachen verpflichtet ist. Gegen diese Bcstimminig erhoben namentlich die Vertreter ländlicher Kreise lebhaften Einspruch. Es kommen, so behaupten sie, sehr oft Fälle vor, in denen ein Be» itzer durch eine kleine durchaus zu entschuldigende Fahrlässig- keit ciiien Unfall herbeiführt und dann durch den Ersatz allerg Aufweiiduiiae» ans» äußerste geschädigt, ja vielleicht vollständig ruiniert wird. Deshalb verlangten sie, daß das Gesetz wenigstens olveit geändert werde, damit derartige Härten in Zukunft vermieden werden. Sie behaupten, daß hierbei die Interessen der Arbeiter aar nicht berührt werden. Von den Socialdcmokraten wird ihnen aber nachgewiesen, daß dann, wenn der Unternehmer für eine etwaige Fahrlässigkeit in der im Gesetz vorgesehenen Weise schwer heran- gezogen werde, dies ein Ansporn sei, für möglichst gute Schutz- Vorrichtungen zu sorgen. Auch die Regierung befürchtete, daß durch eine Abschwächung der jetzigen Haftpflicht des Unternehmers eine noch größere Vernachlässigung der Schutzvorrichtungen und dadurch Vennehrung der Unfälle veranlaßt werden könnte. Trotzdem bleiben die bürgerlichen Parteien bei ihrem Verlangen und verständigen sich schließlich auf einen Antrag, nach dem eine doppelte Abschwächung der bestehenden Acstimmung erfolgt. Erstens ist der Unternehmer der BcrufSgcnossenschast nur dann crsatz- pslichtig, wenn ihm eine grobe Fahrlässigkeit in seinem Berufe nach- gewiesen werden kann, und zweitens ist der GcnosscnschaftS- Versammlung anheimgestcllt, auch in einem solchen Fall von dein Ersatz der AuflvendUngen abzusehen. Nächste Sitzung Dienstag._ In der Wahlpriifungs Komniissio» wurde in der Donnerstag- abend-Sitzung die Wahl des Abg. B o I tz- Saarbrücken lnatl.) b e- anstandet und über eine ganze Reihe von Protestbchanptungcn Beweiserhebung beschlossen. ES handelte sich da um die im Saar- revicr üblichen Wahlbceinflnssungen und Wahlkontrollen seitens der Bcrgbeamten, wie sie� ja auch bei der Wahl des Herrn v. Stumm im benachbarten Kreise Ottweiler in so skandalöser Weise geübt worden sein sollen, so daß auch dessen Bcnnstandnng sicher ist. In der Freitag-Sitznng stand die Wahl des Abg. Zwick- Berlin V zur Verhandlung. Auch diese Wahl ivnrde vorläufig beanstandet, worüber an der Spinc des lokalen Teils näher bei richtet wird. Fenier wurde die Wahl des Abg. Müller-Rudolstadt für istiltig erklärt, da die angestellten Erheblingcn die Protestbchanptiiugcip nicht genügend erwiesen. Ju der Bndgetkommission des Reichötags ivnrde an« Freitag bei der Beratung des Etats der Zölle und Verbrauchssteuer» folgende vom Abg. Tr. Paasche vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen:„Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, deii Verkauf der künstlichen Süßstoffe an die Apotheker zu verweisen mit der Mäßgabe, daß sie nur ans ärztliche Anordnung verkauft werden dürfen. Abg. Miillcr-Fnlda kam dann aus dieFragc der Zulkcrpräinie». Wenn cS so weitergehe, seien die Prännen für die ltandwirtschaft ohne große Bedeutniig, schädigten dagegen die Fiiiaiizcn des Reichs. Staatssekretär v. Thieluiann bedauert, daß eine internatlonalc Verständigniig über die Zuckcrprämicn nicht zu stände gekommen sei, obwohl Deutschland mit größtem Ernst die Verhandlungen geführt habe. Der Titel Zuckersieiicr wird darauf uach�dem Arisatz.der Regierung bennlligt. Bei der Vraustcnrr i iv 16c> 000 3)1., d. h. 1 018 000 M. mehr als im vorigen Fahre) teilt Abg. Dr. Pansche init, daß die Kommission zur Beratung des «nrrogatverbots zu einem befriedigenden Resultat gelangen werde. Abg. Muller-Fnlda verweist darauf, daß der Widerstand gegen das Turrogatverbot voin preußischen Finanzminister ausgehe, der Steuer- plane eamit verbinden ivolle.!!1!an müsse das Snrrogatvcrbot ganz von Stencrrünksichten trennen. Ein Vertreter dcs Ncichs schatzamts teilt init, daß die Frage des Surrogatverbots erst dann spruchreif sei, wen» die Existenz der Kleinbetriebe ! flestcher.t werde. Der preußische Finnpziuiniftcr sei der aiistcht, daß socialpolitische und ivirtschaftlichc Ztücksickiten hier obwalten. Ohne Reform dcS� StenergcsctzeS sei' die Eristenz der »"'betr-ebc nicht sicher zn stellen. Abg.»>.«ardorff betont, das Verbot der Surrogate nlüfse jedenfalls im Interesse derKonsniiwnten durchgeführt werden. Die Ansätze des Etats werden darauf ge- nehmigt. Die nächste Sitzung der KoiiMlission ist auf Dienslaa anberaumt zur Beratung des Postchcck-Gcsctzes. Der«cniore»- Konvent hat sich gestern unter Vorsitz des Reichstags- Präsideuten über die g c s ch ä f t l i ch e E r l e d i g n n q der ichwcbeiidcn BcratunZSgcgcnstände verständigt. Die erste Hälfte der nächsten Woche soll der Förderung der zweilen Lesung dcS Etats dienen. Vom 8. März an ivird die Beratung des Etats unter- brachen und die Erledignng- der noch nicht verabschiedeten Gesetzentwürfe in Angriff gcnonnnc». Zuerst lomnit die zweite Beratung des Flenchschan-Gcsetzcs an die Reihe; dann folgt die zweite Lesung des MünzgesetzeS. der sich die Beratung der in der dritten Lesung der Gewerbe- Ordnung zurückgestellten Paragraphen onschließi. Nach Abschluß der zweiten Beratungen begimieii die dritten Leimigen der lex Hemze und der Flcischschan-, Münzgesetzc, sowie der Gewerbe-OrdnllngS-Novellc. Nach Abschluß dieser Beratungen ist die Erledigung der Berichte der WahlpnlstingS-Kommission in Aussicht genommen. All diele Gegenstände betreffe» sehr bestrittene Vorlage», zu deren Erledigung eilt beschlußfähiges Haus erforderlich ist. um nicht mitten in teil Beratnngen stecken zu bleiben. ES soll daher darauf hingewirkt werden, daß von Milte nächster Woche an die Abgeordneten m beichliißfähiger Anzahl anwesend sind und sür längere Zeit an, Platz bleiben. Man glaubt, bis zum 17. März die bezeichnet�! Gesetze und Borlagen erledigen zn können. Hierauf werden die ziirückblelbenden Teile dcS Etats in zweiter Beratung scrtiggesrcllt imd dann die dritte Beratung des Etats in Angriff genommen. Auf diese Weist hofft man bis zum Eintritt der Osterferien das bezeichnete Arbeitspensum zu bewälligcn. Nach Ostern wird die Flottenvorlage die parlamentarische Arena beherrschen, da die Absicht besteht, diese Vorlage in der. Bndgetkommission noch vor der Osterpanle zn erledigen. lokales. Ten Mitgliedern der Lokalkommisston in Berlin und der Ilmgegend die Mitteilung, daß die nächste Lokalliste am 1l. März erscheint. Aendernngcn und Neuaufnahmen sind spätestens bis zum S. März dein Genossen Karl Scholz, Wraiigelstratze 110, mitzuteilen. Flugblattvcrteiluug in Moabit. Die Parteigenossen, welche elvillt sind, Sonnlag bei der Flugblattverdreitung im 1. Kommnnal-Wahlvczirk zu helfen, werden gebeten, sich früh 8 Uhr bei Johann Pfarr, Putlitzstr. 10, zu melde!'. Der BertraueuSmann. Arbeitcr-VildungSschule. Sonntag, den 4. März 1900, vor- mittags 10 Uhr. Besichtiguiig des Gewerk schaftShaufeS, Engrl-Nfer 1ö— 16. Zahlreiche Beteiligiiiig erwartet _ Der Vorstand. Tie Wahl ZtvickS im fünften Vcrliner Wahlkreise vor der Wnhlpriifnngs-Kommisstou. Am Freilagvormittag wurde in der Wahlprüfungs- Kommission die Wahl im fünften Berliner Reichstags- Wahllreife verhandelt. Referent war der Abg. Fischer- Berlin. Korreferent der Abg. Fischbeck. Bei der Hauptivahl fehlten unterm Genossen R. Schmidt bekanntlich 495 Stimmen an der absoluten Mehrheit. In der Stich- loahl siegte Zwick mit der relativen Mehrheit von 5b Stimme», nämlich mit 10 957 gegen 10 899 für Schmidt abgegebene Stimmen. Nach Prüfung der Wahlakten verringert sich diese Majorität ans 47 Stimmen, weil 12 für Schmidt abgegebene Stimmen und t für Zwick zu Unrecht für ungültig erklärt worden waren. Von mlsren Genossen wurde sowohl gegen das Ergebnis der Hauptwahl wie gegen das der Stichwahl Protest erhoben. Bezüglich der Hauptwahl richtet sich dar Protest hauptsächlich dagegen. daß in den Wahlbezirken 397, 400 und 4t!1 von den freisinnigen Wahlvorstehern widerrechtlich von den Wählern fast durchgängig Legitimation verlangt und jeder, der nicht im Besitz einer solchen gewesen sei. von der Srimmabgabe zurückgewiesen worden sei. Bor dem 383. Wahlbezirl sei der social- demokratische Stimmzettel-Verteiler sogar widerrechtlich verhaftet worden, was bei seiner späteren gerichtlichen Freisprechung ansdrück- lich konstatiert worden sei. In diesen vier Bezirken haben im ganzen 922 Wähler ihr Stimmrecht nicht ausgeübt,>vas nach der Protest- behanptnng zweifckloS zum Teil jenen ungesetzlichen Maßnahmen zu- zuschreiben sei, so daß ohne jene Praktiken lvahrschcinlich ein andres StinunenergebniS sich herausgestellt hätte. Die Wahlprüfniigs-Koniniission ivar e i n st i m m i g der Meinung, daß das Verhalten der Wahlhorsteher, wenn sich die Protest- vchauptiilig bewahrheiten sollte, ei» ungehöriges sei, daS unter Umstände» zur Kassierung der betreffenden Wahl- a k t e führe» müßte sdaß die Protestbewegung bcgriiudetjvar, beweist ja auch die Verfügniig des Magistrats, worin für die Stich- ivahl die Wahlvorsteher' ausdrücklich von der Erhebung solch genereller chikanöscr Fordcrnngen abgemahnt wurden); da aber. die Protesterheber unterlassen hatten, anzuführen, lv i e viele Wähler von der Stimmabgabe zurückgewiesen worden seien, so erklärte die Mehrheit der Kommission den Protest nicht als genügend substantiiert und lehnte den An- trag auf BclvciScrhcbimg ab! Betreffs der Verhaftung des Stiinmzettel-VerteilerS ergab sich ans dem Urteil, daß derselbe nicht wegen Stiniinzettel-Verteilens, sondern angeblich wegen rnhestörenden Lärms(Zuruf ungehöriger Bemerkungeil) sifticrt worden sei, so daß dem Beamten ein gcsetz- ividrigeS Verfahren nicht zum Vorwurf gemacht werden köime, wenn auch seine Annahme sich als unziltresscnd erwiesen habe. Daher legte die Mehrheit der Kommission diesem Beschwcrdcpniiktc keine Bedeutniig bei. Gegen die Stichwahl rügte der Protest unsrer Genossen eine Reihe von Verstößen gegen wesentliche Vorschriften des Wahl- reglcinentS. Im 4l2. Wahlbezirk war»ach der Protestbehauptung die Wahlhandlung vom Wahlvorsteher nicht nach den Vorschriften des§ 12 eröffnet worden. Der ß 12 besagt:„Die Wahlhandluiig wird damit eröffnet, daß der Wahlvorsteher den Protokoll- fiihrer und die Beisitzer mittels Handschlag an Eidcsstatt verpflichtet und so den Wahlvorstand konstituiert." Eine Minderheit der Koniniission legte den Nachdruck daraus, daß die Protesterheber nur rügten, daß der Wahlvorsteher nicht selber die Wahlhandlung eröffnet habe: das sei auch nicht nötig, im Fall seiner Abwesenheit oder Verhinderimg könne dann eben der Stellvertreter einspringen; der Referciit vertrat die Ans- 'assniig, daß die Protesterheber die N i ch t e r ö f s n n n g nach der Vorschrift des§ 12 überhaupt rügten. Da in diesem Wahlbezirk Zwick 330, Schmidt mir 131 Stimmen erhielt, so stehe inid falle � mit diesem Punkt die ganze Wahl. Tie Mehr- heil der Kommission»ahm diese Möglichkeit als gegeben an und beschloß die Beweiserhebung über dieseBehauptung. Ebenso über die Behauptung, daß 4 eiiigetrageiic Wähler ihre Stimme abgegeben hätten, ohne daS wahlfähige Alter erreicht zu haben, und endlich darüber, daß auch ein Ausländer zu Unrecht in die Wählerliste aufgenoinmen ivorden und feine Stimme abgegeben habe. Stach diesen Beschlüssen beantragte die Kommission im Relchsiag. die Wahl des Abg. Zwick vorläufig zu beanstanden und die Güttigkeilserklärung bis nach Eingang der geforderten Beweis- erhcbnng ansznsetzcn.__ Zur Uiitersiiitznug dcS bürgcrparteilichcn Stadtverordneten- Kandidaten wurde seitens dcS Moabiter Wahlausschusses der Bürger- Partei in einer„M i t t e l st a» d s- V e r f a m m l u n g" aufgefordert, die am Donnerstag von:„Eeiitralverband der Lcrei'nc selbständiger Gewerbetreibender" nach Moabit zusammenberufen ivorden war. Die Versammlung sollte sich eigentlich nur mit„brennende» Mittelstands- fragen", nnmeiitlich mit der Warciihansfragc, beschäftigen. Sie wurde aber mit Vorbedacht gerade im M o a b i t'e r 44. K o mm u» a l- Wahlbezirk abgehalten, weil der Bürgcrpartei zugleich Gelegenheit gegeben werden sollte, ihren Bäckermeister Wolf auch einmal vor einer Korona von mehr als 2—3 Dutzend Menschen zu zeigen. Eni Mitglied des Wahlausschusses pries in längerer Rede die Bllrgerpartci im ollgemeineii und Herrn Wolf im besondren. Dabei vergaß der Herr vollständig, daß er sich in einer Vcrsammlmig einer angeblich unpolitische» Vcrciiiigmig befand, und daß auch die Bürger- Partei selber eine angeblich„parteilose Bürgcrvcrciiiigung" ist. Ans seinen AnSführungcn mußte auch dem Kurzsichtigsten endlich klar werden, daß d i c i in k o» s e r v a t i v- a n t i s e in i l i s ch e n F a h r- w a ss e r segelnde Berliner B ü r g e r p artet die„Partei- l o s i g k c i t" n il r a l s M a S k c vornimmt,»im möglichst Ivette Kreise der Bevölkerung ihren politischen Partcizwcckcn dienstbar machen zu können. Der Mittelstand ist eS. den man in erster Linie dazu auSersehen hat. dieser reaktionären Parteigruppe von neuem Wasser ans ihre Mühle zn führen. Ob das den Machern jetzt im 44. Kommunal- Wahlbezirk ge- lingen ivird'■ Sic erwarten es. aber ans die Bersainmluug schien die Emvsehliing des Bäckermeisters Wolf leiueii üvcnnäßig tiefen Eindruck zu machen. Wer Herrn Wolf kennt, der kann sich aller- dingS. selbst wenn er zu den begeistertsten Anhängern der Mittel- stoudßbeweguiig gehört, kaum criislyaft der Hoffnung hingeben, daß dieser bemitleidenswert hilflose Mann mit Erfolg als Sttirmbock gegen die mittelstandSfeindlichen Elemente in der Berliner Kommunal- Verwaltung zu verivenden wäre. Die einzige Wirkung einer ciwaigen Wahl Wolf» wäre die. daß die politisch u n d Wirtschaft- lich reaktionären Gruppen der Stadtverordneten- B e r s a m in l u n g n o ch u m eine» st 11 m m nickenden F a- S a g e r vermehrt>v ü r d c n Darum sollte von Rechts wegen jeder aufgeklärte Mann, welcher BcvöUerungsschicht er auch angehöre, diese Kandidatur nicht nur nicht unterstützen, sondern direkt b e k ä rn p s e n. Unsere Genossen in Moabit wissen, daß i i e am Wahltage den Kamps allein zn führen haben werden. Die M i e t e r p a r t e i soll zwar in einer nicht-öffentlichen Lcrsammlung bereits Stimm» ciitkaltiing beschlossen haben, bei der eigenartigen Zusamutcnsetzuilg dieser Parteigruppe ist aber anzunehmen, daß ein Teil trotz aller Beschlüffe und offiziellen Erklärungen auf die Seite der Bürgerpartei tritt. Von den Frei s innigen ist bisher noch nichts darüber verlautet, wie sie sich zur Stichwahl stellen; einstweilen giebr sich die Bürgerpartei alle Mühe, sie zu sich herüberzuziehen. Unsre Ge- Nossen werden daher ihre ganze Krasr einsetzen müssen, wenn diesem bedeutungslosesten aller Stadtverordneten- Kandidaten, die je von der Bürgerpartei den Wählern präsentiert ivorden sind, am 9. März die verdiente Niederlaga bereiter werden und der Arbeitcrkandidat Glocke als Stege r aus dem Wahlkampse hervorgehen soll. Der deutsche Kaiser und die deutsche Kunst. Eine Lokal- korrespondcuz weiß zu melden:„Die voli�eilichcii Maßnahmen gegenüber den Ä u n st h a n d l u» g e n sind ans eine Initiative des Kaisers zurückzuführen. Bor einigen Wochen ivar gclcgent- lich eines Festes im iöuigl. Schlöffe neben zahlreichen Abgeordneten auch Polizeipräsident von W i n d h e» m geladen. Bei dieser Ge- legeuhcir tan, der Kaiser auf die„höchst zweifelhaften AnSstellungS- Produkte" zu sprechen, welche keineswegs geeignet scicli, die StttlichkeitSbestrcbiingen zu unterstützen. Der Kaiser befahl dem Polizeipräsidenten, gegen die Kunsthandlungen vorzugehen, doch bat der Monarch. dies in schonendster Form zn thun, da»nir die Beteiligten durch die Maß- nahmen kaineslvegs geschädigt werden sollten. In der Potsdamer-, Bülow- und Knrsurstenstraßc wurden übrigens am Donnerstag iviederm» mehrere Kunst- und Zeichcmnatcrialicn-Handlnngcn durch die Polizei beehrt." Wenn diese Mitteilung richtig ist. so kann Wilhelm II. sich sein Urteil über die aiigoblicha Uiistnlichkeil der Kunsthandlungen kaum aus eigner Anschauung gebildet haben. Denn soviel die Presse auch über die Thaten und Auslassungen des Kaisers auf künstlerischem Gebiet zu vermelden gewlißr hat, so ist doch wohl noch niemals etwas darüber mi'tgcteill worden, daß der Monarch sich m Berlin in den großen Haufen derer, die zu Fuße laufen, gemischt und vor den Schaufenstern der in Betracht kommende» Geschäsle Muslcrimg gehalten habe. Wie in seinen, von der überwältigenden Mehrheit' deS Bolls abweichenden Anschauungen über hervorragende Erscheinungen im socialen Leben, so wird der Kaiser sich auch bei seinem Urteil in dieser die Kniist betreffenden Frage ans die Mitteilungen dritter, allerdings gewiß sehr frommer Personen gestützt haben. Ein neues Ortsstatut für die städtischen Gemeinde» beamie» hat das Magistratäkollegium auf Grund des§ 11 der Städtc-Ordnung vom SO.' März 1853 in Ausführung der 88 8 und 9 des Gesetzes, betreffend dieBcsiallniig und Versorgung der Kommunal- bcamten vom 30. Juli 1899, mit Zustimmung der Stadtverordneten- Versammlung zu erlassen beschlossen. Die llrantasäulcn. Sowohl wegen der Uraniasäulcn(Urania- uhrcn) wie behufs Ailfstcllnng iiener Kandclabcruhren wird der Stadt- verordnelen-Versammlung eine neue Vorlage zugehen. Von den bc- stehenden öffentlichen 30 Uhrcn sollen sieben Uhren versetzt werden, wofür den, jetzigen Unternehmer 1000 M. pro Stück bewilligt werden sollen. Außerdem sollen 10 NorinaI-(Kaiidclaber1-Uhren an noch zu bestimmenden Gegenden der Stadt Aufstellung finden. Der Magistrat hat der Stadtvcror'oncten-Vcrsonunlnng mtt- geteilt, daß er ihrem Beschluß ivcgen Errichtung eines mit einer balkeriologischcn Abteilimg zu verbindenden städtischen Unter- s n ch» n g s a m t S für NahrungS- und Gcunßinittcl sowie Ge- brailchsgegeiistände beigetreten sei. Wegen der Auswahl eines Grundstücks und der inneren Einrichtung für diese Anstalt soll der Bersanunliing nach Aufftellling des Kostenanschlags und nach Be- endiguiig der Vorarbeiten eine besondere Vorlage gemacht werden. Ter Lehrpsa» für die sicbenktassige Gcmciiidcschnlc ist jetzt fertiggestellt. In der Berliner Lchrerschost wird darauf gerechnet. daß ihr der Plan, bevor er zur Rachsuchung der Bestätigung an die Aussichtsbehörde geht, mitgeteilt wird, um ihre Wünsche und etwaige Bedenken zn hören. Ter Verein z»r Förderung der Vluinenpflege bei Geimmide- schult», der» hat im letzten Jahre an 44 Geineindeschnlen 8000 Topf- pflanzen verteilt. Im Borjahr hatten sich nur. 33 Schulen mit 6000 Pflanzen an diesem Unternehmen beteiligt. Ter letzte Schueefall hat eine ganze Reihe von Unfällen und Betriebsstörungen gezeitigt. Ter KäiismaimSlehrling Max Jüttner glitt tiifolge der Glätte am Elisabethnfer anS und fiel in den Liiiscnstädtischen Kanal. Er wurde sofort von den, Obsthändler Otto Wolfs von einem Handkahn anS ivicder herausgezogen. Außerdem verunglückten infolge der Glätte elf Personen und crliltci, zun, Teil schwere Vcrlctzlmqcn. Die städlische Straßenreinigmig hat gestern morgen 800 Hilfsarbeitcr und 250 Wagen zum Fortschaffen l>cS Schnees ans Werk gehen lassen und hofft, baldigst die gesamten Schneemassc» beseitigen zn können. An Kosten har der diesjährige Winter, der nur wenige seinesgleichen in den Vorjahren hat. der Stadt bereits 715 596 M. vernriachl. eine Summe, die nach Hinzu- rechnniig der nunmehr neu entstandenen Kosten nur durch die des Winters 1894, 95 übertroffen wird, der 1 109 70! M. erforderte. Der städtische Etat stellt für diese Kosten nur 180000 M. ei». Eine Zeitschriften Expcditto» beabsichtigt die Berliner Paket- fahri-Aktiengesellschafl nach Eingehen ihres BriefvcrkehrS am 1. April ins Leben zu rufen. Die Gesellschaft will die Expedition von Wochen- und Monatsschriften für Berlin und die aiigrenzenden Vororte über- nchmcii und'erhebt pro Exemplar und Nummer eine Gebühr von 1> Pfennig. Die Gesellsciiast hat an verschiedene Zeitschriften- Erpedttionen die Anfrage nach Stärke der Beteiligung gerichtet, uni hieniach zu beurleilen. ob die Errichtung der geplanten Eentral- crpedinon durchführbar ist oder nicht. Die Agitation gegen die Warcnhausstcuer nimmt in den beteiligten Kreisen erfolgreichen Fortgang. Der Ausschuß der Waren- Hans-Angcstclltcn hat in diesen Tagen ein Ftugblatt ausgegeben. das sich an alle Angestellten im HandelSgewcrbe wendet, und aus eine Protestversanimliing hinweist, die zur Wahrung ihrer Interessen zum Freitag, den 9. März, abends SV- Uhr. in, Feen-Palast ein- berufen ist. Um bei Unfällen und Verkehrsstörungen bester gerüstet zu fei», hat die S'.raßenbahiigcsellschaft auf den elektrisch betriebenen Linien einige Sammler- und OberleituiigSwagen mit HandwcrkS- zcng wie Hcbcvorrichtniigcn nstv. und Neserveteilen wie Blei-Einlagen ausaestattct. Bisher mußten- diese Hilfsmittel bei Entgleisungen usw. aus' den nächsten Werkstätten erst herbeigeschafft werden, bei der nimen. Einrichtung sind sie viel früher zur Stelle. Diese so aus- gerüsteten Wagen sind an einer an der hinteren Plattform auf- gehängten blauen Scheibe teumlich. Guter bürgerlicher MittagStisch� Der Inhaber einer bc- kannteil West, Handlung in der Leipziger Straße hat dieser Tage bc, der Hochzcitsscier seiner Tochter folgendes Esten gegeben: Tischwei»: 1592 er Oberen, lcr. 1S9Ser RuppcrtSberger. 1S3Ler Ehaste- Spleen. Austern auf Eissockel.— Moet Chandon, White Star. Snppe von indischen Vogelnestern. Hühnercrsmefiippc. Lachtorellc. blau. mit frischer Butter und neuen Kartoffeln.— 1884er Blume des Scharzhofberges lbesteS Fuder Nr. 13). Wolga-Sterlete in Champagner s. ltr Moscovitc. Präger Ratichbrnsl i l» flamande mit Oraiigen-Merretttg. Sachsenwälder Haidschnuckenrücken i Ja fin de riäcle. Hclgol. Hummer» a Ja rocher de cancaJ.— 1884cr Mareo- brunner Kabinett. Kranm'.ctsvogclpastcte von Montötimar.— Auslese(Prinz Albrccht.). Punsch Cumberland. Junge Hamburger Gans.— 1869er Chateau Lafiie Schloßabzug. Brüsseler Poularde ä Ja perigord mir frischen» Gnrkensalat.— 1878er Montan Rothschild Schloßabzng. Neuer Stangenipargel aus Argenteuil. Frische Champignons 5 Ja maltrs._ Morcheln a Ja creme.— Veuve Cliguot..Engtand'. t 889er Hcidsicck Monopol vir> ssa. Verschied e»cs Eis in Figiiren. Citoau rnüle feuilles ä Ja place. Korb mit Früchten.— Ponnnery& Greno viu sec. Louis Roedcrcr extra dry.' Käsestangcn. Sellerie. Chestcreales. ?cachlisch— 1834er herber Tokayer. DaS Convcrt ohne Wein kam für jede Person auf 65 M, im ganzen auf 7000 M. zu stehen. Biel kostspieliger können die Schlcnmiereien iin kaiscilichen Rom auch nicht gewesen sein. Es fehlen ans de»,„Menü" nur noch die Bamitiva. die bei solcher ans- gedchiiten Speisenfolge für normale Mägen unerläßlich sind. Nachdem die in Berlin in großem Umfang migcstellten Ver- suche mit F e r n s p r c ch- A u t o m a t e» ein günstiges Ergebnis gehabt haben, ist die Nnfstellung gleichartiger Apparate in mehr als achtzig weiteren Städten angeordnet worden. Nach den bisher ge- wonueneu Ersah rungen sind die Grundsätze über die Verwendung der Automaten teilweise erweitert und geändert worden. Die Kontinental- Gesellschaft für elektrische Unter- nehmungeu in Nürnberg hat bei den zuständigen Behörden die Genehmigung zur Weitersührnng der Slraßeubahnliiiie Hohen- Schonhausen— Berlin. Waßmannstraße. nach Westen zu durch die Eliiabeth- und Kurzesttaße bis zur Ecke der Laiidsbergerstraßs nach- gesucht. Das Polizeipräsidium soll dem Vernchmen nach grundjätz- liche Einwendungen nicht erhoben haben. Fritz Friedman» verhaftet. Von den, bekannten früheren Rechtsanwalt Fritz Kriedmami, der sich zur Zeit in New Jork aus- hält, hat man lange Zeit hindurch nichts gehört. Jetzt kommt per Kabel eine eigenartige Kunde zu uns. Danach wurde Friedman,, unter der Beschuldigung der Ch c ck f als ch u n g verhaftet. Als Ankläger tritt ein nffsischer Hochstapler Zelawin, alias Graf v. Toulouse, aus. > Ein Tpielerncst ist in der LandSbergerstraße wieder einmal ouscjenoy.me» worden. Der Ärimiualpolizei war zur Kenntnis gc- kommen, daß in einer Gastwirtschast in jener Straße Niel und hoch «espielt werde, in der Regel abends, nicht selten aber auch die Nacht Hindurch. Mehrere Beamte, die mit der Beobachtung des Lokals beauf- tragt waren, erschienen dort vorgestern abend um ti llhr zu gleicher Zcir und drangen unvermutet sofort in ein kleines, hinter der Schank- siubs gelegenes Zimmer ein. Hier überraschten sie zehn Mann beim Spiel und beschlagnahmten ihnen die Karten und das Geld. An der Wache stellte sich heraus, daß acht der Teilnehmer gewerbS- mäßige und bereits vorbestrafte Spieler waren; diese wurden sämtlich in Haft genommen, die beiden andern Spieler, die noch nicht bestraft sind und eine eigne Wohnung haben, nach Feststellung ihrer Persönlichkeit wieder entlassen. Ein Zeuge will von der Gc- sellschaft in einer Stunde um 62. M. gerupft worden sein und behauptet, daß falsch gespielt worden sei. Die Festgenommenen bc- streiten das und leugnen auch, mit dem Zeugen jemals gespielt zu haben. Mit 300 Mark verschwunden ist der 22 Jahr alte Haus- diener Emil Slnbbc, der' bei dein'Bticfumschlag-Fabrikanten Berg- mann in der Mcxandrinenstr. V3 beschäftigt ivar. Der junge Mann zog im Auftrag seines Arbeitgebers am Dienstag bei mehreren Knuden Geld ein und bekam so 300 M. zusammen. Bergmann wartet bis heute auf seine Rückkehr und hat die Angelegenheit der Kriminalpolizei angezeigt, die' den ungetreuen Hausdiener lvegeu Unterschlagung verfolgt. Theater.„Berlin, nach Elf" ist der Titel der neuen GefangS- posse.von 05. Okonkowskt und Q. Sondcrinan», Musik von Franz Wagner, welche während der Sounnerlaisan nn C cn t r al-Th e a t er in Scene gehen wird.— Im Carl Weiy-Theater gelangt heute das Lebens- viid von„Siufc zu Stufe" zur Aufführung.— Das Gastspiel des Herrn Guul Richard im Belle- Alliance-Theater nähert sich wegen anderweitiger Verpflichtungen des ÄimstlcrS seinem Ende und findet voraus- sichtlich am Montag die letzte Borslcllung des so erfolgreichen Volksflücks „Tie Reise nach Amerika" statt. Feuerbericht. Feuer in einem Stadibahnbogen alarmierte Freitagnachmittag die Wehr nach der L» i s e n st ra ß e. Hier hat im Bahn bogen Nr. 36 die Motorrutscherei mehrere Wagen untergebracht. Einer derselben, ein zehnsistiger Motorbreak, geriet durch Benzin m Brand, als man damit beschäftigt war. daS in einem Schlangenrohr eingefrorene Wasicr aufzutauen. Der Wagen, der einen Wert von fast 11000 M. hat. wurde bis auf die Eisenteils eingeäschert. Das Gewölbe des Bahnbogens blieb intakt. Kurz vorher waren Grüner Weg IIS und Reinickendorfer- straße 23 kleine Zimmerbrände abzulöschen. Wegen Schorn- steinbränden erfolgten Alarme nach G i t s ch i n c rstra ß c 21 und L and sbergc rstra ße 20. Ein Korb mit Wäsche ging Ll n der Stadtbahn Nr. 6 in Flammen auf. Lange- straße 8 1 hatte die Wehr Donnerstagabend längere Zeit zu thu», um einen Küchcnbraud zu beseitigen. Durch eine umgefallene Pc- rroleumlampe waren P ots da m e r st r a ß e 6 in einer Keller- Wohnung Kleidungsstücke in Brand geraten, der aber noch im Eilt- stehen gedämpft werden konnte. Brennende Papicrabfälle ver- ursachten ein Ausrücken nach W e i» m c i st e r st r a ß e 1. Außerdem trat die Wehr noch kurze Zeil in Thätiglcit, um Werststraße 13 cinen Baltenlagenbrand abzulöschen. Aus de» Nuchbarvrtei,. Schöneberg. Die hiesige Schulkommission hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, für das neue Schnlhaus in der RubcnSstraße zu- nächst einen Mittelbau und eine Turnhalle zu errichten. Die Seiten- flügel für weitere Klassen sollen dann später erfolgen.— Der Minister des Innern hat eine Verfügung in Erimiemng gebracht, der zusolge die Vorort-Polizeibeamtcn die Dieiistkleidimg der städtischen Polizei- beamten anzulegen haben icarnioisinrote Kragen usw.). Veranlassung hierzu bot die Thatsache, daß die Beamten in den Vororten Berlins vielfach eine Uniform tragen, welche derjenigen der königlichen Schutz- mapnschaft nachgebildet ist. Die Polizeiverordmiug zur Bcschranknug der Kinderarbeit, welche jetzt auch in Schiöueberg erlasse» ivcrdeu soll, hat mmmehr die Zustimmung des Rcgiernn'gspräsidentc» gefunden und wird somit in den nächsten Tagen zur Veröffentlichung kommen. Sie wird sich in ihren Einzelbestlmnumgen fast vollständig an die sür Berlin erlassene Verordnung anlehnen. Der in Spandau verhaftete Schlosser Adolf Teefeld Hai bei seinen mehrfachen Beruehminigcii zugegeben, baß er Knaben verschleppt habe, � um sie zu photographieren, bestreitet jedoch niit Entschicdciiheit. sich in andrer Weise vergangen zn haben. Es sind ihnl bis jetzt 17 SittlichkeitSvcrgeyen nachgewiesen worden. Ob S. bei der Ermordmig des kleinen Bergmann' beteiligt war, konnte nicht restgestcllt werden. Tie bisherigen Vernehmungen in dieser Sache sind ergebnislos verlaufen. Der Beschuldigte will den tlcinen B. weder gekannt noch photographiert haben. Als Mörder der kleinen Vahndorf und des Schuldlabe« Bnrr soll Scefeld nicht in Betracht kommen. Diejenigen Personen, die den Mörder der Vahndorf ge- sehen haben, erklären angeblich i»il Bestimmtheit, daß der Schlosser mir jenem nicht identisch ist. Die Ermordung des Knaben Bnrr. dessen Leiche 1832 auf den Köllnischen Wiesen gefunden wurde, fand zu einer Zeit statt, �_ als Seefcld in Lübeck war. Der bestimmte Verdacht, diesen Knaben getötet zu haben, richtete sich gegen eine» geisteskranken Militäranwärter, der sich turze Zeit darailf im Landnwhrkanal ertränkte. Stadtlicrordueten-Versauimlung in Spandau. In die gc- mischte Kommission zur Vorberatnng der Angelegenheit betreffend Gewährung einer Dienstanfwand-Entschädignng an die Beamten der Kriminalpolizei wurde n. o. Genosse Schröcr gewählt. Die Versammlung stimmic� einem Antrag des Magistrats zu, wonach bei Herstellung neuer Straßen eine BauleitungS- Gebühr von 3 Prozent erhoben werden soll. lieber den Punkt ..Genehmigung der abgeänderten Friedhofs- Ordnung" cnt- spann sich eine lebhafte Debatte. Diese Vorlage hatte bereits eine der früheren Sitzungen beschäftigt; unsre Parteigenossen halten damals zahlreiche Wünsche, welche in Spandau allgemein gehegt ivurden: hinsichtlich der.Verbilligung der Kosten für Bc- legen und Bepslanzcn der Grabhügel usw.. tcrncr wegen der Bc- Nutzung der telephonischen Verbindung zwischen dem Rathause und dem Friedhofe durch das interessierte Publikum, sowie wegen Zu- lassung der Konkurrenz bei den gärtnerischen Arbeiten auf dem Friedhof- Nur der Friedhofs-Jnspeltop besitzt jetzt das Recht, gärtnerische Arbeiten ans dem städtischen Friedhof gegen Entgelt anL- zuführen. Damals war diese Vorlage auf Grund'der socialdcmo- kratischcn Anträge an den Magistrat zurückverwiesen worden; inzwischen hatten noch mehrere Gärtner um Zulassung gebeten. llnscr Standpnntt wurde in der Debatte von imsrcm Genossen S ch r ö e r vertreten. Die Versammlung lehnte sämtliche Antrage u n s r e r Genossen und der p e t i t i o n i o r e n d e» Gärtner mit knapper. Majorität ob und»ahm die ab- geänderte Fricdhossordnung nach dem Magistratsantrag an. Interessant ist. daß der F r i e d h o s s- I n s p e k t o r nach der Er- tläruug dcS Sladtv. Z s ch a l i g trotz seines enornicn, auf einer Art Privileg beruhenden Einkommens, welches er aus den gedachten geiv erblichen Arbeiten hat, keine G e w e r b e st e u e r zahlen soll! Kieü-Rummelsburg. In der Durchfahrt neben dem hiesigen Bahnhof ereignete sich gestern abend gegen 8 Uhr ein gräßlicher Unglücksfall. Die Durchfahrt hat auf der cinen Seite eine Höhe von circa 2,30. Meter, während sie aus der andern Seite erheblich höher ist. Ilm die angegebene Zeit versuchte nun ein Kutscher der Firma Hacker. Mühlenstr. 72 in Berlin, von der höher gebauten �eito aus mit einer Ladung Bafirüstzeug die Durchfahrt zu passieren. Da ihm dieselbe ge- nügciiv hoch erschien, blieb er oben auf der Ladung sitzen. Jnfolgedesscii geriet er an der niedrigeren Stelle zwischen Durch- ihrt' und Ladung fest und wurde'ihm der Brustkorb zerdrückt und der Kopf zerquetscht und halb abgerissen. Der Unglückliche war sofort eine Leiche. Es wäre doch wohl nötig, daß bei dieser unglücklichen Anlage die Einfahrt von so hohen' Fuhrwerken von vornherein unmöglich gemacht wird. Bis dies geschehen, müssen die Kutscher wenigstens durch einen ständig postierten Wächter gewarnt iverden und in der Folge müßte auch die ganze Anlage eine Acndc- rung erfahren. Ein neuer Auitsgerichts-Bczirk soll, der„Potsd. Korresp." zufolge, für den nach Potsdam zn belegenen Teil des 5lreffcs Teltow und Zauch-Belzig mit dem Amtsgericht in Rowalves— Neneudorf er- richtet werden. AuS Nauen wird berichtet: Eine arge Skandalgeschichte macht hier viel von sich reden. Ein Schnldiencr hat ein seiner Obhut anvertraiites Schulzimmer eines Gcmeindeschnlhausss zum nächtlichen Stelldichein von Personen beiderlei Geschlechts aus dem Handwerker- und Dienstbotenstonde hergegeben, wobei gegen die guten Sitten arg gesündigt worden sein soll. Was an Speise nnd Trank erforderlich war, brachten die Teilnehmer mit. Der Schul- diener, der auch Laternenanzünder war, setzte bei seinem Rundgang durch die Stadt die Eingeweihten von den Zusammenkünften iii Kenntnis. Als die Sache kürzlich ans Tageslicht kam, wurde der .Schnldiencr sogleich seiner Stellung enthoben.' Dem Bernehmen nach ist er inzwischen verhaftet worden. Gevirtzks-IeikunZ. Das schwere Vannnglück, welches sich am 21. Juni v. I. ans dem Gelände der Ci h a r i t e ereignete, beschäftigte gestern die erste Strafkammer des Landgerichts I.' vor welcher sich der Bautechniker Max Hering wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verant- Worten hatte. Der Angeklagte ist'der verantwortliche Geschäftsführer des Maurermeisters T c s ch. der den Neubau ausführte/' Auf dem Bangelände mußte ein Fahrstnhl-Tnrnigerüst errichtet werden, auf welchem später die schweren Bamnatenälien emporgewunden werden sollten. Die Maurer wareil im Ausstände und daher be- auftragte der Angeklagte den Maurerpolier Benthin, der sich einen Zimmermann zn Hilfe nahm. diese Arbeit auf Grund einer vorhandenen Zeichnung und mit einem schon beim Gofängnisbau in Tegel zn gleichem Zweck bc- nutzten Material auszuführen. Als Benthin am 21. Juni nachmittags kurz vor Feierabend damit beschäftigt war, mit Hilfe von 6 Zimmerleiiten den letzte» Balken auf das schon 13— 11 Meter hohe Gerüst hinaufzuwiilden. tippte plötzlich das ganze Gerüst mn und brach dann unter großem Gekrach in sich selbst zusammen. Drei Arbeiter retteten sich, indem sie zur Seite sprangen, vier wurden unter den Trümmern begraben.' Der Maurerpolier Benthin crliit einen Oberscheukelöruch. ein andrer einen Ann- und Beinbruch, der dritte einen Unterschenlelbrnch und der vierte eine starke Rippenquetschmig. Sämtliche Verletzungen lvare» sehr schwer; die Verunglückten mußten mit Tragbahren m die Chirurgische Abteilung und den Operationssaal der Eharits geschafft iverden und haben viele Wochen ans dem Krankenlager zugebracht. Zum Teil sind sie nocki heute nicht wiederhergestellt. Die Anklage macht den Auge- klagten für das Unglück verantwortlich nnd legt ihm zur Last, daß <£ die Arbeit dem in Zimmerardeitest nicht sachverständigen Maurerpolier übertragen und eine unzureichende Kontrolle ausgeübt habe, da er sonst hätte sehen müssen, daß das Gerüst nicht genügend ver- ankert war. Der Angeklagte bestritt seine Schuld: die Errichtung dieses GerüsttS auf Grund der Zeichnung fei für einen erfahrenen Zimmerman», wie er hier dem Maurerpolier beigegeben worden. keine schwere Aufgabe, auch habe er sich'mehrfach davon überzeugt. daß der Gerüstbau ganz sachgemäß ansgc- führt wurde. Die Sachverständigen Baurat K i r st e i n und Ratszimniermeistcr M eher waren hinsichtlich der ungenügenden Vcrankening nicht ganz übereinstimmender Ansicht. Die Ursache des Unglücks konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden, wahrscheinlich ist es dadurch entstanden, daß gleichzeitig mit der Auswinduiig des schweren Balkens ein Wirbelwind sich in die die einzelnen Abteilimgen dcS Gerüsts abschließenden Bretterls gen gesetzt und daS Gerüst ans diese Weise ümgestürzt hat. Der Staatsanwalt hielt eine Fahrlässig- keit des Angeklagten für vorliegend und beantragte 300 Mark Geldstrafe, während Rechtsanwalt W r o n k e r ausführte, daß hier ein unberechenbares Naturereignis stattgestinden habe, an dem der Angeklagte unschuldig sei. Der Gerichtshof schloß sich dieser An- ficht an und erkannte ans Freisprechung. Ein Prozeß, dem in den Kreisen der Musikalienhändler mit großem Interesse entgegengesehen und der vielfach in der Fach- presse erörtert wurde, fand gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerickits I unter dem Vorsitz des Lanbgcrichtsrat Plcßncr statt. Der Musikalienhändler Adolf K u n z war des Nachdrucks beschuldigt. Im Herbst 1832 hatte der Schauspiclcr Zllois Kntschera zn Budapest das inzwischen volkstümlich gewordene Lied:„Weißt Du, Mutter, was i träumt Hab'" komponiert und durch einen Sänger auf einem dortigen Theater zum Borirag bringen lasten. DaS Lied fand' beim Pnbliknm eine so srcnndlichc Ausnahme. daß Kntschera Veranlassung nahm. 200 Exemplare für eigne Rechnung drucken zu lasten. Der Erfolg wuchs nnd darauf schloß Kntschera mit dem Musikalienverlag von Rözsavölgyi in Budapest einen Vertrag ab, wonach er dieser Firma das � alleinige Verviclfältignngs recht übertrug. Viele deutsche Firmen ließen das Lied nachdrucken, darunter auch der Angeklagte Knnz, gegen den die Biidapestcr Firma zuerst strafrechtlich vorging. Der Angeschuldigte wurde vom Rechtsanwalt Glosenapp vertreten, die Bndäpcstcr Finna, die als Nebenklägerin auftrat, ließ sich durch Justizrat Samter vertreten. Der Angeklagte gab zu. daß er in einem Zeitraum von etwa sechs Monaten im ganzen 127 000 Exemplare habe drucken lassen, die auch mit Einrechnimg von vielen Tausenden, die zu Reklame- zwecken versandt wurden, abgesetzt worden seien. Er habe sich dazu berechtigt gehalten, dem, Ungarn gehöre nicht zur Berncr Konvention, so daß dortige Komponisten für ihre Erzeugnisse nichl den Schutz der deutsche»' Gesetze genössen. Umgekehrt sei es ebenso und deshalb würden deutsche Komponisten nirgend so ausgeplündert als in Ungarn. Um sicher zu gehen. habe er vorher bei dem in Leipzig wohnenden Syndikus dcS„Vereins der deutschen Musikalienhändler" angefragt, ob das Lied frei sei und eine bejahende Antwort erhalten. Demgegenüber wurde seitens der Anklagebchörde geltend gemacht, daß die'Budapester Firma seit dem Jahre 1836 mit der Firma Breitkopf u. Härtel in Leipzig in Geschästsverbindung stehe und jedes von der Nebenklägerin herausgegebene Musikstück auf dem Umschlage die Domizilangabe„Budapest und Leipzig" trage. Hierdurch müsse augenonuncn werden, daß das Lied auch in Leipzig«scheine und daher Anspruch aus Schutz habe. Der Staatsanwalt hielt dies für ausschlaggebend, er beantragte gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 1000 Mark und Beschlagnahme der vorhandenen nachgedruckten Exemplare. Der Gerichtshof kam nicht zu der Ansicht, daß in objektiver Bc- Ziehung ein Nachdruck vorliege. CS sei erwiesen, daß Kntschera daS Lied bereits in 200 Exemplaren bcr Ocffcntlichleit übergeben hatte, bevor er daS VervielfäliignngSrccht abtrat. Die Komposition habe dadurch die Schutzdcrochtigung verloren. Der Angeklagre fei frei- zusprechen und die beschlagnahmten Exemplare seien freizugeben. Dem weitergehenden Antrag des Verteidigers, sämtliche Kosten der Nebenklägerin aufzulegen, sei nicht stattgegeben worden. Die Hauptverhandlung gegen das Ehepaar G ö n c z h vordem Schwurgericht am Landgericht I wird in den Tagen vom 3. biö 8. April stattfinden. Eintrittskarten sind nicht mehr zu haben, da Bewerbungen um Plätze im Zuhörerramn des großen Schwurgerichts- äales in übergroßer Anzahl vorliegen. Schwere Kuppelei. Ein Skandalprozeß fand gestern vor der IV. Strafkammer des Landgerichts I bei verschlossenen Thüren statt. Der 73jährige Rentner Julius H a s s e befand sich lvegeu schwerer Kuppelei auf der Anklagebank. Er sollte dem unsittlichen Verhältnis, welches zwischen seiner unverehelichten Tochter und dem Inhaber eines Cafös in der Friedrichstraße bestand. aus gewinnsüchtigen Gründen Vorschub geleistet haben. Aus der eingehenden Urteslsverkündigung ließ sich folgender Sach- verhalt entnehmen: Der Gerichtshof hatte keinen Zweifel darüber gehabt, daß dem Angeklagten das Verhältnis seiner Tochter bekannt war, da er seine Wohnung zu stundenlangem unsittlicheii Verkehr hergegeben habe. Der als Zeuge vernommene Liebhaber habe sich zweifellos mit der Wahrheit' in Widerspruch gesetzt, der Ge- richtshof habe aber davon Abstand genommen, dem Antrag des Staatsanwalts auf sofortige Verhaftung stattzugeben. müsse eS vielmehr. dem Staatsanwalt anheimgeben, aus eigener Machtvollkommenheit gegen den Zeugen einzuschreiten. Der Angeklagte müsse wegen schwerer Kuppelei bestraft werden, bei seinem hohen Alter sei aber nicht über daS niedrigste Strafmaß, ein Fahr Zuchthaus und zweijährigen Ehrverlust. hinaus- gegangen worden. Bei der Höhe der Strafe sei der Verurteilte auch sofort in Haft zu nehmen. Der erste Fall von Durchstechereien im neuen Strafgefängnis zu Tegel beschäftigte gestern die erste Strafkammer� am Land- geeicht II. Wegen passiver Bestechung war der HilsSaufseher August Mehla» und wegen vollendeter Bestechung der Strasgofangein: Paul K r o h m angeklagt. Mehla» sollte nach der Aiitlage von Krohm, der in der Strumpffabnk des Gefängnisses beschäftigt war, drei Dutzend Strümpfe in Empfang genommen und widerrechtlich in seinen Besitz gebracht haben, dafür sollte� er»ach einander zwei Feilen an Krohm geliefert haben, mit denen' dieser die Stäbe des EifengitierS vor dem Fenster seiner Zelle ziemlich durchschnitten hat. Durch einen andern Strasgefaugenen. einen gewissen Weimann. dem Krohm seine Pläne erzählt hatte, kam die Sache- zur Äenlitnis der Gefängnisverwaltung und diese fand bei einer »ievision der Zelle des Krohm. daß'zwei Traillcn an dem Zellen- fcnsier des Krohm ziemlich glatt durchfeilt waren und fand auck, zwei Feilen im Bett desselben. Bei seiner Vernehmimg vor dem Pokizei-Jnspektor des Gefängnisses gestand Krohm diesen Sach- verhalt zu. Der Ausseher Meylan wurde sofort vom Dieust suspendiert und hat darauf acht � Monate_ in Untersuchungshast gesessen. bis er auf Betreiben.feines Verteidigers ohne Kaution aus der Haft entlassen wurde. Gestern erklärte Krohm, es sei gar nicht wahr, was dem Mehla» zur Last gelegt werde. Der Zeuge Weimann hübe eine Anzeige erstattet, darüber sei ein Protokoll, ausgenommen worden nnd er sei so lange gedrängt worden,, bis er das Protokoll als richtig anerkannte. Mehla» habe ihm. aber in keiner Weise geholfen. Der. Zeuge Weimann ertlärte, ex wisse von der Sache nur das, was ihm Krohm erzählt habe. Die Beweis- aufnähme siel im übrigen zu Gunsten des Meylan ailS. Der Staatsanwalt beantragte zwar drei Jahre Zuchthaus, der Gerichts- hos erkannte aber aus Freisprechung, weil den früheren und jetzt wicderrufenen Angaben des HauptbelastuiigSzengen kein Glauben beizumeffcn sei. Der'Angetlagto Krohm wurde wegen dcS Durch- feilenS der Feustertraillen unter dem Gesichtspunkt der C-ach- beschädignng zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Socialvs. Produktionsstatistik. Nach den Erhebungen des Steichsamts des Innern betrug die Gesamtproduktion der chemischen Industrie im Jahre 1837 83112 731 Doppcleeutncr im Werte von.317 932 570 Mark, die der Kaurichnk-, Guttapercha- und Cellükoid-Jndustrie 128 S60 Doppelcentucr im Werte von 73 132 000 Mark. q k Eine Statistik der Arbeitslöhne beabsichtigt das Statistische Amt der Stadt Dresden für die dortige Großindustrie anzulegen. Es fragte eine große Anzahl llntcrnehmcr, ob sie geneigt wären, jährlich zweimal Angaben über die in ihren Betrieben bei den ver- sckiicdenen BeschäftiqnugSarten gezahlten höchsten, niedrigsten nnd häufigsten Stundenlöhne, die Übliche Arbeitszeit und den normalen Wochenverdicnst zu machen. Die große Mehrheit der Befragten hat sich dazu bereit erklärt und auch die Fragebogen bereits ausgefüllt. Einrn solche Statistik k a n n sehr wertvoll sein'; ob sie es ivird, hängt von. der Ausführung ab. Man muß also abwarten. Die vom Reiche auf-, genommene Ar'beitSlosen-Statistik hat allerdings seiner Zeit in Dretdcn eine sehr tendenziöse Behandlung erfahren, so daß Ivir auf die jetzt geplante Statistik nicht allzu große Hoffnungen setzen möchten. DaS schweizerische Arbeiter- Sekretariat hat soeben seine» Jahresbericht für 1839 veröffentlicht. Dem Sekretariatsbericht ist ein solcher des leitenden Ausschusses des ArbciterbnndeS vorausschickt', der sich über seine Thätiakeit kurz verbreitet. Der leitende AuS- jchuß, früher immer am Orte des Centralkomitecs des schweizerischen GrütlivereinS und aus der Mitte deS erstercii gewählt, das dann auch die eventuellen Verivaltmigskosteii bestreiten mußre. ist im vorigen Jahre»ach Zürich verlegt worden und er besteht aus den Genossen Saug und Keßler sowie dem Schriftsetzer Meister als Vertreter der katho- lischen Organisationen. Zum erstenmal wurden von den Verbänden. welche dem Arbeiterbunde angehören, Beiträge erhoben, die. in der Höhe von 322 Fr. eingingen, lvorunter auch je 20 Fr. vom Verband der katholischen Gcsellenversino nnd vom Piusverein, sowie von den Eisenbahnern. Bibliothek und Inventar dcS»Arbeiter- sekretariats sind für 16 000 Fr. gegen Feuersgefahr verMcrt. Im Berichte des Sekretariats wird betont, daß es. das ganze Jahr hin- durch stark beschäftigt war mit der Frage der Neukralisieruug des GewcrkichaftsbundeS. Diese Aufgabe erheische, daß alle Mittel: der Verftäudiglm., versucht werden, um die Gumblagen einer einheitlichen nnd nnifass enden gclverkschaftlichcu Organisation der Arbeiter aller Berufe in der Schweiz zu schaffen. Der Bericht verbreitet sich sodaiiii über mebrere stattgefnndene Lohn- und Streikbewegungen nnd er erlvählit ferner,' daß das Arbeitersekretariat aus Einladung des JiidlistriedepartemeiitS zur Meinungsäußerung über die nächste Volkszählung den Vorschlag machte, mit derselben eine ArbcitSloscnzählung vorzunehmen. Anläßlich der Versendung des frauzösischen Protokolls des 1837 in Zürich stattgesundenen inter« nationalen.Arbcitcrschntz-Kougresses bemühte sich das Bureau des ständigen Komitees in m a ß g e b e n d e n Kreisen F r a n k r e i ch s um die Fördennig des Gedankens eines interiiationalei, Amts für Arbeiterschntz.„Nack) verschiedenen Mitteilungen zu schließen, schien Aussicht vorhaudcu, daß ein nochmaliger Versuch des schlveiaerischeit Bundesrats' zur Errichtung eines solchen internationalen Amtes Erfolg haben durfte." Nach den Mitteiliuigen des Bundesrats waren aber seine bezüglichen Bemühungen leider abermals erfolglos. Das Arbeitcrsekretariat hatte im Berichtsjahre 1132 Auskünfte zn erteilen. Der Adjunkt Reimänn in Biel be- richtet eingehend über die Scrhüliniffe nnd sociale» Kämpfe in der llhrcnindlistric. Die Ausbeutung russischer Eiscubahnarbeiter. Die über- wiegende Mehrzahl der russischen Eisenbahnarbciter stammt vom Lande. In der Zeit zwischen Neujahr nnd dem Beginn der großen tatholischen Osterfastcn senden die sog. Podrjadtschiii. ohne die in Ruß- land keine Eiscnbahnvertvaltnng arbeitet und die daS' nötige Arbeiter- matcrial zu liefern haben, eine Menge von Agenten»ach allen Gegen- den des Reichs ans. um Bauern zu Eifeubahnarbeiten anzuwerben; mit Vorliebe natürlich dahin, wo Hungersnot herrscht nnd der Landmanu auf jede Bedingung einzugehen geneigt ist. Tie Agenten zahlen kleine Handgelder und schließen mit den Angeworbenen ans cigbc Faust Arbeitsverträge ab. ?ln den Sainmelortcn werden die Arbeiter sodann„sortiert" und dann an die verschiedenen Bahnbauten abgesandt. Die Arbeiter und Handwerker erhalten von den Podrjadischiki einen Lohn von nicht mehr als 9—20 Rudel pro Monat; der MdnatSlohn, den dieEisenbahn- Verwaltung dem Podrjatschik für jeden ihr gestellten Arbeiter zahlt. beträgt dagegen 22— 10 Rubel. Den llebcrschnß steckt der Podrsadtschik in seine Tasche, trotzdem er noch meist am Untcrneymcrgewinn des Baues erheblich beteiligt ist. So ivird in letzter Zeit besonders, wo mehr Eisenbahnen in Rußland gebaut werden, Jahr für Jahr die ländliche Bevölkerung und die Arbeiterschaft ausgebeutet und die in allen Kreisen als Ausbeuter und Wucherer be- .rüchtigtcu Podrjadtschiti erwerben große Neichtümer. Wenn mich die ausgebeutete» Arbeiter hinter den Betrug kommen. so lhut dies den Machenschaften der Podrjadtschiki keinen Abbruch denn ein großer Teil der Ausgebenteten verpflichtet sich wegen dringenden Erwerbsbedürfnisses im nächsten Jahre doch wieder. Meist wenden sich überdies die Podrjadtschiki jedes Jahr nach einer andren Gegend des Reichs, wobei sie es nicht unterlassen, solidarisch zu handeln.— «» Ter skaiidalbediirftige Herr Rexhäuser, llnsre Notiz über die gegenwärtige Redaktion dcS BuchdruckerorganZ„itorrespoiidcnb veranlaßt diesen zu einer fünf Spalten umfassenden Erwiderung die darin gipfelt, daß er provoziert sei. Wir hätten, so meint Herr St., eine sachgemäße Darlegung der Ursachen geben sollen, die bis zu der Notiz„Erbärmlich" geführt haben. �„Der„Vorwärts" wird doch seinen Lesern nicht glauben machen 'wollen, daß diese Notiz in ihrer Schärfe dem persönlichen Skandal >bedürfnisse des Redacteurs entsprungen ist?" Es war und ist nicht nnsre Absicht, mit Herrn Rcxhäuser zu diskutieren; es kam uns nur darauf an, der geflissentlich genährten Ansicht entgegenzutreten, als ob man im„Korrespondent" einen nmßgebcilden Vertreter der in den Kreisen der deutschen Gcwerb sckiaftcn herrschenden Richtung zu sehen habe; wir wollten den Versuch nicht unwidersprochen lassen, Herrn Rexhäuser mit der deutschen gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung zu idcnfizieren. Ein Weiteres zu thnn, lag für uns um so weniger Veranlassung vor, als wir der Meinung sind, daß die Notiz„Er. bärmlich", die gar nichts mit der Abwehr von An� griffen gegen die B n ch d r u ck e r z u thnn hatte, allerdings dem von Herrn Rcxhäuser selbst als vorhanden zugestandenen Sknndalbedürfnis desselben entsprungen ist. Deslvegen erübrigt cS sich auch, auf die Auseinandersetzungen des Herrn weiter einzugehen. VevlÄmmtuttgvn. Eine do» ca. 8lK> Personen besuchte Versannnluug der Schneider tagte am Mittwoch in den Arminhallen. Ritter referierte in eingehender Weise die Vorschläge zu dem dreiklassigcn Lohntarif seitens der Organisation. In München ist derselbe durch einheit- lichcs Znsammenhalten der Kollegen schon durchgeführt. Hauptsächlich müsse mit den Unternehmern in der Friedrichstraße, die sich vom Mühlendamm aus entwickelt haben, ein ernstes Wort geredet werden. Dan» in zweiter Linie mit denen, die für die besten Kreise arbeiten, in der Arbeiterpresse inserieren und sonst viel Reklame machen, dieses sind die größten PreiSdrücker. Die Schneidcr-Jnnung, der die größten Geschäfte an- gehören, hat einen fünfllassigen Loh'ntarif aufgestellt, derselbe ist für uns unannehmbar. Selbst ein Untcniehmcrblätt die„Mode" erkennt die wahlberechtigten Forderungen die von uns gestellt sind an. Seide, Garn ec. ist um fast St) Proz. im Preise gestiegen. Da der Arbeiter aber die Sachen selbst halten muß, so kann er mit dem bisher Verdienten nicht auskommen. Da nun die Rohprodukte auch um ein beträchtliches gestiegen sind, so möchten die Unternehmer gerne den Ausfall ihres Verdienstes auf die Arbeiter abwälzen, der Konkurrenz wegen, wie sie behaupten. Die Arbeiter haben aber keine Ver- anlassung, der Konkurrenz halber dilliger zu arbeiten.' Wir wolle» der Innung zeigen, daß wir selbst über nnsre Arbeitskraft zu bestimmen habe» und nicht sie. In beredten Worten fordert Ritter zum An- schluß an die Organisation ans. In der Diskussion bemerkte T S t e r o w, daß in den kauf- männischen Geschäften willkürlich bezahlt werde, iven» Betriebs- tverkstätten beständen, dann könnten die Unternehmer nicht so drücke», nur infolge des Zwischenmeistcr-Systems konnte es so weit kommen. Nach längerer Diskussion wurde sodann folgende Resolution ein- stimmig angenonmien: Die Versammlung erklärt sich mit den seitens der Organisation gefaßten Beschlüssen einverstanden und erblickt nur ans dieser Grundlage die Möglichkeit einer einheitlichen Regelung der Lohnverhältnisse in' der Maßschneiderei. DcS weiteren beauftragt die Versammlung die mit der Ausführung dieser Beschlüsse betrauten Körperschaft, daß sie den Unter- nehmcni die Tarife zur Kenntnisnahme und Bewilligung zustellen. Nach diesem Termin ist den Geschäftsinhabern eine von der OrtSverwaltnng festznsetzende Bedenkzeit zur Rückäußcrung offen zu lassen. Die Kollcgenschaft behält sich im Falle der Ablehnung weitere Schritte vor. Im Hinblick, daß nur eine starke Organisation in der Lage ist, Forderungen mit dem ihnen gebührenden Nachdruck zu vertreten, erachtet es' die Versammlung als Ehrenpflicht jedes Kollegen, sich sdcni Verband deutscher Schneider und Schneiderinnen als dauerndes Mitglied anzuschließen. Unter Verschiedenem wurde bemerkt, daß die Arbeiter der Firma Kostcrlitz, von denen niemand organisiert ist, die Arbeit niedergelegt haben, ohne der Ortsverwaltung davon Kenntnis zu geben. Der Verband der Bau-, Erd- nnd gewerblichen HilfS- arbciter(Zahlstelle IV) hatte am 25. Februar eine Versammlung anberaumt, in der Frau M e s ch über folgendes Thema sprach:„F(t die Frau verpflichtel, am wirtschaftlichen Kampf teilzunehmen?" Die Vortragende bejahte diese Frage und ivics darauf hin. wie die industrielle Enttvicklnng immer mehr die Frauen in die Fabriken treibe. Ihre veränderte sociale Stellung verlange auch die Bclhätigung am wirtschaftlichen Kampf. Die Versammlung erledigte die Wahlen zur Provinzialkonferenz und betraute Wcgner und Bei er mit der Delegation. Die Steinmetzen und Schrifthaner hielten am Donnerstag eine Versammlung ab, in der üver die Lohn- nnd Arbeitsverhältnisse in den Berliner Grabsteingeschäften verhandelt wurde. Im Lauf der Diskussion wurde festgestellt, daß in verschiedenen Geschäften der bisher gültige Tarif nicht innegehalten wird, daß vielfach eine ganz ungeregelte Arbeitszeit besonders während der Saison vorherrscht und daß auch in andrer Beziehung recht große Mißstände vorhanden sind. Es ivnrde schließlich die Verbreitung eines FlugblatrS be- schloffen und eine dreigliedrige Kommission gewählt, die eine rege Agitation zu entfalten hat und geeignete Maßnahmen zu einer all- gemeinen Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse treffen soll. Die in Buchbindereien und verwandten Berufen be- schäftigtcn Arbciter und Arbeiterinnen hielten am Dienstagabend im„Metzpalnst" eine öffentliche Versammlung ab. die sich eines guten Besuchs zu erfreuen hatte. Maurer D ä h n e hielt einen mit lebhaftem Beisall aufgenommenen Vortrag über das Unfall- versicherungs-Gesetz und die dem Reichstage vorliegende Novelle zu demselben. Redner hob besonders hervor, daß viele der in den Kleinbetrieben der Buchbinderei zc. beschäftigten Arbeiter infolge der ungenügenden Ausdehnung des Gesetzes auch jetzt noch nicht der winzigen Vorteile desselben teilhaftig würden. Die Diskussion bewegte sich in zustimniendem Sinne und wurde in derselben be- sonders das Fehlen von Unfallverhütnngs-Vorrichtnngc» bemängelt. Sodann gaben Brückner und BilomSki de» Bericht von der Gewerk- schaftskommission, mit den, sich die Versammlung einverstanden er- klärte. Als Delegierte luurden Brückner nnd Schuhmacher gewählt. Unter„Verschiedenes" wird auf die Notwendigkeit der Sammlungen zum Widerstandsfonds hingewiesen, da zum Herbst dieses Jahres der Tarif abläuft und möglicherweise neue Lohnforderungen gestellt werden sollen, um die vielleicht erst gekämpft werden muß. I» einer Versammlung der Dekateure am Dienstag referierte H ü d s ch über die deutschen Arbeiterschntzgesetze. Unter besonderer Rücksicht auf die Nnfallversichcrungs-Novelle empfahl Redner die An- nähme einer Resolution, in welcher das Einverständnis nnt einer an den Reichstag gerichteten Petition bekundet ivurde. Dem stimmte die Versammlung zu. lieber die vor Jahresfrist verhängte Sperre über die Firnia B e h m a c£(jetzt Mühlberg) entspann sich eine lebhafte Besprechung, i» deren Verlauf von Rasch und Hübsch die Auf- Hebung derselbe» empfohlen wurde. L e tz i n trat dem entgegen und lvurde nach längerer Debatte mit ollen gegen 4 Stimmen die Sperre aufrechterhalten. I» dem Bericht über die Versammlung der Bauarbeiter in der ersten Beilage des„Vorwärts" vom Dienstag, den 28. Fe- brnar, mutz es nicht heißen:„daß sich Behrendt entschieden gegen", sondern entschieden für die Resolution Rriwthaler ansgeivrochen bat; in welcher von Machtbefugnissen der Unternehmer gar keine Rede ist. Ferner habe ich nicht unter allgemeiner Zustimmung betont, daß die meisten Unfälle durch die Accordarbeit verschuldet sind(was ja auch nicht so ganz unrecht wäre), sondern erklärt: daß die Bau arbeiter, hauptsächlich Accordarbeiter, im Winter, wenn sie vor der eigentlichen Arbeitszeit im Finster» anfangen, wie es in Berlin üblich ist, und verunglücken, ynt ihren Ansprüchen aus Unfallrente abgewiesen werden, schon aus diesem einfachen Grunde müssen die Bauarbeiter die Petition des Arbeitervertreter-Vereins zu der ihrigen machen. Gustav Behrendt. Die Textilarbeiter(Filiale V) nahmen in ihrer Versammlung am 20. Februar Stellung zur Generalversammlung. Gegen dreizehn Stimmen wurde beschlossen, eine Erhöhung des Beitrags auf 20 Pf. pro Woche zu befürworten. Die Reise-Unterstützung will man aufgeben. Ein andrer Antrag will, daß bei Streiks die NichtMitglieder mit den Mitgliedern in der Unterstützung gleichgestellt werden, aber nach Beendigung des Streiks für die NichtMitglieder die Unter- stützung fortfällt. Zum Delegierten für die Generalversammlung wählte man Karl Voigt. Die Bauauschläger waren am Montag wieder versammelt, um den Bericht über die Angelegenheit Blume entgegenzunehmen. Wie schon in einer früheren Versammlung erwähnt, waren bei diesem Unternehmer eine Anzahl Bauanschläger angeblich zu Unrecht entlassen worden. Infolgedessen wurde über diese Firma die Sperre verhängt. Dieser Beschluß wurde aber von vielen Rednern an- gegriffen und schließlich die Angelegenheit an die gemeinschaftliche Kommission der Arbeitnehmer und Arbeitgeber verwiesen. Keßler hielt hierauf einen mit großem Beifall aufgenommenen Bortrag über Zweck und Ziele der Gewerkschaftsbewegung. I« der öffentlichen Versammlung der Bauarbeiter wurden nicht, wie irrtümlich im Bericht angegeben ist, 1000 M. den östreichischen Bergarbeitern überwiesen, sondern je S00 M. den östrcichischen und sächsischen Bergarbeitern. Die Lohnkommission centraler Richtung. Eine mäßig besnchte Zimmcrerversammlnng(Vertrauens- männcr-Centralisation) beschäftigte sich am Montag mit dem Kassen- und Jahresbericht für 1899. Nachdem der Revisor Hoff zunächst die Abrechnung für das letzte Quartal verlesen hatte, gab Repschläger den Kaffenbericht für das ganze Jahr. Derselbe weist inkl. eines Bestandes von 2617,73 M. eine Einnahme von 16 912.43 M. nnd eine Ausgabe von 11 908,80 M. a»f, verbleibt ein Bestand von 5003,63 M. In der Ausgabe figurieren für Gemaßregelten-Unter- tützimg 1255.60 M., Unterstützung für die Familien Inhaftierter 391,50 M., für Unterstützung an andre Gewerkschaften 4550 M. Der Abrechnung folgte'ein Bericht über die Thätigkeit der Vertrauenspersonen. Th. Fischer wies ans den gedruckt vorliegenden Jahresbericht hin und empfahl, alle Fälle, wo die Vereinbarungen von den Unternehmern nicht gehalten werden, 'ofort der Kommission zu unterbreiten. Ferner machte Redner darauf aufmerksam, daß sich die Zimmerer nicht in die Listen deL Arbeits- nachweises des Ardcitgebcrb, indes einzeichnen lassen mögen, sondern die Bestrebungen der Kommission für die Schaffung eines paritätischen Arbeitsnachweises zu unterstützen haben. Sodann iverden als Ver- tretcr zur Achtzehner- Kommission für die Arbeitnehmer Myler, Th. Fischer, Heinrichsen und Grabsdorf, als Ersatzmänner Schäffer, Claniann, Filickc und Winkel gewählt. Als Ersatzvertreter zum Berliner Gcivcrkschaftskartell wird Repschläger gewählt. Die Warcnhauösteucr stand nebst andren Wünschen des Mittelstands auf der Tagesordnung einer vom Centralvervand der Vereine selbständiger Gewerbetreibender einberufenen Versammlung, die am Donnerstag iin Hohenzollernsaal in der Bandclstraße tagte. Rcdacteur Mannes, der Klopffechter des Mittelstandes, bezeichnete die Warenbaussteuer- Vorlage, obgleich sie den Wünschen der Gewerbetreibenden»och lange nicht entspricht, als eine staats« männische That der Regierung. Wir— sagte der Redner— hätten es lieber gesehen, wenn man die Warenhäuser einfach r d r o s s e'l t hätte. Wir würden dann gern die Kosten des Leichenbegängnisses getragen haben. Außer der Besteuerung müßten die Warenhäuser dadurch bedrängt iverden, daß sie in der Form feuerpolizeilicher Matznabmen in der Ausnutzung des Raums derart beschränkt iverden, daß sich der Betrieb nicht mehr rentiere.— Obgleich für die Versammlung kräftig Reklame gemacht ivordeii ist. ivar'en doch nur etwa 100 Personen erschieneii. Selbst die niitielstandsfreuiidliche» Abgeordneten, die in der Anzeige als Redner genannt waren, glänzten durch Abwesenheit. Nachdem einige Diskussionsredner die Hälfte der Versammelten hinausgelangweilt hatten, ivurde eine Resolution angenommen, die das Zllftandekommen des Gesetzes, die Warenhausstencr betreffend, wünscht, mit der Maß- gäbe, daß die Umsatzsteuer von 2 auf 3 Pröz. erhöht, dagegen die Mprozcntige Ertragsstcuer fallen gelassen»verde. Nicderschönhauscn. Der hiesige Arbeiterverein tagje am 27. Februar in Settokorns Lokal. Das Thema des Abends bildete die bevorstehende Gemeinderalsivahl. Es gelangte schließlich fol- gende Resolution zur einstimniigen Amiahme: Der Arbeiterverein von Niederschöllhausen empficb'lr allen Parteigenossen Stimm- eiithaltuiig bei der hier am 3. März stattfindenden Gemeinderalsivahl, da ivir einen eigeilcn Kandidaten nicht aiifgcstettt haben und die Kandidaten der hiesigen Mischmaschpartei die Arbciterintereffen zu vertreten nicht im staude sind. Steglitz. Ain Dienstagabend fand hier eine öffentliche Ver- samnilung statt, in welcher die socialdemokratischen Kandidaten für die am 10. März statlfindende Gemeindcivahl. die Genossen Rapp und Mohr, ihr Progrannn entwickelten. Rapp benutzte denn auch die Gelegenheit, die sich zu Zeiten fürchterlich oppositionell ge- berdeiiden„Uliabhängigen" im rechte» Lichte zu zeigen und ihren mutigen Rückzug anläßlich der Etatsbcratling niedriger zu hängen. Auch' die in uusrer Gemeiiidevcrwaltlmg vorhandenen Mißstände geißelte der Redner mit aller Schürfe und kam zu dem Schluß, daß iiur durch die Wahl von socialdemokratischen Gemeindeverlretern die Möglichkeit geboten wäre, diese Uebelstände in uusrer Gemeinde zu beseitigen. Reicher Beifall lohnte den Redner. Nach einer regen DiSklijsion fand die Versamnilung um 10 Uhr ihren Abschluß. Rixdorf. Der Holzarbeiter- Verband nahm in seiner Sitzung am 20. Februar den Bericht des Vorstands entgegen. Im Anschluß hieran erfolgte die Abrechnung. die in Einnahme 4118,29 M. und in Ausgabe 3782,01 M. aufwies. In den Vorstand wählte die Versammlung Lehmann zum Bevollmächtigten und Bär zum Kassierer. Socialdemokratischer AgitationSvereiu für den Reichstags- Wahlkreis Ttralsrnid-Franzbiirg-Rügen. Sonntag, den 4. März, vorm. 10 Uhr bei Rnmlow, Schönhauser Allee 135, Sitzung. Freireligiöse Gcmeiiide zu Berlin. Sonntag, den 4. März, vorm. 80, Uhr, im oberen Saal des E n g l i s ch e ,i G a r t e n s, Alexanderftr. 2?<-, Versammlung.„FreireligiSse Vorlesung." Um 10>/«Nhr vorm. ebendaselbst: Vortrag des Herrn Professors Dr. Awert Gehrle:„Di- Bildung" Gäste, Damen und Herren, lehr lvillkonimeil._ � Eentraluerein der im Adrepenwesen»nd verwandte»«rauche» Beschäftigten. Sonnabend, abends 8 Uhr, bei Kernchen. Wallstratze 57, Versammlung...„„ Klempner Moabits. Sonntag, den 4. Marz, vormittags 10 Uvr, bei Psarr, Putlitzstratze 10, Morgeiisprache. Ein Beitragssammler ist anwesend...... Bildnilgsvemu„Mehr Licht". Sonntag, den 4. März, im König- st-dt-Kasino. Holzmarltstr. 72, Herr Röp- über:„Die Boeren rm Kampfe gegen England." Zlrdeiter- Bildungsverein für Mariendorf und Uiiigcgcnd. Soniitaa, den 4. März er., nachmitlagS 30, Uhr, Versammlung im Lokale des Herrn Tentschbei» in Marienjelde. Vortrag des Genossen Müller über: „Die stiele der SociawemKratie." Zahlreicher Besuch wird erwartet. Oeffentlicher Borträg Sonnabend, den 3. März, abends 8>/z Uhr. Professor Dr. Hottinger im Bürgersaale des Rathauses über:„Bibliotheken, besonders die königliche, und Bibliothekarinnen." Eine Besprechung sich anschlietzen,_ Thenkev. Ecntral Theater. Eine liebliche Spätblüte auf dem verwahr» losten Felde der Operette ist uns im vorigen Jahre beschert worden: Audrans„Pupp e". Das Werk des französischen Komponisten trägt zwar nichts von dem genialen lleberniut des Offenbach der sechziger Jahre in sich und wird es auch kaum zu der Popularität bringen. deren sich später noch die Operetten von Lecog, Strauß und Suppee rühmen konnten. Dafür ist in der„Puppe", wenn die schelmisch ins Pikante stechende Handlung auch noch hingehen möchte, die Musik viel zu graziös. Aber daß Audrans Schöpfung dennoch auf festem Boden! steht, bewies die liebevolle Aufnahme, die ihr Donnerstag bei der' Wiederanffiihnmg zu teil ivurde. Allerdings haben Orchester und> Bühne an dem neuen Erfolg einen redlichen Anteil. Fräulein Mia- Werber, die sieb hier vor' etlichen Jahren als Geisha so erfolgreich einführte, zeigte sich in Gesang und Spiel wie geschaffen für die drollige Rolle der Alesia. Ihr stand in Herrn Schulz ein vor- züglicher Lancelot zur Seite, während die derbkomischen Partien des Stücks von den Herren Sondermann. Albes und Ander mit der erforderlichen Ausgelassenheit gespielt wurden. Alles in, allem war die Vorstellung ein neuer Erfolg für die Direktion Ferenczy._ Vevtnifchkes- Ein neuer Unfall in der Marine wird aus Kiel gemeldet i Beim Einlaufen des Linienschiffs„Württemberg" in die Staatswerft kollidierte dasselbe init dem Panzerkreuzer„Fürst Bis- marck". Letzterer wurde am Heck beschädigt. Eine Aufsehen erregende Verhaftung wird aus Schneide» mllhl gemeldet. Dort ivurde der auf dem benachbarten Rittergut Rzadkowo auf Besuch weilciide Graf von Skorzewski durch den Distriktslommissar Mühring und einen berittenen Gendarmen verhaftet und als Untersuchungsgefailgener dem Justizgefängnis in Schneidemühl zugeführt. Graf v. S. ist 43 Jahre alt und'Bnider des derzeitigen Besitzers der Herrschaft Rzadkowo. Wie verlautet, ist gegen den Grafen eine Unlersuchung aus§ 175 R.-St.-G.-B. ein- geleitet worden. Durch unaufhörliche nächtliche Brandstiftungen wurden die Bewohner des Dorfs Bredow(Kreis Osthavelland) wochenlang in Angst und Schrecken versetzt. Selten verging eine Woche, in der nicht mehrere Feuersbrünste stattfanden. Trotz aller Wachsamkeit wollte es lange nicht gelingen, den Brandstifter zu entlarven. Jndeffen war es aufgefallen, daß einer der ersten auf der Brandstätte der Arbciter Karl Rogge war, der sich daim durch eiftige Hilfeleistung beim Löschen hervorthat. Auf ihn fiel schließlich der Verdacht der Thäterschaft, der jetzt zur Gewißheit geworden ist. Beim letzten Schcunciibrand hat ihn ein Dienstmädchen als den Urheber des Feuers an Ort und Stelle überführt. Er wurde verhaftet und hat auch bereits eingestanden, daß er in den letzten Wochen zehn Brände angelegt habe. Arbeiterloos. Marienwerder, 2. März. Wie die«Nene West« preußische Mitteilungen" melden, wurden heute morgen in Bäcker- mühle bei Marienwerder drei Arbeiter in einer Kiesgrube verschüttet; zwei derselben wurden getötet. Aus Tricst wird berichtet: Die ganze Nacht zum 1. März hm- durch wütete hier ein Sturm, der von ciuem Tcmperaturfall von 12 aus 0 Grad begleitet ivar. Bei heftiger Bora. Schneegestöber und Wetterleucksteii war die See stürmisch bewegt. Die außer- gewöhnliche Kälte dauert an. Deutsche Postämter im Orient. Gestern wurden in Sniyrna, Beirut und in Jerusalem deutsche Postämter und in Pera eine Zweigstelle eröffnet, für deren Verwaltung Beamte teils aus Berlin, teils aus Konstaiitinopel gesandt wurde». Der Dienst ist vorläufig ein beschräiilter und besonders im Interesse der Levante-Liiiie ein- gerichtet._ Marktpreise von Berlin am I. März 1900 iiacki Er»iittl»»ve» des lgl. PollzeipräsidülmS. 15,10 14,10 14,00 15,— 14,10 13,30 4,- 6,80 40,- 45,— 70,- 7,- 1,60 1,20 Dumte 14- 13,80 13,- 14,20 13,40 12,60 3,66 4,20 25,— 25,— 30,— 5,— 1,20 1,- vo» Sckiiveiiicskrffch Kiilbsteiicki Hciiiimelsteisch Bnlter Eier Karpfe» Aale Zander Hecbie Barsche Schlei« Bleie Krebje 1K? «0 Stück 1K? per Schock 1,60 1,70 1,60 2,60 6.- 2,20 2,80 2,50 2- 1,60 2,80 1,40 12,- 1,10 1,- 1,- 2,- 3,— 1,20 1,40 1- 1,— 0,80 1,20 0,80 3,- der CeiUralstelle der Preub. Land- wird »)2!>e>zc» D.-Cir. Moggen Futtcr-Gerste„ Haser gut. „»ilttel, „ g-ring. Richistroh» He» -sErbsen» -)Speiscbohiie»„ tft'mien„ Karwsiel», neue Rmdlleiich, Steine l k? do. Bauch« Elinitielt pro ivlrtschaftslaniuieni— Notieiungsflelle—»nd umgerechnet vom Polizei- präsidmin für de» Doppeicentuer. t) Kleliihandelspreise. Produtte nniarkt vom 2. März. Der Verkehr ivar äuberst lustlos, da von äugen her jegliche Anregung fehlte. England und Frankreich meldeten schwache Tendenz und die Berichte aus Nordamerika lauteten unentschieden nnd schwankend. Am hiesigen Platze schlugen die Preise bei sehr stillenr Geschäft und starker Nealilationsneigung, der keine Kauflust gegenüberstand, eine weichende Richtung ein. Weizen und Roggen gaben je eine Mark nach. Vom In- und Ausland lagen reichlich Offerten vor, besonders stark an- geboten ivar russischer Roggen zu eoulanten Preisen, sowie La Plata-Weizen, der in einigen Teilladungen nach hier verschloffen wurde. Der einheimische Kmiluinbegehr war sehr gering Das Medlgeschäft leidet unter schlechten Absayverbältuiffen. Hafer lag still und lustlos, eher flau. Rüböl fester aus Saatenbeschädigungen in Mecklenburg, und da die indilchen Saatenofferten auger Rendimeut sind. Am S p i r t t u s m a r k t wurden 20 000 Liter 70er loco mit 47,60 M. (— 0,10 M.) gehandelt. Kartosselsabrikate. Feuchte Kartoffelstärke 10,50 M. l» reine Kartoffelstärke disponibel und März 19.75 M., April-Mai 20—20,25 M. Ab- sallende prima Qualitäten Stärke und Mehl disponibel 17,50—18,50 M. per 100 Kilogramm._ Briefkasten der Redaktion. Tie suristische Sprechstunde findet Montag. DienStag und Freitag vo»«i— bi Uhr abends statt. A. SM. 1875 siel der erste Psingstfeiertag auf den 16. Mai. 9t. 8. 1. 16 Millionen Marl. 2. Ihr Wunsch soll soweit alS angängig berücksichtigt werden. E. B. Ihre Frage ist so unbestimmt, daß nichts damit anzu- fangen ist. Reichstag. Zu 1—4 bitte Ihre Quittung als Abonnent. Max Morid. Nach dem alwreutzischen Jagdpoltzei- Gesetz gehört zur Ausübung des Jagdrechts der Besitz von 300 Morgen Fiächenraum. — Thomö. Eine Anfrage von Ihnen liegt nicht vor. Wiederholen Sie dieselbe.— P. M. 1. Der mündliche Vertrag ist gültig. 2. Einer genügt, der Standesbeamte kann aber beider Anwesenheit verlangen.— I. R. W.« H. R. Ja.— M. W. Ihre Selnvester ist an de» Bertrag nicht ge- bunden; der Vertrag ist wegen Minderjährigkeit Ihrer Schwester ungültig. — K. T. 03. Uns nicht belaum. fragen Sie dort direkt»lündlich an. — MIO. E.<£. I Sie können den Belreffenden hier verklagen. Wenden Sie sich an irgend einen Arzt— O. 100. DaS wissen wir nicht WtliernngSiiberflcht von, S. Mär» 1900. morgens 8 I yr. Stationen ÜB SE §€ am --5. äU i* Ewinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wie» 757 NNW 761 N 758 NW 764 INW 762 SW 761180 7 Schnee 3 Sckinee 2 Sckinee 3heiter 4wolkenl 2!iooikcnl -4 —4 —5 -2 -9 -6 Haparanda PelerSbiirg Eork Abcrdeen Paris 766 ONO 759 NO 776 ONO 772NW 768-OSO 2 Nabel Lbedeckt 4wolkig 2 dedeckt l-dedeckt -22 -12 4 4 -3 Wetirr.Pronuose s»r Soiinabeild. de» Z. März 1900. Etwas gelinder, teils beiter, teils wollig mit geringen Niederschlügen und mätzigeu nordwestlichen Winden. Berliner Weiterdurean. Veramwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Jnieraicuteil veramwormcki: Id. iUlocfe in Berlin. Druck und Verlag von Max Badin« in Berlin.