Anterhallungsblatt des Hiorwärls Nr. 234. Dienstag, den 2. Dezember.>»13 331 k)elge Bcndclö Luftfchlörfen Ein Chikago»Ron?an von Henning Berger. Sie gingen rasch, in dem gewöhnlichen amerikanischen Promeiladentenipo. das iibertrieben und gekünstelt wirkt. Der eine Wolkenkratzer um den anderen tauchte im Nachtschein auf. wurde größer, breiter und verschwand hinter ihnen. Hinter Adam Street wurde die riesige Avenue dunkler, und an der Ecke der van Buren Street war es fast menschenleer. trotz der Hochbahn. Sie bogen nach rechts ab. — Jetzt sag' ich es. dachte Helge. Aber er schwieg. Die Schlvestern plauderten von einer Toilette, die sie in einer Loge gesehen hatten... Wenn sie im Sommer durch Paris kämen, wollten sie sich ein paar Modellkostiime kaufen; sie wüßte eine Adresse am Boulevard Malesherbes, wo sie unter der Hand verkauft würden. — Daß Sie nie in Paris gewesen sind. Helge! schloß sie. Die van Buren Street war dunkel und düster wie ge- wohnlich. Aus dem Listergebäude hatte Helge ein paar Ge- stalten schleich, en sehen, wie Schatten aus einem Grabsockel. In der Ferne leuchtete die Clark Street mit roten Gasflaui- men über den Bananenwagen und farbigen Laternen am Ein- gang zur Chinesenstadt. Aber die dunkle Ruine des Post- gebäudes dämpfte Licht uich Geräusch. — Lilly, sagte Bendel und ging hinüber auf ihre andere Seite, indem er seinen Platz zwischen den zwei Schßvestern verließ. Lilly, wiederholte er in ernsthaften, Ton. — Ja? Was gibt es denn so Wichtiges? Vergiß nicht, daß ick Kopfschmerzen habe. Ich hör' es schon Deiner Stimme an, daß Dn wieder mit einer Moralpredigt komnist. — Nein, nein. Und übrigens— wann Hütt' ich das getan? Aber das ist ja einerlei. Wenn wir oben sind, muß ich Dir etwas sagen. — Wirklich? sagte Lilly lächelnd. Sie gingen durch den Van Bnren-Street-Eingang ins Hotel. In diesem Korridor war nur ein kleiner Aufzug, der nicht mehr als vier Personen faßte. Er kam eben herunter, die Gittertür rasselte, der Niggerjunge sprang zur Seite, und im Deckenlicht des Korbs standen Reuter und noch ein Herr vor ihnen. — Oh, lala, sagte vergnügt der Spekulant und lüftete leicht seinen Panama— es ist, als wären wir in Froh-Paris — was? Mc. Carthy, darf ich Dir zwei der scfoöilste» Künstlerinnen unseres Landes vorstellen. Gestatten die Damen: Herr Carthy— die Schwestern Fanchetti. Helge hatte sich verwirrt in den Schatten eines Pfeilers zurückgezogen. In Mr. Carthy erkannte er einen der kühn- sten Makler der Börse, der. seitdem er an einem Wintertag in wenigen Minuten eine halbe Million verloren hatte, als Renters oberster Stier galt und der auch seither in AbWesen- heit des Feldberrn stets die Schlacht angeführt hatte. Es war ein Mann, der für Reuters Zwilling hätte gelten können. Er hatte dieselbe Vierkantigkeit in Art und Bewegungen, nur war er kleiner und trug einen kurzen Schnurrbart, der so gestutzt war, daß er einer Nagelfeile glich. — Hallo. Joe! grüßte Lilly unbefangen— Aber wir sind in Gesellschaft! Ein Landsmann und alter Freund von drüben— — Richtig, sagte Reuter— die Damen stammen ja ans Norwegen, oder nein— wie war es dock,? Aus Scknveden. glaube cht,. Na— aber das ist ja Roths junger Man»— in der Kennyonlinie, fügte er. zu Rlr. Carthy gewandt, erklärend hinzu. .— Bendel! murmelte Helge mit einer Verbeugung. — Ja, gewiß, ja— Bendel. Willkommen, Bendel! Wir fahren alle miteinander hinauf und trinken ein Glas Wein... — Aber Miß Fauchctti hat.Kopfschmerzen, murmelte Helge ausweichend. Er empfand die Situation als lächerlich und peinlich zu gleicher Zeit. — Ach was, Kopfschmerzen! Was ist das für ein Schmck- schnack! Die werd' ich in fünf Minuten geheilt haben mit einem Univcrsalinittel, das ich allein kenne. Kopfweh-Kraft- mittel st la Joe Reuter! Und er nickte mit einem breiten Lächeln Helge zu, der zurücklächeln mußte. Hinter seinem Rücken drückte Lilly Helges Hand und sah ihm bittend und mahnend in die Augen. — Komm' nur, flüsterte sie,— geh' mit— es kann lustig werden— und nützlich... Joe Reuters große, kräftige Hand schlug ihn ans die Achsel luid er fühlte sich ohne»veiteres in den Lift geschoben. Die beiden Fanchettis folgten. — Jetzt fahrt hinauf bis ins oberste Stockwerk. Carthtz und ich kommen mit eine», anderen List nach. Ich habe eine gute Idee. — Das hast Du immer, sagte Mr. Carthy. Der Aufzug schoß in die Höhe. — Was soll ich tun? rief Helge verzweifelt. Ick) kann doch nicht mit diesem Millionär zu Tische sitze»... Ich habe ja buchstäblich keine... Er stockte. Obwohl er schnvdisch gesprochen hatte, sah der Liftjunge ihn verwundert a», und Lilly schüttelte ärgerlich den Kopf. — Ach! sagte sie. itiniiu doch nicht alles so feierlich! Und damit begann sie leise mit der Schwester zu zischeln. Im zehnten Stockwerk, auf dem ihr Zimmer lag. stiegen sie aus, um ihre Toilette zu ordnen, und Helge mußte allein bis zum achtzehnten hinauffahren. Ein paar Minuten lang wanderte er in den niederen Korridoren auf und ab, die von ein paar Glühlampen beleuchtet waren. Das Hotelpersonal hatte hier seine Zimmer. Durch kleine Luken sah er die Lichter des südlichen Stadt- Viertels, das sich wie eine Kartenwand gen Hinimel erhob und mit ihm zu einem dunkeln, zackigen Hintergnind zu- sammenschmolz. Von einem unsichtbaren Ventil her kam ein kühler Luftzug. Helge empfand einen nervösen Ueberdruß.— Wenn ich doch fort könnte von dem allen! seufzte er. Jetzt kam ein großer Lift herauf. Reuter und Mr. Carthy waren darin mit zwei Kellnern, die einen zugedeckten.Korb trugen. Reuter sah sich um. — Wo sind die Mädels? fragte er nonchalant. Aber im selben Augenblick erschien in einer Ecke der kleine Aufzug und die Fanchettis tauchten auf. in hellen Kleidern und mit Rosen an der Brust und im Haar. Millie klatschte in die Hände und spielte die mutwillige Naive: — Ohl schrie sie und machte ein paar trippelnde Tanz- schritte— wie entzückend lustig—! Wohin gehen wir eigentlich? Aufs Dach, Kinderchen, sagte der Börsenmann. Es ist das Tack meines Alten, und als Erbe lad' ich Euch ein anfs Dach, solang' es»och da ist! — Mach' die Tachtür auf, befahl er einem der Kellner. Ueber eine kurze Treppe gelangten sie in einen geräumi- gen, lialleuartigen Bodenraum, der in einem Zustand unter- brochcner Reparaturen zu sein schien. Ueberall sah man Mörtel und Holzgerüste. Reuter drehte ein paar elektrische Lampen auf. — Ich werde einmal einen Klub hier einrichten, erklärte er.— Und jetzt aufs Dacki. Der Kellner zögerte. — Oefsnen Sie die Luke, sagte Reuter, und bringen Sie eine Leiter. — Dear Mr. Reuter, wandte der Mann ein— Sie wissen wahrscheinlich nicht, daß der alte Herr Abraham es ver- boten hat— seit— feit Sic damals das nackte Ballett droben hatte» und die Poli-- Der Millionär wurde weiß vor Wut. — Was zum Henker nuterstehst Da Dich, Du Hund! brüllte er. und ein Boxerstoß, ein Faustschlag unters Kinn, streckte den Neger wie einen Toten zu Boden. Die Frauen schrien auf. und auch Helge erbleichte: aber Mr. Carthy lachte bloß»nd erklärte, so wäre Joe Reuter immer, wenn er in sciueni Element wäre. Was die Schwarzhaut beträfe, so würde sie später immer reichlich entschädigt für ihre Aengst« im!» Schui« rzen: ia-sagie Mr, Ccuthy, das sarbilze Personal des Hotels wetteifert förmlich wer ihren geliebten Joe be- dienen und im gelesenen Moineilt einen Fanstschlag von ihm davontragen darf. Und der Neger, der sich schon wieder erholte, schien diese Behauptung zu bestätigen. Mit blutenden Zähnen erhob er sich, lachte sein breitestes Affengrinsen und beeilte sich, in ange- stammtcr, kriechender Sklavenweise Herrn Renter um Ver- zeihung zu bitten. Im Nu war die Leiter angelegt, und die Spekulanteir kletterten, indem sie sich gegenseitig lachend ver» sicherten, es käme nur drauf ail, die Leute Mores zu lehren, hinauf. Dann schwang Bendel sich nach, ihm folgten die Diener, und zuletzt kamen die Schwestern Fanchetti, die einen Schrei der Ueberraschnng ausstießen bei dem Anblick, der sich ihnen vom Dach aus bot. Es war märchenhaft. Eiir Fußboden war gelegt bis zum Geländer nach der Clark Street zu, lind bequeme Liegestühle, wie man sie aus den großen Dampfern findet, standen um niedere Tische aus Korbgeflecht. Auf diesen wurden rasch Flaschen und Gläser, Eiskühler, Obstschaleil und Zigaretten aufgestellt. Mr. Carthy probierte die Siphons aus, indem er sie den Kellnern ins Gesicht zischeil ließ, und Reuter schleuderte seinen leichten, weißgcstreiftcn Rock von sich, knöpfte die kettcnfnnkelndeu Manschetten auf, streifte die Aermel zurück und fing an, seine Spezialbowle zu brauen, bestehend aus großen Goldpfirsichen in einer Kristallschalc, über die ein paar Flaschen Sekt und Moselwein nebst ein paar Spitzgläsern feinsten Kognaks ge- gössen wlirdeil. Tarauf wurde dif Schale in ein Lager von Salz und Eis gestellt, und der Börsianer schwur einen heiligen Eid darauf, daß dies das einzige Mundwasser der Welt sei, ivas jeder seiner Gäste selbst ausprobieren möge. Ueber der Gesellschaft wölbte sich ein sternenfuiikelnder Himmel, tiefblau lind klar, in schimmernden, schwindelnde» Höhen. Gen Osten stieß die riesige Fläche des Michigansces mit diesem Gewölbe zusammen, und der Anfang des Wasser- fpicgels schien unmittelbar am Fuß der Wolkenkratzer zu liegen. Die niederen Häusermasscn waren nur ein schwarzes Band, während die übrigen Riesenhäuser zu Klippenforma- tioncn, Basaltfäulen und Kuppeltiirnien wurden. Die lang- gestreckte Südseite der Stadt verlor sich zwischen Myriaden von Lichtpunkten, die Fcnerfliegcn gliche», in einem Chaos, und der westliche und nördliche Teil lagen da wie schwarze Ungeheuer, in deren Rückenpanzern vereinzelte Lichtrinnen spielten. Schräg zur Linken flammte die Tachkrone von Masonic Teniple gleich einem strahlenden Diadem, und weiter westwärts, jenseits des Wassers, schwebte in der Lust ein schimmernder Dunst— der Widerschein von Mitwaukee. Der See selbst sah ans wie ein dunkles Samiilettuch, da und dort mit einer glitzernden Spange oder einem Metallknopf besetzt. Das waren die großen Doppelfähren, deren erleuchtete Fensterreihen sich in der Tiefe spiegelten. Und die Knöpfe waren die Laternen der einsamen Bugsierboote, deren heisere Pfeifen man vor den langen Wellenbrechern melancholisch durch die Nacht schrillen hörte. Und endlich brannten dort noch ein paar Leuchttürme: einer mit einem stetig brennenden roten Auge, klar wie ein Rubin, der andere in abgemessenen Zwischenräumen einen langen, forschenden, gelblichweißen Lichtchweif über das ruhige Wasser schwingend. Aber ganz tief, und noch röter als zuvor, fast wie eine Roterübenscheibe, hing der Mond. Ein kurzer Reflex im See, gerade unter dem toten Himmelsball, glich einem Klecks Marmelade. lZortsetzung folgt.): 8ie Kaben recht! Ganz gelviß, sie ha?eil reckst. Nämlich die Seilte in Etsuß-Sothiingen. Nicht allein damit, daß sie sich nicht von so schneidigen Militärs wie Leutnant v. Forstner und General v. Deimling ins Bockshorn jagen, sich„WackeS" schimpfen und zu ungeeigneter Tageszeit durch ungeeignete Paraden den Weg versperren lassen, nein, sie haben noch in vielen anderen Dingen recht. Vor einigen Wochen, der Wein hing noch tranbenschiver an den Stöcken, hatte ich Gelegenheit, in ein echtes und rechtes Elsässer» herz zu schauen. Im Eilzug, ans der Fahrt von Straßbnrg nach Mülhausen. Fn Schlettstadt stieg ein biederer Landmann zu mir ins Coup«, er war ans der Gegend von Zaber» und kam mit mir ins Gespräch. Er meinte, die Eisenbahn mache aus der ganzen Welt ein« einzige Stadt, Dieser Faden war de§ Aufnehemns wert, und ich spann ihn weiter. So kamen wir auf den Krieg, den grausigen Krieg zu sprechen und waren einig, daß ein Krieg daS Leben und Wirken in der zur großen Stadt gewordenen Welt furchtbar erschüttern und die Völker arm mache. „Ein' Krieg dürft' eL gar nickt mehr gebe, junger Herr, ein Krieg ist unnütz. Schauen Sie den Wohlstand in unserem Elsaß, die schönen Dörfer, das ist ein schöner guter Wohlstand. Jeder Bauer hat sein Stück Land, sein Gut und seine paar Tausend Mark Ver» mögen. S' ist nicht piel, aber j' ist doch ein ruhiger Wohlstand." So sprach der Landmann. Und es war wahr, was er sagte. Die sauberen Dörfer lagen links und rechts der Bahn, in Felder und Gärten gebettet, ganz als atmeten sie behaglichen Wohlstand. Diese schmucken, hellen Dörfer,— ein wieviel schöneres Bild boten sie, als in Ostpreußen oder'Mecklenburg die Junlergiiter mit den dürftigen Baracken der Hofleute und Landarbeiter. Ganz Elsaß macht immer den Eindruck eines großen, schönen Garten»: so sehr verschmelzen Pappeln. Obstbäume, lichte Dörfer und Weinfelder zu einem harmonischen Ganzen. „Ja, es wäre ewig schade, wenn in diesem Lande noch einmal ein Krieg wütete und alles zerstörte", antwortete ich dem Land- mann. „Gewiß, Monsieur, war' daö schade. Unser Land müßte den Krieg tragen. Deshalb wolle wir niemals den Krieg, wir wolle den Frieden zwischen Frankreich und Dütschland. Wir haben die dütsche Sprach und sind Dütsche, wir wissen, daß wir Dülsche sind und wir wollen Dütsche bleiben. Aber»vir wolle auch unser Recht und unsere Freiheit. Schauen Sie, in Frankreich habe» wir unser Recht und unsere Freiheit gehabt, obwohl wir die dütsche Sprache ballen, und von Frankreich haben wir auch unseren Wohl- stand. Das haben wir von Frankreich, daß die Felder im Elsaß uns gehöre; drüben über die Rhin") haben die Rittergüter die Felder, und die Landleute haben nichts. Schauen Sie, so wolle wir's behalten, wie wir's haben. Und wir wolle auch unser Recht, wie wir'S gehabt haben. Der dütsche Adel verachtet uns aber. Schauen Sie, Monsieur, ich Hab' zwei Söhne bei» Soldaten, alle zwei bei der Garde. Ja, meine Söhne sind bei der Garde. Und schauen Sie. der jüngste, er ist Metzger, sollte Bursche sein bei seinem Herrn Hauptma». Zur Madame Hauptmann sollte er immer gnädige Frau" sagen und das konnte mein Sohn nicht. Er sagte halt immer„Madame". Derweil war der Herr Hauptmanim ergrimmt und hat meinen Sohn angeschrien und geschimpft. Das bat mir mein Sohn geschrieben. Da lvar ich erzürnt und Hab meinem Sohn geantwortet, es sei gut, wenn er„Madame" sage, und er solle sich keine Mühe geben, eS anders zu lerne. Ich habe ihm ge- schrieben:„Mein Sohn, in Deiner Heimat wird jede achtbare Frau. wird Deine Mutter„Madame" genannt, und„Madame" ist gar ein schöner Name, ein viel schönerer Name als„gnädige Iran". Sage Du niemals„gnädige Frau", solche Frauen, wie Deine Frau Hauptmann, sind gar nicht gnädig, sie sind boshaft und häßlich mit ihre Dienstleut, ober nicht gnädig. Sage Deinem Monsieur Hauptmann, wenn er ergrimmt ist, daß Du „Madame" zur Frau Hauptmann sagst, dann soll er sich einen anderen Burschen nehmen. Und schauen Sie, junger Herr, das hat mein Sohn dem Monsieur Hauptmann gesagt. Da ist's ihm aber schlecht ergangen. Der Herr Hauptmann hat meinen Sohn in die Kaserne gejagt und ihn geschimpft:„Hund, seiger WackeS".— ES war ein hochadliger Herr, der Herr Hauptmann. Meinem Sohn geht es seitdem immer schleckt. Monsieur, ich frage Sie, ist das ein würdiger Zustand? Monsieur, gegen solche Behandlung müssen wir uns wehren, gegen solche Schande lehnen wir uns auf, und wir find im Recht." —— Was sollte ich darauf sagen V Ich kannte den beschränkten, bornierten Junkergeist, der glaubt, Volksregungen und Voltsgefiible frech verhöhnen zu können, au? Erfahrung. Er reißt in allen Grenz- gebieten in Minuten ein. Ivas die rechten und verständigen Politiker in Jahrzehnten mühsam aufbauen. Und keine Regierung rügt solchen Frevel, denn es ist Geist von ihrem Geist. Ich gab dem Landniann aus vollem Herzen recht. ES wäre eine Wohltat, wenn preußischer Juiikerhochmut überall ans solchen konsequenten OppositionSsinn stieße, wie er an« dem Sandmann sprach. Er würde bald ausgespielt haben und Deutschland könnte freier atmen. In Mülhausen stiegen wir beide aus. Mit einem �„Sallii, Monsieur I" gab mir der Landniann die Hand. ES kam?nir vor, als genierte er sich, daß er mich hatte so lies in sein Herz blicken lassen. Ich konnte ja auch irgendeiner sein.... Ich drückte ihm aber ehrlich die Hand. Ich war zu überzeugt, daß er den rechten Sinn hatte. Alle Leute in Elsaß-Lothringen haben ihn, wer könnte es ihnen verargen, das; sie sich nicht von Jnnkersti-feln treten lassen? Der Gei'» der Forstner, Deimlings und Konsorten muß auf ge- harnischten Widerstand stoßen. Die Elsässer wehren sich wacker, die Junker randalieren darüber: aber die Elsässer haben recht, m— itz. *) Ueber dem Rhein, gemeint ist: in Preußen. Der Laubenholonift. Es tzibt fciivc Zeit im Jahr«, auch im SSintes nicht, zu dcr der Laubenkolonist und Parzcllcndesitzcr nicht irgendeine wichtige und Ziutzbringende Arbeit im Garten verrichten könnte, �u den wichtigen Wintcrarbeiten gehört unter anderem das sorgfältige Nachprüfen dcr Umzäunungen, die sich jetzt in bester Verfassung befinden muffen, so daß es weder Feldhasen noch Kaninchen möglich ist, irgendwo einzudringen, und sich am Gemüse zu mästen und nach Schneefall die Rinde dcr Bäume abzunagen. Auch die Bekämpfung dcr Obstbaumschädlinge ist jetzt vorzunehmen. Gegen tierische und pilzliche Schmarotzer mit Einschluß�dcr Blutlaus, die in den Grotz-Berlincr Gärten bedenklichen schaden zu stiften beginnt, wird nun an einem milden, windfreien Tag. nicht aber bei Schnee, Rauhreif oder Glatteis, eine Bekämpfung mit sehr wenig vcr- dünntcr kalifornischer Schwefelkalkbrühe ausgeführt. In je zwei Liter Wasser verrührt man«inen Liter der im Handel erhältlichen Normalbrühc, während sie späterhin nach dem Wiederbeginn der Saftzirkulation nur in �iO— 4Sfacher Verdünnung angewendet>vcr- den darf, dann aber natürlich weit weniger wirksam ist. Auch das Schneiden der Bäume ist eine wichtige Winterarbeit, ich kann aber nur allen, denen Hebung und die genaue Beherrschung der Grundsätze abgehen, nach denen Obstbäume und Ziergehölzc ge- schnitten werden müssen, raten, diese Arbeit von eincnr sähigen Fachmann ausführen zu lassen. Ich mutz immer wieder betonen, daß es besser ist, die Bäume und Gehölze überhaupt nicht zu schnei- den, als sie durch falschen Schnitt zu ruinieren und sich dadurch andauernd um die erhoffte Ernte zu bringen. Eine Wintcrarbeit von grotzer Wichtigkeit ist auch die Bc- Handlung des K o m p o st h a u f c n s. In hundert und tau- send Kleingärten und Laubcnparzcllcn wird man vergeblich nach einem Komposthaufcn suchen, denn man glaubt dort am besten zu fahren, wenn man sich allen Abraumes möglichst rasch entledigt, indem nian ihn entweder nach einem wesentlich abgekürzten Vcr- fahren vor die Türe schüttet oder auf das nächstgclcgcnc Oed- land schafft. Durch dieses Verfahren entzieht man der eigenen Parzelle wichtige Nährstoffe. Ein wesentlicher Teil von dem, was das Land trug, kann man ihm zurückgeben, wenn man alle Gc- müscadfälle, also die unverwertbaren Blätter des Kohls und Salates, die Kohlstrünkc, die Erbsen- und Bohnenranken, das Fall- laub, das Unkraut usw. in einer abgelegenen, etwas beschatteten, aber dcr Luft gut ausgesetzten und nicht zu feuchten Gartenecke anffchichtct. So entsteht dcr Komposthaufen, dem man da, wo Kleinvieh gehalten wird, nuck, dessen Dung, weiterhin die Küchen- nbsäll«, Kloscitdüngcr und Jauche zusetzt. Die Praxis lehrt, datz Jauche und Gcflügcldünger, auf ven Komposthaufcn gebracht, so daff sie sich mit dem Kompost zersetzen, weit vorteilhafter wir- kcn, als wen» man sie direkt aus dem Stall auf das Land bringt. Die Zersetzung des Kompostes wird beschleunigt, tvenn man den werdenden Haufen immer von Zeit zu Zeit mit Actzkalk bestreut. Diesem Vorteil steht aber dcr grosse Nachteil gegenüber, datz Kalk den Stickstoff austreibt, was eine wesentliche Entwertung des Kompostes zur Folge hat. Eine weitere Verbeffcrung erfährt dcr Kinnpost, wenn man ini Gcflügclstall und im Klosett Torfmüll verwendet, der zur Anreicherung des Kulturbodens mit Humus eine wichtige Rolle spielt. Torfstreu sollte nicht verwendet wer- den, da die groben Stück« selbst innerhalb vieler Jahre nicht vcr- rotte», nach jedesmaligem Graben und Hacken dcr Beete wieder zutage treten, und dann immer wieder ein erneutes Aergcrnis bilden. Torfmüll besteht ans den Resten von Torfmoosen, die im- stände sind, das Achtfache ihres Eigengewichtes an Wasser auf- zunehmen, also die Feuchtigkeit zurückhalten und dadurch in»n- sercm meist trockenen Sandboden unschätzbare Dienste leisten. Der Komposthaufcn kann aber auch seine Schattenseiten haben, d. h. er kann zu einer Brutstätte für Unkräuter und die verschiedenartigsten parasitären Pflanzenkrankheiten werden. Es ist dies dann dcr Fall, wenn man mit dem Jäten der Unkräuter so lange lvartct, bis sie reifen oder fast reifen Samen haben. Schon früher habe ich einmal auf die staunenswerte Lebensfähig- kcit dcr Unkrautsamen hingewiesen. Innerhalb kleinerer Köm- pofthaufcn erwärmt sich die Masse während des Zcrsetzungs- Prozesses nicht derart, datz ein Abtöten der Unkrautsamcn statt- finden kann. Deshalb gelangen die lebensfähigen Unkrautsamen mit dem verrotteten Kompost später wieder auf die Kulturbecte, wo sie die Ursache neuer Unkrautplagen werden. Aehnlich ver- hält es sich mit Abfallstoffcn, die mit Pilzen behaftet sind, wie mehl- tankrankcr �nlat, ebensolcher Kohl und Hülsenfrüchte, pilzkrankcs Obst, pilzkranke Reben, Stachelbeeren, Rosen usf. Alles Krank- haste und alle Unkräuter mit reifendem oder reifem Samen, mutz man besonders lagern und immer sofort durch Feuer zerstören. Wenn sich Parzellcnbesitzer und Laubenkolonistcn jährlich unter Aufwendung aller gebotenen Vorsichtsmahrcgeln«inen Kompost- Haufen anlegen, dcr auch noch durch Küchenabfällc, Müll, Seifen Wasser usw. bereichert tverden kann, und ihn bis zur Verrottung mehrfach umarbeiten, dann wird dcr so gewonnene Kompost, zu- mal da, Ivo Geflügel oder sonstige Haustiere gehalten werden, zur Düngung des eigenen kleinen Grundstückes ausreichen. In diesem Falle erübrigen sich also besondere Aufwendungen für Dünger- bcschaffnng. Die letzte und in Obstgärten meist auch ausgiebigste Bereicherung erfährt der Komposthaufcn im Spätherbst nach dem Laubfall. Ter Volksmund sagt zwar„Laub ist taub" und will damit andeuten, datz der Dnngwcrt des Fallaubes ein Verhältnis- massig geringer ist; trotzdem ist sein Wert für unseren Humus- armen Sandboden nicht zu unterschätzen, da es den Boden wesent- lich niit Humus bereichert. Tics gpschieht auch da, wo man das Laub in den Ziergchölzcgruppcn innerhalb derer sich jedes Graben erübrigt, durch Jahre hindurch unberührt liegen und verrotten lässt. Es bildet sich dann hier eine immer stärker werdende Humusschicht, wie wir sie in alten Waldungen, namentlich in Laub- Wäldern finden, in der sich oft die prächtigsten heimischen Stauden ansiedeln und zu hoher Enlwickcluug gelangen. Eine geringe Zahl von Kolonisten wirtschaftet ja auch in dcr Mark aus Moorboden. Dieser Boden hat den Vorteil, reich an Humus zu sein, aber auch schwerwiegende Nachteile, die oft in einem starken Säuregehalt und an vielen Orten in zu hohem Grundwasserstand bestehen, der viele Kulturen, in erster Linie auch lobnendc Obstkultur, ausscklictzt. In solchem Bode» spielt aber die Humusdünguiig nicht die Rolle, wie im Sandboden oder gar im Flugsande. Nur da, wo der Boden reich an Humus ist, kann man neben der Kompost- oder Stallmistdüngung, aber nicht ohne diese, dauernd mineralische Dünger nnwenden, also Chilisalpcter(Stick- stoffdünger), Kainit oder besser 4»prozentiges Kalisalz tKalidüngcr) und Thomasmehl lPhosphorsäurc). In den Kolonisten- und Grund- besitzcrvcrcincn werden jetzt vielfach Propagandavorträgc gehalten, in denen die Kolonisten zum Kauf mineralischer Düngemittel aus- gefordert werde». Die Vortragenden sind meist Leute, die eilt- weder mittelbar im Dienste dcr Kunsldüngcrsyndikate bzw. -delegationcn stehen, oder doch von diesen mehr oder weniger ab- hängig sind; sie halten deshalb die Vorträge weniger im Jntcr- esse dcr Parzellcnbesitzer und Laubenkolonisten, als im Interesse der Kunstdüngcrproduzenlcn, deren Absatz erhöht werde» soll. Des- halb beanspruchen sie auch kein Honorar für ihre Vortragsleistuiigen, was ihnen überall Tür und Tor öffnet. Unterstützt wird das ge- sprochenc Wort durch Abbildungen, die Beispiel und Gegenbeispiel vor Augen führen. Das Beispiel ist eine üppige Kultur nach Boll- düngung, und die Gegenbeispiele sind eine weniger üppige Kultur nach einseitiger Düngung und eine ganz erbärmliche ohne Düii- gung. Vorausgesetzt nun, datz die veranschaulichten Versuchsergeb- niffe wirklich reell durchgefübrt sind, die gezeigten Aufnahmen also de» Tatsachen entsprechen, hat diese ganze Vorführung doch in- sofern einen Haken, als die gezeigten Beispiele und Gegenbeispiele, mindestens aber das vorbildliche Beispiel, von humusreichstem, erst- klassigcm Gartcnbodcn stammen. In solchem Bode», darüber bc- steht kein Zweifel, kann man durch sachgemässc Mitanwendung mineralischer Dünger, die immer nur neben dcr Stallmist- und Kompostdüngung cinhcrgchcn sollen, di« Ernten nach Güte und Menge erheblich verbessern, nicht aber in unserem HumuSarmen Sandbodcn. In solchem Boden ist jede Ausgabe für Thomasmehl und Chilisalpcter, meiner festen Uebcrzeugung»ach, rein zum Fenster hinausgeworfen. Man mutz diesen Sandboden erst jähr- zehntelnng mit Kompost, Stallmist oder mit konzentrierten organi- sehen Düngern, tri« Peruguano, Bremer Poudrettc, Ovisguano ige- trockncter Schafdüngcr), Rinderguano usw. düngen, bis cr dcr- artig mit Humus angereichert ist, datz auch durch abwechselnde An- Wendung mineralischer Dünger Erfolge erzielt werden können. Die Landwirtschaft hat für die Nährstoffbedürfnisse des Bodens Grundsätze aufgestellt, die auch für Gärten, bis zu de» kleinsten, massgebend sind. Nach diesen Grundsätzen kann kein Nährstoff den anderen ersetzen, man muh dem Boden stets den Nährstoff am reichlichsten geben, von dem cr am. wenigsten enthält. Man darf die erforderlichen Bodennährstoffe nur dann als wirklich vorhanden annehmen, wenn sie sich w einer Form im Boden befinden, in dcr sie von den Pflanzen aufgenommen werden köniieu.. Die Auf- iiahmcfähigkcit d«r im Boden verhandencn Nährstoffe durch die Pflauzcnwurzcln wird durch Kalkdüngung erhöht, die man auch in humusarmem Boden nicht umgehen kann, ja, die hier gerade besonders geboten erscheint, weil reiner Sandbode» in der Regel kalkarm ist. Man mutz die zu bietenden Nährstoffe möglichst gleich- mätzig im Boden verteilen, d. h. über das ganze Grundstück, damit sie überall von den Pflauzcnwurzcln erreicht werde». Das ring- förmige Ausbreiten von Dünger um den Stamm eines Obst- baumes, wie es fast überall gehandhabt wird, ist deshalb falsch, richtiger gesagt zwecklos, denn dicht beim Stamm eines älteren Obstbaumes befinden sich nur starke, verholzte Wurzeln, di« keiner- lei Nahrung mehr aufnehmen können, weil die Nahrungsauf- nähme nur durch die feinsten Wurzelcnden, durch die sognanntcn Saugwurzcln und durch deren Spitzen erfolgt. Man mutz ferner dem Boden stets«in mehrfaches jener Nährstoffnicnge geben, die ihm durch die Ernte entzogen wurde. Dieser letzteren Förderung kann natürlich nur dann von der Gesamtheit dcr Gartenbau und Ackerbau treibenden Bevölkerung entsprochen werden, wenn sie neben Kompost, Stalldung und Latrine auch Kunstdünger an- wendet, dcr aber, wie gesagt, für humusarmen Boden nicht in Frage kommen sollle. weil er hier nichts nutzt, sondern nur schadet, d. h. ihn noch weiter entwertet. Vielleicht trage» vorstehende Ausführungen dazu bei, allen dcne», die seit Jahr' und Tag in märkischem Sand mincralische Düngemittel anwcndcn und damit aus keinen grüne» Zweig kommen, also Jahr für Jahr mit geringen und mit Missernten z» rechnen haben, die Augen zu öffnen und ihnen den Weg zu zeigen, dcr, wenn es an sonst nichts fehlt, zum Erfolge führen mutz.' Hb. Kleines Feuilleton. Der Zug der Räufer. Die letzten Häuser recken sich grau empor, In Masse» geschart und in einzelne Grlippen. Elende Hütten laufen davor Wie zerlumpte Kinder vor Heerestruppen. Hinter den steinernen Zinnen Aber beginnen Die Felder, die Weiten, Die sich endlos in die graue Ebene breiten. Hohläugig glotzen die Häuser herüber, Mit scheelem Blicke versengen sie Strauch und Baum, „Gebt Raum! Gebt Raum unserm Schritt, Wir wälzen den plumpen steinernen Leib darüber. Die Dörfer, die Felder, die Wälder, wir nehmen sie mit! Mit unserem rauchenden Atem verbrennen Wir jede Blüte und reifende Frucht. Die Saaten, die nicht mehr grünen können, Ersticken in Oualm wir. Vor unserer Wucht Zersplittern die Bäume. In rasender Schnelle Sind alle Menschen im Land auf der Flucht Wie vor einer steinernen Welle. Wir aber erreichen sie doch, lins hält Kein Stroni, kein Graben. Wir morden das Feld. Und die Menschen, au» ihrer Qual sich zu retten, Au» einsamen Höfen, verlassenen Auen. Mit dem Wahnsinn gepaart, dem Hunger, dem Schinerz, Gebeugte Männer, verzweifelte Frauen, Ziehen dahin in schwarzen Ketten Hinein in der Städte pochende» Herz. Ob lebend, ob tot,«vir halten sie fest An uilsere steinemen Brüste gepreßt. Bi» unsere Stirnen die Sterne berühren: Blutender Felder zerrissenen Grund, Euch. Ebenen, die in da» Endlose führen, Alle verschlingt unserer Mauern zermalmender Mund. Bi» wir zum Saume der Meere un» strecken. Rie sind wir müde, nie werden tvir satt, Bis wir zum Haupte der Berge un» recke» Und die weite, kennende Erde bedecken: Eine ewige, eine»inendliche Stadt!..." Armin T.«egner(Lugend'). Ein Staatsminifier über Polizei>md Kinder.„Ich brauche nur zum Fenster hinauszusehen, un, gewahr zu werden,»vie es bei uns siebt. AI» neulich der Schnee l ag und meine RachbarSlinder ihre kleinen Schlitten auf der Straße probieren»vollten, sogleich»var ein Polizeidiener nahe, und ich sah die armen Dingerchen fliehen, so schnell sie konnten. Jetzt, wo die FrühlingSsonne sie an» den Häusern lockt und sie mit ihresgleichen vor ihren Türen gern ein Spielchen machten, sehe ich sie immer geniert, als wären sie nicht sicher und als fürMeten sie da» Herannahen irgendeine» polizeilichen Machthabers. ES darf kein Bube niit der Peitsche knallen oder singen oder rufen, sogleich ist die Polizei da, e» ihm zu verbieten. ES geht bei uns alles dahin, die liebe Jugend frühzeitig zahn, zu machen und alle Natur, alle Originalität und alle Wildheit auszutreiben, so daß an, Ende nichts übrig bleibt, als der Philister.' So sprachen Seine Exzellenz der Herr Staatsminister v. Goethe zu seinen, trenen Mitarbeiter Eckermann in, Jahre 1828. Und heute? Genau dasselbe_ Bild!„Alle» fließt", sagt irgendein persischer Weiser, aber„die Zähmung" der deutschen Jugend bleibt konstant. Die noch nicht Schulpflichtigen schreckt der Polizeidiener, dann tritt die Schule an seine Stelle, un, das Werk fortzusetzen, imd als Krönung de» Ganzen kommt die Militärpflicht. Allzuviel de» Guten! So viel ist bei uns Deutschen gar nicht nötig. Die Knechtsreligkeit ist doch bei uns erblich.„Es liebt der Deutsche. einem lieben oder leiden Herrn zu dienen." Wir dienen ja so gern,»md wenn wir nicht als Knechte angepackt werden, dann fehlt unS etwas.— Immer hört man: Wir haben die besten Bolksschulen, die»venigsten Analphabeten. Na, ivenn die Hauptmasse aller Volksschüler in dem bildungsfähigsten Alter vom 6. bis zum lt. Jahre, also acht lange Jahre, nicht einmal die eigene Sprache richtig lernt, kann'S mit der Bortrefflichkeit nicht so weit her sein. Aber die Zähmung gelingt heute noch Ivie vor 100 Jahren. Warum verschaff» ihr de« revolutionären Völkern, z. B. den Albanien,, mcht den„Segen" der deutschen Schulen? Europa wäre mit einem Schlage den Druck los; denn die Albanicr würden zabm— zahm wie deutsche Handlmigsgehilfen. Goethe ivar gewiß kein Revolutionär, aber über die llnter- «crantw. Redalteur: Alfred Wielepp, Neuköllns Druck u. Verlag: bindung jeder freien und selbständigen Regung bei der deutschen Jugend klagt er oft. Und dann wundern wir un» über den groben Anschnauzerton unserer Schutzleute und Gendarmen. Der Hund, der ständig an der Kette liegt, wird bissig. Diese„niederen" PoUzei« organe, die doch selbst der breiten Masse des Volkes entstammen. sind ja von der frühesten Kindheit an ebenfalls„gezähmt" worden. Wird nicht ein Sklave, der befehlen darf, immer ein böser Tyrann?— Naturwissenschaftliches. Ei» Prachtwerk der biologischen An st alt auf Helgoland. Die königliche biologische Anstalt auf Helgoland, die zur Erforschung de» Tier« und Pflanzenlebens der Nordsee schon manche verdienstliche Tat geleistet hat, ivill jetzt mit einem Pracht« tverl an die Oeffentlichkeit treten, das so, ivie cS geplant ist, die höchste Beachtung verdient, nicht nur in den naturlvissenschaftlichen Fachkreisen, sondern auch bei allen Freunden der Natur. Dazu kommt, daß die photographische Ausstattung des Werke? zu den be» ivunderungswürdigsten Darstellunzen gehören wird, die jemals auf dem Wege der photographischen Vervielfältigung gezeigt worden sind. Es handelt sich um Auzenblicksaufnahmen, die von Herrn SchenSky in den Aquarien der bwlogischen Anstalt ausgeführt worden find und daS Tier« und Pflanzenleben der Nordsee veranschaulichen ollen. Beabsichtigt ist die Herausgabe von drei Lieferungen mit je 10 Tafeln und einem begleilenden Text. Der Verfasser dieser Zeilen ist durch die Freundlichkeit der biologischen Anstalt in die Lage versetzt»vorden, einen großen Teil dieser Aufnahmen vor der Oeffentlichkeit kennen zu lernen, und muß gestehen, daß Bilder von ähnlicher Vollendung sowohl in der Er- fassung des für das Leben der einzelnen Tiere kennzeichnenden Augenblicks, wie in der Art der Ausführung wohl noch nie dar« geboten worden find. Während die Pflanzenwelt de» Meeresboden» an Bedeutung zunicktritt, erscheinen die Tiere in der Entfalttmg ihrer eigenariigen LebenSgewohnheiten. Dort sehen wir eine Qualle, wie fie beim Schwimmen die winzigen ihr zur Nahnmg dienenden Lebewesen durch die Bewegung ihrer Fangorgane zu er« greifen sucht,»vährend sie auf eiuem anderen Bild in zusammengezogener Haltung alle Einzelheiten ihre» zarten Baues sehen läßt. Dann die Pracht der Seerosen und Seesterne, die eigentümliche Lebewelt der Einsiedlerkrebse, die sich um einen Bissen prügeln, serner die stattlichen Seeigel mit ihrem Stachellleid. Unter den größeren Tieren fällt da» Porträt eine? greisenhafte» Hummer» auf. dessen Rücken schon von zahllosen anderen Meeres« tteren zur Ansiedlung benutzt»vorden ist. Dazu kommen die lebens« vollen Abbildungen verschiedener Fische vom gemeinen Schellfisch bis zur Ungestalt der Rochen. Möge es gestattet sein, die Aufmerk« samkeit auf dies wundervolle Werk zu lenken, das bei Dr. Werner Klinkhardt in Leipzig erscheinen soll,»venu die bereit? stattlich« Liste der Subskribenten noch eine Vervollständigimg erfährt. Prof. E. Tießen. Ein Vogelflug von England nach Südafrika. Zur Feststellung der Wanderungen der Zugvögel werde» zahlreiche zufällig cingefangene Vögel mit Fußringen versehen, die über die Zeit und den Ort des Fang? AuSlunft geben. Bei einer umfastend«, Organisation einer solchen Maßnalrme können beachtenswerte Ergebnisse erwartet werden. In England hat eine weit verbreitete Zeit- schrift für heimatliche Vogelkunde bei ihren Lesern zur Beteiligung an diesen Bestrebungen Stimmung gemacht und einen erheb- lichen Erfolg erzielt. Infolgedessen wurden innerhalb weniger Jahre über 32 000 wilde Vögel vieler verschiedener Arten mit Fuß- ringen der erwähnten Beschaffenheit ausgestattet. Das merkwürdigste Ereignis, daS sich aus diesem linternehmen ergeben hat, ist wohl der jetzt mitgeteilte Fang einer Schwalbe mit einem solchen aus England stammenden Ring in der englischen Kolonie des OranjestaateS in Südafrika. Der Ring war einer jungen Schwalbe angelegt worden, die an einem Platz der schottischen Grastchaft Ahr im Nest gefunden worden war, und danach wieder zurückgesetzt wurde. Der Ring trug das Datum de» 27. Juli 1912, während der Fang in Südafrika an, 10. März 1913 erfolgte. ES scheint nicht einmal selten zu sein, daß Schwalben im Winter von England bis Südafrika fliegen, denn es wird gleich noch ein zweites Beispiel eines Vogels dieser Art berichtet, der seinen Ring in der englischen Grafschaft Stafford erhalten hatte und dann bei der Stadt Utrecht in Natal eingesangen wurde. Die Feststellungen sind in mehr als einer Hinsicht»nerkwürdig. Sie zeigen einmal wider die Erwartung, daß die Zuvögrl sich nicht da- mit begnügen, im Winter die nächste wärmere Gegend aufzusuchen, sondern den ganzen Tropengürtel bis nach tyr südlichen gemäßigten Zone überfliegen. Ferner zeigt diese Tatsache, daß die Flugleistmigen insbesondere der Schwalben an Großartig- keit alle Bornellnugen übertreffen. Leider wird es selten und nur zufällig möglich sein, die Geschwindigkeit zu ermitteln, mit der eine Schwalbe den ungeheuren Raum von Eng- land bis nach Südafrika zurücklegt. AIS sicher kamt jedoch an- genonuncii»verde», daß sie auf diesem Wege ausgedehnte Gebiete überfliegen muß, Ivo sie keine Nahrung findet, und zwar entweder daS Meer oder die snharische Wüste, die früher als ein unübrr- wiiidbarcZ Hindernis für die Zugvögel betrachtet worden ist. Berlin 51V.