Anltthaltungsblatt des Horwürts Nr. 248. Sonnabend, den 20. Dezember. UN3 Suckst du aus deiner Kindheit Märchen vor. Wie spitzt der Junge jedem Wort da» Ohr!—> Und gibt er sie uns wieder, blickt im Strausi Ein eignes Knosp lein jedesmal heraus. Was ich von Tieren und von Pflanzen wei». Erzähl' ich's ihm, macht'S ihm die Backen heiß.. Dann stellt«r'S miihlo» im Boriibergehn De», andern zu, daS er schon selbst gesehn. Und reichen wir einmal nur Drahtgeflecht, Ist selber das der KindeSseele recht, Um Netz auf Netz aus eignem Werdegrün Mit Blumenzweigen froh zu überblüh'n. So schenken wir. so werden wir beschenkt An jedem Tag. der sich hermedersenkt. F. AvenariuS. 47? r)dge Bendels Luftfcblöffen E i n Chikago»Roman von Henning Berger. — Bendel! lallte Anderson. Bendel— heut siebst Du den Agenten der Kennyonlinie zum letztenmal. Verstehst Du da. Junge? Einhunderttausend. Ich sage dir: Schweden— ja — mehr als hiiuderttausend Landsleute und Skandiuavier Hab ich der Linie verschafft, und mehr als das— Passagiere und Einwaitderer.... Dreisiig Jahre lang, denk! lind tvas ist der Dank? Er stolperte über seine eigenen Beine, und Helge sah jetzt, daß er trotz der frühen Morgenstunde todbetrunken war. — Siehst Du das? fuhr Andersson fort und zog die Be- lohnungsuhr aus der Tasche. Du kennst es: dreißig Jahre im Dienst meiner Eomparuz..... Ja, Bendel, jetzt werd ich Dir was erzählen.... Er brachte sein aistgeduiisenes, schnapsstinkendeS Gesicht dicht an das BeirdelS und flüsterte heiser: — Heut nacht schieß ich mir eine Kugel vor den Kopf. Paß aus. was ich Dir sage: Du kriegst hundert Dollar, wenn Dn mit mir in den Jackson Park gehst und nachher, wenn ich es getan habe, den Revolver fortnimmst. Helge fuhr zunick. — Still dock. Herr Andersson! Was ist das für ein un- sinniges Geschwätz! — Es ist gar kein linstnniges Geschivätz!— Und der Blick hinter den dicken, runden Gläsern starrte verzweifelt nüchtern hervor. Es ist mir— Tod und Hölle— blutiger Ernst. Bendel! Ich habe Frau tind Kinder: imd ich bin in einer Lebensversichernng. für die ich noch vorige Woche die Prämie bezahlt habe. Wer mir den Dienst erweist und den Revolver fortnimmt heute nacht, bekommt nieme Ubr: sie ist über hundert Dollar wert. Es soll aussehen wie ein Mord. verstehst Du: dann wird die Versicherung ausbe.zahlt. Na. Bendel, willst Du Deinem alten Chef den Dienst erweisen. was? Ich habe schon alles genau überlegt, die Stelle und alles übrige: es ist keinerlei Risiko dabei. Heute nacht, im Nebel— fft— still— sag nichts.... — Mr. Andersson. sagte Helge, indem er sich losmachte. ich will Ihre Worte nicht kören: ich habe sie nicht gehört. Aber ich reise heute abend aus dieser verfluchten Stadt ab und bin also heut nackt nickt mehr hier.... Lebeir Sie wokl! Aber den Agenten hielt schon wieder der Rausch um- nebelt. Er lächelte unsicher und murmelte etwas in seinen Bocksbart. Er hielt sich immer noch am Geländer und tastete mit der.Hand in dem grauen Dunst umher. Helge hörte ihn mit sich selbst reden: — Ich weiß einen ich glaub, ich weiß einen Freund, der mir hilft... er kriegt die Uhr dafür.... Noch als er um die Ecke der Raudolph Street bog, sah er den winkende« Sckta treuumriß Auderssous, eine Nebelgestalt im Nebet. Helge sprang auf das Trittbrett des ersten vorübergleiten- den Kabelwagens, und von hier aus sah er. an eine Dachstnnge festgeklammert, zrnu letztenmal die La Salle Street. Es war eine seltsame, fast unwirkliche Wiedergabe der Aü cht igen Pulsader. Die Wolkenkratzer waren schon bei der sechsten und siebenten Fensterscheibe abgehauen, und die Ge- stalten auf den Trotkoircn glichen Wolkenkobolden. Das Börsengebäude im Hintergrunde schien zu schmelzen oder aus schmutzigem Schnee aufgeführt zu st'in. der Schein der Bogen- lampen durch die hohen Fenster brachte eine Wirkung wie von einem illuminierten Pappdeckelhaus hervor, so wie er sie auf dem Weihnachtsmarkt dabcim auf dem Stortorg gesehen hatte. Der Nebel dämpfte die Geräusche wie Watte, und die Tram- babusignale klangen wie die ßniitboien im Kattegatt. Es war, als hätte die Seereise schon begonnen. � Aber als er von hinten das Gaand Pacific Hotel betrat, versdjroaud alle Traumillusion. Die Halle schwamm in einem Meer von Havannarauch, die Palmen sahen in dieser Atmo- sphäre aus wie Algen, und die Glaswölbung der Kuppel gab in hallendem Ecko das Rasseln der Kassen, die Geräusche der Klingeln und Billardkugeln und die tausendstimmigen Laute von Stimmen. Schritten und Koukoigetriebe wieder. Un- willkürlich fiel ihm der Schneesturmtag von? vorigen Jahr mit seiner Stimmung von eingehegtem Egoismus ein. Da war Reuter. Eben erst von einer Erholungsreise im Süden zuriickge- kehrt, erschien er auf der weißen Treppe der Luxusbar in glänzendem Aylinder, gutsitzendem Gehrock und tadellosen Rasiermesserbeinkleidern. Mit seiner frischen Athletensarbe und dem gutmütigen, vierkantigen Lächeln geleitete er ein paar Damen in Straußenfedern und Schneeboas hinüber zum Rokokocafc?. Die Musik spielte liebenswürdig den ihm ge- widmeten Twostep: Der kluge König, und in den Ecken der Büfselledcrdiwane flüsterte man sich zu. daß Joe schon wieder mit dem Plan zu einem neuen Corner umgehe— Eier- und Buttermarkt. So konnte man spielen, wenn man einen Goldpapa hatte. Und aus dem Rasiersalon, wo die Kunden auf die ein- gelegten Silber- und Goldmünzen des Bußbodens traten. kam der Portier, Mr. Stevens. Er hatte sich eben Stirn- haare und Schnurrbart brennen lassen. — Ha! sagte er.— der junge Mann von der Kennyon- linie! Wie gehts, wie stehts? —• Allsgezeichnet! erwiderte Bendel. — Hören Sie mal, sagte Mr. Stevens und fühlte mit dem Zeigesinger nach, ob Haar und Schniirrbartipitzen er- kältet lvareu. hören Sie mal, Herr Bendel. Sic haben sich manchmal mit dem alten Morley unterhalten— was? — Ja. — Ja. Na also— heut Nacht haben wir ihn tot aufge- sunden. Trinken und ein Herzleiden. Und das Alter, natür- lich. Aber lvas ick eigentlich sagen wollte— seltsam, weshalb der alte Narr iiberhmwt liier angestellt war: er tat doch keinen Nutzen! Ja, was ich sagen wollte— bei der Untersuchung stellte sich heraus, daß er gar nicht Morley hieß, son- der« Simpson, und Offizier in der Armee der Südstaaten gewesen ist— denken Sie sich! Guten Morgen. Herr Bendell Das Dacklecho warf daS Türknalleu. die Orchesterkläuge und das Gesurre zurück wie ein Walzwerk. Ju dieser Be- leuchtung und diesem Wirrwarr deS Ohrs konnte man nicht wissen, ob die Ubr über dem vergoldete» Gittettverk des Kon- torS die zehnte Stunde des TageS oder der Nacht wies. Mr. Roth saß au seinem Schreibtisch, die Füße gegen die Pultkaute gestemmt, eine ausgehende Zigarre im linken Mund- winket und ein Telegramm in der schlaff herniedcrhängenden Rechten. Oben in der Passagierabteilung klapperten� die Schreibmaschinen, und vor den Fensterscheiben nach der Clark Street hinaus schien der Nebclvorhang wie durch eine Dampf- Maschine augepreßt und festgeklebt zu werden. Die lebte» Trümmerreste des alten Postgcbäudes hoben sich aus der Dunstinasse wie Walsischgräten in einem gigantischen Gelee. Helge hustete. — Oh ja! sagte Mr. Roth. Es war ein kurzer Abschied, �.. Er hatte am Tage zuvor die verschiedenen Freibillette erhalten und kick dafür bedankt. Die Redensarten, die noch übrig blieben, waren überflüssig. Jniiuerhin sagte Mr. Roth: — Viel Glück. Bendel. Es tut mir leid, daß ich Sw verliere. Und Hclge antwortete: — Anch ich werde Sie vernMen, Mr. Roth. Da er ein Gefühl hatte, als iniisse er noch etwas sagen, ür das er keinen Ausdruck fand, so fiel ihm plötzlich der Ab- chied vom Vater ein, der Tag. an dein sie durch die Hafen- trotzen zpin Bahnhof gingen, und er gedacht hatte: tveim er ; etzt blos; etwas sagen wollte, etwas, das direkt i,: mein Inner- tcS ginge... dann würden die Schleusen sich öffnen imd gleich einer frischen See ineine Gefühle emvorqnellen. Aber jetzt, wie damals, schlug das rein physische Milieu der Gegen- wart um den Augenblick.uisammen wie gewöhnliches Wasser. und es kam.u« nichts. — Leben Sie wohl, Bendel! Und willkommen, wenn Sic wieder hierher, zurückwenden! Ter Agent lächelte sein anziehendes, morgenländisches Lächeln, das nichts zu schaffen hatte mit diesem Lande, sondern ein Rassenerbteil von Jahrhunderten war. unter dem aber Helge einen Augenblick lang sein Herz wie Wachs schmelzen fühlte. — Leben Tie wohl. Mr. Roth! murmelte er. Und Tank — Tank, dich Sie— Den Rest verschluckte er. Rebel. Rebel. Alles schwamm in diesem wolkenähnlichen Nuidnm, das mit jeder Stunde zunahm. Als er auf der Dearborn Station stand, bereit, in den Pullmanwagen einzusteigen, segelten Flocken von Rebel. vermischt mit Dampfdünsten, unter das Dach der Halle herein. Und es war. als nähme er seinen letz- ten Abschied von Griff und Hannover mitten unter den Wolken und Nebelfetzen der Alpenspitzen. Der Zug dröhnte schrillend hinaus. Durch das Fenster sah er blotz eine unförmliche Rauchmasse: da und dort leuch- teten rote Fackeln. Und vom Verkehr der Querstraßen her stampfte es im Takt niit dem Rollen der Räder. Jetzt war alles fort: da kam der Reger mit dem Whiskytablett. Das Fenster zu!— Was war das Letzte? Ja— was war das Letzte? Das Letzte war, während die Wagen begannen, rhythmisch zwischen den Pufferstößen zusamnienzudröluien, zusammcnzu- rollen, eine große Wolkenbanklinie mit drei riesigen Gasuhren. Unter ihnen hob sich tchantastisch eine Lichtrampe ab. Es war ein unleserliches Reklameschild. * Nebel lag auf den Hängen der Penusylvaniaberge, er schwebte über den fünf Seen und den kochenden Kesseln des Niagara, umhüllte die Stahlbrücke und lagerte in den Tälern der Lching Valleys. Er folgte dem Expreßzug bis in die Metropole, und als die Federn den letzten Stoß auf der Eilstrecke Buffalo— New Aork aufgefangen hatten, mid die Maschine gleich einem keuchenden und dampfenden Rennpferd unter der Glashalle stillstand, blinkten die langen Fenster- reihen der Wagen in einem ozeansalzigen Nebel. Aber trotz des dichten Nebels war es eine andere Stadt, mit ganz anderen Weiten und freierer und frischerer Luft als die, die Helge für iuiiner hinter sich zurückgelassen hatte. Hier spürte er in jedem Atemzug das Meer, wenn es auch nicht zu sehen war, und man konnte fast glauben, daß die rollenden Wogen um die niederen Sandinseln längs der Küste brausende Grüße und Heimatrauschen von den Ufern jenseits brachten. Am nächsten Morgen sollte der Dampfer abgehen. Wenn er Wollte, konnte er sich schon heute abend einschiffen. Aber der Glanz deS Broadway, den er seit fast zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte und der ihm vorkam wie die strahlenden Pariser Boulevards, von denen er immer gelesen hatte. hielt ihn gesangen. Er wanderte auss Geratewohl umher: und als er in das Stadtviertel westlich von dem breiten Vcr- kehrsstrich und nördlich von der Kanalstraße gelangte, war es wirklich, als befände er sich in der Hauptstadt Europas. Ueberall las er französische Schilder und Namen: die Cafes und kleinen Weinrestaurants waren französisch eingerichtet. Auch die musikalische Sprache selbst klang ihm überall in die Qhren und mischte sich mit den babelziingigen Dialekten der Metropole. Ihm war. als sähe er immer weniger von den eigentlichen Aankeetypen. Vielleicht war es unter dem Eindruck dieses Viertels, daö den Namen Kleinparis führt, daß Helge plötzlich eine nnbän- dige Lust verspürte, die Fanchettis wiederzusehen. Er hatte noch zwei Stunden Zeit, che er mit einem Herrn Seastrom soupieren sollte, dem einzigen Biichhaller des New Anker Kontors, den er kannte. LliigestMer in der Frachtabte ilnng. schwedischen Ursprungs. Bei Ueberfendung der Freibillette an Mr. Roth waren ein paar maschinengeschriebene Zeilen bei- gefügt gewesen, als eine Art Höflichkeit, laut denen„unser Herr Seastrom Ihren Herrn Bendel bei seiner Ankunft zum Abendessen empfangen wird". Helge blieb stehen. Hinter einein hohen Eiseugitter erhob sich im Neber eins Kirche, ein häßlicher, grangelber und brannroter Backsteinbau. Kleine Elsenkreuze und zerborstene Steine auf einem drei- eckigen Friedhofsplatz, nicht größer als die Vorhalle eines Wolkenkratzers, schief und kriunm, zwischen welkem Gras, das dürren Binsen glich. Hier lagen schichtweise die ersten Ein- Wanderer. ES war die Church Street, und Bendel entsann sich einer Passage hinauf nach Chattam Sauare... Ter große Platz lag in rostrotem Dunst, und alle Laternen hatten Lichhöse und Mondringe um ihre Flammen. Autos und Cabs kreuzten hin imd her, im Lichtnebel zu Fabeltiereil vergrößert. Ans einer der Schutzinseln stand eine elektrische Reklamesäule, ein achteckiger, nnanfhörlich sich drehender Türm, aus den von den vier Himmelsrichtungen her vier slaminende Hände wiesen. In verschiedenfarbiger Trans- parentschrift rollten sich hier langsam die Anzeigen der Abend- belustigungen und Vergnügenslokale auf, Reihe um Reihe aufleuchtend und wieder erlöschend, während die acht Seiten sich ganz sachte drehten. Helge hatte fast fünf Minuten hier gestanden, als er plötzlich ein kleines, violettes Eckauadrat mit orangegelben Lettern entdeckte.— Eldorado. Brooklyn, Fnlton Street— laS er. Und in der Mitte: Fanchetti Listers. Und darauf ivieder: Eldorado. Brooklyn, Fnlton Street. Es War der letzte Abend in dem großen Land. Er war rasch entschlossen. Nichts konnte ihm besser passen zu seinem Abgang, als Theaterillnfion zu sehen, die dereinst Bendel u. Co. gewesen war: Schlußtablean in eineui Zehnjahretraum. Bloß einen Augenblick hinemspnhen— einen letzten Atemvoll nehmen zum Abschied... lLortsctzmig folgt.k Oer ScbneUäufer. Von Oskar Bau in. „In 30.Minuten ztoanzigmal um den Ringplatzl" stand auf einem großen knallroten Plakat tu Niesenbuchstaben unter einem Bild, das einen sehr leicht bekleideten Mann in rasendem Lauf dar- stellte mit geblähten Wangen, ein wenig vorgebeugtem Oberkörper und in Hüsten gestemmten Händen. Rückwärts gab es ein paar dunkel geratene Zuschauer, deren hingerissene Begeisterung man aus ihrem offenen Mund und den heftig gestikulierenden Händen erraten mußte. Man sah den Zettel» an, daß sie schon oft Dienst getan hatten. Sie tvaren an verschiedenen Stellen angerissen und voll schlecht wegradierter Schmutzflecke. Der gedruckte Text paßte wohl überall, denn tu welch kleiner Stadt gab es keinen Ringplatz? Und das Plakat tat seine Wirkung. Als der Schnelläufer zur angesagten Stunde den Platz bor dem Rathaus betrat, drängte sich dort schon eine dichte Menge, und er wußte ans Erfahrung, daß sich dos Publikum während des Laufes oft verdoppelte. Ilvei Wach- leute nahmen an den wichtigsten Ecken Aufstellung, um Taschen- diebstähle und andern llnfng zu beobachten, der bei größeren Meuschenausammlungen nicht ausblieb. Ter Schnelläufer trat in den freien Raum, den die Menge kreisförmig abgegrenzt hatte. Er war ein langer schlanker Mensch» blaß, schwarz, haarig, abgebrannt; vielleicht ein Südländer. Sein Leib stak in einem fleischfarbenen, anliegenden Trikot, das reich mit Silberflistern benäht war und an den Füßen trug er dünne San- dalen. Ilm den Hals und am Gürtel hatte er viele kleine Schellen, deren Klingeln man weithin hörte. In der Rechten hielt er eine Peitsche, in der Linken ein Taschentuch und an der Seite hing ein kurzer schmucker Dolch, dessen Griff mit großen böhmischen Steinen besetzt tvar. Zuerst schritt er vom Rathaus aus gravitätisch um den ganzen Ringpliw, die Hand mit dein Taschentuch nach Ritterart aus den Griff des Dolche? gestützt. Als er dann zu laufen begann, wunder- ten sich viele darüber, ivie langsam es aussah. Die Hände kräftig in die Seiten gestemmt, den Oberkörper ein wenig vorgebeugt, warf er seine langen Beine in gleichmäßigen Entfernungen ans. Erst bei der dritten oder vierten Runde begann er plötzlich ein schnelles Tempo. Der Trick schlug ein. Ein brausender Beifall ging durch die Menge:„Bravo! Bravo!" Jetzt begann das Mädchen, das mit dem Schnelläufer gekommen tvar, einzusammeln. Sie trug einen großen Steiugutrllcr, sagte kein Wort und ging von einem zum andern. Sie hatte, eine großes Gesicht mit vielen Sommersprossen, einer aufgestülpten Nase, großen dunkeln Augen und breiten aus- gesprungenen Lippen, Du seine Schwester?" iragte ein dicker Herr, dessen Kleidung von der Umgebung abstach, die meist aus Marktweibern. Handwerksgesellen und. Kindern bestand.„Ja." sagte sie und zog den Mund in die Breite, um ihr Verständnis für den Witz zu be-> weisen. Da ging eine Bewegung durch die Leute:„Ahl Schaut her, der kannsl" Jemand hatte dem Schnelläufer ein zusammengeknülltes Papier rnigegengeworfen und er hatte es mit seinem kleineu Dolch auf- gefangen. „So soll er sich auf die Plakate malen lasse» I" rief ein Weib voll Begeisterung dem Mädchen zu, das gerade an ihr vorbeiging, aber sie warf nur einen Kreuzer auf den Teller. Das Mädchen sah sie traurig an; sie muhte damit zufrieden sein. Viele liefen davon, wenn sie sich näherte und kehrten wieder auf ihre Plätze zurück, wenn sie weitergegangen war. Doch warfen auch gute Leute aus den Fenstern in Papier geivickelte Münzen; das war meist Nickel. „Gib acht, dah er Dir nicht davonläuft, wenn er so gut laufen kann!" meinte ein Schusterjunge und warf einen Knopf in den Ausschnitt ihres Kleides, so dah sie zusammenzuckte und tief hinein- griff, weil sie es für ein Geldstück hielt. „Die neunte Runde, aber sind auch scheu achtzehn Minuten!" rief ein Raseurgehilfe, der in der ersten Reihe stand. Das Mädchen mit dein Teller warf ihm einen giftigen Blick zu und sah ängstlich hin, ob der Schnelläufer eö gehört hatte.„Das ist uns noch nie passiert," ereiferte sie sich mit einer grellen ausgeschrienen Stimme, „dah uns jemand nachgerechnet hat." „Ja, das ist eben daS Malheur," lächelte der Raseur pfiffig. „Sie haben auch sicher falsch gezählt; übrigens macht er die letzten Runden am schnellsten." Der Läufer war schon sehr müde. Trotz der Abendstunde brannte die Sonne noch ziemlich kräftig. Nun erhob sich auch noch ein kleiner Wind und führte«taub mit sich. Krampfhaft hielt er den Mund geschlossen und die Nasenflügel zitterten. Immer häufi- gcr wischte er sich»üt dem Taschentuch über Gesicht und Hals. Sein Trikot ivar schon von Schweih durchnäht, das kühlte am Körper, wenn die Luft Vorbeistrich. „Die zwölfte Runde! Es sind aber schon 23 Minuten!" rief der Raseurgehilfe in der ersten Reihe. Der Schnelläufer hörte eS. Er war gestern im Nachbardorfs nach einem Regen gelaufen; der kotige Boden hatte ihm jeden Schritt erschwert und er hatte die ganze Nacht vor llebermüdung nicht schlafen können. Dreimal «nuhte er sich heute den Leib mit Branntwein einreiben, aber eS half nichts; er fühlte es. Mehr als fünfzehn Runden würde er nicht zuwege bringen. Das Haar klebte ihm an der Stirne. Die Äugen hatte er schon voll Siaub und die Kehle brannte. Ter Schleim auf der Zunge war eingetrocknet.«Ja, daran liegt ihm wenig!" ärgerte sich ein Weib neben dem Raseur,„er wird sich nicht sehr anstrengen! Er läuft wahrscheinlich nur so lange, bis das Weibsbild überall einsammeln lvar." „Für so einen Tagedieb eigentlich ein sehr leichter Verdienst," meinte ein langer Kerl, der von weiteiu nach Petroleum roch,„er kriegt da vielleicht mehr zusammen, als unsereins in der halben Woche verdient, und da muh man den ganzen Tag iin Staub sitzen und schuften." Der Schnelläufer schnitt schon die Ecken des Kreises, um den er lief, immer mehr ab. Der Raseurgehilfe merkte eS bald und rief ihm einen Verweis zu, als er vorbeikam. Der Läufer zog den Dolch und tat, als wollte er auf den Schreier eindringen. Entfetzt wich der Mann zurück, trat seinem Hintermann auf die Fühe und ein kleines Getümmel entstand. Ter Läufer lief aber ruhig weiter. Ein vielstimmiges Gelächter belohnte den Scherz; einige applau- dierten, der Raseur fluchte. Aber der Läufer hatte sich durch die Seitcnbewegnng aus dem gewohnten Schritt gebracht. Mit äuhcr- per Gewalt nur beherrschte er ein steifes Gefühl in den Beinen, das sonst höchstens nach den Vorstellungen zu kommen Pflegte. Die Arme lösten sich vom Körper und kamen in Schwingungen. Die Lust begann ihm auszugehen, er schnaufte. Der Mund öffnete sich erst schmal und nur auf Augenblicke, aber dann schlang er, alle Vor- ficht vergessend, die vollen Züge in die Lunge. Wie ein kühler Trunk strich die frische Luft erquickend den vertrockneten Gaumen entlang und er kam auher Atem. Noch ein paar Schritte und Seitenstechen muhte sich einstellen. O, wenn er jetzt aufhören könnte! Es qualmte und wirbelte vor seinen Augen. Das Klopfen in den Schläfen beherrschte bald seinen ganzen Körper. Bis zu den Zehen hinunter empfand er nichts als dies wogende Drängen. Kopfe u, Stohen im Blut. Es war erst die vierzehnte Runde und achtzehn würbe er doch wenigstens zustande bringen müssen. Nicht wegen der Zahl; die Leute konnten sich verzählt haben, aber� die Zeit muhte eingehalten werden. Dreihig Minuten sollten zu Ende gelaufen sein, sonst mühte er fich gleich ans dem Staube niachen und hätte im Ort»nd in der ganzen Gegend viel zu leiden. Er kannte daS; cS war ihn: schon öfters passiert. Aber das dachte er nicht klar; dazu schwindelte ihm zu fehr und das Brennen im Gehirn nahm immer mehr zu. Er halte nur dumpf die unbeugsame Empfindung: Vorwärts! Er schielte auf die Uhr der Kirche, die I» der Mitte des RiugplatzeS stand, aber cS kam ihm nicht zu Be- wuhtsein, wieviel sie zeigte. An den Tchweih feines Gesichtes klebte sich allmählich dunkler Staub. Jeder Atemzug schmerzte ihm m den Hüften. „Aber es sind ja schon 28 Minuten!" schrie der Raseurgehilfe und. schüttelte sich vor Lachen, Zetzt erst kommt er in die 17. Runde." DaS Mädchen mit den: Teller hörte ihn nicht, sie hatte gerade einen Krawall mit einem Manne, der in den Teller gestohen hatte und nun nicht einmal beim Auftlauben der umherrollenden Münzen half. Der Läufer lief jetzt mit weitvorgebeugtem Oberkörper, fein Mund schnappte auf und zu. DaS Weihe in den Augen wurde rot, die Pupillen quollen hervor. Da fuhr ihm ein Stich durch den Kopf. Das Brausen und Rauschen vor seinen Ohren verschwand. ES war ihm, als rolle der Boden unter seinen Fühen wie ein Fah, als stieße ihn von rückwärts eine Sturuuvelle in die Höhe, haltlos und leicht wie eine Fliege wurde er durch einen ungewissen Raum geschnellt. „Aber daS muh ja schon mehr als zwanzigmal sein!" rief ein Soldat, der, den Arm um sein Mädchen, im dichtesten Gedränge am Rand des Bürgersteiges stand.„Ja, ja," stimmte das Mädchen zu,„und der arme Kerl kann ja nicht niehr weiter."„Wieso? Er läuft ja, dah einem schwindelt!" meinte ein Herr anerkennend. Das Mädchen mit dem Teller drängte sich durch die Menge und rief: „Genug, genug, aufhören!" Sie eilte in den freien Raum auf den Läufer zu. Ter dichte Menschenknäuel löste sich; die Leute drängten ihr nach. Die Wachleute begannen die Fahrstrahe zu säubern, loeil ein Wagen über den Platz wollte und nicht von der Stelle kam. Der Läufer lief immer schneller, als er sah, dah die Leute sich an ihn herandrängten. Angstvoll stierte er um fich. Plötzlich sah er alle Wege verstellt. Er schrie auf und stürzte mit hochgehobenem Dolch auf den Nächsten. Ein Gekreisch und ein Gebrüll von Hun- derteu erhob sich. Zwei Frauen und einen Mann verwundete er. In wilder Panik stürzten alle durcheinander. Mit Mühe bahnten sich die Wachleute einen Weg. Auf dem Wege lag das Mädchen mit dem Teller blutüberströmt neben dem Läufer. Mau glaubte, er habe auch sie erstochen, aber sein Stilet war an ihrem Mieder abgeprallt. Das Blut kam aus seinem Mund und seiner Nase und er hatte sie nur im Fallen mit sich zu Boden gerissen. kleines Feuilleton. Weihnachtsmarkt. Märchen, Sagen, Kindheitsgeschichten. Ber« antwortungsvoll ist die Aufgabe, dem heranwachsenden Kinde den wichtigen Weg von Fibel und erstem Lesebuch mit ibrein bunten Inhalt kurzer Verse«nd Geschichtchen zum inhaltlich geschlossenen eigent« lichen Buche zu erleichtern. Viel erzieherischer Idealismus hat auf diesem Felde im letzten Jahrzehnt geackert und gesät, und immer noch wird neue« Korn ausgeworfen. Die roren Quell enhefte Wolgasts find dieser besonderen Aufgabe entsprungen, und manches in den Heft- reihen, die zum Kampf gegen die Schundliteratur gegründet wurden, hilft hier mit. Die Schatzgräberheste des Diirerbundes, SchasfsteinS grüne und blaue Bündchen, Konegens Kinderbücher, die Hefte der Deutschen Jugendbüchcrei müssen immer wieder befragt werden, wenn man nach einem ganz billigen Buche zusammenhängenden In- baltS ftir die über die ersten Schullesebücher hinausgelangtcn Kinder sucht. Ihr Zuwachs enthält auch im neuen Jahre Ver- wendbares. Der Art Wolgasts, zu einander paffende Märchen buchmäßig zusammenzutun, fügte der Dresdener Lehrervcrcin mit dem aiiS GriminS Schätzen geholten Bändchen„Riesen und Zwerge", daS gut geglückt heihen darf. Die derbe Schrift und die ilk Strich und Farbe kräftig gegebenen Bilder von Enderlein schliehen sich dem abenteuerlichen Inhalt vortrefflich an. Der Schrcibcrsche Verlag in Ehlingen hat den Preis mit 80 Pf. in mähigen Grenzen gehalten. Dem ersten Lesealter sollte nichts anderes als diese sparsam spendenden Hefte gereicht werden. Lesen ist oft saure Arbeit für dieses Alter und allzuviel Druckschrift auf einmal bedeutet da selten ein frohes Fest. ES kommt darauf an, daS Kind nicht abzuschrecken, sondern durch weise? Mast und klug anreizendes Vermitteln zu gewinnen. Ist dies Ziel erreicht, so kündigt sich's oft durch den eigenen Lesetrieb an,»nd dann ist die Stunde des grohen Märchen- und Sagen- b'ichro gekommen. An guten Ausgaben ist da kein Mangel. Auch hier ist Neues genug gewachsen. Die Sammlung„Deutsche Märchen", die F r t tz Philipp Schmidt bei Theodor Weicher in Leipzig erscheinen lieh(3.50 M.), gebort zum Guten. In Schmidt ist altererbtes Malerblut lebendig. Wer Avenarius' Hausbuch der Lyrik kennt, weih, ivieviel dieses Künstlers Zeichenstift zu geben fähig ist. Er gibt aus liebevollem Einsimien in das Gedichtete, Erzählte. Die Phantasie des Lesenden hat an ihm einen guten Führer in die Welt des Bewegten, Geheimnisreichen. Sie ge- wiimt, kommt tiefer hinein, ob er mm zeichnerisch oder in herzerfrischenden klingenden Farben spricht. Sein Märchenbuch bat eö schon bis zur vierten Auflage gebracht, und wieder ist der Bild- inhalt vennehrt worden. Neben die zeichnerischen Bcrtiefer alten MärchenguteS treten dichterische Kräfte, die Neues zum Alten fügen möchten. Viele Frauen mühen sich hier. DaS fällt auf. und es wirkt natürlich ans Ton und Farbe deS Neuen ein. Mancherlei, ob cS schon An« erkenmmg verdient, scheint doch mehr für Mädchen als ftir Buben ein geeigneter Lesestoff, so sehr spinnt es mit stillen und lieblichen Fäden. Aber man mag beachten, dah in dem Lescalter, 992— dem diese Bücher gewidmet sind, nicht blob ein Buch ein Jahr lang eine Rolle spielt, sondern so vieles nebeneinander and genommen wird. Da komnit eS nun darauf an, dah der Erzieher aller Einseitiglelt entgegenwirkt und für die reckte Mischung von Strengem und Zarte». Starkem und Milden wacht. Das gilt für Lniaben wie für Mädchen. Unsere alten deutschen Märchen haben schon eine gute Mischung dieser Elemente, aber»eben gebort schließlich doS phantastisch-sattfarbige Element der Märchen von Tausend und einer Rächt swovon Paul Moritz eine Auslese für die Fugend bearbeitet hat, die, im Stuttgarter Berlage von K. Tbiemann erschienen sZ M.l schon in zehnter Auflage vorliegt). Die Begeisterung der Kinder für diese oricntaliichcn Märchen hängt mit einem natürlichen Bedürfnis. Schauen und Empfinden frei zu erweitern, zufammeii. Wer nun im Kinde die von Anfang an vorhandene Liebe zu den Dingen der Ratur auch im fortschreitenden Alter weiterpflege». inniger machen und höher führen will, dem geht von den neuen Märchendichtern Sophie Reinheim er nut guter Hilfe zur Hand. Das Buch„Bunte Blumen" lFranz Sckneider Verlag Berlin- Schöireberg. 3 M.j. von C. A. Brendel mit nialerfick schön gedichteten und sinnig gezeichneten Bilder» durch schmückt. hat die Art und volle Höh« der früheren Gabe» dieser ausgezeichneten Dichterin, die sich so gut aufs plaudernd führende Beleben alles Blühenden in menschlicher Art versteht. Sie ist recht eigentlich ein Stück Andersen der Gegenwart. Au? derberem Holze ist da? Buch nordischer Märchen geschnitzt, da? unter dem Titel.Die Schwarze! seu*(so heißt das einleitende Stück) im Müiichener Berlog von Etzold u. Co.(2,50 M.) erschien: Märchen von Wiina Wahlenberg. Zacharias TopeliuS und«lbrecht Segerstedt. Feile Gedrungenheit begebenheitluder Darstellung, ungezwungen nabegeführte'Gleichnisse gesunder LebenSlehre sind das Wesen dieses zwischen Märchen und Schnurre hingebmtten Buches Johanna Beckmann. die Scherenküilstlerin, wendet ' sich mit ihrem Buche.Waldsagen'(Alex. Glau« Verlag. Char lottenburg. 5 M.) an die mehr erwachsene Jugend, die noch an den märchensinnigen Vorstellungen der Kindheit hängt und schon für ein Erwägen ernsthafter Lebensdinge reift. ES ist schwer zu bestimmen. tvelckem Alter dies Buch anzuraten sei. Aber die Phtisiognomie der Verfasserin tritt in Bild und Wort deutlich heraus. Sie ist eine idealistisch gerichtete Frauennatur. die von Humanitären Zielen er- füllt ist und nun die läuternd« Stimmung dieser Ziele dickiend und mit der Schere zeichnend erweist. Sie möchte dem Leben der Welt . nahe fein, aber in ntärchenfinnendem Berinnerlichen trennt diese? Leben sich wieder so sehr von ihr, daß sie zur vereinsamten Wunderin wird, die bei den stlllseiertichen Wundern de« Walvc- die Welt nur noch in nmforn, enden Träumen kennt. Den verästelnden Zweigen, fließenden Ranken, rätselhaft verstrickten Baumwurzeln. die 'Johanna Beckmann aus Schwarzpapier schneidet, spürt ma« die > seelische Bewegung dieser Krau ab. Vom Märchen gebt der Weg zur Wirklichkeit, und nun wird die Kindbeitgeichichte tür die werdende Jugend bedeutungsvoll. Endlich hat Wilhelm Scharrelmann ans der Fülle feines Erzählens . ein längst erwartetes Buch zniainmeiigeitellt. In Friedrich DüselS .Lebensbüchern der Jugend', die bei Georg Westermann in Braun schweig erscheinen(jeder Band 2,50 M.), kann man cS unter den, Titel.. Großm Utters Hau?" begrüßen. Unseren Lesern ist Scharrelmanns Art au? vielen Beiträgen bekannt. Sie halten sich in schlichter Art a»S Gegenwärtige, sind ims räumlich und zeitlich nah. berichten wahr und sinnvoll und sind vor allem Geschichten. die das Stadtkind als eigenen Lebenskreis etnpfindet. Die Arbeiterjugend sucht für ihre geselligen Abende nach er- zählendem UnterhalningSstoff: hier fällt ihr viele» zu, was sie wieder und wieder gerne anhören wird. Denn eine norwegische Geschichte . A»s Klein-Kar is Kii, der tagen°(bei Etzold. München. 2.50 M.j. die euch besonders bei proletarischen Kindern gutes Berständnis finden wird. Sie erzählt von einer Familie, die der harte Kampf ums Daseins in einen Wellstrich sestzwingt. wo sie zwar ihr Brot, aber gleickwohl nicht ihr volles. lebensickerndeS Glück findet.-Klem-Karis Mutter gehl fast an der Einsamkeit z« gründe; i>aS Mädelcken freilich findet da draußen in ländlichem Heim und in Wäldern und Bergen ein hundertfältiges Erleben. Ihre Geschichte— Lila nennt sich die Verfasserin— klingt an die Erzählungen der GjemS-Selmer und Hans Aanruds an. Endlich zwei Büchlein, die dort wurzeln wollen, wo die Arbeiter jugend schon die Echnlkindheit binter sich gelöste» bat. Im Verlage der Wiener Volksbuchhandlung gab Em mV Freundlich da? Büchlein heraus:.Seht, wie die Zukunft euch grüßt!" Es ist«in Führer ins Leben, an dem«ine Reihe Dichter und Schriftsteller. beseelt vom vollen Ernst der Ausgabe, mitgewirkt haben. Da? Buch — es kostet 1 M.— wird den Arbeiterkinder», die auf der Grenze von Schule und Leben sieben, sickerlia! nabe kommen. Die weitere» fahre unserer Inge, idgenoiicnjchast sucht F ü r g e n Brand in dem ei Dietz erschienenen Bande.DaS heilige Feuer'(l MI. der eine Anölesc de? Vielen gibt, da? Brand— der gcmaßregelte Bremer Lehrer Emil Sonnemann birgt sich binter diesem Kamen— im Verlans« der letzten Fahre an Erzählungen, Aufsätzen,(siedickten für die Arbeiterjugend geschnebsn bat. Da? Glühen einer Menschen.' natur, die sich dem Amte eines Lehrer? der heranwachsenden fficne- ratio« aus innerstem Drange hingibt, lebt herzerwärmend in diesen: Biicho. Wir wünschen ihm einen guten Weg weithin. keck. Schacbo Unker Leitung von S. Alapin. Unser Turnier: Motto.Exemtion of Charles� 24-(9}-l3x 1) Schachliteratur. Herr F. G u t m a y e r hat schon Ivieder ei» Schach-LehrC�s-Bilch berfaßt(das dritte in diesem Fahret und zivar iinler dem Titel:„Die Geheimnisse der Kom- binationspraxis'. Fm ankündigenden Prospekt nemit er sein Bnch eme.Ekrasitbombe. die die TollhäuSler der modernen, sublimen Technik zerschmettern soll'. Wie man sieht, höchst sensa- tionell i... Roch sind die Wirkungen seines vorletzten Büches nicht verklungen, denn noch vorige Woche gibt Dr. Tarrasch eine au»- sührliche. sehr witzige und geistreiche Kritik de« Büches.Die Sckack- parlie" im„Berlnier Lotal-Anzeiger"(mit veriprockener Fortsetzung). Seine Rezension ist mit Recht in allen Richtungen äußerst abfällig. Wir selbst bauen am 30. August d. I eine zwar keineswegs allzu scharf ungiinmg« Rezension gegeben, halten aber dabei das Unglück. eine völlige Abivesenbelt jedweden analbtischen Material? im Buche zu behaupten. Fn einem Berichtigungstckreiben hierzu wies Herr Gntmaber daraus hin, daß am den Seiten 13? bis 140 seines BuckeS wenigstens eine Romenklaturliste der Eröffnungen vorhanden ist: deshalb fühlte er sich zu folgender Phrase berechtigt:.wozu denn lügen Indem wir hiermit unser Versehen richtig stellen und nach den erwähnten Feststellungen von Dr. Tarra.lh, glauben>oir. daß wir wirklich nickt nötig hatten zu.lügen", tveil eben die Wahr- beit vollauf genügte I... Um sich jedoch an den bösen.Kritikern einer Werke zu rächeu. erklärt Gntmayer im erwähnten, dritten und neuen Blicke, der Grundgedanke de? Werkes sei der. zu beweisen. daß.die ganze moderne Ricktung des Meisterspiels"(Herr Gutmauer ist kein Meister).Atavismus und Deiadenzprodukt ist". Also kurz gesaßt: Zerschmetterung der Lügner. Atavisten. Dekadenten lind .TollhäuSler"!... Wir denken, auch das genügt. Italienisch I Das Manöver HUB— kl—»S— ß K°n-ef..°ndenzt.artte 1913. 0r. G. FluB.*. Niemzowitscii jz' 1.©2—«4, eT— eö; 2. Sgl— f!, Sbö— c6; S. Lfl— c4. I,{8— c5; 4. Sbl— eS SfcS— ffi 5. 62-63 67-66 6. Lei— g5..... Solche Fellelnngen find meisten? nur nach der?Iochade des(Jlegntv? iDirffam. well dann die Entsesielmig mittels 1»?— KS und k7— tck» zm Lockerung de» gegnerische» Rochade ftelliuig suhlt.>>ier ismr Se2 oder 1.03 richtiger. 6...... 1,7— hC 7. tg5— K4..... L;:;.S nebft 865 kam In Betracht. Oder immer noch Lg3—©3. 7...... g7— g5 8. Lh4— g9 LcS— g4 Zchwarz tan» c3 eher spielen, weil K2— K3 nebst gi—sri unnmehr verhindert is!. 9.). 2-!. 3 Lg4— hü 10. h3— h4..... Wir hätten IJ>5 vorgezogen. 10...... gT.— g4 Zum Vorteil reichte Ichs» 10.... 36»: 1! i»XS5. SVSi- iichfl Ii7; 21. i.3, Lb4t; 22. K'ß. I>a7f; 23. 64. Lc3 ic.(Niemzowittchi. 20...... LoüX'U 21.<-2— c3 T'b8