Ar. 54. Abonnements-KedingANgen: Sbonnement«- Preis pränumerando; Bisrteljährl. 2.30 Mr., mvnall. l.loMr., wüchexllich LS Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer ö Pfg. Tonnlag», Nummer mU iUuNrierier Sonntag»» Beilage„Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»» Preisliste für 19 00 unter Nr. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn L Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Erscheint täglich»uster Montag». Devlinev Volksbl�kk. 17. Jahrg. Die Knftrtlons. Gebühr »etrigt für die fechSgefpaltene«olonel- »eile oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche BcreinS- und BerfammlungS-An, eigen 20 Pfg. „Kleine Anfeigeu" jede» Wort 5 Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für dt« nächst« Nummer müssen bi» 4, Uhr nachinttlagS in derExpeditton abgegeben werden. Tis Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen bi» S Uhr vormittags geöffnet. Fernßtrrchrr: Sink(, Hr. 1508. Telegramm- Adresse: „Sorialdemolirak verlin" Csntrawrgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19. Veuttz-Strake 2. Expedition: SW. 19, Ventiz-Strasze 3. Die lex Heinze und die Künstler. Es regt sich spät im deutschen Küiistlerwald, aber vielleicht nicht zu spät. „Wir haben uns bisher um die Händel dieser Welt nicht gekümmert(!), jetzt aber werden wir zu politische» Agitatoren ge- macht und wir werden nicht eher vom politischen Kampfplatz abtreten, als bis wir uns die Freiheit und den Frieden unserer Werkstätten zurückerobert haben l' Dies feierliche Versprechen hat Hermann Suderiiiaim am Sonntag in öffentlicher Volksversammlung, einberufen von Vertretern der bildenden, darstellenden und dichtenden Knust, ab- gegeben, aber er fügte vorsichtig hinzu: Ich für meine Person ver- spreche Ihnen das. Ob wirklich die gesamte deutsche Ännstlerschaft dem Mahnruf des RcichStags-Abgeordnctcn Dr. Miiller-Mciningcn Folge leisten wird: in einer Flut von Versammlungen einmütigen Protest zn erheben gegen die Bedrohnng ihrer Freiheit? Allzu viel Selbstvertrauen haben die Herren am Somitag nicht gezeigt.„Wir brauchen Führer", riefen sie ihm zu. und Herr Müller-Meiuinacn ernmtigte sie auch damit, daß die ganzen liberalen Parteien, „soweit sie wirklich noch liberal sind", für die freie Kirnst eintreten würden. Das ist verzweifelt wenig. Freilich, die Führerschaft der Socialdcmokiatie. die stets auf das energischte die wahre Kunst gegen das Muckertum verteidigt hat, wäre für die deutsche Kunst, die sich bekanntlich der besonderen Filrsortle nnsrcö Monarchen erfreut, etivas kompromittierend, und wer weiß, ob die Herren sich nicht noch beizeiten daran erinnern, daß auch nur ein gemeinsames Vorgehen mit dieser Rotte von Menschen ihnen leicht die allerhöchsten Sympathien verscherzen lönnte. Auf der Vcrsnmm- lung am Sonntag allerdings fielen recht scharfe Worte, die bei dem Publikum stets stürmischen Beifall fanden. DicS Publikum. das Saal und Galerien des großen Saals dcL Handwerkervercins in der Sophieustraße bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Ver- sammlnng bis auf den letzten Platz füllte, bildeten aber wohl ™'lr- kleinsten Teil die Künstler selbst, die überwiegende Majorität— die Frauenwelt war besonders stark vertreten— bildeten die Prcmiörenbesucher des Deutschen Theaters, Verehrer der mor ernen und der modischen Kunst, und spccicll Hcnnann Sudennanns, bem wiederholt stürmische Ovationen bereitet ivnrden. Den Vorsitz in derBersammlung führte der RcichstagS-Abgcordnetc Schräder. Er gab zunächst einen kurzen Uebcrblick über die in Bc- tracht kommenden Bestimmungen der lex Heinze und machte darauf aufmerksam, daß nach den Verhandlungen zwischen der Regierung und den maßgebenden Parteien des Reichstags in dritter Lesung wahr- schcmlich eine Verständigung erzielt ivcrden und dabei ein großer Teil bedenklicher Bestimmungen erhalten bleiben würden. Hierauf nahm zunächst Professor E b e r I e i n als Vertreter der schastcndeii, bildenden Kunst das Wort zu folgenden Ausführungen: „Die Kunst hat die vornehmste Mission im Volksleben, sie hebt die Menschen über sich selbst hinaus. Sie kann nicht wachsen eiiigeeugt von Drahtzäunen geisttger Bedrückung, sonder» ist eine Pflanze, die freies Licht, Luft und Sonne verlangt. Die schöpferischen Werke der modernen Kunst wurzeln in der Entivicklung und Blüte des deutschen Vaterlandes, sie will die Gcistesthatc» des Volks der Gegemvart und Nachwelt künden. Uns Künstler, die wir hofften, im neuen Jahr- hundert freiere Luft zu atmen, uns will man jetzt der kühl wägenden Justitia und am Wortlaut des Gesetzes haftenden Schutzleuten iiberlicfer». Werden diese Beamte», die weit ab der Kunst stehen, begreifen können, daß das Nackte durch die Äiinst geadelt wird? Das höchste in der Kunst ist der nackte Mensch, ivie er als Krone der Schöpsimg aus der Hand Gottes hervorgegangen ist, er wird es sein trotz blöder Philister mid Tartüffes sZurufe: Rvren I Tosender Beifall.) Die deutsche Kunst hat sich stets in vornehmen Bahnen bewegt,>vir protestieren daher gegen eine Thätigkeit des Reichstags, welcher solche unmotivierte tvknßnahine gegen uns dekretieren will. Da aber uns Bildhauern von höchster Stelle reiche Beweise eines ticfinnerlichen Verständnisses unsres Wollens zu teil geworden sind, könuen wir uns«uniöglich vorstellen, daß diese Bestimmungen Gesetz werden sollen. Unsre größte Hoffnung ist darum auf unsren Kaiser gerichtet. �Vereinzeltes Bravo I) Tausend neue Keime drängen zun, Licht. Soll nun dies Gesetz auf sie fallen wie ein Mehltau? An Euch. Ihr Künstler, ist es, diese drohende Gefahr abzuwenden. Der zweite Redner, Herr Nissen. Vorsitzender der Deutschen Bühnengenosseuschaft, protestierte zunächst energisch dagegen, daß in demselben Gesetz, welches sich mit den Zuhältern beschäftigt, den Künstlern Vorschriften gegeben werden, und wies mit Recht darauf hin, daß der Richter, ivcil er nicht Kunstrichter, sondern Straf- richter sei, stets geneigt sein werde, eine Verletzung des so dehnbaren Begriffs des Schamgefühls auzuuehmcn. Ausführlich zeigte er dann an einer Reihe von Beispielen, wie unsre größten dramatischen Kunstwerke der lex Heinze zum Opfer fallen würden. Darf etiva in Zukunft Othello Deödemona im Bett ermorden? Romeo und Julia müßten statt im Nachtgewand in voller Rüstung erscheinen, um ein prüdeS Schamgefühl nicht zu verletzen. Nissen schloß nift einem Citat ans Hamlet, wonach die Kunst die Aufgabe hat, der Natur den Spiegel vorzuhalten, der Tugend ihre eignen Züge, der Schmach ihr eignes Bild, und dein Jahrhündert. dem Körper der Zeit, den Abdruck seiner Gestalt zu zeigen. H e r in a u n Sudermann, der Herrn Rören so verhaßte Vertreter des moderne» Theaters, hob gleich von vornherein hervor, daß es sich hier nicht um den Kampf gegen die moderne Kunst allein, sondern vielmehr um den Kampf gegen die moderne Zeit überhaupt handle. Alle neuen Anschauungen und neuen Ideale dieser modernen Zeit, alles was aus dem Wirkungskreise priesterlichcr Bevormundung zu persönlicher Selbständigkeit hervortritt, ist jene» Kreisen, die hinter der lex Heinze stehen, ein Greuel, und ivcil sie die moderne Welt nicht vernichten köniicu, so versuchen sie ihr den Spiegel e»t- zwei zu schlagen, indem sie das moderne Drama vernichte».'„Wenn noch ein Zweifel darüber bestand, wogegen die lex Heinze sich in Wirklichkeit richten soll, so hat ihn die Offenheit des Herrn Röxen beseitigt. ES handelt sich nicht um jene sogenannten Bollsstücke, wo bei bengalischer Beleuchtung Patriotismus und Tricot in schöner Verbindung auf der Bühne erscheinen, auch nicht um die französischc ie:chivaukware— all das könnte auch schon durch die be- stehenden Gesetze beseitigt werden—, sondern eS handelt sich uni das ernste moderne Drama, und wenn der Fluch der Lächerlichkeit vor ganz Europa nicht iväre, würde man auch einen„gereinigten" Shakespeare. Goethe, Schiller verlangen. Und wie würde das Drama der Zukunft aussehen? Große dramatische Ahnengalerien sämtlicher deutschen Fürstenhäuser würden ans der Bildfläche erscheinen', ivie oft würden nicht die Reichsfcinde durch schöne Reden an die Wand geschleudert werden, Ivie oft würden böse Streikende durch freund liche Mahnungen des sanften Ortsgeistlichen zu ihrer natür- lichcn Pflicht zurückgeführt werden. Wie oft würde Minchen— das blonde Minchcn, den Referendar— den tüchtigen Referendar, der es noch mal zum Landrat bringen kann, kriegen. Das wird sich dann deutscher Idealismus üennen I Und warum das alles? Weil Deutschland sich im sittlichen Niedergang befinden soll. Ein Volk aber, das so arbeitet wie das deutsche Volk, kann nicht sittlich zn Grunde gehen. Dem sittlichen Verfall geht die Trägheit als Fänlniscrrcger voraus. — Sudermann hob übrigens auch hervor, daß die lex Heinze schließ lich auch den materiellen Versall des Theaterwesens bedeute. Dn c- r a d c n können wir uns verlassen, aber die jungen denken mehr an Klimbim lind Poussieren, wie an alles andre." Das klingt anders wie daL, ivas die„S. P." schreibt. Thatsächlich sind auf den Brannkohlcngruben, die znmcist von dem Ausstand betroffen wurden, sämtliche Arbeiter ohne A u S» a h m c nicht eingefahren. Diese Gri'�en haben auch Erfolge erzielt. Es ist überhaupt ein eignes Ding, besonders beim Braun- kohlen-Bergbaii von„älteren Arbeitern" zu reden. Die mittel- dentschcn Brannkohlen-Arbeitcr iverdcn nänilich laut knappschaft- lichcn Berichts schon mit 42—44 Jahren Halbinvalidc. Da der überiviegcnde Teil der Arbeiter infolge des schweren Berufs, der schlechten Ernähruiig körperlich zurückbleibt, eingesallcne. bartlose Gesichlcr aufweist, so kann in der That ein oberflächlicher Beobachter in einer Brauiikohlenarbeiter-Versamnilung sich öfter vergebens nach „älteren Arbeitern" umsehen. Die Leute sterben zu früh! Bemerkt muß auch noch werde», daß die Arbeiter, wenn sie Halb- invalide sind, schon meist einige Jahre über Tage beschäftigt ivaren. Es kostcl Mühe, ivirklich■„ältere Arbeiter" in einer Branukohlen- Grube aufzntreibc». Fast alle sind sie in den 20 und 80 Jahren. Dos sollte ein„Eenrralblatt für Socialpolitik" aber doch wissen — oder über Sachen schweigen, von denen es nichts versteht. Usber- ninimt eS nun die Tendenznachrichten der W c r k S p r e s s c, dann mag dies von gewissen Leuten ruhig„praktische Socialpolitik" gc- ilamit werden. Die Arbeiter wollen ober von einer solchen ein- s c i t i g e n Bcrichtcrftattnng nichts wissen.— Ausland. Qestvcich-Ungar». Demonstvation der Wiener Arbeiter. Die Blätter kündigten für Sonntag eine Publikation der sanktionierten Wiener G c m e i n d e- W a h l o r d n n n g in der „Wiener. Zeitung" und dc>n.„ReichS-GesctzbIntt" an. die aber nicht erfolgte. Es ivird sogar bestritte», daß die kaiserliche Sanktion bereits gegeben sei. Um nochmals öffentlich gegen diese von der Regierung und den Christlich- Socialen vereinbarten Wahlrcform zu protestieren, veranlaßtc heute vormittag die s o c i a l d e m o k r a t i s ch e Partei loieder einen Aufzug der Arbeiter aus der Ringslraßc. Trotz empfindlicher Kälte kamen nahezu 10000 Arbeiter gegen zehn Uhr auf den Kärtnerriiig, zogen bis elf Uhr zwischen der Hofopcr und dem Schivarzcnbergplatz hin und. her. Alle verhielten sich still. Kein Ruf wurde laut. Es war eine st n in>n c D eni o nst ratio». Die Polizei lvar in großer Zahl aufgeboten, alle Straßen vom Ring bis in die innere Stadt durch Kordons abgesperrt. Nach elf Uhr zogen öic Arbeiter über den Opertiring nach dem Burgring. um zum Rathaus zu gelangen. Der Burgring und der Mnsemns- platz vor dem Burgthor waren durch eine große Masse Polizei zu Fuß und zu Pferd abgesperrt und besetzt. Die Menge»nißte in die Babengerstraße abbiegen, sie brach nun erst in die Rufe ans: „Hoch Wahlrecht!"„Nieder mit Lueger!"„Nieder mit den Wahlrcchtsräubern!"„Fort mit den Gauklern imd Gamiern!" Die Polizei drängte nun die Menge ab. Doch es kqm zu keinem Zu- saiimicnstoß, zu keiner Unordnung; nur zwei Personen wurden vcr- haftet. Eine große Menge Publikum aus den bürgerlichen Kreisen wohnte der Arbcitcr-Dcmonstration bei. Wie», den 5. März. DaS Snbkomitcc des soeialpolitischeii Ausschusses begann die Prüfung der Frage der Verkürzung der Arbeitszeit im Bergbaubetriebe/ Der Vorsitzende Barn- reither betonte, der Ausschuß habe eine Frage.zu entscheiden, welche gegenwärtig. den Gegenstand erbitterten Kampfes in allen Kohlenreviere» Ocstrcichs bilde, er hoffe, daß man zu einer Lösung gelangen werde, die den beiderseitigen Ansprüchen gerecht wird. Hierauf bc- gannen die Gutachten der Sachverständigen.— Italien. Der Boerenkrieg der italienischen Kammer. Ter Minister deS Aeußcrn Visconti Äenosta beanttvortet am Montag die Anfrage BoSdaris und sieben andrer republikanischer Deputierten, ivelche zu wissen wünschen, ob er gewillt sei, ein Wort für den Frieden ztvischen den Engländern und den Boeren zu sprechen. Er erklärt, er verstehe die Gefühle, ivelche die An- fragenden beseelen, ober er glaube, daß Schritte in der gewünschten Richtung»nr dann gcihan werden könnten, wenn die Umstände dieselben' opportun erscheinen ließen und man sich eine günstige Wirkung versprechen könne. Die gegenwärtigen Umstände seien j,' wie er glaubt, nicht d a z u a n g e t h a n. B o s r a i er- widert, er hoffe, daß an die befreundete Mächt. England. mit welcher Italien durch so viele Bande der Dankbarkeit verbunden sei. ein Wort gelangen werde, welches ihr darthne, wie viel größer und großmütiger ihre Mission sein würde, wen» sie sich mit einem freien Volke verständige. sZustiininmig) Nom, 5. März. D e p» t i c r t e n k a m m e r. Im Verläufe'ddr heutigen Sitzung wird die am vorigen Montag be- aonnene Beratung über die Juterpcllatioir bezüglich Siziliens fortgesetzt. In sciucr Beailtivorttziig der Interpellation erklärt Ministerpräsident P e l l o n x, es gelle keine sizilianische Frage/ er halte spcciellc Gesetze für Sizilien nicht für notwendig. iBeifall.t Die Regierung werde ihre Pflicht thun und. ivenn sich gewisse Persönlich- leiten strafbarer Händlimgen schuldig gemacht hätten, gegen diese ohne Nachsicht vorgehen.' Frankreich. Amnestie. Paris, 4. März. Der Präsident des AssiscnhofeS hat gestern Emile Zola und Perreux. Verwalter der„Auroxe". mitgeteilt, daß der seitens der Mitglieder des Kriegsgerichts gegen sie äiigestrciigte Prozeß wegen Vcrleumdimg von der Rolle gestrichen ist. Diese Streichung wird daiilit begründet, daß der Senat augenblicklich den Wnnestic-Entivurf berät. Der Amnestic-AnSschuß de? Stnats Ivird sich morgen vcr- sammeln und u. a. Waldeck-Rönssean und den Jstssizmiiiistcr Maina verhören. stinftland. Berhastungcn. Ende Dezember v. I. sind in Petersburg»nd Moskau 50 Arbeiter lind einige Intelligente»(darunter die Schrift- stcller Ncschdanvw, Atvilolv, Diischetschtin, Frau Komarowski u. a.) verhaftet tvordcn. Im Nöucnrber sind in Barditfchcw Verhaftnngen vorgenommen ivordcn. In Warschau lvar vorige Woche eine Der- saiiimluitg von 150 jüdischen Arbelfern zur Verherrlichung der im Jahre 1885 Hingerichteten Mitglieder der ehemaligen polnischen Partei„Proletariat". Am 11.'Februar verhaftete die Polizei in Warschau 14 polnische Arbeiter und Intelligente.— Afrika. Kairo. 4. März. Heute meuterten 70 Sträflinge in dem unweit Kairo gelegenen Gefängnis von Tonrah. Zur Aufgabe aufgefordert, verweigerten sie dieselbe, tvoranf die Wache eiiie Salve abgab. Dabei' wurden fiinf Gefangene bcriviindct,. darunter zwei tödlich; die übrigen ergaben sich alsdann. Die Zlusspm'ttttg in der Berliner Holziudttstrie. Auch gestern wurde» wieder ca. 230 Bautischler in Berlin auZ- gesperrt. Wenn die Aussperrungen nicht in dem Nuifange eintreten, wie es die Herten Scharfmacher von der Vereinigung wünschen, so liegt eS daran, daß die Meister/ wobl mehr dem Zwang ge- horchen als dem eignen Trieb. Bei den Meistern der Möbclbranche scheint sich langsam die Erkenntnis durchznringcn. daß sie die Düpierten sind. Die Transportivagcn der großen Firmen sieht man täglich mit Möbeln, zur Bahn und zur Kundschaft hren. während die klenicn Meister ihre halbfertige Arbeit- siic er Werkstatt zustehen haben. In einer der ersten Möbelfabriken- in der- Gollnoiv- straßc arbeiten 3 Werkführcr. 1 Zeichner und 2 Arbeits- willige bei vcrichlosscncn Thürcn au der Pariser� Aus- stclluugsarbcit. Am vcrgaiigcncu DscuStag lvurde boin Maschinenmeister gefräst und vom Fugcnverleimer an der Maschine geschnitten. Die kleinen Meister ivcrdcn so hinters Licht geführt. 5 Meister mit 50 Gesellen haben gestern die Fordeningen bcivilligt. in drei weiteren Werkstellen wird heute verhandelt werden. Abgereist sind 55 Mann, insgesamt 615 Mann der Möbelbranche. 350 Ladcistischlcr arbeiten zu den gestellten Forderungen. 120 sind abgereist. 200 stehen noch im Streik. Die Lage des Streiks ist somit im allgcmeiiicn unverändert. So viel bis jetzt bekannt ist, hat sich die Zahl der Ausgespeyrten nur in ganz geringem Ilmfaiig vermehrt.' Bei dcii Maschineiiarbeitern haben überhaupt teille neuen AnSspemingen stattgefunden. Von den AuS- gesperrten sind sogar 69 wieder in Arbeit getreten, da zwei Betriebe die Arbeit aufgciionnncn habe». Alls dem Arbeitsnachweis der Maschincnarbeiicr werden fortgesetzt Arbeitskräfte für solche Fräsereien verlangt, die den Betrieb nicht den Holzindnstricllen zu Gefallen ein- gestellt haben. Die Iveiterarbeitenden Fräserei eu machen infolge der BetriebScinjtelliingen der übrigen ailscheinend gute Geschäfte. was die nichtarbeitenden Firmen der HolzbearbeitnngSbranche auch nach dem Streit noch zu ihrem Nachteil empfinden dürften. Da stn- gcsähr 100 Fräsercie» ans Betreiben der Scharfmacher von der Freien Vereiiiigung der Holziudnstriellcn die Arbeit eingestellt haben, so macht sich in manchen Tischlereien ein Mangel an Maschinen- arbeiten bemerkbar, und es dürfte wohl»ur diesem Umstand, nicht aber dem Aussperrnngsbeschlliß der Unternehmer zuzuschreibeit seiii. daß am Somiabend etwa 100 Tischler und 30 Möbelpolierer als Ausgesperrte iicu gemeldet ivordcn sind. Die Zahl der durch den Streik in Mitleidenschaft gezogenen Bildhauer hat sich-um 27 vcr- mehrt. Bon einer AnSsperrnng in größer»! Umfang ist demnach nichts zu bemerken, und es scheint, als ob die Tischlermeister im nllgemeiiici,. obgleich sie dem AnSsperrungSbeschluß zngestiinmt haben, nicht willens find, mit der Freien Vercinignng durch dick und dünn zu gehe», und ihre Geschäfte den Millionären zuliebe zu ruiniere». Andrerseits setzt die Freie Ver- ciitigmig ihr Bemühen fort, durch brutale Maßregeln die Streikenden zur Kapitulation z» zwingen. Es scheint den Groß- indnstricllcn gelmigen zusein, einen Teil der Hiolzhändler für ihr Vorgehen zu gewinnen. Wenigstens ist einigen Tischlereien ein Eirknlar ihres Holzhändlers zugegangen, ivorin derselbe mitteilt, daß er die Holzliefcning einstellt. Ein anderer Trick des Grotzuntcr- nehincrtliinS, tvodnrch die Kassen der Ansständigcn geschwächt werde» sollen, ist folgender: Ein Teil der sausgcspcrrlcn Maschinen- arbcitcr hat' bekanntlich eine Ai'mbignngSfrfft. Diese» Ar- bcitern muß natürlich der Lohn iveiter. gezahlt Ivcrdcn, so iveit sie ohne Beobachtung der Kündigung«itlaffcn worden sind. Während nun einige Fraiscrcibcsitzer den Lohn thatsächlich bezahlt haben, verweisen andre die bctrcffciidcii Arbeiter auf den Klagcwcg, da»nr nntcr diesen Umständen die.Freie Bereinigung den betreffen- den Fraiferelbcsitzcrn den Lohn zurückzahlt/ Tic Scharfmacher vvU der Feeicn Bereinigung rechnen anscheinend darauf. daß den klagende» Arbeitern' zunächst, bist sie ihr Recht erstritte» haben, Streiluiitcrstützulig gezahlt werden müsse und dadurch die Kasse der Streikciidcn belastet werde. Wenn die Unternehme»: mit so kleinliche» Mitteln vorgehen, dann muß es allerdings mit ihren Aussichten auf Nicdertverfnng der Streikenden sehr schlecht stehen. Die ausständigen Arbeiter Iqsscii sich denn auch weder durch die großen noch dürch die kleinen Brutalitäten der.Großunternehmer einschüchtern, de»» die Hoffnung der letzteren ans den Mangel a» Unterstützniigsgeldern ist eine ganz unbegründete.- Tie Möbclpolicter haben am Sonnabend die erste Unterstützmig in Höhe von 1000 M. ausgezahlt. Daß die Ausspcrning bei weitem nicht einen Uinfang angenommen hat. der auf de» Verlaiif des Streiks von erheblichem Einfluß sein könnte, beweist der Ilufftmid, daß augenblicklich noch etwa 6000 Mitglieder dcS Holzarbeiter- Verbands in Arbeit stehen. Die Holzarbeiter des Westens und TüdtvcstenS waren am Sonntagnachmittag sehr zahlreich im Habeische» Saal versammelt. P h. Schmidt"schilderte die Entlvickelnng imd die bisherigen Folgen des Streiks der Möbeltischler, indem er den vom Verband dcr Holzindnstriellen geübten TcrrorisinuS in gebührender Weise kennzeichnete. Im Gegensatz zu den Untcriichmcrn seien die Ardeiter mit anständigen Mitteln vorgegangcii, auch hätten sie die Hand zur Vcrständigimg geboten. Unter de» AuSspcrrmigcn un- beteiligter Arbcitcr iverde der Kampf lischt leiden. Die vorhäiidenen Mittel erlaubten seine Fortsührnng und die Arbeiterschaft Deutsch- landS stehe hinter den Kämpfenden.� Die unorgaiiisicrtc» Kollegen sollten sich das Vorgehen der Arbeitgeber zur Lehre dienen laffc» und»ach Beendigulig dcS Streiks in Massen dem Verband beitreten. «Beifall.) Alle Diskussionsredner sprachen im Sinn des Referenten. Rufe des Einverständnisses und lebhafte BeifallSbezeugungen gaben .�unde von tcr kampfesfreudigcn Stimnumg» welche die Ver- sninmelten beseelte. Ein Redner erhofft von der Ausspernlug der Aichtorstcinisicrtcn, dag sie die betreffenden Kollegen zur Solidarität erziehen werde.— Ein Vertreter der Einsetzer' appellierte an die Bautischler, sich nicht znr Verdrängung der Einsetzer benutzen zu lassen, wie dies jetzt anläßlich der Aussperrung von den Unter- 'nehmern versucht werde. Mit einem begeisternden Hoch auf die Be- Ivcgnug trennte man sich. In Nixdorf wurden nur 4 Arbeiter gestern ausgesperrt. Die Gesamtzahl der Ausgesperrten beträgt 92. Von einigen Arbeiter» des Tischlermeisters Mitsch erhalten wir folgende Zuschrift: Die von dein Tischlermeister Herrn Mitsch in der Meisterversammlimg gemachten Angaben, daß seine Gesellen ihm die Strafgelder abgenommen hätten, ist unwahr. Auf die in den letzten Jahren bei ihm beschäftigten Tischler trifft dies auf keinen Fall zu._ Gemevkschafklichos. Berlin und Umgegend. Rchtnng, Sattler! Der Streik bei den Firmen Eckert, An der Stralaucr Brücke 3, Neichelt, Stralauerstr. 58, Weiser u. Duive, Alcxandcrstr. 29, dauert unverändert fort. Zuzug ist fernzuhalten. Die Agitationskommission. Achtung, Töpfer! Der Töpfenneister Ruhm, Mittenivalder- straffe, weigerte sich, auf dem Bau Wilmssiraffc den Tarif zu zahlen. Auf Vorstellung der dort Beschäftigten erklärte er:„Ich bekomme heute genug, wer für den Preis nicht arbeiten will, kann gehen!" Die Töpfer machten hierauf ihre Arbeit, die sie laut Tarif' bezahlt erhielten, fertig, und legten die Arbeit nieder. Darauf erklärte Herr Ruhm, daß er vo» jetzt ab den Tarif bezahlen werde, aber die bis jetzt arbeitenden Töpfer dürften nicht wieder anfangen. Die Kommlssion der Meister ist hiervon in Kenntnis geietzt, aber, trotzdem vier Tage verflossen sind, nicht eingeschritten. Wir sehen uns deshalb veranlaßt, über die Firma Ruhm die Sperre zu verhängen. Die Lohnkoinmission. Die Bürstenmacher erzielten mit sämtlichen Arbeitgebern eine Einigung, wonach der Minimalverdicnst eines Arbeiters, der eine durchschnittliche Leistnug hervorbringt, 21 M. betragen soll. Die Arbeitszeit wurde auf 9Vs Stunden festgesetzt. Deutsches Reich. Internationale Strcikstatistik. Die Zahl der Streiks im Januar war gegen den Dezember im Zunehmen begriffen. Nach der Zusammenstellung der Berliner Halbnwnatsschrift'„Der Arbeits- markt" stieg sie in Deutschland, Belgien und England von 58 auf 96. Die umfangreichsten waren die Bergarbeiter-AnSstände in Oestreich, die noch andauern. Auf dem Gebiet der Pariser Weltausstellung haben 1590 Zimmerer die Arbeit eingestellt. Sie verlangen angesichts der Gefahren an den ungeivöhnlich hohen Bauten die Erhöhung des Stundenlohns von 99 auf 199 Centimes und 2 Franks für' jede Ucbcrstunde. Das Syndikat der Pariser Zimmerlente lehnte in- dessen jede Solidarität mit den Streikenden(meistens aus der Pro- viiiz zugezogene Arbeiter) ab. wodurch der Streik schon nach wenigen Tagen verloren ging. An den Lcderarbciterstreik in Wüster erinnern noch immer die üblichen Nachspiele vor Gericht. So tvurdcn jüngst vor dem Amtsgericht in Itzehoe drei Verbrechen abgeurteilt, die im Zusammen- hange mit diesem Streik geschehen ivaren. Zunächst hatte eine Ehe- frau einen„Arbeitswilligen", weil ihr dieser zarte Ausdruck nicht geläufig, vielleicht gar unbekannt ivar, Streikbrecher genannt. Für diese Unthat erhielt sie(wie recht und billig) vier' Tage Gefängnis!— Ein Rentier und früherer Maurermeister hat angeblich dasselbe Verbrechen begangen und autzerdcm einen Agenten des Ilntcriiehmcrtnms. der für jeden gelieferten„Arbeits- willigen" 1 M. erhielt, einen„Seelenverkäufer" genannt. Der Arbcnswillige R o h d e, der wegen RanbeS in Untersuchungshaft sitzt und»vcgcn Diebstahls, Sachbeschädigung, HaussriedcilSbrnch und jlrtnndenfalschung vorbestraft ist, sagt als Zeuge im Sinne der Anklage ans. Der Angeklagte will jedoch nicht„Streikbrecher", sondern— da der Zeuge sich im Dunkeln auf seinem Hansflur herumdrückte— nur gesagt haben, er scheine ein E i n brechcr zu sein. Das scheint ihm das Gericht geglaubt und nicht für so beleidigend erachtet zu haben, wie den Ausdruck„Streikbrecher", denn der Angeklagte wird nur wegen des Worts„Seelenverkäufer" zu der Geldstrafe von 159 M. verurteilt.— Der schlimmste Verbrecher ist jedoch der Weiffgcrber Köhler. Er soll einen Wächter, die gesamte Polizei von Wüster, den Arbeitswilligen Engel und den Vorarbeiter Witt beleidigt haben. Bon der Beleidigung des Wächters und der Polizei wird der Angeklagte freigesprochen. Die beiden Redensarten:„Ich iveiß, waS Sie für ein schmutziger Engel sind" und„Kinder seht Euch vor, das ist einer aus der Wittschen Fannlie, die ist hier in Wilster bekannt" werden an dem Angeklagten mit drei Monaten Gefängnis geahndet. Der Staatsanwalt hatte neun Monate beantragt! Die Parkrttbodculegcr Leipzigs befinden sich seit acht Tagen im Streik. Leider haben eine Anzahl von Zimmerern sich verleiten lassen, die Arbeit der Streikenden zu übernehmen. Die Lohn- kommission bittet dieserhalb die Zimmerer um Wahrung der Solidarität.— Auch die Zimmerer und Parkettbodeuleger an andern Orten mögen diesem Wunsche»achkommen und sich nicht nach Leipzig locken lasse». Die Schneider i« Gera stehen vor einer Lohnbewegung. Sowohl von der Lohnkommission des Verbandes als auch von der Innung ist ein Lohntarif vorgelegt. Eine Versammlung der Ge- Hilfen sprach sich gegen den Tarif der Innung und für den der Lohn- kommission aus. Man hofft die Forderungen ohne große Schwierig- leiten verwirklichen zu könuen. Das Nrbcitcrsckretariat in Bremen ist nunniehr eröffnet. Die Arbeiterschaft in Bremen hat damit zu den vielen Instituten ähnlicher Art, wie sie in Deutschland bestehen, ein neues hinzugefügt und wir sind überzeugt, es wird sewem Namen Ehre machen. Die streikenden Maler der Schiffsiverft HoivaldSwcrke nahmen am Montag die Arbeit iviedcr auf. In einer Besprechung mit der Streikkommission hat der Konimerzienrat Howald sich zur lofortigen Kündigung des den Arbeitern mißliebigen Meisters Jürgensen bereit erklärt und die Prüfung einiger tveiterer Beschwerden der Arbeiter bestimmt versprochen. Ei» höchst soudcrbares Urteil ist vor dem Schöffengericht in Hanau gefällt worden. Es wurden hier zlvei Maurer, der eine zu 6 Wochen, der andre zu 8 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Ver- urteilten standen während des Streiks in der Nähe eines Ncubaus und betrachteten vor einem Schaufeustcr die ausgelegten Waren. Dabei machte der eine die Bemerkung, das gebe eine» Anzug für Streikbrecher. Diese Aeufferung führte zu der erivähnten Verurteilung. Envähnt sei, daß ein Schöffe mitwirkte, der bei dem Streik als Unternehmer in der Kommission der Arbeitgeber war. Ei» FastnachtSulk. Man schreibt uns: Lieber„Vorwärts"! Diesmal bist du aber gründlich auf einen FastnachtSulk der„Fränkischen Tagespost" hereingefallen, oder hast du wirklich»och so viel Glauben an die Loyalität und Arbeiterfreundlichkcit. noch dazu des Nürnberger Rathans-Freisinns, daß derselbe wie du in deiner Nr. 52, Haupt- blatt, schreibst—. die städtische Nascnau dem Volkshausvcrein für ein VolkshauS zur Verfügung stellen würde? Nein, mein lieber „Vorwärts": unsrc freisinnigen Rathausmannen verschenken wohl an die reichen Aktionäre der Straßenbahn jährlich viele Tausende von Mark, aber ehe sie der Arbeiterschaft in obiger Weise entgegenkämen, würde von ihnen beschlossen, den Park der Rosenau'auszuroden, die Gebäude einzureißen und einen großen See anzulegen, auf dem ständig eine Kriegsflotte stationiert tvürde, um den letzten VerzweiflungSkampf gegen die unaufhaltsam vor- dringenden verhaßten Soci zu Lande und zu Wasser führen zu können! Nu», die Nürnberger Arbeiterschaft wird aber trotzdem ein Bolkshaus bekommen. Zu alt! Man schreibt der„Münch. Post": Die kgl. Betriebs- wcrkslätte sucht zur Zeit durch das städtische Arbeitsamt'Eisendreher. Einsender, der am Arbeitsamt um Beschäftigung nachfrug, wurde vermittelt und begab sich sogleich in den genannten Betrieb, um sich dein betreffenden Betriebs- Ingenieur Fischer vorzustellen. Als der Beamte aber erfuhr, daß ich schon das„grausige Alter" von 31 Jahren habe, gab er seinem Bedauern Ausdruck, mich nicht ein- stellen zu können. Das Werk brauche zwar sehr uotwendig einige Dreher, doch dürfe er Leute, die über 39 Jahre alt seien, nicht ein- stellen. Mit dein Vermerk: Nicht eingestellt, weil über 39 Jahr alt, erhielt ich die Karte des Arbeitsamts ivieder zurück.— So verfährt Vater Staat als Arbeitgeber, der Privatunternehmern mit dem guten Beispiel vorangehen sollte! Die Maler iu Mainz haben an alle Unternehmer Lohn- fordcrnngen gestellt, infolgedessen ist es zum Ausstand gekommen. Ausland. Ter Streik der Bergarbeiter in Oestreich. Man schreibt nns ans Wie», 4. März: Die Verhandlungen im socialpolitischcn Ausschuß des Abgeordnetenhauses, der bekanntlich bis zum 12. März, über die ihm zugewiesenen Dringlichkeitsanträge wegen des Streiks der Bergarbeiter zu berichten hat, kommen all- mählich in Fluß. Der Ausschuß, der aus 48 Mitgliedern besteht— in Oestreich sind die Ausschüsse tvegen der vielen Parteien so extrem groß— hat ein Subkomitce eingesetzt, das vor allem eine kurze und begrenzte Enquete veranstalten wird. Es werde» Vertreter der Unternehmer und der Arbeiter vernommen werden und zwar lediglich über die Frage der Achtstundenschicht. Die Ver- uehmnnge» ivcrdcn bereits morgen beginnen. Die Enquete ist wohl eine Ueberflüssigkeit, denn der Standpunkt beider Teile ist wirklich hinreichend bekannt, aber man begreift, daß die Abgeordneten ohne »»mittelbare Information keinen Beschluß fasse» wolle». Wie die Dinge heute stehen, ist es ziemlich sicher, daß der Ausschuß dein Abgcordnctenhause einen Gesetzentwurf ivcgcn der Arbeitszeit im Bergbau vorlegen wird. Es fragt sich mir: welchen. Die Arbeitszeit ist heute gesetzlich zwölf Stunden uiit einer Maximalschicht von zehn Stunde». Da aber die Regel die ist, daß die Arbeitszeit mit Ein- und Ausfahrt nicht länger als zehn Stunden, die in der Grube verbrachte Arbeits- zeit also schon heute nicht mehr als acht Stunden währt, so wäre eine„Reform", die die Arbeitszeit mit zehn Stunden bestimmte, natürlich ganz wertlos. Deshalb könnte der Ausschuß leimt auf diesen Vorschlag verfallen, der scheinbar eine Besserung, im Wesen aber nur die gesetzliche Festlegung der Wirklichkeit wäre. Große Hoffnungen dürfe» also auf die Ausschnßarbeit nicht gesetzt werden. Die Lage des Streiks verändert sich wenig, wenn auch natürlich der überlange Kampf die Gefahr des Streikbrnchs mehrt. Für Ostrau-Karvlii geben selbst die offiziellen Berichte die Zahl der Streikenden mit 24 999 Menschen an. Ganz ungebrochen ist auch der Streik in Kladno; die dortigen Arbeiler stehen ivie eine Mauer. Im Braunkohlenrevier, in Nord- und Westböhmen. wird zeitweilig etwas mehr gefördert; da dort die Arbeit»och vielfach Ober-Tag be- trieben wird, bedeuten die Ziffern, mit dciicn die offiziösen Berichte so prunken, fast gar nichts. Ein Streik in Galizien(in Jalvarzno, auf de» Gutlwanschen und Graf Potockifchen Gruben) wurde sofort beigelegt. Die Unternehmer bewilligten eine zehnprozentige Lohnerhöhung, was den dortigen genügsamen und Entbehrung gewöhnten Arbeitern ans- reichend erschien, um die Arbeit wieder aufzunehnlc». Tie fromme Ausbeutung in Einsiedel»(Schweiz) hat angesichts der allgemeinen Verurteilung ihres Gebnhrens eS für not- ivendig gehalten, in einem acht Foliofciten umfassenden Flugblatt. das in 199 999 Exemplaren im ganzen Lande versandt iverden soll. sich nach Biedermännerart als die gekränkte Unschuld hin- zustellen. Jedoch ist der Glaube daran nicht sehr stark, denn die Sektion Ocrliken des katholischen Männer» und Arbeitervereins beschloß, das Ccntralkomitce zu veranlassen, in Rom beim Papst geeignete Schritte zu thun, damit der Firma Bcnziger n. Co. in Einsicdeln das Recht entzogen wird, sich ferner» hin„Päpstliches Kimslinstitut" oder„Typog'raphen des heiligen Stuhls" zu nennen. Begründet wird das Verlangen damit, daß diese Firnia durch die schroffe Behandlung und rücksichtslose Ans- bentnng ihrer Arbeiter der katholischen' Sache großen Schaden zufüge. Der Kampf der Textilarbeiter in Warnsdorf in Böhmen kann sich, was Ausdauer und Opfenvilligkcit der Arbeiter anbetrifft, rühmlich a» die Seite des Bergarbeiter- Ausstands stellen. Seit neu» Wochen befinden sich hier 3999 Arbeiter im Ausstand, die unerschütterlich an ihrer Fordernng, den Zehnstnndcntag, festhalten. Die Unternehmer hatten jetzt eine IG/e stündige Arbeitszeit in Vor schlag gebracht, aber die Forderung einer 15 prozentigen Lohn erhöhnng, Anerkennung der Organisation, Vermeidung einer Maß- regelung und Freigabe des 1. Mai abgelehnt. Unter diesen Be- dingungen haben die Arbeiter die Arbeit nicht aufgcnomnlen, sie wollen ihre Forderungen ganz erfüllt haben. Gegen die Setzmaschine. In Rom streiken die Setzer der Pärlamcntsdruckerei wegen Anwendung der Sctzmc.schine Linotype. — Die Kutscher von Neapel streiken, ivcil der dortige Magistrat an Automobiten Konzcssion erteilt hat und diese nun den Kutschern starke Konkurrenz inachen. RÄvlamenkÄrisdfcrs. Tic Beratung der Flotteuvorlage in der Budget- kommission des Reichstags wird, ivie man in Kommissums- kreisen annimmt, iir etwa zwei Wochen ihren Anfang n e h m c n. Um den bisherigen Mitgliedern der Kommisfio», die sehr eifrig gearbeitet haben. Ruhe zu gönne», wird für diele Be- ratung in der Ztlsammensetzung eine teilweise Erneuerung ftattfinden. Das Centrnm will, wie bereits mitgeteilt wurde, kein Mitglied seiner Fraktion mit dem Referat betraut wissen, um völlig freie Hand zu behalten.— Die WarcnliauSstcner-Kommission des Abgeordnetenhauses tagte gestern bis spät abends. Man sah von einer Generaldebatte ab und beschäftigte sich zunächst mit der Erörterung der Frage, wie der"Kreis der Steuerpflichtigen zu begrenzen sei. Gegenüber den Bestrebungen, die Steuer auch auf die Special- und Bcriaiidgeschäfte auszudehnen, warnte M i q u e l als Vertreter der Regierung davor, über den Rahmen der Vorlage hinanszngehcn. Man werde sonst das Zu- st a n d e k o m m e ii des Gesetzes gefährden. � Zum Berichterstatter für das Plenum wurde Abg. G a in p(freikons.) bestellt.— Am nächsten Montag soll die Debatte fortgesetzt werden. Sociale Velhlspfloge. Guter Rat. Gegen eine Lohnklage des Ciscleurs M. machte der Beklagte Braune vor dem Gewcrbegericht geltend, der Kläger habe ihm' durch schlechte Bearbeitung von Lampenschirmen einen Schaden von annähernd 39 M. verursacht, wogegen er die Lohn- forderuna aufrechne. Die sachverständigen Beisitzer stellen fest, daß die dem Gerichtshof vorliegenden Schirme thatfächlich nicht verwertbar waren. Der Kläger rechtfertigte die minderwertige Arbeit damit, daß der Preis von 1,29 M. für das Stück zu gering sei, als daß man dafür eine gute Arbeit liefern könnte. Wo er jetzt arbeite, be- komme er 2,59 Mark für das Stück. Sämtliche Beisitzer und der Vorsitzende rieten indessen zur Zurücknahme der Klage. Nachdem der Kläger dem Rate gefolgt Ivar. wurde ihm anHeim gegeben, in Zn- kimft lieber auf eine Arbeit zu verzickiten, wenn er den Lohn für zu niedrig halte. Eine einmal übernommene Arbeit müsse auf jeden Fall gut ausgeführt werden. Auf dem Kriegsschauplatz ist cS zu neuen Zusammen st ößen bisher nicht gekommen, doch ist ein solcher, nach den emlanfenden Nachrichten zu schließen, bald zu erwarten. Die Boercn konzentrieren sich danach zwischen der jetzigen Position Roberts und der Stadt Bloemfontcin. Aus Osfontein, dem Hauptquartier Lord Roberts, wird die gegenwärtige Situation folgendermaßen gekennzeichnet: Stellungen des Feindes sind nicht genau bekannt; aber bewegliche Kommandos tauchen rings u m-d i e b r i t i s ch e n T r u p p e n auf. Wir er- warten bei Abrahamskraal, 39 Meilen östlich von Paardeberg, auf Widerstand zu stoßen, wo Joubert angeblich eine Streitmacht aus der gesammten Macht von Ladysmith mit Nordost- Freistaattruppen znsamnienzieht.— Präsident S t e i j n ist am Morgen des 27. Februar im Boercnlager von Abrahamskraal eingetroffen. Er hielt eine An- spräche an die BurgherS und ermahnte sie, an Majnba zu denke» und Cronje zu befreien. In einein andern, ebenfalls aus Osfontein vom Freitag datierten Telegramm heißt es: Unsre Vorposten sind eine Meile vom Feinde entfernt, der eine isoliert liegende Hügelgrnppe südlich des FluffeS, zehn Meilen östlich von unfrer Stellung besetzt hält. Die feindlichen Truppen werden auf 4999 Mann geschätzt und sollen, wie es heißt, ihre Stellung verschanzen. Das alles würde auf einen baldigen Znsainmenstoß schließen lassen. Bom Mittlern KriegSschanplatz haben sich die Boercn offen- bar oder beinahe vollständig zurückgezogen. Ans Colcsderg wird vom Sonntag berichtet: Eine englische Truppenabteilung mit zwei Geschützen machte gestern einen RekognoScierungsmarsch nach der befahrbaren Brücke über den Oraiijefluß und fand dieselbe imbesckiädigt. Am jenseitigen Ilfcr wurden etwa 59 Boercn gesehen, die sich zurückzogen, als eine Granate gegen sie abgefeuert wurde.— Das englische Lager ist gestern nach Bamery, sieben Meilen nördlich von Colcsberg, verlegt worden. Und ans folgender Meldung aus B l u n S f o n t e i n vom Freitag wird dieser Rückzug bestätigt. Die Verbündeten haben danach beschlossen, das Gebiet in der Umgebung von RenSbnrg zn rännicn. Ter Rückzug ist unter der Bedeckung berittener BurgherS glücklich ausgeführt worden. Amtlich wurde hier bekannt gegeben, daß die zwischen 2999 und 3999 Mann betragende Streitmacht Cronje's am 27. Febimar wegen Mangels an Lebensmitteln und Mnmtio» kapituliert hat. Weiter tvcstlich von Colesbcrg, bei D o r d r e ch t, scheinen freilich noch Boeren zu stehen, denn von dort wird vom Soimtag telegraphisch gemeldet: Nach einer Depesche aus Dordrecht besetzten die Engländer die Stellungen der Boeren, letztere versuchten, dieselbe wieder einzunehmen, wurden ober schließlich mit schweren Ver» lusten zurückgeschlagen. Die Engländer verloren 6 Tote und 15 Verwundete. «« » Schwierigkeiten im Nordwesten. Wie dem„Standard" ans Kapstadt vom 3. März berichtet wird. haben die A n f st ä n d i s ch e n von G r i q u a l a n d(Griqualand liegt westlich vom Oranjc-Frcislaat), welche durch 699 holländische Farmer ans dem Bezirk von Prieska verstärkt worden sind, Kenhardt, 199 Meilen westlich von Prieska, besetzt und bewegen sich siidoftwärtS auf Vanwyks-VIei zu, Ivo große Vorräte von Lebens- Mitteln sich befinden. Die Eingeborenen'in jener Gegend sollen sich unruhig vcrhaiien. Vom Frieden. Rew-Aork, 4. März. Der Washingtoner Korrespondent deS „New» g)cr£ Herald" berichtet: Beiden kriegführenden Parteien in Südasiila ist zu verstehen gegeben worden, daß Mac Kinley, wenn immer es gewünscht werde, bereit ist, zu v« r m i t l e l ii. Das Staatsdepartement habe allerdings keinen Gnind. zu glauben, daß England eine Vermittlung wünsche, wenn auch Transvaal sie wolle. Letzte Meldungen. London, 5, März. Nach amtlicher Feststellung betragen die Verluste Bnllcrs während der letzten Operationen zuin Entzatz von Ladysmith: 93 Mann rot. 684 verwundet. 25 vermißt. Das Urteil im Prozeß Rüting und Genossen, über den wir an andrer Stelle ausführlich berichteten, ging uns erst in später Nachtstunde zu. Die Geschworenen bejahten sämtliche Schuld« fragen. Nur dem Angeklagten Neubcr wurden mildernde Umstände zugebilligt. Der Staatsanwalt beantragte gegen Rüting 15, gegen Pfeiffer 13, gegen Fesinger 14 Jahre Zucht« haus solvie die üblichen Nebenstrafen. gegen Neuber 8 Jahre Gefängnis und Ehrverl u st. DaS Urteil lautete gegen Rüting, Pfeiffer und F c s i n g e'r auf je.15J/ihreZuchthaus19Jahre Ehrverlust und Polizei» aufsicht, gegen Neuber auf 6 Jahre Gefängnis und. Ehr- Verluste Delzke AÄcheichten und Vepefchen« München, 5. März.(W. T. B.) Auf die telegraphische Meldung bon der Gründung des Bayrischen Landesverbands des Deutschen FlottcnvcrcinS ist an den Reichsrat Frhrn. v. Wllrtzburg, welcher in der gestrigen Delcgicrtenvcrsammlmig Hierselbst den Vorsitz führte, eine Antwort des Kaisers eingegangen, in der der Kaiser seinen Tank ausspricht„in der zuversichtlichen Hoffnung, daß eS au einem Gelingen nickil fehlen kann, wenn alle Stämme des gemein« samcn Vaterlandes sich zur Förderung unfrer hohen nationalen Auf« gaben vereinigen." Paris, 5. März.(B. H.) In der heutigen Kamniersitzung interpellierte der Abg. Berry den Manneminister über die Verrats« affaire Philipp und warf demselben vor, durch seine Unthätigkeit den Schuldigen habe entkommen zu lassen. Der Marineminister verteidigt sich und erklärt, die Sache werde augenblicklich untersucht und den Schuldigen ivcrde seine Strafe schon erreichen. ZIbg. Pelletan er« greift das Wort und macht Enthüllungen über skandalöse Machen- schaftcn, die im Mariiieministerium an der Tagesordnung seien. Er beschuldigt die höheren Beamten des Departements, die schuldigen Subaltcrnbeaniten, welche die Stellungen mißbrauchen. um finanzielle Spekulationen zu treiben, zu schützen. Angesichts dieser Thatsache ersucht der Redner die Kammer, das Budget des Marineniinistcrimiis um 590 Fr. herabzusetzen, um dadurch dieses Departement zu tadeln. Wider alles Erwarten niimnt der Marin cininister diesen Antrag an, was allgemeines Gelächter hervorruft. W a I d e ck- R o u j s e a u suchte den schlechten Eindruck. den das Benehmen seines Kollegen hervorrief, abzuschwächen und erklärte, die Regierung sei nicht verantwortlich für die betreffenden Vergehen. Nach einigen weiteren Tadelserklärimgen seitens PclletanS wird dessen Antrag mit 489 gegen 20 Stimmen angenommen. Charlcroi, 5. März.(W. T. B.) Der Ausstand der GlaS« schncider ist beendet, ohne daß den Ausständigen ihre Forderungen bewilligt worden sind. London, 5. März.n s o I ch e n M a n» e seine Stimme 'geben! Wolfs Haltung in Sachen des Schutze- der arbeitenden Kinder sllmuit auch bollkonuiien mit den Änschguungen übcrein, die dieser Iiaiin über den Schutz der orwachseiieii Arbeiter bat. Dem Herrn Bäckermeister ist natürlich die Bäckerei- 2? er Ordnung ein Dorn im Äuge. Selbst das arme bißchen Schutz, das sie den Läckerei-Arbcitern gewährt, ist ihm noch zn viel. �Die Bäckcrei-Vcrordnnng ist ja allerdings nicht von der Berliner«tadlvcrordnetcn-Vcrsainmlnng gemacht worden nnd kann aucki nicht von ihr aufgehoben werden— für einen Bäckermeister Wots käme bei einer solchen Maßregel selbstverständlich immer nur die Aufhebung iil Frage— im übrigen jedoch hat auch diese Körperschaft, wenn sie will, recht ost Gelegenheit, über Maßregeln zum cchntz von Arbeitern und Angestellten zu beraten. Wie würde sich aber der Gegner eines auch mir einigermaßen wirtsanien Kindel- lchntzcs, der Feind selbst der bescheidenen Besliiiiiiiungeu der Backerei-Verordnung, in solchen Fallen verhalten? Kann er sich, wenn er seine» Grundsätzen treu bleiben tvill. anders als ablehnend verhalten? Diesen Aeußeruiigen bäckermeisrerlicher Socialpolitik reiht sich würdig das Bekenntnis an, das Wolf zn einer andern Frage, die vor dem 14. Februar in dem Kampf um den 44. Bezirk eine Rolle gespielt hat, z» der Frage der Bekämpfung des Boden- Wuchers, vor seinen Wählern'abgelegt hat. Als sein mieterpartei- lichcr Gegner eine hohe Besteuerimg der Baustellen empfahl, weil er dnooii einen Druck auf die Baustcllcn-Besitzer, einen schnelleren Bcrkanf der Baustellen, schnellere Bebauung und stärkeres Wohnungsangebot erwartet, da erklärte sich Herr Wolf dagegen, obwohl auch er diese Wirkung erwartet, oder richtiger: gerade weil auch er sie erwartet.„Ich bin selber B a u st c l l e n-'B c s i tze r." fügte er zur Bekräftigung seines Standpunkt- hinzu. Die Bürger- Partei hat ja jetzt ihr neuestes Flugblatt auch mit der Fordenuzg einer Bekäinpsüilg des BodemoucherS geschmückt, weil in der Stich- wähl die Mieterpartei ein Wort mitzniprechen hat, aber vernintlich soll für den Baiisicllen-Besitzcr Wolf eine AnSnahmebestiminung gesordert werden. „linste leitenden Grundsätze," heißt es in einem andre» liürgerparteilichcn Flugblatt für Wolf,„bleiben immerdar dieselben: Berücksichiigung der gebieterischen socialen Ansorderimgen unsrer Zeit, aber auf einem Boden, der deutlich bezeichnet wird durch unsre drei politischen Ideale Christentum, Vaterland, Man- a r ch i e!" Kinder- und Arbciterschntz, Bekämpsiing der Banslellen- Spclulaliou und ähnliche unbequeme Forderungen liegen für den „Freund socialer Reformen", den Bäckermeister und Baustcllcnbesitzer Wolf, anscheinend außerhalb dcö Bodens, den die Bürgcrpartei durch ihre drei„polilischen Ideale" bezeichnet glaubt. Von der S ocialdemokratie, die im 44. Bezirk für nnsren Genossen tLlorkc eintritt, sagt dasselbe Flugblatt, daß sie„die socialen Probleme zwar erkennt, sie aber aus einem Boden lösen will, der erst durch den Umsturz alles Bestehenden, insonderheit aller christlichen, vaterländischen und loitigslreuen Anschanungett in nnserm Volksleben geivonncn werden soll." Ach nein! Um die Ausgaben zu lösen, die die Berliner Socialdcniokralie sich für ihre Mitarbeit an der Koinmimal- Verwaltung gestellt hat, ist kein„llmsturz alles Bcstckiende»"»ölig. Da bedarf es nur eines klaren Blick- für die„gcbiercriicheii socialen Anforderungen unsrer Zeit", wie das Flugblatt so schön sagt, vor allem aber dcS ehrlichen Willen-, diese Anforderungen so zu perwirklichen, wie es die Gerechtigkeit verlangt. Bon klarem Blick für daS. waS not thiit, und ehrlichem Willen zur Gerechtigkeit ist freilich weder bei Herrn Wolf persönlich ctiva- zu merken, noch überhaupt bei der Bürgerpartei, die ihn den Wählern deS 14. Bezirks so warm cntpfiehlt. Die Piraten der Oberspree. Der Prozeß gegen die Räuberbande, welche im verflossenen September die Gegend an der Obcrsprce unsicher ge- macht hat. begann gestern vor dem Schtvnrgcricht des Landgerichts ll rinter dem Vorsitz des Landgericht-dircklors M e r s ch e i m. EL waren vier zum Teil noch recht jugendliche Personen, die nnt'cr de- sonderen Vorsichtsmaßregeln aus der UnterstichtingShast vorgeführt wurden. Hatten sie doch durch ihre Thalen bewieic». daß sie vcr- wcgene Gesellen und zu allem fähig waren. Der Arbeiter Max Rüting, der bei der Bande eine Art Fiihrerrvlle spielte, ist noch nicht 20 Jahre alt. der ztveite Angeklagte, Arbeiter Paul Pfeiffer, ist envas älter, die beiden Angeklagten Karl F e s i n g e r und Kurt N e u b c r t haben kaum das zwanzigste Jahr erreicht. Die Strafthaten, die den Angeklagten zur Last gelegt werden, werden von der Anklage in romantischer Weise geschildert. Die vier Personen, die mit Ausnahme Neuberts vielfache Vorstrafen aufzuweisen haben, verkehrten viel in dem vor- wiegend von Verbrechern besuchten Lokal von H e i n z e l in der Lübbencrslraßc. Hier verabredeten sie sich, eine des Dwiills" Räuberbande zu bilden» um die einsam an dem Gelände der Lberspree gelegenen Restaurationslokale auszuplündern. Natürlich mutzten die An- geklagten darauf vorbereitet sein, bei den Personen, die ein solches Lokal bewachten, auf Widerstand zn stoßen, sie versahen sich daher mit Revolvern und dazu gehöriger M u n i t i o n. Mit diesen Waffen soivie mit Messern. Brecheisen, Lichten nnd wa§ sonst zum Räuber- und Diebc-handwerk gehört, ausgerüstet, begaben sich die Angeklagten auf die Raubzüge, nachdem sie vorher jedesmal im Hcinzelschcn Lokal einen genauen Plan verabredet hatten. In der Nacht zum 10. September v. I. wurde der erste Raubzug unternommen, der dem einsam bei Friedrichshagen unweit dcS Müggelsees gelegenen Waldrestaurant„Rübezahl" galt. Die Angellagten wußten, daß da- Haus nur von dem Pächter der Restauration, dem Büffetier G i c s l e r und dessen Ehefrau bewohnt wurde. Gegen Mitternacht standen die Räuber vor der Thür. ES sollen damals fünf gewesen sein. GicSlcr nnd seine Ehefrau wurden durch laute- Klopsen an der Thür geweckt. Ms Gie-Ier aufgestanden war und von innen fragte, wer draußen sei, wurde zunächst e i n Schuß abgefeuert. Die Kugel drang durch die Thür und traf den dahinter stehenden Gieslcr an der linken Brustseite, ohne jedoch. nennenswerte Verletzungen zu verursachen. Gleich darauf wurde ein ziveitcr Schuß durch das Fenster des nach Osten gelegenen Schlafzimmers abgefeuert. Die Gieslcrscheu Eheleute zündetcil nun Licht au und fragten die Drmißcnstehendcn nach ihrem Begehr. „Rübezahl, gicb Geld heraus oder Blut!" rief eine Stimme. GieSler, der sich ebenfalls m-t einem Revolver bewaffnet hatte, sckwß nun auch von innen durch die Thür. Eine Stimme von draußen rief dann wieder:„Rübezahl, er- gebt Euch drinnen! Entweder bleibt Ihr drinnen liegen, oder wir draußen, Ihr seid aber nur zwei und wir sind mehrere!" Giesler bot den Räubern nun 20 SIL „Wegen zwanzig Mark sind wir nicht h c r g c- k o m m e n. w i r in ü s s e n 1 ö0 Mark haben!" winde ihm zugerufen. Gleichzeitig gewahrten die Belagerten, daß auch an der Hinlcrthür nnd den Fensterläden gerüttelt wurde. Tie Sache wurde immer bedrohlicher. Auf Zureden seiner Ehefrau nahm GieSler SO M. in Gold, wickelte es in Papier und gab es durch eine Spalte deS FensteAadenS hinaus. Tie Räuber besichtigten daS Lösegeld und erklärten dann, daß sie auch daS vorhandene Silbergeld haben müßten. Giesler raffte alles zusammen, Ivos er besaß, eS waren i 1 M., die er hinausreichte.„ N u n a u Ä a l l c S N i ck e l g c l d heraus!" verlangten die unersättlichem Giesler konnte ihneii nnr 4 M. geben. Inzwischen hatten die Räuber einen der Fensterläden gewaltsam abgerissen. Sie verlangten noch eine Flasche Rum und 80 Cigarrcn. Beides wurde ihnen hinauSgereicht.„Jetzt noch Brot und Wurst!" hieß es zuletzt. Frau Gieslcr machte sich mit zitternden Händen daran, fünf Schinkenstullen anzufertigen, dcmi die Räuber sagten, daß sie 5 Mann itarl seien. Als Fran Gieslcr die Eßware hinan-reichte, sah sie, daß einer der Räuber iminittelbar seitwärts neben dem Fenster stand, und den Revolver gegen ihre Brust richtete. Vor ihr standen drei Räuber, einer auf dem Tische, die beiden andern auf Stühlen zu seiner Rechten und feiner Linken. Alle drei richteten die Läufe ihrer Revolver gegen die Brust der Frau MeSler. Als diese vcrsuctite, den einen der Räuber etwas schärfer ins Auge zu fassen, rief derselbe ihr zu: „Kanaille» sieh mich nicht so an» ich schieße Dich gleich über den Haufen!" Ein andrer— wie Fran Gieslcr behauptet, ist es Rüting gewesen— rief ihr zu:„Die Alte hat uns Gift darauf gestreut, stirbt einer von unS, so bist Du morgen eine Lcickie!" Nim forderte» die Räuber von GieSler. daß er ihnen seine Ruder zum Boot hcranSxeicbe. sie wollten sein Boot benutzen, um über den See zu fahren. Gie-Ier mußte Folge leisten und nun entfernten sich die Räuber. Rüting rühmte sich noch damit. daß er im Januar bereits einmal bei Gieslcr einen EinbrnÄ verübt habe; zwei von den Räubern blieben als Wache vor dein Gic-Icrschen Grundstück zurück und drei entfernten sich. wobei Rüting zu den Zurückbleibenden äußerte: Wir treffen uns also am Steg beim M ü g g c I s ck> I o ß." Es wird angenommen, daß die Wachtposten nur zum Schein ausgestellt wurden, inn die Gieslerschen Eheleute davon abzuhalten. Lärm zn schlagen, daß vielmehr die Räuber insgesamt über den See gefahren sind. Da- Boot wurde am folgenden Tage bei der Anlegestelle des Restanranr- Nep.nnShain gefunden. Deo zweite Streich. Die Ausregung, die oeim Bekanntwerden dieser kaum glavblickien. Vorfälle hcrvorgcruscn wurde, steigerte sich, als die Knude sich ver- breitete, daß die Räuber in der Nacht zum 21. September einen neuen Raubzug veranstaltet und dabei noch ärger gc- haust hatten als im ersten Fall. Die vier Angeklagten, die sich am Nachmittag de- 20. September in dem Hemzclschcn Lokal trafen, verabredete dort einen neuen Plan, der in der koimnenden Nackt zur Ausführung gebracht werden sollte. Sic hatten bereits„ausbaldowert", daß sich das H a n s iche Neslanran.t, welches an einer einsamen Stelle in der Nahe von Grünau liegt, für rincii Uebersall eignere. Um II"» Uhr begab die Baude sieb mit der Stadtbahn nach Grünau. Es ivar bald noch MUterncicki/ als die Angeilagren vor dein Ziel standen. Zunächst überstiegen sie einen Bretterzaun, der das ganze Grundstück einfriedigte. Ein sich ilnieii eiirgcacnstellcndcr Wachhund wurde durch einen Revolverschuß nieder- gestreckt. Auf dem Grundstück betaNden sich zwei verschlossene Buden, deren eine zum Wurstverkauf. die andre zum Bierausschank dieiite. Erst wurde die Wurstbude erbrochen. Die Räuber erveiiteieii vier nnr Sachen von geringem Wert. Nim wandten sie sich der zweiten Bude zn. In dieser schlief der Jnbaber dc§ Lokals, der Rtstanraicnr Hanf, der erst erwachte, als die Räuber im Begriff waren, die Bude zu erbrechen. Er stand auf und machte Licht an. Kaum war die- geschehen, als von draußen durch die Fenster geichosscn wurde. Gleichzeitig wurde die Thür eingedrückt und im nächsten LUigenblick war Hans von den Räubern umringt. ES geschah dies so schnell, daß von dem Revolver, den er in der Hand hielt, keinen Gebrauch machen konnte. Im Nu war ihm die Waffe cmivundc». Hont mußte sich auf die Kante jeiiieS Bettes setzen, der 10jährige Angeklagte Rüting stand vor ibin, in der hock erhobenen Rechten das schwere Brecheisen, bereit. cS auf den Kopf dcS Wehrlosen nicderimnen zu lassen, sobald dieser eine Bc- wcgrmg machte. Cr mußte ansehen, wie die Räuber die Bude nach Beute durchsuchten. Rüting hatte beim Ucbersteigen über den Zau» seine Hose zerrisicn, er hatte die Frechheit, vor den Augen deS Hanf dessen'S o ii n t a g S h o s c anzuziehen, die an der Wand hing. Anck daS Bett des Wirts wurde miteriucht, sie fanden unter dem Kopfkissen ein Portemonnaie mit 14 M. Inhalt, während ein zweites Portemonnaie, daS 000 M. enthielt und im Strohsack verborgen war, dem Spürsinn der Räuber entging. Erhebliche Beute fanden sie auch hier nicht. Als die Durchsuchung beendet ivar, schlug Rüting vor, den Hanf mit einer e i s e r n e n K e t t e, die hinter dem Ofen hing, zu fesseln, um ihn daran zu verhindern, sie zu verfolgen. Hanf bat aber, davon Abitand zu nehmen und versprach, daß er sich ganz ruhig verhalten wolle. Die Räuber ließen sich dies noch in feierlicher Weise durch Handschlag bestätigen, bevor sie sich entfcniten. In derselben Nacht wollten sie »och dem reichlich'/» Stunde weit entfernten Restaurant „ W e n d e n s ch l o ß" einen Besuch abstatten. Sie fuhren mit einem Boot über die Dahme. Im„Wcndcnschloß" waren die Sicherheits- maßregeln aber besser getroffen, der Wächter war auf dem Posten und empfing die Räuber mit Revolverschüssen. Er erhielt auch Beistand von zwei anderen Personen, so daß die Räuber es vor- piiüUg, 6. Mit! IM. zogen, in den Wald zu flüchten, nachdem eine Anzahl Schüsse ge- wechselt waren. Die Behörde machte natürlich, sotveit die llcbcr- wachnng socialistischcr Arbeiter dies erlaubte, alle erdenklichen An- strcnguiigcn. den Räubern auf die Spur zu kommen, der Bevölkcrnng an. der Oberspree hatte sich bereits einer wahren Panik bemächtigt- Nach einigen Tagen gelang es den Bemühungen des Kriminal- kömmisfarins Damm, die vier Angeklagten dingfest zu machen. Der Zudrang zu der Verhandlung war außerordentlich stark, viele Hunderte mußten abgewiesen werden. Landgerichts-Dirckior Mcrscheim eröffnete die. Sitzung um 10 Uhr. Die Anllagebchörde vertritt der Erste Staatsanwalt Lad e m a n n, der Angeklagte Rüting wird vom Rechtsanwalt Löivh. Pfeiffer vom Rechtsanwalt Rosenberg, die Angeklagten Neubcr und Fesingcr werden vom Rechtsanwalt Max Ehodzißner verteidigt. Es sind gegen 40 Zeugen geladen. Die Angeklagten machten sämtlich den Eindruck von arbeitsscheuen Menschen,'ihre Gesichter tragen den Stempel der Frechheit und Verwegenheit. Ihre untersetzten Gestalten lassen ans Kraft und Gcivaudtheit schließen. Der Angeklagte Rüting widerrief bei seiner Vernchmimg das früher vor dem Kriminal- koinmissarinS Damm abgelegte Geständnis. Bei dem Uebersall im Restaurant Rübezahl fei er überhaupt nicht beteiligt. Erst am Nach- mittag des 20. September seien drei Personen, von denen er nur den Mitangeklagten Pfeiffer gekannt habe, im Heinzclschen Lokal an ihn herangetreten und hätten ihm den Vorschlag gemacht, mit ihnen nach Grünau zu fahren, es gäbe dort„cnvaS zu machen". Sie hätten erzählt. daß sie in der Nacht zuvor im Restaurant Rübezahl Geld erbeutet hätten und jetzt. einen gleichen Anschlag vorhätten. Er sei damit ein- verstanden gewesen. Sic seien bei der Abfahrt 8 Mann gewesen, Pfeifer nnd noch einer der Genossen hätten Revolver bei sich gesübrl, die übrigen nicht. Umerwcgs habe er eist gehört, daß einer der Teilnehmer an dem Raubzuge den Namen Ncnber führte. Von den Vorgängen im Hanfschen Lokal und beim Weudeuschlosse giebt der Ang'clloatc eine Schildernng. die sich im wesentlichen mit dem Vor- erzählten deckt. Er bleibt aber dabei, daß er selbst keinen Revolver bei sich geführt habe. Er könne sich der ganzen Vorgänge übrigens nur dunkel entsinnen, da er angetrunken gewesen sei. Der Angeklagte Pfeiffer erklärt, daß die Sache sich ganz anders verhalte, als i» der Anklage dargestellt sei, Rüting habe aber in manchen Punkten gelogen. Dieser habe gerade von vornherein einen Revolver bei sich geführt. Sie seien nicht fünf, sondern nur die vier Personen gewesen, die sich ans der Anklagebank befänden. Der AngeUagte F e s i n g e r ve- stntt, überhaiipr an einem der räuberischen Uebcrsälle beteiligt gewesen zn sein. Pfeiffer bezichtigte ihn anS Rache. weil er annehme, daß er, Fesinger, ihn verraten habe. Als der vierte Angeklagte, Neu der, dagegen behauptete. daß Fesinger wohl dabei gewesen ici. erklärte RechtsamiMlt Chodzieiiicr. daß er die Verteidigung des Fesingcr niederlegen müsse, da er es mit seiner Pflicht unvereinbar halte, zwei Angeklagte zn verteidigen, von denen der eine den andern belaste. ES wurde dem Angellagten Fesinger darauf ein neuer Verteidiger in der Person de- Rescrendaes ti. Simson gestellt. Fesinger cetläete NN», daß er einen Rechtsanwalt haben wolle. Seinem Wunjchc wurde nicht statt- gegeben. Der Angeklagte Nember bestreitet ebenfalls, beim Falle„Rübezahl' beteiligt gewesen zu sein. Die BeiveiSaufnahme beginnt mit der Vernehmung des Gastwirts Hcinzel. Er bekundet, daß ihm alle vier Angeklagten bekannt seien. Besonders Rüting und Pfeiffer seien bänstg bei ihm verkehrt. Am Tage nach dem Uebersall am Müggelsee sei das Ereignis in seinem Lokal bc- sprocven worden. Bei dieser Gelegenheit habe der Angeklagte Pfeiffer die AeiitzcrnNg gctba»:„Vater Hcinzel. Ilnieii müßten wir eigent- licii Ihr Geld auch mal abnehmen." Ter Zeuge habe erwidert: „Nun, das wird wohl so leicht nicht sein, ich bin ein alter Soldat." Darauf habe Pfeiffer entgegnet:„Ach was, Sie kriegen eine Kugel zwischen die Rippe», bevor sie die Thür geöffnet haben." Der Zeitgc habe damals das ganze Gespräch alö Scherz aufgefaßt: erst nachdem er die Einzelheiten über dcii Uebersall erfahren habe, sei ihm aufgcsallcn, daß dabei in gleicher Weise vorgegangen ivoedcn war. Ter folgende Zeuge. Resrnimilenr Giesler, der Pächter des Lokals„3! ü b e z a h l". ist der Ansicht, daß weder er noch seine Ehe- fran mir dem Leven davongckoiiiincii wären, wenn sie die Ränhcr nicht befriedigt hätten. Seine Ehcsean habe in ihrer Angst die Butter- brolc io statt mit Schinken belegt, wie eS sonst nicht vorkomme. Mit aller Bestimmtheit erkenne iv die Angeklagten Rüting und Neuber wieder,>>ei den Angeklagten Pfeiffer und Fesinger sei er im Zweifel. Die Ränder müßten wasiervertrante Menschen gewesen sein, cen» in jener Nacht sei cS stürmisch und die Uebcrfahrt über den Müggelsee sei lcinesivcgS gefahrlos gewesen. Beim Fortgehen habe Rül'nig geragt:„Nim. Nüvezahl. weißt Dil denn, wer am 17. Januar bei Dir war und die Bude onSrännne? Da- war ich." Der Zeuge Hot bemeetl, daß zwei von den lliäubern zmückblieben und vor der Thür Waa e hielien. Er bat erst des MoegenS gegen 7 Uhr das Hans verlassen tonnen. Die Ehefrau GieSler schildert die Bor» lomnuiisje in der SaireckenSmicht in derselben Weise wie ihr Ehemann. Die Zeugin erkennt die Angeklagten Rntimz.j Pfeiffer und Fesingcr mit Bestimmtheit wieder, in betreff de» Angeklagten xeuber ist sie unsicher Zweifellos feien es im ganzen fünf Mann gewesen. Ter Angeklagte Niüting erklärt allen belastenden Aussagen gegenüber ein- fach mit lächelndem Munde:„DaS ist nicht wahr!" Kriminalkommissar Tamm» der die Ermittelungen nach den Thäter» angestellt hat, bekundet, daß er sicki eines B i g> l a u t e n Nainens S o m»i e r bedient hat. Der- selbe babe ihm wesentlich Hilfe geleistet. Als der Zeuge erfahren habe, daß Rüting der Mann sei, auf den die Beschreibung des HaupllhäterS paßte, habe er ihn einige Tage nach' dem Hainichen Ueherfall morgens frstglpiomme». Durch Darreichung von Kaffee und Pöteifleisw habe er den sonst so vorsichtigen Rüting iniiteiliam und gesprämig gemacht und ihn nach und nach zu eineiii Grständnis bewogen, da- er sofort schriftlich festgelegt habe. Noch während der Vernehmung lliiillings sei der gleichfalls verhaftete An- gcliagre Pfeiffer dein Zeugen vorgeführt ivorden. Rütling habe so- fort zu Pfeiffer gefugt: Gestehe nur ein. wie ich es gethaii habe!— Dann seien aucb die beide» letzten Angeklagte» am Morgen darauf im Hcinzelschen Lokal verhaftet worden, man habe sie aber wieder entlassen müssen, da nicht genügendc Verdachlsmiistände gegen sie vorlagen. Nach ztvei Tagen seien dann Thatfachcu z» Tage'getreten. wodurch die Wiederverhasttiiig dcS Fesinger und Neubcr' sich recht- fertige,, ließ. Rüting habe später erklärt, daß er sich bei seiner ersten polizeilichen Vernehmung in einem solchen Zustande der Aus- regmig bestiiidcn habe, daß er für sein Geständnis nicht vcrantwort- lich zu machen sei. Geniiitsmcnschcn. Kriminal- Wachtmeister Lange, der ebenfalls bei den Et» Mittelungen und bei der Berhaftiing der Räuber beteiligt war, ist auch bei der ersten Vernehmung des Rüting zugegen gewesen. Er bestreitet entschieden, daß derselbe sich in besonderer Erregniig befunden balie, rubig und tiar habe er sein GcständniS ab- gelegt. Zeuge Häuf, der in dem zweiten Fall Beraiibre. ist ein 04jnhriger Mann, der bei Grünau eine kleine, notdürfiig eingerichtete Schankwirlschaft besitzt. Es sei ihm miniöglich aeiveieti. sich gegen die Ucbcrinacht zu wehre». Nachdem die Stäitbcr ihn ans- geplündert hatten, habe er sie sogar noch eingeladen, ein GlaS Pier mit ihm zn trinken, welche Eniladnng auch angeuommen worden sei. Er habe Bier ans dem Keller geholt, das fie'in aller Eintracht zusammen zu sich genommen hätten. Nun sei Rüting von einem An- falle von Großmut ergriffe» morden, derselbe habe ihm aus freien Stücken die Taschenuhr zurückgegeben, die er ihm zuvor geraubt. Beim Fortgehen hätten sich die Muber dahin geäußert, daß sie noch ellvaS vor hätten, wobei sie auf viel Geld rechneten, treffe dies zu, so solle der Zeuge das ihm geraubte zurück- erhalten. Der Angeklagte Rüting erklärt hierzu, daß der alte Mann besonders de» Verlust seiner SonntagShose bejammert habe, »vorauf er versprochen habe, ihm dieselbe später zurückzugeben. Vci Erörterung des letzten Falles betreffend den verfehlten Ucdcrfall des Restaurants„Weudenschloß" kommt noch zur Sprache. daß der Wächter'Schulz bei dem Kampfe mjt. de» Räubern durch einen Revolverschuß leicht an der Hand verivundct Ivurde. Landrichter»votky, der die Voruirtersuchmig geführt hat. bekundete, daß der Vigilant Sominerl der belastende Aussagen gegen die Angeklagten machte, große Angst verraten habe. Er habe hiinmel« hoch gebeten, daß»nau die Rolle, die er spiele, nicht bekannt gäbe, er müsse sonst befürchten, demnächst eine lrtugcl vor den Kops zu bekonnnen. Krtininalkoninnssar Dan»»» fügt seiner Aussage noch hinzu, daß die Angeklagten unter sich das Versprechen abgelegt hatten, daß für denjenigen, der zuerst verhaftet lvürdc, von den übrigen zwecks S e l b st b eck v st izz n n g eingezahlt werden solle. Fesinger und Renher hätten dies Vetsprcchcn nicht gehalten und drZhalb habe Rüting sie preisgegeben. Der Angeklagte Fesinger berief sich noch ans zlvei Zeugen»md beharrte troß aller Gegenvorstellungen daraus, daß er nicht ans sie verzichten könne. linier andern behauptete er, daß er in der frag- lichen'Zeit alle Rächte bei der löjährigcn Tochter der Schankwirt Heintzclschei» Eheleute zugebracht habe. Das Mädchen soll geholt und bis dahin eine Pause gemacht»verdcu. (Schluß siehe Hauptblatt.) SotilildemokraNscher Mahlvemn für den 2. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, de» 6. März, abends 81 e Uhr. Hasenhcidc 52—53 (früher B i ck e l): WW" Versammlung, Tages-Ordnung: I. Vortrag des ReichswgSiAl'gcordncten Noaen»«- über: deutsche Bauernkrieg". 2. Diskussion, Verschiedenes. Gäbe habe»» Zutritt."WL Zahlreiche» Besuch erwartet 2'i8/5 Der Borstand. Der 8l>l!isI>Iöii>l>!!Ml:>iU Walihmin für den dritten Berliner Reiebstep- Wahlkreis. Dienötag. den 6, März, abendS 8 Uhr, im Lokale..St e»» c S K l» b h a u ö". Kommandantenstr. 72: "WD Tages-Ordnung: l. Die kox Heiuze u»d die Sittlichkeitsfrage. Rcicreut Reichs� tazS-Abgeordncter �'«IkAanx Uvtne. 2. Diskuisioil. it. Vereins- augelcgenhcite». 240,8 Wäftc iiabcii Zutritt. Neue Mitglieder werde»» aufgenommen. Die Bersammlnng»vird pünktlich eröffnet. 240/S vou Vol'tttaiul. Achwng.Holzarbeiter Heute(Dienstag) vormittags 1V Ilhr VösBAirniiliiiiZlüi t StnulondGii. Für den o�teit: Brauerei Friedriebsbain (Lilpps) St in Friedrichshai» 22 SN. Für den«ml-dVfrtvi»: Sanssouci, Für den Norden: Wernaus Festsäle, SO/U Tchwedterftrafie 28 24. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Dienstag, denlHer. Rosenthalerstr. 57;_ Mitglieder- Versammlttttg der Filiale IV des CentralvcrbandcS d. Maurer Dentschlandö. Tages- Ordnung: l. Wahl von BczirkSführern und Neuwahl des Vorstandes. 2.(Äewerk- schaftliches. 3. Verichicdencs. biß Ter Vertrauensmann. Es ist Pflicht es jeden Kollegen, pünktlich z» erscheinen. Achtung! Rabitzputzer. Mittwoch, den 7. März, abends 8 llhr. Alte Jakobstrahe 75: Ansserordenliiebe Mitglieder-Versammlung der Zahlstelle Berlin III des Central- Verbands deutscher Maurer. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zur Lohnreduzicrung der Firma Günther u. Sollwedel. 2. Verschiedenes. Die Urtllebe Verssalt nng. NB. Die Kollegen der Firma Günther». Sollwedel sind ertra zu dieser Versammlung eingeladen. s2ö2/4 Ardeiter- Vertreter- SBemn. Donnerstag, den 8. März 1900. abends 8 Vi Uhr bei Dnske, Cirenadlcrstr. 33 Mitglieder-Berianimlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag über das neue Jnvaliditätögesetz. 2. Diskussion. Z. Verschiedenes. Die Petition zum UnfallversicheruiigSgeich gelangt zur Ausgabe. Gäiie durch Mitglieder eingeführt haben Zutritt. Rege Beteiligung erwünscht 53/1 Der Vorstand. Textilarbeiter u. Arbeiterinnen. Mittwoch, d. 7. März 1900, abendS 8Vz llhr, bei Frltc Wllke, Andreasstr. 26: Gkffkiitl. Verslimmliiilg der Mer. Tages-Ordn»«g: l. Vortrag des Kollegen Hübsch. 2. DiSkussion. 3. Verschiedenes. Die Arbciier und Arbeiterinnen der Färberei von Kuucrt. Heiftmanu und der Belvet-Fabrik i» der Köpnickcrsträbe sind zu dieser Versammlung hierdurch ganz besonders eingeladen. 197/2 Der Vei-sranenaniann. Uftbanii Dpi Suttlpr. Appzipm und vtrw. Bernfsgen. DenWiands. Mittwoch, den 7. Mörz, abends 8 Uhr. ln> Enellselten Hof Reue Roxstrahe 3. Oeffenkl. VovsQtNtttluZlg 156/16 Tagesordnung: 1. Der Streit bei den Firmen Eckert, Rcichelt, Weiser u. Duwe. Referent Joh. Sasseubach. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die betreffende» Fabrikanten sind brieflich eingeladen.— Um zahlreiches Erschelnen wird ersucht. Tie Ztgitatioiiskommission Berlin I. AM««! Parkettleger, am»«! Mittwoch, den 7. März, abendS 8 Uhr, bei B u S k e» Greuadierstr. 33: � VersQNttulnng. TageS-Ovduung: 1. Wie stellen sich die Kollegen der Ruckivrache mit den Fabrikanten gegenüber? 2. Wabl einer Berhaiidluugslomniissio». 3. Verschiedenes. Es ist uotivendig, daß, wegen der wichtige» Tagesordunng jeder Kollege erscheint. Die Kommission der Parkettleger. Dentralverein der Dildhauer. SV Sonnabend, den 10. März 1900. abends 8V- llhr.-MW im Konzerthaus Annssonel, Kottbuserstr. 4a: Bauernfest in Zinshansen mit Iinnioristlachcm Fenteplel, Vorträgen usw. Bauernkoftüme zu herabgesetzten Preisen sind von 3— SM. bei Zienecker, Friedrichstr. 34, und l,o0— 2 M. bei Cordt, Reichenbcrgerftr. l37, zu haben. BilletS a 50 Pf. inll. Tanz sind zu entnehmen bei den Kollegen Trautvetter, Krautstr. 28, III.; Meuer, Engel- Ufer 2 b. IV.; S t ö tz e r, Joscphstr. 10, H.; und heute abend in» VereinSlolal, Köpnickerstr. 62. Nur zahlreichen Besuch im Bauernkostüm bitte» 30/111_ Das Komitee. ipv Rixdorf. Mittwoch, de» 7. März 1906. abendS 8V- Uhr. im.Apollo- Theater, Herm.nnsirahe 48—50: Große Volks-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen G. Günther über„Atters-, Jnvaliditäts- und IliifallversicheruiigS-Gcsctz". 2. Diskussion und Beschlusifaffung über die Petition zur Unfallgesetz-Rovelle. 3. Der Ausstand der hiesigen Tüchlcr, Möbclvolierer»sw. 4. Berichiedenes. 202/13 Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist eS Pflicht der Arbeiter und Arbelterimie» Rlrdorks, in dieser Versaimülung zu erscheinen. Der Bertrauensmann der Gewerkschaften Rixdorss. Lichtenberg. Friedrichsberg. Montag. 12. März, abendS 8'/z Uhr, bei Herr» Höflich (Schwarzer Adler). Jrankfnrtcr Ehauffee 420: Uolks- Uerjammwng Tages-Ordnung: l. Au» dem Reichstage. Referent RcichStags-Abgeordneter P. Singer. 2. Dislussio». 222/6 Um zahlreiches und pünktliches Elschemen ersucht Der Vertranensrnann- Heute(Dienstag) abends H1/, llhr, bei Haberecht, Grotze FrankNirterstraße 3!r. 30 IstalUMlder-T ortrag vom prall. Naturheilk. Ärundmanu über Lungen- uud Magenleiden _ Gntstehiing, Berhütung und sichere Heilung. Männer n. Krauen wtNkoiiimen. Entree 20 Ps. Broschüre»rei �WM Nm zabireiches Erichcinco bittet Verein für VatnrheUverf. Geschäftsstelle: Köpnickerstr. 72, Röhe Krückenstraßc. Sprechst. 11—2, 6—8. Keseiisclinfts-HnW ,,I�nnd«lDst�. MW iv Wcberstr. 17. /znh.; Gust. Brochnow. Telephon VII 1663. WWW ca. KiOO Personen fassend.— VcreiuSzimuier mit Piano. IMWU Wett Mi".w°ch: Grosser Halt. Donnerstags, nachmittags 3 llhr: Diteker-«all. Zur prachivollcr Naturgarte» mit Lanbengang, 500 Personen 8omm»r-8,ison: sasiend. elegant eingerichiet.>W Sonnabende frei. � Täglich zu allen Festlichkeiten und Bersammimigen zu vergeben.* uober 2000 Stück Hintersehinken. rfund 7S Pf. 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DhrnivL Direktion: So»« 8er«noi>, Abends 7i/z Uhr: Die Puppe. Ponp�e). Operette in 1 Akten und einem Vor- spiel von Ordoiliieau und Sturgest, Muslk voll Gd, Audran. Morgen und solgeude Tage: Die Puppe(La Poupee). Sonutaguachuiittag 4 Uhr zu hawen Preisen: 0»r S«tt»I»tuck«nt, Von C, Millöcker, eiss-Theater Gr, Srnnksurterstraftr lli«. Uon Stufe zu Stufe. Levensbild mit Gesang in ö Bildern von H, Müller, SC Anfang 8 Uhr,"Ms Dorzugsbillets haben Gültigleit. Im Tunirel von 7 Uhr an Frei- Konzert. Morgen: Dieselbe Vorstellung, Sonnabendnachmittag: Kinder> Vorstellung: It»».Tltlrebea vom falschen Prinzen. In Vorbereitung: Der Miuentönig von Transvaal. Grostes aktuelles Zeitgemälde in zwölf Bildem von E, Ritierseldl, Borlovuucnde Personen: 0km strllgor, cisnoroi öoubort, lienoral Lrons«, vonorol Lucs« Illo>or. Seile-Kllisvee-Ikesler. Gastspiel Pmil Richard. 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Dienstag iliid Donnerstag nach der Vorstelliing: Tanzkräuzche». ZelivliiikslZsslkii. Ivdoar Soattttttg von ,|>/2 Uhr»achlllittags aim Vmll. Im April und Mai ist Garten und Saal an Wochentagen an Vereine zu vergeben. 3S37L rrnuis—i iim—iniiii Urania Tanbcnstrasso 48/4«. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen znm Vesnv" Hörsaal: — Dr. Kass;„Das Bier".- Invalidcnstr. 57/(1»: . Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. [Tm! eu! 3 CASTANS PANOPTICÜM Xcu! Sfen! X eti Ein Riese der englischen Armee Sergeant Th. Dalroy Ä m SO cm hoch! Oberbayrische Sänger und Schuhplattler• t» eselisch alt. Anatomisclies Iseum im Passage-Panopticum. Geöffnet 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Dicnstnsr, den S. Rürz er., abends ßJ/u Uhr; Vortrag; nur für Damen: — Hodethorhelten und Alkohol.— 'Passage-Panopticum; Geöffnet 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Tätlich: Thealer Yariele.sfc Auftreten des indischen Fakirs Kalakutta — und des Zauberkünstlers— 1fr. Jerome. itropol-Theater. Täglich um 9 Uhr 30: Verkehrte Welt! mit der hochorizinellen Weiber-Parade. Vorher: Dos große März- vinlssu» The 8 Diamant«. DeltorcIliTrio, PredGUIct, SandorTrio. Ctcorg Kaiser, The Daytons, Mary Wolf JC. sc. Ansang all Wochentagen um s, an Sonntage» T/, Uhr,_ Palast-Theatep früher Feen- Palast, Bnrgstr, 22! Das in Berlin einzig dastehende Riesen» stlür�- Programm! Toicnder Beilall! Endloser Jubel! ertönt allabendlich bei dem Auftreten des durchlvea neu engagierten SC Speeialitäten- Personals. Ueberzeugung macht wahr!!! IVO M, erhält jeder Besucher, der ein gleiches Programm nachweist. Um 8', Uhr: Wicder-Auftreten des Direktors Wilhelm Fröbcl in der iniverwüstlichen Gesangsburleske Der selige Zwiebelinann. Hauptrollen: Dir. Winkler u, Fröbel, Ansang 7Vz Uhr, ttouzcrt 6>/2 Uhr, Borverkanf 11— 1 Uhr, Freitag, den 9. und Sonnabend, den lv, März wegen Vcreinssestlich- keil geschlossen! Wedding-Park 91 ü 1 1 e r• 8 t r a s s e 178. <57- Norddeutsehe Sängrep. Blegler, Wolf. 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Lebensjahre, Der Verein verliert in dem Ver- storbencn ein treues Mitglied, Wir werden ihm stets ein treues Andenken bewahren. Möge ihm die Erde leicht sein. vle Kollegen von Patrle Nschtl. Reinickendorf. .Banarbeiter! (Zahlstelle Berlin 111.) Nachruf. Am 23. v, Mts, starb an der Proletarierkrankhcit unser Verbands- lollege Hermann Kastner im 35. Lebensjahre, Ehre seinem Andenken! Nachruf. Am Freitag, den 23, Februar 1900, wurde ein langjähriges Mitglied, unser Sangesbruder, der Schmied Prili Uwefeni von der Irrenanstalt Dalldorf aus beerdigt, 2747b Da wir aus uns unbelannten Gründe» von den Verwandten nicht benachrichtigt worden sind, so konnten wir nidjt»nsrc Pflicht erfüllen, ihm, wie üblich, als Sangeöbruder den letzten Sdicidegrub darzubringen. Wir rufen nun dem Mitbegründer nnsrcs Vereins ein Ruhe sauft nach, Männergesangvereln Niamcnlos. DMsagllll«. Für die uns in so reichem Mäste bewiesene Teilnahme bei der Beerdigung meilics geliebten Mannes, nnsres nnvergcstlichen Vaters, des Metalldrehers »ermann Weber sagen wir hiermit allen Freun- den, Bekannten und Verwandten, insbesondere den Kollegen der Firma Siemens», Halste und dem ZGesangverei» Kreuzberger Harmnnic»iisrcil innigsten Dank, Marie»Seber geb. Bartels nebst Kinder» Willy. Lnric. Grunewald, Gillstr, 5, Für die liebevollen Beweise herz- lid>er Teilnahme bei der Beerdigung metner lieben Frau sage allen melncu tiefgefühlten Dank, 2735b] A. Seiler. Danksag: 11 n ff. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebte» Mlannes sagen wir allen Beteiligten, besonders noch Herrn Werkmeister Müller für seinen Liebes- dienst, sowie sämtlichen Herren Kollegen des SaaleS 17 der A,-E,-G. unsren herzlichsten Dank, 2743b Ersu Emilie Andree Wwe. nebst Kindern. Virlangen Sie gratis u. franko meinenl illustr. 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I>Ävkei-ZrAitzvichken. Falsche Spekulation. Die»Konservative Korrespondenz" bc- müht sich, hinter dem Wechsel in der Redaktion der„Sächsischen Arbeiter-Zeilnng" irgend ein geheimnisvolles Walten zu ergründen, bei dem der Vorstand der socialdemokratischen Partei seine Hand im Spiel habe. Sie schreibt: „Die„Sächsische Arbeiter- Zeitung" scheint wieder einmal an Hanpt und Gliedern„reformiert" werden zu sollen. Der leitende Redacteur. Herr Ledebonr, legt zum 1. April sein Amt nieder und ihm folgen noch zwei Redactcnre. Hat etwa die socialdcmokratische Parteileitung, die oftmals von dem sächsischen Blatte ganz gehörig angegriffen worden ist. die Hand im Spiel? Zu verwunderir wäre es nicht." Die„Konservative Korrespondenz" mag sich beruhigen, die Hand des Parteivorstands reicht nicht so weit und die Dresdener Parter genossen sind vollkommen frei in ihreu Entschlüssen. Sociales. Die Revision des KrankenversichcrnngS- Gesetzes ist be- kanntlich für die nächste Session des Reichstags in Aussicht ge- nommen. Nach der„Südd. Reichs-Korresp." scheinen gegenwärtig Erhebungen bei den Regierungen über folgende Punkte statt- zufinden: 1. Um einen lückenlosen Anschluß der Invaliden- Versicherung zu erreichen, dürste es geboten erscheinen, eine Erhöhung der gesetzlichen Mindestdauer des Krankcngeldbeznges im Falle der Erwerbsunfähigkeit von 13 auf 26 Wochen ins Auge zu fassen. Die Mehrbelastung, welche den Krankenkassen durch diese erhöhte Leistung erwachsen würde, beträgt nach überschläglichen Ermittlungen voraussichtlich nicht mehr als ISProz. der Gcsamtlast. 2. Es wäre zu erwägen, ob nicht zu der Frage der freien Arztwahl im Gesetz Stellung zu nehmen wäre und 3. ob es nicht ratsam er- scheint, im Gesetz selbst zu bestimmen, inwielveit die Behandlung durch andre als approbierte Aerzte gestattet sei» soll. 4. Es wäre ferner zu erwägen, ob nicht ein günstigeres Verhältnis zlviicheu den VerwaltungSkoslen und den Äassenleistungen durch Vereinfachung der Organisation zu erreichen wäre. Aus dvv �vsueubctU'''lgttttg. Neber die Zulassung von Fronen an der Universität Gießen erläßt Staatsnnnister Rothe Bestimmungen, die mit dem 1. April ISOO in Kraft treten sollen. Danach können Frauen auf ein schriftliches Gesuch an den Rektor als Hospitantinnen auf- genommen werden. Neben der Angabe, welches Fach hauptsächlich gewählt ist, sind dem Gesuch beizulegen: Ausweise über die wissenschaftliche Vorbildung, ein Lebenslauf, die etwa schon auf Hochschulen empfangenen Studicnausweise und die Quittung des Qnästors. Die Aufnahmegebühr beträgt 10 M., für Franc». die schon an einer Universität hospitiert oder studiert haben. 5 M. lieber die Aufnahme entscheidet der Rektor, ebenso über die Zu- länglichkeit der Vorbildungsauswcise. Die Docenten haben ihre schriftliche Einwilligung zur Zulassung zu ihren Vorlesungen oder Hebungen zu geben. Versagt der Rektor die Aufnahme, so' kann die Entscheidung des Senats angerufen werden. Für bestimmte Vor- lesunge» kann der Rektor ans Antrag des Docenten diesen die allgemeine Ermächtigung zur Zulassung von Frauen erteilen. L�okttles. Zur Lokalliste. Der Arbeiterschaft Berlins zur Nachricht, daß die C e n t r a l- F e st s ä l e. Alte Jalokstr. 32(früher Schmiedel). gesperrt sind. Die Vereine, Klubs zc. wollen hiervon Notiz uehnien. Die Lokalkommission. Der Wahlvcrein für den 8. ReichStagö-WahlkrciS hält am Dienstag, abends 8Ve Uhr, Hasenheidc 52,63, eine Versammlung ab. Bortrag des Reichstags-Abgeordnetc» R o s e n o w„Der deutsche Bauernkrieg". Gäste haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Der Porstand. Tritter Wahlkreis. Heute, Dienstag, abends 8 Uhr. spricht Reichslags-Abgeordneler Wolfgang Heine im Lokal»Neues Klub- haus". Kommaiidantenstr. 72, im Wahlverci» des 3. Reichstags- Wahlkreises über:»Die lex Hcinze und die Sittlichkeitsfrage." Außerdem Diskussion und Vcrcinsangclegcnhcitc». Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder iverden aufgenommen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Geistige Armut. Ter EtatSausschnß der Stadtverordneten- Versammlung hat bekanntlich in seiner letzten Sitzung bei der Stadtvcrordncten-Versammlung eine» Antrag eingereicht, wonach der Magistrat ersucht werden soll, den Beschluß vom 10. Mai 1809, die Waisenkinder aus dem St. Joseph-Waisenbause zu Potsdam zu entfernen, nunmehr schnellstens zur Aufführung zn bringen, und, sollten fortgesetzt katholische Pflcgestelle» nicht zu Hobe» sein, die Kinder r>nbesckadct ihrer katholischen Erziehung in geschlossene städtische Waisenpflege zu nehmen. Diesen Antrag legt die ultramontanc„Mark. VolkSztg." mit gewaltigem Geschrei dahin aus, daß die katholischen Waisenkinder einfach pro te st a nti s ch gemacht werden sollen. Es ist eine zu große Schmeichelei für den Protestantismus, wenn die katholische Zeitung gcivisscnnaßen als Merkmal der von ihr gehaßten Glaubcusrichtniig eine Erziehung kennzeichnet, in der Unthaten. ivie die Schwester Karola sie verübt hat, zu de» Unmöglichkeiten gehören. Der EtatSauSschntz will die in Betracht kommenden Kinder durchaus nicht der Religion berauben, der sie durch den Zufall der Geburt angehören; er übt nur seine Pflicht, wenn er den Magistrat an die Abschaffung eines Zustaudes erinnert, von dem man nach de» bekaiuneii skandalösen Lorgängen glauben sollte, daß er schon aus Mitgefühl für die in Betracht kommenden Waisen l ä n g st beseitigt wäre. Tie Influenza verursachte in der Woche vom 11.— 17. Februar 94 SrerbestiNe. Die Seuche scheint jedoch ihren Höhepunkt damit bereit« überschritte» zu haben; denn in der folgenden Woche vom 18.— 24. Februar ging die Zahl der Jnflnenza-Sierbefällc nach den bis jetzt vorliegenden ärztlichen Meldungen wieder unter 90 zurück. Die Gesamt- Sterblichkeit stellte sich in der Woche vom 11.— 17. Februar auf 861 Fälle, für eine Winterwoche eine ganz ungewöhnlich hohe Zahl. Lungenschwindsucht war daran mit 115, Lungenenkzun- dung mit 73 Fälle» beteiligt. Ein Wintersonntag. Glich der Somitag vor acht Tagen einem herrlichen Frühlingsmg, so brachte der vorgestrige unS noch einmal alle Unbilden des Winters. Vom Morgen bis zum Abend dichtes Schneegestöber. Vor acht Tage» zeigte das Thermometer 15 Grad Wärme im Schatten, vorgestern tonnte die Quecksilbersäule sich nicht bis zum Nullpunkt erheben und sank nach und nach bis 6 Uhr nach- mittags auf 4 Grad herab. Infolge dcö� Frostes und dcS sich stetig steigernden Schneefalls waren die Geleise der Straßenbahn, die vorher mit dünnem Brei gefüllt waren, durch eine dicke Masse zuqctcigt und ließen eine unbehinderte Fahrt nicht mehr zu. Die cleklrischen Accuniulatorwagen konnten trotz des größeren Strom- Verbrauchs die Arbeit nicht schaffe» und mutzten an Kurven und An- höben von, Publilui» verlassen Iverden. In der Ringbahn mit einen, Anhängewagen am Brandenburger Thor wurde das Licht immer schwächer. Das Publikum»nutzte heraus und bis au die Oberleitung an der Kronprinzenbrücke zu Fuß gehen, auch den Wagen schiebe». In der Leipziger- und Potsdamerstraße sah es ähnlich aus. wenn auch die Versager weniger häufig vorkamen.< Die Disciplinar- Untersuchung gegen den Gemeindeschnl Rektor Tröge und die Gemeindeschul-Lehrcrin Egger schwebt schon seit dem Sommer 1899. Seit dieser Zeit war Dröge auch bereits vom Amt suspendiert. Die Untersuchung erstreckte sich anfangs nur auf die Beziehungen, die zwischen Dröge und der Egger bestanden haben, nicht auch auf die Vergehunge», denen sich Dröge gegen seine Schülerinnen schuldig gemacht haben soll. Erst im Lauf der Untersuchung scheint auch darüber manches zu Tage gekommen zu sein. Unter den ehe maligen Schülcrinnen der von Dröge geleiteten 63. Gcmeindeschule, die als Zeuginnen veniommen wurden, waren solche, die bereits Ansang der 90er Jahre nach Vollendung der Schulpflicht die Schule ver- lassen haben. Daß Dröge nicht nur zu der Lehrerin Egger, sondern auch zu einigen seiner Schülerinnen unerlaubte Beziehungen unter halte, galt schon in den Jahren 1890 und 1891 unter den Schüle- rinnen der 2. und 1. Klasse der 63. Gemeiudeschule als ausgemacht. Dröge, der jetzt 57 Jahre alt ist. steht seit 1863 im öffentlichen Lehramt und»st seit 1835 Rektor. Die Lehrerin Egger kam 1889, zunächst als Vertreterin, an die von Dröge geleitete Schule. Große Teilnahme wurde der Lehrerin Martha Egger erlviesen, deren Leiche an, Montagnachmittag um 3 Uhr in der Nähe der Stelle auf dem Georgen-Kirchhof beerdigt wurde, wo sie vor acht Tagen ihrem Leben ein Ziel gesetzt hatte. Der gelbe, reich mit Blumen geschmückte Sarg war in der Halle anfgebahrt. Man sah in der Trauerversanmilnng den Stadt-Schulinspekior v. Fischer, den Rektor Gilbert mit den Lehrern und Lehrerinnen der 84. Gemeindeschule in der Keibelstraße, der die Verstorbene während der letzten 11 Monate angehörte, sowie die erste und zweite Klasse dieser Schule. Von der 63. Gcmeindeschule, wo die schlimme Wendung eintrat, waren zwei Lehrer gekommen. Viele spendeten Kränze. I» einer Mitteilung über byzantinische Aufdringlichkeiten im Tiergarten heißt es in der„Verl. Ztg.":„Am ungeniertesten be- nehmen sich dabei die weiblichen Neugierigen, die nur, um einen Blick dcS Kaisers zu erhasche», manchmal drei- bis viermal vorbcilaufen und grüßen. Man kann öfter beobachten, daß eine An- zahl Damen lange vor dem Erscheinen des Kaisers auf den von oeni Monarchen benutzten Wegen Änfstcllung nehmen und sich im K nixemachen üben. Die begleitenden Polizeibeamten in Civil haben die größte Mühe, die Ausdringlichen in die gebührenden Grenzen zurückzuweisen." Sollten ehrbare Frauen und Jungfrauen aus bürgerlichen Kreisen wirklich so aufdringlich sein? Wenn' die Mitteilungen an sich auch wahr sein mögen, so liegt vielleicht bezüglich der Personen ei» Irr- tum vor. Offenbar hat die»Bcrl. Ztg." Damen der Halbwelt mit wirklichen Damen verwechselt. Vom Raubzug der Kohlenbarone. Eine abcrnialige Er« höhung der Kohle n preise steht in Aussicht. Die schon überaus hohe» Kohlenpreise werden in den nächsten Tagen eine weitere Steigerung erfahren, da die schlesischen Bergwerke seit Sonn- abend einen bedeutenden Preisauffchlag auf Steinkohlen gesetzt haben. Während die iiiederschlcsiichen Gruben durchschnittlich den Centncr- preis um 3 Pfennig erhöhten. werden von den oberschlesischen 6—8, von der ihrer guten Erzeugnisse wegen begehrtesten, der»Emanucls- segengrube" sogar 12 Pfennig pro Centncr mehr verlangt. Auch von sächsischen Bergwerken sind wiederum Preisaufschläge zu ver- zeichnen. Gegenivärtig ist der Centner im Kleinhandel für 1,30 bis 1,40 Mark erhältlich. Diebstähle in der Konfektion. Durch die Entdeckung des Hcblernestes in der F r i e d r i ch st r a ß e und die Verhaftung des Obsthändlers L ü t t g e n s, ist die Polizei auch anf die Spur einer Diebesbande, welche sämtlich Angestellte eines im Süden der Stadt belegenen großen Konfektionsgeschäfts sind, gekommen. Als die Beamten mit der Durchsuchung des Obstkcllcrs beschäftigt ivaren, erschien dart ein junger Mann, der den Obsthändler zü sprechen wünschte. Durch das scheue Benehmen des Mensche» aufmerksam gemocht, »ahmen die Beamten ihn energisch ins Gebet und er gestand dann auch, daß er einige Meter seidene Spitzen im Auftrage der Direktrice S. Lüttgens übergeben, und derDamc20M. vonL. dafürüberbringen sollte. Ter junge Mann, ein Hausdiener Thale, der auch in dem be- treffenden Konfektionsgeschäft angestellt ist, gab nun weiter zn Pro- tokoll, daß er sehr oft vonsder Direktrice, der Verkäuferin und den beiden Bnchbaltcr» Paul M. und Albert B. mit Waren zu Lllttgens gc- sandt werde. Da sich im weiteren Verhör mit dem Hausdiener hcransftellte. daß er»nr im Auftrage seiner Vorgesetzte» gehandelt habe, ohne eine Ahnung davon zu haben, daß die ihm übergebcnc» Waren gestohlen seien, so entließ man ihn ans der Haft. Die Diebe, welche in sieben Monaten für 7000 Mark Waren gestohlen hatte», wurden feslgenonmicii. Auch eine Mittelstaudötro�ödic. Weil er anSgemietct wurde, hat der 50 Jahre alte Tischlern, eisier Adolf Gosselmanu Hand an sich gelegt. G. wohnte in der Britzerstrnße 8 und betrieb in dem Hanse Alte Jakobstraße 1o seit nenn Jahren eine Fachtiscblerci für Buch- drnckereicii»nd eine Holzbildbanerci. Diese Werkstatt wurde ihm gekündigt, weil eine Lampcnfabrik die Nännilichkeiten höher bezahlt. Das konnte er nicht überwinden, weil er dem Hauswirt näher steht. Am Sonnabendabend verließ er seine Wohnung, ohne zunickzukchren und am Sonntag gegen mittag wurde er in der Wcrksielle erhängt aufgefnuden. Der Betrieb wurde eingestellt. HanSwirte und Tachstnhlbrändc. Der Ingenieur, dem wir de» Hinweis auf die Entstchnng der Dachstiihlbrände verdanken (3kt. 41 d. Bl.) schreibt uns ans Aiilaß der in der gleichen Angelegen- beit gebrachten Zuschrift: Daß auch Fnnken ans einem niangclhliftcn Schornstein Feuer anf einem Dachstnhl zum Ausbruch bringen können, beweist doch nur nmsomehr, daß gerade der Zündstoff zwischen den rauhen Fußbodenbrettern um so gefährlicher wird und eiiicu Ersatz durch fugenlosen Fußboden wünschenswert macht. Ich habe häufig Ge- legeuhcitgehabt, Hauswirten, welche von einem Dachstnhlbrand betroffen waren, die Erneiienmgdcrvcrbranntcn Fußböden durch einemassiveKon- truktiou wie armierten Cementstrich zu empfehlen, aber stets erhielt ich die Antwort:„Ich mache es gerade so, wie es gewesen ist, für eine bessere Kviistruktio» gicbt mir die Fencrversicherimg nichts, wenn es wieder brcnnt.k mußt die Versichcrnug doch wieder bezahlen." WaS die nieistcn nicht versicherten Bewohner der obersten Etage bei solchen Dachstnhlbränden empfinde», ist dem Hern» Hauspascha natürlich ziemlich gleichgültig. Das System, die Hausbesitzer nicht zur A»S- sübrung einer besseren Konstruktion zu ermutige», wirkt anf de» Stadtsäckel mißerst ungünstig. Es iväre hohe Zeit, daß die Steuer« zahler sich gegen ein solches System zu verwahre» suchten. Durch Mefferschnitte in die Handgelenke und in den Hals versuchte gestern vormittag der 44 Jahre alte Lehrer Johann Am- mann auS Württemberg sich das Leben zu nehmen. Der an Ver- folgnngSwahnsini, leidende Unglückliche war vor einigen Tagen nach Berlin' gekommen, um hier wieder seine Anstellung, die er verloren', zn erlangen. In dem Hotel, in dem er abgestiegen war, hat er den Selbstmordversuch vcgangcn. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht. Fünf Personen im Pferdebahnwagen verletzt. Bei einem Znsamnicnsloß, der sich gestern früh um 3 Uhr infolge falscher Weichcnftevlmg zwischen einem Pferdebahnwagen der Linie Görlitzcr Bahnhof— Bahnhof Fricdrichstratze und einem solchen der Linie Greifswaldersiraße— Hansaplatz am HanSvoigtciplatz ereignete, wurden durch Glassplitter der Fensterscheiben fünf Personen ver- wundet. Der Ingenieur Karl T. ans der Prinzenstraße erlitt ziem- lich erhebliche Verletzungen an der linken Hand nud am Arme; ein Dr. St. aus der Linienstraße zog sich Schnittwunden im Gesicht zu. außerdem wurden eine Frau K. an» Ohr und zwei Geichäfisdainen an den Wangen leicht verletzt. Der Ingenieur und Dr. St. suchten die Unfallstation in der Kroucnstraße auf, wo ihnen Verbände an- gelegt wurden. Ter falsche Postbeamte Stolzenberg hat fast ausschließlich Unterbeamte der Post mit kleinen und größeren Beträgen hinein- gelegt. St. war früher Posthilfsbote anf' einein Amte in dem Ober- postdircktioiis-Bczirk Potsdam und wurde wegen Dienstvergehens im Oktober vorigen Jahres entlassen. Bis Anfang Dezember war er in einer im Nordosten belegenen Konditorei als Hausdiener be- schäftigt und seit dieser' Zeit lebte er ausschließlich von Schwindeleien. Bekleidet mit der ihm gehörigen Uniform suchte er die Bekanntschaft hiesiger Postbeamten zn machen und unter der Angabe, daß er Pa'ketschaffner auf dem Hauptpostamt in der Oranienburgerstraße sei, sich kleinere und größere Darlehen zn verschaffen. In' einer Gastwirtschaft in der Bergstraße, in der er zu essen pflegte, ist er nicht nur die Zeche für einen ganzen Monat schuldig geblieben, sondern er hat sich auch noch 15 M. an baarem Gelde zugeben lassen. Weder der Gastwirt noch andre Geschäftsleute nahmen Anstand, den durch seine Uniform legitimierten„Beamten" Kredit zu gewähren. Auch seine frühere Thätigkcit in der Konditorei wußte St. für sich auSzunntzen, indem er ebenfalls unter der Be- Häuptling, jetzt im Postdiciist zu stehen, seine ehemaligen Kollegen, die Konditorgehilfeil anpumpte. Fcuerbericht. Montagmittag erfolgte ein Alarm nach dem Neubau des städtischen Krankenhauses in der Tri st st raße ES war die Holzbekleidung eines Wasserrohrs in Brand geraten, der aber leicht beseitigt werden konnte. Am Sonntag wurde Prinzen« Allee 77 ein Schuppen teilweise eingeäschert. Zwei Rohre hatten längere Zeit Wasser zu geben, um das Feuer abzulöschen. Dragonerstr. 15 erfolgte ein Zimmerbrand, der hauptsächlich Betten und den Fußboden beschädigte. Fußbodenbrände verursachten ein Ausrücken der Wehr nach Borsigstr. 17 und Kanonier- st r a ß e 8. Ucber 2300 Kinder, die den ersten Klassen der Gemeinde- schulen im siebenten Schulkreise angehören, gaben unter der Leitung des Chonncisters der Berliner Liedertafel, Herrn Zander, am Sonntagmittag im Cirkus Busch ein wohlgelungencs Vokalkonzert. Es wurde» bekannte Volkslieder und Gesänge pätriotischen Inhalts gesungen, und zwar mit einer Präcision. die dem Talent des Dirigenten wie dem Eifer der Kinder alle Aihtniig abringt. Nament- lich wirkte der Knabenchor„Es geht bei gedämpfter Trommel Klang", sowie Webers Lied von»Lützows wilder verwegener Jagd". Hübsch war auch der Vortrag, den die Mädchen mit den Liedern»DaS stille Thal" und„Heute muß ge- schiede» sein" dem überaus zahlreich versammelten Publikum boten. Der Gesamtchor brachte u. a. ein Lied„Hurra, du stolzes, schönes Weib" zu Gehör. Sieht man davon ab, daß das Programm etwas reichlich mit patriotischen Gesängen, die dem Herzen der Berliner Kinder doch wohl meist recht fern liegen, beladen war, so ist die zum besten des Vereins Kinderhort getroffene Ver- nnstaltung nur zu loben. Es heißt, daß das Konzert am nächsten Sonntag wiederholt werden soll. Metropol-Thcatcr. Der Operette geht ein gut znsammcit- gestelltes Specialilätenprogramm voran. Eine schnurrige Nummer sind die„Teltorallh", die' in der komischen Darbietung musikalischer Faxen entschieden am weitesten vorgeschritten sind. Was ist der anne Riggerminstrel. der noch vor wenigen Jahren als Ansbimd xcenttischer Kunstleistiingen galt, gegen' die Menscheiifresiennaske, die von heutigen Artisten für nnerlatzlich gehalten wird! Vorzüg- liche Akrobaten sind die Daytons, die Sandortruppe, sowie der Handstandkünstler Gillet; die Tanzkunst ist in der englischen Diamant- tnippe gebührend vertreten.„Die verkehrte Welt" findet nach wie vor An- klang. DieOperctte dcsMetropoltheatersverdieiitdenBcifall um somehr, als ihr in« Gegensatz zu den meisten andern Ansslattnugsstücken doch ein drolliger Gedanke zu Gnnide liegt, wenn auch die Art seiner Verkörperung nicht ciiiwniidfrci ist. Die Bloßstellung der Lieutenants- scknieidigkcit, die Frid Frid sich in dem Couplet„Denn wir sind Bürger erster Klasse— Civil ist janz'ne faule Rasse" leistet, wird mit vollem Recht viel belacht; ebenso wirkungsvoll giebt sich die DeiiknialS-Eimveihung in der Markgräfinnen-Allee, die Straßen- abspcrrmig wegen der königlichen Liebesabenteuer, die„rote Kokarde" und zum Schluß die Abdankung der weiblichen Majestät zu Gunsten ihres Geliebten Lchinaini I. Diese passabeln Scherze werden ge- meinsam mit der niedlichen Musik, die Operette noch eine gute Weile zugkräftig erhalten. Orgelkonzert. Der Orgelvorttag in der Marienkirche am Mittwoch, den 7. März, mittags 12 Uhr, wird ausgeführt von Herrn Musikdirektor Otto Dienel, Frau Rola Wille, Frl. Luise Behrcnds, Herrn HanS Sasse, Herrn Hans Biisseuius, Livlintst, und Herrn Ernst Bcthle. Zur Aufführung kommcn: Die dorische Toccata, ei» Bioliu- Adagio lind Arien von Bach, Lieder auS dem 14. und 17. Jahrhundert von Meißner und Frank, eine Fuge von Nheinherger, eine Melodie von Gnilmaiit, ein Gebet von Hugo Wols und ein Pastorale von Dienel. Der Eintritt ist frei. Urania. Im Anschluß an den Vortrag„Das Bier", welchen Herr Dr. G. Naß am DieiiStag«heute) im Hörsaal der Urania halt, finden zwei Exlurfioncn in hiesigen Braiiercien statt und zwar eine am Somiabend, den 19. d. M., nach der Schultheiß Brauerei und eine zweite am Sonnabend, den 17. d. M., nach der Weißbier. Brauerei Akt.-G. vorm. Gebhardt. SluS»eil Rachbarorlcn. Wegen(Beratung der Vorlage betr. den Bau dcS Teltow- Kanals ist der Tclrower Kreistag gestern zu einer Sitzung zusammengetreten. Tie Verkehrsverhättnisse der Vororte Charlottenburg. Halcuscc, Wilmersdorf und Friedenau sollen durch verschiedene neue Straßenbahnlinien gehoben werden. So werden zunächst von dem westlichen und südlichen Teile Charlottenbnrgs ans vier direkte Straßenbahnlinien nach WilincrSdors-Halcnsce gebaut, wofür mit den beteiligten Eeincinde» die Verträge schon abgeschlossen worden sind. Es sind die Linien: Amtsgericht Charlottenb'nrg— Bahnhof Halensee, Stadtbahnhof Charlottenburg— Riiigbahnhof Wilmersdorf-Friedenau, Charlottenburg-Rankestraße— Friedcnan-Kaiser-AUce und Charlottcu- biirg-Änesebcckstraßc— WilmerSdorf-Rathans. Diese Bahnci» müssen in.der angegebenen Zeit gebaut werden und sollen zum Teil sofort, zn», Teil in kurzer Frist nach der Eröffnung elektrischen Betrieb erhalte». In Aussicht geiiommen sind ferner für Wilincrs- dors zwei Linien, Bahnhos Halensee— Aiigustastraße und Berliner Platz— Brandenbnrgische Straße. Ein Dachstuhlbrand wütete Somttagitachinittag in Friedrichs b erg. Ecke Kronprinze»- und Oderstraße. Das »och ncue fünsstöckige Eckhaus zählt an beiden Straßen 10 Fenster Frvnt. Am letzten WeihiiachtSseste war bereits einmal der Versuch gemacht, den Dachboden in Brand zu setzen, doch wurde das Feuer damals durch Zufall snihzeitig entdeckt und im Keime erstickt. Ob diesmal Braiidstiftmig vorliegt, konnte nicht mehr ermittelt werden, da das Feuer bei Ankiinst der Wehr schon zu weit vorgeschritten war. ES hatte seinen AusgaiiySpnnkl ans dem Bodentcile, der am Zusammenstoße der Fronte» liegt, doch breitete es sich bei dem herrschenden Wind mit großer Schnelligkeit über die beiden Flügel' ans. Die OrtSfeuerwehren von Lichtenberg, Friedrichsbcrg, Rummels- bürg und Stralau versuchten anfangs vergeblich, Herr des FcucrS zu werden, so daß schließlich iiach Berlin die Bitte um Hilfe erging. Das erste Vordringen der Löschmannschaften war besonders schwierig, da sämtliche fünf Bodenanfgüiige total verqualmt und die eisen- beschlagenen Bodenthiiren glühend waren. Ein Fenermann von Friedrichsbcrg trug beim Vordringen eine Raiichvergiftung davon und mußte ins Freie getragen werden. Die Berliner Wehr griff mit zwei Tanipfspritzenrohren über eine inechanische Leiter himveg erfolgreich ein und verblieb an der Brandstelle, bis die Haiiptgefahr beseitigt war. Der Tachstuhl wurde total eingeäschert und ist der verursachte Schaden sehr beträchtlich. Der letzte Löschzug konnte unicr Zurücklassung einer Brandwache erst um 0 Uhr abends abrücken. Wilmersdorf. Bri der gestrigen Gemeilidebtttrdtet'wahl kain rmicr Genosse Behrendt mit dem Grundbesitzer Nahrstädt in die Stichivahl. Behrendt erhielt mit 26» die howste Stinnnenzahl/ fem nächster Gegner N a h r st ä d t erhielt 206 Stimmen. Grost-Lichterfrldc. Die am V. d. M. stattfindenden Ge- m ein deverl reter-Wahlen werden aller � Voraussicht nach einen sehr lebhaften Verlaufnehmen. In den Grnndbesitzcr-Vereinen hat man sich>mt Rücksicht darauf, das; die Soeialdemolrnten in den Wahlkampf eintreten, auf je einen Kandidaten in den beiden Bezirke» geeinigt. Gegenüber dem gemeinsamen Gegner der Soeialdemokratie haben sich die Anhänger der Villen- und die des Hochban-Shstems, die sich noch im vorige» Jahr bitter befehdeten, vereinigt und suchen auch ferner auf dem Rathaufe die ausschließliche konservative Grund- besitzerherrschaft zu etablieren— zum Schaden der großen Mehrzahl der steuerzahleiiden Eimvohner. Es liegt im Interesse der Wähler der dritten Abteilung, daß dieser Grundbesitzer-Ring. der die alleinige Herrschaft über die Gemeinde- Verwaltung seit jähren ausübt und mit allen Mitteln zn erhalte» strebt, nunmehr gesprengt wird imd daß auch Vertreter der n r ch t b e s i tz e n d e n Si lasse ein Wort in Gememde-Angolegen- Helten mitzusprechen haben. Um dies Ziel zu erreichen, bedarf es aber der Anstrenguna aller Kräfte. Kein Wähler der Arbeiterklasse darf a in 0. März fehlen. Da wir nur einen ciiizige» Gegenkandidaten in jedem Bezirk haben, so entscheidet schon der erste Wahlgang. Eine einzige Stimme kann das Wahlergebnis beeinflusse». Die Kandidaten der Social- deniokratie sind für den l. Bezirk sAnhalter Seite): Mar Engel, Tapezierer. G ö b e n st r. 13: für den I.Bezirk: sPotsdan, erSeite): K. W e n z e I. Z e i t u n g s e x p e d i e n t,' L a n k lv i tz e r st r. 6. Wahlen sind am Freitag, den 9. März, nachmittags von ■J 8 Uhr. F ü r den 1. Bezirk im Restaurant Hennig am Anhalter Bahnhof. F n r den 2. Bezirk in F i ch t e l s Club haus, Kyllinannstr. 7(am Viktoriaplatz). Im Spaudaüer Schiffahrtö Kanal sank an der Brücke über die Charlottenburger Chaussee ein mit Mauersteinen beladener L a st- fafjn. Das durch einen Dumpfer geschleppte Fahrzeug war unter der Brücke gegen eine Eisscholle geraten, die ihm die Bordwand eindrückte. _ Explosion in der Pulverfabrik z» Spandau. Mit iveit hörbarem heftigen Knall, ivelchem ein mächtiger Feuerschein voraus- »ing. explodierte am Sonntagabend in der Pulverfabrik ein Trocken- »pparat. Wie verlautet, soll Selbstentzündung von SehießbnmiNvolle die Ursache der Explosion gewesen sein. DaS Dach des Trocken- gebändes wurde fast völlig zerstört; Menschenleben kanien glücklicher- weise nicht>» Gefahr. Die Haselhorster Fenerivehr war sehr bald zur Stelle, sie bränchte aber nicht in Thätigkeit zu treten. Neber eine» Nachttvächter-Zweitainpf tvird ans Reinicken- dors geschrieben: Lebensgefährlich wurde der Nachtwächter Hermann Dobratz von seinem jüngeren Bruder Franz verletzt. Er versah mit seinem Bruder Franz und mit einem dritten Mann den Racbt- wächterdienst. Am Sonntag früh trafen die Brüder nach dem Rund- gang zusammen und gerieten ivege» einer früheren Meinungsverschiedenheit in Wortwechsel. Dieser spitzte sich derart zu. daß'der 36 Jahre alte Hermann seinem Bruder mit der Kontrolluhr einen techlag au den Kops versetzte. Franz benutzte als Waste feine eigne Kontrolluhr nnd streckte damit seinen Bruder zn Boden. Am Schädel schwer verletzt und bewußtlos, wurde Hermann Tobratz vo» dein Bruder nnd dem dritten Wächter nach der Wohmmg getragen, von Ivo er wegen seines bedenklichen Zustandes nach der Berliner Rettungshauptivache abgeholt werden mußte. Beide Brüder sind verheiratet. Hermann hat stinf, Franz zlvei Kinder. Ter letztere, der bei dem Kampf gleichfalls am Kopf verwundet ivnrde, ist dienst- unfähig und infolge des Vorganges derart ergristen, daß er die Ab- sichl ausspricht, sich das Leben z» nehmen, falls die Verletzung des Bruders einen schlimmen Ausgang nimmt. Dies ist leider bereits geschehen. Geriitzks-Jvitung. Krüger und Genosse». Die am Montag der vorigen Woche vor der I. Strafkammer des Landgerichts II begonnene Verhandlung in der Strafsache K r ü g e r u. Genossen(L e i t un g s d.r a h t- D i e b st ä b l e) ist gestern abend zn Ende geführt worden. Vo» den sieben des Diebstahls bescknildigten Personen, bei denen das Vorliegen von Banden diebstähleu.nicht angenommen wurde, wurden die Arbeiter K rüge r und Emil T ch m i d i z» vier Jahren Z n ch t h a n s, fünf Jahren Chrverliist und Polizei- Aufsicht, der Kutscher Görs- d o r f. der die gestohlenen Kupferdrähte von den Thatorten iveg- geschafst hat, zu d r e i I a h r e n Gefängnis nnd fünf Jähren Ehrverlust, ein Angeklagter ivnrde zu neuii Monaten, drei andre zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Tie sechs der Hehlerei an- geklagten Händler wurden sämtlich freigesprochen. Wahlbeciuslnssmig. Der Fabrikant Jäger war in der west- preußischen Stadt Melve mit 20 von 39 abgegebenen Stinnnen zinn Stadtverordneten geivählt ivorden. Die Wähl ivnrde Wege» un- znlässiger Wahlbeeinflnssimg angefochten. Das Lber-VerivältimgS- gericht' als Berufungsinstanz veranstaltete eine ninfangreiche Beweis- erhebmig. Diese' ergab, daß der Hanptlehrer Held und der Bankinhaber Hobnrg vor dein Wahllokal ans den Gastwirt Hirfchberg eingeredet lind ihn bestimmt haben.- c n t g e g e n leiner ursprünglichen Absicht für Jäger zu stinnnen. Hirschberg selbst, der erst den polnischen Kandidaten' wählen wollte, bekundete, der Bankinhaber habe zn ihm gesagt, er wünsche mit Rücksicht ans ihre Geschäftsverbii'dmig, daß Hirschberg den Mger wähle. Zn einem andern Zeugen hatte Hirschberg dagegen erzählt, daß ihm nahegelegt ivorden sei. sich durch seine Stinunabgabe vor geschäftlichem Schaden zu schützen. Nach seiner eigenen Aussage will er diese weitergehende Erklärung nur abgegeben haben, um die Polensreimde z» beruhigen. Ein weiterer Zeuge dekilndete, Hirschberg habe kurz vor der Ber- »ehninng zu ihm gesagt, er hätte sich damals doch beeinflußt gefühlt. Das Lber-Verwaltllngsgericht erklärte init Rücksicht auf diese Anssäg?» im Gegensatz zimr Bezirksausschuß die Wahl Jägers für u ii g ii l t i g._ Vevfammlungen. In einer Musikinstrimicntenarbeitcr-Bersauimlultg, die am Sonntag in Stecherts Saal stattfand, referierte Kleinlein über die Lage der deutschen Musikinstrumenteil-Industrie. Der Redner vertrat die Ansicht, daß die seit 189S anhaltende gute Geschäftslage der Piauoforte-Fabrikatioii»achgelassen habe nnd eine Krisis sich bereits bemerkbar n,ache. In solchen Werkstätten, die für den Export arbeiten, fiinden seit einiger Zeit Einschräiikilnge» des Betriebs nnd deinziifollze Entlassungen von Arbeitern statt. Eine iveitere Folge des schlechten' Geschäftsgangs würde sich in Form von Lohiiherabsetznngen lieinerkbar mäche». Demgegenüber empfahl der Redner, daß die Klavierarbeiter, um den Entlassniigen vorzubeugen, auf eine Ber- kiirzung der Arbeitszeit himviikcn. im übrigen aber für die Stärkung der Organisation sorgen, um allen Eventualitäten gerüstet gegenüber zu stehen.— Eine in diesem Sinne gehaltene Resvliition ivnrde an- genommen. Ferner beschäftigte sich die Versaminlnng mit dem Streik der Möbeltischler, K I e i n l e i n sprach sich dahin anS. daß eine un- mittelbare Beteiligung der Klavierarbeiier am Tischlerstreik ilicht in Aussicht stehe, denn die Piaiiofabrikanteii würden nach den beim Streik von 1896 gemachten Ersahriiiigen sich dem Verlangen derHolzindnstrielleii, ihre Arbeiter auszusperren,"nicht fügen. Andre Redner bemerkten dagegen, daß einige Pianofabriken, die selber HolzbearbeitungS- Maschinen haben, sich mit dem Vorgehen der Holziildustriellen ein- verstanden erklärt haben. Ferner ivnrde mitgeteilt, daß die Hvlz- industrielle» sich an die Freie Vereinigung der Pianofabrikanten mit dem Ersuchen geivandt haben, ebenfalls ihre Arbeiter zu Gmisteii der Tischlermeister anszusperreii. Tie Piaiiofabrikanteii hätten aber geantwortet, da sie selber im 1896 er Streik keine Unterstützung von den Holzindlistriellen erfahren haben, so würden sie vorläufig nicht auf das Verlangen derselben eingehen. Die Versammlung beschloß. daß jeder Mlifikiiistrumeilten- Arbeiter zur Niiterstlltziing des Tischlerstreiks wöchentlich eine Mark zu zahlen hat: Arbeiter Säiigerbimd Berlins und der Umgegend. Die Generalversaunnlung des Bundes fand am 25. Februar statt. Laut Rechenschaftsbericht gehören dem Bunde zur Zeit 199 Vereine an, nnd zwar 192 Mä'mierchöre, 6 Gemischte Chöre nnd 1 Tamenchor. 122 Vereine domizilieren in Berlin und 77 Vereine in der Umgegend. Nach der statistischen Anfnahme muß der Besuch der UebinigSstunden im Verhältnis zur Gesanuzahl der Mitgliedschaft als sehr niangel- hast bezeichnet werden. Von einigen Redliern wird diese schwache Beteiligung ans das für eine große Anzahl von Vereinen zn entfernt liegende UebungSIokol zurückgeführt� Mit einein diesbezüglichen Antrag soll sich die nächste Ansschußsitzling beschäftigen.— Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 5152,17 M. und eine Ausgabe von 2908,65 M. nach: demnach einen Kasseiibestand von 2008,37 M.— Von den gestellten Anträgen auf Abändernng des BundeSstatutS wurde nur ein Antrag aiigenoinine» und zivar, daß von dem Vorstand alljährlich zwei Mitglieder ans- scheiden und für diese eine Rentvahl zn erfolgen hat.— Zu Vorstandsmitglieder» wurden geivählt: Aich. Tbate erster, Adolf Hnbiier Zweiter Vorsitzender. Oito Roiche erster, Otto Isaak zweiter Schristsührer, Geikrit erster, Rod. Meyer zweiter Kassierer.— Zinn Liederabend am 19. März, welcher, wie üblich, im Saale der Brauerei Friedrichshai» stattfindet, hat jeder in Berlin donnzilierende Verein ein Quartett znni Sonder- chor zu stellen und finden dessen Uebungsstnnden am Sonntag, den 4. nnd 18. März im Festlokal statt.— Beschlosseil ist, aus den Gräbern der Märzgefallenen von seiten des Bundes einen Kranz niederznlegen._ Vevmipchkrs. I» Geestemünde sind die Fischdampfer„Amalie" und „Grete" von der Fangreise nach der Nordsee nicht heim- gekehrt; sie sind ivahrscheiulich während der letzten Tlürme unter- gegangen. Die Schiffe hatten eine Besatzung von je zehn Mann. Im Wahnsinn. In Hannover erschlug die Frau des Gas- arbeiiers Braunschiveig in einem Anfall von plötzlicher Geistes- nninachtliiiq ihren Mann, cinen dreijährigen Knaben, riii sechs Wochen alteS Mädchen und schnitt sich dami selbst die Kehle und die Puls- ädern durch; alle vier sind tot. Aus verschiedenen böhuiischeu Orten ivird von Erd- riitschiiuge» berichtet. die infolge der starken Negeitgüfsc der letzten Tage entstanden sind. Oberhalb der Gemeinde M I a p p a i sind größere Erdinaisen in Bewegunq geraten; augenblicklich besteht aber für die Ortschaft Kläpvai keiiie Gefahr. In U n t e r r'v l s ch o w sind vier Hänser imd ein Teil der Kirchhof sinauer infolge von Erd- rutschnngen eingestürzt. Zwei Aufsehen erregende Verhaftungen iverde» gemeldet: Wegen Unterschlagung von etwa 11000 M. Schnl-Sparlassengeldern tvurde in Nord h a ii s e n der Rektor der dortige» Knaben- Volks schule. Felix Scheer. verhaftet.— T er Rittergutsbesttzer Eben in Linde, der feit dem Jahre 1893 ivegen S i t t'l i ch k e i t s V e r b r e ch e u steckbrieflich gesucht wurde, konnte jetzt endlich festgeiiomme» werden. Mit dem Berliner Personenzug wurde er nach Stargard transportiert und dann in das dortige Bezirksgefängnis eingeliefert. Niedergebrannte Fabrik. Tie Flachsspinnerei und Säckefabrik der Petersburger Firma Brandl u. Co. in M e l e n k i lGonvernemenl Wladiniir) ist am Sonnabend abgebrannt. Der Schaden beträgt 900 000 Rubel. Die Fabrik beschäftigt 5000 Arbeiter. Fn verschiedenen Orten Nord-Ztalienö, so in Verona, wie anck? in Triest sind Soniitagabend 6 Uhr Erdstöße venpürt ivorden. Diarktpreisc von Verl»» am Z. März ISftO nach Erniiilliinacii des kgl..P«lizeipräsiduu»s. »sWeize» D.-Ltr. �Roggen Füttcr-Gerste Hafer gilt »iillel „ gering Richtstroh Hen i'OErbsen f)Tveisestohii«i>„ T)2lufcii. Kaitosselii, neue Rilidilcifch,.764! NNO '61'S München Wie» !> 3 heiter »bedeckt 2fiedeckt 1 Schnee 'wolkig -1 -1 —3 -16 761 MW I 3blb.b«d.>-6 Cork Aberdeeu Paris Wetter-Prognose für Tienstag, den 0. März 1900. Ztikweiie heiter, vielfach wolkig mit geringen Niederschlägen und möstigen nordwestlichen Winden, Teuiperqtur wenig verändert. Berliner W e l i e r b u r e a u. Eingegangene Drnlkschrifte». Bon der„Neue» Zeit" i'Sinttgart. Dietz' Lerlaa) ist soeben das 23. Hcit des 18. Jahrgangs erschienen. Ans dem Inhalt heben imr hervor: Opfer des Polizeigeistes.— Zu Ibsens neuestem Drama. Bon Wally Zeplcr.— Der Kampf der Kohleugräbcr in Oestreich. Bon K. Kautskn.— Berliner Theater.- Johl! Ruikin. Bon D. Bach.— Obstbau, Obstindufli ie und Schuvzollbestrebungcn. Bon Herm. Holm.— Litterariichc Rundichau: Ludwig Slonimsln. Brrinch eüier Kritil'der Karl Marxichen.hkolivmifchen Theorien. Dr. Ernst Wickenbageli, Kurzgefaßte Geschichte der Kunst. Käthe Tinicker. lieber die Beteiligung des weibstchen Geichlechts au der Eiwerbs- tbätigteit. Dr. Nuppert. Die katholischen'Arbeitervereine SüddeutichlandS in ihrer eisten Snvvicklung dargestellt aus Gnind der Verbands-, Vereins- und Spee.ialberichie. Thörnteirr Bebte»,„The Theory ot' the Leisure Class." Der englische Soldat. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechsiiiude findet Montag. Dienstag nnd Freitag von 0-8, Nhr abends statt. K. M.B. Fautös' Reden und Aussätze(I/Action Socialistc) für, neu Sie zum Preise von SM. imd dos offizielle Protokoll des Pariser GinigungskoligreiseS r3 30 M) befiebeu;■ ebeuio'Malens Buch:.To soeialisinv inrogral", 2 Bde. statt 10 M. für 5 M. Langwedol. Flecken in Hannover, Kreis Verde». Unweit der Weser. Bürgernleisler nur in Städten. Im übrigen: Wo ist Ihre Abohne,ne»tö- Ouiltung'? P. C» Ter Friedhof, ist im Friedrichshai». Wenn Sie von der Lands- berger'Allee aus kurz oor dem städtischen Kraiikcnhaliie in den Haili ein- biegen, finden Sie den Friedhof aus der rechten Seite. B. 107. Lackowitz. Flora vo» Berlin tind der Provinz Brandenburg. 240 M. Braunichweig u. andere. Tie Buchhandlung Vorwärts giebt in djeiem Zabre keine M ä r z z e i t u u g heraus. O. R. Wenden Sie steh au den geiichllicheu Nachlaßverwaller. Recht?- anmalt Holz.- A. T.. Ouitzowstr. IlÄ. Taxen lür die Gebührenhöhe aistiercli nicht.—(f. Schwarz. Schriftliche Aniwort zu erteilen, lehnen wir ab. Soiveit ersichili», ist Ihr Vater zur Zablimg nicht ver< p ilichlet. Sprechen Sie gelegentlich mit dem Brief des OtlspotsteherS und dem Schreiben des Laudrols in der inristilchen Sptechstunde vor.— Vrirfkasten der Expedition. B. 19. Inserat kostet 4 M. t8 t» t t 1»«»« n A v i» e.14 n?! o i K«». .keniiu IVindlsch 31 a v GrannHld Verlobte. Weimar. Märü 19 00... Jena. zum Ausschank sehr geeignet! süss, rot, wie Portwein, a ausgezeichnet im Gesehinaek, garantiert rein. 10 Ltr. 31. 7,—, 100 Ltr. 65,—, Oxhoft 31. ISO,— Emen Heumann& Co.,....... und Polslerwaren."ZLA" Arbeit, äugersi billige» Preise, empsiehlt teM.» ffkeicheubergerstr. 5. Auch Tbeilzahluug! I* Wein Möbel Charl Ottenburg;!! Uhrmacher Kunstmann, Wallstrasse 1. . Ucparaturon schiioll, durchaus zuverlässig und nicht teuer.__ , 381)1». 2 R.»■ reell und gcwisienhast. Reparaturen in- Slnud. Plombieren, Zahnziehen »chmerzlos. Spreckiz. s-8. Saunt. 8-6. 4t Wrtlirt? Blunicnstraste L5. lll. �.Illistl, Esc Marliisstmste. 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