Ur. 55 Abmmemtnt«-Kedingungen: «bonnemenlS-PrelS pränumerando: «ierteljährl. 3L0 Mk.» monall. 1,10 SJlt., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haui. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag!» Nummer mit illustrierler Sonntag!» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung!» Preisliste für 1900 unter St, 7971. Unter«reuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige«u!land 8 Mark pro Monat. Erscheint täglich autzrr»ontng«. Vevlinev Volksblakk. 17. Jahrg. Die Inftrtians- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonet» »eile oder deren Raum so Pfg., für politische und gewerkschaftliche Berein!» und Bersammlung!» Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anseigen" jede! Wort S Pfg. (nur da! erste Wort fett). Inserats für die nächste Nummer muffen bt!! Uhr nachmittag! in derErpedition abgegeben werden. Tis ErpcdUion ist an Wochentagen bt! 7 Uhr abend», an Sonn» und Festtage» bt» SUHr vormittag! geöffnet. Fernsprecher: Amt k. Nr. 1803. Telegramm» Adresse: „Sorialdemokrat verlin" Csntrawrgcrn der socittldemokratischen Partei Deutschlands. Lrdakiion: SW. 19, Teulh-Strage 2. Mittwoch, den 7, März 1900. Expedition: SW. 19, Veuth-Skrasze 3. Ländliches zur lex Heinze. Die lex Heinze, so wie sie von der Reichstagsmehrheit beschlossen Korden ist, enthält eine Bestimmung, die in der That wertvoll ist: den sogenannten Arbcitgeber-Paragraphen, der dazu dienen soll, die infame Ausbeutung wirtschaftlicher Abhängigkeit für die geschlecht- lichen Begierden von Unternehmern und Vorgesetzten einzuschränken. Die Regierung aber hat gerade diesen Paragraphen für unannehmbar er- klärt, und die konservativ-klcrikale Mehrheit ist bereit,„im Interesse des Zustandekommens" des Dunkelmänner-Gesetzcs ans die einzige ersprießliche Bestimmung der Vorlage zu verzichten. Die Kunst will man dem Muckertum ausliefern, aber den Schutz gegen Mißbrauch socialer Macht zu unzüchtigen Zwecken versagt man. Mit dieser einen Thatsache kennzeichnet sich das Jämmerlich- Possenhaste der ganzen Sittlichkeitsaktion. Man treibt lediglich reaktionäre Unzucht unter dem Vorwand sittlicher Reinigung, und die wirkliche Unsittlichkeit läßt man deshalb ungestraft. Daß die Konservativen in der zweiten Lesung für den Arbeitgeber- Paragraphen stimmten, war. eitel Humbug. Sie leisteten sich den Luxus der Zustimmung, weil sie doch wußten, daß die Regierung sie vor der Gesetzwerdung dieser Bestiinmung gnädig behüten werde. Der schnelle Verzicht auf den Arbeitgeber- Paragraphen, den die Konservativen unter Führung des agrarischen Tugend- Vorsängers Oertel„im Interesse des Zustandekommens des Gesetzes" verkünden ließen, war jedenfalls aufrichtiger gemeint, als die anfängliche Billigung. In der Reichstags-Sitzung vom 6. Februar wies Genosse Bebel besonders auf ländliche Verhältnisse hin. die den Arbeitgeber- Paragraphen rechtfertigen. Er führte unter andcrm aus: „Ich habe vor einigen Jahren einmal von einem Herrn ans der Magdeburger Gegend, der dort insbesondere mit den Vcr- Hältnissen der großen Güter sehr vertraut ist, einen Brief bc- kommen, der über diese Zustände, in welchen die Arbeiterinnen insbesondere den, Aufsichtspclional. den Inspektoren der Güter gegenüber sich befinden, interessante Mitteilungen niachte. Ich hatte auch Veranlassung genommen, diese Mitteilungen in die Presse zu bringen. Der Herr erzählt, daß rs in der dortigen Gegend nahezu als selbstverständlich angeschc» werde, daß die Arbeiterin sich den Gelüsten ihres männlich«, Vorgesetzten, insbesondere des Inspektors fügen müsse. Sie werde dadurch mürbe ge- macht, daß man sie von der Feldarbeit wegnehme und auf_ den Boden schickt, wo sie allein mit dem bc- treffenden Beamten in Berührung kommt; fügt sie sich seinen Gelüsten nicht, dann lvird sie ivieder vom Korn- bodcn weggenommen und wieder aufs Feld geschickt, aber jetzt derart malträtiert nach allen Richtungen hin, daß sie sich entweder fügt oder gezwungen ist, zu gehen, und ivenn in einem solchen Falle— fügt der Mann hinzu— das Mädchen oder die Frau die Arbeit aufgicbt, weil sie sich den unsittlichen Gelüsten des Bc- fehlenden nicht fügen will, dann kann sie sicher darauf rechnen, daß sie in der Gegend auf keinem Gute mehr Arbeit bekommt- sie wird boykottiert. sWiderspruch und Zurufe rechts.)— Wie können Sic behaupten, daß das nicht wahr ist?" Ein falscher Bericht dieser Darlegungen führte zu etlichen Ent- rüstungsausbrüchcn in Kreisen, die ein Interesse daran haben, die Engelreinheit ländlicher Tugend auszumalen. Nachdem nun Bebel in einer Erklärung auf die Ungenauigkeit des Berichts hingewiesen, empört man sich jetzt auch über das, was Bebel wirklich gesagt hat, und nian versucht, zugleich den Anschein zu erwecken, als ob er durch feine Richtigstellung beabsichtigt habe, seine Ausführungen im Reichstag abzuleugnen. Zu solcher Ableugnung aber hätte Bebel nicht den geringsten Anlaß, selbst wenn sein Charakter mit einer derartigen Handlungs- weise verträglich wäre. Die Klagen über den geschlechtlichenMißbrauch des Arbeitsverhältnisses auf dem Lande sind alt und gerade von gut konservativer, christlich-frommer Seite erhoben worden. Schon im Jahr 1872 hat der Freiherr v. Czettritz- Ncuhaus, Rittergutsbesitzer auf Kollnitz bei Jauer, auf der General- Versammlung des Schlesischen Provinzial-Vereins für innere Mission einen Vortrag über„Die ländliche Arbeiterfrage" gehalten, in dem er erklärte:„Die WirtschaftSbcainten ans den größeren Gütern sind in hervorragende», Maße mit Schuld au der Vcr- dorbcnhcit und Unvcrsöhnlichkeit der Arbeiter." In seinem bekannten Vortrag„Die Sittlichkeit auf dem Lande" schreibt Pastor Wagner:„Viel geklagt wird über die Unzucht der Jnspektoren". � Reiches Material für diese Angelegenheit bietet namentlich auch das große zweibändige, von den Pastoren Wagner und Wittenberg heraus- gegebene Sammelwerk über„Die geschlechtlich- sittlichrn Verhältnisse der evangelischen Landbewohner im Deutschen Reiche." Das Werk beruht auf einer Enquete. Der reichhaltige Fragebogen, der den Geist- lichen zur Beantwortung zugeschickt war, stellt auch die Frage:„Wie ist das Verhalten der Gutsherren, Fabrikbesitzer, Bauern und ihrer Söhne, bezw. Beamten(Inspektoren. Buchhalter), gegen ihr weibliches Arbeiter-Personal?" Tie Antworten auf diese Fragen lauten verschieden, wie denn überhaupt allerlei subjektive Tendenzen die Färbung der einzelnen Berichte bccinflussen. Aus dem Regierungsbezirk Magdeburg find die Antworten verhältnismäßig nnld:„Verwalter, Inspektoren, Aufseher, Baucrusöhne sind vielfach nicht frei zu sprechen von einem unsittlichen Verhalten. Doch sind es nur Ausnahmefälle, daß Ein- flnß und übergeordnete Stellung zu unsittlichen Angriffen miß- braucht wird". Die Berichterstatter legen wohl hier, wie auch sonst, nur die gerichtlich zur Erörterung gelangten kriminelle» Fälle ihrem Urleil z» Grunde. So sind die«Ausnahmefälle" zu verstehen. Viel schlimmer lauten die Berichte ans O st p r e u ß e n. Aus dem Regierungsbezirk Eumbiimen wird über das Verhalten der Gutsherren, Bauern, ihrer Söhne und Beamten gegen ihr weibliches Arbeiterpersonal beweglich geklagt. Besonders seien es die In spektoren, die ein böses Beispiel geben. Speciell von ihnen heißt es in einem Bericht, daß sie„hier wie überall für die Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts sorgen."„Nur sittlich starke Mädchen erwehren sich ihrer Zudringlichkeit. Ein Reserent erklärt„Inspektoren Gutsbesitzer und deren Söhne schone» oft nichts." Im Regierungsbezirk Königsberg liegen die Verhältnisse ebenso Zwei Berichte beantworten die Frage nach dem Verhältnis der Arbeit geber usw. zu den Arbeiterinnen kurz dahin, daß es ein„unkcuscheS",„un sittliches" sei. Ein Gewährsmann schreibt:„es will immer mehr Mode werden, daß auch die Besitzer chcloS bleiben und dann— wehe den Weib lichen Dienstboten. Die Inspektoren treiben es besonders arg. Auch Ehemänner suchen nicht selten auch anderswo ihre Wollust zu befriedigen." Sehr bezeichnend meint ein andrer:„Gutsherren sosern sie verheiratet sind, wahren die eheliche Treue wohl(!) in den meisten(!) Fällen." Dagegen:„Unverheiratete, sowie mann- bare Söhne und lcdige Beamte sind oft genug die Verführer ihres weiblichen Dienstpersonals" und„die Scharwerker werden von den Inspektoren häusig gcmißbraucht." Ein Bericht aus Pommern— Regierungs-Bezirk Stettin erklärt kurz und bündig:„Söhne der Gutsherren, einige Bauern- söhne, alle Wirtschastsbcamten geben zu Klagen Anlaß". Ein Referent aus dem Regierungsbezirk Stralsund meint diplomatisch: „Vieles entzieht sich hierbei der öffentlichen Beurteilung und mag mancher Verdacht begründeter sein als man denkt". Ein Mecklenburger Pastor gesteht, der Geistliche sei derjenige Mann im Dorf, der von diesen Dingen immer erst als der letzte etlvas erführe. Ein Bericht aus dem gelobten Lande der Agrarier, Mecklenburg, sagt:„Ein früherer Pächter lvar Dorfbnlle". Man hebt hervor, daß Baucrnsöhne und Inspektoren nicht selten ihre Stellung mißbrauchen, um Mädchen zu verführen. Beiläufig sei erwähnt, daß ein Schleswig- Holstciner Pastor versichert, die Gutsbesitzer würden nicht nur um Erlaubnis bei der Verheiratung ihrer Tage- löhner angegangen, sondern dieser bestimme auch vielfach die Ehen. „Die unverheirateten Beamten sind ein Verderb für die weib- liche Jugend," resümiert ein Gewährsmann aus dem Reg.-Bez. Liegnitz. Aus acht Gemeinden des Reg.-Bez. Breslau werden Vergehen von Dienstherren gegen die Untergebenen gemeldet, aber, so heißt es in einem Bericht,„Geld deckt manche Schande zu". Achnlich bemerkt ein Geistlicher aus dem Reg.-Bez. Oppeln:„Da kommt manches vor. wird aber totgeschivicgen," aber es„kommt vor, daß Inspektoren junge hübsche Arbeiterinnen verführen." Endlich sei noch ein Bericht ans dem Regierungsbezirk Frank- fnrt a. O. mitgeteilt:„Bauern und Inspektoren lassen viel zu wünschen übrig. Es kommt vor, viel häufiger als man erfährt, denn in die Oeffentlichkeit dringt nicht alles, daß junge Besitzer und die Söhne der älteren geschlcchtlicken Umgang mit dem weiblichen Arbeiter- personal pflegen, vorgeschoben wird meist ein einfältiger Knecht." Wir wollen uns mit diesen Materialien zu»: Arbeitgeber-Para- graphen begnügen: sie ließen sich leicht vervielfachen. Gerade aus den konservativen Gegenden, allwo noch patriarchalische Verhältnisse und christlich- germanische Tugend herrschen, sind die weiblichen Arbeiterinnen vielfach ein schutzfreies Wild für Arbeitgeber und Vor- gesetzte. Man begreift angesichts dieser Verhältnisse, warum die Konservativen so leicht und fröhlich auf den Arbeitgeber- Paragraphen„verzichten". Der ganze Sittlichkcitsfanntismus dieser Kreise ist eitel Heuchelei, und jener Thüringer Mitarbeiter des er wähnten Buches hat schwerlich Unrecht, ivenn er behauptet, daß die maßgebenden Herren der Unsittlichkeit darum nicht auf den Leib rücken wollen, weil ihr Vorleben es ihnen vielfach erschwert, und weil sie sich dadurch in Widerspruch setzen würden mit langgehegte» Grundsätzen oder langgepflegten Gewohnheiten." Der Mißbrauch socialer Uebermacht ftir sexuelle Ausschweifungen ist, mag man noch so weitherzig denken, unter allen Umständen abscheulichste Unsittlichkeit: dennoch wollen die maßgebenden Herren dieser Unsittlichkeit nicht auf den Leib rücken. Dafür verfolgt man das Nackte in der Kunst, deren die maß- gebenden Herren freilich nicht bedürfen: denn die Bildcrchcn und Druckhefte, mit denen sie sich daheim zu kitzeln lieben, haben mit der Kunst nichts zu thun._ politische Avbevlicht. Berlin, den 6. März. Der Reichstag erledigte in seiner gestrigen Sitzung die zweite Lesung des Gesetzes betreffend die Konsulargerichtsbarkeit sehr chnell durch en bloc- Annahme der Kommissionsbeschlüsse und trat dann in die Beratung der Petitionen ein, die noch ihrer Erledigung im Plenum harren. Frei- lich über die beiden ersten Petitionen ist er Dienstag nicht hinausgekommen und wird morgen deswegen in der Weiter- beratung derselben fortfahren. Die beiden heute erledigten Petitionen betrafen allerdings sachlich sehr wichtige Materien, einmal das Vereins- und Versammlungsrecht, sodann den Be- ähigungsnachwcis im Baugewerbe. Bei der ersten Petition lag es nahe, die Beschwerden über die Handhabung des Vereins- und Versammlungsrechts in den verschiedenen Einzel- staaten verlautbaren zu lassen, was denn auch in ausgiebigem Maße von dem Abg. Stolle für das Königreich Sachsen, von Dr. H e r z f e I d für Mecklenburg und von dem Abg. B a u d e r t für Sachsen-Weimar-Eisenach geschah. Auch Abg. Heine beteiligte sich an der Debatte, stie Darlegungen unsrer Redner erhärteten das Bedürfnis nach einer reichsgesetzlichen Regelung der in Frage stehenden Materie. Auch andre Redner aus dein tHause schlössen sich unsrem Verlangen an, mit Ausnahme der rechten Seite, für die der Herr von Treuenfcls, ein Abgeordneter aus dem Lande der Ochsenköpfe, seine Zufriedenheit mit der jetzigen Praxis ans- sprach. Die Petition auf Schaffung eines Reichs- Vereins- gesetzes wurde dem Reichskanzler zur Berücksichtigung über- wiesen. Wenig erfreulich war dagegen die Abstimmung über die Petition betr. die Einführung des Befähigungsnachweises imBau- gewcrbe. Auch sie wurde trotz entschiedener Vorstellungen von unsrer Seite zur Berücksichtigung der Regierung überwiesen. Die Mittelstaudspolitiker zogen alle Register, um den Segen engherzigster Zunftpolitik für das Handwerk zu betonen. Von der rechten Seite sprachen die Abgeordneten Pauli- Potsdam, Dr. Hahn, dann kamen die Antisemiten Werner und Bin dewald, welch letzterer als Beweisstück sogar das verschleierte Endziel aus seinem Materiallager für Reichstags- reden hervorholte. Das Centrum ließ durch den Abgeordneten Gröber seine Bereitwilligkeit erklären, die zünftlerische Politik mitzumachen, und selbst die Vertreter der Großindustrie, die Nationalliberalen, wollen das zünftlerische Spiel mitmachen. Mög's den Handwerkern gut bekommen, was für sie gebraut wird I Unsre Redner, die Abgg. F r o h m e und Stolle, wiesen eingehend und be- weiskräftig nach, daß der Befähigungsnachweis für das Bau- Handwerk eine taube Nuß sei, daß zwar eine kleine Zahl Interessenten dadurch eine Privilegierung er- fahre, daß aber eine Verminderung der Bau- Unfälle durch den Nachweis der technischen Befähigung in keiner Hinsicht herbeigeführt würde. Der einzige Weg, eine solide Bauausführung zu gewährleisten, liege in guten und scharfen Bauordnungen, in strammer Bauaufsicht durch die bau- polizeilichen Organe. Gegen unsre und der Freisinnigen Stimmen wurde indessen unser Antrag auf Uebergaug zur Tagesordnung abgelehnt und wie oben beschlossen.— Die Beratung des KultuSctats. Das Abgeordnetenhans begann am Dienstag die zweite Be- rainng des'5t u l t n s e t a t s. Bei den„Einnahmen" kam cS zu einer interessanten Debatte über das Verhalten des Breslaucr II n i v e r s i t ä t s- P r o f c s s o r s Reißer, der bekanntlich an Kindern und Prostituiertcu, die ihm zur Heilung anvertraut waren, Versuche mit Injektionen von Syphilis- Serum gemacht haben soll. Zur Zeit schwebt gegen ihn ein Disciplinarverfahren, die Staats- onwaltschnst ist nur deshalb nicht eingeschritten, weil, als der Fall zu ihrer Kenntnis kam, bereits Verjähnnig eingetreten war. Ein abschließendes Urteil über diesen Vorfall können wir uns natürlich ebensowenig gestatten, wie die Abgeordneten, die ihn zur Sprache brachten. Sollte es sich aber wirklich so verhalten, wie es seitens des Abg. v. Pappenheim(k.) dargestellt wurde. so würde in der That ein so schwerer Fall von Vertrauens- mißbrauch, noch dazu von WertrauenSmißbrauch gegen hilflose und arme Geschöpfe vorliegen, wie man cS kaum für möglich halten sollte. Es handelt sich' hier, wie mit Recht hervorgehoben wird, nicht um eine Parteifrage, sondern um eine Frage, an der Angehörige aller Parteien in gleicher Weise interessiert sind. Kein Wunder also, daß alle Redner von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken einstimmig waren in der Verurteilung derartiger Experimente am menschlichen Körper. Auch Abg. V i r ch 0 w(fr. Vp.) schloß� sich diesem Urteil im allgemeinen an. indem er in klarer Weise die Grenze zog. bis zu der wissenschaftliche Forscher in solchen Fällen gehen dürfen, zugleich aber auch durch seine Ausführungen den- jeiiigen. die etwa aus solchen gewiß verdammeuswürdigen Vorfällen eine Agitation gegen die medizinische Wissenschaft überhaupt her- leiten wollen, den Boden entzog. Nachdem noch Abg. Kreitling(fr. Vp.) die Negierung für die Erhöhung der Kranken Haussätze in der Charits einen Tadel ausgesprochen hatte, wurden die Einnahmen bewilligt. Bei den Ausgaben entspann sich, wie gewöhnlich, im Anschluß an den Titel„Minister" eine K u l t u r k a m p f- D e b a tt e. die sich nur dadurch von den Debatte» früherer Jahre unterschied, daß sie nicht der kampferprobte Abg. Danzenberg mit seiner dreistündigen Rede, sondern Abg. Ficht, u. H e e r e m n n(C.) mit einer kürzeren Rede eröffnete. Inhaltlich sind ja diese ultramontanen Herzens- ergüsse genau so bekannt wie die nationalliberalen Erwiderungen. Größeres Interesse beansprucht die Rede des Abg. Sänger (Hasp. der frs. Vp.). der u. a. die Frage des R e l i g i o n s u n t e r- richts der Dissidenten linder zur Sprache brachte und das Verhalten des Kultusministeriums, das bekanntlich die Kinder dissidentischer Eltern zur Teilnahme am Religionsunterricht zwingt, treffend als einen schweren Eingriff in die Rechte der Eltern über ihre Kinder bezeichnete. Der Minister S t u d t erwiderte kurz, daß bezüglich der Behandlung der Dissidentenkinder Beschwerden in letzter Zeit nicht an das Ministerium herangetreten seien, und daß die Praxis des Ministeriums sich auf die Llaniinergerichts-Entscheidmigen stütze. Eine Aenderuiig könne er für die nächste Zeit nicht in Aussicht stellen. Der neue Minister scheint also ganz die Bahnen des seligen Bosse wandeln zu wollen. Im Verlaufe der Iveiteren Beratung des Kultnsetats, die Mitt- woch fortgesetzt wird, soll auch der Fall Arons zur Sprache kommen. Schon heute schnitt ihn Abg. Gras M o l t k e((.) an, indem er sich einen Ausfall erlaubte gegen die, die im Fall Arons eine Unterdrückung der Freiheit der Wissenschaft und in der lex Heinze eine Gefährdung der Kunst erblicken.— Auf eine Reichstags-Auflösung richten sich nunmehr die Konservativen ein. Wir haben deZ öfteren dargelegt, daß die Junker innerlich gegen die gräßliche Flotte sind, während sie aus hofpolitischen Gründen für sie begeistert scheinen müssen. Eine ReichstagS-Auflösung brächte ie in die fatale Lage, ihren widerspenstigen Wählern den Marinismus einzuflößen. Aber die Konservativen haben bereits das rettende Mittel gefunden. Scheitert die Flottenvorlage, dann soll sie wenigstens über die D e ck u n g s f r a g e stürzen. Die Konservativen werden aus purem Patriotismus zwar für die Marine sein, aber— die Börse soll den Schwindel bezahlen. Wenn sich dann Negierung und Reichstag auf diese Deckungslösung nicht einlassen und der Flottenplan an der Meinungsverschiedenheit in der Kostenaufbringung scheitert, so können die Konservativen wohlgemut in den Wahlkamps gehen. Sie werden dann ihren Leuten sagen: „Als gute Patrioten sind wir natürlich stets für die Wehr- haftigkeit des Baterlandes. Aber, seht Ihr, von der Flotte hat doch eigentlich nur die Börse Vorteil. Also müßte auch die Börse die Kosten zahlen. Der judendienerische Reichstag wollte das nicht. Man lehnte unsre An- träge ab. So kam die Vorlage zu Falle. Als vaterländisch gesinnte Männer halten wir die Ver- doppelung der Schlachtflotte für unbedingt notwendig, aber als deutsche Bauern erklären wir es für gleich notwendig, daß die Börse die Kosten trägt." Die ländlichen Wähler werden sich dann schließlich mit einer Flotte befreunden, welche die Börsenjuden bezahlen müssen, und sie werden ihren alten Führern zujubeln, die so hübsch patriotische und agrarische Interessen mit der Schröpfung der verhaßten Börse zu verbinden wissen. Aus solchen Wahlspeknlationen ist unzweideutig ein Artikel der„Kreuz-Zeitnng" entstanden, die sich Plötzlich zu der An- schauung bekehrt hat, daß ohne eine befriedigende Lösung der Deckungsfrage die Flottenerweiterungsfrage nicht zu lösen sei. Die„Kreuz-Zeitung" empfiehlt demgemäß ein schärferes Anziehen der Steuerschraube der Börse. Weiter regt sie die Einführung einer Tantiemesteuer bei den Aktiengesellschaften an. Und als ob nicht gerade die Edelsten in den Aufsichts- räten säßen, spottet sie: „Aus dem Verzeichnis der AufsichtSratsmitglicder der einzelnen Gesellschaften, das von einer hiesigen„Korrespondenz" heraus- gegeben wird, ist zu schließen, welche Beträge verschiedene Herren auf der„dornenvollen Laufbahn eines Aufsichts- ratsmitgliedeS" einstreichen. Da ist ein Herr am Rhein, der nicht weniger als 16 Aktiengesellschaften als AufsichtSrats- Mitglied, zum Teil als erster oder zweiter Vorsitzender angehört. Alle Achtung vor dieser Leistung. Sechzeh» Gesellschaften: das giebt zum mindesten sechzehn Aufsichtsratssitzungen und ebenso viel Generalversammlungen im Jahre, macht also'zweiunddreißig Ver- sammlnngen, die zumeist ja mit einem„Festessen" abschließen. Für diese aufreibende Thätigkeit müssen sie sich dazu noch be- sonders der Mühe unterziehen, die verschiedenen Quittungen über die einzelnen Tantiemen auszufertigen. Wenn all diesen Herren ihr Amt durch Verminderung des„Schreibwerks", wir meinen durch eine Herabsetzung der zu bestätigenden Tanticmezahlen, etivas erleichtert werden' würde, so dürften wir vielleicht sogar aus ihre Dankbarkeit dafür rechnen, daß wir zu dieser Arbeits- Verminderung die Anregung gegeben haben." Wenn diese, gewiß sehr berechtigten, Spöttereien der Herr v. Kardorff liest— er würde die„Kreuz-Zeitung" sofort socialdemokratischer Tendenzen beschuldigen. Aber das Junkerorgan hat noch weitere antikapitalistische Steuervorschläge auf Lager: Dividendensteuer, Heranziehung der an den Marinelieferungen beteiligten Firmen zu einer prozentualen Abgabe von ihrem Reingewinn, endlich eine stärkere Heranziehung der großen Vermögen: „Einkommen über 50 000 M. können ruhig eine Flottenstcucr von etwa 10—90 Proz. der Einkommensteuer auf sich nehmen. Nach deni Enthusiasmus, der sich gerade in solchen Kreisen gezeigt hat, die über ein derartiges Einkommen zu verfügen haben, sind wir der festen Ueberzeugung, daß sie mit freudigem Blick diesen nnsren Wunsch aufnehmen iverdcn. Sollten wir uns in dieser Annahme täuschen, so würde uns das bitter leid thnn." Das ist ein reichlich gewürzter Hohn, der den flotten- tollen Liberalen auf die Nerven fallen dürfte. Aber es ist zugleich ein vollständiger Umsturz der bisherigen offiziell- konservativen Aeußcrungen. Bei der ersten Lesung der Flotten- Vorlage erklärte Herr v. L e v e tz o w, als Wortführer der konservativen Partei, man dürfe die Deckungsfrage nicht in den Vordergrund schieben; sonst erschwere man das Zustande- kommen deS patriotischen Werks. Jetzt betont, im direkten Gegensatz, die„Kreuz- Zeitung":„Die Hauptfrage. die vor einer weiteren Erörterung der Vorlage zu behandeln ist, bleibt die Deckungsfrage". Die liberale„National-Ztg." ist denn auch ganz entsetzt über diese„wahrhaft skandalöse Behandlung einer großen nationalen Aufgabe". Und ingrimmig ruft sie aus: „Die Methode, einzelne enge Kreise für verpflichtet zur Deckung der Kosten einer Verstärkiing der deutschen Wehrkraft zu erklären, arbeitet auf die D em o r al i sa ti o n d er ö ffe nt- lichen Meinung hin; die Vorschläge der„Kreuz-Zeitnng" könnten sämtlich in:„Vorwärts" stehen; nur daß dieser nicht die Gedankenlosigkeit begehen würde,„Dividenden" für eine Art deS Einkommens zu halten, die nur bei reichen Leuten vorkommt." Wir schauen gelassen diesem edlen Bruderzwist der Flottenpatrioten zu; wir haben solche Auseinandersetzungen von Anfang an erwartet und vorausgesagt: sie sind durch die Jnteresscngegeusätze zwischen Jndustriellberalismus und Agrariertum unvermeidlich. Es ist eine Zersetzung aller Partei- Verhältnisse infolge der weltpolitischen Narretei eingetreten, in der unsre Saat üppig gedeihen muß. Die schlauen Konservativen aber haben nun ihre Wahl- Parole, die sie aus allen Nöten erlöst: Für die Flotte auf Kosten der Börse!— * •« Deutsches Weich. Nicht nnr Dccknugsfrage, soudern auch Inhalt der Flotten- Vorlage, so überschreibt die„Köln. Volksztg." einen Artikel, in dem sie aii die Erklärung des Abg. Schädler erinnert, daß die Vorlage „in ihrer gegenwärtigen Form und in ihrem gegenwärtigen Umfang" für das Centrum unannehmbar sei. Insbesondere wendet sich daS katholische Blatt gegen die Beschränkung des Bndgetrcchts durch die Festlegung auf sechzehn Jahre.— Die„Staatöbürger-Zeitung" setzt ihre verlogene Taktik im Fall des Genossen A r o n s fort. Sie behauptet, daß die jetzt publizierten Aktenstücke„erneut die Parteilichkeit jenes Berichts erweisen, den seiner Zeit der„Vorwärts" über die Sitzung der Fakultät veröffentlichte und als dessen Urheber der Rechtsanwalt Wolfgang Heine bezeichnet wurde". Für jeden der lesen kann, beweisen die Aktenstücke gerade das Gegenteil, und deshalb ist die erneute Anrcmpelung, die die„Staats- bürger-Zeitung" vornimmt, wohl nur als ein VerlegenheitSinanöver anzusehen. Der„Vorwärts" hatte ans Grund von Mitteilungen des Genossen Heine, der AronS verteidigt hatte, am 23. Juli 1890 berichtet: AlSdann begründete der frühere BrcSlaner Professor der Nationalökonomie, Gehcimrat Elster, als Staatsanwalt die An- klage. Er legte weniger Wert darauf, daß AronS seine Gesinnung i n u n g e h ö'r i g e r F o r m zu erkennen gegeben, in ungehöriger Weise agitiert habe, als vielmehr darauf, daß er überhaupt'soeial- demokratische Gesinnung habe. Dies lvar der Punkt, in weichein die„Staatsbürger-Zeitung" damals eine„Entstellung" erblicken wollte. Sie hatte sogar die Stirn zu behaupten, daß bei Mitgliedern der AronS wohlgesinnten Mehrheit der Fakultät„große Empörung" über den„falschen" Bericht herrschte. Der jetzt veröffentlichte Wortlaut des Fakultätsurteils beweist schlagend, daß dies Gerede von einer„Entstellung" und„Empörung" eitel Flunkerei gewesen ist. In dem Urteil hcißi es: Der Herr Staatsanwalt kam in der mündlichen Verhandlung stets darauf zurück, nicht ans die Agitation, sondern auf die Zugehörigkeit zur socialdemokratischcn Partei und auf das Bekenntnis zum Erftirter Programm komme es an. Eine glänzendere Rechtfertigung für den Genossen Heine und den„Vorwärts" als diese von sänitlichen 43 Mitgliedem des Gerichts- Hofs unterzeichnete Feststellung ist nicht denkbar. Heine hat im Sommer unfern Wunsch, er möchte der„Staatsbürger- Zeitung" antworten, abgelehnt, obgleich er durch die Veröffentlichung dieses Satzes damals schon das Geschrei hätte zum Schweigen bringen können. Er war der Ansicht, daß es sich für ihn nicht lohnte, mit Blättern vom Schlage der„Staatsbürgcr-Zeitmig" und mit Leuten, die sich solcher Organe zu ihrer Rechtfertigung bedienen, persönlich auf eine Polemik einzugehen. Die lügenhafte Verdrehung, welche die„Staatsbürger-Zeitnng" jetzt wieder untcriiinnnt, scheint ihm recht zu geben.— Das Fleischschau- Gesetz. Der Kommissionsbericht über das Fleischschau- Gesetz ist erschienen. Es zeigt sich, daß Bundesrats- Vertreter gegenüber mehreren von der Konimission beschlossenen Bc- stimmungen Bedenken geäußert und erklärt haben, eS sei fraglich, ob das Gesetz in dieser Form der Regierung annehmbar erscheinen werde. Dies bezieht sich haupsächlich ans den Beschluß, daß nach Ablauf des Jahres 1003 jede Fleischeinfuhr, mit Ausnahme von Speckseiten und Schmalz, aufhören soll. In industriellen Kreisen wächst die Opposition gegen die Kommissionsbeschlüsse. Besonders die Baumwoll-Jndu- striellcn fürchten, daß durch einen Zollkrieg mit den Vereinigten Staaten die von ihnen vertretene Branche in weitestem Umfange in Mitleidenschaft gezogen werden würde. Die Hamburger Handelskammer hat eine Petition an den Reichstag gerichtet, iw welcher sie die Interessen des gesamten überseeischen Handels als höchst gefährdet bezeichnet. Die Antwort der Vereinigten Staaten fliegt auch bereits vor. Man trifft Vorbereitungen für Gegcnmaßregeln gegen den deutschen Warenexport nach Amerika. Ein Reilter- Telegramm meldet: „Da die Vereinigten Staaten ihrerseits stets betont haben, daß keine fremde Macht daS Recht habe, Amerika bezüglich der in Beratung befindlichen Gesetze Vorschriften zu machen, so hat daS amerikanische Staatsdepartement es auch nicht für opportun gehalten. gegen das deutsche Fleischbeschau-Gesetz, so sehr dasselbe auchin Amerika mißfällt, Vorstellungen zu erheben. In- dessen sammelt das Staatsdepartement Informationen bezüglich der Verfälschung deutscher Waren und der unter dem deutschen Vieh herrschenden Krankheiten und das Ackerbau-Departemcnt läßt die deutschen Weine analysieren." Die Amerikaner machen das einfach, was unsere Agrarier ihnen vormachen. Unter dem Vorlvande hygienischer Schutzmaßnahme wollen die Agrarier daL amerikanische Fleisch ausschließen, unter demselben Vorwande schließen sich die Amerikaner gegen unsre Waren nb. Den Schaden haben die Konsumenten beider Länder.— Kaiser und Kanal. Ter Kaiser hat am Montag dem Land- rat von Stubenrauch folgendes Handschreiben zugchen lassen:„Mit hoher Befriedigung hat mich die Meldung, daß die Vertretung des Kreises Teltow fast einstimmig die Mittel zum Bau des Teltow- Kanals bewilligt hat, erfüllt. Gern spreche ich daher Ihnen und allen Männern, welche mit klarer Einsicht und treuer Hingebung dieses Unternehmen, dessen Bedeutung iv e i t über das Gebiet des n ä ch st b e t c i l i g t e n Kreises hinausragt, befördert haben, meinen königlichen Dank aus. Ihr wohlgeneigter und dankbarer Markgraf und König Wilhelm I. E." Das zeigt, daß der Kaiser den'Kanalbauten nach wie vor eine besondere Wichtigkeit beimißt. Die konservativen Knnalrebcllen des Landtags werden von dem Handschreiben des Kaisers nicht sehr freudig bewegt sein.— Schulreform. Die„Post" hört, daß nach der Neuordnung des höheren Unterrichts wesens in den Gymnasien das Latein in der Quarta beginnen werde; sie fügt hinzn. Griechisch oder Englisch solle erst von der Obcrsckunda an gelehrt werden. Dr. Reinhard, der Direktor des Frankfurter öteformgymnasiums. sei an der Ausarbeitung der neuen Lchrpläne in hervorragender Weise beteiligt. Sicher sei aber, daß nicht daran gedacht werde, die fünf jtaatlichcn Gymnasien Berlins schon zu Ostern dieses Jahrs in Rcformschnlen umzuwandeln.— München, 6. März. Die Kammer der Abgeordneten nahm nach Fortsetzung der Beratung über den Antrag des AnSschnsseS auf Errichtung einer staatlichen M o b i l i a r b r a n d v e r i i ch e r u n g S- Anstal'r den betreffenden Antrag mit 81 gegen 44 Stimmen an. Dagegen stimmten fast alle Liberalen, ferner die Socialdemokratcn nnd ein Teil der Freien Vereinignng. Der socialdcmo- k r a t i s ch e Antrag, wonach die Anstalt den Charakter einer Monopolnnstalt erhalten sollte, wurde abgelehnt. Bei der Umgestaltung des Juuuugswcsens, die auf Grund deS Reichsgesetzcs vom 26. Juli 1897 erfolgt ist. hat sich die Zahl der Innungen in Preußen von 7753 auf etwa 7460. also um 4 bis 5 Proz. vermindert, da zahlreiche kleine und leistungsunfähige Innungen sich aufgelöst haben oder geschlossen oder mit andren verschmolzen worden sind. Dagegen ist die Zahl der Jminngs- Mitglieder von 218 000 auf etwa 290 000, also um rund 33 Proz. gestiegen. Einen starken Zuwachs weisen die Jnnmigen in den RcgicrnngSbezirken Schleswig, Magdeburg, Arnsberg, Düsseldorf, Trier und einigen hannoverschen Bezirken auf, während in den Be- zirken slobleiiz, Wiesbaden und Sigmarin gen. die Gewcrbevereine an Mitgliederzahl ansehnlich zugenommen haben.— Ausland. Um die Anfbringnng der KricgSkoste» handelte cS sich am Montag in einer großen Sitzung deS Unter- Hauses. Der Kanzler deS Schatzamts. H i ck s B e a ch, legte ein Stcucrprogramm vor, dessen Durchführung die � jetzt zur Krieg sführuug nötigen Riesensumme» verschaffen soll. Das Programm lautet: Erhöhung der Einkommen- st e u e r auf einen Schilling von: Pfund, Ausdehnung der Stempelgebühr für die Kontraltnotei: der Fondsbörsen auf diejenigen der Produktenbörse, Steigenmg der Bicrslcner um einen Shilling der Faß von 36 Gallonen, der' Spritstcner mn 6 Pcnce per Gallone, des Zolls auf Tabak nn: 4 Pence per Pfund und ans fremde Cigarren nn: 6 Pence per Pfund, Erhöhung des Theczolls um 2 Pence per Pfund. Für die dann noch zu deckenden 35 Millionen Pftmd Sterling verlangt Hicks Brach die Ermächtigung, dieselben durch ein Anlehen in Bonds oder anderen innerhalb zehn Jahren rückzahlbaren Effekten zu decken. Bei der Kriegs- und S i e g e s st i::: m n n g, in der sich die Mehrheit des englischen Parlaments befindet, hat die Regierung vorläufig Niederlagen in Bezug ans die zur Fortführung des Kriegs getroffenen Maßnahme» nicht zu befürchte::. Campbell- B a n n e r m a n» erklärte namens der Liberalen, die_ Opposition würde die Annahme der notwendigen Resolutionen in jeder Weise erleichtern, mit den: Vorbehalte jedoch, daß sie dadurch nicht im geringsten irgend welche Verant- wortung für die Politik der Regierung übernehme. Er erkannte an, daß Hicks Bcach ehrlich, stantsmännisch und diskret den Schwierig- leiten begegnet sei. Die Regierung werde bei Verfolgung ihrer finanziellen Anträge auf leine widerivillige Stimmung stoßen Ganz fehlte die Stimme des Protestes freilich nicht. Ter Ire H e a l y protestiert dagegen, daß Irland irgend etwas zu den Kosten des südasrikanischen Krieges beitragen solle:»ach Irland sei nicht ein � Pfennig Geld für Kriegsbedürfnisse geflossen. ob- gleich Deutschland. Brasilien, Nordamerika' und Ocstreick Nutzen davon gezogen. Der Zuschlag zur Bräunt- weinstcuer sei ein weiterer Aderlaß für das irische Volk. Die Kriegssieuern sollten ans die Dia m ante:: gelegt werden, und die B ö rs e nn: a k l er und diejenigen, die an: Kriege profitieren, sollten auch dafür zahlen. Der Ire John Redmond stellt Anträge, ivclchc gcgei: das Budget prote st leren, da es für einen ungerechten K r i e g' bestimmt sei und eine erhöhte Ungerechtigkeit gegen Irland darstelle; er beantragt die Herabsetzung der Theezölle um 2 Pence. Der Antrag wird mit 209 gegen 60 Stimmen abgelehnt nnd die Erhöhung der Theezölle mit 223 gegen 43 Stimmen an- genommen. Sodann werden diejenigen Beschlußanträge, welche ans Tabak, Cigarren, Spirituosen nnd Bier erhöhte Zölle legen, unter Opposition der irischen Nationalisten mit großen Mehrheiten an- g e n o in m e::._ Frankreich. Der Zwischenfall in der französischen Kammer, über den wir gestern berichteten, hätte den: ganzen Ministerium leicht gcfähr- lich werden können. Die nationalistische» Blätter erklären heute, daß die Stellung des Ministeriums eine» argen Stoß erlitten habe; mau habe sich überzeugen könne», daß dessen Schicksal von: ersten besten parlamentarischen Zlvijchenfall abhänge. Wenn Pellcran nicht eingegriffen hätte, wäre das Ministermn: gezwungen gewesen, die Demission zu geben oder mindestens Laneffan fallen zu lassen.— Auch einzelne republikanische Blätter erklären. daß Lancssan durch seine wenig klaren Darlegungen das Ministerin::: gefährdet habe.— Wie„Figaro" n:eldet, wird' der heutige Ministerrat sich milden in der gestrigen Kammerverhandlung erfolgten Enthüllungen beschäftigen und wahrscheinlich in dieser Hinsicht ernste Beschlüsse fassen. Das letztere ist bereits geschehen. Im Ministerrat teille an: Dienstag der Marincminister de Laues s an mit, daß er den beiden Beamten in: Marineministerium, Wilhem und Valcntino, von denen in der gestrigen Kammerverhandlung die Rede war, befohlen habe. ihre Stellung als Administratoren der Eorporativgenossenschaft der Staatsbeamten aufzugeben. Der Marincminister kih:d:gte weiter an, daß gegen den Beamten Philipp eine Voruntersuchung eingeleitet sei. PariS, 5. März. sEig. Ver.) Bei einer Kammer-Nach- wähl in Trohes wurde in der Stichwahl der linksradikale Kandidat mit 6915 gegen 2373 nationalistische Sttmmen gewählt. Damit bleibt der Wahlkreis im Besitz der bisherigen Partei. Von Bc- dentung ist an der Nachwahl das Eingreifen und Verhalten der socialistischcn Partei. In der Hauptwahl hatte unser Kandidat Pedro:: sGuesdist), der unermüdliche socialistische Organisator des Aubc-Departements, 3795 Stimmen erhalten gegenüber rund 1460 in den allgemeinen Wahlen von 1898, bloß um 645 Stimmen weniger als der Linksradiknlc. Die Nationalisten von Trohes hatten nun nicht übel Lust, ihre 1666 Hauptwahl- stimmen in der Stichwahl dem Socinlisteu zuzuwenden. Das bißchen Wahlhilfe für die Socialisten hätte ihren demagogischen Zwecken in mancher Hinsicht dienen können, einmal als„ein Tropfen socialistisckiei: Oels", und sodann als ein Mittel, Streit und Spaltung in die socialistische:: Reihen hineinzutragen. Unsre Genossen durchkreuzten aber ihre Rechnung, indem Pedrons Kandidatur vor der Stichwahl zurückgezogen wurde.— Es sei noch bemerkt, daß der 3. Bezirk, die Stadt Trohes, 1267 socialistische gegen 841 linksradikale Stimmen abgegeben hat. Das ist von guter Vorbedeutung für die Gemeinde- wählen des kommenden Mai.— Rußland. Witcbsk. lEig. Bcr.) lieber die 15 Mann, welche im vorigen Sommer anläßlich. der Protestkundgebnng wegen der Ermordung des Arbeiters Kiuvinson ans der Polizei verhaftet wurden, ist nun das Urteil gesprochen worden. Fünf sind zur Verbannung nach Ostsibiric:: ans 3—5 Jahre verurteilt worden; darunter ein Intelligenter, der 4 Jahre in Ostfibirien verbannt war und erst vor kurzem aus der Verbanimng zurückgekehrt war; sei» ganzes Ver- brechen bestand darin, daß er auf der Straße bei Annäherung des Zuges stehen blieb nnd der Demonstration zuschaute. Die übrigen 10 Verhaftete sind nach dem Gouvernement Mohilew ansgewicsen worden.— Tiinabnrg.(Gig. 93er.) Nach dem großen Streik, Ivelchcr mit einem glänzenden Sieg der Arbeiter endete, erkrankte eine Arbeiterin, die an: Streik stark beteiligt gewesen war, an Typhus und starb. Um der Verstorbene!: die letzte Ehre zu erweisen, versammelten sich die Arbeiter der Ziindholzfabrik sowie andrer Gewerbe auf den: Hofe des Krankenhauses und veranstalteten einen höchst demonstrativen Leichenzug. Urber tausend Arbeiter und Arbeiterinnen gingen an: Hellen Tage von der Arbeit und bc- gleiteten die hingeschiedene Genossin. Ans dem Friedhof wurden revolutionäre Lieder gesungen und socialdcnwkratische Reden gehalten. Es war ein Triumph des Einzugs der soeialdemokratischen Ideen in diese Stadt, wo nach dem erfolgreichen Streik die Arbciterbelveguug sich nach allen Seiten verbreitete und große Achtung bei der Be- völkernng gewann. Die Polizei war gänzlich unvorbereitet, so daß die großartige offene Demonstrativ!: ohne jede Verhaftung abging. Rußland und Afghanistan. Die„Civil- and military Gazette" in Labore meldet: Nach Briefen, die ans Kabul eingetroffen sind, ist der Emir v o n A f g h a:: i st a n sehr verstimmt ivcgcn der ZeitungSmeldnngen bezüglich niffijchcr Absichten auf Afghauiflan und der von ihm angeblich' nngeschlagenei: Politik. Der Emir habe dreimal in einem Dnrbar in: Beisein seiner Söhne und der höchsten Beamtei: die Anregung zu einem Bündnis mit Rußland von der Hand gewiesen und die zwischen Großbritannien nnd Afghanistan bestehenden frenndlichcn Beziehungen ausdrücklich betont.— NÄLlamentavtsches. Unfallvcrsichcruugs-Komiuissio». In der Sitzung am Dienstag wurde die Beratung des Gewerbe« UnfallvcrsichernngS-Gesctzes zu Ende geführt. Von größerem Juteresse war nur die Debatte über oci: Antrag der Socialdemokrate». daß einem Bctriebsunlcn:ch:ner oder dessen Stellvertreter, der durch straf- gerichtliches Urteil wegen eines durch Fahrlässigkeit im Beruf herbei- geführten Betriebsunfalls verurteilt wird, zugleich eine Buße an den Ver- letzten bis zu 60C0M. auferlegt werden muß. Durch diesen Antrag würde in diesem Falle der verunglückte Arbeiter so weit schadlos gehalten werden, als es den allgemeinen RechtSgrundsätzen entspricht und zwar ohne ein besonderes Verfahren, weil stets die Buße zugleich mir dein straf- gerichtliche» Urteil verhängt Ivird. Wie sehr bei dieser Bestimmung es Interesse der Arbeiter, namentlich auch das der ländlichen Arbeirer crührt werde, wurde von den Socialdcniokratcn bewiesen durch den Hinweis auf die an: 11. November 1890 in der Sitzung des könig- lichen Landesökvnomie-Kollegiums gehalten« Rede des Kaisers. Bei jener Gelegenheit erklärte der Kaiser, daß während seiner Negiernngs» zeit merkwürdig viele Fälle vorgekommen seien, in denen Arbeiterinnen umgekommen sind durch Vcrnnglücknng_ bei Maschinen. Er habe nun nach de:: Ursachen der Unfälle forschen lassen„und regelmäßig zeigte es sich, daß die Mädchen an ihren Röcken von den TransmissioiiSwellen erfaßt und darin verwickelt wurden. Nun erkundigte ich mich, ob keine Schntzvorrichtungen da waren. Jawohl, hieß es, nach den polizeilichen Vorschritte:: müßte die Welle mit einen: Deckel oder Kasten zugedeckt sein, aber das war in diesen Fällen jedesmal außer acht gelaffen. ES zeigt sich also hier einerseits eine gewisse Gleichgültigkeit seitens deS Besitzers oder desjenigen, der den Betrieb zu leiten hat, gegen das Leben der von ihm beschäftigte!: Arbeiterinnen und andrerseits auch eine Gleichgültigkeit der Arbeiterinnen selbst, die sich daran gejvöhnt hatten, in der Nahe der bcrcgtcn Maschinenteile zuarbeiten und die Welle zu üllafdjvctten.'Schließlich geschah beim das lln glück". Er glaube nämlich, fuhr der Kaiser fort, daß es nicht ge lütge, tuemi der Staat den Arbeitern die Verpflichtung auferlege. sich in acht zu nehmen nnd Ivcnu er ihnen Vorschriften mache, wie sie sich bei den Maschinen zu benehmen hätten. Es sei dies nicht durchführbar. Er glaube vielmehr, daß es viel besser sei,„man legt dem betreffenden Besitzer oder dem, der mit der Leitung von Maschinen beauftragt ist, die Verpflichtung auf, das Personal besser zu beaufsichtigen Kanu der Besitzer sich selbst nicht darum kümmern, dann möge er sich doch solche Beamten halten, die auf die Arbeiter genügend ein- wirken, daß sie sich in acht nehmen... Ich glaube also, die Hauptsache ist beim laudwirtichaftlicheii Maschinenbetrieb, air gehörige Beaufsichtigung der Arbeiter durch die Arbeitgeber hinzu wirken. Wenn das geschieht, so werden die llnsälle schon abnehmen.' Mit diese» kaiserlichen Worten stehe das jetzige Verhalten der bürgerlichen Mehrheit der Kommission und der Negiernugsvertreter in auffälligem Widerspruch. Dasjenige Mittel, durch daS die Arbeit- geber gezwungen werden sollen, für bessere Schntzvorrichtniigen bezw für genügende Beanfsichtigung ihrer Arbeiter zu sorgen, nämlich die persönliche Haftung des Betriebsunternehmers bei fahrlässig vor ursachten Unfällen ist aufs äußerste abgeschwächt worden. Der Kaiser habe bei jener Gelegenheit erklärt, daß er nicht mehr so leicht wie früher eine Begnadigung für solche Betriebs Unternehmer, die sich durch Fahrlässigkeit eine kriminelle Strafe zugezogen haben, eintreten lasse. Die Kommission aber habe der Berufsgenossenschast ausdrücklich das Recht erteilt. einem fahrlässigen Betriebsunternehmer die Haftimg zu erlassen, als. ihm gegenüber von ihrer Seite eine Beguadignng eintreten zu lassen. Die Erinnerung an diese Rede des Kaisers war ganz besonders nnan- genehm dem Herrn Ministerialdirektor des Jnnem v. Wvdtke, der in scharfer Form sich gegen die Soeialdemokrateu wandte und ihnen Belehrung geben wollte, über welche Sachen und in welchem Maße sie bei der Beratung dieses Gesetzes zu sprechen hätten. Diese Belehrung wurde jedoch entschieden zurückgewiesen und dem Herrn erklärt, daß sich die Soeialdemokrateu weder nachsden Wünschen der Regierung noch nach irgendwelchen andern Rücksichten richten, sondern alles das thu» würde», wozu sie im Interesse der Arbeiter sich für verpflichtet hielten. Graf Posadowsky ersuchte die Socialdemokraten, sich nach der der Komniission noch zur Verfügung stehenden Zeit richten. Wenn die Komniissionsberatungen nicht bis zum Beginn der Ostcrferien abgeschlossen seien, so wäre unmöglich, die Reform der Unfallversicherung in diesem Jahre zu Ende zu führen, und dann wäre es fraglich, ob die Regie ruug nicht die Lust verlieren würde, zum drittenuiale mit einem Eni- wurs an den Reichstag heranzutreten. Von socialdcmokratischer Seite wurde betont, daß sämtliche von ihnen vorgelegten Anträge durch aus ernst gemeint seien, und eine erhebliche Verbesserung' des Ge fctzcs zu Gunsten der Arbeiter erstreben. In diesem Sinne würde» sich die Soeialdemokratcn auch weiter au der Beratung beteiligen. Eine unnütze Verschleppung liege von ihrer Seite nicht vor. Dort wo es sich um die Interessen der Uilteruehmer beziv. der Beriissgenoffcuschaften handle, da werde auch von den andren Parteien und der Regierniig die Debatte in weitestem Maße geführt mir ivenn es sich um das Interesse der Arbeiter handelte, dann sei angeblich die Zeit zu knapp. Bet der Abstimmuug wurde schließlich der soeialdcinokratische Antrag von allen bürgerlichen Abgeordneten abgelehnt. Nächste Sitzung Mittivoch, in der das' Mantclgesetz znr Beralung gelangt v a .. 3» dcrJBndgctfommiffion des Reichstags stand am Dienstag rie Postcheckvorlage zur Beratung. Bei der Abstimmung gelaugt ocr Borichlag der Subkommission in folgender elwas veränderter »Miil zur Ainiahiue;„Dem Etatsgcsctz für ILM wird folgender m f., Ncichs- Postverwaltung wird ermächtigt, den Hzost-Eheckverkehr einzuführen. Die für die Benutznng des Verkehrs zu beachtenden Vorschriften werde» durch eine vom Reichskanzler zu erlassende Verordnung unter Beachtung der»achsiehenden Bedingungen getroffen: 1. Eine Verzinsung der ans den tionten gebuchten Einlagen darf nicht stattfinde». 2. Für cle Einzahlungen und Rückzahlungen im Checkverlehr werden Ge nhreu nicht erhoben. Jedoch bleib! es dem Neick>Skaiiz!e& vor- , U011 1'e" Conto-Jiihaberu, deren Contoverkehr jährlich mehr ol« vM Buchungen erheischt, eine dem Rkaße der Jiiauspriichnahme .7$™ entsprechende Erhöhung der Stammeiulaqe von ivu M. in Anspruch zu uehmen. Die Festsetzung erhöhter Stanimeiiilagen hat den beteiligten Conto-Jiihaberu gegenüber nach Grundsätzen zu erfolgen. 3. Zu den Einzahlungen im -zosicheckvcrkehr bedarf es mit dem Namen der Eouto- Inhaber und der Conto-Nummer bedruckter Zählkarten nicht. Einzelne Formulare zu Einzahlungen werden am Schalter der' Postanstalte» au das Publikum unentgeltlich abgegeben. Wünscht ein Conto- In- fiaber auf dem Forumlar den Vordruck seines Namens und seiner Eoiito-Nummer. so können die Kosten vom Postchcckamt in Nechniing gestellt iverdeu. 4. Beantragt ein Conto- Inhaber, daß die snr U)n eingehenden Postauweisungen seinem Checkconto gutgeschrieben werde», io hat das Postamt nicht zu verlangen, daß er'dem' Post- amt zum Zwecke der Ueberweisung der Geldbeträge an das Check amt die ans sein Conto lautenden Zählkarten liefert, ö. Für die Abhebungen vom Checkeouto ist ein einheitliches Formular, imiteiid„an N in N oder Ueberbringer" vorzuschreiben. Der Preis der Checkhefte mit öv Blättern ist ans höchstens öv Pf. fest zusetzen. 6. Das ans dem Checkverkehr sich ergebende Saldo ist, soweit»icht ans ihm die Kassenmittel zur Durchführung des Check- Verkehrs zu verstärken find, an die Reichsbank gegen tägliche Küiidigung abzuführen. In dem Abkommeii mit der Reichsbank ')t zur Bedingung zu mache», daß das Kapital von ihr mit 3 Proz. unter ihrem jedesmaligen Wechseldiskont, mindestens jedoch mit l'/aProz. nnd höchstens mit 3 Proz.. verzinst wird, ferner, daß die Ver- ziusmig mit dem auf die Einzahlung folgenden Werktag beginut und mit dem Tage vyr der Abhebimg wieder aufhört. Bei der zinSbarcii Anlegiing der Kapitalien hat die Reichsbank die für ihren Geschäftsverkehr allgemein geltenden Vorschriften iune zu halten. 7. Zur Regelung des PostcheckivesenS für die Zeit vom t. April Ivvö ab ist ein Gesetzentwurf vorzulegen.— Der Etat für die Ein führ uug des Checkverkehrs iin Reichs-Postgebiete wurde daraus uuverändert genehmigt, mit der Maßgabe, daß die Einführung erst am 1. September 1900 er- n-.gt, nicht, wie geplant ivar, bereits am l. April.— Mittivoch steht '» der Kommission der Etat des Pensions- und JuvalidenfoiidS zur Beratimg._ 3« der Beleidigungsklage deS Dr. Lütgenau gegen unfren Parteigenossen Bredenbeck stand am Dienstag Termiil vor dem Schöffengericht in Dortmund au. Wie rins telegraphisch ge- meldet ivird, hat das Gericht eS abgelehnt, auf den von unsrem Parteigenossen Bredenbeck augebotcuen Wahrheitsbeweis einzugehen. Es wurde nur erörtert, ob Bredenbeck bona fickos gehandelt habe. Die Verhaiidluilg dauerte 7 Stunden und wird das Urteil erst am 13. Marz verkündet werden. Einen Bericht bringe» wir in nächster Nnminer. Gegen die Flottenvorlage erklärten sich zwei gut besuchte Versamnilmigen in Elberfeld und Barmen. In beiden referierte Reichstags-Abgeordneter Hoch; Gegner beteiligten sich nicht an der Debatte. In Lauen bürg tagte eine Versammlung, die von 400 Personen besucht war und einstimmig gegen die Flottenvorlage votierte. Eilte Konferenz der Parteigenossen des 11. badischen Wahl- kreiseS, die in W e i n h e i m tagte, Z beschäftigte sich unter auderin auch mit der letzte» Laudtagsivahl. In der Diskussion wurden fast aus allen Orten Klage» geführt über die»»loyale Haltung der Oppositioiisparteien bei der Aufstellung der Wahlmäimer; doch wurde eine Resolution aus Ladeuburg, ivelche sich für die Znkunst gegen jedes Kompromiß bei Laiidiagsivahk» wandte, zurückgezogen, nachdem eine allgemeine Aussprache der Delegierten erzielt war.' Polizeiliches, Gerichtliches«sw. Der beleidigte Landrat. Vor der Strafkammer deS Land gerichts zu Erfurt wurde heute der Redacteur der„Tribüne", Genosse May, zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Er soll in einem Artikel über die Errichinng eines Gewerbegerichts den Landrat des Erfurter KreiseS dadurch beleidigt haben, daß er von ihm sagte, er habe die socialpolitischc Bedenlung eines Gewerbegerichts erfaßt Diese» Lob ist als Beleidignng eingeschätzt worden, In Erfurt sind die Herrschafte» äußerst empfindlich, wie mau sieht, weuu ei» Soeialdemokrat sich untersieht, einen tgl. preußischen Landrat zu be leidigen.— — Freigesprochen von der Anllage, sich gegen das VcreinSgesetz vergangen zu habe», wurden die Gcuosscu P. Marek und Jos. K e u d z i>v a iu Zaborze B. vom Amtsgericht in Zabrze. M. und K. sollten sich am 29. Dezember v.J. dadurch gegen daS Vereins- gesctz vergailgeu haben, daß sie iu Biclschowitz ein Versaumiluiigs- lokal, iu dem eine Partciversaunnluug„wegen ungenügender Be- lelichtnug" aufgelöst worden war, nach seiner„Rännunig" noch einmal betreten hatten, der eine,»m eineu Stock, der andre, um einige Flaschen Bier zu holen, die in der Eile der Ränmnng vergessen worden waren._ Der Nnssiand der deutsche« Bergarbeiter scheint im langsamen Versiegen begriffen. Nur im Halleschen Revier hält sich der Streik in einigen Gruben aufrecht, sonst ist die Be wegniig erloschen. J» Zeitz wurde am Sonntag beschlossen, die Arbeit lvieder aufzunehmen, und in Menselwitz-Rositzer ist mau dem gleiche» Beschluß gefolgt. ES bleibt abzuwarten, ob auch hier die Unternehmer eine so sanatische Rache an den Arbeitern nehmen als eS in Sachsen geschieht. Vorläufig ivird dabo» nichts berichtet und es ist" auch nicht anzil- nchincn, daß es geschieht, hat sich doch in diesem Revier die Be- ivegmig nicht als ganz erfolglos bewiesen. In einigen Werken haben die Arbeiter kleine Lohnzulageii erhalte», mir die Verkiirzling der Arbeitszeit wurde ihnen, abgesehen von einigen lveuigeu 8(118» nahmen, abschläglich beschieden. Ganz ohne polizeiliche Maßnahmen gegen die Streikenden ging e» hier uicht. wobei ivohl die sächsische Behörde als Muster diente. So wurde in Menselivitz eine VersaiiMilmig verboten, weil, wie es in dem Bescheid de» Alteiibnrgischen LaudratSaintS hieß, eine Gefahr für die öffentliche R n h e il u d gesetzliche O r d- n u 11 g vorhanden sei. Mit dieser Begriindiuig kann natürlich jede Versamuillmg der Streikenden verboten werden, und das Koalitionsrecht steht nur noch ans dem Papier. Nachdem der Streik in Sachsen erdrosselt ivar, konnte der w eitere Ausgang des Kampfes nicht mehr im Zweifel sein. Die sächsischen Kapitalisteu feiern ihren Sieg! Mit nnbeschreiblicher Wut nehmen die Werkbsitzer jetzt an den zurückkehreudeu Arbeitern Rache. Die Zahl der G em a ßr e g e I t e n beträgt nahezu 400, meist Familienväter. Aber damit nicht genug, bemüht sich da» übrige lluteriichiiiertm». den Geächteten jede Beschäftigimg zn verwehrcu. Vergeblich gehen die Arbeiter von SlrbeitSstätte zu Arbeitsstätte, die aus den Bergwerken Entlassenen erhalten keine Arbeit. Die Unternehmer, im Vollgefühl ihrer Macht, wollen die Arbeiterkanaille mit Hunger züchtigen; Ivo der Dienst der Staats- gewalt nicht voll seine Schuldigkeit tyat, greifen sie ein, um den Lohnskaveu ihre ganze Niedertracht fühlen zu lassen. Aber nicht genug damit, daß so zahlreiche Arbeiter von der Arbeits- stälte zurückgewiesen wurden, sie nuiffen die..Hmnaiiität" der deutsche» Unternehmer ganz kennen lernen. Alle Geiiiaßregelten haben ihre Rechte an die KnappschastSkasse verloren, auch die Ansprüche, ivelche ihnen die Zlirnckzahlmig der geleisteten Beiträge bei regelrechter Auflösung des Arbeitsvertrages gewährte». Jahrelang haben die Arbeiter ihre Bei- trüge geleistet lind in dem Augenblick, wo sie vvn ihrem Recht, dem KoalitionSrecht, Gebrauch niacliten, gehen sie ihrer Ansprüche ihres eingezahlten Geldes au die Kasse verlustig. So sieht die S 0 e i a l r e f 0 r m in Deutschland a u S, daß sie die Unternehmer die Mittel liefert zur Knechtung der Arbeite r. Hohnlachend sehen die Kapitalisten auf die Slrbeiter, mir sie haben den Vorteil vom Streik genossen. Den Arbeitern werden die geringen Löhne weiter gezahlt, indessen die Unternehmer die Kohlenpreise erhöhen. Die Klassengegensätze zeigen sich hier in ihrer ganzen Schärfe denn hier, Ivo alles gegen die Arbeiter zum Schlage ausholt,»mß er feine isolierte Stellung fühle», ihnen müssen die gewaltige» Gegen- sätze klar werden, die sich zivischen Kapital und Arbeit gustbun. Hier giebt e» kein Ausgleichen der Gegensätze. Wo mit solcher Leidenschaft jede selbständige Regung der Arbeiter niedergehalten ivird. Ivo Recht und Gesetz aufhört für die Arbeiter zu gelten, da giebt es nur ein Mittel; Kampf, unversöhnlicher Kampf der 8lrbe!terklasse gegen die kapitalistische SluSbeutuiig! Die Aussperrung in der Berliner Holziudufirie. Die Tischler hielte» gestern vormittag drei Versammlungen ab, die überaus gut besucht waren und es kam eine überaus kampiesfrohe Stiumiuiig der Arbeiter zm» ÄllSdruck. Nirgend» Kleininütigkeit, sondern überall festes Ziisammenhalteu»»d liilerschiitterliche 8liiS- daner. Der große Saal der Brauerei Friedrickishain war bis ans den letzten Platz besetzt. Hier erstattete Tischler M a a ß den SituationSbericht. Danach stehen gegenwärtig 9400 Tischler im Streik. Zu neuen Bediiigliiigeu arbeiten liiigefähr 2000 Tischler in 203 Werkstätten. 920 Ledige haben bis heute Berlin verlassen, deren jahl sich mit jedem Tag steigert. Von den Streikenden der Laden- und Comptoirbraiiche seien bisher 120 Manu abgereist, während»nr »vch 200 Aiisständige zu verzeichnen seien. I» dieser Branche liege die Situation äußerst güiistig, so daß auf einen baldige» Erfolg gerechnet werde» lönue. Unter wiederholtem Beifall kritisierte Reduer ?ie KampfeSweise der Gegner, um deren Sache eS uubedingt schlecht fteheu müffe, da sie zu den verwerflichsten Mitteln greifen müssen. Redner wandte sich dam» einem Llrtikel iu dem„Tischlermeister" zu. Dort wird gesagt, daß selbst Gesellen aiierlaniiteii, daß dieser Streik ein unglückseliger und aus reinem Uebermut iu Seene gesetzt sei. Weiter ivird in dem Artikel behauptet, daß wenn vor AnSbrnch dieses Streiks eine Kommission von Meistern und Gesellen zusammeugetreteu wäre, dies zu einer Verständigung geführt bätte. Demgegenüber bemerkte Redner, daß von den Arbeitern nichts uiiverstichl gelassen worden sei, diesen Streik aus gütlichem Wege zu erledigen. Die nachsolgende» Redner in der Diskussion äußerten sich zustimmend zu den Lliisführuiige» des Referenten. Sodann nahm der BerbaudSvorsitzende Kloß aus Stuttgart das Wort. Redner drückte den Streikenden seine Ancilcnnung aus ür ihre musterhafte Haltimg. Der Ceutralvorstaiid habe ihre Forderuugeu für berechtigt anerkannt und werde sie uuterstützei,. Die Behauptung des„Tischlermeisters", daß der Verband noch 190 000 M. Schiildeu zu tilgen habe, sei wohl nur erfunden, um die störrischen Meister über die Berteidiguiigsmittel irre zu führen. Mit dem Appell an die Streikende», einig zllsanmtenzuhalte», schloß Redner unter dem Beifall der Versammlung. Die Versammlungen bei Wernau. Schwedterstraße, und im Lokal„S a n S s 0 n e i" nahmen einen gleich günstigen Verlauf, die Streikenden sehen iu Ruhe den weiteren erfolglosen Beiuühungeu der Uuternehiuer entgegen: sie vertrauen aus die Arbeiterschaft, die dafür sorge» ivird, daß die Uuteriiehmer mit diesen brutalen Gewalt- mittelil nicht siegen werde». In Friedrichsberg tagte am Montag eine Versammlung, zu der die Tischlermeister eingeladen waren. Gleich zu Begin» der Versammlung forderte ei» Meister seine Kollegen aus, den Saal zu verlassen, da sie keine Veranlassung hätten, sich von der„Freien' Vereinigntig" loszusagen. Dieser Anfforbenmg folgten einige, während die übrigen wiederholt in der Diskussion das Wort nahmen, um das Vorgehet! der Fabrikanten zu verteidige». Zu irgend einein Ergebnis führten die Verhaiidluiigen nicht. Der Streik Ivird bereits zu Preiserhöhungen von de» Tischler- »leistern ausgenützt. So hat die Firma Karl 8lbe(, Epiegelrahmeu- fabrik, Markusstraße, ei» Cirkular an ihre 5t»i>den versandt, in dem sie ö. Proz. Preiserhöhung für ihre Fabrikate ankündigt. Lllso bevor »och der Streik eine Lohnanfbessernng herbeiführt, wird derselbe zu Pt-ciscrhöhiliigcu bcnützt. Aber die lltilcci�hmer törnieii nie höhere Löhne zahlen. . Die Möbelstolicrer haben 10 000 M. an Unterstützlingsgeldern ausgezahlt, nicht 1000 M., wie durch einen Druckfehler gestern be- richtet wurde. »«- <* Wir erhalten folgende Zuschrift: Der Tischlermeister Julius Apelt erklärt in Nr. 53 des„Vorwärts", das; die Notiz in Nr. 48: „er habe in einer Versammlnug der Tischlermeister den Leitern der Freien Vereiniguitg der Holzindnstrielle» eifrig selimdiert", auf Un- ivahrhcit beruht. Dazu habe ich folgendes zu erklären: Am Freitag, den 23. Februar fand im Restaurant„Ostbahnhof" eine Versammlung der Tischlermeister des Ostens statt, in welcher auch Herr Apelt an- wesend' war und sich umilittelbgr nebe» mich niederließ. Abgesehen von einigen recht nnpassendeu Bcincifnngcii über den Streik, welche' seinerseits bei den Tischgesprächen ge- macht wurden, war es besonders ein Fall, der nu- bedingt zur Kenntnis der Parteigenosse» gebracht werden muß. Der bekannte Holzhändler Herr Bich gebrauchte bei seinen?ln»- führnngeil die Wendung, daß die ehemaligen soeialdemo- kratischen Tischlergesellen als Tischlenneister jetzt daS anwenden, was sie von der Socialdemokratie gelernt haben, u>1 d u u u auch mal den Gesellen auf die Hühner» a 11 g e u treten>v e r d e 11. Hierauf erfolgte ein lautes„Sehr richtig" von selten des Herrn Apelt. Ein' Irrtum meinerseits ist vollständig anögeschloffen, da ich, wie vorher erwähnt, immittelbar»eben Herrn Apelt gesessen habe. H e nn a n 11 K u n z c. GeviLxtS �Ssituug» Slrbeitswilligeuschnl:. Eine Streikgeschichte beschäfiigte gestern die nennte Strafkanmier des Landgerichts I. In der Kistensabrik deS Fabrikanten Werner legten die Slrbeiter am Morgen des 9. Oktober v. I. die Arbeit nieder, weil ihr Chef sich iveigerte, den Zuschneider, mit dem die Arbeiter nicht zilsriede» waren, zu entlassen. Bon dieser Zeit an patrouillierte selbstverständlich ein Teil vor der Wernerschen Fabrik auf und ab, um den Zuzug abznhalren. Der Kistenmacher F ranz S p l i 11 t e r soll dabei über daS Maß deS Erlaubten hinausgegangen sein. Wie i» der gestrigen Ver- haudliiiig festgestellt wurde, hatte Splinter einem Kollegen, der auf Befragen erklärt hatte, bei Werner Arbeit nehmen zu wollen, die Worte ziigernscn;„Wer bei Werner die Llrbcit gnfniinmt, der kann seine Knochen im Schimpftnch nach Hanse tragen". In diesem Verhalten wurde daS Vergehen der Nötigung erblickt. Der Gerichtshof ivar mit dem Staatsanwalt der Sliisicht, daß es im Interesse der Arbeitswilligen sotvohl wie der Allgemeinheit(!) liege, derartige Veeinflussnngeu energisch zu ahnden. Es wurde deshalb»ach dem Autrage auf eine Gesängiiisstrafe von drei Monaten e r k a u u t. Aus Plötzeusec. Wegen Verbrechens im Amt hatte sich gestern der Gesangenenansieher Julius Nie r e vor der ersten Strafkammer am Landgericht II zu verantworten. ES waren 50 Zeugen geladen, darunter befanden sich 24, die zur Zeit»och im Gefängnis sitzen. Die Veranlaffiing zu diesem großen Prozeß hat ein Stückchen Wurst gegebe», an ivelchem ein Stück Pelle hing. DerPolizei-Jnspektor Haiiptmauu a.D. v. M a l tz a h ii fand dasselbe»nd kalknlierte. das; ei» Gefangener. dem die Wnrst. die im Gefängiliö stets ein seltener Slrtikel ist, nicht mehr geschmeckt halte, dieselbe ans dem Fenster seiner Zelle geworfen habe. lieber der Fundstelle lag die Zelle des reichen Geflügel- Händlers Pank Weg n er ans Fricdrlaisberg. der wegeil Betrugs »nd Urlniidenfälschmig zu einem Jahr Gefängnis verurteilt>vorde>i ivar. Wegner wurde' fast alte Wochen cinnial zu seinem in Berlin wohueudeu Slrzt geführt. ES lag der Verdacht vor, daß er bei diesen Gelegenh ei leu NahruiigSmittel zur Erhaltimg seiner Gesundheit einführte, obtvohl der LInfseher Stabe» oiv, Ivelcher dem Hausvater zur Uiitersttitzimg beigegeben war, die Pflicht hatte, deii heimkehrenden Gefangene» sorgsam zu visitiere». 8lm 7. Anglist war Wegner wieder ausgesiihri ivorden. Am Tage daraus revidierte Herr von Maltzahu die Wegnersche Zelle n»d da fand er im Tischkaste» zwei Spiele Karte», Schachsignren und andre Spielereien. Alif dem Regal für daS EßgeWrr stand cine Schüssel mit Schmorbraten, außerdem ei'» anschuliches Stück Schinken, ferner Kaffee, Thec, Zucker. R>»». In einer iu der Zekle befiiidlicheii„kiaporr" faiidcn sieh sechs Flaschen Bier und als am nächste» Tage in Gegenwart des U» t ersuch» ug s r icht er» noch eine neue Revision der Zelle stattfand, da fand sich noch eine Büchse Spargel und ein Instrument, welches dazu geeignet war, die Thürklinke, die im Innern der Zelle fehlt und nur von Außen zu erreichen ist, durch die Speiseklappe zu erreichen und iu Beivegnng zu setzen, damit aber auch die am Tage»uverschlossene Zellenthür zu öffnen. ES wurde im» gegen den sofort suspeudierteil Aufseher Niere die Uiiterfuchüng eingeleitet. Ihm umrde zur Last gelegt, daß er die auf seiner Station liegenden„Selbstbeschäsliger", sämtlich Leute, die Geld hatten, mit allem möglichen versorgt, ihnen jede Freiheit und häufige Zusammenkünfte gestattet, dagegen die Gefangene», die nichts besaßen, streng behandelt zuhaben. Der Angeklagte bestritt jedes Verschulden seinerseits. Die Ober- beamteii»nißteii zugeben, daß an inanchcn„Mißständen" der Beamteimiangel schuld trage. Die gefangenen Zeugen e n t- lasteten de» Slngeklagten durchweg»nd was sie früher Belastende» ausgesagt hatten, das"zogen sie heute zurück. Der Staatsamvalt beantragte zwei Jahre ZlichthauS, den Verteidigern, Dr. Werthaner imd Ulrich gelang es aber leicht, alle Verdachtsmomente z» beseitigen. Der Gerichtshof schloß sich der Vcrteidignng an»»d erkaiinte ans F r c i s p r c ch n» g: Schinken von Margariuc-Mohr. Wegen wissentliche» Feil- Haltens verdorbener NahriiiigSmiliel sowie wegen Uebertretung der Polizeiverordming, welche vorschreibt daß von anSivärtS oingeführtcr Schinken in Berlin untersucht iverdcn»i»ß, stand gestern der Kaufman» Hermann I h d e ans HanUnug vor der vierten Strafkaimncr de» Landgerichts l. Der Angeklagte, der bereits ivegeu Vergehens gegen das Nahningsmittelgesetz und wegen Betrugs vorbestraft ist, eröffnete hier im Mai v. I. fast gleichzeitig in drei verschiedene» Straßen Geschäfte, in denen er Wurst feil hielt. Er hatte n. a. vv» dem Margarine-Fabrikanten Mohr in B a h r e» f e l d einen Posten von 8000 Psimd aineritanischeu Schinken gekanft und das Pfimd mit 19 Pf. bezahlt. Sluf der Mohrfchen Rech»»»g stand der Vermerk, daß der Schinken zniu„teilioeisen" Auskochen für technische Zwecke geeignet sei. Der An- geklagte brachte den gesamte» Posten Schinken nach Berlin »nd in seinen verschiedenen Kellergeschäften unter. Wie er angiebt. hat eS ihm au Zeit gefehlt. die Schinken untersuchen z» lassen, er habe sich auf die Versicherimg des Lieferanten Mohr verlassen, das; die Schinkc» gut seien, mir sei ei» Teil da- zwischen, der eine»„Stich" habe nnd deshalb minderwertig sei. Der Angeklagte hat diesen Schinkel, wiederholt an Schlächter und Händler zu verkanfeu gesucht, indei» er angab, daß sie als Sbeck- ichinlcn noch gut zu verwerten seien. SlnfaiigL Mai i'aud der Polizei-Tierarzt Dormeyer bei einem fliegenden Händler am Bahnhof Börse einen Posten Würste, der völlig vcr« dorben war. Der Händler bezeichnete den Slngeklagten als seinen Lieferanten. Tierarzt Dormeyer»ahm in dein'Geschäftskeller JhdeS au der Neiicn Promenade eine Durchsuchnng vor, wobei er gegen 80 Eentiier Schinken beschlagnahmte, weil die Ware völlig verdorben war. Nach einiger Zeit erfuhr Dormeyer, daß Jhde auch in seinem zweiten Keller in der Drogouerstratze von derselben Sorte Schinkc» aufbctvahrc. Die'Mitteilung bestätigte sich, tu diesem Keller wurden liefen 70 Ceutner Schinken und Wurst beschlagnahmt, die sich'in einem Zustande befanden, die jeder Beschreibung spottet.� Der Angeklagte behauptete, dag er von Mohr Übervorteilt worden sei, den Schinken habe er auch nur zu technische» Zwecken angeboten, wie aus dem niedrigen Preis von 25 Pfennig hervorgehe, den er gefordert habe. Der' Staatsanwalt bezeichnete die Handlungsweise des Angeklagten als eine höchst gemeingefährliche, er beantragte gegen den Angeklagten wegen des Vergehens eine G e f ä n g n i s st r a f e von sechs Monaten, wcgcii der Ueber- tretung eine Woche Haft, Das Urteil lautete auf vier Monate Gefängnis. Der Vorsitzende bemerkte beiläusig im Laufe der Verhandlung daß der fragliche Schinken von der havarierten„Bulgarin" stammen solle. Lieguitz, 6. März.(Privat-Depesche des„Vorwärts".) Das Reichsgericht verwarf heute die Revision des Wirtschaftsinspektors Josef Markwitz, weicher am 19. Januar nach mehrtägiger Ver- Handlung vom Liegnitzer Schwurgericht wegen Giftmordversuchs gegen den Rittergutsbesitzer Berndt aus Nicder-Schützcndorf zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Die wegen Anftiftuiig zu diesem Verbrechen mit angeklagt gewesene Frau Berndt ist nunmehr rechts- kräftig freigesprochen, da der Staatsanwalt Revision nicht eingelegt hatte. Aus Hamburg Unterschlagung Hamburger Kommerz- 6 Monaten, Tüubert zu 4 Jahren Gefängnis, ferner 4 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. meldet uns ein Privattelcgramm: Wegen von 330 000 Mark sind die Prokuristen der und Diskontobank D i t t m c r zu 4 Jahren beide zu je Der Streik der Müllkutscher und Mitfahrer. Nachdem die Lohnbewegung der Kutscher und Schaffner der Wirtschafts-Genosscn- schaft beendet, war vorauszusehen, daß auch die Kutscher und Mit- fahrer der übrigen Betriebe gleiche Forderungen stellen würden. Das geschah denn auch in einer Versammlung.' die am 28. Februar in Ripdorf tagte. Einstimmig wurde beschlossen, einen Wockienlohn von 30 M. für Kutscher und 26 M. für Mitfahrer zu verlangen. Die Lohnkommission unterbreitete diese Forderung den Unternehmern, erlangte aber keine Antwort. Die Kommission versuchte nun in persönlicher Vorstellung bei den Unternehmern die Angelegenheit zum gütlichen Austrag zubringen. Hierbei kam es zu reckt' unangenehmen Auftritten in dem Comptoir des Herrn Nenmann, wobei ein Herr Keßner, Schmiedemeister, eine wenig rühmliche Rolle spielte Der Herr versuchte ein Mitglied der Kommission sogar thätlich anzugreifen. Nunmehr griffen die Angestellten zu dem letzten ihnen übrig bleibenden Mittel, zum Ans- stand. In allen größeren Betrieben ruhte gestern die Arbeit, nur bei Mick, Thiele und N e u m a n n wurden die Fordernugen be- willigt. Die Streikenden sind im Verband aller im Handels- und Trausportgewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter organisiert und dürfte der feste Zusammenhalt der Ausständigen die Unternehmer bald zum Nachgeben zwingen. Die Steinarbcitcr in München beabsichtigen ihre Lohn- forderung durch einen Ausstand durchzusetzen,'da die Unter- nehmer mit wenigen Ausnahmen sich ablehnend zu den Forderungen verhielten._ Sorte» le-s. Aus der schlcsischcn Textilindustrie. Die Bleichereien in Neichenbach, Langenbielau und Petcrswaldau haben sich zu einer Konvention zusammengeschlossen und den Interessenten durch Cirkular eine Preiserhöhung von SO Prozent angezeigt. Das Cirkular hat bei den Interessenten wegen der großen'Prei'serhöhung einigermaßen überrascht. Ebenso überrascht waren aber auch die in den bc- treffenden Betrieben beschäftigten Arbeiter, denn sie haben nicht mir keine Erhöhung ihres kärglichen Lohns erhalten, sondern auch für die Zukunft steht eine Erhöhung nicht in Aussicht. Aus eigner Kraft können die Arbeiter bei dem Maugel einer starken Organisation nichts erzielen und so werden die Fabrikanten den ganzen Profit wieder allein schlucken. Bei der Umgestaltung des Junmigswcsens. die auf Grund des Reichsgesetzes vom 26. Juli 1897 erfolgt ist, hat sich die Zahl der Innungen in Preußen von 77S3 auf etwa 7400, also um 4 bis S Proz. vermindert, da zahlreiche kleine und lcistungsunfnhige Innungen sich aufgelöst haben oder geschlossen oder mit andern verschmolzen worden sind. Dagegen ist die Zahl der Jnnungs- Mitglieder von 218 000 auf etwa 290 000, also.um rund 33 Proz. gestiegen. Einen besonders starken Zuwachs weisen die Innungen in den Regierungsbezirken Schleswig. Magdeburg, Arnsberg, Düffel- darf, Trier und einigen hannoverschen Bezirken auf, währeiid in den Bezirken Koblenz, Wiesbaden und Sigmaringen die Gewerbevereine an Mitgliederzahl ansehnlich zugenommen haben. Vevsommlungen. Ueber die Lohnforderungen der Böttcher wurde in einer gut besuchten Versammlung am Sonntag verhandelt. In Rücksicht auf die von den Brauern'gestellten Lohn- und Arbeitsbedingungen war von den Böttchern in einer früheren Versammlung eine Kommission gewählt und beauftragt worden, den Brauereien die Forderungen: 31 M. Wochenlohn und neunstündige Arbeits- zeit, zu unterbreiten. Wie Kroll berichtete, hatten von den 33, einschließlich den Ring- Brauereien, nur wenige überhaupt geantwortet. Von diesen haben einzelne vollständig, andre teilweise oder gar nicht bewilligt. Die Ring-Brauereieu wollen über die Forderungen erst in einer am 2S. März stattfindenden Sitzung verhandeln. Infolgedessen wurde die Kommission beauf- tragt, die Aufforderung an die Brauereien zu erneuern, um bis zum 17. März eine bündige Antwort zu erhalten. Auch einen be- sonderen Arbeitsnachweis wollen die Böttcher getrennt von den Brauern errichten, worüber in einer späteren Versammlung ver- handelt werden soll. Die in der Schuhindustrie beschäftigten Arbeiter nnd Arbeiteriuncu hielten am 5. d. M. im Lokal„Königsbank" eine sehr stark besuchte öffentliche Versammlung ab. Zunächst gab Books eine kurze Begründung der vom Berliner Arbeitervertreter-Vcrein entworfenen Petition zur Novelle des Unfallversicherungs-Gesetzcs, worauf die von demselben Verein empfohlene Resolution zur ein- stimmigen Annahme gelangt. Sodann berichtet N o w a ck über die Differenzen in der Schuhwaren-Fabrik von Max Tack in Strans- berg. In derselbe» haben am Montag die sämtlichen männlichen Arbeiter bis auf 10 die Arbeit niedergelegt, nachdem schon vorher eine Anzahl von Arbeitern gematzregelt bezw. entlassen worden sei. Unter den Gemaßregelten befinde» sich auch die Mitglieder des auf eignes Verlangen des Fimieninhabers gewählten Arbeiterausschusses, den Vorgänger desselben erklärte Herr T. für aufgelöst. Die Grundursache zu den Maßnahmen des Fabrikanten bot demselben eine Lohnbewegung der bei ihm beschäftigten Arbeiter. Der Redner giebt die bisher dort gezahlten Lohnsatze bekannt, welche wiederholt das lebhafteste Erstaunen und die Mißbilligung der Versammlung hervorrufen. Aber selbst bei Annahme des' neuen Lohntarifs bewegten sich die Lohnsätze noch durchweg unter den von der Konkurrenz gezahlten Löhnen. Dabei ließen die Arbeiter durch den Ausschuß ausdrücklich erklären, daß sie zu Einigungsverhandlnngcn, also zu noch weitereni Entgegenkommen geneigt seien. Herr Tack kündigte dann den Zwickern. Als die übrigen Arbeiter ans Solidarität ebenfalls ihre Kündigung einreichten,' die sich auf vier Wochen beläuft, nahm derselbe gegenüber einigen Zwickern die Kündigung selber zurück, indem er denselben die geforderte Lohnzulagc zugestand. Mit den Unterschriften dieser Arbeiter in der Hand soll dann der Fabrikant mehrere andre Arbeiter in einem verschlossenen Raum zur sofortigen bedingungslosen Zurücknahme ihrer Kündigung haben zwingen wollen, widrigenfalls sie sofort hinausfliegen würden. Als dann noch den sämtlichen Arbeitern für eine vorüber- gehende Betriebseinschränkuug eine größere Anzahl von Stunden vom Lohn abgezogen werden sollte, als wirklich versäumt worden und sogar die Stunde mit 30 Pf., obwohl von sämtlichen Arbeitern nur zwei diesen Lohnsatz wirklich erreichten, legten dieselben nach dem voraiigegangencn Kontraktbruch des Fabrikanten einmütig die Arbeit nieder. In der sehr lebhaften Diskussion wurde das Vorgehen der Tackschcn Arbeiter einmütig gutgeheißen. Es wurde ausgeführt, daß die früher von der Firma abgegebene Erklärung bezüglich Bezahlung ihrer Arbeiter sowie daß sie denselben in gewerkschaftlicher Beziehung nichts in den Weg lege, mit den Thatsachen in einem un- lösbaren Widerspruch siehe. Eine Resolution, in welcher den Tackschcn Arbeitern die volle Sympathie ausgesprochen wird, gelangt zur einstimmigen Annahme. Sodann konmit das geplante Verhalten der Fabrikanten-Vcreinigung gegen die diesjährige Maifeier zur Erörterung. Nachdem die Schuhmacher seit zehn Jahren den 1. Mai durch Arbeitsrnhe gefeiert haben nnd dieses in dem Vertrage von 1896 sogar offiziell zugestanden sei, beab- sichtigen die Fabrikanten, in diesem Jahre die Maifeier durch Ruhen- lassen der Arbeit zu verbieten. Auch hierzu gelangt eine Resolution zur Annahme, in welcher betont wird, daß die Arbeiterschaft nach wie vor an der Maifeier festhält und in der Verwirklichung des Fabrikantciibcschlusscs eine schroffe Heraiissordcrnng erblicken würde. Es wird deshalb der Fahrikanteu-Vcrcinigung nahegelegt, ihren Beschluß rückgängig zu machen. Ein Eiitrüsti'ingssturni erhebt sich sodann, als Hcrrniann an der Hand beglaubigter Schriftstücke schildert, in welcher Weise sich der Verwalter des Fabrikanten- Arbeitsnachweises gegen eine Arbeiterin benommen haben soll. Au ein an die Fabrikanrcn- Vereinigung gerichtetes. sehr detailliertes Schreiben habe diese allerdings erklärt, daß sie trotz peinlichster Untersuchung des Vorfalles nichts den Herrn S p i e l k o w s k i Be lastendes habe entdecken können. Um aber in Zukunft jedes Miß- trauen zu beseitigen, habe sie dem genannten Herrn einen Schreiber nnd einen Portier zur Seite gestellt. Auf die Frage, weshalb denn der Ankläger des Herrn Sp. von diesem nicht zur Verantwortung gezogen würde, erklärte derselbe, daß er dazu zu erhaben dastände Hierzu nahm die Versammlnug nachstehende Resolution einstimmig an: �„Die Versammlung ee. fordert den Verband der Schuh- nnd Schäftebrauche auf, dafür Sorge zu tragen, daß Herr Spiclkowski seiner Stellung als Arbeitsvcrmittler enthoben wird. Die Gründe dieser Anfforderuug sind dem Verbände hinreichend bekannt. Gleich zeitig fordert die Versammlung die gu. Vereinigung auf, ähnlichen Vorfällen dadurch vorzubeugen, daß der Verband den durchaus berechtigten Forderungen der Arbeiter nachgiebt und die Verwaltung des Arbeitsnachweises künftig unter Hinzuziehung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu gleichen Teilen geschieht."' Hierauf wurde die Versamnilung geschlossen. I» cincr Versamnilung der Kistcnmachcr am Montag referierte Genosse Günther in vortrefflicher Weise über die Unfall versicherungS-Novcllc, unter Hinweis auf die darauf bezügliche Petition. T s ch e r n i g. Mertens n. a. besprachen das Kranken- kassenwescn und die Behandlnug in den„Rentenquetschen", indem sie, wie der Referent, cS als Pflicht aller Arbeiter bezeichneten, sich mehr als bisher ein Verständnis für alle nnsre Soeialgesetze anzw eignen. Denn nur durch deren UnkennmiS haben viele Arbeiter ihren Anspruch auf Rente-c. verloren. Die Aussperrung sämtlicher Arbeiter bei Wiesenthal n. Cie. in Friedrichsberg zeitigte eine längere Besprechung. Herr B r c h m e r der Vertreter der Firma, erklärte ganz offen, daß er einige Arbeiter nur deshalb entlassen habe, weil er sie nicht nur jetzt entbehren könne, sondern auch verhindern wollte, daß die Entlasscuen in seinem LZctrieb später zu einem Streik aufreizen. Obwohl Herr Brchmcr überhaupt nur nicht organisierte Arbeiter be schäftigcn will, verlangte er nichtsdestoweniger, daß die Organisation der Kistcnmachcr dafür besorgt sein möge daß alle Unternehmer bessere Lohnvcrhältnisse in ihren Be- trieben einführen. Auf die von Tschernig gestellte Anfrage, ob die Ausgesperrten wieder eingestellt würden, erklärte Herr Brehmer, daß er erst am Mittwoch, 7. März, abends, darüber mit der L o h n k o m m i s s i o n verhandeln wolle. Die Lohnkommission erklärte sich damit einverstanden, in der Erwartung, daß ein gütlicher Ausgleich und die Wicdereinstcllmig der Entlassenen er folge» werde. Der Vorsitzende machte noch darauf aufmerksam, daß die Versammlungen der Werkstatt- Vertrauensmänner stets am Mittwoch nach dem IS. eincS jeden Monats stattfinden. Weißcnsce. Ueber die Bedeutung der politischen nnd gcwerk- schaftlichcn Bewegung sprach am Donnerstag im Schloß Weißciiscc vor übcrfülllcm Lokal der Genosse Bebel. Redner führte ungefähr folgendes aus: Von bürgerlichen Kreisen werde in letzterer Zeit ge- flissentlich die Ansicht vertreten, daß die Socialdcmokratic als pöli- tische Partei sich in Gegensatz stelle zur gewerkschaftlichen Bewegung. Diese irrige Auffassung finde auch vereinzelte Anhänger in nnsre'ii Reihe». In Deutschland war die Bewegung in ihrem Anfang überwiegend politischer Natur, im Gegensatz zu England, das durch seine insulare Lage und andre Vorbedingungen früher als Deutschland industriell hoch entwickelt war. Hierdurch eutstand in England frühzeitig ein Proletariat, das seine Kämpfe mit dem Unternehmer- tum aus gewerkschaftlichem Gebiete führte. Die anfangs fast nur politische Bcthätigung der deutschen Arbeiterklasse habe sich durch den industriellen Aufschwung Teutschlands rasch geändert. Schon in den 60er Jahren haben zuerst die Buchdrucker, dann auch die Tabak- arbeiier gewerkschaftliche Organisationen ins Leben gerufen. Um die Arbeiter für sich zu gewinnen, entstand unter den politischen Parteien ein Wettstreit, der es zunächst dahin brachte, daß diese Parteien Gewerkschaften der einzelnen Berufe gründeten. Auch die Socialdcniokratie ist demgegenüber nicht unthätig gewesen und so entstand die Gcwerkschaflsbcivegmig. wie wir sie heute haben. Man hat die Gewerkschaften als Rekrutierungsfeld für politische Parteien angesehen. Nach seiner lReduers) Ansicht müssen die Gewerkschaften unpolitisch sein. Der Zu- sammenschluß der Arbeiter muß erfolgen ohne Rücksicht ans deren Konfession, Nationalität oder politische Gesinnung. Hier könnten die Arbeiter von den Uutcrnchmern lernen; der Hamburger Hafenarbeiterstreik, die Aussperrung der dänischen Arbeiter und jetzt der Bergarbeiterstrcik zeigen, daß die Unternehmer ohne Hcrvorkchrnng derartiger Unterschiede sich koalieren. In Deutschland ist zwischen politischer und gewerkschaftlicher Bewegung, n a ch dem was beide erstreben, eine gewisse Scheidung eingetreten. Es giebt eine Grenze, über die die gewerkschaftliche Bewegung nicht hinaus kann. Letztere hat den Zweck, die täglichen Lebensbediiigungen der Arbeiter zu verbessern. Mit Genugthnung sei hervor- zuHeben, daß die deutsche Arbeiterschaft sich hieran nicht genügen lasse, sie gehe darüber hinaus nnd erstrebe durcki hervorragende politische Bethätigung nicht nur die Besserstellung ihrer Lage und Lebens- Haltung, sondern auch die Beseitigung jeder Ausbeutungsmöglichkeit, im Sinne des socialdemolratischen Programms. Die gewerkschaft- liche Bewegung könne die zu ihrer vollen Entfaltung uotlvendigen Voraussetzungen, wie Vereins-, Versammlungs- und Koalitions- freiheit, Preßfreiheit. Einwirkung auf Rechtspflege ohne Mithilfe der politischen Bewegung nicht erringen. Ebenso kann die Arbeiterschaft auf die Vervollständigung und den Ausbau der Arbeiterschutzgesetze, auf das Verbot der Kinderarbeit zc., fast nur auf dem Wege poli- tischer Bethätigung nachhaltigen Eiufluß ausüben. Der großen Zahl der Landarbeiter fehle die Möglichkeit, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Je mehr der Betrieb einzelner Industrie- zweige in den Händen weniger oder gar einzelner Personen sich konzentriere, desto schwerer werde es der Arbeiterschaft dieses Berufes werden, durch gewerkschaftliche Bethätigung eine Besserung ihrer Lage zu erzwingen. Den Arbeitern derjenigen Berufe, in denen Kartelle, Trusts bestehen, werde es, infolge der letzteren zu Gebote stehenden ungeheuren Machtniittel, fast zur Unmöglichkeit, durch Berufsorganisationen die Macht der Unternehmer zu brechen. Hier müsse die politische Bewegung eingreifen. Politische und gewerschaft- liche Bewegung müssen einander ergänzen, mit einander Hand in Hand arbeiten an der zur Beseitigung der kapitalistischen Gesellschafts- ordnung notwendigen Aufklärung der Massen. Deshalb müsse jeder Arbeiter nicht nur politisch, sondern auch gewerkschaftlich sich organisieren. Die Ausführungen des Redners wurden von der, auch ans zahlreichen Gegnern bcstchendeii Versammlung niit überaus lebhaftem Beifall aufgenommen. Ein Antrag, die Tellersammlung dem Kommunal-Wahlkomitee zu überweisen, fand Annahme. Steglitz. Hier tagte am 2. d. M. eine Versammlung, in der man sich zustimmend zu einer Petition für die Novelle zum Unfall- versichcrungS-Gesetz äußerte. Hierauf sprach ein Redner über die mangelhaften Schutzvorrichtungen auf Bauten. Die Kontrolle seitens der Behörden sei vollkommen ungenügend, auf diesem Gebiete miiffe mehr gethan werden.'_ Auf dem Kriegsschauplatz im Oranje-Freistaat stehen sich die beiden Heerhaufen immer noch ziemlich unthätig gegenüber: Nach einer Meldung aus Ostfontein vom 3. März ist die B o erenstel lung jetzt ziemlich sicher etwa vier englische Meilen von der britischen Front festgestellt. Sie hat eine Ausdehnung von über acht Meilen. Die rechte Seite der Stellung besteht ans einem hohen, mit langem Rücken versehenen Berge nördlich des Flusses, den General French heute morgen beschoß. Anscheinend ist der Raum zwischen diesem Berge nnd dem Flusse verschanzt. Südlich des Flusses bedecken jedoch die Bocrenlinien den größten Teil des Geländes. Vor einigen Tagen ruhte die Boerenlinke auf mehreren abgesondert in der Ebene stehende Koyjcs. Der Feind hat jetzt diese Position etwa zwei Meilen weiter südlich ausgedehnt, während sechs kleine Kopjcs von der Ebene zwischen dem Boerencentrnm nnd der Linken aufsteigen. Zwischen dem Centrum und dem Fluß erstreckt sich ein Bergrücken, hinter welchem der Feind sich ganz unbemerkt bewegt. Die Schwäche der ganzen Position liegt jedoch darin, daß sie nach beiden Richtungen leicht umgaugen werden kann. Das Gelände ist flach, Wasser reichlich vorhanden. Nach letzten Nach- richten bleibt Bloemfontein, abgesehen von der davor befindlichen Streitmacht, unverteidigt. Die Schwicrigkcitc» im Nordwesten bestehen weiter. Eine Sonderausgabe des Kapstadter Amtsblatts veröffentlicht eine Proklamation Milners, welche besagt: Infolge der feindlickicn Invasion in den Distrikten Pricska, Kenhardt, Britstown, Barkly-Wcst, und da viele Staatsangehörige die Waffen gegen die Regierung ergriffen haben, ist es nötig, die Invasion zurück zuschlagen und den Aufstand zu unterdrücken. Deshalb ist in diesen Distrikten das K r i e g s r e ch t proklamiert. Die holländischen Elemente in jenen Distrikten stehen also nach wie vor zu ihren Stammesgenossen in den Republiken. Eine starke Abteilung Engländer marschiert von K i m b e r l e h nordwärts. Man erwartet, daß ihr der Uebergang über den Vaal-Flnß bei Fonrtecnstrcams, wo die Bahnbrücke zerstört ist, streitig gemacht wird. Im Norden der Kap?olonie, wo die Boeren bei Dordrecht immer noch Truppen stehen halten, haben kürzlich wieder Gefechte stattgefunden. Einen Sieg meldet von dort General Brabant von Montag: Die Eng- länder verloren 5 oder 6 Mann, eroberten jedoch eine Bc- fcstigung dcS Feindes und verbesserten ihre Stellung wesentlich. Die Boc'ren fochten hartnäckig und machten den Engländern jeden Zoll des Bodens streitig. Schließlich wurde aber der Feind überwältigt und zog sicki plötzlich zurück, seine Kanonen nnd Wagen mit sich nchmemd. Die Verluste der Engländer an beiden Tagen betrugen 30 Mann, davon 12 oder 13 Tote. Die Verluste auf feindlicher Seite sind nicht bekannt, wahrscheinlich sind sie schwerer als die der Engländer. Die Division Brabant nahm einige Wagen weg, darunter einen, der mit Martini- Henry- Gewehren beladen war, desgleichen eine Anzahl Rinder und Schafe. Ans der Gegend von Colesbcrg wird vom Montag berichtet: Die Boeren halten noch immer die Höhen am s ü d l i ch e n U f c r des Oranjeflusscs besetzt. Keine von den Brücken ist bis jetzt zerstört worden und die Züge können ungehindert bis nach Achtertang, auf halber Strecke zwischen ColeSberg und Norwalspont, fahren. Bei Ladysmith. Ladysmith, 3. März. Ein Teil der Besatzung machte heute einen Erkmidungsmarsch nach Norden nnd stieß hinter dem Peplvorth-Hügel auf Boeren. Es folgte ein Gefecht, doch wurde ein Angriff nicht durchgeführt und die Truppen kehrten niit nur leichten Verlusten hierher zurück. Vom Umbnlwana-Berg haben die Boeren alle Äe- chlltzc abgefahren. Frieden. Die Brüsseler Transvaal-Gesandtschaft soll die Authenticität der Leyds-Depesche des„New Dort Herald" bestätigt haben, worin die Friedensliebe des Präsidenten Krüger betont wird. Die Gesandtschaft lege Gewicht darauf, daß das amerikanische Volk die FricdenSabsicht der beiden Boercnrepublikcn kenne. Die Gesandtschaft habe sich bereit erklärt, sofort in Fricdensunterhandlniigen einzutreten, nlls England geneigt wäre, die Unabhängigkeit der B o e r c n st a a t e u unangetastet zu lassen, sonst bliebe den Boeren- 'taaten, trotz aller Friedensliebe nichts übrig, als den Kampf bis zum letzten Mann fortzusetzen. Stanley über den Krieg. PartS, 6. März. Gegen einen Mitarbeiter des.Journal' sprach sich Stanley dahin ans. daß seiner Meinung nach die Engländer in 2 Monaten in Pretoria stehen würden. Der Krieg dürfte etwa am 1. Juli beendet sein. Man würde den beiden Republiken vielleicht eine Selbstverwaltung ähnlich der Canadas verleihen. Als die Rede auf die französisch- englischen Beziehungen kam, meinte Stanley, ein Krieg mit Frankreich wäre unmöglich. da er England zu große Opfer auferlegen nnd endlose Verwickelungen verursachen würde. Frankreich schwächen, heiße Deutschland stärken. Im ganzen liebe man in England Frankreich mehr als Deutschland. Was die Voraussagen über den Ausgang des Kriegs betrifft, so dürfte Stanley ja auch nicht allwissend sein. letzte Llarlzvirhkett und Depesitzen. München, 6. März. ev v Abg. Beck-Heidelberg(natl.) erklärt, daß seine politischen Freunde dem Antrag Richert beistimmen wurden, da sie der Meinung sind. daß die Regelung des Vereins- und Versammlungsrechts durch Rcichsgcsctz erfolgen müsse. Abg. Stolle(Soc.): Wie notwendig die reichsgesetzliche Regelung deS Vereins- und Versammlungsrechts ist, hat der letzte Kohlenarbcitcr- Streik in Sachsen bewiesen. Mit Hilfe des sächsischen VercinsgcsctzcS ist eS den BcrlvaltuugSbehörden in Sachsen möglich, den Arbeitern das Koalitivnsrecht vollständig zu nehmen. Jede Polizeibehörde kann nach!s ö des sächsischen Vcrcinsgesetzcs Versammlnugen vcr- bieten, ivcuii Ruhestörung oder Gefährdung der Sittlichkeit zu bc- fürchten ist. Im Kohlenstreik sind inr Zwickaucr Revier alle Versammlungen mit einem Schlag verboten worden, obgleich nicht an cuiem einzigen Ort irgendwo eine Unruhe stattfand, und wenn die Arbeiter bessere Lohnbcdingniigcn verlangen, so wird dadurch auch nicht die Uusittlichkcit gefördert. Diese Geivaltmaßrcgclu haben zur Folge gehabt, daß die Arbeiter zu Kreuze kriechen mußtcii, weil ihnen jede Gelegenheit genommen war. sich mit einander zu verständigen. Die einzige Folge des Streiks war, daß die Kohlcn- prelse erhöht sind. Auch abgesehen von diesem Streik haben wir (choii seit Iahren mit dem sächsischen Vereins- und Versammlwigs recht die schlimmsten Erfahrungen gemacht. Man verbot jeden wissenschaftlichen Vortrag. Selbst Vorträge über Leute wie Schiller und Goethe wurden verboten, weil man einfach sagte:„Die Leute sind tot, darüber braucht nicht nichr geredet zu werden.(Heiterkeit bei den Soc.) Der Beweis dafür, daß die Bestimmungen des§ 5 verletzt sind, braucht nicht erbracht zu werden. Die Arbeiter sind absolut der Behörde preisgegeben. Im ganzen Wahlbezirk Glauchau ist es den Arbeitern überhaupt nicht möglich, ein Lokal zu bekommen, ivcil den Wirten einfach mit Entziehung der Tanzerlaubnis gedroht wird. Aus den Berichten der sächsischen Gewerbe- Inspektoren geht hervor, daß die Arbeiter auf daS schlimmste ausgebeutet werden. Sie sind aber nur der Willkür der llntcrnchmcr preisgegeben, weil ihnen eben nicht die Möglichkeit gegeben ist, sich in vereinen zusammenzuschließen. Das ist für uns Grund genug, dem Antrag Rickert beizuftimme». (Bravo! bei den Socialdcmokratcu.) Abg. Dr. Hcrzfeld(Soc.): Ich möchte Ihnen einige Thatfachcn aus Mecklenburg vor- tragen, welche mit der vorliegenden Petition in Verbindung stehen. Ich werde mich dabei ans einige markante Thatsachcn anS Wismar beschränken. Dort herrscht der mecklenburgische NationallibcraliSmus, wie ihn der Abg. Büsing bei de» Verhandlungen über die Zuchthaus- Vorlage vertrat. Der Abg. Büsing erklärte ja, das KvalitionSrccht muffe den Arbeitern erhalten bleiben, und brachte doch den Antrag ein. nach dem den Arbeitern die Ausübung dieses Rechts unmöglich gewesen ivärc. WaS immer von den Jnilkcr» gcthan wird, um die Arbeiterschaft auszubeuten, die Nationallib'eralen Mecklenburgs stehen auf scite des Junkertums. Junker und National- liberale gehen dort in allen Fragen Hand in Hand.— Hier in Wismar fand am 2. Februar 1899 eine gclverkschaftlichc Versammlung statt. Die„Mecklenburgischen Nachrichten", ein konservatives Blatt, bezeichneten diese Bersaniinlung als politisch. In der socialdcniotrntischen Presse lvnrde deshalb darauf hiligctvicscii, wenn dort wirklich eine politische Versammlung stattgefunden habe, sei es Pflicht � der Staarsanwaltschaft, cinziischreiten. Es fand eine Untersuchung statt, aber nachdein eine große Anzahl Personen vernvininen lvaren, erhielt der Eiubenifer den Bescheid, das Verfahren sei eingestellt. Man glaubte nun, die Behörde habe ciiigcsehcii, daß es eine gewerkschaftliche Versammlung gewesen sei, die nicht unter daS mecklenburgische Vereinsgcsctz falle. Deshalb berief man ans den ö. März eine neue Versammlung mit dem Thema: Nutzen und Zweck der gewerkschaftlichcu Organisation. Die Versammlung wurde ausgelöst unter Bernfmig auf däö mecklcn« burglsche VcreiiiSgcsctz. Man berief sofort auf den nächsten Abend eine Versammlung mit demselben Thema. Die Versammlung wurde verboten, aber man hielt sie trotzdem ab, gerade um die Behörde zu zwingen. Anklage zu erheben. Tie Versammlung wurde kurz nach Beginn aufgelöst. Man erwartete eine Anklage, aber sie kam nicht. Nun wurde eine Eingabe an die Staatsnnwalt- schaft gemacht, in der der Cinberilfer der Versammlung beantragte, daß entweder der Polizeiscnator, ans dessen Veranlassung die Vcr- sauunlung aufgelöst wurde, wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt oder aber der Eiuberufcr der Bersmnmlung wegen Ilebenretmig dcö VereiiiSgesetzcs angeklagt werde. Am 12. März kam der Beichcid, der Antrag müsse zurückgewiesen werden. da die betreffende Polizeibehörde innerhalb ihrer Zuständigkeit gehandelt habe. Ter Eiubenifer ging an die Oberstaatsanivnltschasi und führte aus, wen» die Polizeibehörde innerhalb ihrer Znständigkeii gehandelt habe, müsse er sich dock notlvcndigerwcise gegen daS VcreinSgesctz vergangen haben. Darauf erhielt er von der mecklenburgischen Ober- StaalSanwaltsikiaft den Bescheid, seine Beschwerde müsse als im- begründet ziiriickgciviesen iverden,„da ihm schon eröffnet sei, daß die Polizeibehörde in Wismar iimerhalb ihrer Ziiständigkeit gehandelt habe iind er überhaupt kein Recht habe, zu fordern, daß gegen ihn daS strafrechtliche Verfahren eingeleitet werde". Man glaubte in- dessen, die niecklei«burgische Ober-Staatsanwaltschaft habe der Polizei- bchördc in Wismar privatim mitgeteilt, daß da§ Reichsgcsetz beobachtet werden nlüssc. Man berief deshalb auf den 23. April eine ncuc Versammlung mit derselben Tagesordimilg. Die Versannnlmig wurde Iviedernm aufgelöst. Darauf erschien in der„Mecklenburg. Volks-Ztg." ein scharfer Artikel gegen den Polizeiscnator; es sei seine Pflicht, gegen den Einbcriifcr der Versammlung Anklage zu er- heben. Es erfolgte nichts. Im Juli ging ich selbst nach Wismar»iid wollte sehen, wie die Dinge dort gchandhabt werden. Es wurde noch- mals eine Vcrsanunlung einberufen mit demselben Thema, Die Vcr- sammlnng wurde eröffnet, das Bureau gewählt und mir selbst das Wort erteilt. Noch che ich den Mund öffnete, wurde die Vcr- sammlnng aufgelöst.(Hört! hört! bei de» Socialdemokraten.) Ich ging persönlich zu dem Polizeisenator. Er sagte mir, die Versammlung sei aufgelöst, weil das Lokal ein politisches sei.(Lachen link?.) Ich meinte, er könne doch diesen Grund nicht als crnsthaftcu vortragen. Er blieb dabei. Das betreffende Lokal ist das einzige, das den Gewerkschaften zur Ver- fügung steht. Die betreffenden Vereine hielten dort ihre privaten Tanzvergnügungen ab. So oft mm seit jener Zeit ein solches Fest stattfand, regnete es Strafbefehle auf den Wirt nieder.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) DaS ging so weiter bis November. Da wollte man noch einen letzten Versuch machen, bevor man vor die Ocffcntlichkcit trat und die Verhältnisse schilderte. Auf de» 2. November wurde eine Holzarbeitcr-Vcrsammlmig einberufen und der Vor- sitzende des Holzarbeiter-Vcrbandcs als Referent bestimmt. Die Versammlung war tan», eröffnet, da wurde sie auch schon anfgclöst. Eine Berufung an das Staatsministerium war erfolglos. Die Auflösung wurde für gerechtfertigt erklärt, weil die Versammlung von Socialdemokraten einberufen' War und i» einem Lokal, das socialdcmokratischcu Partcizwcckcn diente, stattfand. Für Social- dcmokratcii in Mecklenburg existiert also der§ 152 der Rcichs- Gcwcrbc- Ordimug nicht.' Dabei ist es eine Thatsache, daß in Mecklenburg der durchschnittliche Tagclohn für erwachsene männliche Arbeiter 1,70 M., für erwachsene weibliche Arbeiterinnen 1 M. be- trügt.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Wenn die Dinge in Mecklenburg so liegen und auch daS mecklenburgische Landes- Vereinsgesetz niemals gegen Nicht- Socialdemokraten. die dasselbe übertreten, in Anwendung gebracht wird, dann hat der Reichstag die Pflicht, für' rcichsgcsctzliche Rege- tuug dieser Materie zn sorgen. Zunächst hat aber der Reichskanzler die Pflicht, dafür zu sorge», daß derartige Dinge, wie ich sie angeführt habe, nicht vorkommen. Denn er hat die Pflicht, ans Bcnchtmig der Rcichsgesetze in den einzelnen Ländern zu sehen. (Bravo! bei den Socialdemokraten.) Abg. Vcckh- Coburg(frs. Vp.): Der Reichstag hat bereits im Jahre 1896 einen Gesetzentwurf im Sinne der vorliegeiiden Petition in zweiter Lesung angenommen. Zur dritten Lesung sind wir leider nicht gekommen und daher laufen immer wieder von neuem berechtigte Anträge ein, die berlangcn, daß endlich einmal dem jetzt bestehenden Zustand ein Ende gemacht werde. Insbesondere muß auch bei rcichsgcsctzlichcr Regelung des Vereins recht? dafür gesorgt werde», daß die Franc» den Männern in Bezug aus das Recht der' Teilnahme an den öffcnllichcn Angelegen- heilen gleichgestellt werden. Sollte der Reichstag über diese vor- liegende Petition zur Tagesordmmg übergehen, so würde das nur zur Folge haben, daß die Regierung vor seinen früheren Beschlüssen ivcnig Respekt hat.(Bravo! links.) Abg. Baudert(Soc.): Ich ergreife daS Wort zn der vorliegenden Petition ans Anlaß der Vcrändeningeu, die sich seit dem letzten Sommer in dem Groß- Herzogtum Sachscu-Weimar vollzogen haben. Dieses kleine Läilbchcn ivar belaimllich früher ein Hort für Geistesfreiheit und gewisse Kreise renommieren ja heute noch damit. Jetzt ist aber von dieser Geistesfreiheit nichts mehr zu merken. Ich will nur einzelne Fälle anführen, um zu beweisen, wie mau heute im Staate Schillers und Goethes mit dem VcrsammtuilgS- und VercinSrecht dem arbeitende» Volke gegenüber verfährt. Als der 150 jährige Geburtstag Goethes in Weimar auch in einer Arbcitcrvcrsnnnnlimg gefeiert Iverden sollte, wurde die Versammlung verboten, weil ein Student. der im Verdacht socialdcmokratischer'Gcsimmng stand, die Festrede halten sollte, unter dem Hinweis darauf, daß er voraussichtlich aufreizend reden würde. Die Beschwerde an das Staatsminislerinm wurde mit derselben Begründung znrückgcwicscn. Sämtliche Versammlungen, wo Socialdemokraten sprechen sollen, werden von vornherein verboicn, besonders aber, wenn Ausländer als Redner angemeldet find. Als Ausländer" gelten aber in Sachscn-Wcimar Leute aus Erfurt, ans den Dörfern dicht bei Jena, aus Altenburg, Weißcnfels usw.(Hört! hört! bei de» Socialdemokraten.) Sonst schwärmt man für die deutsche RcichSeinhcit, sobald aber jemand zwei Stunden von der Residenzstadt Weimar entfernt wohnt, gilt er als Ausländer.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Jcbc Gewerkschaftsversammlung wird in Sachscn-Weimar von vornherein verboten.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Der Abg. Kloß wollte in einer Holzarbeiter- Versammlung in Wenigcnjcna über das Thema„Arbeitslöhne und Arbeitskraft" sprechen. Der Bürgermeister verfügte kurzer Hand: Die Versammlung wird wegen aufreizender Sprechweise des Rcscrenten verboten. Auch eine Ver- sammlnng, in der Molkcnbnhr über das Invaliditärsgesctz sprechen ollte, wurde mit der Bcgründnng verboten, daß der Redner das Thema in aufreizender Weise behandeln würde.(Hört, hört! bei den Socialdemokraten.) Kurz,»»tcr den heutigen Verhältnissen wäre es einem Schiller und Goethe nicht mehr möglich, dort, wo sie sich ihre nnsterblichen Lorbeeren erobert haben, zn wirken.(Sehr gnt! bei den Socialdemokraten.) Heute herrscht überhaupt in den Einzel- landtagcn die reaktionäre Mehrheit, die sich über jedes Menschenrecht hinwegsetzt. Alle politischen Parteien, die unter diesen Zuständen leide», sollten daher für den Antrag ans Ueberweisnng der Petition als Material an den Reichskanzler stimmen,(Bravo! bei de» Social- demokratcn.) Abg. Büsing(natl.): Herr Herzfeld hat mich ganz zu Unrecht angegriffen. Ich bin tets für die Koalitionsfreiheit eingetreten, auch mein Antrag zur ZuchthunSvorlagc enthielt eine wesentliche Erweiterung des Koalitionsrechts. Zwischen mir und der konservativen Partei ist ein großer Riß. Ich trete fiir eine Verfassung ein und werde es stets thnn. Ich verstehe also de» Vorwurf, des Herrn Hcrzfeld nicht, daß er sagen lann, zwischen dem mecklenburgischen NatioualljberaliSniuS und dem mecklenburgischen Junkertuni sei kein Unterschied. Ich bin wegen meiner Haltung hier im Reichstag von dem Organ der mecklcn- burgischcn Konservativen in den Schmutz gezogen worden. Ju der hier in Rede stehenden Frage stehe ich ganz auf dem Staudpunkt des Dr. Hcrzfeld. Auch ich will diese Petition zur Berück- ichtigung überweisen, auch ich bin kein Freund des mccklen- bnrgifchcn VereinSrechlS und wünsche ei» Rcichs-Vcrcinsgcsctz. Diese Haltung hat mir bei der letzten Wahl die bittersten Vorwürfe ein- getragen. Konservative sagten: lieber einen Socialdemokraten, als Herrn Büsing. Die Beschwerden des Herrn Herzfeld richteten sich im Kern gegen das mecklenburgische Vereiusgesetz, das aber von den Behörden, so lange es noch besteht, beobachtet werden muß. Abg. Heine(Soc.): Dem was Herr Büsing über seinen Antrag zur Zuchthansvorlage gesagt bat. können wir ganz und gar nicht beistimmen. Ter Antrag enthalt so viele Verschlechterungen für die Arbeiter, daß die unwesentliche Erwcitermig des Sioalitiviiörecht dagegen gar nicht in Betracht kam. Der Kern der Ansfühnmgcn meines'Kollegen Hcrzfeld richtete sich auch nickt gegen das mecklenburgische VercinSrecht. sondern dagegen, daß in Mecklenburg die Reichsvcrfassung und die ReichL-Gewerbc- Ordnung nicht respektiert werden. Die Reichsverfaffnng hebt alle Gesetze,'die den Rcichsgcsctzcn entgegenstehen, ans und die Reichs- Gewerbe-Ordnnng giebt den Arbeitern daS Koalitionsrccht und wenn die Behörden thnn,' als verständen sie daS nicht, so ist daS keine Art. Wird von ihnen eine gewerkschaftliche Versammlung für eine politische. erklärt, so kümmern sie sich nicht um daS RcichSreckt. Das ist ein Bruch. Auf welch wunderliche Weise werden auch sonst Arbeiter von der Polizei chikanicrl, wenn sie Versammlungen abhalte» wollen. In Gassen ivnrde die Erlaubnis zur Versammlung»nr erteilt, wenn in dem Saale entweder sämtliche Tische und Stühle in den Fuß- bodcn eingeschraubt waren oder wenn sie vorher entfernt worden waren.(Heiterkeit!) Was sind nicht schon für Gebäude baufällig geworden in dem Augenblick, wenn Socialdemokraten oder auch manchmal Freisinnige darin eine Vcrsaiinnlnug abhatten wollten. (Heiterkeit.) Denselben Leuten, die es sonst in der Welt nicht finster genug bekommen können, ist plötzlich die Beleuchtung des Saals nicht hell genug.(Erneute Heiterkeit.) Den Anlaß zu dieser Er- örternng hat eine Fraiicnpctitiou gegeben. Die Frauen wollen endlich einmal ihr V c r e i n s r c ch t jh a b c n, davon ist aber bis jetzt mir wenig gesprochen worden. Die Frauen haben ein immer größer werdendes Recht auf Vereins- nud Versammlungsfreiheit. Es giebt kaum eine Gewerkschaft mehr, die nicht gezwungen' ist, weibliche Mitglieder anfzuuchmeu. Sowie aber politische Angelegenheiten in den Ftanenvcrcinen erörtert werden, kömicii diese' der Auflösimg verfallen. Mir ist es vorgekommen, daß ein Frauen-BildungSvercin aufgelöst worden ist, weil' er angeblich politische Dinge beurteilt hat. Die Politik sollte in ciiicm Vortrag über L u n g e n s ch w i n d« s n ch t bestehen, und der Richter definierte die Strafbarkcit folgender- maßen: Da nicht jeder die Luiigenschivindsncht hat, namentlich nicht jeder der Versammelten, so ginge die Vehandluug dieser Frage über das individuelle Interesse der Versammelten hinanS und sei deshalb eine politische.(Stürmische Heiterkeit.) Sie sehen, was in der Rechtsprechung für Dinge passieren köimen, mid ich bitte Sie deshalb ebenfalls, die Petition dem Ncichskaiizler zur Berücksichtigung zu nberivciscn. Abg. Dr. Herzfcld(Soc.): Es hat mir selbstverständlich ferngelegen, Herrn Büsing perfön- lich anzugreifen. Dazu lag gar keine Veranlassung vor. Ich habe mir darauf hingewiesen, wie die Behörden von Wismar, dem Haupt- stützpmikt des Büsingschen Wahlkreises, das VercinSrecht handhaben. Kollege Heine hat schon darauf hiugclviesc». Ich habe mich nicht, über daS mecklenburgische Vereinsrecht beschwert, sondern über die Verletzung der Reichsgeiverbe-Ordliuug, die von den mecklenburgischen Behörden geradezu mit Füßen getreten wird. Der mecklenburgische NatiouallibcrciliSmuS stärkt wirtschaftlich das mecklenburgische Juukcr- tnni nud kaun deshalb politisch nichts gegen dasselbe ausrichten. Herr Büsing sitzt ja auch nur durch die Unterstützmig der Konser- vativcn hier im Reichstag nud überall bei den Stichwahlen unterstützen sich Junker und Nationalliberale gegenseitig. Daß eine Ver- fassnngSreform in Mecklenburg noch nicht durchgesetzt iverden konnte, liegt eben auch nur daran, daß das Bürgertum das Junkertum in allen ivirtschaftlichen Punkten unterstützt.' Abg. v. Trcnciifcls(kons.): In Mecklenburg denkt kein Mensch daran, den Arbeitern die ihncii zustehenden Rechte zn verkürzen.(Lachen links.) ES ist der Socialdemokratie mir unanczcnehm, wenn sich die bürgerlichen Parteien gegen sie zusammenschließen. Ich bedauere deshalb, weint Herr Büsing von Angehörigen meiner Partei so scharf angegriffen Ivordcn ist und die Acußernng gefallen sein sollte, lieber einen Socialdemokraten, als Herrn Büsing.(Ruf liiitö: Ra also. da haben ivir'S I) Die inecklenburgische Regierung ist kein Ausschuß der Iiinkerpartei, sie steht über den Parteien.(Lachen bei den Socialdcmokratc».) Abg. Büsing(nail.): Der Vorredner hat darin recht, daß. lvcnn es gegen die Socialdemokratie geht, alle bürgerlichen Parteien zusammenstehen.(Lachen links.) Die Diskussion schließt hiermit. Tcr Antrag Müller- Sagau wird aiigenommeit, die Petition wird dem Reichskanzler zur Bcriicksichtignng überwiesen. Eine Petition ans Einführung des Befähigungsnachweises für das Baugewerbe beantragt die Koutmission dem Reichskanzler zur Berücksichligmig zu überweisen. Abg. Frohme(Soc.): Die Frage dcö Befähigungsnachweises ist schon oft besprochen ivordcn. Voii gewisser Seite wird an dieser Forderung mit großer Zähigkeit festgehakte». Es giebt Leute, die von dem Bcfähtguugs- Nachweis alles Heil für ihr Gewerbe erwarten. Im allacmeinen aber muß man sagen, herrscht nicht ein Mangel an Befähigung, sondern an Gewissenhaftigkeit.(Sehr richtig! bei den Social- demokratcn.) Ter ganze ivirlschaftlichc Kampf tnnS Dasein bringt es mit sich, daß die Solidität, die Ehrlichkeit in der Bauausführung mehr oder weniger fehlt. Ich verweise mir ans die bcrivüstcndcn Wirkungen des Submissioiisunwescns. Wenn Staat und Kommune geradezu die Hand dazu biete», durch Annahme der nngehenerlichsten Iliiterbictungcn der Ilnrccllität im Bauwesen Vorschub zu leisten, so weiß ick nicht, mit ivelchci» Recht von zünftlcrischer Seite immer wieder verlangt wird, daß dieser Krebsschaden durch die Einführung dcö BcfähigniigSilachiveiscS geheilt werde. ES lvärc sehr interessant. eine Statistil aufzustellen darüber, ivic groß der Anteil der geprüften Meister an den Unfällen ist. Die Erfahrung lehrt, daß diese an den Bauunfällen niindesteiiS ebenso stark beteiligt sind, ivie die nicht geprüften. Wen» jemand seine Besähigung nachlveist, so ist das noch keine Garantie dafür, daß er Bauunfälle verhindert. Hentzutaae übertragen die meisten lluternchiner ihre Verantwortlichkeit einfach an einen Polier. so daß sich also die Einführung deS Aefähigungsuachweisco für die Bannnfälle als ganz belanglos erweisen würde. Gegen eine Verschärfung der staatlichen Kontrolle würden wir nichts einznweudcn haben, aber wir wünsche» nicht, daß die Prüfung, durch einen In- nungs-AnSschuß vorgenommen wird. Die Erfahrung zeigt, daß seitens der JnnrntgSincistcr mit einer derartigen Kompetenz ein großer Mißbrauch getrieben iverden kann. Auch der RcgicrmigS- Vertreter hat i» der Kommission erklärt, man sei in den Kreisen der znnächst Beteiligten sehr geteilter Meimmg darüber, in ivclchcr Weise der BcfühignngsnachweiS dcö näheren auszugestalten sei. Dem kann ich nur beistimmen. Die Arbeiter und Banhaudwerker haben durchaus keinen Grund, sich für die Stärkung der Jminugeu bc- sonders zn begeistern. Sind es doch gerade diese gewesen, die die Organisation der Arbeiter i» rücksichtsloser Weise unterdrückt haben. Wir würden es also niemals mit den berechtigten Interessen der Arbeiter vereinigen könueii, einer Forderung zuzlistimmcu. deren Verwirklichung docb nur darauf hinauslaufe» würde, den Mißbrauch der züiiftlcrischeit Gewalt zu verstärken, und wir bitten Sic, diesen Antrag auf lleberwcisung abzulehiicn. Abg. Werner(Aut.): Tic bisherige Handiverksgcsctzgcbimg hat dem Handwerk nicht genützt, sondern nnr geschadet. Man hat dem Handwerker kein Brot gegeben, sondent nnr Steine. Znin mindesten muß das Handwerk den BcsähigiiitgSnachwciS verlangen. Daß das SnbmisfionSwesen ein Unwcscit ist, ist vollständig richtig. ES schädigt die Handwerker. (Znrns bei den Socialdemokraten:»ud Arbeiter!) Gewiß, auch die Arbeiter auf daS empfindlichste. Bor allem sollte der Staat sich hüten, den Weg der Submission zu betreten. Die Handwerker verlangen allgemein die Einführnng des Befähigungsnachweises und die sind maßgebender in dieser Frage als Herr Frohme. Die Prüfung müßte natürlich von einer Kommission von Fachleuten vorgcnoutmen iverden, nicht von Vertretern der Regiennig. Abg. Dr. Hahn(wildk.): Wir haben diese Frage schon recht oft behandelt. Der Reichstag hat bereits vor drei Jahren cincn Antrag Gnmp angenommen, der Einsiihrmig des Befähigungsnachweises spccicll auch für daS Bau- gcimbe verlangt. Gerade in dem Baugewerbe sind die Unfälle am allerhällfigsteii. Sie werden besonders durch Verwendung un- geeigneter Bau-Materialien herbeigeführt. Die Schulung ist eben heute nicht mehr so gründlich wie bei der alten Generation der Handwerker. Man verlangt doch bei allen andern Berufen, Acrztcn, Gymnasiallehrern, neuerdings auch bei den Patentanwälten, den Befähigungsnachweis. Was den liberalen Berufen recht ist, ist aber den Handwerkern billig. Ich bitte Sic, die Petition der Regierung zur Äerücfsichtigniig zu überweisen. Abg. Frohme(Soc.): Die zünftlerische Organisation des Handwerks ist unvereinbar nnt der socialen Wirtschaftsweise. Absolut unparkeiische Vertreter des Handivcrts haben zugegeben, daß Oestreich mit feiner ziinft- lenschcji Gesetzgebung dem Handwerk sehr geschadet hat. Daß die Befähigung der Handwerker gegen früher abgenommen hat, halte ich 'u cht für richtig. In unsrer Zeit der gesteigerten Bildungsbedürfnisse ist das nicht gut denkbar. Herr Werner hat gemeint, daß die Handwerker jetzt allgemein Einführung des Befähigungsnachweises verlangen. Das ist nicht der Fall. Rur die ausgesprochen zünftlerische» Kreise erheben diese Forderung. Die über- große Masse der Handwerker ist aber nicht mit einer derartigen Ausgestaltung des Jnnungswesens einverstanden. Vor allein ivichtig ist, daß die Kontrolle bei den Bauten eine ansreichende 'It. Dadurch würde der Bethätigung solcher Kräfte, die thatsachlich unfähig sind und gewissenlos speknlicrcn, vorgebeugt werden und die Unfälle selbst auf ein Miiiiimmi reduziert. Leider ist die Bau- Kontrolle in Deutschland überaus mangelhaft. Nicht die Un- fahigkeit, sondern die spekulative Berechiiiing veranlaßt den einzelnen, ans möglichst günstige Weise de» Raum rilisziuiiitzeir wtc wir an den Mietskasernen sehen. Diese Spekulation ist durch den ganzen Eharaktcr unsrer wirtschaftlichen Verhältnisse und das Getriebe der freien Konkurrenz, welche zur Uebervorteilung des einen durch den andern führt, bedingt. Ich glaube übrigens, weiiu man heilte alle Jimungsmeister dein Befähigungsnachweis unterwerfen würde, würden viele davon nicht dazu im stände sein. Es hat eine Zeit gegeben, Ivo es freie Untcrnehincr. nicht gab,, sondern nur Zilnftler. Auch da sind Unfälle in Menge vorgekommen, Und sind nicht gerade die zünstlcrischen Elemente erst durch die Gesetzgebung gezwilligen worden, UufaUvcrhülungs- Vorschriften einzuführen? Gerade im Baugewerbe sind häufig Streiks nur dadurch entstniiden. Mst dic Meister und Untcrnehnier Fordcrungcu der Arbeiter auf Elnführung genügender Schutzvorschriften nicht Rechnulig getragen haben.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Abg. Panli-Potsdam(wildk.): Sch bitte Sie, die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Die heutigen Zustände im Baugeiverbe sind' un- haltbar. Herr Frohme meint, es müßte eine Statistik aufgenoinnien werden, wo mehr Unfälle vorkonimen, bei den geprüfteii'oder nicht geprüften Meistern. Diese Statistik würde auch ich begrüßen, denn s,e würde beweisen, daß die meisten Unfälle bei Meistern vorkommen, die nicht den Befähigungsnachweis geführt haben. Der Hinweis des Herrn Abgeordneten Hahn auf die freien Scnifß lunt fcfju nchtlZ. Äuch bei den Becnnien bis herunter zum Kassenboten wird ein BefähiginigsnachlveiS verlangt, nur das Handwerk soll ohne ihn auSlommen. Daß die heutigen Meister nicht in der Lage sein sollen, den Befähigungsnachweis zu ItefeiTi, bestreite ich ans das entschiedenste. Herr Frohme bcniängelt, daß die Prüfinig durch die Jnmuigen geschehen soll. Ich iveiß iiicht, iver gecignetcr dazu sein soll; eine Prüfung von, grünen Tisch aus wäre ganz verfehlt. Abg. Bindewald(Antis.): Daß die Einführung des Befähignngsnachweiscs eine Vcr- besserung gegenüber dem heutigen Zustand herbeiführen würde, ist zweifellos. Von der schrankenlosen Geiverbesreiheit hat nur da Großkapital Nutzen gehabt, das die Handwerker anssaugt. Der Be- fähigungsiiachivciS muß die Grundlage für die ganze weitere Organi- sation des Handwerks bilden. Die Handwerksbelricbssorin halten wir für durchaus entwicklungsfähig. Nicht die großkapitalistische Bc triebsform ist der Fortschritt, sondern die Handwerksbetriebssorni. In Oestreich ist die Einführnng des Befähigungsnachweises nicht zum Schaden des Handlverks ausgeschlagen. Freilich allein kann er nicht helfen. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.) Es handelt sich ja nur uin die geschäftliche Behandlung der vor- liegenden Petition und ich spreche mich für Uebergnng zur Tages- ordnung ans. Das Bedürfnis nach einein Befähigungsnachweis i»l Bangewerbe ist sehr zu bestreiten. Die Architektur hat ohne Bc- fähignngsnachweis glänzende Fortschritte gemacht. Die Zahl der Unfälle ist in de» letzten Jahren prozentual zurückgegangen. Von einer schamlosen Gewcrbefreiheit in Deutschland zu sprechen hat einen Stich ins unfreiwillig Komische. Abg. Gröber(C.): Meine politischen Freunde sind von jeher Freunde des Beftchiguiigsiiachweises gewesen, specicll des Befähigungsnachweises die Zahl der Unfälle zu nachlveis besteht. zum eben so viel Unfälle vor. spckulalion durch Einführung werden. Warum verlangt Socialdemokraten stellen sich immer so an, als ob sie für die Hand werter besonders eintreten, sie verschleiern eben bei den Wahlen ihre wahren Endziele den Handwerkern, nur so ist es zu erklären, daß noch manche Handwerksmeister für die Socialdemokratie stimmen, Im„Vorwärts" stand aber neulich: Wenn da-Z Großkapital die tleincn Handwerker vernichtet, die durch und durch reaktionär sind, so thnt es ein gutes Werk. Das ist die wahre Stellung der Socialdemokratie gegenüber dem Handwerk, sie begrüßt seinen' Untergang nnt Freuden. Abg. Stolle(Soc.), auf der Tribüne kaum verständlich, da er ihr den Rücken zuwendet: Es ist nicht der geringste Beweis dafür erbracht worden daß die Einführung des Befähigungsnachweises geeignet ist vermindern. Wo der Befähigungs Beispiel in Oestreich, kommen Eben so lvenig würde die Bau des Befähigungsnachweises beschränkt man nicht z. B. auch den B e fähignngsnachweis für die Großgrundbesitzer lHcitcrkcit.) Dann müßte der größte Teil derselben aller dingS darauf verzichten, die Güter weiter zu bewirt schäften.(Sehr richtig!) Durch die Einführung des Befähigungs Nachweises ist dem Handwerk nicht mehr zu helfen. Dieses mn' doch schließlich untergehen, denn die moderne Entwicklung der Groß industrie köinicn Sie nicht mehr aufhalten.— Die Unfälle können Sie auch heute schon vermeiden. Wenn strenge baupolizeiliche Vorschriften eingeführt werden, wie in Sachsen. und die Kontrolle eine genügende ist, werden sich die Bau Unternehmer wohl hüten, die Vorschriften außer acht zu lassen, Vor allem wäre auch eine genaue Prüfung des zum Bauen vcr wandten Materials notwendig. Würde diese durchgeführt, so würden viele Unfälle vermieden. Demselben Zweck würde eS auch diene». wenn der Staat größere Summen für die Ausbildung der Arbeiter in Handwcrkerschulcn u. a. m. aufwenden würde. Es giebt also eine ganze Reihe von Maßnahmen, womit Sie mehr erreichen würden, als durch den Befähigungsnachweis.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Nachdem noch der Abg. Pauli-Potsdam(dk.) gegen den Abg Frohme polemisiert hat, schließt die Diskussion. Die Abgg. Singer und Gen.(Soc.) beantragen über die Petition zur Tagesordnung überzugehen. Der Antrag Singer(Soc.) wird gegen die Stimmen der Socialdemokraten und der freisinnigen Gruppen abgelehnt, der Antrag der Kommission, die Petition dem Reichskanzler als Material zu überweisen, wird a n g e n o m m e n, Hierauf vertagt sich das Hans. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr, (Dritte Beratung des Gesetzentwurfs über die Konsulargerichtsbar kcit. Rechnnngsiachen. NeichS-Schuldenordnnng in zweiter Beratung, Petitionen.) Aerzte auf experimcntc mau daraus und ich kann Schluß öVi Uhr. Il�geovdnekenhÄlN-s. 30. S i tz u n g v o m 6. M ä r z, 11 U h r. Am Miilistcrtisch: Dr. S t n d t. Die zweite Etatsbcrntnng wird beim KultnSctat fortgesetzt. Abg. v. Pappenheim(f.): Ich spreche nur fiir meine Person, wenn ich nochmals auf die bereits im vorigen Jahre zur Sprache gebrachten Ncbclständc an der Universitätsklinik in Breslau zurückkomme. Ich habe damals keine Namen genannt, nachdem aber inzwischen eine Untersuchung stattgefunden hat und seitens der Staatsregicrung in der Kommission versichert worden ist, daß Vorkehrungen getroffen sind, durch welche die Wiederholung solcher Vorfälle verhütet werden soll, sehe ich mich veranlaßt, heute mitzuteilen, daß eS sich um I mp f u n g e n mit Syphilis-Seruin bei noch nicht infizierten Personen handelt, um festzustellen, ob sich mit diesem Serum eine Immunität erzielen läßt. Es ist dies geschehen in der Klinik des Professors N c i ß e r in Breslau, und in dem Archiv für Dermatologie sind inzwischen die Ergebnisse veröffentlicht worden. Es handelt sich danach um Versuche an vier unschuldigen Kindern, die keine Ahnung hatten, was mit i h n e n g e s ch a h. Welch namenloses Unglück dadurch über ganze Familien gebracht werden konnte, das malen Sic sich selbst aus. Ich habe keine parlamentarische Bc- Zeichnung für ein solches Verfahren. lLcbhafte Zustimmung auf allen Seiten des Hauses.) Leider steht aber dieser Fall nicht vereinzelt da, denn es ist mir nntgctcilt worden, daß auch andre Gelehrte solche Versuche machen. Bestätigt wird das durch die cynische Art, wie niau sich über die vermeintliche Bc- schränkung der Wissenschaft in Professorcnkreiscn ausgesprochen hat.(Hört! hört!) Dabei ist es doch bekannt, daß selbst Gelehrte ausdrücklich davor gewarnt haben, Menschen zum Objekt von bakteriologischen Versuchen zu verwenden. Ich nenne dafür den Leiter der ophtalmologischcn Klinik in Halle. Aber auch andre als ÄiÄ�ÄÄ 7 bcn S ÄMdicn gemc�ff zum �cr Bckahigungsiiachivcis z�il an schwerkranken Personen, die durch solche niederträchtigen liegt auch im spccifischen Interesse des Arbeiterstandes Abg. Frohme(Soc.) polemisiert gegen die Abgg. Pauli und Bindcwald. Das Bedürfnis nach dem Befähigungsnachweis ist bis jetzt statistisch nicht nach- gewiesen. Der größere Teil der Banunfälle ist bei Jnnungsmeistern vorgekommen, die den Befähigungsnachweis besaßen. Ilm den II» fällen zu steuern, brauchen'wir eine bessere Baupolizei Eine solche liegt auch im Interesse der Arbeiter, die bei Schwindelbautcn ihr Leben riskieren. An den Ilnreellitätcn sind die Jnnungsmcistcr genau so beteiligt, wie die außerhalb der Jmnmgen stehenden. Auch JnnnngSmeister stellen minderwertige Kräfte ein und vergehen sich gegen die Solidität im Baugewerbe. Auch Jnnungsmeister haben in den letzten Jahren Tausende von un- fähigen Arbeitern aus dem Auslande eingeführt, bloß weil sie billiger sind. Solche Elemente finden Sie in allen Großstädten mid wenn sie etwas mehr gelernt haben, so haben sie das nicht der Fürsorge der Jnnungsmeister zu danken, sondern den organisierten Arbeitern, die sich der Leute angenommen haben. Wie die Arbeiter Vorteile von dem Befähigungsnachweis haben sollen, verstehe ich nicht. Es hat noch keinen größeren Bauunfall gegeben, den die Arbeiter nicht vorausgesagt haben. Die Arbeiter haben die größte Be- fähigung für die Baupolizei, sie könnten den wirk- samsten Bauarbeiter- Schutz herbeiführen. Die Fähigkeit des gelernten Arbeiters ist meist mehr wert, als die sogenannte Meisterschaft. Herr Vindewald hat wieder einmal den Miltclstand vor der bösen Socialdemokratie retten wollen und die handwerksmäßige Betriebsform für die fortschrittliche erklärt. Der' großindustrielle Betrieb hat aber bereits viele Handwerksbetriebe überflüssig gemacht. In der Klempnerei und Schlosserei tritt das ganz auffällig zn Tage. Mit einzelnen Maßnahnie» können Sie gegen diese Entwicklung nicht ankämpfen. Es macht übrigens einen seltsamen Eindruck, daß wir hier über diese Fragen diskutieren müssen, in derselben Zeit, wo uian eine große Flotte schaffen und Weltpolitik treibe» will. Mit diesen weltpolitischen Ideen stehen die zünftlerischenBestrebmigen in schroffsten, Gegensatz. Wir sind nicht Feinde der ehrlichen Arbeit im Handwerk oder sonstwo, im Gegenteil, aber wir sind Feinde aller demagogischen Umtriebe. die darauf berechnet sind, die notleidende Masse' des Mittelstands glauben zu machen, daß von einer solchen zünftlerische» Politik das Heil zu erwarten ist. Diese demagogischen Uunriebe gewisser reaktionärer Parteien, die mit diesen Versprechungen nur beabsichtigen, hie Masse der Handwerker und kleinen Knufieute ihren Partei- intercssen dienstbar zu machen, bekämpfen ivir. Die große Masse werden Sic doch mit derartigen reaktionären Bestrebungen nicht für sich gewinnen.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Abg. Bindcwald(Antis.): Die Herren Socialdemokraien sind im Punkte der Demagogie und Parte itaktik sicher jeder Partei über. Ob meine Rede ans dem Standpimkt der modernen Entwicklung stand, über- lasse ich jedem veriiiinjlig Denkenden zur Beurteilmig. Die schwerkranken Personen, die durch solche niederträchtigen Versuche zu Tode gequält werden. Redner verliest einige Berichte ans medizinische» Blättern und ersucht die Regiennig, diese» Miß- ständen gegenüber ihre Schuldigkeir mehr zn lhun. als es in den letzten Jahren geschehen zu sei» scheine.(Lebhafter Beifall bei allen Parteien.) Abg. Sänger(Hosp. d. frs. Vp.): Die Thatsacheu, die der Vorredner angeführt hat, sind leider zutreffend, und es ist tief bedauerlich, daß solche Fälle durchaus nicht vereinzelt dastehen. Ganz besonders bedauerlich aber ist es. daß die Regierung das Disciplinarverfnhren nicht so beschleunigt hat, daß eine Verjährung für die strafrechtliche Verfolgung des Breslancr Professors verhindert wurde, lim so dringender wäre es, daß die Regierung Mitteilungen über das Disciplmarverfahrcn macht, und daß sie außerdem versichere, mit welchen Mitteln sie der Wieder- holimg derartiger Borkonnmiiffe vorbeugen will.(Beifall.) Abg. v. Jagotv(k.) und Abg. Dr. Sattler luatl.) sprechen sich ähnlich ans wie die Vorredner. Ministerialdirektor Zlltmann er- klärt, das Ermittclmigsverfahrcn habe sehr lange gedauert, da ver- schicdcue frühere Assistenten im Auslände vernommen werden mußten; das Disciplinarversahren aus Dienstentlassnng gegen Prof. Nenßcr sei eingeleitet. Minister Dr. Stndt: Ich habe erst in der Kommisston Kenntnis von diesen Vorgängen erhalten. Ich erkläre aber, daß ich dieselben auf das tiefste bedaure und alles thun werde, mn der Wiederholung vorzubeugen. Ich werde auch eine Kontrolle einzurichten suchen. Aber bei der Häusimg von Geschäften muß ich um Nachsicht fiir die mir nachgeordiieleii Herren bitten. Abg. Dr. Birchow(frs. Vp.): Eine ähnliche Bchandlmig, wie sie das Ministerium Herrn Reißer gegenüber gegenwärtig einschlägt, daß man nämlich zunächst die kompetente Instanz, die wiffcnsckiaftliche Deputation für das Mediziiialivesen, angerufen hat, ist schon früher cinuial in einem ähnlichen Fall gewählt worden. Wäre von vornherein so vorgegangen worden, so würde das wahrscheinlich veriniedcn worden fein, was Sie jetzt beklagen. Wir beklagen das mit Ihnen(Hört! hört!) und wir cinpfiilden bei dieser Gelegenheit auch, daß es sich nicht bloß mn individuelle Fälle handelt. Wenn Sie diesen Fall als einzelnen, losgelöst von der Gesamtheit aller Dinge, die in der Welt passieren, betrachten wollen, so erscheint er natürlich sehr viel schlimmer und schärfer, die persönliche Berantwortung wird sehr gesteigert. Sic dürfen aber nicht vergessen, daß es gewisse allgemeine Strömungen giebt, die gewissermaßen die ganze menschliche Gesellschaft bewegen mid die sich nicht einfach dem Einzelnen zuschieben lassen. So ist es gerade mit den Fragen, die die Syphilis betreffen. Seit Jahrtausenden beschäftigt diese Angelegenheit die Menschheit. Nicht zum erstenmal ist es daß derartige Impfungen gemacht worden sind, sie kommen schon in langen Zeiträumen vor und sind in der allerbesten imd aller- wohlivollcndsten Absicht ausgeführt worden, in der Absicht, diesen Feind der Menschheit zn beseitigen. Wird eine Schutzmaßregel gegen eine Krankheit durch Impfung öder ähnliche Mittel gefunden, dann wird auch wieder versucht, die Syphilis auf ähnliche Weise zu bekämpfen. Als das Tuberkulin auskam, strömten die Menschen nach Berlin,»m sich impfen zn lassen. Wenn das die Lenke selber wünschen, kann niemand viel dagegen cinwcndcn. Wäre Reißer innerhalb dieser Grenze geblieben, so würde niemand beunruhigt worden sein.(Sehr richtig.) Jetzt handelt es sich darum, daß ein paar Personen vor- Hände» sinb, von denen es nicht ganz sicher feststeht, ob sie oder ihre Angehörigen von der Gefahr, die sie liefen, benachrichtigt waren.(Zuruf rechts: Kinder.) Die ivissenschaftliche Deputation hat diesen EntschuldigungSgrund nicht anerkannt. Ein Kliniker hat höhere Pflichten und darf sieb nicht durch momentane Zeitströinungen beeinflussen lassen. Er soll nicht ohne Zustimmung der Angehörigen oder der Person sek'fft irgend einen Versuch machen, der über die Grenzen des Bckamilcu hinausgeht. Andrerseits werden Sie doch anerkennen_ müssen, daß die Möglichkeit, solche Versuche überhaupt abzuschneiden, gar nicht existiert.(Sehr richtig.) Eine Menge Personen, die gar keine Mediziner sind, beschäftigen sich mit medizinischen Auf- gaben, die sogenannten Naturärzte z. B. Sie dürfen auch nicht die ganze Medizin fiir die Neißcrschc llcbertrcibung verantwortlich machen. Der der Methode zu Grunde liegende Gedanke ist an sich rationell, und die Impfung mit syphilitischen Stoffen, die Syphilisation ist in Italien und Norwegen im großen Umfange mitcr den Augen der Behörden geübt worden. Große Resultate schädlicher Art sind dadurch nicht herbeigeführt worden, aber man hat sich auch davon überzeugt, daß das syphi- lilische Gift ebenso lvirksam ivie das Pockengift die Fähigkeit des Körpers, von neuem zu erkranke», aufhebt; die Jmmunisation des Körpers ist erreicht worden. Trotzdem iverden die jüngeren diesem Wege weiter gehen. Ohne Tier- ist die Scrnmtherapie absolut unmöglich. Hat eine gewisse Höhe erreicht, so ist es ja natürlich es nicht für eine Niederträchtigkeit, für eine Bosheit, für ein Verbrechen erklären, ivenn man Erfahrungen, die man sicher gemacht zu haben glaubt, ans die Menschen überträgt!(Widerspruch rechts.) Ja. das ist der richtige Weg, anders ist es nicht zu mache». (Sehr richtig! links.) Und es geschieht fortwährend. Eine Grenze ist nur in der Gewissenhaftigkeit der Aerzte zu finden, die unterstützt Iverden muß durch die Kontrolle der wissenschaftlichen Welt.(Leb- haster Beifall.) Damit schließt die Disknssion über diese Angelegenheit. Die Einnahmen werden bewilligt. Bei dein Ansgabcn-Titel: Gehalt des Ministers beklagt sich Abg. Frhr. v. Hcereman(C.): (ans der Tribüne unverständlich) über ungerechte Behandlung der Katholiken und Polen. Redner beschwert sich dann weiter über den Schulunterricht. Der Schulzwang sei nur dann gerechtfertigt, wenn die Eltern sicher seien, daß die Kinder in ih rein Sinne erzogen würden. Von einer christlichen Erziehung könne aber so lange nicht gesprochen iverden, als nicht die Kirche, sondern der Staat über den Religionsunterricht bcstudc. Der Pfarrer sei das gc- dorne geistliche Oberhaupt der Schule, in seinen Händen müsse c'o ipso der Religionsunterricht liegen. Die Volksschulen müßten auf christlicher Grundlage stehen. Geschehe das nicht, so werde auch unsre Kultur zurückgehen, deren Unterlage die sittliche, die christliche Erziehung des Menschen sei, denn 5lultur sei nicht Wissen.(Bravo! im Centrum.) Minister Stndt: So versöhnlich ipid milde der Ton der Rede de§ Abg. von Hemma» gewesen ist. so wenig war es ihr Inhalt.(Hört! hört!) Unter der preußischen Gesetzgebung(Ruf im Centrnm: Trotz!) hat die katholische Kirche an äußerer mid innerer Kraft außerordentlich gewonnen. Die Zahl der Ordeiisniederlafsimgen hat sich von 800 im Jahre 1887 auf 1035 mit 13 7«) Insasse» im vorigen Jahre vermehrt.(Hört! hört! bei den Nationnlliberalen.) Kann man sich eine förderndere Behandlung vorstellen'{ Von Katholiken selber ist das Bedenken geäußert worden, ob es nicht richtiger «ei. das Tempo etwas zu verlangsamen.(Oho! im Centrnm.) Man weiß ja, zu welchen Erschcinimgen die übermäßig rasche Entwicklung de? OrdenSwesens m andern Ländern geführt hat. Was die Schule betrifft, so halte ich eine Verständigung mit dem Vorredner deshalb iir unmöglich, weil er in seiner Rede den Boden der preußischen Gesetzgebung verlassen hat. Wo hat ein Lehrer je ungestraft gegen das Bekenntnis den Rcligionsimterricht erteilt? Darin stimme ich mit dem Vorredner übcrcin, daß der christliche Charakter unsrer Volks- schule erhalten bleiben muß.(Beifall.) Abg. Graf Moltke(frk): Für das Bolksschulwescn ist ausreichend gesorgt. Die Volks- erziehnng muß christlicy bleiben, denn das Christentum ist die Grmid- tage inisrer ganzen Kultur. Wichtiger als die äußere Freiheit ist die iinierc, die in der Zucht des Geistes besteht. Diesem Gcsichtspimlt werden deute allerdings große Parteien nicht gerecht, die znm Beispiel in dem Fall Arons eine Unterdrückung der Freiheit der Wisien- schaft und in der lex Heinze eine Gefährdung der Kunst erblicken. Abg. Dr. Friedbcrg(natl.) polemisiert gegen den Abgeordneten v. Hcereman, der für seine .»lagen nicht das geringste Material zur Versügung gehabt habe. Das Gcntrnm wolle die Schule vollständig der Kirche unterwerfen. Damit dies nicht geschehe, seien seine Freunde gegen ein christliches Volksschnl-Geietz, wie es das Centrnm verlangt. Ter Volksschulnntcrricht müsse allerdings auf konfessioneller Grundlage erteilt werden, und das geschehe ja auch. Abg. Sänger(Hosp. der frs. Vp.) bringt de» Ncligionönnterricht der Dissidcutcnkinder zur Sprache. Das Vorgehen des Kultiisininisteriwns widerspricht der Entscheidung des Kainmergerichts vom Jahre 1890. dem Art. ISder Verfassung, der die Freiheit des Bekenntnisses gewährleistet, und dem allgemeinen Landrccht. Uiibetiinimert darum werde» die Kinder von Dissidenten gezwungen, am Religionsunterricht teilzmichmen, die Gerichte hätten verschieden geurteilt und sich icilS auf sciten dcS MinisteriuinS, teils ans seilen der Dissidenten gestellt. Nim hat das Kaminergcricht dein Minister reckt gegeben. Es handelt sich um eine Frage von hoher politischer Bedeutung. Das Verhalten des Ministeriums bbdcntet einen schweren Eingriff in die Rechte der Eltern über ihre Kinder. Das Ministerimii beruft sich ans die Entscheidung des Kainmergerichts, wonach die Gewissensfreiheit des Vaters nicht berührt wird, wenn sein Kind Religionsunterricht erhält. Jnristiich mag das ja stichhaltig sein, vom rein nienschlicheti Standpunkt ans jedoch nicht. Ich würde in einem solchen Fall meine ganze väterliche Autorität anfbieten, um die Erziehung meines Kindes in einer andren Religion zn vereiteln. Die Foigc eines solche» Gewissciis« zivangcs kann nur sein, daß die Kinder die Religion nicht achten lernen. Außerdem wird die Achtung vor der Kirche durch den in gewissen Kreisen üblichen GlanbenSlvechsel bei Ehcschließimgen und dnrcki Nichtachtimg der christlichen Lehren im praktischen Leben weit mehr gefährdet, als dadurch, daß ein paar tausend Dissidentenkinder keinen Religionsunterricht erhalten.(Sehr richtig! linkst Auch die Er- scheiimiig, daß Juden, um vorwärts zn kommen, sich taufen lassen müssen, rrägt zur Nichtachtung der christlichen Religion bei.(Sehr richtig! links.) Durch den Zwang treibt man die Eltern nur i n d i e A r m e der Socialdemokratie.— Wie stellt sich der Minister zu der Frage der Mädchengymnasien und des UniversitätS- besucks durch Frauen? Welche Berecktigung beabsichtige der Minister den Abitnrieiitcn der Mädckiengymnasicil cinznränmen? Minister Stndt: Wegen der Dissidentenkinder sind Beschwerden an uns in den letzten Jahren nicht herangetreten. Unsre PrariS stützt sich auf die Entscheidungen des KaminergerichtS und wird keine Aeudernng für die nächste Zeit erfahren. Ans die übrigen Fragen werde ich bei Beratung der einzelnen Gegenstände zurückkommen. Die Weiterberatung wird auf Mittwoch 11 Uhr vertagt. Schluß i'.e Uhr. Briefkasten der Redaktwn. Die iiiristischc Sprechstniide findet Montag. Dienstag und Freitag von ti— 8»hr abends statt. T. W. 21. Sie sind im Irrtum. Der von Ihnen im Wortlaut mit- geteilte Paragraph gewährt Jlwcn lein Recht, ermächtigt vielmehr die Ge- scllschaft, nach ihrem Belieben Darlehen zu gewähren, verhindert die Gesell- schaft aber, durch Gewährung der Darlehen% der Gcscllschaftsreserve zu überschreiten.— W. R. 100. Sie können auf Einstellung des Betriebs und ans Schadensersatz klagen.— R. Verband 77. 1. Ja. 2. Dafür besteht keine Schonfrist. 3. Wenn sie einen Deutschen geheiratet hat, ist sie Deutsche geblieben. Hat sie einen Ausländer geheiratet, so wird ste nur durch Naturalisation oder durch Heirat mit einem Deutschen wieder Deutsche. — Ferdinand 87. Hat Ihre Ehefrau den Bestellzettel unterschrieben, so haftet sie in vollein Umfang für Zahlung dcS wertlosen erbaulichen Lieferungswerks. Sie, der Ehemann, haften für die Zahlung nicht. W i c oft schon haben wir dringend davor gewarnt, Bestellzettel z il unterschreiben, durch welche jemand sich zur Zahlung erbaulicher Schristc», Konversationslerikas, sogenannter Rcchtsbiicher und ähnlicher für Arbeiter wertloser Makulatur verpflichtet. Was der zungengewandte Eolporteur gesagt hat, ist m c i st u n b c>v e i S b a r und wertlos. Unterschreibt jemand s v l ch e S o r t e B c st c l l s ch e i n e, so ist ihm immer wieder zu empfehlen, ausdrücklich selbst in den Bestellzettel h i n e i n z u s ch r e i b e n: ich verpflichte mich nur zur Ab- nähme des ersten Hefts.— 178. I. S. Wenn Sic im Besitz des Rades sind, ja.— Alfred Deetz. Ersuchen Sie die dortige Polizeibehörde um Auskunft. Freilich wird die Ailskunft eine mangelhafte fein, weil, soviel bekannt, dort ein polizeiliches Meldeburcau nicht besteht Es ist des- halb zu empfehlen, dast Sic gleichzeitig den Hausbesitzer um Auskunft ersuchen. — Atter Parteigenosse. 1. Dafür besteht keine Frist. 2. Die Sitzungen werden von Fall zu Fall anberaumt. 3. Jedenfalls, näheres ist uns nicht bekannt. 4. Nein.— K. L. 21. Beides sind Ehescheidiingsgründc.— A. B. B. 07. Ein Rechtsanwalt ist berechtigt, die Handakten so lange cinznbchaltcn, bis die Gebühren bezahlt sind. Diese Bestimmung ans die Prozesse anzuwenden, in denen das Armcnrccht bewilligt ist, hat früher in anständigen Kreisen der RechtSauwaltschaft für iinaiiständia gegolten und ist für unzu- lässig erachtet. Seit einigen Jahren scheint die Berliner Anwaltkammer andrer Ansicht zu sein. Fordern Sic den Rechtsanwalt schriftlich unter Einsendung des Portos auf, Ihnen das Eheschcidungs-Urteil herauszugeben. Fordert er vorherige Zahlung der Kosten, so beantragen Sie bei der Staats- anwalschast dicBcstrasnng wegen oersnchterErpressung und beantragen direkt beim Landgericht, Ihnen ein initRrchtskraftsklausel versehenes Erkenntnis zu erteilen. — 3. I. 7-1. Ohne Kenntnis der Zeit des Todes des Erblassers und seines letzten Wohnsitzes ist es unmöglich, in Erbangelcgcnheitcn Auskunft zu erteilen. Es ist geratener in solchen Sachen, in der juristischen Sprech- stunde vorzusprechen.— il. C< Ein solcher ist uns nicht bekannt.— Für trn Inhalt der Inserate ttbernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Veranlliiortnnq. TlzrAkev. Mittwoch, den 7. M ä r z. Opernhaus. Raibold. König Drossel- bart. Anfang 7l/2 Uhr. Schanfpielhans. Jugend von heute. Anfang 7i/z Uhr. Deutsches. Der Prvbekandidat. An- fang 71/2 Uhr. Lessing. Als ich wiederkam... Anfang T/2 Ubr. Berliner. Ainphitrhon. Totentanz. Anfang 7i/z Uhr. NcueS. Ein ÄleliergchciinniS. Anfang 71/2 Uhr. Schiller. Der Probepfeil. Anfang 8 Uhr. Westen. Der Zigcunerbaron. An- fang 7>/z Uhr. Thalia. Im Himmelhof. Anfang 7>/z Uhr. viesidenz. Die Dame von Maxim. Anfang 7i/z Uhr. Luisen. Faust. Anfang 7% Uhr. Central. Die Puppe. Anfang 71/2 Uhr. Carl Wcitz. Bon Stufe zu Stufe. tzlnfang 8 Uhr. Belle-Alliance. Tie Reise nach Amerika. Anfang 8 Uhr.. Bictoria. Berliner Bilder. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WilhelniftäbtischeS. Allein in London. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitätenvorstellung. Die verkehrte Welt. Ansang 8 Uhr, Apollo. Specialitäten- Borstellnng. Im Reiche des Jndra. Ansang 7-/2 Uhr. Palast. Specialitäten- Vorstellung. IMm-'l'deAtkr. Tel. AiutlVa 6440. Dresdenerstr. 72/73, Täglich: Riesenlacherfolg l Im Himmelhof. Thomas, Thielscher, Helmerding Junkcnnanii, Paulmüller. Anfang 7i/z Uhr. Morgen und folgende Tage: Im Himuielhof. W. Hoaclis Theater, Brnniicnstraste 10. Heute Mittwoch, den 7. März: Wczxen l'rivatfestlichkcit keine Vorstcllnng. DouncrStag: ger jüngste Zieutellaut. Anfang 7 Vz Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger, Speciali- Anfang 8 Uhr. Passage> Panoptikum täten-Borstelluug. Urania. Iuvalidenftr. 87/02. Täglich abeudö von ö— 10 Uhr: Sternwarle. Tanbenstratze 48/4». Abends 8 Uhr:„Von den Alpen zum Beluv". Im Hörsaal: 14. Centenar-Vortrag: Geheimrat Professor Dr. Förster: „Die Erforschung des Himmels Schiiler-Theliter (Wallner-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Dei» ProbepfclI. Lustspiel in 4 Akten von Oskar Blumenthal. Donnerstag, abends 8 Uhr: arrUsehwellei». Freitag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: nacbcth. Erntvnl Thrntov Direktion: 4o»S Teeeiicr>. Abends 71/2 Uhr: D i e P n p p e. (T-a I'aaptfe). Operette in 3 Akten und einein Vor- spiel von Ordoiineau und Stnrgeh. Musik von Ed. Audran. Morgen und folgende Tage: Die Puppe tl.» Noupeet. Sonntagnachniillag 4 Uhr zu halben Preisen: vor vettelstudent. Von E. Millöiker. stelle-�IljAllee-sliester. Gastspiels kimil«lebarS. We Reise nach Amerika Volksstück mit Gesang in ö Akten v. A. Philipp Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Preise der Plätze: Loge 4 M. Fanteuil 2 M. 60 Pf., Parkett 2 M., Ballon 1 M. 50 Pf., Scitenballon 1 M. 2c.:c. Apollo-Theater. IXiine Debüts! Ritters dressierte Hunde PiccoloS Miniatur-Terzett. Luch Ranon. französische Soubrette, The Z Harweys, Drahtseilkünftler. AgnamarinosfS, russisches Eniciiible Brothers Braatz, Equilibristen. Charles Ränschlc, Müniker. sfle�iitei'!«. I4«d>i»«»seapb, Transvaal-Bilder. Um 9 Uhr: Im Reiche des Indra. Anfang der Vorstellung>/z8 Uhr. Carl W elss-Ilieater Gr. Fraiikfnricrsirasie IltZ!. Uo»» Stufe zu Stufe. Lebensbild mit Gesang in 5 Bildern von H. Müller. DM" Anfang 8 Uhr.-7*6 BoizugSbillets haben Gültiglcii. Im Tunnel von 7 Uhr an Frei- Konzert. Morgen: Dieselbe Borstellnng.. Soniiabcndiinchmittag: Kinder- Borstellnng: Das.Härchen vom falschen Prinzen. In Vorbereitung: Der Minenköiiig von Transvaal. Grobes aktuelles Zeitgemälde in zwölf Bildern von E. Ritterfeldt. Vurkoiiiiiiendc Personen: OKm Krüger, General Joubert, General Cronje, General Lucas Meyer. Cirkus itropol-Theater. Täglich um 9 Uhr 30: Verkehrte Welt! mit der hochorigincllen Weiber-Parade. Vorher: Dos große März- The 8 Diaiuunts. Dcltorclli Trio, FredCiillet, Sandor Trio, Georj; Kaiser, The Daytons. Mary Wolf rc.:c. Anfang an Wochentagen um% an Sonntagen 71/2 Uhr, Palast-Theater früher Fcea-Palast, Bitigstr. 22 Das in Berlin einzig dastehende Rlesea- März- Programm! Tosender Beifall! Endloser Jubel! Ertönt allabendlich bei dem Austreten des durchweg neu engagierten SW Specialitäten- Personals. Ueberzcugung macht wahr!!! 100 M. erhält jeder Besnd>er, der ein gleiches Programm nachweist. Um 8>/z Uhr: Wicder-Anftreten des Direktors Wilhelm Fr Obel In der unverwüstlich-nGcsangsbnrleSke Ter selige Zlvicbelmaiin. Hauptrollen: Dir. Winkler u Fröbel. Anfang 7r/z Uhr. Kouzcrt 0>/' llhr. Vorverkauf 11-1 Uhr. Freitag, den 9. und Sonnabend, .den 10. März wegen Vereiusfestlich- Zeit geschloffen! Heute u. täglich abends präc. 7l/i Uhr außer dein täglich wedsseluden Progr. Reu!"ivL BV Neu! Ter phänomenale Reitkiiiisiler stlislei' M!ke8 luyA, der Beste der Gegenwart. 7Xea! Xcn? The two I . Martinecks! Zum Schluß zum 33. Male:!jHl Dr. Faust. Eine roinantisch-phantastische Handlung in drei Abteilungen vom Hofballctt- meister A. Siems. Todes- Anzeige. Nach längerem Leiden verstarb plötzlich und unerwartet am Gehirn- schlag mein geliebter Mann, unser treuer, sorgsamer Vater, der Tischler und Einsetzer 231/2 Friedrich Topp. Tie Beerdigung findet am Donners- tag, den 8. d. Nt, nach m 2 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Rixdorfer Kirchhofes aus statt. Die trällernde Witwe nebst Kindern. CirlÄii« Bnscli. DW- Nur noch kurze Zeit!__ Heute Mittwoch, den 7. März, abend! 71/2 Uhr: Bitte-Ciala- Abend. Zum US. Male; Die Camorra. Außerdem: Der Esel als Schmctter- llngsfäiiger u. Sänger. Die Original- Meister- Dressuren des Dir. B u s d,. Zielen ans dem Busch. Sig. R i c a r d 0 mit seiner dressierten Meute. Die Grigorn-Troupc._ Sanssouci Kottbaserstr. 4u. Heute Mittwoch: Keine Soiree. Morgen Donnerstag: HoIImanns Mhdelltsche Söiificr Vorzügliches Programm. Präsident Krüger (neu bearbeitet). Nach der Soiree: Tanzkränzeheo. TotintiimokrHoltsbitdilngg- teiii Britz iiiiö UiHpeicnli. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Einsetzer Friedrich Topp am Montag, 5. März, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 8. März, nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des licuen Rixdorfer Kirchhofs, Rudowerstraße, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. 231/1 Der Vorstand. 0eut§eker stolisrlieiler-Vei'bami. Zahlstelle Nixdorf. Ten Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Friedrich Topp am Montag, 5. März, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donners- tag, 8. März, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rixdorfer Kirchhofs aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 80/14 Der Vorstand. BereillheiltslsittZltzilhmkllier. Am 6. b. M. verschied unser langjähriges Mitglied, Herr 109,9 iPsiiil Höhte im 43. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. d. M., nachm. 4 Uhr, vom Krankenhaus am Friedrichshain aus iiad) Wilhelmsberg statt, und ersuchen wir unsre Mitglieder hierdurch, unserm treucn Kollege» das letzte Geleit zu geben. Der Vorstand. ftfSittwoch| den 7, März, abends 8 Ufip, im Lokal von Mertens, Friedrichstraße 236: BokksvfrTammtung Tagcs-Ordnuug: Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Arthur Stadthagen über das Thema: Soll dos weibliche Geschlecht vogelfrei sein und bleiben? Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen, namentlich der Frauen, ersucht 1/7 Tie Bertrauensperson. 177/8 T a g e S- O r dnu n g: Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekainiten, insbesondere dein Fcdit- llub„Berlin Nord-Ost", dem Verein Berliner Former, den Kollegen der Eisengießerei Hugo Härtung, welche meinem verstorbene» Mann, imserrn Vater, dem Former Hermann Bange die letzte Ehre criviescu haben, sagen wir uusren herzlichen Danl. Minna Bange geb. Rüblo, 38641!] Hermann Lange, Max Lange. Orts-Krankenkasse für das Gewerbe der Tischler«. Uillno- forte-Mkiter ZI» Berlin. Donnerstag, de» 10. März er.. in den„Ariniii-Hallcn", Kouiuian- dantenstraße Nr. 20: General-Uersammlung der Vertreter der Kassen Mitglieder u. der Arbeit- gebcr. Tages-Ordn n ng: 1. Abnahme der Jahrcsrechnung pro 1899 nebst Bericht der Revisoren. 2. Neuwahl deS Ncndantcn- Stell- Vertreter. 3. Beschlußfassung über die Regelung der bei der Kasse beschäftigten Kassierer und Hilfsarbeiter. 27s7b] Der Vorstand. ]£i*äii2:v und Blumen empfiehlt[38632* F. Jacobitz, Aoppenstr. 46. Urania Tnnbcnstrnssc 48/41». Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen znm Vesuv" Hörsaal: 14. Centenar-Vortrae:: Geheimrat Professor Dr. Börster: „Die Erforschung des Himmels.'' In validcnstr. 57/0%: Tag!. Sternwarte. Naclimlltags 5— 10 Ulir. �aa CASTANS IpanopticumS j Von! Ken! B ?ässa?e-PanopticBiii." Geöffnet 9 Uhr frllh bis 10 Uhr abends. Täglich: # Theater ¥ari6l6.* Auftreten des indischen Fakirs Kalakutta — und des Zauberkünstlers— Mr. Jerome. SociaidemohrMscher Wahlverem für den 5. Berliner Beichstngs- Wnhlhreic. DounerStag, de» 8. Marz, abends SVs ilhr. Im Bokal Roscnthalcr Hof. Kosenthalerstr. 11—]£: ur Verfaintttluttg. Tages-Ordnung: 1. Diskussion über: Wie organisteren wir uns? 2. Veicinsangeleeer.» hciten. 240, � Um zahlreichen Besuch der Mitglieder ersucht Der Vorstaad. Achtung! Achtum' 3 große Mjtglieder-Versalnnllungen des Centralverbandes dentscher Manrs�. ILablstelle Herila II. Am Tonnerstag. de» 8. März. abendS 8 Uhr: Pür Osten: I IN b s O st b a h n p a r k, Nndersdorferstr. Tl. Am Freitag, den 1». März, abends 8 Uhr: Pür Korde», Wcdding u. Oranienburger VorstRÜ; Fe y, Briiiiiienstr. 184. Pür 8. nnd SW.: S t tz e» st o ck, Gnetsenanstr. 67. Tagesordnung in allen 3 Bersnmmlnngen: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Gcwerksdiastliches. 136/17 Um regen Besuch bittet Die Verbandsleltnng. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute. Mittwoch, abends 8 llhr. in der Brauerei Friedrichshai», Am FricdrichShain SS— SV: iffflF" VorTÄmmlung rämtlirficu Vorkvauen�nriialnvv. HOF- BerbaiidSbuch und Bcrtrauensmäuncrkarte legitimiere::. 80/10 Die Ortsverrvaltnng. Achtung! Meallilt. Achtung! Donnerstag, den 8. März, abends 8 llhr, bei Herrn Fischer, Beusselstr. 9: Ken! Ein Riese der englischen Armee Sergeant Th. Dalroy Z m 30 cm hoch! Oberbayrisclie Sänger und Schuhplattler- Gesellschaft. Reiensnailen. Täglich: Stettincr SUnger Ansang: Wochentags 8 llhr. Sonntags 7 Uhr. Entrce 50 Pfennig. Vorverkauf 40 Pf. Tages- Ordnung: 1. Ter Streik der Möbeltischler und Aussperrung der Bautischler. Referent Kollege Robert Mendel. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Mjttk- Ulli) Pichlinchtt! Donnerstag, den 8. März, abends 8'/» llhr, im Lokale des Herrn Hoffinann, Alexanderstraftc Ä7o: Branchen-Bersammlung. T a g c s- O r d n u n g: Die Unterhaiidlungen mit sämtlichen Arbeitgebern Berlins nnd Um- gegcnd nnd die erzielte Verständigung mit der Branchen-Kommission. Kollegen, sämtliche Werkstätten Berlins müssen vertreten sein. 80/13 Die Kommission. I. A.: 8. Ganer, Sminemünderstr. 40. Verein für Frauen and Hellen der Arbeiterklasse. Sonntag, 11. März, in„Cohns Festsälc»", Benthsir.:!0/21 w Erstes SMullgsM. Festrede, gehalten von Herrn Manfred IVIttich. VvI�I»iiisiti«ii— Konzert. Sehnegelsbergs Feslsäle, Inhaber: Max Sellin dl er.— Telephon: Amt IV Nr. 1132. Heute: Großer Ball als Specialität: Pfannkachenregea verbunden mit 8chlangen» und Apfelsinen-Regen und diversen Oeberraschungen. Täglich: Tpeeialitäten-Borstellung. Entree frei. 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Es ist dies das bekannte Verdanungg- und Blntreinigungsmitttl. der Hubert Ullrich'iche Kräuter-Wein. Dieser Raum ist für 104 Inserate Attest: von Apotheker A. Warm pro Jahr gemietet. IirilkritTtiz be- stttrkt und 1 Stnhlverstopfung dl Dieser Kräuter-Wein ist aus vorzuglichen, Z fnndenen Kräutern mit gutem Wein bereitet, und AI belebt den YerdannngüorganismnM des �Menschen, ohne ein 1 3] Abführmittel zu sein. Kräuter-Wein beseitigt KtUrnngen in ■j den Itlutgefässen, reinigt das Blut von verdorbenen krank- d machenden StolTen und svirkt fUrdcrud auf die Keubildung N» gesunden Blutes. Durch rechtzeitigen Gebrauch des Kräuter-Weins werden Magenübel meist schon im Keime erstickt. Man sollte also nicht säumen, seine Anwendung anderen scharfen, ätzenden, Ge- sundsteit jcrstüreiibcu Mitteln vorzuziehen. Sinnptome, wie: Kopfschmerze». Anfstoste». Sodbreniien, Blähnngeu, llebelkeit inil Erbreche», die bei chronischen(veralteten) Magen- leide» um so heftiger anstreteii, werden oft nach einigen Mal Trinken beseitigt. und deren»nangenehlne Folgen) wie Beklemmiiiig. .«olikschmerzen. Herzklopfen. Schlaflosigkeit, sowie Blutaiistauiingen in Leber, Milz uiid Pfortadersystem(Hämorrhoidalleideni werden durch Kränter-Wein rasch und geliud beseitigt. Kräuter-Wei» behebt ilnverdaiilichkeit. verleiht dein Perdauungssstslem einen Ansschwung und entfernt durch einen leichte» Stuhl untaugliche Stoffe anö dem Magen nud den Gedärmen. .. M Vageres, bleiches Aussehen, Blutmangel, Cut- Krrt mmo die Folge schlechter Lerdanung,«langelhafter Bliltbildniig und ili.U| iiliiU eines krMllhaftcn Znstandcs der Leber. Bei gänzlicber Appetitlosigkeit»Iiter nervöse»! Abspannung uiid WemüthSverstiutmung, sowie häustgen Kopfschnierzeii, schlaf- losen Nächten, stechen oft solche Kraule langsain dahin. MF" Kränter-Wei» giebl der geschwächten Lebenskraft einen frischen Impuls..DM- KräuterMei» steigert den Appetit, befördert Verdauung und Emähning, regt den Stoffwechsel kräftig an, beschleunigt und verbessert die Blut- bildung, dernlstgt die erregten Nerven und schafft dem Kranken Lebenslust. Zahlreiche An- erkcniningcn nnd Dankschreiben beweisen dies. Kränter-Wein ist zu haben in Flaschen k 1,25 und 1,75 M. in sämmilichc» Apotheken von Berlin und Berlins Vororten, sowie in Preußen, ganz Deutschland und im Anslande in den Apatheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig, Weststraste 82", 3 und mehr Flasche» Krättter-Wein zu Originalpreisen nach allen Orlen Deutschlands porta- und kistcfrei. IW?" Vor Usedavmungkn vtrd gevsrnt!"WU _ Mau verlange ausdrücklich _ MF" Hubert Ullrich'echen"WlZ Kräuter-Wein, Ich habe den HV als einen recht wohlschmeckenden und bekömmlichen den Appetit anregende», den Mage» ftärkeubc» und die Verdauung in bester Weise br- fördernde» Liquen? kenne» gelernt. Ich werde cS mir angelegen sein lassen, denselben meinem Bekanntenkreise Miss wärmste zu empfehlen. SSSLL� S. i. Schl., d. 15./1. 1900, (gez.) Dr. med. W., praki. Arzt. EMBB» Gratisproben werden, fo lange der Torrat reicht, ut Telikaiebwaren- und ZW? Drvguenhandlnngen abgegeben. Ausschank in den Restaurationen. Mein Kränter-Wein ist kein Geheimniittel: seine Bestandiheile sind: Malagawein 440,0, Wcinsprii 100,0, Glnccrin 100.0, Ralftwein 240,0, Ebereschensaft 150,0, Kirschsaft 320,0, Manna 30,0, Fenchel. Anis, Helencnwurzel, amerik. Kraftwurzel, Eiiziauwurzel, Kalnutswurzel aa 10,0. Diese Bestandthcile mische man. 3193L� limmelÄÄ 2 Treppen rechts Specialarzt f.Hant-n.Hiiruleide». 10—2, ö— 7. 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Ordentliche Frau oder Mädchen zur Fülming Heiner Wirtschaft, Be- auffichtigimg kleiner Kinder, verlangt Rodbeck. Reinickendorferstraste 37a. � Arbeiterin ans Herrenhemden iiir Privat wird verlangt. Alfred Joseph, Kamiuandaiitenstraste 59, II.[2750b Eine Frau auf zwei Stunden vor- mittags verlangt Ä. Herrmaim, Rosen- tstalcrstraste 60. 27566 Mäntelustherin, durchaus geübt, 15 Mark Wachenlohn, verlangt Neanderstraste 1._ 27375 Mädchrnjacken-Arbeiterinnen verlangt Lambrecht, Schlicmaiiiistrastc 28. Im Arbeitsmarkt durch besanSerc» Druck hervorgehobene Anzeigen koste» I« Pf. pro Zeile Ein mit der Anoftibrnng elektrischer Licht- nnd Kraftanlagen durchaus vertrauter und erfahrener 88590* Monteur findet für ansterhalb unter günstigen Bedingungen sogleich dauern Sc Itellmig. Angebote unter Beisiigitiig van Zeugnisabschristen unter A. B. 1872. 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Nachdem die K o m- Mission für A r b e i t e r st a t i st'i k nach Verlaus von sechs Jahren die Erhebungen über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der An- gestellten im Gastivirtsgcwcrbe beendet hatte, machte sie in ihrer Sitzung im Dezember vorigen Jahres Vorschläge, die nun dem Bundesrat unterbreitet werden. Diese Vorschläge sind, wie wir schon früher ausgeführt, solch minimale, das;— würden sie Gesetz— von einem Arbciterschutz schlechterdings keine Rede mehr sein könnte. Hat man den Bäckern noch einen 12stü»digen bezlv. doch höchstens Itzl/estiindigcn Maximal- Arbeitstag gegeben, so soll hier der Maximal- Arbeitstag von Iii Ttuudcil Platz greifen, d. h. aber nichts andres, als den gegenwärtigen unhaltbaren Zustand g e s e tz l i ch sanktionieren. Der Äongrest soll nun die Oeffentlichkeit, die Regierung und den Reichstag dahin beeinflussen, daß die Vorschläge der Koiu Mission für Arbeiterstatistik ivcsentlich erhöht werden. Um die Demonstration zu einer imposanten zu gestalten. mufften die Vcr anstaltcr des Kongresses diesen auf eine möglichst breite Grundlage stellen, und alle Gastwirtsgehilfen, gleichgültig welcher politischen Anschauung sie sind, dazu einladen. Der Kongreß hat den» insofern ein eigenartiges Gepräge, als neben den gewerkschaftlich oraanö sierten Gastwirtsgehilfen eine ganze Anzahl von Kellner-, Koch Hoteldiener- Vereinigungen zc. vorhanden sind, deren Mit glicder den verschiedensten politischen Parteien zugehören oder aber politisch vollständig indifferent sind. Die Anträge und Resolutionen jedoch, die aus diesen Reihe» gestellt sind, lassen hoffen daß. unbeschadet der abweichenden, politischen Meinung, in den Forderungen Einheitlichkeit erzielt werden wird. Es' wäre zu wünschen, daß die Regierung die Forderungen einer äußerst ge drückten, vielgeplagtcn Arbeiterkategorie nicht unberücksichtigt lasse. »« * Ueber den Verlauf des Kongresses wird uns folgendes berichtet Vormittags-Sitzung. L a m p r e ch t- Berlin begrüßt die Delegierten. Es gelte jetzt, die Wünsche der GastwirtSgchilfen darzulegen, dabei alles Trennende zu vergessen und nur das Einigende zu betonen. Als Leiter des Kongresses werden gewühlt: Lamprccht Berlin, Klein- Frankfurt a. M., Z i l'l in a n n- Hamburg und G r e t h e- Berlin. L a m p r e ch t teilt mit. das? an verschiedene Behörden und Ver- treter politischer Parteien Einladungen zur Teilnahme am Kongreß ergangen sind. � Der Handelsministcr hat gcaniwortet: Tie Geschäfts läge gestatte nicht, einen Vertreter zu entsenden. Der Staatssekretär des Innern lehnt die Teilnahme mit Rücksicht auf die Lage der Dicnstgeschäfte ab./z Uhr Mitgliedervers amuilung bei Schiller, Rosenlhaler- straffe 57.' r. � Rixdorf. Heute abend S'/j Ilhr V o l k s v e r s a m nt l u n g un Apollo- Theater. Hennaiuistraffe. Referent Genosse G. Günther über:„Alters-, Jnvaliditats- und Unfallversichcruiigs-Gesc."__ Verantwortlicher Redactmr: Paul John in Berlin. Für den Jnferatenteil vcranlwortlicki: Tb. Glocke in Berlin. Dnick und Verlag von Max Bading in Berlin.