Um mltungsbtatt öes vorwärts Nr. 27. Sonnabend, den 7. Februar. !I14 Das Msnjchlein Natthias. L7Z E r z ii ii l Ii n o i, o n P cnl l I l(j. „Es ist mein Kind, und Jhnkn soll'S nichts zu danken llabcn als das nackte Leben. Uin's vor I ll n e n zu vellüten, lint)' ich mich wieder von ihm getrennt. Jeht wissen Sie's!" stiesz sie die rauhe Helfershand zurück, hart und stolz, wie er's kaum erwartet hatte. TaS Wort schlug seine Unbändigkeit in Kesseln: er konnte ihr nichts entgegnen, ihren Abgang nicht hindern. Merkte er doch aus Ton und Haltung, das; dieser Sinn nicht mehr zu beiigen war. das; sie eher den Geist als ihr geheiligtes Mutterrecht aufgab. Es würgte ihm schier jeden Schnauf ab. eS kollerte in seiner Brust, als sei die Rotte jkorah hinenigefahren, iind bis er so viel Lust erschnappt hatte, um einen kernhaften Fluch aiiSznstoßen,»aar die Tür hinter der Widersachers» schon zugefallen. Ter große Eidgenosse sah sich selbst nicht mehr ähnlich m seiner ohnmächtigen Wut, die ihn gleich einem Schulbube» an die Wand drückte. „Es wird sich ja weise», wer's länger auZhält, Tu oder ich! Schwör' Tu. so hoch Du kannst, ich schwör' dagegen! Weißt Tu. was das heißt, Tu überspanntes Lumpengrittle!" knirschte er— dennoch hoffnungslos. Umsonst sann er auf Mittel iind Wege, das gute Recht zu hintergehen. Hier war sein Wih zu Ende, seine Macht übers Knie gebrockten. Nur der rote Suff konnte ihn noch vor Tobsucht bewahren. Ohne seiner Siebensachen zu gedenken, riß er den Hut vom Nagel und schoß hinaus.--- (�egen Mittag erschien der Amerikaner schnell noch einmal im Mllsterzimmer. Er erwarte kurz nach zwölf ein Probestück aus der Stickerei, das dann sogleich aufgeteilt und in seine Wohnung gebracht werden müsse. Brigitte möge für heut ein- mal ihre Tischzeit aufschieben. Das Ansinnen war immerhin befremdlich. Sie hatte zwar keine besondere Lust, nach Hause zu geben, da der Hunger sie heut am wenigsten plagte. Zur Not konnte sie sich Milch und Brot von der Händlerin am Tor holen. Aber Nie s halb wurde ihr etwas zugemutet, waS eigentlich Sache des Laufburschen N>ar? „Seestraße Numero acht!" ergänzte der Prinzipal im Abgehen. ES konnte ihm kaum entgangen sein, daß die Be- austragte ganz starr geworden war und keinen Laut hervor- brachte. Sie stand noch eine Weile ratlos neben ihrem Stuhl und sah ans die Tür, durch die der Amerikaner verschwand. Es erfolgte jedoch kein Widerruf. Was mochte das nun bedeuten? Sollte sie mit dem Be- fehl eine Herabsewmg treffen? Aber Gott bewahre... danach hatte Herzfelds Stimme nicht geklungen, dazu standen ibm ja auch weit wirksamere Mittel zu Gebote.— Ganz etwas an- dercs mußte demnach dahinter stecken. Brigitte begann zu frösteln. Wenn die Sache mit dem Mnsterstück nur ein Vorwand war, sie in sein Hans zu locken? Unwillkürlich fielen ihr einige Geschichten ein, die über de» Amerikaner herumschwirrten. Ta war die Jungfer Ruck- stuhl, ein ehemaliges Bleichemädchen, das nun an der Markt- gaste ein nettes Modegeschäft innehatte: von ihr behaupteten viele, sie sei jahrelang Herzfelds Geliebte gewesen, nur durch seine Freigebigkeit zu dem einträglichen Handel gekommen. TaS ärgste aber erzählten sie von der„roten Ursel", die des- gleichen ein Verhältnis mit dem jungen Prinzipal unterhielt und sich schließlich, da die Folgen nicht ausblieben. Hals über Kopf mit einem krummen Staber versprach, den der mächtige Liebhaber dann, um weiter freies Spiel zu haben, zum— Nachtwächter der Bleiche machte. Dieser überaus harmlose Mann wurde zum Gespött der ganzen Stadt. Wenn einer zum anderen sagte:„Tu könntest auch Bleichenachtwächter werden!" so wollte er ihn damit schlechthin als Hahnrei kenn zeichnen. Vielleicht waren diese Nachreden trügerisch, nur so aw der Luft gegriffen. Gab es nicht auch ein Spottwort, da; man auf sie, das„Mustermädchen", gemünzt hatte? Allein in diesem zwielichten Augenblick konnte Brigitte den bösen Arglvohn eines Hinterhalts nicht loswerden. Sie beiann sich schaudernd auf manche seiner zudringlichen Blicke und Scherze... Und dennoch... Warum sollte er gerade ihr nachstellen, wo so viele Jüngere, wohl auch Hübschere„bei der Hand" waren? In der Bleiche gab es zweifellos Mädchen genug, die ihr kümmerliches, langweiliges Dasein ohne langes Be- sinne» gegen solch eine Mätressenherrlichkeit vertauscht hätten. Und sie selber... wie»ah war auch sie diesem Geschick einmal gekommen! Gottlob, heute hatte kein Versucher mehr Macht über sie, mochte sein Erbieten noch so verlockend er- scheinen! Zwar mußte Brigitte gewärtig sein, daß ihr der junge Herr, vielleicht morgen schon, bedeuten konnte:„Ich sehe leider, Sie eignen sich nicht mehr für den Posten im Musterzimmer!" Aber auch das ließ sich mit Gottes Hilfe noch ertragen. Sie war nicht umsonst durch eine harte Schule der Leiden gegangen.-- Lange fand sie nicht den Mut, sich ans den Weg zu machen. Erst als nebenan im Saal keine Stimme, unten kein Schritt mehr zu hören war, sehte sie ihren Hut auf, nahm die Rolle mit der Warenprobe sowie den Sonnenschirm und ging ent- schlössen, trenn auch beklommen der Schifflände zu. Den bangen Vorahnungen, was sich etwa mit ihr zutragen möchte, stand ein Wille vorbeugender Aufmerksamkeit gegenüber. Also schritt sie dahin wie eine, die, vor Gericht geladen, im Zweifel ist. ob ihr eine Erbschaft verkündigt oder eine böse Tat nachgewiesen werde. Niemand konnte sehen, wie blaß sie in Wirklichkeft war, denn der grüne Schirm warf im hellen Sonnenschein ein mystisches Licht in ihr Gesicht. Sic selbst achtete auf nichts weiter, als auf die Stelle, wo sie den Fuß hinsehte. Aber zehn Schritte vor der Seestraße mußte sie noch einmal haltmachen. „Ach was, vielleicht ist alles nur eine dumme Einbildung, und in zwei Minuten bin ich schon wieder draußen!" versuchte sie den schweren Alp abzuschütteln, während sie scheinbar eifrig die Auslage eines Tabakhändlers musterte. „Eüoas kramen, Fräulein? Ein feines Pfeifele für den Schah?" ermunterte der Ladendiener auf der Schwelle mit einem verschmihten Lachen. Das half ihr augenblicklich weiter. Das Hans Numero acht Uwr eine kleine Holzvilla im Bernerstil mit zierlichem Vorgarten, die Herr Herzseld nur gemietet hatte und übrigens das halbe Jahr unbewohnt in der Obhut eines alten Faktotums ließ. Dieser Alte war es auch, der Brigitte mürrisch, mit unangenehm blinzelnden Triefaugen den Weg wies. Das seiner Stimme nicht mehr reckst mächtige Mädchen klopfte schüchtern, dann etwas stärker an, bis ein deutliches „Herein!" den Wankelmut fortblies. „Hilf mir Gott!" sagte sie und trat ein. Ter Amerikaner saß in einem braunen Hausanzug vor einem reich gedeckten Tisch: ein Livrccdiener raffte gerade einige Teller und Platten zusammen und entfernte sich dann schnell wie ans vorangegangenes Geheiß, doch nicht, ohne eben- falls einen zwinkernden Blick ans den sonderlichen Gast zn werfen. „Hier ist das Gewünschte!" sagte Brigitte mit einer alles verratenden Heiserkeit und uuhaltsam abirrenden Augen. Herzfeld erhob sich zum Schein sehr erstaunt, nahm die Rolle entgegen und bemerkte mit Höflichkeit:„Sehr nett, daß Sie selbst damit kommen. So war's natürlich nickst gemeint!" Dazu forderte er sie auf, ein Weilchen Plah zu nehmen. Bri- gitte gehorchte stumm, das heißt, sie fiel schon mehr in den Sessel, indessen sich der Prinzipal zum Balkon begab und die Stickerei eine Minute in Augenschein nahm. Wie durch einen Schleier nahm sie wahr, daß sie sich in einem mit blauen Plüschmöbeln, großen Bildern und Portieren hergcrichtcten Wohnraum befand, von dem eine offene Tür ins Schlafzimmer führte. Ein gar nicht so übler Tust von Wein und feinen Speisen lag in der Luft. „O, wär' ich wieder draußen!" wünschte sie mit einem Blick auf de» Hafen, das Kornhaus und den reinen, weiten, kühlen See. Irgendwas wollte sie zu Boden drücken, es sagte ihr: Nock: ist's Zeit! Schnell ans und davon!" Allein sie war schon zu schwer vor Angst. „Da Hab' ich nun ganz vergessen: Sie kommen ja bei dieser Gelegenheit wohl gar um Ihr Mittagbrot!" wandte sich ihr der Amerikaner wieder zu.„Oder haben Sie Lust, lnervon einen Bissen zu versuchen? Es ist alles da, wenn Sie zugreifen wollen!" Brigitte hielt sich mit beiden Häuden on der Stuhllehne fest«nd schüttelte energisch den Kopf:„Ach nein, Herr Herz- seid, Sie sind zu gütig, ich komme schon noch zur Zeit heim, Ivcnn ich—" Tann stand sie, da er näher kam, aus, als möchte ne nm Erlaubnis bitten, gleich wieder gehen zu dürfen. Er nahm das für übergroße Schüchternheit und fetzte sich, einlenkend, ibr gegenüber. Ja, zum Zeichen der Unverfänglichkeit dieser Situation aß er gelassen weiter und eröffnete dabei der höchlich Staunenden einen durchaus ernstgemeinten Vorschlag. Sie scheine sick) an ihrem Platz in der Bleiche nicht mehr sonderlich wohl zu fühlen? Vielleicht möchte sie lieber einmal ein anderes Stück Welt kennen lernen. Ob sie etwa Lust verspüre, im Herbst mit ihm über den großen Teich zu dampfen? Im Neuyorker Haus könnte er ihr eine weit bessere, angenehmere Stellung bieten. Eine Stellung, die in pnnkio Gewinn und Lebensgenuß Wohl nichts zu wünschen übrig ließe. Sie würde dann natürlich gleich englischen Un- tcrricht erhalten und könnte sich diesen Sommer ausschließlich dem Sprachstudium widmen. Trotz ihrer fühlbaren Zurückhaltung fuhr er fort, im Grunde gewiß, daß sie sich einem derartigen Glück nicht per- schließen werde. Er selbst war fest entschlossen, das unge- tvöhnliche, rätselhaste Mädchen ans seine Art zu heben und auszuzeichnen. Brigitte hörte gesenkte» Blickes zu, als dürfe sie diesem Frieden und väterlichen Wohllvollen nicht trauen. Sie saß nur auf der äußersten Kante des Sessels, blickte unentwegt in ihren Schoß und preßte die Hände gegeneinander. Ihre Antworten schössen hervor wie aufgescheuchte Vögel. „Ich weiß halt nicht... es ist gar weit fort. Das muß ich i»ir erst überlegen." Wie zum Schutz vor Anfechtung begann sie von ihrem Kinde zu sprechen. Das dauerte dem Amerikaner offenbar zu lang. Bri- gittes Einspruch ungeachtet, füllte er ein Glas mit perlendem Wein und nötigte sie, wieder näherrückend, mit ihm anzustoßen.(Forts, folgt.) Ms öe? Werkstatt. sSchluß) Von H e r m n n n Hess e. Um vier Ubr, während wir unser Vesperbrot aßen, tat der Meister etwas Sonderbares. Er ging zu Hans Basteis Platz an der Werkbank, nahm zwei Schraubenschlüssel und machte mit vieler Mühe des Hausen Schraubstock los, der seit vielen Jahren dort seine Stelle gehabt hatte. Was dachte er sich bei dieser seltsamen und unnützen Vlrbdt? ES sah fast aus, als wollte er den Gesellen überhaupt nimmer in der Werkstatt haben; aber das war jetzt, bei der vielen Arbeit, rein nicht möglich. Mir machte es einen fast schauerlichen Eindruck, zu sehen, wie dieser praktische, jeder Spielerei bitter abholde Manu in seinem stillen Grimni auf eine solche sym- bolische Handlung verfiel. Abends um fünf übe fuhren wir ordentlich zusammen, als die Wcrkstaitür langsam aufging und der Haus Ba>tei behaglich ein- trat, noch in Sonntagskleidern und den Hut im Genick, die linke Hand im Hosenfack und leise pfeifend. Wir erwarteten mit Angst, daß der Meister ibn nun anreden, schelten und anbrüllen, ja vielleicht schlagen würde. Ter tat aber nichts davon, sondern blieb stehen, wo er war, sah sich nicht nach dem Eintretenden um und biß sich nur, wie ich deutlich sah, krampfhaft auf die Unterlippe. Ich begriff beide nicht, am wenigsten den Bastei, bis ich bemerkte, daß dieser ei» wenig angetrunken war. Ten Hut auf dem Kopf und die Hand im Sack, bummelte er herein» bis vor seinen Platz. „Ter ist ein Lump, der daS getan hat," sagte er. Aber niemand gab Autwort. Darauf redete er ciucu bou uns an, erzählte einen Witz, aber der hütete sich natürlich und wagte nicht, aufzusehen oder gar zu lachen. Da ging Haus Bastel in die freigehaltene Ecke der Werkstatt, wo die kleine vom Meister und ihm gemachte neue Moschine stand; sie war bis auf Kleinigkeiten fertig und provisorisch an eine Eisenschiene angeschraubt. Er nahm die darüber aus- gebreitete Sackleinwand ab und betrachtete das Werklein eine Weile, spielte mit den zwei zierlichen Hebeln und fingerte an ein paar Schrauben herum. Tann wurde es ihm langweilig, er ließ die Maschine unbedeckt stehen, ging an die Esse, lieh einen Hobelspan aufflackern und zündete sich eine Zigarette an. Die behielt er «malmend im Munde und verließ die Werkstatt mit demselben bc- haglichen Bummlerschritt, mit dem er gekommen war. Als er draußen war, ging der Meister hin und breitete das Tuch wieder sorgfältig über die Maschine. Er sagte kein Wort und war mir an diesem Abend ein Rätsel. Daß Hans Bastcls Angc- legcnheit nun erledigt sei, wagte keiner von uns zu hoffen. Mir aber passierte vor lauter Erregung ein böses Ungeschick i cS brach mir ein feiner Gewindebohrer im Eise» ab, und von diesem Augen- blick an sürchlctc ich»ur noch für meine eigene Haut und dachte an nichts anderes mehr. Es war eine Qual, wie iräg die Zeit bis zum Jcierabcnd verging, und so oft der Mrister an dem Regal vor- überkam, in dem die Gewindebohrer sauber nach den Nummern geordnet lagen, wurde mir heiß und elend. Doch blieb mein Vergehen au jenem Abend unbemerkt, und ich glaube, ich habe nie die Feicrabendstuiidc mit so erlöstem Aufatmen beKniht wie damals. Andern Tages, obwohl ich um den zerbrochenen Bobrcr noch ein schlechtes Gewissen hatte, überwog auch bei mir wieder der ängstliche Gedanke, wie es mit dem Bastel gebe» würde. Ein wenig frischer und besser ausgeruht als gestern, kämen wir ins Geschäft, aber die Schwüle war nicht gewichen, und die tonst üblichen Morgen- gc spräche und Scherze blieben uns in der Kehle stecken. Hans war zur gewohnten Stunde gekommen, michtetn und im blauen Schlosserkleid, wie es sich gehörte. Seinen Schraubstock hatte er unter der Werkbank gefunden und ruhig wieder auf dem alten Platz befestigt. Er zog die Mutter an, liopfte und rüttelte, bis alles wieder richtig saß, dann holte er Schmiere und salbte die Schraube gut ei», ließ sie zur Probe ein paarmal spielen und bc- gann alsdann seine Arbeit. Es dauerte keine halbe Stunde, so kam der junge Meister. „Tag," sagten wir und er nickte. Nur der Haus hatte nicht gc- grüßt. Zu diesem trat er nun, schaute ihm eine Weile zu, während HauS ruhig weiter feilte, und sagte dann:„Seit wann ist denn der Schraubstock wieder da?" „Seit bor einer halben Stunde," lachte der Geselle. Aber es war künstlich gelacht, voll Trutz und vielleicht auch Besorgnis. „So," sagte der Meister.„Wer hat den» Dich geheißen, ihn wieder hinzumachen?" „Niemand. Ich weiß allein, was ich zn tun Hab'." „In dieser Werkstatt hast Du nichts zu tun," rief der Meister nun etwas lauter,„von heut' an nichts mehr. Verstanden?" HanS lachte. „Meinst, Tu kannst mich rausschmcißcu?" Da ballte der Meister die Fäuste. „Seit wann sagst Du denn Du zu mir, Tu Lump?" „Selber Lump—" Ein Schlag, und ein kurzer Schrei klang auf, dann wurde es totenstill in der ganzen Werkstatt, denn nun hörten alle mit der Arbeit auf und hörten entsetzt zu. Der Meister hatte dem Bastel einen Faustschlag mS Gesicht gegeben. Nu» standen sie dicht voreinander, minutenlang regungslos und dem Gesellen schwoll die Hanl ums Auge bläulich an. Beide hatten die Fäuste ein wenig vorgestreckt, und beide zitterten ein wenig, der Meister am sichtbarsten. Wir rissen die Auge» auf, und keinem siel es ein, ein Wort zu wagen. Da geschah es wie ein Blitz, daß der Geselle, am Meister vorbei zur Esse stürzte und mit beiden Händen de» schwerste» Vorhammcr an sich riß. Noch im selben Augenblick stand er vor dem Meister» den Hammer hoch geschwungen, und blickte ihn auf eine Weise an, daß uns todesaugst wurde. „Schlag doch zu, wenn Tu Courage hast!" sagte der Meister. Doch llaug eS nicht ganz echt, und als jetzt Haus Miene machte, zu» zuhauen, wich der Bedrängte vor ihm zurück. Schritt um Schritt, und Hans immer hinter ihm her, mit dem riesigen Schmiedehammer zielend. Der Meister war totenblaß und keuchte laut. Haus trieb ihn so langsam weiter bis in die Ecke, da stand er, an die Wand gedrängt, neben seiner Maschine, von der dnS Tuch geglitten war. Hans sah schauerlich aus, die Spur des FaustschlagS neben seinem Auge stand in dem weißen, verzerrten Gesicht wie ein wüster Fleck. „Feigling! Feiger Hund!" schrie er höhnisch, und der Meister antwortete nichts. Da lüpfte Hans Bostel den Hammer noch ein wenig, biß die Zähne zusammen und hiev—. Wir schlössen die Augen. Dann hörten wir den Gesellen lachen, laut und böse lachen. Sein Schlag hatte gedröhnt, als müsse das HauS einfallen, und nun schwang er den Hammer wieder hoch und hieb noch einmal. Aber beide Schläge galten nicht dem Meister, statt dessen war seine Maschine scheußlich zertrümmert und lag in geborstenen und verbogenen und plals- geschlagcnen Stückchen da. Jetzt warf der Mau» den Hammer weg und ging ganz lang» sam in die Mitte der Werkstatt zurück; dort setzte er sich ruhig mit verschränkten Armen auf den Amboß, doch zitterte er noch in de» Knien und Händen. Der Meister kam, ebenso langsam, ihm nach und stellte sich vor ihn auf. Es schien, als seien beide vollständig erschöpft und ihre Wut gebrochen. Der Hans bauniclte sogar mit den Beinen. Und so saß der eine und stand der andere, sie sahen nicht einmal mehr einander an, und dcrMeister fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Dann»ahm er sich plötzlich zusammen und sagte sehr leise und ernst:„Steh' jetzt auf, Hans, und geh', nicht wahr?" „Ja, ja, freilich," sagte der Geselle. Und dann noch:„Also adieu denn!" „Adieu, Hans" Nun ging er hinaus, mit dem verfchwollencn Auge, und die Hände noch schwarz von der Schraubstockschmiere; und wir sahen ihn nicht wieder. Ich hielt den Augenblick für günstig, ging zum Meister hin und sagte ihm, ich bätte einen Gewindebohrer zerbrochen, einen von den seinen. Aengstlich erwartete ich daS verdiente Strafgericht. Er fragte:„Welche Nummer?" „Dreidrcivicrtel," flüsterte ich. „Bestell' einen neue»," sagte er und weiter kein Wort. Der Nachahmungstrieb. Eine psychologische Tiudic von Tr. med van T r o h. Wenn Aristoteles in seiner Ars poetica auf die MimcsiS, die Nachahmung, als die Wurzel' des dramatischen Echasscnö hnnveist, so ist damit wcNig Charakteristisches für diesen>s>oeig seelischer Betätigung gesagt. Denn überall, Ivo wir das psychische Treiben der belebten Wesen zu untersuchen beginne», finden wir eine Fülle von Ersäicimnigcn, bei den höheren Tieren sowohl wie im Leben des einzelnen Menschen und in den Strömungen der Menge, die sich als wurzelnd in dem Triebe zur Nachahmung dgnten lassen. '..'In jedem Triebe hängt etwas Tierisches. Das populäre Beiwort ist durchaus charakteristisch. Es bezeichnet das, was man sonst als ein hemmungsloses Schalten und Hervordrängen von Stre- düngen unter Umgehung des Bewußtseins und seiner intellektuellen Funktionen, ja oft gegen deren Willen betrachtet. Dem Tiere fehlt ja die Vernunft, pflegt man wohl zu sage». Triebe werden ihm aber von jeder Seite zugestanden. Auch den Nachahmungstrieb findet man in der Tierlvelt weit verbreitet; wahrscheinlich viel verbreiteter als wir heute wissen. Aber die schönsten Beispiele, allen voran die M i Iii i c r v der Schmetterlinge, jene Anähnclnng eines lebenden Objektes in Farbe und Form bis zum. äußersten an ein Pslanzenblatt, bringen uns keinen Schritt weiter in der Erkenntnis der Bedingungen, unter denen Nachahmungstriebe betätigt werden, geschweige den» in der Erkenntnis ihres Wesens. Denn jede Hypothese, die wir darüber ausstellen, muß, da wir sie durch unser Denken gewinnen, von dem Wesen des Menschen abfärben. Allerdings zwingt uns eine Not- wendigkeit im biologischen Denken dazu, eine steigende EntWickelung nicht nur des körperlichen, sondern auch des seelischen Lebens anzunehmen. Damit stimmen denn auch unsere analogen Er- sahrungen überein. Wir finden das Trieblebcn beim Tiere deut- > icher ausgedrückt, in der menschlichen Psyche den Intellekt als die Höhere EntwickeluiigLftuse, die Triebe zwar noch vorhanden, aber doch im Dunkeln hausend und unterdrückt. Es ist reizvoll, die Wege, die der universellste aller Triebe, der Nachahmungstrieb, sich bahnt und durch die er in Erscheinung tritt, zu versolgen. Sowohl die, auf denen er, aus der Unterwelt hervor- brechend, gewaltsam das Individuum zwingt, sich ihm hinzugeben, als auch dort, wo er sich unauffällig einschleicht und unerkannt nun nicht mehr den einzelnen, sondern auch die Masse meistert. Da das Ticrlebcn keineswegs mit dem tierischen Bewußtsein in Ber- bindung ist, bekommt es seine Triebhandlungen auslösenden Reize anderswo her, von der G c f ü h l S s p h ä r e. Schon diese beurteilt die Außenwelt und ihre Erscheinungen nicht objektiv; sie ist in ihren Aeuhcrungen nicht berechenbar. Bald überträgt sie einen bestimmten Ton, nur wril er noch von einem früheren Erlebnis nachhallte, auf ein neues, obgleich gar keine Ursache dazu vorhanden ist, bald versucht sie es mit dem itontrastgefühl. Tic Anregungen, die von hier aus die inaktiven Triebe treffen, sind widerspruchsvoll. Es entstehen fo psi)chologische..Antinomien", indem ei» Ereignis sich nicht logisch stets aus derselben Ursache ableitet, sondern aus zweien, die das gerade Gegenteil voneinander darstellen. So wird nachgeahmt, nicht nur was gefällt, sondern auch das, was geradezu mißfällt; es wird nachgeahmt, was nur selten in Erscheinung tritt, und das, was in steter Wiederholung dauernd vor Augen steht. Einige Beispiele mögen das erläutern: Kinder, bei denen sich der Zkachahmungstrieb noch frei und nubeküminert meldet, suchen soviel, als ihnen nur möglich ist, von der Welt und deren Erscheinungen für ihre kleine Welt nackzuschaffcn. Alle Erlebnisse, die von draußen kamen und das Kind selbst oder doch seinen Gesichtskreis betrafen, Waden noch einmal lebendig gemacht. Am liebsten werden sie geradezu wiederholt. So entsteht das Spiel, in dem da-Z Kind inichahmend und infolge seiner bescheidenen Mittel stilisierend ver- lährt. Es ist die Lust an den Dingen, die den Nachahmungstrieb weckt. Fn mehr als einer Beziehung werden auch bei den Erwach- selten diese Triebe cniscsselt, wenn sie von Lustgefühlen angeregt werden. Man tan» es heute fortwährend mit ansehen, wie eine auskommende Kleide r m o d e, ein neuer schnitt, eine neue Farbe Begeisterung und Nachahmung auslöst. Daß das weivtiche Ge- schlecht in diesem Falle de» Vortritt vor dem männlichen hat, stimmt damit gut überein, daß bei ihm das Gefühlsmäßige sich mehr Geltung zu schassen imstande ist. Aber schon in die Er- scheinung der Mode spielen jene unauflöslichen Widersprüche hinein. Es werden Färbenzusammenstellungen gepflegt, die früher als scheußlich galten. Irgend eine Stimme mit Suggestivkraft beginnt für eine derartige Kombination Propaganda zu inachen» und sofort sannneln sich Scharen von Anhängerinnen um sie, die das neue Muster wiederholen. Wir erleben ja heute noch mit: bald kleine Kapotthüte, bald Riesenpilze, gestern Schleppen, heute ganz kurze Röcke. Der Gegensatz wird in der Mode zum Ereignis. Aesthetische Mömenie können es doch nicht seiii� die diesen jähen Wechsel veranlassen. Vielmehr liegt diesen Strömungen das rein Trieb- hafte zugrunde. Bon der Nachahmung des Nicht-an-sich- Gefallenden zu der des Mißfallende» ist nicht mehr als ein Schritt. Vielleicht ist hier die Nachahmung ein Hilssmiltel, sich der Unlust zu erwehren, in dem man sich in das unlusterregende Objekt„einfühlt" und es imitiert. So sieht man nicht gar zu selten Kinder die Gebrechen Kranker nach- ahmen, wobei allerdings sicherlich noch eine Freude an dem Nach« ahmen an sich vorhanden ist. Ein anderes beliebtes Objclt für solche Versuche der Kinder gibt bekanntlich das groteske Äcnchmen der Assen ab. Auch lächerliche Eigenschasten einer Person Find ein gangbarer Stoff für Nachahmung. Hier ist der psychische Media- nismus ein anderer und komplizierterer. Der Nachahmer schätzt den Nachgeahmten wegen seines Fehlers oder Lasters gering ein. Das verschafft ihm das Lustgefühl der Ueverlegenheit. Und er weiß sid) dieses wertvolle Gut nur so zu bewahre», indem er selbst seinem Opfer„nachmacht", um sid) über dessen Handlungen immer wieder amüsieren zu löniien. Der Nachahmungstrieb verbreitet sieh mit der Gewalt einer Infektion. Das bekannteste Beispiel ist dafür dir Ansteckungsgefahr, die von einem Beitstanzkranken ausgeht. Der Veitstanz ist eine nervöse Erkrankung, dje sid) in dem Austreten tonischer (Starr-) und klonischer(Schiiikl j Krämpfe des Gesichts und der Extremitäten äußert. Es entstehen dadurch die abenteuerlichsten Verrenkungen der Glieder und Verzerrungen des Gesichts. Daß es epidemisch auftritt, weiß man schon seit dem Ausgange des Mittelalters. Kulinrhistorisch haben diese Epidemien ei» großes Interesse. Ist doch die in Deutschland im tö. Jahrhundert auf- tretende Tanzwut nicht viel anderes als ein Masseuveitstauz. Ihre letzten llebcrreste treten nod) in unserer Zeit in der Echternacher Springprozession zutage. Auch die Sage vom Rat» tcnfänger von Hameln, der auf einem Instrument, spielend die Kinder tanzend aus der Stadt lockt, hängt wohl mit derartigen Ereignissen zusammen. Wie rasch der Veitstanz übertragen werden tan», lehren jene Beobachtungen, bei denen ein davon befallenes Individuum noch in krankem Zustande unter seine Altersgenossen —■ de» größten Anteil daran hat das weibliche Geschlecht— zurück- kehrte, etwa in seine Schulklnsse. In kürzester Zeit greift dann die Erkrankung auf eine große Zahl der Klnssenangehörige» über. Man muß dabei annehmen, daß die Befallenen dazu schon von vornherein einer nervösen Sdiwäche und einer gesteigerten Suggestibilität disponiert sind. Eine derartig gesteigerte Empftndlichkeit ist das Kennzeichen für einen hysterische» oder wie man neuerdings auch sagt, pft>d>oneurotischeu Charakter. Die Hysterische liebt ihrem Temperament nach die Wechsel des Spieles, sie ist bereit, sich kurz hintereinander in die vcrscbiedcnsten Situationen hinein zu ver- setzen, ja geradezu hineinzuleben. Dies kann bei weiter borge- schrfttencn Stadien zu einer tiefen„Spaliuug", einer Verdoppelung der Persönlichkeit, führen, dem sog. z weit e n Gesicht, wobei dann gelvöhnlich in einem dieser Zustände das Tierleden beson- ders ausgeprägt erscheint, und mit ihm die Betätigung des Nach- ahmuugstriebes. Aber es ist vielleicht noch interessanter, innerhalb der Grenzen des Normalen die triebhafte Einfühlung in eine fremde Persönlich- teil und deren Nachahmung zu verfolgen. Mau nimmt dann nicht selten bei leicht labilen Individuen wahr, wie sich auf einmal in ihr Gebaren neue Züge einschleichen. Bisher nicht gedraudfte Aus- drucksmittel werden angewandt, die Färbung der Stimme verändert sich, es wird mit besonderer Betonung gesprochen, so daß man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß hier eine fremde Persön» lichkcit unbewußt wiederzugeben versucht wird. Während der einzelne meist nur unter pathologischen Bedin- gungen seinen Trieben derartig die Zügel schießen läßt, ist das Verhalten der Masse in diesem Punile ein ganz anderes. Die Massenpsyche ist stets suggestibel und geneigt, das mit- und nachzu» ahmen, was ihr von der Stelle, auf die sid) die Aufmerksamkeit der Menge konzentriert, direkt oder indirekt anbefohlen wird. Man hat darüber lehrreiche Versuche angestellt: Ein Experimentator trat vor eine Gesellschaft und beschäftigte sidi zunächst durch eine Mit- teilung; plötzlich zwischeudrein klatschte er in die Hände, und eine große Zahl der Anwesenden folgte seinem Beispiele, fast auto- matisch, ohne zu wissen, warum sie es taten. Bekannt ist r? auch, daß Gähnen ansteckt, und daß man eine ganze Gesellschaft zwingen kann mitzugähnen. Das glcidse gilt vom Lachen. Man kann die Stärke dieser Triebe messen au dem Widerstand, den man auf» bieten muß, um sie zu überwinden. Andere Acußerungen des Nach- ahmuugstriebes der Menge sind so häufig, daß nun sie gar nicht mehr bemerkt Die jeder größeren Gemeinschaft eigentümlid)en Ausdrucksbezeugungcn, durch die sie sich von jeder anderen Klasse unterscheidet, der Gang, die Haltung, die Gesten, der Tönfall, ent- stehe» ebenfalls durch Absehen oder Abhören, das unbewußt seit früher Kindheit vor sid) geht. Indem so eine Einheit hergestellt wird, adett sich der Nachahmungstrieb zu einem sozialen Instinkte. Kleines Feuilleton. Heimkehr. Lang tvar ich in der Fremde aus, jetzt trägt der Schnellzug mich nach Hau?. Ich Ivill kein prächtig Wicdsrsehn, ich will still bei den Meinen steh». Da lugt ja schon das rote Dach, mein schnellster Traum rennt hintemiach. WaS tut wohl meine Mutter jetzt? Sie schafft im Garten, gräbt und setzt. — 108— {Dcv Vater liilft ihr stolz dabei und rühmt, wie seist der Voden sei. Die Brüder üben schwer am Stein. der jüngste gibt diel Worte drein. Die Schwester steht am Fensterplatz und ivartet heimlich ans den Schatz. Und alles ist so wieder da, wie ichS so oft vor Jahren sah, ja, alle? geht den alten Gang. ja, alles läuft im alten Schwang. Wie werden sie verwundert stchn, wenn sie mich plötzlich wieder sehn l Schon hallt ein Schrei! schon fliegt ein Wort! jetzt Grus, aus Gruß in einemsortl Doch mich durchschauertö mittendrin, daß ich auch hier ein Fremdling bin! Ich höre schon den Stimdenschlag, ich sehe schon den Abschicdstag. Wie rasch trägt mich die Welle fort: ein neues Bild, ein neuer Ort! So ist das Herz: vergißt, vergißt, weiß nie, weiß nie, was Heimat ist. (Aus„den frühen Liedern' von Oskar Wöhrle, die demnächst im Verlage von I. Schräder in Stuttgart erscheinen werden. Das starke Talent des Verfasser« zur Lyrik im Volkston hatte sich schon in seinem unseren Lesern bekannten Wanderbuche„Der Valdamus und seine Streiche" bekundet.) Aus dem Pflanzcnreiq. F i ch t e n a b s p r ü n g e. Den ganzen Winter über bis tief in das Frühjahr hinein findet man im Fichtenwalde nicht selten eine Unmenge frisch abgefallener Zwcigspitzcn, meist einjährige Triebe, die de» Anschein erwecken, als seien sie ähnlich wie herbstliche Laub- blätter„von selbst" vom Baume herabgefallen. Man hat selbst in den Kreisen der Naturforscher in der Tat auch lange Zeit an« genommen, daß diese Absprünge in ähnlicher Weise entstehen »vi« der herbstliche Laubfall. Ja selbst heute noch hört man die An schauung, wenn der Fichtenbaum im kommende» Jahre reichen Eanien tragen wolle, so entledige er sich in, Winter zuvor aller iiberflüssigen Zweigspitzen, um nur ja recht viele Nahrung für die Samen bereitstellen zu können. Indes die Folgerung kann »licht stimmen, denn der Baum würde mit dem Abwerfen der Triebspitzen gerade das Gegenteil von dem erreichen, was man ihm unterschiebt. Durch das Abwerfen der Triebe wird gerade die Naturproduktion gehemmt; stecken doch in der grünen Velanbung die NahrungSmittelfabriken, in denen au-Z den rohen Nährialzen und den Nährgasen die als Baustoffe verwendbaren Nahrungsmittel hergestellt werden. Die Fichte ist ganz nn- schuldig an dem Abfallen der Spitzen, sie würde sie schon gern bc» halten. Allein sie kann nicht verhindern, daß das Tannenäffchen, wie daS Eichhörnchen in der Waldfprache heißt, die Spitzen zu Hunderten »md Tausenden abbeißt. Eine sorgsame Untersuchung der Fichtcnabsprünge läßt die Spuren des Nager? unzweifelhaft erkenne». Nicht nur nn der eigentlichen Abbrucbstelle zeigen sich die Zahnspuren des Eichhörn- chenS, sondern auch an den abgebisicnen Knospen finden wir sie. Aber wir müssen schon eine solche Knospe durchschneiden, denn äußerlich erweist sie sich meist als unverletzt. Am Durch- schnitt sehen wir, daß die inneren, zarteren Teile herausgefressen sind. DaS Eichhorn hat sich daran gütlich getan. Der roibraune Nager beißt zunächst den einjährigen Trieb ab, uni dann in aller Bequemlichkeit die Knospen auSzufresscn. Der Trieb fällt dann zu Boden. Alütenknospen sind dicker als Triebknospen, so ist es denn kein Wunder, wenn das Eichhorn in Bäumen, die besonders reich an Blütenknospen sind, länger und häusiger verweilt als in Bäumen, die weniger Blütcnknospcn tragen. Da wird dann auch der Baum »nit den zahlreicheren Blutenknospen mehr Absprünge, die man wohl besser Abbisse bezeichnet, auszuweisen haben, als der an Blüten- knospen ürnicre Baum, lind da haben tvir denn auch deS Rätsels Lösung, warum ein Baum, der viele Absprünge am Boden liegen hat, reich mit Früchte» besetzt ist. Wie bei der Fichte stellt auch bei der Tanne da? Eichhörnchen den Knospen eifrig nach, doch findet man unter Tannen Abbisse seltener in größerer Zahl. Dies rührt daher, daß die von dem Nager weggeworfenen Zwcigspitzen zumeist in dem Gezweig des Baumes liegen bleiben. Die gelegentlich unter Kiefern gefundcnen Absprünge verdanken einem anderen Waldschädling ihr Dasei». Hier zeigt eine Unter- suchung der Abbruchsstelle in deren nächster Nahe meist einen kleinen .Harzring. Schneiden wir einen solchen Trieb der Länge nach durch, so sehen wir, daß dem Triebe daß Mark fehlt, und oft finden wir in der Höhlung auch den Schädling selbst, einen kleineu Käfer, der sich an dem Mark des Triebes mästet und dann in der Rinde nahe der Wurzel überwintert. Ii. Schach. Unter Leitung von S. Al a p i». Unser Turnier: Motto:„Pomona". Ipi| jP jp m M 1 2+(99— PI"I) Im Petersburger nationalen M c i st e r t u r n i e r find Riemzowitfch und Alechin an die erste Stelle gelangt(alsdann Flamberg, Loivtzli, Lövcnfisch und andere). Weil mit dem ersten Preis in diesem Turnier das Zulassungsrecht zum internationalen Großmeisterturnier verbunden ist, das im April in Petersburg zu- stände kommen wird, kann er nicht geteilt werden und die beiden Konkurrenten beginnen einen kleinen Wettknmpf ans die Mehrzahl von Gewinnzählern aus zwei bezw. 4 Partien, die wir nächsten? bringen werden. Einstweilen nachstehend die Partie aus der letzten Turnierrunde, in der ein grober Fehler Alapins Herrn Alechin den Anteil am ersten Preis verschaffte. Spanisch. 8. Atzpin, 1. e2— e4 2. Sgl— fö 8. Lkl— bo 4. 115—»4 5. IWl— e2 A. Alechin. o7— e5 Sb8— c6 a7— 116 Sg8— kG Lf8— e7 Verkiältnismäßig am besten. Bei 5...... bü; G. Lb.", Lc5; 7. a4, Tb8; 8. ab, ab; 9. il3,(16; 10. Loß nebst Sbiti*?c. steht Weiß evident besser. ll. c2— c3 b7— b5 7. La4— b3..... Auf 7. Lc2 könnte folgen: 7...... (15; 8.(14, Lfrl mit gutem Spiel snr Schwarz. 7...... 67—66 8. 62—64 0—0 8...... Lg4; 9. Le3, SXe4 V scheitert an 10. Xdä. 0. Lei— e3..... Vorzuziehen war vielleicht 9. h2— hS. 9...... ScG— aö 10. Sbl— 62..... In Betracht kam Lb3— c2 10...... SaöXbB 11. a2Xb3 LcS— b7 12. 64Xe5..... Fall? 12. Lg."., ed; 13. 8X64 1, so 13...... SXell; 14. LXL, OXb; 15. K, Dhly:c. 12...... 66Xe5 Hier war 12...... SXe4I wohl ani stärkste» 1 z. B.: 13. 8X3, LXS: 14. 862, Lb7 I IC.(14...... LXff2 hatte 15. Tgl nebst LbC und Ouati- tätsgewinn zur Folge.) 13. Tal— 61..... Unnütz. Sosort Lg5 sparte Zeit. 13......" Dd8— c8 14. Le3— g5 Dc8— eC 15. 0—0 TaS— 68 16. Tfl— el T68— 67 17. Tdl— al Tf8— 68 Ten Vorzug verdiente e7— e5. 18. b3— b4 li7— h6 19. Lg5Xf6 Le7Xf6 20. 862—11 g7— gO Db3 nutzt nichts wegen TaS. 21. I)o2— c2 Lt6-g7 22. 813—62£7—15 23. 862— b3 Lg7— f8 24. e4XfB£6-15 25. 12—13..... Aus 25. 8 64 folgt 25..... DgGt 25...... T67— g7 26. Kgl-bl..... Oder 26. 864, TXS; 27. cX64, LXf3; 28. TXe5 nebst coent. Sg3. 26...... 15-14 Sonst 811— g3. 27. 811—62 Kg8— b8 28. Tel— e2 117—65 29. 8 03— c5 Lf8Xc5 30. b4Xc5 T68— g8 81. 02-04 De6— c6 32. c3-c4..... Selbstredend genügte 862— et 32. b5.Vr4 33. bc2-c3 1)06— g» 34. Sd2Xc4..... Von 34. DXeö, D63; 33. Tel, Da!!; 30. Dc3, DXD; 37. TXD. Tb8 ic. versprach sich Weiß keinen Vorteil. 34...... e5— e4 35. 8c4— 62 e4— c3 36. Dc3— 64 c7— c6 37. S62-o4..... Mit Recht laxierte Weiß die An» gristsstcllung des Gegners für minder gefährlich als sie aussieht. 37...... Lcl5Xe4 38. I)64Xe4 Dg8— 16 Der Dameutansch war snr Schioarz mit keinem Vorteil verbunden. 39. Tal— gl..... Aus 39. TXaG könnte folgen: 39.... T67!(Dc3; 03, Del; Kh2, Dil, Ta2 ic.) 40. 03, Tdlf; 41. KldJ; 42. T62I(Dgä; gl ic.) 12.... TXcß: 43. Dg7, DXf4; 44. DXg2sl ucbst 31. Tg7— 67 Tg8— 68 £4Xg3 T67— 62 Td»Xe8 DföX�V 39...... 40. Del— c2 41. g2-g3 42. To2Xe3 43. Te3-o8r 44. Dc2X6a 45. 1)62— g2'r Ein grober Fehler an? Zelluok. Weiß mußte de» plausiblen letzten Zug der Serie a temiio machen. Mit 45. Tg2!(droht hg3 oder 1) 64s) tvar die Partie klar Remis. 45...... TeS— e2I Aufgegeben. vcrantw. Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln.— Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u.Verlagsanstalt Paul Singer LeEo., Berlin 8V1.