Unterhaltungsblatt öes vorwärts Nr. 32. Sonnabend, den 14. Februar. iil4 82] Das Menschlem Matthias. Erzähl» ngvonPaul I l g. (Schlutz.) „Ist denn Dein Vater so reich?" fragte sie sodann über- glücklich, ihren Gewinn sorglich hütend. Der Lumpenjunge und das viele schöne Geld Pakten nach ihrem Sinn gar nicht gilt zusammen. Die Frage verwirrte ihn ganz. Sein Vater??ln den hatte er noch gar nicht gedacht. Die Mutter freilich, die lag — er wußte mich nicht wo— und konnte sich selber nicht helfen. Aber der Vater? Ob der reich war! Da? wußte nie- mand besser als er. Matthias Böhi. Ha, einer, der den Herzog von Oesterreich nachmachen konnte, mußte doch gewiß Geld in Hülle und Fülle haben! Wenn er sich gegen Abend einfach ans die Hafenmaner hinaustrollte und dort harrte, bis der Grimmige kam, um ans den Fischsang zu ziehen? Ein kühnes Unterfangen... Matthias überlegte lange. Dann zog er von bannen, ohne das Beerenmädchen zu grüßen. Zwei Stunden hatte er bis zum See noch zu marschieren. Um alle schönen Herrenhäuser strich er andächtig herum und träumte sich ein Weilchen hinein, obwohl er an keine Wunder mehr glaubte. Im Grunde jedoch war seine Flucht nur mehr eine Vergniignngs- reise. Der Ausgang, das Ziel und seine Ferne beunruhigten ihn kaum, so wenig, daß er sich nicht einmal die Zeit vorsehte. in der er nach Treustadt zu gelangen hoffte. In der ersten Nachmittagsstnnde kam Matthias Böhi ans die lange Seestraße, die viele hundert Meter lang schnür- gerade ins Herz der Stadt hineinführte. Er sah von weitem schon des Domes gewölbte Kuppel hoch über allen Dächern. von den durch lockere Herbstwanderwolken geschossenen Sonnenpfeilen getroffen, die Vogtei, das alte Kloster auf der Höhe, de» Leuchtturm und das stattliche Kornhaus am Hafen. Zwei weiße Dampfer waren eben ausgelaufen, die eine Weile noch in der Ufernähe manöverierte und dann, von Möwen ver. folgt, mit heftig rauchenden Kaminen nach links und rechts anseinanderstoben.— Das Alltagsgesicht der Stadt am See... und doch erfaßte es die auferweckte junge Seele mit märchenhafter Gewalt. Ter kühne kleine Wandersmann sah alles mit verklärten Blicken, ans einem wunderbaren Bausch der Sinne an. als schritte er auf blumiger An den Zinnen der ewigen Stadt entgegen. Er bemerkte nichts da- von, daß die ihm begegnenden oder ihn überholenden Menschen zu Fuß und zu Wagen ganz gewöhnliche Zuge und Geschäfte zur Schau trugen: so tief bedeutsam erschien ihm selber dieser Strom von und nach dein herrlichen Orte, der nun auch ihn wieder empfangen sollte. Mit diesem selbst- geschrfsenen Tag, ahnte er, begann ein neues, ereignisreiches, glückseliges Leben. Früh hatte er sein Schicksal be- zwungen.-- Wenn ihn etwas noch ans Sekunden nicderstinimte. so war's höchstens sein fchibig Gewand. Wohl hatte er. dem stolze» Umschwung zu Ehren, am Ufer bei Sind Gesicht, Hände und Füße tüchtig gewaschen, aber das Einzugskleid machte den reinen Leib, die strahlende Seele fast zusclKmden und däuchte ihn eine große Schmach. Schnell mußte da Wandel geschaffen werden. Vor den ersten Häusern überlegte er. wohin er sich zuerst wenden solle. Er konnte Mutters vorige Herberge aufsuchen und ibren jetzigen Aufenthalt erkunden. Oder sollte er sich nach der Bleiche begeben? Dort aber mußte er gewärtig sein, dem Vettergötti zugeführt zu werden, der Matfhias Selbstbefreinng wieder zunichte machen konnte. So schlug er lieber gleich den Weg zur Schifflände ein. Besorgten Blicks suchte er drüben das hellbraune Boot, mit dem er unlängst noch so entzückende Fahrten gemacht hatte. Glück zu, es war noch da! Auf der Hafenmauer gesellte er sich bald zwei Knaben zu, welche Angelruten hielten und ihre Beine furchtlos über den Rand banmeln ließen. Das war's, was Matthias zunächst brauchte. Die beiden zeigten sich zwar nicht sehr erbaut von seinem Erscheinen, was der Einsame mit wachem Instinkt so- gleich empfand. Dennoch trat er ganz nah hinzu. Wenn die Glotzer geahnt hätten, welche Versöhnuugsmittel er aufbieten konnte! Da— ein Ruck, ein Schwung: auf der Platte zappelte und überwarf sich schon so ein glitzernder, schuppiger Schnapper. Dieweil Matthias vor Erregung bebte, löste der gesegnete Fischer gelassen den Haken ans dem Fischrachen und schmiß den Zappelnden fluchend auf den Stein, wo er sich krümmte bis zum Ersticken. Der Ankömmling überwand seine Schüchternheit und bückte sich nach dem schmächtigen Fischlein. „Schieb ab. Tu Schaf!" fauchte der ihm Znnächststehende. Erschrocken wich Matthias einige Schritte zurück, um ans gebührender Entfernung dem Spiel der vom flüchtigen Schnuppern der Fische leicht bewegten Korke zuzusehen. Nur auf drei Atemzüge war er unschliiffig, ob er nicht lieber der feindlichen Weisung folge» und„abschieben" solle. Aber er hatte solche Sehnsucht nach einer Lustbarkeit! Auch nicht eine Stunde weit dachte er mehr vorwärts. Hier wollte er nun stehen und mithalten, bis der ersehnte Netter kam. Ganz unbegründet bot er jedem der Jungen ein Geld- stück an, was auf der Stelle eine völlige Wandlung ihres Ge- bahrens bewirkte. Wieder prahlte er mit seinem Besitztum. Ter Ans- gewecktere dachte gleich mehr davon zu erwischen, wenn er dein Spender seine Angelrute lieh und ihn im Fischfang unterwies. Er täuschte sich nicht. Matthias setzte ohne Gewissensnot den Rest seines Vermögens daran, den schönen Zeitvertreib zu er- werben. Er brauchte ja weiter kein Geld mehr. Eine Weile blieben ihm die neuen Freunde noch zur Seite, dann geliistete sie's mit dem erbeuteten Schatz in Sicherheit zu kommen. Irgendwas, bemerkten sie wohl, war da nicht gehener. Aber Matthias vermißte sie nicht. Mit innigem Behagen, als sei nun alles in bester Ordnung, gab er sich dem ungewohnten Ge- schäfte hin. Die große» Schiffe dampften ans und ein, Ruderer fuhren dicht an ihm vorüber, und gegenüber, auf der Kornhansrampe, knarrten die Rollwagen herum und riefen sich die Verlader Befehle und Späße zu. All das mußte so zu- gehen. Hatte er's je anders erlebt, sah er nicht lauter alt- vertraute Gesichter? Gott, wie war das Leben ans einmal lieb und schön geworden! Neugeboren, auferstanden! Was konnte ihm nun noch Arges widerfahren? Bereits am Vormittag hatte der Bleicher Angehr ein Telegramm von Guggisau erhalten, daß Matthias schon seit dem Vorabend verschwunden und wahrscheinlich nach Treu- stadt entwiche» sei. Er war dann gleich nach dem Kantons- fpital gelaufen, wo er zwar Brigitte Böhi fast völlig wieder- hergestellt fand, aber keine Spur von dem Buben entdeckte. Seine Sorge durfte er der Rekonvaleszentin nicht verraten. vielmehr mußte er einstweilen den Schein wahren, wonach Matthias gesund und vergnügt bei den Seinigen weile. Da- gegen tat ihm die Schwägerin kund, daß sie dank der Fürsorge ihres Gönners Wankcl eine neue Stelle gefunden habe und nun gesonnen sei. ihr Kind zu sich zu nehmen. Ja. mir recht, aber haben müssen wir ihn zuerst! dachte der Bleicher mit Bangen. Auch Brigittes Logisfrau und der Bleichcpförtner hatten den Vermißten nicht zu Gesicht be- kommen. Erst zuletzt siel dem besorgten Manne ein. den Dessi'- natenr Obcrholzer aufzusuchen. Er traf ihn am Spieltisch im Trenstädter Hof, wenig geneigt, sich stören zu lassen. Aber die merkwürdige Parole hatte zur Folge, daß der hartnäckige Spieler seine Karten ohne Zaudern hinwarf und sich mit dem schlichten Bleicher auf die Suche nach seinem Söhnlein machte. Er begriff schneller als die anderen, wo der Flüchtling etwa aufzustöbern wäre. Und seine Ahnung hatte ihn nicht be- trogen. Von der Schifflände aus erspähte ihn das scharfe Schlitzenauge, konnten die beiden sehen, wie der Bursch, dicht bei dem Boot des Vaters, in aller Gemütlichkeit die Angel ins Wasser hing. Tie„Gefangennahme" wollte der Dcssinateur jedoch allein ins Werk setzen. Er trug schon wieder ein ganz un- begreifliches Verlangen, den verwegenen kleinen Racker, der da so echt Oberholzersche Streiche machte, an seine väterliche Brust zu drücke». Beim Strahl, der Junge konnte bleiben. wie er war, der hatte den rechten Schuß! Jetzt war es eine beschlossene und besiegelte Sache, daß sie zwei wie Topf und 126— $ccfel!»ttsammcnachörten. und weini er. der ewaesäMorciic Iungacsell. sich dazu auf seine alten Tage noch unters Ehe- joch beuncn nnißte. Mit dein Knaben an der.Hand ivolltc er unverzüglich vor die störrige Mutter hintreten und den lang verschleppten Handel endlich ins reine bringen. Matthias sah den Vater im gleichen Angcnblick. als dieser den Mund öffnete, ihn anzurufen:„He, Du. grüß Gott. Du Wetterkcrl, Tu machst nur ia heitere Fahrten!" Blind vor Schreck wollte er auf die Beine springen, aber sei eS daß ihn sein Werkzeug hinderte oder ein Schwindel er- griff:' der Fischer verlor das Gleichgewicht, fiel zwischen zwei Gondein ins Wasser nnd verschwand vor des VaterS Augen. die Haselrute mit der rechten Hand krampfhaft mn- klaimnernd... Der Dcssinateur starrte das Unheil eine«ekuirde ratlos an— dann sprang er dein Schwergefährdeten, da meniand sonst zur Stelle war. mit allem, irvs er an sich trug. nach. Wie Tonnerschall schlug ihm das Wasser ins Ohr und schnürte ihm die Kehle zusammen. Doch dank der hölzernen Handhabe des Versunkenen gelang es dem Reiter. Matthias an seinen Lockenhaaren zu fassen und in eine Gondel zu stoßen. Ihm selbst aber, dem Mann der schweren Räusche nnd verderblichen Leidenschaften, griff der Schreck init eisiger Hand ans Herz. daß es augenblicklich stillstand wie die Räder seuier Uhr. Die Schiffsleute, welche eine Minute später an der Un- glückssrätte erschienen, zogen einen Lebenden und einen Toten auf die Hafenmaucr. Des einen beinächtigte sich der ebenfalls zu spät gekommene Bleicher Angehr. welcher ihn eilig von dannen führte, deir anderen, den man ohne weiteres als den Schützenkönig Oberholzer erkannte, trugen die Männer gerührt in den Treustädter Hof. Und mancher ehrsame Bürger, den des großen Eidgenossen Leben anwiderte, mußte bei der Kunde seines Todes gestehen:„Ter Mann hat doch noch ein rühmliches Ende genommen!" Das gleiche, nur viel inniger, dankersüllter, dachte die Mutter des Geretteten, als sie ihr Eigentum tiefbewegt in die Arme schloß nnd dabei das Schicksal ihres Verführers vernahm... „Am heutigen Tage hat er meinem Kinde zum Leben verbolfen Hent. lieber Matthias, ward Dir ein Vater gegeben, dem Tu ewig für Dein Dasein danken mußt!" Msöerne Museumspolitik. Alfred Lichtwarks Nachfolger in der Leitung der Hamburger .'tnnsthalle' wurde also der bisherige Bremer Museumsdircktor G u st a v Pauli.(£c tritt damit an die Spitze einer der origv ncllstc», bedeutendsten nnd wirkungsreichsten modernen Kunst sammlnngcn Deutschlands. Für die Bedeutung»nd den Charakter dieser Sammlung hat Pauli schon früher da» richtige Verständnis gesunden.„Als vordildlich— so bat er im Jahre 1911 geschrieben — ist Alfred Lichtwarks Lebenswerk anzusehen, der es verstanden hat. in der Hamburger Kunftballe ein Ehrendenkmal heimischer Kunstübung zu errichten und die deutsche Kunstgeschichte um ein schrieben ist, und der als Paulis Bekenntnis über die Grundfragen der modernen Musenrnspolitii heute ein besonderes Interesse er- weckt. Pauli gesteht, daß die Erfahrungen eines Jahrhunderts uns darüber belehrt haben,„daß die moderne Galeric, weit davon cnt- fcrnt, etwas Selbstverständliches zu sei», bielmehr etwa? äußerst Diskutables ist, behängt mit vielen Fragezeichen. Sie soll alles Mögliche sein, aber was ist sie denn für gewöhnlich? Für die einen scheint sie das Ziel eines mühigen Spazierganges zu sein, für die anderen ein Arbeitsfeld, für die dritten eine Wärmestube oder der Tresspunkt eines Stelldicheins— kurzum, den wenigsten scheint sie jener Tempel reiner Freuden zu sein, für den der Ahnungslose sie halten mußte... Und doch muh sie wohl für irgend jemanden da sein, der ihrer Einrichtung das Gesetz gibt, so wie die Kirche für die Gläubigen eingerichtet ist und die Kaserne für die Soldntc». Wer ist dieser Jemand?" Pauli antwortet mit dem Pilger in Gorkis„Nachtasyl": Es ist„der beste". Es ist der Besucher, der unvoreingenommen, ehrerbietig und selbständig, bellen Auges und warmen Herzens der Kunst entgegengeht. Man stelle sich diesen Besucher als sehr anspruchsvoll und sehr empfänglich vor, dankbar für das Gute und streng gegen das Falsche und Schwache; kurz: als so vollkommen, wie man es»ur vermag. Die Frage, was man sammeln solle, beantwortet sich damit ganz von selbst: für den Besten ist das Beste eben recht. Aber was ist das Bcstc?_... Je Weiler wir in die Vergangenheit zurück- weichen, um so loeniger Raum bleibt dem Zweifel übrig. Tie ernstliche Schwierigkeit des Bcwcrtcns hebt erst bei unseren jün gercii Zeitgenossen an, die das Neue bringen, das wir eben als ein solches nach seinem Werte nicht immer leicht ermessen können, Wer da dem cigeiicn Urteil nicht vertrauen mag, dem wäre zu empfehlen, sich weniger bei den älteren Künstlern Rat zu holen» als vielmehr bei der schöpferisch tätigen Jugend. Denn dieser gehört die Zukunft, sie weiß am besten, wessen sie bedarf— wcsic» wir bedürft». Selbstverständlich werden die Werte, um die es sich hier handelt, von Künstlern geprägt und erst hinterdrein von den Literaten, denen lediglich eine Vermittlerrolle zufällt, in Umlauf gesetzt. Ebenso selbstverständlich ist es, daß diese Werte nicht auf irgendwelche Landesgrenzc» beschränkt werden könne». In der bildenden Kunst können wir ebenso ivenig wie in der Lite- ratur oder in der Wissenschaft den engen Zusammenhang bestreiten» der die europäischen Kulturvölker verbindet und der sich in einem beständigen Austausch von Anregungen mit der Zeit immer stärker destäligt... Wenn wir nun anerkenne», daß in der EntWickelung der modernen Malerei die Franzosen die Führer gewesen sind, so draucht dieses Eingeständnis dein deutschen Gemifte schon deswegen keine Ueberwindung zu kosten, weil ein solches Verhältnis eben kein ewig dauerndes ist. Man braucht keineswegs zu befürchten, daß die Anerkennung dieses allgemeinen Programms einer„Galerie des Besten" überall zu denselben Resultaten führen tvird. Abgesehen davon, daß die Individualität der Museumsleiter selbst bei gleichen Anschauungen doch im Einzelfalle Verschiedenes wähle» würde, müßte unter allen Umständen der Charakter des betreffenden Landestcils, vollends das Vorhandensein einer heimischen Schule auf den Charakter der Sammlung abfärben. In einer deutschen modernen Galerie ge- bührt nicht nur den Deutscheu im allgemeinen der Vortritt, es gebührt auch der lokalen Kunstübung ernstliche Beachtung— soweit sie ernst zu nehmen ist... Die vornehmste Wirkung einer so differenzierten Galeric des Besten möchten lvir darin sehen, daß sie als eine Anhäufung lebendiger schöpferischer Kraft Leven werde. Leben in dem Kunstfreund, der über den passiven Genuß hinweg zur Verfeinerung und Vertiefung seiner Anschaunngswcise— und damit seines ganzen Wesens— geführt wird; Leben vor allem in dem Künstler, bei dem die Anregung sich unnnttclbar in eigene Taten umsetzt." Pauli saßt zum Schluß das Gesamtergebnis seiner Betrachtungen in einigen kurzen These» ü c r die G r»» d p s l i ch t c n moderner Kunstpolitik zusammen. Sic lauten: Die Galerie des Besten darf sich a» keine nationalen Schranken bindend lassen, wenngleich sie naturgemäß ihren Charakter von dem Lande und von der Stadt, der sie angehört, empfängt. Die einzige Rücksicht, die bei ihrer Zusammensetzung maßgebend fein darf, ist die Rücksicht auf die Qualität, den Anregnngs- wert des Knnstwcrkcs. Man geize in der Galerie mit der Wandfläche, nicht mit dem Gelde für Erwerbungen. Unter keinen Umständen darf der Anschnssungsfoiids angeschen werden als ein Brotkorb zur Ernährung der Notleidenden oder als ein politischer Geheimfonds zur Gewinnung von Machthaber«. Viel- mebr ist selbst ein lencr bezahlter Ankauf für die Galeric van dem betreffenden Künstler n»r als eine Auszeichnung, als die huldigende Anerkennung seines Genius anzusehen. Bei der Verwaltung der Galerie verlasse man sich mehr auf einen vertrauenswürdigen einzelne», als auf die Weisheit der Kommission. Selbst die Irrtümer des einzelnen lverde» immer noch mehr wert sein, als die Irrtümer der Kommissionsbeschlüsse. Dem Verwalter der Galerie mache man es zur Pflichft sich in Einvernehmen mit der Künstlerschaft zu setzen, namentlich mit deren jüngerer Gencratio». Doch wähle man lieber keinen Künstler zum Galcrieverwalter. Denn die Tüchtigen haben besseres zu tun — und auf die anderen kommt es ohnehin nicht an. Amen! Das Gewisien. Von Fritz Müller. Als ich dreinndzwanzig Jahre alt war, hatte ich noch keinen Schatz. „Je. den schaut'S an, den Lesinsieder", hieß es rings iin FreundeS- kreise spöttisch und bedauernd. Daö wurmte mich von Herzen, so daß ich stracks beschloß, mir einen Schatz zu suchen. Das konnte doch nicht so schwer sein, dachte ich. Denn einmal hatte ich gehört, wie einer zu dem anderen sagte: „O mei', an Schatz, den hat ma' glei'.. Also warf ich ineine Augen resolut»ach link? und rechts auf allen Straßen nnd machte, was ich dachte, daß es ein verliebtes Gesicht sei. Das ivar am Freitag. Der Erfolg jedoch, der war gleich Rull. Hm, dachte ich, es ist balt doch nicht leicht, und fing am Sonn- abend keck zu grüßen an. Die nnd jene grüßte ich mit ausgesuchter Höflichkeit auf Straßen und auf Plätzen. ES war im Dnrchschnitt jede Dritte. Aber sie lachten mich aus und waren empört. Also daß eS nochmals nichts ivar. Da nahm ich Sonntag« einen festen Anlauf und— stotterte ein msiielhübscheS Mädchen in der Allee vor meiner Wohnung an. Meine Worte mußten etwa» überstürzt gewesen sein. Sie verstand nicht gleich. »Wie meinen Sie?" fragte sie erstaunt. »Ich Hab' Tie fragen Ivolicn. ob Sie nicht ein wenig mit mir spazieren gehen wollen.' sagte ich. schon etwa« weniger verwirrt. Wenn man mit einem Mädchen Sonntags ausgeht, hatte man mir fest versichert, das sei dann ein Schatz. Sie sagte nicht gleich etwas, sondern sah mich zunächst mit Interesse an. „Es ist so wilnderschoncS Wetter heute," setzte ich mit meiner schon wieder natürlichen Stimme hinzu. »Ich weih nicht recht", sagte sie halb zögernd und halb lächelnd. Aher da gingen wir schon beide die Allee entlang. ES war ein seiner später Herbsttag, nicht zu hei« und nicht zu kühl. Da und dort war noch ein Zwitschern in den Lüsten. Sonst war's still. Nur dann und wann ein.ilnacken in den Bäumen— eine wilde Kastanie lvar ans ihrer Hülle gesprungen und rollte blank und braun vor unsere Füße. Eine hob ich auf. „Habt ihr davon auch immer Ketten gemacht, wie ihr klein gc- Wesen seid?" fragte ich meine Begleiterin. „Ja freilich", lachte sie,„aber es ist schon lange her." Da wußte ich mit einein Schlage, daß jetzt oder niemals die Gelegenheit zu einem Kompliment gekommen sei. Voll sah ich ihr ins Angesicht und sagte: „Aber arg lang' kann das noch nicht her sein, Fräulein." „Aha, Sic meinen, daß ich noch jung bin," sagte sie. Ich nickte eifrig. „O mei." sagte sie,„ich bin schon sieben Jahr im Deanst— im Dienst," verbesserte sie geschwind auf hochdeutsch. Und dann sprachen wir von ihrer Herrschaft und von dem Ge- schäst, wo ich KommiS war. Ein Wort gab das andere. Wir waren schon de» langen Hügel vor der Stadt hinaufgestiegen und aus der anderen Seite ein Stück abwärts. Nicht mehr allzuweit winkte ei» grüner Kranz von Tannen. Wir schritten munter aus und fanden immer mehr Gefallen an uns n»d unserm Spaziergang. Ich dachte keine Spur mehr daran, daß das nun mein Schatz war. mit dem ich ging. Auch das hatte ich total vergessc». daß ich eigentlich mit ihr durch jene Gegend gehe» ivollte, wo sich meine Freunde trafen. Die hätten sehen sollen, daß ich und so weiter. Sic sahen nichts. Schätze auszustellen kam mir plötzlich äußerst dümmlich vor. Daß man mit seinem Schatz allein sei, spürte ich als gebeimnis- volle Forderung durch meinen Körper rimicn. Fort von Menschen, dort drüben an dein Waldrand sitzen und erzählen, immerzu er- zählen, daS schien mir an diesem Nachmittag der Sinn der Welt zu sein. Wenn man aus Haltung und Gebärde eines anderen Menschen Schlüsse ziehen darf, so schien auch meine munter plaudernde Be- gleiten» des gleichen Sinnes zu sei». Seltsam, wi» Vertrauen zu Vertrauen kam. Zuerst nichts da- von. Ilnbeholfenhcit von mir, spöttische Gutmütigkeit von ihr, da« war die erste Mischung. Die zweite war schon Unbefangenheit und Neugier. Und die dritte war Vertrauen, Neigung oder solche Dinge, die auf einem Holze wachsen. „Wir wollen an den Wald hinüber," sagte ich. „Ja," sagte sie.„dort bin ich oft als Kind gewesen, wissen Sie", Und dann kamen wieder die Erinnerungen aus der Jugendzeit. Und wir waren sehr fröhlich. Unterwegs hatten wir eine kleine Brücke über eine Eisenbahn zu überqueren. Ich stieß mich hart an einer Stufe, so daß ich un- willkürlich schrie. „Oh, haben Sie sich wchgetan?" sagte sie mitleidig, und ich hörte aus dein Satze, daß sie meinen Namen gern zugesetzt hätte. „Ach, es ist nichts Besonderes," sagte ich und biß die Zähne zusammen. Aber daß ich hinkte, konnte ich doch nicht verhindern. Auf einmal ward sie stumm. Am anderen Ende von der Brücke angekommen, blieb sie stehen. „Ich muß umkehren," sagte sie verwirrt,„ich kann nicht mehr weiter." „Aber was ist denn. Fräulein?" sagte ich erstaunt. Da ward sie»och verwirrter und sagte irgend etwas, was keinen rechten Sinn zu haben schien, so durcheinander war es. Sonderbar, wie jetzt die Nolle» wechselten! Nun war sie verwirrt, und ich konnte eine leichte spöttische Gereiztheit nicht ganz unterdrücken. „Eine Laune, Fräulein, was?* sagte ich. Und da machte sie ganz plötzlich kehrt. „Nichts sür ungut, Herr— I adieu I' rief sie noch, und schon flatterte ihr SoimtagSgewand aus der Mitte des Stegs. Und jetzt war es über der Treppenböschung schon verschwunden. Ich stand lange auf einem Fleck und wußte nicht, waS ich denken sollte. Widerstreitende Gefühle kämpften in der jungen Brust. » Einen weiten Bogen schlug ich um die Stadt. Draußen sah ich irgendwo in einem Waldwirtshaus. Allerlei sanste und kraus« Dinge gingen mir durch de» Kopf. Abends endlich ging ich heim. Es war schon dunkel. Die Lampen wurden angesteckt am See, da,� wo das Jungvolk hin und wieder ging. Viele Paare gingen Arm in Arm. Langsam ging ich hinter einem her. Sie trug ein blaues Klcrd. Hm, geradeso wie heute nachmittag mein Fräulein, dachte ich. lind eine nette Weiße Krause hatte sie am Hals. Hm, auch meine Be» gleiterin hatte... Da erkannte ich bei einer Achteldrehnng ihre» Kopfes, daß sie e» wirklich war. Sie, mein Schatz von hcute nach- mittag.. Sie hatte ihren Arm im Arme des Begleiters. Sie schiene» lang vertraut zu sein. Heiter sprach sie ans ihn ein. Leicht und frei ging sie dahin. Und er? Ich faßte ihn ins Auge. Da sah ich es: Er hinkte. Kleines Feuilleton. AuS dem Leben. Aus der Werkstatt der S ch e ck s ch>v i n b| C r. In den drei letzten Jahren, die im Bankverkehr einen Siegeszug des «chccks bedeuteten, haben findige Verbrecher Hunderttausende mit Hilfe von gefälschten Schecks erbeutet. Der kürzlich in München auSgesührte Scheckbctrug, bei dem den Verbrechern LL lXXI Mark in die Hände sielen, gewährt einen interessanten Einblick in die Werkstatt dieser neuen Art von Verbrechern. Um einen Scheck- betrug überhaupt ausführen zu können, bedarf der Schwindler: natürlich eines Scheckbuches. Das erhält er entweder auf dem normalen Wege, daß er bei der Bank einen Betrag einzahlt und sich auf seinen Namen ein Scheckbuch geben läßt. Dieser Weg wird aber von den Scheckschwindlern wegen der deutlichen Spuren, die er sür die Untersuchung zurückläßt, in der Regel nicht beschritten. Die Scheckschwindler lassen sich vielmehr von einer große» Druckerei ein Mustcrscheckbuch kommen. Die Schecks dieser Bücher sind zwar entweder durchlocht oder mit einem Stempelaufdruck ungültig gc- macht; aber der Zufall lvar den Schwindlern schon wiederholt günstig und ließ sie in solchen Musterbüchern nicht entwertete For- mulare finden. Ist das Scheckformular zur Stelle, so gilt es, die Unterschriften und Stempel großer Firmen zu erhalten. Die Schwindler schreiben unter irgend welchem Vorwand an die Firmen, geben sich als Aktionäre oder künftige Kunden aus und motivieren die postlagernde Zustellung der erbetenen Auskunft mit eiligen geschäftlichen Reisen. Haben sie de» Brief, dann werden gleiche Briefbogen und gleiche Stempel bestellt. Die Unterschristen der Bevollmächtigten zu fälschen, ist natürlich sür die Herren Scheck- schwindler nur ein Kinderspiel. Nun sind die Vorbereitungen zu Ende und die Ausführung kann beginnen. Ein Sonnabend, und zwar einer, der möglichst nahe am Ouartalscrstcn liegt, wird zur Tat bestimmt. In einem Inserat wird ein„älterer, zuverlässiger Ausgeher gesucht". Die Bewerber werden in ein Cafe bestellt und dort mit ihnen die Be- dingungen ihrer künftigen„Stellung" vereinbart.„Um seine Ehrlichkeit auf die Probe zu stellen", schickt der neue Brotherr den Engagierten mit dem gefälschten Scheck auf die Bank. Das Geld soll der Bote dann ans Rathaus, wo der Herr Auftraggeber gerade eine„wichtige Sitzung" hat, bringen. Von einem Komplizen des Haupttäters wird der Bote überwacht, damit er nicht etwa den Betrüger betrügt. Wird die Fälschung vom Schalterbeamten er- kannt, so erhält der Komplize, der sich in unmittelbarer Nähe des Boten befindet, sofort Kenntnis davon, und die beiden Schwindler haben Zeit genug, sich in Sicherheit zu bringen. Wird der Scheck aber, wie jüngst in München, anstandslos honoriert, so liefert der arglose Bote, der sich ganz als Vertrauensmann seines neuen „Chefs" fühlt, das Geld dem Betrüger aus. Nach diesem System habe» die Scheckschwindler in den letzten drei Jahren in den Städten Köln, Nürnberg, Augsburg und München nicht weniger als fünf Betrugsversuche unternommen, von denen drei erfolgreich waren. Vom Mensche». Das Alter der Lebensmüden. Die Selbstmord- chronik der Zeitungen berichtet besonders häufig von Selbstentlei- bungen, die noch im jugendlichen Alter stehende Person«» aus Leidenschaft begangen haben und der oberflächliche Beurteiler könnte daraus den Schluß ziehen, daß gerade die rasche ungeduldige Jugend schnell zu der verhängnisvollen, nie wieder gut zu machen- den Tat greift,»jährend das besonnene und ergebene Alter viel schlimmere Sorgen und Leiden geduldig hinnimmt. Dem ist jedoch nicht so. Das Ucbe'rwiegen der jugendlichen Selbstmorde entspringt nur dem großen Uebertviegen der in jüngeren Jahren stehenden Bevölkerung gegenüber den älteren Jahrgängen, während i» Wirklichkeit, pro 100 000 jeder Altersklasse berechnet, die Zahl der Selbst- morde mit zunehmendem Alter ständig steigt. Nach einer im König- reich Sachsen aufgenommenen Statistik kamen in den Jahren 1900 bis 1911 aus je 10 000 Personen des männlichen und Weib» lichcn Geschlechts Selbstmorde in den verschiedenen Altersklassen: Bei den Männern ist also die relative Zahl der Selbstmorde in der Altersklasse von über 80 Jahren etwa siebenmal so häufig »ine in der Allersiiasse von IS 80 Jahren; bei den Fronen etwa dreieinhalbmal. Das weibliche Geschlecht ncißt im allgemeinen viel weniger zur gewaltsamen Beendigung dcS Lebens als das männliche: in den ziingeren Altersklassen aber lassen die zahl- reichen weiblichen Selbstmorde ans Liebesgram diesen Unterschied mehr verschwinde». Uebrigcns dürfen die hier mitgeteilten Zählen natürlich nicht als ein für alle Zeiten und Verhältnisse gültiges pshchologisches Dokument angesehen werden. Die Selbstmorde in höheren Jähren haben in den weitaus meisten Fällen neben Krank- heit Nahrungssorgen zur Ursache. Eine Gesellschaftsordnung, die etwas derartiges nicht mehr kennt, würde wahrscheinlich auch das übermäßige Anschwellen der Selbst mordzifser im höheren Lebens- alter nicht ausweisen.— Uebrigens sei noch erwähnt, daß bei den Männern im Alter von lä bis 80 Jähren der Selbstmord die zw« i t h äu fi gst e Todesursache ist, die nur noch von der Tuberkulose übertrofsen wird. Luftfahrt. Das durchsichtige Flugzeug. Bei der Verwendung eines Flugzeugs im Kriege hängt der Erfolg zum großen Teil davon av, daß sich der Flieger möglichst außerhalb der Gefahr hält, die ihm von feindlichen Geschossen droht. Aus dieser Ueberlegung ist das durchsichtige Flugzeug entstanden, der sogen. Kuubel-Ein- deckcr, der im lebten Heft der„Deutschen Luftfahrerzeitschrift" bc- schrieben wird. Die Tragflächen sind aus völlig durchsichtigem Aeroid, einer Art von Zelluloid, hergestellt und sind so völlig durch- sichtig, daß sie schon in geringer Entfernung dem Auge verschwinden. Man könnte das Flugzeug also nur an den Rippen des Fahr- gcstelles und anderen festen Teilen erkennen, wenn diese sich gegen den Himmel abzeichnen, und es ist ohne weiteres verständlich, daß die Feststellung eines Fliegers namentlich in größerer Höhe dadurch außerordentlich erschwert wird. Sollte es noch einmal dazu kom- men, was wohl an sich auch anzunehmen ist, daß das Geräusch der Schraube erheblich gedämpft lvird, also nicht die Aufmerksam- keit aus sehr große Abstände wachruft, so lvürdc sich ein Flieger schon bei einiger Höhe über dem Erdboden so sicher fühlen können, wie ein Siegfried unter der Tarnkappe. Der Einwand, der gegen das neue Flugzeug von jedermann zuerst erhoben werden wird, ist die Gefahr der leichten Entzündlich- keit aller zellnloidnrtigen Stoffe. Es ist aber nachgewiesen worden, daß dies Bedenken für das neue Flugzeug kaum zutrifft, da die Bespannung selbst, wenn sie Feuer fängt, nur langsam weiter- glimmt und sehr leicht ausgeblasen werde» kann. Die übrige Ein- richtung des unsichtbaren Flugzeugs entsprich! den beim Militär verwandten Aeroplanen. Bei den Fliegern hat der neue Eindecker, der schon eine staatliche Zahl von gut verlaufenen Fahrten hinter sich hat, den Spihnamcn das Gewächshaus erhalten. Als ein be- soliderer Vorzug wird noch hervorgehoben, daß die neue Bespan- uung sehr schnell angebracht und leicht repariert werden kann, wegen ihrer Glätte den Luftwiderstand bis aus ein Mindestmaß ver- ringcrt und auch so wasserdicht ist, daß sie sich nicht unter dem Einfluß von Feuchtigkeit verziehen kann. Man kann daher ein solches Flugzeug auch bei schlechtem Wetter ohne Schutz im Freien lassen. Technisches. Die elektrische Zugbelcuchtung. Die Elektrizität steht im Bcleuchtungsivcscn in noch schärferem Streit mit dem Gas als im Verkehrswesen mit der Dampfkraft. Es ist daher nicht immer leicht, einen gerechten Standpunkt zwischen den Neben buhlern zu gewinnen. Die Fachleute selbst sind in der Regel Partei, wie es wohl auch nicht anders sein kann, da jeder jiir das Gebiet einzutreten pflegt, ans dem sein Beruf und seine Lei- stungen liegen. Daher kommt es, daß manche Streitfragen nicht zur Entscheidung kommen wollen. Ein Beispiel dafür ist die Zug beleuchtung. Seit der Einführung des Gasglühlichts in einer haltbaren Form kann man durchaus nicht mehr sagen, daß clek- irisches Licht in den Eisenbahnwagen unter allen Umständen den Borzug größerer und zuverlässigerer Helligkeit hätte. Dagegen wird dem Gas der Vorwurf gemacht, daß seine Anwendung die Gefahr von Zusammenstößen erheblich steigert, indem in einem beschädigten Wagen leicht ein Brand entsteht, der die Rettung Ver- wundcter oder in die Trümmer eingeklemmter Personen sehr er- schweren und oft unmöglich machen kann. Dieser Vorwurf ist selbstverständlich sehr gewichtig, auch wenn derartige Unglücksfälle zu den Seltenheiten zu rechnen sind. Vor dem Institut der Elektroingenieure in Birmingham hat Ferguson die Behauptung aufgestellt, daß in fast allen Fällen von Zusammen- stöße», in denen ein Brand entstand, eine Gasbeleuchtung der Wagen vorhanden mar. Er hat vielleicht auch Recht darin, daß die Zugbeleuchtung durch Elektrizität schon weit größere Fortschritte gemacht haben würde, wenn sie nicht erheblich kostspieliger wäre. Die Beleuchtung durch eine Einzelbatterie lvird vielleicht zunächst auf eine allgemeinere Einführung rechnen dürfen, da sie sich am billigsten stellt. Außerdem tritt der englische Ingenieur für die Benutzung von Gleichstrom zu diesem Zweck ein, da er am ein- fachsten einzurichten ist, keine besonders sorgfältige Anlage bedingt und sogar bei einer etwas grobe» Regulierung der Timamoinaschiiie noch brauchbar bleibt. Bcrantw. Redakteur: Alfred Wiclcpp, Neukölln.— Druck u. Verlag: Schach. Unter Leitung von S. Alapi»«, Unser Turnier» Motto: mouve14« ab o d o lg h a b c d e f 24-(SS-Svd*1) Gelegentlich des bevorstehenden internationalen Turmers im April soll ein Kongreß aus Rotahilitätcn der Schachwelt zur Gründung einer„Internationalen Schnch-Union" tagen, deren Ziele hauptsächlich in einer Regelung von allerlei Fragen des int er- nationalen Schachverkehrs bestehen sollen, wie z. B.: der Weltmeister« schaftsfrage, der Proklamierung hinzukommender internationaler Meister, ihrer sozialen Lage, der Vereinheitlichung der Schachregel, der Schachnotation, der Jnlcrnationalisierung nützlicher Schach- literatur usw. Wir entnehmen dem„Schachwart" nachstehende, Ende 1S13 zu Paris gespielte Mcislerpartie nebst einigen Glossen von Dr. E. Lasier sdie eingeklammerten Glossen von unS). 12. 0—0—0 Th8— eS 13. e4— eö LdOXeü 14. l4XeS ScCXeS 15. De2— f2 Se5Xf3 10. g2Xf3 La;4Xi3 17. Dl2Xa7..... Dieler Kcgenmigriss slört die An» oriffspläne des Schwarzen ganz be< deutend. 17...... SIO— d7 Auf 17.... I.XT? würde folgen 18. Sc5!, Sd7; 19. SaG! und gewinnt. 18. Thl— gl LfSXdl 19. Tgl— g5 DhSXM (Aus 19.... DI3 konnte 20. Lg2 geschehen.) 20. KclXül Dh2— hl 21. Tg5— gl Dhl— o4 22. Kdl— cl c7— cO Ein Versuch, den König, wenn auch mir temporär, in Sicherheitzubringen. (Die Drohung LfX-gi war zu parieren.) 23. 8h3— a5 Sd7— c5 24. Lfl— hSf 25. v.a7Xc5 Falkbeergamliit. Auorbach. J. Capabianca, 1. o2— e4 c7— eä 2. 12— k4 d7— cl5 (Bisher einfach„abgelelmteS Königsgambit".) 3. o4Xd3..... (Weiß kann auch mit 3. 813, de; 4. SXe5, Le6; 5. dl!c. die Initiative behaupten.) 3...... eü— e4 (Dieses Bauernopfer begründet de» Namen der Eröffnung. Bei 3...... ef; 4. Lbö j- nebst De'-if jc. hat Weiß ein gutcS Spiel.) 4. d2— d3!..... (Bon SIeinltz eingeführt und von Alapin analytisch begründet.) 4...... Dd8Xd6 (Die angriffsreichere Alternative ist: 4...... 810, woraus von Alapin die Fortsetzung: 5.813, Lc5; 6. DcS! angegeben worden ist. Z. B: 0...... LlSf?! 7. Kdl, DXdS; 8. 8162 I, 15; Ö. Sc3 2c. zugunsten von Weiß.) 5. Ddl— c2 Sg8— lö 6. Sbl— d2..... (Plausibler erscheint 0. Sc3, Lb4; 7. Ld2, LXS; 8. LXL nebst LXS K.) 6...... Lc8— g4 Besser 6...... L15; C. dXe4, LXe4. (Es könnte folgen: 7. g3, Dv7; 8. 8X1- nebsi cvenl. Lg2 mit gutem Spiel sür Weiß.) 7. Sgl-f3 8. d3Xe4 Besser sofort Dli5. 9. c2— c3 10. Sd2— b" 11. Lei— cl2 Um den Bauer ivelt zu machen, sucht Schwarz Angnss im Zentrum, selbst unter Figurcnopser. Sb8— cß Dd5— c5 0-0-0 Dc5— hö Lf8— d« Kc8— c7 Td8Xd2 Del— flr Df4— elf Te8— e5 20. KclXd2 27. Kd2— c2 28. Kc2— b3 29. Tgl— g4..... Schwarz mutz den Teo gedeckt hallen, was schlietzlich zum Damen- tausch und Abbruch jedes Slngrisss- Versuches des Nachziehenden sührt, tvonach das Figurcnplus von Weiß entscheiden mutz. 29., Del— 15 (Aus 29...... Del kann z. B. 30. Dgl folgen.) 30. Tg4Xg7..... Ebenso entscheidend war 30. TXbl, TXD; 31. TXbTf w. 30...... Tc5Xc5 31. LhSXfö Tc5X15 32. Sa5— c4 Aufgegeben. Briefkasten. Berlin R.£. Capablanca spielte neulich in Moskau zwei Partien gegen O. Beriisleiii. von denen er eine ge- wann und die andere Remis machte. Wir gedenken diese Partien nächstens mit Anmerkungen von Bernstein zu bringen. Vorwärts Buchöruckerei u.VerlagzanslnttPaulSiiiger«: Co., Berlin LVV�