as�-y �Z- s 'äsr§ o- b a» Kr. 38. Dienstag, den 24. Februar. li)14 •1 Hplöholm. Eine Laudarbeitergeschichte von J. Skjoldborg Als sie die Kiste abrücken, finden sie eine Menge Tabak. „Gott verdamm mich!" sagt Nis.„Es sind Ratten, die unse> ren Tabak stehlen!" Und alle stehen plötzlich ganz still und nachdenklich da. Da erscheint Per Holt laut polternd in der Tür. Er ist betrunken; er hat drüben bei den Häuslern getrunken, bei denen er wohnen soll, wenn er sich nun mit Sophie ver- heiratet. Er schwankt durch die Kammer, als wollte er durch alles hindurchbrechen, und er stößt mit dem Fuß nach dem Stuhl, daß er in den Winkel fliegt. Er zieht die Hosen in die Höhe «nd bewegt die Arme, als müsse er irgend etivas zu packen haben. In Ermangelung von etwas anderem ergreift er zwei Knechte, die in seiner Nähe stehen, und stößt sie ancin- ander, daß es kracht.„Küßt Euch. Ihr beiden." Doch der eine sagt:„Au. zum Teufel!" und faßt sich an die Nase.„Du Satan, Du!" „Was bist Du für'n Bursch!" Per stößt den Betreffen- den kopfüber ins Bett hinein.„Zum Henker noch n'.all" Die vielen jungen Augen blicken auf Per Holt, wie er dasteht mit halboffenen, feuchtroten, fleischigeu Lippen und dem dreisten Blick unter den zusammengewachsenen schwarzen Brauen. „Laßt uns tvas zu trinken kriegen!" sagt er. Und in seinen Augen blitzt das Bewußtsein auf, daß er der Mittel- Punkt des Ganzen ist. Die vielen jungen Augen blicken sich gegenseitig an. Sie haben alle denselben Gedanken. Jemand geht hinüber zu Bombolt. Einstmals war er herrschaftlicher Kutscher. Jetzt sägt er Holz und verrichtet allerhand kleine Hantierungen auf dem Gute. Bomholt geht mindestens sechzehnmal täglich zum Höker, was für ihn eben- so viele Gläser Schnaps bedeutet, die der Höker ihm zukommen läßt. „Jetzt will ich Euch was erzählen," sagt Nis und tritt vor. in dem Bestreben, sich neben Per geltend zu machen. „Stine Kold trat sich mit Bomholt eingelassen!" Viele Stimmen auf einmal:„Mit Bomholt!... Mit dem alten Kutscher!... Stine!" „Ist das zu glauben— wie!" „Das ist sicher nicht wabr. Unsereiner darf sie ja kaum mit der Spitze des kleinen Fingers anrühren." „Habt Ihr denn nicht bemerkt, wie oft sie in den Torweg hinllberlänft zu ihm?" „Jawohl. Torthin wird man sie wohl von der Küche ans schicken." „Das glaubte ich auch bis heute abend. Aber da kriegte ich was anderes zu sehen." Viele:„Sahst Du es!" „Mit diesen beiden hier." Nis deutet feierlich auf seine beiden Augen, wie zum Schwur. „Dann ist es wabr!" „Zum Teufel auch." Sie freuen sich. „Aber warum, zum Henker, tut sie denn immer so ziniper- lich gegen uns?" fragt Hans. „Darf ich fragen,"— Nis blickt sebr tiefsinnig drein— ,Dacf ich fragen, kannst Dir alles begreifen?" „Nee, aber... un denn so'n alter Kerl.. Die Flasche macht die Runde, und Per erzählt, wieviel Branntwein sie im Laufe von drei Stnirden bei den Kätnern getrunken haben. Jininer schneller geht die Flasche von Hand zu Hand. Die erste. Di« meisten verhalten sich anfangs ruhig. Doch bei der zweite» Flasche fangen sie an, mit den Armen um sich zu schlagen. Da erhebt sich Per, die Mütze sitzt ihm hinten im Nacken: „Me lange willst Du noch an der Harmonika herumbasteln? ,.. Musik, zum Henker!" Nis gibt der Mütze einen Stoß, damit sie genau so sitzt wie Pers Mütze. „Jawohl, Musik!" brüllt er, als wolle er Per über- trumpfen. Die anderen wiederholen das Wort, ziehen die Hosen stramm und spucken bedächtig aus. Und alle Mützen sitzen im Nacken ioie die Pers und Nis'. Jens Trost spielt, Hans trommelt an der Tür, und die übrigen stoßen allerhand unartikulierte Laute ans und blicken sich mit großen, knabenhaften Augen an. Per Holt ergreift die Handharmonika. Er spielt so ge« waltsam, daß der Balg hin und her geht und das Instrument pustet und stöhnt, wie ein alter, engbrüstiger Gaul, der zum Galloppiere» gepeitscht wird. Dann wirst er sie beiseite. Anfangs schaut Jens mißvergnügt drein. Als aber Per flucht, daß er nicht einen alten Stummel.Kautabak für das ganze Ding geben will, wird Jens auch aufgeräumt' und wirft die Harmonika in einen Winkel, worauf sie unter wildem Ge- heul so lange der Reihe nach von allen Holzschuhspitzcn mal- trätiert wird, bis sie vollständig aus den Fugen ist. Sie trinken weiter. Tiefer und tiefer röten sich die Gesichter und immer heißer wird ihnen. Krün hat still dagesessen wie in tiefe Gedanken versunken. Nun erhebt er sich plötzlich, als wäre ihm etwas eingefallen. Er haut auf den Tisch und stößt einen fürchterlichen Eid ans. den er sich ausgedacht hat, als wolle er zeigen, daß er mich etwas könne. Sie schauen sich um, als suchten sie irgend etwas zum Entzweischlagen. Doch hier in der armseligen Knechtekammer ist ja fast nichts zu kriegen, und die Fenster sitzen hoch oben in der Mauer, wie Stallfenster zu sitzen Pflegen. Einer von ihnen beginnt:„Der Verwalter, der.. „Der Verwalter ist ein Saukerl!" „Ein richtiger Sklavenhalter!" „Der Flegel!" Plötzlich erbebt sich Nis:„Sollen wir hinaufgehen und ihm guten Abend sagen!?" Aller Augen blitzten. „sind wir nicht erwachsene Menschen?" Wie sie fluchen können. Kräns Zunge liegt ihm dick im Munde, doch bringt er so viel heraus, daß er gerne sehen möchte, wie solch ein Bursch von innen aussieht und daß sein Messer gut geschliffen ist. „Sind wir einig?" „Ich Hab mit ihm zu reden wegen einer Ohrfeige!" „Bei mir hat er auch noch was zugute!" „Ja, laßt uns hinaufgehen und den Burschen begrüßen!" „Bist Du auch dabei. Per?" „Ich bin dabei und halte mit!" Zur Bekräftigung des Entschlusses haut Nis mit der Faust auf den Tisch und ruft:„Ich will, hol's der Satan, seine Eingeweide sehen vor dem Schlafengehen l" Dann schwanken sie hinaus auf den Hof. wo der kalte Wind ihnen um die heißen Köpfe streicht. Drei erleuchtete Fenster im ersten Stock sind die Wohnung des Verwalters, zu der extra eine Treppe von außen hinauf- führt. Unten am Treppenfuß halten sie inne. Die schwarzen Gestalten murmeln lange und bleiben stehen. Pause. Daun plötzlich, aus einmal, tönt durch die Stille der Nacht ein Rufen und Schreien zu den Fenstern hinauf, keine Worte, nur Laute. Etliche Hände heben sich beschwichtigend, und es wird wieder still. Und sie murmeln weiter. Kräu lallt wieder mit schwerer Zunge, wie herrlich scharf sein Messer sei. Vorsichtig steigen sie die Treppenstufen hinan. Per Holt niid Nis sind die ersten, andere halten sich mehr uiriur. Nis kehrt sich um, winkt, indem er sich am Treppen- geländer festhält, und zischt einige Worte hervor. Dci b\e ütür\n tvcx«*- Meint der VrnvoNer:„WnS zM>r Knitnr! tint dvcS zn ve- deuten i" Seine Augen sind noch geblendet vom Licht, und er der- mag nichts zn nnterschciden. Doch hört ina» den Laut eiliger Fusitritte. die im Dunkel des HoscS verschiv�iden. Und Per Hott, der einzige, der noch zurückgeblieben ist, Tonn auch nicht gestehen werden, denn er steht ganz still im Schatten der Treppenwindung. „�Vst jemand da?" donnert der Vertvaltcr. Ein Weilchen steht er horchend da. und die dunklen Umrisse seines schweren Körpers heben sich scharf ab von dem durch die Flurlainpe hell erleuchteten Hintergrund. Dann schlägt er donnernd die Tür ins Schlosi. -Per Holt schwankt an der Mauer des Gebäudes entlang, wobei er auf einen Menschen stösit. Ohne sich darum zu kümmern, wer es ist, schlägt er nach ihm, dasi er taumelnd zu Boden fällt. „Was sür'n Schneider bist Du denn, zum Teufel!" sagt er und steuert der Tür zu, die zur Schlaskammer der Milch- Mädchen führt. So endete dieses Blutbad.(Forts, folgt.) Kölner Karneval. Der närrische Prinz von Köln hat draußen einen weit besseren Ruf, als er verdient. AuS dem flotten, wihsprühenden Burschen vergangener Tage ist ein verlebter, geiler Nou6 geworden, der mit allerlei Kuren die Gebresten des Leibes alljährlich für einige Wochen bannt. Aber auch seine intimsten Freunde werde» im- zufrieden mit ihm, und sie konsultieren die tüchtigsten Aerzle nach dem Mittel, das den alternden Prinzen verjünge» könnte. Der Kölner Karneval ist krank. Darüber täuscht der bunte Flitter und der tolle Lärm, der noch immer von Neujahr bis Fast- nacht durch die alte Nheinstadt tanzt, nicht niehr hinweg. Es gab einmal eine Zeit, wo in diesen närrischen Wochen echter rheinischer Frohsinn, aufgespeichert in Monden fleißiger Arbeit und geruhiger Lebensführung, die Zügel schießen lieh. Das war einst, als Köln eine Mittelstadt mit kleinbürgerlichen Sitten war. Längst aber hat der Kapitalismus in diese friedliche Idylle seine ncrvcnzcr- reibenden Fronhäuser auf der einen, seine kräftcvcrwüstendcn Ver- gnügungspaläste auf der anderen Seite gebaut. In den Groß- städten der kapitalistischen Zeit, wo die Bar, daß Kabarett und das Kino die Stunden der Erholung regieren, gedeiht nur noch das Amüsement und nicht mehr das gutmütig-witzige Narrentum, das dem Kölner Karneval zu seinem Weltruf verhelfen hat. In einer Zeit, die täglich nnd nächtlich zu jeder Stunde ihre Vergnügungs- betriebe geöffnet hält, kann der Karneval auch nicht mehr die gc- walligc Anziehungskraft haben, wie in einer solideren Vergangen- heil, als die tollen Tage einige der wenigen Vergnügungsgelcgen- heilen des Jahres bildeten. Wenn der Kölner Karneval nach außen hin noch seinen Glanz belvahrt, so nur deshalb, weil er längst zu einem g c s ch ä f t- lichcn Riesenbetriebe geworden ist. Die Spekulanten auf das Karnevalsgeschäft suchen daS„vatcrstädtische Fest" mit allen Mitteln der Reklame hochzuhalten. Die Wirte, die Bierbrauer, die Sektagentcn, die Wcinfabrikanten, die Saalbesißer, die Zcitungsvcrlegcr und Buchdrucker, die Maskenfabrikantcn und Modegeschäste— ein bedeutender Teil des Wirtschaftslebens der Rheinmetropole ist am Karneval stark interessiert. Die Karnevals- redner, in früheren guten Tagen Söhne aus angeschenen Ja- Milien, die ehrenhalber lustige Rede» aus der„Bütte" hielten, sind längst bezahlte Komiker geworden. Diese Herren ziehen an jedem Sonntag tvührcnd der Karncvalszeit von einer KarncvalSsitzung zur anderen, um gegen einige Goldfüchse überall wörtlich dieselbe Rede zn halten. Die Präsidenten der Karnevalsgesellschaften sind von derselben Oualität. Zu einem erheblichen Teil schiffbrüchige Existenzen, die ihre wißige Schlagsertigkeit gegen Geld und karne- valistische Ehren verkaufen. Nebenher streichen sie von Sekt- und Weinlicfcrantcn entsprechende Provisionen ein. Geschäftsleute find vorsichtig, und der Kölner Karneval ist daher recht zahm geworden. Weniger in sexueller Beziehung. Im hritigen Köln ist man nicht gerade prüde, auch wenn man nach toller Nacht vor der nächsten Kirchentüre reuig den Hut zieht oder fromm das Köpschen ucigt. Gröbere Schweinereien werden zwar für die„Hcrrensitzungen" der Karnevalsgescllschaftcn aufgespart, aber auch in den„Damenkomitees" und in den„Familien sihungen" xv-vv-K,>, X»>, XX XXX-« xc...X XX' XX X.XV XXXXXXX�XX X. XXX X. vnryrerr«,?-» PrrNr mU. tOU\, viel zahmer ist der heutige Karneval gegen die besten Obsektr gesunder Satire: Behörden, Militär, Politiker. Das macht: auch der Karneval ist als echtes Kind deS Bürgertni»« byzantinisch ge- worden. Höchstes Glück aller Karnevalisten ist eS, wenn ihre Sitzungen von recht vielen„Ehrengästen", am liebsten in buntem Tuch, heimgesucht werden. Offiziere sind der gesuchteste Karnevals- artikcl, nnd jeder kleine Leutnant wird gefeiert wie der Held vieler Schlachten. Vor solchen Ehrengästen aber etwa über„gabern" und den v. Forstner zu spotten— das geht nicht an. Auch die Bonner Borussen ziehen alljährlich in einer der ersten Gefellschastcn in vollem Wichs auf. Nimmer würden jic wiederkehren, wenn die Satire an einem Typ ihrer Sippe sich üben würbe. In echte Toll- heit geraten die Narren, wenn unier den sie besuchenden Borussen ein leibhastiger Prinz sich bcsindct— Hohenzollcrn nnd andere studieren ja in Bonn—> dann kriecht und leckt die Narrenschar um die Wette mit jedem Kricgcrvercin. Solcher Ehren muß sich natür» lich der Karneval würbig crlveisen, unb daher wird alles Offizielle des Staates nnd der Gesellschaft höchstens mit der tolpatschigen Gutmütigkeit des Mancgcclowns glossiert. Keine Schonung genießen dagegen große Bewegungen, über die der Stunipssinii des BierphilisterS grinst. So kehren alljährlich blödsinnige Reden von maskierten Frauenrechtlerinnen wieder. In diesem Jahre war es Rosa Luxemburg, die die Maske her- geben mußte. In früheren Jahren wurde auch August Bebel in die„Butt" gestellt, wie die einem Weiupokal gleichende Redner- tribüne heißt. Nachdem wochenlang, vom t. Januar an. durch karucvalistische Sitzungen, durch Maskenbälle und Fluten von Alkohol die nötige Massenstimmung erzeugt ist, brechen an den eigentlichen drei Karnevalstagcn alle Dämme. Vom Sonntag über den Rosen- montag bis zum Aschermittwochmorgcn ist Köln in allen Wirt- schasten, in allen Cafes, auf Straßen nnd Plätzen ein einziger Maskenball, der in einem Sumpf von Alkohol und sexuellen Orgien tanzt. In jedem Jahre erhebt nachher die bürgerliche Presse ein katzcnjämmcrlichcs Predigen über die zunehmende„Entartung des vaterstädtischen Festes" und sinnt auf„Reformen". In solcher Stimmung ist man auf die wirklich karnevalistifche Idee gekommen, durch die Schulkinder den Karneval reformieren zu lassen, in- dem man wochenlang vor dem Feste in den Schulen zotcnfreie Lieder übte. Selbstverständlich blieb trotzdem der Spruch in Gel» tung: Wie die Alten sungcn, so zivitschcrn auch die Jungen. Eine Gesundung deS Kölner Karnevals ist unmöglich. Er kann nur noch existieren, wenn er während feines Regiments die reguläre VergniigungSkonkurrciiz der sonstigen Zeit des Jahres über- bietet. Er muß also den Gipfel der Gemeinheit erreichen, wenn er dem Vcrgnügungspöbel der Großstadt noch Reize bieten und auswärtigen Amüs-emcntSmob heranlocken soll. Nach alledem wird sich niemand darüber wundern, daß unser Kölner Parteiblatt mit diesem Karneval und seinen Vertretern auf dem Kriegsfüße lebt. Mangelnder Sinn für Humor und Satire ist nicht der Grund dafür, denn die„Rheinische Zeitung" gibt selbst eine närrische KarnevalSnummcr heran?. Sic bekämpft das witzloß-byzantinischo Gcschäflskarnevalistentum, das es fertig bringt, nwchenlang nahezu das ganze geistige und politische Leben der großen Stadt lahmzulegen und bis in die Kreise der Arbeiter« bewegung hinein kulturvcrwüstcnd zn wirken. /lmerltanisihe Reisestizzen. Bon Philipp S ch e i d e m a n n. Die U eberfahrt. Auf dem Vorderdeck geht es bewegt zu. Biele Hunderte von Zwischcndecker», zumeist Italiener nnd Polen, drängen sich hier auf engem Raum. DaS weibliche Geschlecht ist in der großen Mehrheit. Die Zahl der Kinder ist ungeheuer groß. Hier und da sitzen junge Mütter, ihre Säuglinge stillend. Träumerisch schauen sie in die Ferne. Wird die neue Welt gewähren, was ihnen die alte versagt hat? Je länger ich dem bunten Treiben zuschaue, um so leichter wird es mir, die Männer und Frauen nach ihrer Herkunft mit einiger Sicherheit festzustellen. Farbenfroh scheinen sie alle zu sein, dafür sprechen die schreienden Farben ihrer mehr oder weniger phantastischen Kleidung. Zwei junge Mädchen, unverkennbar Deutsche, passen absolut nicht in das Gewiihl hinein. Sie wirken direkt störend im Rahmen dieses Bildes. Alle bewegen sich an» scheinend unaufhaltsam durcheinander wie die Steinchen� im Kaleidoskop. Soel>eu sah ich den Kroaten mit dem feisten Salz- Hering in der Faust noch an Backbord, jetzt steht er schon auf der « NX X i V»OVV.> >N. � oäx Voxv�w Ttve�x oXjxx tcxwX�jrt � ,1»���i«\ww\>«Tr"etitf»4iBmxSS*'\Uvv wvfc S&t\?\\\ald so, bald so schwenkt, bis es der Länge nach an seinem Platze liegt. Fünf Minuten später stand ich auf amerikanischem Boden. herzlich begrüßt von vielen frohen Männer» und Frauen. Da» Gepäck war schnell revidiert und nach dem Hotel dirigiert. Dann ging es von Hobokcn unter dem Hudson hindurch»ach New gfoc). I n N e w A o r k. New Uopk ist seht die größte Stadt der Welt. Es bat London an Einwohnerzahl längst überholt. Alles in allem soll Groß-New- York jetzt neun Millionen Einwohner zählcu. Sicherlich gibt es keine zloeite Stadt, in der sich ein solches Bölkergcmisch findet wie hier. In dieser einzigartigen Stadt werden täglich Zeitungen in LS verschiedenen Sprachen gedruckt. Schier endlos scheint die Statt zu sei», und doch kann man sich sehr schnell darin zlircchtfindcn. Da gibt cS feine der reizende», schiefen und buckligen Gassen, die unsere alten deutschen Stadt« so traulich und gemütlich machen. Wie mit einem Linial gezogen gehen die Avennen schnurstracks der Länge nach durch die ganze Stadt. Und quer laufen in gleichen Abständen voncinander die Siraße». Da auch die HauSnumcricrung stets von derselben Seite beginnt, so ist man in New Uork, wie in fast allen amerikanischen Städten, schnell in der Lage, sich zn orientieren. Ob New Aork«ine schöne Stadt ist? Das kommt darauf an, von welcher Seite man sie betrachtet. Interessant ist sie überall. Es gibt ganze Stadtteile, die geradezn trostlos sinii: die ganze Straßcubreite ift da bedacht von der Hochbahn, sodaß das Pflaster niemals von einem Sonnenstrahl getroffen wird. Das Juden- viertel ist abscheulich schmutzig, das Chincsenquarticr nicht geheuer. An der Brooklynbrücke, einer imposanten Hängebrücke, die New Uork mit Brooklyn verbindet, stauen sich die Menschen zu be- stimmten Tageszeiten in solchen Massen, daß man sich erstaunt fragen muß: wie soll der Knäuel sich überhaupt wieder lösen? Die bedeutsamste Verkehrs- nnd Geschäftsstraße ist der dreißig englische Meilen lange Broadway, die schönste der Straßen ist die füiistc Avenue. Da wohnen die bekanntesten Milliardäre in prunkt- vollen Palästen. Da befinden sich die vornehmsten Läden. Da jagt ein Luxusauto das audere, und ein Gespann erscheint immer vor- nchnier als daS vorausgesahrcne. Die Perle der Stadt ist der Zen» tralpark, in dem zwischen wuchtigen Felsen prachtvolle alte Bäume Schatten spenden. Zu vielen Hunderten wimmeln da alte unb junge Negerinnen herum, sorgsam die ihnen anvertrauten Kleinen hütend. Auf allen Wegen und Bänken spielen reizende, vollkom- me» zahme graue Eichlätzchen.— Eine Straße, deren Anblick einen Europäer, der soeben inS Land gekommen, vollkommen befriedigt, kann man lange suchen in New Kork. Jnicressaiite und schöne Häuser gibt es in Hülle und Fülle, aber die Straßen? Da steht ein wunderbarer Kollossalban an der Ecke, er mag 12 Stockwerke hoch sein; nebenan steht ein« elende Backsteinkifte von zwei Stock. Dann kommt ein moderner Wolkenkratzer von säst dreißig Stockwerken; nebenan steht eine go- tische Kirche, der eine ältere Mietskaserne angeklebt ist. So wech- sein in häßlicher Folge die Häuser. feitacftCX ■ � � £.t Z S. "-" SZb'» e Wo s o S. 3 3-»a.« g"_C %. 1c| Ä 1 3 x; Z.' �n'�-ir- �'- 3_"-_ I«.S?s Ä U.» �«» 3 5:, 3, �" M?Z S o S, �V�IIn�lv.iV. Am ersten Tage meiner Anwesenheit tu New Jork tvar el mir beim Anblick der Straßen, als ob ich«inen heftigen Schlag in? Gesicht bekäme. Ueberrascht hat mich die Schönheit mancher Wol- kenkratzer. Der neueste vnd zugleich größte der Welt steht nahe bei City Hall sdein Nathans«?)— keine fünf Minuten von der Druckerei der New Uorker BolkSzeitung entfernt—, das sogenannte Woolworth «nilding. Dieses HauS strebt mit feinen fünfundfünfzig Stock- Werken gen Himmel wie ein architektonisches Gedicht. Seine Glie- dcnmg ist von entzückender Schönheit. Nur wenige Fremde werden der Versuchung widerstehen können, dem Gipfel zuzustreben._ Mit fabelhafter Geschwindigkeit kann man nach oben befördert werden. In einem marnrorstrotzenden Vestibül befinden sich acht» rnidzwanzig Fahrstühle mit genauer Angabe ihrer Stationen.� Da heißt«S z. B.:„Lokallift, hält an jeder Etage";„hält an jeder dritten Etage";„hält an jeder zehnten Etage" usw. Ich springe in de» Lift mit der Aufschrift:„hält erst am 59. Stockioerk". Wie ans einer Pistole geschossen gelangt man nach oben. Man steigt eigentlich nur ein und anS, so fix geht der Expreßzug. Die Aussicht ist von überraschender Schönheit und Reichhaltigkeit. Man übersieht ganz New Jork und den Hudson. Man blickt weit hinaus über den Atlantischen Ozean und übersieht die gesamten Häfen. Man sieht die Strectcars eilen und die Hochbahnen jagen; auf dem Wasser schießen die Boote scheinbar wüst durcheinander.... Wenn man dmin tief unter sich das Singer Building sieht, das dereinst das höchste Ge&äude der Welt gewesen, dann fragt man sich: Wie weit soll hier eigentlich dem Himmel noch entgegen gebaut werden? Da» Singer Building ist 612, daS Woolworthgebäude aber 780 Fuß hoch. Nebrigen» sieht daS Singer Building abends, wenn feine Kuppel elektrisch beleuchtet ist, geradezu feenhaft aus. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß die obersten Stockwerke der Wolkenkratzer immer zuerst vermietet werden. Dort oben gibt «» nämlich keine Moskitos.(Forts, folgt.) Kleines Feuilleton. Da» verstörte Fest. Alle Uhren wurden angehalten. Nie mehr werde Tag l hieß die Parole in dem Saal, der voller Spukgestalten schwamm im starken Dust der Rachtviole. Und die Zeit stand still in Uhrgehäusen. Und phantastisch— ohne Augenlider l— hingen Tausende von Fledermäusen — Kopf nach unten— als Girlanden nieder. Zauberer, Teufel, Wichte rmd Lemurenl Goldner Seit gefror im Silberlühler. «uS der Damen kupfernen Frisuren streckten Nachtinsekten Riesenfühler. — Plötzlich sprangen Tor und Tür entsiegelt Uud— wie graute da den Nachtgespenstern--- von den Porphyrsäulen abgespiegelt glomm ein rosa Licht in allen Fenstern. Und herein trat— tauig frisch die Wangen, deren Karmesin sich noch erhöhte, »l» st« spürte, wie st« hier empfangen!— eine Huldgestalt: die Morgenröte. viele flohn, unnennbar eingeschüchtert, mit den Stirnen fast im Staub danieder. Selbst der Trunkenste schien jäh ernüchtert. — Tag ward.— Und die Uhren gingen wieder. Heinrich Lautensack. („Licht und Schatten".) Astronomische». RimmtdieSonneab? Die Frage, ob Umfang und Leucht- kraft unseres TageSgestirnS sich nicht im Laufe der Jahrtausende verringern, hat die astronomisch« Wissenschaft schon inehrfach be» fchastigt: nun versucht der Astronom Jean BoSler in der Zeitschrist Radium nachzuweisen, daß dies in der Tat der Fall fei und daß unsere Kenntnis der Raturkräfte uns zwingt, eine stetig fort. schreitende Abnahme oder Verkleinerung des Sonnenballes anzu- nehmen. Jeder Körper, der Energien ausstrahlt, opfert dabei einen Teil feiner Maße, und wir haben keinen Grund anzunehmen, •aß die scatur für die Sonne ein Ausnahmegesetz stabiliert habe. «ach den Berechnungen Brslers soll die Sonne jährlich»im ein »0 Millionstel der Erdgroße kleiner werden. Mit der Abnahme der Materie ofott muh notgedrungen auch die Schwertraft bzw. die Anziehungskraft des Sonnengestirns abnehmen, was zur Folge hätte, dast die Dauer des astronomischen Jahres zunimmt. Vosler berechnet nun, daß die? in der Tat der Fall ist, mid zwar nimmt da? astronomische Jahr im Verlaufe von einer Million Jahre um— 6 Sekunden zu. Diese Hypothese stützt sich auf eine logisch theoretisch« Bewei». führung und kann einstweilen durch unmittelbare Beolmchtnng nicht bestätigt werden, weil unsere heutigen Instrumente nicht im ent- serntesten ausreichen, um so geringfügige Veränderungen, die sich im Laufe von Millionen von Jahren vollziehen, zu registrieren. Ein indirekter Beweis aber ließe sich durch die genaue Beobach- tung näher liegender Gestirne von höchster Temperatur erbringen, denn hier können wir wahrscheinlich bereit? schon heute mit unsere» Instrumenten die Umfangsveränderungen nachprüfen. Mit dieser Arbeit ist Bdsler zurzeit beschäftigt. Volkskunde. Hühner- F a st n a ch t. Ein drolliges Kapitel de» Volk»« aberglauben» bilden die vielen wunderlichen Regeln, deren Beachtung der hühnerhaltenden Hausfrau ans Herz gelegt wird. Nameiitlich an den Fastnachtstenniii knüpfen sich allerlei geheimnisvolle, da» Federvieh betreffende Ratschläge, die auf dem Lande in aller Stille noch mancherorts geübt werde». Man soll eS nämlich an diesem Tage in der Macht haben, sein Hiihnervolk da» ganze Jahr vor Fuchs und Habicht zu schützen. Im Schwarzwald z. B. versteckt man einige» Fastengebäck in einer Hecke als freiwillige Opferspende an Meister Reineke, der dafür aus den GeflügelschmauS verzichten soll. AnderSwo gibt man wiederum den Rat, zu Fastnacht vor Sonnenaufgang einen Pflock recht laut und lärmend vor dem Hühnerstall einzuschlagen. Soweit der Schall zu vernehmen ist, so weit im Umkreis sind bann die Insassen de» Stalles vor dem Fuchs sicher. Einen zuverlässigen Schutz vor dem Habicht dagegen der- schafft man den Hühnern auf folgende Weise: Jede» Familien« Mitglied hebt beim Fastnachtsessen ein wenig von seiner Speise auf, auch die Knochen bewahrt man für den folgenden Tag. An diesem füttert man nun das Federvieh mit den Speiseresten, die Knochen aber streut man ring? um das Gehöft— und zwar in einem recht weiten Kreise, denn dieser Krei» ist daS Schutzgebiet, innerhalb dessen Grenzen der Räuber dem Hühnervolk nichts anhabe» kann. Ein anderer Brauch, dessen llebung bezweckt, die Hühner häuslich zu macheu und sie ans eigene Gehöft zu bannen, besteht darin, daß man sie am FastnachtSmorgen vor Sonnenaufgang in einen Kreis lockt, den man durch eine ringförmig gelegte Kette gc- bildet hat, und sie nun mit sämtlichen Speisen futtert, die im Hause zn haben sind. Auch allerlei Verbote werden zu Fastnacht von der abergläubischen Hühnerzüchterin beobachtet. Sie darf z. B. an diesem Tage nicht an den Brunnen gehen, weil die Hühner sonst die Eier verschleppen werden. Ja, wenn sie überhaupt Eier von ihnen er- warten will, darf sie zu Fastnacht auch nichts nähen oder stricken. Besonder» gefährlich aber ist es, die Hühner am bewußten Tage Pütt, Putt' anzurufen oder sie überhaupt nur zu nennen. Da- durch würde man die Tiere geradezu an ihren Erzfeind verraten, an den Fuchs. Technische». W ü st e n»v a g e n und W i n t e r a u t o. E» ist ganz begreiflich, daß die Möglichkeit, auch Gefährte zu Lande mit Luft- schrauben vorwärts zu bewegen, keine rechten Fortschritte hat machen Ivollen. Wenn man sich daran erinnert, welche UngllickSsälle dadurch geschehen sind, daß die Luftschranbe eines gelandeten oder zu tief fliegenden LustzeugS in den Bereich von Menschen kam, so erscheint es im höchsten Grade bedenklich, die Luftschraube sogar als anerkannte» Betriebsmittel auf die Erdoberfläche versetzen zu wollen. Dennoch weiß die„Deutsche Luftfahrer-Zeitschrift" zu berichten, daß die Luftschraube für Wagen und Schlitten neuer- dings mehr in Aufnahme gekommen ist. Allerdings sind es auch nur besondere Verhältnisse, in denen man die Ausstattung von Kraftwagen mit einem Propeller versucht hat. So hatte die französische Heeresverwaltung einen leicht ge- bauten Personenwagen dieser Art für den Schnellverkehr in den Wüsten Algiers erprobt, und jetzt ist sie auch dazu übergegangen, WinterantoS mit Luftschrauben einzuführen. ES ist namentlich nicht zu bestreiten, daß dies Betriebsmittel für die Fortbewegung auf Schnee und losem Sand jedes andere übertrifft. Selbstverständlich hat man aber erst lernen müssen, wie die Luftschraube zu Lande am besten zur Wirkung zu bringen ist. Der franzöfische Wiistenwagen war noch ein sehr leichtes Ge- fährt, während das neue Winterauto schon viel gewichtiger ist. Die Luftschraube mit sechs Flügeln befindet sich auf der Hinterseite des Wagen» und wird vom Motor aus mit einer durch- gehenden Welle und einem Kettenrad angetrieben. Die Flügel können einzeln herausgenommen werden. Mit allen sechs Flügeln wurde eine Geschivindigkeit von SO Kilometer in der Stunde auf Schnee erzielt, obgleich der Wagen Räder besaß und nicht etwa Schlittenkufen. Ein wesentlicher Vorzug des LuftschraubenaniriebeS liegt auck» in der bedenteuden Verbilligung der Baukosten. Legrain hat auch einen richtigen Motorschlitten mit Luftschraube gebaut und mit ihm eine gleich hohe Geschwindigkeit erreicht. Bei diesem Motorschlitten sitzt die Schraube vorn. Als Kufen dienen einfach Schneeschuhe, die zu je zwei und hinten zu drei zilsammengefaßt sind. Berniilw. Redakteur: Alfred Wiele»«. Neuköllu.— Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdruckerei u.VerlagSanstaXPal'.l Singer&C»..Berlin SW.