M. 56. Abonnements• Bedingungen: Vbonnemsnts- Preis pränumerando i vierteljährl. 3,30 fflf., monatl. 1,10 3Jit., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag!- Nummer mit illnNrierier Sonntag!- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung!- Preisliste für lg 00 unter Hr. 7971. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da! übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich austcr Wonkag«. Vevlinev Volksblakk. Vi. Jahrg. Die Insrrtioils- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel, zeile oder deren Raum 40 Pig., für politische und gewerlschastlichc Vereins- und Versammlung!-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anseigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur daS erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer niüssen bis 4 Uhr nachmittag! in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bt! 3 Uhr vormittag» geössnet. Fernsprecher: vmt I> Dr. 1308. Telegramm, Adresse: „Sorialdrniokrnk Srrlin" Cjentralorgan der sonaldemokintischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Ventlz-Strahe 2. j| Die Weltpolitik des krachenden Kapitalismus. Wir sahen: als die Weltpolitik der großen Industrie die letzten Konsequenzen der kapitalistischen Produktionsweise zog und sie zum rettenden Sprung in die socialistische Produktionsiveise drängte erfand sich der krachende Kapitalismus seine eigne Weltpolitik. Der aber diesen Wechsclbalg aus der Taufe hob, war nicht der bürgerlich frcicste Staat Europas, sondern der Hort der europäischen Reaktion, war nicht England, sondern Nußland. Wie so viele, noch so geheiligten Neberlieferungen der Politik. ist auch das Testament Peters des Großen durch die großiudustricllc Entivicklung zerrissen worden. Ob nun erfunden oder nicht, so war die berüchtigte Urkunde in jedem Fall die richtige Kodifikation der russischen Politik, wie sie seit Peter und selbst schon seit Iwan dem Schrecklichen getrieben worden ist. der Politik nämlich, Europa einem asiatischen Despotismus zu unterwerfen, der die Waffen der europäischen Civilisation seinen EroberungSzwccken dienstbar zu machen wußte. So große Erfolge damit erreicht wurden, so scharf richteten sich die zweischneidigen Waffen gegen den Zaris mmS selbst, als die große Industrie sich im weftlicheuZ Europa durchgesetzt hatte. Mit dieser revolutionärenden Waffe war weiter kein Spaß zu treiben; an ihr zerschellten alle despotischen Raubgelüste, und im eignen Lande drohte sie Kräfte zu entfesseln, die zu allererst dem Zarismus selbst an Kopf und Kragen gingen. Sonnt mußte er sich auf die ErobernugS» und ProtcktionSpolitik beschränken, die den vorindustriellcn Stadien der kapitalistische» Produktionsweise eigentümlich war. Abgeschreckt von Europa erinnerte er sich seines'asiatischen Ursprungs und richtete sein Auge von Konstantinopel ans Indien. Indem er erobernd der cuglischeu Wcllmacht an ihrer litzlichstcn Stelle auf den Leib rückte und den Weltkrieg um die kolossale Beute imnicr drohender beschwor, sperrte er zugleich die russischen Grenzen, um die revolutionär gährendc» Kräfte im eigene» Lande zu beschwichtigen. Er rechnete ganz ricktig mit der Kurzsichtigkcit der Bourgeoisie, die über der augenblicklichen Befriedigung ihres Profithungers gern die dauernden Interessen der kapitalistischen Produktion vergißt; die russische Industrie, die über den inneren Markt herausgewachsen, aber noch nicht zur Konkurrenz- sähigkeit auf dem Weltmärkte herangewachsen ist. war ganz ein- verstanden mit der Eroberung neuer Märkte und ihrer strengen Ab- schlicßung gegen die konkurrierende Industrie fremder Nationen. Insofern hat die Wcllpolitik dcS krachenden Kapitalismus in Rußland einen gewissen Sinn und Zusammenhang. Schwieriger schon ist dieser Sinn und Zusammenhang bei ihrcni zweiten Pathen zu entdecken, bei Frankreich, doch ist er hier immerhin auch noch zu finden. In Frankreich hat sich, ans denselben historischen Gründen, die eine starke Bauern- und Hand- wcrkerklasse erhalten haben, die große Industrie nie so kräftig entwickelt, wie in England. Nach dem Siege der französischen Bourgeoisie ini Jahre 1830 kam nicht ihre großindnstriclle, sondern ihre groß- finanzielle Schicht ans Ruder, um in achtzehnjähriger Mißwirtschaft das Land zu ruinierest und nicht zuletzt auch die großiudustricllc Entwicklung zu hemme». Als die französische Nation dann 1848 das unerträglich gewordene Joch abschüttelte, gelang der Bourgeoisie die llcbcrtölpeluug des Proletariats nicht mehr so glatt, wie im Jahre 1830; sie erstickte deshalb die berechtigten Ansprüche der Arbeiter- klaffe in den Blutströmcn der Junitage und ebnete dadurch dem Bonapartismus seinen schmutzigen Weg. Er hielt sich am Ruder, indem er bald die Bourgeoisie, bald das Proletariat bald liebkoste, bald neckte, oder selbst auch ihre gemeinsamen Interessen gegen die chauvinistischen und protcklionislischen Ucberlieferungen der reaktionären Klassen Ivahrte. Dies geschah namentlich in dem englisch- französischen Handelsvertrag von 1860, den Napoleon III., nach dem Erstarken der französischen Industrie in den fünfziger Jahren, nnt dem englischen Freihändler Cobdcn vereinbarte. Die „staatsmännische Einsicht", die der Abenteurer dabei beivicscn haben sollte, war natürlich nicht weit her; wenn er den revolutionären Klassen durch eine Konzcssion den Mund z» stopfen suchte, so mußte er den reaktionären Klassen durch zehn andre Konzessionen den Mund stopfen, worüber er dann endlich bei Sedan strandete. Der schwach- volle Zusammenbruch seiner Herrschaft brachte aber die reaktionären Klassen empor, die in ihrer Gesamtheit der großen Industrie über- legen waren, zumal nachdem sie den heldenmütigen Widerstand der Pariser Kommune in den Greueln der Maiwoche von 1871 nieder- geschlagen hatten. Auf der andern Seite wurden die chauvinistischen und protektionistischcn Ilcberlicferungcn der französischen Ludwige wieder aufgefrischt durch die Annexion Elsaß- Lothringens an das Deutsche Reich, eine jener ausgesuchten, historischen Thorheiteu, bei denen die Besiegten wie die Sieger gleichmäßig in die Tinte kommen. Frank- reich verlor damit ei» paar seiner industriellsten Provinzen und einen beträchtlichen Teil seines innern Markts. Um so größere Chancen hatte n»»mehr die Kolonial- und Schutzzollpolitik, zu der die renk- tionäreu Klassen, au der Spitze die hohe Finanz, die Burcaukratie, der Militarismus drängten: die hohe Finanz aus unstillbarer Sehn- sucht nach jenen exotischen Spekulationen, bei denen sich die Dummen am leichtesten das Fell über die Ohren ziehen lasse», die Bureau- kratie aus Sehnsucht nach fetten Posten, der Militarismus aus Sehnsucht nach neuen Lorbeeren, über denen die Scharten des deutsch- französische» Kriegs vergessen werden sollten. Die französischen Prosessoren fehlten allerdings, wenn wir uns recht erinnern, in diesem reaktionären Klüngel, vermutlich weil ihnen die Hauptflause der deutschen Floltcnprofessoren. tvonach die angebliche Ueber- bcvölkcrung Deutschlands die Gründung von Kolonien notwendig machen soll, durch die thatsächlichc Unterbevölkerung Frankreichs ab- j geschnitten war. Genug, die französische Republik taumelte nach' Tunis, nach Tonkin, nach Madagaskar; sie begann die Besetzung und Absperrung überseeischer Landstriche im großen zu betreiben, was die französische Nation mit sehr viel Blut und sehr viel Gut bezahlen niußte, ohne selbst nur ein bißchen Flitter von militärischer Glorie zu gewinnen, ja was im tiefsten Grunde die Ursache jener nationalen Zerrüttung geworden ist. die sich im Falle Drcyfus so beschämend offenbart hat. Die französischen Kolonien entkräften das Mutterland noch viel stärker, als— bisher— die deutschen, womit der Vorzug, daß sie nicht ganz so ruppig sind, wie Kamerun, Togo und so weiter, etwas teuer erkauft ist. Indem nun aber Rußland und Frankreich sich aus allen Kräften bemühten, den Weltmarkt und ihre Gebiete zu verengen, wurde auch England gezwungen, die Wcltpolitik der großen Industrie, weit» nicht aufzugeben, so doch einzuschränken. Je mehr seinem Handel vom Weltmarkt entzogen wurde, nni so fester mußte es halten, was eS davon besaß, um so mehr mußte cS darauf bedacht fei», diesen Besitz zu erweitern. DaS ist der einfache historische Zusammenhang, den nur bedauerliche Unkenntnis oder gehässige Leidenschaft vcr- kennen kann. Wir werden uns von dem unsinnigen Engländerhaß unsrer Patrioten nicht in das entgegengesetzte Extrem treiben lassen, ctiva in jene Schwärmerei für England die ehedem unter den deutschen Liberalen im Schwange ging; dazu fehlt uns jeder Anlaß. Wir rühmen der englischen Bourgeoisie nichts, gar nichts andres nach, als daß sie von ihrem großiudustricllcn Standpunkt aus gut zu rechnen versteht, daß ihr demgemäß bei den unerschöpflichen Produktivkräften ihrer Industrie der freie Handel in allen Ländern profitabler erscheint, als ein auf England und seine noch so ausgedehnten Kolonien beschränkter Handel. Die Rechnung ist in ihrer Nichtigkeit so einfach, daß sie jeder Schnlknabe, der die Gehcimnine des Einmaleins bewältigt hat, nachprüfen kann, und sie ist also gewiß kein besonderer Ruhmestitel. Wurden nun aber einmal die Raubticrinstinktc, die in allem Kapitalismus stecken, in dem englischen Kapitalismus gewaltsam gc- weckt, so darf man nicht die Hände überm Kopf zusammenschlagen, ivcil sie sich in den gewaltigen Dimensionen dieses Kapitalismus aus recken. Nur diejenigen haben ein Recht zur sittlichen Empörung über den Krieg der Engländer gegen die Bocrc», die den Kapitalismus mitsamt all seinen Raubticrinstinktc» ausrotte» wollen, wobei auch sie gut thun werden, ihre noch so berechtigte Entrüstung nicht triumphieren zu lassen über die Klarheit des politischen Blicks, und über der natürlichen Freude an den anfänglichen Bocrcn siegen nicht die altbekannte Thatsache zu vergessen, daß die groß- industriell cntivickelte Nation immer auch die an Hilfsquellen reichste ist. Gar keinen Grund zum Schelten über den Boerenkricg haben dagegen die deutschen Flottenpatriore», die früher über die wohlbedachte Friedenspolitik Englands nüt abgeschinackt-großinäuligen Spöttereien herfielen und an ihrem Teil die nunmehrige Angriffspolitik Englands mitverschuldet haben. Es giebt nämlich einen großen Staat in Europa, der durch alle seine nationalen Interessen— das Wort in rein bürgerlichem Sinn genommen— verpflichtet gewesen ivqre, den Widerstand Englands gegen die französisch-russischc Erobcrnngs- und ProtcktionSpolitik zu »nterstütze».' Dieser Staat ist daS Deutsche Reich. Teutschland hat der Wcltpolitik der großen Industrie nächst England den kolossalsten Aufschwung zu danken, ja relativ genomine» noch einen weit kolos- salercn Aufschwung als England. In der Milte der dreißiger Jahre begann die industrielle Entivicklung in Deutschland mit der Gründung dcS Zollvereins und dem Bau der Eisenbahnen; in der Mitte der siebziger Jahre stand der deutsche Gesnmthandcl auf dem Weltmarkt nur noch dem englischen nach. Er bclief sich 1874(Ausfuhr und Einfuhr addiert) in Millionen Mark: Großbritannien 13 330, Deutschland 9300, Frankreich 0800, Bereinigte Staaten 4980; zur gleichen Zeit hatte Deutschland in Industrie und Transport mehr Dampskraft im Betriebe, als irgend ein andrer Staat des Fest- landS. Diese ungeheuren Erfolge ivaren erreicht, ohne eine einzige Kolonie, fast ohne jedes Kriegsschiff, wesentlich nach freihändlcrischen Grundsätzen. Was also hätte näher gelegen, alS daß Deutschland chnlter an Schulter mit England die Wcltpolitik der großen Industrie verteidigt hätte! Statt dessen sehe» tvir das Deutsche Reich an der Seite Frankreichs und Rußlands, mit denen es dieselbe Kolonial und Schutzpolitik treibt,»lit denen es gegen den Frieden von Schimonosaki intervenierte, mit denen es die Aufteilung Chinas beginnt, in schroffem Gegensatz zu jener englischen Politik. der immer nur an der Oeffunng Chinas für den freien Handel aller Nationen gelegen war. Es ist betrübend, aber unvermeidlich, daß. wer die Wcltpolitik des krachenden Kapitalismus in ihrer klassischen, das will sagen in ihrer historisch sinnlosesten und für die menschheitliche Kultur- entivicklung gemeingefährlichsten Form kennen lernen will, im Lande der Eichen und Linden, beim Volk der Denker und Dichter einkehren muß. Prüfe» wir munnchr also die Weltpolitik deS Deutschen Reichs 1_ politische Mrbeeficht. Berlin, den 7. März. Reichstag. Dem Reichstag lag am Mittlvoch eine sehr reichhaltige Tagesordnung vor. Kein Wunder deshalb, daß er sie nicht gänzlich bewältigt hat. Die ersten Punkte freilich verursachten dem hohen Hause wenig Kopfzerbrechens. Ohne Debatte oder doch ohne Wesen- liche Debatte wurde die dritte Lesung des Gesetzentwurfs betr. die K o n s u l a r g e r i ch t s b a rk e i t, sowie die zweite Lesung des Entwurfs einer Reichs-Schuldenordnung vorgenommen. Dagegen gab die zweite Beratung der end- Expedition: SW. 10, Vcuch-Str.che 9. gültigen U e b e r s i ch t der Einnahmen und Zl u s- gaben der afrikanischen S ch u tz g e b i e t e unsrem Genossen Wurm Veranlassung, im Namen der Rechnungs- kommission. als deren Berichterstatter er fungierte, eine größere und genauere S p e c i a l i s i e r u n g des Etats zu verlange», als sie bisher beliebt worden ist. Die Abgeordneten Dasbach und selbst Professor Hasse, Vorsitzender der RechnungSkommission, schlössen sich dem Begehren an, namentlich der letztgenannte Abgeordnete fand überraschend scharfe Worte gegen die ständigen Etats- Überschreitungen, wie sie allmählich gang und gäbe cwordcn sind. Der Geheimrat V.König versuchte die olonialverwaltung, so gut es gehen wollte, reinzuwaschen und versprach Besserung für die Zukunft. Der weitaus größte Teil der heutigen Sitzung wurde von der Beratung zweier Petitionen ausgefüllt. Tie Kommission hatte beantragt, über eine Petition zur Tagesordnung überzugchen, die, von Studentinnen der Medizin ausgehend, die Z u l a s i u n g der genügend vorgebildeten Frauen zu allen Vorlesungen an den deutschen Universitäten fordert. Nach einer vorjährigen Vcr- sügung des Bundesrats sind weibliche Acrzte, Zahnärzte und Apotheker zu den Staatsprüfungen zuzulassen; daß sie Zutritt zu den Vorlesungen erhalten, hängt von dem Belieben des jeweiligen Professors ab.— Ein Antrag der freisinnigen Vereinigung(R i ck e r t- S ch r a d c r) vcr- langte im Gegensatz zur Kommissionsmehrheit, die Petition an den Reichskanzler mit dem Ersuchen zu überweisen, auf dem Weg einer Vereinbarung unter den Bundes- rcgierungcn die Zulassung der nnt dem Maturitätszeugnis versehenen Frauen zu allen Vorlesungen verfügen zu lvollen. Zu wiederholten Malen brach der Antragsteller, Schräder, eine Lanze für die Forderung, die, wie er mit Recht hervor- hob, dem Recht und der Billigkeit nicht minder als den Bc- dürfnissen der modernen Entwicklungen entspricht. Auf die eigentlichen tiefen Probleme, die der„Frauenfrage" zu Grunde liegen, einzugehen bezeigte der Wadenstrümpfler indessen keine Lust. Noch bequemer machte sich die Sache der nationalliberale Vizebürgermeister und Arzt Dr. E n d c m a n n: in vorteil- haftem Gegensätze zu den zahlreichen Berufsgenossen erkannte er die Notwendigkeit der Zulassung der Frauen zum medizinischen Studium an, aber von einer weitergehenden „Emanzipation" des weiblichen Geschlechts will er grundsätzlich nichts wissen. Als Partikularist und Reaktionär zugleich be- kämpfte Freiherr v. H e r t l i n g den Antrag Schräder; die „von Gott gesetzte" Naturgrenze zwischen Mann und Weib dürfe nicht verwischt werden, orakelte der Centrumsprofcssor nüt tiefsinniger Miene. Trotz alledem und alledem war ein gewisser Fortschritt in den Anschauungen selbst der Ultra- montanen über die Fraucnfrage nicht zu verkennen, wie Bebel konstatierte, der als der Einzige die Debatte auf ein höheres Niveau erhob. Aber es folgte ihm niemand; nur v. H e r t l i n g versuchte eiuc, noch dazu sehr schwache Er- widcruug. Ter Antrag Schräder wurde abgelehnt, obwohl die ganze Linke einschließlich der Nationalliberaleu für ilm stimmte. Nicht zur Erledigung gelangte die folgende Petition, welche die Wiedereinführung der P r ü g c l st r a f e für Roheitsverbrechen fordert. Während die Kommission die„einfache Tagesordnung" vorschlug, wollen die Prügel- begeisterten Konservativen die Petition dem Reichskanzler als Material für Aendernng der Gesetzgebung überweisen. Knuten-Oertel— er acccptierte mit Stolz diesen Bei- »amen— pries die Prügelstrafe als unfehlbares Heilmittel gegen Roheitsverbrechen; nur die„saloppe Humanität" unsrer f eit sträube sich gegen die Anwendung der„ungcbraimten Holzasche". Dr. M ü l l e r- Meiuingen von den Freisinnigen und Basser mann von den Naiionalliberalen führten den Prügelfreund gründlich ab; Abg. Gröber vom Centruüi verbengte sich zwar tief vor den Stockfreunden, erklärte sich schließlich aber doch gegen den konservativen Antrag. Wann die Debatte über diesen Gegenstand zu Ende ge- führt werden wird, ist sehr fraglich. Donnerstag steht znnächst die zweite Beratung. Zesung des F l e i s ch b e s ch a u- G e s e tz e s zur Der Fall RronS im Abgeordnctenhansc. DaS preußische Abqeordneteichans hat heute die Generaldebatte über de» K u l t u s e t a t fortgesetzt. Der größte Teil der Sitzung wurde ivicdcrmn programmniäßig durch Kulturpankereic» zwischen Centruin und Nationalliberaleu ausgefüllt. Daneben brachten die Polen ihre Beschwerden vor, die der Minister in äußerst scharfer Form als nnbegründct zurückwies. Wie dreist die Junker da, Ivo sie die Mehrheit haben, auftreten, wie sie am liebsten Vertretern andrer Parteien das Wort abschneiden, zeigt da? Auftreten des Abgeordneten von Heydcbrand(k.), der, als Abg. K o p s ch(frs. Vp.) sciiicr Meinmig über die Volksschule Ausdruck verlieh, unter dein lebhaften Beifall feiner Freunde den freisinnigen Redner wie einen Schul- kuabc» rüffelte n»d es als nervöses Streben bezeichnete, rasch alles mögliche vorzubringen, che ihn ein andrer daran hindern könne. Die Koitscrvativen wollen anscheinend die Rednertribüne des Parka- ments nur für ihre eignen Parteigenossen reservieren. Einige heitere Minuten bereitete dem Hanse der Abg. Dr. Hahn, der sich mit wichtiger Miene als Vorsitzender des Bundes der Land- wirte oorstcllte und als solcher alle» Ernstes die Besetz u n g der n a t i 0» a l ö k 0 n o ini s ch e n Lehrstühle der Universitäten durch waschechte Agrarier verlangte. Da Herr Hahn von niemand mehr ernst genommen wird, so hat seine Rede mir noch psychologisches Interesse, insofern als sie zeigt, bis zn welchein Gipfel der Unverfrorenheit es dieser Herr im Laufe der Jahre ge bracht hat. Am bedeutsamsten war der Schluß der Sitzung. Abg. M n n k e l frs. Vp.) brachte als letzter Redner aus dem Hanse den Fall Arotts zur Sprache. Mit dem ihm eignen Sarkasmns und in fein pointierter Rede führte er die Gefahr vor Augen, die der Freiheit der Wissen schaft aus der Maßregelung unsres Genossen Arons drohe, und schloß treffend mit der Bemerkung, er verstehe es. wenn Deutschland sich jetzt seinen Platz an der Sonne suche; daß aber Preußen gleichzeitig seinen Platz an der Finsternis behalten wolle, das verstehe er nicht. Die Antwort des Ministers S t u d t war so, wie wir sie von einem Mann erwarten dürfen, der daS Urteil gegen Arons.selbst mit untcrzeichnct hat. Wie sein Amtsvorgänger Vofie, so bestritt chuch er, daß durch den Fall Arons die Freiheit der Wissenschaft ge fährdet sei; im übrigen lehnte er es ab, auf die Gründe des Er kenntnisscs einzugehen. Der lebhafte Beifall, den die Jinsterlinge auf der Rechten und vom Centrum seinen Worten spendeten, bc- weist, daß der neue Kultusminister ein würdiger Nachfolger des Herrn Bosse, ein Mann nach dem Herzen der Reaktionäre ist. Die Beratung wird Donnerstag fortgesetzt.— Tie konservativen F-lottenfeinde. / Die parteiamtliche„Konservative Korrespondenz" nimnit jetzt ihrerseits die von der„Kreuz-Zeitung" ausgegebene Wahlparole auf: Für die Flotte ans itosten der Börse. Sic hält zwar„grundsätzlich" daran fest,„daß man in großen vaterländischen Fragen den finanziellen Gesichtspunkt nicht in den Vordergrund stellen dürfe"— solche Beteuerungen ge hören nun einmal zum konservativen Komödiantentrnn— dann aber schiebt sie den finanziellen Gesichtspunkt doch in den Vordergrund. Die„Kons. Korresp." erklärt die famosen Deckungs vorschlage„für sehr beachtenswert" und ist davon überzeugt „daß der eine oder der andre von ihnen bei nur einiger maßen gutcnr Willen vom Reichstage wie von der Regierung gebilligt werden kann". Die„Kruppschen„Berliner Neuesten Nach richten" sind ganz entsetzt über diese Gefährdung des Flottenplans und des Profits ihrer Geldgeber durch die Konservativen. Dagegen weint der fromme konservative „Reichsbote" blutige Thränen darüber, daß die Centrums Freisinns- und socialdemokratische Presse" fortfahre, immer wieder die Deckungsfrage auszuspielen: „Dieses sociale Bewußtsein soll man schärfen und sich dessen bei allen Einrichtungen des Staats und seiner Lastenverteilung bc wüßt bleiben. Aber gerade deshalb ist es falsch, bei so großen allgemeinen, den Schutz des Vaterlands und seiner Interessen wahrenden Anstalten wie der Flotte von Sonderstcuern für ein- zclne Interessengruppen zn reden. Die Flotte gehört der Nation und sie muß sie bauen und— sie kann es. Man lasse doch endlich diese Tcckungstüfteleien, nnt denen man doch nur ein Spiel treibt. um andre Zwecke zn erreichen. Daß wir eine starke Flotte nötig haben, wagen auch diese Kreise nicht zu leugnen." Der„Reichsbote" scheint es nicht für eine notwendige Tugend der Frommen zu halten, die Wahrheit zu sagen; sonst hätte er nicht vergessen, an erster Stelle die Konser- v a t i v e n als diejenigen zu nennen, welche die Deckungs frage ausspielen. Uebrigens ging auch in der Kanalangelegen heit der„Reichsbote" mit der Regierung, das hinderte aber nicht die agrarische Opposition. Ter„Reichsbote" ist ein Organ der Pastorendemut, aber nicht des Junkertrotzes. Jedenfalls denkt man jetzt über die Aussichten der Flotten Vorlage sehr pessimistisch. Die angebliche Begeistenrng hat sich in der That nicht einpökeln lassen, und die'Parteien grübeln jetzt über zugkräftige Wahlparolen.— Der Vorstoß gegen dnö Ministerium. Paris, 0. iKärz. Allgemach scheinen die Elemente eines neuen Skandals heran- gereift zu sein. ES ist ja auch hohe Zeit dafür, soll sozusagen das Enttvicklungsgesctz der Bonrgcoisrepublik, die Aufeinanderfolge von Skandalen und Krisen, seine bisherige Gültigkeit bewahren'. Die Dreyfus-Affaire ist halb und halb' erledigt, die öffentliche Auf merksamkcit hat sich von der Uebermüduug durch die spannenden Wcchselsälle der zweijährigen Krise erholt— und sie kann sich nun mit frischen Kräften einem neuen Skandal zuwenden... Die P h i l i p p- A f f a i r e hebt nicht übel an. Gleich bei ihrer parlamentarischen Taufe hätte sie um ein Haar daS neulich durch so viel Vertrauensvoten gefestigte Ministerium aus dem Sattel gehoben. Es steht geschrieben, daß die Regierenden ohne Unterschied der Partei den Gipfel der Regierungskunst in der Wiederholung der schlimmsten Fehler der Vorgänger erblicken müssen. Auch das gegenwärtige Ministerium, dein doch die Lehren der DreyfuS Affaire ein flammendes Warnunaszeichen hätte» sein sollen, scheint das Vertuschen als feine erste Pflicht erachtet zu haben. Nach der gestrigen Kammersitzung wird es hoffentlich sich entsonnen haben, daß daS Vertuschen in Frankreich geradezu eine Uninöglichkeit ist. Bisher glaubte man. in der Philipp- Affaire handle es sich um einen Einzelfall, um einen geschäftemacherischen Civilbcamten des Marineministeriums, der nach deui Krack einer oder mehrerer faulen Gründungen auch'aus dem Verkauf mehr oder minder ge- heimer Informationen a» die englische Regierung Geld niachen wollte. Und da die betreffenden Informationen, die nach Transvaal gcfrachtctcn Schiffe, nur sehr indirekt, wenn überhaupt, die fran- zösische Landesverteidigung berührten, so verhallte die chauvinistische Preßhetze ziemlich wirkungslos. Jetzt aber gewinnt die Philipp-Affaire eine ganz andre Gestalt. dank den Enthüllungen Eamille Pclletans in der Kummer. Philipp erweist sich mm als einer unter vielen, als Mitglied einer korrupten Bande, die aus Eivilbeamten d e S Marine Ministeriums zusammengesetzt i st. Pclletan nannte sie malerisch eine„Korsarcn-Bandc"(„Seeräuber"), die auf eigne Faust das„Strandrecht" ausbeutet. Ihre Waffe ist die „K'ooperativbank der civilen Staatsbeamten und-Angestellten", ihr Operationsgebiet sind Börsenmogcleien und faule Gründungen, deren neueste sich also benannte:„Französische Gesellschaft' fnr antiseptische und mikrobentötende(!) Gewebe". Hand in Hand mit den faulen Gründungen ging die Beraubimg von naiven Erfinderin So geriet in die Netze der Bande der Erfinder einer Pumpe, und .als dieser gegen den Raub Einspruch erhob, wurde er gerichtlich verllagt— freilich ohne Erfolg. Unter den Konsorten Philipps be- finden sich hohe Marinebeamte, u. a. Sauvage, Untcrchef des Kabinetts des Marinemini st ers!... Natürlich bc- sitzen die„Korsaren" einen mächtigen Einfluß in Beförderungsfragen. Sie wurden befördert unter Mißachtung aller Satzungen. So' gelangten Philipp und Sauvage mit einein Sprung unter Ueber- hnpf'nng von drei Zwischenstufen der Hierarchie zum Rang von Bureau-Untcrchefs. Selbstverständlich ist ferner, daß sie ihre hohen Stellungen zur erfolgreichen Durchführung und Vertuschung der Mogeleien mißbrauchten... Zum allgemeinen Erstaunen erklärte Marine- Minister de L anessan— beiläufig ein radikaler Parteigänger— von allen diesen schreienden Thatsachen nichts gewußt zu haben! Man darf füglich diese Unwissenheit bezweifeln, nachdem der Minister den Philipp hat nach Amerika entfliehen lassen. Ebenso verdäcktig ist der Umstand, daß der Minister, übrigens im Ein- Verständnis mit Waldeck-Roussean, nach den ersten Enthüllungen der Presse über Philipp eine» Rat der Direktoren der Marine- Verwaltung zusammcnbericf. anstatt die Affaire der StaatSanwalkschast zu übergeben.... Nachdem die Affaire dem Ministerium beinahe den Todesstoß gegeben hätte, wird sich der Marineminister mit den Untersuchungen ivohl sputen. Deutsches �teich. Warum Hcrtzog nicht? Es muß auffallen, daß nicht nur der Entwurf des Finanz Ministers, sondern auch konservative Abgeordnete in der KommissionS Beratung der W a r e n h a n S- S t e u e r um die Besteuerung der großen V e rsa n d geschäfte Herinngcheu wie Katzen um einen allzu heißen Brei. Die ganze Beratung der Kommission drehte sich am ersten Tage um diese Frage; kein Mensch, weder Abgeordnete noch Minister, konnte irgend einen Gnuid beibringen, warum die Vcrsandgeschäfte weniger verderblich für den Mittelstand im Handel wirken als die Warengeschäfte. Thatsächlick ist Rudolph Hertzog für die Manufakturgeschäfte in der Provinz eine so gefährliche Konkurrenz, daß sogar die Behauptung Glauben finden konnte, derartige Provinzgcschäfte verständen sich dazu. Knuden von Rudolph Hertzog zu werden, um dieses Vcrsandgeschäft zu hindern. den betreffenden Bezirk besonders zu beackern. Trotzdem warnt Minister v. Miguel davor, die Bersandgeschäfte in die Steuer hineinzuziehen, nian würde sonst das Gesetz gefährden. Rudolph Hertzog ist also ein Blümchen Rührmichnichtan. Der konservative Abgeordnete v. Brockhausen war sogar fähig, seinem eignen Antrage von 1896 ins Gesicht zu schlagen; damals wollte v. Brockhausen gerade die Vcrsandgeschäfte treffen, jetzt hält er es für wichtig, sie zn schonen. Dies Verhalten i st so auf fällig, daß nian nach G r ü übe» andrer, nicht in der Sache liegender Art suchen muß, um sie zu erklären. Die Firma Rudolph Hertzog hat ihre Kunden zum Teil im hohen Adel. Sie ist außerdem sehr„patriotisch" und übertrifft bei jeder Illumination alle Hoflieferanten. Die Konservativen, deren Presse durch Hertzogs Inserate stark gefördert wird, sind also solvohl als Kunden wie aus dankbarer Erinnerung an die Verdienste der Firma Hertzog um die konservative Sache, geneigt, dies Versand geschäft zärtlich zu schonen, obivohl es die kleinen Provinzgeschäftc mehr schädigt, als alle Warenhäuser des Wertheimstils zusammen- genommen. Bei dieser Gelegenheit sei aber auch an die sehr merkwürdige, und in ihren Einzelheiten bisher nicht weiteren Kreisen bekannt ge- wordene Thätigkeit erinnert, die der alte Rudolph Hertzog in der Berliner Bewegung entfaltet hat. Man weiß, daß der verstorbene Rudolph Hertzog zu An- fang der achtziger Jahre als Spender großer Geld summen für die a n t i s e>n i t i s ch» konservative c w e g n n g in Berlin auftrat. Er gab einigemale achtzig- bis hunderttausend Mark, mit der Bedingung, daß diese Summe sofort und vollständig für große antisemitisch-konservativc Volksfeste verbraucht werde» sollten. Ganz Berlin ivurde zn Freibier und Musik eingeladen und eS gelang wirklich an einem Tage hnnderttansend Mark zn verpulvenr. Stöcker hat öffentlich gegen diese Art von Mache gesprochen und behauptet, da- durch sei ihm seine Berliner Bewegung ruiniert. Aber es half ihm nichts. Hertzog mit seinen 100 000 M. war Trumpf. Aber es>var nicht der Geschäftsmann Rudolph Hertzog, der hinter jener Bedingung stand, wie eres auch nicht war, der das Geld hergab. Das Geld oder wenigstens der größte Teil davon ist aus geheimen Fonds gefloffc»; die Munificciiz des Großkaufmanns brauchte man als einen glaubhaften Vorwand, um die Herkunft des Geldes zu verschlcicru. So kam es, daß in Rudolph Hertzogs Händen die Fäden der g e- Heimen Geschichten der nicht sehr reinlichen „Berliner Bewegung" z u s a»nn c» l i e f e n. Ob der alte Hertzog wohl diese Geheimnisse ins Grab ge- nommcn hat? Sonst könnte» sie für seinen Erben unstreitig von politischem Wert sein.—_ Ter Flcischkricg. Am Donnerstag beginnen im Reichstag die Verhandlungen Über das F l e i s ch s ch a n g e s e tz. Die Haltung der Regierung ist noch ungewiß. Ein Washingtoner Telegramm berichtet: Das Kabinett erwog die Rätlichkeit, irgend eine B e g e l t u n g s m a ß r e g e l gegen Deutschlands unfreundliche Fleischnntcrsnchnngs-Vorlage im Kongreß einzubringen. Allgemein wird die Meinung gehegt, es sollte nichts in dieser Richtung geschehe», bis das Schicksal der deutschen Vorlage bekannt geworden ist. Aber lvenn sie angenonimen werden sollte, würden K a m p fm a ß r e g e ln angewendet werden, entweder durch Kongreßakte oder durch Zollbestimmungen hinsichtlich der Untersuchung deutscher Einfuhrartikel. Fügt sich also die Regiernng der agrarischen Unersättlichkeit, so haben ivir den wirtschaftlichen Krieg mit Amerika, der auf dem Rücken des arbeitenden Volks ausgefochten wird.— Offiziere und Flottcnvcrciu. Die„Frankfurter Ztg." meldet ans Straßbnrg: Nack dem Beispiele des Kommandeurs des 15. Armec- corps hat nun auch Graf Häseler, Kommandeur des 16. Armeecorps, den Offizieren und Militärbeamten seines Corps den Beitritt zu den F l o t t e n v e r e i n e n untersagt mit der Begründung, die Flottenvereine seien politische Vereine, mit denen Militärs nichts zu schaffen hätten.— pflichtgemäß sofort> vor wenigen Tagen wurde eine nach Bischwcilcr einberufene� Volks« Versammlung, in welcher ein socialistischer Redner über die Stellung der Parteien zur Flottenvorlage referieren sollte, vom Bezirks- Präsidenten des Untereljaß ohne Angabe von Gründen verboten. Und doch liegt das Städtchen Bischwciler im Wahlkreise des„Reichs- j kindcs" Prinzen Alexander. Ivo die Leute nack des Abgeordneten s eigenem Ausspruch so besonders ordnungstreu und friedliebend sind. — Wir leben eben unter einer Regierung, wie ivir sie„milder seit 300 Jahre» nicht gehabt haben".— tax Heinze. Wie die Münchencr„Neueste Nachrichten" hören. hat sich der Lehrkörper der Akademie der bildenden Künste an das bayrische Ministerium mit der Bitte gewandt, die Vertretung Bayerns i in Bundesrat möge gegen die Annahme der k u n st f e i n d l i ch c n Paragraphen der„lex Heinze" wirken.— Der Arbeitgeber-Paragraph. Unser gestriger Artikel über die ländlickc Sittlichkeit in Hinsicht auf den Arbeitgeber-Paragraphen ist begreiflicherweise der bündkerischen„Deutschen Tageszeitung" sehr peinlich. Sie nennt das nüchterne und gewissenhafte Werk der Pastoren, auf das wir uns beriefen, eine Teiideiizkhrist. zu dem Polizeibchördcn«ud Flottcuagitation. Ans Elsaß- Lothringen schreibt man uns: Tie Verschiedenheit in der Hand- habung nnsrer Vereins- und preßrechtlichcn Gesctzesbesiiimnungen, je nachdem es sich dabei um eine Stellungnahme für oder wider die Wünsche von oben handelt, tritt bei dem gegenwärtigen Flottenrummel mit ganz besonderer Deutlichkeit in die Erscheinung. Zur eit werden bei uns in Stadt und Land massenhaft Broschüren ver- teilt mit dem Titel„Arbeiter und Flotte", in welchen dein bockbeinigen ivcrkthätigcn Volk in Stadt und Land unter Zuhilfc- »ahme von Zeichnungen und Bildern die Marinepläne der Reicks- regiernng mnndgerechter gemacht werden sollen. Die Broschüre wird namentlich von Beamten vertrieben und selbst in den entlegensten Dörfern unentgeltlich abgegeben. Man scheint damit einem Wunsch des Prorektors nnsrer reichsländischen Flottenvercine, des Statthalters Fürsten Hohenlohe, entsprechen zu wollen, der bei Ucbernahme seines Protektorats es als besonders wünschenswert bezeichnete, daß der Marine-Enthufiasmns bis ins letzte Vogescndorf seine Wellen schlage.— Dieser Propagmida mittels Broschüren steht diejenige in Vereinen und Versa m m I n n g c n nicht nach. Allerorts sind die Streber unter der Beamtenschaft an der Arbeit, durch VereinSgründungen uud Vortrüge den Anschein zu erwecken, als ob das ganze Land einmütig wäre in der Ueberzeugung von der Notwendigkeit der geplante» Niescnflottc. Dagegen sind die Gegner der uferlosen Flotteilvermehrnng. obwohl sie im Lande die überwiegende Mcbrheft bilden, durch die Gewaltmaßregeln der Polizeibehörden an Händen und Füßen ge- bunden. Dajj unsre Regierung auch jetzt noch nickt gewillt ist, der politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft die freie SluS- Übung der ihr gesetzlich gewährleisteten Rechte zu garantieren, das beweist die Eiuleitiing des Strafverfahrens gegen eine Anzahl aberner Arbeiter wegen Kolportagevcrgehens, obwohl gerade in diesem Fall den gesetzlichen Vorschriften strengstens entsprochen worden war. Auch durch das Verbieten jeder Versammlung, in welcher die Flottengegner zum Wort kommen sollen, sucht man bc- hördiichcrseirs in den politischen Kampf einseitig einzugreifen. Erst Zwecke zusammengestellt und zurechtgemacht, die sittlichen Ver- Hältnisse auf dem Lande möglichst schwarz zn malen. Das Tendenz- werk dürfe deshalb zur sachlichen Beurteilung der Frage nicht heran- gezogen werden. Diese schwere Beschuldigung der Pastoren mag das konservative Blnit mit sich selbst ausmachen. Eine dreiste Unwahrheit aber ist es, wenn dem Werke die Neigung nachgesagt wird, zu nngiinstig zu urteilen. Wenn man von einer tendenziösen Bceinfluffuug reden kann, so mir in der entgegengesetzten Richtung, daß nämlich manche Berichterstatter ans Unkenntnis. Furchtsamkeit, Naivetät oder~ Heuchelei sich gescheut haben, die Dinge in ihrer ganzen Nacktheit zu schildern. Die Herausgeber hätten die einfachsten Pflichten litterarischcr Gewificuhaftigkeit verletzt, wenn sie nicht auf diese offenbare Rosafärberei, wie sie des öfteren geschehen, hingewiesen hätten. Das Sammelwerk über die gcscklcchtlich-siirlichen Verhältnifse der evangelischen Landbewohner ist das zuverlässigste und reichste Qnellenwerk über diese Verhältinsse. das wir besitzen. Freilica zerstört es die agrarischen Legenden über die ländliche Sittenreinheit.' Und darum sucht die„Deutsche Tageszeitung"— und zwar Wider besseres Wissen— die Glaubwürdigkeit des BnchS zu erschüttern.—_ Ein Professor der Wandlungen. Man erlebt wunderliche Wandlungen bei nnsren Staatsgelehrten! Aber den Rekord des Meergreises Proteus, der sich durck< Verwandlungen dagegen wehrte, die Wahrheit sagen zu müssen, hat' der Statistiker Geheimrat L e x i s geschlagen, wie aus einem Aufsatz des Oberlehrers Dr. Schröder in der„Deutsch. Ztg." hervorgeht. Die Oberlehrer führen seit Jahren einen Kampf gegen den Vorzug der Juristen im Klasfenstaat und sie behaupten so überbürdet zu sein, daß ihre LebenSdaiicr im Durchschnitt um Jahre hinter der normalen, noch ivcit mehr aber hinter derjenigen andrer Beamtcnklassen von! akademischer Bildung zurückbleibe, daß nach der Statistik nur etwa. 3 Prozent der Oberlehrer tauge genug im Amte aushalten, um die! höchste Gehaltsstufe zu erreichen. Gegen diese Statistik hat die Ver-i waltuug nun Hilfe bei dem Geheimrat Lexis gesucht; aber Herr LexiK kam in eine böse Zwickmühle zwischen dem Kultus und der Finanz. Herr v. Miguel hatte für die Schulmeister keinGeld, uud Geld regiert, wie alle Welt, so auch— die Statistik, wie man auS folgender Chronik entnehmen möge: Nachdem mehrere Oberlehrer öffentlich und amtlich die Ueber- bürdnng ihres Standes dargelegt hatten, entschloß sich daS Unter» r i ch t s Ministerium. die Herabsetzung der Pflichtstundenzahl„in Erwägung zu ziehen". In diesem Stadium der Sache fand Herr' Lexis, daß, wenn auch noch nicht ganz, so doch bis zu" einem gclvisscn Grade" die höhere Sterblichkeits- ziffer„durch die amtlick ermittelten Thatsachen bestätigt" werde. Das war Mai 1898. Einige Monate später— im Juli— war man im Unterrichtsministerium überzeugt und klar dar- über, daß die Pflichtstnnden herabgesetzt werden müßten. Ein Wortführer der Oberlehrer, Dr. Schröder, erhielt den Auftrag, eine Denkschrift zur Begründung per Maßregel auszuarbeiten und sie an Gcheimrath Lexis zu schicken. Herr Lexis erklärte mündlich nnd schrift- lich daS Material der Denkschrift für„im allgemeinen zutreffend" und vollkommen ausreichend. Das war im September 1898. Die Unicrrichtsverwaltung ging darauf in der Sache vor, scheiterte aber an dem verderblichen' Riff, wo hentzntagc so viel Eifer der Ressorts strandet, im Kastanienwäldchen. Nun lag für Herrn Lexis d i e S a ch e a u f e i n in a l a u d e r S; im Februar 1899 bekämpfte er in einem Aufsatz in den„Bcrl. Pol. Nachr." die Herabsetzung der Pflichtsiunden. Aber die Oberlehrer agitierten weiter und brachten neues Material bei. Die Unterrichtsvcrwaltuiig „erwog" nun wieder— im Sommer 1899; im September 1899 schrieb Herr Lexis in die Conradschen Jahrbücher, die Sterblichkeits- ziffer der Oberlehrer sei n n g n n st i g e r als die der richterlichen Beamten. Die Unterrichtsverwaitnng t ch eiterte zum zweitenmalc am Finanzministerium. Darauf— Januar 1900— schrieb Herr Lexis in die Conradschen Jahrbücher, es sei n u r bewiesen. daß die Richter länger im D i e n st bleiben, was 'ich einfach" daraus erkläre, daß sie nicht gegen ihren Willen pensioniert werden können. Daß höhere Bau-. Forst« und VerwaltiingSbcamtc noch länger im Dienst bleiben. glaubte Herr Lexis„einfach" ignorieren zu können. Und auf Gnmd der jüngsten statistischen Phase des Herrn LexiS er- chcint nun eine Denkschrift der Unterrichts verwaltniig an den Landtag, in der sich diese Verwaltung dazu hergicbt, den Plan als ganz unnötig hinzustellen, den sie selbst zweimal als nötig er- kanut har. Kein Wunder, daß Miguel, der Wandlungsrciche, auch wandlungs- ühige Professoren um sich haben will, Gelehrte von der Art. die alles beweisen.—_ München, 6. März. Tie Gegner des Bergarbeitcrschuties und des gesetzlichen Normalarsteitstags machen in o b i l. Die Bc- triebsleitungen von fünf Kohleinverken in der Rheinpfalz haben an die K a m m er der R e i ch s r äst e eine Petition gerichtet, in ivelchcr gleichen haben die„Arbeiter" der Grube Stcinbach in der Rheinpfalz sich in ciiicr Petition mi daS Oberhaus gegen die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit im Bergbetriebe ausgesprochen. In der Abgeordnetenkammer beschäftigten wieder Initiativ» antrüge socialpolitischenJn Halts mehrere Tage das HanS. Abg. Beckh(k.) beantragte, von der obligatorischen Flrischbcscha» die H a u s s ch l a ch t n ii g e n anszunchinen und die vom Ausland eingeführten Fleischwarcn derselben Kontrolle zn unterstellen, wie die inländischen Fleischprodukte. Dabei beklagte sich der meuschenftennd- liche Agrarier, daß in den Städten die Fleischbeschau so strenge durch- geführt wird und mit Perlsucht und andren Mängeln bchafteleS Vieh iiicht als vollwertig verkauft wird. Von nnsrer Seite poleinisiertc Genosse Birk gegen den elften Teil des Antrags und sprach scinc Sympathie 'iir die Kontrolle ausländischer Fleischwarcn aus, soweit der Antrag nicht ein Verbot des FleischimportS zur Folge haben mußte. Liberale und Cenirnm stimmten bedingungslos für die agrarische Forderung; der Antrag Beckh wurde mit allen gegen die ocialdeiuolrntischcn Stimmen zum Beschluß erhoben. Zum Antrag Dr. Jäger(Ccntnim): Errichtung einer staatlichen Mobiliar- vcrstchcrllug, über den wir bereits t'elcgraphisch berichteten, hat die socialdcmotrniische Fraktion ein Amendement gestellt: nach Ernchtmig einer Staatsanstalt die Privatversickcrnng überhaupt auszuschließen. Bei früherer Gelegenheit hat auch die CentrimiSpartei das Monopol der Mobiliar-Brandvcrsichcrnng für den Staat gefordert, nunmehr aber davon Abstand genommen, angeblich>rcil dafür die Znstnnnning der Kammer der Reichsräte nicht zu erlangen ici. Voll m a r. der den socialdcmokratischcn Anliag begründete» bclcnchtctc die Schwach- lichkeit der Ccntrmnspartei sehr zutreffend, was zn einer lebhaften Dnscmandcrsetzuiicl mit der Ncchtcn führte. Minister v. F e i I i tz s ch lehnte den socialdemokrcilischcu Antrag grundsätzlich ab und sagte Prüfung des Antrags Jäger zu. Für den socialdcmokrntischcil Zusatzantrag stinnnten die»leisten Liberalen und einzelne Bauern- bündler; in namentlicher Abstmnnung tvurde der Antrag Dt. Jägers niit 81 gegen 45 Stimmen angenommen. Daun trat das HauS tvicder in die Beratung des L o k a l b a h n- G e s e tz c u t w u r f s ein. Nach den Beschlüssen des Ausschusses solle» 34 ncne Lokalbahnen gebaut werden, wofür ein Staatsaufwand ron 46 818 100 M. erforderlich ist. Die Debatte über diesen Gesetzentwurf bietet für weitere Kreise kein Interesse.— Tie Diktatur-Regierung dementiert. Alis Strasburg i. E. wird uns vom 6. d. Mts. geschrieben: Die Reichstagsrede des Abg. W c t t e r l s in der Sitzung vom L3. Februar scheint unsrer Diftntur-Regicrung schwer im Magen zu liegen. Nachdem vor einigen Tagen schon die„Strajjbnrgcr Post" in einigen offiziösen Auslassungen das Feuer auf den uiibequcincn Gegner im elsässisch-klerikaleu Lager eröffnet hatte, fährt heute die ministerielle„S t r a ff b u r g e r K o r r e s p o n d c n z" das schwere Geschütz des amtliche» Dementis gegen ihn auf. Die Aenffernng Wctterles in der erwähnten Rcichstagssitznng, bei der letzten lllcichstagstvahl in Colmar sei e i n B r i e f des He r r n Statthalters eingetroffen, durch den das altdeutsche Wahl- Komitee in Colmar zu der Erklärung ermächtigt worden sei. das; der Diktatnrparagraph innerhalb dreier Monate verschwinden würde, falls der Abgeordnete Prciff nicht mehr gewählt werde» würde, wird als eine durchaus u»wahre Angabe er- llärt. Einer bereits vor einigen Tagen veröffentlichten' Erklärung Dr. Rnlands, des Vorsitzenden obigen altdenrschcn Wahlkomitees, die sich inhaltlich nlit dem amtlichen Dcnienti deckt, war das Preff- organ des Abg. Wettcrlö, der„Elsässische Kn. ier", mit dem Einwand begegnet, es komme bei Prüfung der Richtigkeit seiner Behauptung nicht darauf an, ob der S t n t t h a l t e r persönlich geschrieben' habe. Die einzig entscheidende Frage ist vielmehr die: Ist der Colmarer Wahl- ausschnff von zuständiger Seite ermächtigt worden, das vom Abgeordneten Wctterle erwähnte Versprechen abzugeben? Werde darauf mit.Ja" geantwortet, so war die Bemerkung Wetterlös richtig; erfolge aber die Antwort„Nein", dann iverde dem Blatt Gelegen- hcit geboten, näher auf die Angelegenheit zurückzukommen. Merk- wiirdigcrwcise bleibt uns die amtliche Korrespondenz, obwohl ihr durch die rcgierungsoffiziöse„Straffb. Post" obige Fragestellung Wetteries vermittelt worden war, die Antivort darauf in ihrem Dementi vollständig schuldig. Hoffentlich nimmt der dementierte Abgeordnete von Rappolswciler trotzdem Veranlassung, nunmehr .näher auf die Angelegenheit zurückzukommen." Ausland. Qestrcich- Ungar». Im östrcichifcheu Landtag kam am Mittwoch der Antrag auf Versetzung des verflossenen Ministeriums Wittel in Zlnklagc. zustaud zur Beratung. Das HauS lehnte jedoch nach längerer Debatte den Antrag mit 04 gegen 60 Stimmen ab. Die Czcchcn cuthielten sich der Abstimmung, die Christlich- Socialen stimmten gegen den Antrag.— Im Budgetausschuß verhinderten die Jung- czechen den Uebergang zur Tagesordnung durch Obstruktion.— Ostreichische Jndnstricpolitik. In bemerkenSiverter Weife wird jetzt in Ocstrcich an der Hebung der h e r m i s ch e n I n d u st r i e gearbeitet. Der am Mittwoch im Reichsrate eingebrachte Gesetzentwurf betreffend die Förderung der Industrie enthält eine Reihe von Bestimmungen zum Zwecke der Ansgcstaltuilg und Spccinlisiermig der Industrie in Oestreich. Danach soll Betriebszweigen, die in Oestreich noch nicht oder nur in geringem Ilmfang vorhanden sind, zwölfjährige Steuerfreiheit und Erlaß der Stenipel und Gebühren' für die Verträge bei der Errichtung von Gesellschaften sowie für die zwei' ersten Ausgaben von Aktien bewilligt und ausnahmsweise auch st a a t- Iichcr Z n s chu ff gewährt werden. Diese Begünstigungen sollen nur l e b e n s f ä b i g c n Industrien zugewendet und bei der Verleihung von Staatszuschiisse» geschäftskundige Männer heran- ge'gen werden. Ter Entwurf erklärt es für richtiger, beginnende Industrien in dieser Weise zu fördern, als durch Schutzzölle, welche die bestehenden Industrien belasten würden. Eine weitere Bestimmung sichert bei gleichen Angeboten der heimischen In- dnstrie den Vorrang vor der ausländischen bei Lieferungen für die Staats-, Landes- und Gemeindebehörden. Selbst gerichtet hat sich ein der gransamsten Soldaten- wisthandlnug beschuldigter östrcicküschcr Hauptmann. Bei dem Calzburger Infanterieregiment.Erzherzog Rainer" verurteilte im vorigen Sommer der Hauptmann Ondraczek einen Mann zur Strafe des A n b i n d c n s, wobei die auf dem Rücken zusammengebundenen Hände so lange in die Höhe gezogen wurden, bis der Soldat mir noch auf den Fußspitzen steht. Der angebundene Mann wurde o h n ni ä ch t i g und nnißte losgebimden und in das Spital gebracht werden. Der Fall wurde in Calzburger Blättern scharf kritisiert. Der Abgeordnete Tnfel interpellierte deshalb in der Delegation, worauf der Kricgsministcr eine strenge Untersuchung zusagte. Statt dessen erhob der Staatsanwalt Klage gegen das„Salzburger Tagblatt" wegen Ehrenbeleidiguiig des Hanptmanns Ondraczek in dienstlicher Stellung als'Offizier. Am Mittwoch sollte vor dem Salzburger Schivurnericht die öffentliche Verhandlung gegen den Redacteur Freifinger stattsiudeii. Morgens wurde jedoch der Hauptmann Ondraezck in seiner Wohnung mit einer Schusiwuiidc im Kopf und erhängt aufgefunden. Es wurde S e l b st ni o r d konstatiert.— Frankreich. Ter Zwischenfall in der f rä n z ö s i s ch e n Deputierten- k a m m e r, der dem Miiiifterimii beinahe hätte gefährlich werden können, war das Resultat einer ständigen gegen das Ministerium gerichteten Wühlarbeit. Diese geht übrigens iii iinvermindcrtcr Kraft weiter. Der verflosfene Kriegs, iiinistcr K r a n tz übernahm soeben mit einer langen Rede den ihm übertragenen Vorsitz der Meli nisten- Gruppe. Er richtete zärtliche Lockungen an die Radikalen zu einer Vereinigung mit den Melinisten, um das Ministerium z u st ü r z e n, die S o c i a l i st e n aus der Regier n n g zu verdränge»»nd die llkepnblik gegen ihre „Feinde" zu verteidige», die er in den Socialisicn ebenso erblickt ivie in den Cäsaristen. Die in verstärktem Maß wieder anfgenoinmene Minierarbeit nag die Ursache sein zu dem im solgcndeii Telcgraimn gemachten Vorgehen der«s o c i a l i st c n: Paris, 7. März. Die Gruppe der radikalen Socialisten hat eine Deputatton an W a l d c ck- R o u s s c a u gesandt, um diesem der Unterstützung ihrer Partei zu versichern. Das Esterhazy-Kricgsgcricht versammelt� sich unter General L u x c r s Vorsitz»nd beschloß, die V e r l e n in d u n g S k l a g e «egen Zola iiichl zurückzuziehen und sie. falls die Aiimestie bewilligt wirb, ans dein bürgerlichen Rechtsiveg als Schadciisersatzklaac weiter- zuführen. Italien. Rom, 7. März. Tcpnticrtrnkainincr. Nach einem kurzen bc- denliiiiglosen Zwischenfall, der ivcgcii der Erteilung von Urlaub au einige Deputierte hervorgerufen wurde, geht man zur Bc- handliliig der»»f der Tagesordnung ficheiidcn Anfragen tiber. Hierauf wird die Beratlnig des ersten Artikels des„äevreto legge" wieder anfgeuoinmen. Die Erörterung des ersten Artikels ivird ohne Zwischenfall bcgomien. Es sprachen Simeoni, Sonni„o, soivic der Soeialist Ferri, welcher eine zweiständige Rede hält. Es sollte sodann noch der Soeialist Bissolati zn Wort komnini. welcher jedoch verlangt, baß die Beratung auf morgen vertagt werde. Ter Präsident widerspricht; es kommt auf Antrag der äußersten Linken zur»mncntlicheu Ab- stilmmmg über die Fordcrmig Bissolntis. Dieselbe ergicbt Beschluß- Unfähigkeit des Hanfes. Die' Sitzung wird hierauf aüfgehoben. England. London, 7. März, Das Unterhaus nahm heute die erste Lesung der Kricgsanlcihc-Bill und der Stencr-Bill an. Healy kündigte an. daß er zur Auleihe-Bill in zweiter Lesung den Unter- antrag stellen werde, die Bill dahin anszugestalten, daß die Kolonien mit Selbstverwaltung gleichfalls die Last der Anleihe zu tragen haben werden. Bulgarien. Saure Trauben. Dem Fürsten von Bulgarien wird nach- gesagt, daß er nach der KönigSkrone strebe. Aber man hält es vorläufig doch noch für besser, mir den Absichten zurückzuhalten. Eine Mitteilung aus Sofia tritt bestinimt den Gerüchten von einer U n a b h ä n g i g k c i t s- E r k l ä r u n g Bnl- garicns entgegen. Gewiß wünschen alle Bulgaren. daß das Ideal ihrer Unabhängigkeit seine Verwirklichung erfahre, aber die Unklnghcit, dies jetzt im Stadium der Unreife zn versuchen, sollte man der Rcgicrmig in Sofia nicht ziiinilten. So lange eine solche Aktion nicht alle Chance» dcS Erfolgs darbiete, so lange insbesondere nicht die Zustimmung aller der in Betracht koiiiincudcn auswärtigen Faktoren zuverlässig erwartet ivcrdcn könne,»verde eine derartige Aktion den Lenkern Biflgariens nicht verlockend erscheinen. Amerika. Amerikanische Flotte. Wie ans Washington gemeldet wird- hat der Ausschuß des Repräsentantcnhanses für Beratupg der Pläne zur Vcrgröstcrnng der Flotte den Borschlag für dcii Bau von Kanoncnbvotcil abgelchnt und ein Prograuim für den Bau von ztvvff Kriegsschiffen angenommen, darmitcr'zwei Schlachtschiffe und drei Kreuzer. Sämtliche zwölf Kriegsschiffe sollen allen bisher existierenden Schiffen der gleichen Klassen überlege» sein. Unfallbcrsichcrniigö-Kom Mission. In der Sitzung am Mittlvoch wurde mit der Beratung des sogenanntc» Mantelgesetzes begonnen, das bclmnitlich auch alle andren Unfallvcrsichcrmigsqcsctzc' umfaßt. In dcinsclbc» ist von ganz besonderer Wichtigkeit der Absatz, der die Schicds- gcrichtc neu ausgestaltet, die bisherigen Schiedsgerichte für die ciiizeliicn BerufSgenossenschaften nnd Aussührnngsbchvrde» werden aufgehoben. Die Streitigkeiten über Entschädigungen ans Grund der Unfallversichcruiigs- Gesetze ivcrden den für die Jiivakideuvcrsichennig errichteten Schiedsgerichten zngewicsen. Der Staatssekretär des Reichsamts des Innern Graf von PosadowSky betonte, daß für ihn jedes Interesse an der Reform der Unfall- Versicherung beseitigt sein würde, falls diese Bestimmung nicht die Billigung der Kommission fliiidc. Die bisherigen Schiedsgerichte hätten sich als durchaus unpraktisch erwiesen. Eine große Reihe dieser Schiedsgerichte hätte im letzten Jahre entweder gar nichts oder so gut wie gar nichts zu thuu gehabt. Auch seien die einzelnen Fälle zum Teil sehr lange Zeit verschleppt tvorden. Hier Müsse im- bedingt Abhilfe geschaffen tverdcn und zwar solle dies in der Weise gc« schchen, daß die Schiedsgerichte nicht mehr für einzelne Berufe, sondern für cinzeliic Bezirke errichtet werden. Dadurch iverde erreicht, daß die Schiedsgerichte auch wirklich in gebührendem Umfang in Thätigkeii treten können und die Klagen schnell erledig: werden.' Diesen Aussuhrmigen wurde von'allen Parteien zn- gestimmt. Mcinuiigsverschieocnheitcn waren nur mit Bezug auf die Art und Weise, wie die tcrrilorialen Schiedsgerichte im einzelnen ausgebaut ivcrdcn sollen, vorhanden. Nach dem Jilvalidcuvcrsichcrungs- Gesetz werde» die Beisitzer für die Schiedsgerichte vom Ausschuß gewählt, dieser von den Bei- sitzern in den unteren Verwaltmigs- Behörden und diese iviedermn von den Vorständen gewisser Rmnkcnkasscn. Schon bei der Wahl der Vertreter zu den uiitercu Verwaltungsbehörden könne aber in vielen Bezirken von eiilcr wirklichen Wahl über- lumpt nicht gesprochen werden. Für diese Wahlen stellen die Eentralbehörden das Wahlregulativ ans nnd bestimnien das Siiiiiuiciiverbältnis. Eine Benachrichtigung der einzelnen Wnhlkörper jedoch, mit wem sie zu wählen hätten, findet nicht statt. Auch sei die Frist, in der die Stnmiieiiabgapc erfolge solle, eine so kurze<14 Tage), daß bei der weiten Ausdchiimig der ciiizclncn Be- zirkc eine Vcrsläiidignug der Wähler miuiöglich sei. Für die landwirt- schaftlichen Arbeiter aber sei das Wahlrecht ganz besonders im- gerecht. Da in der Landlvirtschaft der Kraiikcnkassenzivang nicht be- stehe, so würden die Beisitzer für die untere Vcrtvaltmigöbehörde von den Behörden ernamit. Mithin siebe diesen Arbeitern auch nicht ciun.al ein indirekter Einfluß auf die Zu- saimncusetzung der Schiedsgerichte zu. Ter Ministerialdirektor v. Wödlke erkannte an. daß eine Verstäildigung der Wahlkörpcr bezüglich der aufzustellcudeii Kandidaten notwendig sei, er müsse daher die Beröffentlichmig der Wähler in den cinzelucii Bezirke» ebenfalls als notwendig ansehen. Eine Borschrift hierzu sei jedoch den Eentralbehörden zn überlassen und könne nicht in das Gesetz aiisgciiomincn werden. Die Socialdcinolraten verlangten mm, daff die Beisitzer durch allgemeine gleiche Wahl gewählt würden, wie dies bei den Gcwerbraerichten schon jetzt der Fall sei; der Antrag wurde jedoch abgelehnt, so daß cS also bei dem durchaus umstäiidlichcil und mipraktischeu Verfahren dcS Jnvalidcnvcrsichcrungs- Gesetzes bleibt. Eine weitere wichtige Frage war die. wie es dem vcr- miglückten Arbeiter ermöglicht werden könuc, persönlich zn der Verhandlmig vor dem Schiedsgericht zn erscheinen. Angeregt wurde, daß zuställdig sei für die belrcffcndc Klage nicht nur das Schiedsgericht des OrteS, an dem das Unglück passiert sei, sondern auch dcS Ortes, an dem der Vernngliickte seinen Wohnsitz hat. Die Socialdcmokratcn regten außerdem an, daß, falls der Lcrmiglückic seinen Wohnsitz verlegt hätte, ans sein Verlangen ein andres Schicdsgerichr zuständig sein solle. Das richtigste wäre allerdings gewesen, daß innn dem Verletzten unter allen Ilmständeu von seinem Wohnsitz bis zn dem Ort, au dein sich das Schiedsgericht befindet, freie Fahrt gewährt hätte. Dies hätten die Svcialdemokraten bereits bei einem früheren Paragraphen beantragt, es sei aber abgelehnt worden. Die Nalionalliberalen empfehlen, daß das Schiedsgericht an verschiedenen Orten seines Bezirks Sitzuilge» abhalte und bamil dem Verniigliickten das persönliche Erschemeu erleichtere. Die Re- gieriliig gab zu, daß diese Wünsche berechtigt seien, und versprach „der Sache näher treten zu wollen". Zu der Verhandliiiig über Unfälle aus der Land- und Forst- Wirtschaft sind Beisitzer ans diesem Bcrufszweige hinzuzuziehen, sofern nicht besondere Aiisimhineverhältnissc einzeliic Abweichungen rechtfertigen. Auch bei Klagen anS den andren Gewerben kann VieS geschehen. Die Mtramontcmen verlangten, daß die Zu- ziehnng von Beisitzern aus den betreffende» Bernfszweigen geschehen m ü s s c, auch dann, wenn es sich um Unfälle im Berg- banbetricb handle. Die Socialdcmokratcn verlaiigten die obliga- torische Znzichliiig unter alle» Umständen. Was von der Regimnig bei der Laiidwsttschaft als gerecht ancrkamit würde, sei auch allen andren Berufen billig. Stets sei eS gut und wünschenSi�ert, iveiin der verunglückte Arbeiter unter den Beisitzern mindestens einen Berufskollegen habe, der die Verhältnisse am besten übersehe. Schließlich ivnrbe der Ccntrumsantrag angenommen der socialdemokratische abgelehnt. Nächste Sitznng Donnerstag. der kllstmrtsßthllse» Dkiltschlailds. Zweiter Tag. V o r m i t t a g s- S i tz u» g. Ten Vorsitz führt K l c i n- Frankfurt a. M. Der heutige» Sitzung wohnt außer den Vertretern der social- dcmotrotischcn' Fraktion der Frhr. v, Hodcnbcrg bei. Uebcr den zweiten Punkt der TageSordming: Die Lohn- und Trinkgcldfragc, referiert Lamprecht- Berlin. Er weist ans Ginnd statistischen Materials nach, daß der Kellner entweder gar kein festes Gehalt, oder nur ein völlig unzurcichcndcs erhält. Ten Erhcbmigcn der Kommission für Arbeiterstatistik zufolge bekomme» nur 82.5 Proz. der 51cllncr ein festes Gehalt, nnd zwar 17,0 Proz. monatlich 10 M. lind weniger, 54,7 Proz. 10—30 M., 0,9 Proz. mehr als 30 M., und 17.5 Proz. erhielten überhaupt kein Gehalt. Kost und teilweise auch Wohnmig wurde in 04,1 Proz. der Fälle gctvährt. Von dem Gehalt haben Ausgaben für das Geschäft zn machen 8,5 Proz. der Kellner, und zwar 5 Proz. monatlich 5 M.. 1,2 Proz. 5—10 M., 1,4 Proz. mehr als 10 M. Keine Geschäftskosten hatten 01.5 Proz. zn tragen. In Berlin stellen sich die Gehaltsverhältnisse solgendermaßcn: Monatlich 6 M. nnd weniger bekonunen 14.8 Proz., 5—10 M. 7,2 Proz., mehr als 10 M. 7,8 Proz., unbestimmt 3,4 Proz., kein Gehalt bezogen 66,8 Proz. Noch ungünstiger liegen die Verhältnisse bei den Kellnerinnen. Von 100 derselben erhielten nur 70 Gehalt, und zivar: Monatlich 10 M. und Iveniger 55,6 Proz., 10—30 M. 23,3 Proz., mehr als 30 M. 0,1 Proz., kein Gehalt bekanie» 2l Proz. Ausgaben für daS Geschäft hatten von 100 KcNneriinien 4,3 Proz. zu tragen, und zivar monatlich 5 M. und Iveniger 2,4 Proz., 5—10 M. 1,8 Proz., mehr als 10 M. 0,5 Proz., keine Ausgabe» 05.7 Proz. Aehnlicki liegen die Verhältnisse in andern Großstädten. Mohr als ein Drittel der Kcllnervereine haben vor der Kommission für Arbeiterstatistik er- klärt, daß in dem Vereinsbezirk in vielen Betrieben gar kein Gehalt nnd in den übrigen so wenig Gehalt gezahlt wird, daß die Kellner ohne die Trinkgelder überhaupt nicht auskommen könne», ziiinal die GastivirtsgcHilfcn für ihre Garderobe zc. erhebliche Aufwendungen zu»lachen haben. Der Referent faßt seine Vorschläge zur Lohn- nnd Trinkgeldfragc in folgender R e s o I» t i o ii zustimmen; Der Fachkongreß der Gastwirtsgchilfen Dentschlands erkennt als feststehende Thatsache an. daß das Trinkgeld bei den Gehilfen im G a st>v i r t s g e w e r b e— ausschließlich des Küchenpersonals niid der kanfmänni scheu Angestellten— oft die einzige, immer aber die hauptsächlichste B e- z a h l n n g für ihre Arbeitsleistung i st. Das Trinkgeld wird von den Gästen aus einem gewohnheitSinäßigem Zwange, als Belohnung, als notwendiges Hebel, als Almosen gegeben. ES übt auf den Gehilfen, der dadurch in einem fortivährcndcn Abhängigkeitsverhältnis zum Gaste steht, den denkbar niigünstigstcn Einfluß ans. ES erweckt in dem Empfänger Habgier»nd Verstcllnngslunst, verletzt seine Selbstachtiing nnd macht ihn durch den bald fallenden, bald steigenden Verdienst zeit- weise znin Verschwender. Ferner verhindert das Trinkgeld ein kameradschaftliches Gefühl unter den Gehilfen, weil einer in dem andeni seinen Konknrrciite» erblickt. Auf die Gäste wirkt das Trinkgeld durch das Abwägen, die Ver- nbreichniig nnd die inanchiiial Aergernis erregenden Folgen, die ihnen durch ein vergessenes, unrichtig verteiltes oder zu karg be- meffencs Trinkgeld entsteben, iiil hohen Grade belästigend. Es riist bei ihnen, da sie in dein Empfang desselben etwas„mit der Achtung IlnvcrcinbarcS" erblicken, Anmaßung und Ilebcrhebnng gegemiber den Enipfäligern hervor. Auch die Arbeitgeber im GastwirtsgcwerVe erleiden Einbuße in ihrem Ansehen und tbrer gesellschaftlichen Stellmig durch den Bor- wnrf, Gehilfen zu beschäftigen, die sie von andern bezahlen lassen. Sie»lüffe» sich außerdem bei einer derartigen Bezahlung stets ver- gegenwärtigen, daß der Enipfäiiger die Jntcrcsicn der Trinkgeld- gebcr oft auf ihre— der Unternehmer— Kosten tvahrziiiiehme» geneigt ist. T i e Lösung der schwierigen Frage liegt allein ! ii d c ii H ä n d c n der Trinkgeldgeber— der Gäste; denn es kann ohne weiteres aiigen'ontmen tverdcn, daß das Trink- geld im allgemeinen so lange genommen, als cS gegeben wird. Durch Einstellung des Trinkgetdaebens ergiebt sich die Lösung von selbst. Da min die Einnahme durch daS Trinkgeld im Sinken begriffen ist und die Annahme nahe liegt, daß das Pnblikiim, wenigstens ei» nnsschkaggebelider Teil desselben, sich entschließen könnte, diese nn- gerechte Bestenernng i» Znkniift abzulehnen, so weist der Fach- kongrcß die Gehilfen ans den großen Schaden hin, de» sie erleiden würden, wenn das Trinkgeld aufhört, ohne daß ein ent- sprechendes Gehalt an seine Stelle tritt. Ter Kongreß fordert deshalb die Kollegen auf, einer etwaigen H e r n» t e r d r ü ck n n g des Gehalts. Heran- z i e h n ii g zu den K o st e n für andre A r b c i t S k r ä s t e, ztir Erhaltung des Inventars»Brnchgeld) usw. e n t g e g e n- z n r r e t e n inid für eine Aiifbeffernng des Verdienstes durch ein allmählich steigendes s e st e§ G e h a lt zn:v i r k e n. Zn diesem Zweck sind die Gehilfen in den cinzckneii Orten verpflichtet, unter möglichster Berücksichtigung einheitlicher Bcstiniinnng.cn für ganz Denlschland alljährlich einen Lohntarif aiffznstelleit. Der Kongreß erwartet. da ans eine gesetzliche B c- st i iiiin u»g eines Miiiinial-Arbeitslohiics, so wünschenswert die- selbe auch sei. vorläufig nicht g e r e ch»et>v e r d c n t a n n: l. Bon der Regiermig ein Gesetz bezw. Verordnung, wonach es den lliitcriiehmcrii im GastwirtSgewerbe bei Strafe untersagt ist, ihren Gehilfen irgendivelche Bezahlmig aufzuerlegen, die gewöhnlich durch die Rinnen„Bruch",„Ncitiignngskostcn", „Hilfskräfte" oder welche Bezeichnung eS immer sei, aus- gedrückt wird; 2a. eine von der Regierimg nnd de» Kviiiimiiialbchörden zu erlassende Verordmnig, daß in allen mittelbar oder mnnittelbar mitcr ihnen stehenden Betrieben, als E i s e n b a b>i- R e st a» r a- t i o n c n. K n r h ä» s e r>l, Ratskellern usw. die Bezahlmig der Arbeitskräfte' eiiic solche sc!» muß, daß sie den Aiigestellten enthebt, ans ein Einkoiniiicn von Trinkgeld angewiesen zu sein 2 5. oder wenigstens die Pächter derartiger Betriebe zur Zahlung des jeweilig fesigejetzten LohntarisS kontraktlich ver- pflichtet. DeS weitere» ersucht der Kongreß die Oeffentlichkeit und die ihr dienende Presse nm Unterstütziliig in dieser Sache. Insbesondere appelliert er an die Besucher der Gastwirtschaften, dahin zn wirken, daff in den Wirtschaften, in welchen sie verkehren, der von den Gc- Hilfen aufgestellte Lohnsatz anerkannt wird. Franz Lamprecht-Berkin. Eine Anzahl von DiSknssionsrednerii, darunter auch zivci als Gäste anwesende Prinzipale, erklärte» sich mit den Kordernngeli des Referenten in vollem Umfang cinverstandc». Die AiiSführnngeu gingen dahin, daff nicht mir das Entwürdigeude des Trinkgeldwesens für die Abschaffung desselben spreche, sondern auch der Ilmstand, daff d!e Eiininhme ans den Trinkgeldern eine unsichere sei. die zudem noch ständig herabgchc, weil der Wirt, den ja die Kellner nichts koste», möglichst vicl'Personal anstellt, und daher ans den cinzelucii Gehilfen ein immer kleinerer Teil der Trinkgelder entfällt.— Rur ein Redner. Schäfer- Magdeburg, vertrat unter lebhaftem Widerspruch des gröffte» Teils der delegierten die Ansicht, daff das Trinkgeld- Wesen c!» Brauch sei. welcher im Interesse des Publikums inid der Wirte nicht abgeschafft werden könne. DaS sei der Standpimkt der Magdeburger Kollegen. P o c tz s ch- Berlin trat nntcr lebhaftem Beifall den Ansichten des Vorredners entgegen, indem er unter andrem ausführte: So lange die Kellner ans die moralisch entwürdigenden Trinkgelder angewiesen sind, werden sie sich nicht ans eine' social höhere Stufe' erheben können. Verschiedene Gastwirts- Vereine hätten sich allerdings dahin ausgesprochen, daff die„guten" Gehilfen den Brauch dcS Trinkgeldes beibehalten wollen, während mir eine gewisse Richtung derselben(soll heißen die socialdemokratische) das Trinkgeld abschaffen wolle. Das sei eine Vcrdächtiginig. Dieser Kongreß habe gezeigt. daß die Gastwii-tsgch'ilfei'i aller Richtungen für Abschaffimg des Trinkgeldes find. Es fei auch nicht zutreffend, daß sich die Kellner bei Triiikgclderii besser stehe» wie bei festem Lohn. Wen» die Wirte einwenden. eS sei ihnen nicht möglich, feste Löhne zn zahlen, so hätten die Gehilfe» ans diesen Einwand keine Rücksicht zn»ehnic». Wenn die Gäste keine Trinkgelder geben würden, dann müßten eben die Wirte festen Lohn zahle» und sie würden dazn auch in der Lage sein, denn die enormen Pachtsummen, Ivelche für große Kokale oft gezahlt werden, könnten nur deshalb gewährt werden weil ja die Wirte keine Ausgaben für das Personals ja in manchen Fällen noch eine nicht unwesentliche Einnahme ans den Trinkgelder einknnften desselben haben. Wenn feste Löhne bestehen, dann müßten die Kellner allerdings auch bereit sein, eventuell durch einen Streik ihre Löhne aufzubessern. Daß dies im Gastwirtsgcwerbe eben möglich ist wie in andren Berufen, das habe die vorjährige erfolg reiche Lohnbewegung der Kellner im Harz bewiesen, Hierauf wird nach einem Schlnßtvort des Referenten die von d<>mselben beantragte Resohition gegen 2 Stimmen angenommen, Nachmittags-Sitznng. lieber das Lehrlings Wesen im Gastlvirtsgewerb referiert H e i n s e n- Dresden: Redner verlangt, daß die Nachtarbeit der Lehrlinge unter allen Umstände» gesetzlich verboten werde, denn »ach 10 Uhr abends kann der Lehrling doch nichts mehr lernen Daß die Nachtarbeit in hohem Grad die Gesundheit der jungen Leute schädige, beweise schon der Umstand, daß nur sehr lvenige Gastwirtsgehilfen zum Militär brauchbar sind. Mit Rücksicht au die mangelhafte Volksschulbilduug fordern wir, daß der Lehrling die Fortbildungsschule während seiner dreijährigen Lehrzeit rege! mäßig besucht. Wer nach der Konfinnation ein Jahr lang die Handelsschule besucht hat, soll nur zivci Jahre lernen. Nach den Erhebungen von 1893 zahlten'/Z aller Gastwirtslehrlinge Lehr geld. Das ist ganz unberechtigt und müßte untersagt werden, Wo Kellnerinnen gehalten werden, kann ein Lehrling überhaupt nichts lernen. Für solche Betriebe sollte das Halten von Lehrlingen untersagt werden.— Die Zahl der in einem Betriebe zu haltenden Lehrlinge müßte gemäß der Zahl der beschäftigten Gehilfen fest gesetzt werden. Mehr als 3 Lehrlinge sollten in keinem Betriebe gehalten werden. Ich bin auch dafür, daß jugendliche Arbeiter und Lehrlinge im Gastwirtsgewcrbe nicht länger als 10 Stunden beschäftigt werden. Was mir hinsichtlich der Lchrlingsfrage fordern, gilt auch für die Kochlchrlinge, wenn auch die Köche glauben, fie seien Künstler und hätten nicht nötig, sich um unsre Bestrebungen zu kümmern. Redner enipfiehlt eine Resolution, die sich mit seinem Referat deckt. Die Diskussion über diesen Punkt Ivar eine sehr ausgedehnte Die Redner führten ein reiches Thatsachenmatcrial an, aus dem hervorgeht, daß die Ausbeutung der Kellnerlehrlinge eine ganz horrende ist. Unter andmn wurde hervorgehoben, daß es auf Bahnhofs-Ncstanrationcn, namentlich in Süddentschland, die hauptsächlichste Aufgabe der Lehrlinge sei, mit Speisen und Ge- tränken vor den ankommenden Zügen entlang zu laufen und die Waren anzupreisen. In Restaurants werde der Lehrling oft nur mit Handreichungen beschäftigt, die sonst nur von Hausdienern gc- macht werden, so daß also von einer Ansbildnng des jungen Mannes keine Rede sei. In Nürnberg resp. in Mittelfranken soll— nach der Angabe des Nürnberger Delegierten— das LcHrlingswescn besser geregelt sein, als in Norddentschland. Großen Widerspruch erregten die Ausführungen des Delegierten Schnlze-Halle. Derselbe protestierte dagegen, daß man den Wirten den Vorwur' ms Gesicht schlendere, sie beuten die Lehrlinge aus. Von der Ab- lchaffnug des Lehrgelds will der Redner nichts wissen, auch ist er nicht für ein Verbot der Nachtarbeit der Lehrlinge. Es genüge, wenn die jungen Leute eine bestimmte Ruhezeit haben,' dieselbe brauche aber nicht um 10 Uhr abends eintreten. Von andrer Seite wurde bemerkt, eiue gesetzliche Beschränknng der Lehrlingshaltnng würde keinen Erfolg haben, weil es ja den Unternehmern nicht verwehrt werden könne, statt der Lehrlinge jugendliche Arbeiter einzustellen. Weiter wurde bemerkt, daß eine Lehrzeit von drei Jahren, wie sie von manchen Rednern gefordert wurde, für den Gastwirtsbedarf nicht nötig sei. Eine einjährige, höchstens ziveijährige Lehrzeit würde vollkommen genügen. Zu diesem Punkt der Tagesordnung liegen verschiedene Anträge vor, die zu einer einheitlichen Resolution, über die morgen ab- gestimmt werden soll, verschmolzen werden, Hierauf folgie die Beratung über die Lohn- und Arbeits- Verhältnisse des Küchenpcrfonals. Der Referent, Küchenmeister Ebert-Köln, sowie mehrere Diskussionsredner führten aus. daß das Küchenpersonal unter der übermäßig langen Arbeitszeit womöglich noch mehr zu leiden habe als die, Kellner, da die Arbeit in den heißen, dnnstcrfülllcn Küchen eine besonders anstrengende und aufreibende sei. Ferner habe das Küchenpersonal zu klagen über die privaten Stcllenvermittlcr, die nicht nur hohe Vermittelungsgebühren einstreichen, sondern cS auch verstehen, das Personal in einer gewissen Abhängigkeit vom Ver- mittler zu erhalte», der nur denen Stellen zuweist, welche sich ihm in jeder Hinsicht fügsam erweisen. Bei den Gclncinderatöwahlc» haben unsre Genossen in Baden zwei glänzende Erfolge zu verzeichnen. In L a d e n b u r g siegten die Socialdemokraten in der dritten Steuerklasse mit 150 Stimmen gegen 140, die auf die vereinigten uationallibcralcn und Cciitruins-Kandidaten fielen. Wie unser Mannheimer Partei- blatt berichtet, werden unsre Parteigenossen nun auch i» der zweiten Wählerklasse alles daran setzen, um einen Sieg des Mischmaschs zu vereiteln. Die Socialdcmokratie hat in Ladenburg für die zweite Klasse günstige Aussichten. Gleichfalls einen glänzenden Erfolg erzielten die Parteigenossen bei der Wahl in Sulzfeld. Von den 16 Sitzen, die insgesamt bei der Haupt- und Ersatztvahl zur Erledigung komme», haben wir 12 gewonnen. Die Partei entsendet hier zum erstenmal Vertreter in das Rathaus und ist den Nationalliberalcn der Durchfall recht überrascht gekommen. Auch eine Wahl. Am Sonntag, den 4. März, fand in Boderitz lSachsen), einem Orte, der circa 400 Einwohner zählt, die Nachwahl für die llnansässigen zum Gemeinderat statt. Es waren im ganzen & Wähler erschienen, von denen 4 Stimmen abgegeben wurden, weil sich einer der Wahl enthalten hatte. Unsre Genossen erhielten 2 Stimmen, die Gegner ebenfalls 2; bei der darauf vorgenommenen Auslosung unterlagen unsre Genossen. Gegen die Flotteuvorlage hatten unsre Parteifreunde in Bayern am Sonntag sieben Versammlungen einberufen, die in Erding, 5t a u f b e u r e n. G r o ß k a r o l i n e n f c l d. Lech- Hausen, F r e i s i n g, D r e i he l m e n st a d t und M e m- m i n g c n tagten. Der Besuch dieser Versammlungen mar ein überaus günstiger, besonders die ländliche Bevölkerung nahm regen Anteil. Die Referenten V o l nr a r, Franz S cki m i t t, R a i t h, Tim m, Knieriem, Cohn und Hub er sprachen unter allgemeiner Zustimmung auch derjenigen Zuhörer, die unsrcr Partei nicht angehörten. Der Erfolg der Agitationlist ein äußerst befriedigender, die entschiedene ablehnende Haltung unsrcr Partei gegenüber dem Schwanken der Liberalen entsprach weit mehr der Stiinniung auch in bürgerlichen Kreisen, denen immer denllichcr zum Bewußtsein kommt, IvaS die planlosen Rüstungen für Aolgen naeb sich ziehen. In Hamburg sprach am Sonntag RcichstagS-Abgeordncter B e b e l in einer Versammlung, die von ca. 3000 Personen besucht war. Schon lange vor Begin» der Versammlung mußte das Vcrsammlungs- lokal abgesperrt werden, der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Gegner meldeten sich in der Vcrsaniminng nicht zum Worr und so erklärte sich die Versammlung einstimmig mit der Stellung des Referenten einverstanden. In Pyrmont fanden am Sonntag zwei Versammlungen statt. Die eine tagte in P y r m o n t. die andre in Holzhausen, einem Orte nicht weit von Pyrmont. Das Referat hatte in beiden Versammlutigen Genosse Thiel aus Kassel übernommen, der, ohne Widerspruch zu finden, den ablehnenden Standpunkt unsrcr Partei vertrat. In der Versammlung in Pyrmont waren Gegner erschienen, die jedoch vor der Diskussion die Ver- saminlung verließen. Die Borstaudsmitgliedcr des Arbeiter-Wahlvcrcins in Königsberg hatten seiner Zeit Strafmandate erhalten, weil der Regierungspräsident annahm, der Verein sei eine Unterstützungskasse, dessen Statuten seiner Genehmigung bedürften. Da in den Statuten des Vereins ausdrücklich hervorgehoben ist, daß nur Unterstützung in Sterbefällen gewährt werden k a n n, nicht aber darin steht, daß jedes Mitglied ein klagbares Recht auf Nnterstütznng hat, konnte keine Rede davon sein, daß der Wahlvercin den Charakter einer Unter stiitznngskassc trage, weshalb der Vorstand auch keine Genehmigung der Statuten nachgesucht hatte. Vor einiger Zeit hat sich das Ge richt in Königsberg mit der Sache befaßt. Nach der Klarlegung der Ncchtlage durch den Verteidiger des Vorstands. Rechtsanwalt Hugo Haasc, beantragte der Staatsanwalt selb st die Frei sprcchnng. Der Gerichtshof folgte diesem Antrag und sprach die Vorstandsmitglieder von Strafe und Kosten frei. Pvlizrilichrs, Gerichtliches usw. — Aus dem Großherzoginm Sachsen- Weimar. Vor' dem Schöffengericht in Jena hatten sich die Parteigenossen G r u n w a l und Klopfer, sowie der Buchdrnckercibesitzer V o p e l i u s wegen Verübung groben Unfugs zu verantworten, den sie dadurch begangen haben sollten, daß sie in einem Aufruf, im Jenaer„Volks blatt" alle Arbeiter Jenas und alle billig und gerecht Denkenden auf' forderten, diejenigen Lokale zu meiden, die den Socialdemokraten zu Vcrsammlinigen verschlossen sind. Die Staatsanwaltschaft beantragte gegen Grunwald 50 M., Klopfer 30 M. und Vopelius als Drucker des Blatts 25 M. Strafe. Das Urteil des Gerichts, gestützt an eine neuerliche Reichsgerichts- Entscheidung:„daß es nicht genügt, wenn weiter nichts festgestellt ist, als daß bei einer unbestimmten und nnbcgrenzten Menge von Personen durch die Kenntnisnahme von dem Inhalt des veröffentlichten Artikels beunruhigende oder sonst belästigende Gefühle wachgerufen sind"— lautete auf Frei sprcchnng und Ucbernahme der Kosten einschließlich der Verteidigung auf die Staatskasse._ Die Anssperrnng in der Berliner Holzindustrie. Der Stand der Bewegung hat sich wenig verändert, 2 größere Finnen haben gestern bewilligt. 12 Mann ans 3 Wcrkstcllcn sind ausgesperrt. Die Meister wollen wohl nur noch fornicll den Bc schlüsscn der Jiidnstricllcn nachkommen. In mehreren Bezirks-Meifter! Versammlungen kam es in den letzten Tagen zu stürmischen Debatten wegen der von den Industriellen eingeschlagenen Taktik, zwei größere Firmen weigern sich, weitere Atissperrnngen vorznnehmen. Die Stimmung und Haltimg der Streikenden ist gut. Die Fräserei- bcsitzcr, welche ihre Betriebe gesperrt haben, nützen ihre arbeitslose Zeit sehr praktisch ans, indem sie ihre Tarife erhöhen. Bei einzelnen Arbeiten, wie beim Hobeln, verlangen sie nach dem neuen Tari' pro Stunde 1 Mark mehr. Die Tischlermeister iverdcn von diesem Freundesdienst nicht sehr erbaut sein. Erst zwingen die Fräsercibcsitzer durch Schließen ihrer Betriebe die Herren Tischler incistcr zur Entlassung ihrer Gesellen, dann müssen sie noch den ckiadcn der Fräscreibesitzer für die vcrdicnstlose Zeit tragen. Hoffentlich werden die Tischlermeister durch Schaden klug. Vielfach sind die Tischlermeister gesonnen, sich ans' der Gefolg chaft der Herren Bry und Genossen zu befreien, sie befürchten aber, daß sie gezwungen sind, die eingegangene 51o»veiitionnlstrafe zu zahlen. Diese Annahme ist vollkommen unrichtig, solche Kon- ve n tional st rasen könne n nicht eingeklagt werden. Ter betreffende Meister hat nur zu erklären, daß er von der Verein bannig zurücktritt. Dieses Recht gicbt ihm der§ 152 der Gewerbe Ordnung, der im Absatz 2 lautet: Jedem Teilnehmer steht der Rücktritt von solchen Verein- bannigen iLohnbeweginigen) frei, und eS findet ans letzterer weder Klage noch Einrede statt. Tie Tischler der Laden- und Comptvirbrauche beschästigtcn sich am Dienstagabend in einer gut besuchten Versammlung mit dem trcik. Jüth referierte. Redner gab der Meinung Ausdruck, daß der Ring der Untcrnehnicr zu bröckeln beginne. Von den Fräscreibcsitzcrn, die blindlings der Jiidnstricllcn Vercinignng folgten, sind eine Anzahl zurückgetreten und haben ihre Betriebe wieder eröffnet. Jedenfalls ist die zugesagte Ilntersiützinig ausgeblieben, auch in der Ladenbraiiche machen sich dieselben An zeichen bemerkbar. Die Kunden kommen bereits auf das Streik- Bureau und fragen nach, welche Firmen bewilligt haben. Die Taktik, welche die Tischler eingeschlagen haben, erweist sicki als die richtige und auch die Ladeniischlcr haben sich dieselbe zu eigen gemacht. Die Tischler der Ladenbraiiche haben keine Veranlassung znrMntlosigkeit. Die Situation für die Streikenden bcziv. Ausgesperrten ist günstiger denn je. Wenn von einer gewissen Seite in den gegnerischen Blättern die verlogensten Berichte über den Stand des Streiks ver- breitet werden, so haben diese Lcnte ein Jiitcrcsse daran, das Publikum zu täuschen. An uns ivird cS liegen, diese Lügen zu Schandeii zu machen. Auf eins muß noch hingewicsei! werden: die Kollegen dürfen diejenigen Werkjtellen, ivelche bewilligt haben, nicht über- laufen. Tic Arbeit wird nur vom Streikburcan ans vermittelt', von hier ans muß jeder seine Arbeit erhalten. Halten wir fest nnd einmütig znsammcn und der Sieg ist nnscr. In der Diskussion gab der Vorsitzende bekannt, das; in der Ladenbranche gegenwärtig 42 Tischler ausgesperrt und 235 Tischler sich im Srrcik befinden. Bei den größten Wcrkstcllcn steht die Sache am günstigsten. Die Arbeiter wollen den Frieden, aber auf der Basis der von ihnen gestellten ' ordernngcn bezichnngsweiic gegcnscitiger Berhandlnngcn der Fabrikanten mit dem Holzarbeiter-Verband. Mit der Versichcrung eines festen ZiisamincnhnltcnS schloß die imposante Versammlung. Tic Muslkiustrnillcntcu- Arbeiter, ivelche im Holzarbeiter- Verband organisiert sind, beschäftigten sich in ihrer letzten Branchen- Versammlung vom 1. März mit dem Möbcltischlcr-Streik. Böskc schilderte in cingehender Weise den bisherigen Verlauf des Streiks und kritisierte die brutalen Aiisiperrnngsmaßrcgcln der Freien Vercinignng der Holziiidnstricllcn gegen die niii Streik unbeteiligte» Arbeiter sowie den Tcrrorismus gegen die Uiiternchincr, ivelche die Forderungen bc- willigt haben. Redner forderte die Aiiwefenden auf, dafür einzn- treten, daß jeder organisierte Kollege wöchentlich 1 Mark zum Streik- onds zahle. Die DiSknssioiisrcdiicr äußerten sich in demselben Sinne. Es fand dann folgende Resolution einstimmige Annahme: Die Versammlung bekundet den streikenden und ansgesperrte» Tischlern ihre volle Sympathie. Sie verpflichtet sämtliche Kollegen, die Beschlüsse des Verbandes hochznhalten und für die materielle Unterstiitzniig durch cincii Beitrag in Höhe von 1 M. pro Woche einzutreten. Ans Anlaß verschiedener Anfragen sei hier niitgclcilt, daß ca. 1200 Kollegen im Verband organisiert sind. Der Bericht der Generalversammlung gab die Zahl auf 280 an. Dies kommt daher, weil die meisten Kollegen als Tischler eingeschrieben sind. GewevKsisMftUlszes. Berlin und Umgcgcnd. Achtung, Klcbcr(Tapezierer)'! Für Kleber find gesperrt: Der Bau Spandauerstraße, Ecke Bischofstraße(Unternehmer Deutsch- dein); ferner die Firmen Lina Gronau, Marburgerstr. 3 und Krüh», Wcitzenbnrgerstr. 13. Die Lohnkommission. In der Stcmpelfabrik von Beruh. Köhler, Wasscrthor- straße, hat das Sctzerpersonal gekündigt, weil die Firma sich weigert, die tarifmäßige ueunstündigc Arbeitszeit einzuführen.. Tciitschcö Reich. Zu der den Bergarbeiter» erteilte» Antwort des Berg- baulichen Vereins wird uns geschrieben: Die Antwort enthält zwar schöne Worte, aber damit ist den Bergarbeitern keineswegs gedient. Sie wissen recht gut, daß auf �/io der Ruhrzechen die in den ge- stellten Forderungen präcisicrten llebelständc noch mehr oder ivcniger vorhanden sind. Ter Vorstand des Deutschen Berg- und Hütten- arbciter-Verbaudes hat deshalb den einzigen Weg. auf welchen auch in der Antwort hingewiese» ist, eingeschlagen und den Mitgliedern empfohlen, Belegschafts-Vcrsammlnn'gen ciiiznberiifcn und nach Fest- stellnng der auf den einzelne» Zechen herrschenden Mißstände, Forderungen zu fonnulieren und ihren Zechcnverivaltinigen ein- zureichen eventuell auf Erfüllung derselben zu dringen. Das Mittel hat sich auf einigen größeren Zechen im Dortnlunder Reviere schon ganz gut bewährt. Es konimt darauf an, daß die Belegschaften die Versammlungen, in welchen die Forderungen aufgestellt werden, gut besuchen imd' einig in ihren Wünschen sind. Tic Bauarbeiter in Bremen sind in eine Lohnbelvegnng ein- getreten, die zum Teil einen befriedigenden Verlauf genommen ha'. Die Maurer verlangten eine neunstnndige Arbeitszeit nnd 60 Pf. Stundenlohn. Sie haben sich mit dem Vorschlag der Unternehmer. die Arbeitszeit vom 1. April d. I. auf 10 Stmiden, vom l. Juli aiif öl/2 Stnnden und den Lohn von 55 auf ST'/e Pf. nach dem 1. Juli zu erhöhen, einverstanden erklärt. Die Zimmerer hatten eine gleiche Forderung gestellt, auch sie haben sich mit einem Angebot der Unter- nehmer einverstanden erklärt. Nur die Hilfsarbeiter sind in den Ausstand getreten. Diese verlangen neunstündige Arbeitszeit und 50 Pf. Strmdeiilohn. In Kiel ist den Bauarbeitern von der Innung auf eine Lohn- forderiing der Vorschlag unterbreitet, auf zwei Jahre einen Vertrag abzuschließen, der einen Stundenlohn von 55 Pf. festsetzt. Die Arbeiter sind mit der Höhe des Stundenlohns nicht einverstanden, und iverden weitere Verhandlungen gepflogen. Der Schncidcrstrcik in Erfurt ist unn perfekt. Die Jiniungs- meistcr unter Führung des bekannten Herrn Jakobskötter haben ihre Arbeiter überhaupt keiner Antwort gewürdigt. Zivölf Firuien haben den Tarif ganz oder teilweise beivilligt oder aber ivcnigstciis sich zu Verhandlniigeii bereit erklärt. Eine Versammlniig der Ge- Hilfen beschloß gegen 6 Stimmen, bei 4 Stimmenthaltungen, die Arbeitsniederlegung in allen Geschäften, die kein Entgegenkommen zeigten. Am Streik beteiligt sind bis jetzt 16 Geschäfte mit 200 Gehilfen. Ter Streik der Maurer in Ncubrandcnburg ist beendet. da dieselben auf die Vorschläge der Maurermeister eingegangen sind. Diese gingen dahin, den Gesellen einen Maximallohn von 32 Pf. pro Stunde zu gewähren, im Sommer sowohl als im Winter. Ausland. Ter Ausstand der östrrichische» Bergarbeiter dauert in allen Bezirken nngeschwächt fort. Die Hoffnung der Untcrnehnicr. daß am Montag viele zur Arbeit zurückkehren würden, hat sich nicht erfüllt. Dabei werden die sonderbarsten Mittel angewendet, um die Slreikeiiden zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen. In Ladoivitz und Hostomitz, zwei Ortschaften im Teplitzer Revier, versprach der Direktor des Hartmami- Schachts den Kanflentc», er iverdc die von den Streikenden während des Ansstandes gcmacknen chnlden bezahlen, iveiin sie ihnen jetzt den Kredit entziehen. Da- durch ließen sich die meisten Kaufleuie kaptivieren. Die„Wiener Arbeiterzeitung" bemerkt dazu:.Wenn der Direktor aber glaubt, daß seine Arbeiter' jetzt in die Arbeit gehen werden, so werden ihn ivohl die nächsten Tage von seinem Irrtum bekehren." Südafrika. Von den Aktionen der beiden feindlichen Heere im O r a n j e- Freistaat liegen heute gar keine Nachrichten vor. In England nimmt man an, daß Roberts mit den Vorbereitungen zu dem Vormarsch, die besonders in der Organisation des Vcrpflcgungs- wcsenS bestehen dürsten, beschäftigt ist, daß diese aber, nachdem die Zufuhr von Lebeusmittcln und Munition geregelt ist. bald abge- schlössen sein müssen und dann der V o r m a r s ch auf B l o e ui- o n t a i n beginnen wird. Es wird jedoch eine dauernde Sorge des Feldmarschalls bilden, diel Znfuhrlinien vor Zerstörung durch die Bocren zu schützen, und es wird deshalb erforderlich sein, größere Trnppcnabtcilungen zur Bewachung der Eisenbahnlinien zurückzulassen. Tic Schwierigkeiten im Nordwesten wachsen iiizivischcn. Eine der.Vossischen Zeitung" übermittelte„Renter"- Meldnilg ans Carnarvon in der Kapkolonie vom 6. März besagt: Der Aufstand der Kolonialholländcr verbreitet sich südlich von Griqualandivest. Es verlautet, viele Holländer in der Umgegend der Bezirke Prieska und Kenhardt, die von den Auf- t ä n d i s ch e n für F r e i st a a t g e b i e t erklärt wurden, schlössen sich der Bewegung hervorragend an. Unter den letzten Rekruten t Piet Moolmnn. ein einflußreicher Farmer. Er beabsichtigt, die Auf- tändischeii südlich nach Brandvley zu führen. Die Bezirke Prieska und Kcnhardt iverden von den Bocren abpatronilliert. Außer dem Stadt- Vorsteher von Kcnhardt wurden viele Beivohncr ins Gefängnis ab- geführt. Es heißt, Lucas Stcinkamp, der in Prieska kommandiert, marschiere auf Caniarvon, der Radfahrer 5loos Jooste, der Rebellen- sührer in Kcnhardt. rückt auf Upington vor. wo die Bastards, die die Mehrzahl der Bevölkerung dcS Bezirks bilden, kräftigen Wider- itand leisten dürften. Es wird geglaubt, daß außer Prieska und Kenhardt auch Gordonia in British- Betschuanaland, Victoria West iiiid Teile der Bezirke Frascrbnrg und Calvinia sich erheben werden. je Gesamtzahl der Rebellen dürfte 3000 übersteige», viele sind gute Wildschützen, besitze» aber geringe Kampffähigkeit. Die Ankunft der Truppe» wird den Ansstaud in de» Bezirken Carnarvoii-Victoriaivest nnd Fraserbnrg hemmen. Es herrscht in den englischen Kreisen die Ansicht, daß eine starke Trnppciimacht erforderlich ist, da eine etwaige Schlappe die Verbreitung des AnfstandeS herbeiführen würde. Ein Borstost Lord Roberts! Fcldniarschnll Lord Roberts telegraphiert aus Osfontein. den 7. d. M.: Ich griff heute den Feind an, der eine Stellnng von 4 Meilen nördlich bis 11 Meilen südlich des Modderflnsses ein- nahm. Der Kavallcric-Division gelang es, die linke Flanke des Feindes zu umgehe», der jetzt, mittags, sich in vollem Rückzüge nordwärts nnd ostwärts befindet, dicht verfolgt von Kavallerie, reitender Artillerie nnd be- rittener Jnfautcric. Mittlerweile ging die Infanterie über r-n Moddcrflnß bei PoplarSdrift, wo ich heute abend mein Hanp:- quartier aufzuschlageii gedenke. Ich hoffe, daß meine Verluste gering sind, da der Feind ans den Flankenangriff, der seine Verbindlmgcn mit Blocmsontciu bedroht, ganz imvorbcreitct war. Im Ziilnlande. Die Londoner Abendblätter veröffentlichen folgende Depesche a»S Durban: Eine englische fliegende Kolonne ist von Znln» land her in Transvaal cingcrnrkt. 60 Boeren wurden in cincn Hinterhalt gelockt, ans welchem sie mit einem Verluste von sieben Mann flohen. Andre Abteilungen von Boeren wurden zersprengt; das Land ivird von den Engländern im Umkreise von vielen Meilen abpatronilliert.__ Uehke«nd DepeMe». Köln a. Rh., 7. März. auge- luniidt gegen Bestialität, die größte Inhumanität sei.(Sehr richtig! rechts.)— ES besteht in nnsrer heutigen Zeit ein merkwürdiger Gegensatz zwischcit ciucr gespreizten anfgezivirbelten Schncidigkcit(Heiterkeit) und andrerseits einer weichen Schlappheit und Sentiineiitalität. Fordern wir cur krastvolles Einschreiten gegenüber den Noheitsvcrbrechcn, so vcr sündigen wir uns nicht an der Kultur, sondern wir dienen ihr. Wir handeln hiiinail ini höchsten Sinnc des Worts.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Abg. Vassernia»»(iiatl.): Der Herr Vorredner hat den Bciveis für die Notlvendigkeit der Prügelstrafe nicht erbracht. Meine politischen Frenndc werden dem Antrag aus llcbcrgang zur Tagesordnung beistimmen. Wir halten cmc enteilte Priifnng dieser Frage nicht für nötig. Der Vergleich mit der Aiiivcnduiig der Prügel seitens der Eltern ist ganz nnangcbracht. Ileberdics ivird jeder Vater selbst ioisseii, ivie individuell da vorgegniigen werden muß, konnut es doch »l.",,'.....~,.0...... W... rtA---. yp. P*y r, �. r r.... Iv_ richtig! links.) Herr i-citcl hat von den Nachteilen der Freiheitsstrafen gesprochen. Diese Nachteile können alier nicht durch Einfnhning der Priigelstrafe beseitigt iverdcn, sondern nur durch eine Reform des Strafvollzugs. z. B Ucbcnvachnng des Verkehrs der Sträflinge.(Sehr richtig! links.) Eo� ist nicht dcr� Belvcis geliefert, daß eine derartige Verrohung in niiserm Volke eingetreten ist, die die Einführung der Prügelstrafe. ww sie in, Mittelalter bestand, rechtfertigt. RoheitSvergeben ähnlich den Dcinolieriingen der Standbilder in der Sicgcö-Allce werden von wohlerzogenen Söhnen gnter Familien nur ini truiikeiien Zustande ausgeführt— Herr Ocrtcl hat von den Personen gc- sprochen, die die Strafe nnsführcn sollen. Ich meine, der Hciilcr steht turmhoch über den Gesellen, die gewerbsmäßig Tag für Tag Priigcl austeilen— Herr Ocrtcl meinte, auf eine viehische' Thnt gehöre nitch i cmc viehische� Strafe. Wir stehen ans dem Standpunkt, daß der moderne Staat viehische Strafen nicht verhängen darf. Des- balv stimmen wir für llebcrgang zur TageSordmina.(Lebhaftes Bravo! links.) Abg. Dr. Müllcr-Meiningen(frs. Vp.): Ich muß zugeben, daß es bei gcwisscn krassen Nohcits- bcrgchcil leicht kommen kann, daß man sich in der ersten Anslvallliiig sagt: Darauf gehört ciuc tüchtige Tracktt Prügel. Wenii man sich aber dann vorstellt, ivie die Prügelstrafe lvirklich vollzogen wird, so muß man sich dieser Auf- ivalliing schämen i mir ist es jedenfalls so gegangen. Wie würde sich die Alisführnug der Prügelstrafe in der Praxis machen? Wenn daS Urteil rechtskräftig wird, kann noch Beschwerde erhoben werden. lind wenn diese vom Obcrlandgcricht zurückgeivicsen ivird, soll der Vollzug der Strafe womöglich erst»nch Jahresfrist ciiitrctcii! Wenn sie überhaupt eingeführt werden könnte, könnte sie nur wirksam sein, Iveirn sie in flagranti, sofort vollstreckt Ivird. Herr Oertel hat die Prügel- strafe gctvisselNiaße» als Wohlihat hingestellt inid»leinte, sie bedeute kcind Schädigung der körperlichen Gesundheit. Die markanteste» Aiitoriläten habe» sich im gegenteiligen Sinne ausgesprochen. Ich habe hier eine Schrift, die im Buchhandel verboten ist, die die scheußlichen Verhältnisse zur Zeit der Herrschaft der Prügelstrafe darstellt. Sie schildert das Verfahren in cincni süddeiitschen Zu'chthanse bor dein Jahre IS-ktz inid ist ein ivertvollcr Beitrag zur Sittengeschichte. Tie Schildcriingen sind dort so schauderhaft, daß ich sie selbst nur mit Widerstreben habe lesen können. Aus dein Luch geht hervor, in welch tierischer Weise die Prügelstrafe gehandhabt wurde. inid wie sie nicht allein den Geprügelten, sondern auch den Ans- übenden nnd alle, die freiwillig oder liiisrei willig dabei waren, verroht. ES ist ein gefährliches Spiel mit dein Feuer, das die Herren der Rechten da treiben. Denken Sie nur, ivie leicht ein politischer Rcdacteur, nnd auch Herr Oertel ist ja ein solcher, zu kleinen Strafen verurteilt Ivird. Jetzt gehört ja Herr Oertel den herrscheiideii Parteien an. Wenn sich aber der Reichskanzler der Ziikiiiift vielleicht nicht so benimmt, wie Herr Ocrtcl es will, und Herr Oertel einen scharfen Artikel gegen ihn bringt, könnte er vielleicht wegen groben Unfugs zu Prügelstrafe verurteilt werden. Es wäre ciii schmerzlicher Gedanke, lvcnn gerade Herr Kollege Ocrtcl der erste wäre, an dem die Prügelstrafe voll- streckt würde.(Stürmische Heiterkeit.) Herr Oertel stellt die Sache so dar, als wäre die Ueberweisnng als Material eine ganz niibedentende Sache. Er getraut sicki also selbst nicht die wahre Bedentung des Antrags dnrzuthun. Die Furcht ist auf seiner Seite. Wir haben keine Furcht, daß die erneute Priisiing der Frage dazu führen könnte, daß man sich für die Prügel- strafe enticheidet. Wir sagen, es ist eine Schmach am Ende dc§ Jahrhunderts, daß man nbcrhanpt daran denkt, auf eine derartige mittelalterliche Strafe wieder zurückzukommen. Herr Oertel hat b'e- hanptet, in einer Reihe von Staaten besteht die Prügelstrafe. Ge- Iviß in der Türkei besteht die Bestimmung, daß die Weiber fo lange geprügelt werden, bis sie zum ivahren Glauben zurückkehren. Was England betrifft, irrt sich Herr Oertel. Dort ist die Prügelstrafe thatsächlich nur als Ausnahmeverfiiguiig infolge einer großen Zlmahine der Raiibaiifälle gegen jugendliche RoheitSverbrechetl eingeführt. Die Verurteilung erfolgt nur zu einer einmaligen Dnrchpcitschnng mit gewöhnlicher Rute. Der Vergleich mit England ist aber auch ganz verfehlt, iveil wir daS summarische Strafverfahren ist Deutschland nicht kennen. Aber überhaupt ist in der Gcgenivart nicbt besonders glück- lich, auf England zu cxcmplificieren. Eiigland steht mit einem Bein in der modernen Zeit, mit dein andern im Mittelalter. In andren Staaten, z. B. in Schweden, Dänemark und Norwegen ist die Prügel- strafe wieder abgeschafft. Nur Dentschlaiid allein soll einen derartigen Rückschritt ins Mittelalter machen. Es ist doch merkwürdig, daß Herr v. Bnchka vor wenige» Tagen sagte, in den Kolonien sollte in nächster Zeit die Prügelstrafe abgeschafft werden. Zu derselben Zeit sollen ivir sie' hier in Denischland wieder eiiiführcii. Das ist ein Hohn ans die ganze europäische (Zivilisation. Sie(nach rechts) wollen das sittliche Niveau des Volks heben: daS können Sie aber mit derartigen Bestimmungen nicht. Treiben Sie eine vernünftige Socialpolitik. vor allem eine gesunde Krimnilikpokitit'! Verbessern Sie die Schulbildung der 'Jugend! Dadurch wirken Sie besser aus die Hcbniig der Sittlichkeit, als durch Einfiihriiug der Prügelstrafe.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Gröber(E.): Der Vorredner hat vielfach übertrieben, er hat die Prügelstrafe eine Jiistitntion des Mittelalters genannt. Das ist nicht richtig. Wir haben die Prügelstrafe lange über das Miltelalter hinaus gehabt; sie ist erst im Anfang dieses JahrhmidertS abgeschafft. Wir haben hier schon öfters die Prügelstrafe diskutiert. Merkwürdigerweise ist von ihr init keinem Wort die Rede gewesen, als unser jetziges Ncichs-Stras- gesetzbilch beraten ivnrde. Die Frage wurde bei der lex Heinze ein- mal aiigeschnilten nnd jetzt wieder inid ich halte es für angebracht, einmal ausführlich darauf eiiizngehen. damit sie uns nicht Ivieder»nsre kostbare Zeit wegnimmt. So natürlich es ist, daß nian in der ersten Austvallnng bei Roheitsvcrbrechen den Thätcr 25 Stockhiebe gönnt oder gar sagt, so ein Mensch muß zu Tode geprügelt iverdeii, so begreiflich diese Aliswallnng ist, so ist es doch etwas ganz andres, ob man bei nüchterner Erwägung sich für die Prügelstrafe begeistert. Wenn sich Anhänger meiner Partei hier nnd da einmal für die Prügelstrafe ansgesprcche» hnbeu sollten. so dürften diese Herren jedenfalls nicht den richtigen Einblick in die praktischen Verhältnisse gehabt haben oder es ivar eben auch imr ein Ansfliiß augenblicklicher Stimmimg, viele solcher Anhänger ivird man überhaupt in linsren Reihen nickit finden. Das preußische Strafgesetzbuch hat mit der Prügelstrafe anfgeräluiit und kein Strafgesetzbuch ist gründlicher beraten ivcrden, ivie gerade dieses. Nach allen Seiten ist die Frage damals genau ventiliert worden. Das Resultat war die endgiltige Beseitigung der Prügelstrafe. Der Hauptgrund war der, daß man sich sagte, man könne in der Rheinprovinz nwnöglich ei» Strafgesetz mit der Prügelstrafe einführen.— Soweit das Ausland in Frage kommt, habe ich die Prügelstrafe, abgesehen von den schon er wähnte» Fällen in England nnd in der Türkei, nur in Montenegro ge- fimden. Dort wird sie ivcgen Diebstahls veihängt, auch Todesstrafe ivird dort ivegcn Diebstahls verhängt, ich habe alier nicht einmal gc hört, daß diese harten Strafen besonders abschreckend wirken; so viel ich weiß, wird in Montenegro noch immer ganz tüchtig gestohlen (Große Heiterkeit.) Außerhalb Europas findet sich die Prügelstrafe i» der Südafrikanischen Republik, im Oranje-Freistaat nnd in einem einzigen Staate der Rordanierikanischen Union.— Kein Strasmittel ist in seinem Vollzüge so verschieden, wie die Prügelstrafe. Da ist ein schon ein Nachteil, der für mich die Wiedereinführung ausschließen muß. Die Härte des Vollzugs hängt vom Prügel- meister ab, von dessen Rnhe�oder Erregung, kein Strasmittel ist aber auch in seiner Wirkung so verschieden ivie die Prügelstrafe den Schwachen kann sie geradezu ruiiiieren, dem Starke» braucht sie nichts anhaben. Daß das Ehrgefühl durch die Prügelstrafe erstickt wird, ist eine alte Erfahrimg und durchaus nicht jeder, der eine ehrlose Handlung de- gangen hat. muß gleichzeitig immer eine ehrlose Gesiiinnng haben. — Der Vollzug der Prügelstrafe hängt immer van einem ärztlichen Zeugnis ab. ivodurch einem neuen Mißbrauch Thür und Thor geöffnet wird. Es handelt sich hier um eine Kulturfrage im eminenten Sinne de Wortes. In dciiKolonicn will inan jetzt derKulturden Tribut zollen nnd die Prügelstrafe ausheben. Auch jetzt dürfen nur Eingeborene, nicht Araber nnd Inder geprügelt werden. Aber für uns Deutsche soll die Prügel- strafe gut genug sein. Auch in den Kolonien besteht der Vor- behalt der ärztlichen Erlaubnis. Jetzt sinnt man uns an, zu i Zliständen bei den Wilde» uiffre Znfliicht zu nehmen.. Einen guten Kern hat die Petition: die Klagen über die Mangelhaftigkeit nnsres Strasvollzngs. Tee Strafvollzug ist heute in Gefängnisse» und Znchthäliserii zicinlich der gleiche. Tie Strafanstalten gleichen Fabriken. Hier Ivird in gewissen Fällen ans der Strafe eine Wohlihat. Tie Strafe soll bessern. Wer also nicht mehr zu bessern ist, könnte konscquenterweise überhaupt nicht mehr bestraft iverdcn. Es ist jetzt eine Strömung maßgebend, die den Scknildbcgriff eliminieren will. DaS VcraimvortnngS- gcfnhl ivird dabei viel zu gering eingeschätzt. Eliminiert man aber den Schtildbegriff, jo innß man auch die Strafe selbst eliminieren. Die Strafe muß als ein Ucbcl empfunden werden, deshalb richte man einen Strafvollzug mir den nötigen Abstusungcn ein, der diese Forderung auch wirklich erfüllt. Dann werden sich viele der heutigen Klagen erübrigen. Für die Prügelstrafe sind wir nicht zu habe». Deshalb werden wir gegen den Antrag Ocrtcl und für den Antrag der Kcnunissioil ftimnien. (Bravo im Cenlrnm.) Hieraus wird ein V c r t a g n n g s a n t r a g angenommen. Nächste Sitzimg Donnerstag 1 Uhr(Zivcite Beratnng des Fleisch- schangeselzcö)._ Schluß ö'/e Uhr. IlbgeovÄnskenhÄtts» 40. Sitzung vom 7. M ä t£, 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. S t n d t. Die Beratmig des KnliuSctatö wird sortgesetzt. Die Diskussion über den Titel Mini st er" dauert noch fort. Abg. jlopsch(frs. Vp.) legt Verwahrnug dagegen ein, daß unter der Flagge der Schaffung einer christlich- lonsessionellen Schule der Einfluß der Kirche ans die Schule gestärkt, derjenige des Staats gemindert iverde. FonnaliSmns und VnreankratiSninS möge niau von der Schule fern halten. Man Ichaffe die lieber- füllmig der Klaffen ans der Welt. Und die geistig minder beanlagten nnd uertvahrlostcii Kinder bringe man in besonderen Anstalten unter, dann könne der Minister des Dankes der preußischen Lehrerschaft sicher sein. Abg. Dr. Mizorsti(Pole) sührt Klage über ungerechte Be- Abg. Dr. Hahn(b. k. F.) lveist ans die erfreulichc Einigkeit zwischen ikatholischen und evangelischen Mitgliedern des Bundes der Lmidwirte hin. Erfrenlicher- iveijc sei ans ullsern Universitäten die Freiheit der Wissenschaft gewährleistet. Nachdem aber die Rcgiernng zum � Schutz der nationalen Arbeit zurückgekehrt sei, müßte auch bei Be- sctznng der Lehrstühle für Nationalökonomie hierauf Rücksicht gc- nomüien werden. Leider finde Landivirlschaft nnd Mittelstand»och nicht genügend das Interesse bei den Herren Professoren. Abg. v. Knapp(natl.) regt die Zulassung der Realgyuiuasial- Abitnricilte» zum uicdizinischc» nnd juristische» Studium an. Ministerialdirektor Ztlthoff: Die Erwägungen über die Zn- lassnng dieser Äbiturienteil zum medizinischen Studium sind noch nicht völlig abgeschlossen. Wir haben uns mit den andern deutschen Staaten in Verbindnng gesetzt und denken uns die Lösinig der Frage so, daß Handlung der Polen. Minister Studt: Die Regierung hat die Pflicht, de» Polen gegenüber fest zu bleiben.(Bravo rechts.) In der polnische» Presse wird täglich die wüsteste Agitation gegen Preußen getrieben. Und es liegt System darin.'' Gegen die Zugehörigkeit zun, preußischen Staat ivird protestiert. Dagegen müssen wir uns wehren. Für die polnischen Kinder mutz iveuigstenS ei» geringes Maß an Kenntnis der deutschen Sprache gesichert sein, damit sie eine Ahnniig von der Kultiirarbeit des deutschen Volks erhalten. Der Widerstand gegen das Erlernen der dentichei! Sprache ist systematisch organisiert. Die poliiischcn Damen stehen im Dienst der»alionalpolnisch'cn Agitation. ES macht einen traurigen Ein- druck, daß seit einem Jahrhnndert 200i herab.(Lärmende Heiterkeit rechts.) Gewiß find ivir überzeugt,"daß die Volksschule gcgemvärtig ans christlicher Grundlage steht, aber wir wollen dies Berhältnis für alle Zukunft gesetzlich sichcru. Der Herr Minister ist ja erst kurze Zeit ini Anne. Wir haben Bertrancil zu ihm, wir wissen, daß er ein christlicher Mann ist. Ab. Hackcnberg(natl.) dankt dem Minister für seine feste Haltiing den Polen gegenüber. Abg. Dr. Tittrich(C.) verteidigt den UltranioiitauismuS. Die Rede des Herrn v. Heyde- brmid habe sehr sympathisch berührt. Das Eentrmn habe dabei das Gefühl gehabt: DaS ist der alte Heydebrand, mit dein wir in Schul- fragen so oft Hand in Hand gegangen sind. ivcrden, doch schweben, lvie gesagt, noch Verhandlungen.� lieber die Ziilassniig zum juristischen Studium kann ich mich nicht äußer», das gehört nicht in niciii Ressort. Abg. Mnnckel(frs. Vp.): Gestern ist hier ohne mein Verschlllden eine Parallele zlvischen der lex Heinze ,md der lex Arous gezogen worden. Ein solcher Vergleich, ist ilisoseri! angebracht, als die löx Arons ebenso Ivie die. lex Heinze aus Anlaß cincs bestiinintcn Falles eingebracht wurde;! inan"hat die lex Arons gemacht, um den Privntdozenten Dr. Arons) entlassen zu können. Das Gesetz hat icine Schuldigkeit gethan; hoffcnllich ist es eine vorübergehende Erscheimlng gewesen. (Heiterkeit.) DaS. was in dcni Urteile steht, ist gewisser- maßen nur ein Extrakt anS dem, was seiner Zeit Dr. Bosse über den Fall ausführte. Wenn er noch hier säße, wurde ich ihn direkc für den Verfasser deS Urteils hallen; da er nicht mehr hier sitzt, so hat inan sich doch wesentlich an daS gehalten, was er gesagt har. Herr Dr. Arons Ichrtc bis vor kurzem Mathematik an der Berliner Universitäk. Mathematik ist eine Wiffenschaft, die sich von der Politik weit entfernt, und ivcnn sie auch mit Wurzeln zn thini hat, nun. die Wurzeln der staatlichen Ordming sind eS nicht.(Heiter- kcit.) Wenn Dr. AronS über Diffcrenlial nnd Jiitegralrechiiluig liest — das ist höhere Mathematik. ich sage das für diejenigen, die cS nicht wissen sollten(Heiterkeit)— so muß eine solche Vorlesnng frei sein von jeder Politik. An seiner Lehre kann es also nicht liegen, daß man ihn entlasicii hat. konnte cS auch gar nicht liegen, denn die Wissenschaft nnd ihre Lehre ist frei i daö steht in einem Artikel der preußischen Verfassung, der noch nicht zu den suspendierten gehört, (Heiterkeit.) Wenn es im„Probckandidatcn" am Schliisie heißt:„Ich keime ein Land. daS heißt Preußen; da hat jeder das verbriefte Recht, seine Meinung in Wort nnd Schrift frei zn äußern— — da gehe hin!"— dann erhebt sich im Dentschen Theater regel- mäßig'ein Beifallstiinn. Also nach Prelltzeii— da gehe ich hin! (Stürmische Heiterkeit, links.) Nun, wenn du Paivntdocelit� bist, hat, deshalb ivird er bestraft. Herr Dr. Arons bekennt sich allerdings zur Socialdcmokratic, aber er' hat niemals in gehässiger Weise für seine Partei agitiert. Er hat sich als Socialdeniokrai bekannt und dniiack, auch' gehandelt. Und deshalb soll � er nach dem Spruch des StaatsmuiislemmiS nicht würdig sein, Privatdoceilt an einer preußischen Universität zn sein. In einer Schrift. Lektüre empfohlen hat, findcr haben. An der wissenschaftlichen Befähigung des Dr. Arous ist lein Zweifel, die technische kommt nicht in Betracht, mir seine sittliche. Soll denn bei uns bchaiiptct werden: ivcr sich zur socialdemo- lratischcn Partei bekennt, ffi ein nnsiltlichcr Mensch? Daim hätten Sic ja 2'/i Millionen unsittliche Menscheii in Dentschlaiid. Gott sei Dank ist das nicht der Fall. Die.Herren von der Rechten freilich meinen, ein jeder darf frei denken, was er will, er muß es nur incht sagen.(Heiterkeit.) Dann aber ivird Heuchelei erzeugt(Sehr gut! li'nkS), die doch wirklich nicht so sittlich ist, wie das freie offene Bekenntnis zu dem. ivas man für richtig hält. iBravo! links.) Ter Tag des allgemeinen Kladderadatsch ist von der socialdeuiokralischen Partei immer ferner gerückt worden. In ihrem Programm aber sind dnrchaliS berechtigte Punkte eiilhaltcn, vor allem das Sociale, das sich die heutige Gesetzgebung zum großen Teil (Heiterkeit.) Das demokratische freilich. da brauchen Sie nicht zn fürchten, daß es mit oder ohne Vorsatz jemals hoffähig werden könnte.(Heiterkeit.) Wollen Sie vielleicht das Verfahren, wie es gegen AronS cingeschlagen. ansdehncii ans die Opposition überhaupt? Ja, meine Herren, dann vergessen Sie auch nicht die Opposition, die Sic(nach rechts) gelricbcn' haben. Und all das geschah im Staat Friedrichs dc-S Großen, wo doch angeblich jeder nach seiner Fatzon selig werden kann. Jiiteriiational ist jede Wissenschaft, auch die' Mathematik. Wenn man nach Frankreich kommt, wo jetzt ein Socialdemokrat Minister ist, ist man da mit ciiiein Mal ein andrer Mensch? Wenn jemand nach den Grundsätzen der Rcgiernng hier bei nuS ein königlich preußischer Maihcmatikcr geworden"ist, und er käme nach Frankreich, dann müßte er ja dort ausgewiesen werden, weil er nicht Rcpnblikaiier ist, denn dort ist die Monarchie verpönt! Die Versaffimg sagt: Die Wiffenschaft und ihre Lehre ist frei. Vielleicht denke» die Herren von der Rechten: die Lehre mag zivar frei sein, aber nicht die Lehrer. (Heiterkeit.) Aber eine Wiffenschaft ist ohne die sterblichen Gefühle, die sie tragen, immöglich.(Heiterkeit.) Und vergessen Sic nicht: Wenn Sie solche Grundsätze aufstellen, dann werden die Herren vom Ccntruin ihren Wechsel präsentieren n»d fordern, daß auch die atheistischen Professoren für inifittlich erklärt und von den Lehrstühlen entfernt iverdcn.(Sehr richtig im Ceiltrm».) Auf diesem Wege bekommen ivir schließlich eine besondere Wissenschaft ziirecht ge- modelt nach dem im Vergleich zur Welt doch recht engen preußischen Staat. Ich verstehe es. wenn Deutschland sich jetzt seineii Platz an der Sonne sucht: daß aber Preußen gleichzeitig seinen Platz in der Finsternis behalten will, das verstehe ich nichl.(Lebhafter Beifall links.) Minister Studt: Die AuSführnngen des Herrn Vorredners sind insofern materiell unrichtig, alS Dr. AronS nicht Privatdoceilt der Mctheniatik, sondern der Physik war. Der Herr Vorredner hat überschcii. daß nach§ 1 Abs. 2 deS Gesetzes über die DiSeiplinar- Verhältnisse der Privatdocenten das außeramtliche Verhalten eines Privatdoceuten zum Gegenstand eines DiSciplinarverfahrenS gemacht werden kann und gemacht werden muß, wenn er sich der Achtung und des Bertranells. die sei» Berns erfordern, unwürdig gezeigt hal, Mit der Lchrthätigkeit des Herrn Dr. AronS hat das Disciplinar- verfahrcn gegen ihn absolut nichts zu thini gehabt. Ich weise deS- halb die Beh'anptimg, daß die Freiheit der Wiffenschaft dadurch ge- 'ährdet sei, ciitschieden zurück.(Beifall rechts nnd im Centriim, Gelächter links.) Stehen die Hochschullehrer hinsichtlich ihres außerdienstlichen Verhaltens ans Grund der Majestät der Wisieiischatt etiva wie Fürsten außerhalb des Gesetzes? Gewiß nicht. Ans die Gründe des Erkenntnisses gehe ich nicht ein, da ich als Mitglied der ent- 'chcidenden Behörde persönlich daran beteiligt bin. Im übrige» rechne ich mit aller Zuversicht auf die Znstinmiung aller derer, die sich zn dem Grundsatz bekennen, daß ein Mann, der socialdemo- kratischc Bcstrcbungcu in so offenkniidiger Weise vertritt und de- lhütigt, ivie Dr. Arons, nicht Mitglied des Lehrkörpers einer königliche» Hochschule sein kann.(Bravo! rechts.) Die Weilerberatung wird hierauf ans DoiimStag 11 Uhr vertagt. Schluß 4 Uhr. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Musikiastnimeiiteii-Arbeiter. Sonnabend, 10. März, abcudö 8V- Ilhr, bei Herrn Nowack, Maixenffelstr.!>. März, abends 8 Uhr, im Märkischen.Hof, Admiralstraste 18c Autzerordeutl. General-Versammlung. a g c S Antrag 8tvinba»'i> unN tZono«»«»: Jahren 1898 iind 1899". ■yyr* Mitgliedsbuch legitimiert und für 286/1 Ordnung Bcschluhfassung über Verteilung des UcberichusscS aus den die Lieferanten die Legitiinationskarte. � Der Vorstund. Für die sireikendeii und ausgesperrten Tischler gingen folgende Beiträge ein: Tischler, Berlin l) 60 M. Werkstatt Schulz Buckowerstr. 6, 3 M Trost, Trcodenerslr. 81, 2 Tr. 10 M. Bon Bau 6 M. Äranzspendc Hebe- streit ö ivt. Hrrinaun Karras 3 M. Freund, Jngenieitr 1 M. Bautischler Schüler 11,60 M. KistensabrU v. Sci'ert 7 M. Werkstatt Zivincr ö,30 M. Heinde-t,ö0 M. Werkstatt Drösel u. Dorn 9M. Hanfs 3 At! Tagschiicidcr u. Hoffniann 10 M. Bon Merten, Admiralstr. 17, l M. Tischlerei Groth 6 M. Paul Siedler'3,bO M. Trisbcl, Wcinstrnste,-t M. Gesangverein Norddeutsche Schleife 7,20 Bk. Ptatz n. Co. 5 M. Bcüloiv 5 M. Rothcr- mniid 5,9» M. Vom Leicnnluin, Maskenball Mcstpalast, 6,16 M. Ein Brauer 60 Pf. Franke ans dem LokaliondS 16 M. Spakoivslii 6 M. Ge- sangverein Frei Sänger, Nixdorf 4 /3. beim Ständchen, C. 1, 1 M. Weitere Beiträge werde» cntgcgeugcnoinincn im Arbeitsnachweis der Holzarbeüer, Aunenstr. 39. «Ivi- S�irnabriid, dcu 17. März d. F., in LoniS KcllerS Fcstsälen, jtoppcnstrasie tZS: Zlir Feier des 37 jähr. Stiftungsfestes Krasser Wiener Maskenball. Hierzu laden Freunde und Gönner freundlichst ein Ter Borstaud und die Koiiiiiiission. Den Mitgliedern gleichzeitig zur Nachricht, dag am Sonntag, 15. April (1. Osterfciertag), vorm. 10 Uhr, eine Sonder-Borstettung in der„Urania", Taubenstraste, slattüudet. BittctS sind jetzt schon bei sämtlichen Borstands- Mitgliedern in Empfang zu nchnicn. Um recht rege Beteiligung bittet al/2 Ter Borstand. I. A.: V/. grie-Irlob. XL. Des bevorstehenden Umzugs wegen findet die Bierteliahrö-Ber- saunnlung misres Vereins am Sonnabend, den 7. Zlpril, abends 81/, Uhr, im Bereiuslokal Gipsstraße 9 statt. T. C. iter iind Arbeiterinnen Berlins und Umgegend! Freitag, den 9. März, abends 7 Uhr, im Lokale zur„Drachcnbilrg", vor dem Tchlcsiichen Thor Oeffentliche Versammlung. Tagcs-Ordllilng: l. Bortrag des ReichstagS-Abgcvrdnetcn t'rltu ZKudeil über:„Die Bedeiituug der Organisati»».-- 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 276gb _ Tic BertraueitSpersou; E. Trodc, Eilenbahnslr. 31. Verband der Möbelpolierer. Freitag, de» 0. März, abends 8 Uhr, im Lokal„Königsbank"» Grone Frauksueterstrasse 117: Gerthe VeosQIttlnlung. T a g e S- O r d n u n g: 1. Situationsbcricht über imsre» Streik 2. Berschicdencs. l�ä/18_ Die Koiuiulssion. Droschkenkutscher. in 31 Stecherts Festsälcn, Freitag, O. März, abends 9 Uhr, Zlndreasstr (Oeffontl. TagcS-Ord Illing: 62/2 1. Vortrag über:„Die Ulifallversicheiuiigsgesctz-Zi ovclle vor dem Reichstag und welche Aenderuiigc» sind für die im Fuhrwesen Beschäftigten nnlwendig". 2. Wie ilcllen sich die Kollegen zur Abschaffilng des iveisteii und zur Ein- führung-nies schwarzen Hutes für das gesamte Droschkcngewerbc 2 Wege» der hohen Wichiigkeit des l. Punktes der Tagesordming wottten wir die Kollegen ersuchen, recht zahlreich zu erscheinen, ganz besonders sind aber die Krankenkasseii-Mitglieder, ganz gleich welcher Kasse, eingeladen. Das AgitatioilSkomitee. Maurei*. Achtung! Achtung!__ 3 große Mttgijtder-Aersammlungtn d-s Centrasverbauds deutscher Monrer. Zahlstelle Berlin II. Am Tonnerstag. de» 8. März, abends Ilhr: l'iir Osten: I m b s L st b a h» i> a r k, Riidersdorfcrstr. 71. Am Freitag, de» 9. März, abends S Uhr: Ettr Norden, IVcddin� n. Oranienl>urg;er Vorstadt: Feh. Brnnnenstr. 184. Für 8. und 81V.: S i Ii e» st o ck. Gueiseiianstr. 97. Tagcsoidnung in allen 3 Bersammlmigen: 1 Vortrag. 2. Diskusfion. 3. Gewerkschaftliches. 136/17 Um regen Besuch bittet Die Verkundsleitnnjf. Es ist ein schweres Unrecht. Kindern den aufregenden Bohnenkafifee zu geben. Für sie ist der wohlschmeckende Kathreiners Malzkaffee das gesündeste Getränk.* Freie Volksbuhne. Sonntagnachmittag 23/4 Uhr: 5. Abtcilnug im Carl Weiss Theater: HOT* Hamlet. ..... i Heine- Abend. Sonnabend, den 17. März, In der Brauerei Friedrichehain Vortrag des Eeichstags-Abgeordneten Wilhelm Bios über Heinrich Heine, Eecitation: Eduard von Winterstein vom Deutschon Theator, und Gesangsvorträge: Herr Kielansky von der kgl. Oper in Warschau. Festmarkon sind in allen Zahlstellen erhältlich. Die 8. Serie der yorstollungen beginnt am 25. Märr, im Carl W eiss Theater. Die Vorstellungen folgen am 1., 3., 16., 16. und 22. April.— Zur Auffüluung gelangt: Die imenHMIei. tSraSSAÄSSar Hi.i-auf: Die sidliclie Fordeiiinn. jJiiUb., (Aus dem Einakter-Cyklus;„Die Befrciteti".) 228/19 Der Vorstand. I. A.: C. Winkler. 7 w WWS1 Arbeiter-Bildnngsschnle. Sonntag, den 11. HUrz, abends 7 Ehr, bei Fencrstcln. Alto Jakobstr. 75: 4/12 Vortrag des Herrn Dr. Rösemeier über: Von Neapel bis Belgrad. Aus der Geschichte der europäischen Reaktion. Nach dem Vortrag; Gemütl. BeisatHmensein u.Tanz. SO Mark elegante. 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März, nachm. 3 Uhr. von der Leichenhalle der Heiligen Kreuz Kirche in Marien- darf statt. 2779d Oie tiefbetrübte Witwe Rosa Otto geb. Lemke. Am Montag, den 5. März, 3 Uhr, starb nach langem, qualvollen Leiden meinZlieber Mann,»nser auterlBruder u. Schwager, Dder Zinkgießer �\oack im 42. Lebensjahre. 2768b Die Beerdigung findet am 8.'März, nachm. 3U, Uhr, von der Leichenhalle des Emuians-Kirchhoss in Britz statt. Fnima Voaek geb. Strtiwe. Verein zur Walirnng der Interessen der Ziukgiesser und Sliirzer Berlins und Umgegend. Dienstag, den 6. März, verstarb unser Kollege, der Ziiikgicbcr Carl fioack an der Prolctarierlraukhcit. Der Verstorbene war ein thätige? Mitglied des Vereins nnd werden wir sein Ändenkc» stets in Ehren halten. Die Bcerdignng findet am DonnerS- tag. den S.März, nachmittags 4 Uhr, aus dem Einmaus-Kirchhof von der Leichenhalle daselbst ans statt und crivartct zahlreiches Erscheinen 27720] Der Vorstand. Dnnksagnng. Für die vielen Ueweiie herzlicher Teilnahme bei der Bcerdignng meine» lieben Mannes nnd Vaters, des Fräsers Heinrich Wegner. sagen wir hiermit allen Belannten niid Verwandte», insbesondere den Kollegen der Firma R. Körner imfem innigste» Dank. 27066 liiiise Wegner und Sohn. Charlotten bürg. Mitenbergstraße 9. LoiiiseiiUdt. Koiizerthaiis, Alte Jakobstraste 37. Sonnabend, d. 7. n. 28. Slpril, sowie Sonntag, d. 29. April, habe noch zn vergeben. E. Dange.[2774b (i Jlliiilllslhks(iriif). Wer) (tlesellschafts Säle, Jnselstr. II». empfiehlt Saal und BeieiiiSzimuier � zu öffentl. wie Vereinsversanimlungen' und Festlichkeiten; auch sind Sonn- abende zn vergeben. Jeden Sonntag: Gesellschastsabend n. Tanz[37728* Tnppe, Cieunile, Braten u. Kompott. Küpnickerstr. 56a. inkl. Bier 59 Pf.) Nebenverdienst. Hohe Provisionen gewährt alle deutsche Feuerversichernngs-Besellschast achtbaren Herren jeden Standes für den Nachweis bezw. Abichluh von Fenerverstchernngen. Gest. Offerte» snb E. tt Epped. d. 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Bredenbeck, der als Delegierter aus dem Hannoverschen Parteitag gewesen� berichtete in einer Partciversanimlung über die Verhandlungen des Parteitags und, da dies die Parteigenossen des Ruhr reviers besonders interessieren mutzte, ausführlich über Angelegenheit Lütgcnau. Bredenbeck, der mit zu den Parteigenossen des Ruhrreviers gehörte, die bis zuletzt auf Lütgenaus Seite gestanden hatten, hatte durch die Verhandlung der Neunerkommisssou des Hannoverschen Parteitags die Ilcbcrzeugung von der Schuld �utgenaus gewonnen und dieser Ueberzeugnng gab er in seiner Berichterstattung pflichtgeinätz Ausdruck. Da ihm aber nicht daran lag, uichr zu sagen als wie notwendig war, um die dortigen Partei genolicn zurZnstiininuug zu dcrPartcitagserklärnng zubewegen, so ging er aus die Einzelheiten nicht ein, sondern sagte nur, Liitgciiau wäre ein ruinierter Mann, er würde in den Kot sinken, wenn seine Ver fchlnngcn aufgedeckt würden, Dies gab Herrn Lütgenau Anlatz zu seiner Klage. Das Urteil des Gerichts iff noch nicht gesprochen, es wird erst am 13. März vcr si1" ,.C' werden._ ES ist aber'auch glcichgiltig. Ob Bredenbeck vom Schöffengericht freigesprochen oder ivcgen formaler Beleidigung verurteilt wird, ist für das Urteil der Oeffentlichkeit über die Persönlichkeit des Dr. Lütgenau gänzlich belanglos. Der Prozetz nahm allerdings einen merkwürdigen Bcrlau �.r. Lütgeuan ivollte doch ohne Zweifel durch die Klage gegen Bredenbeck erreichen, datz die Tadellosigkeit seines Charakters un antastbar sei. Bredenbeck hatte Zeugen aufgeboten, die die R i ch t i g kcrt seines über Lütgenau aiisgesprochenen Urteils beweisen, di auS eigner Wissenschaft über ehrenrührige Hand I u n g e n L ü t g e n a u s berichten konnten. Diese Zeugen wurden nicht v e r n o m in e n. Statt dessen wurden eine ganze Anzahl ,cugen vernommen, die erst aus zweiter Hand von den ehrenrührigen Handlungen Lütgenaus wutzten und auf deren Mitteilimgen Breden- deck sein Urteil über L. mit stützte. Die ganze Verhandlung lic darauf hinaus, ob Bredenbeck im guten Glauben das über Lütgenau geäutzert habe, w a s er gcäutzert hatte. Ebenso nicrkivürdig, wie dieser Verlauf der Verhandlung. aber auch die Klage gegen Bredenbeck überhaupt. Die veriiommcncu Zeugen haben das, was sie Bredenbeck mitgeteilt haben, dem Dr. L im einzelnen vorgeworfen. Diese Leute aber hat Lütgenau nicht verklagt, er verklagte nur den, der auf Grund dieser Vorwürfe eine Meinung über ihn äutzerte. So sagt der Zeuge Genosse Hue, Redacteur der„Deutschen Berg- und Hiittenarbeiter-Zeitiliig" unter Eid aus: „In einer Pretzkommission's-Sitzung, der er beigewohnt habe weil er eine Beschwerde gegen Dr. L. zu vertreten hatte. es zu erregten Sccncn gekommen. Er habe Dr. L. direkt einen Fälscher genannt und gesagt, Sie sind der Rechte. der die schmutzigen Geldgeschäfte in Sachsen gemacht, die Arbeiter groscheii unterschlagen, auch in dem Prozesse Hofrichtcr de» Schröderfonds betrogen und Geld unterschlagen hat. Er habe hinzugefügt:„Sie sind ein unmoralischer, verlunipter Mensch Em vcrbuinuwlter Student!" Dr. L. habe keine Klage gegen ihn angestrengt." a.> a i Reichstags- Abgeordneter Meister- Hannover sagt gleichfalls eidlich aus: Er kenne die Bcrgchuugen L.s genau, was in seiner Eigen schalt als Controleur selbstredend sei. Wenn ihm einmal nur der zehnte Teil soviel vorgeworfen, wenn er derinntzcn beschuldigt würde, wie es Dr. L. in Gotha über sich ergehen lassen mutzte. dann würde er sich schämen; nicht einen Augenblick länger blieb er am Platz. Das Ehrenrührigste, was mau einem Menschen nachsagen kvunc. sei dem Dr. L. vorgeworfen worden, er verteidigte NA. kaum. Es ist ihm vorgeworfen worden: Pflichtvcrgcssenheit' Während die Geuosscn der Orte, in denen er reden sollte, ihn erwarteten, satz er in Leipzig in Mamscllkncipcn!!! Vorgeworfen ist ihm weiter worden: Betrug, lügnerisches Verhalten, Schwindel. Unwahrheit, doppelte Empfangnahme von Partcigeldern Gegen alles dies habe L. nicht einen einzigen ernsten Versuch gemacht, sich zu rechtfertigen. Der Kontrollansschutz habe es der Partei gegenüber nicht mehr vcrautivorten können und habe aus Kündigung L.'s gedrungen. Genosse Gcrisch-Berlin, der gleichfalls vernommen wurde, macht Mitteilung davon, datz L. in dem Prozesse Hofrichtcr und zur Bc treibung des Wiederaufnahnieverfahrcus im Schrödcrprozcsie 93 M erhalten, das Geld aber für sich verbraucht habe. Lütgcnau behauptete zwar, datz er es einem Gerichtsvollzieher gegeben'habe. konnte aber damals schon weder Namen noch Wohnort desselben angegeben. Lütgcnau habe denn die 93 M. zurückgezahlt, zunächst aber mutzte der Kassierer des Schröder-Fonds, Genosse Wunderlich das Geld noch einmal bezahlen. Ebenso teilt Gerisch mit, datz L in Sachsen auf einer Agitationstour Geld bckonunen habe, vom Dortmunder Geschäft aber unter der Bchauptiing, datz er nichts bc- komnicn, gleichfalls Geld gefordert. Gegenüber all' diesen erdrückenden Bekundiuigeii spielte Herr L eine klägliche Rolle. Er erörterte die Forniali'eu des Ausschlutz Verfahrens auf Grund des Parteistatuts, führte aus. datz der Parteitag nach diesem Statut gar kein Recht habe, einen Parteigenossen aus- zuschlietzeu usw. Auf den hannöverscheu Parteitag zu gehen, um sich dort zu verteidigen, habe er gar kein Interesse gehabt. Im Gegenteil! Dort sei eine Komödie aufgeführt worden, die mitzuspielen er sich nicht herabwürdigen wollte. Er hätte durch sei» Erscheine» die Komödie zu einer ernsten Handlung gemacht! Das richtet sich von selbst! Die höchste Instanz der Partei, die Lütgenau ans eigner freier Entschlietzung aurufen ,! verhandelte über seine Ehre; die Eiitscheidung dieser Instanz ist auch, wie Lütgenau sehr wohl wcitz, über die Kreise der Partei hinaus von Bedeutung, und da tritt Lütgenau in der Oeffentlichkeit auf und sagt, er sei nicht hingegangen, weil diese Verhandlung um seine Ehre eine Komödie gewesen sei.— Jedes weitere Wort zur Sache ist danach überflüssig. 3l»tisemitisch oder nicht antisemitisch? Als Herr Bäckermeister Wolf im Noveruber bei der Bürger- Partei die Rolle eines Stadtverordneten- Kandidaten für den 44. K o m in u ii a l- W a h l b e z i r k übernommen hatte, wurde er von der freisinnigeii Presse als Antisemit registriert. Einem Bürgerpartcilcr gilt die Bezeichnung„Antisemit" gewöhnlich als eine Ehre, aber Herr W. schien andrer Ansicht zu sein. Nachdem er durchgefallen war. lictz er durch eine hiesige Zeitung verkünden, er sei kein Antisemit. Im freisinnigen Lager war mau davon über- rascht, im bürgcrparteilichcii— weiugstens zunächst— unaiigeiichm berührt. Hatte sich die Bürgerpartci in W. verrechnet? Hatte W. die Bürgerpartei getäuscht? Da kam die Nachwahl im Februar, und— siehe da: die Bürger- Partei stellte ihren Wolf zum zweitenmal auf, und Wolf nahm zum zweitenmal an. Wie war daS möglich?! Dann war Wolf am Ende doch Antisemit? Oder war d i e B ü r g e r P a r t c i in i t e i u e in Mal nicht m ehr antisemitisch? Dieses scheinbar widerspruchsvolle Verhalten der Bürgerpartci und ihres Kandidaten wird verständlich. wenn mau beide bei ihrer Agitation beobachtet. Bei Wolf beruht die Sache auf Naivetät, bei den Bürgerpartcilcrn aber auf Berechnung. Wolf ist that sächlich Antisemit, aber als Stadt- verordneten- Kandidat spricht er nicht gern davon. In den Antisemitismus denkt, nur selten und mit sichtlichem Widerstreben gcäutzert. Im Herzen, so gestand er einmal mit deutlicher Beziehung auf sich selber, sind die kleinen Gewerbe treibenden antiseinitifch, aber sie dürfen das nicht so offen aus sprechen, wenn sie sich nicht in ihrem Geschäft schädigen wollen Nun wollen wir Herrn W. ans dieser Scheu, sich frei und un- umwunden als Antisemit zu bekennen, an sich keinen Vorwur* machen. Wir wissen, datz viele Taufende sich gegenüber ihren„Brot gebern", christlichen wie jüdischen, in derselben Lage be finden, iveuu sie ihre socialdem akratische Gesiiiuung bethätigcn wollen. Wie viele Arbeiter, Angestellte, kleine Gewerbetreibende usw. und selbst Beamte möchten, wie sie es bei den Rcichstagswahlen thun, so auch bei den Stadt verordneten- Wahlen socialdcniokratisch wählen, aber sie glauben es hier wegen der Oeffentlichkeit der Stimmabgabe nicht wagen zu dürfen. Indes Herr W. bewirbt sich j a u m ein Stadtverordneten- Man bat! Da darf er seine Gcsiniiinig nicht verstecken und verleugnen. Antisemit sein, aber nicht gern davon sprechen, das giebt es da nicht. Da hcitzt es: Heraus mit der Sprache, damit die Wähler wissen, was sie von ihm zu halten haben! Mutz man schon von jedem Wähler fordern, datz er auch bei öffentlicher Stiinmen abgäbe seine Ucberzcuginig, wenn irgend möglich, furchtlos zum Ausdruck bringt, so ist es bei einem Wahlkandidaten geradezu inidcukbar, datz er sich um ein offenes B c k e n n l n i s seiner G e s i n n u n g h e r n m d r ü ck e n darf. Datz Wolf das dennoch für denkbar und zulässig hält, datz kann mau sich, wie gesagt, nur aus seiner autzcrordcntlichen Naivetät erklären. Die B ü r g e r p a r t e i hat Herrn Wolf jene den Antisemitismus verleugnende Erklärung vom November längst verziehen; im Stillen wird sie ihm vielleicht sogar nachträglich dankbar dafür sein. Gerade s o kann sie ihn besonders gut brauchen; denn gerade s o patzt er vortrefflich zu der Taktik, die die Bürgerpartci bei den letzten Stadt vcrordneten-Wahlcn befolgt hat. Sie möchte selber nach a u h e n h i n nicht m e h r g e r n als a» t i s e in i t i s ch g e I t c n nachdem sie gesehen hat, datz mit dem Antisemitisnins in Berlin keine Geschäfte zu machen sind. Sie nennt sich jetzt„parteilos Bürgervercinigung", weil sie hofft, so auch die Nicüt-Aiitiscmiten unter den kleineren Gewerbetreibenden für ihre„Mittelstaiidspolitit gewinnen zu lönncii. Dcinciltsprcchcnd niutz ihr ein Bäckermeister Woll der sich— dem äntzcren Eindruck nach— schämt, Antisemit zu sein und sich öffentlich dagegen wehrt, Antisemit zu hcitzcn, als durchair geeignet erscheinen, den'„Zug von links nach recht S" zu für dein, den die Bürgerpartci mit Hilfe der Ucbcrläufer aus nicht autiseniitischcn Lagern zu stände bringen möchte. Der Ausfall der Wahl am 14. Februar hat ja thatsäcklich denen recht gegeben, die an W.s Kandidatur festhalten zu müssen geglaubt hatten. W. hat sogar noch ein paar Stiinmen mehr als im November bekommen Für die Stichwahl a m 9. M ä r z erwartet die Bürgerpartci erst recht, datz die Unklarheit, die über ihren Kandidaten und über sie selber in manchen Kreisen der Wählerschaft herrscht, sich als für sie vorteilhaft erweiit. Die konservativ-antisemitischcii An Hänger der Bürgcrpnrtei wissen ganz genau, was sie von jener Er klärinig de§ angeblich nicht- autiscmitischcn Wolf zu halten haben Er ist und bleibt ihnen ein Antisemit, wie sie selber es sind und bleiben. Aber manchem Nicht-Bürgcrparteiler gilt Wolf seit dem November als N i ch t- Anliscniit. also als ein weitzer Rabe unter den Bürgerparteilern, dem mau schon mal seine Stininie geben könne, selbst wenn man im übrigen die„Mittelstandspolitik" dieser Leute nicht mitmachen will. Unsere Genossen werden gegenüber dem M i s ch m a s ch, den die Bürgerpartci für ihren Kandidaten ziisannnenzubriugcn hofft einen schweren Stand haben. Mau sagt, datz gerade in Moabit solche Manöver viel Aussicht auf. Erfolg haben und die Vorgänge. die im November im 45. Bezirk zum Siege des Bürgerparteilers Ulrich geführt haben, scheinen das zu bestätigen. Möge der 9. März die Hoffuinigeu aller Nückivürlser zu Schanden machen und dem A r b e i t e r k a n d i d a t e n Glocke zum Siege verhelfen Mommunales» Auf der Tagesordnung für die Sitzung der Stadt verordneten- Versammlung am heutigen Donnerstag stehen u. a folgende Punkte: Berichterstattung über die Petition eines StratzcnreinignngS- Arbeiters, betr. seinen Ausschlutz von der BetriebS-Krankenkasse der städtischen Stratzenreiiiiginig.— Berichterstattung des Etats- ausschusscs über die nachstebend bezeichneten Etats für das Etats jähr 1909. und zwar: Grundstücke in der Stadt— Läud lichc Grundstücke in und antzerbalb. sowie Mictsgrinidstücke antzcrhalb der Stadt und Kalkstciiibriich zu Rüdersdorf Bcrechtigungeu— Taubstiimmenfchule— Bliudcnanstalt nebst Betrieb der Bcschäftigungsanstali— FortbildungS- Unterrichtswcscu— Gc werbliches Unterrichtswesen— Krankenhaus im FricdrichShain— Krankenhaus Moabit— Krankenhaus am Urban— Kranienbans Gitschinerstratzc— Irren- und Jdiotcnanstalt in Dalldorf— Irren austalt Hcrzberge bei Lichtenberg— Anstalt für Epileptische„Wühl. garten" bei Biesdorf— Bade- Anstalten— Desinfektionsanstalt in der Reichenbergerstratze— Arbeitshaus in Riimnielsbiirg— Städtisches Obdach, Desiufeltionsanstalten II und Hilfsstatiou für Geschlechtskranke— Heimstätten für Genesende und verschiedene Ein- richtungcn für die öffentliche GesnudheitSpflcgc— Park- und Garten Verwaltung— Polizeikosten im allgemciueii sOrtspolizei) und Feuer- löschwefen— Armeuwesen— Friedrich Wilhelm-Hospital und Siechen- nnstaltcn— Waiscnpflcge im engern Sinne, sowie Fürsorge für eingesegnete Waisen— Unterbringung verwahrloster Kinder— Vichmarkt Schlachthof— Fleischschau auf dem Schlachthof— die Errichtung eines städtischen Amts zur Untersiichuug von NahrnngS- n n d G e n u tz m i t t e l n, sowie Gebrauchsgegeiisläuden— die Löhne und die Arbeits- zeit der in den städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter— die spcciellen Projekte und Kostcnüberschläge zum Bau zweier Druck- rohrleitungen nach den städtischen Rieselfeldern— die Auswahl der im Rechnungsjahr 19 neu- und innznpflastcrndcn Straffen und Plätze— die Nachweisnng der Flammen für die öffentliche Beleuchtung, der Gasproduktion und des Gasver- brauchs für das Vierteljahr Oktobcr-Dezcmbcr 1899— die Errichtung eines F e u e r w e h r- D e n k m a l s auf dem Hof der Hanpt-Feucr- wache— der Erlatz eines O r t sst a t n t s. betreffend die Anstellung der K o m m n n a I b e a in t e n und den Erwerb des zur Freilegung der Grünthalerstratze erforderliche» EisenbahngcländcS. Reform des höheren Schulwesens in Berlin. Die Stadt- verordneten D i n f e und Genossen haben folgenden Antrag in der Stadtverordneten- Versammlung eingebracht:„Die Versammlung ersucht den Magistrat, mit ihr in gemischter Deputation über die Lage bezw. Neuregelung d e s h ö h e r e n u n d m i t t l e r e n Schulwesens i n B e r l i n zu beraten, namentlich auch ziniächst über die Einrichtiiiig von Resorm-Gymnasien, höheren Mädchenschulen sowie technischen Mittelschulen usw." Uolmles. Achtung, 6. Wahlkreis. Morgen Freitag findet im 44. Kommunal-Wahlbezirl die Stich- wähl zwischen unserm Parteigenossen Theodor Glocke und dem bürgerlichen Bäckermeister Wolf statt. Es ist bekannt, welche ganz besondere Bedeutung diese Wahl hat, es ist bekannt, datz die Antisemiten nicht ohne Grund ihre Hoffnung auf die Selbst seinen dem ganzen Wahlkampf hat er sich zu der' Frage, wie er über'entmannimg der mieterparteilichen und freisinnigen Wähler sctzen.G esellschaft geworden. Die eigentümlichen Verhältnisse in diesem Wahlbezirk kennzeichnen sich in dem Zwang, der auf alle Wähler ausgeübt wird, die man für Wolf zu gewinnen trachtet, sie treten ferner darin her- vor, daß der zur Rede und Gegenrede in öffentlicher Ver- sammlung unfähige Herr Wolf in intensiver H a n S- a g i t a t i o n die Wähler zu beeinflussen sucht. Diese Agitation erfordert umfassende Matz nahmen von inisrer Seite. Sie erfordert zunächst, datz unsre Parteigenossen im Waht- bezirk selber mit vollem Eifer sich der Agitation widmen; vor allem wollen daher die Parteigenossen, welche als Geschäftsleute:e. abkömmlich sind, sich Freitag früh 8 Uhr bei Pfarr, Putlitzstr. 10, dem Central-Wahlkomitce zur Verfügung stellen. Aber auch die Hilfe der nicht im Bezirk wohncuden Genossen ist notwendig, wenn das Mandat der Reaktion entrissen werden soll. Thue daher jede seine Pflicht. Das Central- Wahlkomitee befindet sich beim Genossen I. Pfarr, Putlitzstratze 10._ Das Wahlkomitee. Die Wahlhmidlung im 44. Kommnnal-Wahlbezii'k dauert morgen von 9 Uhr vormittags bis K Uhr abends und nicht, tvie gestern irrtümlich gemeldet worden, bis 7 Uhr. Das Wahllokal ist der A r t n s h o f, Perlebcrgerstr. 26. Die Parteigenossen deS Wahlvereins im fünfte» Wahlkreise werden gebeten, in der heute abend stattsiiidenden Ver- saminluug zahlreich zu erscheinen. Neben der Organisations- frage wird auch Mitteilung über den Protest gegen die Ztvicksche Wahl gemacht werden._ In treuer Anlehunng an den Geist, durch den der Social- dcmolrat Dr. A r o n s von der Universität verbannt worden ist. hat die Behörde dieses Instituts gestern einen immerhin bc- merkenswerten Eutscheid getroffen. Sie hat nämlich zu dem Beschlutz. die Akademische'Lesehalle an Sonutagnachmittagen für jedermann offen zu halten, rundweg ihre Zu- st i m m u Ii g v e r w e i g e r t. Gestern überreichten drei Mitglieder des Direktoriums dem Rektor die Eingabe, welche auf den be- kaiiuteu Beschlutz der Mitgliederversammluiig hin abgefatzt worden war. und trugen ihm auch mündlich die Bitte um Genehmigung vor. Prof. Fuchs wies das Gesuch kurzerhand und, wie es hcitzt, mit z i e in l i ch scharfen W o r t e n ab. Diese schärfen Worte mögen in inisern Tagen schon um beSIvillen wohlverdient gewesen sein, weil dicMehrheit der akadcmischeiiLesehalle in ihrem Streben die Uugchörigkeit beging, sich durchaus von idealen Gesichtspunkten leiten zii lasten. So etwas riecht immer nach Umsturz, weil Idealismus heute fast nirgendwo anders als bei s o c i a l d e m o- k r a t i s ch e n Arbeitern anzutreffen ist. Es niutz übrigens er- wähnt werden. datz den Uinvcrsitätsre'tor ans diesem Anlatz iiber- rascheud schnell und unter höchst peinlichen Umständeii ein Stück Nemesis ereilt hat. Die„Staatsbllrgcr-Zeitniig" dekoriert den bis dahin der jüdischen Abstammung verdächtigten Professor Fuchs nämlich wegen seines ablehnenden Entscheides mit einem„Bravo". Tie Prüfung deS Personals der Paketfahrt- Gesellschaft zur Ucbernahme in den Reichspost- und Telegrapheudicust wird von der kaiserlichen Ober- Postdirektion Berlin jetzt sehr beschleunigt, da bis zum 20. März über die Zukunft sämtlicher Bewerber Entscheidung getroffen sein soll. Täglich werden von dein damit betrauten Beamten etwa 60 bis 70 Uutcrbcamte geprüft. Die wisseuschafi- licheu Aufvrdcruugcii an die Kandidaten sind so bescheidene, datz ihnen mir ganz vereinzelte Bewerber nicht genügen können. Da- gegen genügt nur ein geringer Teil den Anforderungen. die an die körperliche Lciftmigsfähigkeit eines Beamten der Reichspost gestellt werde» müssen. Diese Kandidaten geben meist gern und freiwillig der gesetzlichen Gcldeiitschädignug den Vorzug. Von den etwa 1000 Uuterbcamten der Privatgesellschaft wünschen etwas über 600 i» den ReichSdicnst überiioiiiincn zu werden. Dazu treten noch einige 70 Bedienstete der Paketfahrt, bei deucii es noch nicht cut- schieden ist. ob sie als Bcaintc oder als Uutcrbcamte übernommen werden köiiucu. Von diesen 670—680 Bcainte» scheidet etwa ein Drittel wegen körperlicher Unzulänglichkeit und auS andren Gründen aus.' Bon den Verbleibenden dürfte etwa wieder ein Drittel von den Post- Vertrauensärzten als iiiitauglich bezeichnet werden. Zieht»inu alle Abgänge in Bc- tracht. so dürften nur etwa 200— 300 Mann von der Pakctfahrt in den Rcichsdicnst wirklich eintreten. Alle übrigen erhalten eine Eut- chädigmig, zu deren Festsetzung jetzt von der Ober- Postdirektion durch niedrere Beamte die nötigen Erhebungen in den Bureaus der Gesellschaft angestellt werden. Die von der Postvcrwaltmig zum 1. April überiiommenci! Beamten haben eine dreiuioiiätliche Probe- zeit zu bestehen. Ertveisen sie sich dann als nicht geeignet, so erhalten ie ebenfalls die gesetzliche Eutschädigimg. Vergebliches Mühe». In der nächsten Zukunft soll Berlin tvicdcr vier neue Kirchen erhalten. Die dafür ins Auge ge- fatztcii Grundstücke stellen einen Wert von 1 Million Mark dar. Anch� diese ncncii Gotteshäuser werden kaum im stände sein, die Socinldcmokratie in ihrem Siegcsmarsche ailfznhaltcn. Ein braver Christ, aber kein braver Soldat. Wegen Gehorsamsverweigerung infolge religiöser Skrupeln ist ein Soldat von ciiicni ivefipreutzischeii Jufaiiterie-Regimeiit zu vier Monaten Festung verurteilt worden, zu deren Abbützung er ins Spaudauer FeftmigSgeflingniS eingeliefert wurde. Der Mann ist Mennvnit und hat sich standhaft geweigert, mit der Waffe Dienst zu thim. Fürchterlich zugerichtet hat sich gestern morgen um V/i Uhr der 39 Jahre alte DrechSlermeifter Albert v. D l u z e lv S k i, der auf dem Hafe des Grundstücks Airllanicrstr. 28 eine zu ebener Erde bclegeiie Werkstatt iuue hat. v. Dluzcwski war in der letzten Zeit sehr ftcitzig, um die zu seinem bevorstehenden Umzug erfordcr- lichen Geldmittel ziisaimneiiziibriligcn. Gestern hatte er schon zu früher Morgeiiftunde die Werkstatr betreten und fleitzig geschafft. Als ihm später die älteste Tochter das Frühstück in die Werkstatt bringen ivollte, fand sie ihn in seinem Blute liegen. Ans das Gc- 'chrei des Kindes eilten die Mutter und Nachbarn hinzu. Der Meister hatte sich mit einem DrechSlermesser den Bauch aufgeschlitzt, die Pulsadern aufgeschnitten und sich einen Stich in die Brust bei- gebracht. Man rief sofort den Dr. Berg von der Rettungswache HI in der Kastanien-Allee, der den Schiververwimdeten mit einem Notverband versah und seine Ueberführung nach dem Lazarus- Kraiikenhaiise vcranlatzte. D. hatte in der Werksielle einen Zettel zurückgelassen, der die Worte enthielt:„Verzeih' mir, liebe Frau, ich bin uuschiildig." Welche Bedeutung diese Worte haben, mutz sich noch herausstellen. Rätselhaft verschwunden ist seit Sonnabciidiiachmitlag mn � Uhr der 20 Jahre alle Student der Schiffbaukunst Eduard S t c l t i n g. der seit dem Herbst als Einjährig-Freiwilliger bei der 4. Compagnie deS Regiments Königin Elisabeth auf Westend der Militärpflicht genügte und bei einer Witwe Schneider in der Sophie- Charlottenstr. 99 zu Charlottcnbnrg wohnte. St. hatte bürgerliche Kleidung angelegt und war ohne irgend welche Andeutung über seine Absicht weggegangen. St. ist der Sohn eines Predigers und hat an feine auswärts wohnenden Eltern eine Nachricht gelangen lassen. Es wird vermutet, datz sich der junge Mann anS einer noch nicht bekannten Veranlassung das Leben nehmen werde oder schon genommen habe. Tom Belling. In der Panlstratze zu Moabit ist am Montag der bekannteste Clown des alten Renzschen Cirkus, Herr Tom Belling, im 57. Lebensjahre an einem Lnngenleiden gestorben. Er Ivar durch dummen A n g u st" das populärste Mitglied der Renzschen Der bekannte Mavicrfabeikant Kommerzieneat Karl Bech- stein ist am 6. März hier gestorben. Bechstein hat ein Alter von 74 Jahren erreicht. Die Nüderödorferstrajse von der Fruchtstraße bis zur Kögigs- bergerstratze ist ivcgcn Umpflasterung bis ans weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Dieselbe Sperrung tritt vom 12. ab für die S ch iv c d t c r st r a ß e von der Schönhauser Allee bis zur Templinerstraße einschlicszlich des Kreuzdammes der Teniplincr- und der Christinenstrajze ein. Ferner wird zur Asphaltierung die Stendaler st ra he von der Havelbergcr- bis zur Rathcnolvcr- stratze vom 7. d. 2)l. ab gesperrt. Fcucrbericht. Nach dem Hause R e i ch c n bergerstraßc 101. daS feit einem Jahr mehrfach von bösivilligcr Brandstiftung heimgesucht wurde, ohne das; die Thäter ermittelt werden konnten, wurde die Wehr Mittwoch früh abermals gerufen. Es brannten einige Bodenvcrschläge. doch waren Spuren von Brandlegung diesmal nicht nachweisbar. Immerhin hat sich der Hausbewohner eine begreifliche Unruhe bemächtigt. Kurz vorher gingen Knrst raste 84 Stoffe und Regale in einem GeschäftSloknl in Flammen auf. Ein Alarm nach L a n g e st r aste? war auf einen Brand zurückzuführen, der durch übergekochtes Fett entstanden ivar und noch im Entstehen ge- dämpft werden tonnre. Lübbener st raste 12 hatte die Balken läge Feuer gefangen. Ansterdem verursachte ein Schornsteinbrand noch ein Ausrücken nach E h a u s s e e st r a st e 2a. Ans den Nachbarorte». Mariendorf-Siidcndc. Parteigenossen! Am Montag, den 12. März, findet die Ersatzwahl der G e m e i n d e- V e r- t r e t u n g für die III. Wählerklasse statt(die I. und II. Klasse wählt am 13. d. M.). und zwar wählt M a r i e n d o r f nebst Feld- mark in Maricndorf in; Lokal des Herrn B l o ck s d o r f. Chansscc- straste 68, Kolonie S ü d e n d c hingegen im Restaurant Dahl, Südendc, Lichterfelderstr. 21. Die Wahl selbst ist auf die Zeit von vormittags 11—2 Uhr und nachmittags von 5—7 Uhr festgesetzt. Die Parteigenossen am Orte stellten in der am Sonntag den 4. März, stattgehabten Versammlung des Arbeiters Bildungsvereins, welche— da nnS in Manendorf selbst kein Lokal zur Verfügung gestellt wurde— in Marienfelde tagte, den Buchdrucker Hermann S ch ü t t e k o p als K a n d i d a t e n auf, nachdem schon zwei frühere Versammlungen � des Vereins die Beteiligung an der Wahl nicht nur für zweckinäpig sondern auch unter allen Umständen für notwendig bezeichnet hatten. 'In Ermangelung eines Versammlungslokals sind wir nun gezwungen. den Wählern der dritten Klasse unser Programm zc. durch Flug- : blättcr zur Kenntnis zu bringen; zu diesem Zwecke erfolgt am Mittwochabend die Verteilung eines Flugblatts Treffpunkt beim Gastwirt Ebel, abends präcise 7 Uhr; wir bitten die Parteigenossen, hierbei thatkräftigst zu helfen. Gleichzeitig sei noch auf die von den Gegnern zum Freitagabend nach dem Restaurant Blocksdorf einberufene W ä h l e rv e rsa mm lun g hin- gewiesen; da die Einladung an alle Wähler der dritten Klasse gc- richtet ist. ist anzunehmen, dast die Versammlung auch von Partei- genossen besucht wird. Das Wahlkomitee. Adlershof. Am Montag, den 12. März, nachmittags von 4—7 Uhr, findet im hiesigen Gemeindebureau die Neuwahl eines G e ni e i n d e v e r t r e t e r s der 3. Abteilung statt. Während bei den vorhergehenden Wahlen in diesem Jahre stets Ansässige gc- wählt werden mustten und solche unter den Parteigenossen nicht vorhanden waren, findet jetzt an Stelle des ausscheidenden Genossen Wade Puhl die Wahl eines Un- ansässigen statt. Darum ist es auch Pflicht cincS jeden Parteigenossen, für Erhaltung dieses Mandats Sorge zn tragen; nur wenn jeder Einzelne am Montag zur Stelle ist, wird imS der Eitz in der Gemeindevertretung erhalten bleiben. Zur Bericht- erstattung des Genossen Wadepuhl über seine Thäti gleit als Vertreter der 3. Abteilung wie zur Aufstellnng eines geeigneten Kandidaten findet heute, abends 8 Uhr, im Restnnrant S ch m a n s e r eine Gcincindcwähler-Vcrsammlung statt. Der Dis- kutierabend des„Socialdemokratischen Arbciter-Bildnngsvercins" fällt dieser Versammlung wegen ans.' Der Bertrauensmann. In Wilmersdorf kommt bekanntlich unser Parteigenosse B e h r e n d mit dem Kandidaten Nächstädt vom Grundbesitzerverein in Stichwahl. Während bei den Wahlen zur Gemeindevertretung am Montag für unsern Kandidaten 233 Stimmen abgegeben wurden, erhielt Nächstädt 132 und der Kandidat der Ncichstrcnen 167 Stimmen. War schon bei der Hanptwahl von allen Parteien mit Anfbietimg der verfügbaren Kraft gearbeitet worden, so erfordert die Stichwahl auf unsrer Seite doppelte Anstrengung. Wir sind überzeugt, dast unsre Parteigenossen am Ort es an der erforderlichen Agitation nicht fehlen lassen. Die Stichwahl findet statt am Montag, 13. März, vormittags von 10—2 Uhr und nachmittags von 3—6 Uhr im.Victoria- Garten", Wilhelmsaue 114. Bei den Wahlen in der ersten Abteilung wurden Geh. Regicrungs-Baurat Häverstädt und Kommcrzienrat Klenne, bei den Wahlen in der zweiten Abteilung Direktor Eichmann gewühlt. Krost-Lichterfelde. Morgen, Freitag, den 3. März, finden die Gemeindevertreter-Wahlen statt. Die Gegner suchen den Sieg der Socialdcmokratie mit allen ihnen zu Gebote stchendcn Mitteln zu verhindern. Es ergeht daher an unsre Parteigenossen, an alle klaffen- bewuhten Arbeiter der dritten Wählerklasse die Aufforderung, ihrer Wahlpflicht zn genügen, die Lauen aufzurütteln und in ihren Kreisen für die Wahl der socialdemokratischen Kandidaten zu wirken. Kein Sieg ohne Kampf! Die Kandidaten der Socialdcmokratie find für den 1. Bezirk (Anhalter Seite): Max Engel, Tapezierer, Göben- st raste 13; für den 2. Bezirk(Potsdamer Seite): K. W e n z e l, Z e i t n n g s e x p e d i e n t, L a n k w i tz e r st r. 6. Wahllokale: Für den 1. Bezirk im Restaurant Hennig, am An» Halter Bahnhof. Für den 2. Bezirk in F i ch t e l s Klub- Hans, Kyllinannstr. 7(am Victoriaplatz). Die Wahlzeit ist von 4—8 Uhr nachmittags. Die Charlotteubnrgcr Stadtverordnete»- Versammlung genehmigte am Mittwoch die Vorlage betr. den Erlast bczw. die Re- Vision von Ortsstatuten in Ausführung des Gesetzes betr. die A n- st e l l n n g u n d Versorgung der Kommunalbeamten vom 30. Juli 1833 gemäh den Beschlüssen dos Ausschusses, ebenso die Vorlage betr. die Errichtung einer neuen Realschule unter Streichung der vom Magistrat geforderten Vorschule. Nach Erledigung einiger unbcdentendcrer Vorlagen erklärte die Versammlung ihr Einverständnis niit der Bewilligung von 700 M. aus dem Tispositionsfonds für die Ver- anstaltung von populären Vorträgen über an- gewandte Elektricitüt für die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetcn-Versammlnng, sowie für die oberen Gemeindebeamten und die Beamten der drei ersten Klassen. Die Magistratsvorlage entspricht einem Beschlust der Versammlung vom Januar dieses Jahres. Eine Petition von Bewohnern der Kant- stratze und der Nebenstrasten um Regulierung der Kant- st r a st e zwischen Schlüter- und Leib'nizstraste wurde dem Etats- ausschust überwiesen. Eine lange und recht lebhafte Debatte knüpfte sich an die Vorlage betreffend die Entscheidung einer Kommission nach Hamburg und Budapest zur Besichtigung einer Müllverbren nungs- bezieh iiiigsiv eise M ü l l- Verwertungs-Anstalt und die Vornahme eines Versuchs mit der Verbrennung von Hausmüll ans dem diesseitigen Stadt- gebiete im Verbrennungsofen in'.Hamburg. Die Vorlage wurde abgelehnt und eine gemischte Deputation eingesetzt, die sich mit der Frage der Müllverbr'ennung weiter befassen soll. Endlich über- wies die Versammlung noch die Vorlage, betreffend Beschaffung von drei Dampf spritzen für die Feuerwehr, einem Ausschutz. In Lichtenberg- Friedrichsberg beschlost die Gemeinde- Vertretung, an den Landtag eine Petition zu richten, in der gebeten wird, die Gesetzesvorlage betreffend Abänderung der Kreis- o r d n u n g in den alten Provinzen abzulehnen. Die Petition spricht sich, soiveit Lichtenberg-Friedrichsbcrg selber in Betracht koinint, für eine E i n g e ni e i n d u n g in Berlin aus; für den Fall, dast eine Ablehnung des Gesetzentwurfs nicht beliebt werden sollte, wünscht die Gemeinde eine Abänderung seines Inhalts nach der Richtung hin, dast dem kleinen und grostcn ländlichen Grundbesitz die eine und dem städtischen Grundbesitz die andre Hälfte der Kreistags- Abgeordneten zufällt. Tie Angst vor drin Gewcrbegcricht ist unter den bekannten Umständen auch in unsreni Vorort Lichten borg- Friedrichs- b e r g ausgebrochen. Man berichtet uns von dort: Ein vor Monaten vom hiesigen Socialdemokratischen Wahlverein an die Gemeindeverwaltung gerichteter Antrag, die Errichtung eines GciverbcgerichtS betreffend, kam in der letzten Gcnieindcvertreter- Sitzung zur Verhandlung. Der Gemcindcvorstand hatte nach An- hörung mehrerer g r ö st c r c r Arbeitgeber Ablehnung beantragt, denn sämtliche Befragten erklärten sich gegen die Errichtung aussprechen zu' müssen. Nach ihren An- gaben muh hier am One ein geradezu ideales Ein- vernehmen zivischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herrschen. Streitigkeiten kämen nur sehr selten vor und wenn— so inciute ein Redner—, so gäbe er seine n Arbeitern immer recht. Woher denn aber die Befürchtungen, dast durch Wahl von den Arbeitern näher- stehcndcn Kleiumeistern der„vom Gesetz beabsichtigte iv o h l t h u e n d c Ausgleich zivischen Arbeitgebern und Arbcitiichinern" zn Gunsten der letzteren verschoben werden könnte? Es gicbt ja doch nach den Angaben der grösteren Arbeitgeber nichts auszugleichen. Wenn aber des weiteren behauptet wird, dast„nach den in Berlin gemachten Erfahrungen die Leichtigkeit für die Arbeitnchiiier, Recht zu suchen, in vielen Fällen zu einem leichtfertigen Vorgehen Anlast geben kvimte, so behaupten die hiesigen organisierten Arbeiter, dast die Kompliziert- heit und Kostspieligkeit, hier sein Recht zu finden, die hiesigen Arbeitnehmer vom Verfolg ihres" Rechts gar zu oft zurückhält, nud nur von diesem Gesichtspunlt aus haben sie die Errichtung eines Gcwcrbegerichts beantragt. Auf Antrag eines Gcmeindcvcrtrctcrs wurde die Angelegenheit dcni Gemeindevorstand zur uochmaligcn Prüfung zurückgegeben. An der organisierten Arbeiterschaft ist es nun, durch Beibringung von Material bei nochmaliger Verhandlung der Sache ein andres Gesicht zn geben. Eine wesciitliche Vcrbcsscrimg dcS Verkehrs auf der Oberhavel bei T e g e l o r t wird von der Regierung in Potsdam geplant; zur Vermittlung des Verkehrs zwischen Tegelört, Valentins- iverder und den andren Ausflugsorten an der Havel soll eine öffent- lichc Fähre eingerichtet werden._ GevichkS�Äeikung. Mit acht und vierzehn Tagen Gefängnis kamen gestern zwei Untcrnchiner davon, die in frovoler Weise den Tod eines Arbeiters verschuldet hatten. Es handelte sich hin cinen schweren Unglücksfall, der sich am 21. Oktober v. I. in der Chololadcnfabrik von K u r tz u. a tz n e r am Engel- Ufer ereignete und gestern die zweite Strafkammer dcS Land- gertichts I beschäftigte. In der genannten Fabrik platzte ein Kessel, der zur Erzeugung von Danipf diente, der wieder in einen mit demselben verbundenen Apparat geleitet wurde. Der den Kessel bedienende ArbcitSbursche Paul Randow erlitt durch den ausströmenden Dampf so so schivere Brandwiiildcn, dost er am folgenden Tage verstarb. Die Polizei war verwundert, dast sie von dem Bestehen des Kessels leine Kenntnis hatte. Ansterdem waren die Sachverständigen der Ansicht, dast die Wände des Kessels zu dünn waren, dast die Verlötung der Nähte mit zu weichem Metall vorgenommen tvar und die Nieten zu schwach waren. Es wurden deshalb der KIcinpncr- meistcr Georg Eltze, der den Kessel geliefert, und der Inhaber der Fabrik, der Kaufmann Julius Kurtz, zur Verantwortung gezogen, der letztere, weil angenommen wurde, dast die Mängel des Kessels entdeckt worden wären, wenn die vorgeschriebene polizeiliche Anmeldung erfolgt wäre. Der Angeklagte Eltze erklärte, dast das Material wie die Arbeit des Kessels nicht zu bemängeln seien. Die Heizung müsse sehr unvorsichtig gehandhabt worden sein, denn die Waildmigcn des Kessels zeigten deutlich, dast derselbe ivicderholt geheizt worden sei, ohne dast sich Wasser im Kessel befand. Der als Sachverständiger vernommene Geivcrbe-Jnspcktor begutachtete, dast ein Dampfkessel unter keinen llinständen verlötet, sondern stets ver- nietet werden müsse. Das von dem Angeklagten Eltze verwendete Lötnngsmaterial sei so weich, dast es bei' erhöhtem Hitzgrade auch schmelze, trotzdem Wasser im Kessel sei. Zweifellos liege seitens des Angeklagten Eltze eine Fahrlässigkeit vor. Hieraus folgerte der Gerichtshof, dast auch der Angeklagte Kurtz sich durch die Unterlassung der polizeilichen Anmeldung zwecks Ab- nähme des Kessels einer Fahrlässigkeit schuldig gemacht habe. Kurtz wurde zu einer Woche, Eltze zn z w e i Wochen Gefängnis ver- urteilt. Mit dieser milden Bestrafung zweier Unternehmer, die in 'rivoler Fahrlässigkeit den Tod eines Arbeiters verschuldet haben,' vergleiche man die monatelangen Gc- fängnisstrafeii, die über organisierte Arbeiter verhängt werden, wenn diese einem Untcriichmer oder einem Streikbrecher eine Drohnng oder ein paar Schclttvorte zurufen! Polizeikampf gegen die Streikposten. Wir haben bereits in der letzten Woche wiederholt über ungerechtfertigte polizeiliche Straf- Mandate berichte» müssen, die aus Anlast des Streiks bei Habildt n. Co. gegen Streikposten ergangen und sodann auf Grund des Widerspruchs der Vetroffenen von den Gerichten aufgehoben worden 'ind. Einen neuen derartigen Fall beschäftigte am 6. d. M. das Schöffengericht. Der Mctallschleifer T r a l I e s erhielt ein Straf- niandat wegen Verletzung der Bestiiiimungeii des Strastenpolizei- Reglenients, das denjenigen bestrast, der der ausdrückliche n Ausforderung eines Aufsichtsbeamten nicht Folge leistet. In der Verhandlung bekundete mm der Schutzmann: Das Revier habe die Schutzleute angewiesen, zu verhindern. dast vor dem Streiklokal oder sonst am Elisabeth- Ufer sich� Streikposten aufhielten, zumal Habildt u. Co. selbst sich um Schutz an die Polizei schriftlich gewendet haben. Trallcs sei einer der Streikposteii gewesen. Er habe diesen aber nicht zum Weitergehen auffordern können, vielmebr ich auf Winke beschränken müssen. da, so oft Tralles ihn habe koiiimen sehen, er ausgerückt sei. Als er den Tralles einmal erwischt habe, wurde dieser sofort von ihm sistiert. Obwohl also nach diesen Bekundungen des Schutzmanns selbst eine Auf- o r d e r u n g an Tralles zum Weitergehen nicht ergangen ist, er- hielt Tralles dennoch ein Strafmandat, dieser also in Wahrheit gar nicht ergangenen Aufforderung nicht Folge geleistet zu haben. Auf Griind dieses Sachverhalts wurde in Uebereiiistnnmung niit dem Antrage des Verteidigers, des Rechtsanwalts Dr. H e i n c m a n n, auf Freisprechung vom Gericht erkannt. VevsÄMmlunsen. merkivürdig, dast derselbe nun mit einem Male sein dem Boden- wucher feindliches Herz entdeckt habe, derselbe Herr, der vor der Hanptwahl noch erklärte, es sei doch ein. Unrecht, wenn man ihm sein Baugrundstück durch eine hohe Steuer belastete. Es sollen also wohl nur die Anhänger der Mieterpartci hierdurch geködert werden. Es komme aber noch eins in Betracht, und dazu sei der Bürger- parteiler überhaupt nickt zu gebrauchen c Diese Wahl, die erste nach dem Amtsantritt des Ministers v. Rheinbaben, mnst ein flammender Protest sein gegen den von diesem Minister im Landtag eingebrachten Gesetzentwurf betreffend die„Reform des Gcuieindctvahlrechls", bei dessen Begründung es dieser Herr offen ausgesprochen habe, dast der geringe Einflnst. den die arbeitende Klasse bisher in den städtischen Parlamenten erlangt hat, noch mehr zurückgedrängt beztv. vollständig anfgehobeir werden solle. In der Diskussion sprach zuerst ei» Frei- sinniger, der sick zur neuen Fraktion der Linke» bekannte und an seine GesiiiiinngSgenossen die energische Mahnung richtete, in der Stichwahl für den Socialdcmokratcn zu stimineir. Auf einen Zwischennif erklärte der Herr, das; er sich des Verhaltens der„Freisinnigen" in: 45. Wahlbezirk schäme. An der weiteren Diskiffsion beteiligten sich noch der Kandidat Glocke und die Genossen R o s e» t h a l und K n o l l. Der Vorsitzende Psarr konnte der Versammlung noch die interessante Mitteilung machen, dast für Donnerstagabend die Bürger- und Mieterpartei das Lokal gemeinsam gemietet hätien. Es sei also auch an- zunehmen, dast beide in der Stichwahl gemeinsame Sacke machen. ivas die Socialdemokralie erst recht anspornen müsse, den Wahlkreis aus eigner Kraft zu erobern. Mit einem begeisternden Hoch auf die Social'demokratie wurde die Bersainiiilnng geschlossen. Ucbcr die Lohnbewegnttg der Kleber(Tapezierer) wurde in einer gut besuchten Versammlung am Dienstag wieder verhandelt. Laut dein von II e s s e m erstatteten Bericht haben von 123 Firmen bereits 116 die Forderungen vollständig bewilligt, so dast bereits über 350jArbciter unter den neuen Lohnverchältnissen thätig sind. Da aber noch eine erhebliche Anzahl Ausständiger zu unterstützen sind, wurde beschlossen, den Ausstand der Kleber bis auf weiteres aufrecht zu erhalten. In diesem Sinne haben alle Arbeitenden auch fernerhin 3 M. pro Woche als Streikunterstützung an die Lohn- kommission zu cutrichten. llcbcr einzelne Borkomniniffe auf Bauten Ivnrde n. a. berichtet, dast ein Streikbrecher auf einem Bau in der Michaclkirchslrahe einen Arbeiter dadurch� schwer verletzte, dast er diesen durch eine geschlossene Glasthür sticst. VevmiMkes. Die Pcst. Die„Times" melden aus Kapstadt vom 6. d. M.: An Bord eines von Rosario kommenden Transportschiffs wurde ein Fall von Bculcnpest festgestellt. Das Schiff wurde in der Qnaraiitäiicstation untergebracht. Nnö Odessa wird berichtet: Der Flust I n g u i ist an- geschwollen nud hat die Umgegend der Stadt Jelissawctgrad und die in der Nähe liegenden Dörfer ü b e r s ch w e in m t. Die Ver- herungen sind bcdcntcnd, die Not grost. Gin trauriges Geschick bat die Kunstreiterin Jenny W eist betroffen, die noch!bis in die letzten Jahre als Baronin v. Rahden im Cirkiis und auf der Varietä-Bühne eine hervorragende Nolle spielte. Nachdem die Künstlerin ihren adligen Gatten, der sich von ihr ernähren liest, durch den Tod verloren hatte, erkrankte sie in Nizza vor einigen Monaten an einem schweren Nervenleiden. Dieser Tage ist die völlig mittellose Frau infolge der Krankheit auf beiden Augen erblindet. Neber ciiicn Unfall beim Kaifersalut schreibt man der„Rat.- Ztg." aus Hongkong unter dein 3. Februar: Ein bedauerlicher Unfall hat sich am letzten Sonnabend beim Salutschiesten zn Ehren des Ge- burtstags des deutschen Kaisers auf dem amerikanischen Kanonenboot „Wheeling" zugetragen. Eins der Geschütze versagte und die Be- dicnnngsmamischaft ivollte nachsehen, wo dcr Schadcn steckte, als das Gcschost plötzlich im Rohr explodierte und das Geschütz zerrist. Zwei Kanoniere würden sofort getötet, Lieiitenant-Kommandcur F. E. Beatty. sowie drei Kanoniere wurden sehr schwer verletzt, einer von ihnen erlag zwei Tage später seinen Wuiiden. Marktpreise von Vcrlin am 6. März ILOO noch EriiiittliiiigiU des kgl. Polizeipräsidiums. 1,00 1,00 1,00 2,60 6, 2,20 3,- 2,50 2,- 1,80 2,80 1,40 12,- 1,10 1,- 1,- 2,- 2,80 1,20 1,40 1,- 1,- 0,80 1,20 0,80 3,- pvn der Cciilrnlsielle der Prellt!. Land- Ucber die bevorstehende Stichwahl sprach am Dienstag» abend Genosse Dr. A r o n s in einer stark besuchten Versammlung des 44. Kommnnal-Wahlbezirks. Von der schwachen Beteiligung an den Konimunalwahlen ausgehend, verwies Redner ans England, das Land des Parlamentarisinns. Dort haben gerade die Arbeiter in wesentlich höherem Maße die Bedeutung dieser Wahlen begriffen iilid durch energisches imd inlensivcs Arbeiten in den Kommunal- torpern für die breiten Massen Vorteilhaftes lind zum Teil Mllsier- gültiges geschaffen. Die Sünden des Berliner Komimmalfreisinns besonders auf dem Gebiete der Arbciterfürsorgc illustrierte Redner durch Auszüge aus einein einzigen Jahrgange der „Socialen Praxis", indem es an der Hand der Beispiele aus andren Städten nachweist, was alles in dieser Beziehung in Berlin nicht geschehen ist. Was den gegnerischen Kandidaten anbetreffe, so sei es "OMdzcli D.-Ctr. 15,10 ♦iRoflflCli„ 14,20 Fiiltcr-liieisie. 14,— Hafer gut. 15.— niitlcl„ 14,10 gering„ 13,30 Nichtstivh, 4, Heil. 0,50 -Mrbseii„ 40,- -s)Spciscbohuen„ 43,— +)l'liiicn„ TO,— Kartosiclii, neue 7,— Nindsieisch, Keule i lig 1,00 tu. Beuch„ 1,20 pro wirtschastskaiiiiiiern- Notiennigspeve- und imigerechiiet vom Polizei- Präsidium für den Doppelcciitner. st) Klenihaiidelspreiie. P r o d il k t c u in a r k t vom 7. März. Ii» Getreideverkehr war die Tendenz für das Effettivgeschäst cincrieits, den Lieferungshaildel andrerseits nicht gleichmäßig. Der Frühinarkt war gcschäftSloo. Das effektive Angebot lieh etwas nach, auch war einige Kanstilsi für vrompic Ware vorhanden. Käufer versuchten allerdings cuieu Druck aus die Preise ailszuübeil, hatte» jedoch damit keiue» Erfolg und die Grundstimmimg blieb fest, wenn auch die zu stände konimaiden Abschliifle gleich Null ivareii.— Am Mittagsmarkte war Nachfrage für Lieferungen fast gar nicht Vorhände»; die Preise neigten iiifolgedeffen zur Atffchwächmu,. Das AvlandSangebot war genug. AuSlandsöfierten etwas imuaiigrcichcr. Die Preisstellungen der ausländischen Börse» boten wenig Anregung. In New. Bork und Cbikagv lag die Tendenz schwankeiid, in England unverändert, in Frankreich weichend, ebenso in Oestreich-Ungarn. Der hiesige Markt erholte sich späterhin, da die weckselhaste Witterung Befürchtmigen für die Saaten wachrief, und schloff fest besonders für Scpteinber-Wci;en. Durchschnittlich wurden Weizen und ilivggcn 1 M. besser bezahlt als gestern. Auch effektive Ware zog zuletzt auf Käufe eines hiesigen Groffunrernehiners etwas an. Haser lag ruhig iiouiinell behauptet. Rüböl still und unverändert. Aul« p i r i t u s in a r l t wurde 70er loco mit 47,70 M.,. wie gestern bezahlt. Städtischer Schlachtvieh, narkt. Belli», 7. März IVOO. Amt' licher Bericht der Direktion. Zum Berkaui slaiiden: 4o6 Rinder, 1867 Kälber, 1210 Schafe, 0753 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): Für Rinder: Ochsen: a) voltsletschige, ausgemästete, höchsten Schtachtivevtes, höchstens 7 Jabrc alt 00- 00, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 00— 00; c) inäbig genährte iniigc und gut genährte ältere 00—"00; d) genug genährte teden Alters 00—00.— Bullen: a) vollffeischige höchsten Schlachtwertes 00-00; b) inäffig genährte jüngere und gut genährte ältere 00- 00; o) gering genährte 48-52.- Färsen und Kühe: a) bullfleischige, ansgenuistete Färsen höchsten Schlachtwerts 00-00; d) vollfleischige, anSgeniästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 ynhreu 00-00; O ältere ausgemästete Kühe und weiiig gut entwickelte jüngere Kühe mid Färsen 00-00; d) inäffig genährte Kühe und Färsen 45—46; e) gering genährte Lühe und Färsen 42—44.— Kälber: a) seiliste Mastkälber(Bollmilchuiast) und beste Saugkälber 72-74, d) mittlere Mastlalber und gute Saugkälber 64— 68, o) geringe Sauglalber 54— 60, d) ältere, gering genährte(Fresser) 43-46.- Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mast- Hammel 59-62, d) ältere Masthammel 53-58, c) inäffig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) 46— 50, d) Holsteiner Zliederungs- schafe(Lebendgeivicht) 00-00.- Schweine: a) vollfleischige der feineren Rassen und deren Slreiizmigen im Alter bis zn l1/, Jahren 47—48, b) Käser 00-00, c) fleischige 45—46, d) gering entwickelte 43-44, e) Sauen 42- 44._ Wetter- Prognose für Donnerstag, de» 8. März 1900. Ein wenig kälter bei veränderlicher Bewölkung, geringen Niederschlägen und mäffigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterburea». Briefkasten der Redaktion. Wilmersdorf. Die Sonntagsbeilage Nr. 9(Neue Welt) ist leilweisc irrtümlich vom vorigen Jahrgang bestellt ivorden, man wolle dieselben bei den Spediteuren in Wilmersdorf umtauscheli._,,, Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Dh. Glocke in Berlin. Dnick und Berlag von Max Bading in Berlin.