Unterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 76. Dienstag, den �1. Llpril. 1914 Jm Sauernlanö. Bon I o h a n Skjoldborg. Einen Angenblick stand Per völlig verdutst da: die tvartnen Worte überraschten ihn. Es war des HoibyrönigS Herz, das sprach. Er Uxu ein merkwürdiger Mann, dieser Bauer, «nd daß er die beide» Braunen vorspannen wollte! Das tiHtre» seine Sieblingstiere, sie galten ihm am höchsten von allen Tiereil deS HofeS. Er schonte diese beiden Pferde mehr als sich selber. Daran dachte Per. während er daS Zarunzeug befestigte »nd die blanken glänzenden Seiten der Braunen klopfte. Noch nie ist die Hoibyer Wehmutter schneller befördert worden oder leichter über alle Hmdemisse hinweggekommen. Es nmrde kein Wort gesprochen. Die beiden Männer tvechselteii kein Wort miteinander. Aber wo auf dem Wege Schneehaufen beseitigt werden sollten, oder wo es andere schtvierige Stellen gab, dachte« sie dasselbe und handelteil augenblicklich übereinstimmend, wie zwei kluge uiid gewandte Männer. Als der Hoibykönig mit der Peitsche über den Rücken der Braunen dnrch den Hohlweg sauste, so das; der tiefe Schnee ihnen um die Ohren stob, da dachte Per: ..So fährt er mit den beiden Braunen um meinetwillen l" Auch nachdem sie das Moorbäuschen erreicht hatten, sagte keiner von ihnen ein Wort, weder Danke noch Adieu noch Guten Morgen. Nichts. Bei der Kranken brannte nur eine Petroleunilampe ohne GlaS. die also nur ein schivaches Licht verbreitete. Die Wehmutter schritt erregt ein paarmal auf der Diele hin und her. Die Eiittäuschung. möglickertveise die Entbindung bei den reichen Leuten auf dem Arauenhofe zu verlieren, lag noch auf ihrem Antlitz. Sie blickte sich mit strenger und kritischer Miene um. Aber als sie im Däinmerlicht entdeckte, wie leer»md armselig hier alles Uvir, da schioand der strenge Ausdruck ein wenig von ihrem Antlitz. Nach ihrem Gesichtsansdruck zu urteile«, war es noch er- bärnsticher. als sie es sich gedacht hatte. Aber heisteS Wasser stand im Ofeu. Per tvar ja eine Angelegenheit tvie diese nicht unbekannt. Er praktizierte sämtliche Kin-der in das erste Zimmer hinein. Iii deit Kästen war kein rechtes Bettzeug. Die Kinder hatten fast nur in altem Zeug und Lumpen von unbestinim- barer Herkunft gelegen. Da seufzte die Hebamme und blickte sich zögernd und suchend um, als wisse sie nicht, worauf sie ihre Augeil heften solle. Auf dem Bette waren keine Laken. Und Federn waren auch nicht mehr in den fleckigen und zerschlissenen Bezügen, in denen Sophie lag. Sie selber hatte eine bauiiitooKene Taille angezogen. DaS war wohl das Beste, tvas sie besaß. Per giilg zu den Kindern hinaus.— Die Hebamme packte ihre Utensilien aus der Tasche.-- Sophie hat sckwn ein t>aar Weben gehabt. Jetzt greift sie mit den Händen nach oben, packt das Kopfkissen und stößt einige jamnienlde Wehelaute aus. Die.Hebamme geht zu ihr ans Bett: „Seid nun vernünftig, beste Frau, nehmt die Hände herunter, daim ist es gleich vorbei." Die Hebannne steckt ihre Hand unter Sophies Lende, um sie ein wenig zu stützen, und merkt dabei, daß diese auf bloßen Sackeil liegt, die unnltttelbar über das Bettstroh gebreitet sind. „Aber du gütiger Himmel!" entfährt es ihr unwillkürlich. Sie sagt e8 vor sich hin. Sophie hört eS nicht einmal. Da niimut das Gesicht der Hebamme den mitleidigen Ausdruck an. der ihm im allgemeinen eigen ist. In dem kleinen Kinde ist kaum noch Leben. Es ist ganz blau. Die Mutter liegt da mit geschlossenen Augen, wie tot. Die Hebamme bittet Per um eine WasMchiissel. \ Er bringt einen Eimer: den pflegten sie zu gebrauchen» und sie hatten nichts anderes. „Habt Ihr muh keine Seife?" Er bringt einen kleinen Klunchen grüner Seife auf eine»; Scherbe. Es werden nur die allernötigsteu Worte gewechselt. Nie- wand ist in der Stiunnung,«lehr zu sagen. „Dann wäre es also das Wickeltuch?" Per blickt sich und zieht eine Kiste hervor, die unter dem! Bett steht. Dort liegt alle? sorgfältig eingewickelt in ein Zeitnngspapier. Es ist ein altes Wickeltuch, das i)i der Mitte mit einem Stück alten Hemdentuchs geflickt ist. Aber das ganze ist rein und Sophie hat den Rand sogar mit rotem Wollgarn eingefaßt, um dem Ganzen ein besseres Aussehen zli verleihen. Per ist ganz froh, daß das wenigstens so einigermaßen in. Ordnung ist. � In der Kiste liegt auch noch ein kleines Hemd, ans altem Zeug zusaininengestückt, aber weiß und sauber. „Ach du lieber Himmel," sagt die Hebamme leise vor sich' hin und lächelt. Das Licht des anbrechenden Morgens scheint durch da? Fenster ans die Hebamme, diiz dasitzt und Kaffee trinkt, während sie Mutter und Kind beobachtet, um zu sehen, ob sie leben werden oder sterben. So im Licht des erwachenden Tages sieht alle? noch viel ärmlicher aus als zuvor, scheint es ihr. Per ninunt sich auch einen Schluck Kaffee. Stillschweigen. Alles ist so stille.� Man sollte nicht glauben, daß hier Kinder im Hause siüd. Und auch nicht, daß i» diesem Augen- blick ein neneS Leben zur Welt gekoimnen ist. Hier ist keine Festlichkeit, keine Freude. Bevor sie geht, wirft die Hebamme, einen. Blick in die Küche und in die Speisekammer. Sie findet nur eine viertel Blase mit Fett und ein Stück«schtvarzbrot— und dann einen Eimer Wasser natürlich.— Die Ziege ist schon seit langem tot und hin. „Dies hier ist zu arg, Mann!" sagt die Hebannne. „Das scheint mir auch." antwortet Per. Während er ihr behilflich ist, ihren Kasten zu packen, sagt er, daß sie sich ihr Geld bei dem Vorsitzenden des Gemeinde- rats holen soll.— Gleich darauf erscheint Hiigel-Pers Frau: sie lmt in der letzten Zeit häufig hier so kleine Stippvisiten gemacht. Und als sie nun hört, daß alles überstanden ist, eilt sie nach Hanse, um Sophie eine süße Suppe zu kochen. Unterwegs begegnet ihr Mads Hoj, der seinen zwei- räderigen Fischkarren zieht. „Was kostet der Fisch heute, Mads?" fragt sie. „Es lvär schon besser. Du bezahltest mir, was Du mir schuldest," antwortet Mads: er ist verdrossen heute. „Es hilft alles nichts. Du mußt mir heute noch einen kleine» Fisch überlassen." Sic nähert sich ihm und sagt mit leiser Stimme:„Seine Frau da drinnen hat ein Kleines ge- kriegt, und sie haben gar nichts!" „Ihr betrügt mich: ich bekonmie von Euch kein Geld. Er da drinnen schuldet mir auch noch.— Wie geht es ihr denn, der Frau?" fragt Mads, etwas milder gestimmt. „Schlecht!" „Warum kriegt Ihr auch all die vielen Kinder?" nörgelt Mads: er ist ein alter Junggeselle. „Ja, siehst Du, Mads, das verstehst Du nun einmal nicht," antwortet die Frau in gemütlichem Ton.„Aber nichts desto- weniger bist Du ein hübscher alter Mann. Mads." „Alt?" „Nein! Nein! Ach, das ist ja auch wahr, wann wirst Du denn nun heiraten?".. „Du redest Unsinn.... Aber einen kleinen Fisch für die Frau werd' ich Dir wohl geben müssen." Er reicht ihr eine prächtige kleine Flunder. „Du wirst Dein Geld zum Frühjahr bekommen. Mads!" „Ja, zum Frühjahr, zum Frühjahr," äfft Mads hinter ihr drein.„Ihr in den Moorhäusern sagt hier immer: Du sollst Dein Geld zum Frühjahr bekommen." ..Ich verspreche es Dir aber. Mads. lind ich werde mich mein Wort halten I" Mads lacht sie ans. „Doch, und wenn ich mich, hols der Satan, meine Hühner verkaufen soll. Denn Du bist doch bisweilen nett, Mads." MadS antwortet nicht: er schiebt seinen Karren weiter und summt dabei ein altes Liebeslicd. Sophie konnte so put wie nichts esse»: dagegen trank sie eine grobe Tasse Kaffee. Aber es war ein so beruhigender(sie. danke, daß Hiigcl-Pers Krau kam. um nach ihnen zu sehen. (Forts, folgt.) Wandertage in Mecklenburg. Mecklenburg liegt nocb nbseus oller modernen Nutlur, im tieferen Sinne ist eü ols.Uoloniolgebiel erste» Ranges 411 bcUaclneir denen soziales Leben einer Reform von Grand aui bedarf. Wie eine verwillerle, efeuumrankie und'agennmwobene Rinne der Feudal« zeit ragt diese klalfUctic Jnnkerdoinäne m das zwanzigste Jabr- bnnderl, fast unbcrübrt von den niärwenhasien Fortichritten der Technik, Wirtschost und Politik. Die primlegTditen Nngiiieher dieses 1)0» der Natur reichlich geiegnelen Landes, eine Hand voll feister Feudalherren, verstehen e« gar meislerlich. den gug der neuen Zeit von ihren Gefilden lern zu ballen. Und nun fa-ehit es uns. als ob die stetig wachsende Schar der Wanderer, die Naturfreunde der Grofisladt. dazu berufen sind, das feudale Mecklenburg aus feiner jahrhunderteallen sozialen Ei starrung zu erwecke». Räch Tausenden zählen die Wanderer, die alljährlich in den Oster- und Pfingstiagen Wecklendiirg nach allen Richtungen durchguere». Diese»atnr frohen Gciellen dringe» bis in dt.' ent- legenslcn n»d verlassenstcii Gegenden vor. wohin tonst kein Fremder seine Schritte lenkt. Ucbeialldi» tragen sie den stolzen Geist der Freiheit nnd Menichlichkeii. Mecklenburg ist prachtvolles Wanderland. Wohl fehlt die be- rauschende Romantik der Gcbirgswelt. die liebliche Heiterkeit eiwa Thüringens nnd des Harzes. Dagegen ist aber die herbe land- fchafltiche Schönheit der norddeutschen Tiefebene hier in ihrer beste» Art vereinigt. Dunkle, träumerische Zkiefernforste von strotzender Kernsestigkeit— schier unbegrenzie. in lichter Farbenpracht schimmernde Laubwaldungen, deren sagenbasieS«Her und majestälischc Ruhe dem Wanderer tiefe Ehrfurcht einflvsie»— zahlreiche blauleuchtende Seen von seltener Grvsie und Schönbeil— das alles find unvergängliche Eigent'chasten, die den Naturfreund immer wieder nach Mecklenburg lock». Wer von Fürnenberg über Himmelsoit. Lhchen, Boitzenbura. Feldb«rg usw. in mehrtägiger Wanderung bis zu dem unvergleichlich schönen Tollensesee vordringt, an dessen Auge und Geist ist ein köstliches Stück deutscher Landichast vorbeigezogen. Mit guten Karten nuSgerüstet. kann man nach Herzenslust auf den Iveltenllegensten Psaden wandern, über raschelndes Laub und schwellendes Moos, wo tonn nur die Hüter des Wäldes, der stolze Hirsch und das borstige Wildschwein dahineile». In diesem Fahre ist der Frühling recht zeitig auch i» den schweren knorrigen Wald MccklenbnrgS eingezogen. Die grob- rindigen Eichen strecken freilich noch wie»n kalten Winter ihre kahlen Aeftc zum blauen Himmel empor. Ebenso versuchen auch die glatt- stämmigen Buchen erst ganz jchiichiern die enae Knoipenhülle zu sprengen. Dagegen tpinnl um die Krone» der schlanken Birken be- reitS ein grüner Schleier, und das vielartige niedrige Gebüsch prangt durchweg. im üppigsten Grün. Der dnslende Walddoden ist dicht bedeckt mit Waldmeister, wildem Klee. Becreiistränchern usw. llnd überall, in Baum nnd Busch ertönt vielsiinuniger Vogel- gesang, als bringe das befiederte Volk dem jungen Frühling ein Fest- konzert. Froh und rüstigen Schrilles wandert unsere kleine Schar au den dichtbewaldiicn Ufern des Tollcnseiees dahin. ES ist ein prächtig schöner FiiiHlingsnrorge», und so leuchtet aus jedem Augenpaar helle Ficudc. Der schmale Fuhpiad schmiegt sich näher und näher an d.'ir bewegten See, desie» klare Wellen leicht iiiid zierlich im ivcisicn Uferiaiide spielen, um dann sanft zu verebben. So haben lvir zur Linken die weile, bläuliche Wassel fläche. zur Rechten einen hohen, gefährlichen Sincheldrahizaun, dahinter besten Hochwald. Buchen und Kielern. Plötzlich wird uns der bar- barischc Zaun, der wie ein störender Fremdtiiper künstlich in diese friedliche' Natnrprocht gepresil ist. zum Verhängnis Der wunderbare Weg zwischen Wasser und Wald ist versperrt, jede der tückischen Drähtstacheln grinst uns an wie ei» geschriebener Ordnungsparagraph. Ueber einer halbgeöffneten Ptorle. die in einen woblgepflegten Schlosipark führt,' steht gros; und breit zu lesen: Einlrilt bei Strafe verboten! Was nun'< Zurück? Unniöglich I Unsere vor- geinerkle Route führte vorloärtS, nicht, rückwärts. Also durch, trotz Strasandrohung l Aon oben herab winken, hinter uralte» Baumriesen versteckt, die weisten Zinnen des feudalherrliche» Schlosses. Ohne besondere Hast nnd arglos dazu streben lvir bergan. Da brüllt uns aus einen, Seitenweg der Wächter des Parks, ein Gärlner nach. Atemlos eilt er auf uns zu. Hochrot schreit er weiter, ob wir am Eingang nicht daS Verbot gefeben hätten. Wir enlschnldigeii uns zunächst recht höflich und setzen hinzu, das; wir uns vollständig verirrt hätten. Er glaubt un«. wird ruhiger, tut ober äusierst gewichtig und betrachtet sich jetzt als unseren geborenen Führer. Eine beiläufige Bemerkung unsererseits, vag der Park heirlich und sauber sei. stimmt deir wütigen Störenfried von vorhin noch versöhnlicher. Er beginnt in lehrhaftem Tone zu plaudern von den Vorzügen des Pmks. Der Herr Graf sei übrigen» abwesend, so das; wir uns in Ruhe um- schaue» könnten. Und es lohnt sich in der Tal, nicht nur im Herrenpark sich um- zusehe», sonder» auch von dieser lichic» Höbe den Blick in die Ferne zu richten. Z» unseren Fns;» stiecki sich in alter Grösze und Pracht der Tollensesee. Das jenseitige llfer krönt ein mächtiger Puchen- Wald, in dessen roiischenden Gipfeln die lebendige Krait des Frühlings schimmert. Westlich, in entickwliideuder Ferne, werden wie winzige Punkle einige GuiShöse bemerlbar. Ueber all dieser krait- vollen Schönheil wölbt sich ringsum der blaue Himmel und die siravlend« FrüdlingSionne wirkt und webt in ollem, dringt in die Poren der fruchibaren Erde wie warmer Wellodem. Indes wird unser Grünrock nicht müd, uns den märchenbaften Glanz dieses Herrensitzes zu schildern. Reben dem alten Schlad in» ichlechten Nenaisiaiieesiil erbebe» sich noch mehrere andere Gebäude, darmiter cm Kvlossalba» im hochgewölbien romaniische» Stil. Wir inachen nicht wenig verdutzte Gesichter, als der Mann»»s mit viel Stolz erzählt, dadkci der gräfliche Pferdestall. Er führt uns hinein. Buch vo» innen hätie man nicht den Eindruck eines Pferdestalles, wenn nicht fech-Z kraftstrotzende Gäule darin standen. Es fehlt der übliwe Pferdestallgeriiib. überall berrfchi peinlichst« Eauberleit. Die Pferde stehen out reinstem Stroh, an weiden Marmorkr'ppen. befestigt an blinlenden Silberketten. Die Verichläge sind aus gebeiztem Eichen- bolz und Meistnftstangen angefeiligl. Reben jedem Gaul hängt eine Uhr, Therniorncler und NaniniSi'child. Zur Pflege dieser edlen Rasie- liere sind zwei dienstbare Geisler bestellt. Ihre alleinige Ausgabe ist es, für das Wohl der gräfliche» Luxusliere zu sorge». Wir mubtcn die'e gewistenhafie und komsortable Piei besiege loben. Glücklich daS Land, da» sich iolche geiunden. hygienisch einwandfreien Pferdeställe leiste» kann. Und damit verliehen wir durch das breite Bordertor den feudalen Herrenbof. Vor uns liegen nun. regellos zerstreut, die Wohnftätie» der AutSarbeiter. Wie bar sich das Bild aber so plötzlich verändert! Vor wenigen Mliinie» standen wir noch sta»n»»d in dem prunkvollen Pferdestall. Und jetzt stehen wir dieien elenden, baufälligen Löchern gegenüber, in die weder genügend Licht noch Luft dringen laiin. Und doch m»d die Masse des LändvroletariaiS in solchen Katen Hansen. Schon die Tür, durch die wir eintreten, ISHt uns zweifeln, ob eö wirtlich»ienfchlicke Wohnungen sind; sie ist wie bei alten Scheunen das Tor aus rohem, morschem Holz uns im Querschnitt geteilt. Wind und Weiter haben io ungehindert Zutritt, zumal viele in verfallendem Zustande sind. Nicht besser steht es um die Fenster; zahlreiche Scheiben sind zertrümmert und durch bnnle Lumpenbündel ersetzt Dementsprechend ist da« Innere dieier Arbeiterivohnunge». Wir beglücken die GulSarbeiler mit einigen roten.Fackel»", die sie schüchtern aber gern nehmen, und haben so die Möglichkeit, ihr Heim näher besichtigen zu lönnen. Waren die Pferdeställe mit Mai mar. Flieien und Eichenholz ausgelegt, die Wände blendend weih gesirichen und mit tiefblauer Malerei geschmückt, so find die Wobnunge» der Arbeiter nüchtern, barbarisch rob hergerichiei. Der Fubboden aus geftampslem Lehm oder Ziegelsteine», die Wände innen so roh wie a»dc», besieniallS mit einer verwässerten Kalkschschi übertüncht. Die Wohnräume haben in der Regel das gleiche Giödeinnad- Zwei Betlgestelle, ei» Tisch und einiges HauSgerät sülle» den Raum vollständig auS. Darin hauien durchschnittlich acht Perionen. Duich das zertrümmert» Fenster bricht ein matter So»nenstrahl; wie ein fremder�»irgeivohiiler Gast i» diesem tiostlofen Raum irrt der gebrochene.Slrabl von einem Gegenstand zum ander». In der Fenslerccke hockl der alle Grahvaier. ein siebzigjähriger Grei«. Ilebeinuid'g Harle Arbeit nnd zuletzi die fressende Gicht baben den Körper gänzlich zerstör». Der dürre Körper de« Alle» zuckt fast uu- unterbrochen als würde er vo» einer unsichtbaren Krait geschüttelt. DaS Haupi der Familie, auch schon iaft ein Greis ist am Osler- tage ci'rig dabei, Weilenkörbe auszubessern, während die Frau Kleider flickt. DaS junge Volt ist abioejeiid. Wir veriuchen diesen niedergetretenen Prolelnnenr an den einfachsten Beispiele» die Ur- lache ihrer groden Noi llar z» machen. Wir erzählen vo» der Volks- semdlichen Klasienherrschaft der nrecklenbiirgiichen Junker laste und ihren Folgen. Von Zeit zu Zeit»nlerbrichl der Man» seine Korb- flcchterarbcit nnd sendet unS vielsagende Blicke z». Ader wir sprechen auch von den grohen Fortschrilten deö lämpsenden ProlelarialS und von einer besseren Zutunst.„Ob bat wirtlich noch anders waren wird?' fragt nun der Mann leuchlcnden Blickes..Wir können dem zaghaft Hoffenden nur Mut und feste Zu« verficht zusprechen und wenden unS zu der nächsten Stätte des Land- arbeitcrelendS. Solche ausreizenden Bilder sozialer Gegensätze bieten sich dem, der in Mecklenburg wandert und icharf zusiebt, auf fast jedem Guts- Hofe. Hier, wo der Grundbesitz Monopoleigentum der Junker ist, wo seit 200 Jahre» jeder politische Fortschritt ausgehört hat. regieren auch die Junker noch das Volk mit Sporn und Reitpeitsche. Diese ieudalen Kreaturen stützen die in Mecklenburg celtenden Mittelalter- lichen Gesetze, und sie üben zugleich absolute Polizeigewalt. Aber inmitten der Kultur deS 20. Jahrhunderts erscheint diese feudale Ordnung nur noch als eine wankende Ruine, deren Funda- mtnte morsch und faul find. Und der Tag wird nicht mehr fern fein, an dem sie in sich felbft ,»,>ammeiibr«chl Goldig-rol strahlt die Sonne am abendlichen Westhimmel. Einige Lerchen steigen nach einmal empor und singen mit silber- Heller Summe dem scheidenden Tag den Ebschied: aber angesichts der stnlenden Sonne segeln sie bald zur Erde hinab. Mecklenburg« fruchtbare Felder dehnen sich, lo weit der Glick sehen kann. Grünende Saatfelder, überall ein Reimen und Wachten, datz man die M, ltter Erde ob dieser Herrlichkeit anbeten möchte. Alle« deutet cuis Fruchtbarkeit, die allen Menschen Wohlstand und Freibeil geben töiinte. Und doch ist die Masse derer, dl« der Natur diese Schöye avringen, zu Rot und Elend, Knechtschaft und Au»beiitu»g ver« dämmt. Wann werden die Proletarier, die mit starken Ärnien diesen Slnterreichtuin täglich erarbeiten, sich dazu ermannen, ihre Macht gegen die barbarische Gewaltherrschaft von oben zu wenden? Wann?l--- Franz Petrich. 4](rainquebille. Von A» a t o l e France. Warum waren Sie nicht der Stärkere, Crainquebille? Wenn Sie, nachdem Sie»verfluchter Polyp" gerufen hatten, sich zum Kaiser erklären liehen, zum Diktator, zum Präsidenten der Re- publik oder auch nur zum Stadtrat, so versichere ich Sie. dah ich Sie weder zu vierzehn Tagen Gefängnis noch zu einer Geldstrafe von fünfziQ Frank verurteilt hätte. Sie wären jeder Strafe entgangen, da« dürfen Sie mir glauben." So hätte der Präsident Bourrichc ohne Zweifel gesprochen, denn er hat einen juristischen Sinn und weih, waS daö Tribunal der Gesellschaft schuldig ist, deren Prinzipien er mit Ordnung und Rcgelmähigkeit verteidigt. Die Justiz ist sozial, und nur böse Geister wollen dah sie auch menschlich und gefühlvoll sei. Man verwaltet sie nach feststehenden Regeln, aber doch nicht mit Gefühlsduseleien oder Klarheit und Intelligenz. Man verlangt vor allen Dingen nicht, dah sie gerecht sei. Das hat sie nicht notig. denn sie ist die Justiz, und der Gedanke einer gerechten Justiz kann wirklich nur in dem Kopfe eines Anarchisten entstanden sein. Der Präsident SRagnaub*) fällt allerdings BilligkeitSurteile, aber sie tverden kassiert, und daS ist die wahre Justiz. Der wirtliche Richter wiegt die Zeugenaussagen nach dem Ge- wicht der Waffen. DaS hat man in CrainquebilleS Sache gesehen und in manchen anderen, viel berühmteren Fällen." So sprach Jean Lermite, indem er mit langen Schritten den Vorsaal durchmah. Josef Aubaret, der das Gerichtswesen kannte, kratzte sich die Nase und sagte: ..Wenn Sie meine Meinung hören wollen, so bezweifle ich, dah der Präsident Bourriche sich zu einer so hohen Metaphysik aufge- schwungcn hat. Wen» er die Aussage von dem Schutzmann Nr. Gl gelten lieh, so tat er das lediglich, weil da« nun mal alter Brauch ist. In der Nachahmung müssen wir die Beweggründe der meisten menschlichen Handlungen suchen. Wer den althergebrachten Gewohnheiten und Satzungen folgt, wird immer für einen ehrlichen Menschen gelten. Unter»brave Seilte" versiebt man solche, die eS machen wie die anderen." * Als Crainquebille in« Gefängnis zurückgeführt worden war, setzte er sich auf den angeschmiedeten Stuhl und verharrte in stummem Staunen und stiller Bewunderung. Er wuhte selbst nicht recht, dah die Richter sich getäuscht hatten. DaS Gericht hatte ihm seine innereii Schwäcben unter der Majestät der Formen verborgen. Er konnte nicht glauben, dah er recht hatte gegenüber dein Tribunal, besten Gründe er nicht ver- standen hatte. Er vermochte nicht zu fassen, dah etwa« bei dieser schönen Zeremonie hinkte. Denn da er weder in die Messe noch ins Theater ging, hatte er in seinem Leben nie etwas so pompöses gesehen als diese Verhandlung im Gerichtssaal. Er wuhte wohl, dah er nicht..verfluchter Polyp" gerufen hatte und dah man ihn zu vierzehn Tagen Gefängnis und fünfzig Frank Geldstrafe verurteilt hatte, weil er es gerufen haben sollte, aber allmählich wurde diese Idee zu einem erhabenen Mysterium für ihn, zu einem dieser Glaubensartikel, dem die Frommen anhängen« ohne sie zu verstehen. Es war wie eine dunkle, plötzliche Offenbarung— herrlich und schrecklich zugleich. Der alte Mann erkannte sich als schuldig, den Schutzmann Nr. 64 in mystischer Weise beleidigt zu haben, wie ein kleiner Junge in der Katechismusstnnde EvaS Sünde auf sich nimmt. Durch seine Verhaftung wurde er belehrt, dah er»verfluchter Polyp" gerufen hatte— also hatte er das in mysteriöser, ihm selbst *) Der»gute Richter", dessen von sozialem Verständnis und wahrer Gerechtigkeit diktierte Urteile in ganz Frankreich Aufsehen erregen. unbewuhter Art getan. Er fühlte sich i» eine aberirdisch« Welk versetzt. Seine Verurleilung war für ihn ein geheimnisvolles Wunder. Wie er schon von seinem Vergehen keine rechte Vorstellung hatte, so machte er sich vmi der Strafe erst recht keinen klaren Begriff. Seine Aburleilung war ihm al» eine sehr feierliche, ritu. elle und vornehme Sache erschienen, als etwas Erhabenes, was man nicht begreife» kann, worüber sich nicht streiten läht, als etwa«, dessen man sich weder zu rühmen noch zu beklagen hat. Wenn der Präsident Bourrich« in diesem Augenblicke durch die Decke berabgesticgen wäre mit einei» Heiligcnfchein um bat Haupt und Flügeln an den Schultern, so wäre Crainquebille von dieser neuen Manifestation der richterlichen Glorie nicht weiter überrascht. gewesen. Er hätte sich einfach gesagt: »Ach so, meine Angelegenheit nimmt ihren Verlaus." Am folgenden Tage besuchte ihn sein Advokat. „Nun, nicin Lieber," fragte Mattre Lenierle,„geht es ziemlich gilt? Rur Mut, zlvei Woche» sind ja schnell vorüber. Wir dürfen uns übrigens nicht allzu sehr beklagen." »Das ist wahr," gab Crainquebille z»,»die Herren find sehr freundlich und höflich gewesen. Nicht ein grobes Wort haben sie mir gesagt. Hätt' ich gar nicht gedacht. Und haben Sie wohl gc» sehen, der Soldat hatte weihe Handschuhe angezogen." »Ueberlegt man sich'S," bemerkte der Advokat, �{o war eS daS beste, dah Sie gestanden." »Mag lvohl fein," erwiderte Crainquebille. »Ich habe eine gute Nachricht für Sie, Crainquebille. Eine mildtätige Person, die ich für Ihre Lage interessiert Hab«, hat mir fünfzig Frank für Sie übergeben, also gerade die Summe, zu der Sie verurteilt sind." „Und wann werde ich daS Geld bekommen," fragte der Alte. »DaS wird direkt der Kanzlei übergeben, darum brauchen Sie sich nicht zu kümmern." „Na, einerlei; lagen Sie der Person meinen besten Dank."■ Daun wurde Crainquebille nachdenklich. Nach einer Weile meinte er:«Sonderbar, höchst sonderbar tft das, was mir pasfiert ist." »Glauben Sie das nicht, Crainquebille, Ihr Fall ist durchaus nicht selten." »So?— und können Sie mir vielleicht auch sagen, was auS meinem Wagen geworden ist?" » Crainquebille war aus dem Gefängnis entlassen und schob wieder seinen Wagen durch die R»c Montmartre vor sich her und rief: Kohl, Rüben. Wurzeln! Er empfand Weber Stolz noch Scham Wege» seines Aben« teuerS. Es war keine peinliche Erinnerung für ihn. sondern wie«in Schauspiel, eine Reise, ei» Traum. Nun aber war er froh, wieder im Schmutz heruinzilgehen über das Pflaster der Strahen und über sich den Himmel zu sehen, grau in grau im strömenden Regen— den sieben Himmel seiner geliebten Stadt.' An allen Strabeneckeil hielt er an, um ein GlaS zu trinken, dann fühlte er sich frei und seclenvergnügt, spuckte in die schwieligcn Hände, damit sie geschmeidiger wurden,»nd saht« von neuem die Griffe seine« HandioagenS. Die Sperlinge, die wie er arme Frühaufsteher waren und ihr Futter am Wege ftichten, flatterten aus bei seinem Rufe Kohl, Rüben, Wurzeln— und ftogen vor ihm her. Eine alte Haushälterin kam heran und prüfte daS Gemüse. „Ja, waS war denn mit Ihnen lo«. Vater Crainquebille," fragte sie,„man hat Sie ja so lange nicht gesehen. Sind Sic krank gewesen? Sie sehen etwas blast aui." „Tje," erwiderte Crainquebille,»ich will Ihnen was sagen, Frau Mailloche, ich Hab''n bistchen privatisiert." Nichts in seinem Leben ist verändert, höchstens dast er häufiger als sonst ein Gläschen trinkt. Er hat das Gefühs, als sei immer Feiertag, imd dann hat er ja. auch die Bekanntschaft von mild- tätigen Leuten gemacht. �' Ein bistchen angeheitert gelangt er abends in seinen BerschWg. Dann streckt er sich zufrieden aus, deckt sich mit den Säcken zu, die ihm sein Freund, der Kastanienverkäufer von der Ecke, gelieht» hat, und brummt vor sich hin: „Im Gefängnis ist es gar nicht so übel, man hat da olleS,»aä man braucht, aber einerlei, zu Hause ist es doch besser." Seine Zufriedenheit sollte nicht'ange dauern. Er bemerkte bald, dast die Kunden ihn schnitten. »Ich habe hcnte recht schönen Sellerie, Madame Cointreau," sagte er frenndlich. „Brauche nichts," erwiderte die Frau barsch. „Was, Sie brauchen nichts? Sie lebcn doch jetzt wohl nicht bloh von der Luft?" fragte Crainquebille erstaunt. Aber Madame Cointreau würdigte ihn keines Blickes und ging stolz in ihren Schlächterlade». Sonst hatten sich Meistcrinnen und Mädchen um seinen Wagen gedrängt, der stets mit reichlicher AuS- Wahl versehen war, jetzt drehten sie ihm alle den Rücken, sobald sie ihn sahen. Als Crainquebille zu dem Schusterlad«« kam, wo fei« geruht». liches Abenteuer angefangen hatte, rief er: .Masame Bajard, SRabamc fujaib, Sie ftiib mit noch von «enlich die fünfzehn Sou» schuldig." Aber Madame Bajard. welche an der Kasse thronte, hielt e» unter ihrer Würde, ihn zu beachten. Die ganze Strasse wussU dass der alte Trainquebille aus dem Se sang» iL tarn und alle taten, als ob sie ihn nicht kannten. Bon hier au» hatte sich dav Gerücht in dem ganzen Viertel verbreitet. Als Crainqucbille gegen Mittag in eine andere Strasse kam, sah er seine freundliche Kundin Madame Laure an dem Gemüse- wagen de» kleinen Martin stehen. Sie musterte gerade einen grossen Kohltopf. Ihre Haaxe glänzten wie eine Unmasse feiner goldener ssäden. Und Mar.i». der Knirps, dieser schmutzige Lausbub, schwor mit der Hand aus dem Herzen, dass eS weit und breit keine bessere Ware gäbe als die seine. Da» gab Crainquebille einen Stich in» Herz. Er stiess seinen Wagen gegen Martin» Karren und sagte mit klagender, gebrochener Stimme: „Daö ist nicht schön von Ihnen, dass Sie mir untreu werden." Wie sie selbst eingestand, war Madame Laure durchaus nicht al» Herzogin geboren, llnd ihre Kenntnisse vom grünen Wagen und Gefängnis hatte sie sich auch nicht gerade in der grossen Welt erworben. Aber man kann in allen Lebenslagen ehrlich sein, nicht wahr? Jeder hat seure Portion Selbsigefühl, und man mag nicht» zu tun haben niit einem Individuum, da» gerade aus dem Gefängnis kommt. Daher antwortete sie Crainqncbille nur mit einem verächtlichen Achselzucken und lvandtc sich ab. Der alte Mann zuckte schmerzlich zusammen, dann aber fuhr er auf und brüllte ihr nach: „Schaiiddiriie.— liederliche» WciböbildI" Bor Schreck lless Madame Laure ibren Kohlkopf fallen. .Scher' Dich weiter. Du Lump." rief sie ausser sich vor Eni- rüstung,..so was kommt gerade aus den» Gefängnis heraus und will andere beleidigen." Bei ruhigem Blut hätte Erainqucbille Madame Laure niemals ihren Lebenswandel vorgeworfen. Er wuhte nur zu gut. dass es in dieser Welt nicht so geht, wie man gern möchte, und dass man sich fem Handwerk nicht immer wählen kann. gür gewöhnlich kümmerte er sich überhaupt nicht darum, tvas seine Kunden taten. Aber heute war«r ausser sich. Er schimpft« hinter der Frau her: ..Gemeine Person. Hnrenmensch..." Ein Kreis von Neugierigen sammelte sich um die beiden, die immer ausfälliger wurde». Wahrscheinlich hätte die Schimpfszene noch lange fortgedauert, wenn nicht plötzlich ein Polizist aufge- taucht wäre und sie durch seine schweigende Unbeweglichkeit eingeschüchtert hätte. Leise murmelnd ginge» die beiden auseinander. _(Schluss folgt.) Kleines Feuilleton. Völkerkunde. Ueber die zwerghasten Elefantenjäger in Neu- Kamerun sprach kürzlich in der Berliner Anthropologischen Ge- sellschast Dr. Kuhn, der Medizinalrefereut für Kamerun. Den Sanga hinunterfahrend, traf er hinter Kribi aus die ersten Pygmäen, al» er sich ans der Elefantcnjaad befand. Aufmerksam wurde er auf die Anstedlung durch die lebhaften Stimmen im Urwald, die vom Weibergeschwätz herrührten. Da die Pygmäen grosse Furcht vor dem weisse» Manne haben, die ihnen durch dre Reger im Geschäftsinteresse eingeimpft wird— die Reger sind Zwischenhändler für Elfenbein— so überraschte er das Dorf in der Weife, dass er erst zuverlässige Eingeborene einzeln in da» Dorf schickte, die der Sprache der Babinga mächtig waren, und zum Schluss selbst erschien. Elf Männer und ebensoviel Frauen brachte er glücklich zur Faktorei in Mombassa, tvo er Mesimigeir an ihnen vornahm. Später gelang es ihm noch, bei Birn und Wesso mehrere Pygmäen zu untersuchen. Die Anlage de» Dorfes weicht von der der Buschmänner in Südafrika ab. indem die Hütten in einer Lichtung des Urwaldes kreisförmig angelegt werde». Die Hütten sind au» Zweigen und Arsten in Form eine» Windschirmcs hergestellt und mit Blättern bedeckt. Die Grösse der Männer beträgt durchschnittlich 163 Zenti- meter, die der Frauen 117 Zentimeter, die ungefähr der der Buschmänner entspricht. Die Farbe ist dagegen dunkler als bei diesen, aber erheblich heller als die der Bantustämme. Sie sind beleibter und muskulöser als die Bnschleute, was, wie Geheimrat Fritsch in der Diskussion betonte, darauf beruht, dass sie nicht, lvie die Buschmänner, das Wild durch die Steppe zu hetzen brauchen. Der Rumpf ist im Verhältnis lang. Die Stirn ist meistens sehr (teil, die Augenbrauenwiilste sind stark entwickelt. Auffällig ist die tarke fleischige Rase mit einer durchschnittlichen Breite von 4.8 Zentimetern bei den Männern und 4.4 Zentimetern bei den Frauen. Der flache Rasenrücken der Buschmänner fehlt. Sie halten im Gegen- satz zu den Buschmännern die Augen weit auf, doch sind sie sehr «mpsindlich gegen Sonnenlicht._____ Derantw. Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln.— Druck u. Verlag: von den Sitten und Gewohnheiten der Pygmäe« weiss man sehr wenig. Sie leben im wesentlichen von der Elefanten» jagd, die in der Weise ausgeführt wird, dass sie sich mit dem Speer unter de» Elefanten, wenn er feine Siesta abhält, schleichen und ihm den Speer in den Leib bohren. Dass sie bei dieser gefährlichen Jagd häufig von den Elefanten zertreten werden, ist selbstverständlich. Der Elefant wird dann auf weite Strecken verfolgt, bi» er an dem Blutverlust eingeht. Bogen und Pfeile sollen die Pygniäen am Sanga besitzen, während die in der Nähe von Molundu sie nicht kennen. Sie leben vom Fleisch der Elfanten, das sie aber auch nebst den Zähnen an die Bantus ver« kaufen, wofür sie Feldfrüchte und auch schon Tabak einhandeln. Sie stehen in einem gewissen HörigkeitSverhältni» zu den Bantuhäupt- lingen. das ähnlich dem der Buschmänner zu den OwamboS und zu den Betschuana« in Westafrika ist. Bei Streitigkeiten mit den Häupt» lingen brechen sie ihre Hütten ab und suchen Anschluss an andere Häuptlinge. Das interessante Bölkche» ist ebenso wie da? der Buschmänner dem Untergang geweiht, da eS kulturunfähig ist. Wen» den Pygmäen. die bei dem grossen Handel mit Elfenbein dort die Elefanten durch ihre Jagd ausrotten, da» Handwerk erfolgreich gelegt iverden soll. ist der Kampf mit den Weissen da, in dem sie unterliegen. Eine andere ErwerbSlätigkeit im Dienste der Weissen ihnen aufzuzwingen, wird unmöglich sein. Deshalb hält eS Kuhn für empfehlenswert, Reservate für die Elefanten einzurichten und die Pygniäcn zu Wild- bütern zu machen, denen die Jagd der abschnssreifen Elefanten übertragen»pird. Sie erhalten dann einen bestimmten Preis für da» Elfenbein und können da» Fleisch für sich berwenden. Kuhn hält die Pygmäen für nahe Verwandte der Buschmänner. AiiK dem Pflanzenlebe«. Da» Lebensclement der Pflanze. Die erwachende Natur schmückt sich nun wieder mit ihrem schönsten Lenzgrün. Jetzt lugen die ersten Blattspitzen noch im zarten Hellgrün aus den Zweigen. Doch die Strahtenkraft der Sonne färbt sie bald dimkler und dunkler, bis endlich zur Soinmerzeit die Blätter in» saftigen tiefen Grün prangen. Wie ausserordentlich wichtig das Blattgrün für die Pflanze ist. haben allerdings erst die jüngsten Forschniigen aus diesem Gebiete gezeigt. Man wnsste freilich schon längst, dass die in den Zellen der Pflanzen befindlichen grünen Körner, die Chlorophyllkörner, deren masienhafle Anhäufung den Pflanze» die gleichmässig grüne Farbe verleiht, die Funktion haben, die Kohlensäure der atmosphärischen Lusl anzueignen nnd in die ihnen nötigen Nährstoffe, Zucker und Stärke. zu verwandeln. Zu welchen Massen sich übrigens die Chlorophyll« lörner in der Pflanze vorfinden, zeigt die Tatsache, dass bei der trockenen Pflanze der Chlorophyllgehalt etwa die Hälfte ihres Gesamtgewicht» beträgt. Auch die chemische Zusammensetzung der Chlorophyllkörner wurde mittlerweile festgestellt, wie auch da» Borkommen zweier Sorten, des gelbgrüne» und de» blaugrünen Chlorophylls. Allein wie der Prozess der Kohlensäureumwandlung in die Endprodukte Zucker und Stärke vor sich geht, war bisher minier noch eine der Löiung harrende Frage. Da der Prozess nur im Soimenlicht statt- finden kann, wurde natürlich vor allem der Einfluss der Sonnen« strahlen, besonders aber der ultravioletten Strablen. jener dem menschlichen Auge unsichibaren Strablen des Soiinenfpeklrmnö, ge« prükt, und ein solcher Versuch brachte denn endlich auch(Professor Sloklasa) das gewünschte Resultat. ES zeigte sich, dass die Erzeilgung von Zucker und Stärke in der Pflanzenzelle tutsächlich nur mit Hilfe der ultravioletten Strahlen vor sich gehen kann, und die Chloropbyll« körner zu diesem Zwecke die ultravioletten Strahlen aufsaugen niüffen. Damit ist auch das ausserordentliche LichlbedürfniS der Pflanze erklärt und ebenso leuchten ihre koinplizierteu Elnrichtlingen ei», daS Licht bis zur Grenze der Möglichkeit anSzuniitzen. Auf eine der intereffantesten dieser Einrichtungen machte neuerdings der Botaniker Haberland aufmerksam. Als lichtempfindliches Sinnesorgan der Pflanze funktioniert die Oberhaut. Hier lvird nun der einfallende Lichistrahl fo gebrochen, dass sich in der darunter liegenden Zellen« schicht die Strahlen je an einer in der Mitte befindlichen Stelle sammeln, während genau innerhalb dieser am hellsten beleuchteten Stelle das lichtbedürftige Chlorophyll liegt. Wie steht es nun aber mit den Pflanzen, deren Blätter rot, hellgrün oder gefleckt find? Die also von den, wichtigen Lebensstoff, dem Blattgrün. viel weniger besitzen als die übrige Pflanzenwelt? Nun, sie leben auch: freilich ist auch ihr Lebensprozess etwa?„her- ililtergeschraubt". WaS die roten Blätter betrifft, so besitzen sie in der Regel ziemlich reichlich Chlorophyll, was man beim Zerreissen eineS derartigen Blattes auch ganz deutlich wahrnehmen kann. Neber dem Blattgrün sind jedoch rote Farbzellen, daS sogen. Anthokyan, gelagert. wodurch indes keine schädliche Filnktionsstörung in der Ernährung der Pflanze eintritt. Weniger gut geht eS aber den hellgrünen und gclbgefleckien Blättern, die oft tatsächlich mit weniger alS der Hälfte des Chlorophyllbestandes ihrer rein grünen Geiioffen auskommen müffcn. Doch auch sie führen, wie die jüngsten Untersuchungen (Pflaster) zeige», ein ganz zufriedenes Dasein. Sie begnügen sich mit weniger Nahruiig, d. h. nnt einer viel geringeren Stäne- und Zuckermenge als die übrigen Pflanzen, und damit in Zufa», men« hang steht auch eine entsprechend verminderte Atmung sowie eine durch zahlreiche Lufträume erfolgende intensive Wärmevermittelung von aussen._________ vorwärtSBuchdi uckerei».veriagSanstaltPaul Singer LrTo., Berlin LVs.