; o �7.�" I O O*\\ oll"w' ES a«'2 S»� oCO«, r, 2§.�: 3' 2.,� o 2.�-?� 2 2 3� 5 �; t= s* 2 -■"*« 3 ♦-»' o w 3». Also ward Smelse an Sliinbroek gerächt, welcher nicht mehr wagte, ihn anzuschauen und sich versteckte, so er ihn sähe. Aber der gute Schmied hatte darum nicht größere Hireude. maßen er mit jeden? Tage bedürftiger ward, den?? er hatte mit seinem Weib allbereits den Zuschuß der Zunft und auch eine kleine Summe Geldes verbraucht, so ihn? vo?? Middels bürg in Walcherei? z»gekoi?ii??en war. Gar betrübt, daß er schrnarotze???l??d betteln uiußte,??n? zu lebe??, und nicht wissend, wie er diese Schaiide ertriige, be- schloß er. sich zu entleiben. Also verließ er seine Behausung bei Nackt und ging nach den Stadtgräben, welche mit schönen Bänmen eingefaßt sind, derei? Zweige bis auf den Boden hangen. Allda befestigte er sich einen Stein an? Halse, befahl seine Seele Gott, trat drei Schritte z?iriick, um besser zu springen,?lnd nahm einen Anlauf. Aber in? Laufe ward er plöhlich von zweei? Zweige» gehemmt, so auf seiiie Schultern fielen und sich darauf legten wie Menschenhände und ihn wie angenagelt auf dem Zäeck hielten. Diese Ztveige waren nicht kalt??och hart, gleichwie Holz l'on Natur ist, sondern geschmeidig und warm, lind in> rränilichen Augel?btick sagte eine schier seltsame und hohnlachende Stimme:..Wohin wolltest Du, Sinetse?" Aber er konnte vor lauter Vertvimdening nicht antworten. Und ohugeachtet kein Wind gii?g. so beivegten sich Stamm und Laub des Baumes und schwankte?? wie sich bäumende Schlangen, indessen n?ehr denn zehntausend Funken rings??»? verstreut knisterten. Und Sniets? erschrak noch?nebr.?lnd ein heißer Oden? ging Uber sei?? Gesicht, und die Sii?y?»e sprach abermals, dock noch näher, U'ie ihn? deuckte:..Wohin tvolttest Du, Smetse?" Aber er vern?ochte vor Entsetzen nicht zu reden, dieweil sein Schlund vor A>?gst trockei? war?l??d seine Zähne klapperten. ..War«?»?," fragte die Stiimi?e...wagst Du dem, der Dir »vohlivill,??i?ht zu ailtwortei?? Wohi?? l?io!ttest Du Sinetse?" Da er sich also fröhlich und freundschaftlich anreden hörte, faßte er sich wieder ein Herz?i!?d e!?tgegi?ete mit großer Demut:„Serr, den ich nicht sehe, ich tvollte mich umbringen, maßen das Leben für?uich nicht n?ehr lebenslvert ist." „Sinetse ist närrisch," sprach die Stiinme. „Das bin ich, wen«? Ihr tvollt, Herr," aiitwortete der Schniied.„Dessei? ohngeachtet>?iäre eS für inich noch größere 'Narrheit, zu leben denn zu sterben, Maßen ich dilrch die Sckilld eine? böse» Nachbarn meine Schiniede perloren habe und, um z»? leben, schmarotze?? und betteln???»ß." „Sinetse ist närrisch," sprach die Stinniie,„daß er zu sterben tviinscht: denn so er will, tvird er seine schöne Schmiede, sei?? schönes, Helles Feuer, seine giiteu Arbeiter iiueder haben und so viel güldeiie Dnkatei? in seinen Truhen, als er knisternde Funken auf diese??? Bauuie sieht." „Ich!" rief der Schmied gar verzückt,„i?h werde niiiiiuer all diese schönen Dinge habe??, die für mich Arinseligen viel zu prächtig sind." „Smetse." sagte die Stiniine,„meinen? Herrn ist alles möglich." „Ha," sprach der Schii?ied,„bist Du des Telifels, Herr?" „Ja," entgegnete, die Stimme,„?»?d ick? komme, Dir in seinem Nai?ie>? eii?e»? Handel vorzuschlagen. Durch sieben Jahre sollst Du reich sein und die schönste Schmiede von Gent haben. Di? sollst Geld genug verdienen, um damit den Zwtebeldamm zu pflastern; Di? sollst in Deinem Keller so viel Bier und Wein halten, daß Dn alle trockenen Kehlen Flanderns damit anfellchten kannst. Di? wirst die besten Fleischstücke,- das leckerste Geflügel speisen; Du wirst Scknnlen haufenweis, Würste im Ueberfluß, Leberwürste in Fülle haben; ein jeder wird Dick? preisen, beloundern und Dein Lob singen. Wem? Sliinbroek diese? sieht, wird er vor Wut vor- recken. Und für all diese großen Güter sollst Dn?»?? nach Ablauf vou sieben Jahren mir Deine Seele geben." „Meine Seele," sprach Smetse.„ist das einzige Gut. da» ich habe..Könntest Du mich nicht zum geringeren Preis reich machen, Herr Teufel?" „Willst Du oder willst Du nicht, Schniied?" fragte die Stimme. „Ach," entgegnete Smetse.„Du bietest mir gar be- gebrenswerte Dmge, Herr Teufel, Wahrlich»lehr, denn ich Wünsche; es sei g?'sagt, ohne Dich zu kränken. So ich nur meine Schmiede hätte und Kunden gennng, das Feuer z?l unterhalten, so wäre ich glücklicher als ihre Gnaden, Herr Albert und Frau Jsabella." „Nimm oder laß fahren, Schmied." sprach die Stimme. „Herr Teufel," gab Smetse zur Antivort,„ich flehe Dich cu?, gerate nicht in Zorn Wider mich, sondern geruhe, dies zu betrachten. So Dn mir allein meine Schmiede gäbest und nicht all das Gold, Wein und Fleisch, so könntest Du Dir pielleicht daran genügen lassen, meine Seele tausend Jahre lang brennen zu lassen, welcher Zeitraum der ganzen langen Eilst gleit nicht vergleichbar ist, während er dem, welcher ihn inmitten des Feuers verbringen soll, doch lang gennng dünket." „Deine Schmiede für Dich, Deine Seele für uns; nimm oder las; fahren, Schniied," antwortete die Stimme. „Ach," jainmerte Smetse,„das ist teuer bezahlt; das sage ich, ohne Dich zu kränke». Herr Teufel." „Wohlan, Schmied," sprach die Stimme,„ziehst Di? den Bettelstab dem Reichtum vor? Tue nach Deinem Belieben. Haha, Dn wirst große Freude haben, wenn D» Dein iiielan- choliscki Gesicht in Gent spazieren führst I Jedermann wird Dick meiden und die Hunde werden Dir an die Beine fahren! So Dein Weib elendiglich Hungers stirbt, wirst Du Deinen Bußpsalm vergeblich singen. Allein in dieser Welt, wirst Dil dami ans Deinem hohlen Wallst bei Kirmessen die Trommel schlagen, und die Mägdlein, so z» dieser Musik getanzt haben, werden Dir etliche Naseilstüber geben, ibr Vergnügen zu bezahlen. Aufs Letzte aber wirst Dn Dich in Deinem Hause verbergen, um Deine Lumpen nicht mehr in der Stadt zu zeigen, und allda lvirst Di? grindig, zähne- klappernd und als Fraß für Ungeziefer ganz allein ans Deinem Misthaufen verscheiden, gleich einem Aussätzigen. Mau wird Dich einscharren, und Sliinbroek wird kommen und sich ans Deiner sterblichen Hülle erlustigei?." „Ha," sprach Smetse,„das täte er, der Galgenvogel!" „Warte dies schändliche Ende nicht ab." sprach die Stiiiinie. „Sterben ist minder hart: spring ins Wasser, Sinetse, springe, Schmied." „Wehe," jammerte er,„so ich mich Dir ergebe, werde ich ewiglich brennen." „Dil wirst nicht brennen, Schmied," redete die Stimme, „sondern uns Speise sein." „Ich!" rief Sinetse schier entsetzt ob diese? Wortes.„Ge- dächtet Ihr mich da unten zu verspeisen? Ich tauge mit- Nichten diizu, das muß ich Dir sagen. Es ist kein Fleisch, das zäher, härter, gemeiner und pöbelhafter ist, denn das meine. In? übrigen war es ehedem von Pest, Krätze und anderen schlimmen Krankheiten ergriffen. Ihr würdet an mir einen armseligen Schmans haben, Ihr Herren Teufel, wo doch in der Höllen so viel erlauchte, saftige, leckere, wohlgenährte Seelen sind. Aber die meine langt nicht, das sage ich. „Du irrst Dich, Schmied," sprach die Stimme.„Seelen von schlechten Kaisern, Königen, Fürsten. Päpsten, berühmten Hauptleuteii, Eroberern. Menschenschlächtern und anderen Räubern sind bisweilen hart ivie Adlerschnabel. Also wurden sie durch ihre Allmacht. Wir lassen dabei unsere Zähne stück- weis. Andere sind von Ehrgeiz und Grausamkeit, welche gar gefräßige Würmer sind. i»i voraus gefressen, und wir finden an ihnen kaum einen Brosamen als Nachlese. Seelen von Btihlerinnei?, welche ohne Not noch Hunger bei Lebzeiten der- kauften, was Natur ihnen gebot, un? nichts zu geben, sind s» stinkend, faul und verdorben, daß die ausgehnngertesten Tenfel nicht hiueinbeißen wollen. Seelen von Eitlen sind Blasen und inlvendig ist nur Wind, das ist kümmerliche Nahrung. Seelen von Heuchlern. Scheinheiligen und Lüg- nern sind anbei? gleich schönen Aepfeln, aber unter der Schals voller Tolle, Essig und schreckliche,» Gist; keiner will bei uns davon kosten. Seelen von Neidischen sind Kröten, so ans Wut über ihre Häßlichkeit durch Mund, Beine und den ganzen Körper gelben Speichel auf alles Leuchtende ausschwitzen. Seele» von Vielfräßen sind Mist. Seelen von Zechern sind bisweilen lecker, so sie den himmlischen Wohlgeruch von gutem Wri>, oder gutem Brannbier bewahret haben. Aber keine Seele ist so wohlschmeckend, labend, saftig und von erlesenein Geschmack wie die eines rechtschaffenen Weibes, eines guten Arbeiters und tüchtigen Schmiedes wie Du. Denn da sie im- ablässig arbeiteten, so ließen sie der Sünde niemalen Zeit, sie zu beflecken, außer ei» armes Mal, und dafür holen wir sie, wann wir können. Aber daS ist ein seltener Leckerbissen für die königliche Tafel Seiner Gnaden, des Herrn Lnzifer." „Ach," sprach Snietse,„Du willst mich mit Gewalt ver- speisen, ich sehe es zur Genüge. Und doch würde cS Dir keinen Groschen kosten, mir meine Schmiede umsonst zurück- zugeben." „Es ist," sagte die Stimme,„gar keine große Pein, also gegessen zu werden, denn Seine Gnaden, der König hat ein größer Maul, denn der Fisch, davon vor Zeiten Jonas� der Jude verschlungen ward. Du wirst wie eine Auster in seinen Magen gleiten, ohne im geringsten von den Zähnen verletzt zu werden. Und so es Dir mißfällt, allda zu verweilen, strampelst Du ans Leibeskräften mit Händen und Füßen und Seine Gnaden wird Dich schnell wieder ausspeien, weil es ihm unerträglich ist, so gekitzelt zu werden. So Du ihm vor die Füße fällst, mußt Du ihm ein fröhlich Gesicht, unerschrocke- neu Blick und gute Haltung zeigen, desgleichen der Dame Astartc. Selbige wird Dich sonder Zweifel zu ihrem Liebsten machen, wie sie mit mehreren getan hat. Alsdann hast Dil gute Zeit, wenn Du der Herrin fröhlich dienest, und Seiner Gnaden das Fell bürstest. Was uns angeht, so werden wir uns freuen. Dich in unserer Behausung zu sehe»! unter den gewohnten häßlichen und gemeinen Gesichtern von Eroberern, Schnrken, Plünderern, Dieben und Mörder» wird es uns Balsam sein, das ehrliche Antlitz eines lustigen Schmiedes wie Du, anzuschauen." „Herr Teufel," sagte Smctse,„ich verdiene so viel Ehre nicht. Zwar glaube ich nach Deinen erbaulichen Reden, daß bei Euch gut sein ist; aber ich wäre dort schlecht an: Platze, das versichere ich Dir, sintemalen ich in Gesellschaft frenider Leute von scheuem Wesen bin. Und ich werde Euch keine Freude bringen und nicht singen; also würdet Ihr durch mich klägliche Erlustigung haben, das ist mir im voraus bewußt. Ach, gib mir lieber nieine schöne Schmiede und meine alten Kunden zurück und erlasse mir die Schuld. Das wäre die Tat eines königlicheil Teufels und stünde Dir wohl an." Plötzlich sprach die Stimme voll Zorn:„Schmied, willst Du uns in Affenmünze zahlen? Das Leben ist Dir nicht lebenswert, der Tod ist Djr verhaßt und Du willst die sieben vollen, reichen, fröhlichen Jähre, welche ich Dir jetzo anbiete, umsonst? Nimm oder schlag aus, Deine Schmiede für Dich, Deine Seele für uns, bei den Bedingungen, welche ich gesagt habe." „Wehe," sprach Smetse,„ich will, da es sein muß, Herr Teufel." „Wohlan," sprqch die Stimme,„so setze mit Deinem Blute Dein Haudzeichen ans." lind ein schwarzes Pergament und eine Rabenfeder fielen aus dem Baume dem Schmied zu Füßen. Er las auf dem Pergament in flammenden Lettern den Pakt für sieben Jahre, öffnete sich mit einem Messer die Ader und unterzeichnete mit der Rabenfcder. Und da er Pergament und Feder in Händen hielt, fühlte er sie sich jach aus den Händen gerissen, aber er säh nichts. Und er vernahm etwas wie den Schritt eines Mannes, welcher auf Schlappschuhen läuft, und die Stimme sprach, sich entfernend:„Du hast sieben Jahre, Smetse." Und der Baum hörte auf zu schwanken, und die Funken daran erloschen.(Forts, folgt.) /tof dem steinigen Mer. Bilder aus ciiiem Kinderleben. I. In der Schulklasse sind an diesem dunklen Wintennorgen die Vorhänge heruntergelassen und die Gaslampen angezündet. Von den vier»nächtigen Heizkörpern strömt unter dem Surren und Glucksen deö fie durchfließeiidei, Wassers eine behagliche Wärine in den großen Raum, in dem sich auf eiiggestellten Bänken eine Schar von sechzig Proletarierjungcn eingefunden hat. Sie freuen sich der Wärme und blinzeln in das Licht an der Decke, das den kahlen Raum heute so freundlich macht, und hören williger als sonst auf den Lehrer, der mit leiser, gleichförmiger Stimnie ein Kapitel aus dem Reuen Testament vorliest. Alex Mithöfer, ein großer, schmächtiger Junge, der seinen Platz nahe dem Fenster an einem der Heizkörper hat, ist von der un- gewohnt festlichen Stimmung dieses Morgens ganz gcsange». Wohlig dehnt er seine halberstarrtcn Glieder in der wannen Lust, die zitternd cinporfteigt und ihn wie ein warmes Bad umspült. Recht zum Gedanke» nachhängen ist ihm zuinnte. Dabei sind seine Augen stramm nach vorn auf die sich bewegenden Lippen deö Lehrers gc» richtet; voi, allem aber, ivaö er sagt, versteht er kein Wort. Sein Denken ist so widerspenstig, daß er es anch beim besten Willen nicht in die vorgeschriebenen Bahnen zwingen kann. Vielleicht kommt er sich auch zu erwachsen vor für alle die Dinge, die hier getrieben werden. Seit fünf Uhr ist et auf den Beinen. Dann verlangen der Haushalt»nd die Sorge für die jüngeren Geschwister eine volle Arbeitskraft von ihm, die die Mutter nicht geben kann, loeil sie in die Wollkäinmerei geht. Auch der Vater, der müde von der Nacht- schicht kommi, will seine Aufwartung haben. Alex hat mit Kaffee- kochen, Gcschirranfwaschen und Zimmeminigen schon ein halbes Tagewerk hinter sich, wenn er in die Schule geht. Einen»vahren Heldenkampf kämpft er dann gegen die Müdigkeit, die sich nacheinander feines Kopfes, seiner Arme und seiner Beine be- mächtigt. Heute kommt die Wärme dazu, die ihn sacht umrieselt; seine Augen blinzeln. Wie von ferne hört er die monotone Stimme vor sich, die das Gleichnis von» Säcmann erzählt, der ausging, feinen Same»» zu säen. „... Etliches fiel in das Steinige, da es nicht diel Erde hatte; »»nd ging bald auf darum, daß es nicht tiefe Erde hatte. Als aber die Sonne aufging, verwelkte es, und dieweil e§ nicht Wurzel hatte, ward es dürre..." Durch einen Spalt am Borhang scheint der Tag herein; eben steigt die Sonne hinter grauen Häuiern herauf. Wie ein glutroter Ballon ist sie anzusehen. Mit einem Satz sitzt er plötzlich rittlings oben darauf, und nun steigt er langsam höher und höher. Rund um die Erde geht die Reise, bis in ein fernes, gesegnetes Land, wo Taufende von Menschen, in Gruppen gelagert, ans einen Einzigen in ihrer Mitte sehen, der sie alle speist. Und nun senkt sich derBalloi», er gleitet hinab und tritt mitten unter sie und ißt mit ihnen vorn Brot und Fisch... Gründlich satt ißt er sich, wie er eS lange nicht getan--- Plötzlich fühlt er sich kräftig wachgerüttelt. ES ist heller Tag; kalte Luft strömt durch die geöffneten Fenster des Klaffenzimmers. Alex Mithöfer hat eine volle Stunde verschlafen. Ungehalten steht der Lehrer vor ihin. Und weil der eine solche Pflichtvergessen- heit zumal in einer NeligionSstunde nicht ungesühnt hingehen lassen will, so soll Alex die versäumte Zeit in einer Nachfitzstundc nachholen und das Gleichnis vom Säcmann abschreiben. II. Alex Mithöfer hat. wie die meisten Jungen seines Alters, eine „Stelle", die ihn verpflichtet, drei Stunde» an jedem Nachmittag für seinen„Brotherrn", einen Kolonialworenhändlcr, die bestellte» Sachen an die Kundschaft zu befördern. Meistens kann er sämtliche Tüten und Pakete in einem Tragkorb fortschaffen, der dann aller- diiig-Z so schwer wird, daß ihm immer ein Zweiter beim Hinauf- hebe» auf die Achsel und beim Absetzen behilflich sein muß. Heule aber, an einem Sonnabend, muß er mit der schottischen Starre loS. „Sieh zu, daß Du bis acht zurück bist, sonst kommst Du mit der Polizei in Konflikt," sagt der fürsorgliche Krämer, der noch eine schwere Kiste hinaussetzt und dann die Karre in Bewegung bringen hilft.„Und heut abend gibt's auch Löhnung." Alex hat jetzt das widerspenstige Vehikel, daS eigentlich für ein Paar Männcrarme gebaut ist, voll in der Gewalt und steuert cS geschickt über daS mit gefrorenen Schneeresten bedeckte Pflaster durch den drängenden Verkehr. Hier ist er in seinem Element. Die» richtige Aufreihen der Straßen, in denen er zu tun hat, das Ab- liefern der Waren, das Buchen voir Bestellungen, alles besorgt er mit einer Geivandtheit, als sei dies fein eigentlicher Beruf. Straß» auf und straßab rollt seine Karre, die von Hans zu Hau? etwas leichter wird. Von einem Kirchturm schlägt es sieben. Wenn er sich beeilt, kann er in einer Stunde wieder in der Vorstadt sein. Aber es gibt etwas, das ist stärker als fein guter Wille. Es ineldet sich in der Form von Zwangsvorstellungen von eßbaren Dingen, zu denen die üppigen Schaufensterauslagen einer großen Stadt so verftihrerischcn Anlaß geben. Sein Magen windet sich wie eine Schraube. Das bißchen Kaffee und Brot, das er zn Mittag ge- nosscn, ist loie in ein Loch gefallen und hat nur eine schmerzliche Erinnerung hinterlaffen. Sehnsüchtig malt er sich die Genüsse des warmen Mittagbrotes au», das in seinem Hause des Abends ein- genommen wird. Vielleicht gibt es Pellkartoffeln, vielleicht gar Reis, sein Leibgericht... Tapfer greift er seine Karre an, dercir harte Stöße aus dem holprigeil Pflaster schütternd durch seinen schmächtigen Körper gehen und beschwichtigt den Hunger durch rastlose Eile. Bald wird er den letzten Kunden befriedigt und den Wochenlohn verdient haben: zwei Marl und fünfzig Pfennige... Und im Trab jagt er letzt mit der leeren Karre die steile Bergstraste hinan. Wie er oben ist, dreht fich alles vor feinen Augen; der Platz, die Häuser, die Latenien tanzen wie im Wirbel um rhn herum. Ordentlick, fest mutz er sich halten, dah er nicht mit umgerissen wird. Sein Kopf glüht. Wie im Traum schiebt er die Karre vor fich her. so leicht fährt fie. Die Wagen rollen wie auf Teppichen. Alle Geräusche schlagen wie durch dicken Stoff gedämpft an sein Ohr. Ohne dost er selber weist ivie, hat er sein Tagewerk erledigt, seinen Lohn eingestrichen und geht nach Hause, nur von dem einen Ge- danken erfüllt, viel zu esien und zu schlafen.. HL Auch in der schlotestarrenden Vorstadt ist der Frübliug einge- zogen. Wohl findet er hier jeden Fnst breit Cnrde mit Steinplatten zugedeckh so dast kein grüner Halm hervorspriestt i aber er braucht feine Sonne nur einen Mittag lang über die Häuser scheinen zu lassen, um die Buben und Mädel daraus ivie aus einem Ameisen- Haufen hervorwimmeln zu lassen, lind nicht lange, so beginnt ein Spielen, als wäre dies der einzige Sonntag des Jahres, der für all die ungezählten Stunden des Stillesitzens entschädigen � müsse. Schwingende Taue, hüpfende Kreisel. Reiter und Pferde, Bälle, ja- gende Reifen in tvilder Lust durcheinander. Ein paar Mädchen haben fich zum Reigen gcfastt und fingen: GriineL Gras, grünes GraS nnter meinen Austen... Bunter kamr auch der grüne Rasen der gepflegten Vorgärten nicht sein, wenn der Schnee verschtvunden ist und die blauen, gelben und weistei» Blütenspitzen der Krokusse zum Vorschein kommen. Die laute, wimmelnde Straste entlang bewegt fich ein Leichen- ziig. Hinter einem schmucklosen, dürftig mit schwarzem Stoff ans- geichlagencn Leichenivagen. der einen Kindersarg mit ein paar dünnen Kränzen trägt, folgt ein stumme? Häuflein Leidtragender, Frauen, Männer und ein paar Kinder mit Blumen in den Händen. Die Frau, die den, Sarge zunächst geht, ist die Mutter Alex MithöferS, den fie an diesem Tage hinaus aus den Kirchhot tragen. Alt und gebrechlich sieht fie aus, wie sie so gebückt»nd unsicher dahingeht, zuweilen strauchelnd, wenn wieder ein Wcinkranips ihren Körper erschüttert. Dann reicht ihr der Mann an ihrer Seite Ivohl schweigend den Arm, um sie zu stützen. Er trägt fich aufrecht; nichts Gebrochenes ist an ihm; feine Gesichtszüge sind unbewegt; trotzig blickt er geradeaus. Ein paar Frauen beginnen eine leike Unterhaltung. Sie reden von Alex' Krankheit und von seinem plötzlichen Tode, den niemand erwartet hatte. Wen» erst der Frühling kommt, so hat es immer geheisten, dann wird er fich erholen; ober er ist schwächer und schwächer geworden, je höher die Sonne gestiegen ist. gerade, als ob fein Körper schon zu schwach gewesen sei für das neue Leben, daS der Frühling gebracht. Und der geschwächte Körper hat dann den Eingriff des Arztes, der Heilimg bringen sollle, nicht mehr überstehen können. Die Sonne ist hinter Dächern versunken. Die Straste ist ver- ödet, wie ausgestorben. Die Häuser, die in der frühen Dämmerung noch hagerer und hungriger aussehen, blicken mit ihren glasigen Augen so grämlich-wissend auf da« traurige Häuflein Menschen herunter, als kennten sie daS Schicksal dieses ausgemergelten Menschenwesens, das, aus den, steinigen Acker, auf den es gesät war, Leben saugen wollte, und doch schon verdorrt war, noch ehe der erste Strahl des neuen Lichtes gekommen. Run biegt der Zug in den Vorstadt-Friedhof ein. In«nnbseh- baren Reihen, mit schimicklosei, Steinen nnter kahlem Gesträuch liegt Grab„eben Grab. Fern, an das nutzerste Ende der letzten Reihe tragen fie den Kindersarg.... H a n, n, e r S d 0 r f f. In Sachen öer veröauung. Bon Dr. A. L i p s ch ii tz. Dast man mit P a w k 0 w angefangen hat, wenn man bon der Verdauung sprechen will, das weist heule jedermann. Paivlow hat uns gelehrt, dast„Appetit haben" bedeutet: eine gewisse Saflmeugo, VerdamnigSsaft haben. Sobald wir angenehme Speisei, sehen, riechen, schnircken oder davon hören oder an angenehme Speisen mich nur denken, geht ein Impuls vom Gehirn auf dem Wege des „Wandernerven", der das Gehirn mit de», Magen verbindet, zu letzterem und regt die Drüsen des Magens zu fleistiger Arbeit an— zur Ausscheidung von VerdauungSiästen. Und diese sind dann schon im Magen parat, wenn die gesehenen oder gelvcheiien Speisen wirklich in den Magen gelangen. Äppeütsaft, „Zündsaft", wie Pawlow gesagt hat, liegt im Magen bereit, um die Verdauimg der Speisen gleich in Angriff zu nehmen. Und dieser„Appetitsaft" ist wabrbaslig ein guter Gewinn bei der Verdauung. DaS lehrt so augenfällig ei» Versuch, den Pawlow bor vielen Jahren ausgeführt hat Und der eigentlich das A und 0 aller Regeln dcS gesunde» Essens sein sollte. Einem Hunde, der eine Magenfistel, also ein Loch in der Magenwand hat, daS durch die Haut nach austcn führt, praktizieren wir eine Portion Fleisch so artig und sachte tn den Magen btnein, dast unser Freund nichts davon merkt. Und einem anderen Hunde, der auch eine Magcnfistel hat, bringen wir die gleiche Menge Fleisch in seinen Magen hinein, aber lasferr eS ihn, recht wohl merken, dast er was Gutes zu ejfen bekommt,»nd hallen ihm sogar einen guten Bisten roten Fleisches vor die schnuppernde Rase, damit eS ihm so recht zu Gewissen kommt, waS ein guter Bissen ist, und dast er Appetit be« kommt. Aach einiger Zeit holen wir ouS den Mägen der beiden Hundekollegen, das heraus, was hier an nnverdmiten. Fleisch noch zu finden ist Der Hund, dem wir den Appeiitit angeregt hatten. hat einen grosten Teil dcS Fleisches wegverdaut. Auch der andere Hund, bei dem von Appetit gar nicht die Rede iein konnte, denn er hatte von der ganzen Sache nicht? gemerkt, hat einen Teil des ein- geführten Fleisches wegverdaut: aber—»nd das ist der Witz— er hat fünfmal weniger verdaut als sein Hundekollege m i t Appetit. Bei dem Hunde, der mit Appetit gegessen hatte, hatte sich auf das Fleisch mehr Saft gegasten und darum hat er mehr verdaut. DaS also hat alles der Appetit getan. Wie gesagt, auch der Hund ohne Appetit hat einen Teil deS Fleisches"erdmit. ES wird alio VerdauungSfaft ans die Speisen im Magen nicht mir von AppetilS wegen ergossen. Es mnst die Sache wohl so eingerichtet sein, dast allerlei Stoffe, die in den Magen hineinkommen, auf die vielen Drülen in ver Magenwand als Reiz wirken und sie zur Absonderung von BerdauungSsäftcl, anregen können. So ist es auch in Wirllichkeu: wenn wir daö Fleisch mit Wnster aussieben, so erhalten ivir eine Bouillon, einen Fleisch- exnakt oder eine Losung von Stoffen, die die Eigenschaft haben, die Drüsen der Magenwand zur Absonderung von Verdauungssaft an- zurcgen— ohne diese Stoffe kann das Fleisch, das ausgekochte Fleisch, nur verdaut werden, wenn es mit Appetit gegessen wird. Und dasselbe gilt für manche andere Nahrungsmittel, wie Hühncc- eiweist nnd Brot. Tie reize» nicht die Magendrüsen zur Saft« absonderiuig an. und sie könne« nur verdaut werden, wenn sie mit Appetit gegessen werde».... DaS sind alleö olle Kamellen geworSen in der Wissenschaft, seit Meister Pawlow in Gemeinschaft mit seinen zahlreichen Mitarbeitern in Sachen der Verdauung tätig ist. Aber von diesen ollen Kamellen, von denen im„Vorwärts" schon das eine oder das andere mal die Ütede gewesen ist, mustte ick, heute wieder erzählen, weil ich heule auch von allerlei neue» Dingen in Sachen der Verdauimg erzählen will: ma» kann nämlick von neuen Dingen in der Wissen- schast gar nicht erzähle», ohne zunächst ans allbekannte Dinge zurück- zukvininen. Sonst wissen die Manchen nicht, welche Bewandtnis es um die neuen Dinge hat. von denen mau eben erzählen will. Sie. verlieren den Zuianimaihang, den Anschlust und— das ist, Ivie im Leben, so auch in der Wiffenschafl das allerschlimmste. Und jetzt will ich also von den neucii Dinge» erzählt». Stellei, wir uns vor, wir hätten ei» Stück Brot mit Appetit ge- gessen. Der.Appetitsast", von dem die Brotbiffen im Magen empsangen werden, leitet die Berdouung ein. Aber die Verdauung dcS Brvies dauert viel länger, als das Fliesten ves„AppelitsasteS" anhält: eS must also eine Absondeniiig von VerdauungSsast auch noch ans anderem Wege als durch de» Appetit angeregt worden iein. Pawlow hatte mit Sicherheit»achgewiesen, dast die Stoffe, die bei der Verdauung entstehen, selbständige Er- reger der Saftabsonderuiig aus de» Magenwüiiden sind. Die Wirkung dieser unbelannten Stoffe stellt sich Pawlow in der Weise vor, dast sie einen Reiz auf in der Mageuwandgegeud gelegene Nerven aus- üben, und diele Nerven solle» dmm die empfangene Erregung an die Drüsen der Magenwand übermitteln. To wird nach Pawlow die Saftablonderimg vermittelt durch die Stoffe, die im Fleijchextralt enthalten find oder die bei der Verdauung der Speisen entstehen. Pawlow versuchte auch der Frage nackzugehen, welche chemischen Stoffe unter den Verdaumigszuoduiten. den Abbauprodukten deS Eiweist als selbständige Erreger der Magendrüsen in Betracht kommen. Aber eS gelang ihm nur der Nachweis, dast nicht allen Adbauprvdulten des Eiiveist diese Eigenickait zukommt. Und so konnte man zunächst nur allgemein sagen, dast unter den Abbau- Produkten der Eiweiststoffe, wie sie auch im Flcischauszug(in der Bouillon und in, Fleischcxtrakl) vorhanden sind, Stoffe vorkommen, die selbständige Erreger der Maaendrüien sind und auf diese Weise die Safiabsouderung aus den Magendiüsen iür die ganze Dauer der Verdauung einer Speise in, Magen initerheckten. Einen Schritt vorwärts in dieser Frage haben uns Unter- suchungen gebracht, die B i ck c l. ein Berliner Forscher, ausgeführt hat. Bieket hat folgenden Versuch ausgesüdrt. Er bearbeitete ver- schiedeueS Eiweistmaterial mit starken Säuren, wobei das Eiweist abgebaut wird, in dieselben Stoffe zerfällt wie bei der Verdauung der Eiweiststoffe in, Darme: in Aminosäure», i» die Bausteine des Eiweist, die ja jetzt— bei der Bedeutimg, die sie heute für unser ganzes Wisieii von den Vorgängen in, Organismus gewonnen haben— so was wie eine inlernationale Berühmtheit geworden sind. Bickel stellte sich auf diese Weise AnlinosäureirgeArifche auS Kasein, dem Eiwciststoff der Milch, aus Bluteiwe>st und aus Rindfleisch her. Dann verdünnte er diese Gemische mit einer Salzlösung und gab sie BersuchShunden ein. um nun zu beobachleu. wie bei diesen Tieren die Saflabsondernng verlausen würde. Solche Beobachtungen lassei, sich heute sehr einfach anstellen. Pawlow hat ja ganz aus- gezeichnete Meihoden für diese Dinge eingeführt. Und zwar richtete Bickel seinen Versuch so ein, dast er dem Versuchstier zuerst eine ein« rs-r�' piii ü h i in im P mmm i«i äiisWlPlrfl f? — 332— fache Galzlösura eingab und danil oie Salzlösung, der die Aiüino- säuren beigemischt waren. E» zeigte sich, daß die Sastabsonderungen bedeutend verstärkt wurde, wenn Antmosäuren in der Salzlösung vorhanden waren. «lso haben wir nun mit Hilfe de? Versuche» Stoffe erwischt, die bei der normalen Verdauung entstehen und die, wie e» die Er« gebnisse der Pawlowschen Untersuchungen verlangen, selbständige Erreger der Magendriisen wären, denen also die Aufgabe zukäme, fiir die Saftabsondcrung au» den Magendriisen zu sorgen, wenn da» Fließen de»„AppetitlasteS" aufhörte. Wir haben hier einen wirklich tadellos funktionierenden Mechanismus vor an» oder besser, eine ganz famose Oekonomie: die Stoffe, die sc wie so bei der Ver« dauung entstehen, die sorgen schon selber dafiir, daß immer wieder Berdauungssaft fließt, damit auch der noch unverdaute Anteil der Speise verdaut werden kann. Aber die Sache mit den Aminosäuren als selbständigen Er- reger der Magendrüsen hat zunächst doch ihren Haken. Wir haben gesagt, daß normalerweise bei der Verdauung Aminosäuren ent« stehen, und darin lag die Vedeutung der Versuche von Bi-kel für un»: daß hier der normalen Verdauung einiges von ihrem Mechanismus gut abgelauscht schien. Aber— und da» ist der Haken von der Sache— wir wissen, daß bei der Verdauung de» Enveiß diese» erst im Darme, nicht aber schon im Magen, in Amino« säuren aufgespalten wird. W>e sollten da Aminosäuren im Magen da sein, um aus die Magendrüsen erregend zu wirken? Ja. die treten eben unter Umständen au» dem Darme in den Magen über l Es haben nämlich verschiedene Forscher gezeigt, daß, wenn der Magen- tnhalt sehr sauer rst und bei setireicher Kost, Darmsaft in den Magen übertritt. Dann können eben init dem Darmsaft Amino- säuren in den Magen hineingelangen oder c» kaim ein Teil des Eiweiß auch im Magen vom Darmsaft verdaut werden. Und noch eine zweite Möglichkeit ist da, wie die Aminosäuren, auch wie sie erst im Darme aus dem Eitveiß entstehen, auf die Magendrüsen tvirken könnten. Auf diese Möglichkeit wiesen uns auch wieder Versuche hin, die von Bickel stammen. Bickel durchschnitt bei Hunden sämtliche Nerven de» MagcnS und spritzte den Tieren eine Lösung von Fleischextrakt unter die Haut oder direkt inS Blut. Dann sah er zu, ob dabei VcrdammgZsaft au» den Magendrüsen floß. E» war zunächst anzunehmen, daß dabei kein Saft aus den Magendrüsen fließen würde: die Stoffe de» Fleischextraktes kreisten im Blut und tvaren gar nicht im Magen und außerdem waren alle Nerven, durch die der Magen normalerweise mit dem Gehirn ver- bunden ist, durchschnitten. Und siehe da: aus den Drüsen des Magen» floß doch Sast l Der Magen stand in dem Versuch von Bickel nur durch Vermittelung des Blutes in Verbindung mit dem übrigen Körper: und so mußte au» seinem Versuch der Schluß ge- zogen werden, daß die im Fleischcxtrakt enthaltenen Stoffe, wenn sie in dem die Magendrüsen um« spielenden Blute enthalten sind, die Magendriisen zur Safrabsonderung anzuregen vermögen. Es bot sich hier eine schöne Analogie mit einer anderen Verdauniigsdrüse dar, mit der Bauch- speicheldriise, dem sogenannten Pankreas. Man hatte nämlich heraus« bekommen, daß die Absonderung der Verdauungösäfte au» der Bauchspeicheldrüse in den Darm durch Stoffe reguliert wird, die au» dem Darme in das Blut gelangen und die. wenn das diese Swffe enthaltende Blut in die Bauchspeicheldrüse kommt, die Fellen dieser Drüse zur Sasiabsonderung anregen. So wird die Tätigkeit dieser Drüse, die ihren Verdauungssaft in den Darm ergießt, vom Darme selbst wieder reguliert. Welch' ein enge» Jusammenarbeilen der Organe im Körper, welch' ein Fneinandergretfen aller Näder und Nädchcn im komplizierten Mechanismus des großen gellen« staateS l Die Stoffe, die au» dem Darm ins Blut gelangen und vom Blut aus die Bauchspeicheldrüse zur Saftabsonderung, zur Sekretion anregen, hat man Sekretine genannt. Und Bickel nennt auch die Stoffe, die vom Blut ans aus die Magendrüse« wirken, Sekretine. Magen-Sekretine will Bickel nicht nur im Fleisch« cxtrakt, sondern auch in manchen Nahrungsmitteln gefunden haben. Zum Teil entstehen diese Stoffe beim Rösten der Nahrungsmittel. Wir wissen nun natürlich nicht, ob auch Aminosäuren die Rolle von Sekretinen spielen. Wie heute endgültig von Abel in Amerika und von Abderhalden nachgewiesen ist, sind Aminosäuren im Blute vorhanden, in daS sie au? dem Darme hineingelangen. Und es könnte darum möglich fein, daß die Aminosäuren, die im Blute kreisen und als Eiweißmatcrial für die eiweißhungrigeu Zellen im Zellenstaat dienen, so on passant vom Blute aus auch die Magen- säuren reize» und sie zur Sasiabsonderung anregen... Von cinciii tadellos funktionierenden Mechanismus und von einer schönen Oekonomie im Zellenstaat haben wir sprechen müssen, als«vir des Ineinandergreife»? all der Räder und Rädchen im Zellenstaat gedachten. Und da sagt vielleicht einer soder sagen sehr viele): ist eben alle?„den Bedürfnissen angepaßt" 1 Wirklich? Ist eS nicht richtiger, wenn wir sagten, dieser Mechanismus sei eben da und mit ihm seien all die„Bedürfnisse" im Zellenstaat gekommen? Kleines Feuilleton. erschien, stellt Anatole F r a n e e mit ausgelassenem Witz und kühner Kritik die ganze Geschichte Frankreichs in Vergangenheit und Gegenwart dar und gibt zum Schluß einen erhebenden Ausblick in die sozialistische Zukunft. In dieser Utopie, einem Ivahren Universal« Pamphlet auf alle politischen und sozialen Torheiten, Lügen und Laster, findet sich auch ein mit boshafter Anmut'gezeichnete» Bild moderner amerikanischer Kriege, da» gerade gegenwärtig höchst lebendig wirkt. Der Doktor Obnubili» sWolkenwanderer) kommt zu den Neu« atlanten(den vereinigten Staaten) und wird in seinen theoretischen Voraussetzungen durch die Talsachen schwer erschüttert. „Am Ufer der großen Flliffe lies der Zug Manusakturstädte an, die mit dem Rauch ihrer Oese» den Himmel verdunkelten: Städte, die bei Tag schwarz, bei Nacht rot, unter der Sonne von Getöse, in der Finsternis von Getöse erfüllt waren. „Das Voll hier", dachte der Doktor,„ist viel zu viel mit Industrie und Handel beschäftigt, um Krieg zu führe». Jetzt schon bin ich sicher, daß die Neuatlanten eine Politik de» Friedens treibe»?. Denn es ist ein von allen Oekonomen gebilligter Grundsatz, daß der äußere und der innere Friede für den Fortschritt von Handel und Industrie notwendig sind". AlS er GigantopoliS durchstreifte, wurde er in dieser Ansicht noch bestärkt. Die Leute eilten so hastig über die Straßen, daß ff« alles umwarfen, wa» ihnen ii» Wege war. Obnubili», der mehr« malz umgeworsen wurde, lernte daraus, sich bester zu betragen. Räch einstündigem Rennen warf er selbst einen Atlanten um. Auf einem großen Platz sah er die Säulenhalle eine» Palaste» in Nassischem Stil, dessen korinthische Säulen ihre Kapitale mit dem baumartig wachsenden Akarnhu» siebzig Meter über da» Piedestal erhoben.... Auf eine Tribüne geleitet, starrte der Doktor andachtsvoll zu der Menge der Gesetzgeber hinab, die in Rohrseffeln saßen, mit aus ihr Pult gestemmten Füßen. Der Präsident erhob sich und inurmelte eher als daß er artlku- liert redete, inmitten der allgemeinen Aufmerksamkeit die folgenden Formeln, die der Dolmetscher dem Doktor sogleich übersetzte: „Nachdem der Krieg zweck» Eröffnung der mongolischen Märkte zur Zufriedenheit der Staaten beendigt ist. beantrage ich, die Rechnungen der Finanziommission zu»ilterbreiten.... Ist jemand dagegen?... Der Antrag ist angenommen. Nachdem der Krieg zweck» Eröffnung der Märkte in Seeland Nummer 3 zur Zufriedenheit der Staaten beendigt ist, beantrage ich, die Rechnung der Finanzkonimisston zu unterbreiten.... st jemand dagegen?... .er Antrag ist angenommen." „Habe ich recht gehört?" fragte der Professor Obnubili». „Was? Sie, ein industrielles Volk, find in alle diese Kriege ver« wickelt?" „Gewiß," antwortete der Dolmetsch.„Es sind Jndustriekriege. Die Völker, die weder Handel noch Industrie haben, sind nicht ge- zwangen, Krieg zu führen: aber ein Geschäslsvolk muß Eroberung»« Politik treiben. Die Zahl unserer Kriege wächst notwendigerweise mit unserer produktive» Tätigkeit. Sobald eine unserer Industrien ihre Erzeugnisse nicht absetzen kann, muß ein Krieg ihr neue Aus« gänge öffnen. So haben wir in diesem Jahr einen Kohlenkriea gehabt, einen Kupferlrieg, einen Baumwollkrieg. In Seeland Nr. 8 haben wir zwei Drittel der Einwohner getötet, um den Rest zu zwingen, uns Schirme und Hosenträger abzukaufen." In diesem Augenblick stieg ein dicker Mann, der im Zentrum der Versamntlung laß, oilf die Tribüne. „Ich wünsche," sagte er,„einen Krieg gegen die Regierung der Smaragdrepublik, die unseren Schweinen die Hegemonie der Schinken und Würste aus allen Märkten der Welt unverschämt bestreitet." „WaS ist denn da? für ein Gesetzgeber?" fragte der Doktor Obnubili«. „Ein Schweinehändler." „Ist jemand dagegen?" fragte der Präsident.„Ich bringe den Antrag zur Abstimmung." Durch Aufbeben der Hände wurde der Krieg gegen die Smaragdrepublik mit sehr starker Majorität beschlossen. „Wie?" sprach Obnubili« zu dem Dolmetscher,„lieber einen Krieg habt ihr so schnell und gleichgültig abgestimmt?" „Oh! Der.Krieg hat nichts zu bedeuten, der kostet kaum acht Millionen Dollar." „Und Menschen..." „Die Menschen sind in die acht Millionen Dollar einbegriffen." Da»ahm der Doktor ObnubiliS den Kopf in die Hände und sann voll Bitterkeit: „Da Reichtum und Zivilisation ebenso viele KriegSursachen in sich bergen wie Armut und Barbarei, da Wahnwitz und Bosheit der Menschen unheilbar sind, so bleibt eine gute Handlung zu vollbringen. Der Weise wird Dynamit genug sammeln, um diesen Planeten in die Luft zil sprengen. Wenn er zerstückelt durch den Raum rollt, wird eine— obschon nicht wahrnehmbare— Verbesserung in der Welt geschehen sein und eine Genugtuung fiir daS Wcltbewußtsein, das übrigens nicht existiert." f.. Amerikanische Kriege. In seinem satirisch- utopistlscheir Roman ,Die Insel der Pinguine", deren Uebersetzung bei R. Piper in München Serantw. Redakteur: Alfred Wielepp, R««kSll«. Druck u. Berlag: dorivärts Buchdruckerei u.Ptrlag»aniiaitHaulTinger«eCo.,BerlinSV.