Ur. 58, Kblnmements-Kedingungen: AbcnnsmentS- Preis pränumerando: Vierteljährl. 3L0 monatl. 1,10 SK'., wöchentlich 23 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer S Pfg. SonnlagS- Nummer mit illuNrtcrier Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für IS 00 unter Nr. 7071. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat, Erscheinl lüglich nutzer Wonkng«, Devlinev Volksblakk. 17. Jahrs. Die Jnsertions- Gebühr beträgt für die sechSgespaltene Kolonsk. zeile oder deren Raum»0 Pfg., für politische und gewerls chaftltche Vereins- und BsrfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. j „Kleine Anfeigen" jedes Wort 5 Pfg., (nur das erste Wort fett). Inserate für' die nächst« Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags t» derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn, und Festtagen bi» 8 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher:»ml l, Nr. 1303. Telegramm- Adresse: «Sorialdrmokrat Serlin» Centraiorgan der sociatdemokratisthen Partei Deutschtands. Redaktion: S�s. 19. Venth Straste 2. Sonnabend, den 10. März 1900. Expedition: 19, Veutlz-Steasze 3. Die feindlichen Frennde. Der Reichstag sehte am Freitag die zweite Beratung des F l e i s ch b e s ch a u- G e s e tz e s fort. Tie Beratung geivaun neues Leben und hohe politische Bedeutung durch das endliche Eingreifen der Rcaicruna in die Debatte. � Das Haus war noch stärker besetzt als Tags zuvor. An dichten Scharen hatten die Agrarier sich kanipfeslustig zusammen- gefunden und versuchten die gegnerischen Redner niederzuheulen, als wären sie im Treiklassen-Landtag, wo Agrarisch höchster Trumpf ist. Die Rede des ponimerschcn Abgeordneten Stein- h a u e r z. B., der als„freisinniger Bauer" und Führer des „Nord-Ost" den Landwirtschaftsbündlern besonders verhaßt ist. ging im junkerlichen Geheul fast völlig verloren. Mit geschickter Rede erösfnete der freisinnige Dr. P a ch- nicke die Debatte. Er verstand es, die Liebesgaben- und Schacherpolitik der„Edelsten" scharf zu brandmarken. Neben- bei freilich konnte es sich Herr Pachnicke nicht versagen. in seiner Rede gegen die Fleischverteuerungs- Politik echt wadenstrümpflerische Empfehlungen der F l o t t c n v o r l a g e einzuflechten. Die Ausführungen des Grafen K a n i tz, der nach Herrn Pachnicke zum Worte kam, gipfelte in einem Lobeshhnmns auf— Frankreich, dem, weil es schutzzöllnerisch ist, der ostpreußische Magnat selbst die republikanische Staatsform verzeiht Die Unruhe, die während der doktrinären Vorlesung des gräflichen Schntzzöllncrs geherrscht hatte, wich gespannter Aufmerksamkeit, als— endlich!— Staatssekretär v o n P o- sa d o w s k y den von allen Seiten des Hauses gestellten Fragen Antwort zu geben und das Dunkel ein wenig zu lichten sich anschickte, in dem die Regierung bisher ihre Stellungnahme zu den Äommissionsbeschlüssen verborgen gc- halten hatte. Graf Posadowkys Rede war das natürliche Er- zcugnis der verworrenen Lage, in der die Regierung steckt. Sie floß über von Freundlichkeiten für die Agrarier in demselben Augenblick, da agrarischer Uebermnt der Regierung eine Forderung aufzuzwingen gedenkt, die für sie absolut unannehmbar ist. die selbst Graf Posadotosky, den die Agrarier stets und noch vor kurzem als besondern Freund der Landwirtschaft in der Regierung gefeiert haben, zurückweisen muß. Graf Posadowskh versuchte mit heißem Bemühen, wie er zwischen seiner agrarischen Freundschaft und der Uumög- lichkeit, den Vertrag der Fleischabsperrung zu crsüllen, hiudurchlavieren könne. Es gelang ihm nicht übel. Mit edler Unparteilichkeit verteilte der Reichsgraf des Innern seine Verbeugungen unter die Gegner und die Anhänger der Kommissionsbeschlüsse. Auf jeden Einwand gegen das' Mach- werk der Kommission folgte ein Hymnus auf die konservative, staatserhallende Rolle, die in dieser bösen Zeiten um- stürzenden Radikalisniusses die Landwirtschaft zu spielen b.e- rufen ist, auf jede Schmeichelei, die den Agrariern zu teil wurde, folgte die Mahnung, doch auch der Industrie und dem Handel etwas gönnen zu wollen. Ter Vorsitzende des Landwirtebundes hatte aber auch den Reichskanzler unmittelbar herausgefordert: Er solle sein Versprechen, das Ausland deni Inland in der Frage der Fleischkontrolle gleich- zustellen, erfüllen, indem er den Kommissiousbeschlüssen zu- stimme. Fürst Hohenlohe verlangte das Wort vom Präsidenten und er sprach frei weg, ohne Concept. Er sprach sehr kurz und sehr leise, so daß nur die Nächststehenden ihn zu verstehen vermochten. Aber er sprach weit entschiedener als zuvor der Staatssekretär des Innern, entschieden genug, um die Feindschaft, mit der ihn die Junker längst beehren, lebhaft zu schüren. Er erklärte, daß sein Versprechen durch die Vorlage, welche die Regierung dem Reichstag gemacht habe, erfüllt sei, daß die Konimissionsbeschlüsse unlogisch und unerfüllbar seien. Damit war die ablehnende Haltung der Regierung außer jeden Zweifel gestellt. Eine längere Rede des H a m- burgi scheu Bundes ratsbevollnr ächtigten Dr. B u r ch a r d bekräftigte die Stellungnahme der Verbündeten Regierungen gegen die agrarische Forderung des absoluten Fleischausfuhrverbots. Ter Staatssekretär mußte es denn erleben, daß ihm ab- wechselnd von rechts und von links Beifall kam; jeder seiner Sätze hob den andren auf. Der langen Rede kurzer Sinn war aber der: Lbgleich der Regierung das Herz blutet, daß sie ihren geliebten Agrariern einen Wunsch abschlagen muß. kann sie doch aus anderweitigen Rücksichten zu denKom missions- beschlüssen nicht Ja und Amen sagen; dafür verspricht sie aber, beim demnächstigen Abschluß der Handelsverträge eine Fülle von Liebesgaben auf ihre Lieb- liuge herabträufen zu lassen. „Wartet, wartet ein paar Jährchen!" sa klang Posa- dowskys Rede melodramatisch aus. Tie Junker wollen aber vom Warten nichts wissen; es hat keinen Eindruck auf sie gemacht, daß der Staatssekretär den römischen Feldherrn Fabius Cunctator, den „Zauderer", ihnen als guten Taktiker anpries. Die Junker wollen nicht nur das Volk ausplündern, sondern jeder Tag, der der Ausplünderung noch irgendwelche Schranken setzt, ist ein„nationaler" Uuglückstag. Herr v. W a n g e n h c i m ant- wartete dem Grafen Posadowsky mit brüsker Ablehnung der versteinerten Zukunftsversprechungen; sofort sollen die agrarischen Wünsche erfüllt werden Es ist klar: das Verhältnis zwischen Regierung und Junkertum hat eine weitere Verschärfung erfahren. Nicht weil etwa die Negierung nicht agrarisch wäre, sondern weil die Forderungen der Agrarier so ungezügelte sind und so un- politisch auftreten, daß die Regierung sie nicht ohne weiteres erfüllen kann. Es verlnutet, daß die Reichsregierung noch bis Donnerstag zweifelhaft gewesen sei, ob sie das Fleischeinfuhr- verbot annehmen könne. Dem Haus niini st er v. Wedel l< P i e s d o r f, so hat die„Freis. Ztg." erfahren, war es bereits gelungen— die„Nebenregierung" tritt da wieder in die Er- scheinung!— die Regierung zur Kapitulation vor den Agrariern zu bewegen mit der Lorstellung, daß sonst die Flotten- Vorlage verloren sei. Da aber seien aus den H a n s a st ä d t e n und sonsther die eifrigsten Flotteubefür- worter, die Vertreter der Rhedcreien und des Kaufmanns- kapitals herbeigeeilt und hätten der Ansicht des ReichskauzlerS Oberwasser über die agrarischen Strömungen am Hofe gegeben. Für st Hohenlohe hat offenbar die Kabinettssrage gestellt und der drohende Abfall der Hausestädte und der Judustriekrcise von der Flotten- Vermehrung, dem LiebliugSplan des Kaisers, gab den Ausschlag. Was die Debatte dann noch brachte, war ohne größere Bedeutung, wenngleich der Volksparteiler Fis ch b eck noch manch treffendes Wort gegen die Agrarier zu sagen wußte. Stürme der Heiterkeit entfesselte schließlich noch die Rede Sankt Paasch e's. Herr Paaschs teilte mit, daß die Nationalliberalen in nichts weniger als drei Gruppen zerfallen: die eine ist für die Kommissiousbeschlüsse, die andre für die Regierungsvorlage, die dritte, zu der Paaschs selbst gehört, will sich die Sache noch einmal überlegen und stimmt vorläufig für die Kommi'sionsfassniig. Nach der Rede Pansches beantragte Graf Hompesch Schluß der Debatte, wodurch unserm Genossen Laudert das Wort abgeschnitten wurde. Tie Antwort darauf war ein Antrag Singer auf namentliche Abstimmung über den Schlußantrag. Natürlich setzte die geschlossene Mehrheit der vereinigten Agrarier den Schluß der Debatte durch. Es wurde daraus zur Abstimmung über die einzelnen Paragraphen geschritten. 1 wurde cinstiiumig angenommen, lieber§ 2(Befreiung der Hansschlnchtuugen von der Kontrolle) wurde wiederum namentlich abgestimmt; desgleichen über K l-la(Einfuhrverbot). Das Resultat war— wie vorauszusehen— Annahme aller bisher beratenen Paragraphen in der Komm issionsfa s s u n g. Am Sonnabend soll der Rest des Gesetzes beraten werden.— Es ist möglich, daß bis zur dritten Lesung des Fleisch- beschau Gesetzes eine V e r st ä n d i g n n g zwischen Regierung und Reichstag zu stände kommt. Ein Teil der National- liberalen har seinen ilmfall bereits angekündigt. Es fragt sich, ob das Centrum, gedrängt von seinen agrarischen Flügel- leuten aus Bayern, wagen wird, das Interesse der industriellen Arbeiterschaft seiner rhcinisch-westsälischcn Kreise an gesunder und nicht wucherisch verteuerter Fleischnahrung rücksichtslos zu schädigen, oder ob es sich auf ein Kompromiß einlassen wird. Vielleicht kommt die Einigung in der Weise zu stände, daß die Regierung die agrarische Forderung der Freilassung der Hausschlachtungen von sanitärer Kontrolle annimnit, während die Parteien das Fleischeinfuhrverbot aufgeben. Welches aber auch das Schicksal des Fleischbeschau-Gesetzes sein wird, die Beratung dieses Gesetzes hat gelehrt, daß eine Handels-, indnstrie- und arbeiterfeindliche Majorität im Reichs- tag sitzt, welche gewillt ist, die deutschen Handelsbeziehungen nnt dem Ausland zu verwirren und die Regierung beim Ab- schluß der neuen Handelsverträge zu einer Politik der Lebens- mittclvertcuerung und heillosester Volksauswuchernng zu Gunsten agrarischer Partei- Interessen zu zwingen. Die Debatten über das Fleischbcschan-Gesetz haben ein Gutes zu- Wege gebracht, wenn sie die gesamte industrielle und kommerzielle Bevölkerung Deutschlands, wenn sie insbesondere die arbeitenden Klassen zum Widerstand gegen die drohende agrarische Gefahr aufrütteln! politische Mebevficht. Berlin, den 9. März. Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Freitag die Beratung des KiiltuSetatS fort. Die Berhand- laugen verliefen im Gegensatz zu gestern und vorgestern sehr still. Wnie nicht von Professor Virchoiv der Fall des gematzregcltcu Pastors Weingart zu Osnabrück, der die körperliche Auferstehung der Toten zu beziveifeln sich erkühnt hat, zur Sprache gebracht worden, so hätte cö überhaupt an einem Gegenstand allgemeinen Interesses gefehlt. WÜnister Stadt gewinnt sich immer mehr die Herzen der Rechten. Die Berührung des Falls durch Professor Dr. Virchow, der nicht im Geruch der Rcchtgläubigkeit steht, berührte ihn „unsympathisch". Er nahm die Osnabrücker frommen Herren, die den Ketzer aus seinem Amte entfernt haben, in Schutz und erklärte das Urteil der selbständigen Disciplinarbehörde für rechtskräftig und unumstößlich. Wenn ein hohes Landeskonsistoriuin gesprochen hat, dann hat der Landtag, in dem Katholiken, Juden und Heiden sitzen, über diese innere Angelegenheit der hannoverschen Laudeskirche zu schweigen. Geschwiegen lirnrde aber nicht, sondern sehr lange de- batiiert, ohne daß irgend etivas dabei herausgekommen wäre. Zwei Priester, der konservative Pastor Schall, der die positiv schwarze Nuance, und der nationalliberale Pastor Hackenberg, der die hellere Nuance vertritt, gerieten dabei aneinander. In dem erbitterten Streit um den Begriff„evangelisch" erlvies sich Herr Hackenberg seinem Amtsbnider aus Cladow rednerisch bedeutend. überlegen. Freilich irrt er, wenn er aus der Erregung, die der Fall Weingart hervorgerufen hat, ein Erwachen des protestantischen Bewußtseins und eine Wirkung des evangelischen Glaubenseifers folgert. Wir sehen in der kläglichen Geschichte nur ein Symptom für die innere Zersetzung der protestantischen Kirche.— Aus den weiteren Vcrhandlnugen war nur noch die Anregung des national- liberalen Abg. Beniner erwähnenswert, das Examen bei der Per- sctzung von' Unter- nach Obcrsckunda. diese Blüte der letzten Schulreform, wieder abzuschaffen. In andern Kulturländern ist dieses Examen, das den ganzen Unterricht schädigt und zur mechanischen Ablichtung auf die Prüfung macht, unbekannt. Nur in Deutschland wird unvermeidlich gesiebt, und die Vielgeprüften, die glücklich durch alle Examina hindurch kommen, sind doch nicht klüger als die Nichtgcprüften in andren Ländern. Aus der Erwiderung des Ministerialdirektors Althoff ging hervor, daß die Beseitigung dieses Examens zu erwarten ist. Sonnabend geht die Beratung des Kultusctats weiter. Nochmals die Arbcitervcihältuisse der prcusiischcn Staats« bahne«. Unser Artikel vom letzten Sonnabend über die Arbeitcrverhält- uissc in der preußischen Eiscnbahnverwaltung hat nicht den Beifall des Ministers v. Thiele» gefunden. Wir hatten daS auch gar nicht erwartet, denn es ist leicht verständlich, daß eS dem Minister nn» angenehm ist. zn derselben Zeit, wo er im Landtage in allen Ton- arten seine Arbeiterfiirsorge preist und die Arbeitervcrhältnisse in seinem Ressort als wahrhaft idyllische hinstellt, Plötz- lich in der Presse auf einen Artikel zu stoßen, der die Zustände im Reiche des Herrn v. Thielen so schildert, wie sie in Wirklichkeit find. Ilm de» Eindruck unsrer Darstellungen ab- znsch'.vächen, veröffentlicht nun die offizielle„Berliner Korrespondenz" einen langen Artikel, der uns zum Vorwurf macht, daß>vir die Arbeite rvcrhältinssc der StaatSbahucn in„hämisch nörgelnder Weise" kritisiert hätten, der im übrigen aber nicht ver« mag,- auch mir erneii einzigen der von uns gegen die Verwaltung erhobenen Vonvürfc zn widerlegen aber abzuschwächen. Die„Berliner Korrespondenz" behauptet, der„Vorwärts" wolle zeigen,„wie der Arbeiter im Dienst des Staats ein ganz besonders mühevolles und undankbares Dasein führen müsse", und er bediene sich z» diesem Zweck illoyaler Mittel. Nim, diese angeblich illoyalen Mittel sind lediglich daS Material, das der Minister selbst in seiner Denkschrift veröffentlicht hat und das wir, da es die Vertreter der Bourgeoisie im Landtag zu vertuschen streben, weiteren Kreisen zu, gänglich zn machen für unsre Pflicht hielten. Besonders imaiigcuehm sind der„Verl. Korrespondenz" unsre Mittciliiiigc» über die D i e n st d a u e r des unteren Eisenbahii» Personals. Wegleugnen kann der offiziöse Artikclschrcibcr die Thatsachcn nicht, und so bemüht er sich denn, durch allerhand Redensarten um den Kern der Sache henimznkoinmeii. E r g i e b t selbst z n. daß 2609 Beamten m ehr als 15 bis Stunden Dienst hatten, meint aber, daß das nicht so schlimm ist, da in diese planmäßige Dienstzeit auch die Rnhepanscn mit eingerechnet sind. Aber ist denn das wirklich eine Ruhepause, iveim ein Beamter etiva als Zugführer vou einem Orte zum andern fährt, hier einige Stunden wartet und dann wieder den Zug nach dem ersten Orte begleitet? Thatsächlich ist doch der Beamte die ganze Zeit über im Dienste. Wenn man so arginnenticrcn ivollte ivie die„Bcrl. Korrcsp.", so könnte man schließlich noch dahin kommen, die Stunden, während deren der Schaffner auf der Fahrt in seinem Coups sitzt, ebenfalls von der Dienstzeit abziizieheu, da er sich ja während dieser Zeit vielleicht etivas miSinhcu konnte. Ncbrigens stehen wir mit unsrer An- ficht über die zn lange Dicnstdaucr nicht vereinzelt da. Vielleicht findet Herr v. Thielen einmal Zeit, sich die Nr. 16 der„Soc. Praxis" vom 13. Januar d. I. anzusehen. Er wird darin einem ebenso scharfen Urteil über die Arbeitszeit seiner Angestellten begegnen, wie ivir eS ausgesprochen habe». Und diesem Blatte steht bekanntlich Herr v. Berlepsch, der frühere Kollege Tüiclcns, sehr nahe, der doch die Verhältnisse noch genauer kennen muß als andere Sterbliche. Weiler nimmt eS uns die„Berliner Korrespondenz" übel, daß wir die Verwendung so vieler Angehöriger von unteren Bediensteten zn einem Spottpreise getadelt haben. Es wird behauptet, daß es sich hier um eine„für- sorgliche Maßnahme" handelt, um den unteren Beamten- familien i» acigelegeucn Gegenden einen Nebenverdienst z>i eröffnen. Das ist es aber grade, ivas»vir tadeln. Wir v e r- langen, daß die U n t e r b e a m t e n so auskömmlich entlohnt werde», daß sie ihre Familie» auch ohne Zuhilfenahme d e r A r b e i t i h r e r F r a u e n u n d Töchter ernähren können. Und sicher würden auch die Be- anitc» selbst mit Freuden auf diese„sütsörgliche Maßnahme" des Ministers verzichten, wenn sie nicht infolge der jämmerlichen Be- zahlimg darauf angewiesen wären. Auf die übrigen von uns mitgeteilten Daten geht der offiziöse Artikel nicht ein, er erkennt also wohl ihre Richtigkeik aii. Wenn der Artikel es am Schluß als eine undniikbare,>vcil aussichtslose Aufgabe bezeichnet, derartig voreingcnonimcne Kritiker, wie wir eS sein sollen, mifznklären. so können wir imsrerscits nur erividern, daß wir es als eine sehr dankbare, tveil aussichts volle Aufgabe betrachten, auch in Zukunft die Beamten und Arbeiter darüber auf- zukläreii, wie es um die Fürsorge des Eiseubahu-Muiistcriums um sein» Angestellten, bestellt ist. Deutsches Meich. Der HciratskouseuS. Wir erhalten folgende Berichtigung. Iii der in Nr. 49 des„Vorwärts"»nter„Politsk im Heirais» konseus." erwähnten Geiieralkommando-Verfüguiig ist weder auf eine allerhöchste Kabincttsordre Bezug genonimeu worden, noch enthält dieselbe ein Verbot der Eheschließung zwischen„deutschen" Untcrosfizieren der Garnison Posen mit Mädchen polnischer Nationalität oder solchen Mädchen, deren Angehörige Anhänger der Socialdcmokratic sind. Ebensowenig ist den verheirateten Unteroffizieren untersagt worden, ihre Kinder in eine Zahlschule zu senden. Königliches Generalkommando des V. Armeecorps. Diese Erkiäruni; ist in üervorra�endem Maße mit den gelvöhn Nchen Eigentziiniichkciten offizieller Berichtigungen behaftet: überzeugt niemai'ch. Wir legen keinen Wert darauf,' daß- in der >Ber!chtiglNig die Behauptung' nicht bestritte» wird, das; Unter offiziere des 5. SlnncccorpS nicht„bescholtene" Mädchen heiraten dürfen, auch wenn die Lescholtenheit von dem betreffenden Unter offizier selbst veranlaßt worden ist. Wichtiger ist, daß in der Bc richtigung jede positive?siigabe fehlt, ivaS denn in jenem Corvs befchl, dessen Existenz nicht in Abrede gestellt lvird, gestanden hat, Es kommt ganz� darauf an. mit welcher Betonung man die obige Berichtigung liest. Vermutlich hat mau de» Acccut auf die Worte „Verbot" und„untersagt" zu legen. Vicllcichl hat es sich nur um «ine„ernstliche Verwarnung" gehandelt, die ja im Effekt einem formellen Verbot gleich kommen wurde. Uebrigens v erb üxg t sich unfcr Gewährsmann, der den Corp bewhl im Wortlaut vor Augen gehabt hat, für die siinigemäße Wiedergabe dcS Inhalts, so wie- wir ihn veröffentlicht haben, Eine Erleichternng der Kinderansbentung durch die Agrarier bedeutet die A u f b c b u ll g.einer recht verständigen Verfügung durch die Regierung zu Vi a r i c u w e r d c r(Westpreußen). Nach dieser Verfügung konnten Arbeitgeber oder deren Stellvertreter in Strafe bis zu SO M. genommen werden, ivcnn sie schulpflichtige Kinde während der Schulzeit beschäftigten. Das üaminer gericht hat solche Sirafcti nnfgehobe», weil'es sieb ans den Stand vunkt stellt, daß nur die Eltern oder deren gesetzliche Stellvertreter haftbar sind, sobald die Kinder den planmäßigen Schulunterricht versäumen. Wohl in der richtigen ErlenutniS, daß oft auf dem Lande die Eltern schuldlos find, wenn die Kinder zur Arbeit gehen statt zum Schulunterricht, hat nun die Viarienwcrder Regierung die Strafe für Schllkverfäilmnis außerordentlich niedrig festgesetzt. Es sollen Strafen von 10 Pf. bis I M. pro Tag öder Haft verhängt werden, Die agrarischen Kinderausbenter iverden vergnügt von der Auf Kebuiig der Verfügung, die sich als äußerst hcil'sani erwiesen hatte, Kenntnis genommen haben.— lieber unerwartete Folgen des Boykotts, den das H a l l c s ch e Militärkommando über die dortigen Säle Verl hängt hatte, wird der„Leipziger Volkszeitnng" berichtet: Es ivar so weit, daß die Liberalen keine» Saal zu Bersamm lungen bekamen. Der natioiiallibcralc Stadtverordnete Rechtsanwalt Dr. Keil erklärte ilt einer Städtverordneten-Sitzung, um die Bürger zii beruhigen, der Höchstkommandierende Gencrallicntenant v, Renthe- Fmk, der den Boykott verhängt habe, fei sich jedenfalls der Traglveitc leiner Handlung nicht bewußt gewesen. Jetzt hat sich nun das Blätlchen getvendet. Der Kaisersaal, das größte Lokal in Halle, welches die Srdmmgsmämier nur gern allein benutzen möchten, hat schon wieder holt zu Streitigkeiten zwischen Brauereien und der socialdemokraii- scheu Partei geführt. Kürzlich' ist nnsrer Parrci der Saal tviedcr «ntzogen. Die Direktion der Halleschen Aktienbranerei, die den Kaisersaal mit Bier versorgte, hat jetzt, um Häkeleien niit nnsrer_ Partei ans dem Wege zu gehen, dein Wirt der Kaisersäle, Herrn Meyer, die Bierliefcrnngen entsagen und die Direktion soll auch niit dein Gedankcir mn gehen, dem Meyer die Hypotheken zu kündigen. Das schönste ist nun aber, daß die sämtlichen andren Brauereien, um Konflikte mit der Arbeiterschaft zu verhüten, dem Herrn Meyer rbeufalls kein Bier liefern. Und so sind denn nun die OrdimnaSmämier von den hiesigen Brauereien boykottiert. Das mag schmerzlich sein, aber es schadet ihnen nichts; bielleicht bc- kommen sie Bier von außerhalb. Die konservative„Höllische Zeitung" ist. ivas ja erklärlich erscheint, ivütcud darüber und schreibt:„Herr Meyer ist in großer Verlegenheit, er Imm kein Bier bekommen und die Socialdcmokralic ist die„uiibcdiilatc Herrscherin" in Kmlle qc- worden." Wenn das wahr wäre, kömite sich Halle glücklich preisen,— „Urdeutsche" Sitten. Ein von den oraanisierten A n t i- fem i t c n inscenierter Skandal, wie er bei ähnlichen Gelegenheiieu wohl selten gesehen ivurde, lrng sich am Dienstagabend im Reftau- raut Kreuzbräu in M ü n ch e u zu. Der Wiener Gcmciudcrat Lucian B r u u n c r sollte im„Demokratischen Verein" über„Die Lage der Deutschen in Oestreich" sprechen. Dr. Ciiibbe eröffnete die Versammlmig und hieß auch die Gegner willkommen Ms er dem ersten Redner des Abends das Wort erteilen wollte, erhoben die etiva die Hälfte des Saales süllenden Antisemiten wie ans Kommando ein ohrenzerreißendeS Gebrüll, Johlen und Pfeifen, Zinse wie„Bnreanwahl",„Raus mit den Inden",„Hoch Luegcr",„Nasciigcsellscyaft".„Hepp-Hepp",„Papst Leo hoch!" verliiengtcii sich in einem wirren Durcheinander, so daß mau die Worte Dr. Quiddcs, der den Amvcscnden vollste Rede- freiheit garantierte, nur in unmittelbarer Rühe verstehen konnte, Das I n d i a n e r g e h c u l der VersammluugSfiörer ivurde so groß, e« I'I»>>11» k I« I»>1«• f« ak««aTa... ZT".... Z daß die Versammlung von dem überwachenden Kommissar für auf- g e l ö st erklärt wurde, bevor sie richtig eröffnet worden war. Run triumphierten die„Christen" erst recht, und als sich der Referent Brunne r erhob, wurde er mit Bierfilzeii, A c p s e l u, Eiern U u 35 r o t b c w o r f e u. Darauf entstand ein Handgemenge, � gesetzt. Vergeblich war die Änffordcrmig des Kommissar an du: Aiiwescndcn. das Lokal zu verlasicii. Die antisemitisch-christ- lieh- socialen- ultramontancii Brüder feierten den ,. g l ä u z ende u Sieg" der„bayrisch- katholischen Einwohnerschaft" Münchens über die Inden, bis etwa 25 Schutzleute anfniarschiertc» und den Saal räinnten. Tc»i Wiener Bürgermeister Luegcr wurde ein Telegramm übermittelt. Als die llrdcntschcn von den Polizisten an-Z dem Saal getrieben ivnrdcu. erließen sie an Dr. Quiddc die Ein- ladung. heute ZNiitwochabeud ins Kasino zu kommen, loa e i n paar I u d c n v e r b r a n n t würden. Vor dem Lokale hatte i fugs vorgegangen werden.— Eine originelle Ausdehnung des Abzahlungsgeschäfts. In Würzbnrg wollen die Spießer dem Verweser Bayerns ein Reiter- dcukmal setzen, Sie haben dazci die bequeme Manier der raten- weisen Bciiragszahtmig gcivählt. linier Würzburger Bniderorgan in in der Lage schon vorzeiiig folgenden originellen Vcrpflichtungs- schein zu veröffentlichen: Ar, Zoichner: Betrag: Zu erheben: Nr. Wir werden es noch erleben, daß die Denkmalsfabriken ebenfalls unter das Warcnhaiissteiier-Gesctz fallen! Bremen, 8, März. lEig. Ber.) Der Zkorddentschc Lloyd hat sich van der Bürgerschaft eine neue kleine Liebesgabe bewilligen lassen. Er hat sich ein Kadettcnschulschiff zugelegt und forderte vom Staat, er solle ihm eine akademisch gebildete Lchrkrasl die der Secsahrtschule zugeteilt werden soll. stellen und bezahl linser Genosse Rbcin begründete den ablehnenden Standpunkt nnsrer Fraktion. Tie angebliche Lcntenot habe der Lloyds sclbf verschuldet: zahle er bessre Heuern lind behandle cc die Schiffs- bcmaiiming besicr. so würde cs an V'atrasen nicht fehlen. Znd werde das Schiilschiff, wie ans der hohen Jahresvergütung sich crgiebt, nur Söhnen ans iniinerhin begülerten Farnilien dienen. Tic Lloyd-Anwälte der Bürgerschaft sangen daraus ein Loblied ans den Lloyd und fast alle anwesenden bürgerlichen Vertreter votierten die Lloyd-Kordennig. Dann gab es luicder eine Stcnerdebattc. Vor Jahres frist wollte man oben von einer Befreiung der unteren Einkommens- stufen bis 1000 Vi. von der Steuer nichts wissen. Jetzt will die Finanzdepntation die Einkommen bis'J0u M. steuerfrei lassen und außerdem eine Tivideiibcnstcncr einführen. Ten Standpunkt unfrcr Fraktion vertrat Genosse H a r t m a n n, der an der Unterstlife von 1000 V?. festzuhalten vorschlug und außerdem die progressive Hoher- bcstencrmig der Einkommen über 600 Kopenhagen, 9. März. Nach viertägiger Verhandlung beschloß der Folkething'ycnte mit 64 gegen 42 Stimmen, die Branntwein- S t e u c r v o r l a g e der Regierung nicht weiter zu bc- raten. Rußland. Kalcuderrcform in Rußland. Am 8. März ist eine Der- s ch i e b ii n g dcS D a I n in s des j u l i a u i s ch c n Ä a l e n d e r s gegen daS Datum derjenige» Länder eingetreten, die den grc- g o r i a n i f ch e n Kalender eingeführt haben. da nach dein jnlianischen Kalender daS gegenwärtige Jahr ein Schaltjahr ist, nacti dem gregorianischen Kalender aber nicht. Der Ilntcrschicd zwischen den beiden Kalendern wird jetzt durch 200 Jahre 13 Tage statt ivie bisher 12 Tage betragen. Die russische Regierung bcicbäftigt sich aber bereits stark mit der Kalenderreform» um die russische Zeitrechnung der der übrigen Länder anziipassen. Die R e g i c r u n g S k a m m i ffs i o n zur Einführung der K a l e n d e r r e i o r nl crkauutc die Möglichkeit der Eiilführmig eines neuen Kalenders an, welcher folgenden Grundsätzen entspricht: Die gemeinen Jahre haben 265 Tage, die Schaltjahre 366 Tage. Schaltjahre sind alle die Jahre, deren Jahreszahlen durch 4 ohne Rest teilbar sind, ousgencmmen diejenigen, welche dnrcb 128 ohne Rest teilbar sind. Diese Jahre sind gleichfalls gc- meine Jahre. Aus dem jetzigen rusfifchen Kalender werden II Tagje ausgelassen. Den Vertretern der griechisch-orthodoxen Kirchen und Staaten soll vorgeschlagen werden, über die Amiahme des neuen Kalenders von seiteii der Kirche zu beraten und eine entsprechende Aenderung der Festsetzung des Osterfestes vorzunchmeu. Türkei. Russische Bahnen in der Türkei. Die Frage wegen des Baues von Eisenbahnen im nordöstlichen Teile Klein-Asiens ist nach einer Meldung der„Frankst Ztg." principiell in der Weise geregelt lvorden, daß der Sultan Rußland ein unbedingtes Bor- zugsrecht gegenüber andren Nationalitoten einräumt, aber sich das Recht des Baues der Bahnen für eigne Rechnung vorbehälr. Die russische Botschaft übermittelte diese priueipielle Entscheidung nach Petersburg, wo sie indessen nach der Antwort des Zaren an den Sultan kaum auf Annähme rechnen darf.— Amerika. Santo Domingo, 8. März. Der Kongreß hat den B e- lagerungsznsiand proklamiert, viele Verhaftungen wurden vorgenommen.—_ Gemeindewahlen. In Beesen bei Halle Ivurde ein Partei- genösse in den Gcmcinderat gewählt mid in Döllnitz zwei. In diesem Orte sind nun sämtliche Vertreter der dritten Klasse und auch einer der zweiten Socialdcmokratcn. Werftarbeiter und Flottcnvorlagc. In Bremen wurde nm Dienstag eine öffentliche Werftarbeiter-Versamm« cm ab- von l u n g abgehcilteik, sich mit der flesilmiten Flottcnvermr�rung' beschäftigte. Genosse Havcrftnnv aus Bremen hielt eine» anSfiihr- lichen Bortrag, worin er die Stellmig der Socialdemokratie zur Flottcnpolitik kennzeichnete. Räch ihm sprach ein beim ÄriegSschisisban beschäftigter Werftarbeiter. � Wenn man sage, die ungeheuren Geldausgaben würden den Werftarbeitern zu gute loiumcit, so danke er dafür, als Schmarotzer an den 6—7 Millionen Arbeitern gelten zu sollen. Denn diese würden es doch wieder sein, welche die Kosten zu tragen hätten. Die herrschende Klasse sei unfähig, eine Steuer zn schaffen, welche nur die Besitzenden belaste, das beweise in Bremen das Kapitel von der KonsumlionSabgabe und im Gegensatz dazu die Ablehnung der progressiven Einkommensteuer. Die darauf einstimmig angenommene Resolution kantet: ..Die heutige öffentliche Werftarbeitcr-Bersammlung erklärt sich mit den Aussührnwgcn des Referenten voll und ganz einverstanden. Sie ist überzeugt, das; die Kostciidccknng für die geplante Flotten- Vermehrung im Fall ihrer Annahme wiederum der großen Masse des arbeitenden Volks auferlegt würde. Sie ist im weiteren davon über- zeugt, daß die sogenannte Weltpolitik, deren Folge die gegenwärtige Flottcnvorlage ist. zn internationalen Verwicklungen führen wird, und fordert darum vom Deutschen Reichstag unbedingte Ablehnung der Vorlage." Ucber de» Vorfall iu Elmöhoru, wo vier socialdemokratifche Stadtverordnete für eine Ehrung Kollers gestimmt haben, wird bc- richtet, daß sich � eine stark besuchte Wahlvcrcins-Vcrsannnlnng mit der Angelegenheit beschäftigt hat. Es waren auch anwesend der Reichstags-Abgeordnetc v. Elm, zwei Genossen von der Wahlkreis- ktcitung und Genosse Könen-Hamburg. Nach einer längeren Ver- Handlung wurde auf den durch v. Elm vorgetragenen Vorschlag der onSwärligen Genossen ausgesprochen. daß' die Versammlung die Niedcrlcgüng der Mandate der vier Stadtverordneten billigt, weil sie stch in direkten Gegensatz zn ihren Wählern gesetzt haben, indem sie der Einladimg des Herrn v. Koller zilstiuimtcn, die unausbleiblich mit einer Ehrung jenes Mannes verbunden sei. Dagegen wird der Ausschluß aus dem Wahlvcrcin nicht ausgesprochen, iveil die Stadtverordneten in dieser Sache nicht aus unehrenhaften Motiven gehandelt haben. Die Versammlung erkennt aber ausdrück- !:ch an, daß Genosse Bndag vollkommen korrekt gehandelt habe, in- dem er die Vorgänge in jener geheimen Sitzung dem Vorstande mitteilte. Es sei das nicht allein sein Recht, sondern seine Pflicht gewesen. Wenn das Städtvcrordncton-Kollcginm die Niederlcgnng der Mandate nicht gestattet, soll in einer.späteren Versammlung noch- inals darüber verhandelt werde». Der Stadtverordnete Krause hat auch seine sonstigen Parici-Acinter niedergelegt. � Die Aussperrnng in der Berliner Holzindustrie. Die Situation har sich bisher nicht geändert. Bon einem bc- dingungsloscn Aufgeben des Kampfes kann auf feiten der Arbeiter keine Rede sein und die Unternehmer können auf einen solchen Ans- gang des Streiks absolut nicht rechnen. Sic unterschätzen die Widerstandsfähigkeit der Arbeiter, der Kampf kann sich noch auf Wochen hinziehen. In der gesamten Arbeiterschaft ist die höchste Erbitterung eingetreten und die Unterstützung der Streikenden und so frivol Ausgesperrten wird gesichert durch die Hilfsmittel, die ihnen die gleichgesinnte mit ihnen fühlende Arbeiterschaft gewähren wird. Der Holzorbeiter-Verband bat g c st e r n a b e r in a I s e i r e a 70 000 M a r k ausgezahlt. Den Gewerkschaften konniit es klar zum Bewußtsein, daß, wenn die Tischler unterliegen, die gesamte Arbeiterschaft nutcr dem Eindruck dieses Erfolges der Unteniehnier zu leiden hätte. Der Kampf, der sich hier abspielt, lviirde sich wiederholen und die Schwächung der Widerstandsfähigkeit der Gewerkschaften auch andrer Berufe stände sicher bevor. Hier heißt es zur gemeinsamen Abwehr zu rüsten. die Niedertracht der Unter- nchnicr darf nicht triumphieren, die Anssperrung mehrerer tausend Arbeiter ohne jeden berechtigten Grund muß zur Lernichtiiiig der- jcuigen werden, die zu diesem uichtswürdigeu Schlag ausholten. Niemand wird den Tischlern verargen, wenn sie bei den hohe» Lcbensmitrclprcisen und den hohen Mieten einen Lohn von 24 M. verlangen, es sind keine hohen Ansprüche. Die glänzende Gc- schäftslage hätte den Meistern diese Lohnerhöhung, die nnr teil- weise eintreten sollte, gestattet. Hier handelt es sich aber »m die Aucrtciniung der Organisation der Arbeiter, und das ist der große Gegensatz. Ter Kampf artet zu einer Kraftprobe anS. Wären die Unteriiehmer ihrer Sache sicher, glaubten sie sich im Recht, dann läge keine Veranlassimg vor, sieb dem Urteil oder der Einigling des Gewerbegerichts zn entziehen. Die Arbeiter brastchen die Leffenllichkeit vor.dem Gewerbegericht nicht zn scheuen, sie können ihre Sache mit gutem Gewissen vertreten. Die Unternehmer scheuen sich, diesen Weg zn betreten, sie wissen, daß ihr G e b a h r e n in der O e s f c n t Ii ch k e i t keine Stütze finden kann, deshalb die Ablehnung des EinigiingSamis. Diese Anffassmig scheint selbst in bürgerlichen Blättern zu dämmern. Sucht doch die „Staatsbürger- Zeitung", die sonst im blöden Schimpfen alle über- ragt, die Gcivaltmaßrcgein jetzt damit zu verteidigen. daß eS im Fnlcrcsse des Mittelstands geschehe. Die Herren Bry und Genossen als Retter des Mittelstands nehme» sich wirklich sehr gut anS. Die kleinen Meister werden die Folgen dieser freundliche» Umgarming noch lange verspüren köuuen. Die großen Fabriken habe» ihre Lager geräumt, die Möbclhänvlcr beginnen ihre Lager mit Fabrikaten auS lmdren Städten zu stillen und knüpfen andre GeschästSvcrbindunaen an. Ob das zum Nutzen der Kleinen geschieht, mögen sich die Meister selbst beantworten. Für sie kann die Frage nnr zum besten gelöst werden, wenn sie eine Einigung mit de» Arbeitern herbeiführen. Die Gewaltmaßregeln verschärfen den Kampf, ohne daß die Unteruehmer ans einen Erfolg rechnen können. Die ea. 20000 Tischlergesellen, die heute in Berlin beschäftigt silid� lasten sich von den Unternehmern nicht terrorisieren, das mag den Scharfmacher» gesagt sein. Bei Bnggenbagcli tagte gestern nachmittag eine Meistcrvcriamm- kung von etwa 400 Manu. Tischlermeister Klimm ei als Referent behauptete, der Streik lämc ihnen gerade jetzt sehr gelegen; eS hätten sich euch die Uuternchmer der Pianofortebranche mit iliueu solidarisch erklärt und wollten sich den» Kampfe an- schließen. Herr Direktor Loren z ans der Fabrik von Pl'aff verglich die Begehrlichkeit der Berliner Tischlergesellen und die Bedürfnislosigkeit der Chilicscn. was ja wohl ein zureichender Grund für die Hart- liäckigkcit der Berliner Untcriiehincr sein dürfte. Ein Drechsler- mcister Wolf ivra.ch die Hoffnung aus. daß den Arbeitern das Geld zur Unterstiitzmig bald ausgehen würde, während wieder ein Herr V o g c l g c s a n g sein Vcr'iraucn zu den Großunternehmern aussprach und noch wocheuleuig auSznhalten versprach. Als ein Trcchslcrmeistcr Bcrger seine Ucberzcugnng aus- sprach, daß gc'.viß ick.on viele tleine Meister bewilligt hätte», wenn die Maichineüarbciter nicht ansgeschlofien worden ivärcn, erhob sich sofort allgcmeincs Murren. Bcsmlosscn wurde: „Tie heute inBuggenhagens Kaisersaal versammelten Tischler- mcister und Hokzindnstricllen Berlins und der Umgegend erklären die ihnen von ihren Arbeitern gestellten Forderungen für un- annehmbar und halten einen Friedensschluß nur durch Zurück- zichnug derselben für möglich. Die Versammlung erwartet von dem Vorstand der Freien Ver- eiliigiiiig der Holzindupriellcu, daß er diesen Beschluß bei seinen ferneren Mäßuahmeri voll und ganz berücksichtigt." Ein Herr Rödel hatte unter der Vorausjetzung, daß eine Einigung zu stände käme, beantragt, die Meister sollten die Maschineimrbeit zahlen ohne Garantie für'Zeitverluste bei nicht rechtzeitiger Lieferung. 24 M. Wochcnlohn sollen gezahlt werden an solche, die nicht zu alt und nicht zu jung und genügend besähigt seien. Eine Lohnerhöhung sollen nur die Arbeiter fordern, die bisher weniger wie 24 M. bc- kommen und S2 Sliinden arbeiten. Die Abmachungen sollen bis zum 1. März 1001 gelten. Diese als Grundlage einer Einigung gemachten Vorschläge wurden dem Vorstand überwiesen. D i e H o f f n ii n g der Arbeitgeber, daß eS ihnen gelingen würde, durch Aussperrungen die Kassen der Organisation zu sprengen iind dadurch die Arbeiter zur Ausnahme der Arbeit zu zwingen, rückt in immer weitere Ferne! Noch sind die Kassen des Holzarbeiter-VerbandeS nicht einmal erheblich an- gegriffen, viel weniger aber erschöpft, da regt und bewegt es sich schon allerorten in der Arbeiterschaft, den Kämpfenden Unterstützung zukommen zu lassen. Bald hier, bald da, bald dort beschließen Arbeiterorganisationen, den Streikenden größere oder kleinere Beträge zuzuführen, lieber einen neuen derartigen Fall, der oncifcrnd auch ans andre Vcrcinignngen wirken sollte, wird uns folgendes mitgeteilt: Ter Spar- nnd Rabattbcrcin Süd-Ost beschloß gestern in einer stark besuchten außerordentlichen Generalbersaminluiig, den streikenden und ausgesperrten Holzarbeitern einen B c- trag von 10000 Mark zu überweisen, und zwar 9000 M. den Tischlern, 500 M. den Maschincnarbcitcrii und 500 M. den Möbelpolicrern. Dieser Beschlutz wurde mit zehn- sacher Majorität gefaßt! Mögen sich die Herren Scharfmacher gesagt sein lassen: Die Arbeiterschaft vergißt ihre i m K a m p f st c h c n d c n Brüder nicht! � � Herr Brh sendet uns folgende Zuschrift: Die Nninnicr 57 des„Vorwärts" vom 0. März er. enthält unter „Aussperrung in der Berliner Holzindustrie" die Mitteilung, daß ich ivähreud der'Daucr des Streiks an den Tischlermeister Rös'ler, Wein- straße, Fonrniere und Dickten geliefert habe. Einen Kunden dieses Namens habe ich nicht, wohl aber zählt Herr A. RöSner, Weinstr. 6, zu meinen Abnehmern. Laut Ausweis meiner Bücher hat derselbe am 6. Februar er. zuletzt Waren von mir bezogen; seinen vor einigen Tagen erteilten Auftrag ans Kchllcfftcn habe ich nicht ausgeführt, da'meine Kehl- lcistenfabrik zur Zeit nicht arbeitet. GemcLkMnftliches. Berlin und llmgegcnd. Die Berliner Rohrer haben auf ihre Lohnforderung zum Teil eine ablehnende Antwort erhalten. Am 18. März wird'hierzu eine Versaminlnng Stellung nehmen. Ter nächste Zahltag ist am Sonntag bei Schmidt, Ramlerstr. 28, mag dort jeder seine Sanimel- karte in Ordnung bringen. Der Vertrauensmann: Wernau, Ramlerstr. 22. Achtung, Kleber t Tapezierer). Folgende Bauten sind gesperrt: Spaudauerstroßc, Ecke Bischofstraße, Michäelkirchstr. 25, Zinzeudorf- straße 3. Die Lohnkommission. TrilischeS Reich. Ter vierte intcruationale Textilarbeiter-Stongresi ist von dem Organisationskomitce in Berlin zum 16.— 20. Juli d. I. nach Berlin einberufen. Das Waldcnburger Gcwcrkschastökartell besprach in seiner letzten Sitznng die Zustände im dortigen Bergbau. Die Zusage der „Glückhilf-Fricdciishosstiung-Ernbe", den Achtstimdentag einzuführen, wurde allgemein mit Befriedigung cntgegcngcnomm'cn. Nun er- wartet man, daß die Direktion drei Schichten einrichtet und nicht etwa nebenher noch freiwillige vierstündige Uebcrschichten. Das Sekretariat der Gewerkschaften' hat in verflossenen Jahren 363 Per- soncn Rat und Anskunft erteilt. Ter Mangel an Versammlmigs- lokalen hat zu dem Beschluß geführt, durch Ausgabe von Anteil- scheinen Mittel für den Ankauf eines Lokals herbeiziischaffeu. Tie höchste Strafe denen, die für die gcmaßregeltcn Berg- arbeitcr sainmeln! Wie aus Zwickau berichtet wird, hat die Amts- hauptmannschaft Zwickau zn'wiederholten Malen Strafvcrsügungen über Parteigenosien verhängt, die für die gcmaßrcgelten Bergarbeiter klnterstütznngSgeldcr gesammelt haben. Die Strafverfiiguiigen lauten ans die für„unerlaubtes Sammeln" höchst zulässige Strafe von 150 M. Diese Verfügungen sind nicht an sich, sondern ivcgcn ihrer Höhe bemerkenswert. Wegen„unerlaubten Sammeins" sind ja schon immer Strafmandate erlassen worden, obwohl das Samnicln zii Streik- und ähnlichen Zwecken, da die Sache erlaubt ist. eigentlich ohne weiiereS erlaubt sein sollte. Aber daß ans einem solchen An- laß lvic hier die höchste Strafe ausgeworfen wird, das dürste wobl noch nicht dagewesen sein. Die Strafverfüguiigen dürften aber auch sonst wenig Verständnis finden. Es ist dom einfach die Pflicht der Arbeiter, für die Opfer der Rache der Grubenbarone zu sorge». Oder sollen die allen aiisgcnicrgcltcn Arbeitcr verhimgern? Oder wollen vielleicht die Behörden für die Opfer kapitalistischer Prosit- sucht sorgen Ter Anöstaud der Maler und Tünchcr in Mainz umfaßt 300 AnSstäiidigc. Die Verhandlungen mit der Jimuiig sind bisher ergebnislos gewesen, da den Arbeitern nnr ein Maxiinnllohn von 40 Pfennig vorgeschlagen winde, während 42 Pfennig Minimallohn verlangt lvurdc. Bemerkenswert ist, daß sich auch die Maler der christlichen Gewerkschaft dem Ausstand angeschlossen haben. Zur Lohnbetvcguug der Düsseldorfer Textilarbeiter bei Herz seid n. Söhne ist zu melden, daß die Firma den Spinnern je 20 Pf. pro Tag Lohnanfichlag angeboten hat, von den andren Forderungen und bezüglich der Färb». Drucker, Appreteure:c. sich aber nichts verlauten ließ. Die Arlieiter beharren darum ans den mitgeteilten Forderrnigtu und haben der Firma geantwortet, am Sonnabend kündigen zu wollen.— Die ch r i st l i ch e n Quertreiber sind natürlich wieder fest bei der Arbeit. In dem Augen- blick, wo die Gewerkschaft der Textilarbeiter die iu der Loh»- bewegung bcstndlichen Arbeiter energisch unterstützt, trommeln die sogenannten Christlichen eine Versammlung zusammen, schimpfen unter Assistenz eines Kaplans auf den„socialdemorratüchen" Verband, nenncli das Borgchen gegen die beiläufig jüdische Firma Hcrzfcld „Hetzerei" und gründen einen christlichen Qnertreibcrvervand. Ja, der ch r i st l i ch e Vorfitzende sagte selber in öffentlicher Versammlung, ein Fabrikant habe den Christlichen Geld angeboten zur Gründung dieses Verbands! Ter Streik der Bauarbeiter Bremens nimmt einen günstigen Fortgang. Bis Donnerstag battcn 30 Arbeitgeber die ermäßigten Forderungen bewilligt. Die Maurer beschlossen, sich solidarisch zu verhalten, die Streikenden durch hohe Unterstützungen zu kräftigen und nicht mit Streikbrechern zusammenzuarbeiten. Eine MasscnauSsperrung steht in T u t t l i n g e n bevor. Dort hatten die jämmerlich bezahlten Zwicker in drei Fabriken ihre im Herbst fallen gelassenen Forderungen wieder anfgenoimne». Die Fabrikanten verweigerten rundweg die Erfüllung der Fordennigen. Die im Herbst eingesetzte Eiliignngskonmnssion vermochte sie so wenig um- zustimmen, ivie das als Eiingungsanit zusamliicngctretene Gewerbe- gcricht. Schon Freitagabend hatten die Herren Riligfabrikantcn sich durch Wechsel verpflichtet, sämtliche Zwicker, wenn sie ihre Forderungen nicht zurückziehen, zu kündige n. Die Zivickcr der drei genannten Fabriken hatten ebenfalls beschlossen, zn kündigen. Bevor jcdocki dieselben ihre Kündigung einreichten, kündigten sämtliche Fabrikanten ihrem g e- samten Personal, mit Ausnahme von zwei Fabriken, welche nicht dein Ring angehören. Die Kündigung käust am 17. März ab; betroffen davon sind 2000 Arbeiter und Arbeiterinnen. Organisation der Kellucriuuen. Wie uns eine Privatdepesche meldet, beschloß iu München eine Versammlung von 400 Kellnerinnen die Gründung eines Vereins zur Besserung ihrer Lage. Ter französische Eiscilbahner Kongrest. Ter 11. Jahreskongreß der französischen Eiseiibahner-Gewerl� schalt tagte in Paris, in einem Saal der Arbeitcrbörse vom l. Ins; 4. März. Er war beschickt von etwa 60 Lokalguippcn. die durch; 40 Delegierte sich vertreten ließen. In mehreren Fällen sind die; VertrctnngSkosten der Gruppen von den Gemeindcrätcn oder Departementsrüten bezahlt worden. Der' Kongreß votierte den be- treffenden lliäten seinen Dank. Der uiißlungcne Generalstrcik-Vcrsuch vom Herbst 1808 bildet einen' Wendepunkt in der Thätigkcit' der Eiscnbahncr-Gewerkschast. Seither ist der frühere Vorstand, der demissioniert hatte, durch einen neuen ersetzt worden. Für den Geist des neuen � Vorstands ist es bezeichnend, daß er den Eisenbahn-Gesellschaften seine Koustitnierung in ciucni Rundschreiben anzeigte, ivorin ausdrücklich „mit der Vergangenheit gebrochen" wurde. Wegen dieses Ausdrucks kam es ans dein Kongreß zu lebhaften Anseinandcrsetznugeu. Ein Delegierter sagte, jenes Nmidschveiben wäre eine Verletzung des großartige» Werks der ersten neun Kongresse, nnd doch hätte die ncilc versöhnlichere Taktik zn leinen besseren Resultaten geführt als die alte. Schließlich wurde der Zwischenfall für erledigt erklärt. Bezeichnend ist serncr der Antrag des Vorstands auf eine Ver- ständiguilg zwecks späterer Verschmelzung mit den nichtsocialistischen Eisenbalmcr-Gewertschaften Gnimbert nnd Petit_(so benannt nach ihren respektive» Führern). Tic Mehrheit nahm jedoch eine ziemlich unverbindliche Resolution an, ivclche den Vorstand bevollmächtigt, mit den beiden Gewerkschaften einen VerständigiingLboden zu suchen lediglich zum Zwecke, die gemeinsamen Forderungen schneller durch- zusetzen. In dicicm Zusammeuhang sei noch berichtet, daß ein Antrag aus der Mitte des Kongresses ans B e s ch i ck u n g d e s allgemein e.n I a h r e s k o n g r e s s e S der s o ein Ii sti s ch e» Partei leider abgelehnt wurde. Die Ablehnnng wird damit begründet, daß die thätigsten Gelverkschaftlcr ohnehin zugleich Mitglieder socialistischcr Gruppen seien, und daß die wirtschafrliche Aktion von der politischen getrennt bleiben müsse. Der Beschluß entspricht der alten„nur- gewerkschaftlich-repolutionären" Taktik. Zum Delegierten der Gewerkschaft im Höheren Arbeitsrat seine von Millcrand eingeführte Reform in der Zusammensetzung des ArbcitsratS) wurde einstimmig G u 6 r a r d gewählt, der frühere Leiter der Gewerkschaft. Gusrards Mandat geht dahin, so ver- söhnlich als möglich aufzutreten. Sollten aber die Unternehmet« Delegierten sich nnvcrsöbnlich zeigen, so hätte Guvrard demonstrativ aus dem Arbeitsrat zurückzutreten. Der Kongreß stellte folgende Forderungen auf: Erhöhung dct Löhne der am niedrigsten bezahlten Kategorien. Achtstundentag, ent- lohnter zlveiwöckicntiicher Urlaub im Jahre für alle Arbeitcr und Aiigestellten. Beförderung des Personals alle drei Jahre, volle Bc- zakjlnng der Krankcntagc für die ganze Dauer der Krankheit U: a. m. Ferner wurde beschlossen, in die städtische Arbeitsbörse ein- zutreten, sofern dies mit den Statuten der Gewerkschaft vereinbar ist. Im Laufe der Verhandlungen wurden vom Kongreß zwei Ab- ordnnngen geivählt. Die eine suchte die Senatskommlssion auf, die an der Beratung des ZehiistlindcngesctzeS für Eiscnbahncr„arbeitet". eines Gesetzes, welches von der Kammer schon vor mehr als zwei Jahren votiert wurde. Die andre Delegation begab sich zum Minister der öffentlichen Arbeiten, um ihn darauf aufmerksam zu mache», daß seine neulichen Dekrete über die Arbeitszeit teils nicht durch- geführt, teils die Arbeiter benachteiligen. Die Delegierten wurden an beide» Orten natürlich sehr freundlich aufgenommen und erhielten die schönsten Versprechungen, die aber ebenso natürlich von Zweifel- haftcm Werte sind._ o er auch nur eine VereinSthätigkeit entfalte. Das Landgericht müsse noch feststellen, ob den Angeklagten ein snbscltives Verschulden treffe. Diese Entscheidung ist insolvcit erfreulich zu nennci». als sie am Ende auch die„regierende Partei" gegen daS preußische Vereins- gcsctz inehr als bisher mobil machen wird. ES bedarf selbstverständlich gar keiner Auseinandersetzung darüber, daß es that- fachlich für den Eentraluorsitzeiiden einer über ganz Deutschland ausgebreiteten Organisation unmöglich ist, der Behörde in der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit von drei Tagen ein zuverlässiges Mitgliedcrvcrzcichnis einzureichen.! Polizcikainpf gegen socialdemvkratischc Kalender. AnS Halle a. S. wird uns vom 7. März geschrieben: Vierzehn Partei- genossen. Metallarbeiter, Tischler usw. standen heute vor dem Schöffengericht ivcgeu S o n n t a g s e n t h e i l i g u n g unter An- klage. Sie wurden beschuldigt— so heißt eS wörtlich in der im schönsten Juristendeutsch verfaßten Anklage— am etc. eine offen;- l i ch bemerkbare Arbeit, nämlich daS Verteilen von Volks- kalendern vorgenommen lind dadurch das religiöse Gefühl in »einem Allgemeingefühl verletzt und die Feiertagsruhe gettört zu habe». Die Parteigenossen bestritten, sich strafbar gemacht zu haben, gaben aber zu. die Kalender auf den Dörfern Zöberitz und Marktvitz im Dezember und Januar vertrieben zu habe». Aus Aefragen des Vorsitzenden, ob vielleicht festgestellt worden fei, dasz jjemand Mistfallen über die Verbreitung geänstert habe, entgegnete der Wachtmeister Arndt:„Ja. ein Gnlöbesitzer batte sich über die Kalender beklagt, aber das ist schon' einige Tage vor der Verbreitung geschehen." Der Ober'- Polizei- �nipektvr Wey dem an», der die Anklage vertrat, be- merkte:„Man denke sich nur. wenn iii ein kleines Dorf mit 30 Häusern lbSoeialdemokraten kommen, ob das nicht auf das fromme Gemüt der Landleute einwirken soll". Beantragt wurden 6 M. Geldstrafe event. 2 Tage Hafl. Der Verteidiger Rechtsanwalt H e r z f e l d bemerkte, dast die Angeklagte». wenn sie an Stelle der V o l k s k a l e n d e r V ie l l e'i ch t religiöse Traktätchen verteil: hätten, nicht verfolgt worden wären, und beantragte Freisprechung. Der Gerichtshof'sprach die Angeklagten mit der Begründung, daß die Verbreitung leine qewerb- liche Thätigkeit sei, frei. Zu Sv Mark Geldstrafe ist der Redacteur der„Volkszeitung für die Kreise Niederbarnim und Oberbarnim". Herr Albert K o ch in Lichtenberg, verurteilt worden, weil er in einem Wirtshausgespräch dem Rendanten der Ortskrankenkasse für Lichtenberg. Ober- förster a.D. Th. Kaufmann, zu Unrecht nachgesagt hat, dast dieser dle Milch, die von der Kasse für dessen krankes Dienstmädchen ge- liefert worden sei. für seinen eignen Hausstand verwendet habe. In einer andren Preß- Beleidigungssache, die wie die vorige An- gelegenheit das Schöffengericht am Landgericht II beschäftigte, liest sich die Anklage auf Beleidigung des Gesamtvorstandes der ge- nannten Kasse nicht aufrechterhalten, so dast das Gericht aus Frei- sprechung erkannte. Wcöhalb Krirgerverciue gcmastreqclt werden. Der Vor- sitzende des Kriegervereins Germania in Halle, Herr Generalagent Lange, war zugleich Vorsitzender des Verbandes deutscher Veteranen und hatte als solcher sehr eifrig für die Besserstelluug der vom Staate �recht vernachlässigten Veteranen gewirkt. Das'wurde ihm oben übel genommen. In Halle versuchte man mit ver- fchiedenen Mitteln, ihn ans dem Vorstande des Kriegervereins Germania zu entfernen. Als die Versuche erfolglos bliebe», ging man gegen den Verein Germania selbst vor. Am 30. August 1893 nahm die Hallenser Polizeiverwaltung die Bestätigung deS Vereins als eines Krieger Vereins zurück, wodurch er alle den Kriegervereinen eingeräumten Sonderrechte verlor. Herr Lange klagte darauf gegen die Polizeiverwaltung beim Bezirlsansschu'st, ohne Erfolg zu haben. Auf seine Berufung wies das Ober- Verwaltungsgericht seine Klage ebenfalls ivegen U n z u- länigkeit des Verlvaltungs st reit-Verfahrens ab. Präsident Persius führte begründend aus: Die Befugnis, Krieger- vereine zu bestätigen, sei den Ortspolizeibehörden durch Kabinettsordre vom 22. Februar 1842 erteilt worden. Die Bestätigung schlieste in sich die ein für allemal erteilte Erlaubnis, die verstorbenen Waffen- gefährtcn mit militärischen Ehren zu Grabe zu tragen. Es handle sich hier um Vergünstigungen, die von der Krone getvährt würden, »nd nicht um Akte der Polizeigewalt. Die Polizei sei in solchen Fallen ein O r g a n der Krone. Deshalb stelle sich auch die polizeiliche Zurück» a h m e der Bestätigung eines Kriegervereins nicht dar als eine Polizeiverfügung im Sinne des vierten Titels des Landes- Verwallungsgesetzes und sei nicht durch die Klage anzufechten. Tie Zurücknahme habe lediglich zur Folge. dast der Verein der b e- sonderen Vergünstigungen der Kriegervereine verlustig gehe und nun nur noch»ach dem gemeinen Vereinsrecht zu be- handeln sei. Das Vercinsrecht»verde durch die Verfügung in keiner Weise berührt, also würden auch nicht Rechte der'Vereins- Mitglieder verletzt, die man im VerwaltungSslreit verteidigen könnte. Kurpfuscherei lag der Anklage ivegen fahrlässiger Körper- Verletzung und llebertretung der Medizina'lordiiung zu Grunde, die gestern vor der siebenten Strafkammer des Landgerichts I gegen den Masseur Wilhelm S ch a l l e r verhandelt wurde. Der Angeklagte steht besonders in den Kasernen in dem Ruf, dast er schnell gewisse Krankheiten zu heilen vermag. Ende 1898 wurde er von einem lllanen-Trompetcr in Anspruch genommen. Ohne den Patienten auch nur der geringsten körperlichen Untersuchung zu unter- lverfen, verabreichte der Angeklagte demselben eine Salbe und eine Mixtur, wofür er sich 2,20 M. zahlen lieh. Es trat auch an- scheinend Besserung ein, so dast der Trompeter sich geheilt glaubte, dann aber brach die Krankheit in so verstärktem Mast'e hervor, dast der Patient ins Lazarett gebracht iverden mnstte. Die ihn behandelnden Aerzte erfuhren von' dem Grunde der Verschleppung und brachten den Angeklagten zur Anzeige. Dieser gab im Termin zu, dast er keinerlei medizinische Vorbildung genossen habe. Die Rezepte habe er von seinem Vater geerbt. Die Mixtur bestehe aus 3 Gramm Cremortartari, Wasser und einem Zuckerznsatz. austerdem aber noch an� einem Ingredienz, das er nicht nennen wolle, um sein Geheimnis nicht preiszugeben. Der medizinische Sachverständige, Prof. Dr. Strahmann, begutachtete, dast es ihm unter diesen Umständen unmöglich sei, ein Gutaebten über den Wert oder Unwert der Mixtur abzugeben, aber jedenfalls sei der Patient dadurch körperlich geschädigt'worden, dast er durch die Kur des Angeklagten einer sofortigen rationellen Behandlung entzogen wurde. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Werthaucr hatte mehrere Zeugen laden lassen, die bekundeten, dast sie von dem An- geklagten mit Erfolg behandelt worden tvaren. Der Staatsamvalt hielt trotzdem die Anklage aufrecht, er beantragte ivegen des Ver- gehens drei Monate Gefängnis, wegen der Uebertretung 120 M. Geldstrafe. Der Gerichrshof erkannte auf eine Geldstrafe von insgesamt 600 Mark. VevftumiYLungvn. Der socialdemokratische Wahlverei» für den dritten Wahlkreis hielt am 6. März im Neuen Klubhaus in der Kamman- dantenstraste eine gut besuchte Versammlung ab. Steichstags-Abgeord- ueter Wolfgang Heine besprach in einem zweistündigen Vor- trage die lax Heinze und die Sittlichkeitsfrage. Redner behandelte eingehend die Ursachen der Prostitution, um dann die ivichtigsten Bestimmungen des dem Reichstag vorliegenden Gesetzes zu kritisieren. Zum Schlust ivandte sich Redner den so- genannten Kunstbestimmungen zu, indem er mit vernichtendem Spott der Dunkelmänner gedachten, die an den reinsten und schönsten Meisterwerken der Kunst ettvas Schmutziges finden und ihre schmutzigen Gefühle auf andre übertragen.' In den Vorschlägen gegen die Kunst stecke der Geist ekelhafter Heuchelei, eine Scheu vor dem Wahren und Natürlichen, die nicht ehrlich sein könne und die, Ivo sie ehrlich ist, von ihm, Redner, nur als krankhaft aufgefastt tverden könne. Nicht aus dem Geiste der Sittlichkeit und des An- standes seien die Bestimmungen geboren, sondern aus einer Prüderie, die in ihrem inneren Kern uukeusch sei.(Groster Beifall.) Nach einigen Mitteilungen des Vorsitzenden»vurde die Versammlung ge- schlössen. In der Versammlung deS Wahlvereins für den fünften Wahlkreis, welche am Donnerstagabend im Rosenthaler Hof statt- fand, berichtete L i e p in a n n über den Stand des Protestes gegen die Wahl des Herrn Dr. Zwick, über den die„Vorwärts"-Leser'be- reits unterrichtet sind. Es gelangte sodann die Frage zur Erörte- rilng, ob infolge der Aufhebung des Verbinduugsverbots eine Aen'derung in der Partei-Organisation eintreten soll. Die Einleitung zu der sehr regen Diskussion giebt Zitzewitz. Derselbe hält die Ueber- tragung sämtlicher Geschäfte derPartei-Organisation auf de» Wahlverei» im allgemeinen für vorteilhaft, da sich bisher an den öffentlichen Wahlen Leute beteiligen und die Wahlresultate beeinflussen konnten, die der Partei vielleicht recht fern standen. Allerdings hätten wir auch den Uebelstand in Kauf zu nehmen, dast den soeialdemokratischen Frauen dann noch die wenigen Gelegenheiten, bei denen sie sich in der Partei bethätigen konnten, genommen würden. Es»väre besser Veranttvortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. gewesen, der Parteivorstand hätte eine bestimmte Direktive� gegeben, dast mit etwaigen Aenderungen in der Organisation bis zum Parteitag gewartet werden soll. Genosse Liepmann führte ans: In ihrer Jugend hat die Socialdemokratie kein ganzes Jahr Bedenkzeit gebraucht, um sich neuen Formen anzupassen,' wenn die Möglichkeit der Notwendigkeit dazu vorhanden war. Schon der Erfurter Parteitag hat ausgesprochen, dast das Vertrauensmänner- system nur ein Notbehelf'sei. Da nun die Fessel gelöst ist, sieht doch nichts im Wege, das Besire an die Stelle des Unvollkommenen zu setzen. Nur wer den Mut hat, sich offen als Socialdemokrat zu bekennen, indem er sich organisiert, soll auch das Recht haben, bei der Vergebung der Parteiämter das entscheidende Wort zu sprechen. Wenn dem Vertrauensmännersystem nachgerühmt wird, dast das- selbe sich für die Parleikasse bewährt hat. so ist das ein Irrtum: nicht das Shstem, sondern die Parteigenossen haben das Geld aufgebracht. Die Parteiknfse wird sich auch nicht schlechter stehen, wenn derselben ein bestimmter Prozentsatz der Beiträge über- wiesen wird. Auch für die politische Bewegung ist die Centralisation die beste Organisationsform. Was die Beieiligung der Frauen anbetrifft, so sei dieselbe leider in Berlin so minimal, dast die über- zeugten soeialdemokratischen Frauen selber zustimmen werden, dast die Rücksicht aus diese nicht ein Grund sein kann, den Ausbau und das Fort- schreiten der Partei- Organisation aufzuhalten. Austerdem würde den Frauen immer noch Gelegenheit geboten werden, sich an den wichtigsten Partei- Aktionen beteiligen zu können. Jedenfalls gehören die Geschäfte der Partei in die Hände der organisierten Parteigenossen. Im selben Sinn sprachen wiederholt noch Liepmann und Barke. W i l l n e r, H e r z c r, Lange und Krause stehen auf dem gegenteiligen Standpunkt. Vor allen Dingen müsse erst das Organisationsstatut der Partei ge- ändert werden. Miststände bei der Besetzung der Parteiäniter haben sich bis jetzt nicht herausgestellt; Unorganisierte seien wohl noch nie mit Parteifunktionen betraut worden. Es sei auch entschieden zu weitgehend, nur die organisierten Parteigenossen als Socialdemo- kraten zu bezeichnen. Gegen eine solche Scheidung müsse entschieden Einspruch erhoben werden. Und wenn schon die Beteiligung der Frauen an der Bewegung keine starke sei, so soll man denselben die Möglichkeit der Beteiligung nicht noch mehr beschränken. Es gelaugte dann gegen eine starke Minderheit folgender»n Liepmann gestellter Antrag? zur Annahme:„Die Parteigenossen des fünften Berliner Reichstags-Wahlkreises halten es für richtig, dast das Ver- traueiismännershstem aufzuheben und die Geschäfte der Partei dem Wahlverein als der Organisation der Partei zu überweisen sind." Nachdem sodann der Vorsitzende auf die am 13. März bei Lipps stattsindende Volksversammlung und auf die am 1. Osterfeiertag im Hotel Alexanderplay stattfindende Matinee hingewiesen, erfolgte der Schlust der gut bejuchten Versammlung. Die Arbeiter imd Untcrangestellten der städtische» Betriebe Berlins hielten am Mittwochabend bei Stecher!, Andreasstraste, eine gut besuchte öffentliche Versammlung ab. Bruno Pörsch be- bandelte das Thema:„Wie stellen wir»nS zur Einführung von Arbeitsordnungen, Arbeilerausschüssen und Kündigungsfristen und zur Nichtbeaniwortung unsrer Petition. betreffend Ein- führung von Pensionskassen seitens des Magistrats i" Redner legte namens des Ausschusses der vereinigten Berliner Filialen den Versammelten eine Eingabe an den Magistrat vor, welche fordert, für alle einen Lob» von. weniger als 2000 M. beziehenden und nicht Beanitenqualität besitzenden städtischen Arbeiter und Unterangestellten Arbeitsordnungen zu erlassen. Der Referent begründete aussührlich. das Verlangen. Zwar seien die städtischen Betriebe nach bereits ergangenen Entscheidungen nicht als gelverbliche im Sinne der Gewerbe- Ordnung anzusehen: die herrschenden Miststände liesten es aber dringend geboten erscheinen, die geringen Vorteile dieses Gesetzes auch den städtischen Arbeitern zu teil werden zu lassen. So beständen z. B. Arbeitsordnungen in den meisten städtischen Betrieben überhaupt nicht. Anstatt sich ein Beispiel an andren, besonders süddeutschen Städten zu nehmen, welche für ihre Arbeiter Kündigungssristen eingeführt haben, schaffe die Stadt Berlin diese noch in den wenigen Fällen, wo sie bestanden. nunmehr ab. Ferner müstten die Löhne nach bestimmten Skalen festgelegt sein, dast nicht, wie bisher, Gunst und Mistgunst der unteren AufsichtSorgane hierin mastgebcnd seien. Das Strafenunwesen müsse aufhören und dem 8l34bAbs.6 der Gelverbe-Ordnuiig angepnstt werden; seien doch Strafen, wie achttägiges Aussetzen und ähnliches nichts Seltenes. Darum müstten die ArbeitcrauSschüsse in solchen Fällen ein letztes Wort mitsprechen. Diese Ausschüsse seien überhaupt eine zwingende Not- weudigkeit; sie müstten aber auf gesunderer Basis ruhen, als die weniger bisher bestehenden, die nur ein jämmerliches AuSstattungs- stück seien. Um schliestlich dem Znstande ein Ende zu machen, dast in einem Betriebe langjährige Arbeiter angeblich ivegen Arbeitsmangel entlassen, in andren aber neue Arbeiter zur selben Zeit eingestellt iverden, wird gefordert, lvie es in Stuttgart eingerichtet ist, eine Arbeitsnachweisstelle ein- zuführen. Neuanzustellende müstten ans den in Berlin und in den Vororte» wohnenden Arbeitern entnommen werden; nicht, dast nach der Praxis des einen Herrn Stadtrats verfahren werde, der gesagt habe, ihm seien die Berliner zu schlau, er stelle nur noch Ansivärtige ein. Redner jchlost mit einem lebhaften Appell an die Versammelten, der Organisation beizutreten, wenn dem Magistrat eine energische und geschlossene Arbeiterschaft gegenüberstehe, werde er sich gezivungen fühlen, deren berechtigten Wünschen mehr Entgegenkommen zu zeige» wie bisher. sLebhäfter Beifall.)— In der Diskussion sprach Stadtverordneter Hintze. Er stimmte den Ausführungen des Referenten bei und sicherte den vorgetragenen Wünschen die thatkräftige Unter- stützung der soeialdemokratischen Stadtverordneten zu. Schließlich wurde die vorgeschlagene Eingabe angenommen und beschlossen, dieselbe zur Unterschriftensammlung in den städtischen Betrieben cirkulieren zu lassen und sie so dem Magistrat zu über- mittein.— Zum zweiten Teil des Themas, die Nichtbeantwortiing der Petition über die Pensionstässen betreffend, war eine Resolution eingegangen, die ohne Diskussion unter lebhafter Zustimmung ein- stinimi ge Annahme fand: Die Versammelten sprechen ihr lebhaftes Bedauern darüber aus. dast der Magistrat auf die im August des vorigen Jahres an denselben bezüglich des Sommerurlaub's gerichtete Petition bis zur Gegenwart keinen Bescheid erteilt hat. Die Versammelten meinen, dast sie durch ihre langjährige Thätigkeit im Dienste der Stadt sich so viel Rechte erivorben haben, dast der Magistrat ihnen auf ihre bescheidene Eingabe wenigstens einer Antwort würdigte. Die Versammelten protestieren ganz energisch gegen jede Ver- achtnng der städtischen Arbeiter, welche durch die Nichtbeanttvortung der Petition zum Ausdruck kommt. Vom Kriege. Wir erklärten es schon gestern für wahrscheinlich, dast die Boeren Bloem fontein nach ihrem letzten Rückzug jedenfalls ohne be- sonderen Widerstand preisgeben und sich zum Entfcheidungs- kämpf erst hinter dem V a a I- F l u h, der die Grenze Transvaals und des Oranje-Frcistaats bildet, stellen würden. Diese Ansicht wird, wie es scheint, auch im englischen Kriegslager geteilt. Ein Korrespondent des„Daily Telegraph" meldet aus Kapstadt, den S. März: Wie ich höre, werden die Boeren wahrscheinlich den nächsten ernstlichen Widerstand gegen den Vormarsch der englischen Truppen, von kleineren Versuchen abgesehen, auf der Transvaaler Seite dcS Vaal-Flusses leisten. Weiter berichtet derselbe Korrespondent: Der Feind hat un- geheure Vorratsmengen nach dem Spelonken-Di strikt ge- schickt. Es scheint, als ob er sich dort, falls er bei Pretoria ge- schlagen wird, zum letzten Widerstand festsetzen, die Verteidigung der Forts angeworbenen ausländischen Truppen überlassen und die un- Für den Inseratenteil verantwortlich Th. Glocke in Berlin. Druck und. vermeidliche Kapitulation in der Hoffnung auf fremde Intervention hinziehen will. Bei dem Kampfe am 7. März sollen,'lvie Lord Roberts nach London berichtet, die Präsidenten Krüger und Steijn zugegen gewesen sein und hätten das Aensterste getan, die Boeren zu sammeln. Die Boeren härten jedoch erklärt, es sei ihnen unmöglich, gegen die englische Artillerie und eine so bedeutende Kavalleriemasse Stand zu halten. Ueber den siegreichen Vorstost des Feldmarschalls Roberts vom 7. März wird dem„Reuterschen Bureau" aus Osfontein gemeldet: Die aus drei Brigaden Kavallerie, zwei Brigaden be- rittener Infanterie und sieben berittenen Batterien bestehende Division French verliest das Lager um sieben Uhr morgens und marschierte südöstlich. Bei Tagesanbruch befand sie sich fast gegenüber dem linken Flügel der Boeren. deren Stellung aus einer Gruppe von sieben Hügeln be- stand. Sobald die Umgehungsbewegung begann, eröffneten die Boeren das Feuer mit einem Neinipfünder-Gcschütz. richteten jedoch wenig Schaden an. Die erste britische Brigade unter dem Obersten Porter schob im Rücken des Feindes ihre Geschütze vor und brachte die Kanonen der Boeren zum Schweigen. Porter setzte dann den Vorstost längs dem Rücken des Feindes fort, welcher plötzlich von den östlich gelegenen Hügeln ein Geivehrfener eröffnete. Porter sandte nun die berittene Infanterie vor und schob auch die Kavallerie vor. Da er den Feind zu beiden Seiten hatte, schost eine Hanbitzenbatterie aus der Position des Generals Kelly-Keimy auf die Boeren, so dast der Feind die westlichen Hügel räumte und Porter frei wurde, um den Feind rechts zu engagieren. Die britischen Lanzenträger versuchten, dicht an den Feind heranzukommen, wurden aber durch groste hervorbrechende Truppcumassen der Boeren gezwungen, sich zurück- zuziehen. Nunmehr wurde von englischer Seite eine Batterie mit Truppen vorgesandt und hielt den Feind in Schach, welcher sich hartnäckig verteidigte und achtzehn Pferde der Batterie lötete. Die englische berittene Infanterie und die britischen Geschütze trieben dann allmählich die Boeren zurück, welche ihr Lager in Verwirrung vcrlicsten und sich in ö st l i ch e r Richtung z u r ü ck z o g e n. während sie vom General French und einem Teil seiner Truppen verfolgt wurden. »» Neber die Lage im Norden der Kapkolonie wird am Freitag gemeldet, daß No rvalspont jetzt von den Engländern besetzt sei. Die Boeren wurden am Donnerstag gezwungen, über den Flust zurückzugehen. Ans K a p st a d t erfährt man, dast nach den a u f r ü h r e r 1 1 ch e n Bezirken des nordwestlichen Teils der Kopkolonie Truppe» ab- gesandt worden sind. Deutsche für Tranövaal? Ter Korrespondent des Kap Argus" in Delagoa lelcgraphiert unter dem 6. März: Ter deutsche R e i ch s p o st d a m p f e r„ K a i s e r", der am Dienstag hier an- gekommen ist, brachte fünfzig Deutsche für Transvaal, darunter vier deutsche Artillerie-Ofsiziere. Diesen Ivurde a»f Ver- langen des britischen Konsuls das Gepäck untersucht und bei jedem ein Gewehr mit Munition gefunden, was konfiscicrt wurde. Die Offiziere befinden sich noch in Lorenco Margues. Englische Pläne. Die„Times" sage» bei Besprechung der Frag? der An- nekticrmig der südafrikauischcu Republiken:� Wir tönneu Ge- biete, von dcncii wir stets behauptet haben, dast sie zu uusrem Reich gehören und der Käuigiu als Suzeräuin unterthan sind, wenn ihnen auch groste auiouome Rechte zugestanden wurden, nicht unsrem Reiche einverleiben unter Bedingungen, welche dieselben stets mistachtct haben, sondern es besieht lein Zweifel über das. was bezüglich ihrer beabsichtigt ist. Uuscr Land hat opfer- volle Anstrengungen gemacht, um eine Organisation zu zerstören, welche mit dem Bestehen der Reichsautorität in Südafrika uuvcreinbar und ihr feindlich ist, und es ist vollständig ausgemacht, dast dort kein Kern z u i ü ck b l c i b e u darf, um welchen eine solche Organisation sich von neuem bilden könnte. Es ist ein Glück, dast die Handlungsweise des Lraiije-Freistaats uns von jeder Schwierigkeit befreit hat, die entstanden sein würde, weil» derselbe ehrliche Neutralität beobachtet hätte. Die Befriedigung über de» Ausbruch des blutigen Kriegs wird hier ebenso offen wie cyuisch zugegeben. Was schadet die Hin- opfcruug vieler Taufende von englischen Söldnern, wenn es gilt, die Boe'reurepublilen mit ihren reichen Goldlagern zu anuekticren l Lchke LlÄlszLichkett und Depesthen. Vcrli», 9. März. Die für heute, Freitagabend, nach dem grosten Saal der„Philharmonie" einberufene Versammlung der durch die lax Heinze bedrohten Kuiist- und Berufszweige zum Ziveck eines gemeinsamen Protestes hat im Publikum ein so ungewöhnliches Jntcr- esse erregt, dast schon in sechster Stunde der Vorhof der„Philharmonie" von einer dichten Menschenmenge besetzt lvar, die von Minute zu Minute anwuchs. Der Ansturm von Menschen war ein so fürchtcr- licher und gefahrdrohender, dast das Komitee auf die Ab» Haltung der Versammlung verzichten mußte. Essen a. d. Ruhr, 9. März.(W. T. B.) Die hiesige Handels- kammer hat sich heute in eingehender Beratung mit dem Fleisch- beschan-Gesctzcntwurf und den von der Kommission des Reichs- tags hierzu gefaßten Beschliisfen beschäftigt. Man war einstimmig der Ansicht, dast die Annahme der von der Kommission ein- geschalteten Bestimmungen zu§ 14 eine große Schädigung der nationale» Interesse» zur Folge haben müsse und beschloß, au die Reichsregicrullg das dringende Ersuchen zu richten, keinem Beschlüsse des Reichstags zuzustimmcu, welcher über die allein maßgebenden hygiciiischen Gesichtspunkte hinausgeht. Frankfurt a. Ak., 9. März.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus K o» ft a n t i n o p e l: Der f r a n z ö f i f ch c Dampfer „P6jo" wurde vrm einer Batterie der Dardanellen stark beschossen, weil derselbe kurz nach Sonnenuntergang die Meerenge passieren wollte. Der Dampfer mußte sich infolgedessen aus den Dardanellen zurückziehe». München, 9. März.(SS. T. B.) Im FinanzmiSschiist der Kammer der Abgeordneten kam heute die Petition dcö Vereins zur Gründung eines MädchrugymnasiumS in München um Ge- Währung eines Staalszuschusses zur Beratung. Sowohl die Centrumsabgeordneten Schädler und Lcrus. wie die liberalen»nd soeialdemokratischen Ausschußmitglieder befürworteten die Petition. Dagegen sprachen sich die Centruins-Abgeordneten Daller und Ortcrer, wie auch der Kultusminister Dr. von Landmann gegen die staatliche Unterstützung der genannten Schule aus. Schließlich wurde bei Stimmengleichheit durch Entscheidung der Stimme des Vorsitzenden und Ausschusses Daller die Gewährung des Staatszuschusses abgelehnt. Paris, 9. März. Der Brand deS TheZire Frauyais führte zu einer Interpellation in der Deputiertcnkammer. Der Minister L e g g u e s erklärte, dast der Brand nicht durch den Heizapparat ver- urscicht sei. Der Aufbau des Theaters werde schleunigst erfolgen und hoffentlich vor Schlust der Weltausstellung vollendet sein. Hierauf wird die einfache Tagesordnung angenonimeu.— Nach der Sitzung erklärte der Minister, man habe das Odcon als provisorisches Theater in Aussicht genommen. Auch der Gemeinderat beschäftigte sich mit der Angelegenheit. London, 9. März. sW. T. B.) Nach einer bei Lloyds ein- gegangenen Meldung aus Calais von heute berichtet der Kapitän des Dampfers„Win'dsor" aus Leith, der Dampfer„Cuvier", von Antwerpen nach Brasilien unterwegs, sei um 2 Uhr morgens infolge einer Kollision mit einem unbekannten Dampfer gesunken. Der Dampfer„Windsor" nahm um 7 Uhr morgens den zlvciten Steuer- mann und zwei Seeleute auf. Man befürchtet, daß der Rest der Mannschaft ertrunken sei. .erlag von Max Bading iu Berlin. Hierzu S Beilagen. flt. 58. 17. IahrgW. s|lfj|ö(Jf NeichskKg. 1S3. Satzung vom Freita-z, V. März 1000, 1 Uhr. Am BiindeSratstisch: Graf PosadowSky. Die zweite Beratung des F I c i f ch b e s ch a u- G c f e tz c s wird sortgesetzt. Zur Diskussion stehen noch die gestern citicrteu §S 1, 2 und 14a— d und die Abändcrungsautrnge Peckh und Albrccht und Genossen. Abg. Dr. Pachnicke ssrs. Vg.): Wenn meine Freunde ni der Kommission in der Gesamt- nbstmmliing für dae, Gesetz gcsiünmt haben, so nur aus dem Grunde, locil wir mit seiner Grundtendenz einverstanden sind, mit allen Einzelheiten sind»vir durchaus nicht cinverstandc». Bor allein aalten wir den tz 14a für viel zu weitgehend. Daß die deutsche �leischzufuhr allein � den deutschen Fleischbedarf decken kann. ist emc ganz unbeweisbare Bchauptnng. Eine Zunahme der Bich- Produktron ist ja zuzugeben, daraus geht aber nur hervor, daß sich die Lage der Landwirtschaft güiistigcr gestaltet hat. Herr Haitz hat zwar behauptet, daß die Preise für alle landwirtschaftliche» Produkte gMinkcn seien. � DaS ist aber nicht der Fall. Tie Statistik beweist, -.aß die Gctrcidepreisc immer höhere geworden sind. Zuzugeben ist nur. daß es den kleinen Landwirten schlechter geht, denen kann man 'J''4 höheren Getreidepreisen nicht helfen, denn sie müssen selbst noch Getreide kaufen. Mit Erhöhung der Gctrcideprcise würde außerdem r>e Bichproduktion zurückgehen, weil das Flitter teurer würde. Sehr ungewiß ist weiter, ob auch eine»och so gesteigerte Biehproduklion Mit djw Zunahme der Bevölkerung gleichen Schritt halten könnte. Asio Sie müssen doch wenigstens mit der Möglichkeit rechnen, daß der deutsche Fleischbedarf nicht von der einheimischen Landwirtschast kvird gedeckt werden können, lind tritt dieser Fall ein, dann kommt es zur Fleiichvcrtcucrung, dann schädigen Sie die arbeitende Bevölkerung uiid auch den Mittelstand, den Sic schützen wollen. Die Ohren wurden Ihnen sausen von dem Rumor, der sich dann gegen •sie � erheben würde; fürchten Sic besonders die Ungnade der deutschen Hausfrau!(Lachen rechts.) Den Nutzen von dem Entrüstungsstunn, der sich dann erhebt, lverden natürlich wieder die Sorialdcuiokratcu haben. Und dann die Folgen für unser Ver- fcoltmä zu Amerika! Ein Zollkrieg ist doch ein recht zweischneidiges Schwert. Wir exportieren für 89 Millioiieu Rohzucker. Porzellan für 10 MiUwucii nach Amerika.— Der Zollvcrlnst, den wir erleiden wurden, wenn zubereitetes Fleisch von der Einfuhr ans- geschlossen würde, beträgt 15 Millionen Mark k Ich ver- weise auch saus die� Flugschrift„Arbeiter und Flotte". Da heißt es:„Große Fleischinassen kommen au§ der Ferne zu uns und erleichtern den Armen den Fleischgennft k iHört! hört! links.) Mit solchen Grund eil sucht man die Arbeiter für die Flotte zu ge-� Winnen und auf der andren Seite will man die Einfuhr dieses so woblthntigen amerikanischen Fleisches verhindern.— Wie ivird sich mm die Regierung zu diesem Gesetz stellen t Aller Augen richten sich auf den Herrn Grafen Posadowsky, doch er will nicht rede». — re Regierung hat aber die Pflicht, sich zu erklären, denn der Eni- Wurf ist j» der siommission a>iS einem sanitären zu einem prohibitiv- Protektiouistischc» gcivordcn, und wo. ist der Herr Staatssekretär des Auswärligen Amts, Graf v. Bülow? Gewiß glauben wir, d> ß cö ihm sehr»»angenehni ist, zu dem Gesetz zu rede»: aber es bleibt doch seine Aufgabe, fiir gute Beziehungen des �.eutschen Reichs zum Ausland zu sorgen, uiid es ist unzweifelhaft, t aß ein solches Gesetz unsre Beziehungen zu Amerika vcrschlcchlerii lvurde. �-oll das Schivcigeu der Regierung vielleicht die Kapitulation insofern bedeuten. als ma» dadurch die Annahme der Flotten- vorläge zu erleichtern sucht? Das wird vermutet. Doch die Stclluug der Herren von der konservativen Partei zu der Flottcnvorlaqe ist ja gegeben. Sie möge» die Stimmung im Lande darstellen wie Sie wollen, ja sage« müssen Sic doch zur Flotte.(Lachen rechts.) Ihre Stimme hat die Regierimg und sie braucht sie nicht zii teuer zu bc- zahlcu.(Lachen rechts.) Ten Wahlkampf möchte ich erleben, i» dem die Agrarier gegen eine begründete Bermehnmg der Wehrkraft Beutichlands eintreten nrüffen und in dem der Landrat seine Hand von ihnen abziehet» muß.(Großer Lärm rechts.)(Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe betritt den Saal.) Mit Drohungen find die Herren Agrarier allerdings sehr stark. Wenn die Regierung nicht alles thut, ivas sie wünschen, denn kündigen sie ihr das Vertraiicu. Die Regierung hat Jahrzehnte hindurch eine Großgrmidbcsitzer-Politik getrieben.(Großer Lärm rechts.) Doch je rücksichtsloser die Agrarier auftrete», desto rücksichtsvoller wird die Regierung. Diese llcberzeugmig herrscht ini Lande und ich frage die Regierimg, ob sie dieser Ausichl durch Zustimmung zu einem lolchen Gesetz noch neue Nahrung geben ivili. Wir mache» jedenfalls eine derartige Gefährdung unsrer'Industrie und uusrer ausivärtigen Bezichuiige»(Lärmen rechts) nicht mit. weil diese Gefährdung zu- gleich auch einen Rückschlag für unsre Laudivirtschaft in sich schließen kann.(Bravo links, ironisches Bravo rechts.) Abg. Gras Kanitz(ü: Herr Pachnicke behauptete, daß die Gctrcideprcise gestiegen sind. Er übersieht dabei, daß auch die Produktionskosten erheblich ge- stiege» sind.(Sehr richtig I rachts.)- Unsre Bezichimgcn zu Amerika sollen gestört werden. Zunächst wird durch das Einfuhrverbot frische» Fleisches Amerika so gut wie gar nicht betroffen Allerdings hat Amerika an dem Verbot zubereitete» Fleisches ein nicht unerheblickeS Interesse. Doch wird durch die KonmiissionSbeschlüsse auch von diesem Fleisch nur ein Sechstel im Werte von 4 Millionen Dollar getroffen. (Sehr richtig! rechts.) Aber diese lumpige» 4 Millionen Dollar sind eine wahre Bagatelle gegenüber den Vorteilen, die Amerika im übrigen von Deiuichlmid hat. Ter Export Amerikas nach Deutschland beträgt öS3 Millionen mehr als unser Export nach Amerika. iHört! hört I rechts.) Im Vorjahr hat sich die amerikanische Einfuhr nach Deutschland um 220 Millionen vermehrt, während imsrc A»S- fuhr nach Amerika in diesem Jahre rnn W Millionen ab- genommen hat.(Hört! hört! rechts.) Ich halte die Amerikaner für viel z» kluge Geschäftsleute, als daß sie sich wegen der lumpigen 4 Millionen Dollar ein so wichtiges Absatz- gebiet verscherzen sollten. Ich bin deshalb überzeugt, daß Amerika sich wohl hüten wird, gegen uns vorzugehen. Wir haben ja gesebc», was sich Amerika alles von Frankreich hat gefallen lassen, und Frank- reich gegenüber sind wir die reine» Waisenknaben.(Sehr richtig! rechts.) Redner verbreitet sich des weiteren über das handelspolitische Verhältnis zivische» Frankrcich und Amerika unter stets wachsender Unruhe des Hauses.(Glocke des Präsidenten.) Präsident Gras Ballcstrcm: Jch� bitte die Herren, doch etwas mehr Ruhe zu bewahren. damit der Redner verstanden werden kann. Wenn Sie glauben, über den Gegenstand schon genügend orientiert zu sein, so können Sie ja der Debatte durch einen Schlnftantrag ein Ende machen.(Große Heiterkeit.) Abg. Graf Kanitz(fortfahrend): Ich schließe(Staatssekretär Graf PosadowSky meldet sich zum Wort. Lebhafte Ah!- Rufe.) mit der Bitte an das Hans, die Kam- ntisfionSbeschlüsse anzunehme» und crivarte, daß ancki die Regierung ihnen ihre rückhaltlose Zustimmung geben wird.(Bravo! rechts!) Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich hätte mir ja noch eine Reihe von Rednern pro et contra anhören können, aber ich will die Geduld des Hauses nicht weiter auf die Probe stellen. Indessen muß ich dem Herrn Abg. Pachnicke crtvidern, daß nicht er, sondern die Regierung selbst darüber zu bestimmen hat, lvann sie sich über ihre Stellung aus- sprechen will.— Herr Pachnicke fragte: Ivo ist Graf Bülow'i Er ist nicht hier ans einem nahe liegenden und sehr einfachen Grunde. Hier handelt es sich um einen Akt der autonomen Gesetzgebung, (Sehr richtig! rechts.) und wir glauben noch Herr im eignen te Joraiirts" Wim Hause zu sei».(Lebhafter Beifall rechts.) Es handelt sich nicht um eine internationale Regelung, sondern um eineii Akt der auto- noincn Gesetzgebung des Deutschen Reichs.(Bravo! rechts.) ES bandelt sich um ein hhgicnischcs Gesetz, das seit Jahrzehnten von allen Parteien deS hohe» Hanfes verlangt worden ist(Sehr richtig! rechts), das lediglich den Zweck hat, die Gesundheit der deutschen Bcvölkeruzig zu schützen.(Sehr richtig! rechts.) Wir müssen vermeiden, und ich stelle das ausdrücklich fest, auch nur den Schein zu erwecken, ob wir irgend welche wirtschastspolitisckien Zwecke verfolgten.�(Sehr richtig! rechts.) Die einzelnen Redner haben in der Debatte zum Teil eine Begründung beliebt, die in mir den Eindruck erweckte, als sprächen wir nicht über ein Gesetz zum Schutz der Gesundheit des deutschen Volks, sondern über eine Position des neue» Zolltarifs. Wenn wir uns wie einer der Vorredner auf den Standpunkt stellen wollten, daß wir die Waren fernzuhalten suchen, die wir in Deutschland selbst in ausreichender Qualität und Quantität herstellen lönnen, so würde das jedenfalls zur Nachahmung der andren Staaten führen. Bei einem solchen Vorgehen wäre bald jeder Gütcraustaulch zwischen den ver- schiedenen Völkern ausgeschlossen(Sehr richtig! links) und wir brauchten uns dann über die künftige Gestaltung der Handels- politischen Beziehungen zu dem Auslände den Kopf nicht zu zer- brechen.(Sehr richtig! links.) Ich meine, wenn mau prohibitiv. gegen Waren eines andren Staats vorgeht, so muß man erstens den Beweis führen können, daß ivir diese fremden Waren zur Zeit nicht mehr brauchen, und man muß ferner in einem hohen Matze von Wahrscheinlichkeit den Nachweis führen können, daß diese Waren einen gesundheitsschädlichen Charakter haben. Die Herren, die gestern und heute für die KoinmisfionSbeschlüsse gesprochen haben. sagen, wir dürfen das anslündischc Fleisch nicht besser stellen, als das inländische. Dann würde aber der Schluß der sein, daß an das ausländische Fleisch genau dieselben Anforderüngcn gestellt werden wie an das inländische, und wenn es diesen Anforderungen nicht genügt, prohibieren wir es. So weit ist aber in richtiger Erkenntnis der Sachlage die Kommission mit ihren Beschlüssen selbst nicht gegangen; denn ivenn sie so ivcit gegangen wäre, hätte sie weder Speck noch Schmalz dauernd zngelnffcn. Prohibiert haben die Herren Konserven, Pölelsteisch, Schinken, Würste, frisches Fleisch vom 31. Dezember 1903 ab. Ich bin auch überzeugt, daß in den Würsten, die uns zugeführt werden, manchmal eine grausige Mischung ist.(Sehr richtig! rechts.) Was die Konserven bc- trifft, so muß man zugestehen, daß sie i» so kleinen Stücke» eingeführt werden, daß eine Iliiterstichung kaum noch möglich ist. Ich weise abcrauch auf das Pökelfleisch hin. Ich frage Sie: Welcher Unterschied ist zwischen der Gefahr des Specks, der von einem nnimtersuchten Tier kommt, und der Gefahr des Pökel- fleischcs? Ter einzige Unterschied liegt darin, daß sich im Speck verhältnismäßig selten Trichinen finden, während sich im Pakelfleisch häufiger Trichinen finden. Aber diese Gefahr wird dadurch beseitigt, daß selbstverständlich an der Grenze das Fleisch ans Trichinen untersucht wird. Man hat gesagt. der Bedarf an Fleisch ist in Deutschland noch nicht gedeckt. Ich glaube, das» er gedeckt werden kann.(Sehr richtig! rechts.) WaS die GesundheitSschädlichkeit betrifft. so möchte ich die Herren, die für die Koniinissionsbeschlüsie sind, daran erinnern, welch ungeheurer Fortschrit im Schutz der VölkSgestindheit darin liegt, daß jedes Stück, das in Deutschland eingeht, an der Grenze sachverständig untersucht wird. Ich bedaure, daß in den Kreis der Debatte internationale Beziehungen gezogen sind. Aber ich sage auch, die Gründe, die gegen die Beschlüsse der Komniission angeführt sind, könnten wirklich dazu beitragen, das nationale Selbstgcfübl in hohem Maße zu erschüttern.(Sehr richtig! rechts.) Ich erwähne noch, die Gründe, die fiir Zulassung des Specks gesprochen haben, sprechen auch für Zulaffung des Pökelfleisch'?. In den Punkten, die den Anschein er- wecken, als seien die sanitären Rücksichten mit den handelspolitischen Erwägmigcn verbimden, muß ich Sic dringend bitten, ivegcn der schweren Bedenken, die dagegen an maßgebenden Stellen vorliege», die Regierungsvorlage wiederherzustellen, und dazu, glaube' ich, lverden die Herren, die auf dem Boden der Kommissionsb.eschlüssc stehen, auch zu bewegen sein. Ich habe oft gehört, daß man von der agrarischen Bewegung sagte, sie ist künstlich erzeugt, sie ivird vorübergehen,(Zurns rechts:„Boriibc. gehende Erscheinung! Heiterkeit! ein Werk der Agitation. Ich halte diese Auffassung für oberflächlich. Eine Bewegung, die so große Dimcnsioiicii aiigenonmieii hat, die sozusagen den Charakter einer elementaren Erscheinung rrägt, kann nie und nimmer durch bloße Agitation entstanden sein. Wenn wirnnsrc handclspoliti'chen Beziehungen nen regeln. lverden wirdcshalb erst prüfen müssen, inwieweit die Beschwerden, die von landwirtschaft- sicher Seite vorgebracht werden, berechtigt sind und w'e weit wir sie ohne Schädigimg der Übrigen Erwcrvsständc mindern können. Ein französischer Minister hat einmal gesagt, wenn wir keine Opposition hätten, müßten wir uns eine schaffen. Das gilr auch roi. politischen Verhältnisse». In der jetzigen Zeit des Rädikalismns ist die konservative Richtung für die liberale Partei ein wertvoller Anker.(Lachen links.) Hatten wir diese konservative Richtung nicht, dann wären die liberalen Parteien von den rndikalrii Parteien vielleicht schon verschlungen. Wir n erden ernst prüfen müssen, ob lvir beim Abschluß der neuen Handelsverträge unsre Landwirtschaft aus politischen und ivirlschaftspolttischeii Erwägunge» wesentlich stärken müssen. ES ist eine geradezu grfähr- liehe Erscheinung, daß die Wanderung der Bevölkerung von» platten Lande nach den Städte», von den östliaien Landesteile» nach dem Jndustricfeld ini Westen ständig zunimmt. Zun» Teil ist damit geradezu eine nationale Gefahr verbunden, daß ganze preußische Provinzen aiigewiescn sind ans Arbeiter, die jenseits der Grenze» ihre Heimat baben. Der landwirtschaftliche Arbeiter ist an die Unbilden von Wind»nd Wetter gewöbnt; er ist der aus- dauerndste n»d schlagfertigste Soldat. Die Tendenz, die sich bei der Kommisstonsvorlage gellend gemacht hat, muß man bis z n einem gewissen Grade als berechtigt anerkennen. Die ver- biiiideten Regierungen haben aber ernste Bedenken gegen eine Bcrquickttng solcher Gesichtspunkte mit der gegenwärtigen Vorlage. Wir stehen vor einer großen Aufgabe, die vor kurzer Zeit als die iv i ch t i g st e des neuen Jahrhunderts bezeichnet worden ist. Diese Aufgabe köniicii die landwirtschaftlichen Kreise nicht lösen, ivenn sie nicht die Unterstützung der Jiidiistrie genießen. Ist c§ nun taktisch richtig, ein Gesetz zu machen, das die ernstesten Besorgnisse in den weiten Kreisen der Industrie und ihren Spitzen hervorruft?(Sehr richtig I links.) Jetzt ist die Industrie nur besorgt. Sollten, aber die von der In- dnstrie befürchteten Folgeerscheimmgen cintrcteii, so würde sich in der Industrie eine Gegnerschaft znr Landwirtschaft entwickeln. (Rufe rechts:„Bange machen gilt nicht!") Sie sagen: Bange machen gilt nicht, wenn ich aber eine solche Aeußcrnng thne, dann ist es nicht ein SÄachzug, sondern sie entspricht ernsten Erwägungen. Innerhalb von 2Vz Jahren sind wir gezwungen, misre Handels- politischen Beziehungen neu zu rcgelii. Ich würde es für falsch halte», bei den großen Bedenken, die einer derartigen Gestaltung des Gesetzes entgegentreten, gerade hier vorgreifen zn wollen. Wir könneil, wenn wir dazu kommen, unsre handelspolitischell Bc- ziehmigen ans Grund eines neuen und bessere» Zolltarifs zu regulieren, keinen andren Gesichtspunkt verfolgen als den: Schutz der heimischen Arbeit. Wir haben dann keine Rücksichten mehr zu nehmen, die jetzt noch zu nehme» sind. Wir haben unsre Verträge durchaus gehalten auch da, wo wir glaubten, berechtigten Grund' zu Reklamationen ander» Staaten gegenüber zu haben. Wir lverden bei den Handelsverträgen unsrer heimischen Produktion das- selbe Maß von Schutz gewähren müsse», das andre Staaten bereits in verschiedenen Gesetzen in»teurer Zeit zum Schade» der deutschen Industrie ihrer heimischen Produktion gewährt haben. Gegenüber dem Zwischenruf„Bange machen gilt nicht!" möchte Somabtiid, 10, Wiirz 1900. ich mir zum Schluß noch eine Bemerkung gestatten. Ich bin auch überzeugt, der Bcschlnst, den die Mehrheit dieses hohen Hauses jetzt fassen ivird, ist von einer ganz austcrordentlichen Trag- weite(Sehr richtig! links) und von einer viel höheren Bedeutung, als Sie im gegenwärtigen Augenblick vielleicht denke». Also haben Sic Geduld, noch ein paar Jahre zu warten.(L e b- hafte Zurufe rechts: Oh! o h!) Ich sehe, Sie(nacki rechts) haben keine Geduld. Haben Sic Geduld, mit diesen entscheidenden Maßregeln bis zur Umgestaltung unsrer handelspolitischen Bc- zichimgen zu warten, Fabins Cunctator(der Zanderer) ivar nicht der schlechteste Taktiker. Abg. Fischbcck(frs. Bp.) (bei der herrschenden Unruhe im Saale nur schwer verständlich).: Graf Posadowsky hat hier die konservative Richtung laut gxpriesxn. Das ivar etwas verwunderlich, weil ihm kurz zuvor von einem hervorragenden Führer zugerufen worden war: Wir hohen zur Rc- gierung kein Vertrauen. Redner polemisiert gegen verschiedene Redner der Rechten, seine Ausführungen bleiben aber im Zusammen- hang unverständlich. Di« Konmiissio'nsbeschlüsse werden eine Fleisch- verteilenmg und damit einen Rückgang des Konsnms zur Folge haben. Die Volksernährnng wird also Schaden leiden. Konsequent freilich iväre es, die Schmalzeiiiftchr auch zu verbieten. Wir niüssen auf das Ausland Rücksicht nehmen. Wenn ivir dein Ausland etwas verkaufen wollen. Müssen lvir unsre Wirtschaftspolitik danach einrichten. Ans der Ablchnuug des Gesetzes hat nicht nnr die Arbeiterschaft, sondern auch der Mittelstand großes Interesse, ganz abgesehen von der am Welt- markt interessierten Industrien. Herr Graf v. Klinckowströni spricht den Gegnern der KoinniissionSbeschliissc Nationalgefnhl ab und fragt, warum erst jetzt die Opposition so stark erwacht sei. Weil wir Ver- trauen zur Regierimg hatten. Jetzt aber braucht die Regierung die agrarischen Stimmen für die Flotte und macht Konzessionen. Die Agrarier drohen mit der Ablehnung der Flotte. Solche Drohungen zeugen doch auch nicht von Nationalgcfiihl, sondern vielmehr von Geschäfts- Patriotismus, lieber den Patriotismus der Stahlpanzer- Patrioten ist sich ja alle Welt einig. Diese Vorlage zeigt den Patriotismus des Bunds der Landwirte in bengalischer Beleuchtung. Es ist inter- essant, daß die Hamburger Handelskammer die erste geivese» ist, die gegen diese Vorlage mobil gemacht hat. Es ist dieselbe Handels- kaminer, die in der Flottcnagitation vornan steht. Tie Hamburger Handelslammer befürchtet jetzt, daß eine Aera des Niedergangs des Handels beginnt. Wen» wir schadenfroh wären. könnten wir den Hamburger Herren ihre Mißstinimung gönnen. Sic haben große Feste gegeben, schöne Reden mitangehört und mm sehen sie sich durch die Gesetzgebung so enttäuscht. Sie haben dem Satz zugejubelt: Mehr Flotte, weniger Parteien, und müssen cS jetzt erleben, daß der Satz umgeändert' ist in„mehr Flotte, weniger Handel". Aus dem hpgienischen Gesetz ist eine agrarische Liebesgabe geworden. Wir werden gegen die KZ 14a— 14'd stimmen.(Beifall links.) Abg. Frhr. v. Wangcnheim(k.): Ich will keine Flottcnrcdc halten wie der Vorredner, sondern bei der Fleischbeschau bleiben.(Sehr gut! rechts.) Wir halten imsern Standpunkt lediglich aus hygienischen Gründen aufrecht. (Lachen links.)(Die weiteren Ausführungen des Redners sind wegen der großen Unruhe imHause sehr schwer verständlich.) Eine Erhöhung der Preise beabsichtigt die Landwirtschaft nicht. Sie will nnr Preise haben, bei denen sie profitieren kann, sie will geschützt sein gegen die PreiSdrückcrei des ausländischen Fleischcs.— Eine Gegnorschast gegen den Handel liegt in dem Einfuhrverbot nicht, aber den Handelskammern kann ich den Vorwurf nicht ersparen, daß sie zu wenig Rücksicht ans die Landwirtschaft nehmen; doch auch die Industrie liegt ihnen nicht so sehr am Herzen, sie fördern nur die Interessen des internationalen Sechandclö.— Herr Wurm sprach gestern immer von den nationalen Gesichtspunkten, aus denen seine Partei gegen dies Gesetz sei. Ich bestreite Herrn Wurm das Recht. sich als national zu bezeichnen.(Lachen bei den Soc.) Seine Partxi har sich stets als international bezeichnet.— Herr Pachnicke sprach von unsrer Stellung zur Floitcnvorlage. Wir kennen in solch hervorragend nationalen Fragen allerdings keinen Schacher, das über- lassen wir andren Parteien. Die Forderung des Herrn Staatssekretär?, Pökelfleisch zur Eisi- fuhr zuzulassen, ist fiir uns imniinchmbar. Es kommt in ganzen Fässern an und die Untersuchiing der einzelnen Stücke ist unmöglich. Die Verhängimg und Suspeiidiernng des Einfuhrverbots dem Bundes- rat zu überlassen, dazu können wir uns nicht entschließen. Wir sind in verschiedenen Fällen mit unscrm Vertrauen zn dem Bundes- rat gründlich hereingefallen. Der Herr Reichskanzler har semer Zeit das Versprechen abgegeben, daß in der Vor- läge inländisches und ausländisches Fleisch gleich behandelt werde» soll. Etwas andres null das Einfuhrverbot nicht. Ich erwarte also von dem Herrn Reichskanzler, daß er dieses fei» Versprechen ebenso einlöst, wie die Aufhebung deS Per- bindlingsvcrbots politischer Vereine.(Bravo! rechts.) Hamburgischer Bevollmächtigter Senator D r. Bnrchard: Die Hamburgische Regierimg hat seiner'Zeit diese Vorlage welche die Fleischbeschau einheitlich regelt, mit Freuden begrüßt, ich kann cS aber doch nicht umerlaffeü. die schweren Bedeuten hier zum Ausdruck zu bringen, welche meine Regierung gegen den K 14a, gegen das Einfuhrverbot hat. Es ist zwar behauptet worden, daß die deutsche Vichproonklion ausreiche, um den deutschen Flei'chbcdarf zu decken, von andrer Seite wird aber diese Meinung durchaus nicht geteilt, und behauptet, daß wir heute nicht in der Lage sind, ohne Einfuhr von außen nnser Volk mit Fleisch zn versorge». Das bcdenllichste an dem§ 14a ist aber, daß hier ans dem Wege gesetzlicher Festlegung erklärt lverden soll: von dem und dem Terniin ab darf bestimmtes Fleisch überhaupt nicht mehr zur Eiiifnhr gelangen. Diese Bestinmumg ist ei» voll- komniencs Novinn und giebt der Vorlage den Charakter eines Ausnahmegesetzes.— Daß die Handelskammern sich gegen dies Gesetz wchreil, ist selbstverständlich, denn sie haben die Pflicht, die Interessen des Handels wahrzmichmcn. Sie können es ihnen nicht verargen, daß sie ihre Wünsche an de» Reichstag bringen, denn gerade der Handel ist hier leider am wenigsten vertreten. Die Handelskammern der Seestädte specicll müssen fiir die Seeschiffahrt, für die großen Dampfschiffahrts- Gesellschaften, die den Ruhm der deutschen Industrie in die Welt tragen, eintreten. Die Behauptniig. daß der Seebandel nicht für die Industrie eintrete, ist vollkommen falsch, ivird doch der Scehandel von der Industrie alimentiert. Auch die Vergrößerung der Flotte, für die wir unbedingt eintreten, liegt im Interesse beider: Vom Standpunkt einer wcitauSschanrndcn«nd vorsichtigen Politik muß also mein«: Regierung diesen Koinniissivns- beschlüssc» ihre Znstimmnng versagen.(Bravo! links.) Reichskanzler Fürst Hohenlohe: Mein Verspreche», wenn man es so nenne» will, von dem Herr v. Wangeiihcim mit einer gewisse» Feierlichkeit sprach, ist durch die Vorlage dieses Gesetzentwurfs vollständig erfüllt. Daß man die ausländische Fleischwaren nicht ganz gleich mit den inländischen Flcischwaren in allen Fällen behandeln kann, hat die Kommission selbst anerkannt, indem sie Speck und Schmalz von dem Eiiifnhrverbot ausgenommen hat.(Sehr richtig! links. Lachen rechts.) Ich bin also vollkommen in der Lage', mich gegen die Kommissionsanträge zu erkläre», ohne dadurch mit meiner Erklärung vom Jahre 1893 in Widerspruch zu geraten.(Bcivegnng,) Abg. Steinhancr(frs. Vg.) wendet sich unter großem Tumult der Rechten gegen die Kommissionsbeschlüsse. Seine Ansfnhnmgen bleiben im einzelnen unverständlich. Stfifl. Dr. Paasche(natt.); Ich gehöre zn denjenigen NniiaiinMbcralcn, die nicht für alle Nch-elheiten der KominissionSbeschliisse stiunnen können. Der K 14» ist für uns nicht annehmbar. Die Erregung, die sich dagegen geltend gemacht hat. darf man nicht so ohne niaitcreS über- gehen, lvcii» sie auch teilweise lünstlich erjengt scinanag. Wir fürchten von der Annahme dieser Bestimmung, dafz sie der Sannnlnttgspolitik schaden wird. Tie ist geeignet, einen jicil zwischen Industrie und Landwirtschaft zu'treiben. Hoffentlich kommt bis zur drittc« Lesmig eine Verständigung zu stände. sRufc rechts: Nein, nein.) Sie rufen nein, aber wie ich aus den Reden der RegierungSvcrtreter entnommen zuhaben glaube, und wie � ich namentlich die letzte Bemerkung des Herrn Reichskanzlers verstanden habe, ist gar keine Aussicht vorhanden, das; die Regierung den Kvmmissioii-Sbcschliisscii zustimiucn wird. Da jetzt keine Möglichkeit vorliegt, Abänderungen durchzusetzen, so werde fch.»nt einigen»reiner Freunde bei der Abstimmung in zweiter Lesung für die Koiunnssiousbcschliisie stimme» iGrohe Heiterkeit liukSi, unter dem Borbehalt, bei der dritten Lesung eine andre Stellung einnehmen zu dürfen.(Erneute Heiterkeit.) Wir wünschen dos Znftandekoinmen cincs Gesetzes zum Nutze» der VolkScrnährnng und der Landwirtschaft. Wir ivollen deshalb abwarten, ob die Regierung ihren jetzigen Standpunkt wahren wird. (Stürmische Heiterkeit.) Ich habe noch Sine Erklärung abzugeben. Ein Teil»reiner Freunde schlägt die Bedenken, die die Industrie gegen die Kommissionebeschlüsse hegt, höher an als ich. Dieser wird schon jetzt in zweiter Lesung gegen die KowmissionS- Vorlage stiinmen.(Langandarlerude Heiterkeit.) Bon den Konservativen wird mit Unterstützung der National» liberalen und des CeiitrninS ei» Schlustautrag eingebracht. Abg. Singer(Soc., zur GeschäftSordlinng): Herr Präsident, ich beantrage für den Fall, dag der eben eingebrachte Schlusrantrag die genügende Unterstiitzniig findet, narnrntltche Abstimmung über diesen Schlustantrag.(Rufe rechts: Pfui! I ir f a in!) Der Antrag Singer ivird anhcr von den Socialdcmokraten auch von den freistirnigcn Gruppen unterstützt. Die llnterstützmig geiuigt. Ebenso genügt die llirtcrftLtznng für den S lk, ln tz a n t ra g. Tie Abstimmung über den Antrag ans Schlus, der Debatte ist also eine namentliche. Der Schluß der Debatte wird mit 192 Stimmen gegen «9 Stimmen angenonimcu.(Präsident Graf v. Vallcftrem hatte sich der Abstiiwiiiing enthalten.) ES kommt zur Abstinrimmg über die diskutierten Paragraphen. K l wird einstiunnig aiigenonnnen. Alle gl»»§ 2 gestellten Abändernngsanträge werden abgelehnt. Die Abstininliing über§ 2 im ganzen ist auf Antrag Singer eine n a in e ir t l i ch e. An der Abstimmung haben sich 284 Mit- glreder beteiligt. Mit Ja haben 20?. mit Nein 7ä geslinimt.§ 2 ist also mit 209 ßcflcu 75 Stimmen a n g e n o m m e\\. ES folgt die Abstimmung über die§§ 14a bis d. Die Slbstirnnmng über ß 14a ist eine namentliche.§ 14a wird mit 168 gegen ?? Stimmen bei zwei Stimmeiithaltimgcir an'gcironrme». Auch die I4d bis d werden nach den Beschliisscn der Koirrmisston a n g e n o m m e n. Dnniit sind die Anträge Albrecht(Soc.) u. Gen. erledigt. Hieraus vertagt sich das Hans. Nächste Sitzniig: Sonnabend 1 Uhr.(Fortsetzmig der heutigen Verotimg.) Schluß 6�'« Uhr. UnfallvcrsichcruugS-Koniniission. Am Freitag wurden diejenigen Paragraphen erledigt, welche sich aus die Schiedsgerichte beziehen.' Nach einer von der Sic- gierung vorgeschlagenen Aeiidcrniig soll das Schiedsgericht befugt sein, den Beteiligten solche Koste» des Verfahrens zur Last zu legen, welche durch Mutwillen oder durch ein ans Vcrschleppitug oder Irre- fiihrung berechnetes Verhalten derselben veranlagt worden sind. Diese Aenderung ist schon aus dem Gnmde eine herbe Ungcrcchtig- kcit gegen die Arbeiter, weil gegen die durch die Berussgcnosscnschast berbeigesührtc Berschleppung bei der Feststellung der Renten die Arbeiter ganz wehrlos sind. Wenn aber die Arbeiter in den Verdacht kommen, irgend einen Antrag zu stellen, um die Sache zu ver- schleppen, dann sollen sie mit Auferlegung eines Teils der Kosten bcslrasl werden. Die Socialdemotraten bckäuipfcu daher diese Acii» dcrung und sührte» eine ganze Reihe von Gründen an. welche die vorgesehene Maßregel als durchaus ungerechtfertigt erscheinen lassen. Das Gesetz bestehe jetzt schon 13 Jahre und trotzdem wären Fälle der Verschleppung usw. biö jetzt noch nicht vorgekonmicu, wenigstens konnten derartige Fälle von der Ncgieriing nicht angeführt werden. Es liege daher gar kein Grund zu einer derartigen Bestiuiinmig vor. Außerdem aber enthält das Gesetz so viele' Verstoße gegen das Nechtsgefühl der Arbeiter, daß letztere in vielen Fällen, in denen sie eine Rente nichtlerlangeii können,! nicht zu begreifen vermögen, daß dies Rechtens sei und deshalb immer wieder von neuem Versuche anstellen, ihr Recht zu erlangen. Diese Versuche werben dem rechtskundige Vorsitzenden des Schiedsgerichts als von eine Verschleppung. als Mutwillen usw.. ausgcfa ßt werden. während doch die Arbeiter einzig und allein das Hiel im Auge hätten, ihr vermeintliches Recht zu erlangen. Als Beispiele wurden solche Fälle angeführt, in denen, wie eS sich später heraus- stellte, die Arbeiter thatsächlich arbeitsunfähig waren, auf Grund unrichtiger ärztlicher Zciigniffe aber als Simulanten auch vom Schiedsgericht aiigeschen wurden. Tic Arbeiter würden nach der beantragten Arndcrniig nicht nur mit ihren Ansprüchen ab gewiesen, sondern noch durch Auferkcgnng der Kosten bestraft werden, dafür,'.daß sie für die Erlangung ihrer Renten eintrstcu. Endlich sei die Aenderung auch geeignet, die Arbeiter von manchen BelvciSanträgcn an das Schiedsgericht zurückzuschrecken, in der Furcht, ihre Anträge könnten als frivol angesehen werden und ihnen dadurch Kosten verursachen. Die bürgerlichen Parteien jedoch hielte» es für nicht ausgeschlossen, daß sich irgend ein Fall crcigncu könnte, in dem die Arbeiter thatsächlich ans Mutwillen ec. Anträge an das Schiedsgericht stellten. Für solche Fälle dürfte unter keinen Umstünden Kostenfrciheil bestehen und deshalb wurde die von der Regierung beantragte Pcrschlcchtermig angenommen. Der Grundsatz. daß das Verfahren vor dem Schiedsgericht nntcr allen Umständen für die Arbeiter kostenfrei sein soll, ist also durchbrochen. Das Verhältnis der Rechtsanwälte zu den Schiedsgerichten wurde durch einen Centrmnsantrag berührt, welcher einen festen Satz für die Bezahlung der Rechtsanwälte in Klagen vor dem Schiedsgericht vorsieht. Sowohl von den Ultraniontaiien als auch von den Freisinnigen und Socialdcmokratcn wurde betont, daß eine derartige Regelung durchaus notwendig sei. Nach den heutigen Bestimmmigci! könnte ein Arbeiter, der für eine Klage vor dem Schiedsgericht die Hilfe einrö Rechtsanwalts in Anspruck nehme, von letzterem verklagt werden und müßte dann daS für Civilprozcsse angesetzte sehr hohe Honorar bezahlen. Jedoch lvar der in dem ultra- moiitancii Antrag vorgesehene Satz den Socialdcmokraten zn hoch. Sie verlangten, daß daS Honorar niemals höher als 20 M. fein dürfe, daß ferner ausdrücklich ein höheres Honorar auf Grund eines SondervertrageS verboten und die Frage des Annen- rechts geregelt werden muffe. Darin waren alle Parteien und auch die Vertreter der Regie- rmig einig, daß in vielen Fällen die Hinzuziehung eines Rechts- anwalts zu den Vcrhaudlnngen vor dem Schiedsgcrickit durchaus nicht wiinjchcnSwcrt sei. Wen» ein Beistand für den Arbeiter an- gebracht erscheine, so könne ei» mit den Verhältnissen vertrauter Arbeitcrsckrctär mehr nützen, als ein Rechtsanwalt. der oft genug sich mit diesen Sachen so gut wie gar nicht beschästige. DieS wurde auch von dem würitembergischen Miiiisterialdirctlor Dr. v. Schicker betont. Bisher seien denn auch die Fälle, in dencii ein Rechtsanwalt mitwirke, überaus selten. Würde nun aber ausdrücklich in dem Gesetze eine auf das Honorar der Slechts- auwältc bezügliche Bestimniung enthalten sein, so wäre zu fürchten. daß die Zuziehung eines Rechtsanwalts allmählich die Regel werden würde. Dies aber müsse unbedingt vermieden werden. Deshalb wählte man schließlich den AuSiveg, daß die Bezahlung der Rechts- miwälte nicht durch das Gesetz selbst, sonder» durch eine kaiserliche Vcrordlinng geregelt werden sollte. Der iiltraniontanc Antrag wurde mithin zurückgezogen. Die Viitgctkomniissio» des Reichstags befaßte sich am Freitag mit den Forderungen für B a h n b a u t e n in O st a f r i k a. Die Abstimmung über den Antrag Richter(Streichung der 72 000 M. für den Weitrrban der Bahn von Korogwc bis Membo) wurde ausgesetzt bis zur Enlscheidung über die geforderte Ccntralbcihn und die Fortsetzmig der Beratung bis Dienstag vertagt. Herrenhaus. Tie nächsten Plenarsitznngen deS Herrenhauses sind auf Dienstag, den 27. März und folgende Tage anberaumt.— Ans drv �vnnrnbewrgnttg. Soll das weibliche Geschlecht vogelfrei sein und bleibe»? lieber dieses Thema referierte ReickiStags- Abgeordneter A. Stadt- hagcn am 7. März im MertenSschcn Lokal in einer von etwa 400 Personen besuchte» Volksversammlung, die von den socialdemokratischcii Franc» Berlins einberufen worden war. Der Versainmliitig wohnten auch verschiedene bürgerliche Fraucnrechtle- rinnen bei. Nach einer recht intercssaiitcn historischen Einleitung über die Entwicklung der Prostitution crörtcrtc der Referent eingehend verschiedene Fragen, die durch die lex Hcinze angeregt worden sind, insbesondere die Frage der Bc- seitignng des 8 361 Nummer 6 des Strafgesetzbuchs. Dieser Paragraph überliefere nicht nur die Prostituierten, die nach einer französticken Statistik in den weitaus meisten Fällen Opfer der Not nnd des Elends seien, vollständig der Willkür der Polizei, er erkläre auch jede andre Frau für vogclfrei. Die Ligilaiiten, selbst meist Verbrecher, kviintcn jede Frau und jedes Mädcfini den peiiilichsicii linier» snchungrn ouSsetzeu. ES heiße dann einfach sie hätten sich„verdächtig" gemacht. Er erinnere miraiidenFallÄvppeiiuudanverschicdeneandreFälle. Wenn man übrigens die Pest der Syphilis bekämpfen wolle, und das fei notwendig, dann mnne das in einem besonderen Sanilütsgcsetz geschehen, nicht ober in einem Strafgesetz gegen die Unzucht. Redner Iritisicrte dann eine Reihe andrer Bcstimmnugeii des Gesetzes nnd kam zu dem Schluß, daß alle Frauen und Mädchen gegen den 8361 Ziffer 6 und seine Wirkungen Protest erheben müßten, sowie die Ab- ficht, Bordelle zn ermöglichen, eine Schmach� siir das ganze weibliche Geschlecht bedeutet.(Lebhafter Beifall.) Fräu- lein Baader ermahnte die Anwesende», recht viol Unter- schriftcn für die gegen den§ 361 Nr. 6 gerichtete Petition zu samineln, die schon im„Vorwärts" auszugsweise publiziert worden ist. Als nächste Rednerin nahm Fräulein Anna Pappritz, eine Vertreterin der bürgerlichen Franenbewegung. da» Wort.� Sie erklärte sich v o l l st ä n d i g mit dem Referenten e i n v e r st a» d e n und wandte sich nur gegen einige Bemerkungen Stadthagcus, daß die Entrüstung der Frauenrechtlerinnen gegenüber den geschilderten Mißständen abgeflaut sei. DaS wäre nicht der Fall.� Sie selbst habe vor einiger Zeit eine Volksversammlung einberufen, die gut besucht gewesen sei und sich gegen den§ 361 Ziffer 6 erklärt habe. Sie habe Vertreter sämtlicher großen bürgerlichen Zeitungen ein- geladen gehabt, eS sei aber fein einziger_ erschienen. Die Genossinnen W c n g e l S nnd N ö n ich führten krasse Beispiele dafür an, wie schwer es einem Mädchen sei, sich von der Prostitution wieder abzuwenden und ein ordentliches Leben zu beginnen. Gerade die Kontrolle bilde daS größte Hindernis. Die kontrollierenden Beauiten entrisse» durch ihr Erscheinen den Armen immer wieder die mühsam erlangte Stellung.— Frau Herrmann schilderte ans eigener Erfahrung, lvie ans ostpreiißischen Gütern die gräslichen Gutsherrn mit ihren'weiblichen Dienstboten umgehen. Nachdem noch zwei andre Redner im Sinne des Referats gesprochen hatten, erfolgte nach einem Schlußwort des Genossen Stadthagen der Schluß der imposanten Verfaniinlung. Im Frauen- und Mädchctt-BildungSverein in Rixdori hielt am 1. März Herr Dr. Zadel einen Vortrag über Pest und Influenza, der mit großem Beifall aiifgciiominen wurde. Am Schlüsse teilte die Vorsitzende mit, daß das Stiftungsfest Sonntag, den 31. März, bei Lankiicr, Bcrgstr. 131/52, stattfindet. Die BilletS kosten 20 Pf. Frauenarbeit. Frau StaatSminister v. Goßler. Frau Staats- minister Studt. Frau Bauinspektor Müller, geb. v. Goßler. Frau Major v. Braunf'chweig. Frau Generalsuperiiiteiident Faber und andre Damen finden sich jeden ersten Mittwoch dcS Monats bei der zuerst genannte» Dame zu einer„Nähstunde" zusammeu. Für die armen Näherinnen ans dem Volke lvird eS angenehm sein zu hören, solche hochgeborue Kolleginnen zu haben; sie arbeiten zwar taglich oft mehr Stiiiidcn, wie diese im ganzen Jahr, aber es schafft dennoch ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl. Den nach dem Doktorhut strebenden Damen_ der bürgerlichen Franenrcchtleriiinen geben die vornehmen Damen ein gutes Beispiel, wie man sich bescheiden auf das Gebiet beschränken soll, daS der Frau von alters her zugewiesen ist. Marktpreise von Verlin am 8. März 1999 nach Eriniltlnngen deS fgl. PolizeiprSsidiumS. )D?<>z«ii D.-Etr. »fIloggcn Kiiiter-Gcisle„ Hafer gut niittel gcring Richlstroh„ Heu f) Erb seil -j-)Speisebohnm PlLiimi Kartosieln, neue Rnidslrisch, Kein« l bx da. Bauch ,. ») Eiinillelt pro 15,80 14,30 14,10 15,— 14.20 13.40 4,32 6,80 40- 45,— 70,- 7- 1,60 1,20 Tainic 14- 13,70 13- 14,30 13.50 12,70 4,- 4,20 25,— 25,— 30,- 6,— 1,20 1,— von grfm'cineflcifch Kawsleisch Haminelsleifch Vinter Eier Karpfen Aale Zander Oeckle Lariche Schleie Bleie Krebse lkx 60 Stück 1 kg per Schock der Cenlralstclle der Preub. Land- wiillchasulnuiuicrii- NotiermigSsteNc- imd mugerechuet vvui Polijei- pilisitinui für den Trppel.ceiitncr. si) KfcillhaiidelSpreife. Produkten markt vom 0. März. Auf dem Getreide- inartte eiitivickelie sich unter dem anregenden Einsiuffe durchichniltlich fester Meldungen auS New York und Chicago am hiesigen Srühmartte glcichfaflo Fcsiigfeit. Die Preise setzten, wenn auch bei kleinen Umsätzen. circa 0,75 Mark hoher ein. Mittags blieben die Preise siir esjeklive Ware seft obwobl die vorhandene Kamlust nicht eben groß war. DaS Angebot aus dem Jnlande war schwach, die Oualiiät deS offerierten Jnlaiidsroggen aber nicht befriedigend. ÄnS dem Auslände lagen wieder reichliche Offerren vor doch wäre» die Preise, tnebesondere für Roggen nicht rentabel. Die Tendenz des LieieningSgefchäftS wurlc durch die umfangreichen Bei- ichiffimgen Aigeiitinicns vorübergehend ungünstig beeinflußt, erholt« sich jedoch bald wieder aus sesteS Ausland, uauieutlich Amerika und Oestreich- Uugarn, sodann aus bedeutende Meiuiinaskäus« hiesiger Kommissionäre. Im übiigen lvar die GeschäftSbclciUgung nicht groß. Weiten und Roggen waren je 1 M. höher gehallcn. Haser lag ebenfalls höher. Rüböl fest ans höhere Saatenpreise in Oestreich-Uiigarli. � Am SpirituSmarkt wurde 70er loco uiwernndert mit 4<,S0 M. bezahlt._ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag. DienStag nnd Freitag von<»—8 Uhr abend» siatt. Franz Müller. Wir bitten Sie. solche Zuschriften an den„BolkS- boten in Stettin zu schicken. Iiiiide* Essenz ist sellr ergiebig, denn eine Hesieispitre voll genügt, Geschmack und Farbe des Kaffees ru verbessern.* Grosse Fänge, Preise billiger!! I>anlcsag;nng;. Für die vielen Beweise herzlichster TeilnaSme bei der Brerdigiiilg meines lieben AiauneS nnd ValcrS NunI sagen wir biermii allen Benvaudien uild Lelannicil, insbesondere den Kollegen der Fabrik von Fiiistenheim nnd dem Verein denlscher Schuhmacher vnsren iniiigsteil Dank. 2793» Frau Minna Dothe. Klara Dotlia, Hu Dothe. 1 »lbtitcr- Krm , Berlin' Haute, abends 7 Uhr, u. morgen früh fVa Ohr '"«ch Trebbin. Start-. Tempelhoscr Feld. Steuersinns. TonnerSlag i Filiale III. Schöulclii. stroße 6. 11/4 z. 8tjppeltgjl!5 Mlkirllilt Cöpenltt. Schöiierliuderftr. 5.> Arbeiter- Lorkehrslokal. Für gute Gveilcii Ii. Getraute ist besicuS gesorgt. � IVIHbeS; eiiröerliche Wohnungs-Einriclitungen Großes Lager— Billige Preise. Langjährig« Garaiilic. s248SL'- Villi, �mbreejil.�i». -wild-Rchiirailt Müggc-k-e zwisch Miiggelschlost». 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Anfang 8 Uhr. Belle-Alliance. Die Reise nach Amerika. Anfang 8 Uhr. Victoria. Ein gefunder Junge. Au fang 8 Uhr. Friedrich-lWilheluistadtischeS. Berliner Bilder. Ansang 8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Dornröschen. Aschenbrödel. Metropol. Specialitätenvorstellung Die verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialitäten- Vorstellung Im Reiche des Jndra. Ausaug 7-/, Uhr. Palast. Specialitäten- Borstellung Anfang 7l/z Uhr. Neichshalleu. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Panaptik»-». Speciali lölen-Borstelliing. Urania. Jnvalidenstr. i»7/<»S Täglich abends von ö— 10 Uhr Sternwarle. Taubc»stras?e 48/TS. Abends 8 Uhr:„Von den Alpen zum Befuv". Schiller-Thelittt tWallner- Theater). Sonnabend, abends 8 Uhr: ZKa,cI»vti>. Trauerspiel in fünf Aufzügen von William Shakespeare. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Die Jnnsfrau von Orleans. Sonntag, abends 8 Uhr: In Behandlnng. Montag, abends 8 Uhr: Macbeth. (Cr ntvst 1 T lzoeitev Direktion: sose psrencrx. Abends 7-/2 Uhr: Die Puppe. (Ija Ponp�e). Operette in 3 Akten und einem Bor- spiel von Ordonneau und. Stnrgeh. Mnsik von Ed. Audran. Morgen und folgende Tage: Die Puppe/„ Uhr. Morgen und solgende Tage: Im Himmelhof. W. Noacks Theater, Brunuenstrahe 10. Heute Sonnabend, den 10. März: IVezen Privatfestllchkclt keine VorsteUans:. Sonntag: Win, wie eö lebt««h liebt. flpollo-ütoater. Im Reiohe des indra und 8 erstklassige Specialitäten. Beginn der Vorstellung 7-/2 Uhr. Vorverkauf von IO— ä Uhr im Theater sowie beim„Invaliden- äank� und..Künstlerdank''. Urania Tanbcnntrasae 48/40. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen znm Vesuv!1 Invalidcnstr. 57/OS: Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. 'Passage-Panopticn; Geöffnet 9 Uhr frilh bis 10 Uhr abends. Täglich; H Thealer varielö.� Auftreten des indischen Fakirs Kalakatta — und des Zauberkünstlers— Mr. Jeröme. jpA 1»fei CASTANS PANOPTICÜM feu! Ken!\eu Ein Riese der englischen Armee Sergeant Iii. Dalroy Ä m 30 cm hoch! Oberbayrisclie Sänger und Schuhplattler• Oesellschaft. Rletropol-Tlioatiir. Täglich um 9 Uhr 30; Verkehrte Veit! mit der hochorigillelle» Weiber-Parade. vorher: Dus Wße Mrz- Specialitttteil-Pl'ogrttttim: The 8 Dlnniunt», DelteeelN Vrle, Eeed Olllet Snndee'I'ele, Oeei'jflinlKev, The Daytons, Mary Wolf ic.:c. Anfang an Wochentagen um 8, an Sonntagen 7-/z Uhr. Palast-Theatei' früher Ecen-Ualnst, Burgstr. 22. Heute Sonnabend, den 10. März: Wegen Vereins Festlichkeit geschlossen! Sonntag und folgende Tage: Große Specialitäten-Borstellung Rur erstklasstae Künstler! Neu! dnrneis Kapelli, Neu! elektr. milfikalische Demonstration. Um 8-/. Uhr: Wiukler 11116 Fröbel in der hochdrastische» li-csangsburleske Der selige Zwiebelman». Anfvng 7-/2 Uhr. Konzert O',/, Uhr. Ciipkus Schumann. Heute Sonnabend, den 10. März, abends präc. 7>/z Uhr: 10. Ornnde Solrde High I.ife. Gala-Pecgrarnni. Neu! Ohne Konkurrenz! Neu! Mr. Wilke» mit feinen großartig springenden russischen Wolfshunden. M\ The two Martinecks? Xen! X en! Ter phänonieilale Reitkünstler M?. Uoylt. Dir. Albert Schuma»» mit seinen anerkannt unerreicht daftehenden Origiiial-Dreiillren. Zum Schluß zum 38. Male; Doktor Faust. Eine romautisch-phalitastische Handlung i» drei Abteilungen vom Hofballett- meister A. Siems.' Sonntag: Ä große brillante Vor- stellungen. Nachm. 3-/, Uhr: Im V.'elh- nachtsbarar oder vle Puppenkönlgin. Abends 7-/2 Uhr: Dr. Faust. Nachm. 1 Kind frei. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sanger Anfang: Wochentags 8. Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pfennig. Vorverkauf 40 Pf. Aoaserordentllche Gtilml-Nnsammi« der Orls-Krankenkasse der Gelh- u. Zinngiesser am Sonntag, 18. März, vorm. 10 Uhr, im Lokal des Hern. Paster, Jnfelstr. 10, wozu sämtliche Vertreter der Arbeit- nehmer hiermit eingeladen sind. Tages-Ordnung: 1. Antrag des Rendanten um Er- höhung feines Gehalts. .2. Verschiedenes. 2792bl Der Vorstand. 3t iimI eu! D Cirkus Busch. Rur noch kurze Zeit!____ Heute Svuuabettd, 10. März, abends 7 Vi Uhr: High f.ife£venlng. Zum 120. Male; Die Cnniorra. Debüt d. Troupe Brillauts.Die komisch. Franzose»! Die weiße Dame. Quadrille aus der Zeit Friedridis d. Gr. Herr Burkhardt-Foottit. Grigory- Troupe. Siguor Ricardo._ SaussoHci Kottbnscrt>tr. 4 11. Heute So nil abend: Keine Solree. Sonntag, den 11. März: Holtmanns Ngrbbctttsihe Liittger Prttsident Kriiger (»eu bearbeitet). Vorzügliches Programm. Nach der Soiree: TanlEkrUniEehen. Rohrleger und Helfer! Sonntng, de» 11. März, mittags IS Uhr, im Lokal Königshof, Biilowstraste 37—40: Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 280/8 1. Wie stellen sich die Rohrleger und Helfer zu den Errungenschaften andrer Bauarbeiter? 2. Diskussion. Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist unbedingt notwendig. Die Drtsverwaltnng. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Achtlmg, Vertrauensleute! Tie Konferenz für den Norden findet Sonnabend, den 1«. Marz nicht statt. Sonntag, den 11. März, vormittags 10 Uhr Allgemeine Versammlung der Deimngsmonteme. Rohrleger und Delfer in Fenersteins Salon, Alte Jakobstraße 75. 111/8 Tagesordnung: 1, Vortrag des Kollegen Friedrich Schlegel über:„Unternehmer- Verbände und Arbeiter-Organisationen". 2. Diskussion. 3. Verbands- Angelegenheiten. Neue Zahlstellen sind errichtet Worden bei Cilcinert, Schulsir. 29; Tolksdorf, Görlitzerstr. 32; Trabert, Königs- Wnsterhanfen. Kottbufersir. 10.— Die Zahlstelle in Tempelhos befindet sich jetzt bei Kogale, Berlinersir. 101. Die Zahlstelle bei«rnndmann, Naunyn- straße 78, ist aufgehoben. Die Ortsverwaltnng. Verband der in Buchbindereien, der Pnpier- und Leder- Galailieriewiiren-Jndustrie beschnft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Dienstag, den IS. Mär», abends 8-/2 Uhr Anordeiill ck Gml-Venmlig im Lttiscilstiibiischttt KoilzertlM, Alte Zaköbstr. 37. Tages- Ordnung: 1. Wahl der Delegierte» zum VerbandStag. 2. Fortsetzung der Be- ratung der Anträge zum Verbandstag. 3. Verbands-Älngclegcnheiten und Vcrichiedenes._ In Anbetracht der hochwichtigen Tagesordnung ersuchen wir alle Mitglieder, pünktlich und vollzählig in dieser Gcncralversamuilung zu erscheinen._ 23/12 Igg- Mitgliedsbuch legitimiert."MM Die Dcrininmlung wird pünktlich eröffnet. Vle Ortsverwaltnng. ratf- Vom I April d. J. ab besinden sich unser Bureau sowie Arbeusnackweis und Bibliothek im„Gewerkschaftshans", Engel- Ufer 13, II. Stock._ Billets» ÄO Pf. zu ullfreur am S4. Mär« in Kellers Pestsälen. Koppenftrastc s». stattfindenden i!5. sind in alte» Zahlstelle», bei den Bcrtraiieiispcrsonen, in obiger Ber- samrnlmig, sowie in nnirein Bnrean zu haben. Achtung! äMF"" Achtung! Oementierer! Sonntag, den II. Mär» 1000, vormittags 10 Uhr _ im iial«! des Herrn Schiller, Roscnlhalerstraßc 5? Mitglieder- Versauimlnug'HW der Filiale IV des txentralverbands der Maurer Teutschlands. Tages-Ordnung: 1. Wahl von Bezirks fsibrcrn und Neuwahl des Vorstands. 2. Gcwerk- schastliches. 3. Verschiedenes. b7/4 Es ist Pflicht eines jede» Kollege», pünktlich zn erscheinen. Der Vertrauensmann. Verband derMöbelpolierer. Heute abeud 8','3 llhr in Weisscnscc, bei Kühn, Rölkestraste SO: ptF* DerllntttJnlung. Tages-Ordnung: 1. Situationsbericht. 2. Wahl. 3. Verschiedenes. Montag, den IS. März, abends«»/, Uhr:_ WM" Vevfsmmlung jbei Oiecke, Zlckerftrafie ISS. Tages-Ordnung: l. S-tliationsbericht. 2. Verbandsangclcgen- heitcn. 3. Verschiedenes._ 145/19 Heute abend in sämtlichen Zahlstelle»: Entgegenuahme von Extrabeiträge».'Wft Der Vorstand. I. A.: Karl Höfer.'Adiuiralstrasie 10. Deutseher Holzarbeiter-Verband. Musikinstrumenten-Arbeiter. Sonnabend, 10. März, abends S'/a Uhr, bei Herrn Nowack, Mantenffclstr. 0(nahe der Köpnickerstraste»: VefttillleiiZiiiSiiiiei'-VmsliniiIuiiz. Tages-Ordnung: I. Die taktischen Besdiliisse der Zahlstelle Berlin. 2. Wcitcrbcratnng über die Gestaltung unsrcr Agitation. 3. Werkstattangelegenhcitcn und Verschiedenes. 80/15 Um pünktliches Erscheinen ersucht_ Die Kommission. AMng! Kleber(Tapezierer)! Sonntag, den II. März, nachmittags 1-/z Uhr, bei Paster, Jnselstraste 1«: Große öffentliche Uersammlnng. Tages-Ordnung: Situationsbericht über den Stand des Streiks und Beschlust- fassung über unser weiteres Borgeheu. Kollegen! In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es unbedingt nötig, daß Ihr Mann für Mann erscheint. Ferner werden alle Bau- arbeiter ansgefordert, die Kleber auf diese Bersammlnng anf- merksam zu machen. lOl/S Die Liohnkonimission. Berliner Spar- nnö Hanverein (E. G. in. b. H.) Sonntag, de» 11. März 1900, mittags präcise 12 Uhr: Oeffentliche Versammlung in Pnhlmanns Vaudeville-Theatcr, Schönhauser Allee 148. Tages-Ordnung: s2791b Vortrag des Herrn Dr. Mundiiig: Die Bedeutung der Bau- genoffensdiaften für die Arbeiter. Diskussion. Der Borstand. Verband der Lsu-, Lrd- und geverbliebe»»jjksrbeiter veutseblalldz. (Zahlstelle Berlin III.) Sonntag, den II. März, vormittags 10-/, Uhr,-WS im Lokal des Herrn Kran«. Badstrafie IS: Mitglieder- Versainiiiluiijsf. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Pörsch. 2. Diskussion. 3. Verbands- augelegcnhcitcn. NW- Neue Atitglieder werden ansgciioulinen. Um regen und pünktlichen Besuch ersucht 22/10 Die Ortsverwaltnng. SW Rixdorf. Sorialdemoltr. Uerrin„Vorwärts". Dienstag, den 13. März, abends 8-/2 Uhr: Mitglieder-Verfammlnttg im Lokal des Herr» Uauckner, Bcrgstraste 151. Tages-Ordnung: 1. Bortrag:„Warum mich die Socialdeniokratie siegen Refeient: ReichetagS-AbgeordncterA.B ändert- Apolda. 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheiteu. 232/3 DM- Gäste haben Zutritt.-WU. ZMreichen Besuch erwartet Der Vorstand. AcMung! Bllderrahninactier! Aditiing! Sonnabend, den 10. März, im Neuen Klubhaus, Kommaudantenstr. 72: 44/1 VII. Stiftungsfest ins fadmtttlits Drt WldmalMknmacher. Hierzu ladet ergebenft ein Der Vorstand. >e.,:-WE �[38748*1 W»- XeuJ In dem Möbel-«nd Dolsterwaren-Masazin von Uildelm«üller, Geriditstrüße Nr. 10, m Holhplub kaufe» Sie komplette bürgerliche Wohuungseinrichtuttgen, sowie einzelne Miibel, Polsterwaren und Tcppiche zu nicht erhöhten Preisen n»ch aus Teilzahlung. 3878L* � Oylinder-Hllte � kaust man am billigsten direkt in der Fabrik. Cthttpettinx eiaques, weiche und steife Filzhütc, Plnsegnnngs- Häte zu billigsten Preisen bei Max Radtke, Blumenstr. 39, (vife SlndreaSstrahe(kein Laden/. HRWL? CN-st der schönste Aufenthalt für Ausflüge und Land- WKßKI dfiSl& Partie»? Auf der Fnscl Plchelswerder[* Wss TD n Ii e i in silteii Feeiind. Lösl, FrUhstUcks-Suppen Gemüse• und Kraftsuppen BouillOii>Kapseln Suppen-Würze können den Hausfrauen bestens empfohlen werden. Zu haben bei Otto Horst, NW., Wilhelmshavenerstrasse 54.— Filiale; NW., Hostockerstrasse 6. lÄIWil ber Wer. Sonntng, den Ii. März, nachmittags 2 Uhr, im Restanrant Fril; Master, Köpenick, Rosenstr. IUI: Oeffentliche Bersammlnng ber Wer uo« WeM uub Friebrichöhllgett. Tages-Ordnung: Bortrag. Gcwcrtfchaftliches. Montag, den IS. Märe, ahends O Uhr, im Restanrant Nchillcr. Kosenthalerstrasse 57: Da MMtltttkn-VkrsmUlMlg. Tages-Ordnung: Beratung über Bcreinbarungs-Arbeite». 105/0 Der Vorstand der Ulliale Berlin. WcmMuJ�m&ßgaieri mp Kilo genilgt(Ur 100 Tassen Ein Versuch überzeugt, dass Van Houtens Cacao für den taglichen Gebrauch allen anderen Getranken vorzuziehen Ist. Er ist nahrhaft, nervenstärkend, wohlschmeckend, leicht verdaulich und stets schnell bereitet. Van Houtens Cacao wird nur in den bekannten Blechbüchsen, niemals lose verkauft, da bei läse ausgewogenem Cacao nichts für die gute Qualität bürgt. K Echte Kornbranniveine S Wiekicher Liter 05 Pf.. Richtenberger 95 Pf., Münsierländer 1,10 M., Brcs- lauer 1,25 M., Steinhäger, Doornkaat, Aguavit-c., in Originalfüllmig. 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Schluß der Nachmittags-Sitzuug. Hiermit folgte die Beratung der K e 1 1 n e r i u n e n f r a g e. Der Referent G u t m a n n- Leipzig vertrat den Standpunkt, daß die Kellnerinnen keine eigentlichen Gastwirtsgehilfinnen, sondern fast ansnahmslos in sittlicher Hinsicht zweifelhafte Personen seien, die nur die Aufgabe haben, die Gäste zu animieren und im Interesse der Wirte ansznbentcn. Der Referent legte seine Forderungen in folgender Resolution dar: a) Um der gesamten Menschheit moralisch und sittlich gerecht zn werden, darf weibliches Personal, welches direkt nnt dem Publikum (Gästen) in Verbindung steht, von abends 10 llhr bis morgens 8 Uhr diese Ranine nicht betrete», b) Jugendliche Arbeiter und Lehrlinge dürfen in Wirtschaften mit weiblicher Bedienung nicht de- schäftigt werden, c) Kellnerinnen unter 25 Jahren sind nicht an- zustellen. Ä) Lokale mit weiblicher Bedienung sind um 10 Uhr abends zu schließen. Der Korreferent S t a a k e- Berlin führte demgegenüber ans: Es sei ein ganz unberechtigter Standpunkt, wenn man die Kellnerinnen ohne weiteres mit den Prostituierten auf eine Stufe stelle, lieber die wirtschaftliche Lage der Kellnerinnen, die ja anch die wesentlichste Ursache der sittlichen Verhältnisse sei, geben die Erhebungen der Kommission für Arbeiterstatistik vom Jahre 1833 Aufschluß. Danach haben mehr als die Hälfte aller Kellnerinnen eine Arbeitszeit von 11— 16 Stunden, nicht ganz ein Drittel 16—18 Stunden. Weiter gehe aus den Erhebungen hervor, daß die Verhältnisse der Kellnerinnen in Skddeutschland schlechter seien wie im Norden. Man dürfe die Kellnerinnen nicht als un- sittliche Personen betrachten, man müsse sie vielmehr als gleich- berechtigte Kolleginnen ansehen und für die Verbesserung ihrer Lage eintreten.(Beifall.) Verschiedene Redner sprachen zum Teil unter lebhaftem Beifall im Sinne des Referenten. Sie besürworteteu gesetzliche Maßnahmen, welche die Haltung von Kellnerinnen so gut wie unmöglich machen. Andrerseits traten auch Redner ans Süddeutschland auf, welche darauf hinwiesen. daß es in süddentschen Lokalen eine sehr große Zahl höchst anständiger Kellnerinnen gebe, auf die die hier ausgesprochenen abfälligen Urteile durchaus nicht zutreffen. Nachdem wieder einige Redner mit sittlichen Bedenken gegen die Existenz der Kellnerinnen vorgegangen ivaren, erhielt der als Gast anwesende Reichstags- Abgeordnete Molken- buhr das Wort. Er bemerkte, man dürfe die Bestrebungen der Sittlichkeitsvereine nicht verquicken niit der Kellnerinnenfrage. In der Konimission für Arbeiterstatistik sei Redner daftir eingetreten, daß den Arbeiterinnen im Gastwirtsgewerbe derselbe Schutz zu teil werde wie den männlichen.(Beifall.) Hierauf vertraten wieder einige Redner die Ansicht, daß die Kellnerinnen aus dem Gastwirtsgewerbe verdrängt werden müßten. Sie sollen als Dienstrnädcheu arbeiten und dann Hansfrauen werden, sagte ein Redner unter lebhaftem Beifall eine? Teils der Delegierten und Zuhörer. P ö tz s ch- Berlin führte aus: Die Verhandlungen der vorigen Tage feien Notschreie, welckie die unter den traurigsten Verhältnisien leidenden Gastwirtsgehilfen laut werden ließen. Heute dagegen habe sich das Blatt gewendet. Heute erheben sich die männlichen Gehilfen gegen die noch in viel höhereni Maße gedrückten und ge- knechteten weiblichen Kolleginnen. Ein Sklave wende sich gegen den andern. Diese Verhandlung werde nach außen hin keinen guten Eindruck machen. Wie würde es denn den Kellnern gefallen, wenn man ihren ganzen Berus als einen unmoralischen hinstellen wollte. Ein Schrei der Entrüstung sei durch die Fachpresse gegangen, wenn behauptet wurde, daß es unter den Kellnern eine besonders hohe Zahl von unlauteren Elementen gebe. Mit Recht habe man immer gesagt, das seien nur einzelne. Ebenso müsse anerkannt werden, daß die Kellnerinnen nicht ohne Ausnahme so verworfene Geschöpfe seien, wie es von einzelnen Rednern hingestellt wurde. Nur Konkurrenzneid könne verlangen, daß die Frauen aus dem Gastwirtsgewerbe ausgeschlossen werden. Mit der Frauenarbeit, die nach und nach in alle Berufe eindringe, müßten sich anch die Kellner befreunden. Ihre Aufgabe aber sei es, dafür zn sorgen, daß der Lohn für beide Geschlechter der gleiche und die Arbeitszeit der Kellnerinnen vernünftig beschränkt werde.(Beifall.) Verschiedene zur Kellnerinnenfrage vorliegende Anträge, die sich inhaltlich ivefentlich widersprechen, wurden, obgleich in' einer Ge- schäftsordnnngsdebatte dieser Umstand geltend gemacht wurde, mit geringer Mehrheit einer Kommission überwiesen, zwecks Verarbeitung zu einer einheitliche» Resolution. Hierauf referierte V o l k in ut h- Köln über die Stellen- der Mittelung. Der Redner gab ein Bild von den Mißständen, welche die Arbeitsvermittelnng durch Kommissionäre mit sich bringt. Er empfahl die Einführung kostenloser Arbeitsnachweise. Die von den Gehilfenvereinen eingenchteten Arbeitsnachweise sollten in den einzelnen Städten' verschmolzen werden. Kommunale Arbeitsnachweise könnten nur anerkannt iverden, wenn sie von den Gehilfen verwaltet werden. Ferner müßten feste Lohntarife eingeführt werden, ans Grund deren die geineinsanien Nachweise die Stellenvermittlung zu betreiben haben. Hierauf schilderten Hamacher- Köln und G r e t h e- Berlin die Uebelstände des privaten VennittlungswesenS in Berlin und Köln. Vierter Tag. Vormittags-Sitzung. Die Debatte über die Stellenvermittelung wird fort- gesetzt. Nach Schluß der Debatte wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Um die Stellenvennittelung im GastwirtSgewerbe einer für die Interessenten gesunden Bahn zuzuführen, d. h.'die gewiffenlofe AnS- beutung der Stellefuchenden durch das Wuchertuiii der gewerbs- mäßigen Privat-Placeure zu unterbinden, halten wir die Kon'zessionS- Pflicht der letzteren unzureichend— ja gefährlich, und können eine Besserung nur dann voraussetzen, wenn die Arbeitsvermittelung reichsgesetzlich geregelt wird. Ilm das zu erreichen, halten wir folgende Bestimmungen für geboten: Jede Stellenvermittlung gegen Entgelt ist verboten und straf- rechtlich zu verfolgen. Als Entgelt sind die Beiträge, welche die bestehenden Verbände (Vereine) zur Unterhaltung ihrer Ärbeitsvermittelungsstellen benötigen, nicht zu rechnen. Bis zur gänzlichen Beseitigung der gewerbsmäßigen Stellen- vermittelnng haben die Arbeitgeber die Vermittelungs-Gebühren selbst zu tragen und durch keinerlei Vorwand den Angeklagten auf- zubürden. Von den Stellefuchenden darf der Vermitteler keinerlei Be- zahlung noch„Einschreibegebühr'„och Geschenke fordern oder an- nehmen. Die Stellenvermittelung darf nur als selbständiges Gewerbe be- trieben werden, insbesondere ist es zu verbieten, daß Gastwirte (Logis-, Schlafstellenwirte, Kostgeber Ze.), Cigarren-, Weinhändler je. den Arbeitsnachweis betreiben. Ebenso ist es untersagt, in Gastwirt- schnften. Cigarren- und Weinhandlnngen den Arbeitsnachtveis durch dritte betreiben zn lassen. G. Staake-Berlin. Zu der in der gestrigen Sitzung behandelten Kellnerinnen- frage wird folgende Resolution angenommen: Im Hinblick auf die niedere sociale Stellung der Kellnerin scheint es von: Standpunkt des Gastwirtsgehilfen geboten, der bedrängten te Jwilrtö" und gar nicht organisierten Arbeiterin im GastwirtSgewerbe helfend beizutreten. Es ist ein thatsächlicher Irrtum, das Kellnerinnen-Unwesen den Trägern des Namens zuzuschreiben und ein bedauerliches Vorurteil, die Kellnerin als Konkurrentin des Gaftwirtsgehilfen hinzustellen. So sind es wohl auch nicht ethische Gründe, welche eine große Zahl der Kollegenschaft veranlaßt, die„Kellnerinnenfrage' nicht ruhen zu lassen. Weil die Kellnerin in den meisten Fällen nicht nur zum Auftragen der Speisen und Getränke bedienstet, sondern namentlich zum Animieren der Gäste und Mittrinken durch ihren Arbeitgeber ge- zwungen wird und dadurch die Existenz des letzteren nur zu oft mit ihrer Gesundheit und Unbcscholteuheit opfern muß, danun ist es nnsre Pflicht, die wirklichen Ursachen des gastgewerblichen Krebs- schadens möglichst zu beseitigen und Abhilfe zu schaffen. Eine Ver- kürzung der Polizeistunde in den Wirtschaften mit weiblicher Be- dienung durch die Landesbehörden bat nach den Verhandlungen vor der Kommission für Arbeiterstatistik(17. bis 21. November 1898) nicht wesentlich gefruchtet und so halten wir folgende Grund- bestimmungen für notwendig: Die im Gastwirts-Gewerbe und ähnlichen Betrieben beschäftigten Kellnerinnen oder solche weibliche Dienftpersoiien, welche in unmittelbarem Verkehr mit dem Publikum(Gästen) stehen, dürfen nicht unter dem 18. Lebensjahre beschäftigt werden. Die tägliche Arbeitszeit darf 10 Stunden nicht überdauern und hat in der Zeit von 10 Uhr abends bis 8 Uhr morgens gänzlich und allgemein zu ruhen. Jugendliche Arbeiter und Lehrlinge dürfen in Wirtschaften mit weib- licher Bedienung nicht beschäftigt iverden. G. Staake-Berlin. Hierzu wird noch folgender Antrag, ebenso wie die vorstehende Resolution gegen eine Stimme angenommen: Im weiteren erwartet der Kongreß, daß von den in Betracht kommenden Behörden der ß 33 der Reichs-Gewerbe-Ordnung Absatz Ziffer 1, wonach es heißt, daß zur Betreibung der Gastwirtschast die Erlaubnis zu versagen ist, wenn gegen den Nachsuchenden Thatsachen vorliegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß er das Gewerbe zur Förderung der Völlerei, des verbotenen Spiels, der Hehlerei oder der Uustttlichkcit mißbrauchen werde, insbesondere bei Gast- wirtschaften mit weiblicher Bedienung eine energische Anwendung finde. Es folgt die Beratung der Organisation sfrage. Referent ist Dr. B l ü h e r- Leipzig, Redacteur des Fachorgaus des deutschen Kellner-Bundcs. Redner wirft zunächst einen Rückblick auf die Geschichte der Gasttvirtsgehilfcu-Organisationen. Er bedauert den Streit unter den Emzelorganisationen und tritt lebhaft für eine Einigung ein. Der Streit zwischen diesen Organisationen müsse ein Ende nehmen. Ein Fortschritt auf dem Gebiet der Organisation fei das Zustandekonuncn des Kongresses. An eine Verschmelzung der be- stehenden Verbände fei nicht zn denken. Um aber ein gemein- sameS Wirken auf socialpolitischcm Gebiet zu ermöglichen, schlägt der Redner vor. daß der in Berlin bestehende, aus Gastwirtsgehilfen verschiedener Richtungen zusammengesetzte Ausschuß, welcher den gegenwärtigen Kongreß vorbereitet hat, be- stehen bleibe, und daß diesem Ausschuß die Aufgabe zufalle, au locialpolitifchem Gebiet weiter zu arbeiten, künftige Kongresse vor- zubereiten und als Schiedsgericht bei Streitigkeiten zwischen den Organisationen zu fungieren. Redner schließt mit den Worten: Möge kommen, was da wolle— die Not wird Euch noch alle zu- sammentreibcn.(Lebhafter Beifall.) P o e tz f ch- Berlin wendet sich gegen einzelne Punkte der von Blüher vorgeschlagnen Resolution. Es dürfe den einzelnen Per- bänden nicht verwehrt werden, Propaganda für sich zu mache» und Kritik an dem Verhalten der andern Vereine zu üben. Sein Ver- band lasse sich in der Beziehung die Hände nicht binden. Eine Ver- ständigung und ein gemeinsames Vorgehen der Gehilfenschaft müffe zunächst nur in solchen Fragen herbeigeführt werden, die im Jnter- esse aller Gaftwirtsgehilfen liegen, so wie es bei diesem Kongreß geschehen ist. Redner empfiehlt die Einsetzung eines Aus- schusses in Berlin. Nachmittags-Sitznng. In der Diskussion über die OrganifationSfrage betonen sämtliche Redner, daß. abgesehen von allem, waS die einzelnen Organisationen trennt, ei» Zusammengehen derselben notwendig sei, soweit es sich»m gemeinsame Berufsinteressen handelt. Zwar wurde auch hier und da auf das Trennende hingewiesen, der Wunsch nach Einigkeit stand jedoch im Vordergrunde der Ausführungen aller Redner. Zum Punkt„Organisation' lagen zwei Resolutionen vor, eine vom Referenten Blüher, die andre von Pötzsch. Beide Rcso- lutionen wurden unter Mitwirkung ihrer Verfasser zu einer ein- zigen umgearbeitet und in folgender Fassung einstimmig an- genommen: „In Erwägung, daß erst ein so geringer Teil der gastwirtschaft- lichen Angestellten organisiert ist, in' fernerer Erwägung, daß ohne Organisation selbst die beste gesetzliche Maßnahme zu Gunsten der Angestellten für diese wertlos bleibt, erklärt der Kongreß cs für die wichtigste Aufgabe, die Masse der indifferenten Gaftwirtsgehilfen zu den Organisationen heranzuziehen. Der Kongreß erkennt ausdrücklich an, daß das Endziel der Organisationsbestrebungen sein muß die Verschmelzung sämtlicher Verbände gastwirtschaftlicher Arbeiter. So wünschenswert dies wäre, so stellt sich doch der Kongreß auf den Boden der Thatsachen, erkennt die Unmöglichkeit einer sofortigen Verschmelzung an und begnügt sich mit der Emsetznng eines ständigen, aus den größeren Fachvereinigungen zusammenzusetzenden Ausschusses, der feinen Sitz in Berlin hat. Die Hauptaufgaben dieses Ausschusses sind: die Weiterarbeit auf socialem Gebiet zu fördern, Erhebungen über die Lohn- und Arbeitsverhältniffe anzustellen sowie überhaupt die allgemeinen Interessen der Berufsangehörigen der Oeffeutlichkeit, den Behörde», den gefetzgebeuden Körperschaften gegenüber zn vertreten. Der Ausschuß hat ferner die Vorbereitungen zu späteren allge- meinen Fachkongrcsscn zu treffen. Die notwendigen Geldmittel sind, soweit sie nicht durch stei- willige Beiträge aufgebracht werden, durch entsprechende Zuschüsse der Fachvercine zii decken. Zur Herbeiführung und Unterstützung der oben bezeichneten Ziele empfiehlt der Kongreß: In Orten, Ivo Organisationen imsres Berufs bestehen, haben sie sich zusammenzuschließen bcziehungS- weise Kommissionen zu bilden, um Standesinteressen gemeinsam zu fördern. Um die bestehenden Organisationen zur stärken, und eine weitere Zersplitterung zn verhüten, verpflichtet der Kongreß die hier an- wefeiide» Delegierten, unter Berücksichtigung der bereits bestehenden Organisationen' jeder tveiteren Neugründung solcher allerorts energisch entgegenzutreten, so weit es sich nicht um Gründung von Zahl- stellen oder Zweigvereinen der bereits bestehenden Vereine oder Ver- bände handelt.' Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft die A u S- dehnung der Unfallversicherung auf daS Gast- >v i r t s g e>v e r b e. Der' Referent Klein- Frankfurt a. 2>t. begründet folgenden Antrag, der nach kurzer zustimmender Diskussion angenommen wird: „In Anbetracht der durch die Statistik festgestellten hohen Prozentsätze von Unglücksfällen im GastwirtSgewerbe beantrage ich folgendes: a) Der Fachkongreß möge bei den gesetzgebenden Körperschaften dahin vorstellig werden, daß sie bestimmen, die Unfallversicherung möge sich auch auf das GastwirtSgewerbe ausdehnen. ' b) Für den Fall einer Ablehnung an das Reichsamt des Jmier» zu petitionieren, daß eine Enquete über die Unglücksfälle mit TodeS- erfolg und Invalidität angestellt werde.' SoltNbtlld, lO. Mik; 1900. Es werden sodann Beschlüsse gefaßt, die sich gegen die Ver- Wendung von Soldaten als Kellner bei Streiks und gegen die Maß- regelung von Kollegen wegen Agitation für die Organisation Wenden. Zuletzt wird noch folgender Beschluß gefaßt: Aufgabe der örtlichen Konunissionen in den verschiedenen Städten' ist es unter andern,, daß sie den Znsammenschluß der Arbeitsnachweise(Stellenvermittelnngs-Bureaus) unter kostenloser Verniittelung herbeizuführen suchen. Damit ist die Tagesordiiuug erledigt. Der Vorsitzende Lamprecht- Berlin schloß den Kongreß mit dem Wunsche, daß die Einigkeit aller Angestellten im Gastwirtsgewerbe auch in Zukunft ebenso zum Ausdruck'kommen möge, ivie es bei den Verhandlungen der Fall war, daß man alles, was die verschiedenen Richtungen der Gehilfen trennt, zurückstelle» und in allen gemeiusamen Angelegen- heften zusammenarbeiten möge. Gemeindewahlen in den Vororten. Treptow-Bauntschnlenweg. Am Mittwoch, den 15. März cr., nachmittags von 3 bis Vs6 Uhr, sind die Mahlen der 3. Klasse im Lokal von Buch holz, Paradiesgarten, Treptower Chaussee. ES sind von unsrer Seite der Kassierer Alwin G e r i s ch, Beringstr. 44, als Ansässiger und der Stuccateur Paul Krebs, Baunischulstr. 32, als Mieter, zu Kandidaten nominiert worden. Parteigenossen, sorgt dafür, daß am Tag der Wahl keiner fern bleibe: ganz besonders sind die Genossen von Unter-Treptow und Kiesholzweg eingeladen, wo es nicht möglich war, daß sich die Kandidaten in einer Versammlung vorstellten. Zur Agitation findet am Sonntag früh VeO Uhr eine Flugblattverteilnng statt. Die Genossen werden ge- beten, sich recht zahlreich im Lokal von Staffelt einzufinden. Das Wahlkomitee. Steglitz. Am Montag, den 12. März, abends von 6 bis 8 Uhr, finden in Steglitz die W a h l e n zur Gemeinde- Vertretung statt, zu denen die Geiiosieu Mechaniker R a p p im ersten und'Tischt er Mohr im zweiten Bezirk mit guten Aus- sichten kandidieren. Die Wahl vor zwei Jahren, wo wir mit zwei Stimme» unterlegen sind, hat gezeigt, daß eS ans jede S tim ine a n t o m m t. Es ist daher Ehrenpflicht der Genossen, die Scharte dadurch auSzuivctzen, daß jeder seine ganze Kraft zur Agitation für unsre Sache in Haus und Werkstatt einsetzt. Am Soiintagnachniittag 2t/s Uhr findet in den Kaiserhallen eine öffentliche Gemeinde wähler-Bersa mm lung statt, in der Genosse Fritz Zub eil spricht. Jeder, der am Wahltag abends 7 Uhr zur Verfügung des Wahlkomitees stehen kann, möge sich zur Niiiueisnng seines PenstiinS am Sonntag früh präcis 8 Uhr bei Schellhase, Ahornftraße 15a, einfinden. Um dieselbe Zeit treffen sich die Genossen des zweiten Bezirks zu einer Flugblatt- Verteilung in den Kaiserhallcn im Lokal Marksteinstr. 1, früher Geil. Das Wahlkomitee. Mariendorf- Siidcnde. Parteigeuoffeu! Am Montag, de» 1 2. M ä r z, vormittags von 11 bis 2 Uhr und nachmittags von 5 bis 7 Uhr. wird— wie schon bekannt gegeben— die G e in e i n d e v e r t r e t c r» W a h l für die III. Klasse vollzogen; um die Agitation für nnscrn Kandidaten, Buchdrucker Hermann S ch!i t t e f o p, möglichst thatkräflig entfalten zn können, ist es, in Ermangelung eines Versammlungslokals, notwendig, neben der mündlichen Agitation eine solche auch durch Flugblätter vorziniehinen; eine F l u g b l a t l- V e r t e i l n n g findet am SonNtagmorgen 8 Uhr statt. Treffpunkt l/s3 Uhr bei Ebel. Die Genossen werden ersucht, zahlreich zn erscheinen und zu helfen. Das Wahlkomitee. Pankow. Parteigenossen! Am Montag, den 13. März, finden die Ersatzwahlen der Gemeindevertretung für die dritte Wählerklasse statt und zwar wählt der erste Wahlbezirk bei EberSbach,„Kur- fürstciifäle', Berlinerstr. 102, der zweite Wahlbezirk im Restaurant Krause, Wollankstr. 1. Die Wahlzeit ist auf die Zeit von vormittags t 1 Uhr bis abends 8 Uhr festgesetzt. Als Kandidaten sind aufgestellt: für den ersten Bezirk: Heinrich K l i n g e n b e r g, Restanrateur, für den zweiten Bezirk: Georg Freiwaldt, Tapezier. Parteigenossen! Da die gesamten bürgerlichen Parteien sich geeinigt habe». nnS nur einen Kandidaten in jeden: Bezirk entgegenzustellen, so erwächst uns die Pflicht, mit aller Macht für die Kandidaten der Socialdemokratie einzutreten. Wir ersuchen die Genossen, zu der am Sonntag, den 11. ds. M., stattfindenden F l n g b l a t t- Verteilung morgens 7 Uhr bei Devantier, Flora- und Mühlen- straßen-Ecke, zahlreich zu erscheinen. Das Wahlkomitee. Mommunsles. AnS der Magistratssitzniig am Freitag. In der Sitzung lagen dem Kolleginiu zwei OrtSstatute zur Genehmigung vor. DaS eine betrifft die H i n t e r b I i e b e n e n- V e r s o r g u u g' d e r G e in e i n d e b e a in t e n, welches auf Grund des§ 11 der Städte- Ordnung für die östlichen Provinzen vom 30. Mai 1853 i» Aus- führung und Ergänzung des K 15 des Gesetzes betreffend die Anstellung und Versorgung der Konmiunnlbeaniten vom 30. Juli 1333 für die Stadt Berlin erlassen werden soll und wozu die Znstiinmniig der Stadlverordneten- Versammlung erforderlich ist. Die Bestiminmigen dieses OrtsstatutS sindcn auf die Wittwen und ehelichen oder durch nachgefolgte Ehe legitimierte Kinder der besoldeten Magistratsmitglieder sowie der- jenigen Beamten der Stadt Berlin Anwendung, welche in Gemäßheit deS§ 1 des Gesetzes vom 30. Juli 1899 als Kommnnalbeamte nnzniehen find und untcr Verttcksichtigiing der Bestiitnnungen der §Z 1, 2—12 des Gesetzes vom 30. Juli 1833 Ansprüche auf Pensionen haben. DaS Wittwengeid beträgt höchstens 3000 M. und mindestens 300 M. Das Wnisengeld beträgt für alle Waisen der Beamten zusammengerechnet oder, Ivo»nr ein Kind vor- Händen, auch für dieses allein mindestens 300 M. Das zweite Orts- tatut betrifft die H i n t e r b l i e b e n e» v e r s o r g n n g d e r Direktoren, Lehrer und Beamten in den städti- che» Schulen Berlins(mit Ausnahme der Kommunal- beamten, deren Verhältnisse bereits durch ein früheres Gesetz ge- regelt sind), sowie aller Pensionsfähigen im D i e n st e der Stadt und der st ä d t i f ch e n B e- triebe a n g e st e I l t e n Personen(mit Ansnahine der Kommunalbeamte», deren Verhältnisse ebenfalls durch Gesetz anderweitig geregelt sind). Das Witwengeld beträgt auch hier höchstens 3000 M. und mindestens 300 M. Das Waisen- geld beträgt auch hier ebenfalls für alle Waisen eines Lehrers oder eines Beamten znsainmeiigerechnet, oder wo nur ein Kind vorhanden, auch für dieses allein mindestens 300 M. Die Berechnung der Witwen- und Waisengelder sollen nach denselben Grundsätzen erfolgen, ivie im ersten aufgeführten Orlsstatut. Das Kollegium ge- nehmigte diese Ortsstatute und wird eine diesbezügliche Vorlage noch vor dem 1. April der Stadtverordtieten-Versamniinng zur Ge- iichmigung zugehen lassen. Der Antrag deS Stadtv. Schwalbe in der letzten Stadtverorb- ueten- Versammliing: Zur Feier des 200jährigen JnbilänniS des Bestehens der königl. Akademie der Wissenschaften eine Stiftung aus städtischen Mitteln im Betrage von 100 000 M. zn machen be- Hufs Verwendung zu wissenschaftlichen Zwecken. will anch der Ma- gistrat nach Beschluß deS Kollegiums, fofci'it derselbe von der Stadt- verordneteli-Versammlung genehmigt wird, beitreten. Der Ausschuß zur Vorbereitung der Neuwahl eines un- besoldeten Stadtrats zur Wiederbeietznng der von dem aus dein Amte geschiedenen Herrn Kämpf iiinegehabten Stellen hielt gestern Abend zunächst unter Vorsitz des Stadtverordneten- Vorstehers Michelet, dann unter dem Vorsitz des aus dem Reichstag zurück- gekehrten Stadtverordneten- Vorstehers Dr. Langerhans wiederum eine mehrMndiize Sitzung ab. die zu keiner endgültigen Entscheidung auch diesmal nicht führte, vielmehr ist- dieselbe bis zun: 20. d. MtS. vertagt worden._ VoKsles. Mit einem Siege uusreS Parteigenossen Glocke hat die gestrige Stichwahl im-lt. Kommimal-Nahlbezirl nach heißem Kampfe abgeschlossc». Glocke erhielt- 1591 Stimmen, während auf den Gegner 1ö34 Stimmen fielen. Dies Resultat hat nnsre Ansicht, daß die bnrger- lichen Parteien trotz der Bedenken, die gegen die Person ivie gegen diePartcistcllung dcZ Bäckermeisters Wolff obtvaltetcu, sich festgeschlossen gegen die Socialdemokratie zusammenscharen würden,.vollauf be- st ä t i g t. Ilm so glänzender ist der Sieg, den wir über die Koalition nnsrer Gegner errungen haben. Bei der Hauptwahl am 14, Februar erhielt Glocke 1240 Stimmen, Bredereck(Freisinn) 331, Damaschke 316 und Wolff(Bürgerpartei) 736. Insgesamt wurden also am 14. Februar 1383 bürgerliche Stimmen abgegeben. . Mit Glocke zieht der 22..Arbeitcrverjreter. in die Stadlverord- tlcten'Bersammlung ein. Sechster Wahlkreis, Schönhauser Vorstadt. Am 18. März. mittags 12 Uhr, findet im Berliner Pratcr. Kastanieii-Allce 7—9, eine V o l k s v e r s a m m l u n g statt, in welcher R-ichStags- Abgeordneter G. Wurm über die Bedeutung des 18. Dkärz sprechen wird. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vertrauensmann. Moderne Arbeiterfürsorge im Eisenbahnbetrieb. Laßt die Hoffnung zurück! Diese Worte werden sich die Chienbahnarbeiter mehr und mehr selbst dann zu merken haben, wenn na der Behörde mit den bescheidensten Bitten mn Änfbefletima ihrer Lage kommen. Wie tvenig die Eiseitbahti-Dtreltton geneigt ist. den Arbrisern entgegen zn kommen, zeigt von ncticin ein Schriftwechsel ans der zwcilcit Halste d-S vorigen Jahres. Ans den Kreisen der W ä g e n r c i ni g e r an einem hiesigen Bahnhof war an die Eisenbahn-Direltion folgendes Gesuch gerichtet worden: Ich Unterzeichnetter erlaube mir hiermit ergebeiist. die könig- Itche Eisenbahn-Direktion um gütigste Einsicht in nnsre Lohn- vcrhältnissc zu bittet,. Denn bci� den teuren Berliner Lebens- tu:terhalt, besonders bei den sich immer steigernden Miete», ist es uns fast unmöglich, weint nur auch noch so eingeschränkt leben mit mtsern Familien rechtschaffen und ehrlich durchzukommen. Auch in betreff nnsrer freien Sonntage, erlaube ich die Kgl. Eisenbahn-Direktioti ergcbenst zu bitten. � ob es nicht angängig wäre. daß wir anstatt wie bisher jede» vierten Sonntag jeden dritten Sonntag tret bckonimen könnte». Da uns doch' die Feiertage auch nicht als Souutage gerechnet werden, so haben wir das' ganze Jabc nur 13 freie Soimtag, obwohl nnsre Arbeit, besonders'des Nardts äußerst austrengeud und gesundheitsschädlich ist. Auch ist jeder Familienvater doch gern mal uuaestört für einen Tag im Kreise I einer Fantilte. .. Folgt Unterschrift. Hierauf ging nach einiger Zeit von der Behörde folgende Ant- wort ein: Auf daZ Gesuch des Arbeiters N. betr. Nenderungcn der Lohn- verhäituisse n>(d der Dieusieiuteilmig verfügt die-Mgschiueu- Inspektion: Tie Lohnvethältnisse sänttlichcr Arbeiter sind durch die Verfügmig der N. L. vom 11.. 8. 97. II. 44U. geregelt, hiernach sind auch die Löhne der Wagenptttzer s e st gesetzt. Avweichuitgcu� von diese» Porschristcu' sind unzulässig Die den betreffenden Leuten gewährte» Ruhetage sind auf Grtiiid der von den vorgesetzten Behörden ersaffciicn Vesfimnumgen be- niesten und können auch in dieser Beziehung von hier ans keinerlei A e n d e r u ng e n eintrete!!. Mit Rücksicht ans die hiesigen WohmingS- uiio Mictsverhältnissc hat die kg!. Eisenbahn- Direktion auch im Interesse der Arbeiter die Bewilligiii, g srcicr Eisenbahnfahrt für dieselben nach den Berliner Bororteii genehmigt. Es muß den Leuten überlassen bleiben, von diesen Vergünstigungen Gebrauch zu macheii. Beziehungsweise Wobiiungen in billigeren t. rten zu mieien. Dem Antragsteller wollen Sie in meinem Namen entsprechende Eröffnungen machen. gcz. Gerlach. Bei solcher Stelliingiiahme der Behörde bleibt den Arbeitern mir ei» Mittel, nämlich das der L>'r g a u i s a t i o n übrig. ES ist wohl auzuuchmcn, daß diese Notwendigkeit auch in Berlin trotz allem mebr und mehr erkamit ivird. Ter Samariter Knvsns für Arbeiter und Arbeiterimie» hat bekauutüch im Jahre 1897 eine besondere Arbeiter-- s a m a r i t e r- K o l o n n e errichtet, die ans manchen großen Arbeiterfesten überaus segensreich gewirkt hat. Allein bei dem letzten Sängerfest hatte die Kolonne in dreißig Fällen, von denen einige rechts schwerer Natur wären, unter ärztlicher Lett-n»g.Hslsc zu bringen. Selbstverständlich ist eine derartige Hilfeleistung, die von s'en Mitgliedern der Kolonne umsonst und mit selbstloser Aufopserimg gewahrt Ivird, mit II» kosten vcronnden, die sich im selben Maße. wie die Koloime in Anspruch genommen iviirdr, gesteigert haben! Ter Slrbeiter-Samartter-Knrflis wendet sich daher'a>i die Arbeiter- xrganisationen mit einoitt Ausrufe, dem wir folgendes cut- Nehmen: Wir besitzeit augenblickliÄ Inventar, Fnstriimentc und Verbands- Material im Werte voit c'tiva SSV M. Durch die vermehrte Thütigkeit entstehen natürlich größere lausende Ausgaben. Tie Medikamente, das VcrbaiidSiuaterial»tüffcn wieder ersetzt werden. Ferner ist es tiottvendig, daß ein Verbandszell beschafft ivird, da ivir miS oft bei den großen Festen mit den ungenügendsten Räumen bchclfen mußten, Ivo nnsre Instrumente und Materialien verstanbten und verschmutzten und deshalb für unsre Zwecke nicht mehr geeignet ivatcu. Unsre jährlichen Unkosten besansen sich auf ctiva 400 M. Es ivird wohl jedem klar sein, daß eine so lleiue Organisation, wie die„Arbeiter-Samariter-Kolonne". welche aus 36 Mitgliedern besieht, diese Sumuie nicht allein herbeischaffen kami. Wenn tvir bisher nur die moralische Ilnterstützung vegehrkeii, so sehen wir uns jetzt gczlvnngcii, auch Eure mätcriello Hilfe in Aiiipriich zu nehmen. Wir sind überzeugt, daß es bei den Getverlschasien nud Vereinen nur dieser Anregung bcdar-, um ein so notwendiges und segensreiches Iusiitut wie die Arbeiter- Sani lätS-K olomi e nach jeder Richtung hin sicher zu stellen. Bemerkt sei, daß die Herren G. Hell m n t h, Berlin O.. Langestr. 22, und E.Stein. Eharlottenburg. Kaiser Friedrichstr. 40. zu jeder AuSktiust sowohl wie zur Annahme von Geldern bereit sind. Eine Aufgabe für die städtische Finanzverwaltuttg. Mit der Umgestaltung des Schloßplatzes hat es der Magistrat sehr eilig. Stadtbaji'rat Krause wird bereits in nächster Sitzirng der Stadtvcrordncten-Vcrsammlmig sein Projekt vorlegen. DieieS Projekt geht bekanntlich dahin, daß zu beiden Seiten des SchloßbrunneuS Infelperrons angelegt werden. Der vor dem Schloß ans der Schlotzsrcihcitseite beschlossene Vorgarten von Meter Breite soll auch auf dem Schloßplatze selbst in derselben Breite angeordnet, jedoch an der Ecke gegenüber dem Roten Schloß bis auf tV- e Meter eingeschränrt werde!!. Die Straßenbahn, ivclchc zur Zeit an der Einmündung der Brüdersiraßc eine scharfe Kurve bildet, soll in gerade Linie nach der Kursiirstenbrücke geleitet werden, wodurch gleichzeitig eine bessere Eiitführung der Straßenbahn in die Breite- straße erzielt ivird. Die Kosten sind aus 168 000 M. berechnet. Hier- vo« geht der Wert des wiedergewonueucn Materials in Höhe von öS 000 M. ab, so daß der ans dem StadthaushaltS-Etat zu ciü- nchmende Betrag sich atjs 113 000 M. beziffert. Gegen die Regulierung de? Schloßplatze?, soweit-sie dem Der? lchrsmtevcssa dienen soll,' ist selbstverständlich nichts ciitzuwenden. Wohl aber ist es Pflicht inid Schuldigkeit der Stadtverordneten- Lersammluitg.- in der L a r g a r t e n s r a'g e mit peinlicher Gewissen- haftigkcit zunächst zu erwägen, ob im Verkehrs itfleresse die von dcr Kroue verlangte Abtretung von 6 Meter Straßeubreiie auch nach jeder Richtung hin verantwortet werden kann. Sollte diese Frage, was niis noch überaus zweifelhaft scheint, am Ende b e- jaht werden töniicu, so loäre ferner die E nts ch ä d i g n n gS frage mit kühler G c sch ä f l S m ä tzi g k ei t zu erörtern; nian köniitc sich da cilva von den Grundsätzen leiten lassen, die der Fiskus in der Angelegenheit des Botanischen Gartens nud in ähnlichen. Fällen der Stadt gegenüber cisciifest zu bcthätigen ge- wüßt hat. In der Frage, iv i e h o ch die von der Krone zu fordernde Entschädigmig bemessen werden soll, ist selbstverständlich der ideelle Wert des künftigen Vorgartens in Kalkulation zu ziehen, iiiid daß dieser Wert ein enormer sein muß, steht für jeden billig Denkenden außer aller Frage. Alles in allem scheint die Schloßplatzfrage sich in ihrer itenesten Phase für die Stadtverwaltmig insoweit günstig zu gestalten, als sie ihr eine ivillkonnnciie Gelegenheit bietet, sich erstens im Interesse der städtischen Steuerzahler nach oben hin einmal r ü ck g r a t f c st zu bewähren und zweitens zu zeigen, daß ihre sinanztellen Ta- l e n t e denen des Herrn v. Di i g u e l an Respektabilität zum mindesten gleichkommen. Kann dissidentischer Milchbrei einem Säugling gefährlich werden? Am 16. November v. I. berichteten wir Über eine Vcr- fiigtiiig des hiesigen Polizeipräsidenten, die einem Dissidenten und seiner Ehefrau* mit Rücksicht darauf, daß diese Dissidenten sind, die Erlaubnis zum Halten von Kindern unter 4 Jahren versagte und das Halten des Pflegekindes unter A n d'r o h u» g von Strafe verbot? Die von dem Dissidenten hiergegen eingelegte Beschwerde hat Erfolg gehabt. Ter Polizei- Präsident hat der von dieser Verfügung betroffenen Ehefrau titnimchr folgenden Bescheid zugeheu lassen:„Die Berfügung vom 25. November v. I., durch welche Ihnen die polizeiliche Erlanbnis zum Halten von Kindern gegen Entgelt anS dem Grunde versagt morden ist, weil Sie und Ihr Ehemann-Dissideiiteu sind, wird hier- mit zufolge Ihrer Beschwerde auf Anordming des Herrn Ober- vräsidenten der Provinz Brandenburg aufgehoben". Wir legten seiner Zeit bereits dar, daß die niinntehr ausgehabene Verfügung schlechterdings mit der Verfassimg unvereinbar war, und daß man das Rätsel hätte lösen»tüsieii, weshalb man gerade einem Kinde unter 4 Fahre» die Pflegemutterschaft einer Dissidentin gefährlich werden könne. Ein Berliiicr Schnlpalast. Uns wird geschrieben: Berlin hat keine Arinenschiilcti mehr und daS Schulgeld ist anfgehobcn! Darauf thiit sich daS freistmiige Bürgertum, wie eS sich' so gern nennt, nicht ivettig zu Gute. Aber wenn eS sich um noch so notwendige Ausgaben, um Bescitigmig. der schreiendsten Miß- stände handelt, dann ist man' ans jeder Seite taub nud blind. Dafür ein krasses Beispiel: Von mehreren Eltern, ivelche ihre Kinder in die Gemeiiideschule der D e rff li tt g er st r a ß e zu dem Lehrer Kroll schicken, werden geradezu haarsträubende Dinge über den Zustand des betreffenden SchtilzimmerS erzählt. DaS SchttlhauS ist von 1886—88 anfgebaut und seit jener Zeit sind in dem betreffenden Räume die Wände und die Decke nicht renoviert. Dies allein wäre schon unerhört; denn man muß bedenken, was für Schmutz nud Unrat au den Wänden haften muß. Aber das ist noch gar nichts. Mau höre weiter: In dem Klaffkiizimmer löst sich an vielen Stellen der Decke«- kalk und der Mörtel ab. Dann muß der Schuldicuer den Schmutz wegfegen, die Decke mit einer Stange daraiifhiit beklopfen, ob wohl nächstens mehr einstürzen werde und dann geht es weiter. Der Lehrer soll sich in sciucr Not samt Tiscki und Stuhl in eine Fcusierccke gerettet haben, die Wandtafel soll aus zwei Stühlen in einer andern Ecke stehen, und so sehen Lehrer nud Kinder bei der Arbeit mit einem scheuen Blick ängstlich nach der Decke; denn der herabfallende Mörtel droht eben: Heute mir. morgen Dir! Heute meinem Kopf. morgen Deinem Auge 1" Wo bleibt da die F ü r s o r g e für daS Wohl der Kinder, wo die Rücksicht auf den Lehrer,' wie kann da ein ordentlicher Unterricht erteilt werden?• Tic Prostituierte» tu Berlin. Ter Berliner Franeiibiiitd mit dem Pastor O n a s ch an der Spitze flicht bekanntlich iliitcr polizeilicher Bcibilfe die„gefallenen Mädchen" zu retten. Nach einer vom verein veröffentlichten Statistik für voriges Jahr geben die Alters- Verhältnisse der Prostituicrlcii ein trübe? Bild. Ein Mädchen war erst 1 1 Jahre alt. je zwei waren 12 bezw. 13 Jahre. 14 Mädchen standen erst im Alter von 14 Jahren, 35 waren 13 Jahre, 34 16 Jahre alt usw., 4 standen im Alter von 50 bis 60 Jahren! Die meisten, nämlich 552. besanden sich im Alter von 20—20 Jahren. In Berlin geboren waren 232, außerhalb 789. unebelich geboren 130. Eltern hatten noch 357, halbvcrwaist waren.358, ganz verwaist 237— 69 hatten ihre Eltern nicht genannt. In der Krankcnstation de>5 städtischen Obdachs in der Fröbelstraße kannte an'463- weiblichen Personen mehr oder weniger gearbeitet werden. 151 davon standen bereits initcr sittevpolizeilicher Kontrolle. Auch hier war ein Mädchen erst 13 Jahre alt. 8 zählten 14, 20 erst 15- Jahre und 34 erst 16 Fahre. In Berlin und seinen Vororte» waren 135 geboren, die übrigen stammten aus der Provinz Brandenburg und den übrigen Provinzen und Ländern. Daß von nemieiiswerteti Erfolgen kaum die Rede sein tann. gesteht der Verein selber ein. Frommer Weise läßt sich dies Nebel nicht anS der Welt schaffen. Berliuer Elendsstatistik. Wegen Bettelei wurden in Berlin nach den Angaben des soeben erschtenetten Statistischen Jahrbuchs der>--tadt Berlin im Jahre 1897 verurteilt a) bei der Amtsgerichts« Abteilung in Moabit 2500 Personen, darunter mir 3 weibliche: wegen Obdachlosigkeit 0 ntäimliche Personen: b> bei der AmiSgerichts« Abteilung am Alexaiiderplatz wegen Bettelei 8017 männliche, 164 weibliche Personen; wegen Obdachlosigkeit 1368 männliche, 47 wcib- lichc Personen. Das ergiclit für beide AmtZgerillitS-Abteiluiigen zu- ammen 10 517 wegen Bettelei und 1424 wegen Obdachlosigkeit Ver- urteilte. Gegen daS Vorjahr hat die Zahl drr durch die am Alexander- platz' belegene Abteilung des Amtsgerichts I wegen Bettelei vcr- urteilten Männer mn 6 Proz. zugenommen, während diejenige der wcgen Obdachlosigkeit verurteilten um 29.6 Proz. gesiiiiken ist. Im' Jahre 1897 befanden sich unter den vcrürteiltcn Bettlern 16.4 Proz., unter den wegen Obdachlosigkeit verurteilten 26,2 Proz. geborene Berliner. Dem Berufe nach bezeichnet sich die weitaus größte Zahl als Arbeiter, nämlich 36,4 Proz. der Bettler und 43,2 Proz. der Obdachlosen. Unter den geborenen Lerliuern, welche wegen Bettelei oder Obdachlosigkeit verurteilt' wurden, machten die als Arbeiter bezeichneten sogar 38,8 bezw. 50 Proz. aUS. Von den übrigen Berufsbezeichmiitgeti. von denen keiner den Betrag von 5 Proz. der Gesamtheit erreichte, waren am zahlreichsten die Schlosser mit 377 Bettlern. 76 Obdachlosen; die Schuhmacher mit 365 Bettlern. 43 Obdachlosen; die Schneider mit 339 Beitjem, 61 Obdachlosen; die Kaufleute und Händler mit 334 Bettlern. 34 Obdachlosen; die Tischler mit 333 Bettlern. 43 Obdachlosen und die Bäcker mit 236 Bettlern und 48 Obdachloien vertrete». Ein Strasvcrfahrcn ivcgeu Pegüustignug ist gegen den Makler M. eingeleitet, welcher sich mit Erfolg bemüht hatte. in.der Uiitersilchiingssache gegen den Bankier August Stern berg Be- laflnugszeiigeii zu beeinslnssen. Dem Krimtnalkommissgr v. Trcsckow war es ausgefallen, daß auf die Zeugen. ivelche er zu vernehmen hatte, eiiigewirlt worden war. Längere Beobachniugen führten zu dem Ergebnis, daß M.. nachdem Stcruberg in Haft genoitimen ivnr. sich au alle in Betracht kommenden Personen heranmachte. um sie durch Geldversprechttiigeu zu einer für Sternberg giuistigeii Aussage zu bewege». M.. ein ivie der Berichterstatter ausdrücklich bemerkt. an der Berliner Börse angesehener Bankier, soll wegen Kollisions- gesahr in Haft genommen werden. Einen diesbezüglichen Antrag hak die Staatsanwaltschaft bei dem Uniersiichmigörtchtcr gestellt. Vetsammlungsanflösung. Eine von clwa 4000 Personen besuchte Persammlittig der HandelSangestelltei!,.die gestern im Feen« Palast gegen die geplante WarenhanSsieuer Stell ung nahm, wurde gelegentlich der Eistfcvnuug einiger Ruhestörer pölizeilich aufgelöst. nachdem eine Protestrcsolntiolt bereits mit überwältigender Mehrheit angenommen worden war. I» der jetzigen Sittlichkeitsära spielt da? Fahnden ans die nackte Kunst' eine so große Rolle, daß käimi ein Schaufenster vor einer Bekaimschast mit Herrn v. Windheims Patrouille frei ist. Etivas sicherer als. die vermeintlich uusitllichc Göttin scheint, sich in deutschen Land eit die iv t r£ l t ch e II n si t t l i ch ke i t zu suhlen, soweit sie sich den Inseratenteil im deiiffcheii Blättertvald zum Tummelplatz erkoren hat. Daß die Unzucht im Zeichen der lex Hcinze sogar mit aller llngcitiertheit über die bestehenden K u p p c l e i p a r'a g r a p h e n des Strafgesetzbuchs hinweghüpft, zeigt folgende Anzeige aus der dritten Beilage des„Berk. Tagebl." Sjr. 122: BeherbcrgcrhäuS. Ein in renommirtest. Straße Hamburgs bei. Bordell, erbaut 1892. nach d. neuest. Eomf. eiliger.. Salon, 8 Mädchcnz., Badez, Toiletten usw., all. Hochs., tveg. Zuruhes. sehr prcisw. z. verk. Näheres(folgt Adresse).. Hierzu meint die„Kreuz-Zeituitg":„Daß mau sich in Hanl- bürg über die Re i chs g e s e tz e, die bekanntlich derartige Häuser verbieten, einfach hinwegsetzt, ist fchliinm genug, aber es zeugt von einer mterhörteu Dreistigkeit, dies auch öffentlich zu bcthätigen." Das ist nun gar nicht einzusehen. Wenn ein deutscher Staat dem Gesetz zum Trotz der Unzucht die eine Liceuz. gestattet, warum soll sie nicht auch sich gelüsten lasse», die andre' in Anspruch zu nehmen. Sintemalen sie die meisten Verleger fest in dem Glauben weiß, daß vor allem das von ihr eingebrachte Geld nicht stinkt. Tas Polizeipräfidinm wiederholt die Warnung. M i e t S- Verträge über Räume in neu erbauten oder umgebauten Häusern für eine Zeit abzuschließen, zu der die von der Äusfertigung des Rohbaii-Abiiahmcscheins ablaufende Frist von sechs Monaten für die GcbraitchSabiiahme-Priiftmg noch nichi verstrichen ist, da die Polizei- Organe vor Ablauf dieser Frist das Beziehen der fraglichen Räume nicht dulden nud nach den gesetzlichen Bestimimmgeu auch nicht dulden können. Die Polizeireviere werden nach ivie vor auf Antragen aus dem Publikum über den voraussichtlichen Termin der Beziehbarkeit von Wohiimigeit in neuen oder umgebauten Häusern bereitwilligst Auskunft erteilen. AuS dem Fenster gesprungen ist vor den Augen mehrerer Schntzinäinier der 23 Jahre alte Kaufmann Max G cllh o r n, nachdem er sich vorher mehrere Schnitte in den Hals mit einem Messer beigebracht hatte. Er wohnte seit� dein Oktober vorigen JahreS bei dein gleichfalls unverheirateten Schneidermeister George im vierten Stock des Hauses Brunncnstr. 14. war seit zwei Monaten ohne Stellung und halte schon in der Verzweiflung darüber am Donnerstagnächmittag die Absicht allsgesprochen, sich das Leben zu nehmen. Als der Meister gegen 944 Uhr abends von einem Geschäftsgänge heimkehrte nnd die' Thür verriegelt fand, vcrmntete er nichts Gutes und holte sich polizeiliche Hilfe aus dem 62. Revier. Als die Schutzmäimcr den Hof betraten, stürzte sich Gellhorn hinab. Außer den Schttittivunden, die er sich selbst beigebracht hatte,' trug er durch den Sprung einen Bruch beider Beine nild innere Vcrlctzmtgcn davon nnd' wnrdc in bedenklichem Zustande nach dein Lazarus« Kraukeuhause gebracht. Durch eine selbstschliestcnde Thür wurde am Freitagnachmittag mn 4 Uhr die fünf Jahre alte Erna Koch ans der Spreestraße z» Eharlottenburg schwer verletzt. Das Kind spielte mit andren kleinen Mädeßcn Versteck nnd wollte sich hinter der festgelegten Hausthür Spreestr. 101 1 verberge». Dabei hat es wahrschekitlich mit einem Fuße den die Thür haltenden Riegel zurückgeschoben, so daß der Selbstschließer in Thäiigkeit trat. Während sich die Thür- schloß, behielt Erna K. die linke Hand in der Spalte zwischen Thür und Pfosten und wurde vollständig enigequeischt Die zusammen- gelausenen Hausbewohner scheuten sich, die Thür zu öffiten, in der Furcht, sie möchten dem Kind dadurch noch- iveitere Bcrletzmigcn zu- fügen. So mußte denn die Kleine in der aüalvollcn Lage bleiben, vis der Schmiedemeister Giese die eisernen Angeln-herausgenommen und dadurch die Thür aus ihrer Lage gebracht hatte. Erna Koch wurde auf der Unfallstation verbunden. Ein Rötitgcn-Kursus, in der Hauptsache für Acrzte und alle bestimmt, denen es von Wert ist. die physikalischen Vorkenntnisse und technischen Hülfömitiel zur Ausübung der Röntgeu-Praxis kennen zu lernen, wird am Montag, den 19. März in der Urania. Tauben- straße. beginnen. Den Vorlesungen sollen sich praktische Hebungen in der Bchaudi'mig der Apparate anreihen. Die näheren Bedinqtmgeu. sowie die Teilnehmerliste für diese» Kursus, der im Hörsaal des Jnststnis stattfinde, i soll und dessen Leitung Dr. Donath über- nvmme» hat, liegen an der Kasse der Urania aus. Fcucrbericht. Frajagliachinittag 3 Uhr wurde die Wehr gleich- zeitig nach Frau k f u r t e r A l l e e 1 07 nnd nach Beisel- st r a ß e 17 gerufen. Im ersten Falle handelte eS sich um einen ileine» Zimmerbrand, im letzteren hatie die Klosettpackung Feuer gefaiigeii. Dotmefstagabeud 8 Uhr kam in der Lindower- st ruße 14 in einer Schlafsttive neben dem Backratim einer Bäckerei Feier ans, da-5 von der benachbarten Wehr der Pankstraße rechtzeitig dekämpft werden konnte. Kurz daraus ging An neust raste 25 Stroh in Flammen auf. Ein S chaitsensterb rand verursachte einen Alarm nach O r a n t e n st r a st e 42 und ein Gardineubrand nach?l l e x a n d r i n e n st r a st c 14. Llus de» Nachbarorte». Schöneberg. Sonntag, abends 6 Uhr, findet im Klubhaus. Hauptstr. 5 6. ctue öffentliche Versammlung für Frauen und Männer statt, in welcher Genosse Schubert einen Vortrag über die isx Hcinze hält. Nach dem Vortrag:' Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Um Zahlreiches Erscheinnr bittet— Die VertpauenSperson. EtatSmästige Altcrözulageu für städtische Arbeiter hat der EtatSausschust der Stadtverordeleti-Versammliliig zu Charlottcu- burg soeben zur Dmchsührmig empfohlen. Tie Löhne sollen noch 2, 4, 6. 8 und 10 Jahren im allgemeinen steigen. So erhalten von den ständigen Kättunerei-Arbeitertt die gcwöhulickien. ohne hatidwerköniästigc oder sonst teckmisck uorgebüdctc Arbeiter eineit Monatslohn von 85. 90. 95 100, 105 und 110 M. nach 2:c. Jähren; die händwcrkSniästig oder ierbmjcki vot'gebtldetcn Arbeiter. Kolomien- flihrcr, Loratbeiter nild Riesclivärter sollen erhalten 95.100. 103.110, 1 15 und 120 M. von 2 zu 2 Jahren steigend.' Aufseher 106— 136 M. je um 6 M. steigend. Bon den Maimschasten der Feuerwehr sollen die Fcticrwchrmäniier und Tclegrophistc'n ein Monatslohn von 95 bis 120 M.. alle 2 Jahre um 5 M. steigend erhalten. die Oberst»er- wchrtiiäintcr 115—150 M. mit den entsprechenden Stiiseu. Die Der- hältniffc der Fciicrivchrmämter. Telegraphisten und Obcrfeuertvehr- mäuuer sollen in allen übrigen Bcdiitgnngen besonders geregelt werden. Tie Löhne der Lobnschreiber sollen von 10 ans 13 Pf. siir die Seite steigen, und zwar alle 2' Jahre und nicht erst alle 3 Jahre.' wie der Magistrat beantragt hätte. Bei den Maschtiicuschreiberimtett wird eiste Aufbesserung nicht für notwendig erachtet, cbeiiiv bei den Bureau-HilfSarbeiteru mit 3.50 M. täglich, dem Unterpersoual" der Familienhäüscr. dein Warte-, Dienst- tmd Arbeilsperjonal im Kraiikeuhaus. Den Lohn der gewöhnlichen Kämmere!- Arbeiter ethallcn djc Aktenheftcr, Slraßetiarbeiter, die Wärterinnctt und Waichtcnte der VolkS-Badc-Anstatt; den Lohn der gelernten Arbeiter die Desinfektoren. Badcwärter und Heizer, sowie die Koloimensührer der Parkvcnvaliuug: den Lohn der Aufseher die Heizer und Bademeister der Bade- Anstalt und einige andre. Die Steinsetzer sind nach' Stiiudenlöhnen. � nach freier Bereiubarmig anzunehmen. Die städtischen Hauswarte erhalten 1140-1440. durchschnittlich 1290 M. jährlich. Jeder Arbeiter must niit dem Miudesilolm anfangen. Tie Arbeiter, die bereits ciuetz höheren Lohn besitzen, behalten diesen. N c b c r si u nd e n üb.e; 10 Stunden täglich werden mit ZZ Pf. für ungelernte, 40 Pf. für gc- lernte Arbeiter und. 45 Pf. für Aufseher;c. vergütet. J'n Kränk- heitSfäl leu tvird bis zu 26 Wochen die Hälfte des Lohnes neben dem Krankengeld bezahlt. Dann hvrr die Lohnzahlung auf. T en zu militärischen II c b n n g c n ein- gezogenen Arbeitern ist für 8 Wochen die Hälfte des Lohnes zu zahlen. Eine Entlassung von Arbeitern, die länger als 10 Jahr im städtischen Dienst sind, kann nur auf Depntatious- bcschluß erfolgen. _ Liberales aus Spandau.. Der Antrag der socialdemokratischen «Stadtverordneten in S p a n d a n, den Schülern der Gemeinde- schulen unentgeltlich, auf städtische Kosten, Lehr- und Lern- «i itiel zu geivährcn, wurde vor einigen Woche», wie wir bc- lichteten, von der dortigen Stadtverordnetcu- Versammlung mit allen gegen die Stimmen unsrer Genossen abgelehnt. Ober- Bürgermeister K ö l tz e erklärte in der Debatte, daß die Schul- deputation ans den ihr hierfür zur Bcrsügung stehenden Mitteln in„loyaler Weife"„bedürftigen" Kindonr un- entgeltlich Bücher nnd Hefte gewahret eine beziig- liche Frage eines unsrer Parteigenossen wurde vom Magistratstisch dahin bcantivortet,„daß diese unentgeltliche Hergäbe von Lehr- und Lerumiitcln an bedürftige Gemcindeschüler vom Magistrat nicht o lZ Arme u u n t e x st u n g aufgefaßt lverde,«cläfx etwa den Verlust des Bürgerrechts für die Eltern solcher Kinder zur Folge haben könnte". Folgender Bnef des Rektors einer Spandaner Gemeinde- schule, welcher an eine Witwe gerichtet ist, die z iv c i K i n d e r von einem Tagesverdienst von 2 M. zu ernähren hat und welche sich außer stände iah. einem ihrer Kinder rechtzeitig ein Heft anzuschaffen, legt aber NNI besten dafür Zeugnis ab, welche Anffassnng in de» Kreisen der Pädagogen Spandaus besteht, und wie sebr begründet deshalb der Antrag unsrer Genossen gewesen ist. Der Brief' des Herrn Rektors lautet: »Ihrem Sohn Hefte zu geben, bin ich nicht berechtigt, weil sie keine Armeuunterstützung beziehen''!?" Da Sie täglich Geld verdienen � f o sollten Sie eigentlich erröten, wenn Sic um 10 Bf. betteln! Ich erwarte morgen gauz bestimmt ei» Heft von Ihrem Knaben, taust muß ich Sic auf d e m Z w a n a S w e q e dazu anhalten lassen! Spandau, d. 21./2.1S00. � gcz. ThönS, Rektor. Den weiteren Kommentar hierzu werden die Vertreter des Proletariats in'Spandau' bei nächster Gelegenheit tut Stadt- hause geben!.... Spandau. Das bekannte Spandauer S t r a ß e II p f l a ft e r .soll unsrer Nachbarstadt solrzh als möglich cthuftcu bleiben. Die Stad tverordneteiivenamniliiiig hat nämlich, soweit sie aus bürgcr- lichcn Vcrtrelcrn besteht. eiisstimmig cincir s o c i a l d e m o- k r a t�i s ch e n Antrag abgelehnt, in welchem für die Ncupflasterlmg der Straßen der imiereu Stadt eine feste Unterbettung gefordert wurde. Auch die von.socialdcmokratischer Scitc vorgeschlageuc lieber- nähme der Rciipflastcruiig in städtische Regie ivurd'e verworfen. In der letzten«itzung der Stadtvcrordnelcii-Verfaiiimlnng fiel ferner ein«iück hanSagrarischer Anspruchslosigkeit besonders in die Augen. Ter Hausbesitzer August V. verlangte nämlich für die im Jnterrtte des VcikehrS- erforderliche Bescitigung des KcllcrhalscS an stineni m der Potsdomcrftr. 32 belegenen Hanse nicht weniger als 4500 M. Entschädigung. Diese Forderung mußte vom Magistrat abgelehnt iverdcn. Ein MagistratSamrag, die RestaurationSräume im Ra th au sc zu Burcauzwccken zu verwenden, wurde mit großer Mebrheü vcnvorscn. In der Angelegenheit der immer noch nicht geglückten Hcraiizichniig deS M i l i t a r fi S k u s zu den Koni- m UN all asten soll von den städtischeil Körperschaften an den KriegSministcr ivie an den Bundesrat eine Petition abgesandt werden. Tic Rixdorfcv Stadtverordneten- Bcrsammlnng hatte sich gestern abermals mit einem Antrage ans ll e b c r n a h ui c des de m Lehrer Fischer gehörigen R a t u r h i st o r i s ch c n s chul mnseums zu beschäftigen. Herr Fischer hat jetzt folgende protokollarische Erklärung, abgegeben:„Ich erkläre ausdrücklich' und vorbehaltlos, daß ich«» Felle der Ncbcriiahme deS MuseuniS in städtische Berivaltiiiig gegen Zahlung von 4000 Mark seitens der Stadt weder ein Recht ans Teilnahme an der Verwaltung der Sannn- lmigcn, noch eine Ermäßigimg meiner Pflichtstniidcn beanspruche."— Was den Betrieb des MilseiimS betrifft, so sind für die erste Zeit Aeiidcrniigcn nicht in Anssicht genonuiicn. Der Antrag wurde diesmal gegen etiva zehn bürgerliche Stimmen angenommen. Das Kommando der Freiwillige» F c u c r w e h r hat aus Verlaiigeii der Polizeibehörde nach dem Brande des Aroiisschen Warenhaiiscs Braudivachen aufstellen müsscit. Da diese Dieiistvcrrichtimgcn nicht zum freiwilligen Feilcrlöschdiciist gehören, sind sie mit 75 Pf. pro Suilide imd Manu bezahlt worden, und kamen insgesamt auf 290,25 M. zu stehen. Derartige Ausgaben sind bisher stets von den Grnildbcsitzerit anstandslos bezahlt worden. Im vorliegende» Falle ist der Eigentümer zahlungsunfähig. Die Freiwillige Feuerwehr hat leine Mittel für solche Ausgaben. ES wird dcshalv vom Magistrat beailtragt, ihr die verauslagte summe ans ctatsmäßigen Mitteln zu erstatten.� Die Stadwerördiicten-Bprsammliiiig stimmte dem Anträge zu. Es folgte dann eine längere nichtöffentliche Sitznng. Lluö Weisteusce berichtet man uns: Tie En t w ä ss e r u n g s- a n lagen der Gemeinde drohen wegen ihrer Unzulänglichkeit seit längerer Zeit zu einer Kalamität ausziiwachsen. Trotzdem die Ge- nieindevertretliiig sich schon oftmals mit der Sache zu'befassen hatte, ist man über Erwägungen nicht hinansgekommon. Nachdem ver- ichicdcnc Jntercssenlcn' in der Nähe des Rieselfeldes beschwcrde- snhrcnd gegen diese Ilcbclstände zu Felde gezogen ivaren, hat sich der Ländrat des Kreises der Sache angenommeii. Da des letzteren Ailffordcriing an die Gcmcindcvcrwalt'nng, Pläne einznrcichcii, nicht entsprochen ivcrdcn koniitc. weil ein' Plan ciiisach noch nicht vorhanden war. ist jetzt, nach vielem Hin- nnd Her- schreiben der Gcmeiiidcvcrwaltniig vom Landrat eine Ver- sngnng ziigegangeii, die in ihren' haliptiachstcn Teilen wie folgt lautet:„Die Bchauptimg der Verwaltung, daß die Rieselfelder vorzüglich feie», triffi nicht zu. Aus die ungünstige Finanzlage des LAS ist so viel als irgend möglich Rücksicht genommen worden. Der HinlvciS auf das seiner Zeit gegebene Versprechen Berlins, Wcißciisee den Auschliiß an seine lBcrlinsj Anlogen zu gestatten, ist nicht in Betracht zu ziehen, das steht noch im weitem Felde. ES icheint der Gemeindcvcrwaltnng an der nötigen Energie zur. Turchfühning dieser Sache zu fehlen." Jedenfalls um der Gcmcindeverwaltnitg klar zu machen, daß auch die höheren Vcrivaltnngssicllcn ebensalls die Ansicht des Landrats rcilen. verfügte der Regierungs-Präsident folgendes:„Damit diese Sache von der Gcmciiidcvcrtrctiillg nicht wieder ver- schleppt wird, geiiiigi es zu sagen, daß ich ihrer Ver- f ü g n n g beitrete." Tieje väterlichen— Ermahnnngen scheinen denn auch zu fruchten. Es wird jetzt, nachdem sich die Bescitigniig dieser Uebel- stände ans andre Weise, z. B. durch Einftihrnng des sogenannten Klälsystcms, für die Gemeinde als unmöglich herausgestellt hat, der Ankauf von Ländsreien zur Vergrößerung der Rieselfelder vor- genommen werden. . Venn es gegen die Arbeitcrschafi ging, so ist in der Gemeinde von einem Mangel an Energie nichts zu spüren gewesen. Bei Ab- stell, mg von Uebelftändchl ist es freilich etwaS andres. Tchönebcrg. Ter städtische Arbeitsnachweis hatte im Februar folgende Frequenz: An Angeboten der Arbeitgeber gingen ein:' 78 sdavon 38 männliche, 38 lveibliche). vom Vormonat übernommen 10, zusammen 88 Personen. Davon erledigt durch Einstellung 54, andcriveitc Besetzung 10. Streichung 15 Personen. Gesuche der Arbeilnehmer: 96(71 männliche, 25 weibliche), vom Bormonat übernommen 19. zusammen 115 Personen. Davon er- ledigl durch Einstellung 54. durch Streichung 43 Personen. Die Beiintzniig des Nachweises zeigt für den Februar eine merkliche Ver- minderimg, die nicht auf dqs Conto des Verlustes der drei Tage, sondern vor allen Dingen darin begründet liegt, daß dieses Institut in den Kreisen der Bebölkernng fast gar nicht bekannt ist. Es ist hoho Zeit, daß seitens des Magistrats etwas geschehe, will man den bei Errichtung deS Nachweises so sehr betonten soeial- politischen Charakter eines solchen Unternehmens aufrecht erhalten. so wie die Slrbcitsvcrmittclnng jetzt vor sich geht, gleicht sie mehr einem Hcmmschnh als einer Begünstigung von Angebot nnd Nach- frage.— Eine Erhöhung der Grundsteuer von 2 ans 205 pro Mille hat der Magistrat beschlossen. Die übrigen Kommunal- steilttn bleiben die g'lcichcn. Ob sich die stadtbc'rordnctcn damit einverstanden erklären werden, bleibt abzuwarten.— Zwei neue Feuerwachen sollen eingerichtet werden und zwar im Berliner nnd iin Fricdcnalter Ortsteil. Unter die Räder gckonliiicn �ist am Frcitagnachmittag mn 4 Uhr der Streckenarbeiter Friedrich Schulz aus Rcinickendors. der nahe beivl Bahnhof Reinickendorf arbeitete und einen an- kommenden Zug nicht rechtzeitig bemerkte. Der Zug fuhr ihm den linke» Fuß ab und brachte ihm eine schwere Kopfverletzung bei. Schulz. erhielt an der Unglücksstelle einen Notverband und ivurdc dann in einem Zuge nach Berlin gebracht und einem Krankenhaiis zugeführt._ Nttnst und LVMenfltzafk. Lessiug-Tljcater: Ermete Novelli.— Wieder einmal ein italienischer Schauspieler in Berlin! An und für sich haben wir dagegen gar nichts einzuwenden. Das litterarische Leben ist längst' interiiational. Warum sollte es das Theater- leben nicht auch werden? Nur muß man dafür sorgen, daß die Sache, nicht in scnsalionelle Virtnosenfahrteii ausartet imd'dafär scheint mir, in Deutschland wenigstens, gesorgt zu sein. Die lärmenden Beutezüge der Duse haben lvir freilich nicht vcrgesic», ebensowenig aber, daß beispielsweise die Rsjane niiS eine Kunst über die Grenze brachte, die wir nicht besitzen und— das ist das Wcscnt- liche'— die lvir 1» dieser Art und Mischung auch gar nicht besitzen können. Seien wir unerbittlich gegen Spekulanteiiiuni und Rarren- schwinde!. Jui übrigen aber müssen wir Herz und sinne für alles Gute offen halten, komme es. woher es immer kommen mag. Freilich: Gewisse Forderungen müssen lvir an die Leute stellen, die nach Berlin kommen, um sich inmitten einer elenden Truppe, bewundern zu lassen. Natürlich fordern wir nicht, daß sie lniS mit lauter guten Stücken kommen— so verstiegene Phantasten sind wir nicht. Wenn wir hin etiles Schauspielers willen ins Theater gehen, müssen wir uns schon gefallen lassen, mit einer Nolle abgespeist zu ivcrden. Wir fordern aber freilich, daß eS sich um liclamitc Rollen handelt. Es iii, völlig unmöglich. cincii ausländischen Schauspieler zu beurteilen, wenn man nicht im einzelnen weiß, was er spricht. Herr Novelli hätte sich gefälligst erkundigen sollen, was für Stücke in Berlin dem Theaterpublikum allgemein bekannt sind und hätte von diesen eins wählen sollen, anstatt uns mit dem sürchtcr- lichcn Schmarren zu kommen, der..Papa Lebonnard" heißt. Der schauderhafte„Papa" ist imsres Wissens in Berlin überhaupt noch nicht gespielt worden und Herr Novelli kann somit unmöglich ver- langen, verstanden worden zu sein. Wenn aber daS Verständnis ausbleibt, bleibt auch— wenigstens bei sachlichen Leuten— das Urteil ans und damit kann Herrn Novelli doch im Grunde nicht gc- dient fein. Zunächst also müssen wir bekennen, daß wir sichere Anschauungen von der Kunst des Gastes überhaupt nicht geivinnen tönnten. Wir hatten den Eindruck eines natürlichen imd gnten Schauspielers— nicht mehr imd nicht weniger. Vorläufig hat er nichts geboten,>vas wir nicht jeden Abend im Deutschen Theater oder anderswo ebenso gut sehen könnten. Eine individiielle Färbung, die in Berlin neu iväre, eine nationale Eigenart, die iins begeistern könnte, habe ich nicht bemerkt. Ein guter Schauspieler, meinetwegen sogar ein Vorzug- licher— mehr läßt sich heute nicht sagen und das ist für cincii Künstler, der sich extra aus Italien herbemüht, freilich etivaS wenig. Natürlich kommen wir ans Novelli noch zurück und eS sollte niis aufrichtig freuen, wenn wir dann unser Urteil erweitern köniitcn. Die Premiere war übrigens ailtzerordeiitlich schlecht besucht. Das Parkett ivieS große Lücken ans, im ersten Rang genossen einige ver- lasscnc Wesen den Segen der Einsamkeit lind im zweiten Rang war über- hanpt niemand zu sehen. Vielleicht beginnt damit die Reaktion gegen den unerhörten Schwindel, der mit derDuse getrieben worden ist imd der freilich ivie jeder andre Schivindcl einmal zusanimen- brechen mutzte. Unter den wenigen, die überhaupt erschienen waren. fände» sich übrigens viele, die'mir spanisch vorkamen nnd die ich daher für Italiener halte.— E. S. VevpAmurluttgen. Tie Sattler kpiinen die durch den fünftägigen Streik bei den Finnen Eckert, Reichelt. Weiser nnd D u lv e erlangten Zu- Geständnissen als zufriedenstellend bezeichnen. Wie Sasscnbach in der Versammlung am Mittwoch im„Englischen Hof" berichtete, ist anstatt der bis jetzt zehiistündigen die Eiiijühnnig der gOzstündigen Arbeitszeit erzielt worden. Die Forderung der Streikende», neu- angestellten Arbeitern pro Woche 21 M. Minimallohn, Maschinennäherii 24 M. nnd Werkstubenältesien 30 M. zu zahlen, haben die Fabrikanten ebenfalls bewilligt. Ueberstnudenarbeit wird mit 0,50 Dk., Nacht- und Soimtagsarbcit mit 0.7? M. pro Stunde bezablt. Zu der ebenfalls geforderten Freigabe des l. Mai haben sicki die Fabrikanten niäit ablehnend verhalten. Sämtliche Streikenden können die Arbeit am Donnerstag, den 8. März wieder anfuebmcli. Die Einmütigkeit nnd das ruhige, besonnene Verhalten der Streikenden habe den Ililternchmcrn Respekt eingeflößt, es gelte für die Zutimft, durch Festhalten an der Organisation das Errungene hochzuhalten nnd zu geeigneter Zeit weitere Vorteile zu erzielen. Die Diskussion bewegte sich zustimmend zu dem Referat. Ter Verband der Vau, Erd und gewerblichen Hilss- arbcitcr(Zahlstelle I) hörte am 4. d. M. einen Vortrag deS Gritossen Jahn über Welthandel im 19. Jahrhnndert. Sodann wählte die Versammlung zur Provinzialkonferenz das Mitglied Ludwig zum Delegierten. Waiduianuslust. Am 4. d. M. tagte hier eine Aersammlniig. in der die Genossen E ck a r d t und A d a in einstimmig als Kandidatcn für die GemeinderatS-Wahl unfgestelll wurden: Die Mitgliedcr-Versammlniig am Sonntag fällt aus, dafür findet am 18. März bei Kuhn eine Volksversammlung statt mit dem Thema: Die Bedeutung des 18. März. Tischlcrverciii. Heute, abends 8l5 Uhr, Melchiorstratze 15;(Sciicval- lSeifurniulunp.— Mitgliedsbuch legitimiert. <./z Uhr Sitzimg bei Immen- dorfer. Sopblenslr. 5. Frcireliäiösc Gemeinde zu Berlin. Sonntag, den II /März, porin. S'/j Uhr, im oberen Saal des„Englischen Gartens". Alexanderstr. 27v: Berfammliing.„FreireligiSfc Borlc'nng".— Um lO'/« Uhr narmittags ebendaselbst: Portrag des Herrn Wilhelm B ö l s ch e:„Elitwicklung und Rückschritt". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen.— Nachmittags 5 Uhr in Kellers Festsalon. Kovvcnstr. 99:„Feier des Sttstungüfestes". Festrede, gebalten von Frl. Ida Zlltmami: Konzert: Tbcalcr: ,.F»l Thale der Zeliaen"(Kindcr-Aufmhrmig): Das Weib des Arbeiters«. a. m. Berliner Spar- und Bauverein. Sonntag, den U.d.M., mittags vräcis 19 Uhr, in Pnblmaims Baudevillc-Theater, Zchönhanscr Allee 148: Portrag des Herrn Tr. M n n d t n g über„Die Bedeutung der Bau- genosseiischastcn sür die Arbeiter". Diskussion. Berei» der Buchdrucker und Schriftgicker sür Rixdorf- Britz. Sonntag, den II. Februar: Besickitigung des ltzcwerkschaftshonfeS in Berlin. Versamniliiiig der Deilnchmcr bis 9 Uhr bei Drathfchmidt, Hermaun- platz, Ecke Urbanstratzc. VevmisÄztes. Uebcr den Vrand des ThoStrc Franyais ivird an? Paris noch vom Freitag berichtet: Eine große Menschenmenge iimringle bis' spät in die Nacht hinein die Brandstätte des Theätrc FraneaiS. welche von Beamten der Sicherheitspolizei und' Militär abgesperrt. ist. Tie Feuerwehr ist zurückgezogen; nur zwei Spritzen Zsiiid zur Sicherheit vor dem Theater noch geblieben. Um 9 Uhr abends nahm der Direktor des Theaters Jules Clarctie ans der Maixie des ersten Arrondissemeuts in Gegemvart deS ganzen Theater-. Personals ein Verhör vor mit den beiden Maschinisten, welche sich auf der Bühne befuiideli lind ausgesagt hatten, das Feuer sei unterhalb der Bühne anSgekömmcn. Die Ziisamiiienkunft verlies ergebnislos. lieber die Entstehiingsnrsache des Brandes lanfen die. verschiedensten Gerüchte um, auch daS, das Fcncr sei angelegt worden. Letzteres Gerücht findet in keiner Weise Bestätigung. Der Unterrichtsminister Lehgnes, der Kommandenr der Feuerwehr nnd mehrere Architekten der Regierung besichtigten Frcitagvormittag. daS Thsätre FraneaiS nnd stellten fest, das einzelne Teile des Gebäudes vom Feuer fast luibernhrt geblieben sind, natnentlich daS Foyer der Künstler, die Alikleidezimmer der Künstlerinnen, das Ansstattlingsmagoziir und das Aiikleidezimmer des Frl. Henriot. Mehrere Dokumente wurden ivieder anfgesnildeii. dtirnnler der Erlaß Ludwigs XIV. an Eolbert, betreffend die Gründimg der„Comedie FraneaiS" und das Mannskript von„Heriiani". Claretie ist bei", Ansicht, daß das Theater in zivei Monaten wieder hergestellt werden könne, da der' Hauptteil des Gebäudes intakt geblieben' sei.- Allseitig ivird die M a n g e I h a f t i g k c i t der SicherheitsfBor- kehrimgen festgestellt: der ciierne Bühnenvorhang ging nicht nieder. im ganzen Hanse war keine einzige Feuerwache. Beinahe gleich bei Beginn der Fenersbrnnst stürzte die eiiizige Treppe ein, die ZU den höheren Rängen führte, so daß deren Besuchern jeder RettungSwcg abgeschnitten gcivescn wäre.�wclm der Brand während der Borstclllliig' anSgebrochen wäre. Stadtrat Levöe. einer der ersten auf der Brandstätte, versichert, wenn es den Feuerspritzen an Wasser gefehlt habe, so sei es gewesen, weil die Feuerwehrlente in der Hast die Wasserleitungsmündimgen nicht recht geöffnet hatten. Amtlich bleibt man dabei, das Fencr schadhaften Heizröhren zuzuschrcibcit. Vor genau vierzehn Tagen ereignete sich während der Nachniittagsvorstelllliig der„Andromaglie" ein Beginn von Feuer ans derselben Ursache; der Brand wurde rasch unterdrückt, die Vor- stellnng nach einer kurzen Panik fortgesetzt. Clarctie.. und der Bali« meistcr erstatteten der Aufsichtsbehörde einen Bericht, der mit der Forderung schloß, die Heizeinrichtiing schleunigst aus- zllbcssern; es tvar aber bis gestern nichts geschehen. Abends um nenn Uhr fand in der Bürgermeisterei des ersten Stadtbezirks eine Versammlung des technischen BaupersonalI statt; hier versicherten die zuständigen Beamten,.das Feuer könne bestimmt nicht von den Heizrohren herrühren.— Das wertvolle Archiv ist gerettet, die Bücherei nur wenig beschädigt. Der Voltaire von Hondon' bat nicht gelitten, seinen Geldwert schätzt man aus 600 000 Fr. Die Borstelluilgcn werden bis zur Vollendung des neuen Hauses im O d e o n und bis zu dessen Äiipasslmg an den drei freien Wochenabeiidcn in der Großen Oper stattfinden. Abgeordneter Mnzet will heute die Regierung in der Kammer über die Katastrophe und die beschlossenen Maßregel» befragen. Präsident Lonbct hat cliicn Ordoimanzoffizier an die Familie der verbraimten Schauspielerin Henriot gesandt, um ihr sein Beileid auszudrücken. Gleichzeitig ließ er Erilmdigmigen über das Be- finden des bei de» Löscharbeitcn schwer verunglückten Feuerwehr- offiziers einziehen. Bon den 17 verwundeten Personen sind nur dieser Offizier und ein Soldat schwer verletzt. Die Untersnchmig über die Ursache der FeuerSbNiilst hat endgültig zu dem Ergebnis geführt, daß die Eentralheiznng den Brand herbeigeführt Hot. Eine der Röhren soll verstopft gewesen sein, wodurch sich entzündbare Gase gebildet haben, die durch irgend einen Zufall zur Explosion gekommen sind. Wieder zwei Grnbcnuiifällc. Uebcr ein ans der Grube„Am nassen Fleck" bei Guben vorgekommenes Grnbcnlmglück, bei dem drei Bergleute ihren Tod fanden, berichtet man folgende Einzelheiten: Der Aufseher Schulz und die Lchrhäner Zach'und Walter waren mit dem Zllsctzen eines ansgebailten Bruches be- schäftigt, als schivimmendes Gestein durchbrach, die Leute überschwemmte. so daß sie erstickten.' Ein- vierter Bergmann wurde nur bis an die Knie verschüttet, er konnte sich retten. Alle drei Ver- nngkückte sind verheirathet und Familienväter. Die Leiche Zachs. die mehr vorne lag, ist bereits geborgen; die Bergung � der beiden andren Leichen dürfte mehrere Tage in Anspruch nehmen.— Ein zweites Unglück ivird aus Benthen O.-S. berichtet: Der Schlepper Johann Severin aus Brzcziuka ist ans der„Myslowitz- Grube" durch herabfallende Kohle verschüttet nnd getötet worden. In Köln verbreitete sich in der Nacht zu gestern ein in der D a m p f m ü h l e von Litzniann alisgcbrochcnes Großfener mit derartiger Schnelligkeit, daß in wenigen Minnten die ganzen oberen Lagen des mit 20 000 Sack Weizen gefüllten Silos in Flammen standen. Der gesamte Vorrat wurde vernichtet. Ter schaden ist sehr groß. Das dichtbevölkerte Hänserviertel in nächster Umgebung lvar sehr gefäbrdct. Den angestrengten Bemühnngen der Feuerwehr gelang eS. den Brand aus seine» Herd zu beschränken und gegen Morgen zu ersticken. Eine abscheuliche Roheit ist in N ü r n b e r g verübt ivordcn. Im zivciten Stock des alten Rathauses winden 12 Kaiserbilder, nnd zwar diejenigen von Karl V. bis Leopold 41., durch Schnitte er- hcblich beschädigt. Die That ivurde gestern nachmittag entdeckt. Die Thäter sind bisher nicht festgestellt. Die betreffende» Räume werden wenig benutzt. Der Elbcrseldcr MilitarbesreiungS-Prozcst, der am 15. d. M. zur Berhandlnng gelangt, nimmt immer größere Dimensionen an. In Steele wurden zwei Söhne ailgcsehener Gutsbesitzer festgenommen nnd ins Elberfcldcr Gefängnis übergeführt. Eine Anzahl Personen, die nur gegen hohe Kautionssummen auf freiem Fuß belasten waren. wurden gestern wieder in Haft genonimen. Der Prozeß, der vor dem Elberfeldcr Landgericht verhandelt ivird, wurde wegen seines gewaltigen Umfänges in mehrere Serien eingeteilt. I» dem Hause zu Chcrsou, wo, wie bereits gemeldet, sechs einbalsamierte Kinderleichc» gefmiden wurden, sind jetzt»och zwei Iveitere Kinderleichc» entdeckt worden. Die Verhaftete Besitzerin des Hanfes leugnet jede schiild. Verschiedene Anzeichen deuten daraus hin, daß das Verbrechen erst kürzlich verübt wurde. AnS Mailand wird berichtet: Ans«Antrag des dentschen Konsuls lvnrde gestern in Salo am Gardasee der Bankkassierer Karl Rosier ans Duisburg verhaftet; er isl verdächtig! 85000 M. verniiireut zu haben. Die Behörde in Bozen hatte ihn einige Tage zuvor wegen Mangels an Beweisen wieder ans freien Fuß gesetzt. Ans Tiflis meldet der Telegraph: In der Nacht ans den 23. Februar a. St. lvnrde in Ordnrhüt im Goiiveriieniciit Eriiran ein starker unterirdischer Stoß verspürt. Unglücksfälle sind nicht bor- gekommen.— Aus der Grusinischen Heerstraße ist der Verkehr infolge von Schneeverwchnitgen seit drei Tagen eingestellt. B.UllceuugSiiversicht vom S. März lSOO.»loraens 8»yr. Wetter Prognose für Sonnabend, den 10. März 1000. Ziemlich yciter. nachis etwas! älter. am Tage mild bei fchlvachen südlichen Winden: leine»rheblichen Niederschläge. B c r l in e r W c tterb Ii rr a u. arenhaus Berlin, Leipzigerstr. 132|183. Eosenthalerstr. 27|29 und 54. Oranienstr. 53154. Hnfotigung-'-g-m-r j-Jer reti-Ga r d eTO be m-b M** Sommer-Paletots �os�FarbZ�lua�di----- 36, 38, 42 am. Frühjahrs-Sacco-JLnzüge Mass, Cheviot n. Kammgarn in den neuesten Farben.,! Z Z 36, 42, 51, 66 JUk. Beinkleider n££e™stoktl*™ufm™£r 9- 12,so, 16 am. Anfertigung sämüicRer Sport-Steüleidung; für Vereine Besondere{Preise, Grosses Lager von in- und ausländischen Stof£en; fortwährend Eingang von Neuheiten* GinftgntMgs-Anzüge, uenefte Fa?ons in blau und schwarz Kammgarn u. Cheviot Große Frankfurterstraße Nr. l4l. Ecke Fruchtstraße. 275SL' Dieser Raum ist fiir 10t Inserate Attest! von Apotheker A. Wnrm pro Jahr gemietet. Herrn Apotheker A. Wurm in Bannen Sezeuge ich hiermit gern, daß sei» Liqueur„Hnxenaoktor" als ein besonders geeigneter und zweckdienlicher-Sauskranken empfohlen werden kann, namentlich für Personen, deren Appetit z« wünschen übrig saht. Wegen des hervorragenden Wohlgeschmacks wird der„Magendoktor" gern als Anregungsmittel genossen. B., d. 10 /1. 1900. (gez.) Dr. med. C. J., pralt. Arzt. Gratisproben werden, so lange der Vorrat reicht, in Delikatebwaren- und Droguenhandlungen abgegeben. Ausschank in den Restaurationen. Zlr. 51 ZdSMUANtW- 9*n V.fl.lm.ngO. Vtillilte lilr ioihi um««t. 7—71. :ir.ir tat«failWOK» ,.» Crfttmich-Un«!« VVUd. i««• uMig» Itirtlen» 3 Wert wo VI»"« 17. Zahrg. fti|>rerii«iit-CcM|r •miti Mir M. lc««M 10/2* Belm Einkauf von„MÖHRA" achte man gefl. darauf, dass der Name „MÖHRA" an Jedem Gebinde sichtbar lab Herren- u. Konfirmanflenhute�VÄ' nur neue moderne Sachen,(34602* prima Qualität 1,50 und 2—. « Mutten trbeilslililc 1 Hutfabrif-Comptoir jeSUSlÄ.4.."« x, Verantwortlicher Redacteur: Paul John m Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.