Nr. 103. Sonnabend, den 30. Mai. 19J4 ?, Der Kakadu. Erzählung von Anna C r o i s s a n t- R u st. Huller fühlte sich sehr zufrieden an diesem Abend. Eigentlich schon länger, denn es knm ihm vor, als hätte er sich sSrida gegenüber eine Falschheit vorzuwerfen. All die kleinen Heim- lichkeiten. dos Gewisper mit Resi. bedrückten ihn. Wenn er es genau besah, Nxir es fa nichts. Er hatte fssrida wiederholt vor Resi warnen wollen und konicke doch eigentlich nichts lln- rechtes von ihr sagen. Seine Zudringlichkeiten wehrte sie stets ab. aber eS schien doch, als fordere sie sie heraus. Ein- mal wollte sie als Dame behandelt werde», ein andermal benahm sie sich wie ein Gassenjunge oder über alle Mafien schnip- pisch. Wie oft hatte er das„schöne Mäderl" hören müssen! Jeden Tag. Denn er paßte jeden Tag getreulich auf, wenn sie»ach Hause ging. Dann»varf sie ihm gewöhnlich zu:„Das Mäderl geht nach HauSl" und sprang an ihm vorbei. Das konnte er doch ffrida nicht sagen! Auch das nicht, daß er Resi gern ins Atelier gezogen und herzhaft abgeküßt hätte. Sie würde es gleich tragisch aufgefaßt haben, denn sie war noch immer unglaublich albern und altmodisch in solchen Dingen. Und doch war ihm unbehaglich zumut, lucil ihm die Paar Worte, die er mit Resi gesprockren, als.Heimlichkeit vor- kamen. Sie fielen aus dem Ton, in dem sii? beide vor ihr und aus dem Ton, in dem sie mit ihr verkehrten. Es war ganz einfach.Heuchelei dabei, und das widerstrebte eigentlich Huller gründlich, das lag ihm nicht: sackgrob sein, rücksichtslos sein, die Leute derb anpacken, das war seine Art, mit Katzen- tritten zu gehen, hatte er nicht gelernt, er„dilettierte" sehr darin— das machte ihn mürrisch. Auch fssrida war an diesem Abend anders als sonst: sie war wieder gairz der schreckhafe. Kakadu von früher, und hätte Resi nicht iir einem fort geplappert, es wäre ein sehr stiller Abend geworden. Resi bekiinnuerte sich nicht im mindesten um Huller, und das reizte ihn. „Ich habe Sie heute nämlich sckw» gesehen, Verehrte. und zwar in Begleitung," sagte er herausfordernd. Rest kniff die Augen zusammen und U>arf ihm lü», ohne ihn anzusehen:„Vielleicht sehen Sie das öfter noch." „Soo!" Huller war das Blut zu Kopf gestiegen, es riß ihn« die f�rage heraus:„Wer war der Herr?" „SclKiut's den an!" platzte Resi in echtem Münchnerisch heran?. „Wir wissen», gelten'?, Fräulein Frida, wir zwei schon!" triumphierte das ReSl, und streichelte fortwährend Fridas Hand. Huller lnar's, als habe sich Resis Zünglein schade»froh zwischen die Lippen gedrängt, er stand auf, verabschiedete sich rasch und ging in schlechter Laune, wütend auf Resi. Sie leuchtete ihm wieder wie immer, er gab ihr nicht die Hand wie sonst: als er unten war, konnte er sich aber doch nicht versagen, hinaufzuschanen. Täuschte er sich, oder hatte sie wirklich etivas gesagt? Und so ein liebes Gesichterl machte sie dazu! „Her!" rief er halblaut und wäre beinahe wieder hinauf- gerannt. Sie stand aber ganz ernsthaft oben, wie wenn nichts gewesen laare, und ging ruhig zurück. Frida lag schon zu Bett: der Mond war durch die stockigen Regenwölkckn'n gekommen und machte das ganze Schlafzimmer hell. Als Rest eben einschlafen wollte, hörte sie ein Geräusch, das Nüe Schluchzen klang, und sah, daß Frida im Bett kauerte, die Arme aufgestiilst und den Kopf darauf gelegt. Mit einein Satz war sie wieder aus dem Bett und bei Frida. „Darf ich?" � Im Nu war sie unter die Decke geschlüpft und hatte wortlos ihren Arm um den Leib der anderen gelegt. Frida fing noch mehr zu weinen an. ihr Kopf legte sich hilf- los auf Rests Schultenl und zum erstenmal, seit sie das Mädel zu sich genonimeu, fühlte sie, daß sie recht getan. Weich und tröstend schmiegte sich der junge Körper an dm ihren. Rest sprach nichts, fragte nichts, hielt nur die Zitternde a» sich gc- drückt. Frida wurde durch die ungewohnte Güte und die im- gewohnten Liebkosungen in einen Zustand exaltierter Teil- nahmebediirftigkeit gebracht und begann stockend und von Weinen unterbrochen, zu reden. Ihre ganze Lebensgeschichte kramte sie auS. Wie wenn die Liebe zu Huller ihre andere, ihre erste wachgerufen, so stand sie mit allen Details vor ihr. Ja, ReSl mußte sie verstehen, denn sie liebte! In dieser Stunde vergaß sie ganz, was sie nie vergessen was sie immer gefühlt, daß sie die Aristokratin, Resl die Plebejerin, daß sie die Aeltere, die. lieber legenere war: es war nur das Weib, das sich zum Weibe flüchtet in seiner Not. das Trost undl Teilnahme heischt vom Weibe als von der Verstehenden. Die halbe Nacht sprach Frida fort. Nicht nur von ihrer Liebe erzählte sie auch von ihrer Verstoßnng, auch von ihrem Suchen»ach einem Beruf, von ihrem kläglichen Scheitern überall, bis sie es zuletzt zur' Stickerin gebracht. Auch das Allerletzte preßte es ihr noch heraus, halb schon von Rest erraten. Ja, sie hatte ein Kind: ein schwächlieftes Ding war's bei der Geburt und kam gleich in den allerersten Tagen fort. Resl aber solle ja nie davon rede», nie mehr! Nicht zu ihr und nicht zu anderen. Sie wolle nicht daran erinnert sein, nickst daran denken, es war alles so schrecklich, so schrecklich gewesen! „Haben Sie es nicht wieder gesehen?" „Nein, nein! Ich kann nickst! Seinetwegen habe ich so viel leiden müssen, seinetwegen wurde ich verstoßen—" „lind sein �tater?" „War ein Schuft, ich weiß nichts von ihm." So erzählte sie immer weiter, die ganze Leidenszeit»ach der Geburt des Kindes, ihr einsames Leben, nur von Huller sagte sie nichts. Aber es war eine solche Innigkeit in ihren Worten an Resi und eine solche Zärtlichkeit, daß die nun auch ihrerseits alle Schleusen ihrer Liebe und ihres Stolzes auf den„Bräutigam" öfsnete. „Ick) darf ihn recht bald bringen., ja? Ich kanw's ja nimmer erwarten! Oh, er ist ei» sehr seiner Kerl und splendid! Ich bin sckwn so gemein, daß ich keinen ohne Geld mächt', ich bab' zu viel Elend daheim g'sehen. Ich Hab' genug! Ein schönes Leben will ich haben— aber ich bin so»lüd jetzt sie konnte die Augen nicht mehr aufhalten. und während ihr Frida noch Warnungen zuflüsterte, schlief sie ein. Am anderen Morgen kam bei Frida eine rechte Erniich- terung nach der nächtlichen Exaltation und ein großer Ekel vor sich. Wege» Resi war sie gereizt. Die war mürrisch. tveil sie nickst genug geschlafen hatte, schlurfte scheltend herum und erschien Frida auf einmal roh und abstoßend. Auch war sie schnippisch und nahm einen ganz eigentümlichen Ton ihr gegenüber an. Die Aristokratin, die ältere Frau empörte sich. Sie war wohl toll gewesen heute nacht? Einem so jungen Geschöpf, einem Mädel, das sie fast aus der Straße aufgelesen, ihr ganzes Leben z» erzählen, ihr Herz auszuschiitten I Da hatte sie sich eine schöne Kette angelegt! Wahrlich, sie machte recht große Fortschritte in der Kunst, frei zu sei»! Nachmittags besuchte sie Huller. Frida hatte eben an ihn gedacht und sich nach ihm gesehnt. Daß er nun gerade kam, war ihr, wie wenn er sie ertappt hätte und machte sie demütig. unsicher und voll Scham. Huller hatte mit ihr zu reden. Es ging unmöglich mehr anders. Er hatte Resi heute Mittag bei Schleich gesehen, in einer ziemlich düskern Ecke, und zwar mit einem„von unsere Leit", er mochte eine sehr bezeichnende Bewegung mit dem Zeigefinger nach der Rase, die er herunterdrückte. „Fräulein Frida, ganz bestimmt, es ist ein richtiger Geld- protz, elend elegant und nicht mehr ganz jung, ich glaube er kriegt schon einen Bauch. Was braucht sie mit so einem. Kerl in einem Restaurant zu sitzen? Und mit dem mächtigen Pascha Hab ich sie auch schon gesehen, er ist mit ihr abends nach Hanse gegangen und schaut sie au mit Augen— I— freilich am Tor grüßt er sie förmlich, wie wenn er sie eben erst getroffen lstitte! Und mit dem lacht siL �-! Oh, so lacht sie nie bei Ihnen, und so lacht sie nicht mit mir. Seien Sie vor- sichtig mit dem Mädel, daß Sie nickst eingehen, wissen Sie, bei Wcidners sind sie alle flott und nehmen's nicht genau: und wenn sie nicht so ist. wird sie's noch." „Bilden Sie sich doch nicht so viel ein! Warum soll daS arme Ding nickst mit seinem Bräutigam in einem feinen Restaurant essen?" „Bräutigam? hm! Ich zweifle vorderhand." „Warum? Lassen Sie dem jungen Mädchen doch das SFt) f IS.#f i • S TTJ� m o x> � 3� q'm V«-»"ffc � iö>5?-'s vc(rV cx xi x>.u. frc •A 5 � � P C S � c«a'£:�r« z: � �"-o a ztUiitsMMSJiSUf St US SSJLJtä �S&Sc&SS&Ä: 1 "n"\\\.t l\vV>'"li<\>'" 1, ww� Vm'"\Vn\■wXi'Tw�Vl' was iclxidet's denn, wenn er ein �nd« in?" „Mir kann's recht iein.'s ist nur weaen Ihiien. Nur keine weitere Enttäuschung, das können Sie nicht brauchen. Ich weis; iiberlianpt nicht, seit das Mädel da ist, ist kein rechter Ton mehr zwiscltcn uns. Haben Sie das noch nicht bemerkt? 's ist rein wie verhext! Man redet nichts Ordentliches mehr, lauter schlechte Witze und Dummheiten werden gemacht, mau kommt gar nicht da?;«, über das 5» reden, was man ans dein Herzen hat. Bei Ihnen allein könnt' ich's tun, das tat mir so wohl, ich wollt', sie war' gar nicht gekommen! Zille llnbe- fnngenheit ist zum Teufel, und lustiger sind Sie dadurch auch nicht geworden. Was ist da? überhaupt in der lehten Zeit mit Ihnen? Sie sind sa die reinste Trauerweide! Mögen Sie mich nicht mehr?" srrida schüttelte nur wortlos und abwehrend den Kopf, sie schämte sich. Es war ihr, wie wenn sw ihm gezeigt hätte, das; sie ihn liebe, und wie wenn er sie drüber ausgelacht. Wie er jetzt so vor ihr stand, ganz Krast und Jugend, so belvuszt und eigenwillig, war sie ganz in seinem Bann, sie ertrug es nicht, das; er eine andere liebte, sie wollte ihn für sich, ganz für sich liaben. Ihr Kopf wehrte sich, ihr Verstand wollte die nn- sinnigen Gedanken verjagen.(Forts, folgt.) Neues vom Stoffwechsel öer Nerven. Von Dr. Alex. L i p s ch ü tz. Bekanntlich haben die Untersuchungen, die im Laufe der letzten Jahre im Laboratorium von Vcrworn ausgeführt worden sind, die Tatsache aufgedeckt, datz die Leitung der Jnipnlse durch den Nerv ein chemischer Vorgang ist, ein Stosiwcchsclvorgang wie alle anderen Vorgänge in der lebendigen Substanz. Wahrend mau früher glaubte, der Nerb leite wie ein elektrischer Draht, wissen wir heute mit absolute� Sicherheit, datz die Tätigkeit des Nerven ge- knüpft ist an die Atmung des Nerven, an einen Stoffverbrauch, datz der Nerv seine Funktion einstellt und alle Fähigkeit, Impulse zu leiten, verliert, wenn man ihm den Sauerstosi entzieht. Auch ivisscn wir, datz bei der Tätigkeit des Nerven Stoffwechselprodukte ent- stehen, die normalerweise mit dem Blute aus dem Nerven heraus- gewaschen werden, datz diese Stoffwcchselproduktc, wenn sie sich in dem Nerven anhäufen, ihn ermüden und lähmen. Im grotzen Ganzen hat der Nerv, der„elektrische Draht" in unserem Körper von che- dem, seinen Stoffwechsel wie alle andere lebendige Substanz. Und das erscheint uns ja heute auch selbstverständlich, nachdem der amerikanische Zoologe Harrison uns gezeigt hat, datz der Nerv, die Nervenfaser nichts anderes ist als ein Protoplasmafortsatz der lebendigen Nervenzelle. Nur hat sich dieser Teil der Zelle spezia- lisiert für die schnelle Leitung von Impulsen im Zellenstaat. Die Untersuchungen über den Stoffwechsel deS Nerven baben später in zahlreichen anderen Laboratorien ihre volle Bestätigung erfahren. Ja, der Nerv, dem man früher allen Stoffwechsel ab- sprechen wollte, ist heute ein bevorzugtes Untersnäuingsobjekt gc- worden, wenn cS gilt, feinere Vorgänge im Stoffwechsel der lebendigen Substanz zu studieren. Wir-haben schon mehrmals an dieser Stelle über den � Stoffwechsel des Nerven berichtet. Heute soll auf einige neue Dinge eingegangen werden, die früher noch nicht besprochen worden sind. Und zwar sind das Dinge, denen, wie wir sehen werden, die allergrötzte biologische Bedeutung zukommt. Wenn die Leitungsfähigkeit des Nerven ein chemischer Vorgang ist— gleichsam als ob eine Zündschnur abbrenne—, so mutz die Leitung im Nerve» durch Erhöhung der Temperatur beschleunigt werden. Der Amerikaner Maxwell und später einige deutsche Forscher haben denn auch gezeigt, datz die Leitung im Nerven unter dem Einflutz der� erhöhten Temperatur beschleunigt wird»nid zwar in demselben Matze beschleunigt ivird wie alle anderen chemischen Vorgänge in der Natnr� bei einer Temperaturerhöhung um zehn Grad wird die Sllmclligkeit der Leitung im Nerven um daS 2- bis 2, ö fache grötzer. Ilm nur ein Beispiel heran- zuziehen aus Versuche», über die im vorigen Jahre ein Forscher berichtet hat: der Fros-lmerv leitet Impulse bei<> Grad mit einer Schnelligkeit von 11,5 Metern in der Sekunde, bei 1ö Grad aber mit einer Schnelligkeit von 26,3 Metern in der Sekunde. Im Körper des gleichwarmen Tieres, des Warmblüters, wo eine Tcniperatur von ca. 37 Grad herrscht, leitet der Nerv mit einer Schnelligkeit von 120 Metern in der Sekunde. Diese gewaltige Beschleunigung in der Leitung ist einzig und allein bedingt durch die Teniperatur: bei einer Erhöhung der Temperatur Von-S Grad auf 37 Grad mutz die Leitung im Nerven— wie gesagt, so ist eS auch bei allen anderen chemischen Vorgängen der Fall— um daS 10- bis löfache bc- schleunigt werden. Ich habe schon bor mehreren Jahren darauf hingewiesen, datz wir im Lichte dieser Tatsache den Erwerb der Fähigkeit, die Körper teniperatur unabhängig von der Temperawr der Autzcnwelt auf einem bestimmten hohen Niveau zu erhalten, als eine Bedingung an bafc t)cbeu\ct, vocnn bxe\>\e toou ber an bob Gehirn und vorn Gehirn wieder an die MnSlein feiern �en. das um das zehn- und gar fünfzehufache schneller tun! Besonder? kommt dieses Moment in Betracht, wenn wir an die Verbindungen denken, auf denen alle eigentlichen psychischen Vorgänge, das Denken schlechtweg, beruhen: an die Verbindungen zwischen den Nerven- zellen selber, zwischen den Nervenzellen in der Grotzhirnrinde. Man male sich aus, unser Denken würde um das 10- bis 15 fache ver- langsamt! Es unterliegt gar keinem Zweifel, datz die Entwickelung der Psyche, wie sie in? Menschen ihren Höhepunkt erreicht hat, nur. möglich wurde, nachdem durch den Erwerb einer hohen, stets gleichen Körpertemperatur eine grotze Schnelligkeit in der Leitung der Impulse von Nervenzelle zu Nervenzelle gegeben war, und nachdem da« gleichwanne Tier sich eine stets gleiche Schnelligkeit in der Leitung der nervösen Impulse gesichert hatte..Kaltblüter", Wechsel- warme Tiere, tvie Fisch, Frosch und Schildkröte, konnten leine .Denker" werde». Eine autzerordentlich wichtige Beziehung der hohen Körper- teniperatur zur Arbeit der Nerven hat vor zwei Jahren VerwornS Schüler Walter Thörncr aufgedeckt, der im Laufe der letzten fünf Jahre eine Reihe bedeutungsvoller Untersuchungen über die Atmung und über die Ermüdung der Nerven veröffentlicht hat. Thörner hatte schon früher gefunden, datz der Nerv wie jede andere lebendige Substanz ermüdet, wenn man ihn zu vermehrter Tätigkeit veran- latzt. Reizt man z. B. einen aus dem Froschkörpcr heraus- geschnittenen Nerven mit Hilfe eines schwachen elektrischen Stromes, wie man ihn für Rcizversuche in der physiologischen Experimentier- knnst stets benutzt, so findet mau, datz der Nerv„müde" wird, wenn man die Reize sich schnell aufeinander folgen lätzt: müde in dem Sinne, datz der Nerv nunmehr seine Arbeit der Leitung von Im- pulsen nicht so prompt wie früher tut. Man mutz den Nerv jetzt viel stärker reizen, wenn er die durch den Reiz in ihm ausgelöste Erregung als Impuls bis an den Muskel leiten soll. Auch darin äußert sich die Erniüdnng, datz nun die Impulse langsamer geleitet iverde», wie später Haberlandt nachgewiesen hat. Nun untersuchte Thörner den Einflutz der Temperatur aus die Ermüdung deS Nerven. Und dabei ergab sich ihm der wichtige Be« fund, datz der Nerv bei höherer Temperatur nicht so stark in seiner Tätigkeit erlahmt, nicht so stark ermüdet, wie bei niedriger Temperatur. Zuerst führte Thörner Versuche an Frosch« nerven a»S. Und er stellte dabei fest, datz die Stärke der Ermüdung unter denselben Ansprüchen, die an den Nerven gestellt werden, bei 0 Grad um daS etwa 2,5fache größer war als bei 10 Grad, und bei 10 Grad um das 2,5sache größer war als bei 20 Grad. Bei 31 Grad war die Ermüdung noch geringer oder sie war manchmal überhaupt nicht zu konstatieren. Nun ging Thörner an Versuche am Warmblütcrnervcn. Versuche am Warmblüternerven sind viel schwieriger auszuftihren als solche am Kaltblüterncrven, weil die crstcren viel empfindlicher sind gegen allerlei Schädigungen. Aber bei allerlei Vorsichtsmaßregeln, zu denen Thörner griff, gelang die Sache doch. Benutzt wurden Beinnerven, die eben getöteten Ka- ninchen, Hunden, Meerschweinchen und Katzen entnommen waren. Thörner untersuchte den Einflutz von Temperaturen auf die Er- müdung der Warmblüternerven zwischen 20 und 33 Grad und er fand lviederum, datz der Nerv bei denselben Ansprüchen um so schwächer ermüdet, je höher die Temperatur ist. Bei einer Temperatur von 37 bis 88 Grad, also bei der Körpertemperatur der gleich warmen Tiere, er- müdet der Nerv oft überhaupt nicht mehr. Wer gut aufgepatzt hat, der weiß schon von selber, worin die grotze Bedeutung diese« Befundes von Thörncr liegt: die gleichmäßig hohe Körpertcnipcratnr sichert dem gleichwarmen Tier eine dauernde llnermüdbarkeit seiner Nerven. So sehen wir, wie hoch der Erwerb der Temperotur-Regulierung für den Ablauf der Vorgänge im Nervensystem einzuschätzen ist: es ivar nun eine gewaltige Beschleunigung in der Leitung im Nerven- system erworben und die Nerven leiteten von nun ab ohne jemals zu ermüden. Da wird niemand mehr daran zweifeln, datz es ein großes Ereignis war in der Geschichte der Organismen, als die Kaltblüter, jene reptilähnlichen eierlegenden Geschöpfe über die säugenden Schnabeltiere hinaus, die schon etwas von Temperatur- regulierung wissen, zu richtigen Warmblütern, gleichwarmen Tiere» wurden..... Aber warum ermüdet der Nerv bei höchster Temperatur nicht so stark, als bei niedriger Temperatur? Thörner hat diese Frage im Zusammenhang mit den allgemeinen Vorstellungen, die Verworn über Ermüdung schlechtweg entwickelt hat, diskutiert.„Ermüdung" ist eine Lähmung lebendiger Substanz, bedingt durch eine An- Häufung von Stoffwcchselprodnkten in der lebendigen Substanz oder durch einen Mangel an Sauerstoff, mit dem den erhöhten Anforde- rnugen der stärker tätigen lebendigen Substanz nicht mehr genügt ist. „Erholung" ist die Herausschaffung der lähmenden Stoffwechsel- Produkte und Behebung des Sauerstoffmangels. Thörner stellt sich »nn die Sache so vor, datz bei erhöhter Temperatur die lähmenden Stofswcchselprodnkte schneller aus den Nerven entweichen können— cS handelt sich teilweise wahrscheinlich' um Kohlensäure, die bei der Verbrennung von lebendiger Substanz entsteht nnd als lähmendes Gift bekannt ist. Ob auch die Sanerstoffoufnahme durch die Tempe- ralur beschleunigt wird, wissen wir noch nicht. Jedenfalls aber ist li-MfJ'MmIs J-g'zMä ex>'£'T3«»5n Körper heran»- geschniitene Froschnerv in einer Atmosphäre von reinem Sauerstoss viel besser arbeitet als in der Lust, in der ja>mr ein Fünftel Sauer- stoff ist.... So schlagt man heute in der Wissenschaft Breschen in unerinild« lichcr Forscherarbeit. VI Im Kosatenöorf. Von Maxim G o r k i. Ncguiigslos still ist's ringsum. Alles ruht, an die Erde gc- schmiegt, und schläft. Auch mich überkommt ein leiser Schlafs alles »ms der verwichen« Tag mir gebracht, zieht an mir vorüber, es wächst, schwillt ins Ungcmesscne und wälzt sich, unförmlich groh wie ein Stcppenhügel, über mich hin. Tie Glocke ertönt— trag, in uiiglricficn Zeitabständen fallen die metallenen Klänge ins Dunkel. Mitternacht ist'S. Auf das trockene Schilf des Daches und in den Staub der Straße klatschen vereinzelte, schwere Regentropfen nieder. Eine Grille zirpt, es klingt wie ein hastiges Erzählen, und im Dunkel der Hütte läßt sich wieder ein leidenschaftliches, unterdrücktes Flüstern vernehmen: „Ueberlcg' Dir's doch, mein Lieber: welchen Zweck hat es, so ohne Ziel herumzuziehen, höchstens mal für fremde Leute zu schuften..." „Ich kenne Dich doch nicht.. antwortet« dumpf der Bursche aus Pensa. „Sprich leiser..." „Wäs willst Du eigentlich von mir?" „Gar nichts will ich. Dn tust mir nur leid... Bist jung und kräftig, und verluderst Dein Leben, und darum sag' ich: komm mit mir!" „Wohin?" „Ans Mecrcsuscr. Es gibt dort sehr schöne Stellen... Auch hier bietet die Erde dem Menschen schon viel Schönes, aber dort ist«S noch weit schöner.. „Ist's auch wahr?" „So sprich doch leise!... Ich bin eine Frau, die sich sehen lassen kann, ich versteh' jede Arbeit... Wir suchen uns dort ein Plätzchen und leben beide still und gemütlich miteinander... Ich gebäre Dir ein paar Kinder und ziehe sie groh... Ich glaube wohl, daß ich dazu tautze... Da, sass' mal meine Brust an.. Der Bursche läßt ein lautes Grunzen hören. Ich bin in einiger Verlegenheit: ich möchte ihnen zu verstehen geben, sah ich nicht schlafe; aber die Neugierde hält mich davon zurück, und so schweige ich und belausche die sonderbare Unterhaltung, die mein Blut in Wallung versetzt. „Nicht doch, treib' keinen Mutwillen!" flüstert die Frau schwer atmend—„ich hab's doch nicht deshalb gesagt... ich rede im Ernst... lah mich loS...!" Ter Bursche aber versetzt in grobem Tone: „Was kommst Du mir auf den Hals? Erst drängt fie sich mir auf, und dann tut sie zimperlich.. „Still doch, man wird Dich hören— dann muh ich mich schämen..." „Und zu mir zu kommen— dessen schämst Du Dich nicht?" Sie schwiegen. Der Bursche schnaubte ärgerlich und räkelte sich auf seinem Lager. Die Regentropfen fielen noch immer in langsamem, trägem Tempo, und zwischendurch drangen die Worte der Frau an mein Ohr: „Meinst wohl, ich werf' mich dem crstenbcstcn an den Hais? Ich brauch' einen Mann, auf den ich mich verlassen kann, einen guten Menschen..." „Bin ich Dir etwa nicht gut genug?" „Was redest Du nur..." „Einen Mann braucht sie!" sprach der Bursche grinsend.„Wie durchtrieben Ihr seid— einen Mann! Ach, Du..." „So hör' doch nur! � Ich bin's überdrüssig, mich länger so herumzutreiben." „Dann geh in Deine Heimat..." Sic schwieg ein Weilchen und antwortete dann leise: „Ich Hab' keine Heimat, keine Verwandtschaft..." „Lüg' doch nicht...", versetzte der Bursche. „Bei Gott! Straf' mich der Himmel, wenn ich lüge..." Es flang wie�ein Weinen aus ihren Worten. Ein banges, quälendes Weinen'stieg in mir auf— ich hätte ausspringen und den Lümmel mit Faustschlägen aus der Hütte treiben mögen, um dann lauge und herzlich mit dieser Frau zu reden. Wie ein der- laffcncs Kind hätte ich sie auf die Arme nehmen mögen... Sie begannen wieder miteinander zu ringen. „Na, so verstell' Dich doch nicht!" brummte der Bursche. „Nein, ich will nicht... mit Gewalt setzt Du nichts durch..." lind plötzlich schrie sie wie in'schmerzlichem Erstaunen auf: „O weh... warum nur, warum das...?" Ich sprang empor, und in einem zornigen Anfall schrie ich gleichfalls laut auf. Es wurde still, irgendjemand kroch vorsichtig .?>eh\iotf\V\ehV IwwttVe ver./öm\\k selber zu mir gekommen, die liederliche Dirne. Alle setzen einem hier zu, nicht zur Ruhe kommt man..." „Nein, so ein Tummkopf, so ein Dummkopf.. klang es beleidigt von der Tür her. „Schweig lieber. Tu Herumtreiberin!" Der Regen hatte aufgehört. Durchs Fenster drang die schwüle Luft herein, und die nächtliche Stille legte sich mir beklemmend auf die Brust. Ich ging in den Hof hinaus— es war dort stickig und kühl LU gl eich, wie zur Sommerszeit in cincni Keller, wenn das Eis schon geschmolzen und die Luft mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Jrgendlvo in der Nähe sah leise schluchzend die Frau aus Rjäsan. Ich lauschte nach ihr hin und ging, meinem Gehör solgent», nach der Richtung, ans der die Laute kamen. Sie sah, den Kopf mit den Händen umfassend, in einem Winkel des Hofes»ud neigte sich abwechselnd borwärts und rückwärts, als verbeuge sie sich vor mir. Ich empfand einen stillen Groll gegen sie. Lange stand ich vor ihr und wuhte nicht, was ich sagen sollte; dann begann ich: „Sag''mal— hast Du den Verstand verloren?" „Lah mich," antwortete sie nach kurzem Schweigen. „Ich Hab' alles gehört, was Du zu ihm sprachst..." „Nun- und was weiter? Geht'S Dich etwas au? Bist Tu vielleicht mein Bruder?" Sie sagte das wie im Traum, ohne eine Spur von Aergcr. Die großen, trüben Flecke an der Wand starrten wie blinde Gesichter auf uns, und dicht nebenan stöhnte ein Zugochse im Schlafe. Ich setzte mich neben die Frau. „Du willst Dir wohl mit Gewalt den Hals brechen?" sagte ich. Sie gab keine Antwort. „Störe ich Dich?" „Nein, bleib nur," versetzte sie, lieh die Arme sinken und sah mich lange an.„Woher bist Tu?" fragte sie dann. „Aus Nischnij.." „So weit her...?" „Hast Du den Burschen da gern?" fragte ich. Zögernd und gleichsam die Worte zählend aniwortete sie: „Er ist nicht nbcl. Ein kräftiger Junge— aber sehr herunter» gekommen... Duinni scheint et zu sein... Schade um ihn: könnte was Tüchtiges leisten, wenn er am rechten Platze wäre..." Di« Nhr auf dem Kirchturm schlug zwei; sie bekreuzte sich zweimal, ohne ihre Rede zu unterbrechen. „Es tut mir immer leid, wenn ich die jungen Menschen so um nichts zugrunde gehen sehe. Schade um ihre Kräfte l Wenn ich könnte, ich brächte sie alle in ein gutes Brot..." „lind Du selbst— tust Dir nicht leid.-.?" „Gcwih, auch ich tu mir leid..." „Wie kannst Du Dich an solch einen Tölpel wegwersen?" „Ich würde schon einen Menschen aus ihm machen, glaub'Snnir! Du kennst mich nicht..." Sic seufzte tief auf. „Hat er Dich vorhin geschlagen?" „Nein. Lah ihn nur in Rube.. „Du hast doch so laut geschrien...?" Sie schmiegte sich plötzlich mit der Schulter'an mich an und gestand leise: „Gegen die Brust hat er niicki gestohen.. Er hätte mich auch untergekriegt, aber ich wollte' nicht... Ich kann mich nicht so hingeben, ohne Herz und Gefühl, wie eine Katze... Wie plump Ihr doch alle seid...!" Trio Gespräch kam ins Stocken. In der Tür der Hütte stand jemand und pfiff leise, als wenn er einen Hund riefe. „Da ist er.. flüsterte die Frau. „Soll ich fortgehen?" Sie fahle mich ans Knie und sagte hastig: „Nein, bleid nur, bleib I" Der Mann in der Tür berschlvand uack» einer Weile. Ein unterdrücktes, schmerzliches Stöhnen entrang sich ihrer Brust. „O Gott, wie bitter' leid tun mir doch alle, alle! Alles, nws da lebt... alle Menschen... alles, alles... tut mir so schrecklich leid! O Herr und Vater im Himmel I" Ein Zittern überlief ihre Schultern, sie weinte und flüsterte leise schluchzend: „Wenn mir so in der Nacht alles einfällt, was ich gesehen habe, dann überkommt mich solch ein Weh um all die Menschen... Laut aufschreien möcht' ich, über die ganze Erde bin, und find' doch keine Worte, weih nicht, wie icki's ausdrücken soll..." Ich kannte diese Stimmung und begriff sie: auch ich hatte diesen stummen, worilosen Aufschrei in meiner Seele empfunden. „Wer bist Du eigentlich?" fragte ich sie und streichelte ihren Kopf und die zitternden Schultern, lind als sie sich beruhigt hatte, begann sie mir mit leider Stimme die Geschichte ihres Lebens zu erzählen. Sie war die Tochter eines Tischlers, der nebenbei auch Bienenzüchter war. Nach dem Tode ihrer Mutter hatte der Vater ein junges Mädchen geheiratet, und die Stiefmutter muhte es durchzusetzen, dah die damals iieiinjährige Tatjana ins Kloster ge- steckt wurde. Dort verblieb sie bis zum heiratsfähigen Alter, lernte lesen und nähen, und dann gab sie der Vater einem alten gedienten Soldaten, der in den Klosterwaldungen als Forstwnrt angestellt war, zur Frau. ffifi fyi'i llr(rrm Ufr Gteflrtit ßr fr Ifen, nuttfrenb ftr itfee CeOenj- ffefHidite erjätflte— vor mir ijt iebMU nur ein runbcr, Oer- fdfivommenec ifietf; töre ifnucn füti, fdfcint es, aefdfloffen. So feltfam still ist's ringsum, bitfi fit bir gaiije fleil iiitimtttürlidj mit fluni feifs flüstert. Wie verlöre» finl» mir in dieser stumme», dunkle» Leere, in der noch kein Loben ist, in der wir gleichsum erst du» Lebe» erioecken sollen.(Forts, folgt.) f •7 Kleines Zeuilletsn. Kleptsmanie im Zuchthau». Im.Vorwärts" ist seiner Zeit darüber berichtet worden, dag die gerichtlichen Sachverständigen für Psychiatrie der Kleptomanie allerhand Zweifel entgegenzusetzen beginnen. Ob diese Zweifel in der Praxi» so verlaufen werden, bafe die Kleptomanie sür die unteren Stände abgeschafft, für die oberen aber al» eine grofec strafrechtliche Bequemlichkeit beibehalten wird. müssen wir abwarten. Für die Sache selber aber, für da» vor- handensein— einer Stehlkran lbeit also, spricht ein Zeugnis, da» wir in einem unverdächtigen Zusaininenhaiig au» einer völlig unverdächtigen Feder gesunden haben. In dem erschütternden Buch, da» der alte 48er Revolutionär August Rockel über seine furchtbaren ZnchthauSjahre geschrieben hat, finden loir diese Episode: Eine» Tages beim Spazierengehen in dem Hofe wankte ein au» den untere» Zellen kommender junger Mann vor niir her. Halb einem Irren, halb einem Trunkenen gleich, blickte er ängstlich uni sich, zitternd bald»ach link», bald nach rechts zurückschreckend, zuweilen auch, wenn ein laute» Wort erscholl, mit einem halb unterdrückten Schrei einige Schritte fliehend. Erstaunt und empört über diesen Anblick rufe ich den Aufseher, was dieser Geisteskranke hier solle? ,O. der ist nicht verrückt," lautete die Antwort..Gr ist mir .niedergesührt" durch die vielen Prügel, denn er kann da» Mausen nicht lassen." Der Unglückliche litt an der Kleptomanie, wie man in England die gar nicht so seltene Leidenschast de» Stehlen»»in de» bloßen Stehlen» willen nennt, vielleicht die unüberwindlichste aller onge- borenen Abirrungen,«in partieller Wahnsinn, lind durch Hiebe und durch sonstige Martern sollte der Arme vo» seiner Krankheit geheilt werden I Ist e» schon traurig genug, daß unsere Gerichte zwischen dem wirklichen, bewußten Diebstahl aus freiem Entschluß und dieser Manie, deren tvillenloser Knecht der Mensch ist, nicht zu unterscheiden wissen, so bietet sich doch in der Strafanstalt selbst die beste Gelegenheit, über«inen solchen Fall schnell in? reine zu kommen— denn der Dieb aus Leidenschaft stiehlt meist alle» und jede», ohne Hinblick ans einen daran» zu ziehenden Nutzen— und nur die sträflichste Gleichgültigkeit oder eben so streng zu verurteilende Unwissenheit kann«ine solche Erscheinung mit ge wohnlicher Dieberei vertvechseln. Schon die Erfolglosigkeit der Strafen in einer solchen Anstalt, wo doch wahrlich die Versuchung so schwach al» die Gelegenheit selten ist, müßt« jede» nur halbwegs Denkenden zu der Eiusicht führen, daß er sich hier einem Ausnahmefall gegenüber befindet, der nnder» beurteilt sein will. Wer die Gestalt diese» unglücklichen Sträfling» in Rockels Schilderungen har vorüberwanken sehen, wird nicht mehr daran zweifeln, daß e» eine Krankheit de» Stehlen» gibt. Die Haut schaudert einem bei dem Gedanken, daß selbst die Hölle diese» Zucht- hause» noch Reize zu entfalten vermochte, die einen wahnbesejsenen Menschen zum Stehlen verführen konnten. Da» Land der Hüte. Nicht an die kapriziösen Phantasieprodulte erfinderischer Pariser Modistinnen möge der Leser denke», wenn wir eine» Augenblick vom.Land der Hüte" plaudern, nein, nicht da» luxusliebende Seinebabel, sondern„weit hinten" der Schauplatz der gegenwärtigen KriegSivirren. da» exotische Mexiko, darf auf diesen nierkwürdigen Titel Anspruch machen. Wer tönnte sich in der Tat den Mexikaner vorstellen ohne seinen mächtigen breitrandigen Sombrero! Ohne diese,»nS Europäer» ein bißchen theatralisch er- scheinende Kopfzier würde seinem Kostüm die„Krone" fehlen; e» wäre nur einfach amerikanisch, aber im übrigen eine» Nachkonnnen der stolzen Azteken durchaus unwürdig. Ilm die Wahrheit zu ge- stehen: Der mexikanische Sombrero ist eigentlich gut europäischen Ursprung», da die Spanier ihn bei der Entdeckung der neuen Welt »lit hiniiberbrachten; aber erst unter der Tropensonne Mexiko» hat diese Kopfbedeckung ihren phantastischen Umfang erhalten und ist in der Folge gar zu einer Art von nationalem Abzeichen geworden. Die Reisenden, die zum ersten Male nach Mexiko kommen, sind er- staunt, zu sehen, welche Wichtigkeit dem Somvr-ro in allen Klassen der Gesellschaft beigemessen wird, vom stblzen Besitzer einer Haeienda ganz zu geschweige», der eine prächtige Kollektion Hüte besitzt(von denen der billigste seine fünfzig Mark kostet!), legt selbst der arme Teufel, der in„huarachas", d. h. Sandalen, geht und an de» Luxus von Stiefeln nicht zu denken tvagt, dem nach uiiendlichen Sparkiinsten erreichten Besitz eines Sombrero einen Wert bei, den ein Nichtmexikaner gar nicht abschätzen kann. Mit dieser nationalen Kopfbelleidnng und dem„charo", einer Art kurzer Weste angetan, ist selbst der ärmste Mestize ein Gentleman und pfeift auf alle Welt, den Präsidenten der feindseligen Rachbarrepublik und den Washingtoner Senat eingeschlossen— sogar ganz besonder» ein geschlossen! Unkt Leitung bau4t führt zur.Iialieillschen Partie"). 6...... df.; 7. oX« (IibS!, 8«4 mit gleichem Spiel), 7......t: 12. KXB,»3+ nebst eveul. Kf7. Schwarz steht gut. 4...... Sg8— f« I 5. Sd4Xc6..... Dieser Tenipoverlnst bildet die Schwäche der Eröffnung. Auch bei S. 3c3. I,b4: 6. f3, 0-0; 7. I,e2, d5 steht Schwarz gut. Oder S. Od, SX»!:« I-Xflf, K'XO; 7. Dhöf, MI; 8. Dd5+, KS7; 9. BXe». Do8: 10. OX». Lb4t; 11. c3, TXl>t!c- Schwarz steht gut. Sei 5. r,b5, SXol! 6. 0-0 darf zwar SchwarzReihe sür den Gegner und sollte lieber unterbleiben.(I.dl I) 17...... Te0-d« 18. Tdl— et..... Besser war sofort Tal. 18...... 17— f6 19. Lb2— d4..... Die schivarze Batterie aus der d« Reihe sollte mit l,s5l zersprengt werden. 19...... Lc5Xd4 20. St3Xd4 V<17-k7! Hiermit übernimmt Schwarz den Angriff, den er nüt Kraft und Prä- zssion zu Ende führt. 21. S<14— b5 Td6— d7 22. Toi— cl..... Ans SX«7? folgt de nebst Sdl 22...... d6Xc4! 23. Dd3Xc4 Dk7Xo4 24. b3Xc4 c7— c6 25. Sb5— a3 26.(2—13 27. Tel— c2 28. Tfl-el 29. Kßl— 11 30. Tel— e5 Vorsichtiger tvar: 31. Te-J. 30 3l! kfl— 62? Td7-d3 Se4— o5 Td8— d3 15—14 Kg8— 17 30. TXT TXT; Td2— dlf Der entscheidende Fehler. Mit 31. Kt2. SoO; 32. Ta5, Ttd2t: 33. TXT, TXTf; 34. KU, TX»2; 35. TXa7t je. war längerer Widerstand zu lelstezi. 31...... Sc5-e6 32. TeöXeO..... Gegen Sdlf sonst keine Parade. 32...... Kf7XoO Und die materielle Uebermacht getvann.(„33. eö, Td5; 34. 8e4, Tbl; 35. 8<16, Tgll: 86, K12, T5dl; 37. Tc4, Tdllf; 38. Ke2, Tetf; 39. Kd2, To»; 40. TX«, TXg2t 41. Kd3, TXc5" usw.). Äerantio. Redakteur: Alfred Wielepp Neukölln.— Druck«. Verlag: Vorwärie!Buchdruckerel u.verlag»