VX_W. c�J&m| Unterhaltungsbtatt Ses VorwSets Nr. 1 12. Sonnabend, den 13. Juni. 1314 4] ?us und Recht. Roma n von Fred B. Hardt. Tr. Werner Ootlc nciiifl auf dem Aintsqericht zu tun. Er wollte an einer Veloeisaus nahnle teilnedmen und dabei eine»! Zeugen, der eine salsetv Darstellung gab. unerbittlich ans den Zahn fühle». Eine derartige Arbeit ilbernahni er stets selbst und überlief; sie nicht seinem Assessor. Das Amtsgericht, in dem auch die Räume für die srei- willige Gerichtsbarkeit untergebracht waren, lag in der Mar- schollstraße. Es war ei» Gevände ans den siebziger Iahren, in dein wenigstens für Licht und Luft gesorgt war. Dagegen stannnte das Landgerichtsgcbäude, in dem sich auch das Ober- landesgericht befand und die A immer der Staatsanwaltschaft und der Untersuchngsrichter, aus einer älteren Zeit, init muffigen Sälen und düstereu Gängen. Diese räumliche Trennung von Amtsgericht und Landgericht war für die An- wälte sehr beschwerlich und zeitraubend, da si'e fast täglich ans beiden Gerichten gn tu» hatten und durch das Hin- und Hcrlatifen viel Zeit verloren wurde. Da auch oftmals zur selbe» Zeit an beiden Gerichte» ein Terunu angeseilt War, so blieb es eine tägliche Miihe in den Kan Asien., diese Ter- iiline zwischen den Anwälten so zn verschieben, oab ein Abhalten erntögiicht wurde. Ost mnsite ein gegenseitiges Warten vereinbart uvtven, bisweilen aber tief; sich eine derartige Vereinbarung nicht mehr rrinöglichsn und der Termin musjte vertagt werden, was wiederum den Parteien unangenehnl war. die den Ausgang der Termine ungcd'.ltdig ermatteten. Dieses Hosten, Verschieben und Aendern lvar Dr. Werner in höchstem Maszo zuwider irnd das lange Harte» erniiidete ihn und iiiachte ihn wegen seiner Zwecklosigkeit iingeduldig irnd unwirsch. Sa hatte er schon im zweite n Jahre, als seine Praxis sich vergrößerte, einen jüngere»' tüchtigen Assessor in seine stanzlei nufgcnoilune». dem er die Amtsgerichtstermine abzuwarten überlief; und dei' fast jeden Morgen aus dein Amtsgericht zubrachte. Ihm erschien-dieses Warten ats eine uolweudige Zngache zuni �liiwaltsveruf. dein er sich später selbständig widineii wollte, und das Hin und Herlaufen von Ziniiner zii Zimincr mit vollbevackter Aktentasch? besorgte er niit wichiiger Miene, so das; er bei den Klienieil, die sich ans dem Gericht einsaudrn. den Eindniä hinterlief;. das; in der Kanzlei seines Eheis fnrchlbar viel zu tun. und das; er selbst ein äusterit riühriger Vertreter fei. Da er tatsächlich ein tüchtiger, zuverlässiger Mensch war. de die Termine nach den Weisungen und Insorniationeii von ihm nnrsichtig durch- führte, so sah Dr. Werner mit nachsichtigem Lächeln über diese Wichligtuerei hinweg und lies; ihm im Rahmen feines Könnens tunlichste Selbständigkeit. Ans diese Weise hielt er sich frisch, tind qctvan» Zeit für die größeren, lvichtigeren Prozesse und vor allem für seine Veiteidignngen. die ihn« am ineistei! am Herzen lagen. Dr. Werner trat ans dem Seitengortal des Aniisgerichts und ging schnell über den Holbeinsilah nach dem Landgericht. tvo er»och-zwei Termine abzuwarten hotte. Zu dem Komvler des Landgerichts gehörte auch das tlutersuchungsgefängiiis. das ju einem Nebengebäude nnlergc- bracht war. Tie hohen Mauern mit den eiseuhcschlaqeneu Türen und der runde Turm, der die eine Ecke Hantierte, gab dem Ganzen etwa;- Düsteres, erweckte den Eindruck einer Trnhburg. Die. vielen Fenster, alle in gleichen Avständen,- mit Eisen- gittern bewehrt und mit Holzverschlägen gegen das Licht abgeblendet, verstärkten noch das Düstere, und drohten nach dem tleiuen Plah hin. der von unchternen wäusern umstanden war und dessen einziger Schmuck ein«nschöu.er Brunnen sein sollte, der einen dünnen Wasserstrahl anstvie. Das Drohende des Gefängnisses breitete., sich wie eine uneingcstandene Bangigkeit über den dürftigen Plah mit dem nnschönci: Brunnen und kroa; bis zn den Häusern der einlaufenden Straße bin. Nie spielten Kinder ans diesem Plah. und das Leben auf den Straßen war wie niedergehalten durch die Furcht, daß dort diese schweren Tore fii. jeden offen standen. Bisweilen öfsneten sich auch diese Tore und ein bleicher Mensch init einem Bändel in der Hand schlich scheu aus dem Hofe heraus, blinzelte nach der Sonne, als ob er dieses Licht nicht mehr vertragen könnte, und verlor sich eilig in einer dieser grämlichen Straften. Scheußlich, dachte Dr. Werner, wie er über den Plah schritt, einfach widerlich, dies mitten in der bürgerlichen Stadt. Es fehlt nur»och der Galgen und die mittelalterliche Beschaulichkeit ist da. Sonntag nachmittag drei Uhr wird gehängt mit Volksbelnstigung. Ekelhaft! Die beiden ersten Termine wurden schnell erledigt. Es- war ei» Vergnügen, vor der vierten Zivitkaminer zu verhandeln. Der Vorsitzende war ein noch jüngerer Herr, der mit unverbrauchter Kraft sich seinem Amte widmete. Er be- herrschte die Akte» vollständig und gab selbst kurz und doch erschöpfend ein Resümee und erbat nur die Erklärungen der Anwälte. Seine sichere Ruhe und das Vertrauen, das man in seine Tätigkeit sehte, lies; auch diejenigen Anwälte sich kurz und bändig fassen, die sonst dazu neigten, vor den Richtern »och dozieren zu wollen, ans Freude, sich sprechen zn hören, besonders dann, wenn Klienten anwesend waren da sie wähn- teu, durch viele Moi te das Nertrmie» zu ihrem Wissen bei diesen zn stärken. Nach den beiden Terminen blieb Dr. Werner eine Stunde Zeil, die er nicht ansfiilst'n konnte. Er mußte warten. Er ging nach dein Anwaltszininier, um zu rauchen. Für die Anwälte war in sedxm Stockwerk ein großes Zimmer reserviert, wo sie in ihren Talar schliipsen und sich die Zeit zuüsche» den einzelne!! Terminen aushalten konnten. Als Dr. Werner eintrat, saßen einige Anwälte in. Zini- nier. Die einen arbeiteten in den Akten, andere lasen Zei- tuugen. andere wieder nnterhieltm sich, oder bespräche» irgendeinen Fall, in dein sie lätig waren. Dr. Werner fühlte sich unter seinen Koilegen sreind n»d wie zu ihnen nicht gehörig, lind sein Wesen und sein Ans- treten waren nicht g" ignet. stiue Kollegen anfzunii'nten». ihm nahezukommen. Er lvar höflich und zu jeder Gefälligkeit bereit, aber das war auch alles. Er kam außerhalb des Ge- lichte- mit ihnen»ich. zusammen, war nicht Mitglied der beiden juristisch?» Grjclliatciisvereine. verkeimte an keinem Stammtisch, kegelte nicht und spielte uichi Skat. In den Familie», in denen er zu Huuse war. traf er„iemaks mit einem andere» Anwalt zusammen. Diele verschiedene» nebensächlichen gemeiiisaiuen ErlelHusse, die so viele Menschen miteinander verbinden, daß sie wähven. sich gut zn'euneu und sich befreundet fühlen, das GesüUi der Geineininnileit, das sich ans einer ähnlichen Lebtr.sMrtlng- ergibt, die nach gleichen Zielen strebt, fehlte zwischen ihm»»d seinen Kollegen vollständig. Ein ttäge» Gespräch troddelte zwilst en den Anwälte, r hin und her. das durch den Ruf des Saaldieners nnterbrochen wurde, der Instizrat Pcnimrich abrirs. „Der kann lochen," meinte der dick' Recht sonwakt Th'tiitüus.„der hat den fetten Loi-kurZ Aoleus vst-.>--"i!l?n. Das bringt fünfzig bis sechst.; Mitte ein." „Ja. der Kollege ve; steht's," meckerte Dr. Lcv'. der immer wie nicht sattgcgesse» aussah.. Ich glaube es ist schon der dritte Konkurs in diesem Jahre, den der Kollege bekommt." „Stellen Sie sich dock; auch gut mit dem Aintsgerichts- präsidenleu. Sie haben's ja so leicht." lvars ein anderer ei». „Wieso?"._ „Sie sind Iunggegejelle und der Präsident hat reizende Töchterckieu. Also los! Auf der nächsten Ressource ian an die Konknrsmädels!" Di? Anwalt? lachten und Dr. Levi lachte süü säuerlich mit. Er wußte, des; der Amtsgerichtspräsidenl ein wütender Antisemit lvar. „Es ist doch ein Skandal, daß die Konkurse immer an die- selben Anwälte vergeben werden.' iiieinie er. verbisjen in seine» Aergor. daß ee konkursio.- blieb,„eigentlich sollte sich die Anwattstammer darnin kümmern, daß dies nnparteiischer geschieht." Ein älterer Anwalt beugte sich über seine Akten und schrieb eifrig. Er war auch einet vor. denen Piäsidenkengnaden. Die jüngeren Anwälte blindesten sich z»»vd lächelten. „Die Sckilaska miner wird den Diaaolo tun." ineinte ein Anwalt, der abseits saß und init einem Federmesser sich die Nägel putzte.—„Dort scheu ja gerade die meisten Konkurs- 440 biMlrnflcr. Dk'si' Trodirle? qrbt kbcn so weiter� Wik dos „leiste bei uns. Mo» schimpft n»d keiner tut de» Mund iiu rechte» Augenblick onf." „Wie steht'S mit unserem Vergleich, Herr Kollege Jellnrr?" „Wir wolle» doch die Sache endlich auL der Welt brin- gen." ltnd zwei von den Anwälten vertieften sich in ein Ge- sprach und hielten sich abseits. Eiir anderer Anwalt trat ein. Er lachte laut und biß dazwischen mit gutein Appetit in eine Frülistiicksscniniel. „Haben Sie schon das»eiieste Stückchen von Krantz ge- hört, Kollege Werner?" «Was. hat sich denn der Allgewaltige wieder geleistet?" „Kollege Nathan war im Prozeß Mahrholz Osfizialver- leidiger," erklärte der Anwalt und hängte den Talar an den Naget. Landjwrichtsdirektor Kranh wollte nicht recht an einen BelveiSantrag heran, de» er stellte und lehnte kurzerhand den Antrag ab. Kollege Nathan verlangte einen Gerichtsbeschluß. Kranh wird ärgerlich, muß aber nachgeben. Ter Beisitzer, der lange Mühlmann, flüstert ihm etwas zu. Krantz blättert in den Alten und sagt zu Kollege Nathan:„Ich sehe eben ans den Akten, Sie sind ja nur Offizialverteidiger. Das wollen wir uns doch merken!"— Ist das nicht köstlich? Echt Krantz." Er lachte laut auf und pustete, daß die Sennnelkrüuichcn um ihn herumflogen. Auch die anderen Anwälte lachten. lForts. folgt.) Der Mohrle. Bon H c r m a n n H c s s e. Wo gch Er sollte nicht die Enttäuschungen und»»zähligeGveiden und Kümmernisse des arm geborenen Talents erleben. Er sollte auch nicht an jenen Scheideweg kommen, vor den jeder Künstler ein- mal gestellt wird, wo es zu wählen givt zwischen Treue und Berrat, zwischen unschön erworbenem Geld und Kunst, Heirat und Kunst, Leben und Kunst, und wo viele abfallen. Das alles blieb ihm er- spart. Eines Tages fehlte der kleine Hermann Möhr in der Schule, anderen Tages fohlten auch seine beiden Brüder, und am dritten Tage hörte ich, daß er gestorben sei. Die Nachricht bewegte mich wunderlich. Und dann redete ich auf der Gasse mit einem seiner Brüder, der erzählte mir noch viel von dem Kleinen, und schließlich fragte er mich, ob ich ihn sehen wolle. Ich erschrak, den» ich hatte noch nie eine» Toten gesehen. Aber ich schämte mich meiner Befangenheit und hrclt es für nnfrenndlich, nickt mitzukommen. So folgte ich denn Hermanns Bruder»nd hatte das Herz voll Grausen. Je mehr wir uns dein Tcklosscrhause näherten, desto ängstlicher und lang- sanier wurde mein Schritt und ans der steilen, schmalen Stiege bc- siel mich ein erstickendes Herzklopfen. Wir traten leise in die Stube, wo die kleine Leiche ausgcbettet lag. Zum erstenmal in meinem jungen Leben stand ich vor einem Toten. Das schmächtige Kärperche» sah unscheinbar und dürftig aus, dagegen lag auf dem weißen, schönen Knabengcsicht« die ganze grausam« Größe des TodcS. Die feinen alabasternen Schläfen, bläulich unterlaufen, und die Höhe der zarten Wangen hatten einen eigenen, kühl metallenen Schimmer,»nd die starren Hände sahen so fremd und so trostlos schwer ans, daß ick innerlich vor Grauen zitierte. Ans einem nabc stehenden Tische sah ich eiitige Zeichnungen liegen, deren Striche diese selben weihen Hände noch in den lctzidn Tage» gezogen hatte». Ich brachte eS nicht über mich, die Blnitcr anzufasse», welche die unheimliche Macht aus des Knaben Händen genommen hatte. Auch konnten meine kindlichen Gedanken nicht die Rechnung ziehen, wie vielen Leiden und Entbehrungen dies Leben entronnen war. Ich sah nur de» unbegreiflichen, harten Schnitt, der ein junges und lebenswertcs Dasein scheinbar sinnlos zerstört batte, und ich empfand dies« Zerstörung als etwas Böses, Schauerliches und aufregend Grausames. Ein Knabe hat noch kein Verständnis für die seine Rechnung des Schicksals und sein Rätsel der Möglichkeiten und Ausgleichungen; noch weniger kann ein gc- snndcs Kind sich den Tod als Erlöser denken. So erfüllte mich der Anblick meines toten Freundes mit einer bitteren, fast gehässigen Traurigkeit und einem Urzweiselndeu Staunen vor der unbegrcif- licken Macht und Grausamkeit des Schicksals. Immerhin war ich nun einmal Zuschauer dieses Schicksals gc- Wesen»nd batte einen Menschen mit Augen gesehen, dessen Ring geschlossen und dessen Leben der Forin enthoben war, und ich ging nicht von jenem Totenbettlein, ohne von dem Anblicke tief und un- vergeßlich berührt zn sein. Unmerklich siel an diesem Tage ein Stück Kindheit von mir ab und flog eine frühe trübe Wolke mir über de» tristallcncn Himmel des Lebens, der sich nie wieder so rein und selig über uns wölbt wie damals, da wir noch Kinder waren. Die Keiner wertbunöausfteiUmg. Erst jetzt, vier Wochen etwa nach der Eröffnung der Ausstellung, ist sie soiveit fertiggestellt, daß ein halbwegs zulängliches Urteil über diesen Gewaltausmarsch der deutschen Qualitätsarbeit abgegeben werden kann. In diesen vier Wochen hat sich daS.Material der Ausstellung nicht nur gemehrt, es hat sich auch gesteigert. Der Gc- samteindrnck ist heute ein ivesentlick besserer, und auch an guten Einzelheiten trifft man auch verhältnismäßig tveit mehr, als zn Anfang Mai. Heute darf ma» sagen, daß' die Hoffnungen, die auf die.Kölner Demonstration gesetzt ivorden sind, nicht eitle waren: die Leistungsfähigkeit der deutschen Arckitektur, des deutschen Handwerks und der deutschen Feinindustrie ist an einer Fülle von Beispielen nachgewiesen. Zu einer rcchicn Beurteilung der Kölner AnSstellnng kann man nur kommen, wenn man die AnsstellniigSgeschichte des KnnstgetverbcS kennt, Ivie sie sich während der letzten fünfzehn Jahre ein wenig heftig abspielte. Mit Darmstadt 1901 begann cS; einige wenige Künstler, Maler, Dichter und Phantasten, brannten auf der Mathildenhöhe ein revolutionäres Feuerwerk ab, pfeifende Raketen ließen sie steige», um den Zusammenbruch dcr�alten MuscuniSkünste und das stürmische Heraufkommen des neuen Stils zu feiern. Die Aufregung, dje solch keckes Experiment in die behäbigen Fachkreise brachte, war nicht gering; die Meister der Gilde meinten spottend, daß eS sick um den Karneval einiger Artisten handele. Aber fünf Jahre später bctvicS die Dresdener Ausstellung deutlich, zeigte, daß jene ein wenig mystische' Erregung von der Mathildenhöhe sich z» einer sehr bewußten Arbeitsmethode ausgewachsen hatte. Zwar schien noch immer der Künstler der alleinige Schöpfer des Renen zn sein; noch überwogen die Individualitäten und deren oft seltsame Gelüste. Aber d>e Tendenz zur VeralZgenleincrung der neue» Grundsätze von der sachlichen, zivcckniäbige», inatcrialgerechten und technisch einwand- freien Schvnhcit»rächte sich bereits allenthalben spürbar. Es bedurfte nur»och einiger winschastlichcr Erkenntnisse und einiger praktischer Erfahrungen, l»n an? dein Kunstgciverbe der Propheten die Qualitätsarbeit der zur Kelbstbesinniuig gekommenen Fachleute sich cntwickel» zu lassen. Die Welt- auSstcllnng in Prüsscl liesi zum erstenmal es deutlich erkennen, das; eS sich bei diesem Heraufkommen einer neuen Formcusprache und eines neuen WcrkgefühlS nicht blas; um eine Koketterie einzelner handele. In Brüssel stand Deutschland gegen Frankreich; die Tliraunci der Pariser Mode bekam einen entscheidenden Stos;. Der neue Stil wollte nicht mehr die Befriedigung einiger gezählter Aestheten sein; er beanspruchte die Herrschast auf dem Weltmarkt. ES war nur selbstverständlich, das;alöbald der Wunsch aufsprang, nun einmal umfassend und alle Gebiete durchmusternd, zu zeigen: wie weite Kreise der deutschen Produzenten, der Architekten, der Mobelbaucr und der Gerätebilduer, bereits von dem Ideal der schöne» QualitntS« arbeit ergriffen seien. Aus solcher Absicht heraus wurde der Plan der Kölner Werkbundausstellung geboren; im Deutschen Werkbuud hatten sich die Freunde solider und schöner Arbeitsleistung zu- sainmcngcfunden. So lvvlltc» sie nun beweisen, das; die neuen Forderungen der Warenethik bcrcrts allgemein gültig wurden. Bringt nun die WerkbundauSstellung die Erfüllung solch stolzen Programms? Diese f�ragc ist nicht eindeutig zu beantworten. An dein Inhalt der französischen Hallen von Brüssel und Gent gc- messen, ist das, was es in Köln zu sehen gibt, eine beachtenswerte Aentzerung von Solidität, Charakter und Geschmack. Das Meiste ist auch wesentlich wertvoller als etwa das, was die Leipziger Messe zu bringen pflegt. Man kann getrost sagen, das; die WerkbupdauS- stellung wirklich daö Beste zeigt von allem, ivas Deutschland an Möbeln, Geweben, Keramiken, Metallwarcn, Büchern. Gebrauchs- graphik oder Tapeten produziert. Judessen, nicht minder deutlich mus; man bekennen, datz eine so grotze Ausstellung wie diese Kölner dem Ideal der Qualitätsware noch nicht zu genügen vermag. Wir find noch nicht anl Ziel. Der gute Geschmack lvurdc noch nicht so selbstverständlich, dah er automatisch alleS Unzulängliche abstößt. Unter den Keramiken zum Beispiel findet sich vieles, was einfach schlecht ist, so etwa die an Wellpappe erinnernden Gefäße der B e l t e n e r Industrie, oder manche, ein wcnig�gar zu jugcndstilige Porzellane dieser und jener Manufaktur. Auch unter den Metallgcrätcn gibt eS vieles Unzu- längliches, so die Galanteriewaren von Oberlc. TaS alles aber kann den Gesamteindruck nicht wesentlich antasten, das; die Werk- bundauSstcllung einen ergiebigen Uebcrblick über den Stand der deutschen Qualitätsarbeit gewährt und damit eine entscheidende Etappe innerhalb der EntWickelung der gualisiziertcn Produllion bc- deutet. Solche Erkenntnis ivird besonders ivichlig, wenn man sich darauf besinnt, das; zur Hervorbringung dieser bielsältigen Leistungen ein Heer vonQualitälZhclfern notwendig war. Die Werlbund- n u ö st c l l n n g b c tue ist das Dasein des Qua litätSarbciters. Die Wandlung, die sich vollziehen muhte, Ivenn dem kecken Abenteuer der Künstler der dauernde Bestand des neu eroberten OualitätS- idcals folgen sollte, hat sich vollzogen. War Darmstadt ein Anfang, so ist Köln ein Abschluß. « Auch sonst entscheidet sich einiges auf der Kölner Ausstellung: die mehr pädagogischen Talente trennen sich unverkennbar von den eigentlich künstlerischen. Die geschickten Begabungen, denen eS mög- lich ist, mit alten Elementen ncueS aufzuführen, können von den eigentlich schöpferischen Genialitäten deutlich geschieden werde». Zu solcher reinlichen Sonderling Hilst an erster Stelle die Hallen- architcktur, wie sie von den verschiedenen Meistern geleistet wurde. Die grohe H a u p t h a l l e hat Theodor Fischer anfgeilellt; er hatte dabei eine besondere Schtvicrigkcit zu über- winden: die Fassade kam höher zu stehen als der cigenilichc Hallen- körper. Die Fassade muhte nämlich auf dem sogcuanntcn Hochflut- dämm errichtet iverdcn; die Hallenräumc entwickeln sich jenseits des Dammes. Kommt man nun vom Rhein her, wie die Gesamt- anlagc der Ausstellung dnS notwendig macht, so empfindet man die Fassade der Fischerschcu Halle als einen Abfchlnh, aber nicht als die Vorderseite eines sich tief und groh erstreckenden»lörperS. Ein Pein- lichcr Eindruck. Dazu kommt, dah die Teilung der langen Front, der langen, durch drei Freitreppe» zugänglichen Vorhalle, langweilig und wenig eigenartig ist. Man muh schon sagen, das; Theodor Fischer, der zu den Aposteln der neuen Gesinnung gehört, diesmal arg versagte. An der Rückwand der Wandelhalle sind Bilder der H ö l z e l- schule angebracht, sehr problematische Konstruktionen a»S Menschen- lcibcrn. DaS Schicksal der Fischerschcn Halle teilt, wenn auch gc- ringercn GradcS, die Halle, die Her ni a n n M uthesiuS baute. Sie enthält die Farben schau, eine erzieherisch gut gedachte, vielleicht aber ein wenig zu spät kommende Pregiht vom Reichtum der Welt an roten und blauen, gelben und violetten Sensationen. Mau sieht die mannigfaltigsten Tonleitern durch das Gesieder von Vögeln, durch Schmcttcrlingsstügcl und Käferdcckeu erwirkt; man genieht die Harmonien, die aus Blütcnkronen hervorbrechen; man er- fährt, in wie hohem Mähe der Mensch bei der Farbeubestimmnug seiner Gebilde sich von natürlichen Vorbildern leiten läht. Auch über die Bedeutung der chemischen Farben wird man in diesem Hause unter- richtet; man liest, dah eine dieser Fabriken, die aus Steinkohle tauscndsache Buntheit hervorzaubern, clftauscnd Angestellte hat. Man wird auch über die Versuche, � die Lichtechthcit der künsilichc» Farben zu steigern, belehrt. Kurz, diese Farbenschan ist eine recht lustige Schnlmeistcrci; leider geriet auch das Haus ein wenig magistcrlich, MuthesiuS, den man aufrichtig einen Präzcptor der Deutschen ncnucu kann, dessen Landhäuser die Villa löteten, leidet wie so mancher au einer falschen Sehnsucht: er möchte monumental sein. Das hat er nun aber eigentlich gar nicht nötig; denn er ist tüchtig. Reben diesen pädagogischen Begabungen treffe» tvir in Köln die historischen Jongleure, geschickte, bis zum Raffinement klügelnde, zuweilen aber auch plumpe Mischer von Säulen und Pilasteru, von Gesimsen und Qruainenten früherer Zeiten. Zu den plumpen gehört der Kölner Moritz. Er bombastcle ein torartiges Gebäude iiu dem die Verwaltungsgebäude untergebracht sind) aus ägßptischen Erinnerungen. DaS eigentliche Kölner Haus ist gleich- falls ein Ausguh auS verstaubten Resten. Auch das TeehanS, das Wilhelm Kreis auf der Plattform einer alten Bastion spielen läht, ist hier zu neuiicu. wenngleich eS architektonisch manche Feinheit auszuweisen hat und die Faust eines Bildners verrät. Auf- fallend schwächlich gerieten diesmal die Bauten Bruno Pauls; sie wirken dünn. Paul bekam die grohen Restauratioiien zugewiesen: davon ivollte er das WeinhauS besonders festlich gestalten, es gcricr ihm aber nur gespreizt. Architektonisch stark wirken nur lvcnige Bauten. Die grohe Fest- Halle, die Peter Behrens schuf, vermag durch ihre Hauptfront nicht zu fesseln; überzeugend und in ihrer kubischen Wucht bc- zwingend aber ist die Rückseite. Im Innern gar verdient diese Halle hohes Lob. Sie ist von einer ganz absonderlichen Helligkeit; man sieht kaum irgendwelche Fläche, nur raumgliedcrndcS Rahmenwerk, und auch diese? wirkt beinahe nnmateriell. Solcher Eindruck des kubisch eiugefangenen und architcktonisierten Lichtes ist uiigemcin sestlicki. Der Behrcns-Halle gegenüber, von ihr durch die Breite dcö HauplsorumS getrennt, steht daS«österreichsche HauS, das Joses H o f f m a n n baute. Wir erleben eine sehr kapriziöse, aber kristallklare Architektonik. Zunächst mag man nur das Ungewöhnliche der Form wahrnehme»; bald aber spürt man daS gefühlvoll«! Leben dieser Mahc und Verhältnisse. Für Hosfmann bedeutet ein Minimum die Entscheidung; solch Fanatismus war von jeher das Wahrzeichen der grohen Kunst. Sehr schön ist auch der Hof in diesem österreichischen HauS; abstrakt und doch sinnlich, gestaltete ihn Oskar Struad. Eine ganz andere Natur, aber gleichfalls ein Künstler ist Van d e V c l d e. der das Theater baute. Seine Absicht geht dahin, die tcktonischcn Kräfte, die rege Iverdcn müssen, um aus dem un» endlichen Raum einen gcgrcnzten abzusondern, sichtbar zu machen. Man soll suhlen, wie die Mauern umfassen, tvie sie sich emporrecken, um im Jenith zusammenzugrerscn, lvie da? Dach sich herabsenkt, tvie die Tür sich öffnet. Man soll dies alles als eine Sinfonie und als etwas stetig Lebendiges empfinden. Kunst ist Blut und Nerven: das ist daS Geheimnis, das uns Van de Velde auch diesmal offenbart. DaS Innere dcS genialen Baues läßt sich noch nicht ganz bc- urteilen; eS ivird das Bühnenbild, weil die Bühne breiter ist als der Zuschauerraum, ungewöhnlich erhaben, fern und doch nah wirken. Neben dem Theater dcö germanisierten Belgiers verdient die Fabrik, die GropiuS seiner auS dein Nachwuchs) baute, besondere Aufmerksamkeit. Ihr strenger und klarer NhhthmuS ist eine Verkündigung des Eisernen. DaS Koutor- hauS, das der begabte Architekt vor die langgestreckte Fabrikhalle stellte, und daS neben dem Vcldethcater und dem HauS der Frau das klcincie Forum abgrenzt, ist weniger gelungen; eS wirkt zu absichtlich. Die gläsernen Treppcntürme, die an den beiden Ecken der senkrecht gestrafften Fassade stehen, verblüffen mehr, als dah sie überzeugten. Immerhin, GropiuS gehört zu den produktiven Künste lern; zu ihnen zählen auch Obrist, Endell und Thorn-Prikker. Von O b r i st ircffcn lvir zwei seiner plastisch lebenden Brunnen. Endell schnitt eine Rannifolge mit geometrischem Instinkt auS dem Ilnbegrcnzten. T h o r u- P r i k k e r organisierte GlaSfenster, von denen Ströme glühender Mystik a»S- gehen. Diese Fenster, die für eine Kirche in Ncuh bestimmt waren, von dem Fürstbischof aber als„modern" in die Acht getan wurde», sind in Köln in einem eigene» Hanse zur Schau gestellt. Wie ein feuriger Tcppich, die Legenden, die das Thema bilden, in Heiher Erregung umsetzend, sind diese Glasbilder zugleich eine Aenhcrung künstlerischer ZerigungSmacht, zugleich ein ehrenvolles Dokument handwerklicher Vollkommenheit. Gottfried HcincrSdorff heiht der Glascrmcister. DaS Gelände, aus dem'die WerkbrindauSstellung aufgebaut ist, breitet sich am User deS Rheins ans. Drüben ragt die klassische Silhouette der Stadt: als mannhaste Zeugen der alten Kniist heben sich die Türme der romanischen Kirchen. Der golhische Dom, eine schematische Nachgeburt, wirkt, wcnir die nielodiösen Luft- trübnngcn ihn unbestimmt erscheinen lassen, mjt gehcimniZ- voller Größe. Das strömende Wasser des weit ausladenden FluffeS wird von rauschenden Dampfern anfgerissen i das hcflige Leben des JndlistriegebieteS stöht dauernd vorüber. Die WerkbnndailSstcNiing batte es'nicht schwer. ri»e'bezwingende Gesamtwirknng zu erreichen. Wen» man heute ihre breiten Strahe» und Plätze, wie sie der Kölner Stadtbaumcister ReHorst bestimmte, abschreitet,»lud dann bedenkt, das; die Idee, der sie zur Demonstration verhilsi, erst knapp zwanzig Jahre lebt, so mus; man zuversichtlich auf die weitere Entwickelnng des D. W. B.-ProgramineS, der schöne» QualitätS- arbeit und der zeitlich belebten Form, verirauen.- Robert Breuer. — 448— Kleines Feuilleton. Karl Arruzel über bie Berliner März tage. Der eben verstorben- alt- Frenze! erzählt in einem der l'etannlen Stcllam- Bändchen seine lbrinnermigen auS dem Jahr« Recht nnschauli�»veih Frenze!, der damals Äymnasialschiilcr in Berlin war, die Slimmnnne» und SIrömunge» de? vormärzlichen Berlin zn schildern. Bis in die Schul- bänke hinein warsen die Märzsliirme ihre Schalten voraus. Und aerade die Schüler lasen die damals verbotenen Bücher ain eifrigsten. Die.»npoliliichen Lieder" tzoffmannS von Fallersleben, HerweghS Gedichte eine? Lebendigen. Heines und FreiligratbS Lieder wanderten von Hand zu Hand und von Mund zu Mund. Seine Mutler und deren FretUidinnen hatten, als Karl Sand wegen der Ermordnug des russi>chcn Spions Kotzebne hingerichtet wurde, Trauer getragen. Gewist auch ei» Zeichen der Zeit. Waren doch alle diese jungen Mädchen anS gut bürgerlichen Häusern. VllS junger Mann von l? Jahren machte er mit anderen Schülern einen Fackelzug mit, der de» beiden Brüdern Grimm zu Ehren veranstaltet worden war. Diese beide» geholten zn den Göltinger Sieben, die der König von Hannover, iveil sie nicht willfährig genug waren, kurzer Hand davon gejagt(jatte Die' narcrcignisse in Paris, die revolutionären Erhebungen in Italic:, und vorber in Drnlichland die Hungerunruhen— alles da? hatte die Gemüter in beständiger Erregimg gehaNen AIS»,in die Rachrichlen anS Wien nachrUerlin gelanglrn, wnrdc die Stininumg inrnler erioarlimgSvoller..Wir Schüler wlirde» nnanfmertsamer, die Lehrer gleichgültiger gegen den llnterrichtSstoss". Anspielungen ans Tagcserrignisic mischien sich in die Lektüre PialoS. Lehrer und Schüler horchten gespannt auf jede» Geränsch, das etwa von der Strastr her eindrang in ltic heiligen Hallen der Schnle. Anch in die Familien hinein zog die poliiische DiSknssio». Parteien bildeten sich: es lvar ein ganz neneS, früher nie getannteS Leben. To bereiten sich die bekannten Märzereigmjfc vor, die uns Frenzel als Augenzeuge ichildert. Seine schlichlc Art, die Ding« wiederzugeben, zerstört manche? patriotische Märchen. Immer und immer wieder wird von der planmästige» Vorbereitung und Organisation der Barrikaden- känipsc erzählt. Svkann man in den neueren Auflage» von Schlossers Wcltgefchichic lesen:.Z» allen Toren Berlins war in diese» letzlen Wochen und Tagen revolntionäreS Gesindel riiigeströait, Polen, Franzosen, in den Künsten der Erneute nr.d de? Slrnsten- kämpfe? erfahren,..." Von„wohl vorbcreilrlen Barritaden" ist die Rede, ans denen französische und polnische Konmxnrdoworle ertönen Der Prager Professor Weber„vermutet" in seinem Büchlein ll!ä8 sAnS Natur und GcisteSwelt), dost die Plätze für die Barrikaden schon vorher ninsichtig ausgewählt seien nach einen, flx»nd fertig ausgearbeiteten Kriegsplane. Ein anderer bebauplet sogar, eS sei«ine internationale lliusturzpartei gewesen, die alle Erhebungen angczeitclt habe. Ganz anders ist da? Bild, da? der Augeuzenge Frenzel nnS von jenen Tagen enllvirft. Er weist nichl? von Verschwörer», von inter- nalionaleii RevolulionSdanden, die die Auzcltclung von Aufständen bandwerkSmästig betreiben. Hören wir ihn selbst:.Keine,Vor- bcrcitnng des Ausstände? i» irgendeiner.Kirche. Fabrik oder Schenke, keine verdächligen Gestalten, Polen»nd Franzosen, die Fünf- krankstülk« an die Arbeiter verteilten.— Berlin lag im ticjslei! Frieden." Dnst die Revolution von lvirklich anfangs eine Sache de? ganze» Bürgertum? lvar. beweist auch die Tatsache, dast das Bürger- l»m den hnngernden Soldaten keinerlei Speisen verabfolgen wollte. Nicht für Geld»nd gute Worte lvar etwa? zn haben. Wer nicht geradeheraus die Hergabe von Speise und Trank zu verweigern wagte, redete sich damit bcra»?. dast er sich bei dem erzlvmigencu Schlust der Läden nichl häilc versorgen können. Von den sogenannten»bjettiven Historikern lvird dem Berliner Volke auch der Ersolg de? lb. März besiriiten. Der Bcscbl zum Rückzuge de? Militärs sei nur ein verhängnisvoller Jrrtrun gewesen. Nichl dn? Volk, sondern das Militär fei in Wirlichkeil Sieger in diesen Kämpfen geblieben. Frenzel bestätigt den Sieg de? Volkes in der Nacht des 18. März. Fan überall, io sagt er, habe nicht die Perleidigiiiig, sondeiii der Angriff aufgehört.' Die Berliner, dir nntkämpsend oder als Zuschauer diesen Szenen beigewobut und jetzt den Al�ng der Truppen a»S allen ihre» Stellungen sahen, mustlrn au ibivn Sieg und au die Niederlage der Gegner glaube». Am lll. März war die„objektive" Geichichisdarstellniig»och nicht fest- gestellt. Jeder hielt sich a» de» Augenschein,, und die Austritte, die sich im Schlöffe abipielien, bezeugten den Sieg des Polles. Au der Beerdigung der Gefallenen des kN März hat Freuzel wiederum mit feiaeu Milschi'ilrr» teilgcnoiniueii„Drei Stande»« währte der Zug uiid»vir Schüler waren iveil zurürk. als die eisten de« Friedhof erreicht batlen." Auch in den Tagen nachher lvar in Berlin von fremden Vcrichwöreru nichts zu iiikiteu,„Die Fremde», die zur Rebolutio» geschürt haben sollte», sind mir m diesen acht Tage» uicht begegne». cbeii»oil>eiiig wie die Verschwörer, die cineu Plan zum Auislanb in der Tasche hatten." So«uterichcidet sich der alte Frenzel zu seinem Vorteil von dein Tiost der zünftigem Geschichtsschreiber, und er verdient es wohl, l'ast�».»aer gedacht»vird « üteranlw Revakteur: Ättrr» Wielepp. Neukölln.— Druck u. Verla«: Schach. Unter Leitung von S. Alapin. » d e 6« t£ h tl CO L B c a 3 aa bi Z fO ■(f oe. CK 1 3, s Wir erfahren, dast Preisrichter der Petersburger SchönbeilS- preise Meister A. Vnrn in London lvar. Ohne dieS zu wissen. bcinängellcn wir o»i l). Juni das llrieil, da? der von unö ain 9. Mai gebrachten Partie Aicinzowiiich— T n r r n s ch nur de», ziveitcu Platz«inräliiiite. AnS de» Glossen des Preisrichters zur letztere» Partie erfahren Wir»u» folgende zwei Begründungen. die angeblich gegen»niere Ansicht sprechen. Erstens soll die Partie eine, g c>v i j s c A e h» l i ch k c i t" haben mit einer Amsterdamer Partie LaSler— Baucr cp 1889..). Wir glauben aber, das; die Forde«»mg absolnler Originalität nur>» Probleiulninicren gerechtseriigt ist,»vo die Bciverber in aller GeinüISrnhe in Schach« bibliothelcn nach allen Mustern benimstöbeii» können. Die Vcr- nlutung.hingegen, dast ein Meister bei einer mit knapp beuicsscuer Bedenkzeit gespielten Turnierparlie. in der auch des Gegners nu» berechenbare Willkür die Positionen baut riue Partie von A u n o T o l> a ck �1889!..) einfach an? seinem übermenichlichen Gedächtnis n a ch a h m!. scheint im? höchst seltsam!?.. Der zweite Grund ist etwaS sachlicher: Nach den» 28. Zuge von Weist in der Partie Nieiuzowilssch— Tariasch eulstand folgende Position: Weist— Kc3. Do". Tel, l,b2, MB:!<2, I>!l, dä, ei. Schwarz(am Zngei— K�8, Dg2. TMS, f. IT, HB: k7, ffi, f5, cö,»7. Ju dieiec Slellnng kau» dnich Ngllf! ein li i erzivirngen»verde», slait dessen Dr. Tarrasch 28...... flf spielte, was nur ein 9>. zur Folge hat. Jedoch auch die Forderung kürzester Z ü g e z a h I ist nur sü» Probleme obligatorisch. Wen» sie schon bei lünsiliche» Eudspielstudiei: nicht mehr wesentlich ist, i»»nust snr«ine mit nur d»rch>chnilllich vier Mmutcn pro Z»ng Bedenkzeit gespielte Partie, billigeriveise i» Bciracht gezogen iverden, dast mau beim 28. s!> Zuge»«ehr oder weniger in Zeitnot»st s erblickt, so wird man niiht riSliercu, die Partie durch Zeitüberschreitung noch zn v e r- l i e r e n, um ebentnell ein kürzeres Mall zu sinden. Ein dritler SchönheitSpreis wurde in Petersburg auch noch »achsleheiidcr Paitie zuerkaunl: Unrcgelinäpiq. Llsclcburnc. ttieinro.iwcd. 1.4— f5 17. tfJ— el 18. S U—« 19. n?—«3? M» l.bli! liidlc »orteil. 20. T;il— dl 21. Tdl—<12 22. a3Xb4 23. c3— c4 24. 1)02-13 � K l Sd4Xe21 Ti8— c8 I.dll— f8 KirS-h« Dd8-d7 »7— ar. 1)7— b5 ichwarz PoglionS- Ta8— b8 bo— b4 a5XI'4 TbS—«8 TmS—:i2 K7-g» ieinetl Glosjen, dast sein piriSgeti linier 2andSi»a»i» tebensallS im 2S.(!) Zuge) die I ii r z e sl c Fortschiiliii: 28. Dhü. 1)17; 29. tfi. I» ffüs; 30 U; T), hXfch; 31 RXT ic. (SeS— c7— da) nnleilaslen hat?... 28...... 29. L/LXe» 30. Lo3Xd4 31. oixn» 32. Tfl-ol 33. I)f2— li4 l>d7— cO DcliXeS v5X.d4 1 ,o.(> d7 1)08-n Ta2—;i8 ... I-XK.? 34. Tf2 nclut Teft. 34. Td2— f2 35. I>li4— gt 38. TotXeft 37. 772, 2 38. Te2— e8 39.— gk 40.'I'oOXKO 41. llpsl— fi:3 42. T««-k:4 I.d7-c« T)>8— 08? I»l7Xn8 4)08-<>7 I.o8— iG h7XK» T)d7— b7 l)ti7-1,5 Ausgegeben. Vorwärts Äuchdruckerr» ll.VerlagSaiijtail Paul Singer chCo.,»berlin LW.