>»« tv m lfnfertyaffüng0t>läTf Oe& Vö>twäct& Nr. 113. Dienstag, den 16. Juni. 1914 m?us und Recht. Roman b o u Fred B. Hardt- ..DaS ist stark," sagte Dr. Werner.„Und tvaS hat Dr. Nathan geantwortet?" „Nichts, er nahm das ganz mhig hin." „Ich weife wirklich nicht, was ich skandalöser finde, diese Dreistigkeit von Kranh, oder diese Schlappigkeit von Dr. Nathan." „WaS sollte er machen?" warf ein Anivalt ein, der i»n- ständlich seinen Bleistift spitzte. „Herrgotts Donnerwetter! Die Aenfeernng protokollieren lassen, den Antrag auf Unterbrechung der Verhandlung stellen. Sofortige BesclWerde an den Landgerichtspräsidenten «nd Krantz hätte in einer halben Stunde die Beleidigung vor dein Schwurgericht zurücknehmen müssen. Der Fall ist eine tolle Mifeachtung des Offizialverteidigers. Und es ist januner- schade, dofe Krantz gerade an den Unrechten gekoinmen ist, der sich das einfach hat gefallen lassen." „Das kann Ihnen doch ganz gleichgültig sein," sagte Dr. Revi.„Sie sind ja nie Offizialverteidiger." >,Ich weife sehr wohl, wo sie hinauswollen, Herr Dr. Levi," entgegnete Dr. Werner ernst.„Sie nieinen, vorhin, in dem Gespräch über die Willkür des Amtsgerichtspräsidenten bei Verteilung der Konkurse habe ich geschwiegen und jetzt, wo eine ähnliche Willkür einein Offizialverteidiger gegenüber sich zeigt, ereifere ich mich. Ganz recht. Nur übersetzen Sie einen enormen Unterschied. Wenn der Amtsgerichtspräsident inmier wieder einige wenige unter den vielen Anwälten als Kon- klirsverwalter aussucht, bringt er den oder jenen um eine sohnende Einnahme, auf die er ebenso wie die Ausgewählten ein Allrecht hätte. Das ist ein pekuniärer Ausfall in der Praxis. Ist mir aber vollständig gleichgültig, so gleichgültig, dafe ich mich an Ihrer Diskussion, die sicherlich aus dem reinsten Gefühl der Unparteilichkeit herauskam, gar nicht be- teiligt habe. Dieselbe Willkür läfet der Landgerichtspräsident lvalten bei der Auswahl der Offizialverteidiger, indem wie dort der Aintsgerichtspräsident die Konkurse, so er die Offi- zialverteidigimgen nur einem kleinen Kreis von ihm genehmen Anwälten zuwendet. Das ist ein höchst gefährlicher Abusus »lnd in der Wirkung ganz etwas anderes." „Wieso?" Warf Dr. Levi ein. „Der Zusammenhang dürfte nicht so schwer zu finden sein. Ist Ihnen nicht bekannt, dafe Dr. Renker. der am An- fang seiner Praxis öfters zum Offizialverteidiger bestellt wurde, nie wieder dazu-ernannt wurde, nachdem er einmal jm Schwurgericht mit den: Vorsitzenden Berchttzold zusaminen- prallte? Dafe Dr. Anfdembusch, ebenfalls früher öfter? Offi- zialverteidiger, übergangen wird, seitdem er im Strafprozefe Grünlich gegen die suggestiven Fragestellungen von Staats- anwalt Wächter Front gemacht und sich bei der Generalstaats- pnwaltsck>aft beschwert hatte. Und derartige Fälle sind noch öfters vorgekommen. Der Laudgerichtspräsident ernennt nur solche Anwälte zu Offizialverteidigern, von denen er an- pinimt, dafe sie in ihrer Eigenschaft als Verteidiger weder dem Gericht noch der StaatSanwaltsckmft Schwierigkeiten bereiten, lind Wenn nun einer gegen die Selbstherrlichkeit des Vor- sitzenden oder die Uebergrisfe des Staatsanwalts in durchaus berechtigter Weise ankämpft, mit dein Augenblick wird er still- schweigend gestrickten ans der Liste der Offizialverteidiger. Darunter leidet die Würde des Anwalts, denn man will ihn unter die Oberaufsicht de? Landgerichtspräsidenten zwingen, was sich mit der Unabhängigkeit des Anwalts durchaus nicht verträgt. Und aufeerdem wird dem arinen Teufel im Schwur- gericht ein tüchtiger Verteidiger vorenthalten. Und die Be- .stätigung dieser Auffassung gibt Ihnen Landgerichtsdirckor Krantz selbst. In diesen frechen Worten:„Sie sind ja nur Offizialverteidiger, das wollen wir uns mal merken!" liegt eine so verletztende Mifeachtung gegen uns Anwälte, und nicht nur gegen diejenigen unter uns, die verteidigen, das; man an- nehmen niiifete, dafe auch Ihnen, Herr Rechtsanwalt Dr. Levi, die Sack;« klar werden dürfte." Dr. Werner hatte immer erregter gesprochen. Er sah vor sich das kalthöhnische Gesicht von Landgerichtsdirektor Krantz und ain Verteidigertisch diesen armseligen kleinen Rechtsanwalt Nathan, der sich diese Frechheit hatte gefallen lassen, und da» entfachte seinen Grimm, seine Empörung. „Die Diskussion geht reckft hoch,»reine Herren," Iustizrat Dr. Franke war eingetreten und hate die letzten erregten Worte von Dr. Werner mit angehört,„unser verehrter Kollege Werner ist ja ganz Cato." Justizrat Dr. Franke war ein jovialer älterer Herr, der seine Praxis mit Mufee betrieb, allerhand Liebhabereien hatte, das Ehrenamt eineS Stadtverordneten bekleidete und Vorsitzender der Antvaltskaimner war. Er War Dr. Werner wohlgesinnt, lächelte bisweilen über sein Ungeftiiin und meinte dann immer, wenn er mal älter sei, werde er solch; Sachen auch leick?ter nehmen. Doch diesmal sagte er, nachdem man ihn über den Vor- gang ausgeklärt hatte:„Das ist eine tolle Stiche, die sich da Krantz geleistet hat." „Um Gotteswillen, mein verehrter Herr Kollega, wa? geht denn da? die Anwaltskanuner an! Das ist eine ganz private Angelegenheit zwischen Krantz und Dr. Nathan." „Schlafkammer," dachte Frank Werner, laut sagte er» „Ich bin gar nicht Ihrer Ansicht. Herr Iustizrat. Die An- waltskammer ist dazu, da, die Ehre des Anwaltstandes zu wahren, also ebenso verpflichtet einzugreifen, wenn diese von anfeenher verletzt wird, als wenn ein Anwalt sie aufeer acht läfet." „Na, na, WaS sollen wir denn tun, mein junger Freund?" „Sich solidarisch mit Dr. Nathan erklären. Den skanda- lösen Vorfall dem Iustizmiiüsteriun; unterbreiten und darauf dringen, dafe sich Krantz entschuldigt und aufeerd-m vom Vor- sitz im. Schwurgericht ausgeschlossen wird. Ein Vorsitzender, der sich so etwas leistet, um so mehr, da dies nicht der erste Uebergriff von ihm ist. besitzt nicht mehr die Objektivität, uiu den Vorsitz in einem Schwurgericht zu führen. Es ist genau derselbe Uebergriff. wie ihn sich voriges Jahr Landgerichts- direktor Wiener geleistet hat. als er bei der Rechtsbelehrung der Geschworenen seine Auffassung und nicht die des Gesetzes auslegte, und dazu hat die AiNvaltSkammer auch geschwiegen. Wir Anwälte sind doch weife Gott nicht Juristen zweiter Klasse." „Ach. mein Verehrtester. da?> gibt eine endlose Schererei. Dr. Nathan soll sich beschweren. Aber die Anwaltskanuner, nein, sie bat damit wirklich nichts zu tun." Dr. Werner bis; sich auf die Lippen. Er sah ein, dafe gar keine Hoffnung war, den alten Herrn aus seiner behaglichen Ruhe aufzustacheln. Er war ärgersich. dafe' er sich hatte hiu- reifem lassen, ganz zwecklos. Denn dafe auch die anderen An- wälle diesen dreisten Uebergriff des Landgerichtsdirektors Krantz nur als eine amüsante Episode anffafeten. über die sie zum Schaden eines anderen lachen konnten, hatte er an? dem Sckgveigen, das seinen heftigen Worten gefolgt war, herausgefiihlt. Und er mnfete immer derjenige sein, der für andere ein- trat! Da? innfete er sich noch abgewöhnen. Und er nahm sich das fest vor, wie schon so oft. Er sah nach der Uhr. Es war Zeit, den Untersuchnngs- gefangenen aufzitsuchen. Er nahm seine Mappe und ging init einem kurzen„Guten Morgen!" aus dem Anwalts- zimmer. Er ging unmutig riach der kleinen Nebentreppe, die zum Gefängnis führte. An diesem Korridor lag der Sitzungssaal der zweiten Strafkammer. Wie er in Gedanken verloren da- hinschritt, gellte eine Frauenstimme ans dem Saal, Man hörte Stofeen und Drängen, ein Stuhl fiel um, eine tiefere Stimme, die Stiimne eines Mannes. Die Tür wurde heftig anfge- rissen und eine erregte Menge drängte heran?, die eine schreiende Frau umringte. Ein Mann, der einen Knaben voll zehn bis zwölf Jahren an der Hand hielt, suchte sie zu be- ruhigen und sprach auf sie ei». Etwas abseits von den Leuten stand ein älterer, vielleicht fünfzehnjähriger Knabe. Der Saaldiener schob die Leute vor sich her und schimpfte, sie sollten machen, dafe sil: fortkämen, hier wäre keine Wärme- halle. „Mein armer Junge! Mein armer Junge!" schluchzt«; die Frau auf,„haben denn die gar kein Herz im Leibe?" �por eine Tröttinc Tjtoucm"JlTbcHtexMaute rn\l' tcfwfcu Zügen. Ter Mann nxir im Sonntagsanzug und hatte große abgearbeitete Hände, die aus den zu kurzen Aern»eln heraussahen, als wollten ße»ach ettvas Sckiwerein fassen, um zuzuschlagen. „Komin, Anna. Koinm nur, die Saä)e muß weiter- gehen." Der Mann hatte ein ganz zormgeS Gesicht und seine Stinnne war heiser vor Erregung. Aber die Zrau achtete nicht darauf. Sie riß das Kind an sich, iws wie tcilnahmlos dastand und die Leute ansah. „Mein armer Maxi Mein Maxchen I Zur so'ne ver- daiiuute Sonnenrose drei Monate GefängnisI" Das Kind fing setzt an zu weinen, laut, stoßweise, nur weil die Mutter' es an siär drückte und alle die fremden Men- fckren es anstarrten. „Weiß Gott,'s ist ein Skandal." sagte ein großer, hart- knochiger Mann, der neben dem Vater stand, und drückte ihm die Hand. „llnd das nennen die Gerechtigkeit. Drei Monate für so'neu Scheißdreck," brummte ein anderer mit finsterem, verkniffenem Gesicht. „Ach Gott, ach Gott, mein Maxi Haben denn die keine Kinder!" jammerte die Mutter und sah wie hilfesuchend von einem zum anderen. „Das Herz im Leibe tut einem weh," meinte eine Zrau rmd strich dem Briden über das Haar. Der große Junge hörte ernst zu, er hatte beide Hände rn die Taschen seiner blauen Hose gesteckt. Ter Saaldiener fuhr zwischen die Leute wie ein bissiger Hmid und schnauzte.„Sie sollen fortgehen, hier auf dein Gange können Sie nicht stehenbleiben!" „Na, mir nicht schubsen!" ..Man friedlich!" „Sachte, sachte, wir gehen schon." Dr. Werner war stehengebliebeir und beobachtete die Leute. Er fühlte den Zusammenhang: irgendein juristisch wohl begründetes Urteil hatte Menschen verwundet und sie sollten ihren Schinerz nicht zeige». Einer ans der Gruppe hatte sich nach ihm unigedreht, er sagte etwas zu dem Vater des Kindes, er mochte ihn erkannt haben. Der Mann sah sich nm und blickte Dr. Werner mit verbitterten Augen mißtrauisch an. Da sagte der andere noch etwas, und das Mißtrauen schwand aus seinen Augen. „So— der?--" Der Mann zögerte einen Augen- blick, dann ging er auf Dr. Werner zu. etwas verlegen und nahm seinen Hut ab.(Forts, folgt.) Das Jubiläum eines Schanöflecks. Aus der Schiociz wird uns geschrieben: Puttkamcr und Kon- forte» sind schuld daran, daß die Schiveiz heute ein trauriges Jubiläum feiern kann: das 25jährige Bestehe» der politischen Polizei und der B u n d c s a n w a i t s ch a f t, d. h. der systematischen Ueberwachung der revolutionären Bewegung. Es war der schuftigste Streich, der je im Deutschen Reichstage versucht wurde, als am 27. Januar 1888 der Puttkamer jene Expatriierungsvorlage einbrachte, wodurch die Sozialdemokraten heimatlos gemacht und nus Deutschland ausgeiviesen werden solltenl Daß die Vorlage später mit allen gegen die Stimmen einiger Präto- rianer abgelehnt wurde, nimmt dem Versuch nichts von seiner Er- bärmlichkeit. In der Debatte über diesen gemeinen Streich der Regierung enthüllte Genosse Singer das Treiben der Spitzel Schröder und Haupt, die im Solde der preußischen Polizei standen und in Zürich ein Anarchistcnblatt herausgaben, besten Artikel dann den Sozialdemokraten aufs Konto geschrieben wurden. Es wurde der Beweis geliefert, daß die politische Polizei für Geld Spitzel dang, damit sie anarchistische Verbrechen begingen! lind loeil der Züricher Polizeihauptmann Fischer den Abgeordneten Bebel und Singer daS schamlose Treiben der beiden Spitzel Puttkamcrs amt- lich bescheinigte, antwortete der entlarvte Puttkamer mit einem Wüsten Geschimpfe auf die Schiveiz. lind die Schweiz? Sic ließ sich einschüchtern! Der Bundesrat desavouierte den Züricher Polizcihanptmann und dachte in seiner Angst nicht eininal daran, Herrn Puttkamcr für seine Beleidigungen zur Rechenschaft zu ziehen. Im Gegenteil! Wenige Wochen später forderte der schtvcizcrischc Bundesrat infolge der Spitzelenthiillun- «* w\t> ihre dumme Drohung wahr machen und Repressalien gegen die Schiveiz einleiten. Aus demselben Grunde gab die Schiveiz auch am 18. Mai 1888 dem Drängen der preußischen Reaktionär«»ach und wies die Genossen Bernstein, Schlüter, Motteler un8 Tauschet wegen ihrer Herstellung des in Deutschland verbotenen„Sozial« demokrat" aus! Auf diese Weise entstand die Institution der politischen Polizei in der„freien" Schiveiz. Aber Deutschland verlangt« mehr! Und die Schweiz gab und gab. Ostern 1889 verhaftete der aargauische Bczirkshauptmann Baumer den Polizeiinspektor August Wohlgemut aus Mülhausen, der nach Rheinfclden gekommen war, um den Schneider Lutz als Spitzel zu �engagiercil, dem er schon vorher de»» Rat gegeben hatte:„Wühlen Sie nur luftig drauf los!" Bismarck lvar wütend über diese neue Blamage der Polizei und erging sich in groben beleidigenden Ausfällen gegen— feine» Kumpane» Puttkamer, der die'Blamage verschuldete? O nein— gegen die Schweiz! Weil ei» schweizerischer Beamter gewagt hatte, eine» preußischen Halunken zu verhaften, der auf schweizer Bode» ehrliche Leute zu seinesgleichen machen wollte, drohte Bismarck sogar, daß er die Frage prüfen lasjen werde,„ob die Neutralität der Schweiz nicht hinfällig geworden sei". Und in der Tat ging er sogar soweit, an» 20. Juli den drntsch-schwrizerischen Riederlassungsvertrag zu kündigen I llnd die Schweiz? Als die kleinere hatte sie Furcht vor den« Große» und lieh sich die Beleidigungen ruhig gefallen; ja, sie tat sogar Bismarck den Gefallen, den Schneider Lutz, der sich nicht zum Werkzeug des Puttkamer hatte erniedrigen wollen, trotz der anae» botenen 200 Fr. Monatslohn, auszuweisen, und obendrein legte sie am Ib. Juni 1889, um Deutschland gefällig zu sein, das Gesetz übet die Bundesanwaltschaft vor, das bestimmte revolutionäre Richtungen— die Anarchisten mußten als schlvarzer Mann herhalten unter die ständige Aufsicht der politischen Polizei stellte und den Bundesanwalt mit ungeheuren Machtmitteln betreffend Ausweisung „lästiger Elemente" usw. versah. Und diese? Gesetz wurde, da da- mals noch kein Sozialdemokrat in der Bundesversammlung saß, am 28. Juni einstimmig angenommen. Deutschland also ist eS gewesen, daS der Schiveiz diese schänd« liche Einrichtung aufgezwungen hat. Und zum Bclocise, daß man sie nicht gegen die Anarchisten, ivie man sich herauszureden versuchte. sondern gegen die Sozialisten zu beniitzen dachte, sei an» geführt, Ivas Herbert von Bismarck im November 1889 sagte: „Bei dem Meinungsaustausch, welchen wir meistens in schriftlicher Form im Laufe dieses Sommers mit der schlveizerischen Regierung gehabt haben, haben wir u»S lediglich von der Absicht leiten lassen, die Bundesgcnossenschaft der Regierung dieses befreundeten(!) Nachbarstaates in dem notwendigen, aber schweren Kampfe gegen die umstürzenden Bestrebungen der Sozialdemokratie zu geiviunen." Und Bismarck, der Vater, sagte zur selben Zeit dem Reporte» des„Petit Journal" in Paris: „In der Affäre Wohlgemut verfolgte ich nur ein Ziel: von det Schweiz zu verlangen, daß sie selbst die Treibereien der internationalen Sozialisten überwache. Es ist mir," fügte er mit Behagen bei,„über Erwarten geglückt, daß die Schiveiz sich in dem Sinne, wie ich es wünschte, organisiert hat." _ Von Anarchismus also keine Rede! Wie nun diese Institution im dunkeln mit Dunkelmännern wirkte, das kam erst 13 Jahre später, gnd zlvar durch einen putzi- gen Zufall ans Licht: am b. Oktober 1901 wurde der„preußische Staatsangehörige" W. Metzger betrunken in einem verrufenen Viertel Zürichs aufgegriffen und auf die Polizei gebracht. Man fand bei ihm anarchistische Zeitungen, die Sammelliste 31„zur Gründung einer Monatsschrift, welche freiheitlichen Ideen dienen soll", daneben aber noch einen Brief, aus dem hervorging, daß der Mann das un» saubere Gewerbe eines Polizeispitzels trieb. DaS machte nun auch das kantonale Polizeikommando auf ihn aufmerksam, und so engagiertc. es den Patron als Spion der eidgenössischen Fremden» Polizei, als welcher der Bursche in den Reihen der Anarchisten jiroß» »läufige Agcntprovocateur-Redcn hielt und bald derartig verdächtig wurde, daß der alte Greulich im Kantonsrat beantragte, es„sei eine Kommission mit der Untersuchung der Geschäftsgebarung der politi- schen Polizei zu beauftragen". Die Kommission wurde gewählt (12. Januar 1904) und es gehörte» ihr unsererseits die Genosse« Oberrichtcr Otto Lang und Greulich an. Nach Einsichtnahme in einen Teil der Akten, die geradezu ungeheuerliche Skandalosa ergaben, beantragte sie u. a., auszusprechen, daß fortan die Ucber- ivachung von Vereinen und Versammlungen der Arbeiter unzulässig sei, daß Ausgelviescne oder Abgeschobene künftig nicht mehr der Polizei des Auslands in die Hände gespielt werden dürfte», und daß jede Verwendung von Spitzeln zu unterlassen sei.„Der Kantonsrat(also der Landtag, der Berichterstatter) spricht im allgemeinen die Erwartung aus, daß die Polizei auf die Anwendung aller Mittel verzichtet, die sich weder mit der persönlichen Ehren» haftigkeit noch mit der Würde des Staates und seiner Organe vertragen."„Das Polizeikommando ist nicht berechtigt, von feiten fremder Konsulate Aufträge... ciltgegeuzunchiue»."„Das Polizei- kommando ist anzuhalten, seine Rechnungen vollständig zu führen, d. h. es sollen daraus alle Angaben usw. ersichtlich sein." Geht schon daraus hervor, wie toll es die Spitzelwirtschnft getrieben hatte, so wirkte» die Enthüllungen, die Greulich und Lang \t\"b«x"oowv V-A.">5 xV>xx\cvx\W2»t> l5«\\>%x �bxxoWwx� IVw-N' et\coKtrt)t\l\m ManloTvRtat mciAttw, neta\>t%\i\«n\at\o«tTi. WxtuUd)! Stdte u. a. auf, bafe das italieuifch« ftonfulot sick jahrrlauy heraus» genommen halte, die Züricher Polizei zu beauftrage». Leute, die man als..Anarchisten" bezeichnete, zu iiberloachcn, wobei man sogar soweit ging, Schweizer Bürger überwachen zu lassen! Das Kon- 5nlat unterhielt eigene Spitzel, die mit denen der schweizerischen Zolizri Hand in Hand arbeiteten, nm ehrliche Leute an» Messer zu liefern. Auf Befehl der Bundesanwaltschaft, so enthüllte Greulich weiter,«rfundigten sich Polizisten bei den Hochschulprofessoren nach der Gesinnung gewisser„Berdsichtigcr,- die in der Arbeiterbewegung „eine Rolle spielen". So z. B. nach Nwch Jmle und Ladislaus Gumplowicz, zwei harmlose» Schwarmgeistern. Spitzel muhten er» forschen, wo sozialdemokratische italienische Vereine bestanden, muhte» feststelle», ob e»„wahr sei, dah der Anarchist Reclu» in die Schweiz kommen werde," denn, so hieh e» in dem Rundschreiben an die Polizeidirektionen,„er ist um so gefährlicher, al« er Kenntnisse in der Chemie besitzt."(!) Die Polizei und ihre„Privatpersonen" staken mit Postbeamten unter einer Decke und berichteten genau, wann ein Ueberwachter und woher er Postsendungen erhalten! Manchmal nahm der Eifer der politischen Polizei geradezu drollige Formen an. Greulich«eilte mit, dah am Tage der Jnaugurierung des Königibergcr Gehcimbundprozrssc« die Züricher Polizei der KonigSberaer Polizei ihre Hilft bei den Nachforschungen nach„nihilistischen Pamphleten" telrgraphisch angeboten habe! Ferner ging die Polizei mit süddeutschen Regierungen einen Pakt ein zur Ucbcrwachung ausgewiesener Anarchisten, der direkt gegen die Gesetze verstieh. Der Anarchist Galeotti wurde, weil er Druck» suchen verteilt hatte, nicht nur ausgewiesen, sondern von Polizisten bis nach Chiasso, der italieinischen Grenzstation gebracht und dort den italienischen Detektiven in die Hände geliefert! Greulich stellte fest, dah das direkt ungesetzlich war. Dabei war Gaelotti ein derart harmloser Mensch, dah sogar der ihn überwachende Polizist zu Protokoll gab:„Den G. kenne ich gut, er war nur«in theoretischer Anarchist und hätte keinem Tierchen etloaS zu leide getan." Greulich deckt« auf, dah die Polizei Spitzel besoldete und, als die Untersuchung drohte, sämtliche Berichte dieser Ehrenmänner vernichtete. An vier solcher Lumpen wurden in 3K Jahren 2386 Fr. bezahlt. Dafür tvurden dann sogar neben anderen anch — Greulich überwacht, wenn er referierte! Dah überhaupt die Spitzel meist nur phantastische Dummheiten berichteten, sei nur nebenbei erwähnt. So hatten sie im Januar l8SV die Bundes» anwaltschaft in Bewegung gesetzt, weil„die in der Schweiz wohn» haften Sozialisten beabsichtigen, im April oder Mai in feindlicher Absicht an dir Grenzen ihres Heimatlande» zu ziehen"!! Usw. Bor der Kommission sagten mehrere Polizisten aus, dah tatsächlich Spitzel gedungen worden seien, und zwar auf Anraten aus Bern iBundeSanloalt). Man habe nur zu tvenig Geld gehabt; der Genfer Polizeihauptmann verwende achtmal mehr! Weil ein Züricher Arzt beim Bauarbeiterstreik 1A12 in Hamburg die Letten aufgeklärt und ihnen als Dolmetscher gedient hatte, wurde er überwacht! Auf Wunsch der deutschen Polizei, der die schtveizerische gern zu Dieiisten war. Schlimm, geradezu peinlich schlimm war, waS Greulich über polizeilichen Mihbrauch des Postgeheimnisses enthüllen konnte. So- gar über Drucksachen an Schweizer Bürger, die„verdächtig" waren, wurde beständig rapportiert! Dabei wurden dann von den Post- und Polizeibeamten Leute, die alles eher denn Anarchisten waren, als solche denunziert. Sogar harmlose Mazzinisten und andere Republikaner wurden von der republikanischen Polizei bespitzelt! Einmal wurden diese z. B. denunziert, zlvecks Aufhebung deS FruchtzolleS und Erreichung der italienischen Amnestie eine— Revolution zu beabsichtige»!! Um der deutschen Regierung über die politische Gesinnung eines in Zürich Ivohnhasten Züricher Bürgers Aufschlug zu geben, wird der ganze Spitzelapparat in Äe- wcgung gesetzt, eine Enthüllung, die sogar auf den Bänken der Bürgerlichen stürmische Entrüstung auslöste. Diesen Züricher Bürger hat die Polizei sogar auf Wunsch der deutschen tagelang in Haft behalten, obwohl sie wutzte, dah er kein Anarchist war! Usw., usw. Immer war es Deutschlands Regierung, die diese schmutzigen Taten veranlahte, so dah Greulich erklären konnte:„Die ganze politische Polizei mit ihrer Schmach ist ein fremde? Gewächs, von auhcn aufgedrungen. Aufgedrungen von Staaten, deren Mih- Verhältnisse den Anarchismus gezüchtet haben, und von diesen Staaten müssen wir uns gefallen lassen, dah unsere Polizei kor- rumpicrt wird,, Deutschland kann stolz auf diesen traurigen Erfolg sein! Inzwischen ist die ablehnende Haltung unserer Genossen gegen die Bundesanwaltschaft glänzend gerechtfertigt worden: Professor Dr. I. Schollenberger, der Staatsrechtslehrer an der Züricher Uni- versität, Herausgeber und Erklärer der schiveizerischcn Gesetzes- sammlungcn, sagt in seinem Kommentar zur Bundesverfassung Seite 482:„Die heutige ständige Bundesanwaltschaft ist unrecht- Nlähig und»nzweckmähig. Unreckstmähig: sie ist verfassungswidrig, weil die Bundesverfassung von 1874 die Errickstnng einer ständigen Bundesanwaltschaft hatte fallen lassen.... Die Wiedereinführung der Bundesanwaltschaft war eine Konzession an Deutschland... und ivar der Verfolgung der Sozialdemokraten zulieb, nicht wegen Anarchisten oder gar solchen der Tat!" Darüber sind nun 2b Jahre ins Land gegangen. Manches ist . cxV>«.-x. xvAX«*). Vv*. Xzvx BOfwexz dem. UUiH-vwto«Uex«»Txuw�t Euch!" den Ruf„Proletarier aller Länder vereinigt Euch!"«nt» gcgengesctzt. Allein dir Bundesanwaltschaft besteht immer noch wie vor LS Jahren und die vor einigen Wochen erfolgten Ausweisungen solcher Genossen, die für die Gewerkschaften tätig waren, beweist« dah der„schweizerische Schandfleck", wie die Parteiprrsse die Bundesanwaltschaft nennt, in diesem Vierteljahrhundert nicht geringer ge- worden ist. Nur vorsichtiger scheint man in Bern geworden zu Sein— wie man ja in Berlin auch vorsichtiger geworden ist, seit» ein der„Vorwärts" wiederholt Spitzel entlarvt hat. Aber mora- lisch, obwohl Deutschland der Urheber der schweizerischen Spitzel- Polizei ist, auch die Schiveiz gerichtet. Otto Lang hat e» damal» dem Bundesrat ins Gesicht gesagt:„Um die deutsche Regierung, die eben damals mit Hilfe des Sozialistengesetzes die Sozialdemokraten auf härteste verfolgte, zufrieden zu stellen, und aus Angst vor ihren Drohungen führten die Bundcsbchörden die politische Polizei und die Bundesanwaltschaft«in. Sic zeigten in dem Augenblick« schwäch» liche Nachgiebigkeit, wo«vir un» hätten darüber beschweren sollen» dah die preuhisch-deutsch, Regierung Lockspitzel in die Schweig schickte, in der ausgesprochenen Absicht, ihr Ungelegenheiten zu bereiten." Mit 84 gegen 48 Stimmen wurde am Schluh der Sitzung de- schlössen, dah der KantonSrat erwarte, dah die Ungehörigkeiten bei der Fremdenpolizei sich nicht wiederholen. In Preuheu ist man leide« soweit noch nicht. ArguS. die Rache des walöes. Von Emil Unger. Da, wo am Fuhe des VoaesenvorsprungS der prächtige Buchen- und Eichenbestand zwischen Weinbergen verlief, zog stch rhema» ein weites Brachland hin. ES bildete die Scheidegrenze zwischen Rebgelände und Feld und hatte anscheinend für niemanden Werk- Wild tvuchfcn Weih- und Schwarzdorn, Bromberr» und Hasel- sträuchcr ineinander, stellenweise bildeten die Büsche«in« undurch- dringliche Wirrnis, und somit war dieses Oedland ein Dorado fii« Vögel, wilde Kaninchen, Schlangen nnd sonstiges Kleingetier. Im Mai pflückten vorübergehende Jünglinge Heckenrosen ab und steckten sie ihren Herzallerliebsten ans Mieder, Kinder brachten im Spät- sommer Körbchen mit und füllten sie mit Beeren, und die Lehrer der Volksschule schnitten sich in den Haselbüschen die Stöcke, mit denen sie ihr Manko an pädagogischem Geschick ergänzten. Sonst kümmert« sich kein Mensch um die Halde. Äe war gar nicht klein. Wenn man um sie henimging, brauchte man mehr alS ein« halb« Stunde. Eö wurde im Scherz erzählt, dah hier Adam und Eva gelebt hätten, nachdem GotNBater sie verflucht und aus dem Paradies getrieben. Wohl darum nannte man den Fleck seit un- dcnklichcr Zeit„Satansgartli". Wer weih, ob dieses Natliridhll jemals zerstört worden wäre, wenn, ja, wenn,-- aber halt, hier fängt die Geschichte eigentlich erst an. Ich war so zehn oder eis Jahre alt, als durch unfern Ort die Kunde tief, der Schneckenbalser tärne nach 30jährigcr Zuchthausstraf« wieder nach Hause. Die Frauen bekreuzigten sich bei dieser Nachricht und die Männer spien eine gewaltig« Flut Tabaks» saft aus und schimpften. Es sei unverständlich, wie die Behörden einen zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilten Mordbrenner begnadigen und wieder auf die Menschheit loslassen könnten. Nur einzelne, von den älteren, urteilten milder und meinten, dah der Balthasar Schueck nicht allein die Schuld gehabt hätte, sondern der alte Trümiiiigbauer auch nicht der Beste gewesen sei. „Ich Hab' den Baiser gut gekannt, wir tvarcn Kameraden,� erzählte der alte Kutscher vom Kreisarzt,„'s war freilich nicht gut- zuhelhen, was er gemacht hat, aber der Trümmigbauer war ein dösartiger, verschlagener Geizhals." So erftihr ich an jenem Abend, worum es sich handelte. De» Baisers Pater war halb Kleinbauer, halb Tagelöhner, der ein an den Wald grenzendes Stückchen Land hatte und es fleihig bebaute. Nebenbei ging er, und ipäter, als sein Sohn erwachse» war, auch dieser, als Holzhacker in den Wald. Im Winter, bei hohem«schne«, flochten sie Weidentörbe nnd verkauften dieselben. So schlugen sie sich recht und schlecht durch. Jbr Grundstück lag zwischen dem Ge- Höste deS Trümmigbauer nnd d?m Walde, der auf loeite Strecken hinaus ebenfalls zum Trümmigbauer gehörte. Der Grohbauer hätte nun gar zu gerne ein« Verbindung zwischen seinem Hof und dem Walde hergestellt, um Holz, Laub usw. aus direktem Weg« einholen zu können, während dies so nur ans einem erheblichen Umweg« erfolgen konnte. Wohl lief durch das Grundstück der Ehe- leute Schncck ein schmaler Fuhsteig, aber ein breiter fahrbarer Weg wäre dem Bauer lieber gewesen, zumal ihm das Betreten deS Pfades nur auf Widerruf gestattet war. Das wurmte dem Be- sitzcr des Trümmighofes»iclst wuiig. Einmal hatte er den Wald» arbeiter auf den Zahn gefühlt, ob er ihm das Grundstück nicht ver- kaufen würde, doch der hatte deutlich abgewinkt. Wo sein Grotzvater und sein Vater gestorben seien, wolle er auch sterben, hatte er ge- antwortet. Da war der Bauer ganz rot geworden im Gesicht und hatte geschrien: „ttnb Der still und unverdrossen seiner Arbeit nachging. Anfangs haite jer es in einer Fabrik versucht, aber schon nach einer Woche war ihm die Arbeit samt der Uinaebung so zuwider, daß er aufhörte»»»d Wieder hinaus in den Wald flüchiete. Dort suhlte er sich wohl, dort U'ar seine Heimat. Da kam das grausige Ereignis, das nun, nach der Rückkehr deS Balfer aus dem Zuchthans, wieder neu aus- 'lebte. Eines Nachts blies damals das Horn des Wächters schauerlich durch die Nacht, die Sturmglocke läutete, und bald rückte die frei- willige Feuevtveihr nach dem Triiminighof ab, der in hellen Flau»- »neu stand. Aber nicht nur da Gehöft, nein, auch der nahe Wald brannte, brannte wie Papier, denn in den setzten Wochen vorher war fast gar kein Regen gefallen. Die Sonnenglut hatte de» Boden ausgedörrt, daß es knisterte und knackt«, als die gierigen Flammen sich ihren Weg suchte». Das Vieh lief brüllend in» Freien umher, Hühner und Tauben schwirrten verängstigt und planlos durch die Luft nd taumelten dann zuletzt in einer steilen Kurve »Nittel» in die Gt»t hinein. Die Spritze» ertviesen sich als völlig »nachtlos dem Feuer gegenüber, und bis zum Bach war es zieinlich weit. Wohl standen Hunderte von Menschen bereit, zu helfen, und die»vassergefüllte» Eimer liefen ununterbrochen durch der Hände 'Kette. Aber man gab es bald auf und ioandte alle Kräfte dem Walde zu, um dort das Schlimmste zu verhüten. Scheune»md Wohnhaus waren ja doch nicht»nehr zu retten.(Forts, folgt.) Bcrantw. Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln.— Druck»r. Verlag r ßktne* SeufUeton. Erdkunde. Di« Ursachen der Erdbeben iverden jedesmal, wenn in dci» Zeitungen von einer Erdbebenkatastrophe berichtet wird, in den weitesten Kreisen mit Interesse disputiert. So konnte»»an dieser Tage anläßlich der Erdstöße im Aelnagcbict häufig vernehmen, wie so iiiancker seine„geographischen Schulkeniitnisse" auffrischte. Die meisten stellen sich die Sache so vor, daß das glutflüssige Erdinnere irgendwo beso»»ders kräftig zn brodeln beginnt und auf diese Weise die so sehr gefürchteten Ereignisse der»,»laßt. In der Tat kann ein Erdbeben einen ähnlichen Grund haben; aber ganz so schnell ist das nach der Meinung der Geologen doch nicht zu entscheiden. Gibt eS doch noch andere Möglichkeiten, durch die sich die Erdober- fläche verändern könnte. Dies zu veranschaulichen sei unsere Erde einmal mit einem langsam vertrocknenden Apfel pcrglichen. Nimmt man doch an, sie sei früher einii»al glutflüssig gewesen und kühle sich nun allmählich immer weiter ab. Man»st der Meinung, die Er» starrnng habe mit den äußeren Teilen begonnen und setze sich nun immer»veiter ins Innere fort. Ein sich abkühlender Körper pflegt aber immer klcmer zn werden, ganz wie unser vertrocknender Apfel, nild ganz wie diesem geht es nun auch der zusaminen» schrumpfenden Erde. Sie bedeckt sich mehr und mehr mit Runzeln. Es entstehen Berge und Täler. Bei diesen„gebirgsvildende» Vorgängen" durfte sich nun die Erdoberfläche sehr leicht erschüttern können, tu, sie ja nicht— wie die des Apfels— ans einem bieg- sanien Material besteht, sondern bekanntlich recht spröde ist. Danach wäre also die Meinung der nlodernei» Geologen die, daß viele Erd- beben eine Folge derjenigen Vorgänge sind, die»»an als„ge, birgSbildende" bezeichnet. It. P, Astronomische?. Messung des S te r n e n l i ch t S. Das Licht der Fixsterne mit Ausnahme der Sonne gelangt ivegcn der großen Ei»tfer»nng mit einer solchen Abschwächu>»g zu uns. daß es»nit den geivöhnlichen Mittel»» der Untersuchung nur schwer geinessen werden kann. Die eigentlichen Photoineter reichen dazu selten aus, und man muß sich anderer Hilfsmittel bedienen, uu» tvenigstens ungefähr zu einer Abschätzung der Helligkeit nach Stufen zu gelangen. Eines ganz neuen Versahrens hat sich Dr. Pfund bedient, der für seine Arbeiten das große Spiegelfernrohr der Alleghany-Steriiu>arte zur Verfügung hatte. Schon der Uinstand, daß der Forscher seine Arbeiten in der Zeitschrift Radium beschrieben hat, deutet darauf hin, daß er einen ganz anderen Weg zur Lichtmessnng eingeschlagen hat, als er bisher angewandt wurde. Er setzte in den Brennpunkt seines Fernrohrs eine kleine geschwärzte Scheibe, die die Verbindung eines thernio- elektrischen Stromkreises bildet. Zu den Drähten für das Element ivar einerseits eiiie Legierung von Wismut und Zinn und aiiderer- seits eine solche vo» Wismut und Antimon verivandt. Es wurde in eine luftleere Kapsel eingeschlossen, die an einem Ende»nit einer Platte ans Flußspat verschlossen luar und an die Stelle des Augen- stücks am Fernrohr angebracht wurde. Der thermoelektrische Stroin Ivurde durch einen Galvanoineter gemessen. A»»f diese Weise kau» ein Apparat von unerhörter Licktempfindlichkeit zustande. Eine Kerze in» Abstand von fast 11 Kiloinetern würde den» Galvanometer noch einen Ausschlag von 1 Milliinctcr ci�oilt haben. So'koi»nte eS nicht fehlen, daß mich das Licht der einzelnen Sterne einen merk- lichen Emflnß auf den Apparat ausübte. Die Bega vcraulaßte eine Ablenkung der Nadel um 7)4, der Jupiter um 3, der Atair, im Sternbild des Adlers, um 2 Millimeter. Dr. Pfund will sich aber dainit noch nicht begnügen und hofft die Einpfindlichkeit durch weitere Verbesserungen des Galvanometers und der für das Tbcrnio- eleinent benutzte» Stoffe noch mehr zu steigern und so ein neileS Feld der aftrophysikalifchen Untersuchung zn fördern. Technisches. Ein M o t o r p f l u g vor zweihundert I ah r e n. Daß die Landwirtschaft schon seit zweihundert Jahren über Kraft- »laschinen �zur nrechanischen Bearbeitung des Bodens verfugt, dürfte manchen überraschen, da ja der laiidwirtschastliche Maschinenbetrieb geineinhin für eine Erfindung der Neuzeit gilt. In Wahrheit aber hatte schon im Jahre 172g der französische Ingenieur Lassise es nnternominen, auf ein vierräderiges Wagengestell sechs große Windmühlcnflügel zu inontierci», deren Uurdrehrlugsschnelligkeit sich auf eine horizontal gelagerte U>alze>iförn»ige Zugwinde übertrug. Die schl»elle Drehung der Flügel bewirkte ein Aufrollen des Seile? der Zugwinde, die so einen mit ihr in Verbindung stehenden Pflug bewegte. Der Apparat tourde unter der Bezeichnung„Fahrende Windmühle zur Bearbeitul»g der Felder ohne Z»igvich" der Akademie der Wissenschaften in Paris vorgelegt und»inter der Nnininer 270 des Registers der Akademie verzeichliet und mit einer ehrenvollen Erwähnung bedacht. Der Betrieb durch Windmühlcnflügel ivar. da er von der Witterung abhing, nicht zuverlässig. Das änderte sich indessen, als man die Dampfkraft der Bewegung dienstbar gemacht liattc, wobei man aber das Systen» von Lassise, das heißt die Ver- bindung zweier beweglicher Körper, die wechselseitig ein Kabel bewegen, beibehielt, ein System, das die erste Verwirklichung der Idee des Dampfpfl»lgcs darstellt. Auf der landwirtschaftlichen AuS- stellung, die im Jahre 1860 in Paris stattfand, gab es schon eine große Zahl von Dampfpflügen, die tadellose Dienste leisteten, AorwärtsBüchdrückeret u.VerlagSanstattPaul Singer L-Co., Berlin SW.