Ar. 59, . Kboimtmeitts-Kedingunge«: Abonnements- Preis pränumerando! vierteljährl. z,M SHt, monatl. 1,10®!!., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer S Plg. Sonntag»- Nummer mit tlluNrterier Sonntag»- veilage„Die Neue Welt- 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für isoo unter Dr. 7971, Unter streuzband für Deutschland und Leslerreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheinl lüglich ausjer Monkag«. Verltnev Volksölakk. Centrawrgan der socialdemokratifthen Partei Deutschlands. 17. Jahrg. Die Insertions-Geliülfr deträgt für die sechSgespaltene Kolon«!« geile oder deren Raum»0 Pfg., für politilche und gewerkschaftliche Vereins- und VerfammlungS-Anzetgen 20 Pfg. „Kleine Zinieigen" jede» Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für dt« nächste Nummer müssen bi» l Uhr nachmittags tu derExvedition abgegeben werden. Die Srpcdttton ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bis 3 Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher: Sink I, Nr. 11508. Telegramm- Adresse: „Sorialdemokrak Berlin" Redaktion: SW. 19. Bentlz-Stratze 2. Sonntag, den 11. März 1900. Expedition: SW. 19, Beuth-Strcche 3. Die Weltpolitik des Deutschen Reichs Die Weltpolitik des krachenden Kapitalismus wurde im Deutschen Reiche durch das Socialistengesetz eingeläutet. Damit trat klarer und nnverhüllter, als irgendwo sonst, ihre mächtigste Triebfeder und auch ihr historischer Stempel hervor. Man kömite die gewerb fleißigsten Bewohner des Landes nicht mehr vertreiben, wie Philipp II. die Mauren und Ludwig XlV. die Hugenotten vertrieben hatte. denn weder ließ sich der Ausfall der nationalen Arbeit durch exotische Schätze ersetzen, noch tvar die Maschine der großen Industrie ohne die kräftigen Arme der Arbeiter im Gange zn erhalten. Aber man stopfte ihnen einen Knebel in den Mund, um sie zu willenlosen Werkzeugen zu machen; war der Biene erst ihr Stachel genommen, so konnten die Drohnen sich mästen. Die große Industrie. verkracht durch den Schwindelgeist ihrer Unternehmer, niachte gemeinsame Sache mit den reaktionären Klassen. Dafür erhielt sie ihre Jndustriezvlle. ivie das historisch und ökonomisch verkommene Junkertum durch die Agrarzvlle und Liebesgaben künst- lich am Leben erhalten wurde und der militärische Absolutismus durch Finanzzölle sich von der bei aller Schwachmlitigkcit der bürger- liche» Reichstagsparteien doch immer lästigen parlamentarischen Kontrolle befreite. Eins griff ins andre bei dieser protcktionlstisch- reaktionären Politik, wie c3 denn überhaupt keinen heilloseren Irr- tum auf politischem Gebiet giebt als die Annahme, man könne nach Belieben, zur ergötzlichen Abivechslung oder um irgend welcher „praktischer" Rücksichten willen, heute ein paar reaktionäre Sprünge inachen, und morgen sich anstellen, als sei nichts geschehen. Diese Vorstellung ist nirgends so verbreitet tvie in Deutsch- land, weil sie sich der Feigheit des deutschen Philisters einschmeichelt die jeden ernsten Kampf scheut, und Ivohl mit dem lieben Gott an gutem Fuße stehen möchte, aber mit dem Gottseibeiuns auch. Wie verkehrt diese Politik ist, zeigt sich selbst an dem Schicksal eines Mannes, der in seiner Art reichlich die Konsequenz und die Courage besaß, die dem deutschen Philister fehlt. Nämlich wenn Bismarck die Protektionspolitik wollte, so wollte er deshalb noch nicht die Eroberungspolitik. Er war gewiß kein staatsmännisches Genie: ein Genie kommandiert die Industrie des eignen Lands nicht rechtsumkehrt!, wenn sie eben einen gipfelnden Höhepunkt erreicht hat. ein Genie macht auch nicht solche- klugen Streiche, wie die Annexion Elsaß-Lothringens. Aber Bismarck ivar in seiner Weise wirklich ein hartgesottener Realpolitiker, und deshalb kein Flotten- und Kolonialpatriot, wie die heutigen„Realpolitiker". Er wußte sich zu sagen, daß, wenn er durch die All »exion Elsaß-LothringenS das neue Deutsche Reich„in drang- voll fürchterliche Enge" zwischen Frankreich und Rußland„keilte", das deutsche Landheer viel zu mächtig werde» mußte, um noch viel für die Flotte übrig zu lassen. Er besaß auch geschäftliche Kennt- iiiffe genug, um zu ivissen, daß Deutschland, nachdem es die historische Zeit der Kolonialpolitik in seinem damaligen Verfall halte vcr- schlafen müssen, nun als großer Industriestaat nicht mehr auf einem Gebiete zu krebsen brauchte, Ivo nichts mehr zu holen war. Als ihm im Frühjahr 1871 von französischer Seite nahegelegt wurde, sich die Kriegsentschädigung in französischen Kolonien zahlen zu lassen, antwortete er verächtlich:„Ich will gar keine Kolonien". Die sind bloß zu Versorgungsposten gut. Für uns in Deutschland— diese Kolonialgeschichte wäre für uns genau so, wie der seidene Zobelpelz in polnischen Adelsfamilien, die kein Hemd haben." Dem Sinne nach war es dieselbe Antwort, die der alte Fritz auf dieselbe Zunnitung gegeben hatte. Allein da Bismarck von dem heilen Hemde der Socialpolitik nichts wissen wollte, so mußte auch er schon zu dem seidenen Zobel- pelze der Kolonialpolitik greifen. Immerhin geschah cS e»st. als er vor dem Bankrott seiner inneren Politik stand und nur noch durch waghalsige Plebiscitschläge nach bonopartistischem Muster sein wurm- stichiges Hausmeiertum von einer ReichStagSwahl zur andern hin- fristen konnte. Diese Anfänge der deutschen Kolonialpolitik waren bereits ein äußerst kostspieliges und ganz zweckloses Vergnügen, denn Bismarck dachte vermutlich, solche Raritäten von„Genies", wie er eins sei, könnten von den Völkern gar nicht teuer genug bezahlt werden, und wie scharf man vom moralischen Standpunkt seine frivole Kolonialpolitik beurteilen mag, so hat er in diesem Punkte doch wenigstens sein politisches Renommee zu wahren gesucht, und noch kurz vor seinem Sturz im Reichstage erklärt, daß er„von Hause aus kein Kolonialmensch" sei. Als dann Bismarcks System unter den kräftigen Schlägen der Socialdemokratie zusammengebrochen war, zeigte sich eben hierdurch die Weltpolitik des krachenden Kapitalismus in ihrer Wurzel vcr- fault, und ihre bisher gezüchteten Früchte waren bitter genug, um nicht auch im Schöße der Regierung den Gedanken zu erwecken, ob nicht eine Umkehr auf diesem Wege geboten sei. Allerlei Anläufe zu solcher Umkehr machte» die Aera Caprivi aus. allein so schwächlich diese Anläufe waren, so stießen sie bereits auf den erbitterten und unversöhnlichen Widerstand der reaktionären Klasien, die von der Weltpolilik des krachenden Kapitalismus leben. Diese Klasse» suchten ganz logischerweise das System Caprivi durch einen neuen Socialistenschrecken zu stürzen, und als es ihnen gelang, haben sie im großen und kleinen von der Umsturz- bis zur Znchthausvorlage, die Arbeiterklasse niederzuschlagen gesucht, Versuche, die bisher an der Entschlossenheit und Umsicht des Proletariats gescheitert sind, aber die nicht aufhören werden, bis die deutschen Arbeiter der Weltpolitik des krachenden Kapitalismus ein gebieterisches Halt! zugerufen haben. Wie diese Politik seit dem Sturz Caprivis und dem Beginn des Zickzackkurses einen neuen Aufschwung genommen und nunmehr das Reich in die Krisis des Flottenrnmors gestürzt hat. braucht hier nicht ausführlich dargelegt zu werden. Nur ist ein Wort der Kritik nötig über die weitverbreitete Anschauung, als ob ein einzelner Wille die Haupttriebfeder der ins Uebermaß gesteigerten Flottew und Kolonialpolitik sei. Das ist an sich nicht unrichtige jedoch darf man diesen einzelnen Willen nicht im Sinn einer subjektiven Laune auffassen, die heute kommt und morgen vielleicht geht. Es ist klar, daß wenn der Kapitalismus in seinen Todesängsten auf die Erobcrungs- und Protektions' Politik seiner absolutistischen Anfänge retiricrt, damit auch der Ab solntisnius oben auf kommt, und cS ist nicht minder klar, daß dieser Absolutismus, wie er das Produkt einer geschichtlichen Entwickelung ist, so auch wieder von der geschichtlichen Entwicklung beeinflußt wird. Man darf sich nicht der Thatsachc verschließen, daß die deutsche Kolonialpolitik in der Mitte der neunziger Jahre ein ander Ding wurde, als sie in der Mitte der achtziger Jahre war: begann Bismarck sie mit einigen afrikanischen Sand- und Sumpfwüsten deren gesamter Handel für die Dimensionen des Welt markts ein nicht nennenswerter, winziger Posten ist, so Ivar sie zehn Jahre später vor das chinesische Problem gestellt, bor die Erschließung des letzten großen Absatzmarktes, der auf der Erde für die Erzeugnisse der modernen Industrieländer noch zu finden ist und der zugleich in seinem Innern alle Bedingungen für eine eigne großartige industrielle Entwicklung besitzt. Sucht man so die Dinge nach ihrem historischen Schwergewicht zu erfassen, so wird man sich auch durch die unsäglich flache und inhaltlose Begründung der Flottenvorlage nicht in trügerische Sicher heit einlullen lassen. Es ist wahr, daß es nicht leicht etwas Trivialeres geben mag. als diese Redensarten, die dann von den Flottcnschwärinern vollends zu einem widerlichen Phrasenbrei ver mautscht worden sind; aber cS ist nicht minder wahr, daß Herr Tirpitz, wenn er nur wollte, die Flottenvorlage ebenso bündig wie kurz begründen könnte. Er würde dann sagen:„Ja, meine Herron wer mit dem A begonnen hat, muß sich auch bis zum durchbnchstabieren, wer mit der Protektionspolitik anfängt, muß mit der Eroberungspolitik enden. Freilich giebt es eine Politik, die sich auf dem neu eröffneten chinesischen Markt freien Ellbogcnraum schaffen und die heimische Industrie gleichwohl gegen den verhängnisvollen Rückschlag der chinesischen Industrie schützen kann, die sich treibhauSmäßig entwickeln wird: das ist die Weltpolitik der großen Industrie, wie sie von den Engländern und den Amerikanern betrieben wird, das ist die Politik, die den nationalen Produktivkräften freie Entfaltung gewährt und ganz besonders der hervorragendsten nationalen Prodnktivkraft, der Arbeiterklasse. Aber mit dieser Politik haben Sic. meine Herren, ja seit mehr als zwanzig Jahren gebrochen, so weit Sie überhaupt schon mit ihr begonnen hatten: Sic haben seitdem die umgekehrte Politik getrieben, die Weltpolitik des krachenden Kapitalismus, die Politik der Lebens mittelzölle, der Schutzzölle, der Liebesgaben für Schnapsbrcnner und Zuckersieder, der fiskalischen Staatswirtschaft, der Zunstmiscre, der Attentate auf Freizügigkeit und Gcwcrbcfreiheit und KoalitionS rciheit, die AnSschließnug der arbeitenden Klassen vom gemeinen Recht der Nation. Wollen Sie nun diese Politik aufgeben? Nein, meine Herren, das wollen Sie nicht, denn sonst müßten die real tionären Klassen. denen diese Politik in dem hochiudustricllc» Deutschland das Heft in die Hand gegeben hat, freiwillig abdanken, und das thun reaktionäre Klassen niemals. Also muß daS Deutsche Reich nicht mit den Engländern und Amerikanern die Erschließung, andern mit den Franzosen und den Russen die Aufteilung Chinas verlangen; nicht durch Arbeit und in Frieden, sondern durch Er- oberung und mit Geivalt müssen wir vom chinesischen Markt so viel an uns reiße». wie wir können, und dazu brauchen wir Kriegs chiffe, sehr viel Kriegsschiffe. noch unendlich viel mehr Kriegs chiffe, als wir augenblicklich fordern. Das ist gewiß eine Schraube ohne Ende, an der die modernen Kulturvölker unaufhaltsam ver bluten, es sei denn, daß sie ihr Ende findet in einer gewaltsamen Zer trünmicrung dermodernenKulturwclt, gegen die der drcißigjährigeKricg noch als harmlose Idylle erscheinen mag. Aber ich frage Sie: Kann man die Weltpolitik der französischen Ludwige treibe» ohne ihr Trostsprüchlein: Nach uns die Sündflut? Nein, nehmen wir als praktische Staatsmänner nnsern„Platz an der Sonne"; mag krachen, was da krachen will; umsonst trägt ja die Weltpolitik des krachenden Kapitalismus nicht ihren schönen Namen." So hat Herr Tirpitz reilich nicht gesprochen und so wird er auch nicht sprechen, aber so stricht die eiserne Logik der Dinge, die in der Flottenvorlage steckt. Deshalb darf man sich auch durch die noch so schlagende Ab crtigung der öden Redensarten, womit die Flottenvorlage offiziell begründet wird, ebensowenig in trügerische Sicherheit wiegen lassen. wie durch die Oede dieser Redensarten selbst. Für reaktionäre Klassen, die sich mit Nägeln und Zähnen an ihre Macht klammern, hat die gewichtigste Logik. Vernunft und Wissenschaft noch nicht das Gewicht einer Fcderflockc. Wäre dem anders, so hätte die deutsche Bourgeoisie ebenso oft über das ostelbische Junkertum gesiegt, wie sie von ihm besiegt worden ist. Die deutsche Bourgeoisie hat nie begriffen, daß wie im Kriege, so auch in der Politik, die Defensive unterliegen muß. wenn sie sich nicht zur rechten Zeit in die Offensive zu verwandeln weiß, und sie begreift es heute, wo sie von der chinesischen Beute hypnotisiert ist, weniger als je. Um so mehr ist eS die historische Aufgabe der deutschen Arbeiterklasse, der Weltpolitik des krachenden Kapitalismus seine eigene Weltpolitik entgegenzusetzen, deren Sieg um so gewisser ist, als bei ihr alle Lebensintercssen des Proletariats vollständig zusammenfallen mit allen Lebensinteressen der gesamten Nation. Darüber demnächst. Berichtigung. Der gestrige Leitartikel imsreS Blatte» ist durch mehrfache Verhebungcn des Drucksatzes leider erheblich entstellt worden. Die letzten drei Absätze der ersten Spalte(von„der Staats- ekretär mußte es denn erleben" an) nmßte anschließen an die Dar- stcllung der Ausführungen des Grafen Posadowsky, die bis Mitte des vorhergehenden Absatzes reicht; der zweite Teil dieses Absatzes— von den Worten an:„Der Vorsitzende des Lanbwirtebnndes hatte aber auch den Reichskanzler" mußte ini neuen Absatz beginnen. Ferner ist auf der zweiten Spalte der erste Absatz(von„Es ist klar" bis„gab den Ansschlag") hinter den vierten Absatz zu stellen. In Zeile 11 des Absatzes 5, Spalte 1 muß es statt„den Vertrag" heißen„die Forderung". In der letzten Zeile desselben Absatzes ist statt„Fleischausfuhrverbot"„Fleischeinfuhrvcrbot" zn lesen. In der 2. Zeile der 1. Spalte von unten muß es statt„versteinerten"„unsicheren" heißen. Nolikifchv Mebevfichk» Berlin, den 10. März. Der Reichstag beendigte in seiner Sonnabendsitzuiig das F l e i s ch b e s ch a u- Gesetz in zweiter Lesung, nachdem er zu Beginn erst die Neichsschuldcn- Ordnung in dritter Beratung er- ledigt hatte. Das aktuelle Interesse war freilich nach de» entscheidenden Abstimmungen in der Freitag- sitzung geschwunden. Das trat schon äußerlich dadurch zu Tage, daß die Abgeordneten anfänglich kaum in beschluß- fähiger Stärke anwesend waren. Es fuhr daher den Freunden des einseitig agrarischen Gesetzes ein heilloser Schreck in die Glieder. als sie erfuhren, daß bei§ 3 (obligatorische Trichinenschau) von socialdemokratischer Seite die namettiliche Abstimmung verlangt wcrde.ttGraf v. Klinckow- ström beschuldigte als Patron aller staatserhaltenden Parteien feierlichst die socialdemokratische Fraktion der Obstruktion. Freilich traf der Schlag ins Wasser. Genosse Singer be- lehrte den vorlauten Grafen über die Motive nnsres Ver- langens und Graf v. Ballestrem bestätigte seine Darstellung, so daß Graf Klinckowström wohl oder übel klein beigeben mußte und seinen Vorwurf zurücknahm. Tie Frage der Trichinenschau rief noch die einzige längere Debatte hervor, und gewährte so den Agrariern Zeit, eine Mehrheit durch Zuzug ans dem Abgcordnetcnhause zusammen zu trommeln. Von unfrei Seite faßteGenosse Wurm nochmals dieGründe zusammen, die für die Wiederherstellung zum mindesten der Regierungsvorlage sprechen. DieobligatorischeTrichineuschauvon Reichs wegen ist notwendig ini Interesse des konsumierenden Publikums, zur Vermeidung unlauteren Wettbewerbes; sie ist nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Lande wohl durchführbar, wenn man nur will. Die agrarischen Redner wollten von Gründen überhaupt nichts wissen. Sie haben hier ein Gesetz gegen den ausländischen Wettbewerb, zur Steigerung ihres Prosits und jede einzelne Bestimmung der Vorlage ist danach gemodelt worden, wie sie für die Tasche des Viehzüchters wirkt. Ziemlich offenherzig plauderte dies unter viel Heiterkeit dcS Hauses der Abg. N i ß t e r aus, der zugleich als Abgeordneter, Bauer und Metzger sprach. Er hat schon an dreißig Jahre Hausschlachtnngen selbst ans- geführt und spricht auf Grund seiner praktischen Erfahrungen jedem Kollegen, der nicht selbst schon ein Schwein abgestochen hat, jedes Beiständiiis für die Frage ab, ob bei Haus- schlachtungen Trichinenschau möglich ist oder nicht. Er allein ist derjenige, welcher hier kompetent ist. Auch der schwäbische Abg. S ch r e ni p f verwarf die Trichinenschau, denn ein Schwein, so meint er, daS in einem geordneten Haushalt aufgezogen würde, bekomme überhaupt keine Trichine». Nachdem so über die nationale und internationale Trichine und die Trichinenschau ziemlich lange noch debattiert worden war, kam die namentliche Abstimmung, die fast im nämlichen Stärkeverhältnis, wie die früheren Abstimmungen ausfiel: die Agrarier drangen auch hier durch. Und ivie hier, so b ei den übrigen Paragraphen der Vorlage: Die agrarischen Beschlüsse der Kom- Mission gingen glatt durch; dieRegierungversuchtenichteinmal, an ihrer ursprünglichen Vorlage dem Ansturm der Agrarier gegenüber festzuhalten. Denn die paar Worte des Präsidenten des Reichsgesundheitsamts klangen lvie eine matte Ver- tcidigung und machten keinen Eindruck. Graf Posa» dowsky aber that, als ob ihn die Sache überhaupt nichts mehr anginge. Für Z 13 der Regierungsvorlage, der bestimmt, daß in seinem Nahrungs- oder Genußwert erheblich herabgesetztes Fleisch besonders erkennbar gemacht werden soll, traten Genosse Stolle und Wurm vom Standpunkte des Schutzes für das konsumierende Publikum lebhaft, abep gegen die geschloffene agrarische Phalanx erfolglos ein. So kam denn in zweiter Lesung gestern ein Gesetz« entwurf zu stände, so einseitig agrarisch, so auf die sanitäre und finanzielle Schädigung des Volks berechnet, so gefahr- drohend für Industrie und Handel, so aufreizend gegen daS Ausland, wie in den letzten Jahren kaum un zweites gefunden werden dürfte. Ais parlamentarische Sieger verließen die Agrarier den parlamentarischen Kampfplatz. In künftigen Wahlen weiden diese Beschlüsse der Reichstags- Mehrheit eine bedeutsame Rolle spielen, gleich- gültig wie viele von ihnen der Bundesrat Gesetz werden läßr. Im preußischen AbgcordlictcnhanS rückt die Beratung des Kiiltnsotats nur sehr langsam vor. Geht c? i» diesem Zuge weiter, so Werdensich in der nächsten Woche Abend- sitzung«» kaum vermeiden lasse», ivenn ander? der Etat rcchtzcilig ans Herrenhaus gelangen soll. Die Verhandlungen kamen amgreitag nicht über das Kapitel: Höhere Lehranstalten hinaus, lieber die Reform des höheren Tchnllvcscns wurde bin und her geredet. Die Anhänger der sogenannten hnmanistischen Bildung, der Präponderanz deS Lateiniichen und Griechischen im Lehrplan der Gymnasien, stellten die Mehrheit der Redner. Besonders das Centnim fürchtet das Bordringen der modernen naturwissenschaftlichen Bildung in unsren Schulen, und seine Redner bemühte» sich, die Vorzüge der alten Gymnasien vor den Reformgymnasic» darznthiin. Einem davon, dem Llvg. Am Zchichvf entschlüpfte dabei ein unfreiwilliger, aber um so bessrer Witz: Er pries das Lateinische, das für das deutsche Woft „Sklave" 4 oder 5 verschiedene nuancierte Bezeichunngeu hatte; in dem einen Falle müsse Sklave mit servus, in einem andern mit Minister übersetzt werden, und das sei doch von höchstem erziehlichen Werte für den Schüler. Der Redner lvar ganz verdutzt, als das ganze Ha»ä� und der Minister selber in laute Hciterleir auZ- brachen. Böse Ironie hatte ihm ganz ferngelegen.— Geschlichtet wurde der Streit zwischen den Lobrcdnern antiker und»Wdcrucr Bildniigselenienle natürlich iiicht. Herr Stndl hatte sich init ganz unverbindlichen Worten hineingemischt: er verriet nur, dag iviedet eine Kommission tagt, die die Schulreform von lML nachprüft. Warten wir ab, ob etwas Gescheites dabei heranskvnimt.— trbcitfo unverbindlich äußerte sich der Dtiuiftcr zu der Frage der Errichtung von MStrch eng ymn asten, die der Abg. Rickert in die Debatte geworfen hatte. Gleich bei seinem Amts- antritt hatte Herr Stndt eind Petition um Errichtung eines.Mädchcu- ghnuiasiulns in Köln kurz und barsch abgelehnt. Er bestritt aber, ein grundsätzlicher Feind der FranenbildmigS-Betvegung zu fein und wartete mit einer Reihe tiefsinniger Allgemeinheiten über den Ernst der F r a u c n f r a g e ans. So ersparte er sich eine klare Antwort <. Sing«- ob er lniiftig Mädchengymnasieu genehmigen L'r.*. c" �uttuciidigfcit jüngst sogar Herr Schädler im bayrischen Landtag anerkannt hat.— Neben diesen allgemeinen a.cbatten ging eine breite Erörterung, der GchaltSocrhältnisse und der lleberbürdmig der Oberlehrer einher. So ziemlich von allen Selten des Hauses wurde die Notwendigkeit einer Arbcitsentlastnng und Besserstellung der Viclgcplagtcn anerkannt. Ter„Herr im Kastaiiiemvnldchcn" aber scheiirt taube Ohren zu haben, und wen» er Nicht will, dann kann die IlnterrichtLverivaltiing nichts ausrichten. Arn Montag wird die Beratung fortgesetzt. Hinter der �leischschu». Scmi man die dulch die Fleischschaubeschlusse geschaffene �agc richtig verstehen will, so ulust inan sich klar machen, was hinter diesen Beschlüssen in Wahrheit steckt. Nicht nur um den Profit handelt es sich, den die Agrarier ans einem Verbot der Fleischeinsuhr ans Kosten des arbeitenden Volks schröpfen würden. Hätten die Regierungen sich dazu 0er- standen, die Forderungen der Agrarier anzunchmen, so würden die Kanitze schoir jetzt chas Ziel aller ihrer Wünsche erreicht haben: Handelsverträge wären unmöglich gc- worden. Die. Agrarier glaubten die durch die Flotten- vorläge geschaffene Sitnation dazu ausnützen zu können, um die Regierungen für die künftigen Handelsvertrags- Verhandlungen unlöslich zu fesseln. Das Verbot der Fleisch- einfuhr vom Jahre 1304 bedeutet, daß Deutschland nicht mehr freie Hand behält gegenüber den andern Staaten. Die Eitt- Wicklung Deutschlands als eines Jndustrie-Exportstaats bedingt, daß zur � Erzielung von Handelsverträgen, die der In- dustrie günstig sind, Kompensationen auf dem Gebiet der Lcbcnsmitteleinfuhr gewährt werden müssen. Das -ßerbot der Einfuhr einer wichtigen Gattung der Lebensmittel vereitelt aber diese Kompensationspolitik von vornherein an einem entscheidenden Punkt und ist dem- gemäg geeignet, die Abschließung von Handelsverträgen über- Haupt zu verhindern. In den Fleischschaubeschlüsscn steckr so bereits der Zwang zu einer durchaus agrarischen indnstric- feindlichen Handelspolitik und vornehmlich ein hoher Ge- treidezoll. Rätselhaft ist nur. daß sich die Agrarier im Ernst ein- bilden konnten, die Regierung würde für diese Beschlüsse zu haben sein, die eine Entscheidung über die Handelsverträge noch vor dem Beginn ihrer Verhandlungen darstellen. Haben die Agrarier wirklich geglaubt, daß um der Flotte willen die maßgebenden Personen fähig wären, die Handelsinteressen des Reichs preiszugeben, zu deren Schutz doch angeblich die Flotte geschaffen werden soll? Haben sie in der That einen solchen Grad von Verblendung und Einsichtslosigkcit bei dem Bundesrat vorausgesetzt, daß er— wasserberanscht— in die agrarische Falle tappen würde, ohne zu merken, daß er mehr als ein freches Attentat ans das konsumierende Volk sanktionieren, daß er damit der gesamten Industrie einen furchtbaren Schlag versetzen würde? Fast scheint es, als ob man im Vertrauen auf gewisse Stimmungen das Unmögliche für möglich gehalten hat. Nun, der Coup ist mißglückt. Das Ministerium Hohen- lohe kann die Flcischschaubeschlüsse in ihren schamlosesten Bestimmungen nicht annehmen, und wird es auch nicht thun. Die„Kölnische Zeitung" versichert offiziös,„daß die maßgebenden Kreise der Reichsregierung von der Uimiinehmbarkeit der extremen agrarischen Ansprüche überzeugt sind, und daß diese Kommissionsbeschlüsse nie ui als Gesetz werden können." Und die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" gicbt diese Auslassung wieder. Freilich, wir müßten nicht in der Zeit der Sanmrcl- Politik leben, wenn nicht die Regierung es wieder mit einem kleinlich- kläglichen Kompromiß versuchen würde. Statt energischer Absage ein zahmes Beschwichtigen. Wenn übrigens nnsre Reaktionäre plötzlich wieder hochgradig konstitutionell empfinden und erklären, der Bundes- rat habe die Pflicht, sich dem Votum der Mehrheit zu fügen, so ist daS nicht mehr konstitutionell im deutschen Sinn, sondern bedeutet die Erklärung der Parlaments- Herrschaft, gegen die wir ja an sich nichts haben, so komisch ihre Proklamierung auch in dem Munde von feudalen Monarchisten klingt. Der konstitutionelle Weg aber ist, daß die Regierung auf ihrer ursprünglichen Vorlage be- steht, für die allein die Socialdcmokratie eintritt, und falls sie die Zustimmung vom Reichstag nicht erhält, das Parlament auflöst. Das wäre das korrekte konstitutionelle Vcr- fahren, vor dem nnsre Regierung natürlich zurückschreckt. Das Kompromiß nun, was die Regierung den wütigen Agrariern zur Abfindung anbieten wird, dürfte von den „Berliner Neuesten Nachrichten" zutreffend angedeutet werden: „Der Kominissionsbcschlutz zu Z t4s, daß die Einfuhr von ein- gepökeltem oder ähnlich z»berei:e!em Fleisch, Büchsenfleisch, Würsten usw. verboten wird, ist dahin abzuändern, datz das Verbot für Pökelfleisch gestrichen wird: Pökelfleisch soll also auch fetnerhin eingeführt lverdeu dürfen. Alsdann soll die Besliminung der Frist betreffend das Verbot der frischen Fleisch- einfuhr g e st r i ch e n werden. Die Regierungen sind, lvic vcr- lauict, der Meinung, datz die Frage der Flerscheiiifuhr im Zu- saminenhange mit den zollpolitischen Erörterungen über die neuen Handelsverträge gelöst werden müsse. Endlich scll, wie verlautet. die RcichSregiernng willens sein, die Befreiung der HouS- s ch l a ch t u n g e n von der Kontrolle, im Sinne der Kommissionsbeschlüsse, anzunehmen. Auch aus den„Berk. Pol. Nachr." klingt der bekannte Miquelsche Sammel-Lockruf. Der Bundesrat könne zwar nicht alle Beschlüsse des Reichstags annehmen, aber man würde sich auf der berühmten„mittleren Linie" zusammenfinden: „Dies üst um so wünschenswerter, als cS sich auch bei de», Flcischbcschan-Gcsctz um einen Gegensatz reu Interessen handelt, den auszugleichen sich alle diejenigen angelegen sein lassen muffen, welche wünschen, datz bei der Neuordnung unsrer Handels- beziehungen zum Ausland alle Anhänger des Schutzes der nationalen Arbeit geschloffen zusammenstehen." Zivar erklärt die„Deutsche Tageszeitung" noch stolz, der Reichstag müsse unbedingt an dem Ausschluß des Pökelfleisches»ud ebenso an der Fristbestimmung fest haltlsu". für sie fei das Kompromiß auf jener Grundlage „unannehmbar": „Wenn der Reichstag fest bleibt, werden die widerstrebenden Regierungsstellen nachgeben müssen. Thun sie es nicht, so tragen sie die s ch>v c r c P c r a n t w o r t u n g s ü r d i e F o l g e n. die weit über das Fleischschan-Gesctz hinaus sich beinertvar machen werden." Indessen, da die Agrarier nicht das mindeste Interesse an einem Scheitern des Gesetzes haben, das ihnen, auch nach Beseitigung der wildesten Unverschämtheiten, noch große Vor- teile bietet, so werden sie sich schließlich trotz der jetzigen Erpresser- Drohungen auch mit der gewährten Liebesgiihc. begnügen. Es dürfte also doch ein Kompromiß in der an-! gedeuteten Richtung zu stände kommen, ein Kompromiß, das freilich immer snoch eine beschämende Kapitulation der Regierung vor der agrarischen Begehrlichkeit darstellt. Wie sich dann die Konservativen zur Flottcnvorlagc stellen werden, nachdem ihnen die listige Vereitelung der Handelsverträge einstweilen noch nicht geglückt, das bleibt fraglich. Es ist sehr möglich, daß auch sie letzt die Deckungs- frage so sehr in den Vordergrund schieben oder schieben— lassen, daß die Vorlage darüber stürzt, die ihnen ja überaus„gräßlich" ist. Auf jeden Fall wissen jetzt unsre Liberalen, was sie bei den Handelsverträgen zu erwarten haben. Hätten sie politische Einsicht, so würden sie auch die Frage der Sßariuevennehn'.ng nur im Z u s a m nl e u h a n g mit den handelspolitischen Erörterungen zur Erledigung bringen, umsomehr, als ja die Flortenvorlage ausschließlich mit der Rücksicht auf Handel und Industrie begründet wird. Die Fleischschau-Leschlüsse haben rechtzeitig auch den Blödesten darüber aufgeklärt, daß das Agrarierturn immer noch die Herrschaft ausübt, daß seine Anmaßung größer ist als je. und daß die schwächliche Sanimelregierung durchaus nicht die Neigung und den Mut hat. die agrarischen Gelüste zu durchkreuzen. Hinsichtlicki der Flottenvorlage wäre am allermeisten die Mahnung Posa- dowskys zur Geduld angebracht! Aeuilches Meich. Ballcstrem als Ccnsor. Wie die„Münchener Neuesten Noch- richten" mitlcilc», richtete der Präsident des ReichStcips Graf Ballestrem an den Vorsitzenden der Protestversammlung Dr. Hirlh ein Schreiben, welches besagt, datz der Miinchener Prolest gegen die lex Hcinze lvcgcn des beleidigenden Inhalts des Protestes sich zur geschäflsordiiuugSmätzigen Bchnudlmig in« Reichstage nicht eigne und deshalb mir den weitereu Anlagen des Protestes zurückgegeben werde. Die Miinchener Resolution charakterisiert in scharfen Worten den Gesetzentwurf, nicht den Reichstag. ES scheint«US eine übertriebene Empfindlichkeit und eine bedenkliche Ecnsurierung der öffentlichen Meinung, wenn derart der Zugaug zmn Reichstag gesperrt wird. Schlictzlich käme man noch zu einer Censnr der im Reichstag ans- liegenden Zeitungen und der— wie Herr v. Frcge einst wünschte— Berichterstarttlilg der Journalistentribüne. Der Reichstag hat sich schon viel sagen lassen nülffen— man deute an die vaterlandslosen Geselle»—, datz es wahrhaftig in jeder Beziehung unangebracht ist, eine Sperre über scharfe Eharaktcristiken gesetzgeberischer Versuche zu verhängen.— Wareithanöstcucr und Wcltpolitik. Gegen die Warenhausstener sind beim preutzischen Abgeordneten- Hause schon weit über lövc) Petitionen von Fabrikanten cingegaiigen. Die Pelilionei!, die auf Veraulassmtg einer Fabrikautenverciiiiguilg eingereicht werden, verlangen die Ablehnung jeder Sonderbcsteueruug des Detailhandels. Jit der Petition finden sich folgende AuSführnngen: ..... Antzerdem wird durch die möglichst großartige und moderne Ausgestaltung der Detailgeschäfte das Ansehen der Export- Industrie bei anSIändischcn Einkäufern gehoben, die crfahrungs- mntzig uusre großen Warenhäuser zu ihrer Oricutierung stets besuchen und dort ivie in einer Ausstellung Anregung zur Er- teilung von Aufträgen an die deutsche Industrie finden. lltzan tann nicht übersehen, wie die durch die Entwicklung des Dctailvcrlehrs gehobene Absatzgelegcnheit vielen kleineren Fadri- kauten erst die Möglichkeit gegeben hat, ihren Betrieb rationell auszugestalten, ihre Leistniigssähigkcit zu crböhen und selbst Anteil am dentschen Exporthandel zu nehmen. Die mugekehrle EM- wicklnng mutz sich durch jede Einschränkung und Erschwerung des Detailvertriebes vollziehen. So würde durch die Steuer inländischer und ausländischer Absatz ungünstig beeinflußt und eine geivitz nicht beabsichtigte Schädigung der deutschen Industrie herbeigeführt werden." Diese Sätze zeigen recht dentlich die entwicklungsfeindlichen Tendenzen der mit der WarcilhanSstcncr bcabsichtigten Mittelstands- retterei. Denn eine Behinderung der in dem Warenhaus-Systeur liegenden Fortentwicklung der Form des Handels ist allerdings die Absicht der Väter dieser Steuer. Deshalb ist es uamcntliÄ in der Zeit der exteiistven Flotteupolitik sehr interessant, datz die Ilv.ternehmer- Petitionen ans die möglichen weiteren Folgen der Schädigung des modernen großen Detailgeschäftes hinweisen. Es offenbart sich darin derselbe Widersinn. wie ztvische» Flotteupolilik und Fleischeiufuhr- Verbot.?lur wird es»och charakteristischer dadurch. datz dieses Steuergcfetz von derselben Regierung vorgeschlagen ivird, die als wesentlichster Teil der Reichsregierung den Flottenkoller pflegt. Wir glauben nicht, daß die Steuer die bcabsichtigten Folgen haben wird. aber die Absicht ist das Keiinzeichnendc und kennzeichnend ist das Widerspruchsvolle und Unehrliche, datz in dieser Politik liegt. Ans der einen Seile phantasiert inan von wcitausschaueuder Welt- politil, Förderung der HandelSintcrcsjcn, und doch lvar eS der WeltmachtSkitzel. der den Anstotz zur Flottenvermehrung gegeben. Auf der andren Seite will man der natürlichen Teiideiiz zu einer nützlichen Forlciitmicktung der Warenverteilniig entgegenwirken, indem man sie als ungesund bezeichnet, die wirklich zu Grunde liegende Absicht ist aber, sich die politische Gefolgschaft des sogenannten Mittelstandes zu erhalte».— Arrogante AlleriveltSpolftil auf der einen Seile und politische Flickschusterei auf der andern.— Proteste gegen das Flcischschau-Gcsctz. In einer Bremenscr Börsenvcriammlnng wurde einstimmig ein Protest gegen die Fleisch- schanbeschliisie des Reichstags angenominen. Es heißt in der Kund- gcbung: „Mit schiverer Sorge sieht die Bremische Kanfmonnschasl aus den vomNeichStageangenönmiciicn Abänderungen der Regierungsvorlage li u h c i l für Deutschlands I n d u st r i e, Handel und Schiffahrt entstehen. BerkehrSschranke», wie sie die Beschlüsse des Reichslogs ausrichten, müssen nolwenbigerwetje Störungen in der Entivicklnng einer gesunden Haiidelspolitik hervorrufen und unsren Handel und Verkehr in scineü wichtigsten Beziehungen auf das nachteiligste beeinsliissen. Gefährdet ist vor allem uusre Volks- rntährung, insonderheit die der Millionen von industriellen Arbeitern, aus deren gesteigerten Lebenshaltung und Leistungs- sähigkeit nicht zum wenigsten das Blühen und Gedeihen Deutsch- tands beruht." Ein ähnlicher Beschluß wurde von der Hamburger V-rsammkunz eines„Ehrbaren Kaufmanns" gefaßt. Der Protest führt unter andrem ans: „Tie Annahme dieses Vor'chlags würde durch Enffachunz wirtschaftlicher Kämpfe mit dem Auslände und im Innern den Handel, die Schiffahrt und die Industrie sowie die gesamte arbeitende Bevölkeruitg empfiiidlich schädigen nnd damit die wirtschaftliche Kraft Deutschlands, die notwendige Grundlage seiner Welkmachlstelluiig. der die Flottcnvennehrung dienen toll, aufs schwerste beeinträchtigen." Hilfe für die„notleidende»" Landwirte. Von Königs- bcrg i. P. aus wird eine Eisenbahn durch das Sa inland und an der Samlandtiiste entlang gebaut. Pfingsten sollte die Eröffmlng siir den Personenverkehr stattfinden. Um die recht- zeitige Fertigstellniig zu ermöglichen. sollen, lvie � eine KöiiigSbcrger Zeitung mitteilt, Soldnteuabtcillingen bei de» Abschlutzarbcitcn behilflich sein. ES soll daS geschehen, weil es sico trotz Annahme einiger hundert Erdarbeiter nicht ermöglichen läßt, die Arbeiten so zu beschleunigen, wie notwendig ist. Wir meinen, es ließen sich dann eben einige ivcitcrc hundert Arbeiter annehmen. Das würbe freilich auf den umliegenden Gütern unangenehm empfunden werken, wo man jetzt bald viele Arbeitskräfte zur Frühjahrs- bestell iii:g gebraucht. Da ist es ein nicht übles Aiishilfsniittel. daß den Agrariern die Arbeiter gelaffcn und für den Bahnbau Soldaten verwendet ivexdcn.— Gegen die Klottenvorlage manövriert unmiSgesetzt die„Dentsche Tageszeitung". Me höhnt, daß den Flottcnschivärmern die Sache zu langsam'vorwärts gehe: „Wer ein wirklicher und vernünftiger Flottenfreund ist, der mutz dafür eintreten, daß die schwierige und wichtige Frage nicht übers Knie gebrochen, sonder» eingehend geprüft und so erledigt werde, datz eine möglichst große Mehrheit dafür eintritt. Tie Hurrästimmung ist für un- verantwortliche Leute außerordentlich wohlfeil. Verantwortliche Männer aber würden gegen ihre Pflicht handeln, wenn sie sich ihr hingeben wollten.". Dos ist schon völlig die konservative Verschleppungstaktik, wie sie im Kanalhandel geübt worden ist.— De» ZickzackkurS kritisiert die„Deutsche Zeitung". daS Langesche Blatt für Gymnasiallehrer, Aerzte. Pastoren usw. mit folgenden Worten: „... Uusre Regierung, unsre Politik, ander gemessen selbst eine Politik Maximilians l.. des angeblich letzten RitterS". und eine Politik Friedrich Wilhelm IV., des angeblich ein- zigen„Romantikers auf dem Thron der Cäsaren". eine ruhige, besonnene und d a ii e rh a st e E r f o l g e versprechende gcualuit werden könnte." Die Regierung und die lex Heiuze. Die allgemeine Empörung über die lex Heinze- Beschlüsse scheinen Eindruck auf die Regierung gemacht zu haben. Wenigstens deutet die„Nordd. Allg. Ztg." an. daß für den Bundesrat nach wie vor der Thcatcrparagroph unannehmbar sei. Sollte sich die Regierung wirklich dem konservativ- klerikalen Ronipromitz nicht unterwerfen wollen?— Sonncberg i. Th„ 10. März.(Privatdepcsche dcS„Vorwärts".) Bei der Landtags-Ersatzwahl im Kreise Schalkau-Rauenstein haben sich die sociakistischen Stimmen verdoppelt; eS findet Stichwahl zwischen Hofmann-Saalfeld(Soc.) und Landrat Gotting(k.) statt. Erhöhte Dampfersnbdcntion. Dem Bundesrat ist der Entwurf eines Gesetzes. betreffend P o st d a in p f s ch i f f s- Verbindungen mit Afrika zugegangen. K 1. Der Reichskanzler Ivird'ermächtigt, nach Ablauf des gegenwärtigen, auf Grund des Gesetzes betr. eine Postdampfschiffs- Verbindung mit Ostafrika. vom 1. Februar 1300 abgeschlossenen Vertrags die Einrichtung und Unterhaltung einer vterzchutägigcn Poftdampfschiffs-Bcrbindnug mit Südafrika auf eine Dauer bis zu fünfzehn Jahren an einen geeiguelen deutschen Uutcriiehmcr zu übertragen und in dem hierüber abzuschlietzenden Vertrag eine B e i- Hilfe bis zum Höchslbetrage von jährlick einer Million dreihundert und fünfzigtausend Mark id. h. 450 000 mehr als nach dem gegenwärtigen Vertrage) aus ReichSiuitteln zu bewilligen.§ 2. Diese Verbindungen können durch eine abwechselnd von Osten und von Westen um Afrika fahrende Hauptlinie und eine durch den Suczkanal nach und von Ostafrika fahrende Zivischenlinia hergestellt werden. Wetter lverden Bestimmungen über die Fahr- geschwindigkeit getroffen. In der Begründung der Vorlage wird u. a. angeführt: Die afrikanischen Gebiete sollen auch vom Westen her mit Deutsch- land in unmittelbare Dampferverbiiidiing gebracht werden und zwar durch eine Linie, die das Slapland in das ofriiauische Unternehmen einbezieht. Die Gründe sind vornehmlich 1., die wirtschaftliche Bedeutung des Kaplandes für die Entwicklung unsres Handels- Verkehrs, 2. die Eröffnung von ZugangShäfcn mich dem wichtigen Transvaalgebiet, die schneller erreichbar sind als die Delagoa- Bay. 3. die Möglichkeit. die hierin � liegenden wirtschaftlichen Vorteile durch eine organische Verbindung der Kaplinie mit der osl- asritanischcn Linie— durch Rundfahrten mn Asrita— mir verhältnismäßig geringen Kosten zu erreichen. Für eincReichS-KapIinie wird die unter deu verschiedensten Gesichtspuiilten geradezu uotivcndige S e l b st ä n d i g k e i t unsrer überseeischen Verkehrs- beziehiingeil geltend gemacht, fodatin die Po st i n t e re s s c n. Die deutsche Linie würde in Zeilen kriegerischer Verwicklung eine größere Gewähr bieten für eine sichere Beförderung der Post. Von be- soliderem Interesse ist die? auch für unsre Kriegsmarine, da im Kriegsfälle eine sichere Nachrichtenübermitteftmg und Materialien- zufuhr für die Marine von der höchsten Wichtigkeit ist, Ter erhöhte Zuschuß sei nötig, denn es mmsen ö neue große Dampfer zu je 2'- Millionen Marl und 4 neue mittelgroße Zwischcndampfer zu je 1.3 Millionen Marl gebaut tverdcn. Ungeachtet der gegen- wältigen fliicgcrischen Verwicklungen in Südafrika sei es ratsam. mit der Aiisgestaltlmg des afrikanffchen Reichspostdampfer- Unter- nehmenS sobald vorzugehen, als die dazu erforderlichen Bor- bereitungen eS irgend gestatten. Demi voraussichtlich wird nach Beendigung des Kriegs die durch ihn zurückgehaltene Wirtschaft- licke EiiNvicklung alsbald einen lebhasten Aufschwung nehmen. und beim Einiritt dieses Aufschwung- wird das criveiterte deutsche llnternchnle» am Platze fem müsse», um an dem daraus zu erwartenden Zkutzen teilzuuehmen. ES ist deshalb in Aussicht ge-- nommen, den neucn Vertrag etiva am 1. April 1ül)l in Kraft treten zu lassen, während der gritende Vertrag mit Lmidigiing der letzten Vcrtragsreise gegen Ende des Jahres 1000 abläuft. Wenn das Kind tit deu Prunuen gefallen. Aus Anlaß des Falles des P r i n z e n v o n A r e n 0 e r g. der sich bekanntlich grau- saurer Verbrechen in den Kolonien schuldig gemacht hat, ist für den llcberlritt von Offizieren der Armee zur Schutztruppe unter dem 24. Februar folgende Bcstimnmng getroffen: „Die Personal- und QnalisikalionSbcrichte gehen auf dem Dienst- wege durch das Gencralkommaudo usrv. au den Chef deS Militär« kabinetts zur Weilergabe an das Oberkoimuando der Schntzirur'peri. die Personalbogen unter Aermiltelung der Geheimen Kriegskanzlcl unmillclbar an die zuletzt bezeichnete Dienststelle," Die Hausfuchnugen in der Provinz Posen danern fort. AnS Giicscn wird berickilct: Bei einer Reihe polnischer Gym« n asi asten dcS hiesigen Gymnasiums fanden aus volilrickum Gründen Haussuchungen statt. Allem Anschein noch stehen dieic HauS- suchungen mit der H o ch v e r r a t S a n g c l e g e ii h e i t Leitgeber in Ostrowo in Verbindung. Auch aus andren Teilen der Plvriliz werden vereinzelt Hausluchungen gemeldet.— Payrenth, 10. März. Bei der am 3. März stattaehadien Reichstags-Ersatzwohl im Wahlkreise Bayreuth kl wurden inr ganzen 13 033 giltige Stimmen abgegeben. Hiervon erhielten Bier- braUereibesitzer Johann Friedet in Oberkonnersrenth lnatl.) 0159 und Bildhauer Georg Frank in Nürnberg kLoe.) 4735 Stimmen. Trstercr ist mithin geivählt. Bei der letzten Hanptivahl in demselben Kreise erhielt unser Genasse nur 42t l Stimmen. Unsre Partei ist also in den wenigeo Jahren in jenem Kreise mn über 500 Stimmen gewachsen.— Ausland. Oestreich- Ungarn. Obstruktion oder Opposition. Einem Wiener Eommimiqus zufolge lvnrde im Czechcnkinv der Äntrog gegen die Rekrutenkontingent Z-Lorlago Obstrnklion zu treiben, gestern mit LI gegen 14 Ltimnien abgelehnt! ein weiterer Antrag, gegen die Vorlage lediglich Opposition, zu treiben, mit 22 gegen 18 Stimmen angenommen. Nachdem sodann der Antrag, gegen das Jnvcstitionsgesetz Obstrullion zu. treiben, angenommen worden war, wurde von einer Abstimmung über den Antrag, gegen die Wirtschaft- lichen Vorlagen Obstruktion zu treiben, abgesehen.— Ungrischc Sitten. Am Sonnabendmittag fand in B u d a p e st da? Duell zwischen Baron Banffy und Gabriel Ilgron statt. Bei dem ziveimaligen Kugelwechsel sind beide Parteien un- verschrl geblieben. Nachmittags sollte ein Duell Ugron-Nohonczy stattfinden. Ilm den Honvedüniüster Baron Fejervary zuin Duell zu zwingen, ivill Ugron denselben. uns ulti e r e n. Das letztere ist bereits geschehen. Nach einem weiteren Tele- gramin auS Budapest richtete Herr Ugron, um Fejervary z u m Duell zu zwingen, an seine Kartellträger ein offenes Schreiben, in welchem er den Minister öffentlich für ein altes Weib erklärt. Großartig!— Schweiz. Ben», 9, März. lEig. Ber.) Es kommt nun doch noch vor der Strafkammer des Bundesgerichts in Lausanne zu einem Anarchisten- prozrst, indem die Anklagctammcr die vom Bundesanwalt Kronauer gegen Frigerio, Bertoni und Held erhobene Anklage znzulaffcn be- schloffen hat. Es ist das erste Mal, daß das im Jahre 1894 anläßlich der Ermordung Carnots geschaffene Anarchisteilgcsctz zur Antvendung kommt, ein'Beweis/ daß eine dringende Notwendigkeit für dessen damalige Schaffung�nicht bestand. Der Attentäter Luccheni ist bc- kanntlich nach dem Strafgesetz des Kantons Genf verurteilt worden. Frankreich. Die Affäre Philipps. Paris, 9. März. Die Polizei bc- schlagnahmte heute den Inhalt eines Gcldschrankfaches, welches der ehemalige Beamte des Marineministeriums Philipp beim Credit Lyonnais gemietet hatte. Der Borsitzende der Senatskommission für die Amnestie-Vor- läge hat Briefe von Dreyflts. Zola, Picquardt und R e i n a ch erhalten, in welchen dieselben gegen die Amnestievorlage Einspruch erheben und, mit Ausnahme von Dreyfus, verlangen, von der Kommission vernommen zu werden./ Asien. Amnestie in Korea? Aus Söul wird berichtet, der ehe- malige Minister Antjens, der vor zivei Jahren einer Verschwörung gegen den König beschuldigt wurde, ist aus Japan zurück- gekehrt und hat sich sefbst den Behörden gestellt. Der japanische Ge- sandte bat den König, Antjens die Strafe zu erlassen, weil er sich freiwillig dem Gericht gestellt habe. Man niinmt an. daß aus Japan bald die politischen Verbrecher nach Korea zurückkehren werde», die der Teilnahme an der Ermordung der Königin beschuldigt sind. Nach ihrer Rückkehr werde wieder japanisches Regime bc- ginnen.— L>ÄvlsmentÄvrfches. ttufallvcrsichcrnngs Kommission. In der Sitzung am Sonnabend wurdx die.Beratnng des Mantel- gcsctzes zu Ende geführt. Eine längere Debatte cnlspann sich über den Antrag der Regierung, die Besetzung des Reichs-Versichernngs- «uuts bei Entscheidlmgen über die Ansprüche der Verletzten von 7 ans o Mitglieder zu verringern. Tic Regierung hatte diese Aenderung Verla» gl' unter der Begründung, daß es schwierig sei, die nötige Zaht der richterlichen Beisitzer zu stellen. Diese Aenderung wurde von fast alle» Parteien bekämpft. Hierbei wurde hervorgehoben, daß die thaisächlich vorliegende Schwierigkeit, die nötige Zahl der richter- lichcu Beamten zu stellen, hervorgerufen sei durch das viel zu geringe Eittgegcnkoininc» der preußischen Regierung. In Berlin seien die ineisten Richter mit Arbeiten überhäuft und daher lau», sähig, im Nebenamt noch als Beisitzer im Neichs-VcrsichcrungSamt lhäng zu sein. Die' preußische Regierung gehe sogar so weit, daß sie bei Beförderung eines Richters demselben zur Pflicht mache, seine Rrbeiibcschäftigung im Reichs Bcrsichermigsamt auf- .zugebe». Hiergegcu msisse das Reichsamt dcS Jimern un- dedingt einschreiten und dafür sorgen, daß die preußische Justiz- verivaltung diejenige Rücksicht auf das Reichs-Versichcrungsamt nchme, welche der großen socialpolitischen Bedeutung dieser Körperichast entspricht. Geschähe dieses, so würden sich genug Richter finden, welche zur Mitarbeit im NeichS-VersichernngSamt bereit wären. Der Ausweg jedoch, den die Rsgiernug vorschlage, dürfe unter keinen Umständen gewählt werden. Im ReichS-Versichcruiigsamt käme» an jedem Sitzungstage IS Fälle zur Entscheidung. Bei der jetzigen Zusammensetzung des Gerichts Ivürden diese 13 Fälle auf !- Referenten verteilt. Die /Herabsetzung der Zahl der Mitglieder von 7 auf ö würde dagegen zur Folge haben, daß die 13 Referate von eiiiem oder höchstens zwei Beisitzern übernommen werden müßten. Dies wäre eine zu starke Belastung der einzelnen Per- tonen, infolgedessen ivfixe eine gründliche Durcharbcittmg schwieriger Fälle nicht möglich. Die RogicijUlig trat mit allen Kräften für ihre Vorlage ein. Ihre Vertreter erklärten das Verhalten der Justiz- Verwaltung dem Reichs-Lersichernngsaint gegenüber für durch« ans berechtigt. Eine Ileberlaftmig der' einzelnen Beisitzer durch zu viele Referate in den Sitzungen des Reichs- Verstcherniigs- amts sei auch nach der Äendennig mchl zu befürchten, da die Ver- Handlungen vor diesem Gerichte in der Regel sehr kurz seien, die Fälle also sehr einfach liegen und auch von den Referenten schnell erledigt werden könnten. Da sich die Regierung aber im Laufe der Debatte überzeugen mußte, daß selbst bei der bürgerlichen Mehr- heit der Kommission die von ihr vorgebrachte Begründung der beantragten Verschlechterung keinen Anklang finde i so erklärte Ministerialdirektor v. Wödlle. daß nach Ablehnung deS Rc- gicrungsvorschlagö das Zustandekommen des Gesetzes aufs äußerste erschwert werde. Aber auch diese Drohung versagte. Bei der Abstimmung wurde vielmehr mit allen gegen die Stimmen der Konservativen die von der Regierung vorgeschlagene Acndcnuig abgelehnt, so daß auch in Zukunft bei den Entscheidungen des RcichS-Versichernngsamts 7 Mitglieder thälig sein müssen. Außerdem hatte die Regierung verlangt, daß statt der richter- lichen Beamten ein zum Richteramt befähigtes Mitglied des Reichs- VersicheruiigsamtS zu der Spruchsitzuug zugezogen werden könne. Auch gegen diese Beslinuinuig wurde Einspruch erhoben, weil ein solcher Beamter ans dein Jnstizdienst ausgeschieden sei und deshalb nicht mehr die nötige Fühlimg mit den civilrechtlichcn Fragen habe. Auch die Arbeiter verlangten die Streichung dieser Verichlechterung. In einer Petition an den Reichstag führten sie an?, daß diesen Beamten die Fühlung mit den Arbeitern fehle und deshalb eine Derstäiidigniig niit ihnen schwerer sei, als mit den richterlichen Beamten. Schließlich wurde auch diese Aenderung mit derselben Mehrheit abgelehnt. Etwas ganz Neues ist der Vorschlag der Regierung, die Berufs- genossenschaften zu ermächtigen, Einrichtungen zu treffe», erstens zur Lersiäieruiig ihrer Mitglieder gegen Haftpflicht, und zweitens zur Organisation des Arbeitsnachweises. Tie Socialdemokratcu er- hoben gegen diese kiencrung lebhaften Einspruch. Durch die bis- berigcn Aenderuiigcn sei bereits' die Haftpflicht der Unternehmer für leichte Fahrlässigkeit aufgehoben, so daß nur noch eine Haftung für absichtliche oder durch grobe- Verschulden herbeigeführte Unfälle bestehe. Lasse man auch für diese Fälle die Haftpflicht- vasichecung zu. so werde geradezu die Gewissenlosigkeit der Unter- nehmer bezüglich dcS Schutzes gegen Unfälle gefördert. Ein solcher Vorschlag verstoße' geradezu gegen die guten Sitten. Die Organisation des Arheitsnachlveises sei zwar notivendia, aber nur aus der Grundlage der Parität. In der Becussgenoffenschaft jedoch sei einseitig das Unternehmertum organisiert, so daß ein von dieser Körperschaft eingerichteter Arbeitsnachweis als ein Mittel zur Unterdrückung der Arbeiter sich bewähren müßte. Trotz dieser Ans- führungen wurde die von der Regierung vorgeschlagene Aenderung angenommen mit dem Hinweis darauf, daß ja bei dem Arbeitsnachweis auch Vertreter der Arbeiter zugezogen werden müßten. Die Socialdemokraten beantragten' dcihcr, daß die zur Organisation und Verwaltung des Arbeitsnachweises hinzuzuziehenden Arbeiter von den Versicherten ans Grund des für die Gcwcrbegerichte maßgebenden WahlvcrfahrcnS gewählt werden sollen. Nur auf diese Weise sei es möglich, den Arbeiten, eine wirkliche Mitwirkung bei den Arbeitsnachweisen zu sichern. Der socialdemokratische Antrag wurde jedoch abgelehnt, so daß also die Lerufsgenosscnschaft, das heißt die Unternehmer, nach ihrem Belieben die..Vertreter der Arbeiter" bestimmen können." Nächste Sitzung: Dien-tag�_ Der erste VerbaMag des Verballdes deutscher GllstwirtSgehitsen wurde gestern in den„Anninhallen" eröffnet. Anwesend sind 23 Delegierte. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutsch- lands ist durch C. Legien-Hambnrg vertrete». Nach dem Geschäftsbericht der Hauptverwaltung zählte der Verband am 31. Dezember v. I. 1387 Mitglieder. Am 1. Januar 1898 ist der Verband aus 9 Lokal- vereinen mit insgesamt 913 Mitgliedern gegründet worden. Tic Organisation hat in den zwei Jahren also um 472 Mitglieder zu- genommen. Von de» in den letzten zwei Jahren neu gegründeten Verwalttnigsstellen sind einige wieder eingegangen und zwar fast nur aus dem Grunde, lvcil cS an geeigneten unabhängigen Personell zur Leitung der Organisationsgeschäste mangelte. Der Mangel an gc- nügcnden rednerischen und orgqnisatorischcn Kräften, die ungünstigen ArveitSverhälttnffe, insbesondere die überaus lange, ungeregelte, bis spät in die Nacht dauernde Arbeitszeit der Gastwirtsgehilfen er- schiverten die Agitation in hohem Maße. Infolge dieser Arbeits- Verhältnisse mußten meist dcS Nacht- die Versammlungen abgehalten werden, um einen guten Besuch derselben zu ermöglichen. Leider ist die Agitation teilivcifc von den örtlichen Gewcrkschaftskartellen— auf die finanzielle Unterstützung könnte der Verband völlig verzichten— nicht genügend unterstützt worden. Allerdings haben trotzdem zahl- reiche Agitation-versanunlniigcn stattgefunden, die zum Teil recht gute Erfolge zeitigten. Flugblätter sind in den beide» Jahren 46 009 zur Verbreitung gelangt, außerdem noch eine große Anzahl Broschüren, die der Austlärnng diente». Eine sehr rege Thätigkeit ist von der Hanptverivaltung entfaltet worden. Neben den Ver- sammlnngen und den Konferenzen mit den Ortsvcrlvalinngen hat die Hanptverwalttnig zur Erledigung der geschästlichen Ängclegciiheiteu 57 Sitzungen abgehalten und eine sehr umfangreiche Korrespondenz geführt. Außerordentlich günstig haben sich die finanziellen Verhältnisse des Verbands gestaltet. Der Verband, dem zur Gründung nur 1486 M. von den anfgelöslen Lolalvcreincn und 300 M. von der Generalkommission überwiesen wurden, hatte am Schluß v. I. bereits einen Rasjenbestand von 10 380 M. zu verzeichnen. Die Einnahmcn betrugen in den zwei Jahren, darunter Eintrittsgelder 1899 M. ordentliche Beiträge 33 914 M., Extrabeiträge und Delegiertensteuer 6613 M.. freiwillige Sainmliiiigen zum GeiieralfondL 3376 M., insgesamt 52 529,35 M. Die Ausgaben betrugen in derselben Zeit 41 949.33 M. Unter andrem befinden sich unter den Ausgaben folgende Posten: für da§ Fachorgan 8670 M., für Agitation 3334 M.. für Arbeitsnachweis 3214 M., für Kranken- und Rcise-Uiitcrstütznng, Sterbegeld sdiesc Unterstiitzungen werden erst seit einem Jahre bc- zahlt), Rechtsschutz und Darlehne zusan.men 4363 M. Zur Unterstützung an Streikende andrer Gewerkschaften wurden 723 M. ver- au-gabr. Zu erwähnen ist noch, daß die Verbands- Stellcnverniittelung für die Mitglieder einen schönen Vorteil erbracht hat. Von den sieben Arbeitsnachweisen, welche die Organisation in den verschiedene» Städten eingerichtet hat, wurden in deti zivei Jahren 2172 feste und 60 827 Anshilfe- Stellen nachgewiesen. Nach den ortsüblichen Ge- bühren der Stellcnwnchercr im Gastivirt-gciverbe hätten diese siir die Bcrmittelnng über 42 000 M. beansprucht, die nun abzüglich der Arbeitsnachivei-nnlosten den Gasiwirtsgehilfen durch diese Einrichtung erspart geblieben sind.,_" Berliner Partei-Angelegenheiten. Die Lokallistc ist der heutig»:! Nuinmer unsreS Blattes beigefügt. Sie möge jedem Arbeiter zur Richtschnur dienen, wenn er von den Lasten des Daseins eine kurze Erholung sucht. Es herrscht unter dem klassenbewußten Proletariat nur eine Meinung darüber, daß Arbeiter nur dort zu verkehren haben, wo ihnen der Wirt gestattet, auch ihre ernsten Interessen zu beraten. TicS gilt sowohl von den in Berlin wie von den in den Vororten belegenen Lokalen. Nicht selten bemühen sich interessierte Personen, um auch in Arbciterkrcisen Karten für W i n t e r f e st l i ch k e i t c n zu vertreiben, welche in gesperrten Lokalen abgehalten werden. Man sieht zivar gern, daß der Arbeiter hier sein Geld verzehrt, schlägt ihm aber die Thür vor der Nase zu, wenn er beim Wirt um Avhaltniig einer Beriaminluiig anklopft. Solche Lokale sind auf jeden Fall zu nieiden! Desgleichen tritt in jetziger Zeit, wo VercinSvotstände sich schon vielfach nach Stätten für S o in m e r a u§ f l ü g e umsehen, an die Parteigenosse» die Pflicht heran, ihre Brüder in den Vororten im Kampf gegen den Druck der Ortsbehördcn zu unterstützen. Es ist bekamit, nfie schwer es zuweilen der Arbeiterschaft durch die be- kannten„ordiilingSstützcndcn" Maßnahmen gemacht wird, in den Vororten Säle zu Versammlungen frei zu bekommen. Hier hängt alles von der Euer gic ab, mit der die Berliner Parteigenossen ihre Pflicht thun. Kein Wirt darf bei Verein-aiiSfliigen berücksichtigt werden, der nicht das Versammlungsrecht der Arbeiter durch die That anerkennt. Möge jeder Arbeiter in diesem Kamps auf dem Posten sein! Auskünfte sowie Lokallisten sind bei sämtlichen Lokaltommissions- Mitgliedern zu haben. Die Lokalkommission. Erster Wahlkreis. Die Parteigenossen und Genossinnen werden darauf aufmerksam gemacht, daß am nächsten Somitagabeiid in Cohn? Festsälen, Bculhstr. 20, eine öffentliche Versammlung mit nachfolgendem gemütlichen Beisammensein stattfindet. Um rege Beteiligung ersuchen die Vertrauensleute. Dritter Wahlkreis. Die Mitglieder des Wahlvereius besichtigen heute das GewcrkschaftshauS am Engel-Ufer. Treff- Punkt daselbst vormittags 10 Uhr. Der Vorstand. Achtung 4. Wahlkreis Osten. Den Mitgliedern des Wahl- Vereins zur Nachricht, daß am kommenden Dienstag nnsre Versammlung bei Steckert, Andreasstr. 21, stattfindet. Genosse Reichsrags- Abgeordneter Paul Singer hat das Referat über- nommen. Um zahlreiches Erscheinen' der Mitglieder wird ersucht. Gäste haben Zutritt. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Der Vorstand. Arbciter-BildungSschule. Heute abend 7 Uhr im Lokal von Herzberg, Alte Jakobstr. 73, Vortrag deS Herrn Dr. Röse- meier: Von Neapel bis Belgrad. Aus der Geschichte der euro- päischen Reaktion. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Freie Volksbühne. Heut nachmittag 23/« Uhr. im Carl Weiß- Thealer, 3. Abteilung, Hamlet. Die S. BorstellimgZserie beginnt am 25. März im Carl Wciß-Thcatcr. Zur Aufführung ge- langt Björnsterne Bjönisons„Neuvermählten". Die sitt- liche Forderung von O. E. HaNlcben. Die Fcstmarkcn zum Heine-.Abend sind nur noch kurze Zeit in den Zahlstellen erhältlich. Partcivcrsammlungcn in den Vororten. Schöneberg. Reichstags-Abgeorductcr R o s e n o w spricht Mittwoch, abends 8 Uhr, im Klubhause. Hauptstraße 3—6, über die„neuesten Treibereien der Agrarier und die Arbeiterklasse."— Wi lmersdorf-Halensee: Am Dienstag, den 13. März, abends 8ffz Uhr, spricht Reichstag-- Abgeordneter Fritz Z n b e i l über die bevorstehende Stichwahl, bei Witte, Bcrlinerstraße 40(„Vollsgarlcn").. Vavkeibuvettu. Das Parteibureau befindet sich vom 14. März ab nicht mehr Katzbach st raße 9 '""dein Kreuzbergstrasic 30. Die Parteigenossen werden darauf aufmerksam gemacht, bei ihren Zuschriften an den Parteivorstand den Adrcsienwechsel zu beachten. Die Adresse für den Parteivorstand lautet vom 14. März ab: I. Auer, Berlin LV., Krciizbcrgstraffc 30. Zuschriften oder Geldsciidungen an den Parteikassiercr A. G e r i s ch sind ebenfalls Kreuzbergstraße 30 vom 14. März ab zu adressieren. Berlin, den 10. März 1900. Der Partei vorstand. Die Aussperrnng i» der Berliner Holzindustrie. Die Holzindiistriellen wollen jetzt den Mut ihrer Kampfgenosse» durch ein mit Uebertreibuugen reich gespicktes Flugblatt auffrische». Wahrscheinlich wird sich daö als sehr notwendig erweisen, denn die siege-sichcre Stimmung in Uiiteruchmcrkreiseii dürfte bald nach- lasten, nachdem die Herren sehen, daß c- mit den geleerte» Kassen der Streikenden nicht- ist. Wir können den Herren ver- raten, daß der Holzarbeiter- Verband bereits den Beschluß gc- faßt hat. in Anbetracht der großen Lvhnkämpfe von seinen sämtlichen Mitgliedern in Deutschland einen Extrabeitrag von 20Pf. pr o Woche zu er- heben. Das bedeutet für den Verband eine Hiehrein nähme von 15000 M.. die dem Streikfonds die verloren gehenden Kräfte wieder ersetzen werden. Die Arbeiter holten aus, wie es mit den Unternehmeru bestellt ist. dafür giebt das Flugblatt der Herren selbst den besten Beweis: denn wer mit solchen Eutstelluugen seine Sache führt, der ist weder moralisch noch finanziell sicher in seinem Austreten. So behaupten die Herrn, der Kamps wäre ihnen aufgedrängt, die Forderungen seien maßlos und uiivcrstäudlich. Daß die Arbeiter bei den Uuteruehincrn nicht allzu große» VerstäudniS ver- aussetzen dürfen, ist ihnen im Laufe des Streiks deutlich zum Be- wußtsein gckomnicn. Jedoch sind die Arbeiter daran unschuldig, es wäre nur den Meistern zu empfehlen, daß sie sich recht fleißig um die Zustände in ihren Werlstätten kümmern und nicht bei dem Sttidium der Rennplätze und zweifelhafter VcrgnügungSlokale in ihrem eignen Handwerk verlumpen. Daraus erklärt sich vielleicht auch die Scheu vor dem Gewerbegericht, denn dort gelten diese Äciilituisse nichts. Also die Arbeiter sind daran schuld, daß sie ausgesperrt sind! D a s behauptet man, trotzdem die M a.s ch i u e u a r b e i t e r, Bildhauer. Drechsler, M ö b e l p o l i c r e r und einige tausend Tischler überhaupt keine� Forderungen gestellt haben. Wo ist der Zwang für die Unternehmer? Allerdings die Herren haben es nötig mit diesen Lüge» zu operieren, ihre Sache gcwiimt sonst ein sehr zweifelhaftes AuS- lehc». die Scharfmacher bemühen sich, ihre Manipulatioiieu in einem günstigeren. Licht erscheinen zu lassen. Ihr Gewaltakt läßt sich nicht rechtfertigen. In dem Flugblatt kehrt auch die alberne Behauptung lvicder, daß der Diirchschnittsverdieiisi in dqn Werkstätten 30—36 M. pro Woche betrage. Dann müßten die Arbeiter noch eine größere Ver- ständnislosigkeit besitzen als die Unternehmer, wenn sie 24 Mark Wochenlohn verlangen. Für so einfältig wird sie niemand halten, ober es kennzeichnet die Kainpfcsweise der Holz- industriellen, daß' sie mit solchen unwahren Behaupttingeii haifficrcn gehen. Daun treffen wir auch die in allen Lohnbewegungen von kapitalistischer Seite gebrachte Behauptung an. daß die„Arbeiter- führer", die keine Arbeiter mehr seien, die Masse in Erregung und Bewegung halten müssen. Dem könnte man cutgegenhalten, was gchr den Holzhändlcr Bry der Streik in der Tischlerei an, hofft er viellcickit. durch sein Hervortreten ein gutes Geschäft bei dem Streik zu machen, hat er auch nur das geringste Verständnis von der Tischlerei oder könnte er sich gleichstellen, mit einem Arbeiter, der ol» Beamter seiner Organisation austritt? Und doch ist er der„Hetzer" in diesem frivolen, von ihm geschürten Kampf. Es lohnt sich nicht, auf eine Reihe andrer vollständig irrig wiedergegebener Forderungen einzugehen, die Herren verdrehen ab- sichtlich, es gehört zu ihrer KainpfeSführnng. Wie berichtet wird soll am DieulStag. vor dem Gcwerbegericht für beide Parteien eine Besprechung anberaumt werden. Ausgesperrt wurden am Sonnabend 60 Tischler. Dem Holzarbcitcr-Vcrbaiid war zur Kenntnis gekommen, daß Ivohl einige Meister von der Vereinbarung der Freien Vereinianng zurücktreten würden, wenn sie sicli nicht durch eine Konventtonalftrafe gebunden hätten. Darauf ist jetzt an sämtliche Fabrikanten ein Cirlular versandt, in dem dargelegt wird, gestützt auf das Gutachten eines Rechtsanwalts, daß die Einziehnng dieser Äonventionalstrase ungesetzlich ist, ein klagbares Recht nichr vorhanden ist, denn solche Verciiibarniigen widersprechen dem S 132 der Gewerbe-Ordnung. Der Verein der Tischler(Lokalorganisation) verhandelte am 9. März über den Streik. Man war im allgcinciiicn der Meinung, daß an den Forderungen auch nicht das geringste zu streichen wäre, im Gegenteil, überall die achtsiündige Arbeitszeit zu fordern fei. Die Slrcikuiitcrstntziing wird für diese Woche 10 M. betragen, damit der Verein im stände ist, den Mitgliedern aus längere Zeit hinaus Unterstützung geivähre» zu können. Die Höhe der Unterstützimg wird von Woche zu Woche von de» Mitgliedern bestimmt werden. Unter andrem wurde auch die Frage angeregt, wie man sich zur Unter- jlütznng der Nichtorganisierten verhalten ivoflc. ob cS nicht angebracht wäre, das ans Listen gesammelte Geld ihucn zuzmvcndcn. Die Entscheidung hierüber lvnrde einer späteren Versammlung über- wiesen. Da die Listen vom Gcwerkschaftslartell in'Umlauf gesetzt worden, so muß e- auch dem Kartell Überlassen bleiben, die gesammelten Gelder an die verschiedenen sich im Streit befindlichen Gewerkschaften zu verteilen. Von mehrere» Redneni wurde betont. daß dos Eiuigungsamt nichts zur Beilegung des Streiks thun kann. Bei den verschiedenen Branchen müsse es einer jeden Werkstatt« kommisfion möglichst überlassen bleiben, sich mit ihren Arbeitgebern über den von ihiien ausgearbeiteten Tarif zu verständigen. Ter Verband der Möbclpolierer hielt am Freitagabend eine von über 1000 Mann bestichn: Versmnmlnng ab. Berichtet wurde. daß die Zahl der AilSstäildigeu beziv. Ausgesperrten sich ans über 800 beläuft. Die sehr lebhafte und ausgedehnte Debatte drehte sich hauptsächlich um die Frage, wie der AiiShnngeriingStaktik der Holz- industriellen am besten entgegengetretcu werden könne. Zwar konnten von verschiedenen Rednern Beweise dafür angeführt werden, daß ein großer Teil der BettiebSiiihaber de» Maßnahmen der Scharf- macher mir ividerwillig Folge leiste. Die Versainmlnng kam ein- miitig zu der Ueberzengimg. daß e§ der gegnerischen Taktik die Spitze abbrechen heißt, wenn sich die Arbeiter � aus einen möglichst langwierigen Kamps einrichten. So beschloß demi die Versammlnng einstimmig, um die Unterstützung für die nächsten sechs Wochen zu sicher», die Unterstützungssätze für Vollberechtigte von 18 ans 12 M.' pro Woche herabzusetzen. Den Arbeitslosen wurde zur Pflicht ge- macht, sich niehr um den Arbeitsnachweis zu bemühen, da cS vor- gekoinmen ist, daß einzelne Stellen nicht besetzt werden konittcn. Mehrere Arbeitslose, die sich bei der Strcilleitung nicht gemeldet. werden nachträglich in die Strcikliste eingetragen. Auf eine Anfrag: v «rklärt der Vertreter des Holzarbeiter-VerbandS, daß die Tischler jc. überall dafür eintreten werden, dab auch die Möbelpolierer ihre Plätze wieder einnehmen. Nachdem R e n t e r noch einen zündenden Äppell an die jüngeren Kollegen gerichtet, wurde die Versammlung geschlossen._ pmtfui-Uladividjfett* „Post"- Schwindel. Das Organ des Herrn w Zedlitz nnd v. Stumm, das nach der Veröffentlichung der Lütgenauschen Broschüre schon den aus der Partei Ausgeschlossenen patronisierte, halle nach dem Prozeh abermals versucht, die Verhandlungen gegen die Partei auszubeuten. Da aus dem langen konfusen und gs- meinen Gewäsch nickt crsichllich war. welche Vorwürfe denn eigenl- lich die Partei treffen sollen, forderten wir das Blatt zur Prä- cisierung seiner Vorwürfe auf In einer neuerlichen Enlgegnung nennt die„Post" diese Frage eine„absichtliche EinsältizkeU" und behauptet: „Es sind die mancherlei Winkelziige und Unwahrheiten, mit denen gegen Liitgenau operiert ist und die im Prozesse in einer für die Socialdemokratie gewih ivenig schmeichelhaften Weiie aufgedeckt wurden... Man hat... von Ansang an gegen Liitgenau mit allerlei dunklen Altdeutungen über schwere Per- fehlungen operiert und ihm die Möglichkeit einer Verteidigung zu entziehen gesucht. In ihrem Kampfe gegen den zu vernichleitden Mann bat die Toeialdemotratie sich durchaus unlauterer Mittel bedient." Wir freuen uns daß das Platt, dessen Lebensaufgabe es ist, durch verlogene Jntrignen hinler den Eonlisien nach oben und durch Aufforderung zu Gewaltthätigkeite» aller Art nach unten hin den Interessen emer kleinen Kapitalistenklique zu dienen, plötzlich für Gerechtigkeit imd Offenheit sich begeistert i und ganz besonders angenehm sind wir überrascht, daß man diese Behandlung sogar für Eocialdcmokrnten ivünscht. allerdings mir für solcke die nicht mehr würdig befunden worden sind, der Partei anzugehören Indessen wir wollen, nach nochmaliger Lektüre des ersten.Posi"- Artikels, zugesteheii. dah er in der That in einem Punkte die „Winkelziige imd Unwahrheiten", welche sich die Partei habe z» Schulden komme» lassen, specialistert. Genosse Auer habe auf dem letzten socialdemokratischen Parteitage gesagt, Liitgenau sei zu seiner Verteidigung»ach Hannover eingeladen worden, obgleich eine solche Einladung nicht ergangen sei: „Der Zweck, durch die unwahre Darstellung»in ungünstiges Vorurteil gegen Lützenan zu erwecken, ist denn auch nach ? eugenaussagen erreicht. Das Bezeichnendste abe, kam erst noch interher. Da inzwischen die Unwahrheit dei Auerschen Be- Häuptling bekannt geworden war. wurde der betreffende PaffuS einfach ans deins ofsiziellen Protokoll de» Hannover- scheu Parteitags ge st richen— ein Beweis, welch einen Anspruch ans Zuverlässigkeit die offiziellen Parteiprolokolle erheben köiiiien." So schreibt die„Post", die von den vornehmsten und reichsten rind„gebildetsten" Leuten Dentschlands anSgehalten wird Stellen wir fest, das} diese Sätze aus lauter Lüge» bestehen. Im Partei Protokoll ist an der betreffenden Stelle auch»ich« ein Buch st abe geändert worden, wovon jeder sich überzeugen kann. der den ursprünglichen Zeitungsbericht mit dem Protokoll vergleicht Insbesondere befindet sich der' angeblich gestrichene Einladungspaffus völlig unverändert im Protokoll S. 82: „Lütgenau hat im Lauf der letzten Monate erklärt, daff er den Parteivorstand auf der Westfälischen Provinzial-Konferenz in Schwelm. die ja inzwischen stattgefunden hat. zur Verantwortung ziehen werde. Uns ivar es nicht möglich, uns auf der Schwelmer Komerenz vertreten zu lassen: das wußten wir schon früher und daher gaben wir durch den„Vorwärts" öffentlich die Erklärung ab vaß wir keinen Anlaß hätten, ans der Schwelmer Konferenz uns mit Liitgenau auseinanderzusetzen; daß. wenn Lütgenau durch die Haiidlungeii des Parteivorstandes ihm gegenüber sich beschwert fühle, ei sein Recht sei. sich mit seinen Beschwerden an Sen Parteitag in Hannover zu wenden, dort würden wir ihm Rede J und Antivort stehen." Das hat Auer in Hannover gesagt, so berichtet« es wörtlich unmittelbar nach den Verhandlungen die Presse, und so stehi eS im Protokoll.! Der„Winkelzug" der Partei entpuppt sich damit als eine der üblichen„Post"-Schmindeleien. die. wenn sie wirklich nicht von dem ZeitimgSgeheimrat stamme» sollten, ziveifellos eine Compagnie- Arbeit Schweinburgs, de? Korbmachers Fischer und deS auch in der chinesischen Abwesenheit nachwirkenden Geistes Finkes. der drei be- währtesten Mitarbeiter und Vertrauensleute der„Post", darstellen. Gemevkfchafkliches. SUciiiu nnd Umgegend. Achtung. Gewerkschaften Berlins? Anläßlich der gegenwärtigen Aussperrung der hiesigen Holz- arbeiter hält sich der unterzeicknete Ausschuß verpflichtet, den seiner Zeit mit Zustimmung sämtlicher Gewerkschaftsvertreter gefaßten Beschluß im Regulativ der Berliner Gewerlschasts-Kommijston in Erinnerung zu bringen: Jede Liste zu gewerkschaftlichen Sammlungen, die den Stempel der Gewerkschafts-Kommission nicht trägt und in andren Verlamm- lungen und Werlstättcn, als denen des betreffenden Gewerbes. cirknliert, ist unbedingt zurückzuweisen. Gleichzeitig fordern wir die Delegierten der Gewerkschaften aus die zur Unterstützung der Ausgesperrten von heute ab zur Ausgabe gelangenden Sammellisten im Gewerkschaftsbureau, Annenstr. 16 I. >n Empfang zu nehmen. Der Ausschutz der Berliner GewerkschaktS- Kommission. I. A.: G B u s s e. Zur Lohnbewegung der Berliner Einsetzer(Tischler) kann berichtet werden, daß der Tarif von 173 Meistern unterschrieben ist. Seitens der Meister wird gegenwärtig versucht, die Einsetzer zu ent- lassen und die Werlstattgesellen nach dem Bau zu schicken. nm so den Tarif zu umgehen. Diese Manipulation ist zum Teil bei den Firmen Mendt, Gebrüder Schaar. Klempau. Meier(An der Stadtbahn), I a r o t s k i, Zimmer- meister Rietze, Hardt, Reddemann gelungen. Wir ersuchen nun die Kollegen ans der Werkstatt. uns nicht in den Rücken zu fallen und einfach das Ansinnen der Meister energisch zurück zu weisen. Am Dienstag, den 13. d. M., findet eine Einsetzer- Versammlung slart, in der dnS Erscheinen aller Einsetzer dringend notwendig ist. (Siehe Annonce.) Der Arbeitsnachweis befindet sich Alte Jakob- stratze 75. Telephon: Amt III, Str. 510S. Alle Znschristen sind hierher zu richten. Die Lohntommission. Die Berliner Miillabsuhr-Untcrnchiner haben beim Polizei« Präsidenten die Vergiinstigmig erlangt, daß während des Streiks die Vorschriften über die Müllabsuhr nicht streng innegehalten werden. Für dieses Entgegenkommen lag doch recht wenig Vcr- anlassung vor, es wäre vielmehr notwendig gewesen, daß man den Arbeitern in diesem gesundheitsschädlichen Betrieb Schutz gewährte gegen zu große Ansprüche der Unternehmer, wie sie während des Streiks zur Kenntnis gekommen sind. Aber unsre Behörden haben immer ein sehr feines Verstäiiduis für die Wünsche der Unter- nehmer, die Arbeiter köniien für ihren Teil von diesem Wohlwollen nichts melden. TciilschcS Reich. Die Schneider in DrcSde» haben in einer von 8I)l) Verbands- Mitgliedern besuchten Versammlung den Streik beschlossen. Nachdem die Unternehmer die Forderungen der Arbeiter abgelehnt haben. wird am Montag die Arbeit niedergelegt werden. Znr Bcrgarbeitcrbrwegung. Auch der Vorstand des christ- lichcn Gewcrkvereins der Bergarbeiter hat beschlossen, um die ge- stellten Forderungen den Zechenverwaltnngen nochmals zu unter- breiten. Belcgschasts- Versammlungen einzubenifen. welche ihre Beschlüsse dann durch Delegierte bei ihren Werken geltend machen sollen. Die Sammlungen für die Streikenden nehmen unter den „christlichen" Bergleuten keineswegs einen solchen flolien Fortgang wie unter den Mitgliedern des alten Verbandes � letzterer hat schon ?00l) M. allein nach Lestreich senden können, während der«christ- liche" Bergknappe erst 100 M. quittiert hat.— Auch unter den Bergleuten des braunschweigiich- preußischen Kohlenreviers(Helmstedt. Harbke. Völpke zc.) regt eS sich. Sie verlangen von ihren Werken Einstellung der Kohlenzufuhr nach den Streikgebieten, ochistündige Arbeitszeit für unterirdische und Obeclagsarbcitec und denselben Lohn wie jetzt für die zehnstündige Schicht. Wöchentliche Lohnzahlung! Einricktimg von Wasch- und Bade-Anstalten auf jedem Werke?c. Aus dem Wurmreoier wird derichtet, daß tue versprochene Lohnerhöhung allerdings schon vom 1. März ab eintreten soll, ober vre Austreibung von 17 Familien aus den Werkswohnungen M a c i a d o r s bei Höngen, die während des Streiks ausgesprochen wurde, bleibt bestehen. Die Räumlichkeiten sollen jetzt unbedingt oer Werlsverwaltung zur weiteren Verfügung gestellt werden. Au' Grube„Maria" hat man nachträglich noch drei und aus„Guley" auch noch einen Mann gekündigt. Bei der Lohnerhöhung kommen die Herren natürlich nicht zu kurz, sie machend genau wie die Zwickauer. Wegen Lohndifferenzen kündigten aus den deutsch-ö�reichischen Maimesmann-Werken in Rath bei Düsseldorf sämtliche Schlosser. Die Arbeiter hatten bei der Firma eine, kaum nennenswerte Lohnerhöhung nacbgesuckl. wurden rndes glattweg ab gewiesen. Zuzug nach Rath bei Düsseldorf ist deshalb streng zu vermeiden. Da? Streik im Diisscldorscr Emnillewert von Wort mann ri n d E l b e r s dauert fort. Das Gerücht, der Streik sei beendigt, ivird noch immer verbreitet, doch beruht eS aus purer Er findung Der Streik steht günstiger denn se für die Arbeiter Zuzug nach Düsseldors ist vo» allen Emaillearbeitern zu vermeiden. Tie Mieten sind in Düsieldors kolossal hohe und werden von den Hausbesitzern immer mehr gesteigert. Die Lebensmittelpreise sind gleichfalls kolossal hoch. kurz. DüssAdorf ist ein«eures Pflastei das mögen die fremden Arbeiter-benialls bedenken. AnSIand. TOO Schneiderei-Arbeiter find in H e l s i n g t o r S fn F t n- k o n d ausgesperrt und die Werkstätten geschlossen worden. Die Arbeiter hatten höhere Löhne und eigne Betriebswerkstätien verlangt Ebenso sind die Arbeiter einer großen Schuhfabrik entlassen, weil sie einen vom Unternehmer aufgestellten Kontrakt nicht unterschreiben wollten._ GeviFzks-Zeikung. Ein» merkwürdige Mystifikation. Unter oer Anklage des Diebstahls, de, Urkundenfälschung und der Beleidigung stand gestern der Handlungsgehilfe Adolf Tokarski vor der neunten Straf kammer des Landgerichts I. Der Angeklagte ist während einiger Monate Buchhalter bei der Firma Niels U l a n d a u. Co.. Handlung mit nordischen Delikatessen, gewesen. Wie er angiebt, hat er ge kündigt, weil Herr Ulanda stets sehr grob gegen ihn gewesen sei nnd im allgemeinen die Deutschen als Idioten und Schafs köpfe bezeichnet habe. Bald nach dem Abgänge des An geklagten vermißte Ulanda etwa 14 Briefe von jungen Leuten. die sich um die Buchhalterstelle beworben hatten. Nach kurzer Zeil erschien aus eine Beschwerde hin im„Vorwärts"«in Artikel folgenden Inhalts:„Ans den Hund gekommen WaS heutzutage einem Handlungsgehilfen zugemutet wird, geht auS folgenden That- fachen hervor � Die Firma Ulanda u. Co.. Liineburgerstr. 23. suchte einen Buchhalter. Einer der Bewerber erhielt daraus die Auf- fordcrung. sich zn melden. Die Firma bot ihm ein Monatsgehalt von 70 M.. da er ja selbst nur ein niedriges Gehalt fordere, woraus zu schließen sei. daß es mit leinen Kenntnissen nicht weit her sei. und er sich noch ausbilden wolle. Zu seinen Obliegenheiten gehöre es. den Kunden täglich die Waren in einem Hand wagen zuzuführen waS nicht allzu schwer sei da er hierbei durch einen kräftigen Hund nnierstützt werde. Er habe sich ferner den Anordnungen der Buchhalterinnen zu fügen, die Portokasse genau zu führen usw." Thatsächlich hatten die Bewerber Briefe dieses Inhalts mit einem Stempel und der Unterschrift der Firma Ulanda u Co. versehen, erhalten. Die Briefe waren aber der An- gäbe der Firma nach gefälscht. Infolge des Falles wurde die ?firnia mit Briefen und Karten nicht gerade sehr respektvollen In alts bedacht. Die Firma denunzierte den Angeklagten, weil dieser in Unfrieden geschieden war und gedroht hatte, die ihm widerfahrene Behandlung in die Oeffentlichkeit zu bringen, falls man ihm nicht ein besseres Zeugnis gäbe, als ihm ausgestellt worden war Es wurde angenommen, daß Tokarski sich die Offerienbriefe angeeignet und in der geschilderten Weise beantwortet habe Die erster» Beschuldigung wurde schon durch die Erklärung des Zeugen Ulanda hinfällig, daß er nicht wisse, ob die. Briese noch während der Anwesenheit des An geklagten oder erst nach seinem Fortgange vermißt wurden Bei der Schuldfrage in Betreff der Urkundenfälschung kam eS out die Gutachten der beiden Schreibsochver ständigen an und nun zeigte sich wiederum daß dieselbe» sich diametral gegenüberstanden Während Schulrat Grabow erklärte daß er zu der v o tl st e n Uebcrzeugung gelangt sei daß der Angeklagte der Schreiber samt« sicher Briefe sei erklärte Rechnungsrat Junge mit derselben estimmtheit, daß die Brief» von vier verschiedenen Personen herrührten und nicht einer vom Angeklagten geschrieben sei Unter diesen Umständen mußte der Staatsanwalt die Freisprechung des Angeklagten beantragen und der Gerichtshof demgemäß erkennen Eine Liebesgefchichte, die beinahe einen tragischen Abschluß gefunden hätte, führte gestern den 26jährigen aus Pribislaiv ge- bürtige» Sattler Robert J i r k o w unter der'Anklage der Bedrohung vor die TV. Strafkammer des Landgerichts I. Er hatte mit dem in einem Hanse am Halleschen Ufer dienenden 24 Jahre alten Mädchen Bertha L. ein Liebesverhältnis angefangen, wobei er sich als Kunst maler ausgegeben und behauptet hatte, daß er eine gute, feste Stellung inne habe. Das Verhältnis war oft getrübt und als das Mädchen erfuhr, daß sie belogen und J. gar nicht Kunsimaler. sondern Sattler sei. löste sie im Juli v. I. das Verhälmis ganz aus. Der Angeklagte wollte aber nicht von ihr lassen nnd vernachlässigte oft seine Arbeit, indem er Stunden lang vor dem Hauke in welchem das Mädchen diente, aus- und abging, um sie abzukanqcn, wenn sie Wirtschaftseinkänfe machte. Als chni dies mitzglü�le. versuchte er, die L. durch allerlei theatralische Kniffe aus dem Hause zu locken. So erhielt die L. von fremder Hand geschriebene Briefe, in welcher ihr in rührender Darstellung mit- geteilt wurde, daß sich Robert Jirkow aus Liebesgram eine Kugel durch den Kopf gejagt habe. Sein letzter Seufzer sei„Bertha" gelveseu und er habe mit Kreide auf einen Tisch den Wunsch geschrieben, daß ihm„seine Bertba" einen Kranz spenden möge. Er erreichte aber auch mit diesen romantischen Geschichten seinen Zweck nicht. Am 30. Juli traf er die L. auf der Straße und fragte sie, ob sie am Abend mit ihm ausgehen wolle. Sie verneinte es, weigerte sich auck. ihm die Hand zugeben und ließ ihn stehen. Am 3t. Juli hatte sich die L. einen Droschkenkutscher bestellt, der ihre Sachen nach einer neuen Dienst- stelle, die sie an diesem Tage antreten wollte, befördern sollte. Der Angeklagte bereitete für diesen Tag einen großen Coup vor. Er kaufte sich einen Revolver, lud diesen scharf und begab sich nach dem Halleschcn Ufer. Als er dort von dem Droschkenkuscher auf sein Befragen erfuhr, daß dieser von der L. bestellt ivorden war, stellte er sick neben die Droschke und wartete dort. Kaum erschien die L. auf der Straße, da trat der Angeklagte mit dem Revolver in der Hand auf sie los»nd eS wäre vielleicht ein großes Unglück passiert, wenn nicht im reckten Augen- blick der Droschkenkutscker Hildebrandt dein Angeklagten in den Arm gefallen wäre und seine Verhaftung veranlaßt hatte. Der jAn- geklagte behauptete, daß er das Mädchen nicht habe erschießen, sondern nur erschrecken wollen. Während der Untersuchungshaft machte der Gefängnisarzt an dem An- geklagten Wahrnehmungen, die dessen Ueberführung nach der Charits zur Beobachtung seines Geisteszustandes ratsam erscheinen ließen. Er ist in der Charite als Epileptiker erkannt und von dort der städtischen Anstali für Epileptiker, im„Wuhlgarten". überwiesen worden, wo cc jetzt noch weilt. Die beiden ärztlichen Sachverständigen. Oberarzt Pros DrKöppen und Gefängmsaczt Dr. Puppe, gaben ihr Gutachlen dahin ab. daß zu oermuten sei. daß sich der Ange- klagte nicht im Besitz voller Willenssreiheit befunden habe. Der Ge- richtshos folgte diesem Gutachlen nickt, sondern hielt den Ange- klagten für seine That verantwortlich. Er verurteilte ihn zu drei Monaten G e i ä n g n i s. die für verbüßt erachtet wurden. Zum sifall Sternberg. Die Hauptverhandlung gegen den Bankier August Sternberg ist süc Ende d. M bezw. Anfang nächsten Monats in Aussicht genommen. Die Verhandlung wird' vor der neunten Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Weinmann stattfinden, die Anklage wird Staalsamvalt Rome» vertreten, die Verteidigung Justizrat Dr. S e l l o führen. Vom Kriege. Im Oranje-Freistaat werden die Engländer nun wohl, ohne besondern Widerstand zu finden, vorrücken können. Die Ab- teilung F r e nch s. welche zehn Meilen vor der Hauptmacht deS Feldmarschalls Lord Roberts sich defindet, meldete zurück, daß ihre Front frei vom Feinde sei und jeder Bericht darauf hindeute, daß sowohl die Streitkräfte der Transvaalboeren als auch diejenigen des Freistaats in dem Zn st an de der Auflösung sich befinden. Der Gesamteindruck sei der. daß dem weiteren Vor- rücken der Engländer zwischen Poplar Grove und Bloemfontein ein Widerstand sich nicht entgegenstellen werde. ES sei eine Menge von Bocren- Munition emschließlich verschiedener Büchsen mit Explosill-Geschossen zerstört worden. Der Zustand der Auflösung, von dem oben gesprochen ist, dürfte wohl bald überwunden werden. Damit ist freilich nicht gesagt, daß die decimierten Boeren durch die jetzt vermutlich s U n f s a ch e U e b e r m a ch t der Engländer nicht doch schließlich ge- schlagen werden. Vom Kriegsschauplatz um Mafeking wird berichtet: Ein Boerenkommando hat bei Blömhof Stellung genommen, um jede Bewegung der feindlichen Truppen mittels der Eisenbahn nach Mafeking oder in der Richtung nach Klerksdorp zu verhindern. Tie Bcrgzüge nördlich von Ladysmith werden von den Boeren gehalten, um ein Eindringen der Engländer von Natal her zu verhindern. Die„Times" melden ans Ladysmith vom 9. März: E» heißt, daß die Boeren sich in der Nähe von Biggarsberg vcr- schanzen und die westlichen Pässe der DrakenSberge bewachen. •• * Allerlei vom Frieden. AuS Pretoria wird der„Daily Mail" von einem dort lebenden englischen Kriegsberichterstatter, angeblich mit Erlaubnis der von de» Boeren ausgeübten Censur, gemeldet: Hiesige hohe Staatsbeamte haben sich in Unterredungen dahin aus- gesprochen, daß wenn England einen Eroberungskrieg führen sollte, die südafrikanischen Republiken bis zum Ae'ußersten kämpfen würden, andrenfalls glauben sie, daß eine offene Darlegung der Absichten Englands die Grundlage zu Unterhandliinge» schaffen würde, da jetzt das Prestige Englands wieder hergestellt. Die Präsidenten Krüger und Stcijn hätten Montag darüber beraten, ob die obigen Darlegungen einem an Lord S a l i S b u r y zu richtenden Telegramm beigefügt werden sollen. Die Aufrechlerhnltung der Unabhängigkeit beider Republiken sei eine concLtio sine qua non. Und nach einer Meldung der„Daily NewS" ans Lourenyo Marques vom S. ds. Mts soll Präsident Krüger in Glencoe, vor seiner Reise nack Bloemfontein, in einer Ansprache gesagt haben, es sei ungewiß, ob der Kampf durch einen Schiedsspruch oder infolge einer Intervention beendet werde; sicher werde er aber in einem Monat zu Ende sein. Ob eine Art von friedensfreundlicher Stimmung in den Boeren- staaten vorhanden ist. wird sich ja bald zeigen. Aus England liegen aber bereits recht großmäulige Antworten auf die obigen Aeuße- rungen vor. Der„Standard" glaubt zu wissen, daß die britiscke Regierung eine autoritative Erklärung abgeben wird, in der die Unmöglich» k e i t ausgesprochen wird. FriedenSbedingiingen zn gewähren, die die Fortdauer der politischen nnd militärischen Unabhängigkeit der Boeren-Republiken sichern und zu dem gegenwärtigen kostspieligen und blutigen Konflil geführt hätten. Dieser Ankündigung fügt das Blatt hinzu: Dies ist die Grundlage, von der die Regierung ausgehen muß. ES ist jetzt nicht an der Zeit, die Einzelheiten des neuen System? zu definiere», aber es ist einfach nnd verständlich und stützt sich auf die Forderung, daß die Republiken als politische Einheiten abgeschafft werde» müssen. Die Gefahren, innerhalb unsreS südafrikanischen Reichs ein unabhängiges und ein halbunabhängiges Geineinwesen zu dulden, die uns gezwungen haben, mit im» geheuren Kosten unser Ucbergewicht geltend zu machen. dürfen sich nicht wiederholen Die Arbeit unsre» Generale u»d Soldaten während der letzten fünf Monate darf nicht nochmals verrichtet werden. Krüger und Stein müssen verschwinden, mit ihnen mutz daS ganze unerträgliche System fallen, das sie vertraten. Wi» werden nicht parlamcntirrc» mit den zwei Kleinstaaten, deren Bestehen von unsrem Schutze und Wohlwollen abhing, und die durch unprovozierte Feindseligkeit die Vorrechte, die sie unsre» Gnade und Nachsicht verdankten, vcr» scherzt haben. Sonnabendabend wird tekegraphiert: Sondo»», 10. März. Die Negierung ließ dem Präsidenten Krüger mitleilen, daß sie nur gegen«»bedingte Unterwernrug Frieden schließen würde. Letzte Meldungen. Kapstadt, 10. März.(Meldung des„Reuterschen Bureaus.") Lord Kilchener befindet sich zur Zeit in Victoria Road. wo er für einen Borstoß in die in Aufruhr befindliche» Gebiete West-GriqualandS Truppen organisiert._ Uehte Llschvirtztett und Depesthen. Hamburg, 10. März.(W. T. B.) Die gestern abgehaltene ordentliche Gcneralversaniinlnng des Vereins„Freie Volksbühne Hamburg-Altona" beschloß auf Antrag des Vorstandes Auflösung des Vereins. Stuttgart, 10, März.(W. T. B) Heute hat sich hier ein Komitee von Schriftstellern und Künstlern gegen die„lex Heinze" gebildet. Heilbronn, 10. März.(W. T. B.) Die hiesige Handelskammer ersuchte den Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe, dem Fleischeinfnhr- Verbot wegen eines»iiivermeidlichen Zollkrieges mit Amerika die Zu» 'timmung zu versagen. Bern, 10. März.(W. T. B.) Wie der„Bund" vernimmt, hat daS schweizerische Schiedsgericht in Sachen der Tclegoabai das Urteil in den Hauptpunkten gesprochen. Schwebend bleibt noch die Frage der Terrainentschädigung: doch soll auch dieser Punkt in nächster Zeit erledigt werden, woraus daS Urteil den Parteien zugestellt werden wird. Budapest, 10. März.(W. T. V.) DaS Säbelduell UgronS mit Rohonczy fand am Nachmittag statt. Rohonczy erlitt eine un- bedeutende Verletzung der Lippen,— Ugron richtete anläßlich der Ablehnung seiner Ducllforderimg seitens des Barons Fejervary an 'eine Kartellträger ein Schreiben, in welchem er sich Fejervary chmähender Ausdrllcke bedient. PartS, 10, März,vir den Gegenständ für besonders wichtig halten. Daß nns nichts a» Obstruktion ge- legen hat, ersehen Sie daraus, daß ich den Herrn Präsidenten er- sticht habe, die Abstimmiing über diesen Paragraphen so lange äuszn» fetze», bis das Hans beschlußfähig ist. Ich.hoffe, daß»umiiehr Herr von Klinckowström sich mir seiner Meinung über die Motive unsrer Handlungsweise danach richten ivcrde, wie wir ihm diese Motive auseinander setzen.(Bravo! bei den Socialdemokratcn.) Präsident Graf Ballestrem: Ich kann konstatieren, daß der Herr Abgeordnete Singer gesagt hat, daß seine Freunde keinen Widerspruch dagegen erheben würden, wenn.ich dem Hause vorschlüge, die Abstimmung noch eine Weile auszusetzen. Abg. Marbe(C.) spricht sich im Interesse der Süddeutschen für den Konmüssions- antrag ans. Abg. Schräder(frs, Vg.): Wir werden für den Autrag der Socialdcmokrate» stimmen. Die Trichinenschan hat sich in eilizelnen Gegenden sehr bewährt nnd es ist Ivüiischensivert. daß sie für das ganze Reich eingeführt wird. Der Widerspruch der süddeutschen Staaten kann doch nicht so groß sein, weiiigstens haben Ivir von einem Widerspruch der bayrischen Regierung gegen diesen Paragraphen nichts gehört. Präsident dcS Reichs-Gesundhcitsamts Geheimrat Köhler: Die Regierung legt nach wie vor Wert auf dirseu Para- graphc»(Hört! hört! links), ist aber nicht in der Lage, soweit zu gehen Ivie der Antrag Albrecht, die obligatorische Trichinenschau auch für die Hänsschlächtimg eiiizufübren. Das ist nicht angängig mit Rücksicht auf die süddeutsche» Verhältnisse, demi dort wird das Schweinefleisch roh gar nicht genosseil, sondern nur so zubereitet, daß die Abtötnng der Trichinen gesichert ist. Jcki will mir noch betonen, daß die Bchanptuiig, die amerikanischen Trichinen seien minder ge- fäbrlich als die inländischen durchaus nicht richtig ist. Es sind that- sächlicki Fälle vorgekmimicil. in denen Personen durch den Genuß amerikanischen Schweinefleisches gestorben sind. Abg. Holt?(Rp.): Wir verkeimen die Wichtigkeit der Trichinenschau keincil Augenblick. Mit Rücksicht äuf Siiddeutschland aber lverdcn wir für den Konunissionsantrag stilmnen. Ich habe mich gefreut, daß von autoritativer Seite die Behauptlmg ividerlegt ist, amerikanische Trichinen seien ungefährlich. Herr Schräder meinte, der Widerspruch von Bayern sei nicht so bedeutend. Ich habe aber doch gefimden, daß grade der Widerspruch Bayerns hier im Reichstag stets von er- heblicher Bcdentniig gewesen ist. Ich bitte Sie also, den Paragraphen in der Kommisstlmsfassnng anzunehinen. Abg. Dr. Müller-Sagau(frs. Vp.): Es kommt doch wesentlich darauf an, wo das Fleisch verzehrt wird. Wollen Sie(nach rechts) behaupten, daß das Fleisch innner in dem Hanshalt konsumiert ivird. der die Schlachtung vorgenommen hat? Ich persönlich esse täglich kaum ein Gramm Fleisch, das hier in Berlin gekauft ist. Wäre das Fleisch nicht unterincht, kömite es in solche» Fällen hänffg zu schlimmen Folgen führen. Ich bitte dringend, die Regierungsvorlage wiederherzustellen. Abg. Dw Rösickc- Kaiserslautern(b. k. Fr.): Hoffentlich wird sich die Regierung in diesem einen Falle nicht durch künstliche Mache der linken Seile leiten lassen. Als eine solche künstliche Mache erscheint mir der Antrag auf namentliche Ab- stjminlmg.. der wohl von Herrn Singer nur wegen seiner persön- lichen Abneigung gegen das Schwei» gestellt worden ist. Ob die Trichinen in Deiilschlaiid oder in Amerika gezüchtet sind, soll plötzlich ein Unterschied sein. Den deutschen Trichinen gegenüber cntivickelii Sie(nach links) einen großen Eifer; die sinb Ihnen ebenso verhaßt wie bie Agrarier. iHeilerkeit.) Ich freue mich, daß der Direktor dcS Gesundheitsamts nnsdrücklich erklärt bat, daß die deutsche Trichine nicht anders ist, als die amerikanische. Mit der Bestimmung, die Untersuchuilg des Fleisches der laudesgefetzlichen Regelnilg zu überlasse», ist meines Erachtens eine Gesahr iiichr verbunden. Wir lasse» jeden essen,»vaS er will. Wenn man aber die Polizei veranlaßt, in den einzelnen Haushalt eiiizngreifen, beschränkt man doch die persönliche Freiheit des Einzelnen, die die Linke an- geblich inimer schützen will.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Biclhaben(Antis.): In Amerika sind die Schweine zu 10 Proz. trichinös. In Hamburg dagegen ist innerhalb von zwei Jahren nur ein einziger Fall vorgekommen. Weite Kreise miires Volks wünschen eine Re- gcliing, ivie sie die Kommission vorschlägt. Diese Wünsche berück- sichtigen wir lieber als die Wünsche des Auslands. Abg. Rißlor(k.): Namens der bayrischen Bauern begrüße ich es, daß der K 8 der Regierungsvorlage von der Kommission abgelehnt ist. Wie die Herren der Linken, vom ersten Freisinnigen bis zum letzten Social- demokraten sonst sind, so sind sie auch hier; sie wollen dem deutschen Bauern»cne Lasten anserlegen und ihn dadurch nnzuirieden macuen. Mit der Trichinenschau find wir nicht einverstanden. Die Herren der Linken, die sie eingeführt wissen wollen, haben in diesen Fragen keinen Dunst von Sachverständnis. Die Reichsregieriing ivird gut thun, unsre berechtigten Forderungen zu erfüllen.(Bravo! rechis.) Abg. Wurm(Soc.s: Wenn einige Herren der Rechten gemeint habe», wir kämpfen mir gegen die einheimischen Trichinen, io irren sie sich. Wir wolle», daß mich das ausländische Fleisch einer strengen Untcrsnchnng unterworfen wird. Auch Graf Klinckowström wirst uns mit tln- recht Inkonsequenz vor. Ich wiederhole, nur verlangen, was wir für das ausländische Fleisch verlangen, ebenso für das inländische. Wenn Graf Klinckowström ferner behauptet, wir beabsichtigen..die Landarbeiter zu schädigen, so hat er damit eine objektive Nnwahr- hcit ausgesprochen. Er hat verschwiegen, daß ivir � den Antrag gestellt haben, daß die Kosten der Fleischbcschan bei Haus- schlachtmigen vom Staat getragen iverden sollen. Graf Klinckotvström hat also die objektive Untvahrhcit ausgesprochen, und da Lügen kurze Beine haben--- Präsident Graf Ballestrem: Der Herr Redner hat von objektiver Unwahrheit gesprochen nnd hat darauf die objektive Un- Wahrheit als eine Lüge vozeickmet. Da? ist unzulässig einem andern Abgeordneten gegenüber. Ich rufe ihn deshalb zur Ordnung. iBravo rechts.) Abg. Wurm(fortfahrend): Gras Klinckowström hat ferner verschwiegen, daß wir dem AnS- lande gegenüber manche sanitäre Schntzmaßregel wünschen. Er sagte weiter, die Vorschläge der Kommission bewegten sich ans einer mittleren Linie; jeder habe cinige Wünsche zurückstellen müsse». Die mittlere Linie, die Sic bekommen haben, ist aber nur eine Vcr- einigniig all der schlechten Bestiimnmnngen, die sich in den Fleischbeschau-Gesetzeii der einzelnen deutschen Länder finden. AlleS Gute» was in den einzelneil Gesetzen steht, ist im vorliegenden Entwurf glücklich eliminiert. Die Unter- lassung der Fleischbeschau bei Hansichlachtnngen wollen Sie gar als Hilfsniittel für den kleinen Mann hinstellen. Das habe» wir ja längst ividerlegt. Der K 2 in seiner, jetzigen Fassnng droht die Ge- snndheit des Landarbeiters und der gesamten Bcvöltcrnng in bedenk- lichemMaße zuschädigen. BedenkenSie nur. wieviel Schweincschitlke» vom Laude in die Stadt eingeführt ivird. wieviel allein an die Soldaten verschenkt ivird. Oder wolle» Sie bestreiten, daß es zu den üblichen Liebenswürdigkeitc» des Rekruten vom Lande gehört, der Mannschaft seiner Stube,' seinem Unierosfizier und Feldwebel einen Schinken zu überreichen? Und wollen Sie bestreiten, daß damit die Möglichkeit gegeben ist, daß die Trichine ins Militär hineingetragen' ivird? Wegen dieser Gefahren sind wir eben dafür, daß auch die Haus- schlachtung unter die Trichineiijchan gestellt ivird. Herr Dr. Rösicke meinte, dem Privatuiaiui solle nicht verboten werden, daß er ißt, ivozu er Lust hat. Wie haben sich aber die Herren bei der Petition über das Saccharin verhalten? Dieselben Herren würden auch die Margarine dem Einzelncn verbieten, iveiiii sie mir könnten. Tainals sagten Sie, die Gesetzgebimg bat ein Recht, darauf zu.sehen, was der Einzelne in seinem Hanse ißt. Heute behaupten Sie das Gegenteil. Herr Nißler meinte dann, wir alle, die wir nicht das Ver- ginigcn haben, auf dem Lande thätig zu sein, hätten in dieser Frage gar keine Keimtnis. Ich habe mir meine Kenntnis in diesem Piiiikt verschafft ans den Büchern von Doccirten, von deren Lehren die Entimckluilg der modernen Landwirtschaft ausgegangen ist. Ich meine, zur Fleischbeschau gebraucht man nicht 2 Stunde», eS genügt eine halbe Stunde, und so viel Zeit muß da sein, ivenii es gilt, bedenklichen Gefahren vorzubeugen. Wir halten eS für bedenklich, den Staaten gegen- über Entgegenkommen zu zeigen, die die Nützlichkeit einer solchen Untersuchnng ihrer Bebölkerung bisher noch nicht haben klar machen können. Diejenigen Sünder, die die Fleischbeschau noch nicht haben, sollen nicht auch fernerhin mit cineni Reservat- recht ausgestattet sein, das schivere Gefahren für die Gcslilidheit iveitcr Völkskreise in sich birgt. Wir haben keine Lust, Produkte von diesen Ländern zu uns herüber zu nehmen, die unnntersncht verschickt werden. Die Herren Agrarier sollten doch einsehen, daß es geradezu unlauterer Wettbewerb ist, ivenii man eine sanitäre Maßregel nur ans Rücksicht ans seine Wähler bekämpft. Wir treten überall für den Fortschritt ein; in diesem Streben nach Fortschritt haben wir auch unsre Abänderungsanträge gestellt.(Bravo! bei den Socialdemokratcn.) Abg. Schrempf(k.): Die Trichinenschau bei den Hansschlachtungeir ist nmnöglich. Ich lvniischte den Befürwortern einmal das Amt eines Trichinenschaners im Schwarzwald oder der Schwäbischen Alp. Herr Wurm sagt, wir seien zu bequem und redeten nur den Leuten nach dem Munde. Ei» solcher Vorivurf ans dem Mnnde eines Socialdemokraten nimmt sich geradezu komisch aus. Keine Partei redet ihren Anhängern so nach dem Mnnde, wie gerade die Socialdemokratic. Dem Gesinde wird kein schlechtes Fleisch vorgesetzt, delin es sitzt mit den Bauern znsainmen am Tisch. Das Gesinde bekommt auch keine Margarine. Margarine lvird vielmehr in den feinsten Koiidiloreicu verwendet. Die Trichincnscklan ist nicht notwendig, es sind in Bayern gar keine Fälle an Trichinosis vorgekommen. Es wäre zu wiinschen. daß im Reichstag noch mehr so prak- tische Leute säßen, wie Herr Nißler. Die Liebe, die Herr Wurm für die Bevölkerung! und ihre Gesundheit hat, ist beinahe christlich zu nennen, aber nur beinahe.(Heiterkeit.) Abg. Wcißeuhagc»(C.): Herr Nißler hat ganz recht, die Fleischbeschau bei den Hans- schlachtuiigcn ist zu schivierig. Sie dauert thatfächlich zwei Stunden, de»» der Beschauer muß doch das Bicb ivshrend es lebt sehen. Wir Bayern sind vo» Herrn Wurm als znriickgcblirbcu bezeichnet worden. Es ist eine alte Erfahrung, daß sich die Norddeutschen für klüger halte», als uns Süddeutsche.(Heiterkeit.) Bisher hat es aber die Höflichkeit verboten, so etlvas im Reichstag nnszuiprecheil. Die Trichinengefahr ist nicht so groß, lvic man vielfach annimmt. Ich selbst habe schon oft rohes Schweinefleisch gegessen, ohne Schaden an meiner Gesundheit zu nehme». Die Herren vcrivcchscln immer Stadt und Land. Sic wissen nicht wie nnbequem Dinge ans dem Lande sind, die in der Stadt ganz selbstverständlich sind. Deshalb bitte ich Sie den Z 8 abzulehnen. Abg. Schwarz-München(natl.) bittet die Frage der Trichinenschäu der Gesetzgebung der Einzel- staatcn zu überlasscu. München leiste in Bezug auf Sanität so viel wie jede andre deutsche Stadt. Ich bitte Sie, cS bei der Streichung des§ 8 bewenden zu lassen. Abg. Dr. Müttcr-Sagan(frs. Vp.): Die Einzelstaateu haben in der Fleischbeschanfrage nicht immer ihren Verpflichtnilgen genügt; deshalb ist ein Zwang von Reichs- wegeri recht heilsam. Ich bin allerdings nicht in der Lage wie Herr Nißler eine Hänsschlächtimg durchgemacht zu haben.(Heiterkeit.) Ich würde sie auch kanm übersiehcn. die hält ja auch nicht einmal ei« Schwein ans(Heiterkeit), aber beigewohnt habe ich schon vicic» Hausschlachtungen. Hier handelt es sich aber gar nicht Km die Hausschlachtungen, sondern um die Trichinen? schau. Das ist eine wissenschaftliche Frvge, von der Herr'Nißler nichts versteht. Dcsbalb muß ich das Protzentum, mit dem er hier gegen wissenschaftliche Ansichten mislntl, energisch zurückweisen. (Bravo links. i Damit schließt die Diskussion. Pcrsvukich bemerkt Abg. Singer(Soc.): Der Abg. Rösicke hat gemeint, der Antrag ans namentliche Ab- stimnnmg ici wohl auf meine persönliche Abneiginig gegen das Schwein zurückzllsübren. Ich habe keine persönliche Abneigung gegen das Schwei», wohl aber eine persönliche Abneigung gegcu Schweiuercirn. und als solche muß ich es bezeichnen, wenn man »iigeftindes Fleisch als Nahrung zuläßt,(Sehr gut! links.) Der Antrag Albrecht(Soc.) und Gen. wird gegen die Stimmen der Socialdemokraten und Freisinnigen abgelehnt, ebenso in nameirtlichcr Absiimimiiig§ 8 der RegicrungSvorlage mit 16S gegen 66 Stimmen. § 13. Der Vertrieb von Fleisch, der durch die Untersnchiing als nur bedingt länglich zum Gennsse für Menschen erkannt, aber gemäß den Bestimmnngcn der Polizeibehörde unter getvissc» Sicherheitsmaffregeln zum Genuß für Menschen brauchbar gemacht ivorden ist, darf nur unter einer diese Beschaffenheit erkennbar machenden Bezeichnung erfolgen. Flcischhändlern, Gast-, Schank- und Speisewirte» ist der Vertrieb und die Verwcndliiig solchen Fleisches mir mit Genehmigung der Polizeibehörde gestattet: die Geiiehmignng ist jederzm widcr- rnslich. In den Geschästsräuincii dieser Personen muß an einer in die Augen fallenden Stelle durch deutlichen Anschlag besonders erkennbar gemacht werben, daß solches Fleisch zur Verwendung kommt, Fleischhändler dürfen dieses Fleisch nicht in denselben Ränmen mit tauglichem Fleisch feilhalten oder verkaufen. Die Avgg. Albrecht nnd Genossen(Soc.) beantragen, den Vcr- trieb nnd die Vcriveiiduiig iolche» Fleisches durch Flcischhnndlcr nnd Gastwiric nicht von polizeilicher GcnrhntigNNg abhängig zu machen, soiidern z» bestimmen. daß der Vertrieb nach erfolgter An- zeige bei der Polizeibehörde zu gestatten ist. lieber bie erfolgte Anzeige ist sofort kostenlos von der Polizeibehörde eine Bescheinigung ansznstellcn. An die betreffenden Getvcrbc- treibenden darf das bezeichiletc Fleisch iitlr abgegeben werden, wenn von ibnen die polizeiliche Bescheinigmlg über die erfolgte Anzeige vorgelegt ivird. Abg. Singer(Soc.): Wir sind auch dagegen, daß nngesimdeS Fleisch in den Handel kommt, aber wir wollen nicht, daß die Gelegenheit bcimtzt wird, um der Polizei die Möglichkeit zu gebe», andre als in der Sache liegende Gründe ft'ir die Nichterteistmg der Genehmigmig maßgevend sein zu lnsseu. Wir haben genügend Erfahrung, nni zii wissen, daß die Polizei alle Mittel der C h i I a n e anwendet, wenn es sich für sie darum handelt, politisch»nsfliebige Persönlichkeiten zn schädigen. Das ist der einzige Grund, a»S dem heraus-vir unsern Antrag gestellt haben. Daß auch andre Parteien der Ansicht sind, beweist ein Antrag, der zu dem Paragraphen, durch ivelchc» der Vertrieb von Pferdefleisch durch dieselben Gewerbetreibenden von der Genehiiiigniig der Polizei abhängig gemacht werden soll, gestellt ist. Hier wollen selbst die Konservativen der Polizei dieses Recht der Genehmigmig nicht cinräilmc». Ich bitte Sie also unsern Antrag anzniiehmeu.(Bravo! bei den Social- demokraten.) Geheimrat Köhler bittest, den Antrag abzulehnen. Nach ihm könnte selbst bei Ivieder« Holter Kontravention seitens der Gewerbetreibenden gegen die Be- stimnunige» des Paragraphen diesen die Erlaubnis, solches Fleisch zu vertreiben, nicht entzogen iverden. Der Antrag Albrecht ivird hierauf gegen die Stimmen der Socialdcmotraten nnd freisinnigen Gruppen abgelehnt. Der§ 12 tu der Kommissiviisfassiing angenommen. § 13 lautet»ach der RcgicriuigSvorlasic: Ergicbt die llntersnchluig. das; das Fleisch Zivar zum Genux für Memmen lautlich, jedoch in seine», Nahrungs- oder Genußwert erheblich herabgesetzt ist, so hat der Beschauer hiervon den Bcsibcr des Fleisches zu benachrichtige». Auch der Vertrieb dieses Fleisches nutcrliegt der polizeilichen Gciiehitngung und den übrigen Bestimuiliuocil des vorigen Para- graphen, Die Kommission beantragt, diesen Paragraphen zu streichen. Tie Abgg. Albrecht sSoc,) und Gen. beantragen, den Pars- graphcn in der Fassung der Negiernngsvorlage wiederherzustellen. Abg. Stollevar. Wir haben bereits gestern berichtet, daß man ivegen des fürchterlichen Andrangs auf die Abhaltung der Versammlung ver- zichtete. Die näheren Gründe für diese Maßregel giebt das Konntee in folgender Erklärung bekannt: „Die für Freitagabend in den großen Saal der Philhannonie einberufene Versammlung der Vertreter der durch die lex Heinze bedrohten Kunst- und Berufszweige zum Zweck eines gemeinsamen Protestes hat im Publikum ein so ungewöhnliches Interesse erregt, daß schon in sechster Stunde der Vorhof der Philhannonie von einer dichten Menschenmenge besetzt war, die von Minute zu Münte anwuchs. Als um L Uhr die Vertreter dcS Komitees zu einer Vor- besprechung zusammentreten wollten, war eS den meisten nicht mehr möglich, sich Zutritt zum Saal zu verschaffen. Alle Versuche, die ohne Eintrittskarte erschienenen Damen und Herren darüber aufzuklären. daß nur eine Versanimlung der geladenen Vertreter der Litteratur, Kunst und Wissenschaft statthaben solle, und sie zum Fortgehen zn bewegen, waren vergeblich. Mitglieder des Komitees, die aus den Fenstern an die im Hof angesammelte Menge aufklärend zu sprechen ver- suchten, wurden durch Hochrufe aus das Komitee und durch Ans» brüchc des Unwillens gegen die Isx Heinze unterbrochen und konnten sich kein Gehör verschaffen. Den Saal unter diesen Umständen zu öffnen, wäre in hohem Grade gefahrdrohend gewesen: und deshalb war das Komitee gezwungen, auf diese Versammlung zu verzichten". Diese Gründe wollen uns nicht einleuchten. Wo einmal die Verhältnisse dem Komitee derart über den Kopf gewachsen waren, hätte es fünf gerade sei» lassen und für recht- zeitige Oeffnung der Thüren sorgen sollen. Es wären dann am Effde nicht gerade die Leute im Saal gewesen, die die Einberufer hätten haben wollen, aber doch ein Publikum, das sein Interesse für die Sache genügend bekundet hat und vor dem zu sprechen es sich immerhin gelohnt hätte. So aber hat die Aktion entichiedeil einen Stich ins Komische erhalten; und wenn z. B. die Dunkelmänner in der.Mark. Volks-Ztg." bei aller Schläue nicht so vernagelt dumm wären, hätten sie in ihrem Triumph- artikel über den sonderbaren Verlauf der Versammlung dem Komitee nicht den unverdicMeii Gefallen gethan, es durch die falsche Meldung von einem polizeilichen Bor bot der Versammlung seiner Verantwortung zu entheben. Zum Fall Ziethen. Die Angelegenheit des zu lebenslänglicher Zuchlhausstrafe verurteilten Alberr Ziethen wird augenblicklich wieder in Fluß gebracht. Gestern hat der jetzige Verteidiger Ziethens, Rechtsanwalt Victor F r ä n k l- Berlin einen neuen Antrag bczw. Schriftsatz zur Erwirküng eines neue» Wiederausirahme-Verfabrens dein Elbcrfelder Landgericht übersandt. Dabei sind die Erniittc- lungen des Ziethen-Komitees verwertet worden. Auch ein Kampf für die Ordnung. Wegen schwerer Verls tz u n g der Amtspflichten werde» sich in nächster Woche vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I Berlin zwei Schutzleute vom Polizeirevier in der Holzmarktstraße zu vcraiitwortcn haben. Im Dezember v. I. während des Sattlerstreiks stand der Sattlerqesellc Stawinsky vor der M i l i t ä r- E ff e k t c n- F a b r i k' von Becker». Co. in der Alexanderstraße auf Streikposten. Ein Schutzmann sistierte ihn angeblich im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung zur Wache und hier will nun der Arrestant von dem Beamten in der gröblichsten Weise mißhandelt worden sei», Stawinsky behauptet, er habe Fan st schlüge ins Gesicht erhalten und sei, als er schließlich zn Falle gckoiiimeii, noch ani Boden mit Fußtritten bedacht worden, Stawinsky blutete nach seiner Bc- hauptung aus Mund und Stase und wollte sick in diesem tzustande dem Polizeilleutenant präsentieren, um ihm deiiBeweiSfürdieMißhniidlimgeil durch sc», mit Blut besudeltes Gesicht vor Auge» zu führen. Ilm dies z» verhindern, soll der Schutzmaiiii dem Staivinsky in den Wasch- räum geschleppt und dort versucht haben, ihn gegen seinen Willen von dem Blute zu reinigen, Stawinsky behauptet, daß er llch gegen diese gewaltsame Waschung gewehrt und»unmchr der Schutzmann einen Kollegen herbeigerufen habe, ivclchcr den Stawinsky so lanc�e halten muhte, bis an ihm bie Reinigung wider Willen vorgenommen war. Demgegenüber haben die Rechts- anwalte Dr. Lubczinsky und Dr. Schlvindt zur Ntickcidiguiig der beiden Schutzleute sämtliche übrigen Beamten der Wache als Zengen dafür benannt, daß sie keinerlei Hilferufe des Staivinsky gehört imd auch äußere Spuren von Mißhandlung an ihn, nicht bemerkt hätten. Lehrer für Kiautfcho« gesucht. Wie die städtische Schul» deputation gestern an die Gemeindeschulen bekannt gab, werden für unsre chinesische Kolonie zwei Lehrer gesucht. Das Anfangsgehalt »st auf 4000 M. fixiert. Auherdem wird den Lehrern, die geneigt « Fuhrt nach dem Reiche der Mitte anzutreten, eine einmalige AnSruttung im Werte von öOO M., das volle Reisegeld, sowie eine tägliche Spcsenentschädiguna von 2 M. für die Dauer der Fahrt zu- geiichert. Es mag dahingestellt bleiben, ob in diesem fieberreiche» Orte das lebensgefährliche Anit mit 4000 M, hoch genug bezahlt ist. Herr Schwei, iburg reinigt den Fiskus. Die offiziösen .Verl. Pol. Nachr." schreiben:.Voss. Zeitung" und.Vorwärts" im schönen Verein bchailpten. daß der Fiskus einen der berüchtigtsten Ballsäle, die I a g d s ä l c. Jägerstr. 22. vermietet bade.- Diese Bc- hauptung entspricht den Thatsachen nicht. Das Grundstück Jäger- stratze 22 ist vor einiger Zeit von der Seehandliiiig zu», Zweck'der Eriveiterung ihres Dicnstgebändes angekauft worden. Das erwähnte Balllokal hatte cinenMietskoiitrakt bis in das Jahr 1V0I, und alle Vcrsiicke, diesen Mietskontrakt zu lösen, waren vergeblich. Es blieb also nichts übrig, als den Mieter bis zum Ablauf seines MictS- kontraktS zu dulden. Auch nach dieser Siechtfertiglmg erleidet die Thatfache. daß der Fiskus zu einem verrufeiien Lokal Hauswirt ist, an Komik kaum eine Einbuße. Tie Fälle von Prügclpädagogik scheinen sich bedauerlicher- weise zu mehren. Während wir vorgestern erst über einen beklagens- werten Vorfall aus der 22. Gemeindeschule berichten mußten, stellte nuS gestern eine Arbeiterfrau ihren achtjährigen Sohn in einem mitlciderwcckenden Znstand vor. Der Junge war. iveil er mit andren Knaben», einem unbeaufsichtigten' Augenblick gelärmt haben sollte, in der Klasse U V der 4S. Gc'iiieiiidcsSiile in der Markus- ftraße vom Lehrer Schiloivs'i auf geradezu schreckcnerregeiide Weise zugerichtet worden. Nicht allein daß der Körper von oben bis unten mit Striemen bedeckt ist. auch das Gesicht zeigte gestern, bierundzwaiizig Stunden nach der Mißhaiidlung, außer andren zahlreicken blntunterlaiifcnen Stellen an der rechten Seite deutlich die fünf rotbraunen Fingerabdrücke einer kräftigen Mäiiiicrhand. Wie der Knabe meldet, hat ein Mitschüler bei der Mißhaiidlung ibm die Beine festhalten müssen: auch lieh der Lehrer das Kind trotz des crbanmiiigsivürdigeu Zustandes, in dem es sich befand, zur Strafe noch eine Stniide nachsitzen. Die Mutter ging am Mittag mit dem Knaben zu einem Arzt. der das Resultat seiner Untersuchung in folgendem Attest nieder- legte:„Der Knabe leidet infolge der erlittenen Züchtigung an heftigen Kopfschmerzen und kann daher vorläufig die Schule nicht besuchen." Das Kind hat die ganze Nacht gefiebert. Es ist gar nicht daran zu zweifeln, daß derartige Fälle von der überwältigenden Mehrheit der Lehrerschaft verurteilt werden. Die eiusichtsvvllen Pädagogen erwürben sich ein hohes Verdienst, wenn sie ihren Minderbegabten Kollegen vor Augen führten, wie sehr, von dem möglichen Schaden an Leib und Seele des Rindes ganz zu schweigen, allein die materiellen Schädigungen der Eltern ins Ge- wicht fallen. Möge ein solcher Jugendcrzieher sich vorstellen, was eS im Etat eines kärglich entlohnten Arbeiters bedeutet, wenn auch nur die Hälfte des WochenverdiensteS für die Heilung des durch die Schuld des Lehrers erkrankten Kindes verausgabt werden muß. Ausgebrochen ist aus der Nervenabteilung der Chnrite der 36 Jahre' alte Kurbelstepper Johannes Kaldewey, der als einer der geriebensten Taschendiebe Berlins im Dezember vorigen Jahres viel von sich reden machte. Er hatte das Feld seiner Thätigkcit in die Wagen der Straßenbahn verlegt, trat stets sehr vornehm auf, schlug seinen Pelz auseinander und deckte damit die Arbeit seiner Hände, die er in die Taschen der Mitfahrenden sich berseuken ließ, Kaldewey, der schon wegen Diebstahls be- straft war, wurde schließlich festgenommen, weil er in fünf Fällen des Taschendiebstahls überführt erschien. Im Unter- suchungsgefänguis zu Moabit, wohin man ihn brachte, spielte er den„wilden Mann" mit so viel Geschick, daß man ihn»ach der Charits zur Beobachtung seines Geisteszustandes schaffen mußte. Der geriebene Bursche hat seine Zeit im Krankenhause damit verbracht, die dortigen Verhältnisse genau zu erforsche». Dabei hat er wahr- genommen, daß die Wärter morgen? früh am meisten in Anspruch genommen sind und die einzelnen Kranken weniger scharf beobachten können. Gestern morgen um 6 Uhr ist er unbemerkt entkommen. Wahrscheinlich hat er sich aus dem Patentverschluß einer Bierflasche einen Dietrich zurechtgcarbeitet und damit die Ansgangsthür geöffnet. Draußen muß er Helfer gehabt haben, denn Kaldewey ist in bloßem Kopf und in der in die Augen fallenden Anstaltsklcidnng entwiche», in der er nicht weit hätte- kommen können. Tie Gesellschaft Siemens u. Halskc teilt uns mit, daß der Polizeipräsident zn Berlin im EinvcrftSiidniS mit der königlichen Eisenbahn-Dircktion die Uebertragnng der für die Aktiengesellschaft Siemens n. Halske ausgestellten Genehmigiingsurkunde betreffend den Bau und Betrieb der elektrischen Straßenbahn Paukow-Gesinid- bruniien nnd Behrciistraße-Trcptow aus die„Berliner elektrische Straßenbahn Aktiengesellschaft" genehmigt hat. Beim Turnen verunglückt ist in der Halle des Friedrichs- Rcalgymuasiums der zwölsjährige Untertertiaiier Otto Rctzlaff aus der Lothringerstraße. Er hing mit beiden Händen in Schaukelringen, verlor den Ring ans der rechten Hand, wollte sich mit der lmken festhalten nnd brach sich das Gelenk glatt durch. Er erhielt einen ärztlichen Verband inid wurde in einer Droschke den Eltern zugeführt, Die Aufsicht trifft keine Schuld. Durch die mutige Handluug eines Weichenstellers der Großen Berliner Straßenbahn ist gestern nachmittag ein folgenschwerer Unglücksfall verhütet worden. Das Pferd der in der Potsdamer- strnße in der Nähe des Potsdamer Platzes haltenden Taxameier- droschke 7497 scheute vor einem vorbcisnusende» Motorwagen nnd ging durch. Der Kutscher, der neben dem Tiere stand nnd dasselbe zn halten versuchte, wurde zur Seite geschlendert und das ivilde Pferd raste die Potsdamcrsiraße ciitlang. Der an der Potsdamer Brücke stationierte Schntzmaim suchte vergeblich das Pferd zum Stehen zn bringen. Uiiaufhaltsam jagte eS� die Droschke hinter sich herschlcifend, der Lötzowstraße zu und hier inußte es zweifellos zu einer Karambolage mit einem die Lützowstraße passierenden vollbesetzten Pferdebahn- wage» kommen, der die unheilvollsten Folgen nach sich gezogen hätte. Der dort beschäftigte Weichensteller der Großen Berliner Straßen- bahn erkannte sofort die furchtbare Gefahr, warf sich dem rasenden Tiere entgegen nnd es gelang ihm, dasselbe noch rcchlzeitig zum Stehen zu bringen. ES ist in diesem Fall Ivohl als sicher niizil- nehmen, daß seibst die Große Berliner die mutige That nach Gebühr belohnt. Ei» Revolver- Attentat, das noch der Aufklärung bedarf, spielte sich vorgestern in eiiicm Hause der Zimmerstraße ab. Dort bewohnt bei d'iicm Fräulein M. der Schriftsteller Dr. L. ei» Zimmer. Ein andres Zimmer Ivar an eine separierte Frau St. vermietet. Gegen 5>/2 Uhr abends hörten nun die Hausbewohner einen Schuß fallen, der in der M.scheu Wohnung abgefeuert zu sein schien. Diese Aniiahine bestätigte sich denn auch später durch die Recherchen der inzwischen von dem Vorfall in KeinitiiiS gesetzten Polizei; Dr. L. hatte seinen Revolver gegen die Frau K. abgefeuert, ohne indessen zn treffen, und' war dan» schleunigst ins Freie geeilt, Gegen 7 Uhr abends emsittclren zwei Kriminalbeaiirte den Revolver» Helden in einem Wein- Restaurant in der Lcipzigerstraßc und brachten ihn zilin 39. Polizeirevier. Hier gab Dr. L. an. daß er mit der erlvähnten Frau K. ein Ver- hältnis gehabt habe, uiid daß er diese heirate» sollte, wozu er aber wenig Lust verspürte, Frau K. sei»nu in Gemeinschaft mit Fr, in» lein M. in seine Stube izedruiigen und hätte ihn thätlich augegriffen, indem sie ihm u. n. mit einer Flasche nach dem Kopfe geworfen habe. Beim Abwehren des Wurfgeschosses durch Halten der Hand vor daS Gesicht sei dann der in' der Notwehr von ihm ergriffene charf geladene Revolver wieder seine» Willen losgegangen. In wie weit diese Angaben ans Wahrheit beruhen, wird die polizeiliche und gerichtliche Untersuchung ergeben. Bemerkt sei noch, daß Dr. L. bcreiis längere Zeit in' der Irrenanstalt zu Dalldorf interniert war nnd gegemvärtig wiedernm geisteskrank erscheint. Auf Anordnung eines Sachverständigen wurde Dr. L. nach der Charit« gebracht, wo sein Ecisteszilstand aufs neiie beobachtet werden soll. Ein mehrfach bestrafter Kollidicb, der Schneider Eichhorn. wurde gestern in der Jerusalemerstraße auf frischer That beim Dieb- stahl eines Ballens Tuch ertappt und der Polizei übergeben. Theater. Herr Carl Nenield, dessen Vortrag über scine Erlebnisse und Schicksale wäbrend seiner 12jährigen Gesaligeiischaft in den Ketten des Mahdi das Interesse und Mitgcsübl der weitesten Kreise erweckt hat, wird diesen Vortrag noch eiinnal am komincndcii Mittwoch im groben Theater- saal der Urania halten.— Frau Anna Müller, die bekannte und allseitig beliebte Soubrette, hat ihre Verbiiidlichlencn mit dem Luiscn-Thcatcr gelöst und gedcnlt vorläufig eine fleinc Gaslspielreisc aiizutrete». Wie wir vernehmen, hat die Künstlerin aber Aussicht, in nächster Saison inBerlüi zubleiben. — Der Verein von Freunden der Tr c p t o w- St crn w a rtc hat der günstigen Bcobachtungsgelegenheit wegen drei Abende zur Moiidbeobachtung mit dem Ricsenreiraltor angesetzt; Montag, DienStag und Mittwoch, den 12., 12. und 14. März, abends von 7—11 Uhr. Am Mittwoch, den 14. März, mittags 12 Uhr, besuchen die Mitglieder das Reichs-Postmilscinn, welches an diesem Tage für andre Besucher geschlossen ist.— Im Anatomischen Museum des Passage-Panoptikums spricht nächsten Dienstag ein Arzt über das Thema i Herz und Lunge. Der Bortrag ist für Damen. Bei dieser Gelegenheit sei darauf aufmerksam gemacht, daß der Zugang zum Anatomischen Museum direkt in der Passage ist und es nicht nötig ist, den Ausgang durch das Passage-Panoptikum zu nehmen. Ans den Rnchbarorte». Ter öffentliche Arbeitsnachweis der Stadt Rixdors wurde im Februar von 103 Arbeitgebern benutzt, welche 99 männliche, 22 iveibliche und 7 Personen unter 16 Jahren, also iiisgesamt 123 Personen suckteu. Es wurden verlangt 22 Handwerker, 77„gewöhnliche" Arbeiter. 11 Dienstmädchen. 5 Fabrikarbeiterinuen und 6 andre Arbeiterinnen. Die jugendlichen Personen sollten alle 7 als gewöhnliche Hilfskräfte Verwendung studeu. Beschäftigung suchten nach: 34 Handwerker, 181„gewöhnliche" Arbeiter, ö Dienst- mädchcn. 9 Fabrikarbeiterinne»', 4„gewöhnliche" Arbeiterinnen und 13 jugendliche Personen, die sich für alle mög- kicken Arbeiten anboten. Von diesen 246 Arbeitslosen erhielten Arbeit nachgewiesen: 18 Handwerker, 62 Arbeiter, 4 Dienstmädchen, 7 Fabrikarb'eiterimien und 4 jugendliche Personen»Itter 16 Jahren. Von den 215 erwachsenen männlichen Personen, die sich gemeldet hatten, wurden also mrr 80 untergebracht, während von den ein- geschriebenen 13 weiblichen Personen 11 Beschäftigung erhielten. Von den 13 jugendlichen Personen erhielten 4 Arbeit nachgewiesen. Die Hauptzahlen sind: 246 Bewerbungen um Arbeit— 93 Arbeits- Vermittlungen. Grost-Lichtcrfclde. Bei den am Freitag stattgefimdenen G e« m e in d e v e rt r et e r- W a h I e n in G roß-Li chte rfeld e siegten in der dritten Abteilung die konservativen Gnmdeiaentünier» Kandidaten, Schuhmachermeister Schulze und Malermeister Lehmann. ES wurden abgegeben im I. Bezirk sAuhalter Seite) für Lehmann 170, für den söci'aldcmokratischcn Kandidaten Engel 135 Stimmen; im II. Bezirk(Potsdamer Seite) für den konservativen Kompromiß- Kandidaten Schulze 423, für den socialdcmokratischen Kandidaten Wenzel 183 Stimmen. Im letzteren Bezirk haben die Gegner mit Aufwand aller Kräfte gearbeitet, alle Beamten und abhängigen Wähler herangeholt. Die socialdcmokratischen Stimme» in diesem Bezirk habe» sich gegen das Vorjahr verdoppelt.— Ohne llnrcgelniäßigkcit geht es bei Wahlen, besonders im Kampf gegen das Proletariat selten ab. So wurden in beiden Bezirken Wähler, die in der Wählerliste standen und auch amtliche Wähler- karten erhalten hatten, zurückgewiesen mit dem Bemerken, jdaß sie nicht ivahlberechtigt seien, nachdem sie für den Arbeiter- Kandidaten gestimmt hatten. Ein solches Verfahren verstößt zweifellos gegen die klaren gesetzlichen Bestimmungen. FriedrichShagen. Der vom Gcmeindeborstand aufgestellte Entwurf des Gemeindehaushalts- Etats für das Nechmmgsjahr 1990 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 228 500 M. Die Titel der E i n n a h m e weisen folgende Summen auf: Für Einnahmen aus Vorjahren 7800 M., gelverbliche Untcr- nchnninqen 27 970 M., Gebühren 995 M.. indirekte Steuern 27 850"M, direkte Stenern 131911 SR., Einnahmen aus Kapitalien 15 252,45 Mark, Einnahmen ans Grundstücken 2415 M.. Gemeinde-, Amts- nnd Standesantts-Vermaltiing 2282 M.. Schulverwaltmig 8300 M., Armcnverwaltimg 155 M., Knrparl- Berivaltung 2300 M., insgemein 1269,55 M. Die Titel Ausgabe ergeben die Summen: Ausgaben für Vorjahre 1000 M.. Gemeinde-, Amts- und Standesamts-Verwaltung 43 056.05 M.. Schuloerwaltung 83 666 SR., Progymnasium 8600 SR.. Straßen- pflasterung 24 995.75 M., Kosten der Gesundheits- und Armenpflege 14 193 M.. Feuerlöschwesen 1530 M., Baupolizei-Verivaltiuig 750 M., Ausgaben für Geincinde-Grmidstücke 1400 M., gelverbliche Untcr- nehuiunqen 23 340 SR.. Kurparkvcrwaltuiig 2250 M.. Verzinsung und Tilgung der Gcmcindeschnldcn, 15 614,25 M„ insgemein 3104,95 M.. Tod durch EleNricitiit. In dem benachbarten Marren- darf war Freitagabend gegen 6 Uhr der 19jährige Arbeiter Adolf Sasse mit der Untersuchung der elektrischen Drahtleitmig der Straßenbahn beschäftigt, lvobei er eine eiseiibeschlagenc Leiter an einen der Tragpfeilcr'gelehnt hatte. Sasse muß mm mit der Leiter die Leitung berührt haben, die nicht ausgeschaltet war. er erhielt einen elektrischen Schlag und stürzte tot zn Boden. Die Wieder- belcbungsversuche, die von zwei Acrztcn vorgenommen wurden, blieben erfolglos._ VemnisMes- Znin Brande deö Thöiitre Franyais wird noch berichtet, daß die Arbeiten zur Erhaltung und Wiederherstellung des Thästtre Fraiisai« gestern früh begonnen haben. Der Deputierte Leon Bourgeois'will in der Kammer beantragen, es solle zn Gunsten des beim Brande geschädigten U n t e r p c r s o n a I s eine Ausstellung der aus dem' Brande geretteten Handschriften und Knustgcgciistände im Lonvre stattfinden. Wie bereits erlvähiit, konnten die meisten K n n st s ch ä tz e ge- rettet werden. Doch wird versickert, daß das Rettungswerk in einer so bnitalen Weise ausgeführt wurde, daß Gemälde und Büsten darunter stark zn leiden'hatten. Eine berühmte Pastellzeickmmg von La Tour soll zum Fenster des Foyers heraus auf die Straße ge- worken worden fein, wo der Rahmen in tausend Stücke ging. Die sitzende Status Voltaires von Hondon be- miete dem Administrator JnleS Claretie nnd dein Polizei- präfelten Lepine große Sorge. Die Feuerwehrlente konnten nicht versprechen, den schweren Marmor unversehrt aus dem Kiinstlcrfoyer'herauszuschaffen, und man entschloß sich dazu, sie uiitcr guter Obhut an Ort und Stelle zu lassen. Da aber die Decke einstürzen loimte. so wurde Voltaire in zlvci schützende Matratzen gehüllt, unter denen sein Lächeln noch grinsender ans- gesehen haben soll. als je zuvor. Jetzt werden sachverständige An- gestellte dcS Lonvre- Museums das Werk Houdons, dessen Gewicht auf zwölf bis fünfzehn Doppelceiitner geschätzt wird, nach den Galerien des Lonvre schaffend Die Trau er fei er für die bei dem Brande der„Comedie Fraiisaise" verunglückte Schauspielerin Hcnriot fand heute Mittag in der Kirche Saint Honor« fc'feljlati statt. Unzählige Kränze waren gespendet worden, darunter ein Kranz des Michacll-TheatcrS in Petersburg. Alle hcrvarragciidcn Künstler, sowie der Unterrichts- Ministers LeyaucS waren anwesend. Präsident Loubct und Minister« Präsident Waldeck-Nonsscaii hatten sich vertreten lassen. Ein ausführlicherer Bericht über die Gemeiiideratssitzimg, die sich mit dem Thcaterbraude beschäftigte, besagt: Lcvöe, Gcmciiidcrat des Palais Royal-Bezirks, fragt an, wie eS komme, daß die Hilfe so spät eingetroffen sei und verlangt, daß ständig Löschmaiiuschaftcu in den Theatern anwesend seien. Polizei- präfek't Lepine erwidert, der erste Lvschwagcn sei 4 Minuten nach dem telcphonischen Anruf an der Brandstätte eingetroffen, eS habe dann der notwendigen Zeit bedurft, ehe derselbe in Thätigkeit treten konnte. Was die ständige Anwesenheit von Löschmannschaften in den Theatern anlange, so sei hiervon auf Wunsch der Direktion selbst Abstand genommen worden. Nachdem noch weitere Redner gesprochen hatten, Ivnrden 13 Anträge. durch deren Durchsühning die Wiederkehr ähnlicher Braiidimglücke verhütet werden soll, eingebracht und den einschlägigen Ausschüssen überwiesen. I» Burg bei Magdeburg hat sich der 70 Jahre alte Bankier Fr. W e l l c» k a m p erschossen. Der mit Orden und Ehrenämtern gesegnete Mann hatte ganz enorme V e r u» t r e u n n g e n begangen, Depots unterschlagen, Hiiiidcrttausciide ihm anvcrtrautcr Spargelder verthan und im Börseuspiel verloren, tleber den Nachlaß ist Konkurs eröffnet. Die llnterschlagiingen usw. datieren schon lange Jahre zurück, selbst Waisengelder hat er nicht geschont. Ermittelt sind bis jetzt 1 700 000 M. Passiven, die Aktiven sind fast Null. Die Aiisregiing ist enorm, Wcllciikanip war cinc Stütze der ko n- servativeii Partei und wurde erst beim letzten OrdenSfest dekoriert. Bankrott eine» Etadtverordnetcn. In Görlitz wurde übet über das Vermögen des Stadtverordneten und Agenten Adolf Börner der Konkurs eröffnet. Börner verwaltete mehrere beträchtliche Vermögen, die verloren scheinen. Vörucr selbst liegt in schwerer Krankheit vernehmiingsunfähig darnieder. Bis jetzt nimmt man schon einen Verlust von einer halben Million Mark an, doch dürfte sich diese Summe wohl noch wesentlich erhöhen. Die bisherigen Recherchen haben auch ergeben, daß Börner sich der W e ch s e l f ä l s ch u n g schuldig gemacht hatte, dann aber sich von dem betreffenden, dessen Namen er in verbrecherischer Weise gemißbraucht. Blanko- Aecepte hatte ausstellen lassen, mit denen er die gefälschten Wechsel wieder an sich brachte. Ein räuberischer Ncbersall winde gestern in der Gntlcut- sie I zu S t r a ß b u r g i. E. auf einen an der Influenza er- nkte», zu Bett liegenden Büreanbeamten von einem niibekannten Kolporteur verübt. Man fand den Ueberfalleiicn dem Erstickmigstode nahe, geknebelt und gefesselt; der Schrank und die Kommode ivaren erbrochen. Bon dem Thätcr fehlt jede Spur. Fünfzehn Grnbcuarbciter getötet. Auch in Frankreich mehren sich die Griibeuunsälle. Im Bergwerk Besseg es bei NinieS wurden fünfzehn Arbeiter durch schlagendes Wetter getötet. Die Pest in Kalkutta nimmt fürchterliche Dimensionen an. In dieser Woche sind bereits 400 Pesifälle borgekouimcn. In Marseille ist Otwrantänc errichtet worden. Zu dem Dampferuntergang, über den wir bereits gestern oerichtetcn, wird dem„Petit Temps" auS Calais gemeldet: Der Dampfer, mit welchem der Dampfer„Cnvier" zusammenstieß, war e n g l i s ch e r Nationalität. Derselbe setzte seine Fahrt fort, ohne sich um das S ch i ck s al der Mannschaft d e s„C» v i e r" zu kümmern. Der Kapitän des letztcrn und 37 Mann der Besatzung sind ertrunken. WllicriiugSüberitcht uoin 10. März 1900.«lorge»»« Ilhr. Wetter'Proauose für Sonntag, de» II. März 1900. Etwas wärmer, vielfach Setter, zeitweise wollig bei schwachen südlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. B e r t i n c r W c t l c r b» r e a». Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin, lt). März ISOO, Amtlicher Bericht der Direktion. Zinn Verlans standen: 5342 Rinder, 1554 Kälber,"61 Schafe, 6879 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark ,'bczichungSweise für t Psmid in Pi.): Mir Rinder: Lchlen: a) vvllslcischige. ausgeniästcte, höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 61—05, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ansgcnlästete 56—60; c) mästig genährte junge und gut genährte ältere 53-55; d; gering genährte jeden Alters 48—52— Bullen: a) vostflenchige höchsten Schlachtwcrtcs 60—62; d) mätzig genäh»-t« jüngere und gut genährte altere 54—58: c) gering genährte 48—52.— Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten SchlachlwertS 00—00; b) voflflcilchige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 52—53: c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut tiNwiclelte jüngere Kühe und Färsen 50—51; es) mähig genährte Kühe und Järsep 46-49; e) gering genährte Kühe nnd Färsen 43—45.— Kälber: a) feinste Mast- kälber iVoUnulchmasii und beste Saugkälber 72—74, b) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 64—68, c) geringe Saugkälber 54—60, d) ältere, gering genährte(Fresser) 40- 48.— Schafe: a) Mastlänuner und jüngere Mast- Hammel 61—64, b) ältere Masthannnel 55—60, c) mätzig genährte Hammel und Scbafe(Merzkchafe) 48- 54, d) Holsteiner Niedcrungs- lchase(Lebendgewicht) 00—00.— Schweine: a) vollfleischige der feineren Raflen und bereit Kreuzungen im Alter bis zu 1»/« Jahren 47-48, b) Käser 00—00, c). fleischige 45— 46, d) gering entwickelte 42—44, e) Sauen 43—45. Verlauf und Tendenz. TaS Rindergefchäft wickelte sich schleppend ab nnd hinterlatzt Ueberstand. Der Kälberhanbel gestaltete sich ruhig. Bei de» Schafen war der Geschäftsgang ziemlich glatt; es wurde ausverkauft. Der Schweinemarkt verlies ruhig und wird voraussichtlich geräumt. Marktpreise von Berlin am 9. März 1900 nach Ermittluiige» deö kgl. Polizeipräsidiums. D.-Etr. 15,40 14,40 14 10 16,- 14,20 13,40 4,32 6,70 40,- 70,— 7- 1,60 1,20 Tonne 14,- 13,70 13,— 14,30 13,50 12,70 3,82 4,— 25,- 25,- 30,- 6,- 1,20 1- von chiveineflcisch Kalbfleisch Hamuielfleisch Butter Eier Karpsen Aale Zander Heckte Barsch« Schleie Bleie Krebse Iks 60 Stück »kß per Schock 1,60 1,60 1,60 2,60 6,- 2,20 3,- 2,50 2- 1,80 2,80 1,40 12,- der Ceniralstelle der 1,10 1- 1,- 2,- 2,60 1,20 1,40 1 1- 0,80 1,20 0,80 3,- �Weizen ')Noggeii Futier-Gerfle Hafer gut » mittel„ „ gering Richtstroh, -» irbsen. Speiscbohnen. ch)Li»fen Kartoflel», neue ,. Riudfleisch, Keule 1 st» do. Baiich. '*) Ermittelt pro wirtschaftstammenl— Notierungsslelle—»»d»mgerechnel vom Präsidium sür den Doxpetccntner. f) Kleinhandelspreise. Produktenmarkt vom 10. März. Getreide. Ter Frühverkehr sür effektive Ware war etwas lebhafter, wobei sich die Abgeber zu Kon- zetsionen geneigt zeigten, und die Preisgestaltung infolgedeffen nach unten tendierte. AuSlandsoffertcn waren wiederum sehr reichlich vorhanden, be- stmders sür La Plata-Weizen und sür südrulstschen Roggen. In dem lksttcren Artikel wurden im Anschlufl« an die erwähnten, am Schluffe des gestrigen Verkehrs erfolgten Vertäute beute weitere Abschlüsse getbätigt. Mittags trat bei wesentlich stillerem Gesckmst eine Abschwächung der LiescrungSprcise ein, während effektive Ware wenig verändert war. Der Anlatz zu der matteren Tendenz lag tinerseitS in dem stabileren und entschieden günstigen Wetter, andrerseits in den schwächeren Meldungen aus Paris, Pest, New Jork und Chicago. Abgahelust machte sich heute besonders für JulisickUeu geltend Weizen war 0,50, Roggen 0,75 M. billiger zu haben. Hafer gab aus russische Offerte» 0,50 M. nach. Rüböl behauptete seine gestrigen festen Ichlubprcise. Preutz. Laud- Polizei- Am SpirituSmarkte verharrte 70» loco auf dem Nievcau von 47,90. Die Getreidepreiie gaben späterhin noch weiter nach und schlössen für beide Brotsrüchte 1 M. unter gestern. — Thalia-Theater. Alle Abende: Im Himmel hos.— Belle-Allianee-Theater. Alle Abende: Die Reise nach Amerika. Carl Weift. Theater. Bis Mittwoch: Von Stufe zu SMfe. Donnerstag bis Sonuiag: Der Mineuköntg.— Birtoria-Theater. Alle Abende: Onkel Cohn.— Friedrich Wilhelmstädtisches Theater. Alle Abende: Berliner Bilder.— Apollo Theater. Alle Abende: Im Reiche dcö Jndra. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag. Dienstag und Freitag von 9—9 Uhr abends statt. Rielsch. Wabrscheinlich lesen Sie nicht regelmäßig den„Vorwärts'', sonst würden Sie finden, daß alle Ihre sehr trefflichen Anregungen schon von uns behandelt und. E. F. IV. 1. Der Tag, an welchem Vorlagen, die von de» einzelnen Fraktionen kommen, zur Beratung stehen. 2. Abkürzung falsch: nur ein„g". 3, Persönliche Rücksprache mit dem zuständigen Redacteur. 4. An andrer Stelle im Briefkasten Zunftmeister. Der Meister war im Recht; eine Klage wäre aussichtS- loS.— I. E. 99. 1. 21 Jabre. 2. und 3. Die Geburtsurkunden wid die erforderlichen Einwilligungserklyrungen. 4. Der Verlrag ist notariell oder gerichtlich zu schließen.- Ferdinand 199 6. 1. Zahlungspflickn liegt vor. 2. Nein.—(?mil Arndt. Sprechen Sie eventuell mit den Dokumenten (Ceision, Bau-Antrag, Erkenntniffen) in der junstiscben Sprechstunde vor. — H. S. 5. 1. Sprechen Sie gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor: die Beantwortung Ihrer Frage hängt von einer ganzen Reihe von Ihnen nicht erwähnter Umstände ab.— V. W. L. 1. und 2. Wenden Sie sich an das Vormundschastsgericht. 3. Nein. 4. Ja.— Drei Brüder Berlin. Die Sterbe-Urkundc erhalten Sie gegen 50 Ps. Gebühren von dem zuständigen Standesbeamten.- Bl., Hussiteuftrafte. Weber münd. liche, noch schriftliche Vereinbarungen würden in Ihrem Fall genügen. ES ist ein notarieller oder gerichtlicher Vertrag erforderlich.— L. Rosenkranz. Die Kaffe, zu der dt« Arbeiter des Meisters, bei dem Sie zuletzt arbeiteten. gehören, hastet Ihnen: Sie sind auch ohne Anmeldung kraft Gesetze» Mitglied der ZwangStassc geworden.— A. M. Kommt nächste Nummer. — L. 99. Ohne»SSerr Darlegung nicht zu beantworten: sprechen Sie gelegentlich in der juristischen Sprechstunde vor.— Paul Haht. In solchem Falle wäre eine Befchwerde der Klage aussichtslos.— Borwärts. Frank- fnrt a. O. Sie sind zur Zahlung, unter Abzug beb Kraukenkaffengeldes. verpffichtet.- CT.«. 48. Bis 6 Wochen Haft.— W. 200. Wenn Sie die Wohnung schon längere Zeit bewohnen, so läßt sicki nichts mache«. Sonst können Sie gegen den Witt aus Beseitigung der Störungen nach 7 Uhr klagen.— Charlottenburg. Frühestens am 1. Januar 1902.— M. Ja. — W. Sch. 9. Nein.— C. Grau. Nein, der dahin aenchtete Antrag ist auch in der diesjährigen Unsalltommilsion abgelehnt.— A. B. I. 1. Nein. 2. Nein. 3. An die Polizei.- H. W. 19. 1. Ja. 2. Ja. 3. Leider nein. 4. Das ist zulässig.— 9. S. Z8. Sie muffen schleunigst Widerspruch ein- legen.— C. K. Sie haben kein Recht, die Sacken zu vervsände». Sie köunen Jbre Forderung etnNagen und dann in die etnbehaltenen Sachen Pfändung vornehmen. _ Btcregg. Schriftliche Antwort zu etteilen lehnen wir ab. Stellen Sie bei der StaatSanwaltschast Strasantrog wegen Sachbeschädigung und fechten Sie im Fall des Unterliegens die Wabl wegen amtlicher Wahl- beeinfiuffung an- G. G. Ch. 1. und 2. Ja. 3. An die Landes- Versicherungsanstalt.— A. O. Ein eigenhändig ge- und unterschriebenes Testament braucht nicht einen» Gericht, Notar od» dergleichen übergeben zu werden, um gültig zu sein— W. W. New.— R. Z. 1. und 2. Ja. B P 89. Ter Bater eines nach dem 1 Januar 1900 geborenen unehelichen Kindes hat zweifellos kein Recht, die Erziehnng des KindeS nach deffen ziirückgelegiem 4. Lebensjahr zu begehren und im Weigeruugssall die Zahlung von Alimenten abzulehnen. Ob der Vater eines vor den: 1. Januar 1900 in Preußen geborenen unehelichen KindeS dies durch daS altprcuhische SchwängcrungSgesetz ihm beigelegte Rccbt noch nach dem 1. Januar 1900 ausüben kann, ist streittg. Nach ttchttger Ansicht ist die Frage zu verneinen, weil feit dem 1. Januar 1900 das Erziehungsrecht lediglich nacb dem Novum des Bürgerlichen Gesetzbuchs sich regelt und das alipreuhisch« Sander-Unrecht gegenüber dem Kind und der Mutter »veseutlich dies und erst in zweiter Linie die Alimentationspflicht reget-, die sich nach den Gesetzen der Gebuttszeii des Kindes richtet. — P. W L. 1— 3. Wenden Sie sich direlt an das BoruiundschastSgerichr. 2. Die AmnetdlMgSpflicht liegt Ihnen ob.— A. M. 1999. Wenden Sie sich an die Offmbacher Krankenlaffe.— O. W. Gewiß: geben Sie vei einem Notar oder bei dem AmlSgettcht die Erklärung ab, dag sie die Vater- schaft zu Ihrem Kinde anertcnnen und beantragen Sie die lleberseuduNg dieser Anerkeuntnisverhaiidlung an den Standesbeamten, der die Geburts- anzeige entgegengenommen hat, zwecks Emlragung m daS Geburtsregister. W/arerihau� /UA/e rt h e i rri Berlin, Leipziyerstr. 132/133.« Bosenthalerstr. 27/29 u. 54.«• Oranienstr. 53/54. MtMlog. den 12. März, und Mgende Gage soweit cisr VoODat rsiciit: Wäsche DälUCUbCIUdCD, Priesenforro, Hemdentuch mit Spitze|,50 Mk. Damenhemden, i,7om. JfSA 2,**** Damenhemden, Een,or�a�rtÄstKktcr 2,™ Mk Dam6nb6inkleid6r, Benforce mit Stickerei 1�65 Mk, kurze Form 1�95 Mk. Macbljacken, owit» mit spu«. 1,90 Mk. 2,™ � Nachthemden, Benforco mit Stickerei 3, 50 Mk, Stickerei-Rticke 3, so Mk. und 3,00 Mk Herren-Nachthemden, Hemdentuch mit Falten 1,95 Mk. Deekbettbezüse, Gr. ca. 130X200 cm, Renforcs 8, SO Mk., Dimiti 3, so Mk. Kissenbezüge,md Verkehrsarbeiter als Mitglieder aufnehmen. Rixdorf. In der letzten Bersanuiilmig des Verbandes der Möbelpolierer referierte M e tz n e r in trefflicher Weise über das Thema:„Ist jeder Preuße vor dem Gesetze gleich?" Es folgte dann der Sitvatioiisbcricht über de» Ausstand. Der Geist unter den Ans- ständigen ist gut und sind dieselben gewillt auszuharren, bis die Tischler gesiegt haben. Die arbeitenden Kollegen haben wöchentlich 1 Mark zu zählen. Rixdorf. In dem Bericht über die Versammlung des Holz- arbeiter-Verbandes in Nr. 52 deS„Vorwärts" ist ein Irrtum unterlaufen. Die Versamnilung fand am 21. Februar und nicht am 20. statt. Es wurden nicht Lehmann zum Bevollmächtigten und Barium Kassierer gewählt, sondern der bisherige Bevollmächtigte F. Helming, Zietenstr. 61, und Fritz Rothe, Hermaimstr. 200, als Kassierer wieder« gewählt. Ju Lankwitz fand am Mittwoch eine gut besuchte Versammlung im Löwendorffcheu Saale statt, welches Lokal den Genossen nunmehr zu Versammlungen zur Verfügung steht. Auf der Tagesordnung standen die Kominimalwahlen in Lankwitz. Die bürgerlichen Ver« treter der dritten Wählerklaffe waren brieflich eingeladen und auch erschienen. Genosse Retzernn-Nixdorf entwickelte in einstündigem Vor« trage unser kommunalpolitisches Programm und forderte die an- wesendcn Arbeiter auf, sich mit aller Kraft an de» Gemeindewahlcn zu beteiligen, falls nur einige Aussicht ans Erfolg vorhanden sei. Als erster Diskussionsredner meldete sich ein Herr Schulze, dem Anscheine nach ein Anhänger der sog. Mittelstaiidsbewegiiiig. Er beklagte die großen Lasten, die der Mittelstand tragen müsse, und meinte, daß die guten Schulverhältnisse in Lankwitz nur dcn bürger» lichcn Vertretern zu verdanken seien. Genosse Labjuhn fragte, welche Thätigkeit die bürgerlichen Ver- trcter sonst noch im Interesse der dritten Wählerklasse entwickelt hätten. Insbesondere verlangte er von dcn anwesenden Gemeinde« Vertretern Aufschluß bezüglich der Streikklausel in den Verträgen dcr Ge- meinde mit diversen Unternehmern. Wegen der heranrückende» Polizeistunde wurde erst die Teilnahme an den Gcmeindewahlen beschlossen und Genosse Labjuhn als Kandidat nominiert. Dann erhielt das Wort der Gemeindevertrcter Herr Liichterhand. Er entdeckte aufs neue, daß einige unsrer Forderungen schon die „alte Fortschrittspartei" erhoben habe, und machte über die Streik- klausei so verkehrte, geradezu sinnwidrige Ausführungen, daß sich jedem die Uebcrzeuguiig aufdrängen mußle, Herr Liichterhand wisse überhaupt nicht, was eine Streikklausel bedeute. Nach der„Rede" deS errn Gemcindevcrtretcrs forderte der anwesende Gendarm Schluß der crsammluiig und als der Vorsitzende dem nicht entsprach, erfolgte die Anflösiing derselben— von deren Wirkung der Amtsvorsteher Denk in Martendorf jedenfalls nicht sehr erbaut sein wird. Der Arbeiter-Bildnngsverein für Mariendorf hielt am 4. d. M. eine gntbesuchte Versaiiinilung ab. Gen. Müller referierte über„Die Ziele der Socialdemokratie"' An der Diskussion beteiligte sich F. Greulich. Unterm dritten Punkt der Tagesordnung wurden die am 12. März in Mariendorf stattfindenden GemeinderatSlvahIen besprochen, wobei H. Lehmann und andre Redner die örtlichen Ver- hältnissc in kritischer Weise beleuchteten. Als Kandidat für die dritte Wühlerklasse wurde der Gen. H. Schüttekop aufgestellt. Stralau. Am 9. März fand hier eine Kommunalwähker-Ver- sammlung statt, in.der Gen. Th. M e tz n e r über das Thema: S haben die Mdeiter für ein Interesse an den Gemeinde- rats-Wahlen?' referierte. In der DtSkussion wurde darauf hin- zcn'icsen. daß die Wahl am 13 März von 5— 6 Uhr statt- mdet. Es wurde betont, daß in einer Stunde unmöglich 300 Wähler ihr Wahlrecht ausüben können. Man beschloß deshalb, folgende Protestresolution der Gemeindevertretung zu überreichen: Die Wähler- berscmimlung protestiert gegen die von der Gemeindevertretung fest- gesetzte Mahlzeit, da dieselbe geeignet ist, den meisten Wählern das Recht zum Wählen zu rauben. Als Kandidat wurde der bisherige Vertreter, Nestaiirateur G u st a v Mütze, einstimmig wieder aufgestellt. Zum Schluß forderte der Vorsitzende die Anwesciideil auf, recht fleißig zu agitieren, daß am Wahltage jeder Wähler rechtzeitig erscheine, um 'ein Wahlrecht auszuüben. Köpenick. Die Arbeiter-Bildniigsschuke des hiesigen GeWerk- ckaftskartells schloß ihr erstes Semester am 1. März durch einen öffentlichen Vortragsabend im Kniserhof. Der Knrsiisleiter, Genosse Müller, sprach über die Grulidziige der marristischen Lehre. Der knapp zweistündige Vortrag wurde beifällig aufgcnomiiien. An der kurzen Diskussion beteiligten sich Robert Schulz, Becher und der Referent. Der Vorsitzende Schulz schloß dcn Kursus und Vortragsabend mit einem begeisternden Hoch auf die Social- demokratio. Adlcröhof. Hier tagte am 4. März eine Versammlung, die -ich zu einer Giordano Brnno-Feier gestaltete. Das Referat' hatte Dr. Wille Übernommen, der in trefflicher Weise eine Schilderimg des Wirkens und StrebenS des großen Märtyrers gab. Sodann miterbreiteto die Fiinfcr-Kommission ihren Bericht über ihre Thätig- keit; sie forderte zum Anschluß an die freie Gemeinde und zum Anstritt ans der Landeskirche ans. Bei der Neuwahl wurden folgende Personen in die Kommission delegiert: Wadepnhl, Meyer, Bültner, Arndt und Gondel. Tamaeitce-KnrsnS für Arbeiter u»d Arbeitcrinuen. Morgen, Montag, abends 9 Uhr: NebungSstiinde in der Centrale, Drcsdeuerstr. 45; Revetitione. Abend und prallische Uebmigen unter Leitimg des Herrn Dr. Stulz. Deutsche Gesellschaft für öffentliche Geliindheitspflege. Montag, dcn 12. Marz, abends 8 Uhr, im Bilrgerlaal des Rathauses: Herr Prof. Dr. K. Schüurami über„Koloniale Nutzpflanzen". Allgei». Kranken- und Sterbckasse der Metallarbeiter.(E. H. 29 Hamburg, Filiale Bsrliii 7). Mitglieder-Versammlung Sonntag, 11. Marz, vorm. lO'/a Ubr, bei Bergmann, Pasewalkerstr. 3. TageSordmiyg: 1. Kassen-, ' ahres- uiid Geschäftsbericht. 2. Anfflellmig der iiandidotcn zur General- ersammlimg. 3. Wahl eiiieS Wahllvmitees. 4. Verlegung der Zahlstelle Müllerstr. 24. 5. Verschiedenes. SchUichtergesellc». Sonntagiiachmtttag 6 Uhr: Grosse Versammlung bei Schiller, Rosenthalerstr. 57. Vonrag des Äoflegcu G. Straube: Das Unfallverstchcrungs-Gesitz und dessen Bedeutung für die in Schlächtereien beschäftigten Gesellen". Wcisscnsce. Heute nachmittag 2 Uhr: Oeffentliche GeiverkschastS- Versammiung im„Prälaten". Genosse A h r e n S über„Wie stellen sich die Gewercschasten Weissensees zur Lohnbewegung der Tischler?" »üc de» Jnhnlt der Juseraic �beruiuiint die Nedaktio» de», �»bliki»» geqcuiibcr keinerlei __ äkertiiHUiorhinn. WhvKkev. Sonntag, den 11. März. �reie Bolksbühne. Carl Weiß- Theater, ä. Abteilung(gelbe Karten): Hamlet. Anfang 2�/. Uhr. Opernhaus. Kam. Der Evaiigeli- mann. Anfang 7 Uhr. Montag: Die Meistersinger von Nürnberg. ®ld)fl»spielhiu,s. Die Tochter des Erasmus. Anfang 7>/z Uhr. Montag: Der Eisenzahn. ReueS Oper»-Theater(Kroll). Die Fledermaus. Änfäng 7l/z Uhr. Tentsches. Der Probelaudidal. An- fang 7»/, Ubr. Nachm. 2>/z Uhr: Die verfunkeilc Glocke. . Montag: Rosmersholm. Seffiiig. Kean. Anfang 7»/, Uhr. Montag: Llrvlook. Berliner. Freilicht. Anfang 7>/z Uhr. Nachm. 2-/, Uhr: Wilhelm Tell. Montag: Libussa. Neues. Nackte Kniist. Anfang 7V- Uhr.. Nachm. 3 Uhr.: Hofgnnst. Montag: Ein Ateliergeheimnis. Schiller. In Behandlung. Ansang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Macbeth. Cöcftc». Der Zigeunerbaron. Anfang Ii/. Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Troubadour. Montag: Der Zigeunerbaron. khalia. Im Himmelhof. Anfang 7V, Uhr. Montag: Dieselbe Borstellung. Nesidenz. Die Dame von Maxim. Anfang 7Vj Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Schlaswagen- Controleur. Montag: Die Dame von Maxim. Luisen. Drei Paar Schuhe. Ansang 8 Uhr. Nachni. 3 Uhr: Othello, der Mohr von Venedig. Montag: Drei Paar Schuhe. Central. Die Puppe. Anfang 7V- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Bettel stubent. Montag: Die Puppe. Carl Weist. Von Stufe zu Stufe. Alifang 71/. Uhr. Myntag: Dieselbe Vorstellung. Eelle-Zllliaiice. Die Reise nach Amerika. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Victorin. Ein gesunder Junge. An- fang 8 Uhr. Nachm. 31/2 Uhr: Der Leiermann und sein Pflegekind. Montag: Ein gesunder Junge. Friedrich- WilhelnistädtischeS. Berliner Bilder. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Romeo und Julia. Montag: Berliner Bilder. Vietropol. Specialitätciivorstellung. Die verlehrte Welt. Anfang 7V- Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. lllpollo. Specialitäten- Vorstellung. Im Reiche des Jndra. Aufaug 7-/, Uhr. Montag; Dieselbe Vorstellung. Palast. Specialitäten- Vorstellung. Der selige Zwiebelmaim. Antang 7Vi Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ncichshalleu. Stetliner Sänger. Anfang 7 Uhr. Pofsiige> Pauoptituin. Special!- lätcn-Vorstelknug. Urania. Jnvalidenstr. 57/(12. Täglich abends von ö— lll Uhr: Stcrnwarle. Tanbcnstraste Abends 8 Uhr:„Von den Alpen zum Vesuv". Montag: Dieselbe Vorstellnug. 8 (Wallner-Theater). Sonntag, nach m. 3 ll h r: Die Jungfrau von Orleans. Romant. Tragödie in 1 Vorspiel und 5, Aufzügen von Fried:. Schiller. S 0 n n t a g, abends 8 Uhr: In BekanSInng. Komödie iu 3 Akten von Mar Dreher. Montag, abends 8 Uhr: Äaelbetl». Dienstag, abends 8 Uhr: _ Macbeth._ Belle-AIHance- Theater. Gastspiel Knill Richard. Heute und folgende Tage: Me Reist nach Amerika Voltostnck mit Ecsang in 0 Alien v. Zl. Philipp. Anfaiig 8 Uhr._ Crtttvkil T hrntev Direktion: ckoee perevorx. Nachmittag 4 Uhr zu halben Preisen: Oer Kcttelstndcnt. Opcrcltc in 3 Alien von ß. Millöcker. Abends 7>/z Uhr: Die P n p p e. /z Uhr: Kon Stufe zu Stufe. Im Tunnel von t> Uhr an prslstonrsrt. Tonnerstag, den 1ö. März: Ter Minenkönlg von Transvaal. Ui'snis VanhenUtrasse 48/Jv. Im Dlivatsr aboocks 8 llkr: „Von äen /�Ipen 211m Vosuv!� ZlontaA: Oassolizs. Invalidenstr. 57/02: lägl. Aacbmittsg» S—>0 vbr. 'tezxe'i'mirtfoW.' Geöffnet 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Täglich: K Theater variete. K Aut'trctca des indischen Fakirs Kalakutta — und des Zauberkünstlers— Hr. Jerdnte. fpA | Kci q en!| CASTANS PANOPTICUM en! Ken! Ken Ein Riese Icker englischen Armee Sergeant Tb.Dalroy 2 in SO cm hoch! Oberbayrische Sänger und Schuhplattler■ Gesellschaft. Thalia-Theater. Tel. AmtlVa 6440. Dresdenerstr. 72/73. Täglich: Riefenlachcrfolg l Im Himmelhof. Thomas, Thielschcr, Helmerding, Jmikermann, Paulmüllcr. Anfang 7l/z Uhr. Morgen und folgende Tage: Im Hiinmeliiof. Aflolio-IIikgtei'. m Mtk des Indra und 8 erstklassige Specialitäten. Beginn der Vorstellung J1/» Uhr. Vorverkauf von IO— 2 Uhr im Theater sowie beim„Invalidendank" und„Künstlerdank". Palast-Hieater früher Fccn-Palaat, Burgstr. 22. Ganz Berlin amüsiert sich über das wunderbare neue■ Grosse März- Programm. Kolossaler Beifall bei dcui Austreten der crstllasstgeii Kunst-Specialitäten. Neu! Die clektr. musikalische Neu! JJBT" Demonstration."VC Um SV- Uhr: Gr. Lacherfolg. Direktor Winkter und Fröbel in der hoch- drastischen. Gsfangsbi:rlcskc Der selige Zwiebelman». Anfang vi/�rjr. Konzert 61/.. Uhr. Vorverkauf: Vormittags v. II— 1 Uhr. Soimabend, den 17. März: Geschlossen. Sehllwsnll. Heute Sonntag, den ll. März: 2 grosse brillante ej Galn- Vorstellungen-» Nachm. 31/. Uhr u. abends 7/.'.. Uhr. In beiden Vorstellungen: Gleich reichhaltiges abwechselndes Programm und Direktor Albert Schumann mit seinen aiierkaimt 11 n erreicht da- stehcndeil Original-Dreilllren. In beide u Vorstellungen: Neu! '? The two Martinecks V Mr. Land, der phänomenale Rcitkllnstler. Die ohne Konkiirrenz dastehenden dressierten fibirischen Wolfshunde des Mr. Wilkes usw. Nackmiitiags zum Schlug: Die reizende Ansstattungs- Pantomime: Im Wellmacbtsdarar oder Me puppen- liönlgln. Nachm. 1 Kind frei. Jedes weitere Kind halbe Preilc kanäer Galerie), abends jedoch volle Preise. Abends 7y.> Uhr: Or. Faust. Eilicromantisch-PhaiiiastischeHandliliig in drei Abteilungen vom Hofballell- Meister A. Siems. At 0 n t a g: Eala-Spori-Vorstcllung. Neues Prograuim und vr. paust. Urania Wrangelstrasse 10/11 Jede» Sonntag:[34972* Grosser Ball. Auf. 4 Uhr. Siehe Auschlagfäulen. Empfehle mein Lokal zu Fest- lichkeiieu uiid Beriammliliigen. C. F. Walter. Kriegers Feftsäle Waiierthorslrastc«di l" empfiehlt sciue Säte für Privatfestlich- leiten, Kränzchen, Vereinen und zu B«sauimluugeu.— Jeden Sonntag, Dienstag».Donnerstag: Gr« Ball. itropoi-Tiifiater. Täglich um 9 Uhr 30: Verkehrte Welt! Mit der hochorigincllen Weiber-Parade. Vorher: M grohe Mör;- The 8 Diainauts, Dcltorciii Trio, Fred Gilict, SandorTrio, Georg Kaiser, The Daytons, 3Iary Wolf :c. jc. Anfang an Wochentagen um 8, an Sonntagen 7}/-, Uhr. Reichsnallen. Täglich: Stettiner Sänger Ailsaug: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 90 Pfennig. Vorverlauf 40 Pf. W Soscliz Theater, Briliinenstraste 16. Berlin, wie es lebt und liebt. VolkSstück mit Gelang in 3 Akten (S Bildern) von Linderer und Seitz Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag nach der Vorstclllmg: Tanzkrättzche». Montag: Familie Bnchholz. Kotthuserstr. 4 a. Heute Sonntag: Mmaniis Nordbeutslhe Ziinger Vorzügliches Programm. Präsident Krüger (neu bearbeitet). Äiifaiig 61/.. Uhr, Nach der Soiree: Tauzhrünzehen._ Montag und Dienstag: Vorstellung. Mittwoch: Geschloffen. �ilräsCilslflll. Irden Sonntag von!>/.. Uhr nachmittags an: Vl»N. Im April und Mai ist Garte» und Saal an Wochentage» an Bcreiue zu vergeben. 38372* Cirkus Buscli. Nut noch kurze Zeit! Heute Sonntag, 11. März: Zwei graste austerord. Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr lfKind fr. Nachm. 4Uhr: Olyinp. Spiele. In beiden Vorst.: I-ss Brillants, die fom. Franzosen. Die Grigory-Troupe. Sign. Ricardo. Abends Uhr: Die Camorra. Ziethen ans dein Bin'ck. Wailuertheater-Strasse 15 Jeden Sonntag und Domiestag: Gr. Extra-Ball bei doppelt besetztem Grosteö Orchester. Anfang 5 Uhr. -j-85 A. Zanicitat. Gefellschaftshans Sminemiinderstr. 43. Säle 150—800 Personen fassend zu Versammlungen und Festlichkeiten zu vergeben. Hübner.[34982' Bich Jnh.; Otto Theel. 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März, in der Brauerei Friedrichshain. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Geu. Bios über Heinrich Heine, Eecitation: Eduard von Winterslein vom Deutschen Theater, und Gesangsvorträge: Herr Kielarsky von der kgl. Oper in Warschau. Festmarken sind in allen Zahlstellen erhältlich. Die 8.. Serie der Vorstellungen beginnt am 35. März im Carl Weiss Theater. Die Vorstellungen folgen am 1., 8,, 13., 16. und 22. April.— Zur Aufführung gelangt; 'Die Neuvermälillen. Hierauf: Die sildiclie Forderung. Otto crlcVuartleben.! (Aus dem Einakter-Cyklus:„Die Befreiten"'.) 228/20 Der Vorstand. I A.: C. Winkler. WVWWWWI Arbeiter-Bildungsschule. Sonntag, den 11. März, abends 7 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75: 4/12 Vortrag des Herrn Dr. Räsemeier über: Von Neapel bis Belgrad. Ans der Geschichte der europäischen Reaktion. Nach dem Vortrag: Gemiitl. Beisammensein u.Tanz. Eintritt 10 Pf. Garderobe 10 Pf. Verein für Frauen und Heilen der Arbeiterklasse. Sonntag. II. März, in..Cohns Feftsäle»", Beuthstr. 30/21 Erstes ÄAngsfest. Festrede, gehalten von Herrn Mantred Wittich. Heklsesaisstion— Konzert. Nach dem Konzert: jXg" Tanz."DS Anfang 5'/; Uhr. BilletS a 25 Pf. sind zu haben bei: Frau Fanzeram, Pappel- Allee 128, vorn 1 2r.; Frau lilotzseh, Koppenstr. 81; Frau Müller, Wielen- straste 30 H; Frau Oienke, Swincmünderstr. 103; Frau ßauschke, Nostockcr- st raste 47._ 55/5 F. Scholz Festsäle, STf�Äc. 74 Jeden Sonntag, Montag, Dienstag».Donnerstag: Grosser Hall. Außerdem Sonnabend, Mittwoch und Freitag zu Lercinsfestlichkeiien und Verianimlungen zu vergeben.(Große Thcaterbühne.)_[3683L' HA Hl Ii Tereinslians UlM le judcnstrasse 35 SU. Telephon: Amt V Xo. 3386.[34942' Empfehle meine» großen Frühstücke-, Mittags- u. Abendtisch. Echt Münchener helles Lagerbier, ff. Weiße:c. Franz. Billard. Vereinszimmer, 40-80 Pen', faffend noch einige Tage frei. I cd. Montag: fr. Blut- u. Leberwurst, gr-Wellflelschessan ftraumanils Festsäle, früher Renz, NKuuzznstvstze S7. Empfehle meine Säle, 900 Personen faffend tauch mit Bühne), zu allen Fcülichkciteli; au» Sonntags stehen dieselben den geehrten Dereiileu zur Verfügung und eignen sich in Verbindung mit dem prachtvollen Natur- garte« ganz besonders zu SommernachtS-Bällen. Sonnabend, den 2t. u. S8. April und 5. Niai noch frei! Jeden Sonntag und Tonnerstag: Grosser»all. Alle übrigen Tage ist mein Lokal zu Vcriauimlungen zu haben. 134952.' Scdnegeisbergs keslsaie,?«hn?trasse 8.' Inhaber: Max Schindler.— Tckephou: Amt IV Nr. 1132. Heute: Groher Ball als Specialität: Pfannknohenregen verbünde» mit Sohlangen- und Apfe!zl»en-Begen und diversen Ueberraschungen. Täglich: Spccialitäten-Borstellung. Entree frei. Empseylc den geehrten Geiverkichasteii, Vereine», Fabriken:c. meine Säle. 300 im 9 1200 Personen faffend(mit Bühne) zu Vcrsamm- luiiacn und Fefllichkciteu jeder Art. 33822" U»? niipmS Fest-Säle, IfletA AUüm Hasenheide 13, 14, 15. Im neuen Fcsisaal, Eingang Haseuheidc 13, jeden Sonntag: Gr. Instpnmental-Konsert. An'aiig ö Uhr. Entree SO Pf.; Vorverkauf 25 Pf.— Nack beut Konzert Tanzkränzchen!- In den Nr. 14 und 15 belegenen Sälen jeden Sonntag: Grosser Hall! Zlnfang 4 Uhr, Ende 2 Uhr.— Empfehle meine gesamten Säle Vereinen und Geiellschaften zu Leriainmlmigeii und Festlichkeiien.— Die Osterfeiertagc sind noch zu Matinecs zu vergebe!»__[34492"] Mjix Kliern. Robert Scheere, gkestaurant»Säuger heim" O. Bliiliien-Strafie 38. Telephon: Amt VII Nr. 3760. Arbeitsnachweis der Möbelpolierer, Brauer, Brauerei-Hllssarbciter. Zahlstelle des Verbandes der Holzarbeiter, Metallarbeiter. Buchbinder, der Orte- Kraiikentaffe der Mübelpolicrer, der Eentral-Krankenkasien der Schuhiiiachcr, Gold- und Silberarbeiter, Buchbinder, und Zahlstelle des Wahlvereins für de» 4. Berliner Reichsrags-Wahlkreis(Ostclit.[35051." Ke» erOffiictl[36722') Keu crölfnel! Fraukes Speisehaile Ncue Grüustrafte 39( zw. tstommandcinten- und Scydclstr.) Jeden Tag 12 veriauedene Gerichte! Spcifczeit ununterbrochen von vor- zum Preise von 10—30 Pf.| mittags Ul/j—-10 Uhr abends. IM- Bier*/,(, tO Pf., 5 Pf. Kaffee 5 Pf. Milch 5 P- Johannistlraler Volksgarten, .lohunnisthal, Kbpnicker- u Friedrich- Strassen-Ecke. Emviehle meinen ncuerbanteu Saal. Jeden Sonntag TAK-L. Große Ausipanliung. Saffeclüche. 121920] Aug. Sciirtlcbe». Ken ervlfnet I(38952-] Ken eröffnet! Poetsclis Kaffee- mib Bier-Haus. Kaffee 10 Pf. 2 Billards, 40 Pf. Gr. Zcitungsauswahl. Bier 10 Pf. 77. Dresdelierstrastc 77. in der Nähe des Thaliä-Theaiers. � Teiizahl dranieastr. 18!. Eonlantc 11£ M| ouiont Beamten zahl- Beb. n. 0 Iii. 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Todes- Anzeige. ?tllcn Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Aster, der Hilfsarbeiter Adolf Beelitz nach langem, ichwcrem Leiden am Donnerstag gestorben ist. Die Beerdigung findet Montag, den 12. März, nachmittags 3 Uhr, von der Halle dcL St. Petri- Kirchhofs aus, statt. Der trauernde Sohn F. Hceiitz. Ü ®. Ö. m. b. H.. Hamburg. Gcncralvcrtreicr für Berlin u. Provinz Brandenburg Udo Spangenberg, Berlin, llottbuser Hamm SS, nimmt Engros-Bestellungen von Ladeninhabern, Fabrikkonsum- Vor- stehern, Privaten:c. zu Original- preisen. Derselbe hat ein ständiges Lager von unircn Eigarren. Zu uuircn Fabrikaten werden nur au,. ISndlsche Tabake verwandt. 28165" Der Vorstand. A. v. Elm, Fr Kerkhof, Fr. Schmidt Allen Frelmdcn und Bekannten zur Nachricht, daß der Schankwirt s2819b Feräinaiiä Huth am 8. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet Montag, nachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle auf dem Danles-Kirchhof, Tegeler Ebausiee, aus statt. ff. Huth. Schankwirt, Antonflr. 9. Konditorgehilfe Hermann Koch wird anläßlich des Tode? seines Vaters aufgefordert, feine Sldreffe nach Wiesbaden, Helenenftrahe 3. auszugeben. 140/13 Deulsebe? Nelaiiarbeilei'- Verband (Berwaltungsstelle Berlin). Todes- Anzeige. Donnerstag, den 8. März, verstarb nach langeni Leiden der Dreher Keorg Lecker an dcr Schwindsucht. Ehre feinem Andenken 1 Die Bccrdlgniig findet heute. Sonn- tag, natbiuittags 3 Uhr, vom Trauer- Hanl« Grannstr. 2, nach dem Bc- aräbnisplatz der FriedenZgemeiude in Roseiithal-Nordendc statt. 111/10] Die Lrtsverlvaltung. r ä ii z e und Blumen empsiehlt(38632� f. dscodi!?, Sovptllfir. iL jMer AdeMilchs der „Blehtra" iÄeiM, dtllZli.Mz. Dauer 6 Monate in Theorie u. Praxis. Keine Vorkenntnisse. I Zeugnis— Stellungsnachweis. Anmeldmig: Prinzenstr. 55, I, Auch Sonntags bis 1 Uhr. Man. verlange Prospekte. Borläufige Anzeige. 6. Mpvil» abends 8 Uhr, eräffnet die Lehraiistält MleUtra Prinzen-Strasse 55 zum erstenmal einen | Abendkursos f. 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Beiträge und Aufnahmen werden nur vor und nach der Versammlung entgcgengeuommen. von Torsfand. KmaldemMaMtr Mahlvemn fur dcn V. Dtrljner llelchstags- Wahlkreis. TicnStag, dcn IZ. März, abcndS M» Uhr, im Lokal von Jul. Wernau, Schwcdter-Itrabe Nr. 2Z: Derjnmmlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. iReserent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Diskussion..3. Bereiusangelegenhciten. Gäste habe» Zutritt. M6/15 Der Torstand. MM! 6. Wahlkreis. AMn! Dante, ndend« ptinlrtlloli ß1/. Ulir, 130/9 in RabcS Ball- Talon, Kolbcrgcr- Ttrastc Nr. 33: Yonmlung des Bildnngsvereios Jehr Lictit". Bortrag des Herrn Delie(welcher 10 Jahre in Transvaal ansässig war) über:„Tic wirtschaftliche Lage der Boere« in Transvaal". Gäste willkommen. Nachher: Gemiitliches Beisammensein n>it Tanz. Gmoffeiischasts- Nschlmi„Nftend" Grüner Weg 56. (E. G. M. beschränkter Haftpflicht.) Wir bringen hierdurch zur Kenntnis, dast die diesjährige OrdentDelie General-Yersammlung am Tonntag. den 35. März, vorm. 16 Uhr, in unsrem Gelchästslokal, Grüner Weg SS, Fabrikgebäude part., statt- findet. Tagesordnung: 1. Vorlage des Jahresabschlusies. 2. Bericht über die stattgefundelren Revisionen. 3.- Neuwahl des Vor- staudes und Aufsichisrats. 4. Ge- schäftliches. 2818b Um pünktliches Erscheinen ersucht Ter Vorstand. Paul Lehmann, H. Hamp, Geschäfts sührer. Kassierer. Wir machen daraus aufmerksam, dab die Bilanz den Genoflen in un- srcm Comptoir, Grüner Weg 36, zur Einsicht ausliegt. D- O. Mittwoch, den 14. März 1666, abends 8 Uhr: Uolks Nerjammlnng im Taal des Berliner Prater, Kastanien-Allee 7-9: Tages-Ordnung: 1 Zweck und Bedeutung der Konsum-Genossenschaften. Ref.: Herr Dr Leo Arona. 2. Diskussion. DM" Voranzeige: Am Montag, den 36. März, spricht der Herr Referent über dasselbe Thema im Bictoria-Garten. Badstr. 12. Der Elnbernler. -»- Konsum-Verein Berlin-Nord. Eingetragene Genossenschast mit beschränkter Hastpflicht. Tlneta-Plat» 1. Dem vielfachen Wunsch, weitere Verkaufsstellen zu erSffnen, kann nur Nachgekommen werden, wevn.in.dcm betr. Sladwiertel genügend Mitglieder vorhanden sind. Zu dem Zweck sind nachstehende Aufnahmeftellen errichtet� tu denen Beitrittscrllärungen sowie dos Statut zur Einsicht auslicgen. Wir ersuchen alle, die ihre wirtschastkichr Lage heben, die Konsum Geuossenschaft ausbauen wollen, dem Konsum-Derein beizutreten, auslicgende Beitritts- Erklärung auszuMen und ein Eintrittsgeld von 56 Pf. zu hmter- legen. Sobald die erforderliche Anzahl Mitglieder vorhanden ist, wird mit der Erösinung der Verlaussstelle begonnen. .Anknadmen werden vollzogen tu der Verkaufsstelle Vinetaplah 1? bei Stcimann. Putbuserstr. 30; Mars. Kastanicn-Allee 96; Frau Mosch. Lychcnerstr. 3; Gasiina»». Grünthalersir. kö; Geuosscnschafts.Bäckerei. Neue Hochstr. 18; Gleiuert. Schulsir. 29; Hoppe. Ackerstr. 146; Pfarr, Putlitzstr. 9/10. Der Torstand. 266/4' H. Graöhold. H. Rieh. H. Schäfer._ Am Dienstag, den IS. März 1S1W, abendS 8 Uhr, im Lokal „KöSliner Hof", Köslinerstraße 8: Uolks-Nersammlnng. Tages-Ordnuilg: I. Bortrag über daS Thema: Toll das weibliche Geschlecht vogei- frei sein»nd bleiben 2 2. Dislussion. 1/8 Um zahlreiches Erscheinen, namentlich der Frauen, ersucht _ Die Bertrauensperson. AMUllg!..Km'si«Imvr. AchWg! Mitglieder- Versaittmlnug Montag, den 13. März, abends 8'/. Uhr. Wcinftr. 11 Vortrag des Genossen Rechtsanwalt V. Fräenkel:„Mieter und Vermieter i»> neuen Recht". 03/4 Der �'orstond. QrtS-Krankenkasse für das Bierbraner-Celverbe zu Berlin. Mittwoch, den 21. März, abends 3 Uhr: Drdentllelie General vcrsamnilnng in dcn Arminhallen, Kommandanten- strasie 20(Garten-Saal). Tages- Ordnung: 1. Jahresbericht des Vorstands. 2. Bericht der RevtüvnSlommission. 3. Entlastung des Rendanten und des Borstands. 270/10 4. Verschiedenes. Die Delegiertenkarte dient als Legi- timatton. Um recht pünktliches und zahlreiches Erscheinen er'ucht Der Borstand. Dtto Wolf, Vorsitzender. Solingen. 219/13« Berliner Prater, Kastanien AUee Ur. 7— 9. Ballschmieders Salon, Kad- Straße Kr. 16. Kösliner Hof, Kösliner- Straße Ur. 8. Ahrens Brauerei, Tnrm- Straße Ur. 25—26. Recht zahlreichen Besuch erwarten_ Die TSrtranenslente.___ Achtllng! Bäcker! Achtung! Dienstag, den 1». März, nachm. ZV» Uhr, bei Rieft» Weberstr. tl: Grosse öffentl. Versammlung:. TageS-Ordnung: 1.„Untre Forderungen in der letzten grostc» Meisterversammlulig«. 2. Diskussion 3. Verschiedenes. Zutritt haben nur solche Kollegen, die sich im Besitz einer Streikkarle befinden. Streikkarte» sind am Eingang käuflich. Mit Brudergrutz_ Die Eohnkommlsslon. Ar beiter- Sänger bund Berlins und Umgegend. Mltutllg, iieu 13. Mär; 1900, im Saale der Srauerei Mtdnchghain: Liederabend. Unstr»a,ental-lioa-ert Mitwirkung eines Zither Quartetts. Deklamatorische Borträge. Einlast gegen Vorzeigung der Bunoeö-Mitgliedskartc. Programm 16 Pf. Anfang abends 8 Uhr» Um rege und pünktliche Beteiligung ersucht_>16/41_ Der Torstand._| Frauen-V ortrag*. Dienstag, den 19. März, abends 8>', Uhr. bei fcranmann, Nauntinstr. 37': � Weibliche Leiden in der Ehe. � Demonsirationen an großen Lichlbttdeni von der prakt. Nalurheiltmidigen Zra« SniMam. Für 36 Pf. Eintritt eine Broschüre. Nächster Vortrag: Freitag, Andreasstr. 31. Stellmaeher! Acitling! Sonntag, den tl. März, mittags 12'* Uhr, in den Armin-Hallen, Kommandantenstrasse 20; (Oossenkl. NevsQttZttrluttg. Tägeö-Orduung: Ter gegenwärtige Möbcltischler-Strcik und die Aussperrung der Holz- erbeiter. Reseveitt: Kollege DUdlee'. Die Versamulluug wird pünktlich erössnet. 80/19 Die HLon>>n!sslon. Verem äsutseder Leliukmsoliei'. Montag, de» Ii. März, abends 8Va Uhr, bei Pohl, Rofenthalerstr. 1 1/13: äusLeroröeollielie Kellersl-Verssmmluvg. Tages-Ordnung: 1. Stichwahl zwischen Pelru'chkc und Dittmar. 2 Die Lohnbewegung der ob. bei Schoßlchubmacher. 3. Antrag aus Erhühuug des Lolalsouds vom t. April 4 Die Zustellung der Fgchblätter»ach dem l. April. 5. Der Streik Tack und die Sperre bei Kusche. 6. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 169/10 Die Ortsvervallnne. KB. Die öfseutliche Versammlung der SchossHchuhmaclier findet am Montag, den 19/ März, Komniandonteustr. 72, siair. Achtung!_ Leffentliche Versammlung der bsekierer unU im Lerule beZedülliglev Personen am Dienstag, den 13. März, abends 8V, Uhr, bei Numann, Brunnenstr. 188. Tages-Ordnung: 1 Vortrag des Reichstags Äbgeordneien Genosieu Hoch. 2. Tisln'ston. 3. Bericht, Abrechnung und Neuwahl der Agitationskommission. 4. Bericht und Neuwahl deS Delegierten zur GewerkschaftSkommission. 3. Verschiedenes. 104 1 Die Agitationskommission. Genossenschaftsbäckerei „Vorwärts" Ani Ostbahnhof Xr. 3 (Eingetragene Genossenschaft mit ve- schränkter Haitpflicht). Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß die diesjährige Gi'llenlI.Genei'aIvki'sammIung am S 0 n n t a g. dcn 26. März er., vormittags 10 Uhr. im Lokal des Herrn Lerche, Riidersdorserstr. 3, stattfindet. 2836b Tages-Ordnung: 1. Vorlage des Jahresabschlusies. Bericht über dt« stattgesundene Revision. 3. Aeiiderung des Statuts,§3, Abs.2. 4. Verwendung deS Reingewinns. Neuwahl des Vorstands und Auf- stchtsrats. Geschäftliches. Um psiuttliches Erscheinen ersucht Der Torstand. Hermann Teupel, GeschästSsührer. Fr. V.iehäser, Kassierer. Wir machen daraus aufmepisain, daß die Bilanz den Genoffen in unsrem Eouiptoir, Am Ostbahnyof Nr. 3, zur Einfielst ausliegt. D. O. der>2826b Cigarrenmcher, Ssrtitrer und deren gewerbl. Hilfsarbeiter zu Berlin. Mittwoch, d. 21. März, absndä 8 Uhr, gV" im Restaurant Pohl,"WS Rosenthalerstr. 11/12, Genernl-Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vorlegung der Jahresrcchming. 2. Bericht der Kommission zur Vor- prüsung derselben. 3. Bericht u. An- träge. Der Torstand. Irts-Mfiiilasse der Buchider etc. BeHin. Den Mitgliedern zur geiättigeu Nachricht, daß der Jahresbericht für 1899 erschienen ist und im Kaflenlolal in Empfang genommen werden kann. Achtung! Vom 29. März befindet sich das Kasicnlokal Engel- User 16, v. ET r.(GewerkschastSbans). An den Tagen vom 26., 27. und 28. März ist die Kasse geschlossen. 23/12 Der Torstand. Bernb. Jost. Vorsitzender. Georg Bäßler, Schristführer. Möbel Spiegel u. Polslerweren reell, zu soliden Preisen, empfiehlt H> Slpelo W< llifchlcrmcistcr Divrlnnf Rlchardstr. UU, HIXllOI T, am Denkmal. Verband der an Dölzbenrbeifitngs-Maschjnen beschWgten Arbeiter Berlins u. Ilms. Montag, den 12. März, abends 8 Uhr, im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27(Z Versetttttnlung. Tages-Ordnung: 82/11 1. Vortrag des Herrn Dr. Wetzl über:„AlkoholismuS und die moderne Arbeikcrbewegung/'. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zum 1. Mai. 4. Der Stand uusrer Aussperrung. 6. Verbandsangelegeiiheiten. DM- Sämtliche Kollegen sind zu dieser Versammlung eingeladen. Der Torstand. Dniilll!«| Morgen, Montag, abends 8 Uhr, in den Arminhallen(große Halle): Slt�iRiiA28136]_ Der Borstand. Aüitlmgi Eiilsejier. AMiing! Dienstag, den IS. kllhr», abends 8 Uhr, bei Herzberg, Alte Jakobstrasse To. 75: Große öffentliche Versammlung Tages-Ordnung: Der Stand uuscrcr Bewegung. Diskussion. gUT" Alle Bertraueusmänncr haben am Tonutagvormittag hier abzurechnen und neues Material entgegenzuuehurcu. 80/18 Die Lohnkvinmiision der Einseber. I�uzzksusOtiiTiistAs I Sonnabend, den 17. Zliirz 1809, in der„Albambra", Wallnertheaterstr. 15: Gr. Wiener Maskenball. Alle Kollegen und Freunde sind freundlichst eingeladen. 2807b_______ Das Komitee. Lichtenberg. Friedrichsberg. Montag, 12. März, abend» 81 3 Uhr, bei Herrn Höflich (Schwarzer Adler). Frankfurter Chauffee 136: Uolks- Uersammlmtg Tages-Ordnung: l. AuS dem Reichstage. Referent Rcichstags-Abgeordneter P. Singer. 2. Tisku'sion. 222/6 lim zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Tertranensmann. Central-V erbau d der Handels-I Transport- and Verkelirsarbejter. Bureau: Bischofstr. 1Z. Telephon: Amt V 3001. Hausdiener, Packer und Kutscher in den Warenhäuser»«. Grohbazaren! Dienstag, IS. Hiirz, abends 8V: Uhr. In Cohns Festsälen, Beuthsiraste 31/33: Protest-Versammlung gegen die Warenhaussteuer. Tages-Ordnung: l. Die Warenhaussiencr und ihre Einwirkung auf die Arbeitsverhälttusse der Kollegen. Referent: Reichstags- Abgeordneter Rosenow. 2. Freie Diskussion. 3 Beschluß-asimig. Alle Hausdiener. Packer und Kutscher der Berliner Warenhäuser müssen in dieser Versammlung erscheinen. Die Lrtsverwaltung. Nff-&chöiieberg. Mittwoch, den 14. März, abends 8 Uhr, im„Klubhaus", Hauptstr. 5/6 MTVolks-Bersammlung für ZUxinnvr und Frnuvn. Tages-Ordnung: 202,14 1.„Tie ueueften Trcioereien der Agrarier und die Arbeiterklaffs Referent: Re!chütngs-Abgeorduc!er E. Rosenow. 2. Diskussion 3. Ab« rechuuiig von der Stadtverorduetenwahl und Stellungnahme zum 1. Mai. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Tertranensmann. �teiu Hnsteu mehr! �«tbuia. �oktung! �Oktung! Schneider Kerlms! Dienstag, den IS. Härs. abends S1/. Uhr. In der Berliner Ressource, Kommandahtcnstr. 57: Große öffentliche Versammlung 111/8 Tagesordnung: 1. Unsere Forderungen. 2. Diskusisoii. 3. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ersucht um zahlreiches Er- scheinen 164/2 Der Tertranensmann. Tic Heilkraft v. Georg Pohl« Brom- becrwein ist erprobt bei Asthma. Atemnot, Liiugeuleide», Brouchialkatarrh.Hciscrkeit.AiiS. Wurf, llterschleiuiung. Kehlkopf- leiden. Kratzen im Halse, Rächt- schwelst. Jilfluenza. Grkättungttiid Schlaflosigkeit, welcher ärztlich empfohlen ist. Preis per Fl. t M. 10 Fl. 9 M. Für Kinder empfehle gleichzeitig meinen 3482Ü* ZGF" Brombecrsaft-WW gegen Keilchhusten, Schlaflosigkeit,«1 Fl. zu 60 Pf. und 1 M. Fabrikant Georg Polst, Berlin, Brunnen- straste l57, Drogucrie, sonst nirgends weiter. krsileoleilleii heilt mit vorzügl. 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In der That hat ancl, der Ab- schnitt über den Dienstverirag des neuen Bürgerlichen 3!echts— wenigstens ans den ersten Anschein— berechlig'ten Anlaß dazu ge- geben. Bei näherer Betrachtung hat sich freilich heraus- gestellt, daß die betreffenden Bestimmungen nichts weniger als präcise, deutlich und cinwandsfrei sind und daß der etwaige gute Wille des Gesetzgebers lediglich eine papierne Bedeutung haben würde. Umsomehr, da alle jene Ver- besscrungen, welche nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch vielleicht hätten Geltung erhalten können, durch Vertrag ausgeschlossen werden dürfen. In dieser Beziehung sind die Kühneniänner und Genossen schon recht eifrig gewesen, ihre Arbeitsverträge und Arbeitsordnungen nmzurevidieren, so daß das Bürgerliche Gesetzbuch nicht etwa Ver- bcffernngen. sondern gegen früher sogar Verschlechterungen hervor- gebracht'hat. Um so erfreulicher dürfte es sein, auch einmal eine Ausnahme zu konstatieren. Die Firma Karl Zeiß, optische W e r k st ä t t c in Jena, an deren Spitze Herr Professor Abbe steht, hat zu ihrem Arbeitsvertrag folgende Ergänzungen beschlossen: „Um den Grundsätzen Rechnung zu tragen, die das neue Bürger- liche Gesetzbuch in den§Z 615. 616 für die' Regelung des„Dienst- Vertrags" aufstellt, wird die Firma bei den in Wochenlohn stehenden Geschäftsangehvrigen einen Anspruch auf Fortgewährung des festen Zeitlohns, außer in den gemäß K 5 des Arbeitsvertrags bisher schon berücksichtigten Fällen, von jetzt ab noch in folgenden Fällen unvcr- schnldetcr Behinderung und in folgendem Umfang anerkennen: 1. Im Fall der Erkrankung: für den ersten Krankhcitstag, für welchen dicBetriebskrankcnkasse.'gesctzlicherVorschrift gemäß Kranken- geld nicht gewährt; 2. bei solchen Vorkommnissen äußerer Art oder in de» Familie oder im Hanswesen, die den Geschäftsangehörigen zum Fortbleiben von der Arbeit nötigen: bis zu einem Tage Arbeitsvcrsäumniß: 3. beim Tod eines dem Hausstand angehörigen Familiengliedes: gleichfalls bis zu einem Tage Versäumnis. In betreff der unter 1 und 2 benannten Fälle wird die Ge- schäftslcitung der Firma den Vorstand der Betricbs-Krankenkassc um die erforderliche Fcststelluiig über das Vorliegen unverschuldeter Be- Hinderung ersuchen. Im übrigen wird die Firma, im Sinne der Motive zu§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, bei Einberufung eines in Wochenlohn stehenden Gcschäftsangehörigen zu einer militärischen Uebung, lveNn der Betreffende schon ein Jahr oder länger im Dienst der C. Z.- Stiftung gewesen ist, Urlaub mit Zeitlohn, so iveit nötig, bis zu 12 Tagen gelvähren— unter der Bedingung jedoch, daß auf ihn stets 6 TageilUer>'on21,':1Hj~: 10»u. Frülijahrs-Änzügef�rren45'~,36'_: 25 Schwarze JackeU-Anzüge�aTis?' 10 Schwarze Rock-Änzüge�is?®«:� Schwarze Gehrock-Änzüge'sorÄr 30 Frühjahrs-Hosen für Herren 7, 6, 5, 4, 3 Mk. Frühjahrs-Hosen für ,Ä,_' 8 m*. I»as bedeutend vergrOssertc Ocachaftshaus Brückenstrasse 11 Ist crOCfnet. Hervorragende Sehenswürdigkeit. Ul Mk. Herren■ Gummi- Mäntel, garantiert englisches Macintosh- Fabrikat, nur echt mit der Schutzmarke des roten Hahnes. Covertcoat mit kariertem Futter. Zweireihiges langes Faijon mit und ohne Sammetkragen. A Frühjuhrs-Kleldungp Frühjahrs- Havelocks � 5Sertonorm 8®- � Frühjahrs- Havelocks 12 Knaben-Anzüge, 2 � so Knaben-Anzüge, 8 Radfahrer-Anzüge*,r-*e7r,r- 10,7 9:' 8 mu. 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Bei der großen Bedeutung dieses Gewinnes für die Gestaltung der Lohnverhältnisse und der Erlveiterung des Arbeits- Marktes soll hier versucht werden, zunächst das Nuter- nehmnngSkapital und sodann aus der Basis dieser Ncchnnng den NuternehiinuigSgewinn für die Jahre 18Sö— 1889 fest- zustellen. Da für die Berechnung dieser Snunnen geeignete statistische Voraussetzungen fehlen, so liegt es in der Natur der Sache, daß man in hohem Grade aus Schätzungen angewiesen ist, die aber immerhin ein ziemlich wahrscheinliches Resultat ergeben. Im Anschluß an die vorhandenen Nachweise des Einkommens und Vermögens in Preußen und Sachsen sind schon früher Versuche gemacht worden, einmal den Nativualrcichtum»vd das National- eiukommcn Deutschlands, sodann aber auch das Einkommen und Vcnnögen nach den verschiedenen Erwerbsquelle», aus denen cS resultiert, getrennt zu ermitteln. Die letzte derartige Aufstellung wurde uusres Wissens in der Zeitschrift„Der Internationale Volkswirt" gegeben. In ihr wird für das gesamte Einkommen und das gesamte Vcr- mögen Deutschlands ohne Ausnahme eine Schätzung aufgestellt. während wir hier nur das in der Industrie und dcni Großkapital werbende Kapital zu ermitteln suchen. Obgleich wir bei dieser Er- mittehing von ganz andrer Grundlage ausgehen, halten wir es doch für angebracht, die Gesamtresultate der angeführte» Schätzung gleich- lam als Einleitung vorauszuschicken, da bei aller Abivcichnng doch durch die allgemeine Aufstellung klar wird, welche Rolle und'welche Stärke das UnternehmungSlapital innerhalb der deutscheu Produktion einnimmt. Die Schätzung im„Internationalen Volkswirt" ist»ach der Methode einer Arbeit' von Mulhall für das Jahr 1888 erfolgt. Damals fetzte sich das Vermögen Deutschlands aus folgenden Faktoren zusammen: Preußen I Bayern Wärt- Sachsen tcm- berg in Milliarden andre Einzel- staatcn Mark das Reich 25.8 6.8 7,2 2.7 18,8 9.4 8.3 2.3 20.3 Land.., Vieh:c... Bahnen.. Fabriken.. Häuser... Möbel ,c.. Waren... Geld... Diverse.. II 101,6 I 19,7 0,3 I 7,7| 27,5 165,8 Dieses gewaltige Vermögen setzt die deutsche Produktion in de» Stand, durch Arbeit ihr jährliches Einkommen zu erzielen, das, wieder für 1898 abgeschätzt, rund 27 Milliarden crgicbt, und zwar: 5.4 1.5 1.4 0,5 3.3 1.7 1.6 0.4 3.9 4.1 0.4 0,7 0,5 2,2 1.1 1,1 0,3 1,9 2,2 0,5 0,4 0,2 1,4 0,7 0,6 0,2 1,5 6,2 1,7 1.8 0,8 5,7 2,9 2,3 0,6 5,5 40,7 10,9 11,5 4,7 31,4 15,8 13,9 3,8 33,1 Quelle: Preußen! Baycru�achscn Wärt- rem- berg andere| Einzel- 1 staatcn| das Reich in Millionen Mark Gewerbegruppe Kunst und Handelsgärtnerei. Tierzucht in Fischerei... Bergbau, Hutten- u. Salinen- wcscn....... Industrie der Steine und Erden....... Metallverarbeitung.... Industrie der Maschinen.. Chemische Industrie.... Industrie der Leuchtstoffe, Seife», Fetten, Oele.. Textilindustrie..... Papierindustrie..... Lederindustrie...... Industrie der Holz- und Schuitzstosfe..... Industrie der Nahruugs- und Gcuußmittel..... BekleiduugS- u. ReiuiguugS- gcwerbe...... Baugewerbe...... Polygraphische Gewerbe.. Künstlerische Gewerbe... Handelsgewcrbe sauß. Banken) Banken........ Vcrsichcruugsgewerbe... Vcrkehrsgcwerbe..... Gast- und Schankwirtschafls- geivcrbe...... Summa • 1 In der Summe von ca. 27 Milliarden Mark stecken außer andrem die Arbeitslöhne ebeusoivohl drin wie der Uuteruehmuugsgewinu. Wir wollen nun als Endzivcck unsrer Untersuchung den Uuteruchmuugs- gewinn ermitteln, der in folgenden oben verzeichneten Summen ein- begriffen ist: Industrie..... 7 245 Millionen Marl Bergbau usw..... 1008„„ Handel...... 2 835„„ Transportwesen.. 2 982_„ Summa 14 070 Millionen Mark .Der in diesen Summen steckende Untcrnehmungsgewinn soll indessen nur insoweit ermittelt iverden, als er aus größeren gilverb- kichen Betrieben fließt, da wir von der Voraussetzung ausgehen, daß die handivcrksmäßigcn und kleinen fabrikmäßigen Betriebe nur einen bescheidenen lluteruchmergeivinn zu verzeichnen haben, der bei unsrer Berechnung als Arbeitseinkommen des Handwerksmeisters oder Fabrikanten beiseite gelassen wird. Wir versuchen das»ach dieser hier gegebenen Beschränkung zunächst in Betracht kommende Ilnteruehnniugskapital soivie den Untcrnehmungsgewinn auf ivesentlich andrer Grimdlage zu berechnen. als es seitens der oben angegebenen Ucbcrsicht, wo allgemein das Vermögen soivie das gesamte Einkommen berechnet ivnrde, geschehen ist. Wir glauben auch, bei unsrer Methode auf ein für unsre Zwecke verlvendbareres Resultat zu kommen, soweit ein solches bei Schätzungen überhaupt inöglich ist. Die letzte Gewerbezählnng vom Jahre 1895 hat zum ersten- male auch die Aktien- Gesellschaften für jeden Industriezweig be- sonders ermittelt. Die Aktiengesellschaften stellen aber ohne Zweifel den Großbetrieb in seiner entwickeltsten Forni dar. Wir unterstellen »»»,_ daß von den Verhältnissen der Aktiengesellschaft aus ein Ruck- schliiß auf die Verhältnisse im Großbetrieb eines und desselben In- dnstnezweigs zulässig ist. Auf dieser Nnterstellung, über deren Be- rechtignng tvir uns hier, Ivo wir mit unsren Darlegungen praktische Zwecke verfolgen, nicht anslasseu wollen, beruhen unsre zahlenmäßigen Schätzungen. Die Gewerbestatistik hat nun für jeden Industriezweig nicht nur die Zahl der Aktiengesellschaften, sondern auch die Zahl der in den sämtlichen Aktiengestllschaften eines jeden Industriezweiges beschäftigten Arbeiter ermittelt. Diese zwei Gruppen von statistisch festgestellten Ziffern werden durch die private Statistik über das in Aktiengesellschaften investierte Kapital, das wir hier gleich Iliiternehmungskapital setzen, ergänzt. Allerdings eraiebt sich, daß die Zahl der Aktiengesellschaften nach der Gewerbestatistik größer ist, als nach den vorhandenen privaten Ermittelungen. Die Folge dieser Verschiedenheit ist. daß wir das Kapital geringer ansetzen müssen, als es in Wirklichkeit ist, was wir um so bereitwilliger thun, als wir dadurch dem Borwurf aus dem Wege zu gehen, unsren Ansatz zu hoch geniacht zu haben. Wir erhalten danach folgende llebersicht von Mtiengosellschaften, Kapital und Arbeitcrzahl in den einzelnen Gewerben:' In 4749 Gesellschaften mit einem auf Unteriiehmungsgewinii berechtigten Aktienkapital von 6279,65 Millionen Mark sind 801 143 Arbeiter, d. i. beinahe ein Zehntel aller in Gehilfcnbctricben be- schäftigten Personen, thätig. Da wir von der Voraussetzung aus- gegangen sind, daß die Aktiengesellschaft für den Großbetrieb die typische Form darstelle, sind wir berechtigt anzunehmen, daß das Verhältnis zwischen Uutcrnchmuugsknviial und Arbciterzahl in sämb lichen Großbetrieben jedes einzelnen Industriezweiges ähnlich liegt wie bei der Aktiengesellschaft, Man wird dieics Verhältnis um so eher annehmen können, als im Betrieb des EinzcluuternehmcrS das Kapital pro Kopf des Arbeiters wahrscheinlich sogar noch um ein geringes höher sein dürfte wie bei der Alticiigcsells'chast. Selbst wenn aber diese Annahme bestritten oder gar ins Gegenteil behauptet werden sollte, wird unsre weitere Berechnung auf dieser Voraus- sctzuug weiter bauen dürfen, da wir auf alle Fälle einen ziemlich erheblichen Teil des gesamten großinduslricllen Uuternchmungs- kapitals und einen entsprechend höheren Teils des Unternehmuugs- gewiuns bei unsrer�Berechuung nicht erfassen können: nämlich die in der Hausindustrie werbenden Kapitalsninmen. Als Großbetriebe zählen wir im Anschluß an die Begriffsbestimmung der Reichs- statiftik alle industriellen Betriebe mit mehr als 50 beschäftigten Per- soue». Indem wir nun auf Grund der vorstehenden Tabelle für die Aktiengesellschaften jedes einzcluen Industriezweigs berechnen, ivieviel Aktienkapital auf den Kopf eines Arbeiters entfällt, er- halten wir die lluternehmungssumme, die innerhalb des betreffenden Industriezweigs nötig ist. um einen Großbetrieb mit einer be- stimmten Zahl von Arbeitern zu schaffe», nnszugestalten und zu unterhalten, soweit diese Summe Anspruch auf den Uutcruchmmigs- gewinn erhebt. Wir übergehen also sowohl bei den Aktiengesell- schnften als auch bei den übrigen Großbetrieben diejenigen Summen, die außer dem am Untcrnchmuugsgcwiun participircndcn Kapital noch als Betriebs- und Anlagekapital in Betracht kommen, wie Ab- fchrcibuugen, Reserven, Obligationen sc., da diese Summen am Uulcrnchmnugsgewiim als solchem nicht teilnehmen. Wir erhalten also durch unsre Berechnung die Quote dc-Z Unter- nchnnnigSkapitals, die innerhalb des Großbetriebs eines bestimmten Industriezweigs auf den Kopf des beschäftigten Arbeiters entfällt. Da wir nun auf Grund der Gewerbestatistik die in den Groß- betrieben cineS jeden Industriezweigs beschäftigten Arbeiter kennen, durch Multiplikation der Kapitalquote pro Kopf des Arbeiters mit der Zahl der beschäftigten Arbeiter, das in den Großbetrieben werbende Unternehmungskapital zu eruieren. Wir erhalten dann folgende llebersicht: Gewerbegruppe. Zahl der i» den Grohbelricden beschäftigten Arbeiter Kapitalqnote auf den 5lopf des beschäftigt. Arbeiters Kapikallimunc» in Millionen Mark Kunst- u. Handelsgewerbe Tierzucht und Fischerei!. Bergbau, Hütten- und Salinenwesen.... Industrie der Steine und Erden....... Metallverarbeitung... Industrie der Maschinen. Ehemische Industrie.. Industrie der Leuchtstoffe. Seifen, Fette, Oele.. Textilindustrie.... Papierindustrie.... Lederindustrie..... Industrie der Holz- und Schnitzstoffe.... Industrie der Nahruugs- und Gcuußmittel... Bekleidnngs- und Reim- gungsgewerbe.... Baugewerbe.' Polygraphische Gewerbe Künstler-Gewerbe.. Handelsgewcrbe außer Banken....., Bauten...... Versichcrungsgewerbe. Vcrkehrsgcwcrbc... Gast- und Schankwirt schaftSgewerbe... 6 255 929 514190 249 548 194 035 343 690 71116 23 001 587 599 77 518 39 279 75 523 256 490 88 825 349 102 45 868 1 555 52 423 5 490 64 441 7 400 1333 0170 4 423 3 658 3 029 4 809 4 636 12 878 3 365 4 610 4 558 4 291 8 072 7 072 8 819 14 795 6 908 11029 8,34 5,73 2 274,26 912,85 587,73 1 652,81 829,69 296,21 1 977,27 857,36 179,03 324,07 2 070,39 628,17 4 398,22 8205,30 81,22 445,16 84,61 Summa I 19 815,42 Bei Aufstellung dieser Tabelle wurde einzig und allein bei den Banken die Kapitalsumme auf Grundlage einer andren Berechnung ermittelt, da hier die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeiter- zahl nicht maßgebend ist. Wir haben dem Kapital der Bankinstitute, die als Aktiengesellschaften organisiert sind, die halbe Summe als das Kapital privater Bankinstitute zugeschlagen und haben unsres Erachtens damit nicht zu hoch gegriffen, da das in Privatbanken angelegte Kapital allein schon in Berlin, Fraukfiirt a. M. det größeren Teil dieser Znfchlagssumme ausmachen dürfte, soweit sich hierüber Schätzungen auf Grund privater zuverlässiger Informationen anstellen ließen. Wir erhalten ausweislich der vorstehenden Tabelle für das Jahr 1895 ein in der deutschen Produktion, soweit sie durch Groß- betriebe erfolgt, investiertes llnternchmnngskapital von 19 815,42 Millionen, d.i. annähernd 20 Milliarden Mark. Wie die Kapitalsumme bis zum Jahre 1899 gewachsen ist, werden wir bei der Ermittlung des IlntcruchmungsgeiviunS besser erörtern. Da uusre Untersuchung nebenbei diejenigen Einkommensquellen in ihrer Ausdehnung und Stärke zu beleuchten sucht, die für die Deckung der Flvttcnausgabe» hauptsächlich in Betracht kommen, so haben wir hier noch einer Gruppe Vermögenswerte zy gedenken, die zwar nicht NnternehmimgSkapital repräsentieren, aber ivcgen ihrer Beziehungeu zur auSivärtiqc» Politik besonders zu berücksichtigen ist. Wir haben in Deutschland eine Unmenge Kapitalisten, die ihr Geld in ausländischen Werten anlegen und die in eine» siarke» Flotte die Gewähr dafür erblicken, daß die Schuldner prompter die versprochenen Zinsen leisten. Für sie ist der mit einer starken Flotte ausgerüstete Staat eine Art Gerichtsvollzieher. � Sie haben ans diesem Gesichtspunkte heraus nicht nur ein Jutcressc an einer starken Flotte, sondern auch die Verpflichtung, an den Kosten der Flotte cbcuso mitzutragen wie das Unternchminigskapital. Wie hoch belänft sich mm der Wert dieser in ausländischen Werten an- gelegten deutschen Kapitalsminucn? Für dieie Werte liegt eine Schätzung von fachmännischer Seite vor, der wir hier ohne weiteres folgen. Auf Veranlaffiiug des Instituts für internationale Statistik hat der Herausgeber der Zeitschrift„Der deutsche Oekouvmijt" das mobile Kapitalvermögen in Deutschland einer gewissenhafte» Schätzung unterzogen. In dieser Arbeit wurde auch der Besitz in ausländischen Wertpapieren für das Jahr 1896 crniittelt und als Miniinalsninme sind 10 Milliarden Mark angenommen. Wir können diese Summe ohne allzu starke Bedenken auch schon für das Jahr 1895 festhaltcu. Zählen lvir diese Summe ausländischer Werte, in dcncii deutsche Kapitalisten ihr Geld angelegt haben, unsrer für das Unter- nehmuugLkapital crinitteltcu Summe hinzu, so erhalte» wir Unternehmungskapital der großbetriebs- mäßigen Produktion....... 19815,42 Milk. M. Deutsches Kapital in ausländischen Anlagen 10 000.00„ Summe: 29 815,42 Mill. M. 29,32 oder rund 30 Milliarden Kapital stellen die Vermögens- Ivertc dar, deren Einkommen für die Deckung der Flottenkosten in Betracht zu komme» haben. Beide Arte» von Vermögenswerten be- ansprnchen eine höhere als die landesübliche Verzinsung, sie bezichen einen Risikogewiim, der heutzutage entfernt nicht mehr in richtigem Verhältnis zu dem Grade des illisikos steht. r. c. Der Untcrnch Uttings gewinn ans Industrie«»d Handel. Wie tvir seiner Zeit schon ausführlich berechnet haben, be« trug das Kapital, das in den Großbetrieben der deutschen Pro- duktioil mit Anspruch auf Uuternehliiungsgcwiuu angelegt ist. iin Jahre 1395 19 815,42 Millionen Mark. Es ist nun hier zu be- rechnen, welche» UilternchmuiigSgewin» dieses Kapital im geiiaiinten Jahre erzielt hat und wie sich in den folgenden Jahren bis 1899 Unternehmungskapital und Unternchiunngsgewinn sich gesteigert haben. Auch hier gehen ivir wieder von der Rentabilität der Aktien- gescllschaften ans. Für die Rentabilität ist uns hier nur die Dividende uiaßgebend,»vir lassen also Reserven und Abschreibimgeu, soivie Verzinsung von Schulde», die aus dem Reiuge'.viuu erfolgen. aiißcr Betracht. Diese so liercästicte Rentabilität ist für die Höhe des Uuternehmilngsgewiiliis maßgebend sowohl für sämtliche Aktieii- gcsellschafteu, als auch für die Privatbetriebe. Bei einem solchen Rückschlüsse von den RciitabilitätSverhältuissen der Aktie»- gesellschafteil auf diejeuigell der Großbetriebe überhaupt wird man den Untcrnehiinmgsgclviun im ganzen eher zu niedrig, als zu hoch greifen. Denn cS lvird mit Recht an- genommen, daß der Gewinn aus einem privaten Betriebe unter soust gleichartigen Berhältuissen etwas höher ausfällt als bei einer Aktiengesellschaft. Bei einer solchen gehen nämlich aus eiue Reihe von Couteii— wir eriunern nur au die Tantieme der AnfsickitSräte— dem Untcriichnmngsgcwi»» Summen verloren, die bei privaten Betrieben, weim sie sich nicht durch einen besonders großen Umfang auSzeichucil, fast voll dem Untcruehmergewinn zu- fließen. Auch andre Erwägnugen sprechen dafür, den Unternehmer« getvili» des privaten Kapitalisten niindestcus so hoch anzusetzen ivie de» 41 liternehmungsgeivimi der Aklicngescllschafteu. Nu» liegt aber auch für fämtliche dentscheii Aktiengesellschaften eine fortlaufende Sielitabilitätsbercchuuug von Jahr zu Jahr gleich- falls nicht vor. Nur für das Jahr 4891/92 und dann wieder für das Jahr 1896 wird eine solche im Hand-Wörterbuch der Staats- Wissenschaften gegeben. Für linsre Zivecke haben wir daher als Maßstab für die Rentabilität der deutschen Akticngcsellschasten die an der Berliner Börse gchandeltcn Papiere von Aktiengesellschaften gewählt. Sie geben, so laiige umfassendere fortlaufende RentabilitätS- rechnimgen für sämtliche Attiengcscllschaftcn nicht vorliege», immerhin de» besten nnd vcrläßlichsteuSpiegel zurBcnrteilungderDividendenhöhe des in Aktiengescllschnften angelegten Kapitals. Wir haben nach den verschiedenen Jiidiistriczweigcn für sämtliche an der Berliner Börse gehandelten Werte die DurchschliittSdividende für die Jahre 1895 bis 1899 berechnet. Für das Jahr 1899 liegt nur ein Teil der Geschäftsberichte sämtlicher Aktiengesellschaften vor. ES konnten also für dieses Jahr nur die schon vorliegenden Abschlüsse berücksichtigt werden. Für die Banken haben lvir bis auf das Jahr 1899 die im „Deutschen Oekonomisien" veröffenilichten jährlichen RentabilitätS- rcchmlugen zu Grunde gelegt. Die sich auf Grund dieser Nechnnug ergebenden Dividendcnziffern haben tvir als die Durchschnitts- dividende nicht nur sämtlicher Aktiengesellschaften, sondern weiter auch der gesamten Großproduktion des betreffenden Industriezweigs rcsp. Gewerbes allgenommen. Auf dieser Grundlage haben wir zunächst den Uiiteriichmnng'sgcwiiln für das gesamte von imS berechnete Unter- »chinnngSkapital eruiert und zunächst für daS Jahr 1895 das Gesamt- rcsultat ermittelt. Da es hier zu weit führen würde, die Ergebnisse für cdcn einzelnen der 21 in Betracht gezogenen GcwcrbSzlvcigc zu gebe», so beschränken lvir uns neben der Angabe des allgemeillen Resultats auf vier besonders wichtige Gcwerbegrnppe», nämlich Bergbau und Hütten, Maschinen, Textilindustne niid ans die Banken. Da es uns nicht bloß darauf ankommt, den UnternehmungS« gewinn für das Jahr 1895 zu berechnen, sondern tvir die Zunahme desselben in der Periode des Anfschwungs, die seit 1895 andauert, schätzungsweise erfassen wollte», so war es notwendig, nicht mir für die Jahre von 1895 ab gleichfalls eine Rcutabilitätsrechmnig aufzustellen, sondern vorher noch für jedes Jahr die jährliche Zunahme des Untcrnehmmigskapitals abzuschätzen und dieses jährlich so vergrößerte UiiternehnningSkapital der Rxntabilitätsberechinnig zu unterziehen. Die Zunahme deS Unter- iiehinuiigSkapitals war aber in der Großproduktion in den Jahren 1895 bis 1899 allen Verniutniigen und Erwägungen nach in jedem Jahre größer, mindestens aber ebenso groß ivie der jährliche Unter» nehnlnngSgelvinn ans dem unmittelbar vorhergegangenen Jahre. Wir erhalten also das Unternehmungskapital für das Jahr 1896 u. ff.. indem wir den Unternehmungsgewilm ans dem jedesmal vorhergehende» Jahre dem alten Unternehmungskapital zuschlagen. Unter Berücksichtigung dieser Erwägungen und Annahmen er- halten wir für die verschiedenen Industriezweige nachfolgende Be- wcguiig des �ZnchStilins vv» l!ilter>ieh»tt>nqS-5i�pital und'Gewinn Stellen wir die Bunten voran, tüo dctrmz■ I. Bau Fe n. UntcrnehimmgZ- Unternchninnc;?- Summe des Unter- Jahr kapital gewinn in iickiiiinnpsgclvinnS Millionen Mark Proz. Millionen ivkarl ISSS... 3441.?ö 7.38 236.55 1896.... 3678,40 7,03 280,66 1897.... 8959,06 7,57 309,80 1898... 4268,86.• 8,02 342 36 1899.... 4611.22. 8,74. 403,02 Die SBcrmuhinci, da 6 gerade die Banken während der letzten Jahre besoiidets hohe Uiltcrnehninngsgciviiine zn ver.zcichiien gehabt hätten, trifft iin allgcineiiicn nicht zu. Am nicistcn dürften von der aufsteigende» Äoiijniiktnr die Kohle»- und Hüttenwerke gewonnen haben, die ja auch ganz besonders an dein Zustaiidckoinmcn der Flottcnvorlage geschäftlich interessiert sind. Die Steigerung de» Unter- nchliiinigsgeivinnS ist hier eine ganz gewaltige, wie nachfolgende Tabelle zeigt: II, B e r g b a n n n d H ü t t e n: Unternehninngö- Unterlichinnngs- Sumine des Unter- Zahl kapital gewinn iiehmnngsgewinnS Millionen M. in Prozenten Millionen Mark 1895, � 2 2/4,26 6,40 145,55 1896 0. 2 410,81 8,69 210,28 1897.. 2 630,09 10,00 263 01 1898.. 2 893,10 11,57 334,73 1890., 3 227,83 13,71 442,53 Die enorme Steigerung von 145,55 Millionen im Jahre 1895 aus 442,53 Millionen im Jahre 1899 oder von 6,4 ans 13,71 Proz. fällt noch mehr in die Augen, wenn man die Rciitabilitat der vor- hergehenden fünf Jahre zum Vergleich mit heranzieht. Sic betrug nämlich bei merkbar kleincrcin Unternehnmiigskapital: 1890. 10.96 Proz. 1893. 5,14 Proz. 1891, 9.63„ 1894. 5,26„ 1392. 6.88 Ucbcrraschcnd ist die Rentabilität in der Textilindustrie. Trotz der Krise, die während der letzten Jahre dieses Gewerbe hciinsnchtc, war der Uiiternchiiinngsgewinn verhüimisinäffig hoch, wenn auch die nngünstige Zeit sich in einem Nütfgftuge der Erträgnisse zur Genüge ivicderspicgelt. Die Annahine, daß die Fabrikanten es verstanden haben, die Ungunst der Koiijnnkinr inöglkchst von sich abzuwälzen, wird durch unsrc Berechnung stark bekräftigt. Indessen mag zugegeben werden, daß namentlich viclcprivate Großbetriebe der Textilindustrie, und manche einzelnen Branchen weit unter dem Durchschnitt, der bei der Gesamt- bcrcchnnng sich ergicbt, zu stehen kommen, Boiv«halten für die Textilindustrie folgende Anfstelliina: I V. T e x t i I i n d n st r i c. Unternchinniigs- tlniernchninngs- kapital' gewinn llnteniehm.mgs. Millionen Mark iu Prozenten— gcwnins Jahr 1895 1806 1897 1898 1899 1077,27 2154,04 2338,86 2488,08 2641,84 "8,94 8,58 6.38 6,18 7,12 Millionen Mark 176,77 184,82 149,22 133,76 188,10 nebenbei mich ein überaus bezeichnendes Licht ans die Haltung der Zechenverwaltungen ihren Arbeitern gegenüber, die gerade gegen- wärtig mit Forderungen an sie herantreten. Eine gleichfalls starke Ncntabilität hat die Maschincnindustrie 1895/99 zu verzeichnen. In ihr steckt auch das UiiternehinniigSkapital im Schiffsbau, das sich in den letzten Jahren ganz gewaltig vermehrt hat und nach der Ve- gründnng der Flottenvorlage sich aus 500 Millionen Mark beziffern dürfte. A»S der Tabelle ist das Wachstum ersichtbar. III. M a s ch i n e>i, Werkzeuge, Schiffbau. Unternehinnngs- Unternchinniigs- Summe dcS Unter- Jahr kapital gewinn nchiiinngSgewiims issi kiuoi? 1895 1896 1897 1898 1899 Millionen Mark 1652,31 1784.11 1947,50 2154,91 2378,16 in Prozenten 7.95 9,27 10,65 10,36 10,59 Millionen Mark 131,30 163,39 207,41 228,25 251,84 Andre Gcwcrbszweige haben sich weniger günstig rentiert; so hat namentlich auch das Baugewerbe während der letzten Jahre kann: den Nutzen abgeworfen, den man vermuten könnte. Zu den ganz besonders hoch rentierenden Industriezweigen gehört indessen auch noch die chcniischc Industrie, Die vier aufgeführten Jndustricgrnppeii zeigen nicht nur eine jährlich stark zunehmende Tividcndciiziffer/ sondern auch, und das isl für die Zunahme des UiitcrnchiiiiiiigSgewiniis fast gleich wichtig, eine überaus starke Zunahme des Unternehnumgskapitals. für das Uiiternehinniigsgcivinii hcraiisgcwiitschastct werden will. Gerade die aufgeführten vier Gruppen werden in der Begründung der Flotten Vorlage als dicjciiigen Industriezweige bezeichnet, die an der logenaniiteii Osteiihaltnng der See besonders stark interessiert sind; selbst die Kohlenbergwerke kann man insofern zn dieser Gruppe rechnen, als sie wciiigstcnZ indirekt große Vorteile haben. Das gleiche, starke Znnahnie von Kapital und Gelvinn zeigt aber endlich die Geiievalaufstellnng selbst, die sich ans die gesamte Großproduktion Deutschlands bezieht und in Tabelle V wiedergegeben wird. V. General- A n f st e l l n n g. Gesamtes Unternchnnings- Utttcvnehinnngö- Summe d. Unter- Jahr kapital i. d, Großproduktion gewinn in nchiniingS-Gew. Millionen Mark Proz. Millionen Mark 1895-... 19 815.42 6,29 1246,39 1896.... 21061.31 7,19 1514,34 1897.... 22576,15 8.61 1943,81 1898.... 24519.96 � P,46' 2074.39 1899.... 26504,35 8,61 2289,77 Daß die auf Grund der Berliner BörseiNverte berechnete Renta- bilität der Aktiengesellschaften sich mit der Gcsanitrciitabilität samt- lichcr deutscher Aktiengesellschaften ziemlich genau deckt, zeigt ein Vergleich mit der oben schon citicrtcn Neiitabilitätsberechniiiig säintlichcr Akticiigcscllschaften, die für das Jahr 1896 im Handbuch der Staats- wissenschaftc» gegeben ist. Die Dividende sämtlicher Gesell- schasten betrug danach im gciianntcn Jahre 7,50 Proz., während nach nnsrcr Anfstellmig sich 7,19 Proz. ergeben. Unsre Berechnung bleibt also eher noch hinter der Wirklichkeit etwas zurück, als daß sie umgekehrt den UntcrnehminigSgewinn zu hoch berechnen würde. Ehe wir uns der praktischen Schlnßfolgcrnng ans den von inis gefundenen Resultaten znwnidcii, möchten wir dieselben an der Hand der vom„Internationalen Volkswirt" gegebenen Einkommens- schätznng für das Jahr 1898 kontrollieren. Nach dieser Schätzung betrug das Einkommen ans Industrie, Bergbau, Handel und Transport- Ivefen im Jahre 1898 14 170 000 000M, In dieser Snimnc sind ebensowohl die Arbeiter! öhne enthalten als der UiitcrnehmnngSgcwiiiii, außerdem noch eine Reihe von Einkommenskategorien. die hier nicht weiter zn berücksichtigen sind. Für das Jahr 1898 haben wir einen Unter- nehinnngSgcwiini von 2074,39 Mill, M. berechnet. Ter Untcr- iichmungsgcwinn aus der Großproduktion würde danach 14,64 Proz. deS GesaintciiikominenS betragen, ein Restiltat, das auf alle Fälle nicht zu hoch gegriffen sein dürfte. Anhangsweise muß das Zinseinkonnncn der Besitzer ausländischer Werte noch angezogen werden, daS für die Anfbringinig der Geld- mittel zn Flvttcnzwcckcn besonders in Betracht koinint. Wir haben den Besitz an solchen Werten nach Schätzungen von Sachbcrständigcn auf mindestens 10 Milliarden im Jahre 1895 äng'eiiommcn. Heute dürfte er aber rund 12 Milliarden betragen, so daß die jährliche Zunahme von 1895 auf 1899 500 Millionen Mark beträgt. Rechnen wir die diesjährigen Zinsen nur mit 5 Proz,, so ergeben sich für Unternchmnngsgewinnc und Zinseinkoinuien ans ausländischen Werken in den Jahren 1895/1899 folgende Suininen: 1895... 1746,39 Millionen Mark 1896... 2039,34 1897... 2493,81 1893... 2649,39 1899... 2839,77 oder in fünf Jahren ein Gesamtciiikoinmen sUnternghinnngSeinkoinmen und Einkommen ans ausländischen Werten) von 11 818,70 Millionen oder pro Jahr 2363,74 Millionen Mark. DaS ist nunmehr nnsres Erachtens dasjenige Einkommen. daS nach der Lage inifrer heutigen wirtschaftlichen Organisation für die Anfbringnng der Mittel der Flottcnvorlage zniiächst in Betracht kommen würde. Wie leicht könnte diese Gewinnsumme von 2363,74 Millionen Mark für die Zivecke der Flotte eine Ver- ringerniig von 100 Millionen Mark pro Jahr erfahren? Ein solcher Abzug würde doch mir 4,23 Proz. des gesamten Unternehinnngs- gclvinnS betragen. Was ivürde eine solche Vermindennig von 100 Millionen Mark für eine Wirkung ans den UnternehinniigS- gewinn in den letzten fünf Jahren gehabt haben? Wir ziehen dabei nur den UnteniehmniigSgewiiin, nicht das Eiiikommen ans anS- landischeii Werten in Betracht. DaS UntenichiMtiigSkapital hätte sich verzinst: »M«,. mm fssr. 1895.. 6,29 5,78 0,51 1896.. 7,19 6,71 0,48 1897,. 8,61 8,16 0,45 1808.. 8.46 8,05 0,41 1899.. 8,61 8,28 0,38 DaS Untcrnehimingskapital würde danach nach Abzug von 100 Mill. Rt, jährlich immer noch eine Dividende zu verzeichnen ge- habt haben, die weit über die landesübliche Geldverzmsniig hinanSgeht und noch immer einen Gewinn darstellt, der im Vergleich zn dem UnternchinungSrisiko ganz nnverhältuikmäßig hoch ist. im Jahre r. c. Arbeiterittnenbewegimg in Böhme,». _ Für die Fortschritte, welche die Arbeiterinnenbewegung in bestreich macht,>ind die.Arbcitcrinncnkonfercnzcn, die ini'Verlause enics halben Jahres iit ocrschicdcncn Teilen Bohniens getagt haben, ein unlenabarer Beweis. Den Anlaß zur regeren Bethätigung der Frauen hat im allgcmcincn die erste foeialdeniokratischc öfsentlichc Franenkonfcrcnz gegeben, die iin April 1898 in Wien abgehalten wurde. Es hat sicki zwar die Bewegung nicht überall im selben Umfang erhalten, wie sie nach der Franenkonicrciiz eingesetzt hat, in vielen Orten aber lvnrdcii nicht zn nntcrschätzeudc Erfolge erzielt. Am lebhaftesten und erfolgreichste» ist die Bewegung nnlcr den Glasarbcitcrinncn dcS JsergcbirgcS, des Haida-Steiiischönaner Kreises und unter den Arbeiterinnen West- böhrnens. Im Jsergcbirge bestehen 24 Ortsgruppen der keramischen Union, in Ist davon sind Fraucnseltionen in Thätigkeit. Die Fraucnscktioncn haben eine eigene Leitung und halten eigene Gcncvalversammlnnacn ab. Sie nntcrstchcn zunächst den Ortsgruppen, in deren AuZschnffeii sie fast überall vertreten sind. Die Btitglicder der Frauenscktionen nehmen auch an den Vcrsaminlnngcn der Ortsgruppen als gleich- berechtigte Mitglieder teil und ciitjcndcn eigene' Delegierte zu den Orlsarnppen-Konscrcnzen. Anßerdcni ist jeden Monat eine Sektionsversammluiig, die der theoretischen Ansbildniig der Gciiossiiincii dient. An die Vorträge und Vorlesungen schließen sich Diskussionen, an denen die Frauen regen Anteil nehmen. Statt des Fachblattcs abonnicrcn die Orts- grnppcn für die Mitestisder der Fraueiisektionen die„Arbeiterinnen- Z ei t ii n g", die sich einer starken Verbreitung unter den Glas- arbeiteriune» erfreut. Nachdem schon eine große Anzahl Sektionen geschaffen waren, zeigte sich das Bedürfnis, eine Francnkoiifcrenz abzuhalten, inn über eine einbcitliche Thätigkeit der Sektionen zu berate». Die Konferenz fand im Juni vorigen Jahres im Jsergcbirge statt; es waren 12 Ortsgruppen durch Delegierte vertreten. Es wurde ein ganzes Arbeitsprogramm ausgestellt und ein Aktions- koinitce gewählt, dem die Gründung von Sektionen in den einzelnen Ortsgruppen zugewiesen wurde. Den Sektionslcitcriniien wurde die Berechtigung zuerkannt, an den Sitzungen der OrtS- ariippenleitungen leilzinichmcn, wo nicht bereits Frauen im Ans- schliß sind. Aach wurden die Sektionen beauftragt, Besprechungen mit den Arbeiterinnen der einzelnen Orte abznhälten. sowie die Agitation unter jenen Arbeitcriiineii zu besorgen. welche noch nicht der Or- gaiiisation angehören, und die Agitation unter den Arbeiterinnen überhaupt. Das Aktionskomitee wählte eine 5iorrcspondc>itin, welche Stelle bisher ooi' einer sehr wackeren, opfcrmntigcn Genossin, der GlaSschleifcrin AnrclieRoth bekleidet wurde. Tie Genossin hat eine ganz respc'tablc Arbeit zu leisten, denn mit der Korrespondenz ist bei unsren Kor- respondentiuneii nichts gcthan, sie niüssen auch Ägitntonnncn und Oiganisatorinncn sei». Tagsüber heißt es in der Schleiferei fleißig arbeiten, abends Referate und Bortrüge halten und den ver- schieden en Sitzungen beiwohnen. Da es im Gebirge keine TramwayS giebt. so ist die GcbirgSagitation mit ebcnsovielen GebirgStonre» verbunden. ES winde fleißig agitiert und organisiert, und schon nach drei Monaten konnte eine Konferenz der Frauenscktionen des Jsergcbirges stattfinden, Ivo über die erzielte» Erfolge berichtet wurde und neuer Mut und»cne Kraft für weitere Arbeiten geschöpft wurden. Nun- mehr halten die Fiancnscktioiicn der Glasarbeiter- Organisation im Jsergcbirge jedes Vierteljahr eine Konferenz ab. ES werden auch Weilstättcn-Angelegenhcitcn in den Sektionen besprochen und mancher Erfolg ist ihnen schon zuzuschreiben. Besonderen Wert legen die intelligenten Genossinnen deS Gebirges auf die Schaffung und Erhaltung guter sanitärer Zustände in den Schleisereie» und ans die Herabsetzung der Arbeitszeit. Missen doch gerade die Classchleiferinnen Über die böse Wirkung ungesunder Werkstätten und einer langen Arbeitszeit zu erzählen. Wi'e wciiige gesunde Frauen giebt es unter ihnen I Seit die Glas- orbeitcriniien organisiert sind, ist ihr Geist ein andrer geworden, Sie sind freier und mutiger geworden, und haben verstehen gelernt, was sie zn fordern haben. Stach in den Ortsgruppen des Glasarbeitcr-Fachver- b a n d e s für H a i d a- S t e i n s ch ö n a u besteht seit 1898 eine lebhafte Bewegung für Frauenseltionc». Die Verhältnisse sind hier ganz anders wie im Jsergcbirge. Die H e i in a r b ei t ist vor- herrschend, die Frauen sind die Gehilfinnen ihrer Männer, Der Glasarbeiter- Fnchllcrbcind legt der Aufklärnng und Organisierung der Frauen eine große Bedentnng bei, lind mit Recht! Die Frauen nehmen nämlich eine sehr wichtige Stellung in der Glasindustrie Haida-Steiiischönans ein. Sie sind die Mittelspersonen zwischen Arbeiter und Ilntcrnehiner. Die Männer arbeiten zn Hause und kommen fast nie mit ihren Auftraggebern in Berührung. Die Frauen schließen die Arbeitsverträge ab; sie tragen das Arbeitsmatcrial, die zum Malen bestimmte Porzellanware in oft c e n t n e r s ch w c r'c n Körben ans dem Rücken nach Hanse und liefern die fertige Ware wieder an den Unteriichmcr ab. Die Frauen arbeiten auch in den Wcrlstättcn mit, bcsiiinintc Handgriffe werden fast ausschließlich von ihnen gemacht. Ihre Hauplthätigkcit aber besteht darin, L a st t i c r zn sein, indcin sie mit ihrer schweren Last über die hohen Berge der Steinschönaner Gegend keuchen. Schwangere Frauen sind davon nicht ausgenommen, wenn auch die Folfse ei» unheilbares Frauenleiden ist, das ihr ganzes künftiges Leben verdirbt. Freilich, die Unternehnier ersparen Pferde, die'sonst die Ware wahrscheinlich den Arbeitern zuführen müßten, oder für welche Arr deS Transports man sich entscheiden würde, wenn die geduldigen zum Lasttier cr- nicdrigicn Frauen nicht wären. ES ist für die Glasarbeiter dieses JndnstricbczirkS sehr wichtig, daß die Frauen Energie und Widerstandskrnfr besitzen; an den Franc» liegt es, die PreiSdrückereien der Unternehincr nicht demütig hinzunehmen, sie müssen den Mut habe», jeder Lohn- driickerci entgegenzutreten. Die Organisation giebt ihnen Mut und Festigkeit und verleiht ihnen erhöhtes Selbstbewnßlsciii, Es- bestehen bereits eine ganze Anzahl Franensektionen, die ähnlich arbeiten wie im Jsergebirge. Auch hier haben die Dis- knssionen sehr erzieherisch gcivirkt. Die Arbeitcriiincn-Organisation in Haida-Steinschönan verfügt bereits über einige sehr gc- schulte, treffliche Rcdneriimcii, die nicht mir im eignen Ort agiiatorisch thätig sind, sondern auch die andren Orte bereisten. Aus Bcranlasinng des FachverbandS hat am 6. Januar d, IS. eine Konfcreiiz der Sektionen getagt, die ein erfreuliches Bild von der Entwicklnngsfähigkeit der Arbeiterinnen- bewcgnng gegeben hat. Die Konferenz war von 6 Sektionen durch 21 Delegierte beschickt. Als die nächste Aufgabe der Sektionen wurde die Organisierung der Arbeiterinnen in den zahlreichen Glas- aeschäften in Haida-Siciuschönau bezeichnet. Diese Arbeilcrinncii, nicist junge Mädchen bckoinmcn einen Arbeitslohn von 2,50 fl. bis 3,50 st. wöchentlich. Tic Gründung von Franensektionen in jenen Orten, wo solche noch nicht bestehen, soll von den Genossinnen als nächste Aufgabe betrachtet werden. Auch in diesen Sektionen ist die„Arbeite- ri n ii e n- Z e i t u n g" eingeführt und erfreut sich eines großen Leserkreises. Auch in diesem OrganifationSgebiet sind seit dem Ac- stand der Franensektionen einige tüchtige rednerisch begabte Gc- nossiniien'thatig. Die Arbciterinncnkonfcrcnz im größeren Stile hat im November 1899 in Falkcnau a. d. Eger getagt. Diese Konferenz war von 25 Orten Westböhmcns mit 40 Delegierten beschickt. Diese Konferenz beschränkte sich aber nicht ans eine Branche, sondern umfaßte die Arbeiterinnen aller Kategorien und nannte sich: Socialdemo- kratischc Arbeite rinnenko itf e r e n z, Es waren Tcxtil-, Tabak-, GlaS- und Porzcllauarbeiterinnen nud Handschuhnähcrinncn vertreten; weiter allgemeine Gewerkschafts- vereine und der Arbeitcriniicnvercin Vorwärts für Westböhmen mit dem Sitz in Asch. Genossin Jobst, die umsichtige Arangcnrin der Kon- fcrcnz, hat im Verein mit einem Komitee eifriger Genossimien vor der Konferenz eine kleine Statistik veranstaltet. Es waren 100 Frage- bogen verschickt worden, um die Anzahl der organisierten Ar- beiterinnen und den Absatz der„Arbciterinnen-Zeitung" zu erheben, Von den 100 ansgesandten Fragebogen sind 40 zurückgelangt, wo- nach 1060 Arbeiterinnen organisiert sind. Davon entfallen 643 auf den Arbeitcriniicnverein mit- seinen Ortsgruppen, 168 weibliche Mitglieder gehören dem Tabakarbeiter- Berein in Joachimsthal an, Die andern in der Statistik angeführten Arbeiterinnen verteilen sich ans die Sektionen der oben angeführten Branchen. Die„Arbeite- rinncnzeitnng" wird von den 1060 Arbeiterinnen in 316 Exemplaren abgenommen. Selbstverständlich sind in Westböhmen weit mehr Arbeite- rinnen organisiert, als die Statistik anführt, da ja von 100 aiigegcbcnen Fragebogen nur 40 beanwortet wurden. Allgemein wurde von den De- gierten betont, daß die Beiträge in den Gewerkschaften für dicArbeiterimien zu hohe sind, daß eine Herabsetzung� wünschenswert ist. Viele Ar- beiteriiuicn schließen sich den Organisationen nicht an, weil sie von den d c n t s ch n a t i o n a l c n Unternehmern in Westböhmen mit Chikanen und Entlnsiiingen bedroht werden; andren tvicdcr fehlt die Zeit, da sie oft bis 12 Uhr nachts arbeiten iiiüssen.(In Porzellan- und Tcxlilfabriken.) Die Konferenz setzte zur Leitung der Agitation und Organisa- tion unter den Arbeitcrinnen Wcstbvhincns ein AgitationS- koinitce ein,»13 dessen Korrcspondcntin die sehr umsichtige rührige Genossin Jobst bestimmt wurde. Die Bertrancns- Personen der emzcliicn Orte inüssen dein Kpinitee alle zwei Monate einen Bericht über ihre Thätigkeit crstaticn. In allen Orten sind Fabrikbesprechnngen einznberufeii und VertrancnSpcrsonen zn wählen, Wo eine pvliliickie Lokal- oder BezirkSorganisation ist, soll den Genossinnen daS Recht eingeräumt ivcrdc», eine Genossin als gleich- bcreckitigtcS Mitglied zu delegieren. Weiter wünschen die Genossinnen eine Vertretung im KrciS- anöschnß und in der Centralleitnng der allgcmcincn GcwerkschastS- vereine. Die Konferenz faßte den sehr wichtigen Beschluß, nur dort OrtS- gruppen deö Arbeilcrinticuvcreins zn gründen, wo die Gewerkschaft'« organisnlioncn ihre Znstimniung geben. Tic„Arbeiterinnen- Zeitung" soll für die weiblichen Mitglieder der wcstböhniischc» Organisationen obligatorisch eingeführt werden. Die Konferenz hat entschieden einen erfolgreichen Verlauf gc- nominell und sehr anfeuernd nnf die Genossinnen gewirkt. Das sieht man ans der Umsicht und dem Fleiß, den die Genossinnen seit der Konferenz bekunden. Einige Refcrentinncn sind ans der jimgcn westbohniischen Arbcilcrinncnbewcgnng bereits hervorgegangen. Auch jetzt bciin Bcrgarbcitcrstreik arbeiten die Genosfiiinen sehr brav und mehrere wcstböhmische Rednerinnen halten zahlreiche Versammlungen zn Gllnstcn der Streikenden ab. Das Hauptziel aller Konferenzen ist, die Arbeiterinnen für die gewerkschaftliche Organisation zu gewiinien; mit ebensolcher Be- gcistcrung arbeiten sie aber für die Socialdcmokratie und die Ge- iiossimien streben danach, sich auch ans politischem Gebiete zu be- thätigen. Außer den Konferenzen und der Agitation in Böhmen wird auch sonst in Oestrcich ganz AnerkcmieiiswerteS für die Arbeiterinnen- Bewegimg geleistet. die Bewegung hat in den letzten zwei Jahren im all- gemeinen ganz hübsche Fortschritte gemacht; ivie weit das in dem Anwachsen der weiblichen Mitglieder in den Organisationen zum Ausdruck kommt, wird ja die Statistik, die dem nächsten Ge- wcrkschaftökongrcß vorliegen wird, zeigen. Socinlv Neiiitspflcge. Unfall aus dem Seiuiwcgc als ivetriebsuufall. Der Arbcilcr Worin, der an der Geleisanlage der hannoverschen Straßenbahn- gesellschaft Reparaturen ausgeführt hatte, wollte abends 6 Uhr einen elektrischen Zug benntzen. um nach seiuein Wohn- orte Lehnitz zu fahren. Beim Aufspringen rutschte er ans und der Anhängclvagcn überfuhr ihn, Sciiicn Anspruch auf eine Unfallrente lehnte die Straßcnbahii-Bcriifsgenosscnschaft mit der Be- gründnng ab, daß Unfälle, die ans dem Heimwege passierten. nich> zn entschädigen seien. Das Schiedsgericht als Bernfnngsiustan, erhob den Beweis und vernahm unter andern den Ingenieur der die Arheiten geleitet hat. Dieser bekundete: Dil Arbeiter ans Lehnitz wurden auf Kosten der Straßenbahn-Gesellschafi mit der Bahn nach Hause befördert, damit sie für die um 11 Uhi beginnende Nachtschicht frischer sein sollten. Wegen der Nachtschich: wurde die Arbeit statt um 7 Uhr schon um 6 Uhr beendet, trotzdem sollten die Leute auch den Lohn für die ansgefallene Stunde erhalten Ohne eine solche Entschädigung wäre eS schwer gewesen, Arbeite! für die Nachtschicht zu bekommen. Das Schiedsgericht erkannte nun- mehr zn Gunsten des Klägers und das R e i ch 8- V e r- i i ch c r ii n g s a in t verwarf die Benifnng der Bernfsgenosienschaft. indem eS ausführte: Es handele sich hier nach dem Ergebnis der Beweiserhebung zweifellos um cincii Bctricbsnnfall, denn die Arbeiter seien im Interesse dcS Betriebs mit der elektrischen Straßenbahn nach ihrem Wohnorte befördert worden. Anders lägen die Dinge, weim W. nach Schluß der Arbeit um 7 Uhr die Straßenbahn benutzt hätte. um nach Hanse zu fahren. In einem solchen Aalle hätte die Heimfahrt lediglich im eignen wirtschaftlichen Interesse des Arbeiters gelegen. Darüber sei indessen hier nicht zn entscheiden. Anfs neue wird der Spott auf die Häupter derer heraufbeschworen, die an dem Arbeiter daS dummdreiste Verlangen stellen, daß er sich für eine Gesetzgebung dankbar zeige, die die Gewährung der kärglichen Unkallrent« von solchen Zufallen abhängig macht. von 12-2? i.*• Sehulmeisfer, sebnewewisr. - Oresdenersir*. 4 am Koltbuser lim!'. 1 Xinöereagen- u.Schlafm8bel- Bazar„Baby" I Invalldunstr. 150, an dor Brunnenstr. H. Gr.Frankfurtorstr.nS.EckeAndreESStr, IIS. Oranienstr. 31. Ecks Adalbertstr. IV. Chausseestr. 8, Ecko Schiegalstr. UfT von 8,00—150,00 Neu BsUredsrn Lt'snclv.lll-Illö.s» V K vni 3*3.1 lo.'fa rat.'. 2d. am V/addingplatz VI.B'Uini istr. 9 2. fUnJOldtiiai»!. Vii.On-iotfen j jrg. 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Dies gilt namentlich für den weniger Bemittelten, denn sein Wahlspruch muss stets lauten; Gilt yatd Billig zwei Begriffe, die sich nur schwer mit einander vereinigen lassen. Und doch sind gerade bei der Lösung dieses Problems schon grossartige Fortschritte gemacht worden. Nehmen wir z. B. das Gebiet der Nahrungsmittel, das ja offenbar eines der wichtigsten ist, weil jeder Mensch nicht nur sssen wiSS5 sondern unbedingt essen muss. Da hat uns nun die Maggi- Gesellschatt eine Reihe neuer Produkte beschert, welche in der That hervorragende Güte mit aussergewöhnlicher Billigkeit vereinigen. Man kann daher ruhig sagen: jede Hausfrau, die ihren Mann, ihre Kinder durch schmackhafte und gesunde Speisen erfreuen und gleichzeitig mit dem Haushaltungsgeld sparen will, verwende die PBUG Gl-Produkte. 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