Unterhaltungsblatt öes vorwärts Nr. 150. Donnerstag, den 6. August. 1014 421?us unö Recht. Roman von Fred B. Hardt. „Das verstehe ich vollständig, Adani. Wie die Sache liegt... „Ich glaube, Ottokar, Sie verstehen mich doch nicht,"— unterbrach Mynherr ter Linden. Er trat ganz dickt an Kom- merzienrat van Bosch heran und sah ihm fest in die Augen. Dann sagte er langsam und mit fester Betonung:—„Ter Bursche ist ein prächtiger Kerl. Wissen Sie, was ich täte, wenn er mein Junge wäre?" Nein, Kommerzienrat van Bosch verstand seinen Vetter wirklich nicht! „Ich wiirde ihn jeden Tag im Gefängnis besuchen. Vier- lang vorfahren. Das Gesindel sollte bersten vor Wut. Und mir wäre es ganz gleichgültig, ob sie ihn verurteilen oder nicht. Was schere ich mich um solche Juristenkniffe. Ich wiirde ihn dann aufs Pferd sehen■— so mein Jnnge, jeht reite drauf los. Die Welt ist grob und weit, Deutschland ist nur ein Dreckfleck auf der Landkarte. Er kann ja evar. Jens Peter fühlte, daß er dem Bater am nächsten ge- standen hatte. Er war unter seinen Augen geboren und angelernt worden und hatte die Tradition unmittelbar von seinen Lippen übernommen: So sollte da« gemacht werden und so da«. Es hatte seine Art, wenn der Vater dem Brauch der Bäter folgt« und ebenso, wenn er naöb reiflicher Ueberlegung mit ihm brach; und Jens Peter hielt die Tradition in Ehren und erntete Segen davon. Der Hof verbessert« sich noch mehr unter seinen Händen. Aber froh war er trotz dein nicht I Da lief der kleine Bursche, der D r o n t, umher und war der eigentliche Hofbauer; obschon er kaum seine Hosen zuknöpfen konnte, sah jeder in ihm den Herrn des HofeS und erwies ihm Ehre. Em Späi geborener war er, und viel- leicht war er Schraptocheii") in mehr als einem Sinne: Er verriet jedenfalls für nichts Interesse, ließ sich vielmehr bloß verhätscheln, während andere um ihn herum die Dinge wachsen ließen. Inzwischen reifte der Hofdront heran und wurde so alt, daß er anfangen mußte, sich selbst einen Begriff von allein zu ver- schaffen. Jens Peter blieb auf dem Hof, bis der Bruder Mannesgewalt über sein Eigentum hatte. Dann verließ er die Heimat, da es nun einmal so fem mußte, und suchte sich ein eigenes Bereich. Niemand sollte ihm nachsagen, daß er dort schalten wolle, wo er nichts zu tun hatte. Weit lveg zog er jedoch nicht. ES hieß, er hätte sich driibeir. in der Gegend, wo er Verwalter gewesen war, ein gutes Gehöft erheiraten können. Dort in der Fremde hatte wohl ein Mädchen alle die Jahre hindurch treu auf ihn gewartet. Aber er zog«s vor. diese Sache fahren zu lasien und sich einen bescheidenen Hof in der Heimat gleich auf der andern Seite des Berges zu kaufen. So war er wenigstens in der Nähe. Von seinem Besitzwm aus hatte er ei» Auge auf alles, was auf dem väterlichen Hof vorging. Der lag ihm mehr am Herze» als sein eigener, schien eS, denn wenn er Nachbarn von drüben traf, fragte er sie genau nach allem. Und die Lente behaupteten, sie hätten ihn des Nacht? auf dem Grundstück des Borreaehösi« gesehen, vermutlich war er im Begriff gewesen, den landwirtstdastlichen Betrieb zu untersuchen. Am Tage ließ er sich nie dort sehen. Ein wenig Aufsicht über Jen» hätte sonst recht notgetan. Irgendwelches Jnteresie für die Dinge verriet er nicht— und war überhaupt ein sonderbarer Kauz von einem jungen Mann. Au« der Weiblichkeit machte er sich nichts, wie andere junge Leute; bei Fest- lichkeilen saß er immer bei den Alten, spielte Karten mit ihnen und ließ die Jugend tanzen. Einen so jungen Spielbruder hatte man noch nie gesehen— auch keinen, der so hitzig bei der Sache war. Er überbot stets, und es wurde allmählich stillschweigend Sitte im Kirchspiel, daß nur ganz niedrig gespielt wurde, wenn Jen» Koller zugegen war. Aber man hatte nicht viel davon, denn nun gefiel eS ihm einfach, zur Stadt zu fahren und sein Geld dort anzulegen. Er geriet in die Gesellschaft von Pferdehäiidleni und Bauernfängern und spielte Dreiblatt in den Hotel«. Er verlor immer— mochte eS nun daran liegen, daß man mogelte oder daß er zu dumm war. Der Bruder litt darunter, nstt ansehen zu müffen, wie der väterliche Hos verfiel imd ein Stück des Heims nach dem anderen in Geld umgesetzt wurde. Er verfolgte Jen» wie ein Schatten; fuhr der in die Stadt, so ließ auch Jen» Peter anspannen und fuhr gleichfalls hin. Offen kreuzte er den Weg de« Bruder« nicht, ober durch viele Mittel suchte er ihn ihm zu versperren. Er entzog ihm den Kredit, Ivo er konnte, und suchte die Bauernsänger von ihm zu verscheuchen, indem er drohte, die Behörde zu benachrichtigen. Aber Jen« gehörte zu den Verschwendern, die früher oder später in jeder Familie auftreten und deren Werk wieder zerstieben lasten wie Spreu im Winde; er in>, ß t e zerstören. Ebenso gut hätte man versnchen können, den Aal auf seinem Wege zum Laichplatz aufzuhalten, wie ihm die Bahn zu sperren: er fand sich durch, wie man sich auch benehmen mochte. Da ließ Jens Peter ihn denn schließlich daraus loSwirtschasten und begnügte sich damit, so gut er koimte, das väterliche Eigentum, da« der Bruder vermöbelte, wieder aufzukaufen. Er brachte die Gegenstände zum heimatlichen Hofe zurück— denn dahin gehörten sie ja I Aber er ließ sich von dem Bruder ein Papier geben über die Dinge, die er so zurnckkauste. Eines Tage« brachte er das Silberzeug an— nur bei diesen Gelegenheiten ließ er sich auf dem Hofe sehen. Jen« lag noch im Bett und sah übernächtig und elend au«: das Leben, da» er führt», hatte ihn grhöiig angegriffen. Die Augen waren unstet und leer. Jens Peter legte das Silberzeug mit einem Ausdruck von Hoff- nnugSlofigkeit und Ekel vor ihn auf das Deckbett..Das ist nutzlos gekämpft!" sagte er hart..Nim habe ich diese Sachen zum zweiten Male nach Hanse kmlfen müffen I Du bist Dir wohl klar darüber, daß Du ei» Verbrecher bist?" Jen« sah ihn verständnislos an— so unangefochten wie ein Säugling, ouf den mit einem Revolver gezielt wird. .Begreifst Du nicht, daß e« eine sttasbar« Handlung ist, etwa« zu verkaufen, das einen! nicht gehört?" fragte Jeu» Peter mit Ueber- Windung in der Stimme. Er konnte sich kaum aufraffen, etwas zu sagen— das Ganze war so nutzlos. Jen? fing den Ausdruck des Bruders auf und brach plötzlich in Gelächter aus— jetzt erst erkannte er den ganzen Zusmmnenhang. .Dn hast daS Silberzeug wieder zurückgekauft?" stöhnte er lochend. .Dir muß ja was fehlen!" .Wo ist die Kommode?" fragt« Jens Peter finster. Jen« zupfte am Deckbett..Beim Schreiner", erwiderte er. Er sah nicht auf. .DaS ist eine Lügel" Jens Peter packte ihn an der Schulter; daß er sich wand. .Ich kann mich nicht darauf bcfinnen", flüsterte er verzagt. .Bor acht Tagen war sie doch hier. Versuch, ob Du Dich nicht besinnen kannst, wem Dn sie verpfändet hast. Du s o I l st Dich besinn«!! I" *> Skrabkage sSchrapkuchen) heißt in Dänemark«in au« den Teigreften bereiterer Kuchen, ferner: das jüngste Kind der Fm-ftü Jen? stitzte flch auf den Ellbogen und gab sich Mühe, grüb« lerisch auszusehen; seine Züge arbeiteten schwer, er hatte den besten Willen. Dann erschlafften sie plötzlich und er warf sich zurück. „Ach, laß michl* sagte er klagend.„WaS schert mich da? alle«, waS Ihr in einem oder zwei Jahrhunderten zusammengeschleppt habt! WaS Hab ich damit zn tun l Nimm den ganzen Dreck und gib mir 1000 Taler— oder bloh 5001 Stimm e» ganz umsonst I Sonst ist da« Ende vom Lied«, dag ich alle» verkaufe I" „Probierst Du da», so zwingst Du mich zum nuherstenl* sagte Jens Peter leise; er war in, Gesicht aschgrau geworden. „Was denn dann?* Jens rückte den Kopf hin und her, er lang- weilte sich. „Dann reise ich zum König und lasse Dich von ihm unmündig erklären; daß Du s weißt 1' Jens wurde ans einmal lebendig.„Bin ich dann das Ganze loS— Verantwortung und alles?' fragte er aufhorchend. „Ja, dann werd, ch wohl den Hof bewirtschaften— und Du bekommst so viel, daß Du Deinen Unterhalt hast. Gar diel kann daS ja nicht sein, so verschuldet und zugrunde gerichtet wie alle« ist — tausend Kronen im Jahr vielleicht. Du kannst Dich ja bei mir aushalten, wenn Du willst.' Jen« Peter« Stimme klang ganz hell vor Erstaunen. Jens hatte die Hand des Bruder? ergriffen.„Ich dank Dir, Bruder I' wiederholte er in einem fort, vor Rührung war die Stimme ganz belegt.„Ich dank Dir. Bruder I' „Du solltest ein reines Hemd anziehen', sagte JenS Peter trocken und strich den schlaffen Händedruck von sich ab.„Deine Wirtschafterin sagt, Du hättest eS seit Monaten nicht gewechselt. Und dann solltest Du ausstehen— e« ist bald Mittag I' Aber JenS drehte sich auf die andere Seile, sobald der Bruder gegangen war. Er konnte dreien Bruder nickt im geringsten begreifen, wie er sich abhärmt« über all da« Berünchel, das die Familie im Laufe der Zeit zusammengescharrt hatte! Aber er wollte jetzt ein bißchen schlummern— und dann ansponnen und zur Stadt fahren. — Der wollte 1000 Kronen jährlich dafür geben, daß er sich mit einem verschuldeten Hos herumschlagen durfte— e« mußte ja eine Schraube bei ihm los sein I JenS Peter begriff den Bruder ebensowenig. Sich freiwillig da« Ganze auS der Hand nehmen, sich unmündig machen lasien.... Jens mußte den Verstand verloren haben! l Schluß folgt.) Die Verpflegung der großen Heere im Zdöe. Wie die modernen Heere unserer Zeit im Kriege verpflegt werden sollen, ist ein Problem, zu dessen Lösung wobl im Frieden schon die umfassendsten Vorbereitungen getroffen find, da« aber erst im Ernst« falle seine hohe Wichtigkeit und gewaltige Schwierigkeit zeigen muß. Die Truppe, die kämpfen soll, muß essen. Ohne leibliche Nahrung in genügendem Maße ist der Soldat nicht imstande, die Aufgaben zu erfüllen, die seiner im Kriege harren. Die Nahrungsmittel für den Soldaten werden teils unmittel« bar dem Kriegsschauplatze als Rohmaterialien entnommen, teils aus der Heimat und au« den Gegenden des Kriegsschauplätze« berangeschafft, die vom Kriege augenblicklich nicht unmittel- bar berührt find. Dies ist der oberste Grundsatz in allen Angelegenheiten, die sich auf die BerpflegungSvorsorg« für die mobile Armee beziehen. ES ist vor allen Dingen Sacke der Truppe, sich, soweit es möglich ist. von dem zu ernähren, was ihr der.Kriegsschauplatz bietet. Die Pflicht der Intendantur, der für die Bereitstellung der Verpflegung bestimmten Behörde, ist e» dann, so ausgiebig für Vorröte zu sorgen, daß st« da« etwa Fehlende zn liefern imstande ist, wenn die Truppe an irgend etwa» Mangel leidet. Und auch die Vorgesetzien haben dafür zu sorgen, daß die Truppe nach Möglichkeit reichlich mit Verpflegung ausgestattet ist. Immer aber gilt der Satz, daß die Hilfsmittel des Kriegsschauplatzes nach Möglichkeit ausgenutzt werden. Befindet sich die Truppe in Feindes« land, so sind die Beitreibungen fRequifitionen) daS geeignetste Mitiel, vom Kriegsschauplatze selbst zu leben. Für alle Fälle aber führt die Truppe die sogenannte eiserne Ration mit, da« ist der dauernde BerpflegungSvorrat, auf den nur im äußersten Notfalle und erst wenn alle anderen VerpflegnngSmittel fehlen und auf keinerlei Weife herbeigeschafft werden können, zurückgegriffen werden darf. Nur ein ausdrücklicher Befehl der Kommandanten, die auf die Verpflegung ihrer Truppen zu achten haben, läßt den einzelnen über diesen eisernen Bestand verfügen, und in den meisten Militärstaaten erstreckt sich da« DiSpofitionSrecht über den eisernen Vorrat auch nur auf eine Portion oder Ration. Ueberdie« liegt den Offizieren aller Grad« die Pflicht ob, für die Erhaltung dieses eisernen Borrate« mit aller Energie einzutreten. Die Train», die der Truppe ini Felde folgen, fuhren einen zum regelmäßigen laufenden Gebrauch bestimmten Vorrat an LebenS« Mitteln und an Futter für die Pferde mit. Auch hier gilt überall da« Prinzip, diese Trainteile mindestens so zu beladen, daß sie Lebensmittel und Futter im Ausmaße einer Portion bei sich haben. Sind die ZufahrtSwege zur Truppe in guter Beschaffenheit, so wird eventuell auch noch eine zweite Ration mitgesührt. Wenn die Verhältniffe tS zulasien, so befindet sich bei solch irwgS« trainS noch ein Marketenderwagen für die Truppen. E» braucht wobl nicht näher ausgeführt zu werden, daß e« jür die zuständige» Befehlshaber einer besonderen Umficht bedarf, dafür zu wirken, daß diese Ernäbrungskolonnen rechtzeitig und mit den notwendigst«» Artikeln immer wieder neu gefüllt werden. Such für die Ernährung des Soldaten gilt die Regel, daß er gleichmäßig Fleisch- und Pflanzenkost braucht. Danach wird di» Art der Verpflegung im Kriege, so weit es möglich ist. eingerichtet. In allen Lagen des Kriege» ist es das Richtige, wenn der Soldat etwa für den Tag 150 Gramm Eiweißstoff, 100 Gramm Fette und gegen 500 Gramm Kohlehydrate zu sich nimmt. Die Mindestgrenze für Eiweitzstoffe beträgt in den meisten Heeren ILO Gramm. Im Winter empfiehlt sich die Erhöhung der Eiweißstoffe auf etwa 500 Gramm. Die Verwendung dieser Mittel ist in verschiedene» Armeen verschieden, denn im Rohmen der ollgemeinen Grundsätze der Zubereitung entscheiden hierüder die Geivohnheiten und der nationale Geschmack der Heere. Jede Armee nimmt ein bestimmte» Maß von Gesundheil und phhfischer Kraft in den Krieg mit. Sie zu erhalten, ist oberste« Gebot der Heeressührung. Aber von diesem so wertvollen Kapital wird im verlause eines FeldzugeS sehr Viel verbraucht, und darum muß di« Verpflegung möglichst viel Ersatz bieten für da«, was Entbehrungen und die auf da« höchste an» gespannte Leistung des einzelnen Soldaten von ihm auszehren. Darum muß auch in der Verwendung von Verpflegungsvorräten ein systematisches Handeln der Befehlshaber Platz greisen. Sind die Leistungen der Trupp« solche, di« nicht über da« noimal« Maß eine» gesunden jungen Manne« hinausgehen, so wird die Verpflegung da» gewöhnliche Maß und Quantum nicht zu überschreiten brauchen. I» Zeiten der höchsten Anspannung aber> muß dem Körper reichlich Ersatz gegeben werden sür die verloren gegangenen Kräfte. In den großen Militärstaatcn liegt, wie schon oben erwähnt. die Sorge für die Ernährung der Truppe bei bestimmten Organen. bei der Intendantur und bei den Offizieren, die für den Ver- pflegungsdienst in Anificht genommen sind. Sie unterstehen den Kommandanten der Truppen, besitzen Hilfspersonal und ballen sich im allgememen an die Befehle der Konnnandanlen, denen sie täglich über die Sachlage Bericht und Vorschläge zu erstatten haben. Sie nehmen di« Lebensmittel in Empsana, die beigetrieben oder an- gekauft oder durch die Train» der Truppe zugebracht werden, sie führen den Betrieb der Schtächtereien, die etwa im Bereiche ihrer Truppe aufgestellt werden, und fi« tragen auch ein gute» Stück der Verantwortung, die mit der Durchführung aller dieser Maßnahme» verbunden ist. Wenn e« sich um Beilreibungen handelt, dann ist auch im Feindesland« das ba re G etd da« bette und nie versagende Mittel, die Lebensmittel au« den Magazinen und Scheunen hervorzulocken. Verspricht man den Eigentümern von Leben«« und Futtermitteln nur Bescheinigungen, die nach Beendigung de« Kriege« eingelöst werden sollen, so verschwinden die Mittel sür den Lebensbedars der Truppe» in der Versenkung. Und die Bezahlimg muß auch eine gute, wen« nötig, ein« glänzende sein. Da« ist ein« alte Erfahrung in alle« Kriegen der alten und neueren Zeit. Die Train« haben ganz gewaltig« Aufgaben sür die Verpflegung der Armee zu lösen. Allerding« sind sie in allen modernen Armee« so beschaffen, daß sie, wenn nicht störende Zwischenfälle eintreten, in der Lage find, sie zu bewältigen. Sie führe» leichte Provianikolonnen, dann schwere Proviantkolonnen, sonstige FilhrparlS— alle« darauf berechnet, daß die im Frieden bereitgestellten oder im Augenblicke des Kriegsfälle« zur Einlieferung ge- langenden Leben«« und Futtermittel im Rücken der eigenen Arme« sichergestellt find. Hierin ober Uegt auch eine riesige Gefahr für di« Verpflegung der Truppe. Spielt sich der Krieg in einem Lande ab. da« über reichliche HilsSmittel verfügt, dann hängt naturgemäß die Trupp« nickt so an ibren Train«, wie in einem wegearmen und von der Natur weniger begüiistigtcn Lande. Ein reiche» Land kann auch auf einige Zeit die Millionenheere uiuerer Zeit ernähren. ES kann im schlimmsten Falle nur die Möglichkeit eintreten, daß die Er- nährung einseitig, gleichförmig wird. Besser aber ist e« stet«, wen» überhaiipl etwas zum Essen und zum Füttern im Lande da ist. al« wenn die Armee an dem dünnen Faden der eigenen TrainS hängt und wenn dies« ihre Vorräte auf langein Wege, von der Heimat an« auffüllen lassen müssen. ES ist eine der schivierigste» Aufgaben der inodernen KriegSsührung, die Train« niit der Verpflegung richtig zu disponiere», sie zu versammele an den richtigen Punkten in Einklang mit den voran»- sichtlichen Operationen im allgemeinen und in bestimmten Fällen aa besondere Oertlichleiten zu bnngen. Dabei ist noch nicht mit der Mögtichkeit gerechnet, daß die Operationen und die au« ihnen hervor- gehenden Einzrlkämpse durch die Ereignisse der Kämpfe selbst sich a« anderen Stellen abspielen, als vorausgesehen loar, und daß di« Wechselfälle des Kriege« eben„»absehbar find. Die tattische Sicherung des Train« ist eine Lebensfrage der kämpfenden Truppe. Auf ein« Niederlage folgt gewöhnlich bitterer Hunger, denn die geschlagene Truppe verliert in der Regel auch den Train und mit ihm fiir mitunicr lange Zeit die Hilfsquelle der Ernährung. Auch di« Beschaffung de« Brote«, de« Hauptnahrungsmittels de» Soldaten im Kriege, verlangt besondere Vorkehrungen. Die Trupp«» führen gewöhnlich mobile Feldbäckereien mit sich. Zu ihrer Bedienung ist ein aiiSgebildetes Personal vorhanden, und biete Anstalten werd«» weit hinter die operierende Armee verlegt. D»-'« Jntendanturb-'hörd« rechtzeitig M-v' an diese O' > Mehl wird■'>trch L>»' sichergefi Eisenbahn oder wenn nötig durch Fuhrwerke dahin gebracht. Aber auch hier wird man sich in allen Armeen daran zu halten haben, das; ivieder das Land das Material zuerst zu liefern hat. Sind weitgehende Mahnahmen nötig, um dort vorhandene Borräte an Getreide zu mahlen, so wird auch dieS getan, und wenn nötig, müssen die Mühlen des Bereiches gezwungen werden, die Mahl- arbeiten in allererster Linie für die Bedürfnisse der Armee aus- zuführen. Wieder aber tritt hier der kritische Moment ein, in dem das Mehl durch die TrainS nach vorne gebracht wird, zu den Feld- bäckereien, die daraus warten, der Truppe das erforderliche Brot zuzubereiten und abzuliefern. Alles in allem ist eS eine Angelegenheit von höchster Bedeutung, ob der BerpflegungSdienst bei einer operierenden Armee richtig funktioniert oder nicht. Wenn auch eine Schulung der verantwortlichen Organe im Frieden schon einen grohen Grad von Sicherheit dafür geben kann, dah die Truppe nicht Mangel leidet in den Zeiten, wo man von ihr das Letzt« und Höchste erwartet, so gibt doch erst die rechte Möglichkeit daiür, dah sich alle» in dieser Beziehung glücklich ab- rollt die Geistesgegenwart der Führer und der Leiter des Verpflegung«- Wesen». Ihnen ist das leibliche Wohl der Armee anvertraut, sie müssen aus der Situation heran» disponieren, sie allein können nach den vorhandenen Berhältnisien das Zweckentsprechende verfügen. So mannigfaltig aber sind die Zwischenfälle in einem Kriege, dah sich in allen Armeen nur ganz allgemeine Prinzipien für die Verpflegung ausbilden konnten. Alle» andere, was nicht mehr im Rahmen des menschlichen Ermessens liegt, ist, wie alle» im Kriege, Sache des Glücks, der jeweiligen Lage und vor allen Dingen der zielbewuhten Entschluhfähigkeit und der nie erlahmenden Energie. Nur eines ist sicher; der Eriolg winkt leichter einer Armee, die gut ernährt, gut verpflegt ist, als körperlich geschwächten, erschöpften Truppen. kleines Feuilleton. Geschichtliches. Die Städte Kalisch und Bendin(Bendzin) in der Geschichte. Die Stadt Kalisch in Russisch-Polen, die von deutschen Truppen eingenommen und besetzt worden ist, hat in der Geschichte schon einige Male eine bedeutsame Rolle gespielt. Zum erste«, Male zur Zeit des Krieges, den Karl XII. gegen Polen führte. Karl hatte eS durchgesetzt, dah am 12. Juli 1701 in der von schwedischen Soldaten umstellten polnischen Wahlversammlung Stanislaus LeSzchnSki, Woiwode von Posen, zum König von Polen gewählt wurde. Die sächsische und die russische Partei im Lande hielten aber an August II. fest, und die Meinungsverschiedenheiten führten schliehlich zum Kriege. Die Schweden hefteten in Polen und Litauen den Erfolg an ihre Fahnen, und Karl fahte auf diese Er- folge hin den Entichluh, seinen Gegner in Sachsen auszusuchen und zur Deckung Polen» einige Truppen unter General Marderfeld zurückzulasse». Der Schwedenlönig war in Sachsen siegreich und fchloh am 24. September 1706 mit den Bevöllmächtigten August II. den Frieden von Altranstädt. Bier Wochen nach dem Friedens- schluh aber, am 29. Ottober 1706, griff der russische General Menschikow mit polnischen und russischen Truppen den schwedischen General Marderfeld bei Kalisch an und brachte ihm eine vollständige Niederlage bei. Zu weit gröherer Bedeutung gelangte Kalisch während der Be- freiungskriege. Am 27. und 2S. Februar 1813 schlössen Preuhen und Ruhland in Kalisch ein Schutz- und Trutzbündnis, um Europa vom„Napoleonischen Joche" zu befreien. Ruhland verpflichtete sich. ISO 000 Mann zu stellen, während Preuhen 80 000 Mann ins Feld schicken sollte; Frieden und Verträge sollten nur gemeinsam ge- schloffen werden. In einem Geheimartikel war die Wiederherstellung Preuhen? im Umfang von 1805 ver- sprachen. Durch das Bündnis war die Waffengemeinschaft gesichert. Preuhen stellte statt der 80000 Man», die es in Kalisch versprochen hatte— bei einer Einwohnerzahl von nicht ganz fünf Millionen— insgesamt 271 000 Mann, also einen Soldaten auf 17—13 Einwohner. Das ist mehr, als je ein Volk geleistet hat. Ruhland aber, das ISO 000 Mann versprochen hatte, stellte höchstens SO 000 Mann. Am 25. März erliehen dann die Verbündeten von Kalisch aus ein Manifest, in dem sie allen Fürsten, die sich der Sache der Freiheit verschlössen, mit der verdienten Vernichtung durch die Kraft der öffentlichen Meinung und die Macht gerechter Waffen drohten; der Rheinbund sei auszulösen und die Wiedergeburt Deutschlands ollen Fürsten und Völkern Deutschlands anheimzustellen. Der 2. April desselben Jahres brachte eine Begegnung der Monarchen beider Länder in Kalisch. Noch ein drittes Mal wird Kalisch in der Geschichte erwähnt. Die Polen hatten sich im Jahre 1831 gegen Ruhland erhoben; sie kämpfren wie die Lölven, aber alle» war umsonst, und sie konnten das russische Joch nicht abschütteln. Am 8. September 1831 muhte fich Warschau auf Gnade und Ungnade ergeben. Der Rest des polnischen Heeres, etwa 20 000 Mann, verlieh die Stadt.»Noch ist Polen nicht verloren." sangen die Soldaten, als sie aus de» Toren Pragas hinauszogen. Auch der polnische Reichstag verlieh die Hauptstadt. Die zerstreuten Trümmer der polnischen Armee wurden c v