Zlr. 159,- 1911. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Menstas, t8. AogrS. Zur ein Maß Branntwein. Von Waclaw Z m u d z k i. Der Llte Lukas ließ die Füße vom Lager Iiirmrtcr, aus dem er mit seinen beiden kleinen Enkelirmen schlief, hiHtete heiser und spie, da er einen häßlichen Geschmack im Munde verspürte, auf den längst nicht mehr gelegter? Lehmiußboden. Er hatte die unangenehme Empfindung eines Gewohnheitstrinkers, der nach dem Erwachen noch keine Zeit gefunden hatte, die vom Branntwein verbrannte Leber aufs neue zn befeuchten. Einige Zeit faß er still und ließ den gedankenlosen Blick über die nackten, abgekraßien Wände der Hütte schweifen, schließlich fiel sein Mick zufällig nach unten, und er starrte seine eigenen Füße an; auf dem aufgedunsenen Geficht de« gann ein Gedanke zu schimmern, und gleich darauf trat der Aus- druck einer starken Verwunderung hinzu. .Stiefel? auf seinen Füßen, nock? ganz gute, frisch gewichste Stiefel?!* Er erhob die Hand zu dem zerzausten Kopf, als wollte er durch Kratzen«ine Erinnerung wachrufe», blickte zufällig auf seinen Aermel und erstarrte vollends. Er bemerkte, daß er einen fast neuen, nur wenig abgetragenen Nock anhattei „Um Gottes Wille«!* brummte er ganz erschreckt,„um Gottes Millen!* Er betastete fich mit den Händen, rieb vorsichtig einen Fuß an den anderen, schließlich ließ er die Hände hilflos aus die Kvic gleiten; m seinen verschleierten Augen spiegelte fich der Ausdruck enge- Ipannter Gehirnarbeit. Was war geschehen? Auf welche Weife konnte er in den Befitz aller dieser Sachen gelangen, er, der seit undenkbaren Zeiten sich und seine Enkelinnen durch Bettelei ernährte? Lange strengte er fich vergebens an, die an Arbeit nicht gc- wohnten Gedanken bewegten such in seinem Kops mit eigentümlicher Langsamkeit; nahe und entfernte Ereignisse drängten sich ohne den geringsten Zusammenhang wirr durcheinander. Schließlich be- allmählich aus dem dichten Nebel, der sein Gedächtnis»er- ichleiert«, anfangs sehr dunkle und undeutliche Erinnerungen an **u gestrigen Tag aufzusteigen. Tas erste, besten er fich bewußt wuxde, war der Nachgeschmack des in ungeheurer Menge genostenen Schnapses. Im Zusammenhang mit diesem Trinken siel ihm ein, welch londerbare strahlende Heiterkeit ihn dabei nrniangen hielt. Er sah uch gleichsam in einer lichten Sphäre, in einer Kirche inmitten drennender Kerzen, er selber war febr erfreut und von lauter lachen- 7�"- J�rzlich wohlwollenden Gesichtern umgeben;«S schiene« die des Popen, des GenieindcichreibeiS«nd das von besten Frau zu Nur ein Gesicht hatte ihm ein«— seht unangenehme Erinne- •nmg zurückgelassen. Er wußte noch, wie er die Augen abynvandt unb dem strengen Mick dieses(»lesichtS auszuweichen bemüht war. Wer war das, was war das alle»? Er strengte sein Gedächtnis an, das durch die träge Untätigkeit immer stumpfer geworden war. rieb sich die von Runzel» tief durch- furchte St-rn, und allmählich begannen, wie ein fernes Echo, einzelne Worte und Bruchteile der Unterhaltungen, die an seine£f)ren gc drungen waren, in sein Bewußtsein wieder zurückzukehren. Ein Zeuge!— Ja. es war ein Bauer, den er kannte und der dabei w-n und mit an, ehe» sollte, was man mit ihm vornahm. Des- hatb nannte man ,hn einen Zeugen. Aber was sollte denn mit nötigt«aren denn der Pope und der Schreiber Plo�ich ersiinerle er sich, daß er diesmal mit seine» Enkel- lindern hingegangen war, das er eines von ihnen aus dem Arm dielt und Worte nachgesprochen, die der Pope ihm vorgesaai banc. -.•ann küßte ihn der Pope und sagte wieder etwas. Wie hatte er doch ge, prochen— aha:.mein Sohn, jetzt, da du in den Schoß der heiligen griechisch-katholischen Kirche getreten bist—" Lukas sprang plötzlich auf und blickte mit Schrecken auf seine beiden noch schlafenden Enkelinnen. Beide Mädchen hatten neue Tücher aus den Köpfchen, die jüngere hielt in dem zugedrückten Händchen ein vergoldetes, buntes Bildchen, von dem sie sich selbst in der Nackt nicht hatte trennen wollen. Er bückte sich über sie und schüttelte di« ältere an der Schulter. „Wer gab Euch diese Tücher?" fragie er mit zitternder Stimme. Tas plötzlich aus dem Schlaf geweckte Kind starrte ihn mit per- schlafen«« Augen an. .Von wem hast Tu das?" fragte er noch eiumat. „Tas Tuch?* entgegnete sie nun lebhaft—„das gab uns gestern der russische Herr, und diese Bildchen auch und für Dich, Großpapa, den Änziig, die Frau des Popen gab uns einen Liter Hirsengrützt und der Schreiber schenkte uns einen Rubel; denn wir haben doch gestern versprocbeil, daß wir jetzt russisch sein werden!" „Tas ist eine Lüge!" „Ter Schulze war doch Zeuge. Frage ihn, wenn Du mir nicht glaubst!" Der Alte packte fich am Haar, eine Weile sah er das Mädchen mit irrem, erschrockenem Blick an, dann stöhnte er, ging taumelnd durch die Stube und fiel auf die Bank nieder. Jetzt erst dergegen- «ärtigte er sich genau die ganze Tragweite deffen. was er gestern getan hatte. Schreckliche" Verzweislnng erfüllte sein ganzes, schwaches, von Braniitwein zerrüttetes Wesen, er bedeckte sein Ge- ficht mit den Händen und begann so jämmerlich zu weinen, wie ein kleines Kind. „Meine Waisenkindchen," flüsterte er unter Schluchzen,„meine Engclchen; ich alter Hund habe Euch für ein Matz Branntwein verkauft, um ein Paar Stiefel habe ich Eure Seelchen dem ewigen Verderben preisgegeben!* Die Mädchen waren an die veränderliche Stimmung des Groß- Vaters gewöhnt, der im betrunkenen Zustand mehreve Male am Tage abwechselnd lachte nild weinte, und sie beachteten seine Er- grissenheit nicht. Tie Aeltere schnitt ein Stückchen Brot ab, löste die Rinde ab.»eichte ihm das Weiche hin und sagte ruhig: „Iß mal, Großpapa! Sieh mal, was für schönes Brat das ist! Die Popenfrau sagte, daß sie uns von jetzt ab jede Woche solch ein Brotleib geben würde!" Der Alte sprang unvermittelt auf.• „Wirf das Brot fort!" rief er,„wirf es fort, das ist eine teuflische Versuchung für Eure unschuldigen Seelen. Und diese Tücher, die Bilder, die Stiesel— alles fort, eher bleiben wir nackend, eher sterben wir vor Hunger, als daß wir von diesen Versühoern etwas nehmen l Nichts, nichts wollen wir von ihnen haben!" Er riß den erschreckten Kindern die Tücher von den Köpfen, warf seinen Rock� und die Stiefel ab, ergriff die Axt und begann, alles in kleine Stückchen zu hacken. „Verdirb, unreine Kraft," zischte er wütend,„nichts was von euch kommt, nichts, nichts!.....* Das älter« Mädchen»ersuchte ihr Eigentum zu verteidigen. „Was machst Tu, Großvater!" rief sie weinend und bemühte sich, seine Hand festzuhatten.—„Ich werde Ehrwürden sagen, er soll Tie nichts mehr geben, uiid wenn wir etwas geschenkt bekommen, dann verstecken wir es so, daß Tu es nicht siehst." Diese Worte schienen den Alten noch mehr aufzubringen. Seine Augen brannten wie Kohlen, die Lippen waren blau vor Erregung.„Du wirst es nicht mehr sagen," zischte er heiser, „wirft es nie mehr sagen! Mag ich verderben, in Höllentccr vcr- sinken, aber Euch werde ich gegen die Vernichtung wehren! Er sprang zu dem Mädchen herbei und erhob bi« Axt über ihrem Kopf. „Bekreuzige Dich", rief er,„sag ein Gebet, sogleich! Im Namen des Vaters..." Tie Axt erzitterte in seinen Händen... Aber plötzllch schien der Alt« zum Bewußtsein zurückzukehren. „Nein!" rief er,„zuerst der andere, der Verführerl" Er»vars die Axt hin. stürzte aus der Stube hinaus und lief, s» wie er war— ohne Mütze, mit geöffneter Hand— nach der Cerkie«. „Judas, Berdcrber!" ertönte es plötzlich hinter ihm von einem Tor aus, an dem er vorbei kam,„mögst Tu um der unschuldigen Waisen willen aus der Hölle nicht entkomuien!" Lukas sah sich nicht einmal um, er beschleunigt« nur seine Schritt«. Ter Pope stand gerade aus dem Hof vor seinem Hause. Als er Lukas erkannte, lächelte er ibm gleich zu, nachdem er ihn aber näher betrachtet hat«, begann er zur Tür zu weichen. Aber Lukas kam feine» Absichten zuvor, sprang wie eine rasende Katze aus ihn zu und bohrte ihm die Klauen:» die Kehle. „Für mein Verderben;" heulte er.„für meine Waisenkinder!" Der Pope war jung und stark wie ein Büffel; in dem Alten loderte aber so stark der verbissene, tierische Haß, so krampfhaft würgte er ibn mit seinen trockenen Fingern am Halse, daß dem Popen von dieser Umarmung schwarz vor den Äugen wurde; er vermochte kaum einen heiseren Schrei auszustoßen, streckte machtlos die Arme aus. Bei dem Schrei kamen die Popenfrau und die Köchin herbei gerannt; ganz vor Entsetzen starr, erholten sie sich erst nach einer Weile und fingen nun an. den Räuber zu schlagen, ihn au den Haaren fortzuziebcn. aber dieser fühlte keinen Schmerz, sondern klammerte sich immer krampshastcr au sein Opfer. Endlich schüttelte er ihn noch einmal mit Aufbietung der letzten Kraft, dann ließ er ihn los. Ter Pope siel regungslos zur Erde. Man begann, ihn ins Lebe« zurückzurufen, schickte zur Gemeinde nach dem Schreiber und nach den Gendarmen, schließlich sah man sich nach dem Ber- breche r um. Aber Lukas war inzwischen verschwunden. Di«! Gendarmen begaben sich in Begleitung des Schulzen und des Schreibers sogleich nack dem Hause des Verbrechers. Dort fand man aber nur seine Enkelinnen, die noch ganz bestürzt von dem Wutanfall des Großvaters jämmerlich weinten und mit Bedauern ans die zerrissenen Tücher blickten; üher den Alten konnten sie jedoch nichts aussagen. Erst gegen Mittag, als der Wächter die Kirche ausfegen wollte und in de« Vorraum trat, erhob sich mit einem Mal«in großes Geschrei: Lukas hatte sich hier am eigenen Gürtel, der an der Klinke bcsesttcit war, erwürgt. Als der Pope- gesund wurde, wollte er die Enkelinnen de? Alten unter seinen Schutz nehmen und hatte sie sogar schon in sein Hans kommen lassen, aber eines Nachts waren die beiden Mädchen plötzlich spurlos verschwunden. In der ganzen Gegend begann man die verschiedensten nrntungeii zu hegen. „Was konnte mit ihnen geschehen sein? Daß der Alte wie ein Stein ins Wasser fallen koniite— wenn er sich nicht vor der richtigen Zeit erhängt hätte—, darin waren sich alle einig. Der war ja für ewige Zeiten dem Bösen verfallen! Aber die Kinder?, — sollte auch über ihnen GottcS Strafe hängen?... Nur jener Bauer, der bei dem feierlichen Akt, al» Quka» in den Schoß der heiligen griechisch-katholischen Kirche übertrat, als Zeuge beiwohnen muhte, schien sich für das Schicksal der Waisen am wenigsten zu interessieren. „Bei Gott werden sie schon angeschrieben sein,* sagte« manchmal,„der barmherzige Gott sorgt am besten für sein Hab'.* Dabei hatte man sich zunächst beruhigt. 1 Erst später bemerkte einer der nächsten Nachbar«, daß bei diesem Bauern von Zeit zu Zeit ein unbekannte? Weib �u erscheinen pflegte, das sich heimlich wieder fortschlich und immer verschiedene Bündel oder ein Laib Brot unter dem Arm wegtrug. Jener Nachbar klopft« sich ein und daß zweite Mal auf die Stirn, merkte wohl etwas, ließ jedoch über seine Beobachtung kein Wort verlauten.»**>**» f** •v.u.iv, v.w �v.w,w, vu— m- iw.ö../ indem" sie hier einen schwachen' Punkt noch eine Stunde, oder sei es„--------- äc&iuuzf&Ittrfe mtitih Scujcllr- güTSn Lnsnatenteil versntw.: rh. Glocke. Berlin. Druck'u.Verla«:«orwärt» Buchdruckerei a, eine halbe, stützt, während dort der Sieg mn zehn Minuten früh« erfochten wird und nun die Entscheidung auf der ganzen Linie mit Riesenkrast herbeizwingt. Was in Serbien vor sich geht, wird nicht'angekündet. Bereiten die Oesterreicher einen entscheidenden Schlag vor t Oder begnügen sie sich, die Feinde, die sich in die Berge geflüchtet und sich so der Stoßkraft beraubt haben, als nicht vorhanden anzusehen? Im Schacki würde man die zweite Alternative wählen. Die Figur, die sich versteckt, zählt nicht. Man schneidet ihre Beweglichkeit ab und holt sie sich nachher in aller Ruhe. Insbesondere gilt dies, wenn wo anders Schwächen anzugreifen sind. Das geschieht, und währenddem ist die in Sicherheit postierte Figur bloßer untätiger Zuschauer. Manche Leute haben Angst vor den Russen. Hinter deren Rück- zug vermuten sie eine teuflisch tiefe Strategie. Sie denken an da? Schicksal Napoleons in Moskau; aber solche Furcht ist kindlich. Die Kriegsführung ist heute auf gesunder Basis. Vor hundert Jahren bestand ein Krieg im wesentlichen noch aus schnellen Märschen und Schlachten, kurz, aus Knalleffekten. Die geringen Dinge, Lebens« mittel heranschaffen, Beweglichkeit heben usw. galten für wenig. Jetzt nimmt man alle, auch die lleinslen Vorteile sorgsam wahr und läßt sie sich anhäufen, bis der ungünstig postierte Gegner gezwungen wird, mit aller Gewalt die Schlacht herbeizuführen oder sich zurück- zuziehen. So geht es den Russen. Mag sein, daß ein der Kriegs strategie Kundiger unS anders be« lehren würde. Indessen so, wie oben dargelegt, scheint es uns Schachspielern, und so können wir'S in Einklang bringen mit unseren Erfahrungen._ ver Krieg und der deutsche Suchhandel. Auch die gewaltige Organisation des deutschen Buchhandels wird von dem Kriege hart betroffen, ja, wie dos Fachorgan der deutschen Buchhändler hervorbebt, hat der deutsche Buchhandel als Hüter und Mebrer der deutschen Geistesschätze unseres Volkes den Krieg mit am stärksten zu fühlen. In den Druckerwerkstätten müssen zahl« reiche Neuheiten, die für Herbst und Winter vorbereitet wurden. unvollendet liegen bleiben, und manches Werk, das bereits fertig ausgedruckt ist, wird bis auf weiteres nicht herausgegeben, da man erst abwarten muß, bis sich ein gewisser Ausgleich der Interessen hergestellt hat und Künste und Wissenschaften auch wieder zu Worte kommen. E ne Anzahl wissenschaftlicher und literarischer Zeitschristen stellt zunächst ihr Erscheinen ganz ein oder bringt doch ihre Hefte nur in längeren Zwischen- räumen heraus. Es gilt jetzt, so begründen die.Weißen Blätter" diesen Entschluß, fürs Baterland zu handeln, nicht zu schreiben, und mit bewegten Worten nimmt die„Tat", die Zeitschrift des Verlags von Eugen DiederichS, bis auf weiteres von ihren Lesern Abschied. Das Gesicht des Buchhändler-BörsenblatteS hat sich mit einem Schlage verändert. Was jetzt angeboten wird, das sind Karten der Kriegs- schauplätze, Taschen- und auch„Tornister-Wörterbücher" sür den praktischen Gebrauch der Truppen im Felde. In den Vordergrund treten ferner Werke über Kriegschirurgie, Bücher, die die Wirkungen des Krieges auf die bürgerlich-rechtlichen Verhältnisse aller Art be« handeln und dergleichen mehr. Ein beachtenswerter Vorschlag wird gemacht, um auch in dieser schweren Zeit die Sortimentsbuchhändler, besonders in mittleren und kleineren Städten, in enger Fühlung mit dem Publikum zu halten und dessen Interesse an der gegen- wärtig im Vordergrunde stehenden Literatur anzuregen. Es wird empfohlen, daß die Sortimenter ihre Geschäfte in eine Art Nach- richtenbureau umwandeln, in dem das Publikum sich über die neuesten Ereignisse auf dem Kriegsschauplatz durch Extrablätter, Flugschristen usw. unterrichten kann. Man steht hieraus, daß auch der deutsche Buchhandel sich gefaßt und besonnen rüstet, um über das Schwerste hinwegzukommen. Die kriegstüchtigeu Elefanten. Man schreibt der.Frankfurter Zeitung": Die Elefanten, be« rühmt schon von den Alexanderzügen her, find von PyrrhuS in die Kriegsführung Europas eingeführt worden, und Hannibal hat den epirotischeu König gerade deshalb als einen der größten Feldherren belobt. Wie bekannt, nahm Hannibal seine Elefanten über die Alpen mit. und bei Zama stellte er ihrer nicht weniger als 80 zum An- griff vor die Front seines HeereS. Wann sie zum letzten Male in einer Schlacht der alten Völker aktiv waren, ist uns unbekannt, aber so- eben treten sie wieder auf die Bühne der Weltgeschichte. Sie werden zwar nicht zum Angriff verwendet wie bei Zama, aber zu militärischen Hilfsdiensten, und das ist inmitten der Schrecken de? europäischen Krieges ein weltgeschichtlicher Humor. In der schweizerischen Stadt La ChauxdefondS bat man sich darüber den Kopf zerbrochen, wie man der Hagenbeckichen Menagerie ledig werden könne, deren Tiere die städtische Fleischversorgung erschweren. Der Gemeinderat be- schäftigte sich mit der Frage in besonderer Sitzung. Aber die Söhne Hagenbecks wußten ihrer Menagerie die Sympathien der Bevölke« rung zuzuwenden. Sie stellten der Stadt die Elefanten bei der schweizertschen Mobilisierung zur Verfügung, und jetzt dienen diese. wenn auch nicht schnaubend und mordend wie in den Schlachten des PyrrhuS und deS Hannibal, wieder der Kriegskunst. Notize«. Das Museum für Meereskunde ist bis auf weiteieS wieder geöffnet: Montags, Mittwochs, Sonnabends von 10—8 Uhr, Sonntags von 12— t Uhr. Dienstags von 10—3 Uhr für Schul- llassen in� Begleitung der Lehrer sowie für Vereine. ergt bedrohte Kunstwerke! Angesichts der Ge- ahren, die hervorragenden deuffchen Kunstwerken in den Grenz- gebieten drohen(man denke an die einzigartigen Werte der alt- deutschen Maler Grünenwald und Schongaueri hat der Dürerbund die Behörden um ihre rechtzeitige Sicherung ersucht. — D i e g e i m p s t e A r m e e. Da in der Schweiz die Pocken aufgetreten sind(es sind bisher vier Pockenfälle festgestellt worden), wird die ganze schweizerische Armee auf Befehl des Generals Wille geimpft werden. — Die Beobachtung der Sonnenfinsternis wird wegen der Kriegswirren nicht in dem Maße von der Wissenschaft vorgenommen werden können, als es ursprünglich beabsichtigt war. Die Teilnehmer der südrussischen Expedition, die vom Potsdamer Observatorium entsandt waren, lehren über Ungarn zurück. Von zwei Observatoren der Berliner Universität ist dagegen ni-bt be- kannt, wo sie im„heiligen Rußland" jetzt stecken mögen. Ob«ine weitere Expeditton. die unter Leitung von Prof. Miethe die nor- wegische Insel Alfter(Lofoten) aufsuchen wollte, ihr Ziel erreichen wird, ist zweifelhaft. — Ein Tunnel unter dem Rhein, der allerdings weniger den allgemeinen Verkehrsinteressen als denen des nieder- rheinischen Steinkohlenbergbaues dient, ist vor kurzem vollendet worden. Im vergangenen Jahre hatte die Bergwerkögesellschaft Diergardt einen Verbindungsftollen zwischen ihrer auf dem rechten Rheinufer gelegenen Schachtanlage Diergardt II und der links- rheinischen Zeche Diergardt 1 in Angriff genommen, der den Verkehr zwischen den beiden Gruben erleichtern soll und den Rhein in der Nähe von Duisburg unterfährt. — Das KriegSgeschwätz im Altertum. Die von Tag zu Tag wechselnden Alarmnachrichten, die sich alsbald als Er- findung erweisen, haben schon im Altertum die Gemüter beunruhigt. Der römische Geschichtsschreiber Liviu« läßt den Konsul L. Aemilius PauluS, als er in den Krieg gegen Mazedonien zieht, an die Bürger folgend« Warnung richten:„Für wahr haltet nur das, was ich Euch oder dem Senat schreibe. Stärkt nicht durch Eure Leichtgläubigkeit Gerüchte, sür die keiner die Verantwortung übernimmt. Denn ich sehe, eS geht gerade in diesem Kriege wie so oft: niemand ist dem Geschwätz gegenüber so stark, daß er sich nicht doch beeinflussen ließe. Wo nur zwei beisammen stehen, weiß Gott, in jeder Gesellschaft gibt es welche, die die Heere führen, die genau wissen, wo das Lager hin- gehört, welche Punkte zu besetzen find, wann und durch welchen Paß man einmarschieren muß, wo die Depots sein müssen, auf welchem Weg die Zufuhr zu Wasser und zu Land zu erfolgen hat. wann man fich mit dem Feind schlagen muß und wann man besser zuwartet."_ t Paul Singer St Cö, Berlin SW, M'.wEV