Ar. 60. Absnurmeia»-Kkdingungt»: «bonnemenis-Prei« pränumerando: vierteljährl. 3,30 SRL, monatl. 1,10311!., Ivochenllich LS Psg. Irel In» Hau». Einzelne Nummer S Psg. Sonnlag»- Nummer mU iliuNrlerier Sonnlagt» veildge„21« Neu-«Bell" 10 Psg. Post. Pbonnemeni: ZPO Mar! pro Quarlal. Eingeiragen in der Post- Zeilung», Preiliiste für IS 00 unl-r Ar. 7971. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mar!, ftlr da» übrig« Autland S Mar! pro Moual. Erschlini litglich«uster Monl«g». Verlinev Volksblakk. 17. Jahrg. Die Insertion--Gebühr betrügt für die sech«gespallene Kolon«!- zeile oder deren Raum 40 Psg., für politilch« und gewertschastliche Verein». und Bersammlung«. Anzeigen 20 Psg. ..Klein» Kuielgru" jede» Wort S Psg. (nur da» erst« Wort seil). Inserate sür die nächste Nummer miissen bl» 4 Uhr nachmiimg» in derExpedition abgegeben tverden. Tie Srpcdttion ist an Wochen» lagen dl» 7 Uhr abend», an Sonn» und Fesitagen dl» S Uhr vormittag» geössn«!. Fernsprecher: Am! I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: „Sorialdrmokra! Vcrlin» Centvalorgan der sooialdemokratifthen Nariei Deutschlands. tledalilion: SW. 19, V-u!h-»!r-st- 2. ©wiffttitfl. Im Monat Febniar gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Apolda, ges. bei Aeichmanu, silberne Hochzeit 6,10. Berlin. Beiträge der Wahlkreise: 2. KreiS 600,—. 3. kreis 200.—, 4. Kreit (Osten) 1000,—(darunter Silberarbeitcr der Firma Silos- gan 15,—, Ueberschusi einer Kranzspende vom 158. Bezirk 10,—, Andreas B. 50,—). 4. Kreis(Südost) 1000,—(darunter Bierprozente von„Wöllniers" Schristgieherei 50,—, Möller u. Schlei gesch, auf Maskenball.Urania' 4.—), 5. Kreis 300,—, 6. Kreis Rosenthaler Vorstadt und Ecsuitdbmnncii 700,—, 6. KreiS Wedding und Oranienburger Vorstadt 1700,—(darunter gesammelt bei Auszahlung der Dividende bei Gebr. Blz. 41, VO, Bier- Prozente v. Härtung 10,—), 0, Kreis Schönhauser Vorstadt 600,— (darunter alter Parteigenosse Biichholzerstrahe 5,—. A, B, Mister 1,—, Buchdnnkerei Schrinner 8,60, aus der Pappcl-Allee 1,20, 6. Kreis Moabit 300,—. Berlin, diverse Beiträge: Konsiim-Prozente von 7 Mitgliedern von Mix». Genest 6.50. „Else" 20,—. Ansgem. Brenner der A. E.»G., Stckerstraßc. 13,50. Alter Parteigenosse, Schönhanscr Allee, 10,—. Ncinickendorferstrahc 7,—. Cigarrenfabril von R. Schulze. Friedrichsfelderstr. 21, 5,—. Sechs Hutinatber, Königstr. 25, 10,—. Dr. L. A. 50.—. P. S. 50,—. A. B. 50,—. Von Mitgliedern der U.-Dr. 3,70. Roter Bund von C. N. und C., Alcxandrincnstr. 27, 25,—. Gcsninmclt bei einer Geburtstagss. bei Seidel zur Rcichstagswahl 1900 5,20. Gesammelt bei einer Geburtstagsfeier am Ostbahnhof 1.20. M. G. 2,—. Von einem Solinger 1,—. Rote Buchbinder, Grünstrasie, 5,—. L. N. 2,—. Giitenberg 200,—. Breslau, voin socialdcmokratischen Verein 50.—. Bem 60,—. Bamberg, Jäcklcin Rohrbach ö,—. vurgsteinfurt, von Parteigenossen durch W. Feld 20,—. Coburg, durch Eh. B. 2,40. Elberfeld, noch für Löbtau bestimmt gewesen, 3.—. Fallenberg(Oberschlcsien) 2,—. Forst i. L.. von Partei- genossen 200,—. Geringswald, durch den Vertraucnsmami 81,—. Gera(Reich), von den Parteigenossen 100,—. Greiz, Wahlkr. bleich ä. L. 50,—. Gelsenlirchen durch den Vertraiunsmaun 20.—. Glauchau, 17. sächsischen RcichstagS-Wahlkrcis 50,—. Giesien, E. K. 1. Quartal 1900 30.—. Homburg-Usingen, 1. nasiauischer Wahl« kreis 60,—. Hamburg, Cigarrenfabril von Franke. Katharinen- straße 36, 66,—. Hastedt bei Bremen, v. Genossen 10,—. Hamburg, im Monat Febniar in der Expedition des„Echo" eingegangen 91,07. Hannover 1000,—. Hrchfurt a M.. L. Richter 3,—. Kattowitz, H. 2,—. Löwenberg in Schl., durch d. Vertrauensmann 10.—. L.. Dr. K. M. 10,—. Ladenbiirg, v. Vertr. B. G. 40,—. Lüdenscheid, v. social- demokratischen Wahlvereiii 60,—. Leipzig, 12. u. 13. sächsischer Reichs- tags-Wahlkreis 2000,—. Mannheim, von Parteigenossen 100,—. München, Waldläufer(darunter siir Januar 5,—) 10,—. Neviges, von Mitgl. d. Gesangv,„Vorwärts" durch F. H. 3,60. Oblau, rote Kindtanfe. 2,20. Parchwitz i. Schl., Ueberschich der Parteipresse durch P. I. 40,—. Tchöucck i. V.. Parteibeitrag durch M. V. 2,60. Stettin, von den Parteigenossen durch A. K.'l50.—. Sprembcrg, von Parteigenossen(dar. v. Heinrichsfeld 20,—) 60,—. Salzungen, Volksverein 10,—. Thalc, durch Rosenow zurück 6,—. Württemberg 100,—. Würzen, 11. sächsischer Reichstags-Wahlkreis 10,—. X. S. 100,—. X. 0. Z. 1200,—. Zwickau. 18. sächsischer Reichstags- Wahlkreis 200,—. Zeitz, Wahlkreis Zeitz- WeijzcnfclS- Naumburg, durch den Kreis-Vertranensinaini 60,—. In der Quittung in Nr. 31 des„VorivärtS" vom 7. Febr. d. I. muh es unter den Berliner diversen Beiträgen nicht heißen Gesang» verein Liedeslust I, sondern Liedesfreiheit I. Berlin, den v. März 1900. Für den Parteivorstand A. Gerisch, Katzbachstr. 9. Fleischsperre oder Revoltttiou! Die Agrarier läuten die Sturmglocken. Die große Wichtigkeit, die sie ihren Fleischschau-Beschliisscn, als dem Strick für die Handels Verträge, beilegen, dröhnt in den Kundgebungen der agrarischen Presse ohrbetäubend wieder. Wie in den Tagen der Kanalkrisis die Offiziösen den Konservativen die furchtbarsten Drohbomben an die störrischen Köpfe warfen, so überbieten sich jetzt die Konscr- vativen in Ivilden Einschüchterungsreden wider die Regie- rung, die zwar den Agrarier» so weit cntgcgciikommt, wie es nur irgend geht, die aber da? Unmögliche eben doch nicht zu gewähren vennag. Die Regierung kann sich nicht schon jetzt ihre Hände für die HandelsvcrtragS-Verhaiidlungcn knebeln, sie kann nicht durch einen Zollkrieg mit Amerika die Industrie er- zürnen, sie kann nicht den Handel in dem Augenblick ohrfeigen, wo sie zu seinem Schutz in holdseligen Minneliedern sechs Milliarden verlangt. Auch die Virtuosen des Zickzackkurscs können das Kunst- stuck nicht fertig bringen, in dem gleichen Augenblick nach links und rechts zu steuern. Am rasendsten geberdct sich die„ K reuz- Z citu n g', die sonst, von verfettetem Temperament, die Dinge dieser und jener Welt mit Gelassenheit zu erörtern pflegt. Sie hat sich bei ihren alten Jahrgängen ans der Kamarillazeit Friedrich Wilhelms IV. Kraft, Taktik und Stimmung geholt, und verkündet die— Re- v o l u t i o n, für den Fall, daß auch fürdcrhin Pökelfleisch ans Slmcrika eingeführt werden würde. Der Artikel der„Kreuz-Zeitiuig" ist in seiner Art wichtig; denn er beruht offenbar auf psychologischen Berechnungen und auf intimen Erfahrungen, wie bei uns die Re- gierung beeinflußt werden kann. Der Artikel ist, so blödsinnig er ist, geschrieben, um an einflußreichen Stellen gelesen zu werden und zu wirken. Das Blatt erwähnt den Proteststurm der öffentlichen Meinung gegen die Fleischschau-Beschlnsse und fragt dann: „Ob dieser Appell der„öffentlichen Meinung"... sein Ziel erreichen wird? Wir hoffen es nicht, aber iv i r f ii r ch t e n e S. Die Erfahrung seit dem Zurücktritt des Fürsten Bismarck spricht dafür. Ihn hat der Entriistitnasriimmel der „öffentlichen Meinung" selbst zu Zeiten kalt entschlossen gefunden. Ivo er in der Volksvertretung nur ganz kleine Minoritäten für sich hatte. Jetzt beugt die Regierung sich vor ihm, selbst wenn die Mehrheit auf ihrer Seite ist. I Demokratie und Liberalismus begannen dies ihr Spiel 1892 gegen das Volksschulgesetz. Es gelang ihnen. Die Regie- rnng zog es vor dieser angeblichen„öffentlichen Meinung" einer Minderheit im Volk zurück. Slehnlich war die Haltung der Regierung 1897 beim Vereins g e s e tz. Dann kam die Erregung der„öffentlichen Meinung" bei der A r b e i t s w i l l i g e n- V o r l a g e. Diese war entsprungen dem orbi et urbi verkündeten Willen Sr. Wiaj. des Königs dem sich der Bundesrat angeschlossen hatte. Und wieder nahm die Regierung die hohnvolle„Verscharning" der Vorlage mit Gleich- mut hin. ja suchte durch das„bekannte kleine Geschenk" die Opposition bei guter Laune zu erhalten. Nur bei der von der Mehrheit des SlbgcordnetenhanscS abgelehnten Kanalvorlage zeigte die Regierung„Energie". Einige loyale Beamten abzn- setzen, ist auch leichter, als der deinokratisch-libcralen„Meinung zu widerstehen. Jetzt hat das Fleisch schan-Gcsotz die Mehrheit im Reichstag. Wieder sind es Einflüsse von unverantwortlicher Seite, die sich für ihre Sonderinteressen geltend zu machen wissen, wieder wird die„öffentliche Meinung" künstlich bearbeitet— und wieder ist— fo scheint es— die Regierung entschlossen— diesem Appell sich zu fügen!— Wird es denn bei der„lex Heinz e anders sein? Auch hier geht dasselbe Spiel los: Versammlungen mit wild übertreibendeii, phrasenhaften Reden, direkter Appell an die Regierung, ja an Se. Majestät den König I Und wenn in wenigen Jahren die Handelsverträge konnuen? Wie wird es erst dann werden? Die nach so manchen„Siegen selbstbewußter und sicherer gewordene„öffentliche Meinung wird, so fürchten wir, wieder einschüchternd ans die leitenden Kreise einwirken. Wohin soll das schließlich führen? Erinnert dies Treiben nicht lebhaft an die französische Revolution? Auch dort appellierte die Opposition, wenn der König, daS Ministcrinm, die Mehrheit der Kammer sich nicht gefügig genug zeigten, an die gebildeten principiellen Revolutionäre der Klubs, an daS Volk da dranffen, an die Etrastc. Glückte es draußen nickst schnell genug, so drang man in die Rammer und— und' dann ward es erreicht— selbst wenn eS einige Köpfe kostete.— Diseite raoniti— möchte man rufen, wenn man nicht wüßte, daß die Geschichte bei manchen nur dazu da ist, um nichts ans ihr zu lernen. Demi das hat sie unzweifelhaft gelehrt: eine Regierung, der nur das Großkapital imponiert und die keine innere Kraft besitzt, um die öffentliche Meinung zu verachten— ist gleich einem HanS, das ans Sand gebaut, und das jeder korniueude Platzregen und die es stoßenden Winde zum„großen Fall" bringen miisien l" Der selige Ludwig von Gerlach geht wieder in der«Ki'euz Zeitung" um. DaS revolutionäre Gespenst wird ans Draht und Werg fabriziert und in blutrotem Gewände zur Schau gestellt, um zu ängstigen und— gefügig zu machen. Es ist das Gegenstück zur weißen Schloßfrau der Legende. Die„Rreuz-Zeitung" spekuliert zugleich auf ein kaum vorstelle bares Maß von Unkenntnis der geschichtlichen Thatsachen; sie muß glauben, daß die Regierung heute nicht mehr weiß, was sie gestern gewollt und gethan. Prüfen wir einmal die Vorzeichen der Re� volntion, wie sie die„Kreuz-Zcitung" in lodernder Flammen schrift malt. Das Volksschulgesetz ist von der Rcgicning zurückgezogen worden, weil der— K a i s c r es befahl. Das Vereinsgesetz ist von der Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses abgelehnt worden: desgleichen die Zuchthausvorlage von der Mehrheit des Reichstags. Wenn die Regierung, statt einer den „Revolutionären" sehr willkommenen Auflösung, sich bei dem Be schlug dcs Parlaments beruhigte, so befolgte sie damit im voraus die ihr jetzt wiederholt von konservativer Seite gegebene Lehre, sie habe sich dem Gebot der Mehrheit zu fügen. In der Kanal vorläge handelte es sich um eine Vorlage, die„dem orbi et arbi(aller Welt) verkündeten Willen Sr. Majestät dcs Königs" entsprungen war. Es war das Junkertum, das revolutionierte, und es ivar die Regierung, die sich trotz des feierlich erklärten unbeugsamen Willens des Königs, dem Beschluffifder Rebellen unterwarf. In der F l e i s ch s ch a u f r a g e aber hat die„Kreuz-Zeitiing" die Wirklichkeit völlig ans den Kopf gestellt. Wieder ist es daS Jnnkertiim. das die Regierungsvorlage bekämpft, das ans dem ver- ständigen sanitären Schutzgesetz einen Wcchsclbalg agrarischer Uncr- sättlichkcit und klerikalen Willfährigkeit geformt hat. ES sind die Umstürzler, die allein die Regierungsvorlage verteidigen, und es sind die Konservativen, die der Regierung ansinnen, zu Gunsten der „öffentlichen Meinung" dcs Agrariertums zu kapitulieren, ihre eigene Vor- läge im Stich zu lassen und sich der Parlamentshcrrschaft zu unterwerfen. Gleuhermaßen steht es nnt der lex H e i n z e. Wieder sind eS nicht Maßnahmen der Regierung, sondern Beschlüsse der reaktionären Mehrheit, welche dem Bundesrat von den konservativen Thronstiitzen aufgezivungon iverden sollen. Und wenn die„Kreuz-Ztg." endlich dräuend an die Handelsverträge erinnert, so sei ins Gedächtnis zurückgerufen, daß es wiederum die Slgrarier ivaren, die gegen die feierlich beschlossenen Verträge die„öffentliche Meinnng" aufregten, die in den Ekstasen leidenschaftlicher Agitation die Massen dazu aiif- forderten, mit dem Schwert in der Hand, wenn es sein müßte, die Verträge anfzulöse», die der Kaiser als„rettende Thnt" bezeichnete. Dergestalt also haben sich in Wirklichkeit die Dinge feit Bismarcks Sturz entwickelt. Nicht die öffentliche Meinung hat Erfolge gegen die Regierung erstritten, sondern das Agrgriertum hat die Slutorität der Regierung mit wachsender Energie und mit großem Erfolg unter- wühlt. Das Junkertum und seine Gefolgschaft rebellierte gegen Kaiser und Regierung, die Konservativen organisierten die„öffent- liche Meinung" der Landbevölkerung gegen die herrschende Politik. Und weil ihnen diese Revolutionsverfuche nicht glückten, darum denunziert man jetzt die andern des Umsturzes, die doch zumeist die Pläne der Regierung förderten. l Expedition: SW. 19, Ventlz-Skrasze 3. Ließe sich die Regierung gerade in der Flcischschanfrage von der Warnung der„Kreuz-Zeitnng" vor der Unterwerfung unter das Votum der„öffentlichen Meinung" beeinflussen, so müßte sie zu ihrer Vorlage stehen und alle Konzessionen an die Rcichstagsmchrheit ablehnen. Indem die„Krenz-Zeitung" die Regierung anklagt, daß sie sich dem Lärm der Straße unterwerfe, stellt sie an sie die Forderung, sich„der Straße" preiszugeben. Die Proklamiernng der absoluten Parlaments- Herrschaft ist für das konservative Organ jetzt eine Autoritätöstärkiing der— Regierung. Aber wozu spielt die„Kreuz- Zeitung" diese Narrcnkomödie der verkehrten Welt? Steht es wirklich so schlimm in den leitenden Kreisen, daß sie sich mit solchen Wahrheit und Vernunft verhöhnenden Gaukeleien eine Wirkung versprechen darf? ES würde vieles in unsren Zuständen verständlich werde», wenn der Artikel der„Kreuz-Zcitnng" als eine kluge Spekulation nicht als ein aufgeregter Unsinn aufzufassen sein sollte.— Aus England. London, den 8. März. Die britischen Steuerzahler sollen nunmehr die Kostenrcchunng für den südafrikanischen Krieg vorgesetzt bekonimen, von den Kosten an Leben und Gesundheit, die der Krieg verursacht hat, ganz ab- gesehen. Einen Fehlbetrag von rund 1200 Millionen Mark gilt es zu decken, und„zahlt, zahlt, zahlt!" wie es im Liebe Rudyard Kiplings ßit Gunsten der Familien der nach Afrika gesandten Soldaten heißt, ist jetzt die Devise. Die schon gemeldeten Vorschläge dcs Schatzkanzlers HickS-Beach über die Deckmig dcs Fehlbetrags werden von der bürgerliche» Presse im ganzen günstig beurteilt. Selbst die Linksrad ikalen finden verhältnismäßig wenig an ihnen auszusetzen. Rnnd eine Viertel Milliarde ivird durch erhöhte Steuern gedeckt tverden. gegen hundert Millionen Mark durch Unterbrechung der Einzahlungen in den Tilgungsfonds, und der Rest, etiva 860 Millionen Mark, soll durch eine binnen zehn Jahren rückzahlbare Slnleihe aufgebracht werden. Wie unverhohlen eingestanden wurde, hofft um» allgemein, daß dieser letztgenannte Betrag ganz oder zum großen Teil der Traitsvaal-Repiiblik als Kriegsentschädigung wird auferlegt werden können. Das heißt mit andren Worten, daß die Goldmincn ihn zu bezahlen haben werden. Denn andre Mittel als die ans dem Miuendistrikt herauszuschlagenden komme« in Transvaal nicht in Betracht. Die in England aufzubringenden Beträge werden zu gleichen Teilen zwischen indirekten und direkten Stenern verteilt. Die letzteren werden von 3'/z Proz., der jetzigen Höhe, auf 5 Proz.. d. h. um die Hälfte, erhöht. Tabak und Branntwein sollen je 20, Bier und Thee je 36 Millionen Mark mehr als bisher aufbringen. Wie immer bei derartigen Stencrvorfchlägen, ward sofort per Resolution im Princip Über sie abgestimmt, um zu verhindern, daß die Interessenten größere Massen der betreffenden Slrtikel zu den alten Sätzen einführen. Aber die Slhnung der Dinge, die da kommen sollten, hatte in den letzten Tagen ivahre Stürme auf die Zollämter zur Folge gehabt. Wer irgend konnte, suchte von den unter Zoll« Verschluß lagernden Slrtikelu zur alten Steuer heraus zu bekommen, was nur niöglich. Das Londoner Zollamt war am letzten Montag gepackt voll, und es ivar eine Scene von seltsamer Ironie, ivie dieselben Kaufleute, die gekommen ivaren, dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen, sich die in drangvoll fürchterlicher Enge zugebrachte Zeit mit dem Absingen patriotischer Lieder verkürzten und den Finanz- minister anhochten, als dieser dem Zollamt einen Besuch abstattete. Ja, als die Zollbeamten am Nachmittag Schluß ninchten und erklärten, kein Geld nirhr anznnehmen, ertönte nach einigen Protesten das Kock save tbe Queen. Nicht weniger als zehn Millionen Mark wurden am Montag am Zollamt in London eingezahlt, nachdem schon am Soimabcnd gegen 6 Millionen eingezahlt worden ivaren. Aehnlich in Liverpool, GlaSgotv, Hnll jc. Der moderne Patriotismus verträgt sich vor- trefflich mit Stcnerningehnng. Beiläufig haben einige schutzzöllncrisch gesinnte Blätter auch für eine mäßige Ei n fn h rst e n e r auf Getreide Siimmung zu machest gesucht, aber daran wagt sich selbst ein so eingefleischter Tory wie der derzeitige Schatzkanzler nicht heran.— Nun sich auf dem Kriegsschauplatz die Dinge erheblich zn Gunsten Englands getvendet, erheben Blätter itiie die„Times", „Daily Mail" zc. iutnier lauter ihre Stimme für die Annexion der beiden Boeren-Republiken. Nur die Annexion bczw."die Einverleibung in den britischen Ncichsvcrband könne den Frieden in Südaftrika verbürgen. Um so auffallender ist es. daß Mr. Hawksley, der vielgeuannte Änivalt der Südafrika-Gesellschaft, vorgestern im Londoner Eighty-Klub sich sehr entschieden gegen jede Annexion ans- sprach und im Gegenteil die völlige Unabhängigkeit der Bocren- staatcn als die einzige Lösung dcs südafrikanischen Problems be- zeichnete. Mr. Hawksley. der liberaler Parteimann ist, mag damit nur seine persönliche Meinung ausgesprochen haben, indessen ist es doch merkivürdig genug, daß der Vertrauensmann des Rhodes es plötzlich für angebracht hält, öffentlich gegen die Annexion Front zu machen. Das Londoner Hauptorgan der Bocren- freunde, der radikale„Morning Loaders", meint in seiner Freude Über die Lledc Hawkslchs, RhodeS sei möglicher- weise als weitblickender Geschäftsmann zur Einsicht gekommen, daß es für seine Unternehmungen einträglicher sei, wenn die Boeren in irgend einer Weise zufriedengestellt, als wenn sie durch Annexion zu unablässiger Rebellion angestachelt würden. Die Folgerung ist envas kühn, aber wenn man sich erinnert, daß Rhodes' schon einmal mit den Separatisten in Südafrika gegen die NeichSregierinig koaliert war, und daß die wasch« echten Rhodesiancr dem Minister Ehamberlain wegen der von diesem erzwungenen Umformung der Südafrika-Gesellschaft seit langem zürnen, darf man von dieser Seite auf alles mögliche gefaßt sein. Die Spekulanten um RhodeS haben es zwar ganz gern gesehen, daß die NeichSregierinig. als die Sachen bedenk- tich lagen, für sie ins Zeug ging, von ihrer Kontrolle wolle» sie aber ntckitS wissen. So lange es sich auf dem Kriegssckta»platz um Sein oder Nichtsein bandelte, hielten sie klülich den Mund inid überließen daS Poltern den Stead und Konsorten. Je mehr aber die Rcichstrnppen vordringen, um so stärker differenzieren sich diese. Gruppen von den eigentlichen Neichspolitikcnr Es Tajicn sich in der Presse, die dem Fernstehenden als eine jingoistische Masse erscheint, sehr verschiedene V-trönningen»nterscheiden.' Man muß sich auch des- halb hüten, Aeilsjerimge»'von dieser Seite als Rcgiermigsäutzeningen aufzufassen. Bestenfalls koninicn in dein einen oder andern Blatt einmal die Ansichten eines bestimmten Ministers zum Ausdruck, lvie etwa im„Standard" gelegentlich die Lord Salisbnrhs oder in der «Birmingham Daily Post"' die Chamberlains". Das; das Ministerium noch zu keinem bestimmten Beschlnsi über die Losung im Transvaal gekommen ist, geht ans einem verzweifelten Artikel hervor, den das konservative Jingo-Abcudblntt„Globe" heute aus Anlas; des Auf- stands derKapboerc» bringt. Es beschwört das Ministerium, endlich mit der Sprache herauszurücken und offen zu erklären, das; es zur Annexion entschlossen sei. DaS werde die Gegner entmutigen und die Freunde anfeuern. DaS unheimliche Schweigen aber ver- leite die Welt zu dem Glauben, dah die Minister vor dieser einzigen Lösung zurückschreckten und irgend eine schwächliche Alternative planten. Und das Blatt droht, daß. falls das Ministerium solchen schmählichen Perrat begeht, der den Anfang vom Ende des Reichs bedeute, das Land es ihm bitter heimzahlen werde. Man kann ans dieser gereizten Drohung schlieffen, daff hinter den Coulisseu irgend ein Koinproiniff im Werke ist. Vielleicht hat die heute erfolgte Uebersiedelung der Königin nach London damit etwas zu thnn. Die Verfügung der Königin, daff die irischen Soldaten zur Er- innerung an die Tapferkeit ihrer Landsleute im afrikanischen Fcldzug jährlich am St. Patrikstag de» irischen Shamrock lStcinklec) als Ab- zeichen tragen sollen, ist ein bemerkenswertes Zeichen der Zeit und ein außerordentlich kluges Stück Zugeständnis an das nationale Empfinden der Jrlmider, das übrigens längstkschon nur bei einer kleinen extremen Gruppe zugleich antidhnastisch war. Die von Parnell gegründete Hoinerulc-Partci bekannte sich stets als dynastisch. Das Shamrock-Abzcichcn ivar einst das Zeichcil der Rebellion, und konnte seinem Träger das Leben kosten— ,TI>ey' are hgilging men and Women for the wearing of the Green" >» in e r gab eS anläßlich der Erledigung einiger Kapitel des Kultus- Etats eine lange Debatte über die Frage der Stellung der S o e i a l d e m o k r a t-i e zur Religion. Den Anlaß dazu gab die Forderiing des konservativen Justizrats und Rittergutsbesitzers Opitz, aus Wertschätzung der Kirche für de» christlich-monarchischen Staat eine— Erhöhung der Tage- gelber sür die Mitglieder der L a u d c s s y n o d e in den Etat anfzunehme». Herr Opitz ist selbst noch Mitglied der Lande?- synode! Dieselben sollen, weil diese Körperschaft nach den Bc- hauptmigcn des nationalliberalen Abg. Niethammer gleichen Wert für den Staat haben, wie der Landlag, deshalb bezüglich der Diäten mit diesem gleichgestellt werden. Abg. Fraß- d o r'f verwahrte sich gegen diesen Vergleich, dabei den programma- tischen Standpuiilr der Socialdemokratie zur Kirche und die konse- quellte Ablehmmg tirchlicher Forderungen begründend. Diese rein sachlicheil Ausführungen hatte» nun»och.' ein paar Religionsredeu des StaatSretters Opitz gegen die Socialdemokratie locker gemacht. Diese hatte ihren Programmpunkt in der Praxis nicht aufrecht und trete speriell der christlichen Kirche dirett hinderlich gegenüber. De» Beivcis für seine Behauptung ivill der Herr in den Aeußerungen cinzeluer Personen, in der socialdemokratischcn Presse, speciell in der b e'l l e t r i st i s ch c ii Beilage des„Vorwärts" gefunden haben. Genossen F r ä ß d o r f war cS ein leichtes, alle diese alteu Ladenhüter in das rechte Licht zu stellen. Die vier socialdemokrati- scheu Abgeordneten stiinniten natürlich gegen die kirchlichen Forde- rungeil, Ter nnveralttwortliche Offiziosus. Ans S t r a ß b u r g i. E. wird uns geschrieben: Durch die Privatbeleidigimgsklage. welche der elsässisch- klerikale Reichstags- Abgeordnete Abbe Wetterls gegen die amtliche S r r a ß b u r g'c r Korrespondenz" anzustrengen beabsichtigte, ist man insofern auf eine preßgesetzliche Absonderlichkeit aufmerksam gcivordcu. als sich herausstellte, daß das offizielle Organ der Puttkamcrsche» Diktaturregierung seit einiger Zeit nicht mehr verantwortlich g e zeich n e t ist, wie das früher der Fall war. Diese Veränderimg scheint veranlaßt worden zu sein durch den K 13 nnsreß seit Ende. 1808 auch für Elsaß-Lorhringeii geltenden Rcichs-Preß- gesetzes, der bestimmt, daß die im§ 7 vorgeschriebene Angabe eines ver- äntwortlichen Redaetenrs keine Anweudüita finde auf periodische Druckschniteii. die von einer staatlichen Behörde ausgehen, soweit sich der Inhalt dieser Druckschriften„ans amtliche Mitteilungen be- schränkt". Nun hat sich aber die den Gegenstand der Wetterlsschen Privatilage bildende AnSlassting der„Sttaßburger Korrespondenz" nicht etiva mit der amtliche» RichrigsteNung materieller Unrichtig- feiten in der ReichsiagSrede des Abgeordneten von RappolS- weiter begnügt, daran' vielmehr in rein subjektiver und durch- anS liiisachlichcr Weife den Vorwurf- des„Versucht einer Irreführung des Reichstags geknüpft, durch den sich der Abgeordnete Wetterls beleidigt sühlen mußte. Der Charakter einer„amtlichen Mitteilung" kann einer derartigen Aenße- rung gewiß auch dann nicht zngosprocheu werden, wenn sie von einer staatlichen Behörde ausgebt.. Die„Straßbiirger Korrespondenz" hat vielmehr das den Druckschriften amtlichen Charakters zustehende prcßgcsetzlicke Privilegium zur persönlichen Beleidigung eines imbequenleii politischen Gegners mißbraucht, von dem sie wiisen mußte, daß es ihm»Itter den gegebenen Umstäliden unmöglich sei» iverde, den Beleidiger zur gerichtlichen Verantivortnng zu ziehen. Der Abg. Wetterls siebt sich jetzt gezwungen, gegen die- jcnigen Zeitinigen Klage zu erheben, welche die beleidigende Er- klärnntj des amtlichen Otgäns abgedruckt und zilstiinmend kommentiert haben. Aus Bayern wird unS geschrieben: In Fürth wurde Genosse Zick in den Landrat geivähll. Der Landrat ist eine Körperschaft, welche das Budget für die eiitzeliien Kreise festzustellen bat. Die Vertretung der Städte wird von den zu einem Wahl- iörper vereinigten Stadtverordneten und Magistralen gewählt.— Gegen die Flottenvorlagc wird scitcn-s der bayerischen Genossen energisch Front gemacht. I» Oberbayern u n d Schwaben fanden am Sonntag, den 4. März, sieben sehr stark besuchte Ver- sannnluiigen statt; für Sonntag, den 11. März, sind sechs Versammlungen ciuberufeii. In allen Versammlungen wurden Protest- rcsolusionen angenommen.— Zur Bcrhiitttng von Hochwassergefahr in der Provinz Schlesien ist dem Landtage ein Gesetzentwurs zugegangen, aus de», wir das wichtigste hier mitteilen. §1. Die Lausitzer Neisse, der Bober, die Katzbach, die Weistritz, die Glatzer Neiße und die Hotzenplotz sind, so weit sie zur Provinz Schlesien gehören und nicht schiffbar sind, mit denjenigen Zuflüsse», welche in dem Plan für den erstmaligen Ausbau Berücksichtigung siudcii, zur Verhütiiug von Hochwassergefahreir nach den Vorschriften dieses Gesetzes auszubauen und zu unterhalten. ß S.WsUnter Ausbau sind vorzugsweise zu verstehen Maßnahmen zur ordilUligSmäßigen Herstellung des Bettes und der llfer des Wajscrlauss. soweit sie zur regelmäßigen Hochivasserabfiihrmig sowie zur Verhinderung der Gcichiebcbildung erforderlich sind, sowie zur notwendigen Freilassung des für den regelmäßigen Hochwasserabfluß wesentlichen Gebiets(des Hochwasserabflnß-Gebicts). imd geeigneten Falls die Errichtung von Anlagen zur Zilrückhaltung des Wassers. § 28. Zu den Kosten des erstmaligen Ausbaues trägt der Staat vier Fünftel bis.zu», Höchstbettoge von 31312 000 M.. der Provinzialverband ein Fünftel bis zum Höchstbettoge von 7 823000 M. bei. Ter Gesetzeiitwnrs trifft dann noch Bestimmung über die Heranziehung der Jnteresseitten zu den Kosten und regelt im übrigen nur die Befugnisse der Behörden bei den auszuführenden Arbeiten:c. Was geschehen soll und wie und wann es geschehen soll, davon ist weiter keine Rede. Mit der Annahme dieses Gesetze? ist also in Wirklichkeit zur Verhütung der Hochwasiergefahr noch gar nichts gethan. Es ist vorläufig nichts wie ein Stück Papier, deren es n» der preußischen Gesetzsammlung schön viele giebt. ohne daß pe jemals lebendige Bedeutung erlangt hätten.— Privat-Vcrsichcrungö-Gesetz. Die„Norddenffche Allgemeine Zeitung" erfährt, daß dem BimdeSrate ein Gesetzentwurf nebst Begründung, betreffend die privaten Versicherungsllntcrnehmungcn zuging.—' Ludolf Parisms, der freisinnige Politiker, ist gcstorbcir Er nt 1S27 geboren, schlug die juristische Laufbab» ein und wurde l8Z8 «reisrichter. Ter Fortschrittspartei schloß er sich sofort bei ihrer Be- g'riinduug an. In der Konfliktszeit wurde er wegen seiner politischen Lbätigkeit— er war damals Abgeordneter— gcmaßrcgclr. ]867 bis 1608 vertrat er den ersten Berliner LandtagSlvahl- kreis, von 1875 bis 1378 und 1881/87 gehörte er auch dem Reichstag an, Seine Arbeitskraft war vorwiegend dem Genossenschaftswesen gewidmet. Auch als' Schriftsteller war er vielfach und vielseitig thätig.— Für Ltnutcu-Lertcl. Man schreibt uns: Erlauben Sie mir lebhafte», ja erregten Protest zu erheben gegen einen weitverbreitete» Wahn, zu dessen Anwalt sich -tr. Lcrtel im Reichstag aufgeworfen hat, ohne Widerspruch zn nudcn, gegen die Meinung, daß das moderne Strafmittel, die Freiheitsstrafe, nicht als ein schweres Ucb cl c m p s» n d c n w e r d c. Es gicbt unter allen umlaufen- den Meinungen kaum eine� die vom Standpunkte des U n t errichteten ans abscheulicher erscheint, als jene land- lausige Thorheit. Dr.�-Derlei hat sich dreist auf die Praktiker ies Strafvollzugs berufen— nun der Geheimrat Rrohue, der a.eccrueut im Ministeriuin, ist gegen die Priigelstrase: und in der Hauptsache sind die Praktiker seit Jahrzehnten einig,— es ruft bei ihnen n u r ein Lach c l n h e r v o r, wenn sie hören oder lesen, iag das Zuchthaus, die Strafanstalt die Leute anlocke. Aus- nah ins los wird eine längere Freiheitsstrafe als ein schweres, ja als das schwer st e licbel cinpfnnden, weit mehr als irgend eine Körperstrafe. Wenn cinciu Rcnommierbengel der Trieb an- kommt, seinem Richter' nach der Verhandlung höhnisch für die Ver- lorguiig zu danken, so vergeht ihm das bald, wenn er Jahr und Tag der Pein der Freiheitsstrafe unterlegen hat. Die P r ü g c l st r a f e aber erlra g en und überstehen derartige Naturen manchmal mit ungebeugtem Trotz: wenn ihr Gcsäst zerdroschen ist zn einer blutigen Masse, dann flammt ihr Trotz auf. so das; vor einigen Jahren ein Geprügelter in einer preußischen Strafansialt den dirigierenden Inspektor fragte: Tb Sie das wohl so gut aushicltcn wie ich i Es liegt also in Wahrheit genau umgekehrt: Die Prügel- jtrase ivirkt n i ch l abschreckend und furchtbar, ober eine Nirchtbare, entsetzliche, langsame Mühle der Qual ist die lange Frei- heitSstrafe. Wenn' ste die Vcrbrrchcii nicht unterdrückt, so liegt da? nur darau,� daß alle Abschreckung, auch Galgen, Prügel und Hungerzu«chanden geworden findfansden socialen und p e r s ö n- lichcn llrsachen. aus denen das Verbrechen immer neu entsteht. Leute wie Dr. Oertel. wissen von der Wahrheit dieser Dinge n i ch t s? sie sind die Wortführer eines landläustgen Wahns, den sie imiiier neu behaupten, der aber verächtlich wird, weim er sich die »iiclie giebt, auf guter KciminiS der Dinge zu beruhen. Geradezu empörend aber ist, ivaS Dr. Oertel über die Kost in den Gefnnguisseii sagte. Eine„Mittelk oft sei Fleisch, Gemüse u n d Kompott". Wer mit solchen Behauptungen hauiiert. deni gehört eine scharfe Zurückweisung. Die „ M r t t e l k o st", von der Dr. Oertel spricht, ist eine äustcrst scltcu dcwllligtc Kost für schwer kranke Gefangene l Will Dr. Oertel oicicn etwa auch die.Medizin wegnehiiicu/ Wie die gewöhnliche Gefangniskosi beschaffen ist, das kann Dr. Oertel j.i aus dem offiziellen Etat sehen: s i e kostet für jeden Gefangenen ni den Strafanstalten Preußens pro Tag: 31,2 Pfennige. wozu noch aus dem Arbeitsvcrdiciistantcil des Gefangenen im Durch- sckiiiitt 1,83 Pf. koinmcii, Sie enthält mir annähernd diejenigen Nährwerte, die für ciiicii erwachsenen, nicht s ch w e r orbcitcndcu Menschen als erforderlich wissenschaftlich festgestellt sind. Früher hatten die Prügelfanatiker doch weiiigstenS den Grund einer„ungehenerlichcn Zunahme der Verbrechen". Den köimeii »e heute nicht anführen, denn nach der Statistik der Strafanstalten ist die Verhältnisziffer der ZiichthanSbestrafungeil seit 1881,82 von 6,01 auf 10 000 ZnchthauSiniiiidige Personen zurückgegangen au 8.08 uu Jahre 1897/98, also beinahe ans die Hälfte. Diese Ziffer konnte Leuten wie Dr. Oertel einige Bclchrnng über die Quellen des Verbrechertums gebe», w c n n die Herren überhaupt zu belehren ivären.— Eine fromme Demmciation. Wie eS unter der Herrschaft der lex Hcinzc kommen wird, zeigt bereits eine Kritik des„Rcichsbotcn". Im„Berliner Theater" wurde ei» Schauspiel von Georg Rcicke,„Freilicht", aufgeführt, über die daS Pastorenblatt schreibt: „Das Reickesche Schauspiel atmet somit ganz den Geist von Ibsens„Nora" und SndermannS„Heimat": es ist ein Tendeiiz- drama voller Anklage» gegen die bestehende Gcscllschafts- Ordnung, in der»ach Ansicht dcS Verfassers das Weib mir in Salon, ftiiche und Kinderstube einen Platz hat, und in der eS elend verkümmern muß, weil es die Sklavin des Mannes ist. und weil ihm jede freie Entwicklung der Persönlichkeit, jedes individuelle Ausleben nnmöglich gemacht wird. Und wer ist der socialkrjtische Ankläger, Georg Rcicke, der sich zinn Verteidiger des Nictzschcschen JndividnaliSiiulS aufwirft n»d durch fein dramatisches Zerrbild der Socialdcmokratie die Wege ebuet? Herr vr, jur. Rcicke, der Verfasser des Schauspiels ..Freilicht", ist Köusistoriälrat und Justitiar am königlichen Konsistorium der Provinz Brandenburg k Ein Mitglied der Kirchenbehörde kämpft somit Schulter an Schulter neben Nietzsche, Ibsen inid Sndcrmaiin, und stellt Menschen aus die Bühne, die weder Gott, noch Pflichten gegen die göttliche W e l t o r d ii n» g ke n n e n: Menschen, deren oberster Grundsatz das schronkculostcte Ausleben, der Persönlichkeit ist, und die dem eignen Ich zu Liebe alles niedertreten, was der Religion und Sitte heilig ist!" Jetzt ruft der saubre Patron nur nach Maßregelung des Dichters, künftig wird er auch den Staatsanwalt citierrn. Nach Arons Rcicke— das ist die notwendige Folgerichtigkeit eines gcsimiimgskncchlciideii Systems!— Ausland. Ende der östreichischen Reichsrats-Tession. Man schreibt uns aus Wien unterm 9. März: Die mit so viel Hoffnungen begrüßte Neichsrats-Tagung nähert sich ihrem Ende, und ihr ganzes Ergebnis wird die Bewilligung jener Vorlage sein, wodurch die Regierung ermächtigt wird, das Rekrutenkontingcnt für das Jahr 1900 auszuheben. Die Frucht all der Mühen ist also diese eine recht fragwürdige Staatsnotwcndigkeit. Sie wird zu stände kommen, denn die Jnngczechen, die seit dem Zusammentritt des Rcichsrats mit dem Obstruktionsfeucr spielen, haben gestern ausdrücklich beschlossen, der Vorlage— ihre Beratung im Plenum beginnt Montag— keine Obstruktion entgegen- zusetzen. Ter Beschluß, halb Vernunft, halb Feigheit, ist unzweifelhaft der Furcht entsprungen, sich's mit der Obstruktion gegen eine Militärvorlage beim Kaiser ganz zu verschütten. Daß diese Vorlage durchgeht, ändert allerdings nichts an der Thatsache. daß das Parlament krank ist, unlcbenssähig und unmöglich. ES betrübt also auch keinen, wenn das Parla- mcnt, da es seine Schuldigkeit gethan haben wird, prompt verabschiedet werden wird.?lll die dekorativen Gesetzentwürfe: die große Jnvcstitutionsanleihe für neue Eisenbahnen. das Jndustriesörderungs-Gssetz, ebenso die alten Sünden: Ausgleich, Ouotc und Budget— all das bleibt unerledigt; es will niemand davon wissen, weil jederman suhlt, daß er damit ins Ungewisse greift. Nächste Woche soll nur noch der Bericht des socialpolitischen Ausschusses über die ihm zu- gewiesenen Anträge wegen des Streiks der Berg- a r b c i t e r erledigt werden. Tie Wahrscheinlichkeit, daß der Ausschuß fertig werden, das heißt, einen Entwurf der Achtstundenschicht einbringen wird, ist freilich gering. In der Enquete hat der Ausschuß die Mög- lichkcit gefunden, die Sache zu verschleppen, und wenn es auch sicher ist, daß die Regierung eine Vorlage über die Arbeitszeit machen will, so ist es leider ebenso sicher, daß sie erst den Streik beendet sehen will, bevor sie sich zu einem gesetzgeberischen Akt entschließt. So wird die ganze Session mit einer Enttäuschung enden; es ist ein wertloser und un- fruchtbarer Parlamentarismus, der die Kosten nicht wert ist, die er verursacht.—_ Arbeiter-Kundgebung i» Wien. Wie alljährlich feierte die jvcialdcinokratische Arbeiterschaft am letzten Sonntag bereits den 13. März durch einen Massen- auszng auf den Ccntralkirchhv f. zum Obelisk am Grabe der Märzgefallene». Bei dem herrlichen Frühlingswetter war die Beteiligung Massen- hafter als seit Jahren. Die Polizei selbst schätzte die Zahl der Arbeiter ans iiiindestcns 8 5 000, welche aber die strengste Ordnung hielten. Zwei Stunden laug dauerte der Einzug in den Friedhos, der vom Stadt- Centrum eine Meile ciitfernt liegt. Bemerkenslvert war, daß Arbeiter aller östreichischen Nationalitäten beteiligt waren. Am Grabe sprach der socialdcmolratischc RcichSratS-Abgeordncte Ellenbogen deutsch. Dworzak czcchisch, Kozakicwicz polnisch, Jachi- movicz ruthenisch. Alle Redner crllärtcn die Volksrechtc, für welche die Märzopser vor 52 Jahren gefallen sind, heute für mehr bedroht als je. Auch der Rückzug in die Stadt vollzog sich in vollster Ordnung. Hier hatte ein starkes Polizeiaufgebot alle Zugänge zur Ringstraße, Burg und zum Parlament und Rathaus besetzt! Berittene Wach- lcutc drängten überall die Arbeiter'zurück, doch erfolgte kein Zn- sammenstoß. Nur in der Mariahilfcrstraße kam die Erbitterung der Arbeiterschaft gegen Luegcr in stürmischen Rufen:„Pfui Lncgcr!" „Nieder mir dem Räuber des Wahlrechts!" zum Ausbruch. Ocstreich-Nngarir, Wahlen in Galizic». Man schreibt vnZ aus Wien, 9. März: Wie rapid es mit der Macht des Schlachzizeiitiims in dem klassischen Lande der Schlacht», in G a l i z i c n. abwärts geht, zeigen zwei Ergänzungswahlc» zum galizischcn Landtag, die Donnerstag statt- fanden. In dem Laiidgcmcindcii-Wahlbczi'rkc Bochnia wurde gegen den offiziellen Kandidaten des PolentumS der bekannte Pater StojolowSki gewählt: zwar ein sehr amüchiger Geselle, aber den Feudalen ob seiner Popularität beim Banernvolkc sehr vcrbaßt. Nocki ausfälliger als diese Wahl ist das Resultat der Wahl im Stadtbezirk Lemberg. Das Mandat hatte bis zu seinem Tod der alte Smolka iniie. Diesmal bewarben sich darmii der Minister P i e n t a k und RcichSrats-Abgcordiictcn D a S z y n S k i, der als Kandidat aller un- abhängigen und freisinnigen Elemente auftrat. Minister Pieutak wurde zwar mit 2943 Stimmen gewählt, aber die Stimmenzahl, die Genosse Daszynski auf sich vercinigie. übertraf alle Hossiiimgcn. Er erhielt in diesem privilegierten Wählkörper, in dem das Wahlrecht bei einem StenercensuS von 5 Gulden beginnt, nicht weniger als 1928 Stimmen. Bcdcnlt man. daß die Wahl m ü n d I i ch geschieht und die behördlichen Organe dabcr alle halbwegs abhängigen Elemente kontrollieren toiiiitcn, und- erivägt mau noch den nn- geheureu TerroriSmuS, der von feiten der Regierung aufgeboten ivurde, so wird man die Stimmenzahl als einen Beweis für den großen Fortschritt erkennen, den die Socialdcmokratic in diesem östlichsten Lande der Monarchie macht. Dänemark. Strasmündigkeit der Kinder. Kopenhagen, 8. März. tEig. Bericht.) Da§ dänische Strafgesetz steht in- dieser Beziehung gegen die aller Kicktiirlnndcr zurück. DaS kr i in i n e l l e A lt e r b e g i n n t in Dänemark mit dem zehnten Jahr, so daß ein Kind von 10 Jahren, das sich gegen einen Paragraphen des Straf- gesetzbuchs vergangen Hai, in Untersuchungshaft genommen und zur Prügelstrafe verurteilt werden kann. Nun ist dem Folkething ein Gesetzantrag ziigegaiigen, der die Kriminalität aus fünf- zehn Jahre erhöht und die Prügel st rase abschafft. Nach der ersten Beratung im Folkething ivurde er an einen Ans- schliß verwiesen, der in»! seinen Bericht erstattet hat, der die Prügelstrafe abschaffen will, aber das Alter der Strasmündigkeit ans 14 statt ans 15 Jahre herabsetzt, weil Norwegen diese Alters- grenze habe und bei der ersten Beratung der Jnstizmiiiister gegen die Grenze von 15 Jahren Vedcnkeii erhob. Immerhin ist die Ab- schaffimg der Prügelstrafe und die Hiliaussetzung des Alters aus 14 Jahre ein Fortschritt, dem schließlich der ganze Folkething zu- stimmen wird. Aber ob nicht der Landcöthing' auch dieses Reform- gcsctz hiiiderii wird?— Frankreich. Der Einkommenstcucr- Plan des Finanzminifters Eaillaux sieht eine Bcsteuerimg der Eiiikomiiieu aller Arten, welche von beweglichem und unbeweglichem Besitz, von Handel, von Industrie, von freien Beriifen. von öffentlichen Ausstellungen usw. herrühren, vo- Der Steuersatz wird auf 4 Proz. festgesetzt werden, aber ein Teil der Einkoinmcii wird steuerfrei bleiben. So wird in Paris z. B. ein«tcnerpflichtigcr nichts für die ersten 2500 Fr. Ein- kommen zn zahlen haben. Diejenigen Ausländer, welche noch kein volles Jahr in Frankreich wohnen und ihre Einkommen von außerhalb her beziehen, sollen der Steuer nicht unterworfen sein. Hingegen sollen Ausländer zur Zahlung verpflichtet werden, wenn ihre Ein- iiahmeqnellcn in Frankreich siiid, auch wenn sie selbst im Auslände verweilen. Zur Feststellung dcS Gesaminteinkommens wird man sich hauptsächlich des Mietszinses als Maßstab bedienen und das Einkommen wird auf den fünffachen oder sechsfachen Betrag des Mietszinses berechnet werden. Affäre Philipp. Der frühere Beamte im Marineministcrilini. Philipp, wird nicht wegen Spionage, sondern nur wegen D i e b- itahls mit Betrug verfolgt werden.— Rußland. Fortwährende Ehikanicruugen in Finnland. Die Schul- Oberleitung hatte am R u n e b e r g- T a g e. der in ganz Finnland festlich begangen wurde, den Schulen freigegeben. Gouverneur Bobrikow fragt die Schnlbehördc an, warum sie das gethan. Die- 'elbe antwortet, daß sie gesetzliches Recht habe, jeden Monat einen Tag den Kindern frei zu geben, und diesmal natürlich den Riincbcrg- Tag gewählt habe. Da die Zeitungen nicht einmal melden dürfen, wenn sie durch Ceiislirhiiidcrnissc nicht erscheinen dürfen, hatten sie versteckte Notizen darüber gebracht. Diese sind ihnen nun auch verboten worden. Ferner wird jetzt von der Regierung ein Verbot gegen AnS- Wanderung geplant, weil dieselbe von Monat zu Monat zunimmt und das Land stark entvölkert wird; die Auswanderung bietet aber ichlicßlich die einzige Möglichkeit für die Bevölkerung, sich vor der Russiffzierung und der russischen Gewaltherrschaft zu retten.— Amerika. Monarchisten in Brasilien. Schon seit Monaten soll sich unter dem Einfluß der Mißwirtschaft in Brasilien eine auf Wieder- Herstellung der Monarchie gerichtete Bewegung bemerkbar machen, so daß Kenner der brasiliaiiischcn Vcrhältniffc der weiteren Eni- Wicklung der Dinge nicht ohne Besorgnis entgegensahen. Nniimehr erfährt man, daß die Bewegung sich bereits zu einer Verschwörung verdichtet hatte, die allerdings noch rechtzeitig entdeckt wurde und im Keime erstickt werden konnte. Es wird darüber gemeldet; Rio de Janeiro, 10. März. Die brisilianische Regierung hatte seit einem Monat in Erfahrimg gebracht, daß sich einige Miß- vergnügte zn einer Verschwörung gegen die Republik vereinigt häitcu, und entschloß sich zum Handeln, als sie. die Mitteilung erhielt, daß Geld, das von Monarchisten stammte, an einige Polizei-Agenten und verschiedene andre Personen verteilt worden sei. Einer der Verschworenen sollte sich des Präsidenten Campos Salles in Pctropolis bemächtigen. Im Falle des Gelingens dieses Anschlags sollte eine provisorische Negieriing vc»i� sechs Mitgliedern eingerichtet werden. Der größere Teil der Verschwörer ist bloßgestellt.—_ Z�avkvi-AÄrhvichken. Genosse Buch und das Miithauscr Neichstagöinandal. Reichsländische und altdeutsche bürgerliche Blätter— unter andren auch die„Fraiilfiirtcr Zeitung"—- brachten in den letzten Tagen Meldungen über die Maudatsiiicdcrlcgmig iinsres Parleigcnosscn Fernand Bueb, Vertreters des zweiten clsaß-lotbriugischcii Wahl- trciseS Mülhausen-St. Ludwig im Reichstag, sowie über die Gründe dieses Schrittes und den mutmaßlichen Nachfolger BitzbS. Ilm dem Kopfzerbrechen dieser Blätter über diese interne Angelegenheit unsier Partei Einhalt zn thiin, geben die Wähler Bucbs, nnsre Partei- geiioffen von Mülhausen mid Umgeviing, die folgende öffentliche Er- tläruiig ab: Genosie Bueb hat schon vor einigen Monaten wiederholt den Wunsch geäußert, daS Rcichstqgsinaudät für Mülhausen abzugeben und hat thatsächlich auch seit der Wicdcrcröffming der Reichstags- siyungcit im November v. I. weder in diesem noch iyi. folgenden Monat— wo bekanntlich die Znchthaiisvorlage, zur Erledigung kam — an den Lcrbandluiigeii des Reichstags teilgenoinmcii. Daraufhin faßte eine am 26. Dezember v. I. in Miilhausen tagende Wahlkreis- konferciiz> an welcher neben den Delegierten der Stadt Mülhausen Vertreter, von Dörnach, St. Ludwig und andren Orten teilnahmen. einstimmig den Beschluß, d a s M a n d a t des A b g e o r d n c t e n B ii e b z u r ü ck z u n e h m e n, ihm anheimstellend, die nötigen Formalitäten mit einer öffentlichen Erklärung in der ihm selbst geeignet crlchxiiicndcn Weise alsbald zu erfüllen. Gleichzeitig beschloß die Konserenz. vorbehaltlich der Zustimmung dcS Mülhanser Arbeiter- Wahlvereins und der übrigen Faktoren der Organisation. daß zu der aus der Mandatsuicderlcgung sich ergebenden Neuwahl die Kandidatur des Genossen Leopold Einmcl, Kaufmann in Saargcmünd, aufgestellt werden sollte. Diesem Beschluß wurde bisher ans dem Grunde keine Folge gegeben, weil die bald nachher im Reichstag eingegangene Flottcnvorlage der Eventualität einer Reichstags- Auflösung große Währschcinlichlcit verlieh und man dem Kreise Mülhausen die Mühen und Kosten zwei rasch anfeinander schlgenden Reichstagsivahlen ersparen wollte. Bueb vertritt den Wahlkreis Miilhausen im Reichstag seit 15. Jnni 1898 als. Nachfolger HickelS. der das Mandat bei den Febrnarwahken 1890 zum ersteiimnl für die socialistische Partei er- obcrt hatte. Am 16. Jimi 1898 siegte Bueb im ersten Wahlgang mit 13610 Stimmen über den eliässisch-klcrikalen Bewerber, auf de» 8052 Stimmen entfielen, während eine iiatioiialliberalc Kandidatur deren 1761 auf sich vereinigte. Totcnliste der Partei. In Branden b u r g starb am Somiabend der Parteigenosse Emil Simon. Genosse Simon leitete längere Zeit die Partei-Organisation in Brandenburg, war sechs Jahre als Faktor nnd Metteur in unsrem Braiidcnlmrgcr Partei- blatte thätig und hat auch einige Zeit verantivortlich gezeichnet. Diese Thätigkcit brachte ihm sechs Monat Plötzcnsce ein. Im Herbst v. Z. wurde er in das Stadtvcrordiictcn-Kollcginm gewählt, bald danach würde er jedoch krank und dieser Kränkbeit ist er jetzt erlegen. In Altona starb im Aller von 54 Jahren der Parteigenosse Paul M ä r t i e n s s e n au den Folgen einer Operation. Ostwohl noch im besten ManneSaltcr stehend, war Pank Marticnsscii doch schon einer von der alten Garde der Partei- bcwcgniig, der er sich schon in jnngc» Jahren anschloß nnd in welcher er eine nicht imbcdcntciide Rolle spielte. Von Berns Tischler, war Martieiisicn schon bei Lebzeiten Theodor UorkS Lokalkassicrcr der Holzarbeitergewerkschaft. Politisch schloß er sich der isocialdemg- kratlschen Partei lEisciiachcr) an, in welcher er lieben Anglist Geib den» AuSscknisse angehörte, llntcr der Herrschaft des Socialisten« gcsetzcS wurde Marcicnffeu, als über Hamburg-Altona der kleine Be- lagcrungsziistand verhängt wurde, ausgewiesen und nahm seinen Anfcntbalt in Kiel. Krankheiten in der Familie veranlaßten dann sciiicn Arbeitgeber, ihm die Erlaubnis zur Rückkehr zu eripirken. Im Deutschen Tischlervcrbando war Marticilsse» von 1888 bis zur Bcrschmclznng der Tischler«, Drechsler-:c. Organisationen im Juli 1898 Auöschnßvorsitzendcr. Im Holzarbeiter- Verbände war er bis zu seinem jetzt erfolgten Tode eifrig organisatorisch und agitatorisch lhätig. Ebenso war er ein eifriges und thätiges Mitglied der Ceiitral-Krailkenkasic der Tischler. Alle, die mit und nebeil ihm gewirkt und gekämpft haben, iverdcn ihm ein trencs Andenkeii bewähren»nd detraiicril, daß er uns so früh entrissen wurde. Die Notwendigkeit eines Gcmcindewahl-Progranlms ivurde recht deutlich erwiesen in einer Gcmeiiidcvertrcter-Konferciiz in DreSden-Neustadt. Dort ivurde über das Gcmcindcwahl-Programm. das sich die sächsischen Parteigeuossen jetzt schaffen wolle», verhandelt. Einer der Anwesenden machte daraus anfmerksam, wie verurteilens- ivcrt es fei, daß den Gemeinden das Recht zustehe. Stcucrrestaiitcn vom WirtshauSbcsilch auLzuschließeil. Er verlangte die Allsnahnie einer Stelle in das Prograilim, die sich gegen das WirtShausvcrbot wcudct. Der Redner begründet seine Ansicht damit. daß selbst social- demolratische Geiiiciiideratsmitglicdcr noch für das Wirtshausverbot seien. Und siebe da! Eine ganze Anzahl der anwesenden Gemeinde- Vertreter verteidigten daS WirtShansverbot. Es wurde ihnen klar gemacht, daß gar keine Beraiilassung zu solcher vormärzlichen Maßregel vorliege, da die Gemeinden Mittel genug haben, zu ihrem Gclde zu kommen. Sie köiiiicu ohne zn klagen pfände», lönnen den Lob» mit Beschlag belegen. Das WirtShansverbot lvcrde nur gegen mißliebige Arbeiter angewendet, gegen Restanten ans andern Kreisen nie: es sei ein unwürdiges VcrfolglingLmittcl. Als Resultat der Debatte ergab sich der Beschluß, daß' in das Programm der Satz ans» genommen«verde» soll:..Unterlassung aller besondern Verfolg, mgs- maßregeln lWirtShanSvcrbot) gegen Eteuerrestanten". Die Debatte zeigte, daß für die vielfältigen Spccialfragcn, die dem Gcmciiidcvcrtrctcr bei seiner Thätigkcit begegnen, ein ziemlich ausführlich ins ciiizeliic gehendes Geincindepröaranim nötig ist. um auch den minder Beschlagsneii eine Richtschnur für ihr Nerhalten zu geben. Ebenso notivcndig sind aber auch häufige Zu- saimneiiriiiifte' der Gcmciiidcvcrtrctcr größerer Bezirke, nm durch gegenseitige Aussprache belehrend und anfklärciid zu wirken und das papiernc Programm lebendig zu machen. Die LandcSvcrsauiinlnng der«vürttembergijchcn Socialdcmo- kratie wird zu Ostern in Stuttgart abgehalten. AnS der vorläufigen TagcSordiimlg ist zu nennen: ThätigkeitS- und Kassenbericht des LaudesvorstanöS und Bericht der Revisoren.—�Bericht über die Partei-Organe: a)„Schwäbische Tagwacht", b)„Schwäbischer Volks- srennd".— Die politische Situation im Reich.— a) Die gesetzgeberischen Erfolge des württenibergischcn Landtags, b) Die Steuer« reform, c) Die koinmendc» Laiidtagswahleu.— Der iiitcrnationale Kongreß in Paris. Partcip reffe. Genosse Karl Wichle, der während der nenn- monatlichen Jilhafrlerung des Genossen Schulz i» der Redaktion der „Tribüiic" thätig ivar. tritt am 1. April in die Redaktion des„Offen- bachcr Abendblatts" ein. Demonstration der finnischen Arbeiter. Am letzten Sonntag vcrsamilielten sich am Bahnhofsplatzc in HelsingforS ca. 4000 Arbeiter und gingen im geschlossenen Zuge nach de»» SenatSplatze, Ivo gleichfalls Taufende schon versammelt waren. Hier entfalteten sie auf der Riesentreppe der Nikolaikirche ihre roten Fahnen mit Inschriften wie„Achtstundentag".„Allgemeines Stimmrecht":c. Es wurden zwei Reden in finnischer Sprache gehalten, worin die Klassen- Politik der Oberklaffen, die die politische Lage zur völligen Unter- driickiiiig der Arbeiter benützen möchten, scharf gegeißelt wurde. Unter Hurraiuftn uvb entülößtcu ZiopjeZ Ivurde daraus eine ruisprechrndc Rcsokltioa ai!Zc»oinmen. Zini: Schlujz sprach der Polizcimcister von H'Isingfors den Arbeitern seinen Dank dasiic auZ. dasz die Dcmon» st>alicn so ordnunzömäbig verlaufen ic>I Dtt Attssperrung in der Berliner Holzindustrie. Der Holzarbeiter-Vcrband giebt am Montag die Zunahme der Ausgesperrten auf 142 an, die sich über 56 Werkstätten verteilen Abgereist sind im ganzen 76» Mann. In bürgerlichen Blättern wird der Meinung Ausdruck gegeben, dah vor dem Gewerbe gcricht eine Einigung zu stände kommen würde. Wie die Situation sich gestaltet, ist es sehr zweifelhaft, ob es zu einer Verständigung kommt. Einige Großindustrielle haben ein starkes Interesse daran, den Konflikt in die Länge zu ziehen. Bezeich nend ist der Ausspruch eines größeren Fabrikanten, der einem seiner Arbeiter erklärte: Wir werden den Streik auch dazu benutzen uns die Schundkon kurrenz vom Halse zu halten. Die ganze Haltung der Scharfmacher deutet darauf hin, daß diese Taktik planmäßig befolgt wird. Unter der Schundkonkurrenz sind natürlich ohne Ausnahme die kleinen Meister zu verstehen Man ist im Zweifel, ob es den Herren, die heute in Unternehmer kreise» die Leitung haben, nicht mehr darauf ankommt, eine Anzahl unangenehmer Konkurrenten über den Stock springen zu lassen, als die Arbeiterforderungen niederzuhalten. Es wird zivar von großen Summen gesprochen, die einige„Größen" geopfert haben, um die Schwachen zu stützen. Vielfach vernimmt man aber, daß die Bedrängten recht geringe und oft keine Unterstützungen oder Dcchrleheii erhalten. Das Einzige, was die Herren vermitteln, ist die Aufschiebung von fälligen Forderungen, jedoch ivird diese sehr ziveifelhafte Gunst nach dem Streik sich unangenehm bemerkbar machen, denn es werden dann die Zahlungen in einem um so schnelleren Tempo erfolgen müssen. Diese Sachlage wird den Fabrikanten auch klar, und es ist zu erwarten, daß, wenn die Einigung vor dem Gewerbegericht fehl' schlägt, eine große Anzahl Unternehmer mit den Arbeitern eine Verständigung treffen werden. Sollten sich dann die Fraisereien Iveigern, ihre Betriebe zu öffnen, so wird sich auch hier ein Ausweg finden. Derartige Betriebe sind sehr schnell eingerichtet und es fehlt auch nicht an Interessenten, die diesen Umstand auszunützen gewillt sind. Die Streikenden haben alle Ur� fache, guten Muts den weiteren Verlauf der Dinge anzusehen. Von einem Sieg der Unternehmer kann keine Rede sein. GeivovkfiszÄlfkliche-s. Verlin und Umgegend. Gewerkschaftskartell für Berlin und Umgegend. Die dem Kartell angeschlossenen Gewerkschaften werden darauf aufmerksam gemacht, daß Sammellisten für die streikenden resp. aus gesperrten Möbclpoliercr. Holzbearbeitungsmaschinen-Arbeiter und lokalorganisierten Tischler nur auf unsrem Bureau, Dragonerstr. 16. Hof Part., zur Ausgabe gelangen. Listen, ivelche den Stempel des Gewerkschaftskartells nicht tragen, sind zurückzuweisen. In Anbetracht der großen Zahl der in Betracht kommenden Arbeiter ist es Ehrensache eines jeden, unsren Berufsorganisationen angehörenden Arbeiters, materiell für die Streikenden eiiizutreten. Die Organisationsvorstände werden aufgefordert, den in der letzten Sitzung gefaßten Beschlüssen überall Geltung zu verschaffen. Der Ausschuß. I. A.: Theodor Fischer. „Der Fleischer", unter diesem Titel ist in Berlin die erste Nummer einer Fachschrift für die Schlächtergesellcn erschienen, die von der Organisation dieser Berufsgruppe unter der Redaktion von Theodor KeSlinke herausgegeben wird. Das Blatt erscheint monat lich einmal. Die Mnsikiilstriimcutcn-Nrbeiter werden auf den Beschluß der öffentlichen Versammlung vom 4. d. M. aufmerksam gemacht. Ivonach jeder Kollege für die im Ausstand befindlichen Holzarbeiter wöchentlich eine Mark zu steuern hat. Marken werden jeden Sonn- abend und Montag bei Grundmann, Naunynstraße 78, ausgegeben und werden auch hier Gelder in Empfang genommen. Kollegen. thue jeder seine Pflicht, denn ernste Zeiten' fordern außerordentliche Mittel. Der Vertrauensmann I. Arendt. Deutsches Reich. Achtung, Holzarbeiter! Für Bremen sucht das Hobelwerk von Logemann u. Wardenburg Maschinen» und Platzarbeiter. Da die Engagierten als Streikbrecher eintreten sollen, so wird gebeten, den Zuzug fernzuhalten. Die Grubenbesitzer im Zwickauer Revier haben es fertig gebracht, daß kein gemaßregeltcr Bergarbeiter irgendwo Arbeit be- kommt, ihr Terrori'smns hat sich auf' alle Arbeitsplätze der ganzen Ilmgegend ausgedehnt. Um nun diesen Machinationen der Gruben- barone ein Ziel zu setzen, sind unsere Genossen in den verschiedenen Gemeinderäien an die Genieindevorstünde mit den Gesuchen heran- getreten, bei dem Verein für bergbauliche Interessen resp. bei der Amtshauptniannschaft dahingehend vorstellig zu werden, daß diesen Aechtungen ein Ende gemacht wird. So befinden sich z. B. in der Gemeinde Niederplanitz gegen 60 Mann solcher Gemaßregelte», und der betreffende Gemeindevorstand hat sich bereit erklärt, in der er- wähnten Weise vorstellig zu werden. Der Gemeindevorstand von Wilkau dagegen erklärte unserm Genossen Keil gegenüber, als ihn dieser in einer Gcmeindcratssitznng interpellierte, daß er keine Ver- anlassung habe, über diesen Punkt verhandeln zu lassen. Die- jenigen, die den Streik verschuldet hätten, sollten nun auch diese Sache regeln. Das' Interesse der Gemeinde hätte der Gemeindevorstand jedenfalls besser gewahrt, wenn er der Anregung nachgegeben hätte. Nachwehcu vom Krefelder Färbcrstrcik. Der Vorsitzende deZ Gewerkschaftskartells in Krefeld war wegen Beleidigung Arbeits- williger, welche der Staatsanwalt in einem Flugblatt fand, von der Strafkamincr in Krefeld zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. 30 M. mußte der Drucker zahlen. Die Strafe ist bereits verbüßt, da kommt der Färbcrcibesitzer Biermann und fühlt sich ebenfalls beleidigt. Er strengte die Privatbeleidigungsklage an. Aber trotz aller Bemühungen, welche sich sein Vertreter gab, wurde er mit seiner Klage kostenpflichtig abgetviesen. Das Gericht folgte den Aus- führungen des Verteidigers des Verklagten, tvelcher sich auf eine Entscheidung des Reichsgerichts berief, wonach wegen eines Delikts nicht zweimal Verurteilung stattfinden kann. Untcruchiner-Orgauisationcn. Die K r e f e l d e r Fabrikanten der verschiedenen Branchen in der Weberei haben sich koaliert. Als letzte kamen die Fabrikanten von Sammet, Plüsch und Sammet- band. Der Organisation gehören sämtliche Fabrikanten des Nieder- rheins an. Die Arbeiter werden ivohl verstehen, was das zu be- deuten hat und beizeiten an den Ausbau ihrer Organisation denken. Sie müssen dem organisierten Unternehmertum in geschlossener Phalanx gegenüberstehen. AuS Krefeld wird uns geschrieben: Im Lauf der nächsten Woche werden die hiesigen Holzarbeiter in eine Bewegung eintreten. Sie verlangen den Neunstundentag, eine IVprozentige Lohnerhöhung und Abschaffung verschiedener kleiner Mißstände. Die Tischler- Innung ist gewillt, über die Lohnerhöhung mit den Gesellen zu ver- handeln, lehnt aber jedes Zugeständnis betreffs Verkürzung der Arbeitszeit ab. Der Kampf ist deshalb unvermeidlick. Es handelt sich mn ca. 300 Gehilfen. Ebenso wollen die Schuhmachergesellen in eine Bewegung um Besserstellung ihrer wirtschaftlichen Lage ein- treten. Dieselben haben eine Statistik aufgenommen und da stellte sich heraus, daß die Arbeitszeit durchschnittlich 14—15 Stunden betrug, mit einem Lohn von 10 bis höchstens 20 Pf. pro Stunde. Eine' Komniission ist beauftragt, einen Lohntarif auszuarbeiten und den Meistern vorzulegen. Die Spaltung der Textilaibeiter in drei Lager macht sich über aus unangenehm bemerkbar. Der Streik bei der Firma Thoma Casserctto ist durch die Haltung der„christlichen Organisation als verloren zu betrachten. Dem Chef der Firma, welcher Ehren Mitglied des christlichen Verbands ist, wurden die Streikbrecher vom Vorstand geliefert und ist er infolgedessen jetzt Herr im Hause. Die Sammetfabrikantcn werfen mitleidlos alle diejenigen, welche in dem großen Streik irgend ivelche Rolle gespielt, anfs Pflaster. Einige der Gcmaßregelten haben mit Hilfe ihrer Kollegen sich eine andre Existenz errungen. Andre haben einen andren Berufszweig ergriffen. Und noch andre irren von Fabrik zu Fabrik, stets hoffend. daß sie eingestellt werden. Aber sobald sie ihren Namen nennen. ist für sie keine Arbeit vorhanden. Hoffentlich kommen die Weber in ihrer Gesamtheit bald zu der Erkenntnis, ldaß sie nur durch ihre Einigkeit die Rachegelüste der Unternehmer eindämmen können. Die Polizeibehörde in Rückcrs sSchlesien) scheint eine große Abneigung gegen Versammlungen zu besitzen, wahrscheinlich gedenkt sie trotz des Versammlungsrechts die Arbeiter dieses Orts von der Berührung mit der Gewerkschaftsbewegung fernzuhalten. Vor kurzem wurde den Glasarbeitern eine Versammlung nicht genehmigt, weil der Wirt sein Lokal für diese Zwecke nicht hergebe. Außerdem forderte man noch ganz ungesetzlich, daß der Referent, Glasarbeiter Girbig, die Versammlung anmelde. Gegen diese Verfügung wird Beschwerde erhoben und eS ist wohl zu erivarten, daß die Behörde mit ihrer Weisheit nicht durchdringt. Die Schneider in München haben gestern in 46 Geschäften die Arbeit niedergelegt. AuSlnud. Ter Ausstand der östreichische« Bergarbeiter deutet selbst in der neubegonuencn neunten Woche keine Aenderung an. Noch immer steht eine große Zahl von Arbeitern im Ausstand, die sich trotz aller Drangsalierung nicht unterdrücken lassen. Bereits sind mehrfach die Arbeiter aus den Wohnungen, die sie von den Zechen inne hatten, vertrieben: aber es gelingt den Zechenverwaltungen nicht, ihren Willen durchzusetzen, es finden sich keine Arbeitswillige. Die„Wiener Arbeiier-Zeitung" quittiert jetzt über 268 243,66 Kronen, die als Unterstützung für die Streikenden eingegangen sind. Der V. Kongreß deS skandinavischen Sattelmacher- und Tapezirrer-Berbands wird in Kopenhagen abgehalten. Dänemark ist durch 35 Delegierte. Schweden durch 11 und Norwegen durch 4 vertreten. Aus dem Vcrbandsbericht geht hervor, daß durch seine Thätigkeit Lohnerhöhungen von etwa 200 000 Kr. allein in Schweden und Norwegen erlangt sind, und die Arbeitszeit von 11— 12 Stunden auf 10 herabgesetzt ist. In sechs Städten, darunter in Malmö, wurden diese Resultate durch Streiks erreicht. Der Verband zählt im ganzen 1537 Mitglieder, von denen 868 in 27 Verbänden auf Dänemark. 481 mit 12 Verbänden auf Schweden und 160 Mitglieder.in fünf Verbänden auf Norwegen kommen. Die Pariser Arbeitöbörse im Jahre 18SS. Dem Jahres- bericht der„Beratenden Kommission der Arbeits börse" vom Ottober 1868 bis Oktober 1363 ist zu entnehmen, daß die Zahl der im Berichtsjahre der Arbeitsbörse angehörenden Geiverkschaften 266 be trägt, um 35 mehr als im vorletzten Jahre. Im Hauptgebäude (3 rus äu Chftteau d'Eau) sind 232 Gewerkschaften untergebracht, in der Filiale(rus Jean Jacques Eousseau) 34. Die 232 Gewerk chafren haben zusammen 144 Bureauzimmer inne. ivoruntcr 77 je einer Gewerkschaft, 50 je zwei und 17 je mehr als zwei GeWerk .chaften zugewiesen sind. Insgesamt wurden 2615 Gewerkschnftö Versammlungen abgehalten gegen 2525 im Jahre 1868. Außerdem wurden in den Versammlungshallen 225 mal Gcwerbekurse und Vorträge gehalten.— 117 Gewerkschaften haben einen unentgeltlichen Arbeitsnachweis für ihre Mitglieder eingerichtet, 107 beziehen einen Teil der vom Pariser Gemeindcrat votierten Subvention. Socinles. Armenpflege auf dem Lande i» Ostpreußen. Aus Szillen wird einer Tilfiter Zeitung über die entsetzliche Behandlung eines blinden Mädchens Mitreilung gemacht. Die 30 Jahre alte Blinde muß vom Dorfe unterhalten werden. Anfänglich verpflegten die Besitzer das Mädchen der Reihe nach. Das wurde ihnen aber zn unbequem. ES wurden daher 100 M. Armengcld jährlich ausgesetzt und dafür die Blinde einer alten Frau, die ein Altenteil bezieht. in Pflege gegebe». Da das Zimmer, welches die Alte bewohnt, ür die Blinde keinen Raum bot, wurde die Unglückliche in einen Verschlag im Stall gebracht, Ivo sie in Gesellschaft einer Kuh und eines Schweins Tag und Nacht zubringen mußte. Die Beköstigniig. welche der Blinden in den Stall hineingereicht wurde, dürfte der Behausung entsprochen haben. Von einem Fleischer, der den Stall betrat, um die Kuh zu kaufe», wurde die Blinde, im elendesten Zustand in einer dunkle» Ecke kauernd, gefunden. Landarbeiterschutz. Eine Polizeiverordnung betreffend die Verhütung von Unglücksfällen beim Gebrauch landwirtschaftlicher Triebwerke und Maschinen hat der Oberpräsident der Provinz Schlesien für den Umfang dieser Provinz erlassen. Die am April 1600 in Kraft tretende Verordnung bestimmt unter andrem, daß im Betriebe befindliche Maschinen und Triebwerke, bei welchen Dampfkraft oder Zugtiere verwendet werden, nicht ohne Aufsicht gelaffen werden dürfen. Auch ist die Beschäftigung von Personen, die das 16. Lebensjahr noch nicht über- schritten haben, in unmittelbarer oder eine Gefahr in sich schießender Nähe solcher Maschinen oder Triebwerke untersagt. Das gleiche gilt von Geisteskranken, epileptischen oder schwachsinnigen Personen. Wichtig ist dann noch, daß die Verordnung an den Dreschmaschinen besondere Maßregeln zum Schutze der Arbeiter verlangt. Arbcitersckretnriate i» der Schweiz. In Basel, Winter- hur und Schaffhausen will die organisierte Arbeiterschaft be- andere Sekretariate errichten. In Basel soll dasselbe bereits mit dem 1. Juli eröffnet werden Und ist die Stelle zur Besetzung aus- geschrieben. Gegenwärtig bestehen schon Arbeitersekretariatc: das chweizcrische in Zürich, vom Bunde mit 25 000 Fr. subventioniert, dasjenige der zürcherischen Arbeiterschaft, ferner ein solches in Bern und aiißerdem funktionieren die Adjunkten deS schweizerischen Arbcitersekretariats in Biel und Genf gleichzeitig als lokale Arbeiter- ckretäre. In Basel und Bern giebt es' auch christlich-sociale Arbeiter- ckretäre._ Eingegangene Druckschriften. Von der„Reuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben daS 24. Heft des 18. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Die Revolte der Künstler.— Schippel, Brentano und die Flottenvorlage. Von K. Kautsly.— Ein Ketzergericht. Von Wolfgang Heine.— Pariser Theater. Bon Dr. Felicie Nossig.— Litterarifche Rundschau: Rudolf Lothar, Das Wiener Burgtheater.— Feuilleton: Das, was nicht war. Bon W. Garschin. Aus dem Russischen übersetzt von S. Axelrod. Aus dem Inhalt____________ Wesen und Entwicklung der Konsumgenossenschaft. Von Adele Gerhard.— Kinderarbeit in Ziegeleien. Von M. Kt.— Wie der Militarismus die „heilige Stellung" der Frau festigt.— Aus der Bewegung.— Fraucliarbcit auf dem Gebiete der Industrie, des Handels und Verkehrswesens.— Arbeits- bcdingungen der Arbeiterinnen.— Gewerlschastlich« Arbeiterinncn-Organi- sation.— Sittlichleitsfrage.— Frauenbewegung. Vom Kriege. Auf dem Marsche gegen Blo emf o ntein ist die englische Armee am Sonnabend wieder mit den Boeren zusammengestoßen, wobei es zn heftigen Kämpfen und besonders für die Engländer zu großen Verlusten gekommen ist. Der Berichterstatter der „Daily News" im Hauptquartier von Lord Roberts drahtet aus Driefontein am Sonntagmorgen: Eine Schlacht wütete gestern den ganzen Tag. Roberts errang einen neuen Erfolg, aber nicht ohne beträchtliche Verluste. Der Feind wurde bei Abrahamskraal angetroffen, er hielt weit besser Stand als Mittwoch. Erst nach heißem Kampf wurden feine Stellungen von der Infanterie mit dem Bajonett genommen. Die Boeren wurden schließ- lich nach Süden vertrieben und ließen viele Tote zurück. Die Kavallerie hatte eine härtere Aufgabe als sonst. Der Versuch, eine Flankenbewegung auszuführen, scheiterte mehreremale, der Feind schien in größerer Stärke zu sein, als erwartet wurde, seine Linie er- streckte sich über den ganze» Boschoffsrand, mehrere s einer Geschütze wurden trefflich gehandhabt. Die Kavallerie setzte indes mit großer Hart- näckigkeit die Bewegung nach Süden in dem Versuch, den Feind zu überflügeln, fort. Die Boeren folgten hinter hügeligem Gelände. Um halb zlvölf trat die Kavallerie der nennten Division, die parallel mit der sechsten Division operierte, indenKampf ein. General Broadwood stieß sechs Meilen nach Süden vor. fandaberden Feind Überahl vor. Die Boeren versuchten sogar uns zu überflügeln. Der letzte Schuß wurde um Va8 Uhr abends abgefeuert. Als wir heute morgen erwachten, fanden wir, daß der Feind trotz seines gestrigen hartnäckigen Widerstands wieder sein Heil in der Flucht(?) gesucht hatte. Kein Boer war sichtbar. Wir sind jetzt auf dem Wege nach Bloemfontein. Roberts stößt ohne Zeitverlust vor. Man sieht ans diesem Bericht, daß von einem„Zersprengen" der Boeren, ivie es vor einigen Tagen gemeldet worden war, gar keine Rede ist. Die Boeren ziehen sich in guter Ordnung zurück, haben aber jedenfalls nicht die Kraft, im flachen Lande die in der Uebermacht befindlichen Engländer von ihrem Marsch auf Bloem- fontein zurückzuhalten. In geeigneterem Terrain werden sie später den Engländern sicherlich noch herbe Tage bereiten, wenn nicht vorher der Friede, von dem jetzt viel gesprochen wird, dem Gemetzel ein Ende macht. » Colesberg, 12. März. Die fahrbare Brücke über den O ra nj e River ist am Sonnabend von den Boeren zerstört worden. Die Anlage derselben hatte z. Z. viele lausend Pfund Sterling gekostet. Der„Temps" meldet heute abend anS London, in dortigen Militärkreisen herrsche große Unruhe Über das Eintreffen der Nach- richt, wonach zwei Regimenter Lord Kitsche ners von einer Afrikandertruppe niedergemetzelt worden seien. Vom Friede». Die Londoner Blätter veröffentlichen eine Meldung, derzufolge am letzten Dienstag fünf Depeschen von den Präsidenten rüg er und Steijn in holländischer Sprache bei der englischen Regierung eingetroffen seien, in welchen angefragt wurde, unter welchen Bedingungen die Einstellung der Feindselig- leiten herbeigeführt werden könnte. DaS Brüsseler„Petit Bleu" veröffentlicht eine Depesche aus London, welche in der bestimmtesten Form das Gerücht bestätigen zu können glaubt, daß die Präsidenten Krüger und Stejn an die eng- lische Regierung telegraphiert und sich zum Friedensschluß auf der Grundlage derZ Aufrechtorhaltung der Unabhängigkeit der beiden Republiken erboten hätten. Die Sache habe sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch abgespielt und am Mittwoch früh sei den beiden Präsidenten die Antwort der englischen Regierung telegraphisch übermittelt worden. Dieselbe trage unversöhnliche» Charakter und schließe damit, daß die einzige Bedingung, unter welcher England Frieden schließen wolle, die bedingungslose Ueber» gäbe sei. Aus Pretoria wird zur FricdenSfrage noch gemeldet, die Konsuln der fremden Regicrnngen seien zu einer Konferenz ein- geladen und ersucht worden, die Intervention der Mächte, deren Ver- lrcter sie sind, anzurufen, um weiterem Blutvergießen Einhalt zu thun. London, 12. März. Die Friedensvorschläge, von denen seit einigen Tagen die Rede ist, sind der englische» Regierung durch Vermittelung des amerikanischen Konsuls in Pretoria zugegangen. Die Regierung verwies indessen den Vermittler an Lord Roberts, der allein bevollmächtigt sei, eine Entscheidung zu treffen. Direkte Verhandlungen zwischen London und Pretoria sind somit nicht gepflogen worden. Die FricdenSfrage kam am Montagabend im englischen Unterhaus zur Sprache. Es war aber aus der Regierung nicht viel herauszubekommen. Harry F o st e r fragte an, ob der erste Lord des Schatzes Balfour ohne Beeinträchtigung der öffentlichen Interessen die wesentlichen Bedingungen mitteilen könne, unter denen allein die Regierung irgend- ivelche' Friedensvorschläge im Zusammenhange mit dem jetzigen Kriege in Erwägung ziehen werde.(Widerspruch auf den Bänken der Regierungsanhänger). Balfour erwidert, daß dies nicht mög- lich sei: es würden sehr bald dem Hause Schriftstücke über diesen Gegenstand vorgelebt werden. Dalziel richtet an die Re- sicnmg die Anfrage, ob die Meldung irgendwie begründet sei, daß ! iräsident Krüger an die Regierung Mitteilungen gerichtet habe. Balfour erwidert, er habe bereits gesagt, daß dem Hause demnächst Schriftstücke vorgelegt werden würden. Netzke Utachvichkett und Vepestheu. Steglitz, 12. März. Die heutige Gemeinderatswahl brachte auch der hiesige» Partei einen Erfolg. Im ersten Bezirk wurde Genosse Kapp mit 410 Stimmen gewählt. Sein Gegner erhielt 308 Stimmen. Im zweiten Bezirk wurde Seydel(Bürgerpartei) mit 272 Stimmen geivählt._ Dortmund, 12. März.(B. H.) Auf der Zeche R e ck l i n g- Hansen ist ein Flötz in Brand geraten. Das Feuer wurde ans einen Herd beschränkt. Von der Rettungsmannschaft werden zwei e u t e vermißt; dieselben sind ivahrscheinlich erstickt. Die Beleg- chaft wurde unversehrt z» Tage gefördert. Wien, 12. März.- D,!«»« Neichstsg. ISS. Sitzung vom Montag. lZ. März lsoo. i Uhr. Am Bundesraistisch: Frhr. v. Thielmann. Dr. Koch. Nach deb cioser Erledigung einiger Rcchnungssachen beginnt die zweite Beratung des Münzgesetzes. Artike! l bestimmt, dah g o I d e n e F ü n s m a r l st ü ck e aus Anordnung des Bundesrats mit einer EinlöiungSwist von einem Jahre ausser Kurs zu setzen find. Die Bekanntmachuna über die Autzerkltrssctzung ist durcb das..Reichsgesetzblatt' sowie durch die zu den amtlichen Bekanntmachungen der unteren Verwaltungsbehörden dienenden Tageszeitungen zu veröffentlichen. Damit wird die Beratung der folgenden von der Kammission beantragte» Resolution verbunden. „Den Herrn Reichskanzler zu eriuckicn. bei Neu-Ausvrägung von Reichs- Goldmünzen aus eine vermehrte Ausprägung von Kronen hinzuwirle». Ebenso ivird damit die Beratung deS Artikels ta verbunden Nach ihm soll der Gesamtbetrag der R e i ch S- S i l b s r m ü n z e n bis auf weiteres lS Mark Megicrnngsvorlage ls M.) für den K o t> f d e r Bevölkerung des Reichs" nicht übersteigen. Bei Neuprägung dieser Münzen sind Landessilbermünzen (Thaler) insoweit einzuziehen und z» veräutzern. als die hierdurch entstehenden Verluste in dein aus den Neuprägungen sich ergebenden Münzgewinne Deckung finden." Dazu veantragt der Abg. H e r o l d sC f den 2. Absatz folgender- inasjcii z» fasse»:..Aur Neupragniig dieser Münzen sind Landessilber- münzen insoweit einzuziehen, als solche für die Neuprägung und deren Kosten erforderlich find." Der Abg. S ch w g r z sE.) hatte folgende Kasiung beantragte „'Üui Neuprägung dieser Münzen sind Silberbarren anzulaufen." Er zieht diesen Antrag jedoch zurück. Abg. Dr. Arendt iNp): _ Meine Freunde haben sich in der Kommission bemüht, dem Gesetz eine für uns annehmbare Gestalt zu geben, leider ist uns das nicht gcllliigen!»>ir haben aber auf Einbringung neuer Abänderungs- onträge verzichtet. Gegen den Artikel I haben wir nichts einzu- wenden und er ivird ivohl auch zur einstimmige» Annahme gelangen. Was die Resolulion onlaiigt. so ist sie in der Kommission nur mit 7 gegen fi Stimmen angenon,meii Ich betrachte die Beseitigung der Zehiimarkstülke als im Interesse der Reichshank liegend.' Das Zehnmarkstück ist ja gewif; ei» beliebtes Geldstück, aber doch nur für die wohlhabenden Leute, zu Lohiizahluugc» au die Arbeiter ist es sehr imgeeignet. Die NeuauSpräguug von Goldstücken würde auch den Goldbestand den Ncichsbank vennindern und damit zu Diskont- «rhöhungen führten.- Die Einziehung der Thaler zu Gunsten der Zwei- und Fünf-Marlstllcke ist ganz verfehlt. Wie uubeliebt die letzter» Geldstücke im Publikum sind, geht auS der Thatsache hervor, dasi du Bestand der ReichSbanl von Zwei- und Fünf-Mark- hückcn beträchtlich gestiegen ist. Wir musien uns auch sernerhin be» niühen. iinsern nationalen Geldmarkt unabhängig zu haben. Ich drücke schlicszlich noch mein Bedauern darüber aus. dah der Antrag Schwarze, der zwischen den verschiedenen Anschauungen zu ver- mittel» geeignet war. zurückgezogen ist. Ich bitte de» Herrn Prä- sidcnteu, dcu Antrag als von mir wieder aufgenommen zu be- -rächten. Abg Rettich(!.>: Wir stimmen der Einbezichnng per goldenen und silbernen Fünf- Markstücke zu; hobeir ober gegen die Beseitigung der Thaler die allerfchwersteii Bedenke». Für de» Antrag Schwarze, der nun von Herr» Dr. Arendt wieder ausgenonimen ist. werden wir stiminen. Abg. Herold lCü Wir sind der Ansicht, dah die Währnngitrage mit diesem Gesetz- entivurf nichts zu thu» hat. Daher werde» auch diejenigen meiner Freunde, die Gegner der Galdwährmig sind, für das Gesetz stimme». Was die Thaler anlangt, so sind wir der Meinung, datz sie in unser heutiges Münzsqstem nicht hineinpassen. Unser An- trag bezweckt, den jetzigen Silberbestnnd miberändert zu belasse» und ich bitte Sie, ihn anzunehmen. Ter Antrag meines.Äollegen Schivarze wurde zurückgezogen, wert die Regierung dafür nicht zu habe» ist. Wenn Dr. Arendt ihn jetzt wieder aufgeiiommeli hat, ro ihäte er besser, statt dessen gegen das ganze Gesetz zu stimmen. Rcichsschatzsekretär Thielmau» laus der Tribüne sehr schwer ver- ständljch) bittet, den Antrag Herold abzulehiicii. da er keine Verbesserung der Vorlage bedeute. Gegen den von Herrn Arendt wieder aufgeiiom- meneii Antrag mutz ich inich ganz enlschieden wenden, da er das Princip der Vorlage vollkommen umstürzt. Abg. Schoenlant(®oc.): Ich halte es für überflüssig, aus die AuSführunaen des Abg. Arendt ciiizligeheii. da wir diese Rede des Herrn Abg. Arcudt schv» seit 15 Jahren ununterbrochen hören.(Heiterleit.) Das Wässerchen flieszt hall so. iveil eS so hcrgebrachl ist. Meine Freunde geben dem Gesctzentivurs ihre Zustimniung. weil er die Möglichkeil giebt, von der hinkenden Goldwährung zur reinen Gold- Währung überzugehen. Ich habe meinen Ausfährungen von der ersten Lesung nichrS hiiizuzufügen und»ur zu crtlärcn, datz wir auch, was den Artikel IV anlangt, zwar die Regieriiiigsborlage vorziehen würden, da aber der Antrag nichts am Geiste des Gesetzes ändert, io werden wir ihm zustimmen Avg Büsing(nail.I: WaS die vorliegende Resolutioii aiilangt. so hoben wir sie in der Kommission beschlossen. weil von einer grotzen Zahl von HaudclSkammcr» der Wunsch ausgesprochen wurde nach einer Bermrhrnng der Zchnniarkstiirke. Aus eine währungS- politische Deballe will ich mich nicht einlasse». Ich will nur darauf hinweisen, das, die Goldwährung bis setzt tadellos funktioniert und datz sie unS unsre Nachbarn auch nachgemacht haben. Was die Einziehung der Thaler anlangt, so soll das Gesetz nur den gegenwärtigen Prozest etwas beschleunigen. Die Erhöhung des Gesamtbetrags der Reichs- Silbermünzen pro Kopf von ts M. ans IS M. hat die Kommission nur beschlossen, um dem heut schon bestehenden Bedürfnis nachzukommen. Auch meine Freunde haben nichts gegen den Antrag Herold cinzuivendcii und werden für Artikel IV in der von lhm vorgeschlagenen Fassung stimmen. Reichsbankpräsident Koch tritt der Behauptung deS Abg. Arendt gegenüber, dasi die Zwei- und Fünfmarkslücke unbeliebt seien. Der Avg. Arendt stützt sich auf die Berichte vom Dezember der verschiedenen Jahre. Da müssen aber die Bestände an Reichsinünzen höher sein als an Thalern, wegen der Neuausprägung. Ans der Höhe des Diskontsatzes kann man nicht folgern. daß der Zeitpunkt für das Gesetz schlecht gewählt ist. Diese Höhe ist auf de» wirtschaftlichen Ausichwung überhaupt zurückzuführen, nicht aber auf nicht ausreichende Metalldccknng. Abg. Fischbeck sfrs. Vp.»- Wir haben unS auch entschlossen, für den Antrag Herold zu stiminen. Weitere Veranlassung, aus die bisherige Debatte einzu- gehen, liegt für uns nicht vor. Abg. Frhr. v. Schele-WunSlorf sWelfes wünscht die Schaffung eines 25- Pfennigstücks. Die Doppel- Währung ivird wiederkommen. Einseitig kann sie freilich nicht ein- geführt werden. Sie liegt aber im Interesse aller Erwerbsstände. Ich bitte Sie, das Gesetz abzulehnen oder den Antraa Arendt anzu- nehmen. Abg. Brömel sfrs. Vg.>! Die Vorlage bedeutet einen grotzen Fortschritt. Für den Antrag Herold werden wir nicht stimmen. Sollte er aber angenommen werden, so werden wir deshalb nicht gegen das ganze Gesetz stimmen. Abg. v. Kardorff iRp.): De», kleine Mann wird durch die Vorlage geschädigt. Es werden ihm nur 20 M. in Silber abgenommen werden, das übrige wird er in Gold anschaffe» müssen. Das wird grohc Schwierigkeiten im Kleinöcrkehr geben. Und der Kleinverkehr ist. wie Adam Smith schon richtig geiagi hat der eigentliche große Verkehr. Herr Büsing 'agt. die Goldwährung habe sich bewährt. Ja. sind denn 30 Jahre eni Beweis sih solche Behauptungen? Zudem ist mitten im tiefsten Frieden der Bankdiskon! aus 7 Proz. gestiegen. Das nennt Herr Büsing ein Bewähren der Goldwährung; ich nenne das nicht so. Unter der Leitung des Reichsbank-Präsidentcn Koch sind wir in unsrem Bankwesen zu ganz mihalibaren Zuständen gekommen. sPräsident Koch lacht laut, Lachen links. j Wir werden natürlich auch für den Antrag Herold stimmen, der immerhin eine Verbesserung der Vorlage bedeutet. Abg Kirsch IC>- Ich wünsche der jetzigen Goldwähruug ein recht langes Lebe», ober andrerseits kann ich mir wohl denken, daß nian später einmal zu einer andren Währung übergehen wird. Ich wünsche statt der" vermehrten Ausprägung von Fünfmarlstücken mehr Zwei- Markstücke. Abg. Dr. Hahn lwildt.)? Daß die Herren Büsing und Brömel nach wie bor von der Vortresilichkeit der Goldwährung überzeugt sind, wundert mich. Die Probe auf die Haltbarkeit rnisrer Währung ist ja erst im KriegSzcilen zu machen. Redner polemisiert gegen die Bankpolitik des Rcichsbank- Präsidenten. Was die sisuts finance»ich! mehr a» neuen Gründungen verdienen kann, will sie letzt durch die Hochzinspolitik herausschlagen. Herr Koch steht mit dieser kaut.« finance in Verbindung. Die Diskontpolitik der Reichsbank ist total verkehrt. Die Prophezeiungen des Herrn Koch sind bisher nicht eingetroffen. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Gamp und Arendt wird die Diskussion geschlossen. Präsident Graf v. Baliestrem: Ich schlage dem Hause vor. die Abstimmung über die Artikel I und IV bis zu einem späteren Zeitpunkt zu verschieben. Abg. Arendt lRp s erhebt dagegen Widerspruch, der je nach dem Ausfall der Ab- stimmnng über Artikel IV noch einen Artikel in die Vorlage ein- zufügen beabsichtige. Bei der Abstimmung wird dem Vorschlag des Präsidenten gegen eine» Teil der Stimme» der Reiche-Partei zugestimmt und die Ab- stinimung über die Artikel I und IV bis ans einen ipateren Zeit- Punkt ausgesetzt. Ebenso wird die Abstimmung über die Artikel II »ud III lÄußerkurssetzung der silbernen und Nickel-Zivanzigpfcnnig- stücke, elfteres nicht vor dem l. Januar tö02 letzteres nicht vor dem l. Januar 1903). zu denen niemand das Wort verlangt, aus- gesetzt. Hieraus beantrag» der Abg. Dr. Arendt ch s- S> l b e r m ü n z e n im Betrag von mehr als SV M a r l in Zahlung zu nehmen Abg. Dr. Arendt Mp.) bittet, dielen Antrag anzunehmen: er solle seinen Freunden vor allem Gelegenheit gebe», die WährnngSsrage auch nach Znstandekommen dieses Gesetzes in Fluß zu halten. Ich halte diesen Artikel für so wichtig, daß'ch im Falle der Annahme des Artikel IV unter Ab- lehnung meines Antrags, beantrage diesen Artikel IVs an die Koni- Mission zurückzuverweisen. Das Wort wird nicht weiter verlangt. Die Abstimmung über diesen neuen Anilel wird cbeufalls ausgesetzt, ebenso über Artikel V. Artikel VI ist von der Kommission neu eingefügt worden. Er lautet: Der Artikel kl des Münzgesetzes vom 9. Juli 1873 IDic Bc- fuguiS. Silbermllnzen als Denkmünzen auszuprägen, erlischt niit den> 31 Dezember l373s ist aufgehoben T'm Artikel III K 2 dieses Gesetzes ivird folgender Absatz 2 beigefügt: Der Bundesrat wird ermächtigt Fünimarkstücke ruid Zweimarkstücke als Denkmünzen i» andrer Prägung herstellen zu lassen. Abg. Fischbcckttvte»bure«n. Das Parleibnreau besindet sich vom lt. März ab nicht mehr Kotzbach st raße 9 Kreuzbergstraste»O. Die Parteigenossen werden darauf aufmcrlsam gemacht, bei ihren Zuschriften an den Parteivorstand den Adrestcnwechsel zu beachten. Die Adresse für den Partcivorstand lautet vom 14. März ab: I. Auer. Berlin SV., Kreuzbergstraste 30. Zuschriften oder Geldsendungen an den Parteikassierer A. G e r i s ch sind ebenfalls Kreuzberg st raße 30 vom 14. März ab zu adressieren. Berlin, den 10. März. 1900. Der P a r t e i v o r st a n d. Der erste Kongreß öentscher Rechtskoilsultilten fand am 12. Mörz cr. in den Arminhallen statt. Es sind auf dem- selben Vertreter aus folgenden Orten anwesend: Altona, Berlin, Borna bei Leipzig. Erfurt. Halle a. S.. Rixdorf, Schöneberg und Svandau. Die Ursache zur Embernftmg des Kongresses ist ein Erlaß des preußischen Justizminislers Schönstedt vom 25 September 1899 zu§ 157 Absatz t der Civilprozcß-Ordmmg betreffend die Zulassung der Rechtskonsulenten zu mündlichen Verhandlungen vor den Gerichten. Danach soll die Zulassung derselben in das Belieben des Landesgerichts- Präsidenten gestellt werden und von der Prüfung der Bedürfnis- frage abhängen. Es steht diese Auslegung im direkten Widerspruch zu der seiner Zeil bei der Beratung im Plenum des Reichstags gegebenen Begründung des iraglichcn Paragraphen. Der Kongreß nimmt zu diesem Punkt nachstehende Resolution einstimmig an: „Der Kongreß-c. bedauert, daß dem ß 1S7. Abs. 4 der Civilprozeß- Ordnung durch den Erlaß des Herrn preußischen Staats- und Justiz- Ministers eine andre Auslegung gegeben worden ist, als der Reichstag es bei Annahme des gedachten Paragraphen beabsichtigte. Der Kongreß bedauert diesen Erlaß. legt gegen denselben im Interesse einer großen Anzahl redlicher Rechtskonsulenten Verwahrung ein und bittet den deutschen Reichstag, dahin wirken zu wollen, daß seinen einmal gefaßten Beschlüssen Rechnung getragen ivird, die Bundes- regierungen anzuweisen. die Bedürsnisfrage bei der Entscheidung über die Zulassung nicht in Betracht zu ziehen und dem Nach- suchenden die Befugnis zum Verhandeln vor Gericht zu erteilen, sofern diesem die Ausübung des Gewerbes als Nechtskonftilent von der zuständigen Behörde erteilt ist." In der Debatte über diese Resolution ivird auch das Verhalten deS Vorstands des Jniiungsverbands von verschiedenen Rednern be- mängelt. da derselbe, aiistatt den Erlaß mit allen zulässigen Mitteln zu bekämpfen, sich ans die Absendung einer Petition beschränkt hat. Die Delegierten von Berlin und den Nachbarorten regen deshalb die Frage der Neuorganisation des gesamten Berufs an. Weiter wurde für notwendig anerkannt, unlautere Elemente, besonders bestrafte Personen, mit Hilfe der Polizei und der Gesetzgebung von dem Berns fern zu halten. Die Beratungen über diese Angelegenheit endigten mit der An- »ahme einer Resolution, in welcher das Bureau des Kongresses be- auftragt ivird. die Orgonisatious- und die sonstigen Berufsfragen auf dein zu Ostern in Berlin stattsindenden Verbandstagc des Jnnuiigs- Verbands mit dem Vcrbandsvorstande zu regeln. Lehnt der letztere eine Negelmig dieser Frage ab oder sollten die Beratungen zu keinem befriedigenden Ergebnis führen, dann beabsichtigen die norddentscheii Berufsangehörigen, mit der Gründung einer Organi- sntiou aus freierer Grundlage vorzugehen. Diesem wurde auch von einem Teil der übrigen Delegierten zugestimmt. Damit fände» die Verhaiidluiigeir ihren Abschluß. Die Kmlst lind die lei ßeinze. Die lex Heinze hat es zuwege gebracht, daß auch unsre In- lellektnellen sich rühren. Wenn das auch nicht mit dem grandiosen Elan geschieht, lvie bei de» teinperamentvolleren Romanen zur Zeit der Dreysus-Affaire, ivenn bei uns auch kein Zola sein„.Tacouss" gegen oie Dunkelmänner schlendert und keine Severine die zarte Hand zur Faust ballt, so ist es doch immerhin schon sehr erfreulich, wenn Herr Sndermann von dem Verlasse» der stillen Dichterklause spricht, ivenn unsre Künstler, und was sich dazu rechnet, auch eiinnal das Wort.Politik" gebrauchen lernen, ohne hochmütig die Achseln zu zucken. Nun. freuen wir uns. daß jetzt endlich auch bei uns einmal der Intellekt erwacht ist, und wenn, wie das bei deutsche» Intellektuellen nun einmal nicht anders ist. allerhand Absonderlichkeiten dabei mit unterlaufe»— z. B die Ausschließung der Frauen von der am Freilag in der Philharmonie projektierten Versammlung—, so tvollen wir doch einstweilen nur darauf Nachdruck legen, lvas uns eint. lind da sind uns die Protest-Vcrsammlnngen. die jetzt in so großer Zahl einberufen werden, äußerst willkomme», und man darf nicht gleich unmutig werden, wenn einmal etwas mißglückt, wie letzthin die Versammlung in der Philharmonie. Die Leute beherrschen eben noch nicht die Teetmil der Sache. Sorge» wir dafür, daß ihr Eifer nicht nachläßt: dann werden sie schon von selbst sich größere Gc- wandheit aneignen. Die Versammlung, die S o n n t a g m i t t a g in den G e r m a n i a- S ä l e» stattfand. war sehr gut besucht. Ivenn auch nicht so überfüllt, wie die vor einer Woche. Siestand aber auf einem hohen Niveau. Der Vortragende, Prof. Bruno Meyer, beschränkte sich nicht daraus, blos die Kunst- Paragraphen der lex Heinze lächerlich zu mache». sonder» er beleuchtete den reaktionären Geist, der die ganze Vorlage überhaupt möglich gemacht hat. und der grade i» de» Zuhälter- und Pro- st i t ii i c r! c n- P a r a g r a p h e n, die die Herren von der Kimst neulich ganz ignoriert hatten, genau so in die Erscheinung tritt, wie in de» Bestimmungen über das Anstößige in Klmstwerkeii. Der Vortragende charakterisierte diese» Geist ganz mit Recht als den- selben, der ans der verflossene» II m st n r z v o r l a g c, dem Zedlitz- scheu Schulgesetz nnd vor allem ans der lex Arons.„dieser geradezu schamlosen Bergewaltigung der Wissenschaft", spricht. Er stellte die Alternative: Entweder modernes Kulturvolk oder zurück in den alleiiiseligmacheiiden Schoß der Kirche I Wofür sich die Versammlung entschied' war leicht zu sehen avs den entrüsteten Zurufen bei Erwähnung der lex Arons. und als der Vortragende die Wirksamkeit der„zum Schutz der geistig Schwachen getroffenen" Bestiniinungen für die Hebung der Sittlichkeit des Nähern untersuchte. Der Direktor des Schiller-TheaterS, Herr Dr. R. Lowe ufeld, zeigte darauf in einigen treffend gewählten Beispielen, wie die Ne- gieruug jetzt bereits' für diese Bolksbildung sorgt, indem sie der Polizei die geistige Leitung des Th e'ater'w esens in die Hände giebl. Der Redner forderte schließlich alle Anwesenden auf, dem neuen Gocthe-Bunde beizutreten. Er sagte ganz mit Recht: Der Kampf gegen die Heiiize-Männcr muß organisiert werden! Der freisinnige Landtags-Abgeordncte nnd freireligiöse Prediger Sänger entfesselte sodann den stürmischen Beifall der Zuhörer- schaft. indem er ein wenig die Tendenzen unsrer gauzen NegienuigS- Politik darlegte. Bildhauer R e i n h o l d machte noch darauf aufmerksam, lvie tief wir doch heruntergekommen sein müssen, wenn selbst der Rc- grerungSvertreter, Staatssekretär Nieberding, der Reichslagskoimussion gegenüber den ansgeklärten Slandpmikt vertreten mußte. Er gab sodann folgende Probe von der beseligenden Macht der Kircheznm besten: Eineiii Kollegen von der Bildhauerei, einem frommen Katholiken, ist im Beichtstuhl von seinem Beichtvater gesagt worden:„Mit dem Nackten dürfe» Sie sich aber nicht beichäftigen. sonst bekomme» Sie von der Kirche jedenfalls keine Aufträge mehr!" Der Man» ist nicht wieder zur Beichte gegangen. Die Stimmung der Versammlung wurde leider etwas getrübt, als ein Arbeiter 4 la Christlicher Verein junger Männer gegen den Materialismus und die Jmmoralität des Theaters zu Felde zog. Um zu beweisen, daß nicht alle dem Arbeitersiande Angehörenden diese Anschaiiuiigen haben, nahm nun Genosse Reichstags-Abgeordueter Geck das Wort. Er legte dar, ohne die Anwesenden im Partei- politischen Sinne beeinflussen zu wollen, daß die Socialdcmot'ratie sich stets in den Dienst jeder Knltnrbewegniig gestellt habe, und wen» er auch hier, wo es sich»m einen Kampf um die höchsten Güter des Volks, um Kunst und Wisseiisäiaft bandelt, bescheiden den Künstlern und Wisieiislhaftlern den ersten Platz einräumte, so gab er doch die Versicherimg ab. daß sie in der Arbeiterbewegung stets ihren stärksten Rückhalt finden würden, ivenn und wo sie ihn brauchten.„Wir sind Entschlossen. ebenso wie wir gegen die Bertctirüng Und Werfülschung der körperlichen Nahrung auftreten, auch mit allen unsren Kräften zu Felde jgi ziehen gegen die Verfälschung und Aeriiinckcruug der geistigen Nahrung des Volks." Mit diesen von ivarmer Begeisterung getragenen und mit stimiiischcr Zustimmung ansgeuommeuen Worten schloß die Debatte. .Die Versammlung nahm sodann gegen eine Stimme die folgende Resolution an: «Wir protestieren gegen den die Gesetzgebung der Gegenwart beherrschenden Geist obrigkeitlicher Bevormundung, der in der sog. !o» Heiuze wieder beschämenden Ausdruck gefüudcn hat. Wir protestieren gegen die tiefe, innere Unsittlichkeit eines verkehrten Anstandsgefühls, das in der künstlerische» Darstellung und Nach- bildung des Natürlichen Unsittlichkeit sieht. Wir protestieren gegen den Kleinmut und die knechtische Gesinnung, die nach Polizei und StaatSamvalt ruft, wo allein Selbsthilfe und Sclbftcrzichuug des freien Volks fördern kann.�_ Vevsttttttnlttngrn. Di« Lohnbewegung der Kleber(Tapezierer) wurde in einer Versammlung am Freitag insofern für beendet erklärt, daß von jetzt ab die einzelnen Bauten, wo die Tarifordnungen nicht bewilligt sind, mich fernerhin gesperrt bleiben. Auch sind bei Ausführung von Privatarbeiten alle Kleber verpflichtet, dein Unternehmer de» Tarif zur Unterschrift zu unterbreiten und bei Ab- lehnung derselben die Arbeit sofort einzustellen. Ferner sind alle Kleber verpflichtet, Ins auf Weiteres Mitteilungen über alle Vorkommnisse auf Arbeitsstätten, Bauten ec., sofort dem Bureau der Kleber, Schiitzenstr. 18/10, zu übermitteln. Die Polsterer, Maler ic., werden ersucht, keine Klebcrarbcitcn zu verrichten. Von Zlß Firmen, denen die Forderungen unterbreitet wurden, haben bis jetzt 130 bewillig!. Da mithin noch eine Anzahl Ans- ständige zu unterstützen sind, wurde beschlossen, daß alle arbeitenden Kollegen auch fernerhin 1 M. pro Woche für den Streikfonds zu zahlen haben. Der Streik der Tapezierer. Tie Ausständigen hielten am Montagvormittag eine von ca. 700 Personen besuchte Versammlung ab, uni den SitiiationSbericht entgegenzunehmen. Nach dem Bericht, den Leo Schmidt gab, haben 63 Firmen mit ungefähr 300 Arbeitern die Forderungen durch Namensunterschrift bewilligt. Darunter eine Anzahl der größten und maßgebendsten Geschäfte wie Gerson, Flatow u. Priemer, Dimski, Fork». Kretschmar usw. Bei ca. 30 Firmen stehen 310 Arbeiter im Ausstand, während mit 40 Firmen wegen mindenvertiger Fragen noch unterhandelt wird, so daß die dort Beschäftigten sta. 120) die Forderungen ohne Ausstand durchführen werden. Es werden aber voraussichtlich im Lauf der Woche noch ca. 150 Man» in den Allsstand treten. Pönike berichtet, daß eine Anzahl Unternehmer eine Konferenz hatten, um über eine gemeinsame Ablehnung der Fordermigeu zu beraten. Die Bemühung' ist vergeb- sich gewesen. Unsre Redner besprachen die Werkstellen-Verhältnisse, woraus eine Resolution angenommen wurde, welche besagt, daß die Ausständigen die Arbeit nicht früher wieder aufnehmen, bis die Forderungen durch Unterschrift bcivilligt sind. Die in Arbeit Stehenden zahlen vorläufig pro Woche 1 M. zum Streikfonds. Der Verband aller im Handels- und TranSportgewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter lB u r c a u: Kommandanten- straße 25, I) hielt am 6. Marz eine außerordentliche General- Versammlung ab, um zu der vom Vertrauensmann für Deutschland cinbernfenen Konferenz Stellung zu nehmen. Rein legte noch einmal die Gründe dar, die die Organisation zivangen, eine end- gültige Entscheidung zn treffen. Er ist dafür und weist an der Hand eines reichhaltigen Materials nach, daß ein enger Zusammenschluß der Handels- Hilfsarbeiter Deutschlands livtwcndig ist. Deshalb ersucht er um Beschickung der Konferenz und schlägt Braiiiischweig als Ort vor. S ch u I tz k e bemerkt, der Ecutralvcrbmid ist nur eine Vertretung der Interessen der Transport- und Verkehrsarbeiter., Redner ist gegen Jndustrieverbände und glaubt, daß durch Gruppenverbände' die Interesse» der einzcsiicu Arbcitcrkategoricn besser vertreten Iverdc» können. Der Antrag Freude, der bedingungslosen Uebcrtritt zum bestehenden Centralberband fordert, wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Kertschcr. Wilh. Müller, Kubat wünschen Anschluß unter entsprechenden Bc- dingungen. K e ß l i n k e empfahl Beibehaltung der bestehenden Form. Uthes, Bode, Koch, Beutel sprachen für Gründung eines Handelshilfsarbeiter-VerbandS. Mit sehr starker Mehrheit ivird bc- schloffen, die zu Ostern stattfindende Konferenz zu beschicken und gleichfalls die Gründung eines deutschen HandelshilfSarbeiter-Verbands zu empfehlen. Es wurden drei Delegierte gewählt, und zwar Straube, Uthes und Keßlinke. Der Verband der Buchbinder nahm in seiner Versammlung am 6. März die Abrechnung von, Silvestervergnügen entgegen. Diese ergab einen Ueberschnß von 24.40 M. Es folgte dann eine eingehende Besprechung der Anträge zum Verbaudstag, die in der nächsten Versammlung fortgesetzt iverden soll. Der Verein der Plätterinnen nahm am 7. März die Ab- rechnung vom Herbstvergnügcn entgegen, die ei» Defizit von 2,65 M. zu verzeichnen hatte. Zu Beginn der Versammlung hatte Genosse Kotzte einen beifällig aufgenonimeneu Vortrag gehalten. leeiitralverbaud aller in der Schmiederei beschäftigten Personen. Dienötag, den 13. März, abends SVz Uhr, im„Englischen Garten", Alexander- sirahe 27o: Allgemeine Mitglieder-Versammliing. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Liesegang über„Der Wert des Achtstundentags". 2. Ab- rechnnug vom Maskenball und Urania-Vorstellung. 3. Anstellung eines besoldeten Beamten, ev. Wahl desselhen. 4. Verschiedenes. Fricdrichsfelde. Dienstag: Volksverfaminlnng. Tagesordnung: 1. Die Orts-Krankenkassen und ihre Bedeutung unter besonderer Berück- stchtigungflder hiesigen Krankenkasse. 2. Dtskusflon. S. Die kolossal hohen Mietssieigeriingen und wie kann sich der Arbeiter dagegen wehren. Zldlershof. Donnerstag, den 22. d. M., Generalversammlung des „Socialdeni. Arbeiter-BlldimgsvercinS". Anträge müssen bis Donnerstag, den 15. d. M, schriftlich eingereicht sein. ssat W Irkli clieii K a iSe e- e s«• 1 1 m a e k besitzt Kathreiners patentierter Malzkaffee, nach wissenschaftlichem Urteil der beste und gesündeste Ersatz für Bohnenkaffee; als Zusatz allgemein beliebt.* Orts-Krankenkasse der Möbttpolikm. Ordentliche General-UersamMlultg am Sonntag, den Iltis. März, nachmittags it Uhr, Set Schecre, Bluinenstraste 38 Tages-Orduu ng: 1. Jahresbericht des Renbanteu pro 1899. 2. Bericht der Revisoren cDecharge- Erteilung). 3. Anträge. Verschiedeues.[270/U ___ Der Voi'Mtanrt. Kränze and Blumen cmpfiehlt s28g3L» f. taditt. KoMilstr. 46. Kriinablnderoi n. Itluiiicu- handlang von[3t312* Robert Meyer, Xo.9, Dtarlnnneniitr. Ko. X. 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Dienstag, abends 8 Uhr: Äitrvlbvtiii. Trauerspiel in fünf Auszügen von William Shakespeare. Mittwoch, abends 8 Uhr: lllmvibetli. Donnerstag, abends 8 Uhr: IH»clbetIi. Thalia-Theater. Tel.AmtIVa 6440. Drsidensratr. 73/73. Täglich: Ricfenlacherfolg! Ii» Himmel Hof. Thomas, Thielfcher, Helmerdittg, Junke rm ann, P a ulmüller. Anfang 7»/, Uhr. Morgen und folgende Tage: Jml, Himmelhof.___ h- CrutvciI-CrjunffH« Direktion: Jose Ferenc2j;t,, Die P u p x. j» Poap�e)!f|� TanbcnittraMse 48/49. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen znm Vesnvi' Hörsaal: Dr. Xass: Wein und Alkohol. Invalielonstr. 57/U2: Tägl. Stern warte. Kachmittag« 5—10 Uhr. TastTns IPANOPTICUMI Dienstag, den 13. März, abends 8 USr, im Mliner Haj, Köslinerße. 8: (lMversammlung. Xeii! Xen! Xeu k l�i« kiv«« der engllsohen Armee 8ergesnt Tb. Dalroy 8 m 30 cm hoch! Oberbayrische Sänger und Schuhplattler• Geiellschaft Passage-Panoptieum. Heute Dienstag:, den 13. Hiirz: Damentag. Abends 8 Uhr Vortrag: Herz and I.imgc. Palast-Theatep früher Feen-Palast, Burgstr. 22. Ganz Berlin amttslert sich über das wunderbare neue Grosse Hhrz- Programm. Kolossaler Beifall bei dem'Austreten der erstklalsigen Kunst-Speclamäten. Neu! Die elektr. musikalische Neu! AM- Demonstration."TWsT lim 8>/z Uhr: Er. Lachersolg. Dirc.'tur Winkler und Fröbcl in der hoch- drastischen Gesangsburlesle Der selige Zwiebelmann. Anfang 7»/, Uhr. Kasicneröffn. 8>/-> Uhr. Borverkans: Bormittags v. II— k Uhr. Sonnabeud, den 17. März:(geschlossen. Tages-Ordnung: l. Vortrag der Genossin F. Ihrer über das Thema:„Soll vogelfrei sein und bleiben?" S�Diskussio». _ Um zahlreiches Erscheinen, namentlich der Frauen, ersucht das weibliche Geschlecht 1/9 Die Bertrauensperson. CarIWeiss-Theater, Gr. Frankfurterftrafte lliny' Rur noch zwei AuffüS,���.' Von Stufe Stufe. 8 Uhr: IS« haben Gültigkeit. Der Mine- �ärz: Zum erstenmal .«enkönig von Transvaal. Borzugsbillet� �"'Mlg 8 Uhr. Wunsch'4 ,4- März: Auf vielseitige» .6nniiiii/z Uhr: Grosser Gala-Abend Znm 124. Male: Die Camorra. Auherdem: Polo- Spiele zu Pferde. Die Wrigory-Troupe, Elite-Akrvbaten. Herr Oskar Renz, Schulrcitcr. Die weihe Dame zn Pferde. Sign. Ricardo mit seiner dressierten Meute. Eqncftr. Karnevalszitg.___ Rabatt Spar Uerem„Snd- Ost". (Kottbuser Ilfer IIa.) Freitag, den ik. März, abends 8 llhr, im Koiizerthaus Sanssonei, Kottbuserftrafte la: ÄusserordeniL General-Versammlung. and Tages-Ordnung Genossen:„Protest gegen den Beschluß Heute Dienstag, den 13. März, abends präc. 7'/, Uhr: Gala-Vorstellung. Neues Programim Neu! Zum erstenmal: Neu! Ein innsikalisches Entree gespielt von<�0 Damen. Neu! Der phänomenale Reitkünstler Mr. lioyd. Neu.'? The tsvo Martinecks? Neu! Die fliegenden Hunde dcö Mr. Wilkes. Die neueste» anerkannt unerreicht dastehenden Original- Dressuren des Direktors Albert Schumann. Zum Schluß zum 39 Male: Doktor foust. Eine romautiich-phautasti'che Handlung in drei Abteilungen vom Hofballett- meistcr A. Siems. Antrag Breetz Versammlung vom 9. Mär Mitgliedsbuch legitimiert, für Lieferanten die Legitimationskarte. DaS Lokal wird erst um 7'/, Uhr geöffnet der außerordentlichen General- 208/16 Der Vorstand. SotmldelnobrMcher Mahlvemu für Jen 4. Berl.Relchstags-Wahikrejg(Osten). Uerfammwyg. Dienstag, den TS. März, abends 8 Uhr, bei Stecher!, Andreasstr. 21. TageS- Ordnung: 242/7 1. Vortrag deS Reidistags- Abgeordneten Paul Singer:„Die politische Lage". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes., Das Erscheine» aller Mitglieder ist Pflicht. Geiste haben Zutritt. Beiträge und Aufnahmen werden——" �'—".......*— cntgegeugenommcn. nur vor und nach der Bersammlung Des» Vorstand. SotjaldemoKratiMer Wahlyereiu für den 6. Berliner ReichstagÄ- Wahlkreis. Dienötag, den 13. März, abenchö M/r Uhr, im Lokal von Jnl. Werna«, Schweihtcr- Strafte Nr. S3: DM" Versammlung."MZ T a g e s- O r d,'u n» g: I. Vortrag. sResercilt wird in.�r Bersammlung belannt gemacht) 2. Diskusnon. 3. VeremSangelcgenhj!,«cii Gäste Haben Zutritt. �" 240/10__ Der Vorstand. Deutscher yzarbeiter-Verband. Mittwoch, dm» 14 März, abends 8 Uhr bei Keller. Koppcnstrafte SS, SW Versammlung r VertrauenäniiGr. Verbaniisbulh mit Ptrtraueilsminlnerkarte legitimieren. 81/1_ Die Ortsversvaltnng. Für die streikende» und ausgesperrten Holzarbeiter gingen folgende Beiträge ein: 'D. Aug. Feder 8,30. Slat-Klub„Null" 2,15. Bolzmann, Lichten- bcrgerstr IS, 1,—. Glaser Berlins u. Umg. 50,— Cigarreu aus Zorndors 2—. Neubau Neauderstr. 4 12,60. Spar- und Kreditvereiu„Eiche" 10,—. Portefeuille FriedrichSbcrg 3,—. Rosner, Ziiilmerstraßc, 1,—. Borchert 15,—. Gesangverein„Ruf" 3,45. ttlaviatureu-Fölz von Hermann 22,—. Gesang- verein„Südost" II, 1. Rate, mit Budiker II,—. Werkstatt Hakner, Bülow- strahe 57, außer einem, 16,—. Tischler Sockel von Wenzel 2,—. Spar- verein„Ameise" 10.— Äunstschlosscrei Krüger durch Wolf 32,—. Einige Dreher von?l. E. G., Brunnenstraße, 25,—. Gesangverein„Nordmacht" 50,— Durch Lchniann 5,—. Durch R iisner 2,—. Organisierte Tischler von Küstrin 8,90. Bon Koch, Kastanicn-Allce, 10,—. D. Bchlow 5,—. D. Lehmann 5,—. D. Relnhärt I,—. Onkel 1,—. R. D., Brücken-Aflee 3,—. Buchdruckerci Gronau, Schönebcrg. 13,-. Theater- und Vergnügungsvcrcin „gröhl. Proletarier" 12,—. Ucbcrschuß vom Maskenball des GesangverelUS „LiedeSlust II" Moabit(darunter 5,70 für Blumenverkauf, 2,— zurück- gewiesene ArbettSloicn-Unterstützung) 57,50.„Freie Sänger" Rixdorf 4. März beim Ständchen 5,50. Weitere Beiträge werden entgegen genommen auf dem Arbeitsnachweis Zlnncnstr. 39. Deutscb. Metallarbeiter-Verband VeiMraltungsstellc Berlin. Mittsroch, den 14. Miirz er., abends 8'/, Ehr, im Lokale deö Herrn G r a n in a n n, Nanuyiistr. 27, Versammlung für den Süden. Tageö- Ordnung: 1. Vortrag deö ReichstagS-Abgeordiieten 8ax Sohlppel über: Haftpflicht, Unsallverficherung und die neueste Regierungsvorlage. 2. Diskussion. 3. Berbaildsangeiegenheiieu und Verschiedenes. Nl/Il Die Kolleginnen und Kollegen werden um zahlreiches Erscheinen ersucht. Die Ortsversvaltnng. Achtung: Isolierer und Rolirunilittller. Millsvoch. den 14. d. M., abends 8 Ehr. bei B n s k c, G r e n ad i e r- 8 t r a s s e 33, Große öffentliche Uersantmlung der Isolierer u. Rohrumhiillcr«nd aller in deren Betriebe» beschäftigten Arbeiter. Tages-Ordnuiig: 1. Welche Lehre ziehe» wir aus der Aiiswerrnng der Holzarbeiter? Referent: Prlti Kater. 2. DlStussiou. 3. Die Maifeier. Ittgr- Es ist unbedingt das Erscheinen der Kollegen notwendig."Vgj 227/7_ Der Vertranensinami. Im Namen des Königs! In der Strafsache � gege?. den Redacteui Paul Loebe auS Breslau, geboren am 14. Dezember 1875 in Liegnitz, freireligiös, nicht Soldat gewesen, wegen Beleidigung durch die Preflc hat die 1. Straskanimer des König- lichen Landgerichts zu Breslau in der Sitzung vom 26. Ollober 1899 für Recht erkannt: Der Angeklagte Paul Loebe wird wegen Beleidigung durch die Presse zu zivei Monaten Gesängnis verurteilt. Dem Beleidigten— dem König- lichc» Ober-Landcsgerichte zu Dresden — wird die Befugnis zugesprochen, den versagenden Teil des Urteils auf Kosten des Angeklagten innerhalb vier Wodicn nach Mitteilung von der Rechtskraft des Urteils öffentlich bekannt zu machen durch je einmalige Einrückuiig a. in die„Schlesischc Leitung",, b. in die„Dresdener Nachrichten", o. in den„Vorwärts", d. in die„ValkSwacht". e. in die„Görlitzer Volkszeitung", lind zwar in den letzten beiden Zeiluitgen in demselben Teile und derselben Schrift, ivie der Abdruck der Beleidigung geschehen. Alle Exemplare der Nr. 31 der „Volköwacht" vom 6. Februar 1899, Seite 1 und der Nr. 3 der„Gürliyer Volkszeitung" vom 7. Februar 1899, Seite 1 und 2 sowie die zur Her- stellung des beleidigciidcii Artikels bc- ftiiilmten Platten und Formen sind unbrauchbar zu machen. Die Kosten des Versahrens werden dem Angeklagten auferlegt. Rechtskräftig und vollstreckbar. Breslau, den 21. Februar 1900. (L. S.)(gez.) Felix, Gerichtsschreiber des Königlichen Landgerichts. Beglaubigt Breslau, den 3. März 1900. Sekretariat der Staatsanwaltschaft. Braun. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Geiioffen die traurige Nachricht, daß am 11. März, abends 9»/, Uhr, meine liebe Frau und gute Mutter Ä62b Amalie Garbe geb. P c c» n e r an Hcrzlähinung gestorben ist., Die Beerdigung findet Donnerstaii, den 15. März, nachmittags 4 Uhr. von dem Trauerhanse, Tilsiterstr. 83, nach dem St. Markus-Kirchhof in Wilhelinsbcrg statt. Wilh. Garbe und Kinder W i l l o und Georg. iM'llltitrblnlii her Mmer DeutsDM. Filiale Berlin II. Den Rtitglicdern zur Nachricht, daß am 8. März 1900 der Kollege Wlldklm Gliicis im Alier von 69 Jahren gestorben ist. Die Beerdigung findet am Tiens- tag, de» l3. März, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofs ans statt. Um rege Beteiligung crsnckit 136/18 Der Borstand. Danksagung. Für die«Iis anläßlich der Beerdi- gung»leincs lieben ManneS, unfreS guten Vaters, des Schneidermeisters Hermann Effner ertmefcne Teilnahme, sagen wir bier» mit allen unsren herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe(28536 Klara(Sffurr nebst Kindern. Danksagung. Für die rege Beteiligung, sowie die vielen Kranzfpenden beim Begräbnis meines lieben Mannes, spreche ich hiermit meine» tiefgefühlten Dank aus. 2860b Hedwig Becker, Witwe Danksagung. Für die vielen Beweist herzlicher Tetlnahme und schönen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes 3810L Angnst Meyer spreche ich Herrn Bure, Werkmeister der deutschen Waffen- und Munitions- fabrik, sowie sämtlichen Kollegen von der Abteilung und Bekalinten meinen herzllchsten Dank aus. 3810L Die tiefbctrübte Witwe Maria Meyer geb. Hehl. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannte», iiisbesondere dem Gesang- verein, Volksbildungsverein„Britz", Holzarbeiter- und Einsetzerverband, sowie dem Lotterieklub„Fortuna", welche meinem geliebten Mann, unscrm unvergeßlichen Vater, dem Tischler Erledrlch Topp die letzte Ehre erwiesen haben, sagen wir unfern hcrzildistcn Dank. 381lL Witwe Sophie Topp geb. Kablow nebst Kindern. «iMMWjSxÄ: ___ inkl. Bier 50 Pf. j Köpnlckorstr. aha. Mittwoch, den ilTMöri 1900. abeiids'8 NHr: Volks Uersammlung im Saal des Berliner Prater, Kastanien-Allec 7-0: Tag es-Ordnung: 1. Zweck und Bedeutung der Konsum- Genossenschafte«. Ref.: Herr Dr. Leo Arons. 2. Diskussion. AM" Boranzeigc: Am Montag, den 2«. März, spricht der Herr Referent über dasselbe Thema im Bictoria-Garten, Badstr. 12. 266/5 Der Elnbernier. Faciiverein der Musikiostronienten-Arbeiter und Berufsgenossen Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 14. März, abends 8Vs Uhr. bei Herrn Graumann, Naunynstrafte 27, Mss" gtltgittten- Uerfammlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Werkstatt-Angelegenheiten. Die Kollegen wrrdcnZersncht, ans jeder Wcrkstelle einen Delegierten z» sende»._ Der Borstand. Wedding-Park Müller- Strasse 178. Norddeutsche Sänerer. Blegler, Wolf, Hohenberg etc.(:S Entree 20 Pf., Vorzugsbiliets 15 Pf- Sanssouci Kotihnscrstr. 4 a. Heute DicnStag: Noffmanns MmtW Tiiiiger Vorzügliches Programm. P»-Üsldent Hriiger inen bearbeitet). Morgen Mittwoch: Geschlossen. PI ano, 85M., verk., Friedrichstr.58 1 l- 6e86U8l;IlZt't8.IImi8„VlDNll-lDsI". Weberstr. 17. Jnh.: Lust. Brochnow. Telephon VII 1663. — c0. iooo Personen fassend.— Bereiiiszimmer mit Piano. W» Zeile» luÄ: Grosser Bull. Donnerstags,»achinittags 3 NHr: SV Hücker-Ball."WG Zur prachtooller Ratnrg arten mit Laubengang, 500 Personen Sommer-Saison: foffeiid. elegant cingerichlet. MI Sonnabende frei. MI Täalich zu allen Festlichkeiten und Bersaunnlungen zu vergeben.* WIM. sißiirußKer 11. mulk™. Mittwoch, den 14. März, abends HVa Uhr, in den Armin-Hallen, Kommandantenstrasse 20: Oeffenllicbe Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über die Novelle zum llnfallversicherungs-Gesttz. Referent: Genosse Slmnnorrski. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zum dritten internativiiale» Kongreß der Lithographen, Stcindrucker und Bernfsgenosstn. Um zahlreiche Beleiliguug ersucht gg/t Der Elnbernier: O. Bos-lseh. Central-Yerband der Töpfer. Mittwoch, den 14. März, abends ö'/t Uhr. int KlubhanS „Nordost"(früher Rieft). Weberstrafte 17: Leffentliche Bersammliiug. TageS-Ordnung: I. Vortrag über: Tic Rovcllc znm Ilnfallberstchcriiugs- Gesell. 2. Stell», ignaKne zu», I.Mai 1900. 3. Die Sperre über die Firma Ruhm 4. Beratungen über Vereinbariiiigsarbeiten. 5. Gewerkschaftliches. Kollegen, es handelt sich»m Beschlüsse va» weitgehendster Bedeutung »nd erwarten wir, daß jeder pünktlich zur Stelle ist. 195/10 Der Vorstand der Ellinle Berlin. (Tljnvlottrnlmvn. M�Voiks-Bcrsammluiig Sonntag. Sei« 18. März, nachmittags I>'s Uhr. in der GambrtnuS- Brauerei, Wnllftrafte Nr. 94. Tages-Ordnung: Der achtzehnte März. Referent: Rcichstags-Abgeordneter Kunerl. 202/15 Der Bertrauensmann. Bitte, verlangen Sie unser Musterbuch gratis und franco "jj!! It Slotawa, Tischlermeister 2. Geschäft: Turmstrasse 81._ 3900L' vg zm ÄlgÄZtn w«-„s5.5.5<7"'!5 a Kleine W'- HT Wort feit, Worte mit juehr als Sf HL A JäL ML ML �Stw ML Ja mSm Wt0 JM. WPw JL JKL 9 y J5 Buchstaben zählen doppelt, jSSB& � � Anzeiffen��Sra*"ln in Jen A niuihmestelletl /iJri{ter/'* 2 Uhr, für die Vororte bis Jr&Ary inäer NauptexpeJition Benthstr.& öis 4 C/ir angenoutmen. Verkäufe. Restauration im SO. krankhcits- halber billig zu verkauseii. 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Gs empfiehlt iich daher, den Einkauf recht bald zu besorgen. «uixn. nw 2. fninje drs Dwiick" Kr!« MsdlÄ.>- D««»- Erster Verbliilliötag iies VerstilüS deutslher Gllstivirtögehilse«. Die Debatte über de» Geschäfts- und Kassenbericht deS Vor stands nahm den Rest der Somiabend» und einen Teil der Sonntags sitzung in Anspruch. AuSstelllnigen von wesentlicher Bedeutung wurden an der Thätigkeit des Vorstands nicht gemacht. Es handelte sich zumeist darum, welche Art der Agitation mit Rücksicht Qiif_ i)ie_ eigenartigen Verhältnisse im Gastwirttgewerbe die geeignetste sei. Einzelne süddeutsche Delegierte meinten. man dürfe den socialdcmolratischen Standpunkt nicht allzusehr be tonen, überhaupt müsse das Politische, wenn die gewerkschaftliche Propaganda Erfolg haben solle, aus dem Verband fern gehalten werden. Mrt besonderer Energie vertrat ein als Gast anwesendes Kölner Mitglied diesen Standpunkt. Darauf erwiedcrte der Vcr bandsvorfitzende Pötzsch: Es sei selbstverständlich, dasi die gewerkt schaftliche Agitation nicht politischen Zwecken zu dienen habe. Jedoch dürfe man nie vergessen— und das müsse auch bei der Agitation betont werden— dah der Verband sich von andern Kellnervereinen dadurch unterscheide, dah er eine Jntcresseiv Harmonie zwischen Unternehmer und Arbeiter nicht anerkenne, und in dieser Hinsicht also auf dem Boden der Socialdemokratie stehe Wenn die Gewerkschaft, obwohl sie nicht politisch sei. von den Gegnern als socialdemokratisch bezeichnet werde, so brauche man darauf durchans keine Rücksicht nehmen, oder gar in übertriebener Aengstlichkeit fürchten, sich zu den Principien der klassenbewnbten Arbeiterbewegung zu bekennen. Dieser Ansicht pflichteten auch die ubngen Mitglieder der Hatiptverivaltung, soivie die meisten Delo gierten bei. Der Hauptverwaltung wurde einstimmig Decharge erteilt. Den Bericht über das B e r b a n d s o r g a n'Der Gastwirts gehilfe" erstattete der Redacteur W e g e n e r- Berlin. In der De batte rügten sowohl die Mitglieder der Hauptverwaltung wie auch verschiedene Delegierte. dasi im Verbandsorgan allzu drastische Kraflansdrücke gebraucht würden, die unbeschadet der principiellcn Haltung des Blattes sowie der sachlichen Schärfe der Kritik unter bleiben könnten. » Eine Resolution, die zu diesem Punkt angenommen wurde wünscht, daß derartige Kraftausdrücke nicht mehr gebraucht werden und daß die Kollegen sich an der Mitarbeit durch Einsendung von Material zu fachgewerblichen Artikeln beteiligen. ... Sitzung am Sonntag endete mit einem Referat Legiens über die Aufhebung des Verbindungsverbots und die Rechtsfähigkeit der Vereine. Der Referent führte ans: Auch nach Aufhebung deS Vcr bindnngsverbots stchcn der politischen Bethätigung der Gewerb tchaften ge, etzliche Hindernisse im Wege, da Frauen und Lehrlinge >n manche» Biindesstaaten auch Minderjährige— nickst Mitglieder polltllcker Vereine sein dürfen. Es empfehle sich daher, die bisherige Taktik beizubehalten. Die Erlangung der Rechtsfähigkeit auf Grund des Bürgerlichen Gesetzbuchs biete den Gewerkschaften zivar Vor» teile bringe aber andrerseits so erhebliche Nachteile mit sich, daß es im Interesse der Gewerkschaften liege, die Rechtsfähigkeit nicht nach- zufuchen. Slm Montag wurde angenommen: Der VerbandStag erklärt: Die Aufhebniig des§ 8 des Vereins gesctzes ist für uns kein Gnind, unsre Taktik zu ändern. Ferner beschließt der VerbandStag: Die Rechtsfähigkeit für unsre» Verband nicht zu erwerben. Hierauf folgte die Beratung von Statuteiiändernugen, die nicht von wesentlicher Bedeutung find. Dann wurde ein' ausführliches Streikreglcmcnt angenommen, worin die Streikunterstützung pro Tag auf 1,50 M. festgesetzt ist und den Verheirateten außerdem für jedes Kind wöchentlich 1 M. zugebilligt wird. ..t.'lernet �"5� folgender Antrag angenommen: Um einen einheitlichen Lohnsatz als Grundlage für die Rechtsprechung der Gc werbegcrichte zu schassen, ist es notwendig, daß ein den örtlichen Verhältnissen entsprechender Mindestlohnsatz festgesetzt wird, welcher niit cincni Begleitschreiben dem Vorsitzenden soivie den Obmännern der Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Beisitzer eines jeden Gewerbe� gerichts zuzustellen ist. Weiter nahm der Verbandstag eine Shmpathic-Erllärung zu Gunsten des Streiks der Berliner Holzarbeiter an uud bewilligte den Streikenden als erste Rate 100 M. Der Verbandsansschuß soll von den Mitgliedern der Zahlstellen Hamburg. Altona und Wandsbek bestimmt werden. In den Hanptvorstand wurden wiedergewählt Pötzsch als Vorsitzender und S t r ö h l i n g e r als Kassierer. Damit ist die Tagesordnung erledigt. zunächst folgender Antrag ohne Debatte Berliner Partei-Angelegenheitcn. Parteivcrsaminluugeu in den Bivrorten. In Tempel- h o f findet heute abend 8 Uhr bei Gcrlh, Dorfstr. 18, eine Vcr- sanmilung des Krbeiter-Bildungsvereins statt.. Da ivichtige Angelegenheiten zu erörtern sind, ist ein zahlreiches Er- scheinen der Genossen notwendig.— Im Verein Vorwärts zu Rixdorf. Bergstr. 151. bei Lankner hält henie abend Reichstags- Abgeordneter Bau dert einen Vortrag: Warum niuß die Social- demokratie siegen? Zweiter WahlreiS. Genossen? Wie Euch bekannt ist, hat die letzte Generalversammlung des Wahlvereins eine Statutcnändcrnng beschlossen. Danach soll der Kreis in Bezirke eingeteilt werden, um so eine leichtere und wirksamere Agitation zu erzielen. Diese Ein- teilung und Besetzung der Bezirke hat bis jetzt nicht in dem Maße erfolgen können, wie es für notwendig erachtet werden muß. Zum größten Teil ist die Ursache darin z» suchen, daß die Wohnungen der Mitglieder nicht genau festgestellt werden konnten und wir so verhindert waren, mit den einzelnen Mitgliedern Fühlung zu bc- kommen. Um diesen Mißstand zu beseitige», hat sich der Vorstand veranlaßt gesehen, einen neuen Weg einzuschlagen. Jedoch ist hierzu erforderlich, daß jedes einzelne Mitglied sich der Pflicht bewußt ist, den Vorstand bercitiviNigst zu unterstützen. Es liegen zu diesem Behnfe auf jeder Zahlstelle 14 Tage lang ge- druckte Karten aus, welche so eingeteilt sind, daß sie wichtige, für die Agitation bestimmte Fragen enthalten und von jedem Mi'tglicdc persönlich ausgefüllt iverdcn müssen. Nach Ablauf dieser Zeit hofft der Vorstand Material in den Händen zu haben, auf Grund dessen endgültig die Envarlungen, welche in der Generalversamnilnng ans- gesprochen worden sind, erfüllt werden können. Also Genossen, thne ein jeder seine Pflicht, damit keinem Mitglicde der Vorwurf der Sckiiinscligkeit, der Interesselosigkeit gemacht werden kann! Der Vorstand._ Gemeindewnhlen in den Vororten. Charlottcnbnrg. Eine Stadtverordneten- Ersatz- Wahl ist infolge der MandatSnicderlegung des konservativen Stadtverordneten Krebs vom 1. Wahlbezirk der III. Abteilung für den Rest der Wahlperiode bis 31. Dezember 1003 vorzunehmen. Die Wahl findet statt am Freitag, den 30. März, von vor- mittags 10 Uhr bis abends 8 Uhr, im Restaurant Triescthau, Sophie Charlottcnstr. 94. Das Wahllokal wird um 8 Uhr abends geschlossen. Dann iverdcn nur noch diejenigen Wähler zur Stimm- abgäbe zugelassen, die vor Ablauf dieser stunde im Wahllokal an- tveiend waren. Beider letzten Wahl, am 7. November v. I., machten im ersten Bezirk von 4006 eingeschriebenen Wählern 1248 von ihrem Wahlrecht Gebrauch, und zwar stimmten 455 für den socialdemokratischen. 790 für den geineinsamen bürgerlichen Kandidaten. 3 Stimmen waren zersplittert. Von 1897—1899 hat sich die Zahl der sociaide m akratischen Stimmen in diesem Bezirk mehr als verdoppelt. Dalldorf. Die Wahl eines Gcmeindevertreters der dritten Wählerklasse findet nach amtlicher Bekanntmachung am Mittwoch, den 14. März, von vormittags 9 bis nachmittags 3 Uhr, im hiesigen Amtsbureau statt. Pflicht eines jeden Wählers der dritten Abteilung ist es, einen Arbeitervertreter in das Dorf- Parlament zu wählen. Genossen, seid pünktlich zur Stelle. Steuer- zettcl, Militärpapiere usw. legitimieren. Das Wahlkomitee. Lichteuberg-Friedrichsbcrg. Zur Vornahme der Ergänznngs wählen für zwei ausscheidende Vertreter der hiesigen Gemeinde Vertretung ist wie folgt Tcrniin anberaumt worden: a) für die dritte Klasse(II. Bezirk) auf Montag, den 19. März d. I., von vormittags 11 bis abends 3 Uhr, im Pantenschen Schanklokale, Frank fnrter Allee 174.— An diesem Tage werden zwei Kandidaten, und zwar der Restauratenr Oswald Grauer und der Zcitungsspeditcnr Karl Welk von der hiesigen organisierten Ar beiterswaft zur Wahl präsentiert. Die Ersatzwahl für Herrn Gensler ini zweiten Bezirk der dritten Klasse findet statt am Dienstag, den 20. März d. I.. von vonnittagS 11 bis abends 8 Uhr, im Pantenschen Schanklokale, Frankfurter Allee 174, und wird hier als Kandidat der Weber Georg Treue von den Arbeitern aufgestellt.— Genossen, Arbeiter! Wie Ihr seht, wird an Euren Opfermut eine große An fordcrnng gestellt: An zivei Tagen müßt Ihr die Arbeit versäumen, wollt Ihr Euren Kandidaten zum Siege verhelfen. Kein Arbeiter darf hier fehlen! Trcptow-Banmschulenwefl. Die hiesige Gemeinde wähl der dritten Klasse findet nicht, wie irrtümlich mitgeteilt, am Mittivoch, sondern am Donnerstag, den 15. d. M.. von nachmittags 3 bis Va 6 Uhr im Lokale von B u ch h o lz, Paradiesgarten, statt. Es ist bei der diesjährigen Wahl von der Gemeindevertretung die Neuerung getroffen worden, daß alle Wähler eine Legitimationskarte zugestellt erhalten sollen. Wer als Wähler bis zum 10. keine Karte erhalten hat, soll sie in derZeit von 12—3 Ubr selbst abholen! Bedenkt man, daß das AmtShans für die meisten Wähler eine halbe Stunde entfernt liegt und erwägt man ferner die ungünstige Zeit der Abholung, so kann man diese Neuerung gerade nicht als praktisch ansehen. Da thak sächlich viele Wähler keine Lcgisimationskarte erhalten haben, so machen wir darauf aufmerksam, daß trotz alledem jeder Wähler auch mit andrer Legitimation zur Wahl zuzulassen ist. Lasse sich niemand durch die unberechtigte Drohung abschrecken, daß er ohne Legitiniationskarte zu warten habe. Wer' bis nm �/aS Uhr im Wahllokal ist, muß auch zum Wählen zugelassen iverden. Bei alledem möge aber ein jeder möglichst rechtzeitig sein Wahlrecht aus üben und dahin streben, daß unsre Kandidaten G e r i s ch und KrebZ den Sieg erringen. Daß Wahlkomitee. Stralau. Heute. Dienstag, nachmittag von 5—6 Uhr, findet im Storchnest(Gandc) die Wahl eines Gemeindevertreters der dritten Abteilung statt. Von unfrer Seite ist Genosse Gustav Mütze als LlandilZat aufgestellt worden. Die kurze Dauer der Wahlzeit erfordert doppelte Aufmerksamkeit, damit uns keine Stimme verloren geht. Der Vertrauensmann. Ncinirkeudorf. Parteigenossen! Thut Eure Schuldigkeit, seid sämtlich auf dem Platz, wo es gilt, in der heute zivischcn vier und acht Uhr stattfindenden Gcmcindewahl niisrem Kandidaten, Bäckermeister Adolf Langer, zum Siege zu verhelfen. ES kommt auf jede Stimme an! Die Parteigenossen in den Vororten werden gebeten, nnS von dem Ausfall der Gcmcindcrats-Wahlcn auf dem schnellsten Wege in Kcnutniö zn setzen. DoKales. Ten Hauöagrarier», die dank der auf den Besitz zugeschnittenen Kommunalgesctzgebung das Heft in Händen haben, ist es mit heißem Bemühen gelungen, einen namentlich in sanitärer Hinsicht wertvollen Plan zu Fall zu bringen. Das Nordpark-Projekt ist nämlich gefallen. Ter Magistrat hatte, ivie seiner Zeit bc richtet wurde, durch die Grundeigentums- Deputation wegen Erwerbes der zum Nordpark erforderlichen Ländereien mit den Adjaccntcn verhandeln lassen. Die Forderungen belaufen ich durchschnittlich auf 10 M. per Quadratmeter. Dies er- gebe mehr als 6 Millionen Mark: schätzt man das herzugebende Itädtische Land ebenfalls auf 10 M., so ergicbt dies eine Summe von 9 393 796 M. für da? Gelände, wobei die Abdeckercigrundstücke nicht eingerechnet sind. Dabei handelt es sich bei den Adjacenten nm Flugsandberge, die erst fortgekarrt werden müssen, um das Bau- stelleiigelände freizulegen. Der Magistrat hält diese Forderung von t0 M. für weit übertrieben und hat deshalb in seiner außerordent lichen Sitzung am Sonnabend beschlossen, das Nordparkprojckt fallen zu lassen und der Stadtverordnctcn-Versammlnng dies zur Kenntnis nähme mitzuteilen. In der Stadtverordnetcn-Vcrsammlnng würde, wenn auch mit geringer Aussicht auf Erfolg, zu erörtern sein, ob den hansagrarischen Schädlingen nicht mit Zwangsmaßrcgeln bcizukomnien wäre. In den hygienischen Vortragökurscn, welche die„Central- kommission der Krankenkassen Berlins" veranstaltet, wird in dieser und der nächsten Woche das Thema:„An st ecke»de Krank- h e i t e n" behandelt werden. Es kann im Rahme» eines Vortrags selbstverständliÄ nur das Wichtigste ans diesem umfangreichen Gebiet Besprechung finden, und so sind namentlich zwei Krankheiten bczw. Krankheitsgruppen für eine eingehendere Betrachtung auserschcn: die T u b c r k u l o s e und die v e n e r i s ch e n K r a n k h e i t e n. Daß die T u b e r k u I o s e, als die P r o l e t a r i e r k r a n k h e i t, gerade in einem für die Arbeiterschaft bestimmten Vortrage einen hervor- ragenden Platz verdient, ist ohne weiteres klar. Aber auch die venerischen Krankheiten dürfen, angesichts ihrer ungeheuren Verbreitung in allen Volksklassc», nicht nnbesprochen bleiben. Auch das wichtige Gebiet der„ D e S i n f e k t i o n"— d. h. der Vernichtung der Krankheitserreger— soll ebenfalls an diesem Vortragsabend ge- bührende Berücksichtigung finden. Es sprechen über das Thenia: An st eckende Krankheiten (insbesondere Tuberkulose und venerische Krankheiten, Desinfektiom am Donnerstag, den 15. März, Dr. Zadel der 80. Gemeindcschulc. W r a n g e I st r. 123, Dr. B l a s ch k o in der 84. Grmeindeschnle. Keibelstr. 31/32, Dr. Paul Richter der 118./t27. Gcmeindcschule, Pankstr. 8, und Dr. Below in der 107. Gemeindeschule. G e n t h i n e rstr. 4. Es folgen dann am 22. März die Vorträge der Herren Dr. L i l i e n t h a l in der 110./174. Gemeindeschnle, Schönhauser Allee 166a, Dr. B a c n d e r in der 189. Gemeindeschnle, Stephan- r a ß e 27, und Dr. B i s ch o f s w e r d e r in der 40. Gemeindcschulc, Gncisenaustraße 7. Der Besuch der Vorträge ist »entgeltlich. Eine Legitimation i st zum Eintritt nicht erforderlich. Wir teilen außerdem mit, daß bei Ge- lcgenheit dieser Vorträge eine von der„Central kommission" heraus- gegebene gemcinvcrständlichc Broschüre: Die Geschlechts- krankheiten, ihre Gefahren, Verhütung und Be- kämpfung, verfaßt von Dr. A. B l a s ch k o, zur Ausgabe gelangt, welche zum Preise von 10 Pf. käuflich sein wird. Dischler-Zwnngöinnnng. Die Wahl der 163 Vertreter zur Jnnungsversammlung, welche am 5. März vollzogen wurde, nachdem die erste Wahl für ungültig erklärt worden war, ergab folgendes Resultat: Es wurden 1323 gültige Stimmzettel abgegeben. Gewählt wurden mit 738—744 Stimmen die Kandidaten der.Freien Ver- cinigung der Holzindustriellen" der alten Innung und der niit ihnen verbündeten Vereine, außerdem 5 Kandidaten mit 1318— 1322 Stimmen, welche auch von den nicht organisierten Meistern mit alifgestellt waren. Die Nichtorganisierten, hauptsächlich aus Gegnern der ?wangsiinmng bestehend, erhielten 568— 532 Stimmen. Die als Social- emokraten am heftigsten, auch in den Flugblättern der Scharfmacher und ihrer Trabanten bekämpften Kandidaten der Gegner der Zwangs- innung, Tutznuer, Apelt und Peege, vereinigten auf ihre Namen 563, 572, 580 Stimmen. Unter den Gewählten befinden sich einige Nichtwählbare, sodaß von der Liste der unterlegenen Richtung noch einige Kandidaten als gewählt zn betrachten sind. Wie uns mitgeteilt wird, ist jedoch auch gegen diese Wahl bereits ein Wahlprotest bei der Gcwcrbedcputatio» des Magistrats eingereicht worden. Der jetzige Tischlerstreik hat den Sieg.Scharfmacher" wen» nicht herbei- geführt, so doch wesentlich erleichtert. Ohne Lockspitzel geht's nicht. Das Polizeipräsidium hat im Auftrage des Ministeriums des Innern die Beschwerde der Berliner D r o a n i st e n- I n n u n g gegen die sogenannten„Iv e i b I i ch e n Lockspitzel" abgelehnt. In der Antwort des Polizeipräst- deuten wird die Notivendigkeit der Benutzung von Polizei-Agentinnen betont, der Kernpunkt der ganzen Angelegenheit, die Fiage der Verleitung von Gewerbetreibenden zu Gesetzesübertretungen durch behördliche Organe aber nicht berührt. Die Droguisten-Jnnung beauftragte deshalb ihren Vorstand, sich mit einer abermaligen Eingabe an daS Ministerium zu wenden und die Abschaffung oder Einschränkung des Agentinnenunwcsens zn verlangen. Wie mag der verflossene Herr v. Puttkamer über die Naivetät der Drognisten lächeln! Einen schrecklichen Tod fand vor einigen Tagen ein altet Hospitalit des Friedrich Wilhelm- Hospitals und Siechen- Hauses in der Fröbclstraße. Der Greis nahm ein Bad. Bald wurde die Thür zur Badcstube von dem Wärter, ivelchcr zur Einsargung eines verstorbenen Hospitaliten nach der Leichenhalle beordert wurde, verschlossen. Der Hospitalit, ein gelähmter alter Mann, wollte, nachdem er die Badcivanne bestiegen hatte, noch etwas Wasser einlassen und öffnete den Hahn der Warmwasserleitnng. Er war jedoch nicht im stände, den Hahn wieder zu schließen und wurde infolgedessen von dem unablässig zuströmenden heißen Wasser vollständig verbrüht. Auf sein jämmerliches Hilfegeschrei eilten andre Insassen des Hospitals herbei, doch auch diese waren nicht gleich in der Lage, dem Unglücklichen Hilse zu leisten, weil der Wärter den Schlüssel zur Badestube mit in die Leichenhalle genommen hatte. Als es endlich gelungen ivar, die Thür zu öffnen, bot sich den die Badestnbe betretenden Personen ein gräßlicher Anblick dar. Der Unglückliche war derart verbrüht, daß man ihm beim Berühren fast die Haut vom Leibe abstreifen konnte. Einige Tage später erlöste der Tod ihn von seinen Qualen. Hoffent- lich iverdcn die städtischen Behörden eine strenge Untersuchung einleiten und Sorge tragen, daß die ihrer Obhut anvertrauten alten Leute in Zukunft vor solchen, leicht zu vermeidenden Unglücksfällen bewahrt werden. In der Strafsache gegen den Bankier August Steruberg wegen Sittlichkeitsverbrcchens ist nunmehr der Termin der Haupt- Verhandlung auf Donnerstag, den 29. d. M., niorgens 9 Uhr, vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I festgesetzt. Den Vorsitz führt. wie bereits erwähnt, Landgerichts-Direktor Weimann: die Anklage vertritt Staatsanwaltschaftsrat Dr. Nomen, die Verteidigung haben neben Justizrat Dr. Sello die Rechtsanwälte Jnstizrat Kleinholz und Dr. Heinemann übernommen. Der Schriftsteller und Redacteur Herniaun Horn ist hier im 48. Lebensjahre gestorben. Seit 1872 gehörte er ohne Unter- brechung dem Bureau der Oldenbergschen Korrespondenz an, in welchem er sehr bald an leitender Stelle mitzuwirken berufen war. Ei» Zusammenstoß zwischen einem wahnsinnig dahinsausendcn Dreirad- Automobil und einem Niederradfahrer geschah Sonntag- nachmittag am Schildhornberg hinter Westend. Der Zusammenstoß erfolgte bei der Biegung der Chanssee in der Richtung auf Pauls- born. Beide Fahrer' wurden von ihren Maschinen herabgeschleudert. Der Architekt Bernhard Richter vom Radfahrerklub.Hohenzollcrn" erlitt hierbei einen Bruch des linken Oberarms. Der Führer des Motors, ein bekannter Sportsman, wurde durch einen Gendarmen festgestellt. Totgcfahrcu wurde gestern nachmittag nm 3 Uhr die 4 Jahre alte Tocktcr Marie der Kohlenhändler Krügerschen Eheleute aus der Adalbcrtstraße. Eine Kutsche des Fabrikbesitzers Falbe aus der Manteuffelstraße, in der der Brandmeister Baumann saß. fuhr durch die Straße, als das Kind in den Wagen hineinlief. Der Kutscher konnte nicht verhindern, daß die Räder der Kleinen über den Kopf gingen. Banmann brachte das Kind in seine nahe belegene Wohnung und ließ mehrere Aerzte rufen. Diese konnten aber bei der Scknvcre der Verletzung nichts ausrichten, das Kind starb unter ihren Händen. Am Sonntag ist ein Stadtbahnzug vou einem Schusse getroffen worden, zum Glück ohne daß jemand verletzt worden ist. Als nachmittags 3/45 Uhr der von der Station Grunewald nach Charlottcnbnrg fahrende Stadtbahnzng sich etiva in der Mitte zwischen Grunewald und Eichkamp befand, wurde Plötzlich die Thür- scheide eines Coupes 3. Klasse von einer Kugel durchschlagen, die quer durch das Coupe sauste und zum gegenüberliegenden Fenster wieder hinausflog. Die schreckerstarrten Fahrgäste machten auf der Station Eichkamp von dem Unfall sofott Anzeige, doch war von dem Thäter nichts zu entdecken. I» Sachen des Seide, idiebstahlS bei Fcibufch u. Preuß sind noch siins Personen verhaftet worden. Nachdem die Hehler Lüttgens und Genossen hinter Schloß und Riegel gebracht worden waren, stellte ein gerichtlicher Bücherrevisor fest, daß noch eine Kiste mit zwei Centncr Seide fehlte. Die Kriminalpolizei ermittelte darauf in einer Herberge im Norden der Stadt, daß an dem Ein- bruch zwei Brüder beteiligt waren, von denen man zunächst mir die Vornamen Emil und Paul feststellen kannte. Das Vcr- brecheralbnm ergab, daß diese beiden„Schlächter- Emil" und„Barbier-Panl" sein mußten, zwei Brüder Hildebrandt, die wegen Diebstahls. Einbruchs und Hehlerei vor- bestraft sind und sich verborgen dielten. Die weiteren Er- Mittelungen hatten das Ergebnis, daß„Schlächter- Emil" mit einem Schnhniacher Blnth in Verbindung stand. Dieser nährte sich anscheinend redlich, indem er mit einem Gesellen in der Angnststraße eine Besvhlanstalt trieb. Der Gewerbebetrieb ivar indessen nur ein Deckmantel, da er als Hehler mit Dieben in Verbindung stand. Die drei Personen wurde» verhaftet, ebenso der wegen Einbruchs und Hehlerei vorbestrafte Schneider Reinhold Kühn und ein Schneider- I ari ck. der in einem herrschaftlichen Hause in der Tanenzienstraße eine Pförtnerstelle bekleidete. Ter Strumpswarcu-Fabrikant Wilhelm Tcthloff, Schilling- straße 3. in dessen Laden vor einiger Zeit Feuer ausbrach, ist wegen Verdachts der B r a n d st i f t u n g verhaftet worden. Er hatte ein Warenlager tveit über den Wert versichert. Beim Brande verunglückt ist der Fenerwehnnann Lenzner von der vierten Compagnie. Somilngabend 11 Uhr tarn Kolonic- traßc 83 in einem jener alten«instöckigen Hänser, wie sie im Norden der Stadt noch häufig vorkommen, ein Dachstnhlbrand ans, ivnhrcnd der Eigentümer mit seiner Familie abwesend war. Die Feuerwehr brachte das Feuer rasch zum Stchcn. Beim Aufräumen stürzten zwei Feuerwchrniänner durch die aufgeweichte Lehmdecke in den Hansflnr hinab, wobei der Wehrniaim Lenzner auf eine aufrecht stehende Tonne aufschlug und sich schwere Verletzungen zuzog.— Die 'Ünfte Brandstiftung innerhalb eines Jahres hatte das Haus Prinzen- Allee' 70 am Sonntagabend zu ver- zeichnen. Im Herbst vorigen Jahres wurde der gesamte Dach- stuhl des vierstöckigen Vorderhauses eingeäschert, während zwei SJobcnbrürtbc und epi Kcllerbrand, die boswiflii? angelegt waren, ugch im Entstehen abgelöscht werden konnten. Auch diesmal stellte die Feuerwehr Brandstiftung fest,— Ein D a� stu h ll> ra n d, der eine große Gefahr in sich barg, kam Sonntagabend S Uhr Pallisadenstr. 77 aus. Ans dem onsgedehnten Fabrikgrnndstiick be- fanden sich acht Tischlereien, drei Fraisereie», eine Schneidemühle und ein umfangreicher Holzplatz, Die Feuerwehr hatte von vornherein wirksame Anordnungen getroffen, um das Feuer zu lokalisieren, was ihr auch nach cinstündiger Arbeit gelang. Schwere Zusammenstöste mit Strasienbahnwagcn waren gestern auf der Tagesordnung: Vor dem Hause Hermannsir. 13 Zu Rixdorf wollte ein Bauer mit seinein Gefährt einem Bicrwagen ausiveichen und geriet dabei mit dem Straßenbahulvagen der Linie Moritzplatz— Änescbcckstraße zusammen. Der Bauer rettete sich durch Abspringen, sein Wagen wurde zertrümmert, und das Pferd geriet unter die Straßenbahn.— Der zweite Z» s a m in e n p r a l l geschah gegen G/ü Uhr zwischen den Wagen Nr. 1258 und 1577 der Linie GesiindbrUnnen— jlreuzberg. Der letztere bog von der Leipziger- in die Jcrusalemerstraße ein, ihn» entgegen kam der andre Wagen ans der Jerusalemer- in die Leipziger- sfraße gefahren. Dieser hielt nicht, bis Nr. 1577 die Meguug durchfahren hatte, der Wagen sprang über auf das geradeaus- führende Geleise und beide Wagen fuhren aufeinander los. Es gab einen kräftigen Nnck und beide waren a>n Vorderteil erheblich beschädigt. Noch ein Zusammenstoß wird vom Montagnachmittag um 1 Uhr aus der Bcuthstraßc gemeldet. Aus dem Grundstück Nr. 7 wurde ein Rollwagen rückwärts auf die Straße geschoben, wo die Pferde vorgelegt werden sollten. Iii.demselben Äugenblick fuhr ein Wagen der Straßenbahnlinie Montzplatz-Ceiitral-Viehhof nach dein Spittel- markt zu vorüber und der Rollwagen lief auf die rechte Längsseite auf. Die vordere Plättform wurde fast völlig zerstört. Verletzt wurde mit Ausnahme eines Mannes, der von dem Straßenbahn- wagen herunterfiel und leichten Schaden erlitt, niemand. I» daö Wasser geworsen wurde von Wegelagerern der 21 Jahre alte Arbeiter Julius Bosen, der die Nacht zum Montag in heiterer Gesellschaft verbracht hatte und sich ain Morgen um 4 Uhr in etwas angetrunkenem Zustand über die Sandkrngbrücke hinweg auf dein Heiirnvege befand. Hier wurde er von zwei Strolchen, wie solche in jener Gegend zur Nachtzeit vielfach innherlungern, angehalten und um Gcldmngcgaugen. V. weigerte sich, dem Verlangen der Gesellen zu entspreche», geriete mit ihnen in ein Handgemenge, wurde über- wältigt und kurzer Hand ilbcr das Brückengeländer hinweg in das Wasser geivorfew Ans sein Hilfegcschrei näherte sich sogleich ein Schutzmami voin vierten Polizeirevier, der genug zu thun hatte, um den mit den Fluten käinpfcndrn Manu herauszuholen, sich daher uni die Verbrecher nicht kümmeru, konnte. Der Berichterstatter Bcnncmanu vom„Lokal- Anzeiger" ist wie dies Blatt mitteilt, gestern gestorben. Ans de» Nachbarorten. Bei den Gcuieiudcratstvahlcn in Adlershof' habe» uuicre Parteigenossen am Moirtag einen glänzenden Sieg errnngen. Ter socialdcmokratischc Kandidat Wade Puhl erhielt 3l2 Stimmen während ans den Gegner nur 51 Stimmen fielen. Auch das ist eine richtige Antwort auf die Gesetzwidrigkeiten, mit denen Amts Vorsteher v. Oppen eine Partei, wie die unsrige, am Siegesmarsch hindern will.'. Zu dem Gerücht von einem Mord hat der unter eigen- tumlichen Umständen erfolgte Selbstmord des 54jährigcn Banwächters Karl B o r ch a r d t Veranlassung gegeben. Als gestern morgen kurz vor 7 Uhr Arbeiter den Neubau Pannierstr. 15 in R i p d o r f de- traten, entdeckte ein Manrerlehrling in dem nach dem Hofe offenen Keller am Fuß der Treppe den Wächter Borchardt in einer großen Blutlache liegend. Als»um bemerkte, daß das ganze Vorderhaus unter Wasser stand, zweifelte man nicht, daß es sich um ciucu au dem Wächter oder deni Besitzer des Hauses verübrcn Racheakt haudeltc. Die Polizei stellte Erhebungen au. die das Resultat ergaben, daß der Wächter sreiivillig aus dein Leben geschieden ist. Ein an dem Wächter verübter Mord ist nmsomehr ausgeschlossen, als man bei der Leiche seine sämtlichen Wertgegeiistäude, des Toten Uhr, Porte nionnaie mit 12,20 M. mid alle Papiere vorfand. Borchärdt wurde noch uni>/r7 Uhr von Nachbarn gesehen. Gleich nachher muß die That geschehen sein.'Der Verstorbene, der in der MnSlancrsir. 47 wohnte, hinterläßt Frau und eine crivachscne Tochter. Er trug sich bereits früher mit Selbstmordgedanken. Der Schaden am Hanse, da# bereits polizeilich abgenommen ist. beträgt nach Schätzung des Besitzers etwa 10 000 M. Die Ilcbcrschwemnumg rührt von einem Bnich des Wasserrohrs her; man vermutet, daß die Verziveiflimg über das zu spät bemerkte Unglück den Wächter in de» Tod gc- trieben hat. Gi» gefährlicher Kiudcrsrcnnd ist in Charlottenbnrg nahe beim Hanse Wallstr. 63 auf frischer Thal ertappt und bei der Vcr- folgnng ergriffen worden. Sein Name ist nicht bekannt. Köpcuirk. Von den Rädern eines Vorortzuges ließ sich Sonntagabend ein ctlva'20 Jahre alte# Mädchen töte». Die Lebensmüde ivar uachmitiags mir ihrem Bräutigam in den nahen Wald spazieren gegangeii, wo es zwischen den beiden zu heftige» Auseinandcrsetznngcn kam. cschr aufgeregt lief sie auf den Babn- körper, warf sich vor die Lokomotive eines herankommenden Vorort- zuges, dessen Räder über sie hinivegginge» und sie zerstückelten.— Ein Unglücksfall ereignete sich eine kurze Strecke weiter heute Montagmittag zwischen den Stationen Karlshorst und Sadowä, dem auch ein junges Mädchen zum Opfer siel. Gegen- über der Rennbahn wollte das Mädchen den Bahndamm überschreiten. Sic wartele, bis ein vou Berlin kommender Personenzug an ihr vorüber fuhr: gleich hinter diesem eilte sie über die Schieiieii, als in demselben Augenblick ein Schnellzug von der entgegen- gesetzte» Richtung heranbrauste und die Ahnungslose überfuhr und zermalmte. Gevichis- 3cikuug» Ein Nachspiel zur Jubelfeier der Technischen Hochschule. Dem bekanntcii Wort vom„Austoben", das bei der Jubelfeier der Technische!! Hochschule fiel,- scheinr man in de» besten Familien, die sich zur Technik hingezogen fühlen sollen, eine eigentümliche Nutz- anwendung gegeben zu haben. An das Jubelfest knüpft nämlich eine Privat�- B e leidig» ngsk läge an. welche gestern das hiesige Schöffengericht beschäftigte. Dieselbe richtete sich gegen de» Ober- Boudircktor Hinckeldepn und fünf andre bervorragende Ärchitcktcu, die mit diesem zusammen seiner Zeit das Komitee ehemaliger Bau- Akademiker zur Ehrung der Hochschule gebildet hatten. Die sechs Herren hätten seiner Zeit in einem Aufruf sich an die ehemalige» Bau-Akadcmikcr gewendet und sie»m Beiträge zu einer zu stiftenden Bronze- Gedenktafel und zur Abhaltung eines gemeinsamen Festmahls ersucht. Darauf hin meldete sich auch der Baumeister Schönner, der Erbauer des slaiser-Eafes und Kaiser-Kellers zur Teilnahme! er erhielt vom Bureau des Komitees de» Aufruf nochmals zu- gestellt und sandte als Fcstbeitrag 50 M. ein. Nach kurzer Zeit tvnrdc ihn: diese Snuime durch den Schrifisührcr des Komitees, Herrn Professor P.« Walke, mit einem höflichen Schreiben zurückgeschickt, in welchem es hieß:„Der Aufruf sei dem Adressaten versehentlich zugegangen, es werde gebeten, die Zu- sendung als nicht geschehen zu betrachten, da einer Beanstandung' der Meldung zum Festmahl vom Komitee einstimmig Folge gc- geben worden sei." In diesem Verhalten des Komitees erblickte Herr Schönncr eine Beleidigung seiner Person und strengte die Privatklage an, nachdem die Mitglieder des Komitees es abgelehnt hatte», seiner Ladung zum Schiedsmauu Folge zu leisten. Die Gründe zu dem Verhalten des Kömrtces sollen in den bei den Akten befindlichen Schriftsätzen dargelegt, von Herrn Schönner aber als miznireffend widerlegt worden sein. Im gestrigen Termin lehnten es die Rcchtsanwälrc M ich a e I i s und H o m e y c r als Vertreter der Bcklagteir ab, auf diese Gründe näher einzugehen, indem sie die Ansicht vertraten, daß lediglich zur Frage stehe, ob in dem in sehr höflichem Ton ab- gefaßten Schreiben des Komitees eine Beleidigung zu finde» sei. Das müsse entschrcdcn bestritten werden. Es handle sich hier um ei» Unternehmen privaten Charakters und das Komitee habe keine Verpflichtung gehabt, jedermann, der sich melde, auch zu dem Fest- mahl zuzulassen. Gründe habe das Komitee nicht anzugeben nötig gehabt und die einfache höfliche Absage könne keine Beleidigung ent- halten.— Der Gerichtshof Ivar mit dem Privatklägcr andrer Ansicht. Das Komitee habe seinen Aufruf an„alle" gerichtet. die einst auf der Bauakademie studiert haben und diese zu Beiträgen und zur Teilnahme am Festmahl aufgefordert. Es handle sich daher um eine allgemeine öffentliche Veranstaltung, bei der dem Komitee ein Be- anstaildimgsrccht nicht zustehe. zu der vielmehr alle ehemaligen Studierenden der Banakndcinie das Siecht zur Teilnahme haben sollten. Andernfalls hätte daS Komitee einen bestimmten ein- schräiltcnden Vermerk im Ausruf machen müssen. Die Verhinderung der Teilnahme sei für den Privatkläger um so beleidigender, als seine Versuche. den Grund zu. erfahren. vergeblich blieben. Der Gerichtshof verurteilte deshalb jeden der sechs Angeklagten zu 100 Mark Geldstrafe cvent. 10 Tagen Gefängnis. Betrunkene Schilt, kellte. Auf Antrag der Polizeidircktion in Rixdorf beziv. des Polizeipräsidiums von Berlin hatten sich gestern der Schutzmann Julius Altenburg und der Polizei- ivachtmeister Friedrich Wilhelm Hainann wegen eines groben Excesscs vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II zu vcr- antlvorten. Wie die Beweisaufnahme ergab, waren die beiden Angeklagten, Nachdem Rixdorf zur Stadt erhoben worden war, vom hiesigen Polizeipräsidium nach Rixdorf ab- kommandiert worden. Es wurde zu diesem Zweck nur eine auserlesene Mannschaft abkommandiert. Beide waren dem 4. Revier, Bergstr. 74. unter Polizei-Lieutenant K u p s ch zu- geteilt. Am 2l. Dezember gingen beide Angeklagte in Civil ans, betranken sich und verübten' dann in Gastwirtschaften wie auf der Straße die ärgsten Ausschreitimgen. Ter Gerichtshof verurteilte Altenburg zu neun Monaten Gefängnis und Wachlineistcr Hamann zu sechs Monaten Gefängnis. Die Fürsorge für„Arbeitswillige" erstreckt sich bei nnsren Behörden immer weiter. Vor dem Landgericht II als Bernfungs- instanz standen am 10. d. M. die Maurer T r o tz o w s k y und S t r a u f f ans Nauen. Beide waren vom Schöffengericht in Spandau zu je 30 M. Geldstrafe verurteilt worden, lveil sie den Maurer Witte zu Spandau vom 1. bis 5. August 1890 früh „Streikbrecher" geschimpft haben sollten. ES herrschte zwar kein Streik, und die Angeklagte» arbeiteten selber. Witte behauptete aber, daß er sich vor einigen Jahren einmal bei einem Streik als „besonders nützliches Element", wie die Zuchthaus- Denkschrift es nannte, bewährt habe, und daß er deshalb jetzt beschimpft worden sei. Obgleich sonst bei Schimpfereien nicht die Anklage„im öffeutlichcu Juteresse" erhoben zu werden Pflegt, hatte h i e r' d i e S t a a t s a n iv a l t s ch a f t v o n Amt# wegen an- geklagt. In' der BcrufmigSucrhaudlnug bekundeten einige Zeugen, die jeden Morgen mit den Angeklagten vom Bahnhofe in Spandan zur Arbeit gegangen waren, daß ein Zusammentreffen mit Witte über- Haupt nicht stattgefunden hätte. Wittes Zlnssagcn machten einen so unsicheren Eindruck, daß da# Gericht dem Llntrage des Ver- teidigerS Rechtsanwalts Wolfgang Heine gemäß das sch'öffcngcricht- lichc Urteil aufhob und beide Angeklagte freisprach. Das StrasUerfahrcu gegen den GefängniSausschcr Bertram ist nun endgültig erledigt. Gegen da# freisprechende Erkenntnis der zweiten Strafkammer des Landgerichts I halte der Staatsanwalt Revision eingelegt. Diese ist vom Reichsgericht als unbegründet urllckge wiesen worden, so daß daS freisprechende Urteil Rechtskraft erlaugt hat. In der Strafsache gegen Hirsch nnd Genossen lDicbstahl an Wolffschen Depeschen) ist den Verurteilten jetzt das Erkenntnis zugestellt. Ter Staatsanwalt hat wegen der Nichtanwendung des Gesetzes über den milautcrcn Wettbewerb Revision nicht eingelegt, dagegen haben die Rechtsanwälte Brodnitz und Dr. Werthauer 'Lr die Angeklagten Hirsch nnd Dörfert von diesem Rechtsmittel Gebranch gemacht. Der Angeklagte Schmiedel hat sich bei dem gegen ihn ergangenen Urteil beruhigt. Wege» wissentlich falscher Anschuldigung stand gestern der Fuhrherr und Hausbesitzer Hetzer vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I. Gegen ihn war ciirc Deuuuziatwu ciiigcgaugcn, wonach er von den dem Magistrat gehörigen, in der Grünthaler- scraße verwendeten Pflnstcrsteüicn sich einige genommen haben tollte. Er ist dann mit einer Frau, die er für die Urheberin der Straf- mizeige hielt, in eine heftige persönliche Begegnnng geraten, die eine trafanzeige wegen Körperverletzung und seine Verurteilung zur Folge hatte. Gegen die Zeugen, dcuc» er seine Verurteilung zu verdanken hatte, ist er nachträglich mit Anzeigen wegen Meineids vorgegangen. Der Staatsanwalt hielt den Beweis für erbracht, daß diese Anzeigen wissentlich falsche gewesen, nnd er beantragte acht Monale Gefängnis. Ter Gerichtshof erlannte ans vier Monate Gefängnis. Aus dov Behandlung weiblicher Gefangener. Zu der uns zu- gcgaugcueu Mitteilung der Verwaltung des Hamburgischen Central- gcfänguifses nimmt die Hauptbetciligte. die' Genossin L. Zietz im „Hamburger Echo" nochmals das Wort. Sic protcstien zunächst mit Rechc gegen die Wendung in jenem Schreiben:„soweit sich die Angaben bestätigt", die den' Anschein erweckt, als hätte Frau Zietz etwas berichtet. was nicht der Wahrheit entsprach. Frau Zietz erklärt, daß ihre Angabe» Wort für Wort der Wahrheit entspräche». Bezüglich der Bemerkung, daß sie sich nicht bei der Direktion beschwert habe, teilt sie Mit, daß sie nach allem, was sie erfahren, annehmcn mußte, sie werde nach den Vorschriften der Direktion behandelt. Sic chatte bei der Wärterin gegen die ihr gc- machten Zumutungen protestiert und von ihr die Antwort erhalten, daß das Vorschrift sei und sein müsse. Zudem hatte sie die Er- ahrung gemacht, daß man ihren Worten keinen Glauben schenke. Zwei höhere Gefängnisbcamtc, denen sie bei der Anftmhme den Grund der Bestrnfiliig angeben mußte, wollten ihr durchaus nicht glauben, daß sie bloß wegen Zettelverteilung 3 Tage Gefängnis bekommen hätte und noch unbestraft wäre, hielten ihr sogar vor. daß sie sich der Urkimdensälschnng schuldig mache, wenn sie im Gefängnis die Unwahrheit sage. Sic mußte nach alledem annehme», daß eine Beschwerde bei der Direktion nutzlos wäre und wählte deshalb den einzig richtigen Weg der öffentlichen Kritik. pflichtungen zu haben. Am besten würde ihnen eines der städtischen Theater. Chstclct oder noch lieber Gcute.- ivege» ihrer guten Lage, ihrer Größe und der tadellosen Akustik ihrer Säle zusagen.. Dyuamitattcntat. Aus Reschitza wird berichtet: An dem Thore der Wohnung des Oberbuchhalters der Bergbau-Untcrnehmung der östrcichisch-nngarischen Staatsbahngesellschast Becker war voii einem bisher nnbekannten Thäter Dynamit niedergelegt worden, das hcnie abend explodierte. Das Thor wurde aufgerissen und die Fenster wurden zertrümmert. Menschen kamen nicht zu Schaden. Ans dem neu entdcckteu Goldland bei Kap Noiuc an der Küste von Alaska kommen immer mehr Berichte, wonach es noch viel reicher sei als Kloudyke. ES sollen sich dort bereits über 5000 Goldgräber trotz de# Winters angesiedelt haben, und mit Beginn des Sommers wird ein noch größerer Züdrang erwartet, als er vor drei Jahren nach Kloudyke erlebt wurde. Das neue Goldland ist viel leichter erreichbar als Kloudyke. Kap Nome liegt an der Küste und ist von Seattle in zehn Tagen per Dampfer erreichbar. Das Land soll ohne jeglichen Banmlvuchs fein,-so daß alles Holz zum Bau von Hütten und zur Feuening ans Seattle herbeigeschafft werden muß. Schon jetzt wird Holz mit 60 Dollar das Klafter verkauft. Auch heißt es, daß die Gegend höchst ungesund sei, was jedoch angesichts der Berichte über den ungeheuren Gold- reichtum daselbst das Goldfiebcr schwerlich dämpfen wird. Eine entsetzliche Brandkatastrophe wird aus N c w D o r k gemeldet. In einem von Italienern bewohnten Mietshause in Newark«New Jersey) bracki am gestrigen Montag eine gewaltige Feuersbrunst ans, bei der, soweit bis jetzt bekannt ist, 15 Personen ums Leben kamen. Der größte Teil der Verbrannten sind Kinder. Das Fcncr ist vermutlich angelegt worden. Marktpreise von Berlin am 10. März 1900 unrfi Ermittlungen des kgl. Polizeipräsidiums. D.-Ctr. 15,40 14,30 14,— 15,— 14,20 13,40 4,50 ' r 40,- 45,- '0- 7,- 1,60 1,20 Tonne 14- 13,70 13,- 14,30 13,50 12,70 4- 4,— 25,— 28,- 30,- 5,— 1,20 1,- von Schweindfleifch Kalbfleisch Hätnnielsleisch Butter Eier Karpscu Aale Zander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse lig 60 Stück 1kg per Schock 1,60 1,60 1,60 2,60 6,— 2 20 3, 2,50 2_ IM 2,80 1,40 12,— 1,10 1,— 1- 2.60 1,20 1,40 1,- J,- 0,80 1.90 0,80 der Ceutralstellc der Preuß. Laich und umgerechnet vom Polizei- Vevmifitzkes. Zum Brand des TheStrc FrauyaiS. UvterrichtSminister LehgucS erklärte in einer Uiiterrcdimg. das Tftetztre FranxaiS werde am 14. Juli wiederhergestellt sein, so daß an diesem Tage die Vor- stcllungc» wieder beginnen.— Die Mitglieder des Theaters ver- nnstallctcn gestern eine Matinee in der Oper, die überaus zahlreich besucht war. Zur.Aiifführnug kamen„Audromachc" und„Der ein- gebildete Kraule". Sämtliche Künstler, iuSbesondere die Schau- spielcrin Dudlay, die sich bei dem Brande des Theaters am Donners- tag retten konnte, wurden lebhaft und herzlich begrüßt.— lieber den Saal, in dem das THealre Frane.ais bis zur Wiederherstellimg scincs alten Heims seine Vorstellungen geben soll, ist noch immer kein endgültiger Beschluß gefaßt worden. Das Odeon-Thcater sagt den Künstlern wegen seiner weiten Entfernung nicht recht zu. und das Porte-Saiiit-Martiu-Thcatcr möchten sie nicht gern annehme»,, Ilm ihrem abtrünnigen Kollegen Eoquelin gegenüber keinerlei Ver- BWeizcn «Moggcn Jutler-Äersie„ Hafer gnt mitlel„ gering Nichlslroh Heu ■f) Erb sc n lySpeiscbohnen„ -Minsen Koitos-cln, iiene„ Rindfleisch, Kcnle 1 kg do. BmicK„ S) Ecinitlelt pro wirtschastskaulmer»— Notiernngsstelle— Präsidium für dcn Doppelceutner. st) KIcinbandelSprcise. Produkten markt vom 12. März. Getreide. Am Frühmarkte fanden einige uubcdeiitcude Roggcnabschliisss statt. Im allgemeinen war das Geschäft aber äußerst unbelebt, da das sehr schöne Wetter die Kaufsusi unterdrückte und von dem Auslände leine Anregung geboten wurde. Rur- Paris sandte etwas festere Schlußkurse. Die Märkte Oestreich-UiigarnS waren nach festerem Verkehr am Sonnabendnachmitlag. heule abgeschwächt. Auch'New Bork und Ebicago kamen matter. Am hiesigen Platze blieben die Preise für effektive Ware unverändert. Offerten waren etwas billiger. Roggen war tu Ladungen auaebotcn, ohne Aufnahme zu finden: Bahnwarc war wenig offeriert. Trotz der feblenden Kauflust waren Abgebet zu Kon- cefiimu'ii nicht geneigt. Mittags griff iui Lieferung cjhandel eine leichte Ab- schwächung Platz, die sich jedoch auf eine Ermäßigung der Prehe um nur 0,25 M. für Weizen und Roggen beschränkte. Die Beleillgimg am Geschäft war so geringfügig, daß die Umsätze zeitweilig ganz aufhörten. Bei Schluß des Verkehrs waren beide Brotsrüchte ssir. Lieferungen bis 0.50 M. billiger als am Sonnabend zu haben. Roggen im Effektibhandel behauptet. Hafer und Rühöl lagen still und unverändert. Am Spiritus markt führte lebhafte Nachfrage, der nicht voll genügt werden konnte, eine Preissteigerung für 70cr loco um 0,30 auf 48,20 M. herbei. Kartosselfabrikate. Feuchte Kartoffelstärke 10,50 M. I» reine Kartoffelstärke disvonibel und Marz 10.75 M., April-Mai 20—20,25 M. Ab- fallende prima Dualitäten Starke und Mehl disponibel 17,50— 18,50 M. per 160 Kilogramm. E i c r- B e r i ch t vom 12. März. Normale Eier fr nach Qualität von 2,75—3,10 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von 2,60 bis 2,65 M. per Schock. Kalkeier je nach Qualität von 0,06 bis 0,60 M. per Schock. Tendenz: ziemlich ruhig. Briefkasten der Redaktivir. Tie juristische Sprechstunde findet Montag, Ticustag und Freitag von. Schriftliche Antwort zu erletlcu lehnen wir ab. l. Nein,; Sic müßten vielmehr einen Anslandsvaß nachsuchen.— 13. 1.-3. solcher Vertrag lann güllig in genchritchcr oder in notarieller Form abgcichloisen werden. Seine Kosten richten sich nach der Höhe des Objclts. 4. Ja, ober die übcrcigncicn Sachen haften nach wie vor für die ft-sthercu Schuldem 5. Sosort. 6. Eine JNtetventiohSklage ist bei Objelten bis einschließlich 300 M. beim Amtsgericht, bei höheren Objekten cdiirch eincu An- wait) beim Laugericht anzustellen,— M. W.. Schönaberg. Nein. —„Reichstag" und„alter Parteigenosse". Ihre vice Anfragen silid in dem„Vorwärts" vom 7. März 1000, erste Beilage, unter der von Ihnen gewählten Chiffre„Alter Parteigciioffc" beantworlct.—