#t. 175.- 1911. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Souuabend, 5. Aepttinlier. ■SM Jn öem eroberten£unmüt. Von einem Saarbrücker Geistlichen, der Luneville sm Tage des Einzuges der Deutschen besuchte, um die Leiche einet! gefalle- nen Saarbrücker Offiziers zur Bestattung in seiner Hermat auf- zusuchen, erhält die„Köln. Ztg." eine Schilderung dieser Uahrt, der wir einiges entnehmen. Am Sonntag, den 23. August, nachmittags um 2�Uhr, zogen die deutschen Truppen mit klingendem Spiel in die stadt Lüne- ville ein, die am Tage zuvor dem Ansturm unserer Truppen er- legen war. Wir trafen noch an demselben Abend im Automobil in Luneville ein. Daß wir auf dein Wege dahin das noch frische Schlachtfeld passiert hatten, war mir infolge ddr DunZelheit nicht zum Bewußtsein gekommen. Wohl lagen auf der Landstraße, die mitten durch das Kanipfgebiet führt und selbst ein Stück des Schlachtfeldes war, unzählige verendete Pferde, zum �cil noch in vollem Sattelzeug, daß aber außer den toten Pferden Hunderte von Leichen gefallener Kampfer in den Straßengräben und rechts und links auf den Feldern lagen,— diese grausige Erkenntnis scllte sich erst am anderen Morgen uns entHullen, an dem mir Itlar wurde, warum am Abend vorher sortgeseht die weite Lwchfl äche — ein Bild schauriger Schönheit— von unzähligen Feuerbräriden erhellt war. Wir hatten den lodernden Lichtschein als von L>iger- feuern herrührend angenommen; i» Wirklichkeit waren es Feuer- brände gewesen, bei deren gespenstischem Flackern Soldateil das Schlachtfeld absuchten, schwer Verwundete und Tote zu suchen und zu bergen. Von den Türmen LunevilleS, deren scharfe Silhouetten sich vom sternbesäten Nachthimmel abHuben, schlug es 9 Uhr, als wir in die Stadt einfuhren.... Die Nacht verbrachten wir im Automobil, und die Müdigkeit sowie die naturgemäße Abspannung nach all den Eindrücken des vergangenen Tages verhalfen uns zu einem wenn auch nur un- ruhigen Schlaf. Wir fuhren am anderen Morgen in de-e Frühe aus Luneville hinaus und hatten im nächsten Augenblick vor uns das gewaltige Schlachtfeld, über das wir am vergangenen Abead in der Dunkelheit gefahren waren. Wer vermag den cntsestlick«» Anblick des Leichenfeldes zu beschreiben. Da lagen die toten Feinde mit zerschossenen Leibern in den Straßengräben, an den Abhäuten und Böschungen, auf freiem Felde, unter und neben ihren Pferden, furchtbare Bilder! Die Arme in abwehrender Haltung erstarrt, die Hände im Todeskampf zusammengekrampft, dw Angesichter von Blut und Staub bedeckt, von Kriegswut und Todessch? ecken verzerrt! Verlassene Munitionswagen, zum Teil umgestürzt, die Räder zerbrochen. Zerfetzte und beschmutzte Uniformstückc, Töaffen oller Art zu Bergen getürmt. Furchtbar hat die Kriegsfurie hier gewütet; der Tod hat seine Ernte gehalten. Der entsetzliche Blut- geruch, der auf viele Stunden weit die ganze Gegend erfüllte— hier hat er sich mit Schweiß- und Verwesungsdünsten gemischt zu einem erstickenden Atem. Aber nicht einen einzigen Leichnam eines deutschen Soldaten sahen wir. Große frische Erdstügel, sorgfältig geebnet und abgegrenzt, mit Holzkreuzen versehen, zeigten die Massengräber an, in denen die Kameradentreuc unsere ge- fallenen Helden bereits zur letzten Ruhe gebettet hatte?. Hier wie überall hatten unsere Soldaten zunächst für die Betüing unserer Gefallenen gesorgt. Unser Weg führt uns nacki Einville zum Feldlazarett Nr. 7. Welch eine Stätte namenlosen Jammers! Ich habe zwei Abende hier verlebt; ihr Grauen wird mir unvergeßlich sein. Da liegen die Sterbenden, vielleicht schon Toten, die Sckwerveciv-undcten in der großen Villa, die einem französischen Notar gehr-rt hat, Mann neben Mann. Und sie liegen unter dem freien Hfmmel, noch nnverbunden, auf dem Rasen des großen Gartens vor dem Hause, Tag und Nacht. Tic Acrzte arbeiten mit einer Hingebung, die ihresgleichen sucht, aber sie können die Riesenaufgabe nicht be- wältigen. Wir setzen, in der Dunkelheit tastend, Uuß vor Fuß, die Verwundeten nicht zu verletzen, die Toten nicht zu treten; wir steigen über sie hinweg. Ucber die dunkle Wiese lausche ich hin- weg, wo sie gebettet liegen Kopf an Kopf. Eine schauerliche Stille! Nur hin und wieder ein leises Stöhnen. Dann wieder Grabes- stille. Sind sie tot? Liegen sie im Sterben? Wir wissen es nicht. Mir hat der Jammer und die Not der Schwerverletzten, die Tag und Nacht ohne jede Hilfe unter dem Himmel lagen, tief ins Herz geschnitten. Nie werde ich das Bild von Einville am Rhein-Marnc-Kana! vergessen und den beklemmenden Blutatem dieser furchtbaren Stätte.. � t. Und ich habe dann den Toten, den ,ch inchen und seiner trauernden Witwe zuführen sollte, daniit er in der Heimat die letzte Ruhestätte bei seinen Lieben fände, gefunden, einen jungen Offizier, der wenige Tage nach der Mobilmachung mit seiner jungen Frau vor mir am Altar stand, daß ich den Bund fürs Leben segne. Und heute schon, ivenige Tage nach der Aottrauung, liegt er als einer der gefallenen Helden in seinem Blute vor mir! Französische Einwohner von Einville, arme Tagelöhner, halfen mir, den Toten unter der grausigen Ernte aufzusuchen. Sie haben im Schwe'ße ihres Angesichts bei dem traurigen Werke geschafft, doch als ich sie entlohnen will, lehnen sie einmütig ab.„O, dieser junge tapfere Offizier!" rufen sie aus,„o, sein tragisches Geschick, seine arme /ringe Frau! Nein, wir sind Christen, wir nehmen nichts!" Es. ist mir unmöglich, sie für ihre Dienste zu bezahlen. Ich reiche ihnen allen die Hand und danke ihnen tieferschüttert.— Tie Torfstr.aße kommt ein trauriger Zug herauf. Voran der knrho- tische Pfarrer des Ortes, ein ehrwürdiges Haupt in grauem Haar, neben ihm der Kaplan. Hinter ihnen sechs Wagen mit Pferden bespannt und von Bauern geführt. In Hausen liegen die Toten darauf, das Massengrab an der Friedhofsmauer nimmt sie auf zur ewigen Riehe! Me.m Weg geht wieder heimwärts mit dem stillen Toten. Noch einmal halten wir vor einem Lazarett, in dem die Leiche eines heute früh seinen schweren Verletzungen erlegenen Obersten liegt. Tief Erschüttert treten wir an das Totenlager. Auf der Erde ge- bettet, mit dem Mantel bedeckt. Helm und Degen auf der Brust, daT Lager von dem- treuen Burschen mit Blumen geschmückt, so Igegt er da, trotz der schweren Wunden das Antlitz voll tiefsten .rriedens. Ein Notsarg ist schnell hergerichtet, und ich nehme auch diesen Toten auf dem mir zur Verfügung stehenden Lastauto mit in die Heimat.... Wehe denen, die vor der Zeitgeschichte und vor der Welt- gcschichte die fürchterliche Verantwortung tragen für diesen ent- fetzlichen Krieg, für den Jammer des blutigen Völkerringcns, den kein Menschenwort und keine Feder zu schildern vermag!... Quartier in Zeinöestanö. Auch in Feindesland kann man behaglich leben. Ich kannte im Anfang der neunziger Jahre in Dresden einen pensionierten Magiftratsbeamten. Den traf ich einmal auf einem AuSfluge nach Moritzburg, dem in der Nähe Dresdens befindlichen Schlosse Augusts des Starken. Als wir nun— eine größere Anzahl Personen— uns die Gemächer dieses nur selten bewohnten königlichen Schlosses ansahen und der eine und der andere Ausrufe der Bewunderung ausstieß, da meinte jener einfache MagistratSbeamtc:„Ja, das ist gar nichts; mein Schloß, in dem ich einnial sechs Wochen lang gewohnt, war weit prächtiger!" Alle Hörer lachten und mancher glaubte wohl, dcjl gute Mann fei übergeschnappt. Aber nein, er bestätigte seine für Scherz gehaltene Mitteilung: 1870 war es gewesen, als er in Frankreich in solchem Schlosse einquartiert war. Es war zwar nur cm gräfliches, aber doch viel prächtigeres Schloß noch gewesen als jenes königliche in Sachsen, und er, der Erzähler, bewohnte es nur als Bursche eines Offiziers, der mit einigen anderen Offizieren und deren Burschen dort einquartiert war. Aber die Herren Burschen hatten dort ebenso prächtige Gemächer zur Verfügung wie ihre Herren Offiziere, und sie brauchten nicht einmal diese sonderlich zu bedienen, denn die gräf- lichen Besitzer des Schlosses hatten ihre gesamte Dienerschaft, Köche, Stallburschcn und weibliche Diensiboten zurückgelassen, die die deulschen Gäste mit den unerschöpflichen Vorräten von Küche und Keller regalierten. Natürlich zieht nicht jedermann solch Glücklos, aber selbst be- trächtlich bescheidenere Ouarticre sind oft noch recht hübsch. Daß sie in Ställen, Scheunen, Eiienbahnwaggons, ja oft genug aus freiem Felde lagern müssen, das bringt der Krieg natürlich mit sich. Wo aber Onartier gemacht wird, da suchen die Truppengnartienneister selbstverständlich ihre Mannschastcn so gut wie möglich unler- znbringe». und in Quartieren bei Belageningen. Ivo man sich aus längere Zeit einrichten muß, kann man es sich oftmals recht bchag- lich machen. Ein reizendes Idyll zum Beispiel schildert Ludwig Pietsch in seinen Kriegsbildern.Von Berlin bis Paris". Er hatte in St. Germain einen Ouartierzcttel erhalten:„Veuve i Witwe) Maroolot." Und er fand ein kleines Häuschen mit Gärtche», das von seineu Besitzern längst verlassen war. Die Tür war vom Furier längst herausgeschlagen, und die alte Dame Marcelot halte ans ihrer Flucht mitgenommen, was sie vermochte; die große Bett- stelle war des Himmels und sämtlicher Bellstücke beraubt..Aber die Möbel," so erzählt Pieljch,.stehen noch, als ob sie gegenwärtig wäre; jede Base, jedes der hundert Kästchen, Körbchen und Schächtetchen an ieiner Stelle auf dem Kaniinsims, Kommode, Tischchen; jedes Bild au seinem Wandplatz, den es sicher dort seit 50 Jabren einnahm. Darunter merkwürdige Dinge, z. B. eingerahmte Bleistlstzcichnuugen von BoncherS Hand, Figürchen junger Schäferinnen von entzückender, koketter Grazie." Und Pietsch schildert all die Herr- lichkeiten dieses Heiines einer alten kunstsinnigen Dame und erzählt dann:„Draußen in der kleinen Küche ein Wandschrank— und Fach für Fach besetzt mit Eingemachtem von jeder Fruchtsorte in fest zugebmidenen Flaschen, Steingut-' nnd Porzellanbüchscn»nd Töpfen mit zierlich daraus geschriebener Inhaltsangabe. Aber die Neugier meiner bäuerlichen Eskorte war damit noch nichl bcsriedigt. Sie cntdeckien in der Küchenwand eine Tür zur Kellertreppe, stiegen hinab, nnd bald verkündete ihr Ruf eine ivichtlge Entdeckung; ein großariiges Lager gefüllter Flaschen Chablis, nicht moussierenden Champagners, Rotweins, nnd dazu noch zwei ganze Fässer nnab- gezogenen Weines. Ich bin überzeugt, Madame Marcelot hat ihn nie getrunken, iondcrn nur gehalten,' weil das hier zu einer voll- ständig«! Wirtschaft gebort." Als die Franzose», die den Inhaber dieses Quartiers dorthin ge« leitet hatten, ihn so reichlich mir Geiiäiilcn versorgt saudcn, waren sie sofort bemüht, ihn auch mit eßbaren Dingen zu versehen und die Gelränke sich anzueignen.„Bis gegen MiKernachl," io erzählt Pietsch,„als ich mich'längst, so g»t es grhe» wollie, in meiner un- verschließbaren Eremitage verbarrikadiert und mit Strohsack, Stuhl- leisten und Zinimerteppich mein originelles Lager in der guten Witwe leerer Bettstelle bereitet batic. hörte das Anpochen und Bitten draußen nicht auf:.. Jlousiorir, t ncoie»no bcmtelle! c'est pour vos camarackes, poilr von pauvres soläuts; ils n'ont rion ü boire!"(„Noch eine Flasche, Herr! Für Ihre Kameraden, iür Ihre armen, Soldaten, die»ichls zu trinke» haben!") Diese Spitz- bnben— ich möchte wissen, wieviel sie im Keller gelassen haben werden, nachdem ich meinem Königreich vor neunzehn Slunden de» Rncken gekehrt." Oft genug lvnrde in Feindesland zwischen den Oiiartiergcbcrn und seiner Eingiiartieruiig Freundschaft gcictilossen. So berichtete der badische Oberst Betz in seinen Krsegserinnrrunge», wie er in Eoisellos los mouts bei einem biederen reichen Landwirt ein- gnnrtiert war, der allabendlich(ich gemütlich zu seiner Einquarlierung setzte und sich erzählen ließ, was es wiederum Nene? gäbe. Jedem anderen gegenüber wäre es vielleicht taktlos gewesen, immer ivieder von den Siegen der Deutschen zu sprechen; jener gule Alle aber bat ausdrücklich, mau möchte ihn nicht schone» und ihm die Wahrheit sagen, und dann rief er bei jedem Siege aus:..fauvre France, que vonlez-vous quo je fasse(Armes Frankreich, was soll ich tun?") Hören wollte er aber doch immer alles, und dabei trank er gemüitich das Gln? Bier und rauchte die Zigarre, die sich Oberst Betz hatte kommen lassen und mit denen er seinen Quarliergeber rcgalierte. Eines Tages aber, als plötzlich Marschorder kam und die Badenser lvciter zogen, war er sehr bewegt, nicht nur weil die unfreiwilligen Gäste ihn vcr- ließen, sondern Iveil er daraus auch sab, daß Ivieder etwas gegen seinr..pauvre France" unternommen werde; er wünschte aber doch beim Abschied den Abziehenden Erhaltung von Leben und Gesund- heit. Indessen kamen die Einquartierten wider Erwarten, da die Marschordcr auf Mißverständnis beruhte, schon am andern Morgen wieder zurück. Da war deS Franzosen Freude sichltich aufrichtig und sie wurde»och größer, als man ihm erzählie. daß es sich nur um eine..prornenacte inilitaire"(militärischen Spaziergang) gehandelt habe und der pauvre Francs nichts geschehen sei. Die Bevölkerung in Feindesland ist zu der Einquartierung, wenn diese nichts Ungebührliches verlangt und nicht iclbst sich den med- lichen Leuten gegenüber feindlich zeigt, besser als im allgemeinen, geglaubt wird. Wenigstens war das 1870 in Frankreich so der Fall, wo die Preußen als kinderfressende, olles mordende Barbaren bei den Franzosen verschrien waren, welche>l»n aber sahen, daß die Deutschen auch menschlich fühlten, die Angst, die sie'vor der Ein- qiinrtierung hatten, bekämpften nnd ihren unfreiwilligen Gästen das Beste boten, das sie hatten. Vielfach wird erzähli. daß die Quartier- gcbcr ordentlich überraicht lvaren, so menschlich fühlende Feinde vor sich zu sehen. Beim Abziehen wurden die guten Menschen dann oft bsdaucrt, daß sie gegen so grimmige Gegner ausrücken mußten, wie eS die Franzosen sind.„U, vous st es peräus! Vous et tous les untres, ces braves garqons. Vous ue eonnaissez pas. Ja Franca et Paris et notro annee invionible. Vous fites perdus, tous, tous!"<.O, Ihr seid verloren l Ihr und alle anderen, die armen Jiuigen! Ihr kennt Frankreich nicht und Paris nnd unser unbcsiegbnrcs Heer. Ihr seid alle verloren, alle!"/ So rief gerührt eine Französin der Einquartierung nach. Ganz besonders erfreute eS die Leute, wenn die„kinderfressenden Barbaren" sich freundlich gegen die Kinder crwicicu. Fetir Dahn. der als Samariter in den Krieg gezogen war, erzählt:„zumal daß ich. wie mich das Herz trieb, mit den netten Kindern eifrig spielte, gefiel den guten Leuten: sie hätten mich krank gesüitcrl. wehrte ich nicht ab. die Frau schleppte ihr eigenes Kopflissen auf mein ohnehin treffliches Bett." Und später heißt eS dann in seinem Bericht: „Als ich die Treppe hinabstieg,>var alles still und leer: die Haus- lente waren in der nahen Kirche, die einquartierten Sol- baten abniarschierk. Da drang aus der offenen Tür eines Gemaches im Erdgeschoß die Stimme eines Kindes: es klang so eigen, so feierlich; ich trat leise, mibenierkt näher. In seinem Betlchen kniete das Kind der Hauslente, ein bildschöner Knabe von etwa fünf Jahre», aus sein Hemdchen rieselte das blonde Haar: audäckuig hob er die gefalteten Händchen zu dem Mutter- Cm baprisiher Soldat. Erlebnisse deS Xaver Glas im Jahre 1870.. Von Ludwig Thoma. (Schluß.) Ich sprang herbei, aber er kennt mich nicht mehr, und hat seine »gen verdreht, und habe ihn nickst wehr gesehen, weil wir vor- icken müssen, und zum Feuern anfangen..«o Die Kugeln fuhren über uns. und wir Huben bloy einen Mann wloren, und um acht lihr war es vorbei. � Leider wir haben den ganzen Tag nichts zu essen bekommen, ad werden aufgestellt nnd verlesen, und ein jeder schreit hier, und hlt blaß der Georg Scheffler. ES wurde verlesen, wer ans Wacht kommt, nnd mein.»amen ar der erste. Ich mutz auf Vorposten von neun Uhr bis elf Uhr ie anderen holen Fleisch und Holz und Wasser aber mich �uhrt :r Unteroffizier auf den Posten. Wir waren I-nks. und der S-md ar reckns, nnd in der Mitte laust ein großes Wagcr. und heigt ' Beim Feind war ein großes Biwakfener, und die Musik spielt- � scheu und laut, daß mir kein Schlaf kam und der Hunger ein °"Jch?azier- die Straß- auf und ab und da kam... Soldaten. ch lasse üe auf dreißig Schritte her und schne.„Halt. Wer da. incr ruft' Patrullc" Ick' verlange das Feldgeschrei, aber bloß nen Mann"lasse ich bis fünfzehn Schritt vorgehen, und er gab ' � Dann� kam� auch� gle ich di- Ablösung und � �°n d°s»iwak- uer, um was zu essen, aber eS hat ketner auf muh Stacht. Am andern Tag war der erste Septem e-■c �.�bakin- >lb vier Uhr kam der Befehl an, wir müssen über die ENenwh" sticke gehen. Wie wir drüben waren, sah � einen bayrischen äger liegen, der hatte keinen Kopf wehr. a z z.~ arcn wir in dem Dorfe BazeilleS. Die S ratz arren gesperrt, daß wir nicht so leicht durch om s'~. > auch schon angegangen mit lauter pccne.~'„. hießen ans den Häusern auf un- und auch dt- Emwohn-r haben h beteiligt, daß wir zurück müssen..,, v„ anmü* Die Franzosen fechten mit Standhaftigkeit, und der Kampf wuchs so, daß gleich die Weibsbilder mitgetan haben, und es kracht überall, und von oben kommen die Kugeln, und von unten kommen sie aus dem Keller. Sechsmal sind wir hinein und wieder heraus, und es brennt überall und hat eine Hitze, daß man es nicht aus- halten kann, und die Balten fallen herunter, und die Verwundeten schreien, und eS sind auch viele verbrannt. Wir sind wieder vorgedrungen bis zu der Kirche, da heißt es: stillgestanden. Sechs Stunden waren wir bereits im Kampfe, und da kam der Befehl, loir müssen noch eine halbe Stunde aushalten, Iveil Unterstützung kommt. EL kann zwischen elf Uhr und halb zwölf Uhr gewesrn sein, daß diese Unterstützung gekommen ist und in daS furchtbare Dorf hinein. Wir wurden abgelöst. Hunger nnd Durst hat ein jeder, wie ein Wolf, denn wenn man vom 3l. August bis zum l. September um ein Uhr mittag nichts zu essen bekommt, kau» man eS sich leicht vorstellen. Jetzt bekamen wir ein wenig schlvarzen Kaffee, und von Hunger stillen war keine Rede. Das beste war, daß auf dem Bahnhof ein Wagen voll Zuckcrhüte gestanden ist, und da hat sich jeder ein Trumm geholt. Aus einmal heißt es angetreten, die Gewehre zu Pyramiden! Und die Lagerzelte wurden ausgesteckt. Vielleicht um Halb drei Uhr kam der General Stephan daher und sagte zu uns:„Ihr lieben Brüder, bis in vier- zehn Tagen sind wir alle zu Hause." Die Musik fing zu spielen an, und wir tanzen, daß der Staub aufstiegt, aber o weh, es ist später anders gegangen. Ein« Ordonnanz ritt zum General Stephan ihn. Die Musik hört auf und das Tanzen auch. Es heißt: Tornister aus! Ergreift das Gewehr! Denn man sogt, der Feind will durchbrechen. Wir müssen im Lausschritt durch Bazeilles. aber wie wir beinahe draußen waren, kommt die Nachricht, daß sich die Franzosen er- geben. Der Sieg war gewonnen und der Napoleon will seinen Degen abgeben. Um fünf Uhr kamen wir in unser Biwak zurück, und es wurde vorgelesen, wer auf Wachtposten mutz. Gottlob hat es mich nicht getroffen, und ich bin mit einem Kameraden über das Schlachtfeld, bin aber bald zurück, denn es ist mir beim Anschauen Hunger und Durst vergangen. Ich ging in mein Zelt und richtete mein Nachtlager. Der Tornister war das Kopfkissen, und mit dem Mantel deckte ich mich zu und schlief wie ein Ratz bis zum 2. September. In der Frühe bin ich mit mehreren Kameraden in die Festung gegangen, und wir haben alles angeschaut- Da sind lvir auch zu den gefangenen Pferden hingegangen. Es lvar ein großer Platz mit Stangen eingemacht und die Pferde gehen hin und her, und was für schöne warep dabei! Ich dachte, wenn ich bloß zwei davon mit heim nehmen könnte. Es waren Posten ausgestellt, und ein srauzösischcr Bauer giqg zu de» Pferde» hinein, nnd da sagte ich zu meinem Kameraden: „Wenn der hinein kommt, schaue ich auch näher zu," und ich tat es. Da kam aber der Posten und führte den Bauern beim Ar.» heraus, und mich schimpfte er.» In diesem A»genbli>st kriege ich einen Schlag auf meinen rech- ten Fuß, daß ich einen Schrei ausstoße und hinfalle, und ich konnte nicht mehr aufstehen. Es hat ein Gaul hinter mir ausgeschlagen, und vielleicht hat er bloß gescherzt, aber mir lvar der Fuß üuterm Knie abgeschlagen. Man hat mich ins Lazarett geschafft, und dort bin ich ver- bunden worden. Vier Wochen bin ich gelegen und habe immer nachgedacht, wie man aus dieser blutigen Schlacht glücklich ent- rinnen kann, und aus Dummheit wird mau hinterher verwundet. Mein Fuß ist nicht mehr zum Marschieren tauglich gewesen, und ich bin zuerst ganz traurig gewesen, dcuu der Mensch weiß nicht, was sein Glück ist. Hinterher habe ich es Ivohl erfahre», daß der zerbrochene Fuß wahrscheinlich mein Leben gerettet hat, denn von meiner Kompagnie sind keine zwanzig Mann heimgekommen von denen, die von Anfang an dabei waren, Sic lagen auf den Schlachtfeldern herum oder sind in den Spitälern gestorben, weil das Aergstc erst nach der Schlacht bei Scdan gekommen ist. Ich bin am 10. Oktober in München entlasse» worden, und am 17. Oktober bin ich heimgekommen. Tie Eltern weinten vor lauter Freude, daß sie mich wieder gesehen haben und die Kreszenz war in ihrem Herzen froh, daß ihr Kind jetzt einen Vater hatte. Ein Jahr darauf haben wir geheiratet, und ich habe geglaubt, es ist nun alles schön und recht. So täuscht sich der Mensch, denn es ist viel Verdruß und Kummer über mich gekommen, und ich mußte immer der Beste bei der Arbeit sein, und sorgen, daß wir die Heimat behalten können. Deutschland ist jetzt groß und mächtig, aber ich bin gra» und arbeitsunfähig geworden und muß von einen! klcinrn Austrag leben. Da- macht oft größere Entbehrungen, wie damals gegen die Franzosen. gotteZbilde an der Wand emvor und, nachdem er da? Vaterunser beendet, fügte er bei; vou£, Sainte Vierde, Saurez la pautre France! Pr icz votrfe fils pour les päurräs Francais!" fllnd Du, Hciüge �ungf rau, reite da» arme Aranlreich! Bitte Deinen Sohn für die armen Franzosen!") Auf das tiefste erschüttert durch diese offenbar in den letzten Wochen dein Kleinen auferlegten Worte, durch die reine, silberhelle Stimme dqs Kindes schritt ich näher: die Tränen traten mir in die Augen, ich lützte den Knaben apf die schöne Stirn: er sah mich erstaunt, aber lächelnd an und schlang beide' Aermchen um meinen Hals: so fand un-Z die Mutter: sie ' brach in lautes Schluchzen aus, ich aber ging, um nicht auch zu erivcichen." Ja, auch in Feinde� land gibt es gute Menschen, Sie fühlen trotz des Hasses auch menschlich, Stichard Bosi. der als blutjunger, schwächlicher Mensch 1870 mit in den Krieg gezogen war, um Sainarilcrdiensle zu tun, erzählte gelegentlich, wie er einst in einem Quartier zusehen mutzte, wie die grotzen und Starken sich heran- ? d längten bei der Berteilung von Proviant, während er zu schwach, zu cnlkräftet war, um sich da mitdrängen zu können. So, ohne Hoffnung, von der Tafel der Neicheit auch nur einen Brosamen ab zubckoininen, satz er zu Tode crinallei da.„Da wurde," so erzählt er,„an meine Schulter gerührt, eine alte Bäuerin stand neben mir, die mir zufliislerle:„Vions, pauvre petit!"(Sömm', armer Kleiner!") Sie ging durch den Hos zum Haus, wo sie vor einer verschlossenen Tür, mich erwartend, stehen blieb. Dann öffnete sie, zog niich sich nach und riegelte hinler uns zu. Ich lvurdc in ein Zinnner geführt, wo sich die Besitzerin des Gutes bcsanv. Diese b.nte mich vom Fensler auS beobachtet und durch meine grotze Jugend, mein blasses Aussehen sich lühren lassen. Tie gute Frau fragte mich, ob meine Mutler noch lebte? Und erzählte nur, dag ihr einziger Sohn Soldat und nun in Teutschland gefangen sei. Dann gab sie mir zu essen: kräftige Fleiichsuppe und ein kost- liche» Koninchenrogout! Während ich atz, sag sie mir gegenüber, blickte mich unverwandt an und sagte leise:„Er hat noch eine Mutter! Wenn seine Muller das wiijzte! Wie seine Mutter sich freuen würde Und Richard Votz sügte dieser Mitteilung die Worte hinzu:„Es war dies nicht die erste Guttat, die ich in FeindeSla nd von Feindes- Händen empfing: und es sollte nicht die letzte sein!" Wie weit hört man öen Donner öer Gefihütze! Bald werden wohl die deutschen Kanonen vor Paris donnern. Aber lange, bevor die Pariser ihre Stimme aus nächster Nähe hören, nnist ihr ferner Donner ihnen verkündet habe», daß die Deutschen wirklich und wahrhastig im Anrücken sind: vor einigen Tagen schon baden sie in solcher Röhe gesprochen, daß ihr Schall bis nach Paris dringen konnte. Von St. Oneutin bis Paris sind rund 120 Kilo- Nieter, und 120 Kilometer weit hat man bereits im Deutsch-sranzö- sischen Kriege die deutsche Kanonade oft gehört, die doch ait Stärke hinter der gegenwärtigen bedeutend zurückgestmidcn hat. Beispiels- weise hörten die Einwohner von Tieppc an der Küste des öfteren die Kaitonen vor Paris über eine Entfernung von 140 Kilometer. Wie �vcit dringt cigci'ltich der Donner der Kanonen? Außer von der Stärke des Schalles hängt dies von vielen Umständen rrv: von der Beschaffenheit des Geländes, von der Luft, von ihrer Bc- wegnng usw.- Rund 1000 Meter wandert der Schall in 3 Sekunden; nach einer Minute ist er also 20 Kilometer weit gelangt, und den Donner einer Kanone vernimmt man tatsächlich eine Minute nach dem schnssc in 20 Kilometer Abstand. Bei Gegenwind, aussteigen- den Lilftströmcn oder ungünstig«;»! Bodenverhältnissen kann der mlsblcibcii. Es scheint aber mjt ziemlicher sicher- bei: festgestellt zu sein, daß"ddr' Schall starten GefHiitzdonners sich tvcht fair grädliiiig sortbewegt, sondern daß er merkwürdige Um- weg? macht, die zu selisameit Erscheffningeu fuhren. So ist es aus ? er' Kr? rgsM ch i ch tc bekäffüt,' daß' Friedrich II. am 1o. August 1760' bei.Licgnitz Dann besiegte,'weil die österreichischen Truppen, die weiter cntscrnt waren, nicht rechtzeitig zu Hilfe kamen. Daun hatte geglaubt, sie. würden durch den Kanonendonner herbeigezogen wer- ben, allein er hatte die Rechnung ohne die Launenhaftigkeit des Geschützdonners gemacht, und tatsächlich blieben die Helfer ans, weil sie den Kanonendonner wirklich nicht gehört halten:' sie halten sich in der sogenannten„Zone des Schweigens" befunden, während weiter hinter ihnen der Kanonendonner oeutlich zu hören gclvcscn war. Allem Anscheine nach, so meinen die Physiker, handelt es sich bei diner Erscheinung, die später bei Geschützdonner wie bei dem Lärm heftiger Explosionen bestätigt worden ist, um eine Reflexions- erichcinnng: der schall geht in die Höbe und wird von da durch Reflexion nach weiter entfernten Gegenden geworfen. Fe nach der Stärke des Geschütz- oder Explosionsdonners sind die nngehinderte A iitzbreitungszonc, die Zone des Schweigens»nd die darauffolgende zweite Zone der Hörbarkeit verschieden ausgedehnt. Ter Donner der gewaltigen Kanonade aus die belgischen Festungen mit den neuen Ricsengeschützcn wird wegen des bergigen Geländes nicht all- zuweit gelaugt sein.>, Immerhin lesen wir in amerikanischen Blättern von Mitte August, daß man schon aus der Stärke des Kanonendonners in großer Entfernung von Lüttich ans unerhörte Dimensionen der deutschen Geschütze schloß!) Wenn aber Sie 12- Zcntilneterinöricr vor den Forts von Paris ihre stimme erheben, wird man sie wahrscheinlich nicht nur bis Tieppc hören, sondern auch an bedeutend entfernteren Punkten der Küste, ja vielleicht über den Kanal bis nach England. Weiß man doch von dem Tonner starker Explosionen, der mit dem moderner Geschütze vergleichbar ist, daß Orte in Emfermiitgeii von 200 Kilometer oder mehr ihn noch hören. Als beim Bau der Jungsraubahn im November 1908 eine gewaltige Dynamitmenge in"die Lust flog, hörte man den Lärm bis auf 200 Kilometer.. Im April 1891 fand in Rom eine heftige Erplosio» statt, die auf 250 Kilometer noch gehört wurde, und der gewaltige Ausbruch des Krakatau, der wohl auch den Donner der Geschntzr. einer modernen Riesenschlacht übe rtrossen hätte, soll aus SOOO Kilometer Entfernung noch hörbar gewesen sein! ' der Räum zwischen den einzelnen Betten war knapp so bemessen, daß man hindurchgehen konnte. Am Tage beliebten die Bewobner des Ossizierskonviktes ju schlafen, in der Nacht tranken und spielten sie. Tausende wurden da umgesetzt. Viele junge Offiziere waren da, die keine Beschäftigung hatten und trotz des Mangels an Front- ofsiziercn infolge der korrupten Verwaltung keinen Posten zuge- wiesen bekamen. Eine Reinigung dieses Augiasstalles war UN- möglich, weil dadurch die am Tage schlafenden Herren Offiziere gestört worden wären. Alles spuckte nach heiliger russischer Sitte aus den Fußboden, ein Oberstleutnant sogar beim Mundspülen. Zigarettenstummel und Speisereste pflasterten den Fußboden; zum Waschen waren für alle Mann zwei kleine Schüsseln vorhanden. Später siedelte v. Voß zu einem Kollegen über, der in einer der Erdhütten des l. Amur-Eisenbahnbataillons häufte. Er konnte es dort aber vor Schaben nicht aushalten, die nachts herumliefen und van der Decke auf sein Bett herabfielen. Es liefen ihrer so viele herum, daß man vor dem dadurch hervorgerufenen summenden und raschelnden Geräusch nicht schlafen konnte. Tie Offiziere der Sanitätsinspektion waren Leute, die durch ausgesilchtc Grobheiten in Gegenwart des gesamten Pflegcperso- »als ihre Stellung den Aerztcn gegenüber besser hervorheben zu können glaubten. Ter Oberst, der die Verpflegung der Verwun- detcn unter sich hatte, war sehr erstaunt, als er gelegentlich einer Inspektion erfuhr, daß die Soldaten so gut wie gar nichts zu essen bekämen und meinte, das beruhe wohl auf einem Mißverständnis. Es kam vor. daß zwei Aerzte dazu abkommandiert wurden, einen Vcrwundetcntransport zu leiten, und daß dann schließlich keiner von beiden wußte, wer denu nun eigentlich das Kommando hatte. Zu den Kranken in Charbin gehörte auch der schon erwähnte Ge- neral v. R c n n e n t a m p s. Seine Persönlichkeit galt nicht als besonders vertrauenerweckend. Er war wegen einer ganz nnbe- deutenden Verstauchung des Fußgelenks nach Charbin gekommen und hielt sich dort wochenlang aus, anscheinend ohne Verlangen, nach der Front zurückzukehren. Der Behandlung seines Leidens widmete er nur sehr wenig Zeitl, viel mehr dagegen dem Karten- spiel und sonstigen in Charbin ungeheuer beliebten und verbreiteten Geniissen. Die Verwaltung des Roten Kreuzes in der Mandschurei war„echt russisch". An der Spitze aller Institutionen des Roten Kreuzes im Felde wie im Rücken des Heeres stand vom Beginn des Krieges an der Kaiserliche Karnmerherr A..... lleider nennt v. Voß nicht den vollen Namen dieses Bicderinanncs). Er bezog das bescheidene Jahrcsgehalt von 120 000 M. bei freier Station und feierte großartige Gastinäler, bei denen der sekt in Strömen floß — alles natürlich ans Kosten des Roten Kreuzes. Tic Feldaus- rüstung, die er sich- auch wieder ans Kosten des Roten Kreuzes— anschaffte, spll an Pracht und Vollständigkeit einfach..märchenhaft" gewesen sein. Es wurde unglaublich leichtsinnig gewirischnstet Rechnungen wurden bezahlt, ohne daß Belege dafür vorgelegt zu werden brauchten. Liescrungsverträge erfolgten mündlich, die Ab nähme, z. B. von Fleisch, geschah ans Treu und Glauben, da in dem ganzen sonst luxuriös eingerichteten Lazarett nicht eine ein- zige Wage vorhanden war. So kam es, daß der angebliche Fleisch verbrauch trotz abnehmender Krankcnzahl aus das doppelte stieg. Tic Oberinnen waren meist zänkische, eifersüchtige und intri- gante Weiber, die den Aerztcn das Leben sehr schwer machten Unter den Schwestern ließ die Disziplin �ost sehr zu wünschen übrig. Sagt doch v. Voß wörtlich:„Wie sollen Schwestern, die mit Aerztcn oder Offizieren bis spät in die Nacht hinein aufs fröhlichste Feste gefeiert, ihre schweren Bcrusspflichten erfüllen können!"— Später wurde v. Boß nach Perm abkommandiert. Tic im dor- tigen Spital arbeitenden Schwestern führten, wie er sich ausdrückt zum Teil„einen kompromittierend fröhlichen Lebenswandel". Das Lazarett in Perm bestand ans Zelten, in denen nachts eisige Kälte und Feuchtigkeit herrschte. Die Kranken kamen meist in total verlumptem Zustande an; sie bekamen zivar neue Kleider, mußten pbex, wenn sie dys Lazarett, verließen, lyiedcr ih�e unzureichenden Lumpen anziehen.'Wöh� hatte das Röte Krpiiz' ciiic groß?' Anzahl von Kisten mit Kleidungssiiickeu gestiftet, aber das alles sollte nach Auslösung des Lazaretts unberührt' dem Msiitärreffors- übergeben werden, wodurch sich der Herr Oberarzt ein besonderes Verdienst zu erwerben gedachte. Die Verpflegung im Lazarett war schandbar. Kurz bevor der Besuch des Inspektors des gesamte» Sanitätsmesens, des Generals Treposs, stattfinden sollte, wurde den Aerztcn eine Liste mit Antworten vorgelegt, die sie aus Fragen Treoosfs zu geben hatten. Unter andern sollten sie angeben, daß die Patienten Hühner, Milch, Eier und alle gewünschten Nahrungsmittel jederzeit in überreichem Maße erhalten hätten. Sie weigerten sich aber, diese Antworten zu geben, und nur der Umstand. Käß derartige versängllchc Fragen nicht gestellt wurden, rettete den Oberst, dem das Lazarett in Perm unterstand, vor der Entlassung, die»n einem anderen Falle prompt erfolgte. Diese Zustände, die Kamals für die russische Vermaltiiug bezeichnend waren, dürsten sich bis heute schwerlich gebessert haben. c. b. England' eine starke Volksströmung, die nicht zum wenigsten ihr« Stützen in den Kreisen der Wissenschaft und Kunst findet, gegen den von der englischen Regierung unternommenen Krieg. Was dieser unselige Krieg, Ken wir infolgedessen mit der englischen Re- gicrung und der englischen Wehrmächt, nicht mit dem englischen Volke, zu führen gezwungen sind, an gegenseitigen Beziehungen und Vertrauen unter den westeuropäischen Knlturnationen zerstörr, ist wahrlich übergenug, so daß hervorragende Vertreter der Wissen- schaft besser täten, die Wiederherstellung des zerstörten Vertrauens vorzubereiten, anstatt noch ßcl in das Feuer zu aießen. Tr. Bruno Borchardt- Eharlottcnburg. kleines Zeuilleton. Erlebnisse eines russischen Militärarztes. Die verlotterte Wirtschaft in der russischen Militärintendantur, ke in dem jetzigen Kriege in dem verhungerten Zustande so vieler russischer Soldaten ihren Ausdruck findet, schilderte«ruf Grund , einer Ersahrungen im russisch-japailischen Kriege der russische Militärarzt Dr. G. v. Voß.', Ans der Fülle bezeichnender Vorkommnisse, die v. Voß erlebte, seien nur einzelne herausgegrissen. Beim Transport durch die Mandschurei berührte der Verfasser C h a i l a r. Dicht neben dieser Städt liegt ein chinesischer Flecken, ein großer chnicsischer Tempel, den sich seinerzeit beim Boxeransstand etwa zehntausend waficn- Iche Chinesen geflüchtet hqttcn. Da zog der durch seine Niederlage in Ostpreußen bekannte General v. Rennenkampf mit seinen Kosaken herzu und ließ Ken Tempel beschießet'. Tic ersten Schrap- nells jagten die Chinesen iiz panischer Flucht auseinander. Tie Kosaken besetzten Tempel und Stadt, verwüsteten das Heiligtum ober �derartig, daß v. Voß nur noch Trümmer vorsank. In C h a rb i ujfam v. Boß zu dem Ossizierskoiivikt. Es war das ein ans zwei Sälen bestehendes steinerne.- Gebäude von 35 Meter-Länge»nk 20 Meter Breite mit niir einem einzigen Aus- gang. Beide Räume waren mit Schlafitättcn und Gepäckstücken vollgestopft. Neben tadellose» neuen Fcldbcttstellen' standen Lager- statten, die ans Kisten, Koffern und Brettern improvisiert waren; *) G. v. Voß, Dr. med., Erlebniffe und Gedanken eines russi- scheu Milftärärztes 1904/05. Leipzig 1906. Protest. Wissenschaft und Kunst gehören der Welt an, und vor ihnen verschwinden die Schranken der Nationalität. Goethe. Fast könnte man glauben, obige Worte haben ihre Geltung verloren, wenn man öas Gebaren höchst. ruhmvoller Gelehrter betrachtet, ans die nicht nur Teutschland, sondern die ganze zivili- sicrtc Welt stolz ist. Der Heidelberger Physiker Lenard, der vcr- dienstvolle Forscher auf dem Gebiet der Kathodcnstrahlen. war der erste, der die ihm von der Royal Society verliehene goldene Mc- daillc von sich tat und ihren Goldwert, 1000 Mark, dem Roten .Krenz zur Verfügung stellte, und Röntgen, der aus den Arbeiten Lenards süßend, die Welt mit der Entdeckung der X-Strahlen be- schenkte, zeigte sich auch hier als Nachfolger Lenards. Daß jemand 1000 Mark für die Opfer des Krieges zur Vcr- sügung stellt, ist gewiß schön und nachahmenswert, daß aber die beiden verdienten Gelehrte» dieser Gabe eine Form gaben, die einen Abbruch der Beziehungen zu der Royal Society bedeutet, ist in höchstem Maße bedauerlich. Schlechte Beispiele finden stets schneller und leichter Nachahmung als gute. Do melden die Zei- tungen:„Im Namen vieler deutscher Gelehrten veröffentlicht Ernst Haeckel eine Erktäriing, wonach die Unterzeichner öffentlich auf alle ihnen von englischen Universitäten. Akademien und gelehrten Ge- sellschaftcn erwiesenen Ehrungen und die damit verbundenen Rechte verzichten." Glauben denn die Unterzeichner dieser Erklärung, daß der Krieg die Bedeutung der englischen Nation als.Kulturnation mit einem Schlage vernichtet hat imd daß die Leistungen englischer Forscher und ihre Vereinigungen für die Ätiltnrentwickelung der Welt nichts mehr wert sind? Wir dürfen die Kulturarbeit der englischen Universitäten. Akademien und gelehrten Gesellschaften nicht plötzlich gering achten und in unserer gekränkten nationalen Empfindlichkeit dazu beitragen, die Bande, die Wissenschaft und Kunst lim die Kulturvölker schlingen, geflissentlich zu zerreißen. Dieser Versuch ist um so betrübender, als er von Männern ans- geht, die den größten Teil ihrer Lebensarbeit darangesetzt haben, die Wissenschaft ungehemmt von nationalen Schranken zu fördern, und denen es gelungen ist, die Wissenschaft wesentlich zu bereichern, deren Namen daher iirter ganzen Welt mit Achtung und Ehrfurcht genannt tverden. Wenn solche Männer die Ebrnngcn englischer Universitäten. Akademien und gelehrten Gesellschaften anläßlich des Krieges zurückweisen, so muß bei den Massen unseres Volkes die falsche Vorstellung erweckt werden, als ob die gesamte englische Nation das Vorgehen der englischen Regierung billigt und hinter ihr stellt— eine vollständig falsche Vorstellung; richtet sich doch in Notizen. — Eine Ohrfeige, leider nur eine moralische, gibt ein kriegsgefangcner Franzose dem sensationslüsternen Publikum. Reclams„Ilniyersiv.'t" bringt ein Bild:„Gefangene und verwundete Franzosen im Munfferlager bei Hannover". Einer der Gefangenes hält sein Käppi vors Gesicht, und iu_ dieser Geste liegt ein der- nichlcndeS Urteil über die schamlose«chaugier, die sich am Elend und der Demütigung des Feindes erfreuen will. — Die F u tu r> st e ir- A u S st e l l u n g„Der Sturm". Pots- damcr Straße l34a, ist jetzt wieder täglich von 10 bis 6 Uhr und Sonntags von 11 bis 2 Uhr geöffnet. — Eine Ehescheidung und ihre Folgen. Die im besitzenden italienischen Bürgeriuri eingerissene Sitte, die vom italienischen Gesetz verwebrte Ehescheidung durch Erwerbung der ilngärischeu Staatsangehörigkeit zu erlangen, hat einem Turiner Ehepaar eine sehr unangenehme Ueberraschung bereitet. Die ScheidungSlusligen waren in Fimne, als die Mobilisierung verfügt wurde, so daß der Ehemann, der eben die ungarische Staatsbürger« schalt erworben hatte, als Ungar ausgehoben wurde. So ist er mit in den Krieg gezogen und seine Gattin riskiert, Witwe zu werden, ehe der EhescheidungSprozeß zu Ende ist. — Ein netter— Pfarrer. Kunde heißt der Pfarrer, Pfarrer ist der � Herr Kunde, der im„Lokal-Anzeiger" loslegt: ..... Die hnngrigen Russen erhielten bei euch, ihr lieben Bres- lauer, Linse» uii d'--- Fleisch und ließen sich's gut schmecken? Ja, dos glaube ich wohl! Ist man doch selbst in sogenannten gut- gksiellten'dculscheu Bürgersamificn kaum so üppig, sondern begnügt sich damit, ein Llnsengerickt mit Speck aufzukochen— und wird auch davon lall. Und jenen„Herren", die dorr drüben Ofsiziersslellnngen einnahmen, setztet ihr Bouillon szu deutsch wohl Kraftbrühe!) Braten und Kompott vor? Wie scbade, daß man die Wcinmarken nicht erfährt, die dazu doch eigentlich gehört hätten!!!"— Und dann legt der Gotlesmann im Namen aller„deutschen Herzen" flammenden Protest ein gegen die Art, wie ihr des deutschen NamenS Ehre zu wahreu gedenkt. Gott helfe eucb von euren weichlichen zgerzen!"— Ei du fronimer und getreuer Hirte! — Blutdurst k N e u e Folge). Oder: Wie die Alten fangen, so zwitschern die Jungeir. Der„Lokal-Anzeiger" hat folgendes mitzuteilen:„Fünf kleine Mädel und Jungen kommen singend an« gelrollt.„Kommt ein Bogel geflogen", ist die Melodie ihreS Liedchens. Sie kommen näher. Man hört den Text. Er scheint doch etwas geändert zu sein. Wie war das?„Wenn'S F r a n« z o s e n b l u t regnet, und Russenköppe schneit, dann bitten wir den lieben Herrgott, das; das Wetter so bleibt."... Vielleicht veröffentlichen Sie das VcrScheu als Beispiel für die S t i ni m u n g u n s e r e r jüngsten I u g e n d."— Na ja. ES gilt eben, die deutsche Kultur zu schützen! Schach. f« u i? Ä M ........ � sM MU,.....»_ 5* a MG WM m mXm m 7— ja ß * 91 Nachstehende Partie ist am 16. August im Heidelberger Schach" klub zwiicbeil beratenden Verbündeten iWeiß» und einem be- kannten Meister(Schwatz) gespielt worden. Sie ist von theoretischer Bedeutung. 13. Dg8— b3..... Schwarz drohte Le6. Aus 13. Del töiiutc jolgen: 13...... c5!(droht sowohl l.k3 als T.b5) 14. Dä3. Df- (droht wieder I.bSi 15. Sc3, gS!! 16. 8>15, Le6 und Schwarz steht gut Z. B.: 17. l,e3. c6; 18. Sb6, Tb8! 19. DXa6, Da7 mit Fiaurcngcwinn. 13...... Ld7— e6! 14. Db3— b7 Ke8— d7 1 15. f2— f4..... Aus DXT? folgt 64= und Tel wird mit DeS beantwortet. 15...... Dg«X64 stärker war DeS! 16. Sbl— c3?..... Weiß sollte sich mit Rem!» durch 16. DXT. Ld5; 17. Tf2. Del+I 18. Tfl, De4; 19. Tß-c. begnügen. Der Tcxtzug verliert. 16...... De4— d4t 17. Kgl— hfl Ta8— eS 18. f4Xe5..... DXa6? geht nicht wegen I,o4. 18...... K5 i 19. Tfl— dl Th7— ff! 20. h2— h3..... Auch andere Züge nutze» nichts. z B.: 20. DXaS, Lc4 oder 20. g'Z, Ld5+ oder 20. 7 62, Lg4. 20...... Dc4\'e6 21. Db7Xa6 Le6Xh3! 22. Da6— a7..... Aus gXb3 folgt Tf2. Oder 22. Dd3, Lg 4; 23. Tgl, d5 nebst Lg««• Spanisch. 1. e2— e4 e7— e5 2. Sgl— f3 Sb8— c6 3. I.fl— b5 a"— a6 I 4. Lb5Xc6..... Die sogenannte„Abtauschvariante die mir zum Ausgleich führt. Oester und auch stärker wird l,a4! gespielt. 4...... b7— c6(?!) Eine noch zu untersuchende, neue Wendung. Zum Aulglcich gcmüst dXcö. Z. S,: 4...... dc6; 5. d4, Lg4!; 6. de, DXDf; 7. KVT), 0—0— Ost; 8. Ke2, Te8; 9. h3!. LXS+; 10. KXL, TXeä; 11. Lf4, Te6; 12. Sd2, 1.66: 13. Thal, LXL!; 14. XXL. Se7; 15. Te3, Tds:c. 5. 62—64! f7— f6 eXd4? würde ein wichtiges Tempo verliercil. 6. d4\e5..... Oder 6. Od.!. 66; 7. Dc4, Ld7; 8. 8co, h6!; 9. Se2, 8e7: 10. Sg3, g6: 11. Le3. Dc8; Ii Tdl. Lg7 nebst Le6 und 0-0, Ein Vorteil snr Weiß ist kaum ersichtlich. 6...... i6Xe5 7. Ddl— 63..... Falls 7. SXe5,(o 7...... De7; S. Dd4. c5; 9. Dd5, TbS!; 10. Lg5, Sf6; 11. LXS, gf6; 12. 863. Lb7; 13. DhSj, Kd8; 14. k3, c4 mit gutem Angriff für schwarz. Z. B.: 15. 812 (aus 814 täme auch LXel! in Betracht), 15...... Lc6; 16. b3, Tb5; 17. Dh4, De5;c. 7...... 67- d6 8. 1)63—04 1-08-67 9. 8k3— g5.... Sonst verhindert Schwarz diesen Angriff mit 1.18— e7— 16 mib entwickelt sich mit Le7 nebst Dc8 und Le6. 9...... I)d8-k6 10. 0-0! h7— 86! 1 1. Sg5— h7 Th8Xh7! 12. DciXgS Df6— g6 n Militärarztes 1904/05. Leipzig 1906._'_ ihr steht— eine vollständig falsche Vorstellung; richtet sich doch in 12. Dc4Xg8 P16— g6 Aufgegeben. Pxranjwottlicher Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für fieq Inseratenteil verantw.: Ttz.Gloie, Berlin. Druck u. Verlag:Vorwan, Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SW,