It. 227.- 1914. « Unterhaltungsblatt des vorwärts Mittwoch, 11. November. Der Stierkampf. Von I u h a n i Ah o.") Einmal vor langen, langen Jahren lud Don Carlo?, Spaniens olle Damen und Herren seines Hofes, die Vornehmsten der �vtstadt und alle berühmten Männer des Reiches in Madrids Vsn Zirkus, um dem Stierkampfe beizuwohnen, den er zu ihrer Mgung am Jahrestage seiner Thronbesteigung zu veranstalten Züchtigte. schon lange vorher hatte man alle Vorbereitungen für dieses lnügen— das edelste, das Spaniens Volk sich denken konnte— �tien. denn man plante ein Schauspiel zu bieten, dessen Khen man niemals gesehen— nicht einmal in Spanien. Die re, gegen die des Landes beste Toreadors kämpfen sollten, ? zu diesem Zwecke au? den entferntesten Ländern der Welt �geholt worden. Man erzählte, daß man Sttere aus Amerika Indien sich verschafft hatte, aus England und Italien, aus .etrchchä und Litauens Wäldern, aus Ungarns und Rußlands chpen, ja sogar aus Ländern jenseits der Ostsee, aus Ländern, man vorher kaum nennen gehört hatte. Es waren unter ihnen . Ohl Stiere, die von Geburt an gezähmt waren, als auch solche, frfld oder halbwild gefangen worden waren. der größten Spannung und Neugierde, ja mit leidenschaft- r™ Eijer erwartete man den Beginn des Schauspiels. Als m-,-—.«' umgeben von seinem Hofe und seinem Volke, auf dem .?�rzogenen Stuhl Platz genommen hatte, traten die Kämpfer '"'s Zlrena: zuerst berittene Pikadors, die als Ritter und Reisige v«loet waren, mit Piken, die großen Federn glichen; nach ihnen «-buntfarbigen Seidenbändern geschmückten Banderilleros und Läßlich die Kämpfer selbst, die Toreadors, in prächtige Gewänder «ms'''n stattlichen Wagen fahrend und das rote Tuch, mit „. Stier gereizt werden sollte, in der linken Hand tragend, .rechten aber das glänzende Schwert, das die mutige Brust I1 Bieres durchbohren sollte— all diese beeilten sich, den König �."egrüßen und von ihm die Erlaubnis zu erhalten, das blutig: "fluilriel zu beginnen. �nd sobald die PikadorS sich im Halbkreise gegenüber der Tür �-°ril, des Stierstalles, aus dem der Stier hereingelassen wird, �gestellt und die Banderilleros sich in der Arena verteilt hatten, sin»'�önifl ein Zeichen, und die Tür des Stalles wurde ge» Der Stier rast heraus, senkt den Kopf und stürzt auf die lud Im Sattel sitzend, stechen sie ihn mit ihren Piken Zf J-�zen ihn zu einer Raserei, die sich immer mehr steigert. Ein k nach dem andern wird verwundet und stürzt auf den Rasen. ie ii aI��c Pikadors sich zurückgezogen, sind es die Banderilleros, Stier bis zur hellen Wut reizen, um ihn vor Raserei blind „.fcub zu machen und Pfeile, an denen bunte Bänder flattern, Oen Rücken zu stoßen. Vor Schmerz sinnlos, rast der Ver> usech dann in der Arena umher, seinen Feind suchend, der ihm l'ss entweicht und ihn rücklings angreift. Da tritt der erste '»ck �advr», der Espadan, vor den Stier, schwingt sein rotes jjj? und läßt den blanken Speer vor seinen Augen flimmern. int.8, ätzten Kräfte sammelnd, rast der Stier geradeaus, um ihn teit Hörner zu spießen, aber noch einmal weicht der Gegner zur � Und da sich das Horn in das rote Tuch tief einbohrt, senkt me§ Espadans Waffe in seine Brust. Der Verwundete stürzt ilu« und überschwemmt den Sand der Arena mit seinem >ill> Belustigung des Königs und seines Volkes, daS mit � Jubelrufen und mit Blumen dem großen Helden huldigt. ii �..stürzten Amerikas und Indiens Stiere nieder, so stürzten �■ouffel und Bisamochsen, sie sielen alle vor deS Königs Füße, auch die Völker jener Länder taten, aus denen die Tiere � �lleschafft waren. Es war ein begeisterndes und großartiges j�chpiel, imj) je fremder und je weniger bekannt die Länder ,!t8n' aus denen die in die Arena getriebenen Stiere stammten, i.'?.l)öljer stieg die Stimmung. Denn für Spaniens König und leine Gäste war es besonders interessant, die verschiedenen |!a(' Der Dichter behandelt hier im Bilde das Schicksal seines ' Landes Finnland. Arten, auf die sich die einzelnen Stiere töten ließen, zu beobachten. Der eine raste gerade auf das Schwert des Espadans los, den anderen konnten nur die Piken der Pikadors in Raserei bringen, der dritte erschrak und flüchtete, aber von den Banderilleros ver- folgt, versuchte auch er schließlich, seine Hörner zu gebrauchen, und erhielt da seine TodeSwunde— denn nach dem ewigen Brauche der Arena>var es nicht gestattet, den Fliehenden zu töten, sondern nur den Gegner nach erfolgtem Kampfe zu fällen.„Nicht in des stehenden Stieres Brust darf man sein Schwert stoßen, sondern man mutz den Angriff abwarten und ihm da den Tod bereiten" ~ so lautet ein anderes der uralten Gesetze der Arena, die alte Könige Spaniens— diese hohen Gönner des Zirkusschauspiels— zur Danachachtung festgelegt hatten. Die Begeisterung der Zuschauer war ins Unermeßliche ge- stiegen. Die Augen glänzten, die Wangen glühten, die Fächer fächelten und die Straußfcdern wehten— man lachte, schrie durch- einander, rief Hurra!— und die Lust war klar und warm, gesättigt von Parfümduft und Blutdunst. Man erwartete nun das Ende des letzten Kampfes in der Arena, denn ein Stier harrte noch seines Schicksals. Die Pikadors stellten sich abermals, aber zahlreicher als soi�t, im Halbkreise gegenüber der Tür des Stalles auf, die Banoerilleros zerstreuten sich nach allen Seiten der Arena, um an jedem Punkte bei der Hand zu sein. Der Espadan, der nun hervorschritt, war der geschickteste und berühmteste aller Kämpfenden, er war aller Günstling und wurde bei dem Betreten der Arena mit dröhnenden Hurrarufen begrüßt. Man erwartete etwas, das noch niemals geschehen war, denn der Stier, mit dessen Tod der Festtag ab- geschlossen werden sollte, stammte aus einem fernen Lande, das an dem Meere des Nordens liegt, einem Land, in dem es von wilden Tieren wimmelt, und in dem die Menschen, wie man berichtete, ebenso wild waren wie die Raubtiere. Der Stier, der aus diesen Gegenden stammte, mußte wohl auch stärker und wilder sein als die anderen. Aber ein Ruf der Ueberraschung erfüllte den Zirkus, als das erwartete Tier in der Arena sichtbar wurde. ES war ein kurz- beiniger Jungstier, mit kurzen Hörnern, klein und von unbedeuten- dem Aussehen. Und er stürzte nicht gleich den anderen zur Tür hinaus, man mußte ihn mit Gewalt in die Arena schleppen, indem einer an den Hörnern zog und ein anderer ihn von rückwärts vorstieß. „Es un barro!— Ein Esel! Ein Bruder Grauohr!" rief man hier. „Es un porco! Es un porcol— Ein Schwein! Ein Schwein!" rief man dort, und mit einem Male erfüllt den Zirkus ein schallen- des Gelächter, und selbst der König vermochte nicht ein Lächeln zu unterdrücken. Aber sobald der Stier die Arena betreten hatte, wendet« er sich heftig um, daß die Männer, die seine Hörner hielten und jene, die sich an seinen Schwanz gehängt hatten, gewaltsam mit dem Rücken auf den Boden geschleudert wurden. DaS Lachen verstummte und man hörte beifällige Rufe. „Werden sehen, wie's gehen wird!— Ihr dort, nehmt euch in acht!— Der bat feste Hörner!— Sein Nacken hat Kraft!— Der ist schnell zu Fuß!"— „Na, mit dem wird nicht lange gespielt werden!" riefen wieder andere. Und man ging Wetten ein, und die Spannung steigerte sich. ?llS der Stier sich befreit hatte, blieb er plötzlich stehen, den Kopf erhoben, den Schwanz in die Lust gestreckt, und sah sich die ungewohnte Umgehung an. „Er glaubt, daß er ein Hengst ist!" rief man wieder. „Der Frosch bläht sich zum Stier auf! Gleich wird er platzen! Gebt acht!" Aber andere hielten noch zu dem kleinen Sfter. Seine Haltung war schön, er streckte nicht die Hörner vgr und wühlt« nicht mit den Hufen im Rasen, wie es sonst der Brauch der Stiere ist, das Publikum zu begrüßen. Cr steht dort in einer Stellung, als ob er fragen wollte, was dies zu bedeuten habe, und was all diese Menschen eigentlich von ihm wollen. „Helft ihm in Gang zu kommen! Treibt ihn an, treibt an! Ihr seid armselige PikadorS!" ruft das enervierte Publikum. Die Pikadors nähern sich vorsichtig, den Stier umkreisend, und' versuchen ihn von der Seite zu stechen, denn man kennt ja nicht die Kampfart der fremden Stiere, und je kleiner ein Tier ist, um so beweglicher ist eS, und um so schwerer kann ihm ausgewichen werden. Die Pikadors stechen auf den Stier los. Und dieser wendet sich ihnen zu, förmlich sich wundernd, was der Mann dort auf dem Pferderücken eigentlich von ihm will, aber er senkt nicht den Kopf und streckt nicht die Hörner vor— ein anderer Pikador sticht von neuem loS, und der Stier antwortet auf die gleiche Art— er sieht sich von einer ganzen Schar angegriffen— und er flüchtet. Er springt durch die Arena und sucht nach einem Auswege, aber er findet keinen, denn alle Türen sind versperrt— da versucht er über die Barriere zu springen, aber das mißglückt. „Memme! Feigling!" kommt es über tausend Lippen, und man mahnt den Espadan mit leidenschaftlichen Zurufen und Ver- wünschungen: ...Halt' ihn auf! Stell' ihn!" Aber jedesmal, wenn der Espadan sich bor ihn stellt und mit der linken Hand das rote Tuch schwingt, während er mit der rechten seine glänzende Waffe hebt, wird der Stier verwirrt, bleibt stehen. versteht das nicht und schreitet nicht zum Angriff— er schwingt sich um und stürzt vorbei und— die Waffe mutz sich zur Erde senken. Durch Rufe, Zischen und Flüche gibt das Publikum seiner Meinung über bas eitle Mühen des Toreadors Ausdruck. Jetzt wird er von den Banderilleros angegriffen, die ihre mit Bändern geschmückten Pfeile in seinen Nacken schleudern. Da der Pfeil in die Haut eindringt, hüpft der Stier einher und versucht ihn abzuschütteln, wirft sich zu Boden und rollt sich umher, wodurch einige Pfeile sich lockern, andere aber um so tiefer eindringen. Außer sich vor Schmerz, beginnt er wieder in der Arena längs der Barriere umherzuspringen, um dann schließlich vor des Königs Tribüne keuchend niederzustürzen. Der ganze Zirkus ruft und schreit, alle Pikadors und Toreadors tun das gleiche, um ihn zu reizen und in Wut zu bringen, aber er rührt sich nicht und läßt niemand von rückwärts an sich heran- kommen, er steht da, den Kopf dem Feinde zugewendet und den Rücken durch die Barriere vor des Königs Loge geschützt. Das Horn wird bereit gehalten— aber der Angriff unterbleibt, er will nicht den ersten Schritt tun. „Schnell! Schnell! Walt' Deines Amtes, Toreador!" Aber der Toreador macht verzweifelte Gesten. Er vermag nichts, solange der Sfter nicht zum Angriff schreitet. ..Verteidig' Dich, Dummkopf! Durchbohr' den Toreador!— Spieß' ihn auf Dein Horn!" ruft man dem Tiere von der Galerie zu.—„Hinaus mit ihm! Schluß! Schluß!" rufen andere dem Toreador zu und faule Eier und Früchte fliegen in die Arena nieder. Aber der Sfter rührt sich nicht vom Flecke, obwohl die PikadorS ihn wieder von der einen Seite stechen, während von der anderen Seite ihm die Banderilleros Pfeile in den Rücken jagen. Er steht wie versteinert da, noch immer das Horn angriffsbereit und vor sich hinstarrend, während der Sand von dem Blute gerötet wird. das aus seinem Hals und Nacken und aus den Wunden seinks Rückens fließt. Was gedenkt er zu tun? Wird er weder zum An- griffe schreiten, noch die Flucht ergreifen? Gedenkt er dort, wo er steht, zu sterben und sein Blut vor des Königs Füßen zu ver- gießen? DaS Gewirre verstummt für einen Augenblick. Wie wird das enden? EtwaS derartiges hat man noch nicht erlebt.� Sollte es dem ersten aller Toreadors, ihm, der alle Stiere bisher über- wunden hat, sollte eS ihm nicht gelingen, dieses kleine und un- bedeutende Geschöpf aus der Welt zu schaffen? Aber das ist ja eine Schande für ihn, eine Schande für den ganzen berühmten Stand, dem er angehört, eine Demütigung für das ganze stolze Spanien! DaS Gewirre beginnt von neuem, ein Sturm von Gezische, Fluchen und Hohngelächter bricht über den Esvadan los. „Schluß! Schluß!" Aber der Espadan rührt sich nicht, er steht und wartet— wartet auf daS Zeichen deS Königs, der nach uraltem Stierkampf- Menfthenopfer. Von Tadayoshi Sakurai. Ter Sturm auf den Taku-shau. T ic Sonnenflagge auf der Hügelspitze. z'. Ter Pulverrauckj, der die ganze Szene bedeckte, war „.■3 Wogen und Wellen, und die dunklen Regenschauer u' en mit wütenden Löwen verglichen werden. Ueber uns , Nd der steile Berg, den Himmel küssend; selbst Affen hätten fom erklettern können. Nach jedem Schritt aufwärts � eine noch steilere Stelle. War eine Wand erklettert, so „V man vor noch einer gefährlicheren, und der swlze ■v'stsche Adler bedrohte uns von der Höhe dieser mächtigen Jtc- Unser ganzes Feuer wurde auf die feindliche Festung j;, Taku-shan aus allen Richtungen konzentriert. Um * Angriff zu erwidern, spien die russischen schweren Ge- JGe rote Feuerzungen aus, und von rückwärts zer- wiefferten die Kriegsschiffe unsere Glieder. Der Feind mit diesen natürlichen Vorteilen und mit seiner starken ttc�ignngsmannschaft nicht leicht zu schlagen. Aber wenn �"t's mißlang, den Platz zu erobern, so war unsere ganze ,3®e aufgehalten und der Sturm auf die große Festung ÄJIich; außerdem fehlte uns die Basis zum Angriff auf & 11 Arthur. Daher die dringende Notwendigkeit, den Feind Rücksicht auf die Größe der Gefahr und der Schwierig- � Zu werfen. «n j. 1Uer Regiment verbrachte die Nacht und den Morgen W, �Gte des Hügels, dem heftigen Regen und dem >lUH" Seuer ausgesetzt. Aber ungefähr um 3 Uhr nach- teiff � bot sich von selbst eine günstige Gelegenheit zum An- x.jts auf den Feind. Unsere Belagerungsartillerie hatte die zch�bllchen Schiffe mit solchem Erfolg beschossen daß sie ge- singen waren, sich eine Zeitlang zurückzuziehen und uns (�Pfecce sBptncniinnsfrprfipif jii aestatten. Als diese Gelegen- ...........____ �............._ folgenden Befehl: linke Flügel hat jetzt den Taku-shan zu stürmen und lijj�R�ginient hat in Verbindung mit dem linken Flügel den iysi tichen Abhang anzugreifen." Zur selben Zeit erhielten stw wlgende Benachrichtigung vom Kommandeur des linken �«els:„Unser Regiment beginnt den Sturm ohne Rücksicht Wt-v tuste. Ich hoffe, daß Ihr Regiment sich zu dem denk- ihn« tSen Sturm mit mir vereinen und mit mir den Taku- b-..besetzen wird." Sofort nach Bekanntgabe dieses Befehls W? beide Flügel zur selben Zeit auf. Wir alle trotzten der und der Wut des Königs der Hölle. Wir trotzten h>j. �otürlichen Steilheit und dem überwältigenden Feuer, ülpirt?„ierien und drangen vorwärts mit Kraft und Mut, Göttern. Das Geschrei und Geheul der Leute, das Ionph unb Donnern der Geschütze, das Glitzern der Ba- "e und Schwerter, der aufgewirbelte Staub, das fließende Blut, das herumspritzende Gehirn und die Gedärme, ein großer Wirrwarr, ein entsetzliches Handgemenge! Ter Feind rollte große Steine herunter, und mancher Unglückliche wurde in die tiefen Täler hinuntcrgcschleudert oder gegen die Felsen gedrückt. Schmerzensgcschrei und Wutgeheul machte die Szene der Hölle ähnlicher als der Welt. Tie schweren Batte- rien von Chikuan-shan und Erlung-shan waren gut gerichtet und ihre Granaten platzten gerade in der Höhe von Taku-shan. Die Feuerbündel ihrer Bomben und leichten Granaten zogen nach allen Richtungen lange LiTiien hellen Lichtes, sich kreuzend und unterbrechend. Plötzlich ließ ein ungeheures Banzaigeschrei den Berg erzittern. Es erhob sich von der Spitze und vom Fuß zur gleichen Zeit. Was war geschehen? Siehe da, eine Flagge weht in den schwarzen Rauchwolken; ist es nicht unsere teure aufgehende Sonne? Unser Sturm ist von Erfolg gekrönt, unsere Flagge ist bereits auf der Hügel- spitze entfaltet. Als wir dies sahen, weinten wir vor Freude. Taku-shan, eingehüllt in sein hellgraues Rauchkleid, war nun unser! Aber sobald er in unseren Besitz kam, konzentrierten die Befestigungen des Feindes ihr Feuer auf unsere Haupt- stellung an diesem Berg. Granaten schwerer Geschütze, so groß wie ein richtiger Wassereimer, kamen zischend gleich Lokomotiven und erschütterten die Luft. Wo sie mit ent- sttzlichem Geräusch explodierten, flimmerte überall ein wunderbares Licht und weißer Rauch stieg empor. Felsen wurden zerschmettert, wo die schwarzen Wolken hingen. Der Mittelpunkt der Erde mußte erzittern; die Leichen der Toten wurden in kleine Stücke zerfetzt. Unsere Stellung war alles eher als sicher. Unsere Abteilung, die den Platz besetzt hatte, konnte den Posten mit Mühe behaupten.. Sollte der Feind einen Gegenangriff wagen, was er sicher tun würde, wie konnten wir dann die Russen in Schach halten auf solch einer gefährlichen Bergesspitze? Wenn wir nur den Kopf hervor- streckten, um über den Abhang hinweg in die feindliche Ver- teidigungslinie zu sehen, konnten wir darauf zählen, von ihrem Feuer begrüßt zu werden. Wir konnten uns nicht einen Schritt bewegen. Ein Soldat, der die Wache über sechs Feldgeschütze hatte, die wir auf dem Hügel erbeutet hatten, wurde von einem Vollgeschoß getroffen und buchstäblich in Stücke zerrissen. Ein Stück Fleisch, welches über unsere Köpfe flog und hinter uns an einem Felsen hängen blieb, war alles, was übrig war. Ein anderes Geschoß fiel in eine Gruppe von Soldaten und verwandelte 26 Mann in einem Augenblick zu Staub, und der Felsen, der durch dieses Ge- schoß zersplittert wurde, begrub drei Soldaten lebend. Leutnant Kunio Segawa wurde an diesem Tage durch den Leib geschossen. Gegen Abend schien sein Ende nahe. Sein Bursche und andere pflegten den armen Mann, als sein älterer Bruder, Hauptmann Segawa. der nichts von der Ver- wundung wußte, zufällig des Weges entlang kam und ge- beten wurde, seinem sterbenden Bruder den Abschiedstrunk Wasser zu verabreichen, worauf der Hauptmann sofort herankam und„Kunio!" rief, Sobald der sterbende Mann seines teuren Bruders Stimme vernahm, öffnete er seine trüben Augen, als ob er an ihn gedacht und sich nach ihm gesehnt hätte, sah schwer atmend seinem Bruder ins Gesicht, ergriff seine Hand, benetzte sie mit Tränen und eine Weile schwiegen beide vor Erregung. Endlich sagte der Hauptmann:„Kunio. Du hast Deine Pflicht erfüllt. Hast Du noch etwas zu sagen?" Und er trocknete seines sterbenden Bruders Gesicht und flößte Wasser in den Mund aus der Feldflasche, worauf der jüngere Bruder leicht nickte und sagte:„Teurer älterer Bruder!" Dies war sein letztes Wort und bald ging er hinüber in die andere Welt. Wie tief war die Trauer des überlebenden Bruders; die Zuschauer konnten nur mit Mühe Tränen der Teilnahme unterdrücken. Hauptmann Segawa folgte zwei Wochen später in der Schlacht am 24. August seinem geliebten Bruder und trat in die Reihen jener ein, die nicht mehr sind. Ach, die arme Segawa-Familie! Aber während des Krieges fehlte es nicht an solch traurigen Augenblicken wie dieser, wenn mehr als ein Glied der Familie für des Landes Sicherheit und für den Ruhm des Herrschers auf der Spitze des Bajonetts geopfert wurde..Sollen wir sagen: das War bewundernswert? Eigentlich sollte ich die geheimnisvolle Mitleidslosigkeit des Himmels beklagen und mich betrüben über das schreckliche Un- glück, das diese Familien befiel. Taku-shan, der Schlüsselpunkt der Hauptverteidigungs- linie, war nun der Hand des Feindes entrungen; die Russen mußten sehr beschämt und entmutigt sein. Wie erspartet, versuchten sie wieder und wieder Gegenangriffe, um den Taku- shan zurückzuerobern, aber jedesmal wurden sie zurück- geschlagen, und ihre Niedergeschlagenheit wurde immer größer. Einige Tage nach der Einnahme des Taku-shan wurden einige unserer Schildwachen, die auf der Spitze des Hügels standen, früh im Morgengrauen durch eine russische Patrouille angeschossen und getötet. Um dem Feinde entgegenzutreten, eilte die 2. Kompagnie auf die Spitze des Berges, wo sie nur 10 oder 15 Fuß unter sich einige russische Offiziere an der Spitze von 70 Mann die Schwerter schwingen und den Berg Heraufstünnen sah. Ohne einen Augenblick des Zögerns wurde ein starkes Gewehrfeuer auf den Feind gerichtet, der über diesen unerwarteten Ernpfang bestürzt schien, kehrt machte und in der Hast stürzend und rollend zurückrattnte. Uksere Kompagnie ergriff diese Gelegenheit und schoß die Russen geradezu ab Was für ein herrlicher Erfolg: nicht einer von ihnen blieb übrig; ihre Körper sah man als dunkle Punkte über den Hügelabhang zerstreut. Zur selben Zeit war eine große Abteilung des Feindes als Verstärkung an dem Punkte aufgestellt, wo die Wege nach Hsiaoku-shan und nach unserer Stellung auf dem Taku-shan Abzweigen. Ihr Plan war wahrscheinlich folgender: Eine Vorhutabteilung wurde gegen beide Berge geschickt und die Reservetruppe sollte sich dahin wenden, wo die bessere Gelegenheit für eine Gegen- attacke sich bieten würde. Solch ein unbestimmtes und uns entschlossenes Verfahren kann niemals Erfolg haben. .(Forts, folgt.)' krauche allein VaS Recht besitzt, den Bsfebl zum TodeSstreiche zu geben. Der König zögert, der Espadan zögert und will schon sein Schwert in die Scheide stecken. Aber da tönt ein wütendes, durchdringendes Zischen und Pfeifen durch den ganzen Zirkus:„büusco!— Fiaseol"— Das ist das Urteil des Publikums über die mißlungene Vorstellung.— Alles ist verloren, der ganze Effekt verspielt, das große imposante Schauspiel schließt mit Hohn und Gelächter. Da zögert der Espadan nicht länger. Sein Schwert erglänzt in der Hand, er stürzt nach vorn auf den Stier zu und stößt es bis in das Herz des Stieres, der da in der Arena steht, vor sich hinstarrt, da» Horn in Bereitschaft. Der feier sinkt in die Knie und fällt schließlich mit einer blutigen Wunde in der Brust seitwärts nieder. Wer kaum ist dies geschehen, so schallt cS von allen Ecken und Enden: „Mörder?— Schlächter!— Mörder!— Schlächter!" Und der Abscheu der Zuschauer hat keine Grenzen. Die Hofleute, die PikadorS und Banderilleros versuchen zu xufen: „Viva sl lSspana! Viva el Roy I Viva Espana Ia f Wer der ganze Zirkus ruft:„Nieder mit dem Espadan!" — Viva el heroioo torito I Viva el chiquito heroico 1"— „ES lebe der mutige kleine Stier!"— Und Blumen und Fächer und Hüte und Handschuhe fliegen in die Arena und begraben den kleinen Stier, der aus einem Lande am nördlichen Meere geholt worden und der— obwohl er nicht sein Horn g�gen den Verfolger gebrauchen wollte— im Zirkus zu Madrid zu des Königs Füßen geschlachtet wurde, zum würdigen Abschlüsse der großen Feittage. (Deutsch von Carl M o r b u r g e r.)� Der Weltkrieg im Urwald Dieser größte Krieg, den die Welt je gesehen, erweist sich auch dadurch als ein wahrer Weltkrieg, daß die Kämpfe sich bis in die entferntesten Teile der Erde ausdehnen. Einen lebendigen Aus- schnitt aus den Kämpfen zwischen Deutschen und Engländern im afrikanischen Urwald gewährt der Brief eines englischen Soldaten auS Nairobi in Britisch-Ostafrika, der seine Abenteuer schildert. Zwei Schwadronen des Reiterregiments, dem er angehört, erhielten den Auftrag, gegen eine Schar von 2l> Deutschen auszurücken, die bis zu dem Mcilenzeiger 28 an der Magadi-Linie vorgedrungen waren. „Meine Schwadron ritt bis zum Meilenzciger 28, um in ihren Rücken zu kommen, während die andere Schwadron nach Kiu ging, um ihnen von vorn entgegenzutreten. Wir kamen auch glücklich am Meilenzeiger 28 an, erhielten dort Rationen für zwei Tage und ritten weiter. Bald aber hörten wir von den Masai, daß die Deutschen von unserm Herannahen Wind bekommen hatten und zurückgegangen waren. Wir verfolgten sie bis an die deutsche Grenze, konnten sie aber nicht erreichen. Diese Streifzüge dauerten drei Tage, während deren wir auf der bloßen Erde lagern mußten und bald keine andere Nahrung mehr hatten, als das Fleisch von den Tieren, die wir schössen. Am Ende des dritten Tages kam endlich der Fouragewagcii. aber die Dummköpfe hatten allerlei AusrüstungSgegenstände hineingepackt und nur einen einzigen Sack mit Reis, so daß wir drei weitere Tage von Fleisch und Reis leben mutzten, ohne ein bißchen Zucker oder Salz, ohne Milch, Tee oder Kaffee. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie schrecklich es ist, immerfort zähes Fleisch essen zu müssen, ohne Salz, ohne ein Stückchen Brot. Wir Ivurdcn alle krank davon und schimpften furchtbar. Erst nach sieben Tagen bekamen wir wieder bessere Nahrung und erhielten Befehl, zum Meilenzeiger 26 an der Magadi-Linie zurückzukehren, wohin das Hauptquartier und das ggnze Lager verlegt worden war. Wir ritten zurück mit leichtem Herzen und noch leichterem Magen und dachten bloß an das Essen, das wir bekommen würden. Das ganze Land,' durch das wir kamen, war in dem Wildschutzgebiet, so daß wir große Haufen von Wild sahen, hauptsächlich Giraffen und Antilopen. Jede Nacht mutzten wir vier Wachtposten rund um das Lager aufstellen, und dann hörten wir rings um uns das Brüllen der Löwen, die ganz in der Nähe lauerten. Das waren recht bängliche Stunden in der pechschwarzen Nacht und dem dichten Urwald, in dem es so unheimlich lebendig war. Verschiedene Male muhten sich die Posten vor den Löwen, die in einer Entfernung von 26 Metern vor ihnen erschienen, auf Bäume retten, und ein Posten wurde von einem gewaltigen Rhinozeros verfolgt. Es war uns natürlich verboten, zu schießen, und dadurch wurde die Situation erst so unangenehm. Drei Wochen lang habe ich so unter keiner Decke geschlafen, und eS ist nicht hübsch, wenn man aufwacht und keinen trockenen Faden mehr an sich hat durch den Nachtregen. Als wir endlich am Meilen- zeiger 26 ankamen, da hatten wir 166 Mann ein wenig Ruhe, Aber bald mutzten wir gegen eine andere Schar von Deutschen und Schwarzen reiten, die sich der Stadt Kisumu genähert hatten. Wir wurden in einen der Seedampfer verladen, um bei Kurugu gelandet zu werden. Als Ivir noch 2 Kilometer von der Küste entfernt waren, sahen wir die deutsche Fahne flattern, aber wir glaubten, daß der Ort verlassen wäre, denn man hatte seit ein paar Tagen von Deutschen nichts mehr gesehen. Plötzlich, als wir noch 666— 766 Meter entfernt waren, zischten zwei Kugeln über unsere Köpfe hinweg. Es ging wie ein elektrischer Schlag durch die Mannschaft, und kaum hatten wir uns auf Deck niedergeworfen, als drei Kanonen und ein Maschinengewehr einen Kugelregen auf unS niederhageln ließen. Wir hatten auch ein Maschinen- gewehr und eine Kanone an Bord, und so erwiderten wir das Feuer. Aber es war uns unmöglich, die Landung zu bewerk- stelligen, da ihre Kanonen zu furchtbar unier uns wüteten. Wir sind überzeugt, daß die beiden Schüsse aus Versehen von ein paar Schwarzen abgegeben wurden. Ohne diese unbeabsichtigte War- nung hätten sie unS ganz nahe herankommen lassen, und dann wären wir alle mit dem Schiff verloren gewesen. Wir müssen also den beiden Niggers dankbar sein, denn sie haben uns das Leben gerettet. Wir fuhren zurück und holten uns reichliche Ver- stärkung, aber als wir wiederkamen, war der Platz leer... New gorks dreihunöertjahrfeier. Während die übrige Welt von Krieg und Waffenlärm durch- dröhnt wird, begeht die größte Stadt der Bereinigten Staaten ein schönes Fest des Friedens, indem sie das 366jährige Bestehen ihres Handels feiert. Vor drei Jahrhunderten erhielt nämlich die von den Holländern gegründete Ansiedlung Neu-Amsterdam von den Generalstaaten der Niederlande �wei Handelsprivilegien, die die Grundlage zu der beispiellosen Blute und Macht des heutigen New Uork gelegt Habens Am 27. März 1614 wurde Neu-Amsterdam zu- nächst ein allgemeines Handelsprivileg verliehen, das dann seine Ergänzung und eigentliche Ausgestaltung durch eine Urkunde vom 11. Oktober erfuhr. In diesem Handelsprivileg sind im einzelnen die Rechte aufgeführt, die der junge Hafenort für Handel und Wandel empfing, und so kann man den 11. Oktober 1614 als den l�xburtstag des New Dorker und in gewisser Hinsicht des amerika- nischen Handels überhaupt bezeichnen. Dieses Geburtsfest läßt New Uork nicht sang- und klanglos vorübergehen. Es vergißt dabei auf eine kurze Woche den Weltkrieg, der sonst auch dies neutrale Land mehr als jeder andere Gegenstand beschäftigt, und veranstaltet eine imposante Kundgebung der Werke des Friedens. Ein großer Festzug in prachtvoll ausgestatteten und geschmückten Automobilen bewegt sich durch die Straßen, und im bunten Bild« reicher Kostüme und mächtiger Aufbauten entrollen sich Szenen aus der Geschichte und der Entwicklung New Forks. Ein anderer Festzug ist von den Kaufleuten und Fabrikanten der Stadt allein veranstaltet, und sein Thema bieten die beiden Begriffe„Frieden" und„Handel", die in den verschiedensten Formen und Symbolen dargestellt werden. Illuminationen der Stadt, prächtiger Schmuck der Straßen erhöhen den Gesamteindruck dieses Friedensfestes, das seinen Gipfelpunkt in einer dreiwöchigen Ausstellung für Handel und Industrie findet. Diese„Dreihundertjahr-HandelSausstellung" wird am 7. Wvember im Grand Central Palace eröffnet. Aus diesem Anlaß weisen New Dorker Blätter auf den unge- heuren Aufschwung hin, den das kleine Neu-Amsterdam nach 366 Jahren erreicht hat, und eine Fülle von Riesenzahlen wird ange- führt, um ein Bild von New Uorks Größe zu geben. Die„World" läßt so das Geburtstagskind sprechen:„Heute nähre ich an meiner breiten Brust 5 646 966 Seelen. Alle 36 Tage füge ich ihnen 17 666 Seelen hinzu. Alle 4 Minuten wird mir eine neue Seele geboren; alle 7 Minuten verläßt mich eine andere Seele, deren Leben endet; alle 16 Minuten finden sich eine männliche und eine weibliche Seele zusammen. Und für diese führe ich alle 46 Minuten ein neues Haus auf, ein Haus im Werte von 13 621 Dollar, während ich jedes Jahr dem Gesamtwert meiner Gebäude neue Architekturwerke für 183 966 666 Dollar hinzufiige. Von Kunst und Bildung kündet mein Freudengesang. Mehr als 25 666 junger Männer und Frauen besuchen meine Universitäten und Hochschulen. Ich befitze das schönste Kunstmuseum in diesem Lande; seine Schätze können in Geld nicht' ausgedrückt werden. 166 Millionen Dollar gebe ich jedeB Jahr für Wohltätigkeit aus. Ich bin die größte Stadt der Welt in den meisten materiellen Dingen. Mein ist das höchste Haus, das Woolworth, 786 Fuß hoch mit 55 Stockwerken. Ich besitze die größte Hängebrücke, die von Williamsburg, die 7266 Fuß lang ist und 86 Fuß breit- Die größte Straße der Welt gehört mir, der Broad- way, und das umfangreichste Gebäude, das Hudson Terminal Building, mit 4666 Räumen und 16666 Einwohnern. Ich habe das größte Theater der Welt, das Hippodrom, mit 5266 Sitzen. Ich bin die reichste Stadt der Welt. Ich bin der mächtigste Seehafen der ganzen Welt. Mein Handel mit fremden Ländern beläuft sich auf 1 793 696 123 Dollar. Ich bin die größte Fabrikstadt der Welt. In meinen Grenzen wohnen 2 152 344 Personen, die bei der Er- zeugung nützlicher Dinge beschäftigt sind. Ich schicke auS und emp- fange jedes Jahr 5666 Schiffe mit 2 Millionen Passagieren. Jeden Tag treten 166 666 Fremde durck meine Pforten. Jede Nacht wer- den 44 666 Gäste in meinen 215 großen Hotels beherbergt." So geht es spaltenlang fort. Dieser kapitalistischen Ruhmredigkeit könnte ein Sozialist freilich eine ebenso lange Liste von weniger schönen Dingen gegenüberstellen, die die Kehrseite der Medaille ent- hüllen würden. Kleines Jeuilleton. Germanisch unü deutsch. Der„Franks. Ztg." schreibt ein Herr: Vor einigen Tagen IaS»ich eine Zusammenstellung von OrtS- namen des flämischen Sprachgebiets in ihrer germanischen Form. Die Bezeichnung„germanisch" ist hier meines Erachtens nicht eng genug. Die Ortsnamen im ftanzösischen und belgischen Flandern sind nämlich wie auch die Sprache der Flamen als niederdeutsch zu bezeichnen. Erst im weiteren Sinne ist die Bezeichnung germanisch an- wendbar. Das mag als Wortklauberei erscheinen, ist aber, wenn die Wörter„germanisch" und„deutsch" über- Haupt scharf umgrenzte VorstellungSkreise wiedergeben sollen. gerade in diesen Tagen sehr wichtig. Denn alles, wa» de I ist, steht zu uns und unserer gegenwärtigen Sprache nawrgemab einem ungleich engeren Verwandtschaftsgrad als alles Germaa l Für Deutsch und Dänisch z. B. ist das Wort, das dre Berw«�. schaft charakterisiert:„germanisch". Das bedeutet aber, daz„ "hen und voi n, wifsensch uckruaeben bc, Vom Urgerman.,-, icyllsi cyaraueirpcri:„geimumiai. jvua.' ri rt-ti«! vom Deutschen zum Westgermanischen und von dieier veftchvue Sprachstufe zu der noch früheren> wissenschaftlich muh! am„ schlossenen des Urgermanischen zurückzugehen hat, will man aen i sich die letzt-» gewinnen, aus dem das Dänische erwachsen ist. spaltet sich das Nordgermanische ab, dieses teilt in einen oft- und westnordischen Zweig, und Verästelungen deL ersteren beißen Dänisch und Schve°. Flämisch bildet dagegen zusammen mit dem H°uaiwu« das Niederfränkische. Dieses und die Sprache � Reuters, Brinckmanns usw., das Niedersächstsche, sind die oe. Hauptmundarten des Niederdeutschen. Die drei großen Mundar• bereiche: Nieder-, Mittel- und Ober- oder Hochdeutsch bilden sammen die deutsche Sprache. Flämisch ist also nichts andere» eine deutsche Mundart, während Dänisch oder Norwegisch Schwedisch germanische Sprachen sind. Und das ist ein �ewa»» Unterschied. Unsere niederdeutschen Truppen haben sich in Antwew Gent, Brügge ufw. mühelos mit der Bevöllerung versländigl zwar nicht nur über die einfacheren Dinge; sie führen mit ihr � gedehnte politische Debatten. Keiner von ihnen aber wurde z-" einen Dänen verstehen oder von ihm verstanden werden. Jettgewinnung in Veutschlanü. Eine wirtschaftlich und technisch wichtige Aufgabe, besonders� Kriegszeiten, ist es. daß wir uns durch Erzeugung eigener Röhl � von der Zufuhr aus anderen Ländern unabhängig machen. L11. ü Produkten, bei denen wir auf das Ausland angewiesen sind, gth�ü vor allem die Fette. Nach Schwarze bat die Gewinnung von*- robstoffen in Deutschland sehr abgenommen, die Einfuhr dagegen,. Pflanzensamenöl-Rohstoffe, ist im Jahre 1912 auf etwa 429 Mmw Mark, der fertigen Oele auf rund 48 Millionen Mark Be"1■' u Hierzu kommen eingeführte, meistens wohl Speisezwecken die»- 7 Fette im Werte von 316 Millionen Mark. Prof. Dr. Holde® 7 nun in der„Umschau" auf ein neues Verfahren hin, das uns!»-> technischen Fette vom Ausland unabhängig machen könnte und ermöglichen würde, die Speisefette für ihren eigentlichen Zweck z»„ servieren. Nach Holde ist es Prof. Dr. Bechhold, Oberbaurat Schmia< Dr. Voß gelungen, aus dem Klärschlamm städtischer Abwasser,� etwa 26 Proz. Fett enthält, dieses zu extrahieren und daraus y' zu gewinnen, die sich für die Kerzenfabrikation, Seifen, als Sp> 1 und Schmieröl eignen. Als Nebenproduklion wird noch ein wonnen, das zur Isolation von Kabeln, für Dacbpappe usw.»> l Dieses Verfahren ist in großem Maßstabe in einer Äersuchsaw in Elberfeld- Barmen ausprobiert und bietet noch den Vortell, der Klärschlamm, der eine große Last für städtische Betriebe'st- JS seitigt wird. Während diese Beseitigung hygienisch einwandft-' her überhaupt noch nicht gelang und große Kosten verursachte,® Jl nach dem neuen Verfahren der Schlamm vollkommen verbrannt, 7 daß nur Schlacken übrigbleiben, und die Fetltgewinnung erwog sogar einen Gewinn. Dieses Verfahren würde bei allgemeiner� führung Deutschland von der Einfuhr technischer Fette und Oele t � kommen unabhängig machen, da 55 bis 66 Millionen Mark, � bisher an das Ausland gehen, gespart würden. Notizen. J — Vorträge. Wilhelm B ö l s ch e hält Mttwoch, gt/, Uhr. im Bürgcrsaal des Berliner Rathauses als Dozent Freien Hochschule zum Besten der Kriegsfürsorge einen Vortrag� „Aufsteigende und absteigende Entwickelun g- An Mittwoch, abends 8'/� Uhr, gelangt im Hörsaal des K»' gewerbemuieums, Prinz-Albrecht-Str. 8, die neue Serie:. dem Großschiffahrtswege von Berlin i? ,, Stettin", mit 126 Lichtbildern in natürlichen Farben, von v1 Bolle zum Vortrage. — Das Theater des Westens, das am komm-»„ Sonnabend die Operettenspielzeit eröffnet, wird bei kleinen P--. einen wechselnden Spielplan einführen. Die Operetten, die?», gespielt werden, sind„Don Cesar",„Polendlut" und„Waldmetst- Ferner ist ein Strauß-Zyklus in Aussicht genommen. — Das Märkische Museum erhielt von Professor P K, Meyerheim aus seinen Sammlungen eine Reihe wertv« Blätter überwiesen. Bor allem eine Anzahl Studien in färben, Tusche und Bleistift von seinem Valer Eduard und lC'y Bruder Franz Meyerheim: Ansichten und Ausschnitte aus der»„ Brandenburg. Von Blättern anderer Künstler ist eine Zew)»� M von Karl Arnold hervorzuheben, die Adolf v. Menzel an Herbsttage in Weimar in sehr charalterlstischer Auffassung vor Schaufenster eines Kunstgeschäftes zeigt. — Die Luftpost beginnt bereits, eine Geschichte zu hltzi. Die erste Luftpost ging von Kolkutta nach Allahabad am 16- bruar 1911, und im selben Jahre beförderte Graham While � von Hendon nach Windsor. Nach einigen geglückten Versuche".,- England und Frankreich trat die französische Postverwaltung Frage der Lustpost näher; am 15. Oktober 1913 veranstaltete sie � Experiment. Leutnant Bonin stieg in Villacoublay auf, um d'8� Paris verspätet aufgegebene Post nach Bordeaux zu schaffen und� reichte den Anschlnh an den Postdampfer nach den Antillen. Pläne, die Luftpost weiter zu entwickeln, sind infolge dcö Kr'-l vorläufig verschoben worden. Israntwortlicher Redakteur: Alfred'Wielepp, Neukollm Für den Inseratenteil verantw.: TH.Gl'ocke.Berlin. Druck u-Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer u. Co., Berlin!