Nr. 228.- 1914. Unterhaltungsblatt des vorwärts Donnerstag, 12. November. politit, Krieg unö der oberste Grundsatz der Strategie. Ter� deutsche Klassiker der Kricgswissenschaft, der Ver- traute Scharnkiorsts, C l a u s e w i tz, der übrigens niemals ein verantwortlicher Heerführer gewesen ist, hat für den Zu- sammenhang von Politik und Krieg ebenso wie für den obersten Grundsatz der Strategie, das Ziel aller Kriegs- führung, die heute noch von den deutschen Militärs allgemein anerkannten Formeln geprägt. Der Krieg ist die fortgesetzte Staatspolitik mit anderen Mitteln. Die Ausgabe des Krieges ist die Vernichtung der feindlichen Streitmacht. Ter Willen, den ein Staat bei deni anderen nicht durch politisch-wirtschaftlichc, diplomatische Mittel durchzusetzen ver- mag, soll durch Waffengewalt erzwungen werden. Ist der Krieg nur die Fortsetzung der friedlichen Politik, so folgt daraus, datz die Staatsmänner oder auch der in den Parka- nienten verkörperte politische Volkswillen den Krieg vor- bereiten müssen, nicht bloß durch Rüstungen, sondern in erster Linie auch durch politische Maßnahmen. Es gilt in der Tat als allgemeiner Grundsatz, daß die militärischen Strategen den Krieg, dessen Durchführung sie übernehmen, von den zivilen Politikern instruiert, gebahnt vorfinden müssen. Ist diese Anschauung in Wirklichkeit allgemein gültiges Gesetz, so würde demnach auch die tüchtigste militärische Leistung, die größte Tapferkeit und kriegerische Ausbildung des Heeres, die hervorragendste Ausrüstung und Waffentechnik, die zahlenmäßige Ueberlegenheit nicht im- stände sein, den Sieg zu erringen, wenn eine unfähige, ver- kehrte, böswillige Politik dem Kriege vorausgegangen ist. In diesem Sinne dürste man den Satz als Wahrheit an- erkennen, daß die gute Sache siegen muß! Ter Krieg ist nicht nur die Fortsetzung der Politik, er tritt auch an ihre Stelle. In dem Augenblick des Kriegs- ausbruches— das ist vornehmlich in Teutschland unbedingter strategischer Grundsatz— bat sich die Politik zurückzuziehen. Tie Minister und Botschafter geben ihre Aufgaben an den Großen Generalstab ab. Das militärische Interesse geht allem anderen voran. Dieser Vorrang der militärischen Erekution zeigt sich nicht nur in der gesetzlichen Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten: Verhängung des Kriegs- und Be- lagerungszustandes mit seiner Preßzensur, seinen verschärften strafen, Kriegsgerichten und sonstiger Verfügungsgewalt, er durchdringt das ganze öffentliche Leben. Es ist eine Maß- nähme der militärische n Leitung, wenn— es ist wichtig, daß die Politiker und Parteien diesen Zu- sammenhang erfassen— beim Ausbruch des Krieges alle Staatsbürger als gleichberechtigt anerkannt und die Parteien zugunsten der einigen Nation während des Krieges für suspendiert erklärt werden: wenn infolgedessen in manchen Gebieten die militärische Zensur ihr Machtbereich sogar so weit ausdshnt, daß sie jede politische Diskussion unterdrückt. Solche Ausschaltung der parteipolitischen Reibungen folgt aus der st r a t e g i s ch e n Einsicht, daß für den militärischen Erfolg von entscheidender Bedeutung der feste Zusammenhalt in den kleinsten Verbänden der Heeresorganisation ist. Das brüderlich kameradschaftliche Gefühl, diese Vorbedingung des todesmutigen Vorgehens und des Sieges, würde zersetzt werden, wenn der Soldat aus konservativer Familie den sozialdemokratischen Soldaten als nicht gleichberechtigt behau- deln, wenn der im Kriege stehende Arbeiter in dem an seiner Seite kämpfenden Unternehmer seinen Todfeind hassen müßte. Die Herstellung der militärischen Solidarität ist strategische Notwendigkeit. Deshalb auch jene frucht- baren und interessanten sozialpolitischen Versuche, in denen sich eine Art von Milüärsozialismus betätigt(Preisfest- setzungen, Fürsorge für die Arbeitslosen, Unterstützung der Arbeiterorganisationen usw.). Tic Stimmung im Felde wie in der Heimat darf unter keinen Umständen zerrissen. und ge- trübt werden._ Im allgemeinen wird man sagen können, daß— gemäß der größeren Verantwortung und sofern die Armee ein von ernsten, gebildeten und fähigen Männern geführtes Volksheer ist— bei solchen Konflikten die militärische Leitung in der Regel das bessere Reckt auf Frieden und das Volk in Waffen dasselbe ist. Tann würde auch jener oberste Grundsatz, der als Zweck der heutigen, besonders der deutschen Strategie die For- derung aufstellt: Vernichtung des Gegners— voll anerkannt bleiben können, ohne zu einem Konflikt mit den politi- schen Interessen zu führen, weil niemals ein Mittel gewählt werden würde, das politisch ungünstig wirken könnte. Vernichtung des Gegners ist nur möglich als Zerstörung der Armee. Aus dieser obersten Zwecksetzung folgt die uner- bittliche Verwerfung jeder kämpfenden Mitwirkung des Volkes, soweit es nicht zur Armee gehört. Denn damit würde der Grundsatz sich zur Forderung der Ausrottung eines ganzen Volkes erweitern, die nickt nur eine Unmenschlichkeit, sondern — wenigstens innerhalb der großen Kulturstaaten— eine Utopie wäre. Wenn das Heer des Feindes ver- mehrt wird durch die bewaffnete Teilnahme des gesamten Volkes, so müßte der lebte Einwohner wehrlos gemacht sein, ehe der Feind als vernichtet gelten könnte. Da man bei einem Einfall in feindliches Land nicht das eigene bürgerliche Volk(außer den unter den Waffen Stehen- den) mit bineinschleppen kann, würde— der Gedanke des Volkskrieges zur Wirklichkeit erhoben— auch die stärkste Armee sich einer unaufhörlich nachwachsenden Uebermacht gegenüberstebcn und so die Invasion zum Untergang der Ein- dringenden führen. Napoleons Macht ist nicht zuletzt an solchen Volkskriegen zerschellt. Franktireurs waren die Spanier, deren jahrelang hindurch geführter Bandcnkrieg die franzö- fische Wehrmacht erschöpfte. Franktireurs vermehrten die Schrecken des deutsch-französischen Krieges 187l). Selbst in der Zeit, da die Kriege mit �oöldnertruppen geführt würden, waren die Franktireurs nicht ohne Bedeutung.* Aus dem Grundsatz der Vernichtungsslrategie aber er- gibt sich von selbst die erbarmungslose Ablehnung und die mit allen Mitteln der Abschreckung durchgeführte Unterdrückung irregulärer Kämpfe. Zu diesem Zweck die Tragödien des Masscnstandrechts, der Einäscherung ganzer Orte und die moralische Vcrfeniung der Franktireurs, die zusammengeworfen werden mit jenem Abschaum internationalen Gesindels, das den Spuren des Krieges folgt und seine Opfer ausraubt, quält, verstümmelt. Die strategische Wissenschaft verzichtet natürlich auf solche Verstärkungen einer in der Sache begründeten Anschauung. Aber sie erkennt und bc- kämpft die Gefahr eines solchen Kampfes. So sagt Major Löffler in seiner Schrift über Strategie(erschienen bei Göschen Illlll):„Diese kriegerische Kraftentsaltung Pflegt zwar an keiner Ztclle sehr stark und sehr widerstandsfähig zu sein, sie lodert aber überall auf, wo sich keine geschlossenen Truppen- körpcr befinden, sie verschwindet bei deren Annäherung, um in ihrem Rücken sofort wieder aufzuflammen. Sie kann sogar zu starker Kraftäußerung anwachsen, wo eine ovfermutige, kriegerische und treue Bevölkerung durch Gebirge oder Wälder unterstützt wird." Tie deutsche Strategie setzt zum Ziel die Vernichtung der feindlichen Armee, und sie betrachtet deshalb die Einmischung der Bevölkerung als eine— bei der heutigen Waffentechnik— die Schrecken des Krieges zwecklos steigernde verbrecherische Unternehmung, die deshalb auszurotten sei. So grenzt jener oberste Grundsatz zunächst den Umfang des Krieges, den Teilnehmern nach, scharf ab. Durch welche Mittel aber wird das Ziel der Vernichtung der feindlichen Streitmacht erreicht? Gibt es einen bestimmten Kriegsplan? Soll die Offensive oder Defensive gewählt werden? Welche Bedeutung bat das Gelände? Welckc Rolle fällt den Festungen zu? ver Sauernsthreck. (Aus einem Feldpostbrief.) Dicht bei dem Dorfe P.... F.... hatte meine Feldflieger- Abteilung ihren Flugplatz ausgewählt. Die Autos für die Zelte und Ersatzteile sowie Betriebsstoffe standen an der Straße. 60 Meter davon entfernt waren die transportablen Flugzeughallen aufgestellt. Wir waren kaum einige Tage dort, als auch schon französische Flieger kamen, um unsere Stellung auszukundschaften. 2 bis L umkreisten am Tage unsere Gegend. Unter den verschiedenen Typs tvar auch ein Eindecker, welcher im Gegensatze zu den anderen ganz schwarz aussah. Eines Tages waren kaum 2 Stunden vergangen. nachdem die Flieger verschwunden waren, da war dieser„Schwarze" wieder zu sehen.� Wir dachten uns gleich, was nun kommen wird. Er hat sich die Stellung ausgesucht und bringt nun Bomben mit.— Jetzt ist er über uns.—„Jetzt hat er etwas herausgeworfen", ruft einer.„Ich hab's auch gesehen." sagt ein anderer. Ein Zischen ist hörbar. Es wird immer lauter.— Ein Krach.— Alle sehen nach der Richtung, von wo der Schall kommt. Eine schwarze Rauchwolke. Ob sie etwas angerichtet hat?— Die Bombe hat 17 Ulanen, welche im Grase lagen und umherstanden, verwundet. Leicht und schwer waren die Verwundungen. Drei Ulanen sind in den nächsten Tagen gestorben. Es vergehen einige Tage. Inzwischen wurden in der Nähe unseres Platzes zwei Haubitzen aufgestellt, welche die Flieger zurückhalten sollen.— ES kommen wieder welche. Sie werden beschossen. Als sie es merken, schlagen sie eine andere Richtung ein. Da hören wir eines Tages etwas surren. Das muß ein französischer Flieger sein, dort ist er ja schon— es ist unser„Schwarzer".„Der bringt wieder Bomben mit", sagt einer. Es krachen zwei Schüsse unserer Haubitzen. Wir greisen nach den Karabinern. Ein heftiges Gewehrfeuer enlsvinnt sich, begleitet von den Geschlissen der Geschütze. Doch er läßt sich nicht abschrecken. Jetzt ist er für die Haubitzen zu steil, diese können ihn nicht mehr fassen. Das Gewehr verstummt, da es zwecklos ist. Jetzt ist er über uns— wieder dieselbe Spannung.„Wir wollen auspassen, ob wir es rauschen hören", sagt einer. Er kreist zweimal über uns.— Es rauscht— lauter und lauter— da— es bleibt alles still-- die Bombe ist nicht explodiert.— Da rauscht es aber schon wieder. — Ein Krach, und alle sehen nach der Richtung des Schalles. 120 Meter von uns, dicht an der Straße ist die Rauchwolke. Alle laufen hin, um sich ein Stück von diesem Geschoß zu holen. Die nicht krepierte Bombe lag 80 Meter von den Flugzeugen ab und wurde von unS gesprengt. Die Bewohner deS Ortes lernten inzwischen auch unsern „Schwarzen" kennen. Sie wurden in Schrecken gesetzt, nicht nur wegen de? Fliegers, sondern auch unserer Geschütze wegen, da doch Sprengstücke ins Dorf fallen konnten. Unsere Soldaten tauften den „Schwarzen" daher den„Bauernschreck". Es vergehen einige Tage, Flieger kommen, sie werden beschossen und zurückgehalten. Auch Freund„Bauernschreck" ist dabei. Aber immer gelingt es ihm nicht, so gut über uns zu kommen, da ihm wohl die Haubitzen Bedenken machen. Es waren gerade drei Wochen vergangen, seit uns Freund „Bauernschreck" seinen ersten Bombenbesuch abgestattet hatte, da hören wir daS singende Geräusch eines Flugmotors. Seht doch, da ist er ja schon! Leider ist er zu spät bemerkt worden, und so gelaug es ihm wieder, über uns zu kommen, ohne beschossen zu werden.— Paßt auf! Er wirft wieder Bomben. Alles sieht nach oben. Einige legen sich unter die Lastwagen, andere laufen nach dem Dorfe, andere wieder legen sich auf den Boden, um so den Sprengstücken zu entgehen. Er ist direkt über uns, da hört man auch schon das Rauschen näher und näher kommen. Der Krache ertönt— 150 Meter seitwärts steigt der Rauch auf. Wieder alles gut abgelaufen.— Es vergehen kaum 2 Stunden, da ist unser„Bauernschrcck" wieder sichtbar. Die Haubitzen schießen. Er läßt sich nicht abschrecken. Wieder gelangt er über uns, wieder lauschen wir. wieder fällt eine Bombe. Diesmal kaum 100 Meter von uns entfernt. Ein Stück des Mantels fiel mir vor die Füße. Ich will es aufheben, aber es ist ganz heiß. Es muß sich erst ab- kühlen..._ Durch die Smaihalbinsel nach Aegypten. Zwei Wege stehen dem türkischen Heer von Syrien aus durch die Sinaihalbinsel, deren Wüsteneien einen wirksameren Grenz- schütz als hohe Gebirge oder reißende Ströme bilden, beim Einmarsch noch Aegypten offen. Ter südliche führt von dem am nördlichen Ende des Golfes von Akaba gelegenen Orte gleichen Namens über 71 Alenjchenopfer. Von Tadayoshi Sakurai. Wie bsreits mehrmals bemerkt, überraschte uns die hart- nackige Ausdauer der Russen. Wenn eine ihrer Positloncn mgegriffen mird, kann der Verlust des einen Teiles den Ruck- p.ig auf einon anderen Teil notMendig machen, oder�sie haben sie Wahl der Vernichtung oder Gefangenschaft. Sogar ,n olch einem Fall verlassen sie den Platz nicht, sondern halten 'a fest aus, bis sie getötet sind. Selbst wenn sie bis auf einen Nanu vernichtet sind, so wird dieser eine Mann fortfahren m schießen und wenn wir ihm nahe kommen, pflanzt er sein Bajonett auf und läßt sich in ein verzweifeltes Geferfst em. sis ihm endlich die Idee kommt, sick zu ergeben, solche Fachen kamen oft am Kcnzan, am Tapio-shan undam�akil- bau vor. Es wurde mir erzählt, daß noch der Schlacht bei stansban geheimnisvolle Schüsse sielen: niemand wußte woher, md zehn von unseren Leuten wurden getötet oder verwundet. '7ach langem Suchen fand man endlich einen rustlschcn �ol- Zoten der sich in!mer Küche versteckt hatte�und uns vom Fenster aus eifrig und furchtlos beschoß. So oft wir dre ussischcn Gefangenen frugen, warum sie uns so verzw�iselten Widerstand leisteten, war sicher ihre Antwort:„Wir müssen Den Befehlen unserer Offiziere gehorchen. Wir� hatten zereits von dem blinden Gehorsam russischen solda en iehört und hier auf dem wirklichen "»er Beweis erbracht, daß sie treu bei ibrer llflicht bliebui bis mm T°d Es kommt dies vielleicht von den alten Be- siehungen zwischen dem Adel und den Zlter. die heute noch zwischen den~ cu"st Mannschaften aufrechterhalten werden. Dieser russische G s� Zes Gehorsams ist grundverschieden in lemem Ursprung von r wahren Harmonie und der Freundschaft und dem auf- nchS freiwilligen Gehorsam, der m allen Reche» d avani'chcn Armee herrscht. Ein amerikanischer?Uizier, ocr iiebrere Monate in der Mandschurei bei der sapanlschen Armee rar bemerkte, daß das Ebarakteristischste und Anziehendste unserer Armee die freundliche Harmonie sei. die von oben sis unten herrsche und die bei keiner anderen Arinee irgend- siner Nation, weder in England noch im demokratischen flin-rika gefunden werden könnte. Vielleicht kommt die wirk- iicke Stärke unserer Armee von diesem besonderen Geist und unserer geistigen Verfassung. Aber der ausdauernde Mut des russischen Soldaten ist eine Eigenschaft, die unserer Bc- wunderung würdig ist. Während sie Port Arthur verteidigten, ging ihnen der Proviant und die Munition aus. Tausende und Zehntausende von Menschenleben verloren c: ihre traurige Lage war wie ein Licht vor dem Windstoß, und mitten unter so entmutigenden Verhältnissen änderten sie trotzdem ihre Haltung nicht, sondern fuhren fort, uns iint starrköpfiger Entschlossenheit Widerstand zu leisten. Es wurde dies durch die Kraft ihres russischen Charakters hervor- gebracht und zeigt klar, welche Erziehung und Disziplin sie durchgemacht hatten. Eine Stelle in den russischen Militärvorschriften lautet:„Ter Siegcslorbcer in der Schlacht kann gewonnen werden durch das Bajonett und das Kriegsgeschrei. Wenn Ihr keinen Schuß mehr habt, schlagt den Feind mit dem Gewehrschaft nieder, wenn der Gcwehrschaft gebrochen ist, beißt ihn mit den Zähnen." i Ja, sie waren hartnäckig in ihrem Widerstand, aber zur selben Zeit waren sie außerordentlich um ihr Leben besorgt. Diese zwei Eigenschaften widersprechen sich.„Lieber als Ziegelstein leben, als ivie als Juwel zerbrochen werden," schien ihr großes Prinzip, im Gegensatz zum japanischen Ideal: Lieber schön sterben, als unwürdig leben. Ein russischer Gefangener soll gesagt haben:„Ich habe ein liebes Weib. Sie muß sich sehr um mich ängstigen. Unser Offizier sagte uns, die japanische Armee sei zerbrechlich wie eine Gips- statue. Aber im Gegensatz zu unseren Erwartungen sind sie stark wie die Teufel. Eher als ich fechte, um getötet zu werden, muß ich mein Leben für mein Wcib retten. Wenn ich sterbe, wird sie sich betrüben und verrückt werden. Die Japaner sind mir über, es ist albern, zu fechten, wenn man weiß, daß man sicher durch die Japaner getötet wird." Ein unüberbrückbarer Abgrund ist zwischen diesem und dem japanischen Ideal und der Entschlossenheit, in Ehren zu sterben und niemals in der Schande zu leben. Wir verteidigten und hielten den Taku-shan, trotzdem es sehr schwierig war, gegen die feindlichen Angriffe, und glück- licherweise wurden alle Versuche, ihn wiederzunehmeu, zu- nichte. Endlich schienen die Russen den Gedanken aufgegeben zu haben, ihn noch einmal anzugreifen, und begannen, die bereits schon so starken Konstniktonen auf der Hauptverteidigungslinie zu verstärken und unsere Befestigungsarbeiten durch unaufhörliches Feuer aus ihren schweren Geschützen von den verschiedenen Forts aus zu verhindern. Zur selben Zeit befestigte unsere Abteilung den Taku-shan auf der dem Feind zugewandten Seite, sammelte Belagerungsmaterial, errichtete starke Stellungen für schwere Batterien und sandte erfolg- reiche Kundschafter aus. um die Lage der feindlichen Minen und den Zustand der Drahthindernisse zu erkunden und zu sehen, wie das feindliche Feuer auf den verschiedenen Wegen auf unseren Vormarsch wirken könne. Nachdem die Vor- bereitungen und alle diese Untersuchungen über den Zustand unseres Angriffsgeländes vorllendct waren, wurde der 19. August für den ersten allgemeinen Angriff festgesetzt und unseres Angriffsgeländes vollendet waren, wPde der punkt gegeben. Da man von dieser Schlacht erwartete, daß sie das Schicksal von Port Arthur besiegeln würde, wurde alles auf sorgfältigste und auf das genaueste auf der Karte ausgearbeitet. Beginn des allgemeinen Angriffs. Bei der Besichtigung der Verteidigungsanlagen von Port Arthur soll ein Korrespondent der„Novoje Wremja" sich folgendermaßen geäußert haben:„Es ist wie ein Ablernest, welches nicht einmal eine bis an den Himmel reichende Leiter erreichen kann." Ja, genau so war es. Soweit das Auge reichte, war jeder Hügel, jeder Berg mit Forts und Wällen bedeckt, die Landleite war mit Eisenwällcn von zehnfacher Stärke umgeben. Und seine Verteidiger waren tapfere, vom alten General Dragomiroff ausgebildete Soldaten. mutige Männer, die stärksten und flinksten, kurz: die Blüte der russischen Armee. Wir waren jetzt also vor dieser„un- einnehmbaren" Festung, um zu bewesien, daß sie trotz alledem „einnehmbar" war. Der 19. August war der erste Tag des allgemeinen Angriffs, der Ausgangspunkt zu dem historischen Ereignis des �Falles von Port Arthur. Ter Kampf, welcher sich als der allerschwerste und allerichrecklichsts aller Zeiten herausstellen sollte, begann an diesem Tage und. dauerte mehr als vier Monate lang. Während dieses Zeitraumes stieß unser verzweifelter Angriff auf einen ebenso ver- zweifelten Widerstand. Unser Heer zahlte einen ungeheuren Preis für diesen Sieg: die Berge und Täler von Port Arthur wurden in versengten Boden verwandelt, von Granaten durch- löchert: Menschen wurden hingeschlachtet, die Forts schließlich durch Geschosse aus Menschenflcisch eingenommen, die der Bamato-Damashii") selbst abfeuerte. Tie gespannt zuschauende Welt war über die wundervolle Wirksamkeit einer solchen Art von Kriegführung erstaunt.(Forts, folgt.) Der Geist oder die Seele Japans. Auch kurz-- Tapferkeit. Ste Hochebene von Tib nach Suez, während der andere von Rafa unweit des Mittelländischen Meeres sich an der Küste entlang über El Arisch nach El Kantara, etwa oll Kilometer südlich von Port Said. erstreckt, um am Suezkanal die Bahnlinie nach dem Nildelta zu er- reichen. Unter hohen Palmen versteckt liegen die schmutzigen Araberhüttcn Akabas, das von altcrshcr den Sammelpunkt der nach Mekka ziehenden Karawanen bildet. �Schon im sechzehnten Jahr hundert beschützte daher ein starkes Schlos; den wichtigen Knoten Punkt, und heute dehnen sich moderne Küstcnbattcrien am Strande des Golfes, die einen englischen Landungsversuch bereits erfolg reich abgewiesen haben. Nur wenige Kilometer westlich, gleichfalls noch am Golf, aber schon jenseits der ägyptischen Grenze, liegt der Brunnen Taha, die letzte Station für die ins Innere der Halbinsel ziehenden Truppen. Gleich hinter dessen Palmen steigt der Weg steil an. Zwischen Felsen und Trüminern gilt es in langen Ser pentinen die Hochebene von Tih zu ersteigen, die hier sich hier zwar durchschnittlich nur 700 Meter hoch erhebt, zu deren Ersteigung schwerbeladene Kamele aber mindestens 4 Stunden brauchen. Ist dieser schwierigste Teil des Marsches einmal glücklich überwunden, dann dehnt sich das Hochland meilenweit vor dem menschlichen Auge.■ Ter Boden ist hart, und in schnellem Trab können die Kara wanen die Hauptstadt der Sinai, Kalaat cn Nakhl, erreichen. Der Weg ist für Äutomobiltransporte wie geschaffen. Als einzige Boden senkung durchzieht das Tal von Ari'ch die Hochebene in iwrdsüd licher Richtung. In ihm wird unweit Nakhl Gerne und Mais ge baut, und die, tvenn auch nicht reichen, so doch auskömmlichen Er» ten lassen den Rückschluß zu, daß das Land in früheren Jahr Hunderten ertragfähiger war und dem Volke Israel gut 4l> Jahre hindurch Unterkunft gewähren konnte. Erst bei Meibeluk, eine kleine Tagereise von Suez, ändert sich die Landschaft. An Stelle des festen Gesteins tritt Sand. Doch ist dieser nicht so zahlreich daß nicht auch hier das Automobil ohne große Schwierigkeiten vor- zubringen vermag; dem Kamel bietet die Gegend keinerlei Hinder nisse. Der ganze Weg von Akaba bis Suez ist 240 Kilometer lang und kann auch von einer größeren Truppenabteilung in 6 bis 6 Tagen zurückgelegt werden. Kalaat en Nakhl besitzt derartige Brunnenanlagen, daß viele Tausende von Menschen und Tieren zu gleicher Zeit mit dem ersrischenden Naß versehen werden können, wie da? alljährlich bei den Mekkakarawanen schon geschieht. Der nördliche Weg von Rafa nach El Kantara, den Napoleon bei seinem Marsch nach Syrien in umgekehrter Richtung in sechs Tagen zurücklegte, ist ein wenig kürzer; er beträgt nur 220 Kilo- meter. Die erste Station auf der Sinaihalbinsel, El Arisch, be sitzt ebenfalls reiche Brunnen, um größere Truppenmassen erfrischen zu können. Dagegen sind die Oasen von Vir el Maza, Bir el Abb und Äatleh ziemlich wasserarm, so daß der größte Teil des WegeS durch sandiges Gebiet zurückgelegt werden muß, in dem die Ver- pflegung und Tränkung von Mensch und Tier ausschließlich durch mitgeführte Vorräte erfolgen kann. Auch El Kantara am östlichen Ufer des Suezkanals besitzt nur wenige Süßwasserbrunnen, doch ist eine Röhrleitung unter dem Kanal hinweg von dem reichlich mit Süßwasser versehenen Westufer hierher geleitet worden Obgleich sich dieser nördliche Weg nahe der Küsie hinzieht, vermögen feinde liche Kriegsschiffe einen Truppemnarsch höchstens bei El Arisch zu stören. Denn das Küstengebiet ist äußerst flach und noch 10 Kilo- meter vom Strande entfernt beträgt die Meerestiefe erst wenige Meter. Zudem liegen von Bir el Maza bis nach Port Said vor der Küste lange, znm Teil weit ins Meer hinausgestreckte Lagunen, die eine Landung von Truppen wie eine Beschießung der Straße völlig unmöglich machen. Ist es Napoleon I. mit den ungenügenden Hslssmitteln der damaligen Zeit gelungen, 20 000 Mann in wenigen Tagen durch die Wüsten der Sinaihalbinsel zu führen, so werden die Türken mit den modernen Kriegsmitteln diese Ausgabe erst recht lösen, zumal die geringen Besatzungen einiger befestigter Oasen. orte anrückenden Truppen keinen nennenswerten Widerstand ent- gegenstellcn können._ Die Aucht aus Gstenöe. Von Bord der englischen Lüstyacht„Grace Darling", deren Besitzer Withworth dem italienischen Journalisten Barzini und seinen Kollegen in der Stunde der Gefahr gastliche Aufnahme versprochen hatte, berichtet Luigi Barzini im„Corriere della Sera" über seine letzten Erlebnisse auf belgischem Boden: „Es ist 10 Uhr vormittags. Wie gewöhnlich gehen wir zum Rathaus in Ostende, um über die Kriegslage Erkundigungen ein- zuholen. Der Bürgermeister, ein blondbärtiger Flamländer, der au» einem alten Bilde hcrabgesti-egen zu sein scheint, empfängt unS an der Tür mit den Worten:„Sie müssen sofort abreisen, die Deut- schen werden in zehn Minuten in der Stadt sein." Der Mann hatte recht. Kurz darauf sehen wir einen von einem Radfahrer begleite- ten Ulanen in schlankem Trabe von Blanbenberghc herankommen. Es ist 10 Uhr 20 Minuten, die Eroberung Belgiens ist durchgeführt. Der Ulan, ein Unteroffizier, reitet über die Brücke am Hafen, biegt am Bahnhof in die Stadt ein und nimmt immer im gleichen Trabe den Weg nach dem Rathause mit der Sicherheit eines Mannes, der Bescheid weiß, und mit der gleichgültigen Ruhe eines Spaziergängers. Er sieht gerade vor sich hin, ohne der verlassenen Stadt, in der er und fein ihm degleitender Radfahrer die einzigen Lebe- wefen scheinen, einen neugierigen Blick zu schenken. Vor dem Rat- hauS angelangt, macht er Halt, neigt sich vom Sattel herab und reicht einem der Magistratsdiener einen Briefumschlag, den dieser wie eine glühendheiße Feuerzange anfaßt, worauf er im Hause ver- schwindet. Das Schreiben enthält wahrscheinlich die ersten Befehle des neuen Gouverneurs an den Bürgermeister. Ter Ulan wartet und streichelt mit der behandschuhten Rechten seinem Gaul lieb- kosend den Hals. Inzwischen mehren sich die heranziehenden Lanzenfähnchen. In kleinen Trupps kommen die Ulanen in kurzen Zwischenräumen heran, die Lanze in der Faust; die Offiziere an der Spitze. Immer mehr graue Uniformen tauchen auf. Sie kommen letzt auch von der von Brügge herführenden Straße heran. Das Getrappel der Gäule weckt in den verlassenen Straßen ein Echo. Harte deutsche Kommandorufe klingen von allen Seiten, und die Kavalleriepatrouillen verteilen sich über die Stadt. Die Truppen machen einen brillanten Eindruck. Man bemerkt nichts von Müdig- keit oder Unordnung. Die Pferde sehen prächtig aus. In ihrer grauen Gleichförmigkeit wirken die Soldaten wie Muster der neuesten Erzeugnisse der deutschen Exportindustrie, die eben aus der Fabrik gekommen und mit der Fabrikmarke„Made in Gcrmany" versehen sind. Aber sehr gemütlich sehen sie nicht aus. Man kann eS den Leuten von ibren wie aus Stein gehauenen Gesichtern ablesen, daß mit ihnen nicht gut Kirschen essen ist, was ich im übrigen auch bald am eigenen Leibe schmerzlich erfahren sollte. Angesichts der sich mehrenden Truppen sind wir an den Strand geeilt und brüllen über die See hin:„Graee Darling, ahoi!" Ein Boot stößt ab und nimmt uns aus. Wir sind glücklich alle an Bord der Dacht untergebracht. Sie trägt den Namen einer Dame, die durch ihre Samariterdienste auf den Sdblachtfeldern der Krim berühmt geworden war. Wie wir aber in See gehen wollen, stellt sich eine arge Verlegenheit heraus. Ein großer Teil der flämischen Mannschaft der Dacht ist in der Nacht desertiert, mit ihr leider auch der Maschinist. Stuf das Kommando„Langsam vorwärts" hören wir die Maschine gewaltig stöhnen und pusten, aber das Schiff liegt bewegungslos. Himmlischer Vater, und die Deutschen stehen wenige Schritte von uns entfernt! Wir sehen, wie sie hin und her gehen mit ihren Helmen, die so säuberlich mit grauem Stoff überzogen sind, wie die Möbel in der guten Stube braver Bürgersleute, während diese in der Sommerfrische weilen. Wir Journalisten sind angesichts der verzweifelten Lage in den Maschinenraum her- untergekrochen und suchen uns in aller Kürze über den verzwickten Mechanismus der Schiffsmaschine zu unterrichten. Der Korrespon- dent der„Daily Mail" schraubt einen Hahn auf, der vom„Daily Sketch" öffnet einen anderen, der vom„Corriere della Sera" bc< tätigt einen Hebel, der vom„Daily Mirror" drückt mit aller Kraft auf die Kolbenstange. Der Erfolg dieser genieinsamen Bemühungen macht sich in einem Höllenspektakel bemerkbar, während unregel- mäßige Kolibenstöße die Dacht bis zum Kiel erzittern lassen. Schweitzbedccki und halb erstickt kriechen wir aus der Höhle der Kessel wieder an- Tageslicht. Die sich selbst überlassene Dacht dreht sich langsam um sich selbst und wird dann von der Strömung fortgetragen; leider aber nicht der See zu, sondern nach dem Kanal von Brügge. Mr. Withworth beschwört uns, uns nicht auf Teck schen zu lassen. Meine Kollegen sind geneigt, unser Unglück aus Rechnung einer deutschen Verschwörung zu setzen.„Still, still, keinen Laut, wir sind von Spionen umgeben," ruft einer ängstlich.„Sehen Sic dort die Frau mit der Polizeipfeife um den Hals? TaS ist sicher eine Spiönin." Auch ich sehe die Frau, die sich krampfhaft be- nriiht, ein Boot heranzurufen, und ich sehe auch, daß die vermeint- liche Polizeipfeife nichts anderes ist, als ein silberner Anhänger. Die an Bord befindlichen belgischen Bürgergarden haben sich ihrer Uniformen und KäppiZ entledigt und alles über Bord geworfen. Von der Strömung erfaßt, schwimmen diese kompromittierten Gegenstände herum und klammern sich schließlich an den Schiffs- rümpf an, wie treue Hunde, die ihre Herren nicht verlassen wollen. Wir haben uns fchließlicki mit Stangen bewaffnet und suchen im Schweiße unseres Angesichts mit Hilfe dieser primitiven Fort- bewegungSmittcl die Dacht fortzustoßen. Unsere Bemühungen sind cndliS von Erfolg gekrönt. Die„Grace Darling" wendet die Nase dem Meere zu und schwimmt. Schnell alle Segel heraus! Am Ufer macht sich jetzt eine lebhafte Bewegung bemerkbar. Man sieht mehrere Leute hin- und herlaufen, die uns Zeichen geben. Wir halten sie zunächst für Fischer, aber der Knall eines Schusses belehrt uns bald eines Besseren oder vielmehr Schlechteren. Wenige Se- künden später und man eröffnet vom Ufer gegen uns ein Salven- feuer; aber das Meer täuscht die Schützen, und der Nebel, unser BundcSgenofle, trägt noch ein UebrigeS dazu bei. unseren Feinden die Täuschung vorzugaukeln, daß wir weiter entfernt sind, als eS in Wahrheit der Fall ist. Die Folge dieser optischen Täuschung be- wirkt es, daß die Kugeln der Deutschen über unsere Köpfe hinweg weit ins Moer hinausfliegen. Wir haben uns instinktiv platt auf den Bauch geworfen, und die Gegner müssen ivohl annehmen, daß wir samt und sonders tot sind; denn sie stellen das Feuer ein und ziehen, wie sie gekommen sind, in Reih und Glied wieder nach der Stadt zurück. Mit einem Seufzer der Erleichterung richten wir unS auf. Ein guter Wind führt unsere„Grace Darling" nach dem von Booten und Dachten bedeckten Meer hinaus, und langsam ent- schwindet die Küste Belgiens unseren �.icken." Juli abends Munition und Gesandtschaft wurde von den Zahllose Massen fanatischen Ersunöene Metzeleien. Tie Erfindung von Greuelge schichten im Kriege wird nicht nur durch die Blutgier der Presse verschuldet, deren Zeser jetzt im Leben täglich Kolportageromane zu verschlingen begehren; sie hat auch sehr verhängnisvolle polifische Motive. In der gefährlichsten Zeit des BurenkriegeS hatte England das Glück, daß die Aufmerk- samkeit und die Heere aller Staaten plötzlich in— China kon zentriert wurden. Damals war eS die englische Presse, deren blut rünstigen Phantasieschilderungen eS tatsächlich gelang, jenen inier nationalen Kreuzzug nach China zu veranlassen, der eine Eirn Mischung in den Burenkricg verhinderte. Damals brachte die Londoner Presse auch jenen, mit den genauesten und gräßlichsten Einzelheiten ausgeschmückten Bericht über die Niedermachung aller Gesandten in Peking, von der nicht eine Silbe wahr gewesen; niemandem war ein Haar gekrümmt worden, und die Boxer- belagerung der Gesandtschaften war nicht viel mehr al§ eine abenteuerliche Posse. Schon in den ersten Juliiagen 1900 meldete der Londoner „Daily Expreß":„Nachdem die Chinesen nun Blut gekostet, machten ie einen furchtbaren Angriff auf alle Gesandtschaften._ Rur die englische, die deutsche und die italienische Gesandtschaft blieben tehcn. Die englische Gesandtschast ist voll von kranken und ver mundeten Frauen und Kindern, denen eS am nötigsten fehlt. Air zeblich aus Shanaai wurde über London berichtet,„daß alle Frei» den, tausend an der Zahl, einschließlich vierhundert Soldaten und hundert chinesischen Zollbeamten, sowie Frauen und Kinder in der englischen Gesandtschaft auZhielten, bis ihnen Munitton und Lebensmittel ausgegangen und die Gesandschaft niedergebrannt war. Alle Fremden wurden getötet." Am Sonntag aber, der diese aufgeregte Woche schloß, hatte der deutsche ZeitungSleser die Wahl, ob er in den wetteifernden Schilderungen über den entsetzlichen Untergang der Gesandtschaften dem Bericht deS„Daily Expreß" oder dem des„Daily Mail" den Vorzug geben wolle. Das erstere Blatt erstattete diesen haar üräubenden Bericht: „Den Fremden gingen am 1. Lebensmittel aus, und die britische Angreifern im Sturme genommen._. �... Pöbels zusammen mit regulären Truppen drangen durch die Tore und Breschen in das Gesandtschaftsgebäude ein, und obwohl viele Chinesen noch im Nahkampfe getötet wurden, konnten sich die europäischen Schutzwachen trotz heroischer Anstrengungen der Ueber- macht gegenüber nicht halten. Mann für Mann siel, und endlich konnten sich die Angreifer, wilden Bestien gleich, auf Frauen. Kinder und Zivilisten stürzen, um ein entsetzliches Blutbad anzu- richten. Es heißt, die Männer hätten nach Verbrauch der übrigen Munition wenigstens so viel Patronen in ihren Revolvern be- halten, um im äußersten Notfalle ihre Frauen und Kinder selbst töten zu können, damit sie nicht den entsetzlichen Grausamkeiten der chinesischen Soldateska preisgegeben würden." All das bestätigt« auch„Daily Mail", welche« Blatt noch g« heimnisvoll wissend hinzufügte:„Wenn einst die Einzelheiten der entsetzlichen Vorgänge, die sich bisher nur die Chinesen in den Provinzstädten halblaut zuraunten, an« Licht kommen würden, so werde die Welt starr vor Entsetzen sein." Ali in den nächsten Tagen aus chinesischen Beamtenkreisen gemeldet wird, am 2. Juli seien die europäischen Diplomaten in Peking noch wohlbehalten gewesen, warnt die Presse vor diesen beruhigenden" Meldungen. Die Londoner Abendblätter vom 7. Juli bestätigten dagegen da» Massaker. Der Herausgeber des„China Mail" sandte auS Shangai unter dem peinlich genauen Datum Freitag» 6. Juli, 1,48 nachmittags, folgendes Telegramm nach London: „Ter britische Konsul in Warren teilt mir offiziell mit. daß die Gesandtschaften in Peking gestürmt und sämtliche Insassen niedergemetzelt seien." Tie..Münchener Allgemeine Zeitung" teilte ein Telegramm aus Dokohama mit. daß der deutsche Gesandte, au? mehreren Wunden blutend, auf einen steten Platz geschleppt sei, woselbst man ihn bis zum Hals in die Erde eingrub, um ihm dann mit glühendem Eisen die Augen auszustoßen und die Zunge aus dem Halse zu reihen. Die entsetzlichen Qualen des Unglücklichen sollen stundenlang gedauert haben. Als dann die„Retter"— brüderlich gesellt, deutsche französisch«. englische, kosakischc. amerikanische Truppen, voran die stürmisch bejubelten— Japaner— im Gesandtschaftsviertel erschienen, hatten ie Gelegenheit, die Tatsachen zu erfahren, die sich die Chinesen in den Provinz städten halblaut zuraunten, und sie waren in Wahr- heit starr, wenn auch nicht vor Entsetzen, so doch vor Erstaunen. All die gräßlich Hingemordeten lebten sehr vergnügt; nieman- dem war ein Haar gekrümmt worden, sie hatten nicht einmal Not " Dann aber sah eS freilich bald schlimm in Peking aus. Tie Chinesen haben jene Rettung der vereinigten weihen und gelben Raffen der Welt noch heute nicht vergessen. kleines Zeuilleton. «in Urteil über üie Ieinüe. .DanzerS Armeezeitung",«in ausschließlich von österreichischen Offizieren redigiertes Organ, schreibt in der Nummer vom 15, Ol- �___ tober 1914 unter dem Titel„Soldatenkrieg oder Zeitungskrieg":_ Hkranovortficher Redakteur-Alsted Wicsepp, Reustlln. Für tzen Jnjeratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck ll.verIag:vorwärt»Buchdruckerej u. LerlagsanstaltHäui'Singer St Co, BerlinLVV. „In welchem Tone wird von der serbischen Armee gesprochen l Schon seit Wochen sind die Serben demoralisiert, die serbische Ar- tillerie meutert, Serbien hat keine Nahrungsmittel und keine Munition, serbische Mannschaften schätzen sich glücklich, wenn sie in unsere Gefangenschafl fallen, im Innern herrscht Revolution. Uu» während unsere Blätter also phantasieren, stehen so und so viele Korps Tag und Nacht im heißen Kampf den serbischen Linien gegen- über, ringen wir heldenmütig mit einem Gegner, der an Schneid und unerbittlicher Energie kaum zu überbieten ist, fließen Ströme von edelstem Blut um jeden Fußbreit Landes. Aebnlich ist der Ton. in dem von den Belgiern gesprochen wird. Die Belgier sind überhaupt nur Freibeuter, und weil sie ihre Neutralität nicht preisgeben wollten, oder aber weil sie sich aus politischen Gründen auf die Seite der Franzosen und Engländer geschlagen hatten, find sie Schurken. Man kann aber niemand zur Liebe zwingen, und eS ist das gute Recht der Belgier gewesen, sich ebenso gut nach rechts wie nach links zu schlagen. Als Soldaten aber müssen wir aner- kennen, daß sich die Belgier trotz dem notorisch linmilitärischen Charakter des Landes verhältnismäßig sehr gut geschlagen haben. Wir müsien sogar rühmen, daß sie ihren Pflichten geaenüber Frank- reich und England noch in einem Augenblick treu blieben, da sie die eigene Sache bereits unweigerlich als verloren anerkennen mußten... ... Nicht minder widerwärtig ist der Ton, den unsere Presse gegenüber den Russen anschlägt. Die„moSkowitischen Horden" sind in Wirklichkeit Armeen braver, tüchtiger Soldaten, die der Ueber- zeugung sind, daß die Sache de? Zaren heilig und gerecht sei. Wir natürlich sind der Ucberzeugung. daß die Sache des Zaren weder gerecht noch heilig ist, und wir tragen heule unsere Haut im Dienste dieser Ucberzeugung zu Markte. Wir beschimpfen aber deswegen nicht die uns gegenüber stehenden gewaltigen Heere, wir gestcben sogar, daß diese Armeen gut geführt, trefflich ausgerüstet, vorzuglich bewaffnet sind; wir merken garnichts von den angeblichen Dieb- stählen der Generale, sondern bemerken höchstens, daß die AuS- statlung der russischen Divisionen mit Geschützen und Maschinen- gewehren ohne Rücksicht auf den Unverstand parlamentarischer Körperschaften erfolgt ist. Im einzelnen wurde das Role Kreuz mißachtet; man hört von gelegentlichen Plünderungen— in der Mehrheit aber haben wir einen ehrlichen und ritterlichen Gegner vor uns."_ Oer erwachende Vesuv. Wie auS Neapel berichtet wird, ist der Vesuv von neuem in Tätigkeit getreten. Der Direktor deS Vesuv-ObiervatoriumS, Prof. Malladra, stellte eine ständige Ansammlung seiner Eruptionskrast fest, die stüher oder später zu einer Kalosirophe hindrängt. Der Kratergrund erreicht jetzt eine Tiefe von 328 Meier. Er gab das erste Zeichen seines neuen Erwachens im vorigen Jabr. Vom I. Mai bis zum 1. Juli folgten ununterbrochen kleine Ausbrüche. Am 5. Juli bildete sich im Krater eine Kluft, die Metallschlacke und Rauch auS- stieß. Nachdem sich der Vesuv darauf beruhigt zu haben schien, be- gann er am 28, September dieses Jahre? wieder zu beben. Es tauchte znm ersten Male ein Eruptivkegel auf im trichter- förmigem Grunde unter häufigen Explosionen, die dichten weißen Rauch und große Mengen weißglühender Materie hervor« stießen. In geringer Entfernung bildete sich im Oktober ein zweiter Schlund, dessen Eröffnung Risse und GaSausbrüche vorangingen. Diese beiden Eruptivschlünde, die bald vereinzelt, bald zusammen explodierten, find kaum 6 oder 7 Meter voneinander entfernt und auf der Oberfläche durch feste Lava verbunden. Nachdem der Vesuv dann am 13. Oktober angefangen hatte zu brüllen und heftiges lautes Getöse von sich zu geben, gewahrte man am 25. Oktober zum ersten Male zum S-vrecken der umliegenden Ortschaften Feuerschein. Den wenigen in der Nähe weilenden Zuschauern bot sich ein herrliches Schauspiel. Beide Schlünde im Grunde deS Kraters spien große Feuergarben und Schlacke, während der alte Kraterschlund weiß- glühende Lava mehr als 100 Meter emporschleuderte. Ganz weiß- glühend war auch der neue Eruptivkegel, dessen Ausströmungen von Schwefel. GaS und Chlorsäure den Ausenthalt gefährdeten. Wenn man annähernd den Umfang deS Kegels, der sich neu ausfüllte, berechnet. so kann man sagen, daß der Vesuv in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November mehr als 100 Kubikmeter Lava auSspie.„Alle? das," sagte Professor Malladra..ist noch nicht beunruhigend, weil der Grund de« Kraters vom Rande durchschnittlich über 200 Meter entfernt ist. Wenn, wie man glaubt, die vulkanische Tätigkeit fort- dauern sollte, so werden sich infolge der Eruptionen allmählich auf dem gegenwärtigen Kegel immer größere Kegel emportürmen, bis die Lava den Rand des Kralers z» erreichen und zu übersteigen vermag. Alsdann wird der Vesuv seine alte Gestalt, die im Kegel endigt, wiedergewinnen, wie er sie bis zur ersten Eruption im Jahre 1903 zeigte. Sieben Jahre hat der Vesuv geschlummert. Es war einer seiner längsten Schlummer seit drei Jahrhunderten." .Neuen Gesellschaftlichen Kriegshysterie. Justizrat Eschenbach-Berlin schreibt der Korrespondenz": .Zur Ehrung unserer unsterblichen Helden von Tsingtau und zur ewigen Schmach und Schande der Schurke»Völker von Japan und England mache ich folgenden Vorschlag: Die gesamte deutsche Presse verschmäht es. innerhalb der nächsten 14 Tage die Worte.Engländer" oder.Japomcr" in ihren Spalten erscheinen zu lassen und vor das Auge unsere? Volkes und der gesamten Kulturwelt zu bringen, sondern braucht ständig und ausnahmslos für das Wort.Engländer" die Bezeichnung . M o r d e r' und für.Japaner" das Wort.Raubmörder". Denn eme andere Benennung gibt«s von jetzt an für diese größten Schurken der Weltge, chichte bei uns nicht. Dann ist da- für Sorge gelragen, daß sowohl die Jetztzeit ouf dem gesamte» Trd-nrund sowett die deutsch- Zunge klingt und die Erzeugnisse d-S deutschen Geiste« dringen, wie aber auch der einstige GeschichlS- $ r r® 10 1 0' e' � den richtigen Standpunkt zur Be- urteflung für dies« von Gott v er f lu ch t e Mö r d er b a n d e gewinnt. Notize». ~ T b c a t e r ch r o n i k. In den K a m m e r s p i e l e n des � w??bt Freitag. Elektro" von Hugo von Hof- mannsthal neuemstudlert in Szene. o 1 1.5 8 e- Prof Otto Hoetzsch hält am Donnerstag. abends» Uhr. ,m großen Auditorium der Urania einen Bortraa Rußland als Gegner Deutschlands". über: — EinneuerJupitermond wurde von S. B. Nicholson auf dem Harvard-College-Observatorium(Amerika) entdeckt Es ist der neunte. Da er nur etwa die Helligkeit der 18. Größe hat, kann er nur m,t den größten Instrumenten wahrgenommen werden. 1 � e.9 e n 4 0 9«• Nach zwei Monaten meist zu '�lrn.W-tterS sind fetzt unter dem Einfluß außerorden.liw tiefer atlaittiicher Minima dre Temperaturen wieder erheblich über die normalen Werte gestiegen, und zwar bi, zu sechs Grad. Das herrschende trübe und regnerische Wetter''' -°ch>«•--h-«.°d-»«-.»'S»-!""' 6' Landwehrmänner im Osten hatten snäi n.frn � � t /1. 9 hinter sich. Bon früh bis Ä K Ä-Än? Dir das Graben wohl recht schwer?"— Ja ziemlich oeftand £ mä" 2 r?,i d"