Nr. 255.- 1914. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Djeltstag, 15. Ztjkmber. Weihnachten im Zelüe. Aird das Weihnachtspaket rechtzeitig eintreffen? Viel tausend» fach wird die Frage in diesen Tagen erwogen, wo unsere Gedanken noch häufiger als tonst zu den Streitern im Felde schweifen. Denn auch der«oldal in der Front soll seine Weihnachtssreude haben. In früheren Jahrhunderten war den Deutschen ein Weihnachten im Felde unbekannt. Man führte keine Winterfeldzüge, und noch die Soldaten Friedrichs des Großen bezogen dann, wenn eine dichte «chneeichicht Schlesiens Berge und Hügel bedeckte, ein Winterquartier. In ihm ging es Tag �fllr Tag nach beendigter Exerzicrübung lustig her, die während der Sommermonate gesparte Löhnung wurde schnell ausgegeben, und die Bürger des Städtchens waren oft sroh, wenn das Quartier zu Ende ging. Verdrehten doch die Soldaten den Bürgerstöchrern nur die Köpfe. Auch während der Freiheitskriege dachte man wenig an Weihnachten. Die Heere der Verbündeten rüsteten sich inmitten der Festtage zuin Marsch über den Rbein, so daß die Truppen keine Zeit hatten, das Fest zu feiern. Aehnlich war es im Winter 1S63 vor Ausbruch des Dänenkrieges..Heilig abend und die Werhnachtstage— so erzählt ein Leutnant eines brandenburqischcn Fiisilierrcgiments— waren wir auf dem Marsche. Die Wege waren stellenweise bodenlos, da die Sonne nicht zwischen den hohen Knicks bineinreichte, um den Morast auszutrocknen. Wir mußten sogar Vorspannpferde nehmen, da die Trainpferde nicht mehr anziehen wollten. Am ersten Feiertage mußte ich vorreiten und kehrte bei einem Müller in einem einzelnen Hause an der Land» stratze(nach Lübeck) ein. Hier sah ich den einzigen Weihnachts« bäum; er rief inir alte Erinnerungen wach. Unsere Leute haben auch Weihnachten gefeiert. Eine Kompagnie sang auk dem Schcunenflur, auf dem sie lagerte, mehrere Choräle, am nächsten Tage rissen sie beim Rendezvous eine Fichte aus und trugen sie unter Singen und Jubel ini ganzen Bataillon umher." Ein eigentliches Weihnachten im Felde gab eS aber erst 1870, als unsere Truppen vor Metz und Paris lagen und zum Kampf gegen die letzten republikanischen Armeen rüsteten. Da putzte jedes Bataillon oder gar jede Kompagnie wenn irgend angängig einen kleinen Baum, die Gabeir der Heimat, die in langen Eisenbahnzügen nach Frankreich geschafft worden waren, wurden verteilt, und das .Stille Nacht, heilige Nacht" tönte hinaus in die kalte Winterland» schasc der franzöfiichen Erde.„Vergißt man im Kriege über den eigenen absonderlichen Zustand leichler, was außerhalb geschieht, die Gedanken an die Heimat kehren immer wieder und besonders innig in der Weihnachtszeit. Die Weibnachtsfreude wollen die Deutschen haben, wo sie auch sein mögen: am heiligen Abend brannten in den Kanlonnements Lichterbäume groß und klein, aufgeputzt so gut es ging. Wir versammelten uns in dem größten Zimmer des Curö mit unseren Ordonnanzen, Dienern und dem Hausgesinde um einen wohlgeschmückten Tannendaum. Der Euro rief ein über das andere Mal:„Ach, das ist ja rührend I" und faltete die Hände. So erzählt der Generalleutnant Hartmann in seinen jtricgserinneruirgeii. Auch die Truppen an der Loire konnten eine deutsche Weihnachten feiern. Adolf Matthias schildert in seinen Kriegserinnerungen, wie am Mittag des Weihnachtstages aus der Häuptstraße von Blois die Mannichasleu und Offiziere der Garnison promenierten, während die MusiklorpS der Brigade abwechselnd ihre Weisen spielten und die Franzosen in hellen Hausen herbeieilten, um diese noch nie gehörte Äunstleistung der deutschen Barbaren zu bewundern. Aus den Fenstern der Häuser schauten aber die Frauen und Mädchen, die am Abend vorher schon erstaunt die Weihnachtsbäume betrachtet halten, freundlich aus die ireniden Eroberer herab. Freilich im Schützengraben und auf Vorposten kann man Weihnachten nicht in dieser Weise feiern. Graf von Pfeil lag am Heiligabend 1870 aus Vorposten, als er und seine Leute über das schneebedeckte Feld hinweg aus den rückwärts gelegenen Dörfern die Klänge der Weih» nachtslieder hörte». Da konnte» sie nicht länger an sich halten und leuc, ganz leise wurde das.Stille Nacht" angestimmt.„Und das alte deutsche Lied flog hinüber zum Feinde und schien auch ihm Frieden zu bringen. Kein Schuß ertönte die ganze Nacht hindurch. So war auch bei uns, wenn auch nur für wenige Stunden, Friede auf Erden." Mein Zrennö, öer Hochofen. Ein Kriegsteilnehmer schreibt uns aus Belgien: Dar Krieg, der so viele enge Bunde zerrissen hat, knüpft auch neue, und wie die Not seltsame Bettgenossen schafft, so vermittelt der Krieg auch eigenartige Freundschaften. Ich habe durch ihn Freundschaft mit einem Hochofen geschlossen. Ich weiß zwar nicht einmal genau, ob es ein richtiger Hochofen war, es ist möglich, daß es ein kleinerer Bruder seiner Familie war, ich nenne chn aber so. Wenn man von seinen Freunden spricht, legt man ihnen ja gern einen recht volltönenden Titel zu._ Ich stand als Posten auf einer Eisenbahnbrückc. über die eine Wertbahn von einer Zeche zu dem jenseits der Eisenbahn ge- legenen Hüttenwerke führte. Eines der gewaltigsten Eisenwerke Belgiens, aber jetzt fast tot. Ab und zu nur kam Leben in die Bahn und einige Kippwagcn rollten und beförderten Kohlen.' Eine Anzahl Arbeiter paisierrcn die Brücke, langsamen Schrittes, jie schienen nicht viel zu versäumen zu haben. Einer von ihnen, der etwas deutsch sprach, erzählte mir, daß von den 10 000 Arbeitern des Werkes etwa der vierte Teil beschäftigt sei, und daß diese zwei Tage in der Woche arbeiteten. In der Ferne ging eine andere Werkbahn etwas regelmäßiger, und das Gesauche ihrer Lokomo- tiven brachte etwas Üel'en in das tote Bild. Das mar nachmittags. Als ich abends um 9 Uhr meinen Posten wieder bezog, hatte sich das Bild geändert. Arbeiter passierten nicht mehr, die Bevölkerung muß ja um 8 Uhr zu Hause sein, aber in einer Entfernung von ungefähr 300 Metern von mir war ein Ofen des Eisenwerkes im vollen Gange. Es war ein prächtiges Bild. Blutigrote Flammen loderten hoch empor, gelbe Glut schoß fveit heraus, wenn die Tür sich öffnete, dazwischen in regelmäßigen Pausen das Geräusch der Maschinerie, die die Zufuhr besorgte.. Meine technische» Kenntnisse sind nicht sehr groß, so daß. meine Phantasie freien Spielraum hatte. Ich konnte mich nicht satt sehen an dem lodernden Flammenspiel, und allerlei Gedanken kamen mir. Es war aber zunächst nur die Freude an dem bunten Bilde und darüber, daß die zwei Stunden dabei so schnell Verslossen, die einem Wachtposten sonst so leicht zur Ejvigkeit werden. Aus Dank- barkeit hatte ich den Ofen auch sogleich zum Hochofen ernannt. Ganz anders wurde es aber, als ich. vier Stunden später meinen Posten wieder bezog. Zuerst noch derselbe Anblick wie vorher, der Ofen leuchtete in der alten Pracht, dann aber vcr- suchten dunkle Rauchwolken die glänzenden Flammen zu ersticken. Das Rot wurde immer matter, der Rauch immer stärker, zuletzt schien es, als ob er die Flammen zum Erlöschen gebracht hätte. Ilnwillkürlich kam mir der Gedanke, daß die dunklen' Wolken der Krieg wäre, der sich vernichtend auf die �Industrie gelegt hatte, daß die hellen Flammen alles Lichie und«chöne wären, daß sie die Brüderlichkeit, die Menschlichkeit, die Kultur daritcllten, die von dem alles zermalmenden Kriegsgotte mit der Vernichtung bedroht werden und dem Erlöschen nahe schienen. Allmählich aber zün. gelten die Flammen wieder empor, zuerst ganz schwach, dann immer stärker und stärker, und wenn die dunklen Wolken auch noch manchmal den Sieg an sich zu reißen schienen, so ließ sich doch schließlich die Macht der hellen Flammen nicht mehr' dämpfen, und der Ofen stand wieder in altem Glänze da.— Während dieses Kampfes wurde meine Freundschaft mit denn Hochofen geschlossen. Wie eine Offenbarung hatte das Schauspiel aus mich gewirkt und mir die Gewißheit gegeben, daß die Kultur, die Menschlichkeit, daß das Gute und Schöne auf die Tauer doch nicht zu unterdrücken ist durch die schwarzen Kriegswolken und daß jie den Kampf sieg- reich bestehen werden gegen die Mächte der Finsternis. Bei meinen Träumereien hatte ich gar nicht gemerkt, daß die Zeit der Ablösung schon gekommen war. und der Abschied von meinem neuen Freunde siel mir ordentlich schwer. Als ich am Tage wieder aufzog, waren nur wenige Flammen zu sehen, das Recht des Alltags machte sich geltend, aber die Stunde, in der ich Freundschaft schloß mit meinem Hochofen, wird mir stets unvergeß- lich bleiben. Musik. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Klaffende Lücken bat der turchibare Wütger Krieg in alle Arbeiterorganisationen ge- rissen. lind so sind denn auch unsere Arbeilcr-Sängeichöre stark zuimnmcngeschnwlzen. Dessen mochte man wieder bei Gelegenheit des am Sonntag in LbigloS Konzertsälen abgebaltene» 24. Stiftungs- festes des Arbeiter-Sängerbundes inn« werden. Aber noch eines andern. War es nicht dieser Bund. auS dessen Stamm Aeste und Zweige sproßten, bis es ein Bann, ward, in dessen breitwipfeliger Krone Lieder und Chorgesänge zu Schutz und Trutz, zu Lust und Schönheit jahraus jahrein erklangen? Daß eZ so bleiben soll, sagte uns nun auch dies Stiftungssest. Die Chöre werden gemach wieder erstarken. Denn wo solch schaffender Volksgeist am Werke ist, soll uns für die Zukunft nicht bange sein. Diesmal waren am Programm vier Chöre beteiligt, nämlich: ..Vorwärts- Südost"�(Cbormeister Kowalski),„Fichie-Gcorginia" (Chormeister Gervais), der„Frauen» und Mädchenckor„Norden" und der„Berliner Sängerchor"(Chormeister Bothe). In allen Darbietungen offenbarte sich der rührige Geist des mit inniaer Hin- gäbe verschwisterien ernsten Strebcns nach geiangskünstlerischen Zielen. Das soll vor allem andern gesagi werden. Dabei wird es denn auch dem Frauen- und Mädchenchor gelingen. Höhen zu erklimmen, die ihm diesmal bei dem schwierigeren Dreistiinmenchor„Im Walde" mir Klavierbegleitung von Nikolai v. Wilm, was Klarheit und Rein- heit betraf, noch verwehrt zu iein schienen. Den solistischei, Teil des Konzerts halten Frau Paula W e i n b a u m. die stets freudig gehörte Meistcrsängerin. der Zellist Armin L i e b e r m a n n imd Alexander Weinbau!»(Klavier) übernommen. Der Saal war überfüllt von aufmerksamen Hörern. eil. kleines Zeuilleton. Erfolge von Typhus- unü Choleraimpfung. In dem gewaltigen Kriege, in dem wir uns befinden.. hat man die wildesten und merkwürdigsten Völker der Erde, die wir sonst nur'' bei exotischen Schaustellungen zu hGesicht bekommen, auf uns gehetzt. 1870 hatten wir es nur mit Turkos und Spahls als Hilsstruppen unserer Feinde zu � tun, diesmal gesellen sich zu ihnen Senegalesen und Kongoneger. SikhS, Gurthas au§ Indien, Baschkiren. Tungusen und andere Helfer der russischen„Kultur- träger". Die Gefahr liegt nahe, daß diese Feinde, deren Wasfeu wir wohl wenig zu fürchten brauchen, uns andere schlimme Gaben bringen: böie Krankheiten und Seuchev. Doch in der Beziehung können wir voller Vertrauen in die Zukunft blicken; die ärztliche Wissenschaft ist speziell in Deutschland aus dem Gebiet der Hygiene und Krankheitsvorbcugung bis zu einem Grade entwickelt, wrc kaum in einem anderen Lande der Welt. Mit der Lekäurpsuiig des Typhus wartet man nicht, bis er da ist, sondern man impft diejenigen, die möglicherweise mir ThpbuSkeimeit in Berührung kommen, also die Soldaten, die in feindliches Land ziehen. Pfleger. Äcrzte, Einwohnerschaft gefährdeter Gebiete. Früher tötete man die Reinkulturen der Thphusbazillpn bei 60 Grad ab. Es er- gaben sich dann als unangenehme Folgen der Einspritzuno: Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen usw. Jetzt lötet man die Bazillen schon bei 52 Grad, und infolge davon bleiben die früher fast regcl- mäßig beobachteten üblen Folgeerscheinungen aus. Tr Spier, der in den Blättern der VottSgesundheitspflege hierüber berichtet, ist daher der Meinung, daß auch bei den ge- U Geimpften der amerikanischen U. Erkrankungsfall auftrat, während im Jahre zuvor, wo man noch nicht impfte, 1889 Erkrankungen vorkamen. Bei der französischen Armee kam unier den Geimpften überhaupt kein Typhussall mehr vor, unter den nicht Geimpften dagegen 101.4 Fälle aus 1000. das beißt mehr als 10 Prnz. Für die Choleraimpfung liegen die Verhältnisse ähnlich. Allerdings liegen hier noch keine Erfahrungen für Teutschland vor. weil wir glücklicherweise noch kerne Veran- lassung zu einer allgemeinen oder mich nur zahlreichen Impfung der Bevölkerung eines bestimmten Bezirks hatten. �Dagegen sind in Griechenland bereits 500 OOO Soldaten vor einigen Jahren gegen Cholera nach dem neuen Verfahren mir Kulturen, die bei geringer Temperatur abgetötet waren, geimpft' worden, und nach dem Bericht des griechischen Chefarztes zeigten sick ebensowenig Nachwehen wie bei der Thphusnnpftlng. Man sollte daher, wo nur der geringste Anlaß vorliegt, zu ihrer Anwendung schreiten. Notizen. — Das VolkSbühnentbeater am Bülowplatz soll am 25. Dezember eröffnet werden. Daß der Bau mitten im Kriege vollendet und seiner hohen Aufgabe zugeführt werden kann, ist ein schönes Zeichen unermüdlicher deutscher Kulturarbeit. In keinem Lande der Welt hat die organisterte Demokratie ein eigenes Theater. Dgs Volk der„Bapbaren" wird das erste sein. Pas seinen Kulturwillcn auch im Theater venvirklichl— und es eröffnet dieses HauS unter dem Waffengelöse des Weltkrieges. — Mustkolifche Andachten in FeindcSkaud.'Die Etappenstalidn Laon in Frankreich ist zu einer Pssegcstätte deutscher klaisi'cher Musik geworden. Professor Fritz Stein hält im Auftrage des Ärmeekoinmaiidos allsonntäglich in der schönen gothischen Käthe- drale musilalische Andachten ab, an denen auch die einheimische Be- völkerung teilnimmt. Im letzten Programm vom 6. Dezember nahm Bach die erste Stelle ein: daneben waren Händel>Largo für Alr und Vlolonrell), Reger(Orgelchoral„O Welt ich muß dich lassen"), Franz Schubert(Litanei) und Wagner(Karfceitagszauber in Bearbci- tung für Orgel) vertreten. — Von„annehmbarer Nationalität". Um Shakc« speare jetzt spielen zu dürfen, hat man bei uns geradezu erklärt, er sei gar kein Engländer, sondern sei längst„deutsch geworden". Achn- liche Lnftsprünge macht man in England, um die deutsche Musik nicht bohkollieren zu müssen. Nach dem„Zwiebelfisch" erschien iir der„Morning Post" kürzlich eine Äonzenkritlk. in der cS u. a. hieß: „Mister D e l t u s ist immerhin von annehmbarer Nationalität, da er zwar von deutschen Ellern stammt, jedoch in Bedford geboren, in England und Frankreich erzogen, dann in Florida akklsmatisiert und schließlich in Frankreich bodenständig wurde. Er gehört also vor- wiegend der Nalionalilät der Allierten an und bat hauptsächlich von den Franzosen die leichte ätherische Art der Kunst erworben, von dem diese Slücke. Zeugnis ablegend 1] Lanöjlurm-Tagebuch. 1. August. Mobilma-jjung! Was seit Tagen wie eine drohende Ge- Witterwolke am Himmel stand, heute entlädt sichs. Mobil- machung! Um sechs Uhr abends läuft die erwartete Kunde aus leisen Sohlen durch die Stadt, mit kalter Hand durch verschlossene Türen in die Häuser greifend, auf den Straßen öersteinte Gesichter zurücklassend... Mobilmachung! Vor vierzehn Tagen noch trank der ruhige Bürger in tiefent Behagen sein Schüppchen. Hetzt sind wir alle Würfel in des Schicksals Becher. Eine Eisenfaust schüttelt den Becher und streut uns über grünen Plan. ** * Auch der Landsturm ist aufgerufen, auch der Landsturm muß mit heran. Wer hätte das je gedacht! Landsturm— das war bislang etwas sagenhaftes, eine halb verklungeneLegende oon Änno 1813. Wenn man einmal zun: Landsturm greift. hatte' man stets geglaubt, ist es nnt Teutschland Matthäi am rjetzten. Freilich, die Wehroerfassung sagte klipp und klar: Hn Ausnahmefällen kann der Landsturin zur Ergänzung hcs stehenden Heeres herangezogen werden." Und ein Ausnahmefall, ja, das ist trotz allem der Welt- krieg schließlich doch noch.. Also, alter Knochen, nimm die Flinte auf den Buckel! » �* Mitte August. Ifieferve und Landwehr, von dem jungen Polt der aktiven ffeaimenter ganz zu schweigen, haben schon wackere Arbeit ictan. Hin Westen wie im Osten surrt die Sense und Garben 'allen, kostbare wie nie in einem Herbst. Und der Landsturm äilft immer noch mit den Händen in den Hosentaschen umher. ?s wird sckier lästig, die ewige Frage Beschäftigungsloser an beschäftigungslose:„Sind Sie noch nicht eingerückt?"... Ta eines Abends, liegt der rosarote Zettel auf dem Tisch". !lm 17.' August... sieben Uhr vormittags... soundsovielte Bürgerschule... Straße soundso... Scheinbar gleich- gültig schiebt man den Zettel beiseite, seit vierzehn Tagen wußte man's und einer nervösen Spannung ist man ledig: aber so ganz wie sonst will das Abendessen doch nicht schmecken: der Krieg hat harten Knöchels an die eigene Tür geklopft. In dem Hof der Bürgerschule drängen sich die Einberufenen und wie das Summen eines Bienenschwarms geht Rede und Widerrede der Vielen. Aber keine Flaumbärte sind das, denen der Krieg in der unreifen Pbantasie lockendes Spiel bedeutet und seltenes Abenteuer, sondern Männer, dkd das Leben zu vollwertigen Münzen ausgeprägt hat. Wenn ihnen die Trommel zum Scheiden rasselt, so heißt es nicht von einer blonden Liebsten romantischen Abschied nehmen, drunten am Kanal, iin Tunkel der alten Kastanien, sondern eine verhärmte Frau führt den Schürzenzipfel zu den Angeil und ein halbes Tutzend Kinder hängt sich an den Vater, den Ernährer, mit schwachen Aermchen. die aber wie Eisenklam» mern festhalten. Drum wird in diesem Kreise nicht von nahen Heldentaten geschwärmt, sondern sorgenvolle Fragen tasten nächstliegende Interessen ab:„Wozu verwendet man uns? Und was geschieht mit unserer Familie?" Nur ein langer Lulatsch mit semmelfarbenem Bart und Haar fährt mit dem Arme in der Luft umher und versichert, wie er die„Saufranzosen" aufs Bajonett nehmen werde. Aber sein Patriotismus riecht auf zehn Meter gegen den Wind nach schlechtem Fusel, und angewidert wendet sich alles von seinen Aufschneidereien ab. Arbeiter, Kaufleute, Ingenieure, Gelehrte— sie stehen in dichtem Knäuel auf dem Schulhof und über sie bin fliegen Hosen, Litewken, Schnürschube. Alles ist eifrig am Verpassen, und nach wenigen Stunden stehen in zwei Gliedern nur mehr Landsturmleute da, nicht mehr Arbeiter. Kausleute, Inge- nieure und Gelehrte— den Zivilmenschen hat die Kommiß. kluft ratzekahl ausgefressen. Und ob du ein stolzer Werkmann warst am Zukunftsbau der Menschheit, hier wirst du danach gewertet, wie du das Knie durchdrücken kannst und das Gewehr überzunehmen ver- magst. Gleichviel! Nach Jahren Stubenluft wird die Frei- luft wieder gut tun. »* Und dazu ringt sich bei allen durch alle Einwände doch immer wieder das Gefühl durch, daß die Sache bis aufS letzte durchgehalten, durchgebissen werden muß, um des deut- scheu Bodens, um des deutschen Lölkes willen. Wem tat daS Herz nicht einen Sprung in der Brust, als er in den ersten Tagen las: Kosaken reiten in der Richtung auf Johannisburg! Alter Knochen, ins Gewehr! «» Anfang September. Durch Bahiischutz nützen wir dem Vaterland— das gibt den Seelen nicht gerqde erhöhten Auftrieb. Bahnschutz, Posten stehen, Patrouillen gehen senkt unvertreibbare Müdigkeit in die Knochen, wenn man's ein um den anderen Tag betreibt: aber es langweilt und lähmt zugleich.■ Freilich hat es Nächte in diesem Wachtdienst, die sind traumhafte Stille unter glitzernden Sternen, und zwischen drei und fünf Uhr früh, wenn er an irgendeiner Eisenbahnbrückc steht, feilt ein verunglückter Lyriker an Versen: Hier heißt es, zwei der Stunden warten Als einziger Mensch auf weiter Welt. Kein Laut/als wenn im nahen Garten Ein Apfel hart zu Boden fällt. Kein Laut, als serner Züge Pfeifen, Kein Licht, als rot und grün ein Bahnsignal. Ta plötzlich: hell im Ost ein Streifen, Der junge Tag kommt zag und fahl. Und aus dem Bahndammbusch erhebt sich schüchtern Ein erster Vogelruf als Weckalarm. Ta werde ich. vom Nachtfrost kalt und nüchtern, Mit einem Schlage froh und warm. Usw. usw. Aber häufiger noch starrt man in verhaltener Sehnsucht den rollenden Zügen nach, die die feldgrauen Käme- raden zur Front tragen, in die Schlacht, in den Tod. Der Gedanke quält uns: sie leisten etwas und wir— wir verrichten Bahnschutz. Glorreiches Ding!(Forts, folgt.)' Berliner Tbeater 8 �„ExtrabIMlerl" Bentscheii KUnstler-Th. 8ühl: Lulher. Deutsches Opernhaus, Charlo ttenb. 8 Uhr: pra DiaYOlQ. Friedrich• Wilhelmstädt. Theater. 8'u u: Die Barbaren. Vehr. Herrnfeld-Theater 8 � So leben wir! Kleines Theater Sühr: Das Fest der Handwerker Komttdlenbans 8 Wie einst im Mai. Le ssing-Theater 8 � Jugendfreonfle. Lnstsplelhaus 8'/ Heute abend 71/, Uhr; Große Gala-Vorstellnng mit gewechseltem Programm. ä«r kleine Preise.-M, Besonders hervorzuheben: Gebr. Ernst u. Oskar Schumann mit ihren neuesten Schul- und Freiheitsdressuren. U. a.: Bolero, spanischer Reitakt.— Domino, der vierfüßige Hotelgast— Herr, phän. Kapriolenspringer.— Oer Wunder-Elefant, der einzige, welcher auf einem Bein stehen kann, und die übrigen 15 neuen Spezialitäten u|r. Trianon-Thealer Ä ÄlwiifJleuB in„Selbst gerichtet" Ausstellung tUr Verwundeten, und Kranken-Fürsorge im Krlegi Oonnaretag, 17. Oszkr., abends l'l4 Im Hauptaltzungsseal des Reichstags(Eingang II) tortragaata Iä: Rubner „Unser Ugllchea Brot Eine Betrachtung in der Kriegaaelt.- Sonnabend, 19. Dezbr., abend» 8li. VortragÄÄ�BIer .Uativ Behmdlsng nn KriignorleUnigsa' �iM5�l�ü�u«etei!«n�i»<�lenb� wie neu geboren fühle ich mich jetzt, denn innerhalb 4 Stunden wurde ich von einem lieben Meter langen Bandwurm ohne jegliche Beschwerden durch Reichels Sanüwurmmittel befreit, nachdem ich mich fast ein üahr lang über mein schlechtes Aussehen und hänsigesi Schwächeonjälle gc< wundert hatte.(Piniachstc An- Wendung! Für Erwachsene 2.— M., Kinder sAlicrSangabe) 1.25 M. 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November 1914. vormittags 10 Uhr. fand im«Hewerbeaericht zu Berlin unter dem Borsch des ersten Borichenden dieses Gerichtes, Magistratsrats von Schulz, eine KammrisionSsitzung statt, zu der Ber- treter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des SchnerdergewerbeS sowie als Vertreter des Kriegs- BefleidmigSamteS des GardeforpS Hauptmann von E st o r s f erschienen waren. In Erledigung emeS vom Berband der Schneider, Schneiderinnen und Wäfchearbeiler Deutschlands«wgereichten Antrages erllärle die Kommission mit Einverständnis des vorgenannten Amtes sich einverstanden, sowohl die- jenigen Macherlöhne zu veröffentlichen, welche bis ans weiteres das Kriegs- BekleidunaSamt deS GardeforpS jür die nicht am seinen eigenen Wert- stätten erjalgenden Schneideranserflgungen an die AnsertlgmigSstellen be- zahlt, als auch diejenigen Macherlöhne, welche von letzteren an die Arbeit- nehmer zu bezahle:» sind. Diese Macherlöhne find aus folgender Zusantmeustellung ersichtlich: Die Uebertragung vorstehender Anfertigungen(lid. Nr. 1—27) seitens des Kriegs-BeNeidmigsamteS de« GardelorpS an die AnserttgungSstellen erfolgt aus Grund nachstehender Bedingungen: 1. Da» BekleidungSamt überträgt Ahnen nachstehende BeNeidungSstücke zur Anseriignng zu nachstehenden Preisen: 2. Da« BelleiduugSamt liefert sämtliche Zuschnitte, welche»am An- serttger abzuholen und nach Fertigstellung wieder hier abzuliesern iüid. 3. Die Rähmaterialien sind gegen Sritaittmg der Selbstkosten vom Amt zu beziehen»utd zu demselben Preise an die beschästigten Arbeiter weiterzugeben. 4. Der Ülnsertiger hastet mit seinem ganzen Vermögen sür alle ihm übermittelten Zuschnitte und Zutaten in vollem Umfange. Für ver- doibene oder abbanden gekommene Zuschnitte und Zutaten werden die Selbstkosten eingezogen. 5. Der Anierttger ist verpflichtet, die ihm Überwiesenen Zuschnitte nebst Materialien in ihrem vollen Werte gegen Brandschaden und Dieb. stahl zugunsten de« ReichSmilitär-FisfuS, KriegS-BelleidungSamt des GardeforpS. zu versichern, mithin Wert M..... 6. Der Anfertiget verpflichtet sich a) an die Arbeiter 75 Proz. deS vom BelleidungSamt gezabtten Macherlohnes ohne jeglichen Abzug zu zahlen mit Ausnahme der unter! erwähnten Selbstkosten der Rohmaterialien sowie der sür den Arbeüneomer gesetzlich vorgeschriebenen Abzüge zur Krönten- und Invalidenversicherung, h) weitere Zwischenmeister nur dann zu beschäftigen. wenn diese sich dem Ansertiger gegenüber verpflichten, ihren Arbeitern den Lohn zu 6 a— also 75 Proz deS vorn Amt gezahlten Macherlohnes ohne weite«, alS die beiden vorgenannten Abzüge— zu zahlen. e) die Anfertigungen nicht durch Gesänguiffe und Strafanstalten ausführen zu lasten. 7. Die Anfertigung muß den Bestimmungen und Proben durchaus entsprechen. Nicht sür abuahmesähig befundene Stücke sind un- entgeltlich zu verbeiiern. 8. Der Ansertiger verpflichtet sich, weder selbst noch durch ander« Personen(Angestellte, Geschästtteilhaber oder dergl.) den Angestellte» und Mitgliedern des BeNeidungSamteS sowie der BelleidungS- fommisfionen der bei den Ansertigungen heteiligten Truppen oder deren Angehörigen Geschenke oder Borteile irgendwelcher Art zu ge- währen oder anzubieten, st« auch nicht mit Getränken oder Speisen freizuhalten und ihnen weder Materialien oder sonstige Gegenstände zu verfausen. nach Arbeit zu liefern. Der Anferttger verpflichtet jich, bei Zuwiderhandlungen eine Konventionalftrase von R....(wörtlich......) an die ReichSkasse zu zahlen. 9. Da« BekleidungSamt behält fich vor, bei Verfehlungen gegen vor- stehende Bestimmungen jederzeit von seinem Austrag zurückzrmeten und ist berechtigt, durch einen Dsiizier eine Kontrolle deS dortigen Werlnaltbe triebe». AbrechnnngSoersabrenS sowie der unter Ziffer 5 erwähnte« Versicherung eintreten zu lassen. 19. Die Bezahlung erfolgt durch die Koste deS Bekleidmigsamtes ent- weder bar durch weißen Check oder durch Girasibertragung aus ein ReichSbanlkonto. Berlin, den...... 191. Der Vorstand. Anerkannt Berlin, den...... 191. Außer den in vorstehender Zusammenstellung(lid. Nr. 1—27) ausge- sährten Anfertigungen hat da» Amt noch die Ansertigung eines größeren Postens sog. jZatldstunniachen aus Grund besonderer Bedingungen vergeben. Die hierfür vom Amt an die AnserttgungSstellen gezahlten und von diesen an die Arbeitnehmer etwa zu zahlenden Macherlöhne sind folgende: Londswrmrock(ohne Borstöße)........ 8,60 M.— 6,45 M. Landsturmhose von Tuch oder Cord ohne Vorstöße 3,80,— 2.85, ttanditurmma ntel(ohne Kragenpatten)..... 8,40,— 6,30. Landstmmmütze(»afchltffotm)........ 0,36.— 0,27, Die Nähmaterialien sür diese vier Landfturmlachen werden vom Amt den AnsrrtigungSftellen außerdem bezahlt und müssen dahel von letztere»» an die Arbilwehmer kostenlos abgegeben werden. Diesen dürfen aljo iür vorstehende vier Arten von Belleid»mgZstückcn von den genannten unge- fähren Macherlöhnen nur die für die Arbeiinebmer gesetzlich vorgeschriebenen Abzüge zur Kranken- und Jnvalidenveisicherung abgezogen werden. Sämtliche vorstehenden Macherlöhne sind rund 20 Proz. höher, als die vor SluSbnich de» Kriege» vom BekleidungSamt deS Gardekorps für die gleichen Ansertigungen gezahlte,!. Alle preußischen Bekleidungsämter sind gehalten, bei Vergebung von Schneideranferligmigcn im Geschäftsbereich eines anderen Amtes, sich über die zu zahlenden Macherlöhne vorher mit dem für den AnsertigungSort zuständigen Amt in Verbindung zu setzen. Da im übrigen die Festletzung der Macherlöhne und Auftrags- bedingungen lediglich Sache der die Schneideransertigungen vergebenden BelleidungSämter ist, so find alle vccjtehenden Macherlöhne und Bedingungen nur so lange gültig, als da» KriegZ-BeNeidungsamt des Garde- korpS sie nicht abändert. gez. v. Schulz. Ulstei'- Stoffe, Oamentuehefl_ i— C Mtr M.® Persianer imit.in. IR• 90• Plttnehe Mtr. M. IÜ.*,I9.»211. Tuchlager Kocb& Seeland 3. m. b H. 68rtraudtenstr.20-2I�Hkirohir Heines Werke 3 Bünbe* Hlnt■ Buchhandlung vorwärt» teppdecken fiir Krankenpflege billigst. Fabrik: Wallftr. 72. Bernhard Strohrnandel. Praktische Weihnaebtizugabe.— Carmen Syiva- Cigaretten Trostfrei 1 Verkäufe. Steppdecken! Jetzt AuSnahme- preise! Prachtvolle Similiseidene 3.85, 4.85, 6,00. Elegante doppelseitige 7,50. Tällbettdecken 1.85. 2j0. WolsS TcppichhauZ, Drcsdenerstr. 8 (Kotlbuserloc). Abonnenten 10 Pro- zent Rabatt. 26�" Teppich. Thomas. Oranicnftr. 44 spottbillig sarbseblerhaftc Teppiche, Gardinen. 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Verlag:iöorwär»Luchdruckcrci u. vertagsanstat: Paul Singer& Es, Berlin SW.