i! Nr. 260.- 1914 4t,„ Zountag. 20. Dezembtt. Krieg und Kriegsgebrauch. Voiv Grafen Moltke. > dem Brief, den 4Nraf Moltke(der Aeltere) im Dezember in bv'.r Heidelberger �ölkerrechislehrer Bluntschli schrieb, wird die Steele zitiert, die das Bekenntnis Äioltkes gegen den Traum d. I ewigen Irieden enthält. Gerade diese beiläufigen Sätze sind nicht 's Bedeutsame des Schreibens. Aber der sonstige(vergessene!) halt des Briefes hat heute ein ganz besonderes Interesse er. ten, weil er die herrschenden Anschauungen des Militärs über Wesen der Kriegsführung bekundet. Bluntschli hatte dem nevalsieldmarschall das Handbuch des Kriegsrechts übersandt. In �ni Briev widerspricht nga Moltke, in wie höflicher Form immer, fow völkerrechtlichen Bindung der KriegLgebräuche, d. h. der der- Dichtenden, dem Ermessen der Heerführer entzogenen Verwandlung � Kriegs g e b r ä u ch e in Kriegs g e s e tz e, damit dem Völker Schi auf dem Gebiete der Kriegsführung überhaupt. Es war einer wesentlichsten Beschlüsse der Haager Konferenz, solche Kriegs Rietze aufzustellen. Es wurde ausdrücklich bestimmt, daß selbst Dche einzelnen Kriegsmaßnahmen, die durch die Haager Kon. Hlionen nicht fixiert worden sind, nicht dem Ermessen des Heer- �rers überlasten bleiben sollen. Diese Anschauung widerspricht militärischen, wie sie Moltke vertritt, und wie sie wohl aus- chmslos alle deutschen(und vermutlich auch die ausländischen) ilitärs behalten haben: daß die für die Kriegsführung verant- 'örtlichen Stellen auch die Entscheidung über die Kriegsgebräuche �en müssen. Eine innerliche Anerkennung der gegenteiligen 'oger Anschauung ist in militärischen Kreisen nirgends zu be chten. f.' Moltke schreibt: L•■Sic haben die Güte gehabt, mir das Handbuch mitzuteilen, pclchx- das Institut für internationales Recht veröffentlicht und "»scheu meine Anerkennung desselben. i, Zunächst würdige ich vollkommen das menschenfreundliche Be. Treben, die Leiden zu mildern, welche der Krieg mit sich führt. Der ewige Friede ist ein Traum, und nicht einmal ein schöner, � der Krieg ein Glied in Gottes Wcltordnung. In ihm ent. �cn sich die edelsten Tugenden deS Menschen, Mut und Ent. ng. Pflichttveue und Opferwilligkeit mit Einsetzung des Lebens. öue den Krieg würde die Welt im Materialismus versumpfen. urchans einverstanden bin ich ferner mit dem in der Vorrede aus. �sprochenen Satz, daß die allmähliche fortschreitende Gesittung sich in der Kriegsführung abspiegeln muß. aber ich gehe weiter glaube, daß sie allein, nicht ein kodifiziertes Kriegsrecht, Ziel zu erreichen vermag. i. Jedes Gesetz bedingt eine Autorität, welche dessen Ausführung I �erwacht und handhabt, und diese Gewalt eben fehlt für die Ein- �(tung internationaler Verabredungen. Welche dritte Staaten werden nur deshalb zu den Waffen greifen, weil von zwei krieg- Brenden Mächten durch eine oder beide die lois cke la gwrrt �rlctzt sind? Ter irdische Richter fehlt. Hier ist nur Erfolg erwarten von der religiösen und sittlichen Erziehung der ein- |j»<;n, von dem Ehrgefühl und dem Rechtssinne der Führer, welche � selbst dos Gesetz geben und danach handeln, soweit die abnormen W stände des Krieges eS überhaupt möglich machen. . Nun kann doch auch nicht in Wrede gestellt werden, daß wirklich Humanität der Kriegführung der allgemeinen Milderung der ?»ten gefolgt ist. Man vergleiche nur die Verwilderung deS �ißigjäbrigen Kriege? mit den Kämpfen der Neuzeit. f Ein wichtiger Schritt zur Erreichung des erwünschten Zieles * in unseren Tagen die Einführung der allgemeinen Militärpflicht Deesen, weiche die gebildeten Stände in die Armeen einreiht. I Mellich sind auch die rohen und gewalttätigen Elemente geblieben, iic ßifden nicht mehr wie früher den alleinigen Bestand. �. Zwei wirksame Mittel liegen außerdem in der Hand der Re- Gerungen, um den schlimmsten Ausschreitungen vorzubeugen: die schon im Frieden gehandhabte und eingelebt« strenge Manneszucht die während der schnell fortschreitenden Heeresbewegungen vor und und die administrative Vorsorae für w I nach den Schlachten. Ta gab es alle Augenblicke einmal Alarm; das Stück Fleisch brodelte gerade im Kochkessel— und mußte halb gar hcruntergeschlungen oder weggeschüttet werden. Oft genug kam es auch vor, daß die Mannschaften, wenn endlich das Biwak Felde. �____ U--J______,---- aa a a.»»"JJ WV tV.] i- UU t eyt- administrative Vorsorge für Ernährung der Truppen im Ohne diese Vorsorge ist auch die Disziplin nur in beschränktem Matze aufrecht zu erhalten. Der Soldat, welcher Leiden und Ent- behrunM�, Anstrengung und Gefahr erduldet, kann daher nicht nur en Proportion avee les ressources du pays(im Verhältnis zu den Hilfsquellen des Landes), er muß alles nehmen, was zu seiner Existenz nötig ist. Das Uebermenschliche darf man von ihm nicht fordern. Die größte Wohltat im Kriege ist die schnelle Beendigung des Krieges, und dazu müssen alle, nicht geradezu verwerfliche Mittel freistehen. Ich kann mich in keiner Weise einverstanden erklären mit der Deklaration de St. Petersburg, daß die „Schwächung der feindlichen S tr e i t m a ch t" das allein berechtigte Borgehen im Kriege sei. Nein, alle Hilfsquellen der feindlichen Regierung müssen in Anspruch genommen werden, ihre Finanzen, Eisenbahnen, Lebensmittel, selbst ihr Prestige. Mit dieser Energie, und doch mit mehr Mäßigüng wie je zuvor, ist der letzte Krieg gegen Frankreich geführt worden. Nach zwei Monaten war der Feldzug entschieden' und erst, als eine re volutionäre Regierung ihn zum Verderben des eigenen Landes noch vier Monate länger fortsetzte, nahmen die Kämpfe einen er- bitterten Charakter an., Gerne erkenne ich an, daß das Manuel(Handbuch) in klaren und kurzen Sätzen den Notwendigkeiten im Kriege in höherem Maße Rechnung trägt, als dies in früheren Versuchen der Fall gewesen ist. Aber selbst die Anerkennung der dort aufgestellten Regeln durch die Regierungen sichert noch nicht die Ausführung. Daß auf einen Parlamentär nicht geschossen werden darf, ist ein längst allseitig zugestandener Kriegsgebrauch, und doch haben wir denselben im letzten Feldzuge mehrfach übertreten gesehen. Kein auswendig gelernter Paragraph wird den Soldaten überzeugen, daß er(8 2, ad 4) in der nicht organisierten Be- völkerung, welche(spontanement, also aus eigenem Antrieb) die Waffen ergreift, und durch welche er bei Tag wie bei Nacht nicht einen Augenblick seines Lebens sicher ist, einen regelrechten Feind zu erblicken hat. Einzelne Forderungen des Manuel dürften un- ausführbar sein, z. B. die Feststellung der Identität der Ge- ällenen nach einer großen Schlacht. Andere würden zu Bedenken Anlaß geben, wenn nicht die Einschaltung von lorsque les circonstances le permettent, z'il se peut, si possible, s'il-y-a necessite etc.(wenn die Umstände es gestatten, wenn tunlich, wenn möglich, wenn notwendig) chnen eine Elastizität verliehe, ohne welche der bittere Ernst der Wirklichkeit die Fessel sprengen würde, welche sie auferlegen. Im Kriege, wo alles individuell aufgefaßt fein will, werden, wie ich glaube, nur die Paragraphen wirksam werden, welche sich wesentlich an die Führer wenden. Dahin gehört. waS das Manuel über Verwundete, Kranke, Aerzte und SanitätSmaterial festsetzen will. Die allgemeine Anerkennung schon dieser Grundsätze sowie die über Behandlung der Gefangenen würde ein wesentlicher Fortschritt dem Ziele sein, welches� das Institut für Völkerrecht mit so rühmlicher Beharrlichkeit erstrebt." Warme Speisen und Getränke im Zelöe. CMC Die Erfindung der fahrbaren Feldküche bewährt sich als----- der segensreichsten Einrichtungen. Alte Leute, die den Feldzug von 1870/71 mitgemacht haben, erzählen, wie der Soldat selber kochte, entlvedcr jeder für sich oder in treuer Kameradschaft mit einem guter Freund aus der Korporalschaft.„Manche," heißt es in einer solchen Erzählung,„wurden zu raffinierten Kochkünstlern, die schließlich einen Eierkuchen ohne Eier und Mehl zustande brachten; bei andern ging eS eben wie es ging. Die schlimmsten Tage waren ,---,--- L,—»..—_------ I"-yv-i«arwv.a UUUii. bezogen wurde, zu müde zum Abkochen waren, daß sie nur schlafen, schlafen wollten. Endlich ging mit dem Zerlegen des gelieferten Viehs, mit dem Verteilen auf die Korporalschaft und weiter in dieser erschrecklich viel Zeit verloren." Alle diese primitiven Ein- richtungen sind durch die fahrbare Feldküche gründlich geändert worden. Jede Kompagnie führt einen solchen Feldküchentvagen mit sich, in dem es während des Marsches brodelt und schmort und aus dem zur richtigen Zeit das fertige Essen ausgeteilt wird. Ein im Westen stehender Hauptmann erzählte mir, daß seine Kompagnie selbst bei fortdauerndem Vormarsch, in den auch vier schwere .Kampftage fielen, doch regelmäßig an jedem Tage zweimal warmes Essen hatte. So gut wird es natürlich nicht allen Truppenteilen in der ausgedehnten Kampffront werden, viel wird da auf die Geschicklichkeit und Anpassungsfähigkeit des Leiters der Feldküche ankommen; viel aber auch auf die örtlichen Verhältnisse, da natür- lich die Feldküche, wenn sie sich auch nahe zu ihrer Kompagnie halten soll, nicht der Zerstöruirg durch feindliches Feuer ausgesetzt werden darf. Aber im allgemeinen erfüllen die„Goulasch- kanonen", wie unsere feldgrauen Brüder die Feldküchen getauft haben, recht gut ihren Zweck, und es muß schon manches Schlimme zum Schlimmen kommen, wenn der Soldat auf die eiserne Ratton, die er selbst bei sich führ:, zurückgreifen muß. Aber neben dem warmen Essen aus der Feldküche muß dem oldaten die Möglichkeit, sich selbst Feuer und warmes Essen zu bereiten, sehr erwünscht sein. Bei starker Kälte, wie wir sie an der Front bereits Häven und noch mehr zu erwarten haben, ist es gar nicht ausgeschlossen, daß die Speisen auf dem Wege von der Feldküche bi? zum Schützengraben, namentlich wenn die Küche aus örtlichen Umständen nickt sehr nahe heranfahren kann, recht bedenk- lich abgekühlt werden. Weiter aber wollen und sollen die Truppen in den Gräben doch auch warmen Kaffee, Tee, Kakao, Grog haben, den sie sich selbst nach Bedarf herstellen und wozu sie heißes Wasser brauchen., Im, Schützengraben heißes Wasser zu erhalten wird nicht immer ganz leicht sein, denn ein Holzfeuer dort zu entzünden wird sich meist wegen der starken Rauchentwickelung von selbst ver- bieten, auch abgesehen davon, daß man das nötige Brennholz nicht bei der Hand hat uno auch nicht Zeit bat, es zu sammeln. Da kann die Liehestätigkeit in der Heimat ein Feld finden, um den Truppen das nötige Feuerungsmaterial m leicht handlicher und bequem mitzuführender Form aus der Heimat zuzusenden. Die chemische Industrie Deutschlands ist ja die erste in der Welt, und da mutz es doch gelingen, solche Materialien herzustellen. Auf der jüngst in Berlin veranstalteten Ausstellung„Was der Soldat im Felde braucht" waren auch mehrere Präparate aus Hartspiritus. in verschiedene Formen und Packungen gepreßt, zu sehen. Unter diesen erregte besonders ein neues Präparat mit dem Namen Feldheizer" unsere Aufmerksamkeit. Der Hartspiritus ist im wesentlichen eine Mischung von Spiritus und Seife, wobei letztere, die natürlich zum Brennwert des Ganzen nicht beiträgt, bis zu 2Z v. H. ausmacht. Ter in einer kleinen Dose befindlich« Feldheizer dagegen besteht zu 67 v. H. aus Spiritus und nur 3 v. H. Stearin- säure, hat also einen holzen Heizwert und ist, wenn man den Deckel der Tose abnimmt, mit jedem Feuerzeug bequem zu entzünden. Eine Dose reicht aus, um einen Liter Wasser zum Sieden zu bringen. Braucht man weniger, so brennt die Dose nicht völlig aus. kann ausgeköscht und verschlossen und von neuem gebraucht werden. Diese Feldheizer erscheinen daher als Liebesgaben für die einzelnen Leute für die kommenden kalten Tage ganz besonders geeignet. Natürlich bilden auch andere Präparate quS Hartspiritus im Felde eine willkommene Gabe. Notizen. — Musikchronik. Die SonntagSkonzerte km Schiller-Theater Charlottenburg beginnen ihren zweiten Zyklus am Sonntag den 1l>. Januar ISIS. Zu den fünf Konzerten, die alle vierzehn Tage stattfinden und je zwei Kanuner- Musikwerke sowie einen gesanglichen Teil darbieten, werden Abonnementshefte zum Preise von 2.50 M. und 8,60 M. einschließlich Garderobe und Programm ausqegeben. kleines Zeuilleton. Dokumente öes Krieges 7870/71. j. Im Handschrifteniaal der Königl. Bibliotbek wurde Freitag eine Ausstellung von Dokumenten des Krieges 1870/71 eröffnet. Das ■jmlerial dazu gab eine Sammlung her, die Hofral Louis Schneider »ck während des Krieges auf eine Anregung deS Königs hin be- Nkstndele, und die dann späler in den Besitz der Königl. Bibliothek ßklangie. In Glaskästen und an den Wänden sieht man Bilder von °en Stätten, an denen der Krieg gewütet; Schlachtenszenen; Auf- "abmen aus Lazaretten u�td Gefangenenlagern. Dazwischen liegen vaniphleie und Flugschristen wie I,o bouello de fer(das Eisenmaul) Ii0» Gronsset oder das Breviorium des Königs von Preußen von panin; dann ein kleines, blau mit Silberprägung gebundenes Büchlein. !»? auf der Vorderseite den Kops Napoleons mit der Unterschrift �slhelinsböhe und auf dem Rückendeckel die ttauernde!La France A'f der Unterschrift Edpubl. frangaise zeigt. Aus Geschichten des Sieges in den krausen Schriflzeichen asiatischer Völker interessieren "ornebmlich jopamsche Blockbücher durch ihre eigentümlichen, bildlichen Tarstelluilgeu, Rot faksimiliert leuchtet auf einer Titelseite des Pariser gFigaro" der Brief, den Bismarck, nach der Begegnung mit Napoleon, am A August 1870 an seine Gattin schrieb und der den Franzosen in f'0 Hände fiel:„ein Dokument der Geschickte, nicht für die Ge- Iwichte geschrieben." Ein kleines� Blatt: der Brief Napoleons: -Ta es mir nicht vergönnt war, in der Mitte metner Truppen zu >l«rben." . Auch sonst findet man recht interessante Handschriften, so das >nginal»ianuskript der.Wacht am Rbein", und Hoffmann v. Fallers- lebens.Teuiichland. Deutschland über alles"; daneben, puf- Beschlagen, aus Hoffmann« Lebensaufzelchnungen der Bericht »ber Pix Entstehung de« Gedichtes. In einem Kasten sieht man priese der Ballon- und Taubenpost aus dem eingeschlossenen Paris. £|» einer Vitrine liegen ausgebreitet allerhand Kartkaturen der manzöien auf die Sieger, auch auf Napoleon. Am weitaus interessantesten sind französische Proklamationen »»d Maueranschläge, die an den Wänden ausgehängt sind. Da ist /»clor Hugos pomphafte Beschwörung der Deutschen, von der �eiagcruirg von Paris Abstand zu nebmen; die Proklamatton der °ck>serin-Regentin, dalierr vom 7, August 1870, II Uhr mittags; ein Manifest des Ministerrats vom 3. September:„Ein großes Unglück "ersetzt das Vaterland in Schreck"; der Aufruf der Nationalvekteidi- 8»»g an die Bewohner von Paris vom 18. Januar 1871:.Der ftttnd tötet unierc Kinder und Frauen"; dazwischen ein Blatt: .«Neue Gartenioirtschaft auf der Insel Dönis. Großes Militär- j/wzert von der Kapelle des 1. Schlesischen Grenadter-Regiments "t. 10. Eutree 1 Frank." Amüsant ist ein Plakat: Herr Thebots doit der Natioital-Brbliothek gibt sich die Ehre, dem Publikum mit- lsuteiien. daß er einen lenkbaren Luftballon erfunden habe, und er "eripricht, wenn ihm zur Ausführung seiner Idee 300 000 Fr. zur «eriügung gestellt werden. Frankreich all das zurückzuholen, was d>e Deutschen ihm seit dem 4. September geraubt.Der Bote der Gerechtigkeit, der Rächer der Republik. 26. November 1370 I- Thebois." Die Ausstellung ist gut ausgewählt und angeordnet. Sie ist als eine erste gedacht, der sich weitere, auch auS dem gegenwärtigen Kriege anschließen sollen. Der Besuch ist frei. Die Spur öes Krieges im Antlitz öer Erde. Noch kurz vor seinem Tode hat der große Geograph Friedrich Ratzel, der Schöpser der wissenschaftlichen Geographie de« Krieges in einer Untersuchung der erdkundlichen Probleme der Vergangen» heil und Zukunft auf die Veränderungen hingewiesen, die das A n t- titz der Erde in seinen wcltewigen Zügen durch einen längeren modernen Krieg erleiden würde. Die ganze Wirkung des Welt- krieges hat er freilich nicht ahnen können, der in den nesenhast aus- gedehnten Operationsgebieten strichweise das Landschafisbtld völliggeändert bat. In den Vogesen und Argonnen. im Osten in dem nadelholzreichen Gouvernement Suwalkt sind, alles zusammen gerechnet, viele Ouadratmcilen Wälder niedergeschlagen, um der Artillerie freies Schußfeld zu schaffen und Material zu Besestigungs- zwecken. Brennholz für millionenstatke Armeen zu gewinnen usw, Mtt dem Fall der Wälder ist zugleich das Wild und das Raubzeug vergrämt; die Folge davon ist eine Ueberhandnahme von Feldmäusen, Hamstern und ähnlichen Schädlingen des Feldes, die ihrer natürlichen Feinde beraubt sind. Auch klimatologisch kann die Vernichtung ausgedehnten Waldbestandes, woraus der Klimatologe Prof. Dr. Hann schon hingewiesen hat, folgenschwer werden: wird der Wald mit seiner die Niederschläge regulierenden Tätigkeit aus der Wirtschaft der Natur ausgeschaltet, so ist die Landschaft allen extremen meteoro- logischen Erscheinungen, so vor allem Wetterkatastrophen, schutzlos ausgesetzt, d.h. sie verödet allmählich. Damit wird aber wieder wirtsckafiliche Arbeit für viele Hände frei, das Zerstörte überall wieder herzustellen oder die Wirkungen der Zerstörung zu paraly- sieren— ein ungewollter Nutzen des Krieges auf Kosten der Natur. Unzählige Naturschönheiten und historische Naturdenkmäler vernicklet die eiserne Notwendigkeit der Kriegführung, romantiscke Felsen werden geiprengt, Böcke abgelenkt oder vericküttet, uralte Baumriescn gefällt, wie die gewallige E'cke von Antweipen, wo das Prunkzelt des Herzogs von Parma bei der denlwürdigen Belagerung der Stadl im Fretheitskampfe der Niederländer gegen Philipp II, von Spanien gestanden haben soll, und manckes andere mehr. Schon als Egmoni, Piinz von Gavre, bei Sl, Oueniin siegle, krönten vier Windmühlen den.Feldherrnhügel" bei dem Oertchen und, gewiß mehr durch Zu- all als aus Pietät, blieb über ein Menschenalter hindurch die alte riesige Mühle erhalten, von der aus General von Goeben die Schlacht 1870 geleitet hatte— heute weht der Wind über eine kable Höhe, auf der verkohlte Balkenreste von der grausen Rücksichtslosigkeit des Weltkrieges zeugen, Denkmäler zerstört, Ruinen schafft der Krieg, So manches zerschossene flandrische oder französische Ahnenschloß liegt in Trümmern und wird nie wieder aufgebaut werden, weil der Leyle des Geschlechts fiel und über seiner Grufi sein Wappenschild zerbrochen wurde. In der Mark Brandenburg sind so die Güter des alten Geschlechts der von Lüderitz herrenlos geworden. Die dauerndste Wirkung des Krieges aber sind durch die Zerstörung ganzer Städte wie OrchieS und durch den Durchstich von Deichen, wie es an der belgischen und nordfianzösischen Küste geschah, hervorgerufen. Hier ruht daS Grauen des Krieges noch Generationen lang über der Landschaft, und düstere Sagen werden die Stätte umweben, wo der Weltkrieg seine Spuren eingrub. Rheumatische Erkrankungen im 5elö. Eine nicht geringe Zahl der in die Reservelazarette zurück- strömenden erkrankten Soldaten leidet an rheumatischen Krankheiten. Nach den Beobachtungen Professor Schmidts in Halle macht der Ge- lenkrheumatismus darunter etwa ein Drittel aller Fälle aus. Als Ursache des Leidens wird von den Soldaten fast immer der Auf- enthalt in den feuchten, teilweise mit Regenwasser gefüllten Schützen- grüben beschuldigt. Hier und dort ist ein Schnupfen, eine Mandel- cntzündung oder ein Luftröhrenkatarrh der rheumatischen Erkrankung vorausgegangen, manchmal gingen auch stärkere Durchfälle voraus. Em Drittel bis die Hälfte hatte bereits vor dem Kriege RbeumattSmuS durchgemacht. Dis Gebiete der Beine sind ungleich heftiger befallen wie die der übrigen Körperteile. Die Patienten bringen die Bevor- zugung der Beine mit Fußkälte und Nässe in den Schützengräben in Verbindung, eine bessere Erklärung ist nach Schmidt die der großen Belastung der Beine durch die oft kolossalen Marschleistungen. Fast alle Soldaten, die mit Muökelschmerzen aus dem Feldzuge zurückkehren, haben bereits früher an denselben oder ähnlichen Zu- ständen gelitten. Meistens gehen diese rheumatischen Erkrankungen in Heilung über, obwohl die Erkrankungen der Rückenmuskeln auf- fallend schmerzhast und langwierig sein können. Wenn Rückfälle eintreten, ist die Felddienstfähigkeit zu verneinen, da e» wohl nicht bei dem einen Rückfall bleibt. Bei der Behandlung tun Einspritzungen mit Kochsalzlösung gute Dienste. Zur Geschichte öes weihnachts-WaffenftiUsianöes. Der nickt zur Durchführung gelangte Vorschlag, eines Waffen- ttllstandes für die WeibnacktStage knüpft, wie ein italienische« Blatt hervorhebt, an eine uralle lleberlieferung der Kirche an. Schon um da« Jahr 960 waren in den französischen Konzilen zwei Einrichtungen zur Förderung deS Friedens und Dämpfung des kriegerischen Geistes jener Zeit bekannt. Die erste waren die»Ligen für den Frieden", und die zweite war die bekänntere und in der Folge wirk- lamere des.Gottesfriedens". Die Ligen für die Aufrechierbaltung des Friedens waren eine Art Brüderschaften, deren Mitglieder schworen, untereinander Frieden zu hatten und sich gegen« 'eüig gegen alle �iörer de-S Friedens zu helfen. In ihren Statute� finden sich bereits die Anfänge des neuzeitlichen Völkerrechts und die Einsetzung von Schiedsgerichten. Der»GoiteS- frieden" erschien dagegen zum erstenmal aus dem Konzil von Elne im Jahre 1027. Hier wurde erklärt, daß niemand den Gegner in der Zeit von 0 Uhr abends am«onnabend bis 1 Uhr nacktS am Monrag angreifen dürfe. Der Gedanke fand Beistill, und sehr bald erstreckte er sich auf alle Festtage, auf die Fastenzeit usw., so daß schließlich der„Gottesfrieden" einen großen Teil des JahreS währte. .Diese Friedensbewegung ivurde durch die Durchdringung der Ritter» schast mit christlichem Geist noch bedeutend verstärkt, und besonders machten die Päpste ihren Einfluß entscheidend in dieser Richtung geltend, wenn ein Zwist zwischen den größeren Staaten drohte oder ausgebrochen war. Bezeichnend ist in dieser Hinsicht die Vermittlung. die Jnnoncenz III. versuchte, um Philipp August von Frankreich und' Johann ohne Land zu versöhnen, die den auf b Jahre geschlossene» Waffenstillstand gebrochen hatten. Juwelen Söllbsir- Waremi. Sskgcnheitskäii/e in brillanten. 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