St. 261.- 1914. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Ditustag. 33. D�ember. Pulver unö Gewehr 1740 unü 1005. In der jetzigen Zeit, in der alles Militärtechnische weitgehendes Interesse findet, dürste das Neuerscheinen eines kleinen Büchleins be- grüßt werden, das sich mit den Sprengstoffen und ihrer Chemie be- schäfligt: Dr. H. BrunSwig.„Die Explosivstoffe'. DaS Bändchen ist in der bekannten Sammlung Göschen erschienen und kostet hübsch gebunden nur S0 Pf. In diesem Berkchen ist kurz alles Bissens- werte über dieses Tbema abgehandelt und denjenigen, die in einzelne Gebiete tiefer einzudringen wünschen, eine ausführliche Literatur- Übersicht gegeben.— Von den zahlreichen intereffanten Abschnitten und Kapiteln seien kurz einige Angaben über die Fortschritte in der Pulverherstellung erwähnt. In Berücksichtigung der Tatsache, daß Fortschritte auf dem Ge- biete der Pulverfrage jederzeit Fortschritte in der Ausbildung der Feuerwaffen nach sich gezogen haben, dürste von Jntereffe sein, diese parallele EntWickelung in ihrer Gesamtwirkung zu überschauen. „Bis zur Gewehrkonstruktton des JabreS 1888 bestand die Pulverladung aus Schwarzpulver, von da ab aus rauchlosem Pulver, und dieser Wechsel kam vor allem m der außerordentlich gesteigerten Feuerschnelligkeit von 2V bis 25 gezielten Schüffen in der Minute zur Geltung. In die Augen fallend ist ferner das mit der Aenderung'des Treibmittel« verwirklichte Ziel, die Flugbahn der Geschoffe durch sehr vermehrte Anfangsgeschwindigkeit des GeichosieS bei gleichzeitiger Erleichterung desselben gestreckt zu gestalten.' Eine kleine Gegenüberstellung der Gewehrverhältniffe in den Jahren 1740 und IVOS wird das alles klarstellen. 1740 1905 Schwarz- Rauchloses pulver Pulver Laufdurchmesser des Gewehrs... 20,1 mm 7,9 mm Geschoßgewicht........ 30 g 10 g Pulverladung........ 14,6 g 3,2 g Geschoßgeschwindigkeit i. d. Sekunde 100— 200 m 860 m Lebendige Kraft des Geschosses an der Mündung....... 30—30 rnkg 400 mkg Bestrichener Raum für 1,7 m Zielhöhe 100 m 700 m Gezielte Schüsse in der Minute.. 4 20—25 Größte Visierschußweite..... 800 m 2000 m Gesamtschußweite...... 1000— 1300 m 4000 m Der Lausdurchmesser hat sich auf den dritten Teil verringert. BaS das in bezug auf die Erleichterung des Gewehres bedeutet. kann sich jeder selbst sagen. DaS Geschoßqewicht ist ebenfalls auf ein Drittel reduziert, das Gewicht der Pulverladung gar auf ein Fünftel. Die Geschoßgeschwindigkeit hat sich auf das fünffach- ge steigert, der bestrichene Raum auf das siebenfache.� Zu alledem ist die Feuergeschwindigkeit verfünffacht worden, die Visierschußweite hat auf das siebenfache zugenommen und die Gesamtschußweite auf das drei- bis vierfache. Trotz der großen Erleichterung deS Ge- schösse« hat dessen lebendige Kraft, d. b. daS für die DurckichlagSkraft eigentlich wirksame,.an der Gewehrmündung keine Einbuße erlitten. sondern ist im Kegenteil seit den Tagen Friedrich des Großen bis auf unsere Zeit in überraschendem Grade gewachsen. Im Jahre 1884 erhielt man von 3 Gramm Schwarzpulver eine MündungS- energie von 250 Meterkilogramm; ein Gramm Schwarzpulver leistete olio die Arbeit von 60 Meterkilogramm. Mit Einführung des rauch- losen Pulvers erreichte die Arbeitsleistung von 1 Gramm Pulver 112 Meterkilogramm'. Dieie Fortschritte find unverkennbar und würden in ihrer Bedeutung noch mehr in die Augen springen, wenn man dabei berücksichtigte, in welchem Maße gleichzeitig die Schutz- Möglichkeiten überhaupt gesteigert worden find. Mufik. Die Sonntag«konzerte de« Blüthner-Orchester» tragen rein künstlerische, wenn man will kunsterzieherische Zwecklich- lichkett in sich Die Programme sind, so viel eS angehr. einheitlich gestaltet Die« zeigt- au» da» 12. Konzert de« vorigen Sonntags ES war wieder ein Richard-Bagner-Abend. Aber was für e»ner! Au« BagnerS frühster S»affenszett leitete dre„Faust-Ouvertüre über ein Gesangsstück aus dem„Fliegenden Holländer', der ja während Wagners erster Leidensepoche in Paris entstand, in die letzte große Schaffensperiode, nämlich die de«.Ringe«', de« .Tristan' und der.Meistersinger' in prachtvoll innerlicher Steigerung hinauf, um mit dem„Kaisermarsch' als einer Gelegen- Heilskomposition aus ernster kriegerischer Zeit abzuschließen. Wagner halte beabsichtigt, eine Art Messe zum Gedächtnis der 1370/71 im Feldzug Gefallenen zu geben. Man hatte jedoch diesen Vorschlag ablehnen zu sollen geglaubt, weil man die frobe SiegeSstimmung des deutschen Bürgertums nicht stören mochte. So schrieb Wagner den.Kaisermarsch', der für die Rückkehr des Heeres aus Frankreich gedacht und daher für Militärkapellen instrumentiert war. Hieraus entspringt seine etwas äußerliche Rethorit und Pathetii. Wie Wagner einst gewünscht hat. wird der Kaisermarsch jetzt sogar mit Chorgesang aufgeführt. Unleugbar wächst er so zu einer größeren Wirkung empor. Diesmal hatten der Berliner Sänger- verein und der Jerusalems-Kwchenchor unter Direktion deS Herrn Max Eschke jene Aufgabe übernommen. Orchesterdirigent war Herr Karl Alwin. Als Solisten ließen sich zwei der bedeutendsten Mit- glieder der Königlichen Oper hören, nämlich Herr Bischoff und Frau Erna Denera._ ek. kleines Zeuilleton. Episoöen vom krieg in Polen. Luciano Magrini schreibt im Mailänder„Secolo" unter dem 5. Dezember aus Warschau:„Schnee. Eis, unendliche Leiden, Hungersnot. DaS Kriegsschauspiel in Polen hat etwas Tragisches. Seit einer Woche zeigt das Thermometer acht Grad unter Null. Im allgemeinen pflegt der Dezember in Polen nicht besonders kalt zu sein. In diesem Jahre aber ist der Winter ungewöhnlich sireng, und die Polen vergleichen ihn schaudernd mit dem schrecklichen Winter von 1812. Die Weichsel beginnt zuzufrieren. Der Fluß ist besät mit schneebedeckten Eisschollen, die sich an den Ufern ge- bildet hatten und von der Strömung losgerissen wurden. Unbc- schrechlich sind die Leiden der Bevölkerung. Hunderte und Hun- derte von Verwundeten strömen täglich noch Warschau. Zahlreich sind die Fälle von Starrkrampf. Vielen Verwundeten find Hände und Füße erstarrt. Auch WahnsinnSanfälle sind vorgekommen. Tie scchsundzwanzig Lazarette, die von der polnischen Abteilung des Roten Kreuzes eingerichtet wurden, bieten kaum noch einen Platz für die Aufnahme neuer Verwundeter. Und mit den Ver- wundeten kommen Tag für Tag Hunderte von anderen Opfern des Krieges: die Flüchtlinge. Sie kommen teils auf elenden Wagen, auf welchen zwischen jämmerlichem Gerümpel die Weiber und die Kinder hocken, teils zu Fuß aus den zusammengeschossenen und eingeäscherten Ortschaften. Sie kommen nach Warschau, um eine Zuflucht zu suche», um vor Kälte und Hunger geschützt zu sein. Man schätzt, daß sich gegenwärtig hier mehr als 16 000 Flüchtlinge aufhalten und im größten Elend leben.... Von Warschau machte ich kürzlich eine Fahrt nach Skiernie- wice, wo gegenwärtig die größte Not herrscht. Fast alle Läden sind leer. Die Juden, die fast den ganzen Handel in Händen hatten, sind auf Befehl der russtschen Militärbehörden auS der Stadt ausgewiesen worden und mußten sich nach Warschau be. geben. Alle Geschäfte der Juden wurden geplündert und zerstört. weil in Polen großer Antisemitismus herrscht und die Juden be- schuldigt werden, mit dem Feinde unter einer Decke zu stecken. Sie haben in mehreren Orten die Deutschen freundlich aufgenommen, und die Deutschen vergalten ihnen das durch anständige BeHand- lung. Das genügte, um die Bevölkerung zu allerhand Schand- taten aufzustacheln. Diaii erzählte sich von den Verbrechen der Juden die unglaublichsten Dinge; einige dieser Geschichten sind so töricht, daß si« kein mit gesunden Sinnen begabter Mensch glauben würde, aber die russischen Soldaten glaubten alles, und die Folge waren sog.„Vergeltungsmaßregeln" und Plünderungen. Die Militärbehörden hätten dem leicht ein Ende machen können. Aber gerade sie waren es, die den Anschuldigungen Raum gaben und die„verdächtigen" Juden aufknüpfen ließen oder auswiesen. Den Rest besorgten dann die Soldaten....__ Die Wirkungen öes �bsinthverbotes. Die französische Regierung teilt halbamtlich mit: Der Feld- zug gegen einen unserer größten Feinde, den Absinth, verschärft sich von Tag zu Tag mehr. Ter Absinihverkauf wurde bekanntlich bald nach dem Ausbruch deS Krieges vollständig verboten. Nun wünscht man in weiten Kreisen, daß diese heilsame Maßregel eich- gültig und für immer Gefetz werden möge, und daß Zuwider- handelnde aufs strengste bestraft werden sollen. DaS Verbot des Nbsinthverkaufs und die Beschränkung deS Verkaufes anderer alko- holischer Getränke, die vornehmlich durch den frühzeitigen Schluß Tausender von Ausschankstellen erreicht wird, haben bereits wohl- tätige Wirkungen von größter Bedeutung hervorgebracht. Be- sonders hervorzuheben ist eine radikale Besserung in den gesund- heitlichen Venhaltnissen der Bevölkerung und das säst vollständige Verschwinden des Verbrechertums. Die amtlichen Statistiken hierüber sind noch nicht vollständig und sollen erst nach einigen Wochen erscheinen: aber man besitzt bereits genügende Daten, um behaupten zu können, daß die Beschränkung des Verkaufe? alko. bolischer Getränke, besonders aber das Absinthverbot, ausgezeichnete Ergebnisse geliefert haben. Nach Beendigung des Krieges werden alle diese Maßregeln sicherlich heftig bekämpft werden, da die Interessen der allmächtigen Schnapsfabrikanten groß und weit verbreitet sind; aber man glaubt, daß die Regierung stark genug sein wird, die einmal getroffenen Maßnahmen aufrechtzuerhalten, zu vervollkommnen und noch wirksamer zu gestalten.... Dekehrte Sünder. Unter den in den letzten Tagen gefallenen Franzosen befindet sich auch, wie eine Korrespondenz meldet, der Elementarlehrer Andrs Cbalopin. der vor dem Kriege einer der bekanntesten französischen Antimitiiaristen und Umstürzler gewesen sei. Während des Krieges habe sich dieser Cbalopin dann sehr gewandelt und Briese voller Begeisterung für da« Waffenhandwerk und den Krieg geschrieben. Und Cbalopin sei nicht der einzige Agitator, der auf den, Schlacht- felde feine umstürzlerischen Theorien aufgegeben hat. Ein sozio- listischer Abgeordneter, der als Arzt dient, hatte, wie französische Blätter berichteten, feierlich erklärt, daß er, falls er aus dem Kriege heil zurückkehren sollte, den Rest seine« Lebens Buße tun wolle, weil er Antimilitarist gewesen sei und als Mitglied de? Parlaments das Vaterland habe schwächen wollen....(Die Satire ist nicht übel.)'_ Notize«. — Theaterchronik. Die Eröffnungsvorstellung des V oll«« bühnentheater« am Bülowplatz mußte vom 28. auf Sonntag, den 27. Dezember, verschoben werden. — K u n st ch r o n i k. Bei Paul Cassirer werden wieder Ausstellungen in regelmäßiger Folge veranstaltet. Die soeben eröffnet- Ausstellung enthält eine größere Sammlung von Werken Theo v. Brockhusens. — Verband der Berliner Theaterkritiker. 3* einer stark besuchten Versammlung wurde dieser Tage ein„Verband der Berliner Theaterlritiker" begründet, der die Förderung der Be« rufS- und Standeöinteresien bezweckt. In den Vorstand wurden die Herren Prof. Alfted Klaar iLorsitzender), Heinrich Neumann istellva- tretender Vorsitzender). Dr. Friedrich Düfel(Schriftführer). Karl Strecker(stellvertretender Schrrftfithrcr) und Prof. Dr. Wilhelm Alt- mann(Schatzmeister) gewählt. — Zweierlei Maß.„Für die bei rm« schon eingegangenett und noch eintreffenden Barbeträge werden wir in der Mehrzahl Mannschaftsvakete im Werte von 1 Mark bi» l Mark 30 Pfennig und einen Teil Offizierspakete für 2Mark 60 Pfennig und 3 Mark zusammenstellen.' So beißt e« in dem Prospekt des Berlage« von ReclamS Universum an feine„verehrten Leserinnen und Leser'. Um auch die Reclam-Re- klame nicht zu vergesien, ist dann eine Anzahl Zettel mit Inhaltsangabe beigefügt, damit man sie auf solche Pakete lieben soll, die man selbst etwa zusammenstellt. Die Zettel enthalten nämlich den Vermerk, daß der Verlag Reclant die Sammlung veranstaltet.... 1] Erinnerungen. Von Zygmunt Bartkiewicz. Ein langer, dunkler Korridor. Draußen fror es. aber : drinnen war eine unangenehme, ungesunde Wame mtt m Genich von Schimmel, btlhgem Parfüm und dem ublen. lichen Geruch schalen Bieres. Es war schwulundsn� <4 einem Winkel ein Stög verbogener Hutschachteln, emc em? SS Krause, das Skelett eines Schirms, cme zer- ene bunte Schachtel und Schuhe. An«mem Strauß kener Blumen nagten Ratten, die. von dem Widerhall von ritten verscheucht, quikend in den Mauern der Riven ver �m�Ende des Korridors erschien ein Mann, der leise mutend und fluchend mit einem langen Besen nachlasfig ■tt Streifen des Korridors ausfegte. Vor dem welken auß blieb er stehen, sann nach, schüttelte den Kopf u luderte ihn mit dem Fuß m den Wmsi. ende1" Dn?, ist deine kurze Herrschaft und das ist dem Cnoe. cnwlw er und drohte' mit der geballten Faust nach der Ä-W»"Sİi' 1«.Än i'-'T, ic ä»nb&' im-'-»-'d-n-b W«'«<"<-»- S"""' ÄwräÄ et an der Glocke, als aber der An der Treppe rulieti ohne emen stärkeren lärung seiner erfolglosen Ta tg�e � � Ende, denn der „Kaffee l Kaff... �'£ imb 6oa if)n bis zur Erde. ten schnitt'dm daS gHnime schlug gegen die Eine unangenehme, verzweis unten, wie etn eiben. durchmaß die Ferne, wayreno°°_ ein düsterer Klang wte««"Ö£e|te fS.. »Wladyslaw. Wladpslaw kommen im� �„ chnell? Damit der Tod und bewegte mit chleppte sich müde über d-e Treppe he die alten, schmerzenden Fuße.„r fnarrte; Cin Der Korridor erwachte langsam. darin im "sielhaft entwickeltes. mageres M Ü n ni)ljt ÄT Ä'fÄS?".f, d°. lü-l». d.»» be- "it, mÄ"N"'« s Dir." � Mumie?' sagte Manka. ÄS'Ä.rü N-,.W- geworden, oder sonst was. Du Luder, mitten in der Nacht mit einem Geschrei, als wenn sie Dich ins Revier schleppen wollte.... Was ist denn?" Sie reckte sich und zupfte ihr dichtes, rotes Haar mit den eingeflochtencn roten Lockenhaltcrn zurecht.„Was ist denn?" Ihre schlanke Kameradin zerdrückte traurig und ein- geschüchtert die Spitze an ihrem Hemd und flüsterte nach einer Weile: „Siehst Du. ich komme zu Dir. wie zu einer Freundin. mit Herzensgcfühlen, und Du schimpfst mich aus, als wäre ich eine ganz Verlorene. Wir sind doch aus einer Stadt. Rianka.. Das stämmige Mädchen neigte sich zu ihr und blickte ihr aufmerksam in die Augen. „Was hast Du denn? Du hast geplärrt? Was ist ge- schchen. Andzia, was?" fragte sie sanft. „Manka, ich wollte Dir sagen, daß"— sie sah sich ängst- lich um—„Du darfst aber diesen Affen nichts sagen.... daß heute Weihnachtsabend ist." flüsterte sie wie erschrocken. Manka trat zurück, blickte mit ausdruckslosen Augen auf und iviederholte langsam: „Weihnachtsabend... heute?" „Ja, Heiligabend.... Im„Gebetbuch" steht eS mit Ochfenbuchstabcn. Ja. Manka..." Sie sahen sich eine Weile schweigend an, das stämmige Mädchen zog sich in die Nische zurück, setzte sich und fuhr, rasch atmend, mit der Hand über die Stirn, als wollte sie einen unangenehmen Gedanken verscheuchen. „Weihnachten. Heiligabend— heute." Ihre zarte Gefährtin kauerte sich neben sie und neigte den Kopf auf die bloßen, mageren Arme. „Ich wollte beten, aber... nichts... Ja, Manka...* ..Rede nicht, mag es ganz still sein." Der rote Kopf des strammen Mädchens fiel auf ihre Knie. In dem dunklen, düsteren Flur begann eS lebendig zu werden, Flüche flogen hin und her, ungezügeltes Lachen, über- tönt von einem zärtlichen Lied von einer„jungen Zigeunerin". Dann summte jemand gesühlvoll. aber falsch von Halkas Kummer, daneben aus einer halb geöffneten Tür drang eine laute Erzählung: „�ch sage Dir also, meine Liebe, ich habe alleS so genau vor mir gesehen, wie ich Dich sehe. Kaum hatte ich den Kopf ans Kiffen geschniiegt. da sah ich ein großes Heer. Ein Riesen- Heer, sage ich Dir. Ich weiß nicht, waren es unsere Soldaten, oder Kosaken, sie sprachen deutsch." „Na. nu l Was war es denn für ein Heer?" „Warte... Es zog mit Fahnen daher goldene Helme Pferde, wie die Teufel,— so viele, daß man sie nicht zählen konnte. Ich stehe wie eine Dumme da und schaue, wie eine Dumme, was daraus werden soll, plötzlich zittern meine Beine, denn der oberste Führer, ihr Offizier, ganz in Gold und Eisen, stürzt direkt auf mich zu.. „Ach, herrje! Und was?" „Ich habe mich furchtbar erschrocken, aber dann sagte ich mir: Was kann er dir schlimmstenfalls antun, dummes Mädchen. Ist es der erste, den du siehst? Während ich so überlege, stürzt er schon auf mich zu. Ein Bursche,— wie eine Rose, zum Entzücken, sag ich Dir, steigt vom Pferde. gibt mir Gold, Ringe, eine Uhr, zieht mir ein Armband über." „Ach. herrje!" „Was Du nur haben willst, gebe ich Dir, sagt er, Brillanten, Korallen, Türkise..." „Solche, wie Zoöka hat?" „Noch schönere, sagt er, ich muffe mich aber sofort mit ihm trauen lassen, denn er kann ohne mich nicht leben; wenn es aber nicht geht, dann muß er sterben und ich muß sterben. Mit diesem Halb steche ich Dich tot, sagt er, und der Helm war ganz von Silber, sag' ich Dir. So kam eö von Wort zu Wort, und obwohl ich den Gast zum erstenmal gesehen habe, denke ich mir, zu fürchten brauche ich ihn nicht, also gut. wir wollen Hochzeit machen. Kaum hatte ich daS gesagt, da hatte ich auch schon ein weißes Kleid an, von Gaze, und einen Tüllschleier, wie Bronkas, als sie den pockennarbigen tauptmann heiratete, und Blumen hatte ich im Haar. Rosen, hrysanthemen, ein Myrthenkränzchen steckte mir die Braut- jungfer an. ich war so fröhlich, ich kann'S nicht sagen, da plötzlich fühle ich einen Schlag aufs Maul, einen zweiten, noch kräftigeren.. „Im Traum?" „I wo! Ich öffne die Augen.— die Alte war's, die mir diese Maulschellen versetzte. Ich habe vergessen, die Lampen auszulöschen." „Ha, ha.— Ha! ach herrje!" brach die Kameradin, die bis jetzt mit feierlicher Andacht zugehört hatte, laut lachend aus,—„ha, ha, ha, ein verdammter Traum, ist das'nc reiche Hochzeit.... Ich wollte Dich schon um den Burschen beneiden, denn selbst im Traum ist so'waS angenehm,— und da..." „So groß war die Freude auch nicht", bemerkte aus der Ecke eines großen SofaS ein trauriges, hübsches Mädchen. „Selbst im Traum haben wir ein gemeines Schicksal; nicht ein Mensch, sondern ein russischer Offizier trifft sich unS.... Auch ein Glück, solch ein Paar l" „Möchtest wohl lieber Wladpsaw heiraten... würdest einen Krämerlaöen haben und die Achtung der Menschen." „Nein, nein. lieber gehe ich so zugrunde, alS daß ich einen Mann ohn Liebe heiraten und das ganze Leben Qual dulden sollte. Mögen daS die, die— Anständigen tun, sie können es aushalten, sich und ihn zu quälen.. ich aber— nicht. Das ganze Leben lang lügen und ihm nicht glauben, das ist eine schöne Liebe... solche Liebe und solche Äüffe sind nicht em Pfund Lumpen wert.... Ein Strick ist mir lieber. wenn er den Hals umfaßt, ist eS aufrichtig und fest.. (Forts, folgt) Sn'efkasten der Redaktion. Zic illrVisÄs ArcAstunde findet für Womienten Stndenst». Z, IV..Hof rechts, p ort ire, cun Montag biZ Freitag von 3 tis 6 Uhr, am Sonnabend bon S bis S Uhr statt. Jeder für den B r i e f k a st e n bestimmten Anfrage ist ein Buchitabe- und eine Zahl als Merkzeichen berzufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Anfragen, denen feine AbonnsmentSauittung beigefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. Scrträgr, SchristslKcke und dcrglcichen bringe man in die Sprechstunde mit. No. M. 800. Degen Lungenleidens dienstuntauglich. L. M. 80. Zurückgestellt wegen Herzleidens.— I. G 888. Ist uns nicht bekannt; fragen Sie Beim Magistrat an.— B. 6. Nein.— S. T. Venn der Wut Jbrem Mann die Kündigung nicht zugestellt bat, ist fie nicht rechts- verbindlich• machen Sie dem Wirt davon Mitteilung. Der Hauswirt iann Jachen einbehalten, fie aber während des Krieges nicht verlausen. Ver- suchen Sie es mit einer Beschwerde beim Magistrat.— W. U. 35. Fa. K. W. 03. Ja.— R. L. 33. 1. Ja; wann wissen wir nicht. 2. Niemand. 3. Sie müssen jemand beauftragen, der sich um Jbren Hausstand kümmert. 4. Teilen Sie der Bersicherungsgelellschaft mit, dan Sie ein. gezogen werden und einstweilen nicht wester zadlen.— C. M. 35. l. Zurückgestellt wegen Krankbcilen der Unlerleibsorgane. 2. Wegen Krops- bildung zurückgestellt.— N. O. 55. Die Klage hat Aussicht aus Erfolg. Der Anspruch verjährt erst in zwei Jahren.— O. 17. Sie haiten iür die Miete bis zum Ablaut des Berti aqes. Die Sachen können m>t Beschlag belegt werden. Der Wirt kann Klage erheben, fie aber, wenn sre im Felds sind, nicht durchsühren. Die Militärbehörde wird Ihnen dazu kaum Zeit gewähren.— A. W. 100. Beschweren Sic sich beim Magistrat. — F. W. 34. 1. Bersucken Sic es mit einer Beschwerde. 2. Wenden Sie sich an den Mctallarbeiterverband. 3. Fragen Sie beim Magistrat an. — L. 10. Bluterkrankung.— L. 57. Wegen Untcrleibsleiden landsturmpflichtig.— W. F. 71. Sie können noch cinbeiufen werden.— Bo. 33. 1. Wegen Nervenleiden landsturmpslichtig. 2. Ist nicht zu empfehlen. 3 Ja.— F. B. 41. 1. Wegen Herzleidens landsturmpflichtig. 2. Ja.— A. S. 49. Sie haben noch mit einer Einberufung zu rechnen. �itMUUiiiiiituumiiiiiiiiiUMiiiiiiiiuiuiiiiaimiiiutiHfuiiiuimiiHUiiiiiiitiiiiuuiiiiiiM «I Unsere Geschäfte sind 5- bis 9 Uhr abends seöffnet miXPIMIItliniili tiiMHniiinnmntomiimniiii? * * * Wurstwaren AJandorf&e Spittelmarkt Belle-Ailiancestr. Grosse Frankfurterstr. Brunnenstr. Kottfauser Damm Wilmersdortersfr. Obst und Gemüse I & 1 I M Cervelat- od. Salamiwurst Ptnndl.??0 Teewurst..................... 1,25 Mettwurst°°-50p-. Junge Schoten �0 Mirabellen................... i>o« 85 Erdbeeren....................'f.v»s°1.10 Pflaumen.....................-/,v«--50k''- Lebensmittel Lebensmittel nicht am Spittelmarkt. 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Pfund 1,20» 1,40 Bücklinge.................. 3 stach 20 p*- Sprottbücklinge............ pmnd 48 p» BeiSardinen 39, 55, 65 p Bei Gardinen c» 20 stach intmit 95 p*- Weizenmehl 00.......... 5 pmnd 1.15 Weizenmehl Raureif... 5 pmnd 1.30 Spielwaren- Ausstellung Pfefferkuchen Im HMieM onfeut auf im Siiem wm 9(1011(1(11 Smsid! Aus dem Schlschtfettc im Osten fiel unser Genosse, der Metall. arbeit« tSS/18 Hermann Ziehe. Auf dem Schlachtfeld« im Westen fiel unser Genosse Leopold Schimmer. Sorlaldemokrst. Wahlverein Nowawes. Am Sonnabend, den IS. Dezember, entschlies unser hochverehrter Chef, der Hoslieserant 722b Herr Hvinnick Frost. I» den langen Jahren als Inhaber des Geschäfts hat er in vor bildlicher Treue und Hingebung gewirkt. Durch sein Fachwissen hat er sich viele Ersolge erworben. Wir verlieren in ihm einen treuen Be< rater und betrauern einen gütigen Ches. vis Meister und das Betriebspersonal. Die Beerdigung findet morgen Ästlwoch, nachmittags 3 Uhr, aus dem Luisenstädtischen Kirchhos, Bergmannftratze, statt. ZoMeWki'atiscbei'Vaiilvei'eln t. d. 2. Bepl. ReicbstapwalilkFeis. Bezirk 55 Nachruf. Am 8. d. MtS. verstarb plötzlich unser Genosse, der Kaufmann Richard Ernst Frobenstr. 23. Ehre seinem Andenken Z' Die Beerdigung hat bereits stattgisundezl. 201111 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wablterein Am 18. Dezember verstarb unser Parteigenosie Karl Lckfeidef Hermannstr. 31. St. Bezirk. Ehre seiue« Andenken! Die Beerdigung findet heute DienStag, den 22. Dezember, nachm. 3 Uhr, von der Leichen» balle des Iicuköllncr Gemeinde» Friedhofes, Rariendoiser Weg, aus statt. Um rege Beteiitgiing ersucht Der Verstand. Ärbeiter-SehwiinnivEreln,. Berlin" M. d. A..W..V. Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unsere Schwimmgenossen Ernst iisns ehem. Vereins. Schwimmwart am 7. d Mts. im Kriegslazareit gestorben, ebenso der Abteilungs» Schwimmwart Andmssolm aus dem Kampsplatz in Frank« reich gefallen ist. Die Mstglieder werden ihnen ein dauerndes Andenken bewahren. 291/6 Ter Btorftand. S»SSSSISz Unserem lieben Freund Bärsch nebst Gemahlin senden zur Silberhochzeit die herzlichsten Glückwünsche? K. R. A. X. A. S. SozIaldemokratiseberWahlverein 1. d. Uerl. Reichstagswahlkreis Köpenicker Viertel. Bezirk 17t. Den Mitgliedcnr zur Nachricht. daß unser Genosse, der Barbier Karl Mücke (SRcmtcuffelftt. 6) gestorben ist, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 23. Dezember. nachmittags 3 Uhr, von der Halle veS EmmauS. Kirchhofes in Neu- kölln, Hermanm'traße. auS statt. 218/10" Der Verstand. M-Mw-Vtoi Berlin. Mitg. d. Arb.-Wassersport-Verb. Abteilung V. Bei den Kämpfen im Westen fiel unser lieber Schwimmgenosse Wilh. Andreassohn Ehre seinem Andenken! veulscher Bauarheiterrerband. Zweigrerein Berlin. Nachruf. Am 17. Dezember starb das Mitglied 145/6 Jobann Niebel. Ehre seine« Andenke«! Tie örtliche Verwaltung. Heines Werke > 3 Sitih 4 Mark» Buchhandlung Vorwärt» Lluautwortlichu Redatttur: Alfrrd Meie»». Neukölln. Kür de« furBerschalt Allen Mitgliedern zur Nachricht, dag unsere liebe Turn- fchwestcr Margarete Weise am 19. Dezember nach kurzer Krankheit verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Di« Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. Dezember. nachmittags»/j* Uhr, aus dem neuen Jakobi-Kirchhos, Hermann- ilratze, statt. Rege Beteiligung erwartet 185/4 Ter Vorstand. Berlin-Lichterlelder Männer-Cher M. d. A.-S.-B. In dem Kampfe gegen Rup- land fiel unier lieber Sanges- bruder, der Wehrmann i�kbafd Scheibe. Ehre seinem Andenke«! 53/94 Der Verstand. Stumm schläft der Sänger! Tanksagung. �gsb Für die>ege Beteiligung bei der Feuerbestattung meiner lieben Frau Anna Jacobi sage allen Verwandten und Bekannte» sewi« den Genossinnen und Genossen von Friedrichshagen herzliche« Taut. Albert Jaeobl. 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