Nr. 264.- 1914. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Freitag, 23. Dezember. Zelöweihnacht. Kameraü, als wie marschiert, Sie Sonne schien noch heißer, Sa haben grüne Reiser Sen Helm uns schön geziert. Wir stnS wohl lange fort.— der Schnee Seckt rings Sie ZelSer unü jeüe Nacht wirü kälter— die Reiser sind verdorrt. Unü heut soll Weihnacht sein! kann auf dem Bahnhof in Empfang ge.mmmen, rhn durch das tewühl geleitet und ihn-ndl.ch m der Drosch e verstaut hatte ber ihre fürsorglichen Hände konnten auch dort mcht zur Ruhe jmmen. Während der Kutscher sanft die über den a ten eisbeinigeu Schimmel schnalzen lieg und das Gefährt sich langsam r Fahrt setzte, stopfte Frau Huschke Mit ihren flmken. immer be- .eglichen Händen die Wolldecke um den Gatten fest und fragte dre,- ,al: Frierst Du auch wirklich nicht?"» Richard Huschke schüttelte lächelnd den bartigen Kopf, Iletz i-e achsichlig gewähren, lehnte sich tief'n die Ecke und sagte gähnend: Schön ist das. Marihe. Schön, nach Hause zu kommen und warm '"��BelonderS.�wemt's grab Weihnachten ist, Richard." Ka nicht wahr? Weihnachten!... D,e armen Kameraden a draußen! ZLa? werden die für Lichter anstecken!" Sic tastete an seinem Aermel entlang, noch immer für ihn be- >rgt und strich ihn, das Haar hinter s Ohr... Er zuckle zusammen und hielt rhr die Hand fest-„Ist ichon ut, Martha. Und den Kopf, nicht?, den laßt Du zufrieden. '?ß sie�nihig �chiVsitze��Die'Hauptsache ist daß der Ver- and Wif-äft Es heilt ja gut, aber wenn mir gerade einer an d,e Zw ll« kommt, wo die verdammte Russenkugel'ncn Happen raus- ebissen hat, dann könnt' ich noch!*r" 'Und'dann �Mariha�kemen" Radau, hörst Tu? Ich mein' zu iaus mZ dem Kinde und so. Es geht mir alles durch und durch." '�a��Du'biil° auch' artig Er lächle und tätschelte ihre Hand, i«:? � i�» s-stb.eU„Ich weiss ja. Sag' auch bloss so. eL no� Sie wollten mich ja noch gar nicht Du Beicheid we k... � mein lieber Huschke, -gw dtt �Oberstabsarzt."Aber ick Hab' natürlich mächtig forsch «m» Tis sinf, noifinachtcn Das Wort macht ja jeden ein bißchen 'S versprochen,' ganz vorsichtig zu ,em. U wh�nnch über Dein Telegramm gefreut habe, Richard, °s"km n iw �taar nicht beschreiben. Nun haben wir doch noch lchlig' Weihnächten Hab' ich zu Lieschen gesagt, und dann bin ich m ihr Tu her?,ube herumgetanzt. Einen Baum und was dazu -hört, Hab' ich'gleich gestern besorgt. Der ist f-rt'g zum Brennen. lloß Richard sie zögene. 'Si 11 mein �-°«ir°brauch-n uns ja nichts zu schenken lber jü! Lüsche. Das Kind will so gern'ne grössere Puppe -den. Ich wusst' nicht, ob ich es in dieser Ze.t d'ranwenden darf. „Aber gewiss, Martha." Er holte sein Portemonnaie eilig aus der Tasche und gab es ihr.„Ich Hab' doch nun wochenlang gespart. Und daS Kind freut sich gewiß schon darauf. Laß vor irgendeinem Warenhaus halten und nimm sie gleich mit, sonst fehlt doch eine in der Familie." Er lachte. So geschah es auch. Aber nachdem Frau Huschke diese Sorge loS war und den Pappkarton mit der Puppe im Wagen hatte, überfiel sie eine neue Unruhe:„Wenn Du nur erst die vier Treppen'raufwärst, Richard! Eh' ich Dich nicht auf dem Sofa habe, bin ich nicht zufrieden. Deine Hausjacke Hab' ich schon hingelegt und Deine Pantoffeln hinter den Ofen gestellt." Huschke lehnte mit geschlossenen Augen in der Wagenecke und kicherte leise:„Tu, das haben wir im Schützengraben auch immer so gemacht.... Aber wegen der vier Treppen sei man unbesorgt: ich lauf' ja nicht auf dem Kopf." Sie lächelte. Er hielt wieder ihre Hand in der seinen, und in ihr wurde es ganz ruhig. Die peinigende Unsicherheit der ver- gangenen Tage löste sich' auf: aus seiner Hand ging es wie ein Kraftstrom in sie über, und eine zuversichtliche stille Heilerkeit er- füllte sie. Der alte steifbeinige Schimmel trabte noch immer in eintöniger Gleichmäßigkeit durch die Dtraßen. Sie wohnten draußen in der äußersten Vorstadt. Menschen tauchten auf und verschwanden, Autos jagten an ihnen vorüber, und zuweilen warf ein grosser, heller Laden mit blinkender Auslage seinen Schein aus den Wagen. Nun sah Frau Huschke. dass ihr Mann schlief, das Lächeln von vorhin noch auf den Lippen. Und sie wünschte, die Fahrt möge nicht vor seinem natürlichen Erwachen enden. Aber endlich waren sie doch am Ziel, nachdem sie noch einige hundert Meter auf einem holperigen Steinpflaster zurückgelegt hatten, Das rüttelte ihn auf: er starrte ein wenig schreckhaft umher, be- ruhigte sich aber gleich wieder. „Wir sind da, Richard. „Zu Hause," sagte er.„Zu Hause." Sie lobme den Kutscher ab und drängte ihren Mann mit vor- sichtiger Hast durch Tür und Hausflur. Tann geleitete sie ihn wie einen Lahmen dse Treppe hinauf, trotzdem er sicher Stufe für Stufe nahm. Ihre sorgenvolle Miene überwachte jeden Schritt. Als er sich oben ein wenig erschöpft ans Geländer lehnte, meinte sie bedeutsam:„Ja. siehst Du! Das Steigen greift doch auch den Kopf an!" „Du hast eben wieder recht, Martha." Und dann waren sie in der Stube. Im Nu brannte daS Licht. Huichke reckte fröhlich die Arme und sagte noch einmal:„Zu Ham'e I" Aber er halte nicht viel Zeil, sich diesem Gefühl ganz hinzugeben, denn nun bemühte sich seine Frau, ihn mit möglichster Eile auS Mantel, Rock und Stiesel zu bringen. Der Ofen strömte eine beängstigende Wärme aus, aber Huschke mußte noch in die dicke Hausjacke kriechen. Und als er lachend auf dem Sofa saß. steckte Frau Martha ihm jeden Filzpantoffel einzeln an die Fütze. Er ließ den frohen Blick durch den alten, bekannten Raum und über den kleinen, silberblitzenden Tannenbaum schweifen und sagte tief auf- atmend:„Ja, Mutter, hier ist eS n o ch schöner als in der Droschke. ... Aber wo ist Lieschen?" „Gleich!" Die kleine, lebendige Frau wirbelte erst noch einige Male auS der Stube in die Küche und umgekehrt, packte den Karton aus und setzte die Puppe mit dem Gesicht nach der Tür auf Lieschens Platz unter den Weihnachtsbaum, neben den Teller mit Nüssen. Aepfeln und Pfefferkuchen. Dann zündete sie die Kerzen an, stand eine Weile prüfend vor dem Baum und sagte mit strahlenden Augen:„Du bist unser Geschenk, Richard, und eigentlich müßte ich Dich unter den Baum legen.... Nein, bleib man sitzen.... Etwas Hab' ich aber doch für Dich, hier..." Sie brachte ihm eine Pfeife und einen gefüllten Tabakbeutel. Dafür erhielt sie einen Kutz, und zwar einen recht langen, und dann sagte er:„Kauf Dir aus meinem Portemonnaie, was Du willst. Martha!" „Nein, Erstens Hab' ich Dich selber ja schon, und Du kannst Dich auch viel billiger revanchieren. Gib mir noch solch' einen Kuß, Richard! Aber genau so!"... DaS fünfjährige Lieschen befand sich bei einer Nachbarin. Als es hereingeführt wurde, blieb es mit grossen, staunenden Augen stehen. „Die Puppe!" schrie sie jauchzend und lief darauf z«. Zögert» dann und fragte schüchtern:„Ist daS meine?" - Die Viulter nickte lächelnd. „Ach. die ist aber fein!" Vorsichtig nahm sie daS Geschenk auf den Arm und beäugte es genau. „Das hat Dir der Weihnachtsmann mitgebracht. Sieh mal, da hinterin Baum, auf dem Sofa, sitzt er." Lieschen spähte vorsichtig um den Baum herum, trat einen Schritt näher und betrachtete neugierig, mit unsicheren Augen den Vater, Dann sah sie fragend zur Mutter auf. „Ja, kennst Du Deinen Vater nicht mehr?" „Vater hat dock nickt solchen langen BartI" Die Eltern lachten laut. „Lacken tut er wie Vater." meinte Lieschen. Ihre Neugier trieb sie ihm näher und näher, er ließ sie lächelnd herankommen. „Bist Du Vater? Wo hast Du den grossen Bart ber?" Da ergriff er sie, die sich noch ein wenig sträubte und krampfhast die Puppe im Ar», hielt, und küßte das Kind stürmisch ab.„Kennst Du»rich jetzt?" Sie nickle.„Ten ollen Bart mußt Du abschneiden... Hast Du mir die Puppe mitgebrächt?. Schöne Puppe!" Sie streichelte sie liebevoll. Und während Frau Huschke ein und aus ging und den Tisch besorgte, tändelte der Vater glücklich mit dem Kinde. Er hatte sich in die Ecke zurückgelehnt, horchte aus das Geplauder, blickte in das leise Flackern der Baumkerzcn und geriet in ein leichtes Träumen Lieschen hatte sich, nun ganz zutraulich, tief in seinen Arm gelehnt und sang leise mit ihrem feinen, dünneil Stimmchen:„£ du selige o du fröhliche, guaden bringende Weihnachtszeit.. Frau Huschke blieb in der Tür stehen mit grossen, glückliche!, eXThettil" can9le fclc Nachbarin mit ihrem siebenjährige« spielen. Obwohl man daS weih, ist«S m Deutsehland wohl aus geschlossen, cmen richtigen Vollreis zu bekommen. Da der Reis für die Bolkseruährung in Deutschland nicht dieselbe Rolle spielt wie das Brot, wäre es allerdings noch wichtiger, V o l l k o r n m e h l herzustellen. Die darauf gerichteten Bemühungen waren meist auf die Auf' schließung der Kleie beschränkt, die dann dem weihen Mehl zu gemengt wurde. Richtiger wäre cS jedenfalls, bei der Herstellung von Vollkornmehl vom ganzen gereinigten Roggenkorn aus zugehen, es in einem einheitlichen Arbeitsgange und auf rein mechanische Weise in Vollkornmehl zu verwandeln. DaS Bollkornmebl braucht bei der Teigbereitung mehr Wasser als helles Roggenmehl, man könnte aber die Grenze bestimmen. indem man festsetzt, dah aus 100 Kilogramm Vollkornmehl nicht mehr als 140 Kilogramm Vollkornbrot gebocken wird. Ein solches Brot hält sich viel länger frisch und geniehbar als das schnell austrocknende und schnell strohig werdende helle Roggenbrot. Der Bundesrat hat ja auch eine stärkere Ausmahlung des Brotes an geordnet, so dah also das Kriegsmehl mehr Kleie enthält. Dah solches Vollbrot nicht schädlich ist. sondern vom menscdlichen Körper sogar besser ausgenutzt wird, ist vor zwei Wochen auch in der Berliner Physiologischen Gesellschaft aut Grund eingehender Ver suche von Zuntz dargelegt worden. Noch aus eine andere günstige Folge der Vollkornernählung weist Klopfer hin. Nur sehr wenige Menschen erfreuen sich gesunder Zähne. Eine Vollkornernährung mit ihrem normalen Gehalt an Nährsalzen würde in dieser Be' ziehung wahrscheinlich Wandel schaffen. Theater. KomödrenhauS: Biedermeier, Lustspiel von Walter Stein. Nach einem ziemlich langweiligen, dürftigen ersten Akte lenkte das Stückchen in die Bahnen einer gefällig temperierten Unterhaltsamkeit ein und brachte es zu einem freundlichen HciterkeitS- erfolge. Der beliebte Komödienkonflikl konservativ an dem Gewohnten hastender Alten in einer der Bevormundung entwachsenen, respekt loS neuerungssüchtigen„modernen* Jugend wird hier in den Kostümen der Biedermeierzeit am Beispiel einer kleinstädtischen Kaufmanns firma abgehandelt. Lohmeyer jun., den der Papa zur Ausbildung nach Berlin gesandt, kehrt von der künftigen Weltstadt mit gefähr' lichen Umsturzideen zurück. Er will die Gänsekiele auf dem Schreib tisch durch richtige Stahlfedern, das alte Hauptbuch, in dem die Zahlen niemals stimmten, durch italienische Buchführung ersetzen, den Schneckengang des Warenumsatzes beschleunigen, gemüiloS gegen säumige und dennoch zahlungsfähige Kunden prozessieren, ja schlief lich daS Kontor vom Frübstückszimmer trennen, kurz, naseweis und ruchlos mit jeder Art ehrwürdiger und erprobter Sitte brechen. Statt der Pfeife raucht der Mensch Zigarren und scheut sich nicht einmal, an der Seite einer gastierenden Ovcrndiva Arm in Arm durch die Ströhen zu promenieren. Der cholerisch-iyrannische Papa fällt über die Gclbschnabel-Kübnheiien des Spröhlings aus einer Entrüstung in die andere, bis er am Ende, durch Wiederrufung eine« von dem hellen Söhnchen klug eingefädelten Geschäfts am Geldbeutel gestrast, in seinem Unfehlbarkeilsglauben erschüttert wird. Die Komik dieser Kämpfe wird durch die Figur des alten Loh' meherschen Kompagnons, der weder im Geschäft noch im Hause jemals etwas sagen durfte, und nun an dem entfachten Streite sich schadenfroh ergötzt, bühnenwirksam unterstützt. Um den Erfolg machte sich in erster Reihe Eugen Burg, der dem energischen jungen Streber eine Folie ganz eigenartiger LiebenS' Würdigkeit verlieh, und Hermann Picha, der ausgezeichnet Humor- volle Darsteller des sanft geruhsamen Kompagnons, verdient, dt. Mustk. „Der liebe Pepi* heiht ein von den Herren Decker Springet versahtcr und von Walter Goetze musikalisch illustrierter Schwank, der in MonliS Operetlen-Tbeater bei seiner Uraufführung einen hübschen Erfolg hatte. Die Textaioren machten das Ende einer heimlich vollzogenen Liebesheirat, für deren Tatsache ein vier» jähriger, dreiviettel Zentner schwerer Junge Zeugnis abgibt, zum Angelpunkt der ganzen Handlung. Um die etwas beiklige Geschichte vor der Familie des jungen Ehepaares ins Lot zu bringen, muh ein öfterreichicher Dragonerleutnant— in Uniform natürlich— all seine diplomatischen Finessen aufwenden. Zwar ist'S ein schwierig Stück— aber„Ter liebe Pepi*, besagter Leutnant nämlich, vollbringt es zu allseiliger Zufriedenheit. Bei diesem Werberdrenst holt er sich auch sein eigenes Lieb. Der Komponist hat eS an netter Musik nicht fehlen lassen, al« da find: Tänze, Trio«, Lieder usw. Etwas altmodisch mutet aller- „Leise!* warnte Frau Huschke. „Ich Hab' ne Trompete*, flüsterte der Junge.„Frau Huichke! 'ne richtige Trompete I* „Dah Du Dich nicht unterstehst!* sagte die Mutter.„Hier darfst Du nicht blasen.* Die beiden Frauen horchten gerührt auf das feine, singende Stimmchen und blickten auf Huschke, der die Augen geschloffen hatte und lächelte. Dem Jungen ward eS unbehaglich; er drückte sich vorsichtig zur Tür hinaus. Aber auf dem Korridor kam es mit Macki über ihn. Dah sie seine Trompete so gar nicht beachteten I Er muhte blasen! Wenn auch nur ganz leise. Er setzte vorsichtig die Sippen an. brachte keinen Ton heraus. Er steigerte seine Anstrengungen. vergah darüber alle Vorsicht, und plötzlich rih ein Heller, schmettern- der Mihton kurz und scharf abgebrochen die Stille entzwei. „Bengel!* Die Mutter war mit ihm im Fluge hinaus. Frau Huschke harte auch unwillkürlich zwei Schritte nach ihm getan, hörte eS in der Stube pollern und eilte zurück. Ihr Mann hatte' sich starr ausgerichtet ugd warf wilde Blicke umher. Lieschen sah auf der Erde und weinte. Und neben ihr lag die Puppe mit zerbrochenem Hals... „Richard! Um GolteSwillen!* Sie tastete machtlos an ihm herum und versuchte, ihn auf da« Sofa zu drücken. Aber er wehrte sie ab:„Weg! Weg!' Sein Aiem ging stohweise i er hatte einen Fuh vorgestreckt und die Fäuste geballt. Und noch immer liefen die Blicke wild in der Stube umher, bis sie an der Puppe am Boden haften blieben. Da fielen ihm die Arme herab, sein Auge ward stier, und er murmelte:„Tot!* Hob ratlos die Arme:„Tot!* „Aber Richard, Richard!* Frau Huschke rief eS weinend und entsetzt.„Komm zu Dir! Du träumst! DaS ist doch die Puppe!* „Blut I* sagte er und lieh sich nun willig aufs Sofa drücken. „Blut!* „ES ist ja kein Blut. Richard! ES find doch nur Sägespäne Sie streichelte ihm die Wangen und wiederholte fortgesetzt: „Die Puppe, Richard. Kein Blut, bloh Sägespäne.* „Sägespäne!' Die Spannung in ihm lieh allmählich nach. Er lächelte matt und sah dann erstaunt zu ihr auf.„WaS war denn. Martha? Mir war eben ganz dumm. Ich dachte, ich wäre...* Eine Handbewegung.„Aber ich bin ja zu Hause!* Ganz verwundert. „Warum weinst Du denn. Lieschen? Komm, mein Kind. Vater kauft Dir morgen'ne neue Puppe, viel schöner noch als die andere.* „Viel schöner,* sagte Lieschen im Weinen, schon halb getröstet. und stand auf. „Und ich,* Frau Martha drohte nach der Tür.„lah keinen mehr herein. Keinen! Richard, Hab ich eine Angst ausgestanden I* Sie hielt beide Hände aus der heftig atmenden Brust. Er spähte noch einmal mir einem leisen Argwohn zu Boden und lächelte glücklich:„Es sind ja bloß Sögespäne, Martha.* Und Frau Martha holte den Besen und fegte sie eilig aus. ' Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wielepp. Neukölln. ding? seine Vorliebe für HarfenglissandoS an; wie auch darin ein Widerspruch gesunden werden kann, dah zunächst cancanartig auf der Bühne hernmgesprungen, hernach aber dem Wiener Walzer ein HymnuS dargebracht wird. Ob Goetze jemals über die bisherige Opereltenschablone hinaus zu neuen Formen gelangt, bleibt obzu- warten. Immerhin kann man sein Erstlingswerk als Abschlags« zahlung gelten lasten. vi:. kleines Feuilleton. Er schmierte wie man Stiefel jchmiert... Der.Simvlicissiiniis' bringt eine Geschichte„Der Tod in Flandern* von Adolf Köster, eine Novelle, die mit groher Betrieb- samkeit jene Erzählung von den jungen Regimenlein bedichtet, die mit dem Gesang von„Tevtschland. Deutschland über alle«* in? Feuer gingen. Nach der naiven Auffastung des Novellisten ist da« >o zu verstehen, das; die jungen Kriegsfrciwilli-e» das Lied nichl etwa nur beim Anmarsch sangen, iondern huchstäblich heim Vor- geben rn Schützenlinie(„über alle? in der Welt') mit Hiniver'en und Austpringen l.wen» eS stets zum(!) Schntz und Trutze*) usw. uliv., bis hin zum feindlichen Schötz'-ngraben(„von der Maas bis an die Memel*). zum Bajoneiikampf(„von der Ett'ch bis an den Bell")»sw. usw. Tatsächlich ist die betreffende Zeile des Liedes jeweils de» siinf Zeilen in Sperrdruck beigefügt, in denen die Enlwickeluvg de? GekeatS aeschildert wird! Dieie primitive Vorstelliing eine« braven Nichtkombattanten findet ihr Gegenstück in der Chronologie der Erc'gniffe, die Köster schildert. Seine jungen Heldenvrimaner stellen sich beim Kriegs- auSbruch als Freiwillige.„Sie wurden zehn Wochen lang ausgebildet*, heistt eS dann. Aber, o Wunder, nach- dem sie dann noch drei Wochen in Belgien gelegen haben, rekeln sie sich immer noch...„in der September sonne auf der Wiese*! Von Anfang August dreizehn Wochen gerechnet— das gibt bei anderen Leuten schon Milte November. Aber dann könnten sie sich ja nicht mehr auf der Diese rekeln! Natürlich geht eS so nun immer weiter. Sie warten noch einige Wochen, und dann, nachdem sie auch noch acht Tage in der Front lagen, weht ein kräftiger— Oktoberwind Warum? Da eS doch nun. nach mindestens 16 Wochen, Dezember sein müstke! Warum? Weil zu der Phantasie de« Dichter« gebort. dah die Primaner zweimal einen Fluh durchschwimmen und einen ganzen Tag lang auf Bäumen hocken müssen. Zehn Mann.' Zur Beobachtung des Feindes. Hierauf vergehen wieder einige Wochen(von Ende Okiober bis Mitte November). Die Geschichte spielt nun also eigentlich schon im Januar ISIS. Und siebt im„SimplicistimuS* vom 22. Dezember. So dichlet ein gewandter Mann, um den Anschluß nicht zu ver paffen. Wie sang doch Platen von einem(immerhin noch lange nicht s o fixen) Kollegen? „Er schmierte, wie man Stiefel schmiert. Vergebt mir diese Trope, Und war ein Held an Fruchtbarkeit, Wie Calderon und Lope.* ?talienijX:e®rI"qo)' T(»iuuo; Usysilgv 4- Jim jj-j siuoj!>?«'u?i?j))q gisjj$?9i?« m?] isqo pvq viuoy?Si?m i?®)'so3' i i sq??q3 9(u?v'!0j chäxs uuv, Ol*iji wq Iii?,« qun usrnnnt-j-xXF??uiim 9mu NomPZ) p-j gnv g I+cot; 'Sq3 1-k.o'I'103 8 ÜB»"!'IPX 5*'' kD qun-pt-j ichaj Ijuoj) �»Z'! Evausgambit. ». Freimann. Falk. 1. e4, e5; 2. Sß, Sc6; 3. Lc4, Lc5. 4. b2— b4 Lc5Xb4I 5. o2— c8 Lb4— ob Besser ist La5!, um aus d2— d4 mit d?— d6! den Bo5 decken zu können, i Siehe unsere Spalte vom IS. Dezembe.) 6. d2— d4!..... Die« ist stärker al« S. 9—0, dS; 7. d4, Lb6!; 8. de. de; 9. DXDt, SXD; 10. SXe5, lie6jc Annähernd Ausgleich. 0...... 65Xd4 7. 0—0! d7-d6! Schwarz bat nicht» Besseres. Z.B.: 1..... de; 8. LXnt. KXL; 9. Ddör, Kk8; 10, DXL4, d«; 11. DXcS, vkS; 12. Db3, DXT?; 13. Lb2, Saß; 14. Dc2, DXa2; LXsflj nebfl DXD. Oder 7.... da; 8. Sjr5, Sh6; ö sxn. SXS; 10. LXST, KXL; 11. DhSf, tfi; 12. DXL. d6; 13. Dd5+, LeS; 14. VXäS mit gutem Spiel. 8. cSXd4 LoS— b6 9. Sbt— c3 Sc6— aö Gilt als daS beste. Auch bei g.... Lei; 10. Lb5, Ld7; 11. c5, de; iC Tel, Sge7; 13. 65-c. hat Weiß starten Angriff. 10. Lcl-ff5! 17— fö Bei 10.... Se7 entwickelt sich der Angriff mit 11. 365, K; 12. LXfßl gXkS; 13. SXfe+, Kf8; 14. Sg5 neb-i evcnt. Dh5 ic. 11. Lgö-eS Sa5Xc4 In einer anderen Partie solgt«: 11.... Lg4; 12. Le2, Se7; IS. 65. 0-0; 14. LXL, aXM; 15. 364. Ld7; 16. 14, Sg6; 17, Lg4 2t zu gunffen von Weiß wegen der Schwäch« de» Felde» eS. 12. Ddl— a4t Dd8— 67 13. Da4Xe4 1)67-17 14. So3— d5 Lc8— e6 Auch 14... c6; 15. SXL, ttXb6; 16. 1)b4 2t ist eher jilr Weiß günstig. IS. Vo4-a4i- Le6-d7 Auf Dd7 wlgl SXL 16. Da4— c2 Ta8— c8 17. a2— a4 Lb0— a5 18. Dc2— b2 Ld7— c6? Etwa» besser war Tb8 oder c7— c8. Aber Schwarz steht sowieso nicht gut. und in schlechten Stellungen isl auch die llore Uebersicht aller Drohungen de» Gegner» gewöhnlich getrübt. Diese Psychologie bewirkt dann sehr ost schwächere Züge. 19. 365—14 b7— b6 LXe4 gehl nicht wegen EbSi- und aus Tb8 folgt 64— 65 nebit LXa7. 20. 64- 65 Le6-d7 21 Sf8— 64 Sg8-e7 22 S{4— eö.... Der Springer beherrscht nun da» ganze Spiel. '22...... o7—o« 23. L©3-d2 La6Xd2 24. Db2Xd2 c6Xd5 25. 04X65 Ld7Xe6 Aus 8X65 enlscheidel 815! 26. 8d4Xe6 Ke8— d7? 27. Tfl-el Th8— c8 28. Dd2 63 Ausgegeben. Die Drohung Dböf ist nichl zu parieren. De: Verlaus dieser theo» retisch intcressanien PaUie illustriert die sogenannie„Aormalvarianle* de» avanZgambit und bildet einen Beleg für unsere Behauplung in der Ana- lose vom 19. Dezember, daß 5.... La5! besser ist als 5.... Lo5? Für den Inseratenteil verantto.: TH-Glocke.Derlin. Druck ruVerlaa: Vorwärts Buchdruckerei u. LerlagSanstaU Paul Singer& Eo„ Berlin SW.