Kr. 267.- 1914. Unterhaltungsblatt des vorwärts Doullerstag, 3!. Dezember. Silvester. Von �i,om»s Seiles)Zlärict». Einzig Sie See üumpftönenö, Einzig im holzwerk üie Maus, Einzig üer wllöe Vinö stöhnenü Ueber dem einsamen Haus. Trübster Silvester von allen, die ich erlebt noch?— am herö Sei Sem Scheit, halb in flsthe zerfallen, Sitz' ich allein unö verstört; denk' an zwei Gräber, liegend drausten, wo's rieselt und eist; Eins, wo der Habicht, sich wiegend, Ueber den Schlachtfeldern kreist. flch, und das andre! die Stelle, Pfuhl, von der Salzflut zerleckt, hebt fich und stakt mit der Welle» die uosero Seemann bedeckt. Seide gefallen!?m Äede Eange noch stngt man davon. Seiden der Ruhm und der 5riede» Seiden das Kreuz und die Krön'! Ich doch must klagen und tragen, Klagen am Winterstrand hier. Sag', herz, in deinem verzagen Was ist geblieben dir! Einzig die See dumpstöaead, Einzig im holzwerk die Maus, Einzig der wilde Wind stöhnend Ueber dem einsamen Haus. DentW, von frtUigrath. Die öeutsthen Seeleute in England. Folgendes hochinteresiante Dokument bringt das.Verliner Togeblott'. ein Dokument, das mau jedem nackidrücklilbst unter die Kaie reiben iollte. der da verlangt, Deutschland solle seine Ge- fangenen brutaler behandeln: Nation»! Saüors' and Firemea's Union ol Great Britain and Ireland. ?«ncentratioa Camp, Eaftcote, Ziarthamptoushirc(England). 17. November ISlt. An die Redaktion des »Berliner Tageblatts- Berlin. Wenn Sie folgendes in(||Hr im Auslände verbreitetes Blatt aufnehmen wollten, würden meme Kameraden sowie auch ich Ihnen zu Dank verpflichtet sein! Bei Ausbruch des Krieges zwischen Deutschland und England wurden die deutschen und österreichischen, auf englischen Kauffabrlei» schiffen fahrenden Berufsseeleute, welche sich in England be- fanden, zuerst unter polizeiliche Aussicht gestellt! ihre Freihcil wurde ihnen wohl gelassen, doch dursten sie England nicht verlassen. Biele andere Seeleute sowie ich selbst kamen erst nach dem Ausbruch des Krieges von Reisen nach England zurüd. Selbstverständlich waren wir alle gezwungen, unsere Schiffe zu verlassen, wir wurden eben- sallS unter Polizeiaufsicht gestellt und erhielten den Befehl. daS Land nicht zu verlassen. Nun waren wir zwar im Besitz unserer Freiheit, nur waren wir außer Arbeit und Verdienst. Da trat unser Seemannsverband für uns ein: er ist der zweit- stärkste Verband in ganz Großbritannien! der Gründer und Präsi denk deS Verbandes ist Sir I. Havelock Wilson. Er ist ein edel gesinnter Mann, seine Liebe zu den Seeleuten hat ihm zur Lebens aufgäbe gemacht, für die Interessen der Seeleute sowie für deren Rechte zu kämpfen. Bei Ausbruch des Krieges hat unser Präsident beantragt und eS auch durchgesetzt, daß der Verband den deutschen Mitgliedern in England zur Seite stehe. Er hat von der Regierung die Erlaubnis erhalten, die deutschen Seeleute unter seine Aufsicht nehmen zu dürfen. Der Verband hat für diesen Zweck ein Gut von 30 Ackern für den Preis von 3000 Pfund Sterling— 60 000 M. gekauft; es ist in schöner gesunder Gegend gelegen. Nach dem Kriege wird hier vom Verbände ein Heim für olle Seeleute gegründet werden. Die Einrichtung des Lager? ist folgende: Ein großes, zirka 800 bis 900 Mann fassendes Zelt dient als Speiiezelt; es wird erwärmt von sechs großen KokSdauerbrandöfen und ist sehr gut erleuchtet; an daS große Zelt stößt die Küche und die Bäckerei! beide unter Aussicht des Präsidenten, find Muster der Sauberkeit und praktischen Einrichtung. Das Essen ist krästig und gesund. Geschlafen wird zurzeit in kleineren Zelten, welche auf einer hochgelegenen Wiese aufgeschlagen sind. Die Zelte sind alle mit dichten Holzböden versehen. In jedem Zelt schlafen acht bis zehn Mann; wer kein eigenes Bettzeug ha», bekommt eine Stroh malratze und warme Decken. Der ganze Logervlatz ist bei Eintritt der Dunkelheit hell erleuchtet. Ein Waschhaus mit Kalt- und Warm- wassereinrrchlung sowie zwölf Brausebäder sind im Bau begriffen, ebenso ein anderes großes Zelt, welches als Lese- und Schreibezelt benutzt werden soll. Unser Präsident ist so für unser Wohl bedacht. daß ihm die Schlafzelte nicht zulogen. er will heizbare hölzerne Baracken als Schlafräume einrichten. Die Bewachung des Lagers ist in Händen von Zivilbehörden. Eine Schubmacherwerkstatt ist vorhanden, eS kann ein jeder seine Schuhe unentgeltlich reparieren lassen. Einiges Arbeitszeug ist an Leute verteilt worden, welche wenig Zeug halten. Die in der Küche. Bäckerei und die zur Be- dienung zugeteilten Leute erhalten wöchentlich eine kleine Gratifi kation. Wir alle haben tagsüber bei der weiteren Einrichtung und Vervollständigung des Lagers mit Hand anzulegen. Im übrigen sind die ganzen Bauten und Einrichtungen unter Leitung von Fach- männern von uns selbst errichtet und gemacht worden. Wer Lust bat. Ueberstunden zu machen, kann arbeiten, und zwar gegen eine Be- zahlung von 6 Pence---- SO Pfennig pro Stunde. Der Verband will den in England wohnenden Familien der deutschen Mitglieder eine Unterstützung zukommen lassen. Dreimal in der Woche gibt eS Bier und Zigaretten oder Tabak. Ein Arzt ist stets erreichbar, auch ist ein Hospital eingerichtet worden. Für UnterhaltungSspiele, englische und deutsche Lektüre ist gesorgt. Einige von unseren Kameraden, welche vom Soldatenlager herübergekommen find, erzählen uns. daß die gefangenen Soldaten es nicht so gut wie wir haben, jedow ouck gut behandelt werden! sie haben im ganzen unentgeltlich Schuhe und Kleider erhalten. Die Leute unseres Ortes sind sehr nett! viele unterhalten sich mit unS. bringen unS Zigaretten und Obst oder Zeitschriften. Einer Dame, der ich offen meine Verwunderung über die un« erwiesene Freundlichkeit auSiprach. sagte mir. daß Angehörige vieler englischer Familien in Deutschland gefangen gehalten werden, sie geben sich der Hoffnung hin. daß m Deuisckiland gleichfalls gute M-nichen ein kleine» tun werden, um den Gefangenen die Loge zu erleichtern. Ich komme zu dem Zweck meine« Briefe«: icki appelliere dringend an das deutsche Gemüt. Wenn jemand in der Lage ist. durH eine Kleinigkeit die Lage der in Deutschland Gefangenen em wenig zu erleichtern, sollte er«S gerne tun. denn gerade wir wissen, wie sehr in dieser Zeit eine erwiesene Freundlichkeit und Gutherzigkeit wohsi tut. ES wäre mir Vergeltung dessen, was an uns hier getan wird Wir wären sehr stolz, wenn wir hörten, daß die Deutschen ihre Ge< fangenen auch sehr gut behandelten. Ein deutscher Seemann. Die ältesten Neujahrswünsthe. Gutes zu Neujahr hat man sich natürlich schon früh gewünscht, ob- gleich eine Zeitlang die Kirche von dieser Sitte nicht« wissen mochte und auf ihre Uebung sogar hart- Strafe setzte. Ja. man hatte im Mittelalter viel mehr Gelegenheit als jeyt, sich NeujabrSwünsche darzubringen, weil e« sechs verschiedene NeujahrSansänge gab. nämlich den 1. Januar, den 1 Mmz. 25. März(Ostern), t Gep. »ember und 25. Dezember, wöbe« bemerkt werden mag. daß dieser letzte NrujadrSanfang sich in Brandenburg und in Schlesien bi« ins sechzehnte Jahrhundert erhielt. Und man gratulierte einander rech ausführlich. Der älteste derartige, in die Literawr übergegangen Glückwunich. der in einer wahricheinlich aus dem vierzehnten Jahr hundert stammenden Handschrift ausgezeichnet ist, ist poetisch geholte und umfaßt drei Strophen. AIS die Buchdruckerkunst aufkam, warf sie bald auch gedruckt ReujahrSwünfche auf den Markt. Der älteste, den wir kennen, ii ein Kupferstich von dem unbekannten, nur mit den Anfangsbuchstabe' seines RamenS bezeichneten Meister E. S. Mittelpunkt der bild lichen Darstellung ist das auf einer pbantastischen, sormenreichei Blume stehende Christsind, das ein Spruchband hält mit der Ii' schrist:„Ein gout selig jor." Daß das Christkind den Neujahrs Wunsch darbringt, erklärt sich daraus, daß für den Künstle und seine Zeitgenossen daS Jahr mit dem Weihnächte feste begann, die aufblühende Blume ist das Sinnbil für das anbrechende Jahr. Man druckte wohl auch Neu jahrSwünsche auf Kalender, und in Nürnberg bewahrt man eine« mit Lettern gedruckten Kalender für 1478 auf. mit dem Wunsche ,.�in gut sälig jar". Er steht auf einem Spruchbande, das von Christkinde und einer Taube mit ausgebreiteten Flügeln getragci wird. Auch dieie symbolische Darstellung weist auf den Neujahr:- anfang zu Weihnachten hin. Man pflegte nämlich die erste Hälsi des WeidnachlsjahreS. die Zeit, in der die Tage an Länge zunehmen durch das Christkind und eine Taube mit ausgebreiteten Flügeln zi iymholisteren, die zweite Hälfte aber mit abnehmenden Tagen dura Johannes den Täufer und eine Taube mit geschlossenen Flügel» Man dachte dabei an daS Wort des Evangeliums Johannes 8, 30 «Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen." Später vergaß man die hieraus erwachsende Symbolik, und ei> gleichfalls in Nürnberg aufbewahrter Wandkalender läßt zwo wieder das Christkind und einen Bogel dos Spruchband halten ober es ist diesmal ein Hahn und keine Taube. Die Jnschrif lautet:„leb bin eyn weterban, Ein seligs Jor verkund icl jedennan, Das will ich allen geben, Die in gotts koroin lebeu." Freilich, das alles waren keine Neujahrskarten, sondern Neujahr« bogen und Zkeujahrsbläiier; die erste Neujahrskarte tauchte eri auf. als die Visitenkarten gang und gäbe geworden waren; du älteste, tm Germanischen Mmeum vorhandene, ist von dem.gehor- iomsten Sohne E. A. Welser seinem Hochlheuersteii Herrn Papa", der. Nürnberger Patrizier Carl v. Welser. mit zopfigen Versen gewidmel Heute liebt man dergleichen nicht mehr und beschränlt sich auf ein paar kurze Worte:'.Ein glückliche« neues Jahr" und fügt dicSma. höchstens hinzu:»Und ein friedliches!" Ein englisches Kriegsftück. Die hochgradige Geistesverwirrung, die jetzt au« so vielen Aeußerungen der Oeffentlichkeit zu unS spricht, hinterlaßt nicki nur in der Presse, sondern auch in der Literatur ihre deutlichen Spuren und die geradezu kindischen Machwerke, zu denen sich selbü die besten Schriftsteller hinreißen lassen, werden einmal ii ruhigeren Zeiten als bleibende Dentmäler dieser geistigen Er krankung de« Publikum« dem Kulturhistoriker wertvoll sein. Einen neuen Höhepunkt zu der grotesken Lerkcnnung der wirklichen Ver hältnisse. in dem willenlosen Nachstammeln gewisser Schlagwortr. mit denen man die öffentliche Meinung umnebelt, erhalte« wir nun zur Abwechselung in dem einaktigen Krieg Zstück des eng lifchen Dramatikers Sir Jame« M. Barrie, das den deutsche! Titel.Der Tag" führt und zu« erstenmal lurz vor Weihnachten im Coliseum aufgeführt wurde. Es ist eine Traumszene, in der »ein Kaiser" die Hauptrolle spielt. Daß dieser Kaiser der deutsch Kaiser ist, darüber bleibt keinen Augenblick im Zweifel, wer der vollen Wortlaut liest, der im„Daily Telegraph" veröffentlicht wird. Zu dem Kaiser, der„aus einem harten Stuhl in Gedanken sitzt", kommen der Kanzler und ein Adjutant und wollen ihn zu> Unterzeichnung eine« Papiers zwingen, durch das„das Vaterland in Krreg mit Frankreich und Rußland versetzt ist". Der Kaiser in unentschlossen, aber der Kanzler versichert ihn. daß er Englan. nicht zu fürchten brauche; das sei nur noch„«in übcrmästeder Baue! von Land, obne rotes Blut in ihm, sondern gefüllt mit einer dicke! gelben Flüssigkeit. Englands Rolle in der Welt ist auSgespiel, „ich war" seine Gradschrift. Trotzdem zögert der Kaiser noü immer und befiehlt den Beiden, fich zu entfernen und sich später! seinen Bescheid zu holen. Allein gelassen, enthüllt er nun sehijä Gedanken. „Rotes Blut kocht in meinen Adern, die ganze Welt ist mein! eigen. Ich höre Taufende von Nachtigallen. Ich könnte alle Ele fanten in Hindoslan essen und mir die Zähne mit dem Turm bc Stvaßburger Münsters stochern." Praktischer sind dann sein.' j weiteren Gedankengänge.„Selbst eines Herrschers Leben ist niu kleines Feuilleton. das Eaöe üer Schlachtenbilüer. „..2? der Maflän� Rassegna d'Artc" schreibt der bekannte italienische Kunstkrutker Ugo O,ettt:„Auch dieser große Krieg wird einmal em Ende nehmen. Er wird nicht, wie viele glauben mögen, ganz plötzlich, aii einem Tag«, mit einem einzigen Friedens» vertrage, zebn oder zwölf schönen Siegeln unter dem Vertrags» text und ebenso vielen Seufzern der Erleichterung endigen. Er wird vielmehr endigen wie ein Erdbeben, mit immer schwächer werdenden Erschütterungen; aber er wird schließlich ein Ende nehmen. Und wenn der Friede wiedergekehrt sein wird, werden wir dann wohl die Schlachtenmalerei wieder ausblühen sehen? Gewiß doch. Für die Vielzuvielcn ist die Malerei nur Illustration. und in einer Ausstellung vergrößert und bunt bemalt die Zeichnungen. die jetzt in den großen englischen, deutschen und franzö. fischen illustrierten Zeitungen erscheinen, wiederzufinden, wird für die Beschauer ein schöner Trost und für die Maler, wie wir hoffen. ein gutes Cleschäst sein. Man könnte noch hinzufügen, daß die Malerei auch ein Propagandamittel ist; der Maler wird als Volks- erzieher und Heldenverherrlicher gepriesen werden, auch wenn er als Künstler nicht gepriesen werden kann. Aber es ist andererseits sicher, daß wir nicht mehr jene end- losen Reihen von militärischen„SujetS". die in: vorigen Jahr- hundert da» Entzücken des Bublitums und der Kritiker bildeten. in die Ausstellungen gelangen sehen werden. Und das aus drei Gründen. Der erste Grund ist. daß man die Schlacht heutzutage nicht mehr sieht, was man silb von den Soldaten und Journalisten aller Nationen jeden Tag bestätigen lassen kann: man tötet sich auf Entfernungen von vielen Seitometern und Kilometern, oder während man sicb in Schützengräben unter der Erde sicher glaubt. Der-weite Grund ist. daß es mit der malerischen Wirkung der Helmbüschc, der KolpakZ. der mit Gold bestickten, buntfarbigen Uniformen vorüber ist. Man sehe sich auf einem Bilde de« Baron» Gros, des offiziellen Malers der napolconischen schlachten, den Kaiser mit seinem Stabe an und betrachte dann aus irgendeiner der hundert Photographien dieser Tage Loffre unter seinen Ossi- zieren: man wird dann sofort erkennen, daß ein Maler, der etwa« „Farbenreiches" bieten will, vor einer Prozession auf dem Lande besser dran ist. Der dritte Grund ist. daß der Sinn der Kunstler jetzt nicht aus mehr oder minder malerische Illustration, auf das mehr oder minder heroische und rübeendc Genrebild, sondern auf fast„statuarische" Einfachheit gerichtet ist. Heutzutage>utd gute Malereivorwürfe fast nur die ausgezeichneten Bildhauerelvorwurfe. und seitdem man Feuerwaffen kennt, also seit einigen Jahr- Hunderten, hat die Bildhauerei nicht mehr einen Kampf zum Borwurf zu nehmen gewagt. Tiefe Bemerkungen haben natürlich nur einen relativen Derb ES hraucht nur ein tüchtiger Künstler zu erstehen und da» Gegenteil von dem. wa» ich hier geschrieben habe,.zu tun. und alle meine Argumente, die Argumente eine» Neutralen, sind keinen Pfifferling wert.. flü* üer„Krtegszeitung". Die„KrieaSzeüung für da» XV. Armeekorps", die in einer, fran- zösischen Stadl herausgegeben wird, bringt in ihrer WeihnachtS- nummer folgende Scherze: „Können Sie ickiwiinnien, Gefreiter?" „Zu Beiebl, Herr Leutnant!" .Na, dann holen Sie mir mal mein Fernglas au« dem Schützengraben!"— Schnitze /beim Braten einer GonS):„Wie ich ihr gekriegt Hab'? Mein lieber Freund, streng reell. Also ich steh' aus vor- poste». Plötzlich schleicht sie sich heran. Ich rufe:„Wer da?" Aver sie gibt keine Antwort. Na, und da Hab' ich sie dann erschossen!" » Vor Velkort liegt eine Schützenkette von Londwebrmännern. Eine Kugel schlag« einem der Leute den Helm ab. Gleichmütig bückt sich der Mann danach und setzt den Helm wieder auf. Da« Gei-cht gebt weiter. Zum zweitenmal wird der Lonbwebrmann am Helm getroffen. Und wieder bedeckt er sich ohne eine Spur von Eiregung. Aber der Gegner ist bartnäckig. Eine drille Kugel durchbohrt die Pickelhaube. Der Landwehrmann nimmt si« ab und legt sie neben sich. Abermal» kommt ein« Kugel geflogen. Sie streift die Schädel- decke des Landwebrmanns und zieh: eure lange, blutig« Rinne. „Hö ä!" lachte da der Brave,„diesmal seid Ihr aber rinn- gefallen!"_ weltgeschichtliche Neujahrstage. Wie das Weibnachldsest, mit dem bekanntlich eine« der folgen- schwersten Ereignisse der europäischen Geschichte, die Kaiserkrönung KarlS des Großen durch Papst Leo im Jahre 800. verknüpft ist. so ermnert auch der NeujahrSlag an mancherlei weltgeschichtliche« Ge- schehe»»m Wandel der Jabrianfende. Aus den von Böhmer und Waiy erforschten Regeste» des alten Deulichen Reiche» wissen wir, daß der Stanfer Heinrich VI. am 1. Januar 1194 die Urkunde unter- zeichnete, die die stziliichen Normanucnbarone zu qualvollem Tode— blenden, vierteilen, lebendig einmauern u'w. � verurteilte und die Einziehung Siziliens als staiifischeS HauSgul bestätigte. Damit war der Weg beschritten, der über die glänzenden Tag« Kaiser Friedrich« II. zum Sckafott in Neapel führte, auf dem 1268 der junge Konradin verblutete. Eine schneesturmdurchpeitschte Silvesternacht war es, da Gustav II. Adolph mit Oxenstierna, Wrangel, Torstenson ruu Banär im Stockholmer Schlosse, das damals nur ein bessere: Serrenbau« war. den entscheidenden Kronrat hielt, in dem er den iwedischen Adel für die Intervention im Dreißigjährigen Krieg gewann. Innere Schwierigkeiten verzögerten zwar da« Eingreifen der damaligen Großmacht des Nordens, aber die Würfel waren ge worfen. Bekannt ist Blücher« Rheinübergang bei Caub in de: Neujahr«nacht 1813. Durch ganz Europa ging es wie ein elektrische Schlag, al« Napoleon IN., damals im irischen Lorbeer de« Krim kriege» auf der Höhe seiner Mach!, beim NeujahrSempfang der Ge sandten am 1. Januar 1858 dem österreichischen Botschafter die be rühmten Worte sagte:„Ich bedaure, daß die Beziehungen Ihrer Regierung zu der meinigen nicht so gut sind, wie ich eS wünschte"— die Ankündigung de« italienischen Kriege«, dem die Einigung Italiens folgte. Eine FrredenSbotschaft aber brachte— möge dir Erinnerung eine gute Borbedeutung sein-- der letzte historische NeujabrStag. der l. Januar 1905: den Frieden von PortSmontb. der den blutigen rusfilch-japanischen Krieg beendete. die englischen Universitäten im K.'ieg. „Die englischen Universiiälen"— schreibt die„Daily Nelv«�— „haben dl« Verpflichtung, zu beweisen, daß sie ein wesentlicher Bc standreil der Nation sind." Oxford und Cambridge haben etwa je 1500 Studenten in Waffen; in geringerer Zahl sind die söhottischeu Studenten zu den Fahnen geeilt; Edinburg zum Berspiel. die größte der vier Nniversiiäten Schottland», schickte 600 junge Leute auf den Kontinent. Einige Professoren und VerwaltungSbcomte haben be reu» in Flandern den Tod gefunden. Oxford und Cambridge sind voll von belgischen und kanzöiiiche» Studenten, die gezwungen sind. in England ihre Studien fortzusetzen. In Cambridge hatte man ursprünglich daran gedacht die gesamte Universität Löwen, Lehrer und Schüler, in die bestehende Korporation auszunehmen—«in Vorschlag, der aber nicht ausgeführt wurde. Doch sind augenblick- l'ch dort immerhin sieben Löwener Piosessoren. zwei au« Gent und einer au« Lille, die mit ihren belgischen und sronzösischen Schirlern eine pvilosophische, eine juristische und eine technische Fakultät gebildet haben._ Notize». — Volksbühne. Die bereits zweimal verschobene«: öffnung des Thealer« der Neuen Freien Volksbühne ging auch beim dritten angesetzte» Termin, gestern abend, nicht glatt von statten In letzter Stunde mußt« wegen technischer Störungen der„Gör abgesetzt und dafür„Wenn der junge Wein blüht" gespielt werden Ueber die Gründe, die das Schickial zu dieser hartnäckigen Ab neigung gegen das alte Ritterdrama veranlaßten, ist nichts bekann: geworden. in Tag, und in diesem Tag steht nur einmal die Gönne im ZtUich. )reZ ist mein Zenith. Die ganze Welt drebt sich um mich in dieser lacht."(St wird Napoleon in den«chatten stellen.„Paris in nst Wochen, sagen wir vier, um jede falsche Berechnung auSzu- tstictzen. Ruhland aus der anderen Seite in sed.-, und dann ist r da,— der Tag!" Von Calais geht's über den Kanal, die eng- sche Flotte wird zerstört, Großbritannien �erobert.„Fch will em eroberten England ein paar Kugeln zum Spielen lassen, damit un Aufstand entsteht. Dann schneide ich Amerika in große Stücke rr meine Kolonisten, denn nun beherrsche ich die Meere. Di?- rtor der Welt! Herrscher über alles! Gott im Himmel. Ich auf rden— wir zwei! lEr runzelt drobend seine Brauen:) Und ann sind da noch die Zeppeline! Ich werde unterzeichnen." Nachdem er sich zu diesem Entschluß durchgerungen hat, er- steint dem Kaiser der..Geist der Kultur, eine edle Frauengestalt •t weißen Kleidern". Dieser Geist sührt sich als ein besonderer ireund der Deutschen ein und bittet den Kaiser, seine Pläne hübsch ein zu lassen. Und stehe da! Seine Warnungen scheinen auch irsolg zu haben. Als der Kanzler und der Adjutant wieder ereinkommen, zerreißt der Kaiser das Papier, worauf sich die seiden„ärgerlich, aber ehrerbietig" zurückziehen. Die Entscheidung ig bei mir," triumphiert der Kaiser,„und ich sagte, es soll Frieden ein. Das sei mein Zenith! Aber damit ist das Stück noch lange ichr zu Ende. Er schläft wieder ein, hört die Kanonen donnern ind die Granaren pfeifen; er sieht in dieser Vision die völlig zer- arte Kathedrale- von Reims, und nun ist auch der.Geist der lultur" wieder da und nwckt ibn auf. Ter Geist mahnt ihn an die Zirklichkeit; seine friedliche Absicht war nur Traum; er hat den irieg erklärt, und England, das er degeneriert und machtlos laubic, macht ibm am meisten zu schaffen.„Gott kann es nicht ulässen, daß mein Deutschland ganz vernichtet wird!" ruft der laiser aus, und der Geist der Kultur antwortet ihm mit der Zchlußphrase:„Wenn Gott mit den Verhstndeten ist, wird Dwitich- and nicht ganz vernichtet werden. Lebe wohl!" sDie Kultur sendet sich zum Gehen, sie nimmt eine Pistole von der Wand und :gr sie in seine Hand. Sie geht fort mit leuchtenden Augen. bai Pfenniglicht brennt niedrig. Ter große Kaiser verliert sich n feinen Schatten.)" Von diesem„Drama" stellt ein englischer Kritiker begeistert est, daß der Verfasser daraufhin mit niemandem verglichen werden önne als mit Aeschylos und daß dieses..Kriegsstück" an die .Perser" des griechischen Tragikers heranreiche. Oer prosaische Krieg. Gegenüber den vielen Schilderungen, die dem Kriege schöne Zeiten abzugewinnen suchen, wird der folgende Feldpostbrief eines ranzösischen Soldaten im„Temps" Zntereste finden, den die .Wiener Arbeiter-Zeitung" mitteilt: Ich schreibe Ihnen aus einer deutschen Feldposttartc. die ich in stirem soeben eroberten Schützengraben, morgens um MS, mitsamt inxm angefangenen Briese gefunden habe. Dabei liegt einer jener zrauen ZRänwl, wie sie die Deutschen tragen und die sie uns be. 'anders zur Nachtzeit so unsichtbar machen. Obwohl der Mantel -an Schrapnells durchlöchert und mit Blut beslecki ist, packe ich mich wch gern darin«in, denn e» ist furchtbar kalt. Es gibt nichts Widerwärtigeres als dieses Dasein in den Schützengräben, das wir seit vollen sechs Tagen führen. Löcher im kalten Boden, wo man ißt, schläft und größtenteils wacht. Wer herausschlüpst, riskiert seine Haut, denn die da drüben sind scharf auf jeden, der sich sehen läßt. Alle zwei bis drei Tage, manchmal nur alle fünf oder sechs Tage gverden wir abgelöst. Das geschieht dann immer nachts und in aller Stille, denn sobald die da drüben etwas merken, über- schütten sie uns mit Blei. Ein einzige- ihrer Maschinengewehre kann sechshundert Schüsse in der Minute abgeben. Rur in der Nacht pflegen auch einige Lebensmittel eingeschmuggelt zu werden: ein Stück Rindfleisch, ein halbes Brot, dazu Kaffee, der natürlich vreistens kalt ankommt. Der Krieg ist nicht schön. Er hat im Gegenteil sogar etwas Schreckliches. Der persönliche Mut kann sich nicht recht betätigen. Man muß iich meistens passiv verhalten. Seit dem 20. Oktober, wo ich zum erstenmal ins Feuer kam. habe ich den verschiedensten Lperitionen beigewohnt: wurde höllisch bombardiert, half ein reizende- Dörfchen erobern in der weiten Mgifckien Ebene, stürmte feindliche Schützengräben, wobci� unser Regiment surcktbarc Verluste erlitt— und dennoch, stellen Sie sich vor, ich habe nur ein einzigesinal, als ich aus Patrouille war, einen Deutschen gesehen. Graue«chatten hinter einer Hecke, die uns erst überfallen wollten und dann davonstoben, das war olles. Der Tod regiert hier unsichtbar; die Kugeln singen Dir Dein Sterbelied leise um die Ohren. Granaten kommen lärmend von irgendwoher durch die Lüfte gesaust und wühlen grausige Löcher in die Leiber der Menschen. Wer seine Nerven bezwingen kann, macht gute Figur; aber der Mut ist. wie gesagt, rein passiv. Ba- joncttangriffe sind ziemlich selten und kommen eigentlich nur im Falle von Ueberrumpelungen vor. Man ichleicht durch die Nacht, kriecht durch den Schmutz, über ein Rübcnseld, und wenn das Wunder wirklich geschieht, daß man auf dreißig bis vierzig Meter an die feindlichen Schützengräben bcrankommt. ohne vom Kugel- regen hingemäht zu werdest, der eine Kompagnie von 250 Mann in wcnigsn Minuten erledigt, dann endlich erlebt man den Mo- mens, wo man den unsichtbaren Deutschen aus den Leib rücken darf. Noch kenne ick die Furcht nicht, obwohl mir neulich die Beide, an der ich mich hielt, in der Hand zersplittert«; aber ich mache mir auch kein Verdienst daraus. Es ist lediglich Sacke de- Tempera- mcnts, des inneren Gleichgewichts und ein klein wenig, aber nicht viel, auch der WillcnSerziohung. Die Wirkung öes Kanonenöonners auf das Gehör. Der betäubende Lärm der Geschütze ist unter allen Sinnes- Wahrnehmungen, die dem Menschen während einer Schlacht auf- gezwungen werden, die gewaltsamste, und es ist oft davon ge- sprochen worden, daß diese stärken Erschütterungen des Trommel- fells nicht ohne eine dauernde Schädigung des Gehörs ertragen werden könnten. Dies Bedenken hat selbstverständlich zu sorg- fältigen Untersuchungen Veranlasiung gegeben, die schon vor 15 Iahren eingeleitet wurden und seitdem mehrfach wiederholt worden sind. Ein Arzt der Berliner Charit« hat ausführlich über die Ergebnisse von Beobachtungen berichtet, die er bei der Gelegen- heit von Schießübungen der Fußarlillerie in Jütirbog gemacht hat. Am ersten und zweiten Tage der Uebungen wurde aus g-Zeutsmetsr-Geschützön mit einer Ladung von 1,6 Kilogramm rauchschwachen Blättchenpulvers geschossen. Gerade diese Geschütze zeichnen sich durch einen besonders scharfen, grellen, kurzen und hohen Schall aus. Es wurden 21 Leute �von der Geschützbedienung geprüft, die der Schallwirkung von 90 Schüssen ausgesetzt waren. Am dritten Tage kamen schwere 12-Zcntimeter-Geschüye mit einer Ladung von 1,1 Kilogramm an die Reihe, in einer anderen Batterie lö-Zentimeler-Nickelstahlgeschütze mit 1 Kilogramm Pulverladung, die ersteren zu 70. die letzteren zu 90 Schüssen. Von der Bedienung dieser Geschütze wurden 30 Mann umersucht. Tie erwähnten Kanonen standen mit Bezug aus den Knall den damals schwersten Mörsern— die so sorgfältig gebcim gehaltenen „Brummer" kamen noch nickt in Frage— nickst nach und per- ursackten, namentlim wenn salveniveise aus 6 Geschützen gleich- zeitig geschossen wird, tatsächlich einen betäubenden Lärm. Es besiebt die Vorschrift, daß die Bedienungsmannichah wäbrend des Schießens Watte in den Obren zu tragen hat. Trommelfellzer- reißungen kommen daher selten vor, in einem ganzen Fahr nur ein einziges Mal. Die ärzilirbc llnternichung der Leute erstreckie sich einmal auf die Besichtigung des äußeren Gchörgangs und des Trommelfells, dann auf die Dauer der Wahrnehmung einer Stimmgabel durch die Schadelknochen hindurch, drittens auf d'« Gehörempsindlichkeit gegen Hobe und tiefe Stimmgabeln durch die Luft hindurch, endlich auf die Hörweite für Flüstersprache. Von den 102 untersuchten Lhreu erwiesen sich nur 31 a!- ganz normal, während sonst überall geringfügige Abweichungen von der gesunden Beschaffenheit des Gehörs vorhanden waren. Die Untersuchung mit dem Ohrenspicgcl aber zeigte, daß bei etwa der Hälfte der Mannschaften die Beschaffenheit des Obrs vor und nach dem Schießen dieselbe gcbiieben war. Bei der anderen Hälfte waren trotz des Wattcschutzeß am Trommelfell bzw. im äußeren Gekörgang Veränderungen eingetreten, und zwär eine Blutüberfüllung, die zweifellos auf die schweren Schallerschsitw- rungett zurückzitsühren war. In sieben Fällen wurden außerdem Blutaussritte aus den Gesäßen festgestellt, während eine Abnahme de? Hörvcrmögcns für Flüstersprachc damit aussallenderwetse nicht verbunden war. Das wichtigste Ergebnis der Untersuchung aber ist darin zu sehen, daß die vor dem Schießen als normal bezeichneten Obren auch nach der Uebung fast ausnahmslos un- verändert geblieben waren. Von den 51 geprüften Leuten traten subfektivc Beschwerden nur bei Vieren auf, gcwöbnlich als„Brum- men im Kopf" bezeichnet. Eine dauernde Schädigung ihres GeKörS tragen die Mann« schatten, die nur zwei Jahre dienen, selten davon, dagegen iiitd anhaltende Beschwerden, wie Schwerhörigkeit und Ohrensausen bei Offizieren und Unteroffzieren, die den Schießübungen jabre- lang regelmäßig beiwohnen, nicht ganz selten. Die Tatsache aber, daß die durch den Geschützdonner nachteilig beeinflußten Obren schon vor dem Schießen einen unnormalen Zustand zeigten, weist darauf hin, daß im wesentlichen nur die Personen einen solchen Schaden zu gegenwärtigen haben, deren Gehör bereits nicht mebr ganz gesund war. Es ist daher nach diesen Untersuchungen dafür Sorge getragen worden, daß Kapitulanten und OsfizierSaspiranten, deren Ohren keine normale Beschaffenheit ausweisen, vom Dienst wenigstens bei der Futzartillerie zurückgewiesen werden, während Mannschafren mit geringen Abweichungen vom normalen Zustand zum zweijährigen Dienst auch bei dieser Truppengattung unbe- denklich eingestellt werden können. Verkäufe. TePVich-Dhotntts. Ormnenstr. 14 vostbillig sordiehlerbastc Teppiche, iarhintn. VortvärtSlesern 5 Prozent 'ickrarabatt. 10K� Monatsanzüge, nur wenig ge- ragen. Palet-sts, Ulster, Hosen. Gi- �kichastsanzuge werden spottbillig •ert-nift. Die elegantesten Anzöge :nb leihweise billig ja haben. 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