Nr. 4.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Mittwoch, 6. laimnr. Die Künstler und öee Krieg. Von Rudolf F r a n 3.*) „Im Juli steckten wir in der Politik, in dem� Schmutze niederer Interessen, in dem Programmklüngel lauter Schreier. Und mit einem Schlage sehen wir all die Tugenden unserer Ahnen wieder erstehen; unsere Fehler sind in nichts Zerstoben... Wir trugen die Maske der Dekadeng. aber das Zerrbild wich, und wir können uns wieder bewundernd betrachten: Das Antlitz ist schön und es steht uns wohl an.. So schrieb— die„Tägliche Rundschau"? Nein. So schrieb der„Figaro", am 31. August. Das heißt, es stand auch in der „Täglichen Rundschau", nämlich zitiert. Um zu zeigen, was die Franzosen sich einbilden. Aber ganz genau dieselben Sünden- bckenntnige waren im August in deutschen Blättern zu lesen: Herrgott, ich danke dir, daß ich nicht bin wie— ich gestern noch war. Da hieß es im„Berliner Tageblatt":„Der schmachtende junge Mann mst der Polkatolle und der Talmieleganz des Lebejünglil'gs hat sich zum ernsten Vaterlandsverteidiger gewandelt, und die girrende junge Dame in der durch den vielverheißenden Augenauf- schlag Lügen gestraften Tngendpose ist zur gefühlsstarken deutschen Jungfrau herangereift, die von dem ins Feld ziehenden Geliebten mit tapfer niedergekämpfter Rührung Abschied nimmt."— Da pries Arthur Holitscher den Zustand der Verbrüderung, der ja in den ersten Kriegstvochen so manchem gekommen zu sein schien, und fragte:„Soll nach dieser großen Zeit, die heute jeder von uns durchlebt, dieser größten Zeit seit Gedenken der heute lebenden Menschen, die alte Lauheit, Halbheit, Haß und Ueberhebnng, Lüge, Hochmut und Bedrückung wieder Besitz ergreifen von uns allen?..." — Und eine Persönlichkeit wie Gabriele Reuter schrieb im„Tag" eine Philippika gegen die deutschen Frauen von gestern, gegen„diese Afterkultur, die sich zusammensetzte aus Protzentum und Geilheit". Sie rief:„Heraus aus dem Schlemmerleben, heraus aus dem Mmnmonsdieirstl Waren wir denn glücklich in diesem Auf- schwung der Industrie, mit diesen verfeinerten Bedürfnissen...? ... Laßt uns in Demut arbeiten und ringen, auf daß wir dieses deutscke Wesen, das verschüttet und vernichtet wurde von Prahlerei med Ehrgeiz, von Kleidertand und Frivolität, von allem, was ihm gegensätzlich war, erst einmal in unserem eigenen Kreise zurück- erobern..." Man sieht, die Stimmung gewisser Schickten des Bürgertums war von internationaler Geltung. Brachten ihre Geständnisse, die ach! so billig waren, da sie ja auf die Vergangenheit zielten, brach- ren sie uns etwas Neues? Durchaus nicht. Was diese Büß- Prediger ihren Klassen vorwarfen, hatten seit vielen Jahren sozia- listische Kritiker denselben Klassen vorgeworfen; sie hatten es mit zahlreichen Beweisen belegt und waren von den damals noch un- bußfertigen Sündern dafür weidlich beschimpft, verhöhnt und der- folgt worden. Besonders kraß war die Versumpfung seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts in den schönen Künsten hervorgetreten. Nur einmal glaubten in all den Jahrzehnten selbst strenge Kritiker einen Aufschwung feststellen zu dürfen: als in den achtziger Jahren das Jüngste Deutschland einen Anlauf nahm. Aber soweit bei diesen Kritikern nicht ohnebin bloß der sozialistische Wunsch der Bater des Gedankens war. blieb es eben bei dem Anlauf, und nichts zeigt deutlicher den Bankrott der ganzen deutschen Künstlerschaft, als das schmähliche Fiasko oben jenes einzigen Anlaufes. Den Bankrott— denn was konnte es anders sein? Nach außen war die Politik mit Anno 70 auf Jahrzehnte hinaus vollendet. Die imperialistische Erpansion, gegründet aus die industrielle Weiterentwickelung, blieb dem neuen Jahrhundert vorbehalten. Im Innern aber war nichts von einer Einheit der Nation zu spüren. Die wildesten Parteikämpfe tobten, und wenn bei diesen bald der Liberalismus, bald das Zentrum und bald die Sozialdemokvalie am schärfsten hergenommen wurde, so blieb zwar die konservative Klasse immer obenauf, aber von ihr war natur- gemäß zu allerletzt eine schöpferische Leistung in den schönen Künsten zu erwarten. Dafür fehlte dem Ostelbiertuni die Tra- dition und der Wille zur Gegenwart,«schied demnach diese im Besitze der Macht und also der Muße thronende Schicht aus, so wurden die anderen Richtungen durch den politischen Kampf ge- fesselt, der ihre stärksten Kräfte beanspruchte. Die schwächeren Naturen aber waren allzusehr Ethiker, um mit dem Kapitalismus durch dick und dünn zu marschieren, und waren es viel zu wenig. um sich auf die Dauer außerhalb der kapitalistischen Klassen zu stellen, in denen doch ihr ganzes materielles Dasein als Künstler wurzelte. Wieviel leichter hatten es da die Hofkünftler des Abso- *) Wir entnehmen diesen Artikel dem letzten Heft der„N e u e n Z e i t". lutismus, die nur einem Herrn zu dienen brauchten! So kroch die ganze Sippe der bürgerlichen Künstler mit den Jahren in das Joch, und das um so bereitwilliger, wenn sie erst einmal, nach den Hungertagen des jugendlichen Idealismus, den Erfolg gekostet hatten oder gar von der Bourgeoisie aus den Schild gehoben worden waren. Aber im Innern fraß der Wurm. Ja, es wurmte gerade die weicheren Naturen, wenn sie tatenlos nnt ansehen mußten, wie der Kapitalismus immer größeres Elend schuf oder doch enthüllte. Die Auflehnung dagegen war unmöglich, wollte man nicht die Krippe verlieren. So blieb zunächst die Regung des Mitleids offen, der denn auch nach Kräften Raum gegeben wurde. Die Armeleute- Poesie feierte Triumphe. Der so zweideutige Altruismus, der im Anblick des Elends schwelgt und sich im Gefühl der eigenen Mora- lität oder gar der Wohltätigkeit sonnt, wurde Trumpf. Aber so negative Empfindungen können weder dem Schaffenden noch dem Genießenden auf die Tauer genug tun. Und so stürzte man sich. im Bewußtsein der trostlosen Lage, der allgemeinen Misere, der vollständigen Hoffnungslosigkeit, auf das eigene Ich, auf das psycho- logische Raffinement. Die persönliche Not, das Unbesriedigtsein wurde zum. Ausgangspunkt und zugleich zum Gegenstand des Kunstschaffens. Der Mangel an großen Zielen, an politischen Idealen, an unpersönlichen Interessen warf die Künstler der Ge- nutzsucht in die Arme und führte sie damit auch zur Gestaltung des intensivsten Genietzens und— der aus ihm entspringenden Röte; er führte zu jener auffallenden Bevorzugung des erotischen Mo- mentes, die immer den Gipfel der Jchkunst bedeutet hat. Hier hat besonders das Drama, mit seinen unbegrenzten Möglichkeiten der psychologischen Dialektik, in den letzten beiden Jahrzehnten Orgien der seelischen Perversität gefeiert. Und obendrein wurde das alles, im Taumel der allgemeinen Jagd nach Erfolg und Genuß, kaum einem der Beteiligten bewußt. Wohlgemerkt: klar bewußt, denn vielen lastete es gleichwohl auf dem Gemüt. Der Erfolg Wagners auf der ganzen Linie war ja das letzte und stärkste Symptom des nahenden Katzenjammers, und es ist sebr ordnungsliebend und systematisch von der Geschichte gehandelt, daß sie an den Anfang desselben Jahres, in dem die Weltkatastrophe hereinbrach, den Siegeszug jenes Kastraten- und KaterdramaS setzte, des„Parsifal". Nun trat die Katastrophe ein, und sie war so riesengroß, daß in der Tat nichts hätte besser die ganze Erbärmlichkeit des Gestern enthüllen können. Wie ein Blitz traf die Erkenntnis die ehrlichsten, die alsbald den Ruf erhoben: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! Aber auch denen, die weniger ehrlich oder weniger weitsichtig waren, schien es wie eine Erlösung. Was waren alle Sensationen, die der Friede bieten konnte, gegen diese größte? Welche Ausschweifung, welche grüblerische Seelenzer- fleischung, welche Marktschreierei konnte es mit der furchtbaren Wirklichkeit dieser Gegenwart aufnehmen! Hier war endlich das Erlebnis, nach dem die stumpfen Nerven der Künstler und ihres Publikums geschrien hatten! Alles wurde setzt über Bord geworfen, Gutes und Schlechtes, Humanitätsduselei und Genußsucht, künstle- rische Selbstzucht und menschliche Selbstsucht, Weltbürgertum und politische Indolenz; Gott, König und Baterland kamen wieder zu Ehren. Es wäre ganz verkehrt, die Ernsthaftigkeit dieses Erlebnisses, das der Krieg insbesondere für die deutsche Intelligenz und aber- mals insbesondere für ihre Künstler bedeutete, in Zweifel ziehen zu wollen. Viel zu überdrüssig waren sie der Lauheit und Flauheit des Gestern, viel zu satt hatten sie sich am eigenen Ich gefressen, als daß sie nicht kritiklos sich hätten dem Heute in die Arme stürzen sollen. Mag die Geschichte später diesen ganzen Ueberschuxnig als tragikomisch bewerten, die Ehrlichkeit dieser plötzlichen Uober- zeugung, ja dieses Ueberzeugungswechsels kann nicht bestritten werden. Eine furchtbare, die allerschärfste Kritik der Zustände von gestern liegt in dieser Erscheinung, in der Massenbekehrung der toaulusse zu Paulufsen. Hat aber das große Erlebnis große Künstlertaten hervorge- rufen? Mit Nichten. Das Jahrhundertfest der Befreiungskriege war ja eben erst verklungen, ihre Ideologie wirkte»ock. Und sv griffen die Poeten zu den Waffen, freilich nicht ohne so nebenher dafür zu sorgen, daß doch auch ihre dichterischen Taten schnell in die Presse gelangten, wodurch die Geschichte der deutschen Lyrik um ein böses Kapitel bereichert wurde. Die Frage, weshalb bei der plötzlichen patriotischen Hochkonjunktur dieses Freiheitskampfes rein gar nichts von künstlerischer Bedeutung herausgekommen ist, muß aus mehreren Gründen späterer Untersuchung vorbehalten bleiben. aber jedenfalls steht schon jetzt fest, daß nicht einmal Körners Sammlung„Leier und Schwert" auch nur von ferne erreicht wurde, und daß man sich höchstens auf Sammlungen mit dem wohlver- dienten Titel„Orchestrion und Maschinengewehr" gefaßt machen könnte. Bielleicht liegt inzwischen der Hauptgrund zu dem künstle- rischen Mißerfolg dieses Krieges darin, daß die gesamten Schaffen- den sich über die Stimmung der Massen, die sie doch wiedergeben wollen, in einem fundamentalen Irrtum befinden. verzweifelte Angriffe. Amtlich wurde unter dem 26. November gemeldet:.... In der Gegend Saint-Hilaire-Souain wurde ein. mit starken Kräften angesetzter, aber schwäch- lich durchgeführter französischer Angriff unter großen Verlusten für den Gegner � zurückgeschlagen.�— Ein Landwehrmann schildert in einem Feldpostbrief, den die „W. A.-Z." mitteilt, diesen Abwehrkamps: Bei uns geht es laut her; ich glaube, die Franzosen scheinen an der Verzweiflung angekommen zu sein. Sie gehen� mit ganzer Gelvalt , los, rennen sich aber dabei die Köpfe gewaltig ein. Am 25. November um 11 Uhr vormittags unternahmen die Franzmänner einen geivaltigen Angriff auf unsere � Linie, welcher aber von uns glänzend abgewiesen wurde. Es war ein hartes Stück j Arbeit, welches seine Anerkennung verdient. Der 25. November war ein wenig schöner Tag. Die Erde war ! mit einer leichten Schneedecke überzogen. Da kamen gegen'-11 Uhr j vormittags unsere Borposten gestürzt und meldeten: Die Franzosen kommen! Richtig! In einer Entfernung von 500 Bis 600 Meter kamen gewaltige Massen daher, in der vordersten Reihe die Pionier- i truppen, welche die den Truppen entgegentretenden Hindernisse, lvie ! Drahtverhaue, beseitigen sollten. Wir nahmen unsere� Feuerstellung ! ein und freuten uns schon, nach langer Feuerpause endlich� wieder ein» ! mal als Kunstschützen auftreten zu können. Aber welche Enttäuschung � wurde uns. Es kam das Kommando: Nicht eher schießen, als es be- � fohlen wird! Unsere Nerven singen an zu arbeiten und den ganzen ! Körper durchlief ein Zittern. Sprungweise rückte der Feind vor und kam unserer Stellung immer näher. Es ist eine Aufgabe, den Feind in so großen Massen kommen zu sehen und nicht schießen zu dürfen. Die Feuerdisziplin wurde durchgehalten; kein Schuß fiel; seder von uns harrte, das Gewehr fest umklammert, der weiteren Befehle. End- lich, als die Franzosen ungefähr auf 100 Meter an unseren Schützen- graben heran ivaren und vor unseren Drahtverhauen standen, sich mit ihrem Schlachtgebrüll auf uns stürzen und uns die Bajonette in die Leiber stoßen wollten, kam das Kommando:.Schützenfeuer!" „Lebhafter feuern!" Das war ein Moment, der jedem von uns in ewiger Erinnerung bleiben wird. Unser? Äiaschinengewehre surrten und beschossen die vordersten Reihen, wir nahmen die Mitte und unsere Artillerie die nachschiebenden Reserven aufs Korn. Mit wahrer Verzweiflung kamen die Franzmänner auf unsere Seite zugestürmt; über einen Meter hoch türmten sich batd die Leicken vor uns auf, und immer noch kamen neue Massen angewalzt, die aber demselben Schick- sal entgegengingen wie ihre ersten Kameraden. Schließlich brach der feindliche Angriff unter unserem verheerenden Feuer zusammen. 1200 Mann fielen schließlich noch als Gefangene in unsere Hände. Unter diesen befand sich ein Leipziger, der als Fremdenlegionär in ! den französischen Reihen mit gegen seine deutschen Brüder kämpfen mutzte. Die Gefangenen versickerten uns, daß vier französische Regst menter vernichtet seien 03000 Mann). Was aber unsere Artillerie in den Reihen der nachschiebenden Reserven angerichtet hat, ist nicht zu unserer Kenntnis gelangt, doch niuß sie den Franzosen noch kolossale Verluste beigebracht haben, denn sonst lväre ein so gewaltiger Angriff nicht so schnell erlahmt, die ganze Operation dauerte eine reichliche halbe Stunde! Beim Herein- brechen der Dunkelheit ging es an das Begraben der Feinde. Tie Er- kennungsmarken sowie die Wertgegenstände der Toten wurden ihnen abgenommen, für jeden einzelnen in ein Taschentuch oder in' die � Halsbinde eingebunden, dann in Säcken gesammelt, die nach Genf gesendet werden. Das Begräbnis ging schnell vonstatten, da wir keine Grablöcher zu machen brauchten; wir benützten einfach die von den französischen Granaten gerissenen Löcher, die einen bis zwei Meter tief sind und mitunter zehn bis zwanzig Mann aufnehmen. Diese Löcher haben i wir ciofach vvUgefüllt und dein Erdboden gleichgemacht. Kein Hügel ; und kein schlichtes Kreuz zeigen hier an, daß da Hmidene. für ihr I Vaterland gefallene Krieger ruhen. So geht es fast fedcu Tag; es wairkt Tag und Nackt auf der 1 ganzen Front hin und Her und keiner gibt nach. Wer wird es nun am längsten aushalten? Bei dem geschilderten Abwehrkampf hatte» wir außer einigen Verwundeten keine Verluste. Cntöeckungen in einer altrömiMen Kirche. lieber neue bedeutsame Entdeckungen in der Kirche von Sali Clemente wird aus Rom verichiet: Die Kirche galt lange als der vollkommenste Typus der konstantinischen Basilika, bis im Jahre 185" 4s Ueberfluß. Von Martin A n d e r s e n N exo. „Tag mal, Vater." erwiderte Karl grübelnd,„hat nie Aussicht bestanden, daß ich noch Geschwister bekommen würde?" „O gewiß." „Abortus?" „Ja, zwei- oder dreimal. Dreimal, soweit ich mich entsinne." „Du entsinnst Tich nicht genau? Tann hat das Dich also niemals gequält?" „Nein, so weit reicht meine Vaterliebe nicht. Erst die Wiirmchen auf den Tisch des Hanfes, wenn ich bitten darf. Dann will ich sie schon lieb haben." Er lachte. Karl betrachtete ihn von der Seite: der Vater hegte also gar keinen Verdacht. „Und Du hast doch wahrlich keinen Grund zur Unzufriedenheit," fuhr jener lächelnd fort.„Was für vier zu wenig war, reicht für einen ganz gut aus Nur, finde ich, solltest Du Dich ein bißchen mehr als Universalerbe be- nehmen und nicht immer bier liegen und Dich gramen! Schlag ein bißchen über die Stränge, mein Junge, und Du wirst sehen, daß es Dir gut bekommt— unter anderen! des- halb, weil es Dir das Selbstgefühl geben wird, das für Leute in Deinem Alter höchst notwendig ist." Der Sohn machte eine ungeduldige Bewegung. „Du greifst die Sache zu sentimental an," redete der Vater in demselben scherzenden Tone Weiler.„Muß es sein, nun: so muß es sein, und dann hilft Dir alles nichts, Du magst pfeifen oder singen. Warum also zur Abwechslung nicht ein wenig singen? Dem Unumgänglichen muß man die beste Seite abzugewinnen suchen, das ist imnier mein Wahlspruch gewesen. Waren nicht selber einmal in die Tiefe loten und sehen, wie weit es bis zum Grund ist?" „Du hast gut reden, Vater!" sagte Karl müde.� „Warum ich mehr als Du? Sehr möglich, daß ich der- ienigc von uns beiden bin, der zuerst daran glauben muß. Niemandem ist ja sein Leben verbrieft." Der Sohn mochte nicht antworten, sein Gesicht nahm einen höhnischen Ausdruck au. „Offen gestanden, Karl, ich finde nicht, daß strenge Studien plus vier Stunden Unterricht täglich erkennen lassen, daß man den Tod im Herzen trägt." „Das waren Krampfzuckungen, Vater— die letzten." „Vielleicht— vielleicht auch nicht. Aber findest Du nicht, daß Du Gefahr läufst, es ebenso zu machen wie jene Krau, die drei Jahre lang zu Bett lag und auf den Tod wartete? Als er dann kam— in Gestalt einer Feuersbrunst in ihrem Hause— stand sie auf und rannte ihrer Wege, obendrein im bloßen Heinde." Karl sah ihn einen Augenblick erbittert an, dann sank er zusammen.„Du hältst mich zum Narren, Vater," sagte er traurig. „Sag lieber, ich schäme mich Deiner, mein Junge! Steht es ernst um Dich, was ich übrigens glaube so benimn' Dich wie ein Mann und nicht wie ein hysterisches Weib. Ich kann verstehen, daß Dn Dich mit Deinen Siebensachen unter vier Augen abfinden willst. Ran ioll sie mit niemandem gemein ! machen,— aber auch mit dmii Tode nicht. Und das hast Tu getan.— Versuche doch ein bißchen von der Energie, die Du für den Betrug übrig hattest, auf wirkliche Versuche zu der- wenden. Verlaß die Stadt und begib Dich in frische Lust, iß so reichlich wie möglich, schaff Dir so viel Bewe- gung wie möglich— faulenze! Leb in mllem darauf hin, gesund zu werden! Aber genieße— für den Fall, daß Du kaput bist! Such einen Winkel auf, wo niemand Dich kennt, und stirb in Frieden— oder erhol Dich in Frieden i wie's Dir liegt. Geld sollst Du bekommen, solange ich reiche j— große Bedürfnisse hast Du ja nie gehabt. Und willst Tu i etwas von mir, so brauchst Du blaß zu rufen." Die Stimme des Vaters überschlug sich bei den letzten ! Worten; er stand hastig auf und ging. Doch der Sohn begrub das Gesicht in dem Sofa. Sein Körper schob sich mehr und mehr zusammen, und Zuckungen durchliefen ihn vom Nacken hinab. Er schluchzte und stöhnte. Das Leben halte ihn im Stich gelassen: das empfand er stärker als je, jetzt, wo er auszog, um einen Kampf ums Leben cmszufechten— oder sich einen Winkel zum Sterben zu suchen. Er stand auf dem Deck des Dampfers und spähte nach dem Fjord bin, wo das Städtchen Tomborg lag, das ihn und seine jämmerliche tödliche Krankheit vor den Blicken der Welt verbergen sollte. Die stille hochsommerliche Morgenluft zog frisch stärkend über das eilende Schiff dahin, ihn aber ließ sie vor Kälte schaudern. Dies war also das erste Glied des Kampfes,— und schon war er erbärmlich zu kurz gekommen. Er hatte sich dafür i entschieden, die Reise mit dem Dampfer zu machen;— nach der Ansicht des Vaters würde ihm das ruhigen nächtlichen Schlaf gewährleisten und frische, stählende Seeluft gegenüber . der Schwüle und dem erstickenden Staub im engen Kupee. ! Und nun konnte er, obwohl es ganz windstill war und das Schiff kaum eine Bewegung machte, doch nicht unten in der j Kajüte bleiben, weil ihm bei dem schlechten Geruch übel zu i werden drohte. Und im Decksalon saßen mehrere Herren und ' rauchten, so daß er den größten Teil der Nacht, halb tot vor j Kälte, auf dem Deck zubringen mußte. Und die frische Seeluft? Er konnte es gar nicht ver- tragen, sie einzuatmen, sie war ihm zu kräftig, ihm wurde 1 schwindlig, und der Kopf war ihm benommen. Da fübltc er sich in der Kovenhagener Luft viel wohler; trotz ihren vielen zweifelhaften Bestandteilen linderte es, sie einzuastnen. Wenn � einem wirr und schwindlig im Kopfe war, erquickte einen 1 dort wirklich ein Spaziergang in der so viel gelästerten Mischung von Kohlenstaub und pulverisiertem Pferdeschmutz. ! Aber hier? Diese Luft tötete ihn ja mit ihrer stärkenden Reinheit. Ihn befiel der unwiderstehliche, krampfhaste Drang zu gähnen. Die Kiefergelenke taten ihm weh, und unterm Kinn irat eine Sehne hervor, so daß er den Mund nicht schließen konnte. Unter heftigen Schmerzen drückte er sie mit dem � Daumen weg. Auch dieser Gähnkrampf war ein alter Bekannter. Er ' befiel ihn beim Sprechen oder Vorlesen in der Schule und j bedHahte ihn unabweisbar bis zum Ende der Stunde, so daß I er zum Gespött der Schuljungen wurde. Er vermochte dem s Blut nicht genug Sauerstoff zuzuführen, oder ein Sauerstoff» Überfluß war schuld daran, wer konnte daS wissen? Irgend etwas war nicht in Ordnung— hier wie in allem anderen. E? verschaffte ihm Befriedigung, wenn er Gelegenheit fand, seine Ohnmacht festzustellen. Sv Hatto er doch recht gegenüber dem Vater— natürlich! Aber es stand ihm nicht zu, zu triumphieren: der Alte meinte es gut, er hatte bloß die Tntsachen gegen sicki! Und im Grunde war es pedantische i Rechthaberei, denn das Ganze war ja gleichgültig, so gleich- ' gültig!(Forts, folgt.) der Prior bei daneben liegenden irischen ÄlosterS Pater Mullocly feststellte, dag die ursprüngliche zum Andenken an die Märliirer tm •i. Jahrhundert erbaute Kirche darunter gelegen ist. Er entdeckte unter den Jundamenleu der Heuligen Kirche den Qriginalbau mit seinen Marmorsäulen, die noch aufrecht standen, verborgen in dem Mauerwerk, das die darüber gelegene Kirche trug, ein beträchtliches Stück des Mosaikfußbodens und große Teile eines FreSkoS, das Szenen aus dem Leben des heiligen Elemens, des Alexius und anderer Märtyrer darstellte. Am Ende des linken Seitenschiffes tourden Stufen gefunden, die zu einem Hause aus der Zeil des römischen Kaiserreichs hinuntcrfübrten, dessen eines Zimmer direkt unter der Apsis der unterirdischen Basilika gelegen, als das Dominicum ElementiS erkannt wurde, während man in einem anderen Räume einen kleinen Tempel des MithraS feststellte. Unglücklicherweise wurde bald nach dieser Ausgrabung der ganze Untergrund der Kirche unter Wasser gesetzt und war völlig unzugänglich, so daß weitere For- schungen nicht unternommen werden konnten. Der jetzige Prior des irischen Dominikanerklosters von San Elemente, Pater Aolan, hat nun nach mehr als einem halben Jahrhundert die damals unter- brochenen Forschungen zum glücklichen Ende geführt. Nachdem die Mittel in Amerika gesammelt waren, wurde am Ist. Juni 1st02 der Bau eineö Tunnels begonnen, der von einem Punkt in einer breiten Eloaca in der Nähe des LtonstaniiiibogenS in einer Tiefe von llst bis 45 Fuß und in einer Entfernung von 2 Ost Meter n zu dem Unterbau von San Elemente führte. Das schwierige Werl konnte erst in diesem Jahre vollendet werden, und nun wurde die große Wassermenge, die wahrscheinlich durch den Bruch eines allen AgnädukteS verur- facht war, abgeleitet und floß durch den neuen Tunnel zu der Eloaca Maxima und von da in den Tiber. Nolan konnte nun ungehindert weitere Entdeckungen vornehmen, die mit größter Sorgfalt gemacht wurden und zu sehr interessanten Resultaten führten. Die neuen Ansgrobungen vervollständigten die früheren Ent- deckungen und fügten ihnen weitere hinzu. So wurden in dem MithraSheiligtum. in dem bereits früher Teile einer llieliefgrnppe gefunden worden waren, nunmehr weitere Stücke entdeckt, die ein prächtiges Bildwerk vervollständigen, das das Opfer des Stieres durch MithraS darstellt. Sodann wurden am Eingang des Mitbräum zwei Gräber freigelegt, die Knochen, wahrscheinlich von Opferlierew enthielten, und die Höhle mit einer Wasserleitung fest- gestellt, in der die Taufe beim Vtithraskult stattfand. End- lich wurde ein großer Raum durchforscht, der aus mächtigen Blöcken von Tuffstein gebaut ist und augenscheinlich der frühesten republikanischen Zeit angehört, die man früher die Königsperiode nannte. Die Tuffsteinblöcke sind von einem Gesims auö Travertin bekrönt und erinnern in der ganzen Bauart an die Mauer, mit der ServiuS TulliuS Rom umgeben haben soll. ES handelt sich wahrscheinlich hier um einen Teil von dem Palast des Targuinius SnperbuS. den die Ueberlieferung an diese Stelle ver- legt. So ist nran also mit den Ausgrabungen von einer alten Kirche. die etwa aus dem 11. Jahrhundert stammt, bis zu den frühesten Zeiten Roms vorgedrungen. Die Funde aus der christlichen Aera sind von höchstem Interesse. Allein die vielfach vorzüglich erhaltenen Fresken an den Wänden Verdienen das eingehendste Studium. Die alle Basilika ward an der Stelle eines römischen Hauses der Kaiserzeit erbaut, in dem be- reits ein Raum als Heiligtum verehrt wurde. Es war dies wahr- scheinlich das HauS des Elemens, der nach der Ueberlieferung zu einer Adelsfamrlie, vielleicht zur Kaiserfamilie der Flavier gehörte, und dessen Barer in der Gegend deS EoeliuS wohnte. Während Elemens hier bereits dem Ehristentum diente, benutzten es dann die Priester des MithraS für ihre mystischen Gebräuche, und über diesen Mrthraskult triumphierte wieder das Ehristentum. so wie es über- Haupt über diese Verehrung des Sonnengottes allmählich den Sieg errang.__ Kleines Feuilleton. Die braven Sozialöemokraten. Franz Wugk schreibt im„Tag" über„Ihre und unsere Sozial- deuiokraten" it. a.:, .. Jahrzehntelang hat man sich diesseits und jenseits der Bogesen um die Frage gestritten, ob Deutschland oder Frankreich die„patriotischeren" Genossen habe. Im„Tonrps",„Matin" und ähnlichen Blättern marschierten iinnler die deutschen Sozialisten als Musterknaben auf von Älilitärfrommheit und Baterlandsbegeiste- rung und PangermaniSmus; bei uns wiederum wurde der lodernde Patriotismus der französischen Genossen gerühinr. Wir können heute wohl sagen, daß dieser ganze Streit überflüssig war. Es gibt heute keine„saus patne"(Baterlandsloseu) in den natürlich und gesund empfindenden Aolksmassen. Die Baterlandslosigkeik oder Baterlandsfeindlichkcit ist eine giftige Blüte vom Baum des überreisen Intellektualismus..." Aber so ganz miigedreht hat sich nach Wugk die Sache doch nicht: „... Trotzdem wird man zugeben muffen, daß noch immer eine gewaltige Kluft zwischen deutschem und französischem Sozialismus liegt. Unsere Sozialdemokraten würden ganz gewiß nicht sechs Atann in eine Regierung schicken, die sich der Pollen Verantwortung rühmt, die sie an einem mit dem Zaren und dem britischen Jingois- mus abgekarteten Vernichtungskrieg gegen den friedlichen Nachbarn trägt. Und dieser Vkangel an Ehauvinismus ist sicher kein Mangel an Gesinnungstüchtigkeit bei unseren Sozialisten, Der Unterschied ist aber der, daß bei uns alles bitter ernst genommen wird, auch das sozialistische Parleiprogramm. Bei den Franzosen aber nicht. Tie Viviemi, Augagneur, Millerand, Briand sind nie wirtuche e-ozialisten gewesen; Senibat ist ein geistreichelnder, ehrgeiziger Dilettant; ein paradesozialistischer Millionär, dem der echte Blusenmann niemals recht getraut hat, und GueSde ist ein weltfremd gewordener, marr- orthodvxer Theoretiker. Unter den rund 100 französischen Sozia- listen gibt es auch noch nicht zehn, die bei uns als Parteigenossen anerkannt werden würden. In der äußeren Politik dachte Jaures und denkt heute noch Herve wie irgendein blau-weiß-roter Patriot: die von ihnen vorgeschlagene Lösung der clsaß-lothringischen„Frage" durch die Demokratie der kommenden Vereinigten Staaten von Europa war für einen praktischen Staatsmann niemals brauch- bar----" Also: die Franzosen sind doch noch die größeren Patrioten, aber — das ist jetzt kein Vorzug, weil sie eben Franzosen sind. /lnton v. Werner. Anton v. Werner hat an dem Schicksal getragen, das sich in unfern Tagen an so mid so vielen seiner jüngeren Kollegen zu wieder- holen scheint: an dein Mißverhältnis zwischen dem Maßstab der Zeit und den Grenzcli des eigenen Könnens. Wenn man das Buch durchblättert, das viekhundertseitige, das Werner über' seinen Lebensgcmg veröffentlicht hat, so sieht man mit nicht geringem Erstaunen, daß dieser Mann mit den bedeutendsten Menschen seiner Epoche zusam- mengekommen ist, daß er mit ihiien fast faiiiiliär verkehrt hat. Und doch hat er. an dem so viel vorbei lebte, nichts Wesentliches erlebt. Er war der Typus eines Philisters. Alles rundete sich ihm zur Harm- losigkeit. Auch später, als er scheinbar toie eine letzte kantige Säule aus vergangener Zeit ragte, war solche Hartstirnigkeit eigentlich mehr Trotz als Größe, die nicht anders kannte. Werner tvar das Muster- beifpiel eines Nützlichkeitsinenschen; er sprang nie in das Ungewisse und leugnete, was sein Horizont nicht faßte. Und üffosern war er ein ehrlicher Kerl, eine Feldwebelnatur. Er freute fich, wenn die Knöpfe an den Röcken seiner gemalten Soldaten so glänzten, daß die Knopfmacher einen Schrecken bekamen; aber er vermochte nicht, auch nur durch eines feiner zahllosen Schlachtenbilder die Seele in Schrecken und?tot oder Jauchzen mid Taumel zu versetzen. Alle Bilder Werners sind trockene Registraturen. Es wäre Malerei gewesen, wenn ihn die Stiefel nicht weniger gereizt härten als die Gesichter; es war aber umgekehrt: die Gesichter waren ihm ebenso gleichgültig wie die Stiefel. Alles Lebendige wurde ihm zum wten Objekt; lein, Pinsel war ein Äorporalstock, er vertoechselte die Leinewand mit einem Exerzierplatz. Wenn man das bereits erwähnte Buch durchblättert, so stockt man fast auf jeder Seite, die eine- Abbildung zeigt; man weiß nicht, ob es etwas Gemaltes oder eine Photographie ist. In vielen Fällen läßt sich an der schloarzweißen Nachbildung eine zuverlässige Feststellung, ob mechanische Naturnachahmung, ob Menschen werk, nicht vollziehen. Diese Tatsache fft für Anton v. Werner das Gericht. Eine hochent- wickelte Farbenphotographie würde ihn überflüssig gemacht haben; es war kein Zufall, daß er seine Schüler die Ausnahmen Miethes kopieren ließ. Er begriff immer nur das Nebensächliche an den Erscheinungen; er glaubte etwas geleistet zu haben, wenn er die Quadratmeter der Panorama flächen erledigt hatte. Alle seine Bilder sind eindruckslos; sie sind darum auch nicht gute» Handwerk. Es ist ferner ein Irrtum, Werner für einen bedeutenden Zeichner zu halten; man braucht nur Menzel oder gar Dürer neben ihn zu hallen, so er- lcdigt sich solche Ueberschätzung. Daß Werner, all solcher Unzulänglichkeit zum Trotz, durch Jahr- zehnte ein königlich geehrter Meister und, was schlimmer ist, der ab- solute Beherrscher der akademischen Hochschule war, erklärt sich sehr leicht aus dem Irrtum(der zugleich ein Schicksal ist), daß die Größe einer Zeit auch aus die überströme, die dieser Zeit Berichterstatter sind. Man verwechselt die Botschaft mit dem Briefträger. Anton v. Werner mußte notwendig geringer bleiben, als die Vorgange eS waren, deren Chronik er schreiben sollte. Die Fluten der Aililein und Gedichte, die der gegenwärtige Krieg aufgescheucht hat, bestätigen die Schuldlofig- keit Werners. Er war ein Opfer; freilich eins, das nicht tragisch wirkt, tveil es sich gar zu behaglich fühlte. Mehrere Geschlechter junger Künstler hat der zäheste der Philister gequält und verdorben. Viel- leicht kann nur sein Tod solch Unrecht gut machen: er mag eine Zeit, die gerade wieder darauf und daran ist, die Kunst zu unmöglichen Leistungen zu verführen, davor warnen, die Größe der Ereignisse auf Befehl in die Ewigkeit der Kunstsorm umzuwerten. Ter Irrtum Anton v. Werners darf nicht wiederholt werden; nie tvieder dürfen wir die vielleicht verdienstvolle und vielleicht gar tüchtige Illustration von Zeitberichten mit der Kunst, der zeitlosen, der wohl au» der Zeit wachsenden, sie aber zugleich besiegenden, verwechseln. rbr. ESisons phenolfabr!?. Ueber eine neue industrielle Großtat EdifonS weiß die italie- nische Revue„Jdca Nazionale" zu berichten. Der berühmte Erfinder hat vor einlger Zeit eine Fabrik für phonographische Platten ge- gründet, die nach eniem eigenen Edisonichen Verfahren die Platten- inasie bereitet. Der hauptsächlichste Robstoff für die Herstellung der Masse ist das Phenol, für dessen Gewinnung nur das Teerprodukt der englischen und deutschen Steinkohle in Betracht kommt, da die Steinkohlen der Bereiitiglen Staaten für die Phcnolgewinnung nicht gecignci sind. Da bei Ausbruch des Krieges England und Deutsch- land die Ausfuhr von Phenol verboten, sah sich Edison von der Gc- fahr bedroht, nach Aufarbeitung seiner Vorräte den Betrieb einstellen zu muffen. Zwar kann man das Phenol auch auf synthetischem Wege erzeugen, aber es handelt sich dabei um LaboralorwmSprozesse, die bisher für die Ausnutzung in Großbetrieben nicht in Frage kamen. Nach dreitägigen Experimenten entschied sich der Ernnder für eine» der drei in Frage kommenden HersiellungSprozesse; aber alle chemischen Fabriken Noidmnerilas. an die er sich wandte, er- klärten, daß sie das Produkt erst nach Verlaus von mindestens sechs Monaten liefern konnten. Jnzimschen wären aber die Phenolvorräte, über die Edison verfügte, längst erschöpft gewesen. t--o entschloß sich denn der Erfinder zur Selbslsabrikation. Er engagierte über vierzig Chemiker, Ingenieure und Zeichner, die, in drei Kolonnen geteilt, wechselweise Tag und Nacht je acht Stunden tätig waren, um die Pläne in allen Einzelheiten auszuarbeiten. Inzwischen wurde auch mit Feuereifer der Bau einer neuen großen Fabrik, die der Platten- sabrfl angegliedert wurde, betrieben. Siebzehn Tage, nachdem das Werk begonnen war. war es vollendet, und am achtzehnten Tage erzeugte Ediion aus dem Wege des synthetischen Versahrens bereits 350 Kilogramm Phenol. Heute produziert er eine Tonne am Tage und obendrein zu einem Preis, der niedriger ist als der deS vom Auslände bezogenen Phenols. Die»netten Kerls" von öer»Emöen". Der Brief eines Offiziers der„Sydney", des australischen Kreuzers, dem die Vernichtung der„Emden" gelang, wird in englischen Blättern veröffentlicht. Der Offizier halte mit Ka- pitän v. Müller wegen der Ueberaave zu verhandeln.„Sie haben sehr gut gefochten," sagte der Engländer nach Erledigung des Ge- schäftliche».„Nein," erwiderte v. Müller und wandte sich eitvas betreten ab, kehrte aber bald zurück und sagte:„Vielen Dank für Ihre Worte, aber ich bin nicht zufrieden. Wir hätten besser arbeiten sollen. Sie haben viel Efluck gehabt, indem �ie gleich zu Anfang meine Sprachrohre wegschießen konnten."„Einen sehr feinen Kerl," nennt ihn der Gmchänder. Auch Vitthoest der Torpedoleutnant, war ein durchaus netter Kerl," fährt der Brief- schreiber fort, mit jener Eintönigkeit der Redeweise, die das Leben auf engem Bord nun einmal mit sich bringt.„Leutnant Schal war auch ein guter Kerl, und halber Engländer. Es war sehr interessant, mit den deutschen Offizieren zu sprechen. Als sie den ersten Tag an Bord waren, sagte einer zu mir:„Ihr feuert auf die weiße Flagge." Ich nahm das Thema sofort aus, und auch der deutsche Torvedoleutnant und ein Ingenieur sagten:..Nein, das ist nicht so, Ihr habt nicht aus die weiße Flagge gefeuert." Aber Ivir ließen die Sache nicht auf sich beruhen. Einer von uns ging zu unfern Kapitän, und dieser erhielt von Kapitän v. Müller die Versicherung, daß wir nichts dergleichen getan hätten und daß er beabsichtige, seine Offiziere zu versammeln und ihnen das zu sagen. Als er in Eolombo das Schiff verließ, kam er zu mir aus das Achterdeck, dankte mir wegen der Rettung der Verwundeten, schüttelte mir die Hand und salutierte, was sehr nett und höflich von ihm war. Auch Prinz Hohenzollern war ein höchst anständiger Mensch. Kurz," so schließt unser Seebär,„w i r st i in in l c u alle darüber ü b e r e i n, daß es unsere Aufgabe sei, einander niederzuhauen, daß aber darin keine Bosheit liegt."_ Der Wunöstarrkrampf und Sie Schußverletzungen. Die vielfachen Fälle von Wundstarrkrampf(Tetanus) haben zu der Vermutung geführt, daß der Erreger, der Tetaimsbazillus, ziemlich allgemein in der Erde vorkommt. Weiter hatte man gc- glaubt, daß sich bei Verwundeten, die von einzelnen bestimmten Gefechtspläyen stammten, besonders hänsig der Tetanus entwickelte. Das dürste jedock) wohl nicht der Fall sein. Im Laufe der Monate haben sich die Erfahrungen gemehrt, und man wird auch jetzt wohl zu der Ansicht kommen müssen, daß es nickt nur in der Haupt- fache Verletzungen durch Schrapnell- und Granatteile sind, nach denen der Wundstarrkrampf entsteht, sondern daß auch die In- fanteriegeschosse ihren reichlichen Anteil daran haben. Wie Pro- seffor Madelung in der„Feldärztlichen Beilage" zur„Münchc- ner medizinischen Wochenschrift" auseinandersetzt, wurde in seinem Lazarett der Tetanus bei Jnfanteriegeschossen 30 mal, bei Wunden durch Schrapnells 27 mal und nach solchen von Granatteilen 53 mal beobachtet. Weiter kommen der Zahl nach in erster Linie die unteren Gliedmaßen in Frage, dann die oberen, und schlietztich erir andere Teile des RumofrS. Notizen. — Vorträge.„Die geschichtliche Entwickelung der Ver- wundeten- und Krankensüriorge" wird am Mitttuocb, den 6. Januar. abends 8V4 Uhr, im Hoiiptsitzungs'oale deS Reichstages Professor Holländer in einem Vortrage(mit Lichtbildern) schildern. — Albert B a s s e r m a n n am L c ss i n g- Th e a t e r. Albert Bassermann gehört nunmehr vom 20. Januar an endgültig wieder dem Lesfing-Bbeatcr an. Baffermaun wird bereits �laide dieses Monats seine DätigSeit mit der Darstellung des Dr. Stock- mann in Henrik Ibsens„Ein Volksfeind" beginnen. — Ich bin gesund... Die„Lodzer Zeiwng" erzählt: „... Neben den Verschanzungen lieg: abgerissener Stacheldraht und davor liegen zahlreiche Leichen. In der Nähe liegt die Leiche eines russischen Soldaten, eines Polen, er ist gestorben, tuährend er betete, denn in seinen Händen befindet sich noch der Rosenkranz, und neben ihm liegt eine Ätedaille mit dem Bildnisse der Mutter Gottes. Nicht weit davon liegt die Leiche eines deuffcben Soldaten, ebenfalls eines Polen. Ihn ttaf die tödliche Kugel in dem Augen- blick, als er einen Brief an seinen Vater schrieb. Er hatte gerade erst den Brief datiert und den Anfang geschrieben:„Lieber Vater l Ich bin gesund.._ 09099990)* Unserem Gruppenleiter stj Otto ManUwktz[N, W Lichtenberg, zum 53. Geburt?- ö sts tage die besten Glückwünsche. Ä r! Die Genossen der 86. Gruppe q und Abt.-Leiter. 125t kj Jj Carmen Sylva- Cigaretten Trustfrei k MG VeFwaltune Berlin. Heute Mittwoch, den 6. Januar, abends 8'/, Uhr: Ukrtllillknsiüiiülier- NersammlitW der Drechsler-, Alabaster- mid Treppe, i- gelimderbranchc. STorden Bei Töhling, Brunnenstr. 79. Osten Bei Rosin, Gubener Str. 19. ütltdosten und Südwesten bei Tinius,.RiUcrstr. 123. Sonntag, den ,0. Januar liUZ, vormitttags 10 Uhr, im tSewerkschaftShansc, Saal 3: Sranehen-Versammlung. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Atznhl der Konnniffiou und delegierten. 95,3 Die Oytsvei' w oltung._ Verband der Idaler, Saekierer, Anstreicher efe. Bureau: Mclchiorstr. 28, pari, fstli/tlr ßrrli» Arb.Rachw.:Gormannst.13 Fernjpr.: Amt Moützpl. 47S7.<-"1111. Vl lull. Fernspr.: NorderiL79l— 97 Tonnerstag, den 7. Januar 1015, abendS 8'/, Uhr: 8e!itis«5vsr8Mm!«»g öer Lackierer im Gctvertschastshaus, Engel-Ufer 15. Tagesordnung: 1. Branchenangelegenbeiteu. 2. Brrtchiedeues. Die Kollegin werden ersucht, zahlreich und pünttlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert!"Wf? 135/13 Tie Sekt ionsleittmg. In l&ieäszeiten sdl man sparen! Sparsame Hausfrauen Nteratenderu nur noch v den durch bewahrte r � f MaffeeErsalSmiüel ;V' WAF tzerbiliilsfen Bohnenkaffee UMM HaffeeHRösferei Berlin C. 54 r/— Neue Schonhauserstr.3 Verantwortlicher Redokteur: Alfred Wieltpp, Neukölln, Für dkli JnfffätetiktillJÄftfttflVj£i Ein Almanach für die arbeiiende Lugend, herausgegeben von der Zentralstelte für die **** arbeitende Sugend Oeutschlands**** 160 Seiten, mit vielen Bildern Jungvolk hat den Kreis seiner Freunde seit seinem Erscheinen jährlich erheblich vergrößert. Fnhalt und Ausstattung bürgen dafür, daß auch derZahrgang 1915 überall freudig aufgenommen werden wird preis 50 Pfennig Suchhandlung Vorwärts, �mdenstraße 3 Ä�BerlinSiV.