Nr. 11.- 1915. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Zovnkrstag, iL Januar. Das Weltwunder. Von Kurt Küchler. Ein breiter Strom floß zwischen hohen Ufern. Ein Eisenbahnstrang sollte den Flutz kreuzen und eine gewaltige Brücke aus Stein und Eisen sollte die Ufer verbinden. Fünfund- vierzig Millionen Mark, glaubte man, würde die Brücke kosten. EZ gab, durch viele Tage, hitzige Debatten unter den Finanz- verantwortlichen des Reichs. Sachverständige wurden vernommen, Räte und Dezernenten rechneten und prüften und kalkulierten und hielten dem Minister Vorträge, und ain Ende warf man die fünfundvierzig Millionen aus. Ein Preisausschreiben wurde erlassen und ein Kollegium von Preisrichtern berufen, die trugen alle einen großen Namen. Die tüchtigsten Brückenbauer der Welt stürzten sich auf das dankbare Problem, gewaltige Konstruktionspläne entsprangen rastlos arbeitenden Hirnen. Wochenlang, schwer um den Entschluß ringend, saßen die klugen Preisrichter über den Entwürfen, von den wägenden Stirnen und den kahlen Köpfen troff der Schweiß. Endlich wurde, nach langem Streit, ein Entwurf gewählt, ein Wunderwerk konstruktiver Gedanken, ein Phänomen technischer Kühnheit. Der Plan kam in die Oeffenllichkeit und die Zeitungen und tausend ilritiker und Sach- verständige und Neider fielen darüber her. In Strömen regnete Lob und Tadel, Entzücken und Hohn. Dann kam der Bau. Tausende von Händen rührten sich, Vau- meister, Bauführer, Zeichner und Arbeiter. Hämmer dröhnten auf glühende Nieten, Eisen bog und streckte sich in der Glut der Essen, Meißel forinten den Granit für die mächtigen Pfeiler im Strom. Ingenieure aller Länder kamen, um die Arbeit zu sehen. Ein Jahr ging hin, die Brücke war fertig. Der König kam mit Gefolge und Soldaten und Fürsten, uin die Brücke feierlich einzuweihen. Dichter sangen der sieghaften Technik rauschende Hymnen. Gewaltig klangen die Jubelchöre, die Reden. Fünfhundert Erben flogen, und alle Zeitungen und Zeitschriften der Welt sprachen acht Tage lang in Bild und Wort von dem neuen Weltwunder, das ebenso zur ewigen Berühmtheit bestimmt sei wie die Cheops- Pyramide, wie der Eiffelturm, wie St. Peters Kathedrale in Rom.... Da kam Krieg über da-Z Land. Ein Boot legte in stockdunkler Nacht, wenige Stunden nach der Kriegserklärung, an dem gigantischen mittleren Strompfeiler der Brücke an. Ein Funke gliihte auf, und ein Mann schwamm eilig davon. Eine halbe Stunde ging hin... der Funke schlich seinen Weg. Tann barst die Hölle, und ein ungeheurer Donner tobte zum schwarzen Himmel. Durch die Straßen der Städte brüllten die Extrablätter. Ein Mann, im Wirrwarr der KriegSnot, sagte eilig: „Hörten Sie schon! Der Feind hat die große Brücke zer- sprengt „WaS Sie sagen!' Eine Stunde lang brodelw die Erregung durchs Land. Dann tobten neue Extrablätter durch die Straßen... neue Kriegstaten. Niemand sprach mehr von der Brücke, von dem Weltwunder von gestern. Die halbe Krotojchiner Zeitung. Ter Eisenbahnzug hielt auf dem Krotoschiner Bahnhos, bereit zur Abfahrt des Bataillons mit unbestlmintem Fahrtziel. Nach dein Westen munkelte man; wie es denn auch kani. llnsere Familienangehörigen und Bekannten waren auf dem Bahnsteig zum Ab- schied. Das Herz wurde uns schwer, aber Rührung durften wir doch nicht aufkommen lassen. Es ging ja in den heiligen Krieg fürs deutsche Vaterland!— Ein Händedruck, ein Gott befohlen und auf Wiedersehen! Kurz bevor sich der Zug in Bewegung setzte, und uns allen die Sprache etwas beklommen wurde, sagte ich zu meiner Frau, um sie abzulenken:„In der Krotoschiner Zeitung ist ein snannender Kriminalroman, schicke mir den doch nach!""Ich vergesse das erstaunte Gesicht nicht, in einem so ernsten Augenblick an eine Geschichte in der Krotoschiner Zeitung zu denken! Etwas zweifelhaft folgte die Zusage. Dann aber kam das Verständnis, und während die Lokomotive anzog, sagte Muttchen mit tränendem Auge:«Verlaß Dich drauf, ich schicke Dir die Geschichte." Fori ging es, guer durchs schöne deutsche Vaterland über Oder, Elbe, Rhein, unaufhaltsam bis ans Endziel. Märsche kamen durch Rheinprovinz, Lothringen. Luxemburg. Immer näher rückten wir dem Kanonendonner, und dann ging es endlich in die blutige Schlacht. Die herabsinkende Rächt deckte mitleidig schwere Ver- luste zu. Brennende Dörfer leuchteten den Verwundeten die Wege zu den Verbandplätzen. Es war nach Mitternacht, als ich mit einem Dutzend anderen verbunden auf dem Fußboden einer Klosterschule in einem noch brennenden französischen Dorfe lag. Gott sei Tank, unter Dach und Fach in guter ärztlicher Behandlung und gepflegt durch �nirleidige, hilfreiche französische barmherzige Schwestern!— Tas Fcldlazaretr war überfüllt; dicht an dicht lagen die Verwun- deten, um nach Möglichkeit bald weiter nach Deutschland und ins Innere des Reiches befördert zu werden. In unserem Zimmer lagen Deutsche und Franzosen, Essizicre und Mannschaften durcheinander, aber nur Schwerverwundete. Die Aerzte waren barm- herzig, und wer von uns eine Morphiumspritze gegen seine Schmer- zen haben wollte, bekam sie, besonders zur Nacht. Eine dankens- werte Errungenschaft der neuen Zeit. Anfangs lagen wir nur auf Matratzen, zum Teil mit Decken oder unseren Mänteln zugedeckt. alle mehr oder weniger noch in Felduniformen, wenn sie uns nicht abgezogen oder abgeschnitten werden mußten. Im Lause der ersten beiden Tage wurden dann die Matratzen und meist auch unsere Decken mit weihen Bettüchern überdeckt-, die allerdings bei manchen Verwundeten dann oft noch in erheblicher Weise die rote sopnr des Krieges zeigten. Manche Matratze wurde im Laufe des Tages leer, und die Krankenträger trugen einen stillen Mann hinaus. Wir alle fühlten dies schon im voraus, wenn Aerzte und Sanitäter einem der armen Kerls in besonders entgegenkonimender Weise,. Spritzen" zukommen ließen. JA in zweitem Tage hatten die geplagten, aber immer geduldigen lLchwestern etwas mehr Zeit, so daß mich meine Pflegerin von dem blutgetränkten Hemd befreien und mir ein Monnschaftsbemd aus deu Äriegsbeständen des Feldlazaretts au- ziehen konnte. Eine große Wohltat. Beim Umkleiden knisterte es in meiner Rocklasche, und als ich mühsam mit der Hand hinein- tastete, zog ich eine dünne Kreuzbandsendung, eine Zeitung, her- aus, die mir die Feldpost in der Nacht vom 21. zum 22- gebrach: hatte. Es war das erste Lebenszeichen, das ich nach 1ö langen Kriegslagen durch die Feldpost erhielt, trotzdem ich wußte, daß rag- lich liebe Hände mir schriftliche Grütze gesandt haben mußten. Ich bekam diese denn auch zum Teil später nach zehn Wochen bangen Wartens, Ende September und Anfang Oktober. Also der erste Gruß aus der Heimat, ein dünnes, halbes Zeimngsblatt log in meiner Hand. Auf den lieben Schriftzügen der Adresse ruhte mein ?luge mit Dank und Sehnsucht eines Kranken. Tie Gedanken, so viel davon vorhanden waren, weilten in der Heivlat, und ich ge- dachte all der Liebe und Fürsorge, die ich dort so oft genossen halte. Es kam mir so vor, als ob aus der vertrauten Handschrift dieser kleinen Postsendung ein Gebet für mich zum Himmel aufstieg. Ich faltete das Blatt mit erheblicher Mühe auseinander. Es war eine halbe Krotoschiner Zeitung mir dem Kriminalroman. Wer kennt Krotoschin und die Krotoschiner Zeitung! Fern an der Ostgrenze, aber dicht beim schönen Schlesien gelegen, ist Krotoschin erheblich besser als sein Ruf, der eigentlich nur durch Kuplets und gewöhn- beitsmäßige Zeuungsrnse als außer dem Bereich aller Möglichkeiten dargestellt wird. Eine Großstadl ist nun allerdings Krotoschin nicht, und wer glaubt, daß man dort etwa billig lebt, der irrt sich schwer, denn die Stadt lebt zumeist von der Garnison. Tie Krotoschiner Zeitung erscheint auch nur dreimal in der Woche, und zwar nicht gerade in sehr umfang- und inhaltreicher Form. Dafür jedoch bringt sie in harmonischer Vereinigung mit dem Kreisblau alle drei Tage all das, was das Herz und Gemüt eines Krotoschiners er- freut und bewegt und— den Kriminalroman. Es soll Menschen geben, die oft nur diesen lesen, aber das sind keine rechten Pa- trioten! Nun lag im fernen Feldlazarett in Frankreich die halbe Kroto- schincr Zeitung vor mir, und ich las de» Romanzipfel mehr mit Augen und Herz, als mit Verständnis, dazu langten die Kräfte nicht. Natürlich spielte in ihm, nach Muster von Sherlock Holmes, ein Amateur-Detektiv eine unmögliche Rolle, in welcher er Europa und Umgegend und sämtliche Nihilisten meistert. Außerdem aber stand auf dem halben Blatt noch allerlei von Interesse. Ein Auf- satz über das heimtückische Japan und seine Kriegserklärung, mehrere kleine Artikel ans dem Reich über Kriegsvorbereitungen und Stimmung, alles für mich von Interesse. Dann kamen An- zeigen und dann noch kirchliche Nachrichten. Mit einer gewissen Andacht las ich dies alles, und andächtig wurde ich von den anderen Verwundeten beobachtet, Deutschen und Franzosen, die mich sicher als eine Art von Protz ansahen! Nachdem ich nun alles gründlich gelesen hatte, gab ich das halbe Blatt meinem Nachbarn, einem Hirschberger Jäger, den als Schlefier natürlich die Krotoschiner Nachbarschaft berührte. Dann wanderte die Zeitung zu einem Metzer t>7er, der noch niemals etwas von unserer lieben Stadt hörte, nun aber dafür interessiert wurde. Hefter einen Tanziger Herrn kam sie an eine Reihe Frau- zosen, die mit Bedanern und schweren Herzens das Blatt ungelescn weitergeben mußten, schließlich aber an einen L7cr Unteroffizier von den Krotoschiner Steinmetz-Füsilieren. Da war es nun in den rechten Händen. Er verschlang alle Nachricknen und wohl dreimal las er alles durch, so ging die brave halbe Zeitung weiter und lag dann zum Schluß auf der Decke eines armen blassen Burschen, dem mit besonderer Freigebigkeit Morphium verabfolgt war. Drei schwere Verwundungen, die Weihe des Todes fürs Vaterland, war auf seiner Stirn zu lesen. Mit verlangendem Auge blickte er auf das Blatt, aber die Hand war zu schwach, es noch aufheben zu können. Als Bindeglied mit dem draußen pulsierenden Leben lag hier die Zeitung vor dem Braven, dessen Blick schon ins Jenseits gerichtet war. In unserem Lazarettzimmer wurde es Abend. Tie alte, wür- dige Oberin, brachte mit zitternder Hand eine Lampe, die sie aus den eisernen Efeu stellte, und dann herunterschraubte, um uns Kranke nicht zu blenden. Aber das erzeugte einen so abscheulichen Petroleumgeruch, daß wir von einem Krankenwärter die Flamme wieder heller machen ließen. Um nun das Blenden zu verhüten, besonders für den armen sterbenden Kameraden, mußte die halbe Krotoschiner Zeitung neue Dienste leisten. Mit ungeübter Männer- saust spaltete der Krankenträger das Papier der Länge nach und formte nach mehrfachen vergeblichen Versuchen, die das größle Interesse aller Zimmerbewohner erregten, daraus einen Lampenschirm, der Beifall fand und nun ein gedämpftes Licht spendete. Gegen l) Uhr hatten wir alle unsere wohltätige..Spritze" erhalre», und jeder bereitete sich mit dem gebrechlichen Körper ouf die Nach: vor, so gut es gehen wollre. Wie spät es war, ich weiß es nicht. Ich erwachte und mein Blick siel aus die Krotoschiner nun„ganz-halbe" Zeitung, die uns so viel Freude und Abwechselung und zuletzt Hilfe gebracht hatte, und dnmljflitt dos Auge weiter über die Krankenlager und blieb an dem Schwerverletzten haften, eoein Gesicht war ganz schmal geworden und geisterhaft blaß, die Hände lagen wnchsgelb aus der Decke. Das brechende Auge suchte nach Licht und rubte ans der Lampe und unserem Zeitungsblatt. Als ich und mehrere andere Verwundete dann am anderen Tage zum Weitertransport aus dem Zimmer getragen wurden, und ich diesem und den zurückbleibenden Kameraden Lebewohl zuwinkte, siel mein Blick auch ans unsere» Krotoschiner-Zeitungs-Lampenschirin, der uns so gute Dienste geleistet hatte; dieselben wird er gewiß am Abend den Zurückbleiben- den und unseren Nachfolgern tun. Wer weiß, ob diese nicht die beiden Zeitungshälften wieder zusammenhalten, um den Inhalt mit gleichem Eifer und gleicher Sehnsucht noch unserer lieben deutschen Heimal zu lesen, wie wir es taten. H. O. Ms ösr Gerichte öes Drotes. Unser tägliches Brot, dessen sparsame und rationelle Aus- Nutzung während der Kriegszeit für Deutschland ein dringendes Gebot ist, blickt auf eine vieltausendjährige Geschichte zurück. Es hat im Laute dieser langen Zeitspanne seine Gestalt mannigfach verändert. Tie Verarbeitung der Getreidekörner zur menschlichen Nahrung ist ein uralter Brauch, der bis in die fernste historische Vergangenheit zurückgeht. Das Verfahren, durch daS man" in grauer Vorzeit die Getreidekörner in Mehl verwandelte, war natürlich sehr primitiv. Tie Körner wurden nur zwischen Steinen zermablen; darauf lassen die Funde schließen, die man in den Gräbern der Steinzeit, in den Pfahlbauten und an der sagen- umwobenen Kulturstätte gemacht bal, wo sich einst das heißum- strittene Troja erhob. An allen diesen Ausgrabungsstätten bat man hier und da Brotreste gefunden, und man hat besonders in den schweizerischen Pfahlbauten halbe und ganze Körner von Weizen und Hirse erlennen können. An manchen dieser Reste zeigte sich ganz deutlich eine Verkohlung der Rinde, was darauf schließen läßt, daß dieses„Brot" entweder in glühender Asche oder auf heißen Steinen gebacken wurde. In der größeren Hälfte des Altertums hatte das Brot, das aus Teig geformt und dann gebacken wurde, eine scheibenförmige Gestalt. s?a muß auch das bei Homer erwähnte altgriechische Brot ausgesehen haben; spricht doch der Dichter in der Aeneas-Sage von jolchein Lackwerk, das HJ Ueberfluß. Von Martin Andersen N e x ö. Aagc dagegen war ihm sympathisch. Er bewunderte die Gesundheit und Körperkraft des.jungen Mannes und seinen völligen Mangel an allgemeinen Erwägungen. Hier war nichts zu finden von jenem geschmacklosen allesumfasscn» den Geiste, der nicht das Hemd wechseln konnte, obne es„um der ganzen Menschheit willen" zu tun— dagegen unmittelbare. gesunde Eigenliebe und ein sicherer Sinn für die Ivirk- lichen Güter des Lebens.„Dieser Mensch ist glücklich, er überlegt mit dem Körper," dachte Karl, wenn er mit ihm sprach. Doch fühlte er sich mit jedem Tage, der verstrich, immer weniger wohl in dem Abstinenzlerheim. Trotz seinen wieder- holten Beschwerden wurde es mit der Reinlichkeit in seinem Zimmer nicht besser, und überall im Hause herrschte die gräß- lichstc Unordnung. Am Tage nach seiner Ankunft hatte er unten in der Küche etwas zu holen gehabt, und da hatte er gesehen, wie unsauber der Wirt und das blödsinnige Dienst- inadchen bei der Zubereitung des Essens zu Werte gingen: und seitdem war es ihm nicht möglich, au irgendeiner Malzt- ze't teilzunehmen. Er gab vor. der Arzt babc ihm strenge Tiät auferlegt, und beschränkte sich daraus, Milch und Weiß- brot in seinem Zimmer zu genießen. Es siel ihm auf, daß die Hausfrau sich nie der geringsten .Kleinigkeit annahm und daß man nie aus sie rechnete. Sie l'eß sich weder in der Küche noch bei Tische sehen: aber so oft er ausging oder nach Hause kam. sah eijeine Dame, die er für sie hielt, an einem Fenster in dem Teil der Wohnung sitzen, der aus der anderen Deite des Torwegs lag. Karl glaubte zu bemerken, daß der Wirt, der sonst so osienherzig war, scheu wurde. Iveim die Rede auf seine Frau kam. Eines Tages äußerte er offen sein Erstaunen darüber, daß er sie nie zu sehen bekomme, und fragte den Wirt, ob sie krank sei. Dieser antwortete mit einem bestätigenden Nicken und einem tiefen Seufzer. „Es ist gewiß ii'cht leicht, die Hausfrau entbehren zu müssen," sagte Karl, der eine gewisse Müdigkeit aus dem �enfzer herausgehört hatte.„Hoffentlich ist dw Krankheit nicht ernster Natur?" „Fürs erste besteht leider keine Aussicht, daß meine Frau wieder auf die Beine kommen kann,— wenn's überhaupt je geschieht." „Das ist also nicht Ihre Frau, die ich drüben auf der anderen Seite des Haustors am Fenster sitzen sah?" „Doch, das ist sie," erwiderte der Wirt verlegen.„Sie braucht nicht im Bett zu liegen, aber sie perläßt nicht ihren Stuhl. Es ist eine Art Lähmung der Beine." Der Wirt tat Karl aufrichtig leid. Es war klar, daß die verwirrten Verhältnisse im Hause ans das Fehlen der Hausfrau zurückzuführen waren, und der Wirt litt sicherlich am meisten darunter,— darum nahm er so eiirig teil an aller Frauenarbeit. Daß er nicht immer damit znrechtkam, war wieder eine andere Sache. Jetzt verstand Karl auch besser das anscheinend Faielhaste und Weichliche im Wesen des Wirtes. So mußte sich ein Manu, der hausfrauliche Db- liegenheiten hatte, unumgänglich in den Augen eines Fremden ausnehmen, und gerade das Fremdartige in der Arbeit lvar geeignet, einem Manne das Gepräge des Tastens und der Unsicherheit zu geben. Es lag etwas Hübsches und zu- gleich Rührendes in der Art, wie er die Arbeit der lahmen Hausfrau verrichtete und ihr den Tort ersparte, mit anzu- sehen, daß eine Fremde das Haus in Besitz nahm, ausgestattet mit ihrer Macht und Autorität: und Rarl beschloß, wohnen zu bleiben und sich so weit wie möglich in die Verhältnisse zu schicken. Aber er wurde stark schwankend in seinem Entschlüsse, als er in sein Zimmer kam und sich in dessen Schmutz zurecht- setzte, um einen mehrfach begonnenen Brief au den Vater zu vollenden. Sobald er sich niedergelassen hatte, spürte er mit steigendem Ekel, wie die Flöhe vom Fußboden seine Beine zu ersteigen begannen. Auch heute wurde nichts aus dem Brief, und er stand auf, um auszugehen. Als er vom Fenster aus einen Blick auf den Hof hinabwars der bereits in tiefer Dämmerung ruhte, sab er zu seinem Erstaunen die Frau des Wirtes im schatten der Mauern so rasch und rüstig wie irgendein anderer über den Hof schleichen, und nun stieß er seinen Entschluß zu bleiben völlig um. Als er am nächsten Tage'einen gewöhnlichen Spazier- gang machte, begegnete er Rask, der in tiefen Gedanken die Straße entlangschlotterte. Alle Gliedmaßen des Kandidaten schlenkerten beim Gehen hin und her: er war io beweglich wie ein Hampelmann, und der ungewöhnlich hohe, schmale Kops nickte vorüber nach deu Seiten bei jeder Bewegung, die er machte. Karl ging über die Straße zu ihm und grüßte. der Kandidat dankte kühl. „Hören Sie, was ist mit Sörensens Frau los?" fragte Bänder, ohne sich um die abweisende Haltung des anderen zu kümmern.„Zuerst erzählt er mir, sie liege zu Bett: dann. sie sei schwach auf den Beinen und könne nicht vom Stuhl aufstehen, und nun sehe ich sie heut abend über den Hos schleichen, ohne daß ihr etwas fehlt. Warum zeigt sie sich nie?" „Es fxhlt ihr allerdings etwas," erwiderte der Kandidat, „aber ihr Mann leidet wohl mehr unter der Krankheit als sie selbst— sie ist nämlich im höchsten Grade hysterisch. Daß sie nicht gehen kann, das ist so eine sire Idee, verstehen Sie. Sie kann recht gut. wenn sie will. Will sie aber nicht, so gibt es keine Macht der Erde, die sie dazu bringen kann. Siehai einen geduldigen, liebevollen Mann: sonst ginge es ans die Daner nicht: sie lnt selber nicht das geringste und per- urteilt alles, was er unternimmt. Man begreift nicht, wie er das aushalten kann. Aber es ist groß von ihm. Ich nehme meinen Hut vor so einem Manne ab. Na adieu!" Er grüßte nachlässig und bog in eine Haustür ein. Bänder verfolgte aufs Geratewohl die Straße zum Städtchen hinaus und kam an einen Weg. der oben an dem alten Fjortniser dahinlies. Rechts lagen hübsche Arbeiter- Häuschen niik glänzenden Fensterscheiben und Gärten davor: im Rücken hatten sie den dauernd ansteigenden Abhang, und hier waren kleine Äüchengärten mit Kohl und anderen Gc- »nisen angelegt. __ Auf der anderen Seite lagen Wiesen, die gleichmäßig abfielen, bis sie an eine Straße stießen: zwei einsame Reihen von niedrigen Häusern, die wie ein roter Darm aus der Stadt heraushingen. Dahinter lagen wieder tlache grüne Auen, und der Fjord'schob sich hier wie ein Wald von Schilf ins Land hinein. Eine Biertelmeile weit, auf der entgegen- gesetzten Seite des Fjords, hob sich das Land abermals, mit Wäldchen und Gehöften: und weit landeinwärts, wo die beiden Uferhänge sich trafen und cineu Keil bildeten, ragte ein großer, blattender Heideknollen mit einem Seezeichen auf. Vor ihm in dem seichten Fjordwaiser plätscherten bar- füßige Knaben, etwas einwärts trat der Baden ans dem Wasser hervor: heller, eingetrockneter Schlamm, der in der Sonne unzählige Risse bekommen hatte, llnd dort, noch weiter landeinwärts, waren gewaltige Wiesen, fl-.cki wie ein Wassersviegel und mit einein Bach in der Mitte, der anfangs gerade und breit dalag wie ein Kanal und Anlegestellen für Boote hatte, weiter oberhalb schmal und gewunden war und voll schwimmender Pflanzen und sich neigenden Röhrichts. gu nächst nli Teller biciüc und dann selbst verzehrt wurde.?! och vis in unsere Zeit hat sich derartiges Scheibenbrot in einzelnen Mturfrentden Gegenden Aegyptens und Vorderasiens e'rt?altclr Welches Volt des Altertums zuerst den Sauerteig als treibende Kraft beim Backen benutzte, läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen, doch nimmt man an. daß die alten Aegypter diese Erfindung gemacht haben. Auch die Bibel kann in dieser Beziehung als Suellenkunde dienen. Sie liefert den Bewcu'. daß die Jude n zur Zeit Abrahams das gesäuerte Brot noch nicht kannten; aber der mosaischen Gesetzgebung steht das Gebot, in der Sstcrzeit kein gesäuertes Brot zu essen./ Die Griechen haben das Brotbacken höchstwahrscheinlich von den Phöniziern gelernt und dann in seine Zubereitung Ab wcchselung und Verfeinerung gebracht, cie benutzten zum Brot backen hauptsächlich Weizenmehl und erzielten durch Zusatz von Milch, Käse, Cel, Wein, Mohn oder Pfeifer zahlreiche verschiedene Brotarten. Sic gaben aber nicht den Phöniziern oder Acgyptern die Ehre der Broterfindung, sondern schrieben diese ihrem Gott Dionysos All, der besonders in Athen als Erfinder des Brotbackens boch gepriesen wurde, und zu dessen Huldigung bei bestimmten Festen große Brote tn feierlichem Zuge zum Göttcrteinpcl ge-> tragei� wurden. Von Griechenland kam die Kunst des Brotbackens nach Italien, wo das Brot dem Gotte Pan geweiht wurde. Daher stammt der lateinische Name..paiiis" für Brot. Anfangs wurde es nur im Hause zubereitet, und erst im 2. Jahrhundert u. Ehr. wurden die ersten Backöfen eingerichtet. Von den nörd- lichcn Völkern, mit denen die Römer in Berührung kamen, haben zuerst die Gallier das Brot übernommen. Sie sollen es auch gewesen sein, die damit ansingen, beim Brotbacken die Hefe zu be- nutzen. Verhältnismäßig spät, wahrscheinlich erst zu Anfang des Mittelalters, verstanden die germanischen Völler sich scbmack- Haftes Brot zu bereiten; denn der aus einer gesottenen Mischung von Mehl mit Wasser oder Milch hergestellte teigige Brei, den unsere Vorsabren mit Schmalz genossen, kann wohl kaum als Brot m unserem Sinne bezeichnet werden. Ilebcrbaupt scheinen die germanischen Völker nicht allzuviel Begabung für die Brotbäckerei gehabt zu haben; aß man doch m Schweden noch im 16. Jahr- hundert ausschließlich barte, ungegorene Kuchen, die. ans Wasser und Mcbl geknetet und gedörrt, eine nur wenig schmackhafte Speise gewesen sein müssen. Lange Zeil hindurch wurde satt ausschließ- t ich Roggenbrot gebacken; erst im 18. Iabrhundert bürgerte sich das Weizenbrot allgemein ein. Einen großen Umschwung nahm das Bäckcrgewerbe gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als die ersten Tcigknetmaschi- li e n erfunden und zunächst in Oesterreich und in Holland aus- probiert wurden. Diese Knetmaschinen, die durch mannigfache Verbefferungen im Laufe des 16. Jahrhunderts immer größere Erfolge erzielten, konnten des hohen Anschaffungspreises wegen anfangs nur in Militärbäckereien und Brotfabriken Verwendung finden, während jetzt mechanische Vorrichtungen zur Teigbereitung wobl in keinem größeren Bäckereibetriebe fehlen. Mit dieser maschinellen Teigbercitung war sowohl Bäckern wie Verbrauckiern gedient. Der Bäcker wurde dadurch von einer longwicrigen und sehr anstrengenden Arbeit befreit; die Konsumenten aber ge- wannen die beruhigende Gewißheit, daß eine Uebertragung von Krankheiten durch den Brotgenutz. wie sie beim Handkneten zu befürchten war, nunmehr so gut wie ausgeschlossen war. Die Ar- beit wurde dadurch auch sehr beschleunigt, und heute iit es für den Bäcker ein leichtes, mit Hilfe der Teigknetmaschine in einer knappen Viertelstunde etwa 73 Kilogramm herzustellen. Dazu kommt noch der Borteil, daß der Teig durch die Arbeit der Maschine gleich- mäßiger geformt und sauberer behandelt wird. Der Urwalü als Kampffelü. Nähere Angaben über die äußerst schwierigen Geländeverhält- nisse, unter denen die Kämpfe in Kamerun stattfinden, enthält der Brief eines englischen Offiziers, der schreibt: ..Die Zeit vergeht, und wir sind noch immer nicht recht..ran". ES ist ein sehr schwieriges Gelände, in dem wir kämpfen, und olles geht sehr langsam vor sich. Das Klima mit seiner furcbtbaren Hitze, seinen tropischen Regengüssen und heftigen Tornados, die Mangrovensümpfe, das dichte, zum Teil undurchdringliche Dschungel, die Mühseligkeiten des Transports, all das trägt vereint dazu bei, seden Fortschritt zu hindern. Ist man erst einmal im dicken Busch drin, dann beginnt ein Kampf mit der?iamr. der einen müder macht als die größten Gewaltmärsche aus guten Straßen. Bisweilen ist es niederes Untergehölz, durch das man sich mit Messer und Art den schmalen Pfad erst bahnen muß; noch öfter aber ist es der wilde Urwald Westafrikas. Das sind dann große Bäume, die üppig umwuchert sind von Schlingpflanzen, behängt und verwachsen mit einer unglaublich reichen Vegetation. Auf einigen der Wiesen standen noch Mieten, auf anderen weidete buntes Vieh, das mühsam die Hinterbeine nachzog. Ganz auf dem Grunde des Wiesengebiets lag ein rot- gekalktes Fachwerkgehöft niit vier Flügeln— die Wassermühle. Es sah aus, als wäre sie in das Land eingegraben, man konnte ihr übers Dach sehen, und dahinter lag der Mühlentcich, fast in einer Höhe mit dem Hansfirst. Bänder setzte sich auf den Grabenhang und blickte zer- streut über das Land hin.„Hier ist's schön," dachte er müde. Er sah all die grüne Ueppigkeit, das Spiegelbild des Waldes im Wasser und die sonnenhelle Lust, empfand aber keine Freude darüber...Wäre ich nur gesund!" dachte er und heftete den Blick aus den lichten Weg, der in einein großen Bogen herumlief und sich drüben auf der anderen Seite im Lande verlor.— Ja. wäre er gesund, dann würde er ins Land und in den Sommer hinanswandern— nicht nachdenken über Licht, Lust und Land, sondern das alles ein- saugen durch alle Poren, einatmen, einessen, eintrinken, ein- > schlafen, in sich hinein, und wieder ausstrahlen als Müdig- keit, Dunst und Schweiß. So armselig, gering würden die Menschen nennen, was er sich wünschte, das Wohlsein des Tieres, nichts anderes; aber er tauschte gern seine Seele und Intelligenz, den Gebrauch der Rede und des Gedanken da- für ein. Inmitten der reichen Jahreszeit und der herrlichen Natur saß er hier schlaff und sehnte sich nach etwas ganz anderem. Ein wenig Rot oder Gelb hier und da zwang sich ihm auf als leuchtende Verheißung der Vergänglichkeit aller Dinge, und er träumte sich mitten hinein in den Laubfall mit seinen bunten, erregenden Farben und seinem faulen Gestank, von dem einem der Hals rauh wurde, aber der sich mildernd um die Lungen legte. Der Sommer betäubte ihn, und der�Winter wirkte unter- drückend auf ihn, aber es lag etwas Stärkendes darin, zu leben, wenn die ganze Natur der Vernichtung preisgegeben war, und das Leben einzuatmen, das sie von sich gab. Es verlieh eine eigentümliche Befriedigung, zu wissen, daß jeder mildernde Atemzug erkauft war mit dem Untergong eines anderen Geschöpfes, und sich seinen Weg zu bahnen über tausend, ja Millionen Leichen. Ter Gedanke faßte Wurzel in ihm: hier m einem dieser villenartigen Häuschen wollte er wohnen und der Natur von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, wollte stejetzt, dojie auf ihrem Höhepunkt war, greifen und ihr von Tag zu Tag in die Vernichtung folgen. Er entsann sich, daß er etwas von „Zimmer zu vermieten" gelesen hatte, und behielt die Häuser auf seinem Rückweg im Aaugc.(Forts, folgt.) Vögel auf jedem Zweig glänzen in allen Farben, vom leuchtenden Blau und Purpur bis zum schimmernden Gelb und Orange; sie stiegen von Baum zu Baum über uns her und scheinen sich mit ihrem Rufen und Singen über uns lustig zu machen. Dazu Infekten von jeder Art. von riesigen Schmetterlingen bis zu Stech- fliegen, die den Marsch auch nicht gerade erleichtern und recht schmerzhafte Wunden verursachen, bevor man noch an den Feind kommt. So kommen unsere Kolonnen schlecht vorwärts. Wir drangen schließlich bis zu den Vorposten durch, und ganz nahe dabc ist eine tiefe Lichtung, wo Oberst... vor kurzem von einer deutschen Streitmacht in einen Hinterhalt gelockt, mit verborgenen Maschinengewehren empfangen und schwer geschädigt wurde. Wir hatten ein paar Dutzend Tote. Die deutschen Gräben sind noch zu sehen, dazwischen Löcher, und wenn man sich weiter vorwag stößt man auf deutliche Spuren des Kampfes. Zwei englische Ossiziere verirrten sich kürzlich im llrivald und blieben vier Tage lang ohne Speise und Trank. Das kann einem leicht passieren und ist eine stete Gefahr, denn allein im Dickicht ist man so gut wie verloren. Ter eine kam glücklicherweise, halb verhungert und verdurstet, nach der K... Station, der andere stiesi ans einen deutschen Vorposten und geriet in Gefangenschaft. Oberst. Lager wurde vor wenigen Tagen von einer Herde von Elefanten ü b e r r a n n t, die die ganzen Verschanzungen in Grund und Boden zertrampelten. An Elefanten ist hier überhaupt ein großer Reichtum, und auch sonst sieht man an unseren Linien merkwürdiges Getier. So stieß ich auf ein Krokodil und dann auf ein sechs Fuß großes schwarzes Mamba. Die Deutschen haben einen Panzerzug und haben die Eisenbahnlinie, die iviederher- gestellt worden war. gesprengt, wobei sie augenscheinlich eine groß Menge Dynamit verwendeten, denn die Explosion war aus 16 Kilo- meter hörbar. Des Nachmittags fanden die Eingeborenen eine Granate im Walser in der Nähe des... Kais, wahrscheinlich eine der letzten, die der„Ehallenger" bei der Beschießung von Tuala abgc- feuert hat. gingen ihr mit einem Hammer zu Leibe und sprengten sich dabei selbst in die Lust. Stücke davon flogen fast bis an die Stelle, wo ich stand, aber als ich die Granate untersuchen wollte, fand ich nicht ein Stück, nur die unglücklichen Burschen, mausetot, ganz zerrissen von der Granate... Wie ein altägpptisiher General wohnte. Infolge des Krieges mußten auch die seit Jahren von deutschen Gelehrten in Aegypten vorgenommenen Ausgrabungen einstweilen eingestellt werden. Es ist deshalb erfreulich, daß gerade während der vorjährigen Grabungsperiode in Tell-el-Amarna wieder sehr bedeutende Funde gemacht worden sind, über die der Archäologe Pros. Ludwig Borchardt, Kairo) im jüngsten Heft der„Mitteilun gen der Deutschen Orient-Gesellschast" näheres bekannt gibt. Da- nach ist es gelungen, neben vielen kleineren Grundstücken auch das wohlerhcilten« Haus eines gewiß sehr wohlhabend gewesenen Würdenträgers, des Generals Ra-mosc und seiner Frau iJne: aus der Ruinenstadt ans Tageslicht zu fördern. Aus den Inschriften, die sich an dem Türpfosten im Hause des Heerführers fanden, hat sich ergeben, daß Ra-mose zur Zeit des Königs Amenophis IV. lebte, jenes fanatischen Religionsreformers aus dem Königsthrone, der den Dienst der alten ägyptischen Götter verbot und einzig und allein den Sonnenkult gelten ließ. Tie stattlichen Ueberreste des Hauses von Ra-rnofe blicken also aus eine Vergangenheit von etwa 3366 Jahren zurück. Mit zi-emlichcr Sicherheit hat man einen großen quadratischen Raum als das Zimmer der Hausfrau feststellen können; denn über der Tür dieses Gemachs steht deren Name, während an der ent- prechenden Stube des Mannes der Name des Generals verzeichnet ist. Daß das quadratische Zimmer das Gemach der Generalssrau gewesen ist, kann man auch daraus schließen, daß sich neben diesem Raum eine kleine Kammer befunden hat, die sicher zur Aufbe- Währung der Kleider der Aegypterin gedient hat. Es haben sich sogar noch Spuren der charakteristischen Holzbänke vorgefunden, aus und unter denen wahrscheinlich die Kleider- und Schmuckkästen der Hausfrau ausbelvahrt gewesen sind. Rock besser aber als dos Zimmer der Frau läßt sich die ursprüngliche Gestalt der„tiefen Halle" erkennen, die wahrscheinlich als Eßzimmer gedient hat. Zwei Doppeltüren in der Mitte und eine einfache Teitcntür führten in den 49 Ouadratmcter großen Raum. An der Hinterwand sieht man noch die lleine Erhöhung, aus der ivohl einst die Sessel des Hausherrn und seiner Frau gestanden haben mögen, auch erkennt man noch deutlich die Stellen, an denen sich als besonderer Schmuck vier Säulen erhoben haben. Am interessantesten avcr war ohne Zweifel die Wandbemalung der„tiefen Halle", deren Spuren immerhin noch so deutlich erkenn- bar waren, daß man an eine Rekonstruktion gehen konnte. Als Modell hierfür dienten die zahlreichen Reste der von höheren Wandstellen abgefallenen Bemalung, Stücke von reich ausgemalten Türaufsätzen, von Hohlkehlen mit Rundstab usw. Der Ton der Wand zeigt noch heute die grünlichbraune Farbe, die dem Stil- schwamm abgelauscht ist. Von diesem Hintergrunde hoben sich die Türen mit weißen, schivarzumränderteu Einfassungen und weißen Hohlkehlen ab. Tie Türgewände müssen ein sattes Rotbraun ge- babt haben, aus das knallgelbe Hieroglyphenzeilen gesetzt waren. Die gemalten Türflügel waren in den einzelnen Brettern fein abschattiert, von gelblichem bis zu rotbraunem Ton. Ter als Orna- ment in ägyptischen Häusern fast nie sehlende Papyrusstengel mutz in natürlickem Grün mit gelben Fußblättern gemalt gewesen sein. Als Fries umzogen graziös geschwungene Girlanden die Wände dieses Raumes, der gewiß einen recht wohnlichen, in seiner Farbenmischung auch für unsere Augen harmonischen Eindruck ge- macht haben mag. kleines Zeuilleton. SaUonadwehrkanonen. Ztviichen kriegerischem Angriffs- und Verteidigungsrüstzeug Hai von jeher eine Art Wettlaiif bestanden, dessen Entscheidung häufig abwechselnd nach der einen und der andern Seite sich neigte. Es war vorauszusehen, daß die große EntWickelung der Luftschiffahrt auch auf die Artillerie nicht ohne Einfluß bleiben würde. Allerdings war es natürlich, zunächst den Versuch zu machen, eine wirksame Be- kämpfung der Krieasluftschiffabrt mit den bereits bestehenden Geschütz- einrichtungen durchzuführen, da jede Umgestaltung auch, abgesehen vom Kostenpunkt, erhebliche organisatorische Schwierigkeiten mit sich bringt. Tie Bekämpfung der älteren Kriegslustschifsc� war für die Artillerie auch keine allzu schwere Aufgabe. Ein Fesselballon, der sich in den Bereich einer Batterie begibt, ist ohne Iveiteres als ver- loren zu bezeichnen. Jede Feld- und Flachfeuerbatterie wird ihn 1-.i—f;-.�1 für 7 ti Pit"9 r 1! cfl ffmiS muß das Geschütz ein sehr rasches Feuern gestatten und leichte Be- weglichkeit besitzen. Um den unbestrichenen Raum möglichst cinzu- schränken oder ganz aufzubeben, muß der Schußwinkel aufs Aeußerste erhöh: werden. Diese Gesichtspunkte liegen den Geschützen zugrunde. die zur Abwehr von Ballonanuäherung von Fr. Krupp und der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik Düsseldorf bereits vor einigen Jahren ausgeführt worden sind. Sie werden in verschiedenen Typen und mit verschiedenem Kaliber, flir Feldgeschütze, für Kraii- wagen und zur Aufstellung aui dem Schisfsdcck angefertigt. Ihre Fcucrbcrcilschast ist aus das höchste gesteigert. Ebenfalls zur Bekämpfung und eventuellen Verfolgung lenkbarer Luftschiffe sollen Panzerautomobile dienen, die in Berlin aus der Automobilausstellung von 1967 vorgeführt worden sind. Seitdeur sind alle diese Perteidiguiigswaffen noch vervollkommnet worden und werden im gegenwärtigen Kriege den Beweis ihrer Brauchbarkeit er- bringen. vas Gefühl beim fliegen. Tie Lösung des Flugproblems hätte wahrscheinlich nicht eine so lange Zeit von ort vergeblicher und zuweilen verhängnisvoller Mühe und Arbeit gekostet, wenn der Mensch körperlich etwas mehr begabt dafür wäre. Die Vögel besitzen in ihrem Ohr eine Ein- richtung, die als ein sechster Sinn bezeichnet worden ist, und zwar als Gleichgewichtssinn. In gewissem Grade besitzt ihn natürlich auch der Mensch, aber lange nickt in solcher Vollkommenheit wie ein Vogel. Was bei diesem selbstverständlich ist, muß jener sich durch allmähliche Gewöhnung und Erfahrung erobern. Aus diesem Grunde ist das Studium der Empfindungen, die sich bei der Aus- fitfininn einl»L fimMtHTipu ptm'fprfm vm« Aussage von Latham über die Erfahrungen bei einem Flug er- innert, der ihn unerwartet bei 1386� Meter in eine Wolkcnsckicht geführt hatte. Ter berühmte Flugschisscr bekundete, daß er alsbald den Zwang gefühlt habe, zu landen, weil sein Orientierungssinn mit Bezug aus die Höhenstellung seiner Maschine gänzlich versagte. Dieser war zwar vollkommen vorhanden gewesen, als er in die Wolken hineinflog. Später aber wußte er nicht mehr, ob seine Ma- schir.e sich in horizontaler Richtung bewegte, stieg oder sank, und ebensowenig vermochte er zu erkennen, ob er geradeaus oder in einem Bogen flog. Die Empfindung dieses Bersageiis der Orien- tierung war so heftig und niederschlagend, daß der Flieger toten- bleich zur Erde gelangte und, nachdem er das Flugzeug verlassen hatte, zusamniengebrochen wäre, wenn man ihn nicht gestützt bäne. Man sucht diese Erfahrung aus einem Mangel an Gewöhnung zu erklären und glaubt, daß sie nicht eingetreten wäre, wenn Latham zuvor bei Flügen schon häusigere Bekanntschaft mit den Wolken gemacht hätte. Vermutlich ist es mit diesen Empfindungen ähnlich bestellt wie mit denen, die mancher Mensch in einem schnellfahrcnden Eisenbahnzug oder aus einem Schiff über sich ergehen lassen muß. Wenn dieser Vergleich berechtigt ist. so darf crtvartet werden, daß mancher sich an die Bewegung einer Flugmaschine ebensowenig gewöhnen wird wie an die eines Schnellzuges oder eines Sckisis. Freilich würde daraus auch folgen, daß nicht jeder für den Auf- enthalt im Aeroplan geeignet ist, ebenso wie viele Leute sich auch durch immer neue Versuche nicht von der Neigung zur Seckrank- heit zu befreien vermögen. Nimführ hat versucht, auf dem Wege des Experiments eine,, Einblick in die Empfindlichkeit des Glcick- gewichtsinns beim Menschen zu erlangen. Er bat zu diesem Zweck einen Apparat gebaut, der einen«itz in tardaniscker Aufhängung darstellte, also die Möglichkeit gab, dem Körper jede beliebige Ret- gung zu geben. Es zeigte sich, daß die Empfindlichkeit gegen Aenderungen der Neigung nach einer der Seiten hin sehr viel größer ist als die gegen Neigungsänderungen nach vorne oder nach hinten. Während der Mensch fähig ist, eine Neigung nach der Seite hin schon in dem geringen Matze von 1-1 Grad mit gc- schlossenen Augen deutlich zu fühlen, bleibt er oft sogar gegen 5 Grad Neigung nach vorne oder hinten unempsindlich. Immerhin stellt sich nach diesen Versuchen der Mensch als viel feinfühliger für Eleichgewichtsänderungen dar. als früher angenommen wurde, und man darf daraus wohl den Schluß ziehen, daß von dieser Seite kein erhebliches Hindernis für die Entwicklung des Menschen- flugs vorliegt. Tic Erfahrungen der jüngsten Zeit haben das durchaus bestätigt._ dewets Proklamation. Der„?!ieuwe Conrant" erhält aus Südafrika die folgende Proklamation Dewets und Beyers, die am 28. Oktober verbreitet worden war und eine Vorstellung gibt von der Erbitterung, die zwischen den Parteien herrschte. Bekanntmachung. Hiermit wird allen Bürgern der Union bekanntgegeben: Da dte Regierung der Union beschlossen hat, Deutsch-Südwest- asrika zu erobern und auf unwahre Berichte und Behauptungen hin die Parlamentsmitglieder der südafrikanischen Partei den Beschluß der Regierung bestätigt haben; Und da Prolest erhoben wurde gegen den gottlosen Einfall in Deutsch-Südwestasrika gegen ein Volt, daß uns nie etwas Böses getan hat, sondern uns stets wohlgesinnt war; Und da die Regierung dem Boll das Recht, auf friedliche Weise einen Protest fortzusetzen, durch die Proklamierung des Belagerung--- zustandes genommen hat: Protestieren wir weiter mit der Waffe in der Hand gegen das gefährliche Unternehmen, das die Regierung wider den Sin» und Willen des Volkes auszuführen trachtet, überzeugt, daß unser Volt in das größte Elend gestürzt wird, und Gottes Fluch herauf- beschwört.' Da unsere protestierende Haltung nicht den Zweck hat, das Blut des Bruders zu vergießen, sondern, im Gegenteil, wie bereits be- wiesen. solckeS möglichst zu verhüten und unter keinen Umständen als Angreifer aufzutreten trachtet. Erlassen wir zum Schluß den Ausruf an alle Bürger, daß sie alle Kräfte anspannen sollen, um ihren Einfluß gegen die Eroberung von Deutsch-Südwestafrila anzuwenden und sich gleichzeitig zu weigern, von der Regierung dazu benutzt zu werden, uns gegenseitig mit der Waffe zu bekämpfen. Den» unser einziges Ziel ist die Ehre Gottes und das Heil von Volk und Vaterland. Gezeicknet: E. R. Dewet. G. F. Beyers. Generäle der protestierenden Bürger. Notize». — Kunstabend. Ein.Hcine-Abend" findet am Sonntag. J">-• i den 17. Januar, abends S'.» Uhr. im SSiller-Saal. Cbar- mittels«chrapnells zum«sinken fongen können. Auch �: lottenbutg. flau. Elle Wasa und Georg Paeschke rezitieren. Ten .—„„rMn-s™ Mol- m.r w-.- iur Erde acKvunaen>j3orlrQg 6äIt Dr Eugen Tannenbaum. konnten verschiedene Male auf diese Weise zur Erde gezwungen werden, da der Kugelregen eines in der?!ähe des Ballons platzenden Schrapnells dessen Hülle derart durchlöchert, daß ein hinreichender Gasverlust eintritt, um das Luftschiff niederzubringen._ Anders liegen aber die Verhältnisse gegenüber den modernen� Luftschiffen. Wohl wird es in manchen Fällen möglich sein, auch sie durch eine Batterie erfolgreich zu beschießen, nachdem Entfernung, Geschwindig- keit mid Kurs ermittelt sind. Die Geschütze müßten dann �zur Be- streichung einer Höhe von mehreren hundert Metern„gestaffelt" werden und nötigenfalls auch zu einer seitlich verschobenen Wirkung gebracht werden. Kommt jedoch das Luftschiff, womöglich unter gleichzeitigem Steigen, der Batterie über eine gewisse Grenze hinaus nahe, dann versagt diese Art der Beschießung durch die alten Artilleriewaffen durchaus. Es war leicht einzusehen, in welchem Sinne Abänderungen der üblichen Kanonen vorzunehmen wären, um sie zu der neuen Ver- Wendung geeignet zu machen. Das Geschütz muß dem Geschoß eine sehr gestreckte Flugbahn, d. h. sehr große Geschwindigkeit, verleihen. damit das Ziel nach dem Slbfeuern seine Stelle nicht erheblich ver- ändert haben kann, ehe das Geschoß seinen Platz erreicht. Ferner Die„Ausstellung für Verwundeten- und Kranke»für sorge im Kriege" erfreut sich gegenwärtig eines so starken Besuches, daß si» die AuSstellungSleilung, um den Andrang zu den von ihr veranstalteten Kinovorstellungen zu regeln, veranlaßt sieht, für diese an den Sonnabenden