Nr. 12.- 1915. Unterhaltungsblatt des vorwärts Freitag, 15. Jamiar. von Unterwegs. Wer nach Brot sucht, mutz durch die Gassen laufen. Wenn er den Mund halten und die Ohren aufzumachen versteht, hört er gar viel. Und immer ist der Krieg der grotze Untergrund, von dem alle Gespräche ausgehen und wohin fie zurückkehren. Hier einiges Er-, lauschtes von Interesse:'s Im Vorortzug. Die Grotzeltern, die Tochter und die Enkelin fitzen mir gegenüber. Sie sprechen vom Ernst und vom Bernhard. Die junge Frau sagt: „Um den Ernst ist mir nicht bang. Der bleibt auf seinem Depot. Aber mein Bernhard.. Die Großmutter:„Du mutzt inn ihn nicht immer die Angst haben. Er wird schon vorsichtig sein." Die junge Frau schüttelt leise den Kopf: „Mutter, ich Hab' so eine Ahnung— ich glaub' nicht, datz eS der Bernhard übersteht--" Sie spricht nicht weiter. Die Tränen brechen ihr aus den Augen und sie weint vor sich hin. Der Großvater und die Großmutter sitzen mit trostlosen Gesichtern da. Mitten im Weinen ruft die Frau aus: „Und das Hühnerfutter wird auch immer teuerer!" Dieser Ausruf wirkt auf mich verblüffend und komisch. Aber der Großvater und die Großmutter bleiben sehr ernst und ihre Ge« sichter schauen noch trostloser darein. Die junge Frau fuhr, während ihr die Tränen die Wangen herabrollen, fort: „Und gerade die Italiener legen gar nicht mehr. Und der Bern- hard ha: mir gerade die Italiener an das Herz gebunden, als er ging. Aber wie soll ich sie mit meinen sechsunddreißig Mark im Monat durchfüttern, wenn der Krieg noch lange dauert!?" In der Elektrischen. Zwei Herren sitzen sich auf den Polstersitzen der Elektrischen gegenüber. Ihre Körpersüllen sind in warme Pelze gehüllt, aus denen zwei rote, dickwangige Gesichter hervorschauen. Der eine Herr beugt sich vor und klopft dem anderen auf die Schenkel: „Ich sage Ihnen, und Sie können mir's glauben aufs Wort: Scchzigtaui'end Mark hat er verdient in zwei Wochen." „Was sind sechzigtausend Mark?" antwortete der andere.„Wenn man jetzt nicht das Geschäft wahrnimmt— was wird zu verdienen sein naiv dem Krieg'i Ich schließe heute zehntausend Sack ab und liefere iie morgens mit einszwanzig Aufschlag. UebrigenS, wie geht es Ihrem Edmund?" „Danke. Gott sei Dank, es geht ihm gut. Aber er wünscht, datz es bald und glücklich zu Ende war." „Warum zu Ende?" Sie sehen sich beide an und lächeln. Dann sagt der Erste: „Sie haben grotze Strapazen." „Haben wir beim Geschäft nicht auch unsere Strapazen?" Uud die beiden Herren sehen sich wieder an und lächeln. Ein stummes Ferngespräch. Wenn ich nach Hause gehe, mutz ich über einen Steg, der die Spree überspannt. DeS öfteren schon hatte ich auf der einen Seite der Spree eine Frau gesehen, eine alte Frau mit einem runzeligen Gesicht, spitz vorstehender Nase, die mit den Armen über das Wasser hinübet winkte und Zeichen machte. Auf der anderen Seite der Spree stand eine jüngere Frau mit einem Knaben von etwa elf Jahren. Die beiden grüßten zurück. Da ich Zeit hatte, habe ich dieses stumme Ferngespräch oft lange Zeit beobachtet, ohne eine Erklärung zu finden. Dieser Tage wurde sie mir. Ich muß bemerken, datz die Spree an dieser Stelle die Grenze von den Kreisen Niederbarnim und Teltow ist. Der Ort über der Spree liegt im Kreise Teltow, der andere in Nicderbarnim. Die Frau mit dem Knaben war durch Heirat eine Russin geworden, geboren ist sie iir Oesterreich. Der .vmabe ist in Berlin geboren. Der Gatte und Vater ist gestorben und liegt auf dem Friedhof im Orte diesseits der Spree begraben. Seine alte Mutter wohnt über der Spree in den: anderen Orte. Als Russen dürfen nun beide Frauen ihren Wohnort und Kreis nicht verlassen, und alle Tage wollen sie nicht um Erlaubnis entkommen. Und so kommen die Frauen jede an ihr Ufer und begrüßen und unterhalten sich ans der Ferne. Zwei Minuten Weges ist über die Brücke. Doch sie können zusammen nicht kommen. Leöbeben. Aus: Vulkane und Erdbeben, von Pros. Dr. R. Brauns, einer populären, gut illustrierten Darstellung, die in der Naturwissensch. Bibliothek im vorigen Jahre erschien(Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig, Preis geb. 1,80 M.). Wenn auch nach rein geologischem Gesichtspunkt die Wirkungen eines Erdbebens immerhin geringfügig sind und nicht so merkbar wie die vulkanischen Aufschüttungen, so sind sie doch für Menschen- werk und Menschenleben� zerstörender als die heftigsten Ausbrüche der Vulkane. Dörfer und Städte sinken in wenigen Sekunden in Trüm- mer, ausgedehnte Landstrecken versinken in tvenigen Sekunden in das Meer, Teile des Landes verschwmden für immer in den aufgerissenen und wieder zugeklappten Spalten, Feuersbrünste entstehen, die Gas- leitungen brechen aus, an elektrischen Leitungen entsteht Kurzschluß, die Wasserrohre brechen, alles vereinigt sich, um die Zerstörung voll- ständig zu machen. So sind denn die Verluste an Menschenleben enorm. Bei dem Erdbeben in Lissabon im Jahre 17Sö sind 60 000 Menschen umgekommen; bei dem Erdbeben von Mino in Japan sollen LS 000 Menschen und 130 000 Gebäude vernichtet worden sein; bei dem von Messina um die Jahreswende 1908 sind gar MO 000 Menschen umgekommen. Der Ausbruch des Moni Pete kostete 32 000 Menschen das Leben, die größte Zahl, die je durch einen vulkanischen Ausbruch umgekommen ist; im deutsch-ftmizösischen Krieg 1870/71 beklagte das deutsche Heer 40000 Tote, fünfmal soviel Menschenleben hat daS eine Erdbeben von Messina in wenigen Sekunden vernichtet! Vulkanische Ausbrüche fördern immerhin fruchtbare Aschen, auf denen bald wieder neues Leben erblüht, sie liefern nutzbringende Gesteine, sind häufig Erzbriuger, Erdbeben wirken schlechtweg zerstörend, vernichtend. Bei den meisten Erdbeben erfolgen mehrere Stöße kurz hinter- einander, meist so, daß schwächere Stöße den starken vorangehen und diesen folgen; sie dauern zusammen nur wenige Minuten. Oder es folgen sich schwächere und stärkere Stöße in großer Zahl Hintereiii- ander, bisweilen während vieler Tage und Monate; man spricht dann von Erdbeben schwärmen. So wurden bei dem Voigtländischen Erd- bebenschwarm vom 13. Februar bis zun: 18. Mai 1903 an 93 Tagen 44 heftige und 645 schwächere Stöße wahrgenommen; die Provinz PhokiS in Griechenland wurde in den Jahren 1870—1873 durch nicht weniger als 300 starke und 50 000 schwächere Erdstöße in steter Uil- ruhe gehalten; ähnüch wieder im Jahre 1895. Hiermit nicht zu verwechseln sind die bisweilen recht zahlreichen Nachbeben, die einem starken Erdbeben folgen und die gewissermaßen als ein Ausklingen der starken Erschütterung zu betrachten sind, welche die Erdkruste erfahren hatte; sie treten in ungefähr demselben Gebiet aus, wie das Hauptbeben, ohne daß jedoch beide sich genau decken. Sie haben, weil sie schwächer sind, geringere Ausdehnung, während der Ausgangspunkt der Erschütterungen mit dem des ersten nahezu zu- saunneufällt; so wird das jüngste süddeutsche Erdbeben vom M.Juli 1913 als ein Nachbeben des großen Bebens vom 16. November 1911 aufgefaßt. Die Nachbeben können Monate oder Jahre nach dem Hauptbeben eintreten, je nach den Verhältnissen, durch welche sie ausgelöst werden. Durch die Wellen, welche von einem großen Beben ausgehen, werden nicht selten auch in entfernter liegenden Gegenden Erdbeben ausgelöst; so mögen die zahlreichen schwächeren Erdbeben, die im ?iahre 1909 in den Mittelmeerländern eintraten, durch das äußerst estige Erdbeben von Messina ausgelöst worden sein. Man kann sich vorstellen, daß in der Erdkruste im Laufe der Zeit Dehnungen und Zerrungen eingetreten sind und das Gleichgewicht zu einem sehr la- bilen geworden war, so datz ein nur geringer Anstoß genügte, es völlig zu stören, ein Erdbeben zu verursachen; und serner, daß die Spannung nicht auf einmal ausgelöst wird, sondern zunächst da, Ivo sie am stärksten war. Es tritt danach nicht sofort stabiles Gleich- gewicht ein, sondern dieses wird in Etappen— darum die Nachbeben— erreicht; durch' die Bodenverschiebuugen werden die Span- nungen in andern, entfernteren Gebieten vergrößert, durch geringelt Anstoß werden auch sie ausgelöst. Ein solcher Anstoß kann von Erd- bebenwellen ausgehen, aber auch von den Erschütterungen eines heftigen vulkanischen Ausbruchs; so ist es nicht unmöglich, daß das Erdbeben von San Franziska vom 18. April 1906 durch den Ausbruch des Vesuv zu Anfang April des gleichen Jahres verursacht worden ist. Tie zeitliche Aufeinanderfolge spricht für diese Annahme, die sich allerdings weiter nicht beweisen läßt. Ebenso können Erdbeben vielleicht durch plötzliche stärkere Luft- druckschwankungen ausgelöst werden, besonders, wenn diese beider- seits einer Beriverfung hohe Grade erreichen. Das jüngste Erdbstben in Deutschland, das am 20. Juli 1913 in Frankfurt und Stratzburg gespürt wurde und seinen Sitz am Rande der Rauhen Alb hatte, wie das vom Jahre 1911, war zwar ein tektonisches Erdbeben, wird aber in ursächliche Beziehung gebracht zu den Luftdruckschwankungen, die so stark gewesen wären, daß durch sie vorhandene Spannungen aus» gelöst wurden, es wird als eine direkte Folge einer atmosphärischen Störung angesprochen. Aas diesem Zusammenhang würde sich als- dann auch die zuvor erwähnte Tatsache erklären, daß Erdbeben häufig von elektrischen Entladungen, Wetterleuchten, Blitzen und dergleichen Erscheinungen begleitet sind. Bewiesen ist ein solcher Zusammenhang zwischen Erdbeben irnd atmosphärischen Störungen bis jetzt aber noch nicht. Die Ausdehnung des Schüttergebietes, in dem ein starkes Erd- bebeit noch als solches gespürt irnrd, entspricht nicht immer der Heftig- keit des Bebens, vielmehr kommt dafür noch ein anderer Faktor in Betracht, das ist die Tiefe des Herdes, und man wird im allgemeinen sagen können, daß, je ausgedehnter bei ungefähr gleicher Stärke eines Erdbebens das Schüttergebiet ist, um so iiefer der Herd des Erd- bebens liegt. Das Erdbeben, das im Jahre 1883 auf der Insel Jschia sich ereignet hat. war so heftig, daß der Badeort Casamicciola vollständig in Trümmer gelegt wurde, die Ausdehnung des Schütter- gebietes aber so klein, daß die Erschütterung in andern Teilen der Insel nur schwach, in Neapel gar nicht mehr gespürt wurde; der Herd lag sicher dicht unter der Oöerfäche, wahrscheiitlich im Epomeo, der damit verkündete, daß er doch noch nicht völlig erloschen sei. Das Erdbeben von Lissabon dagegen, vom Jahre 1775, wurde in Nord- afrika, Schottland, Norwegen und Böhmen gespürt, sein Herd lag sicher tief. Die Rechnungen führen je nach den Annahmen, aus die sie basieren, auf Tiefen bis zu etwa 35 Kilometer, andere aus er- heblich größere Tiefen. Nach der Form des Schüttergebietes sind zentrale und lineare Erdbeben zu unterschetden. Wenn die Erdkruste völlig gleichmäßig beschaffen wäre, müßten die Erdbeben wie die Wasserwellen sich nach allen Richtungen gleichmäßig fortpflanzen, müßten �alle Erdbebe» zeu- trale sein. Tie Verschiedenheit der Gesteine, die Störungeil im Bau verhindern dies; namentlich hindern Verwerfungen die gleichmäßige Fortpflanzung und bewirken, datz an ihnen Erdbeben zu linearen werden. So Ivar das Erdbeben von San Francisco vom 18. April 1906 ausgesprochen linear; das Hypozentrum im Erdinnern ist gewiß schon linear gedehnt gewesen, das Schültergebiet war ein schmales, längs der Küste laufendes Areal von etwa 400 Kilometer Länge bei nur 80 Kilometer Breite und siel mit Verwerfungsspalten zusammen, die auf eine Erstreckung von 300 Kilometer zusammenhängend nach- gewiesen sind. In kleinerem Maßstab sind die Erdbeben an: Rande des Schwarzwaldes linear, überhaupt allgemein die in der Nähe ren Verwerfungen oder Gebirgsketten, während die um Vulkane mehr zentral sind. Die Ausdehnungsform der Erdbeben führt zur Frage nach der Ursache der Erdbeben oder vielmehr nach den Beziehungen zwischen Erdbeben und dem Bau der Erde. Hiernach kann»tan unterscheiden: Vulkanische Erdbeben. Tätige, aber auch ruhende Vul- kerne bilden in der Regel Erdbebenherde. Fast jede Eruption lvird durch Erdbeben angekündigt; Pompeji war 16 Jahre vor seinem Unter- gang durch Erdbeben zerstört worden. Das ErschütterungöNebiet ist immer klein, wenn auch die Erschütterung bisweilen recht heftig ist. Bei der Erepution des Aetna im Jabre 1910 wurden durch ein Erd- beben im Observatorium sämtliche Weinflaschen zu Boden geworfen, in dem 10 Kilometer vom Bebenherd entfernten Nicolosi wurde das Erdbeben nur sehr schwach, in dem 25 Kilometer entfernten Eatania gar nicht gespürt. Auch das vorher erwähnte Erdbeben von JSchia war sicher ein vulkanisches Beben. Aus den Schilderungen der vul- kanischett Ausbrüche ist zu ersehen, daß die Mehrzahl von Erdbeben begleitet ist. Tektonische Erdbeben sind solche, die mit der Tektonik, dem Bau der Erde in Beziehung stehen. Räch ihrer Ausbreitung sind es häufig lmeare Beben, das Erschütterungsgebiet erreicht die größte Ausdehnung. Sie treten vorzugsweise in solchen Gegenden aus, in denen junge geologische Veränderungen in großem Maßstabe statt- gefunden haben, in geologisch jungen Faltengebirgen und Senkungs- gebieten. Solche Schüttergebiete sind in Deutschland das Rheintal mit seinen Randgebirgen, ischwarzwald, Vogesen, Odenwald; die Gegend von Groß-Gerau, das sächsische Voigtland. Ferner Laibach in Käniteit, die Akpcn, Italien, Griechenland, die Inseln im Acgäischen iWcer, der Kaukasus und Himalaia, Kalifornien, Mittelamerrka mit den westindischen Inseln, Chile, Peru und vor allem Japan; im Durch- schnitt zählt man aus den japanischen Inseln etwa 600 Erdbeben im Jahr. Im allgemeinen sind die Haupt-Schüttergebieie der Erde die- 12] Ueberfluß. Von Martin Andersen N e x c. Er machte halt an einem niedlichen, schiefergedeckten Häuslein, das sich an einen kleinen Wald anlehnte und am Ende der Reihe lag, ein gutes Stuck von den anderen eilt- fernt. Es hatte einen zweifenstrigen Giebel, an dem zu lesen stand:„Zu vermieten", und vorn und nach der einen Seite einen gut gepflegten Garten; an dem Pförtchen hing ein Schild mit der Aufschrift:„Französische Wäscherei und Plätterei, Dorotea Hansen, Witwe." Er öffnete das Törchen und ging hinein. Die Tür zur Stube stand weit auf, aber es war niemand darin. Vom Tisch zur Komode hin lag ein Plättbrett, ein anderes ging vom Fenster in die Stube hinein und wurde von einem Fuß gehalten; auf dem Tisch lag Stärkcwäsche in Ballen beisammen und leuchtete bläulich in der Sonne; da- neben stand eine Schüssel init Stärke und eine Schale mit reinem Wasser. Und in dem offenen Fenster stand ein Dampfbügeleisen, nm glühend zu werden. Er wollte weiter durch das Haus gehen, hörte aber schnelle Tritte, die vom Hos nach der Küche gingen, sowie zwei Frauenstimmen, die durcheinander lachten und schrien. „Willst Du um Verzeihung bitten, Mädchen?" „Ja— ja— nein, ich will nicht." „Tonn kriegst Du's über den Rücken." „Ach nein, Mutter, davon wird einem so kalt." „Flink, ich Hab anderes zu tun als hier herumzustehen." „U— m heißt um, 33— c— r heißt Per, z— e— i heißt zei. h— u— n— g heißt... Au. aber ich will ja, wenn ich bloß auf die Knie vor Dir fallen und Dein Beim umfassen darf. Das gehört dazu." � �. „Ja. aber Du mußt mich nicht dabei umwerfen. Du Bösewicht." „Was denkst Du... meine liebe, gute, fuße Mutter umwerfen! Komm also her! Um Verzeihung bitte ich, will's nie wieder tun— haha, nun Hab ich doch Dein Bein ge- messen!" Und ein junges Mädchen kam mit einem Stückchen Band ins Zimmer gesprungen— von einem Wasserstrahl ge- folgt, der sie jedoch nicht traf, da sie auswich.»So dick!" rief sie und hielt das Band mit beiden Händen über ihren Kopf. aber da bemerkte sie den Fremden und stürzte wieder in die nächste Stube. Einen Augenblick später hörte Karl sie mit der Mutter draußen in der Küche flüstern. „Jösses!" sagte diese.„Ist er fein?" � „Ja, und ganz bleich. Mit so einem Mimd, Tu! Ich hätte beinah Angst vor ibm bekommen." Er hörte die Mutter lachen, vermutlich über den Mund, den das junge Mädchen ihm zuerteilte.„Was will er wohl?" „Wird uns gewiß fressen wollen, er hat ja das Mund- werk dazu! Reich mir eine andere schürze, ich sehe aus wie ein Huhn, das unterm Wasserhahn gewesen ist." Kurz darauf kam die Witwe Hansen herein. Sie war eine schöne, kräftige Frau von ungefähr vierzig Jahren; vom Kampfe hatte sie noch einen roten Kopf; und sie lachte verwirrt. „Sie haben Zimmer zu vermieten?" fragte er. „Ja, zwei fleine— für einen ruhigen Herrn." „Ich finde aber, es geht hier iin Hause recht lebendig zu," lachte er.„Im übrigen bin ich die Ruhe selbst." „Ich meinte auch, für einen, der nicht trinkt." Er zog die Augenbrauen in die Höhe:„Ja. ein Attest über nüchternen Lebenswandel trägt man ja nicht so mit sich herum." Sie brach in Lachen aus:„Wer wie benehm ich mich denn auch, beschuldige Sie aller möglichen Schlechtigkeiten— und bloß weil ich noch den anderen iin Kopfe habe, der die Zimmer zuletzt hatte. Ich Hab nämlich mit meinen Zimmer- Herren ein wenig Pech gehabt. Der Kandidat, der die Stuben zuletzt hatte, war eigentlich der beste und zahlte immer pünktlich, aber manchmal kam er betrunken nach Hause und richtete häßliche Schmutzcrei an. so daß ich ihm zuletzt kün° digen mußte. Na. es wäre übrigens nicht recht, i h m etwas Schlechtes nachzusagen." „War es stuck, peckvt. Rask?" „Jawohl. Also Sie kennen ihn?", „Ich habe die Ehre," sagte Karl ironisch. Er merkte recht gut. daß seine Aktien trotz allem infolge der Bekanntschaft stiegen. „Er hat bis vor einem Jahr hier gewohnt, dann hat er geheiratet." „Ist Rask verheiratet?" fragte Karl erstaunt.„Davon habe ich nie etwas gehört." „Gewiß ist er's. Aber er wird es wohl am liebsten der- schweigen, denn es ist eine etwas eigentümliche Ehe. Sie könnte seine Mutter, ja beinahe seine Großmutter sein." „Das ist doch sonderbar.— Hat sie Geld gehabt?" „Nein, keinen Pfennig. Aber sie hatte eine Nichte, ein wirklich liebes, schönes Mädchen, die er sehr lieb hatte; und als sie dann krank wurde und starb, da hielt er um die Alte an, weil sie ihn so nett tröstete. So sagen wenigstens die Leute— ich habe die Nase nicht dazwischen gehabt." „Schwer genug muß es für den armen Kerl sein," meinte sie nach einer kleinen Weile,„mit so einer Frau, die weder Freude noch Nutzeu bringt! Sie ist nicht weit von siebzig, und außerdem hat sie die Wassersucht und kann mit knapper Mühe an zwei Stöcken von der stelle humpeln. Aber sie ist natürlich aufs Heiraten erpicht gewesen, und er ist ein guter, unglücklicher Mensch, der nie an sein eigenes Wohl denkt." „Dann denkt sie desto inehr an das der anderen. Und das ist doch hübsch von der alten Frau, daß sie ihm eine Ge- legenheit gibt, sich zu opfern," sagte Karl mit ernster Miene. Die Frau sah ihn erstaunt an:„Ein prächtiger Mensch ist er, so viel steht fest. Und darum Hab ich gedacht, wenn es nicht einmal mit ihm ginge, müßte ich es lieber bleiben lassen, an Herren zu vermieten. Aber ich bin doch nicht in der Lage dazu; und es ist auch so leer in einem Hans, wenn kein mann- liches Wesen da ist." „Ja, das ist wahr— Sie werden, wie gesagt, kaum Grund haben, sich über mich zu beklagen; ich trinke nicht und begehe auch keine anderen Jugendtorheiten." „Dann sind Sie krank, kann ich mir denken?" „Ja, ganz gesund bin ich allerdings nicht." „Nein, das sieht man Ihnen an. Was fehlt Ihnen?" Es lag etwas Beschützendes in ihrer Stimme. „Etwas von allem. Ich bin, was man schwächlich nennt." „Sie werden sich hier schon erholen," meinte sie und nickte trostreich.„Sind sie schon lange krank?" Wer Karl empfand plötzlich, daß er im Begriff war, selber in diese Allerweltsverttanlichkeit hineinzugleiten, die lhn bei den Provinzbewohnern so sehr abstieß.„Darf ich die Zimmer sehen?" fragte er kurz. Sie führte ihn hinauf. Die Zimmer waren klein, aber nett gehalten. Von den beiden Fenstern der Mansarden- stube ans konnte er den Fjord, die Wiesen und das Land auf der anderen Seite ganz übersehen, und vom Schlafzimmer, das am Giebel lag, hatte er Aussicht aus das Wäldchen und darüber weg bis zum Kirchhof.— Der tägliche Blick auf den Kirchhof war fast symbolisch; war er doch im Grunde hierher- gekommen, um zu krepieren,(Forts, folgt.) selben wie die, WelHe die tätigen Vuikcms ffiülfaßen, d. 1). die Haopt- druchzonen der Erde. Dazu kommen aber die Gebiete der jungen Faltengebirge und ihr Vorland, der Himalaia, Kaukasus, die Mpen. Viele Erdbeben in einigen der genannten Gebiete stehen mit Vulkanen in direkter Beziehung(Italien, Griechische Inseln, Japan), aber zugleich auch mit der Tektonik, indem sie in Bruchzonen der Erde auftreten, andere mögen durch vulkanische Ausbrüche ausgelost werden, bei manchen läßt sich nicht entscheiden, ob es vulkanische oder tek- tonische Erdbeben seien, andere dürfen doch als tekwnische angesprochen werden, namentlich Erdbeben in Gebieten, in denen junge Hebungen und Senkungen des Bodens stattgefunden haben und in denen Vulkane fehlen, so die Erdbeben in Deutschland und dem Älpengebiet, die kali- fornischen Erdbeben und andere. Manche Forscher lehneir allerdings eine Unterscheidung zwischen tekwnischen und vulkanischen Erdbeben ab, indem sie die Ansicht vertreten, daß beide die gleiche Ursache haben und der?lusdruck innerirdischer Spannungen seien, wie die vulla- nischen Erscheinungen selbst. Die Senkungen und Verschiebungen von Erdschollen, wie sie als Begleiterscheinungen von Erdbeben auftreten, seien nicht die Ursache, sondern die Folge von Erschütterungen der Erdkruste. Ihre Ansicht begründen sie mit der berechneten großen Tiefe des Herdes bei heftigen ausgedehnten Erdbeben, die auf die Magmaherde als Ausgangspunkt der Erdbeben hinweisen. Die Be rechnungen sind aber doch nicht sicher genug, um eine solche Ansicht allgemein zu beweisen� So wie viele Erdbeben sicher mit vulkanischen Vorgängen, mit Eruptionen an der Oberfläche, Gasexplosionen in der Tiefe auch ohne Ausbrüche an der Oberfläche, und anderen Vorgängen iil dem Magma in großer Tiefe in Beziehung stehen, so dürfen andere sicher mit der Tektonik in Beziehung stehen und die Folgen von Veo schiebungen in der Erdkruste sein. In letzter Linie steht ja auch dat Auftreten von Vulkanen mit der Tektonik in Beziehung, da sie an Zerrüttungszonen der Erde gebunden sind wie die Erdbeben selbst. Wir� können also sagen: in den Zerrüttungszonen der Erde sind tek- tonische Erdbeben häufig, und die tektonischeu Erdbeben sind an diese Zonen gebunden; an eben diese Zonen ist das Auftreten der Vulkane gebunden, auch sie können Erdbeben verursachen oder sie in entfernter liegenden Gegenden auslösen. Das Schicksal unserer Kriegsinvaliöen. Professor Dr. K. LiesalSki erörterte am Mittwochabend im Reichstag in einem der von der„Ausstellung für Verwundeten- und Kranken-Fürsorge im Kriege" veranstalteten Vorträge: Die ethische und wirtschaftliche Bedeutung der Kriegskrüppelfürsorge. Man darf annehmen, so führte der Vortragende aus, daß heute schon etwa 50 000 Verwundete in ihrer Bewegungsfreiheit so schwer behindert sind, daß man sie als Krüppel bezeichnen kann. Wenn der Krieg noch länger dauert und man zu jedem der Kriegskrüppel mehrere Angehörige rechnet, so ergeben sich Hunderttausende, welche von dem Schicksal ihrer Ernährer betroffen werden. Es mutz verhindert werden, daß diese unsere Brüder als Leierlasicn- männer oder Hausierer durchs Land ziehen oder erwerbslos dem Elend und der Verzweiflung auheimfallen. Um ihrer selbst willen müssen sie wieder Arbeit finden, damit sie aufrechte, frohe Mit- glieder der Volksgemeinschaft bleiben. Neben dieser ethischen Not- wendigkeit steht die wirtschaftliche, denn wenn so viele Tausende, statt Wert zu schaffen, Werte verbrauchen, ergibt das einen Unter- schied zuungunsten des Volksvermögens, der ungeheure Summen darstellt. Um diesen Kriegsschaden zu beseitigen, sieht Deutsch- land heut« ganz anders gerüstet da als 1871. Unser Vaterland besitzt heute eine über das ganze Reich ausgebreitete Organisation der Krüppelfürsorae für Kinder, welche seit mehr als einem halben Jahrhundert besteht und in 138 Stellen die Kinder durch Heilung, Erziehung und Handwerkslehre wieder erwerbsfähig machst Diese Grundsätze brauchen nur sinngemäß auf die Kriegskrüppel ange- wandt werden, zunächst in ärztlicher Beziehung, Hier hat sich das Spezialfach der Orthopädie zur höchsten Entwicklung entfaltet. Schon vorbeugend kann in den Lazaretten vieles geschehen, um die Entstehung des Krüppeltums zu verhindern. Dann aber vermag der Arzt heute auch nach der Wundhetlung durch Operationen an Nerven, Sehnen, Gelenken und Knochen zahllose Besserungen und Heilungen vorzunehmen, die früher unmöglich waren. Dazu kommen die unblutigen Maßnahmen, Medikomechanik, Massage, Elektrizität, Wärme, Bäderkuren und vor allem die in den Händen der orthopädischen Aerzte zur höchsten Entwicklung gebrachte An- ftrtigung von Stützapparaten und künstlichen Gliedern. Rein körperlich kann also heute die Orthopädie an Schwerverwundeten unendlich Höheres leisten als früher. Dann setzt die soziale Fürsorge ein. Oberster Grundsatz ist, daß die Schwerverletzten möglichst wieder in ihrer Heimat und in ibrem alten Arbeitsplatz untergebracht werden, so daß sie in der Blasse des Volkes aufgehen, als wenn nichts geschehen wäre! Nach den Erfahrungen der Friedenskrüppelsürsorge gibt es kaum eine noch so schwere Verkrüppelung, welche den Betroffenen avöeits- und erwerbsunfähig macht. In erster Reihe muß der Verwundete selber hierüber aufgeklärt werde,!. Sobald er in das Lazarett kommt, müssen seine Gedanken daraus gerichtet werden, daß er Ünjtaside ist, wieder zu arbeiten, und auch Arbeit finden wird. Er muß vor dem furchtbarsten Schicksal des Verwundeten, der „Rentenpsychose", bewahrt werden! Daneben müssen weiter die Arbeikgehsr und die Arbeiter selber aufgeklärt werden, deren menschliche, soziale und vaterländische Pflicht eS ist, die Ver- wundeten zur Arbeit wieder zuzulassen. Als Träger der Aufklärung dienen, neben den Krüppelheimen selber, die Arbeitsnachweise, die Organisationen der staatlichen Versicherungen, das Rote Kreuz, Lehrer, Geistliche, Behörden. Sie geschieht durch Aufsätze, Vorträge, Führungen und durch eine Aufllärungsschrist, die der Redner versaßt hat. In Wort und Bild zeigt gegenwärtig die Gruppe Kriegskrüppelfürsorge aus der„Aus- stellung für Venvundeten- und Kranken-Fürsorge im Kriege" alle diese ärztlichen und sozialen Maßnahmen. Dort ist z. B. zu sehen, wie ein Mann ohne Hände und Füße als Drechsler arbeitet, wie Einhändige schmieden, tischlern, harken, graben, wie trotz Ver- steifung oder Schlottergelenken man Schneider, Schuhmacher und anderes mehr sein kann. Die Krüppelsürsorge selber betrifft nur etwa 10 vom Hundert aller Verwundeten. Für die übrigen, namentlich die Leichtverwundeten, die vor dem Feinde Erkrankten und die gesunden Arbeitslosen müssen die anderen erwähnten Hilssgebiete sorgen. Eine kraftvolle Autorität muß sie alle zu einer Organisation zusammenfassen, leiten und beaufsichtigen. Dafür kommt allein der Staat in Frage. Musik. Sonderkonzert des Blüthnerorchesters. Zu anderen als„Sonderkonzerten" iahen wir den Blüthneriaal doch schon voller. Aber das kommt davon, daß man noch immer wähnt, ein wirkliches Musikpublikum durch patriotische Gelegenheitssachen ködern zu köiiuen. Diesmal versuchte Philipp Wolfrum, Uni- versirätsmusikdirektor in Heidelberg, für seine neueste„sinfonische Dichtung": Kriegerische Marschrhhthmen 1911 gefällige Ohren.' Des Orchesterbleches ganze Trommelfell zerreißende Grunb gewalt, aus das Publikum losgelassen, war mit Shakespeare zu reden Viel Lärm— um nichts. Wie gern hätte man das Geschick preisen mögen, wäre beiagte Gehörmarter schon als Kopf des Programms verabreicht worden— weil man sich dann sofort hätte in Sicherheit bringen können. Jetzt brachte sich Professor Wolfrum um den vorteilhasten Eindruck, den er zuvor als Pianist, der über einen farbigen Anschlag verfügt. hinterlassen hatte. Er spielte nämlich mit dem hiesigen Orgel- virtuosen Fischer zwei Konzerte für zwei Klaviere mir Orchester« begleilung vom Altmeister Sebastian Bach: Fein meisterlich ge- strickte, inhaltlich aber nicht sonderlich reiche Tonschöpfungen. Fischer, akeichfalls ein brillanter Klavierist, war übrigens für den gefeierten Komponisten und Orgelmeister Max Reger eingesprungen, dessen sowohl tbemattsch als kontrapunktisch bedeutende Phan- taste über ein LutherscheS Choralmotiv für Orgel er mit eindrücklichster Registriertechnik zum Vortrag brachte. Weitere Programmstücke waren noch Franz Liszts sinfonische Dichtung „Mazeppa", die wohl wegen ihres kosakischcn Stosis und Kolorits einiges Attualitätsinteresse äbnöttgie, und Mozarts herrliche„Jupiier- Sinfonie", vorzüglich unter Leitung eines anscheinend prattisch tüchtig geschulten Dirigenten: Hermann Abendroth vom Orchester vor- getragen. Dies eine Werk enlschädigte für alles übrige. Ein paar Tafte erklingen zu hören— und der wahrhaft gottbegnadete Musik- schopfer grüßt den armen Erdenpilger aus überirdischen Sphären I _ ek. kleines Feuilleton. ölutige Waffen unter öem Mikroskop. Für geschichtliche und vorgeschichtliche Forschungen kann es von Interesse sein, an einer alten Klinge das Vorhandensein von Blut- flecken festzustellen. Zum Nachweis von Blut gibt es eine ganze Anzahl von chemischen und physikalischen Mitteln, die aber nicht mehr ausreichen, wenn es sich nur um geringe Spuren handelt. Vor einiger Zeit wurde im„Arckriv für Kriminelle Anthropologie" eine Verwendung des Mikroskops zu diesem Zweck mitgeteilt. Auch bei nicht durchsichtigen Gegenständen ist es durch die Verbesserung der optischen Apparate möglich geworden, Vergrößerungen von 400 und sogar bis zu 1000 zu erlangen. Es wurde ein Mikroskop mit innerer Belichtung benutzt, wie es zu mikrographischen Untersuchungen von Stahlsorten dient, an ihm waren noch einige weitere Verbesserungen angebracht. Aus diesem Wege sind Photographien mikroskopischer Bilder entstanden, die für die gerichtliche Medizin von Bedeutung werden können. Es� ist nämlich möglich gewesen, mit diesem Mikroskop auf der Oberfläche von Waffen, denen nicht die geringste Spur von Blut anzusehen war, kleine Bluttröpfchen festzustellen, die an ihrer Form mit Sicher- heit erkannt werden konnten. Beispielsweise ist es gelungen, auf dem Dolch des Caserio, mit dem er den Präsidenten Carnot traf, noch nach fast 20 Jahren Blutkügelchcn mit dem Mikroskop zu ent- decken. Ebenso sind die von Verbrechern stammenden Waffen, die in einem Museum aufbewahrt werden, untersucht worden, und in allen Fällen hat sich das Mikroskop bei der Auffindung der Blut- spuren bewährt. »przempsl Smith*. Przemhsl Smith— das kleine hilflose amerikanische Baby, daZ vor kurzem den Namen der unbesiegten österreichischen Festung als Vornamen erhalten hat, wird auf diese Weise eine Erinnerung an den Krieg durchs ganze Leben tragen, und jedei, der sich beim Rufen des hoffnungsvollen Wesens die Zunge zerbricht, wird daran denken, in welch denkwürdigem Jabre es geboren wurde. Während des südasrikaniichen Krieges hat die Sucht der Amerikaner, ihren Kindern möglichst eigenartige und aktuelle Namen beizulegen, bc- reits die seltsamsten Blüten gelrieben. Die Kttchener Miller, Mafeking Johnson, Ladysinith Wiggins usw., die jetzt als Jünglinge und Backfische herumlausen, tragen das Mal dieser„Kriegs- epidemie" deutlich an der Stirn. Nack allen Scklachten, nach den berühmten Burenfiihrcrn wurden damals die Kinder genannt, und ganz so schlimm scheint es diesmal nickt zu sein. Przemyfl Smith ist immerhin, wie der„Philadelphia Ledger" hervorhebt, eine Aus- nähme, aber auch andere derartige„Taufen" sind bereits vor« gekommen, und es gibt heule schon in den Vereinigten Siaaten einen„Elsaß-Lolhringen Jones" und einen„Löwen NichollS". Tie Mode ist übrigens erst im Entstehen und in der Ausbreitung be- griffen, so daß gewiß nock manche merkwürdige Vornamen durch den Krieg geboren werden dürften. Notizea. — Der Burgfrieden im Theater. Das Deutsche Theater bat zwei neue Dramen von Karl Sternheim l„Das leidende Weib" und„1913") erworben, will sie aber vorläufig nicht aufführen. Beide haben engen Zusammenhang mir den Zeit- ereignissen.„1913" zeigt das kapitalistische Bürgerrum Deutschlands auf seiner Höhe und an der Wende einer Entscheidung vor dem Krieg. — Theater des Westens. Jener Vorwurf des Aus- landes, die Deutschen seien, bei aller Kultur des Geistes, als Mili- taristen doch Barbaren, ließe sich angesichts der Kriegsstücke fast um« kehren. Die Tatsache„Vater zieht ins Feld" ist jedenfalls nicht, das Stück gleichen Namens dagegen höchst barbarisch. ES wird von kleinen Kindern für kleine Kinder gespielt, ist aber ganz im Stile der Kriegspoffen für große Kinder. iL — Bücher für die deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich hatte die Deutsche Dichter-Gedächtnis- stistung zunächst versuchsweise abgesandt. Da die Not an guten Büchern in der Einsamkeit und unter dem seelischen Druck der Gefangenschaft besonders stark empfunden wird, hat die Stiftung eine Anzahl weiterer Bücher durch Vermittlung des Roten Kreuzes nach Frankreich auf den Weg gebracht. Gleichzeitig setzt sie ihre Tätigkeit für die deutschen Lazarettbüchereien, an die nun bereits mehr als 70 000 gute Bücher von ihr verteilt wurden, eifrig fort. Gute Bücher erbeten an die Deutsche Dichter-Gedächtnis- stistung(Hamburg-Großborstel). — Vorträge. Die deutschen Siedelungsgebieie in Rußland behandelt A d o l s L a n e in der Freien Hochschule am Sonnabend abends 8Vz Uhr, in der Aula, Dorolheenstr. 12.— Sonntag, den 17. Januar, 12 Uhr, spricht im Hörsaale dcS Kunstgewerbe-Museums, Prinz-Albrecht str. 7a: Peter Fessen über„Deutsche Krieger in der deutschen Kunst"(mit Lichtbildern). — Psychologische Vorlesung. Dr. M. Baege hält für die Humboldt-Akademie Vorlesungen über„Gehirn und Seele" {Donnerstags von 7—8), und über„die geisttge Entwicklung beim Kinde"(Donnerstags von 8—9) beide in der Georgenstr. 30/31 vom 21. Januar an. � Die Sammlung des Wortschatzes deutscher Handwerkssprachen. Der Allgemeine Deutsche Sprachverein hat ein Preisausschreiben für eine Sammlung des Wortschatzes deutscher Handwerkssprachen erlassen. Dafür liesen bisher folgende Bearbeitungen ein: Wortschatz des Schlosserhandwerks in Hamburg und Umgegend, Wortschatz der Wiener Baubandwerker(Maurer. Steinmetzen, Stuckarbeiter, Dachdecker, Schlosser usw.), Wortschatz der Maler(ohne nähere Angabe der örtlichen Beschränlung), Wort- schätz der deutschen Müllersprache, Wortschatz der deutschen Fleischer- spräche, Wortschatz des Korbmacherhandwerks im Gebiete des Ham> burgischen Staates. — Eine volkstümliche Van-Gogh-AuSstellung. Man schreibt uns aus Amsterdam: Die Vereinigung„Kunst cn Volk", die sich in verdienstlichster Weise um die Erziehung und Ver- edelung des künstlerischen Volksgeschmacks bemüht und die Arbeitenden auf den verschiedenartigsten Wegen zum Genießen echter Kunst heranholt, hat jetzt im städtischen Museum eine Vau-Gogh-AuS- stellung veranstaliet, die Zeichnungen und Gemälde aus ollen Epochen des großen Holländers enthält. Die Sammlung stammt aus dem Privatbesitz der Familie Van Goghs und enthält neben den glut- vollen, mit den schweren Farben deS Südens getränkten Landschaften vor allem die von Van Gogh immer wieder festgehaltenen Volks- typen: Arbeitende Menschen beim Webstuhl, auf dem Felde, beim Essen; afte Frauen, Mütter, Kinder aus dem Volke.— Um das Zustandekommen und die Anordnung der Ausstellring hat sich be- sonders unsere Genossin Marie de Roode-Heijermons, die Schwester Hermann Heijermans', verdient gemacht.— Tie Arbeitslosen— und es gibt ja jetzt genug in Amsterdam— haben fteien Zutritt zur Ausstellung, desgleichen die Mitglieder der Vereinigung, die übrigens den geringen Beitrag von nur 80 Cents jährlich zu entrichten haben. _ Vnsep diesfä/jrigep Jnifen iuMU/üerkau Wv i WMWUDWSKM ÜMÄW ____>____, bietet uberrasebend bCCUge fo eginn: morgen / _ MAWMW_ � Msiautwortlich« Kcdaktnrr: Llsred Wielew. Neukollm m r"■ m moa Buchdruckeret u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co, Berlin SW,