�t. i3.— 1915. Unterhattungsö!lltt öes Vorwärts Pionierarbeit. Ein Pionieroffizier gibt in der„Köln. Zeitung' eine lebhafte Schilderung von der Tätigkeit seiner Truppe: Wir haben eine sternhelle, klare Nacht. Wachsamen Auges läßt der Mond sein mildes Licht über die kleinen Hütten des polnischen Marktfleckens streichen. Ein Bild des Friedens. � Wie die Küchlein um ihre Henne, so drängen sich die strohgedeckten Häuslein dicht um das mit seinem eigenartig spitzen Turme geschmückte alte hölzerne Ä�rckilcin. Da plötzlich ein Zischen, Flammen, und ein getvaliiges, mehrfaches Knallen: eilte russische Salve aus schweren Geschützen. Tonn das gleiche Wetterleuchten am ganzen Horizont. Vier Tage liegt schon die Division auf diesem Weichselufer im Feuer stark überlegener Gegner aus dem jenseitigen Ufer. Hinter steilen Hängen, hinter Wäldeni und m Schluchten hat sich unsere Artillerie nach mehrtägiger Arbeit großartig eingenistet. Nachdem ich als Offizier vom Ortsdienst die Posten untertviesen, begebe ich mich schnell in die an Mitbewohnern aller Art überreiche Hütte. Dort liegen bereits meine Kameraden wie die Sprotteti Kops an Kops im ersten Schlafe. Die Stube ist schon so voll, daß ich nur mach ein bescheidenes Plätzchen am Türeingang erwische. Kaum habe rch mich nach alter Gewohnheit in meine Pferdedecke und meinen Mantel eingewickelt, als meine Phantasie auch schon in den schönsten Träumen schwebt...�. Da höre ich plötzlich ein paar feste Tritte, das Oesfnen einer Tür und erwache eben, als mir die Türecke einen harten schlag gegen den Kopf versetzt. Zugleich platzen mir die Worte aus dem Mund;„Na, verflucht, verdammter Russe, oder was ist das denn für ein blödsinniger Kerl?" Da steht ein großer Ofsizier vor mir, in dem ich aus seine Entschuldigungsworte hin den Ordonnanz- tgfizicr Oberleutnant L.... der Division erkenne. Noch ehe ich vollkommen bei Besinnung bin, höre ich ans seinem Munde die Worte: „Ein sehr wichtiger Auftrag für Sie! Es kommt auf Minute» an. Höpen Sic: Eben wird unten aus den Weichselstcllungen der Jnfan- terie telephoniert: Vorgeschobene IVs Kompagnie, die sich gestern auf einer Wcichselinsel eingegraben hat, steht, da der Fluß seit gestern abend um 1,4l> Meter gestiegen ist, bis an die Brust im Wasser und kann, da sämtliche Brückenstege abgeschwemmt, nicht wieder ans Fest- land. Hilfe durch Pioniere nötig. Eile geboten!" Ohne meinen Kompagnieches zu loecken, lasse ich sofort durch den bei den Fahrzeugen stehenden Posten meinen Zug alarmieren, iväh- rcnd der Ordonnanzoffizier mir die Stellung der Infanterie und Ar- tilleris näher in meine Karte l: 100 000 einzeichnet. Eben ist es 12 Uhr Mitternacht. In wenigen Minuten sind die Leute, die bereits int besten Schlaf gelegen, abmarschfcrtig: bald stehen vier große Wagen, die eben erst samt Pferden beigetricbcn wurden, zur Stelle. Kurz belehre ich meine Leute über unsere verantwortungsvolle Aus- gäbe; dann im Hurra auf die Wagen. Wie„Lützows wilde Jagd" geht's bald im Trabe, bald sogar im Galopp davon, bis sich die Dorf- straße in einer großen Sandwnste verläuft. Langsam ziehen die arm- seligen, kleinen Nussenpferde die knarrenden, vom Wetter zernagten Wagen an vier großen Windmühlen vorbei, die unaufhörlich, sogar in dieser Stunde unfern Truppen Frondienste tun müssen. Säint- liche Waffengattungen haben hier Posten ausgestellt und somit den Ertrag der fleißigen Arbeit mit Beschlag belegt. Jetzt führt uns der Wcg_ nach Weisung eines Postens weiter an einer Beobachtungsstelle der schweren Artillerie vorbei einen steilen Hang hinunter. Eben sind wir an der Beobachtungsstelle vorüber, da fährt rechts von uns eine Lage schwerer russischer Granaten unter getvaltigem Sausen zu Boden. �Dann Stille— nur einen Pionier hört man sagen:„Na, dahin dürfen noch mehr gehen."— Weiter und weiter geht es bergab zu einer schweren Batterie. Vom Monde bestrahlt stehen tief ein- gegraben die wuchtigen, gewaltigen Geschütze da, dem Feinde sieges- bewnßt, ans ihre Kraft pochend, ins Auge schauend. Dann plötzlich ein doppeltes Dröhnen der Erde: zwei dickwandige Geschosse hat eben die Batterie in�die Nacht gesandt. Weiter führt uns der Weg durch eine sandige Schlucht, durch Wacholderstaudcn nach einer Schein- Werferstellung, deren Posten unS schon von ferne mit„Halt, wer da!" anruft. Die kurze Antwort lautet:„Pioniere!"„Ach, unsere Waffen- brüder," ist die Antwort,„macht eure Sache gut." Blitzschnell läßt, auf hohem Mäste ruhend, der Scheiniverfer sein helles Auge auf den jenseitigen Weichsclhöhen hin- und herschwcifen. Rasselnd"schließt er sodann seine Augenlider. Tiefer, tiefer wird indes der Saitd, so daß schließlich die kleinen, krüppeligen Russcnpferde die vorsintflutlichen Polcnwagen nicht mehr weiter zujsichen vermögen. Hurtig steigen meme Leute ab; den in schmutzige Schafpelze gehüllten Polenkutschcrn stelle ich auf ihre Bitten hin schnell einen Ausweisschein aus, und nachdem sie kriecherisch, wie sie sind, sämtliche Nockfransen meines schau ohnehin scknnntzigen Feldrockes abgeküßt haben, sausen sie hoch- befriedigt unter Dankesrufen zu ihren Gespannen hin. Nach etloa 500 Meter Weges gelangen wir an eine tiefe Schlucht, los Ueberfluß. Don MartlnAndcrscnNcxö. Er fragte nach dein Preise, nnd eS entspann sich ein eifriges, merkwürdiges Feilschen zwischen ihnen, da er— zniit erstenmal in seinem Leben— ans einem höheren Preise bc- stand, als der war, der verlangt wurde. Zwölf Kronen, das erschien ihm so lächerlich wenig für zwei möblierte Zimmer, daß er beinahe meinte, es sei ein Verbrechen, diesen Preis zu zahlen.—„Ja, ja, dann also fünfzehn, wenn Sie durchaus wollen!" sagte die Frau zuletzt.„Aber dann will ich auch Ihre Sachen für Sie in Ordnung halten. Die Zimmer sind so weit, daß Sic morgen einziehen können." Die Sonne war im Begriff unterzugehen. Sie stand drüben hinter den hohen Ufern im Vordwcftcu und warf einen schwachen lila Schein in den Himinelsraum über dem Fjord: in den Niederungen wurde die Farbe kräftig, von eigentümlich erregender Tiefe. Karl hatte beobachtet, daß diese Farbe erotisierend auf Alenschen und Tiere wirkte-, die Temimondedamen mutzten dieselbe Erfahrung gemacht haben, denn sie gebrauchten diese Farbe als Lockfarbe. Und mochte es nun daran liegen, daß die Bürgerfranen und Bürger- töchter nicht das sichere Gefühl des Mannes für die Beschaffen- beit der betreffenden Damen hatten, oder daran, daß sie alle Rücksichten beifeite fetzten, mn ihren Anteil zu bekommen— jedenfalls hatten auch sie sich auf die Farbe gestürzt. Bauders eigene Mutter war unter den ersten gewesen, die sie wählten. Ter Gedanke an die Mutter pflanzte sich weiter fort, und ihn ergriff wehmütige Sehnsucht nach seinem Vater, dem einzigen Menschen, den er liebte. Als er nach Hause kam, nahm er wieder das Papier vor und setzte sich hin, um zu schreiben: aber er kam nicht über die Ueberschrift hinaus; er war krank und müde, und alle Gedanken schwanden aus seinem Kopf, sobald er die Feder ansetzte. ES wäre doch so vieles zu schreiben gewesen! Er beschloß, zu Bett zu geben, und begann sich auszu- kleiden. Als er die Beinkleider halb abgestreift hatte, zog er sie wieder an, ging hin, öffnete die Tür zum Gange ein wenig und lauschte... Dann nahm er den Schlüssel herein und schloß die Tür leise. Er wollte den Schlüssel von innen hinein- stecken, aber es war gar kein Schlüsselloch da, nur eine Klinke. I an deren jenseitigem Hange sich ein Bataillon Infanterie als Reserve der vom auf Vorposten stehenden Truppen in tiefen Höhlen ein- genistet hat. Zahlreiche metertiefe, trichterförniige Löcher in der Fels- wand zeugen von der Munitionsvergeudung der Russen. Ein Posten zeigt uns den Weg weiter nach dem etwa 300 Meter von hier ent- scrnten Dörfchen N.... Stark hat auch dies Fleckchen Erde unter feindlichem Feuer gelitten. Eine Reihe Häuser sind niedergebrannt und strecken ihre zackigen Trümmer empor. Einige kleine Hütten sind indes verschont geblieben und ducken sich ängstlich an den Boden. An der Ecke einer Hütte steht eine Zivilperson im Schafpelz, die ich eben festnehmen will, als sie sich durch das„Halt, wer da!" als Infanterie- Posten zu erkennen gibt. Fast außer Atem teilt er mir mit, daß ihn der Bataillonskommandeur hierhergestellt mit dem Auftrage, mir bei incincm Eintreffen den Weg zum Flusse zu zeigen. Ich trabe vor und finde den Bataillonskommandeur eben an ein Haus gelehnt im Tele- phongespräch mit dem Führer der vorn bis zur Brust im Wasser liegenden Leute.„Ach, mein Erretter," war sein liebenswürdiger Gruß.„Denken Sic sich, schon 48 Stunden liegt meine l'/s Kompagnie dort drüien aus der Insel im Wasser, letzt bereits bis zur Brust. Gestern war es uns noch möglich, auf Brücken von hier dort drüben zu der Insel und von dieser zu der nächsten kleinen Insel, wo meine Leute sind, zu gelangen. Diese Uebergangsmittcl hat nun die dauernd steigende Flut weggeschwemmt." Eni Pionier hat indes ein kleines, altes Polenmännchen requiriert und läßt sich sämtliches zum Vau von Stegen nötige Material zeigen. Sodann teile ich eine Patrouille in Stärke von 1 Unteroffizier und 6 Mann ab mit dem Auftrgge, sämtliche Hunde und Gänse im Dorfe, die etwa unsere Maßnabmcn verraten könnten, zu erschießen.(Uebrigens eine Maßnahme, die ich auch sonst bei keiner Erkundung in unmittelbarer Nähe des Feindes vergessen habe.) Stach einigen Minuten erreichen wir über die gewohnterweisc �an Schlamm und Sumpf keinesfalls arme Dorfjtraße die Weichsel. Im Mondlicht werfen die Schtlfgräser lange Schatten auf den Fluß: hier und da drehen sich die ohnmächtigen Reste der durch die wuchtigen Wassermassen losgerissenen Brücke von Strudel zu Strudels Tort hat sogar das aus tiefen Schlünden wallende Wasser zwei große Bletten —. das sind flache, mit Häuslein versehene Schisse—, air� die Insel geschwemmt, aus denen die Russen nach Angabe des Infanterie- Majors verschiedentlich überzusetzen versucht baben, immer ohne Er- folg. Nun heißt es, schnell die Kähne aus dieses Ufer bringen und daraus einen liebergang herstellen. Zwei meiner Leute, Scknffcr von Beruf, haben(wohl nach vorheriger Verabredung, ohne meinen Bc- fehl abzuwarten) sich bereits entkleidet und sind eben in die. kalte Ottoberflut gesprungen. Schon haben sie das andere Ufer erreicht und steuern sodann einen Kahn nach dem andern an das diesseitige llscr. Tic übrigen Pioniere machen sich indes daran, in Ermangelung von bereitliegenden Baustoffen die nähe neugebaute, wohlgefügtc Scheune abzureißen. Vier Schiffer schöpfen mittlerweile das grüne Regen- Wasser aus den Schiflsgefäßen, wobei einer in der Mitte eines Schiffes zwei tote russische Pioniere entdeckt, die wir Wohl oder übel in dem Schifssleib liegen lassen müssen, denn wir dürfen keine Minute verlieren. Leider haben wir den auf jenem Weichselufer liegenden Gegner bereits durch unfern Hammer- und Axtschlag und durch das Schreien einiger Gänse(die Patrouille ist mit ihrer Arbeit noch nicht fertig) auf uns aufmerksam gemacht; denn zwei große Scheinwerfer suchen uns, bald langsam an diesem Ufer hin und her leuchtend, bald ängstlich aufblitzend. Und wirklich, das aufmerksame Auge des einen scheint uns gefunden zu haben. Sein großer Lichtkegel bleibt starren Blickes aus uns gerichtet. Schleunigst werfen wir uns zu Boden. Tann plötzlich ein achtfaches Zischen und Knallen: ein Schrapnellsalve fliegt in die naheliegenden Häuser— eines brennt. Auch die Jnfan- terie ist indes auf uns aufmerksam geworden und beginnt ihr singendes Feuer. Die Geschosse der bei den Russen so beliebten Salve gehen hoch über unsere Köpfe her. Kriechend kommt eben die Patrouille zurück und meldet, stolz auf ihre Jagdbeute, die stattliche Zahl von 20 Hunden und 38 Gänsen. Das Schcinwerferlicht ist indes vcr- schlvunden. Nun wtillc. Hurtig gebt es an die Arbeit; emsig wie die Ameisen schleppen die Pioniere Bretter und Balken zur Brückcnstclle. Unaufhaltsam schwingen die lnitigen Zimmcrlcute Axt und Hammer. Einer sucht den andern an Schnelligkeit zu übertreffen; denn c§ gilt ja das Leben unserer Kameraden z» retten. In etwa lr> Minuten ist der Uebcrgang Ücrgestcllt. Dann geht es in Eile über die spärlich bewachsene Gras- inscl zum nächsten kleincrn und flachem Weichsclarm. Viel Unrat hat der Strom hier ans Land geschwemmt. Die zahlreichen umherliegenden Rinderkadavcr sprechen von der Treftähigkcit bzw. der Zielwahl der russischen Artillerie. In wenigen Minuten ist auch hier unter fortwahrendem Schrapnell- und Jnfanteriefeucr ein Ucbergang aus von der Infanterie gefällten Weidenstämmen, Strauchwcrl und Brettern hergestellt. Durch bereits tiefes Wasser geht eö von hier zu der Stellung der Infanterie. Mitleid ergreift uns, als wir die ersten Er untersuchte den Schlüssel, der schlecht und recht geformt war; der armseligste Nagel konnte ihn ersetzen. Dann warf er sich auf die Ehaisclongue und grübelte ein wenig. Er schleppte den Tisch vor die Tür und legte ein paar Bücher unter die Klinke, so daß sie sich nicht niederdrücken ließ. Er konnte sich nicht freimachen von der Vorstellung, daß er im Schlaf erschlagen werden könnte.„TaS ist eine der Formen meiner Todesangst," sagte er in nüchternen Augen- blicken zu sich selbst, aber es half nichts, er hielt sich daS Lächerliche vor Augen, das in dein Gedanken lag, irgendeiner werde auf den Einfall kommen, bei ihm einzudringen, bloß um das Vergnügen zu haben, ihn zu töten. Er konnte ein- fach nicht schlafen, wenn er nicht seine Vorsichtsmaßregeln getroffen hatte. In Kopenhagen ivar daS nichts Besonderes; da tat er dies alles einzig und allein im Hinblick aus etwaige Ein- brecher. Hier hieß es, sich in seinen eigenen Augen lächerlich machen. Er hatte denn auch sofort der Wahrheit ins Auge gesehen und zugegeben, daß er wirklich aus persönlicher Furcht so handele: die Mordmanie wurde immer allgemeiner und ergriff selbst die Friedlichsten, von denen man also am wenigsten eine Gefahr erwarten konnte; jeden beliebigen Augenblick konnte der Wirt, sein Sohn oder die halbblöö- sinnige Ticnstmagd, kurz irgend jemand, der wußte, daß er in diesem Zimmer schlief, den Einfall bekommen, ihm den Kopf abzuschneiden. Leise pfeifend, ging er ein paarmal im Zimmer auf und ab, legte den Kopf auf die Seite und guckte unters Bett, wenn er am weitesten davon entfernt war, kam zu der anderen Wand und warf einen langen Blick unter die Chaiselongue. Der innerste Raum unter dem Bett lag im Dunkeln, und er krümmte sich, während er mit der Lampe dorthin leuchtete. Zögernd begann er, sich seiner Unterwäsche zu entledigen, da ihn ein zunehmendes lebhaftes Geräusch unten- auf dein Hof ans Fenster rief. Ter Himmel war jetzt stark bewölkt, und es war zieinlich finster. Aber aus dem großen Saal hinterm Hof schien Licht, und er sah junge, sonntäglich gekleidete Männer und Frauen hineingehen. Mitten auf dem Hof hielt ein Bierwagen, und eine Anzahl junger Burschen war im Begriff, 5ivrbe mit Flaschen in den Saal zu tragen. Drinnen ging ein Mann im Frack umher und zerschnitt eine Kerze über den Fußboden hin. und Burschen und Mädchen liefen hin und her und schlitterten darüber weg. Uebcr der Saaltür hingen grüne Infanteristen bis zum Kopf naß auf uns zukommen sehen. Alle sind in große Schafpelze gehüllt, die an Mitbewohnern reiche Pelzmütze auf dem Kopfe. Alle danken voll Freude ihren Kanteraden, ihren Lebensrettern, die ihnen sodann ihre noch trockenen Mäntel statt der durchnäßten Lausemäntel zur Verfügung stellen. Heller und heller wird indes das Firmament. Der Morgen, graut. Truppweise schleicht sich die Infanterie an das jenseitige Ufer, Ivo sie sich in den teilweise noch unversehrten Häusern an den schleunigst angefachten Herdfeucrn wärmt. Ich selbst bleibe noch einige Minuten bei den mich freundlich auf- nehmenden dankbaren Kameraden. Durch Bäume und dickes Gestrüpp gedeckt, beobachten wir von dem höchsten Teile der Insel aus mitchöch- stcm Interesse die fast 200 Meter von hier entfernten auf jcnein� User sich frei bewegenden russischen Soldaten, die genau wissen, daß ein großes Jnfanteriegefecht in dieser Gefccbtslage unsinnig ist. Eiti Russe ist daran, den Läusen und Flöhen in seiner bunten Leibwäsche in der Weichsel Schwimmunterricht zu erteilen. Ein anderer hat sich eine Angelrute geholt und scheint sich die Langeweile durch den Fischfang vertreiben zu wollen. Als sich unsere Leute einen Spaß daraus machen, nach diesen russischen Sportleuten zu schießen, beginnt ans russischer Seite ein höllisches Maschinengewehr- und Gewehrseucr. Einige Sekunden später setzt das Artilleriefeuer ein, das dann läge- weise alles abstrcut, aber außer Rindern und Kühen kein Lebewesen trifft. Nun ist es aber auch für uns bereits Zeit getvorden, uns an das jenseitige Ufer zu begeben; denn der Weg dorthin kann gut von jener Seite eingesehen werden. Mehr und mehr bricht sich die Oktober- sonne Bahn und zerreißt die zarten Schleier der Morgcnncbcl. An jenem Ufer angekommen, macht mich ein Kamerad auf die Schönheit der Weichiellandschaft aufmerksain. Wirklich: ein Morgen des Friedens. Wir stehen inmitten des kleinen durch die Berge ein- geengten Dörfchens; vor uns die nimmer crschöpflichcn Wogen; im Hintergründe die von der Morgensonnc zart beleuchteten, großsormigeii, imposanten Waldeshöhcn. Dann gehts niit meinen Pionieren nach Hause voll Freude über unsere so gut gelungene Rcttungsarbeit mit dem bekannten Pionicrlicd: Hört ihr die Wasser rauschen! Das Schwarze Korps rückt an. Es kommen Pioniere, der Brückenschlag fängt an. Wo's Schwarze Korps sich zeigen tut, Da saßt ein jeder frohen Mut, Denn über unsere Brücken Kann alles ruber rücken. Die neue Kunst öes Schützengrabens. Tic neue Form der Kriegführung, wie sie in diesem Kriege sich zeigt, hat auch eine neue Form des Schützengrabens hervorgebracht. Bei der außerordentlichen Genauigkeit, mit der die modernen Feldhaubitzen schießen, und den eingehenden Angaben, die die Flieger den Zkanonieren geben können, müssen die modernen Schützengräben so unsichtbar und so schmal wie möglich angclcgc werden. So ist eine ganz neue Kunst des Schützengrabens entstanden, die von den in früheren Kriegen gemachten Erfahrungen wesentlich abweicht. Der Kriegsberichterstatter Äshmcad-Bartlctt, der bereits am russisch-japanischen Kriege teilgenommen hat und die Belagerung von Port Arthur mitmachte, gibt eine interessante Darstellung dieser Wandlung in der Anlage von Verschanzungen, die dem Bilde des Krieges von heute seinen besonderen Charakter aufprägt. Die Brustwehr des alten Schützengrabens bestand aus Erde, die in Sandsäcken aufgehäuft wurde; sie ist heute völlig vom Schlachtfeld verschwunden, denn sie bietet dem Flieger für seine Erkundungen ein zu gutes Merkmal und ist für die Geschütze ein vortreffliches Ziel. Die Japaner hatten mit diesen Schwierigkeiten noch nicht zu rechnen. Ihre Gräben wurden in einer Tiefe von etwa I Fuß und einer Breite von 2 bis 3 Fuß ausgehoben, die dabei ausgehobcnc Erde wurde in Leinwandsäckc getan, die sich dann wieder bis zu einer Höhe von 4 Fuß erhoben und den vorderen Wall des Schützengrabens bildeten. Die Sandsäckc wurden ober nicht direkt vor den Graben gelegt, sondern etwa 1 Fuß weiter vor, so daß noch ein Gang vor dem Schützengraben blieb, auf den sich die Soldaten hcraufschwangen, um andere durchzulassen, oder auf dem sie sich zusammenkauerten, um durch die Schießscharten zu feuern, die in etwa 3 Fuß Höhe in den Sandsäcken angebracht waren. Sie wurden in der zweiten Reihe der Sandsäcke dadurch hergestellt, daß man einen Zwischenraum von 4—5 Zoll zwischen zwei Sandsäckcn ließ. Schießscharten sind selbst auf kurzer Entfcr- nung sehr schwer zu sehen, und die beste Art, sie zu unterscheiden, ist die, ein Fleckchen in des Feindes Graben auszuspähen, wo das Licht durchdringt. Dieses kleine Lichtviercck behält man fest im | Aehren und Buchenzweige, und mit leuchtenden Buchstaben > stand auf rotem Grunde: Willkommen!� Jetzt entsaun er sich, daß er irgendwo in der Stadt ein Plakat gesessen hatte, auf dem etwas von eineni„Arbeiterfesl mit Tanz im Saal des Abstinenzlerheims" geschrieben stand. — fünfzig Ocre das Paar.— Ueber den niedrigen Preis hatte er sich gewundert. Er lauschte dem fröhlichen Lärm da unten ein wenig, dachte bekümmert an seine Nachtruhe und löschte die Lampe. Lange saß er zögernd ans dem Bettrand, als ob er sich gegen etwas sträubte: dann nahm er seinen Stock, der am Kopfende stand, beugte sich hinab und stach mit ihni unters Bett— ganz bis ziir Wand: in der ganzen Längendes Bettes fuhr er damit hin und her. Dann stellte er den Stock wieder an das Kopfende des Bettes und zog die Decke über sich. Aber er lag lange da und warf sich herum, bevor er einschlief. In Schweiß gebadet und mit Angst in allen Gliedern wachte er auf. Um ihn war es ganz finster. Was war das... wo war er? Er fühlte sich nicht zu Hause in seinem Bett, unter der Decke, in der Luft, die er einatmete. Warum ging man ihm zu Leibe, was hatte er getan? Endlich erkannte er, daß er in seinem Bett saß. und daß niemand ihm etwas zuleide tat. Aber um ihn her erscholl ein höllischer Spektakel, und der verursachte ihm physischen Schmerz und trieb ihm den Angstschweiß hervor. Bald vcr- vermochte er auch die einzelnen Bestandteile des Lärms zu unterscheiden: da waren eine kratzende Violine, die taktfesten Trampellaute und das Händeklatschen eines Bauerntanzes und heftiges Gescheite vieler Menschen, die heiser durch- cinanderschrien. Eine einzelne Stimme durchschnitt die anderen mit drohendem Gebrüll, und laufende Fußtritte ertönten auf dem Hof, zuerst von einem, dann noch einem. Er horrc einen Schmerzcusschrei und sprang hin, riß die Gardine beiseite und das Fenster auf. An der Wand senkrecht unter ihm, die vom Monde scharf beleuchtet war, stand ein breitgebauter Mann, wischte sich mit dem Aerincl übers Gesicht und schnupfte: ein schmächtiger kleiner Bursche ging im Bogen um ihn herum, und schalt ihn in rohem Kopcnhagencr Straßen- dialekt aus:„Du langer, verfreßncr Banernlümmel, Du willst den Leuten eins draufgeben!" „Ach, balt's Maul," sagte der Große in breitem jüt- ländischen Dialekt. In diesem Augenblick kauerte dex Meine sich wie ejnc rtuge, zielt mit dem Gewcikr genau darauf, und wenn da? Licht nerschinhrdet, sich also ein Kopf oder ein anderer Körperteil des Gegners daporschiebt, dann drückt man augenblicklich los; hat man gut gezielt, dann erscheint gegenüber wieder der Lichtraum, und ein svemd ist getroffen. Die Japaner füllten deshalb ihre Schießschar- lcn mit Felsstücken aus, und wenn sie hindurchsehen wollten, nah- men sie das Felsstück weg und schoben den Kopf an seine Stelle, um auch nicht für einen Augenblick das Licht hindurchfallen zu lassen. Immerhin war es sehr gefährlich, lange an den Schieß- scharten zu bleiben. Dennoch waren die Schützengräben vor zehn Jahren verhältnismäßig bequem und ziemlich sicher. Die Gräben, die sich heute vom Kanal bis nach Elsaß-Lothrin- gen entlang ziehen, sind in davon ganz verschiedener Weise an- gelegt. Sie sind so schmal wie möglich gemacht. Die bei dem Ausheben aufgeworfene Erde wird nicht davorgelegt, sondern weggebracht, so daß der Graben m möglichst gleicher Ebene niit dem Grund und Boden verläuft. Es gibt nur ganz niedrige Brust- wehren, mit so schmalen Schietzscharten, datz der Infanterist gerade bindurchfeuern kann, ohne den Kopf über die Bodenfläche zu er- beben. Solch ein sehr schmaler Graben von 5—-ti Futz Tiefe ist kein gemütlicher Aufenthalt, um längere Zeit, besonders bei nassem Wetter, darin zu leben. So sind denn die Unterstände entstanden, jene Höhlen in der nach hinten zu gelegenen Wand des Schützengrabens, die man scherzhaft„Angstlocher" genannt hat, und in denen Offiziere wie Mannschaften schlafen und sich ausruhen können, wenn sie nicht gerade Dienst im Schützengraben haben. Auch diese„Angstlöcher" verlaufen in gleicher Ebene mit dem Erd- bilden, sind möglichst unausfällig angelegt und geschickt verborgen. ll-ie sind völlig„bombensicher"; höchstens können sie durch schwere Mörser getroffen werden, aber stets ist das Zielen für die feind- lichen Geschütze sehr schwierig. Diese neue Kunst des Schützen- grabens hat auch zu einer Veränderung der taktischen Operationen beim Angriff gefuhrt. Während des russisch-japanischen Krieges verließ die verteidigende Infanterie, wenn sie angegriffen wurde, niemals ihre Gräben, sondern blieb hinter der Brustwehr und feuerte durch die Schietzscharten, oder, wenn die Angreifer ganz nahe waren, über die Wand des Schützengrabens hinweg. Der Feind mutzte, bevor er in den Graben eindringen konnte, über eine Mauer von Sandsäcken von 4— 5 Futz Höhe klettern und hatte so erst ein schweres Hindernis zu überwinden. Jetzt, wo die Gräben in fast gleicher Ebene mit dem Erdboden verlaufen, stürzen die Angreifer, wenn sie den feindlichen Graben erreicht haben, von oben herunter und können das Bajonett mit großem Vorteil ge- brauchen. Deshalb haben bei den zahlreichen Kämpfen Mann gegen Mann im Schützengraben in den letzten Wochen die Ver- leidiger es wirksamer und sicherer gefunden, die Gräben zu ver- lassen, wenn der Feind schon ganz nahe ist, selbst vorzugehen und dem Gegner vor dem Graben mit dem Bajonett entgegenzutreten. Die Gräben sind zum Teil so unsichtbar, daß Patrouillen, die bei Aacht zu nahe an die feindliche Linie herankamen, plötzlich in einen Schützengraben des Gegners stürzten und bajonettiert oder zu Ge- fangenen gemacht wurden. Kleines Zeuilleton. plattdeutsch km deutschen Heere. Da? 2. hanseatische Infanterieregiment Nr. 76, in das noch einer Abmachung zwischen Preußen und Hamburg möglichst alle zur Infanterie ausgehobenen Hamburger ein- gestellt werden, stellt einen Hort der plattdeutschen Sprache im deutschen Heere dar. Es istjm Revier der Kompagnien streng ver- pönt, sich der hochdeutschen Sprache zu bedienen, und so erblüht hier ein ureigener plattdeutscher Soldatenhumor, der die Geschichte der deutschen Soldatensprache um ein besonderes Kapitel bereichert. Von allerlei Scherz und Spott bei den 76ern, wie er sich in ihrem Dialekt ausdrückt, berichtet Johs. Stüde im neuesten Heft der Mitteilungen aus dem Quickborn. So wird Essen und Trinken bei den einzelnen Kompagnien nach den von diesen getragenen Kvmpagnietroddeln ver- scbieden bezeichnet. Da gibt es„erste Brig", das ist die weitze Farbe; das Leibgetränk der 2. Kompagnie heißt„tweetc Kompagnie", das ijt„Getreide im Kunjak", weil die Farben rot und weiß sind, die ll Kompagnie trinkt„Getreide", ihre gelbe Farbe, die vierte„blauen Tweern", gewöhnlichen Kümmel, weil„blau" die Bezeichnung der 4. Kompagnie ist usw. Auf die Frage der sich begegnenden Mann- scbaften„Wat givt bat hüt?" wird diejSpeise stets mit dem im Re- giment üblichen Beinamen genannt. So giht es„Gruben mit Föt" «große Graupen), oder.Polizeifinger"(Karotten), oder„Footlappens" «weißen Kohl), oder„Speckarfen"(Erbsen mit Speck), oder Sonntags, als ganz etwas besonderes„Murmannssweet", ein Gemisch von Fleisch; Rosinen und Brühe, von dem aber nur kleine Teile zugetellt werden, es ist rar, daher die Bezeichnung. Scheint das Essen etwas fett, so datz Fettaugen auf der Suppe schwimmen, so mutz der Koch Katze zusammen, sauste im Sprunge durch die Luft und schlug mit der Stirn gegen das Gesicht des Jiiten, so daß der Kalk von der Mauer fiel. Der Jüte streckte beide Arme in die Luft und fuchtelte wild mit den Händen umher. Der Schweiß strömte Karl aus allen Poren, er reckte sich weit aus dem Fenster und rief:„Hilfe! Hilfe!" Aus dem Saal, wo die Musik aufgehört hatte, fluteten die Tanzenden, sie bildeten einen Halbkreis um die beiden Raufbrüder, schienen aber mehr darauf versessen, anzufeuern als zu vermitteln. „Schäm Dich, Laust/ sagte einer.„Läßt Du Dich von so einem Wicht durchprügeln?" „Sagtest Du Wicht, wie?" hörte man den Kopenhagner kläffen; aber er hielt es doch nicht für ratsam, mit noch mehr Leuten anzubinden. „Er soll nicht kommen und Bolette den Hof machen," sagte Laust. Die Antwort erregte allgenieines Lachen. „Darum brauchst Du Dich doch nicht von ihm durch- prügeln zu lassen." „Nein, aber ich kann ja vor Blut nicht sehen, sonst würde ich mit dem Kopenhagner Straßenjungen schon fertig werden." „Straßenjunge! Aha, Du verlangst noch mehr, wie?" Und der Kopenhagner fuhr rückwärts auf den Kreis zu, um einen Anlauf zurn neuen Sprunge zu nehmen. Aber im selben Augenblick wurde er von einem jungen Manne im Nacken gepackt. Karl erkannte in ihm den Sohn des Wirtes, Aage.„Immer Ruhe, Strolch!" sagte er. Ter Kopenhagner drehte sich uni und starrte ihn an, sprachlos über eine so unerhörte Frechheit. Dann zog er sich langsam zurück, die Augen starr auf seinen neuen Gegner gerichtet. Bevor einer es komnien sah, flog er vorwärts, aber Aage hatte sich ein wenig geduckt; er packte den Kopenhagner an der Brust, drehte ihn in der Lust herum und ließ ihn aufs Pflaster ans den Rücken fallen. „Evo parieren wir Seeleute einen Kopenhagner Kopf- stoß." sagte er.„Geh Du jetzt mit mir hinein. Laust, und wasch Dich." Laust wanftc mit ins Haus, er war noch ganz betäubt. Der Kopenhagner lag mit geschlossenen Augen still auf den'. Rücken.„Entweder ist er halb zu Schaitden�geschlagen," dachte Karl,„oder er sinnt auf ein Mittel, die Situation zu retten." Er merkte zu seinem Erstaunen, daß er eine gewisse Sympathie für diesen Burschen hatte. Ter Lokalpatriotis- mus schien sich geltend zu machen, obwohl er Kosmopolit war. Oder lag es an dem Blutdurst des Biafihsn? (Forts, folgt.) unzählige Make hören?„Heft woll din Mütz in den Ketek fallen taten?" Offiziere und Mannschaften erhalten natürlich ihre Spitznamen, die zum Teil sehr schlagend sind. So gab es einen General, der all- gemein unter dem Namen„Blaukopp" bekannt war, weil sein Gesicht ins Rot-Bläuliche schimmerte; ein Hauptmann hieß seiner grotzen Nase wegen„Knackenmöller", ein anderer„Ruppsack", weil er selbst diesen Ausdruck gern gebrauchte. Ein Leutnant, der beim Gehen die rechte Schulter immer etwas vornahm, hieß kurzweg„halblinks", ein Feldwebel, der Pockennarben hatte,„Hein Knupperig'. Ein Mus- ketier wurde„tmeete Kumpagnie" genannt, weil er eine recht weitze Nase mit einer roten Spitze hatte, was zu den Farben der Kompagnie patzte. Ein Mann mit schlechter Haltung heißt„Jean Pappschachtel", denn er drückt die Brust ein„wie eine Pappschachtel", einer mit einem runden grotzen Kcps„Akadetius Bombenkopp" oder„Toonkopp". Hat einer etwas verbrochen und wird mit Arrest bestraft, so datz er mit „Onkel", dem Gesangenenwärter, Bekanntschaft macht oder gar aus Festung kommt, dann u;sn ihn seine Kameraden damit, indem sie sagen:„Lingelingeling, Magdeburg aussteigen." An scherzhaften Be- zeichnungen der Waffen und Montierungsstücke fehlt es natürlich auch nicht. So sagt man Dnnstkiep für Helm, Ap(der Affe) für Tornister, Kohfoot für Geivehr, Käsmeß für Seitengewehr, Klutenpetters für die„Langschästigen"(Stiefel). Auch die verschiedenen Truppenteile haben ihre plattdeutschen�Uznamen. So werden die Infanteristen von den Kavalleristen„Sandhosen" angeredet; sie. begrüßen dafür die Berittenen mit„Lehm opp" und„Litzcnjungs", Pioniere heißen „Mulwarf", Jäger, ihrer grünen Uniform wegen.„Gratzhippers", Artilleristen„Bombe" oder Pulverfaß". Der Futzartillerist mutz sich wohl die Anrede gefallen lassen:„Wat mokt bat Biefstek?", weil er auf dem Protzkasten nicht gerade weich fitzt, und der Train wird mit „Kolonne brrrr!" angerufen. Was öie österreichisihen Solöaten singen. Das„meistgesungcne Volkslied" unserer Soldaten, in dem die Vöglein im Walde und die Heimat mit dem Wiedersehn um Uhlands Kameraden spielen, wird in Lcsierreich nicht so viel gelungen, meist nur in Schlesien und in Nordmäbren, so weil dort die Dialekt- Verwandtschaft mit Preutziich-Schlcsien geht. Aber auch in Oester- reich hat's, wie der„Kunstwart" mitteilt, den Leuten der„Gute Kamerad" angetan, und auch in Oeslerreich— genügt er ihnen allein nicht. Nach einem Soldatenlied muß sich marschieren lassen. Also singt man in Oesterreich: „Ich hatt einen Kameraden, Emen bessern findst du nit— Die Trommel schlug zum Streite, Er ging an meiner Seite In gleichem Schritt und Tritt. Die Infanterie rückt vor, Die Artillerie gibt Salve nach, Das ganze Jägerkorps Rückt nach mit Sack und Pack. Kavallerie muß attackieren, Die Franzosen müssen retirieren, Und die Russen sollen seh'n, Daß wir brave Oesterreicher san." Darauf wird viermal nacheinander im Trommelrhythmus ge- sprachen: „Linker, Rechter, Alle Tage schlechter. Kein Geld, kein Brot, kein Rauchtabak." Und nun geht's weiter:„Eine Kugel kam geflogen". Es meint halt jeder: mich gerade trifft sie nicht, und so kommt beim jungen kräftigen Burschen doch der Frosinn obenauf. Ich glaube, wir tun gescheiter, uns über die vergnügten Oesterreicher nicht zu ärgern, sondern zu freuen— oder glaubt man, daß Uhland selbst sich über das freie Schalten mit seinem Geschenke geärgert hätte? Der wußte, wie's mit dem Volksliede hergehl. Aber siud's nur Oester- reicher, die das singen? Mir ist, als hält' ich's auch bei uns schon gehört. Das Lied wird auch schwerlich erst jetzt entstanden sein. Ein mit Erfolg genahtes Herz. Seit etwa 20 Jahren wagen unsere Chirurgen sich sogar an den eigentlichen Sitz unseres Lebens, an das Herz, und nicht jede Verletzung des Herzens muß seitdem den sicheren Tod herbei- führen, wenn die Gefahr einer inneren Verblutung bei einer Ver- letzung des Herzens natürlich auch sehr groß ist. Aber seitdem im Jahre 1837 zum erstenmal von Rehn eine Herzwunde mit Erfolg genaht worden fft, sind in den verflossenen 17 Jahren doch eine ganze Reihe solcher Fälle beschrieben worden, etwa 50, von denen fast die Hälfte«inen guten Ausgang nahm. Die Beschreibungen der Fälle einer Herzverletzunq mit günstigem Ausgang werden jetzt in der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" von Dr. Baumbach um einen vermehrt. Auch dieser Fall hat, wie zwei vor einigen Monaten au gleicher Stelle beschriebene Schußver- letzungen, mildem Kriege nichts zu wn. Es handelte sich vielmehr um einen kräftigen Arbeiter, der bei einem Streit mit einem Soldaten einen Säbelstich erhalten hatte, durch den das Herz getroffen war. Eine halbe Stunde nach der Verletzung war er eingeliefert worden. Das Bewußtsein hatte er sofort nach dem Stich verloren. Die Untersuchung zeigte sogleich, daß eine schwere innere Blutung stattgesunden hatte und daß nach der Lage der Wunde die Quelle der Blutung im Herzen selbst zu suchen war. Bei der grotzen vorhandenen Gefahr mußte der Versuch gemacht werden, die Wunde im Herzen selbst aufzusuchen und womöglich zu schließen. Das war sehr schever, denn nach Freilegung des Herzens schlugen immer neue Blutwellen über dem Herzen zu- sainmen und verdeckten die Stelle, wo es herausgepreßt wurde. ?lls aber nach einigen vergeblichen Versuchen die richtige Stelle mit einer Hakenklemme gefaßt und zugeklemmt war. änderte sich das Bild sofort, der Herzbeutel entleerte sich schnell, die über- stürzenden Blutwellen versiegten und die Vorderseite des Herzens war klar zu übersehen. Mit zwei Seidenfäden wurde die ver- letzte«telle der Herzwand genäht und dann ein etwa 3 Zonti- meter langer Gazestreisen in den Herzbeutel eingelegt. Zwei Monate blieb der Patient in Behandlung, dann konnte er in be- friedigendem Krästezu stand entlassen werden. Subjektiv hatte er von feiten des Herzens und der Lunge keine Beschwerden, objektiv war allerdings noch eine Dämpfung vorhanden. Lob üer Schurkerei. Es gibt doch nichts Verrohenderes als den Chauvinismus. In den Weihnacbtstagen haben deutsche, französische, englische Soldaien in tröstlich vielen Fällen Zeichen und Worte des Friedens getauschl. Bekanntlich haben, aus militärischen Gründen, das deutsche wie auch das französische Oberkommando derlei für unzulässig gefunden. Die Zweckmäßigkeit militärischer Anordnung können wir nich: diskutieren. Aber den sittlichen Wert der Gesinnung, der aus jenen Kund- gebungen sprach, haben auch konservative unh selbst nationalistische Blätter geachtet. Nicht alle! Im„Echo de Paris", dem notorisch bestochenen Pariser Hetzblatt, finden wir in der Nummer vom 13. Januar unter dem Titel:„Der Kniff mit der Zigarette" folgenden Bericht:„Zwischen der Aisne und dem gleichnamigen Kanal, bei Vailly-sur-Aisne. sind die Schützen- graben etwa dreißig Meter voneinander entfernt. Am Weihnachtstag verläßt einer der Unseren den Graben und tut, als ob er den Nachbarn drüben eine Zigarette anbieten wollte. Ein Deutscher kommt in voller Rüstung hervor und will die Zigarette holen. Unser Freund gibt ihm durch Geberden zu verstehen, daß er nicht mit seinem Gewehr kommen dürfe. Der Deutsche legt es ab und schreitet zur großen Verwunderung seiner Kameraden aus unsere Schützengräben zu. Er kommt an, nimmt die Zigarette, betrachtet die Gräben und will davon. Man nimmt ihn ge- fangen, denn er hat die Stellung der Milrailleusen gesehen. Er protestiert. Nichts zu machen. Er wird Wilhelm nicht wiedersehen, aber Tabak bekommen."— Was das Chauvinisicnblatt da als ge- lungene Kriegslist rühmt, ist eine feige Schurkerei, die glücklicher- weise den französischen Vollscharakler nicht kompromittieren kann, weil so viele, ganz andere Fälle bezeugen, daß es nur die vereinzelte Tat einer Bande ist, die es verdient, vom„Echo de Paris" besungen zu werden._ Wie weit wirkt öie Wärme eine? Kerze! Wie weit wirkt die Wärme einer Kerze? Wenn jemand auf diese Frage die Antwort gib!: einen Meter, so glaubt er wabrscheuiüch, noch ziemlich hoch gegriffen zu haben, und in der Tat ist der Tenr» peramrsinn des Menschen so schwach entwickelt, daß man in diesem Abstände— selbstverständlich nach der Seite und nicht nach oben— keine Erwärmung mehr empfindet. Die Wännewirluug einer ge« wöhnlichen Kerze reicht aber viel weiter, ja die Versuchsergebnijic, die Dr. A. H. Pfund erzielt hat, klingen geradezu märchenhaft. Der Astronom stellte volle 13 Kilometer von einer Kerze entfernt ein empfindliches Thermoelement auf, das aus Metallegierungen in Fadenform(Wismmsinn und Wismutanlimon) bestand, und brachte die Lötstelle m den Brennpunkt eines Fernrohrs; das ganze war mit einem Galvanomotor verbunden. Die Wärmeausstrahlung, die durch das Tele'kop die Memllfäden trifft, mutz bei diesem außer- ordentlich empfindlichen Apparat zum Wärmenachweise einen Aus« schlag aus der Skala des Galvanometers erzeugen, und die 13 Kilo- meter ferne Kerze bewirkte tatsächlich einen Ausschlag von 1 Milli- meter. Man stelle sich vor, was diese Entfernung be- deutet: aus 13 Kilometer Abstand ist eine brennende Kerze für das unbewaffnete Auge nicht mehr wahr- nehmbar. Es handelt sich dabei um eine Sirccke, wie etwa von Hamburg nach Blankenese! Dr. Pfund hat naiürlich seinen Versuch nicht ohne besonderen Grund angestellt. Vielmehr gehörte er zu einer Reihe von Versuchen, die der Meflung der Wärme- strahlung der Sterne dienten, und die Wärmew rkung der Kerze war dabei als Verglcichswert gewählt. Wie der„Prometheus" mit- teilt, hat Dr Pfund aus dem Alleghany-Obiervatorium mit dem gleichen Instrument die Wärmestrahlung einiger Sterne bestmimt. Bei der Verwendung eines Teleskops von 76 Zentimeter Oeffnung bewirkte der Jupiter vermöge seiner Wärmestrahlung am Galvano- meter einen Ausschlag von 3 Millimeter, die Bega sogar eiiicu solchen von 7,5 Millimeter. Nottzea. — Vorträge.„Die moderne Krankenpflege« Technik" wird am Sonnabend, abends Uhr. in einem von der„Ausstellung für Verwundeten« und Kranken-Fürforge im Kriege" veranstalteten Vortrage im Hauptsiyungssaal des Reichs- t a g e s Dr. Paul Jakobsohn behandeln. Eintrittspreis 13 Pf. — Theaterchronik. Im Schiller-Tbeater 0. findet heute Sonnabend die erste Aufführung des vieraktigen Lustspiels „Der Störenfried" von Roderich Bsnedix statt. — Direktor des Künstler-Theaters ist nun doch nicht Kaytzler, sondern Barnowsky, der Leiter des Lesnng-Theaters, geworden, und zwar vom 1. Februar an. Schach. H. 23. Bettmann. VemntwortliÄÄ McSalMfi Älsttd tzötetM. Nentöllu. Für dd» KfleraienteU bemnöb-i Tb.Gtoitt.Äer!tn. Druck st. Berl-ü: Vorwärts Btichdr»ckeret ü. BertagsunstaU Pmü Singet& Cö�Serliu SW. 2» Damengambit. Am 10. Mai 1914 gespielt. Dr. E. Lasker. A, Aleohin. 1. 62-64 67-65 2. c2— c4 e7— e5 Ein gewagter Gegenangriff, den Alechin sich hier nur desbalb ge» stattet, weil er wahrscheinlich an« nimmt, gegen den Weltmeister auch mit zahmeren Verteidigunaen(öS!) keine sonderlich besseren Aussichten im praktischen Spiele zu haben. 8. 64XsS..... Ganz gut ist auch 3. cd 1, DX65; 4. Sc3, LM(DX64; DXX), eX64; Sb5j; 5. de, DXe5; 6. L62-c. 3...... 65—64 4. Sgl— f3 Sb8— c6 6. a2— a3..... Auf S. c3? fSbd2!) folgt 5,.... Leir; 6 Im 2. de!:c. Der Textzug bereitet also e2— e3 vor. 5..... 6. Sbl— 62 7. h2— h8 8. 862— k3 9. Ddl— 63 Lc8-g4 Dd8— e7 Lg4Xf3 0—0—0 h7— h6 Mit SXeS war der Bauer wegen der Antwort DkSf noch nicht zu ge- Winnen. 10. g2— gS g7— g6 Der Doppelschritt war vorzuziehen. 11. Ickl— g2 12. 0—0 13. Sf3Xe5 14. b2— b4 15. c4— c5 Lf8— g7 Sc6Xe5 Lg7Ve5 f7-f5 De7— e6 Auf 06 letzte Weiz den Angriff mit b4— b5 fort. 16. c5— c6 Sg8— e7 Nachdem Weiß sowieso den Angriff hat, war 16..... bc!; 17. Daöf, Kd7 ic. schwerlich gefahrvoller und verhältnismäßig vorzuziehen. 17. c6Xb7t Ko8— b8 Dr. Tarrasch, dessen Buch über das St. Petersburger Turnier wir den Verlaus der Partie ent- nehmen, macht fiter folgende bildliche Glosse:„Der König bat nun unter seinen Leibwächtern auch einen aus kMXSst'!) Feindesland, der ihn zunächst gerade jo gut schützt wie die eigenen, später aber doch wieder mit seinen Lands- leutcn gemeinschaftliche Sache macht." 18. Lei— b2..... Aus dem 20. Zuae von Schwarz sowohl als aus dem 23. von Weiß erhellt, daß D62! richtiger war. 18...... Td8— 66 19. Tal— cl Th8— 68 20. Toi— c2 f5— 54 Dieser Gegenangriff wäre nickt möglich, wenn stüher 18. 1,62 l ge- fchehcn wäre. 21. g8Xf4 LoßXfi 22. Tfl— 61..... Besser sofort Lei I 22...... Se7— 55 23. Lb2— cl S55— e3I 24. Tc2— c5!..... Zu diesem Zuge bemerkt Dr. Tar« rasch:„Lasker verliert mitunter eine Partie, aber niemals den Kops." Der Springer darf wegen dXel nicht genommen werden. Deshalb war„22. T61"? nicht gut.) 24...... De6— 56 25. Dd3-e4 Se3Xdl Unvorsichtig auf Gewinn gespielt. Mit 8XL! war B b7 enlkrästet und annähernder Ausgleich erzielt. 26. LclX54 861—«3? 27. 1,54X66! l V56X66 Aui 27..... SXD? würde 28. LXb7+, KXb7; 29. LXe4t sofort entscheiden. 28. De4— e5 Dd6— b6 Schwarz kann die Partie nicht mehr retten, und zwar(nach Dr. Tarrascht haupffäcklich wegen des B b7, der aus der Rolle eines Leibwächters zu der eines Gefängniswärters über- gegangen ist". 29. De5— e7 Db6— 66 30. To3— eö 64— 63 31. e2X63 D 66X63 32. Te5— e3 Dd3— dlf 33. Kgl— h2 Sc3— b5 34. Te3— e6 SbSXaii 35. Te6— 56 Ausgegeben. (Weil die Drohung T58 unp arierbar ist.)