Nr. 16.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts MMsch) 39. Javnar. Der Kriegsberichterstatter. In unserem Lokalblatt las ich seit Beginn des Kriege« nach scdem wichtigen Ereignis im Osten oder Westen eingehende Berichte von«unserem Kriegsberichterstatter". Das Lokalblatt hat gut 4500 Abonnenten, wird gegen einen Abonnementsbetrag von 60 Pf. monatlich frei ins Haus gebracht und hat an jedem Wochentage eine halbe bis sogar zu einer ganzen Seite Inserate. Ich bewunderte das Opfer des Herrn Verlegers, der im Interesse seiner Leser sich einen eigenen Kriegsberichterstatter zugelegr hatte. Ich bewunderte den Herrn Kriegsberichterstatter selbst, der nicht nur eine außer- ordentliche Fixigkeit in der Berichterstattung selbst hatte, sondern sich auch in geradezu aufreibendster Weise seinem Berufe widmete. Brachte er heute einen ausführlichen Bericht über ein Gefecht au der Ostfront oder in den Kaipathen. so war über- morgen bereits ein ebenso ausführlicher Bericht über ein kriegerisches Ereignis an der Westfront aus seiner Feder erschienen. Er mutzte ununterbrochen zwischen Ost- und Westfront im Erpretzzug hin- und herpendeln. Tie Berichte waren, wie gesagt, sehr ausführlich. Sie gaben vom st ein geographisches Gesamtbild des behandelten Operations« gcbieles. Sie behandelten daS Gebiet vom historischen Standpunkt aus und berührten auch die Geschichte der einzelnen in Frage kom- Menden Städte und Ortschaften. Selbstverständlich wurden auch die wirtschaftlichen und industriellen Verhältnisse des betreffenden Gebietes gestreift. Selbst kleinere Anekdoten, die die Bevölkerung charakterisieren sollten, fehlten nicht. Auf dieser interessanten Grundlage war dann der eigentliche GcfcchlS- oder Schlachtbericht aufgebaut. Er war allerdings weniger interessant, denn über einige Allgemeinheiten, die man bereits anderswo gelesen hatte, erhob er sich nie. Aber sie offenbarten alle die militärrsche Durchbildung des Verfassers. Alle Berichte waren gespickt mit technischen Ausdrücken, so datz man sich ohne ein Hand- buch der Kriegskunde gar nicht hindurcharbeiten konnte. Den Schluß der Kriegsberichte von„unserem Kriegsbericht- erstatter" bildete dann jedesmal ein lapidarer Satz, der meist un- vermittelt, aus jedem Zusammenhang gerissen, hingehauen war. .;Vae vi ctis 1"„Das Gesetz des Krieges ist der Wille zum Sieg „Und auf dem blutgetränktem Schlachtfeld wuchs die Blume, deren Frucht der dauernde Frieds ist."„Der Zusammenbruch seiner Träume lastete sichtbar auf dem Rücken des fliehenden Feindes." Das waren so einige Schlußsätze. Eines Abends besuchte ich die öffentliche Lesehalle des OrteS. Außer mir war ein junges Paar, wie ich am Finger der noch recht fräuleinhaften Dame bemerkte, ein junges Ehepaar, anwesend. Beide beachteten mich nicht im geringsten. Sie machten eifrigst Auszüge aus dem BrockhauS, Jahrgang 1683, wenn ich nicht irre. Band um Band wurde herbeigeholt und wieder in das Regal gestellt. Sie halten eine Liste, auf der die Stichwörter verzeichnet waren. Die Oberleitung hatte er. Wie ein Feldherr auf dem Schlachtfelde ordnete er an. Sie war sein Adjutant, der alle Befehle schnell und gchoriam vollzog. Blich freute der Fleiß des jungen Paares. Nach gut zwei- ftiindiger angestrengter Tätigkeit packten sie das zusammen geschriebene Material in ihre Mappen und gingen. Am anderen Tage laS ich im Lokalblatt einen ausführlichen und langen Bericht über den Vormarsch der deutschen Truppen in West- flandcrn. �Er behandelte die Geschichte Westflanderns, der Städte Brügge, Ostcnde, Dpern, Rousselare, ging über zu«Schwenkungen, Aufinärscheu, Flankenüberflügelungen, Durchstößen, sprach von der Strategie der Beine und schloß mit dem Satze:„In den Füßen unserer Truppen liegt das Fundament unseres Sieges: Westflandern ist da5 GlariS von England!" Vor einigen Tagen kam ich wieder in die Lesehalle. Das junge Ebepaar war wieder an der Arbeit. Sie halten diesmal den ganzen Brockhaus vor sich auf den Tisch gestellt und kippten Band um Band heraus. Tie Bleististe flogen nur so über das Papier. Ich sah mit Andacht ihrem Fleiß zu. Bis zum Schlüsse blieben sie in der Lese- balle, und reiche Beute trugen sie aus dem Brockhaus in ihren Mappen mit fort. Am anderen Morgen las ich im Lokalanzeiger einen Bericht von unserem„Kriegsberichterstatter".„Der Stellungskrieg in Polen". Er trug wieder alle Merkmale„unseres Kriegsberichterstatters" und schloß:„In den frostharten Boden hat sich die deutsche Faust hinein- gegraben. Sie hält fest, was sie hat und ruft aus:„Polen ist ge- Wonnen i" Am selben Nachmittag ging ich zur Lesehalle und fragte kurz entschlossen den auffichtführenden Beamten, ob er den jungen Herrn und die junge Dame kenne, die immer so eifrige Auszüge aus dem Brockhaus machten. Er sah mich einen Augenblick an, als sei ich das naivste Wickelkind der Erde. Dann sagte er fast feierlich:„Aber gewiß— das ist doch der Kriegsberichterstatter von unserem Blatt _ So. Der Untergang von �toezzano. „Wir sind unserer zehn", schreibt einer der in das Erdbebengebiet entsandten italienischen Journalisten im„Eorriere della Sera", „und richten unsere Schritte nach— ja, wohin eigentlich'! Nach dem Orte, wo einmal Avezzano stand. Pcchfackeln leuchten unserem Weg voran. ES ist\'.ß Uhr morgens. Zeigen sie uns wirklich den Weg'{ Rein, den Weg zeichnet vielmehr das Werk der Zerstörung, mit der die Natur m fünfzehn Sekunden das Werk vernichtete, das Menschenhände in vielen Jahrhunderten aufgebaut hatten. Wie soll man beschreiben, was wir sahen d Das ist nicht möglich; es ist un- beschreiblich und unerzählbar. Oder wenn man es erzählen will, so kann man es nur in zwei Worten tun: Ein Riesenberg von Steinmassen, Holz und Mauerwerk. Hier und da ragt ein Arm, ein Bein, ein Menschenkopf zwischen den Steinen und den Holzbarren heraus. Hier und dort streckt sich die Leiche eines Unglücklichen, als hätte er sich, wie das Unglück über die Stadt hereinbrach, in eine Ecke geflüchtet, um hier in Ruhe zu sterben. Nichts anderes, wohin man sieht. Ein junger Mensch aus Avezzano, der sich uns angeschlossen hat und uns als Führer dienen soll, kennt sich nicht mehr in dem, was seine Vaterstadt einst war, aus und weiß nichts mehr von den Straßen, auf denen er gestern noch lustivandelte. Es ist eben nichts mehr von Straßen und Erkennungszeichen vor- handen, nichts, als Trümmer und Schutt. Dazwischen sieht man hier und da einen Herd, auf dem das Feuer noch brennt. Und um dieses Feuer hocken halb wahnsinnige Menschen, die nach ihren Lieben schreien und unaufhörlich wimmern:„Wann wird man kommen, uns zu retten? Kommen die Soldaten endlich?" Sie finden keine anderen Worte. Und wenn etwas das Grauen dieser monotonen Klagen noch zu steigern vermöchte, so sind es die dumpfen Hilferufe, die schwach auS den Trümmern heraustönen. Hier eine Frauenstimme, vielleicht eine Unglückliche, die neben den Leichen ihrer Kinder liegt; dort die zitternde Stimme eines Greises. Und die eine wie die andere ruft bang jirtd verzweifelnd:„Rettet mich, rettet mich I" Seit Stunden find die Soldaten in fieberhaftem Eifer mit den Bergungsarbeiten beschäftigt. ES gilt, einen Mann und eine Frau zu retten, die seit sieben Monaten verheiratet sind und lebend unter einer ineterhohen Trümmerschicht begraben liegen. Ringsum türmen sich die Trümmer zu bergen, die bis zur Höhe eines zweiten Stockwerks heraufreichen. In der Nachbarschaft kräuselt sich der Rauch eines kleinen Brandes, der seit zwei Tagen schon schwelt und glimmt und wahrscheinlich durch Kohlen, die aus dem Ofen herausfielen, ent- facht wurde. Ein paar Hühner scharren gemütlich in einem Hofe. Die unter den Trümmern� begrabene junge Frau befindet sich in einer grauenhaften Lage.' Sie wurde vom Erdbeben mit dem Kopf nach unten und mit den Beinen nach oben zwischen die Trümmer ge- klemmt. Kopf und ein Teil der Brust sind vom Mauerwerk bereits frei; aber die beiden Beine sind noch in einem Steinhaufen fest- geklemmt. Von Zeit zu Zeit neigt sich einer, während die Soldaten in ihrer Arbeil forifahren, um zu hören, ob die Frau noch lebt. Auf den Anruf erfolgt ein leises Wimmern. Plötzlich geht ein Beben durch die Glieder der Frau, sie glaubt in der Stimme des rufenden Landmannes die ihres Gatten wiederzuerkennen und fleht: „Luigi. gib mir die Hand l" Der Mann, der in ein Meter Tiefe unsichtbar liegt, aber nicht schwer verwundet sein kann, antwortet mit einer Stimme, die kaum hörbar heraufklingt:„Ich kann ja nicht Die braven Soldaten machen die verzweifeltsten Anstrengungen, um die jungen Leute zu retten. Mit zitternden Händen mühen sie sich, das Mauerwerk wegzuräumen; aber die Arbeit ist nicht leicht, und es vergehen Stunden um Stunden. Immer schwächer klingt die Stimme der Frau als Antwort auf die Rufe der Arbeitenden. Endlich antwortet sie nicht mehr. Sie ist wahrscheinlich tot. Für die Soldaten handelt es sich jetzt nur noch darum, den Mann zu retten; aber ob sie Erfolg haben werden, scheint zweifelhaft, denn es wird noch lange Zeit dauern, che sie ihn in der Tiefe erreichen, und wahrscheinlich werden sie dann nur noch einen Toten finden." Unter den Opfern, die das Erdbeben in Avezzano gefordert hat, befinden sich auch ISO Soldaten, von denen 30 bereits als Leichen geborgen worden sind. Sie sind einem verhängnisvollen Zufall zum Opfer gefallen. In der Morgenstunde, in der die Katastrophe er- folgte, pflegen die Soldaten stets im Hofe der Kaserne Exerzier- Übungen vorzunehmen. Nur an dem Unglücksmorgen geschah daS nicht. Sie waren in der Kaserne geblieben, weil der Oberst einen Kleiderappcll angesagt hatte, und die Soldaten waren in Erwartung des Besuchs des gestrengen Herrn Obersten damit beschäftigt, ihre Sachen zu putzen und zu säubern, c-o kani eS, daß sie in der Kaserne vom Erdbeben überrascht und unter ihren Trümmern bc- graben wurden. Der Leutnant, der die Aufsicht hatte und der wie durch ein Wunder entkam, erklärte den AuSsragern:„Ich weiß nichts. Es war ein tragischer Augenblick. Ein einziger Verhängnis- voller Augenblick, der alles in Schutt und Trümmer legte. Die Soldaten waren mit dem Putzen beschäftigt und ich stand mitten unter ihnen. Plötzlich ein furchtbares, ohrenbetäubendes Krachen, und wir waren unter einem Haufen von Mauerwerk begraben. Weiter habe ich nichts gesehen, und ich erinnere mich an nichts weiter." Eine ebenso schlichte wie anschauliche Schilderung � des Herein- bruches der Katastrophe gab einem Berichterstatter ein geretteter Arbeiter:„Ich lag wach im Bett," erklärte er,„und starrte ge- dankenlos nach der Decke. Plötzlich hörte ich ein starkes Getöse. Ich sah, wie die Decke auseinanderklasste und sich nach rechts und links teilte. Das ganze Zimmer schwankte bedenklich, als ttcnn_ cS ein schwerer Wagen wäre, der über eine von tiefen Löchern zerrissene Straße dahinfä'hrt. Nach etwa zehn Sekunden dieses höllischen Tanzes sab ich mit Entsetzen, daß die Mauern des Zimmers sich wie eine Streichholzschachtel öffneten, um nach kurzem Schwanken nach außen zu stürzen, während ein Hagel von Ziegeln und Steinen mein Bett und die Beilen meiner Familienangehörigen bedeckic. ES gelang uns, wenn auch verwundet, das Freie zu gewinnen. Die ganze Katastrophe hatte nur einen Moment gedauert. Aber in diesem einen blitzschnellen Augenblick, in dem die auseinander- klaffenden Mauern mir einen Ausblick nach der Stadt öffneten, sah ich, daß alles vernichtet und verichlounden war." Eine seltsame geologische Verschiebung hat das Erdbeben bei Montecorvino Rovella in der Provinz Eaierta hervorgebracht.� Ter im Rücken des Dorfes liegende Berg Montagnano hat sich nämlich in zwei ungleiche Teile gespalten und er hat dabei den uralten Felsen, der das Ufer des AriennaflnsseS einsaßt, bloßgelegt. Das ganze Ge- lände scheint wie von zerstörungswütigen reißenden Wogen in furcht- barer Weise zerrissen. Untersucht man das Gras und die Pflanzen des BodenS näher, so bemerkt man, datz sie einen echten und rechten Kochprozeß durchgemacht haben; die Bäume sind herabgeschlagcn oder weit weg geschleudert. An einer Stelle ist das Tal vollständig wieder mit Erde ausgefüllt und zum Berge erhöht, während man jetzt in der Nähe, in der Mitte der Ebene eine Menge blauen Wassers wahrnimmt, das einen kleinen See gebildet hat, dessen Oberfläche 250 Quadratmeter beträgt. Dieser See scheint von einer Menge Bäche gespeist zu werden._ Empfang öer öeutfthenKrkgsgefangenen in Japan. Aus Tolio, Ende November, wird der„Vossischen Zeitung" u. a. geschrieben: Am Nachmittag des 22. d. M. kamen etwa 200 deutsche Kriegs- gefangene in der Vorstadt SÄinagawa an, Ivo eine große Menschen- menge sie erwartete. Es waren alle Vorkehrungen getroffen, damit die Gelegenheit nicht eine Schaustellung wurde. Die Deutschen wurden mit Bansairufen empfangen und die kleine Tochter einer japani- schen Dame überreichte jedem ein kleines Blumen- sträußchcn, dem ein Zettel beigefügt war. worin es hieß, daß die«Spenderin vor längerer Zeit von einer � deutschen Familie Gutes erfahren habe, weShalb sie bitte, die Blumen als ein kleines Zeichen ihrer Erkenntlichkeit anzu- sehen. Die Gefangenen wurden darauf in sieben Wagen der elektrischen Bahn nach dem ASkusa-Viertel befördert, um da in einem großen Tempel untergebracht zu werden, wo zur Zeit des russischen Krieges auch die russischen Kriegsgefangenen einquartiert waren. Auch in Asakusa wurden die Gefangenen mit tröstenden „Bansai"-Nufen empfangen. Anfangs erhielten sie aus einer Gastwirtschaft europäische Kost, dann richteten sie eine eigene Küche ein, deren Kosten sie auS der ihnen gezahlten täglichen Löhnung von 30 Seil(etwa 60 Pfennig) bestreuen, wovon indessen 10 Pfennig für außergewöhnliche Ausgaben zurückbehalten werden. Ja Tokio 16) Ueberfluß. Von MartinAndersenNexö. Ueberhaupt gestört er gewiß zu den nicht seltenen fahlen fllaturcn in unserer Heimat, die sich aus einer Negation, einem Mangel istr Schicksal schaffen wollen, während alle tieferen Gefühle und wirklichen Widerwärtigkeiten an ihnen ablaufen wie Wasser von einer Gans. Er teilt nach alt- modischer Manier die Frauen in die ehrbaren und die un- keuschen ein; die letzteren verabscheut er und stellt sie unter das Tier, zugleich aber gesiebt er mit zerknirschter Miene, daß er sie heimlich aufsucht. Die ersteren sind für ihn terra incognita, heilige weiße Wesen, die man mit keinem un- reinen Gedanken beschmutzen darf. Diese verworrene Auf- fassilng hat er in allen Punkten zu einer regelrechten Lebens- anschauung durchgeführt, und es wird Dir kaum schwer fallen, Tir daS Resultat vorzustellen. Im übrigen verwendet er sein Vermögen dazu,„wohl- zutun". Es gereicht den, gesunden Sinn des Volkes zur Ehre, daß er � abgesehen davon, daß er als idealer Mann und großer Wohltäter dasteht— zugleich einen Schein der Lächer- lichkcit über sich hat, wenn auch allerdings von jener Lächer- lichkeit, mit der das Volk den lieben Gott, den Teufel und andere sublime Gestalten ausstattet. Man blickt in Wirklichkeit in tiefster Ehrfurcht zu ihm auf, weil er sich mit einer alten, wassersüchtigen Dame von sünfund'echzig Jahren verheiratet hat; aber oas hindert die Leute nicht, im Scherz immer neue Erklärungen für dieses im höchsten Grade unerklärliche Phänomen zu finden. So sagen einige, er habe die alte Frau genommen, um doch iu der Familie zu bleiben(es ist nämlich die Tante seiner ver- storbenen Braut), andere, er habe in ihr endlich die so lange entbehrte Mutter gefunden: ein Spottvogel geht sogar so weit zu behaupten, es sei einzig und allein eine Folge der ungewöhnlichen Ritterlichkeit des Kandidaten: er habe näm- lich den Ruf der alten Dame schonen wollen; dieser habe darunter gelitten, daß die beiden während der 5trankheit der Braut so viel beisammen waren.— Aber wenn ich. der Frenide, an dem Spott teilnehmen will, so werden diese Leute sofort ernst und beeilen sich, ihren Abgott in«Schutz zu nehmen. Im Grunde ist er also doch ein ganz interessanter, wohl- entwickelter Repräsentant der guten dänischen Passivität, die, wie es heißt, im Begriffe ist zu verschwinden. Wenn das wirklich richtig wäre, so müßte er aufbewahrt und bei dem zuküitftigen Unterricht in der Geschichte unseres Volkes als Präparat verwendet werden. Alles in allem, ist der dänische Nationaltypus im Be- griff, sich mir in seinen— übrigens nicht zahlreichen— «Schattierungen zu enthüllen. Selbst Herrn Sörensen bab ich erkannt. Er ist der Wirt des Abstinenzlerheims, aus welchem Umstand Du seine nahe Verwandtschaft mit dem Bierzapfer Sörensen, dein Branntweinbrenner Sörensen und den übrigen vom Stamme der Nation folgern wirst. Uebrigens habe ich demerkt, daß den Männern die schlechten Eigenschaften, den Frauen die guten gemeinsam sind. Daraus ergibt sich, daß die Männer das Gute variieren, die Frauen das Schlechte. Ist das dummes Zeug, so gib mir eine Mark.. � Schreib einmal wieder, wenn Du aufgelegt bist. Dein Karl. «. Karl Baudcr erwachte von einem mannen Kitzelgesühl, das auf seinem Nasenrücken und den Augenlidern hin und her glitt; es war der Tagesschein, der sich spielend durch das Laub der Bäume auf ihn ergoß und je nach den trägen Be- wegungen der Blätter kam und ging. Bänder streckte seinen Rücken in frohein Wohlsein, weil seine Glieder gesund waren. Er hatte geträumt, das eine Bein wäre ihm abgesägt worden, der Fuß wäre zwar da, und er könnte geben, aber es fehlte das Stück von der Wade bis etwas übers Knie, und die Leute lachten und zeigten mit den Fingern auf ihn. Sic war recht lächerlich, diese Freude, die durch einen idiotischen Traum verursacht worden war; nichtsdestoweniger war sie da. Und sie nahm zu, während sein Blick über die rasen- geblümte Tapete hinlief, über den sauberen Fußboden und die weißen Gardinen in diesem gemütlichen kleinen Schlaf- zimmer, das auf jeder Seite nicht mehr als vier Schritt maß. Er stand auf und öffnete das Fenster. Tie Luft war frisch und dufterfüllt; wie ein angenehmes, hingehauchtes Licht hing sie unter dem feinen, beweglichen Laub der Eber- esche. Aber die Stare, die verfluchten Schreihälse, machten einen ohrenbetäubenden Lärm, während sie ausgelassen auf die halbreifen, sich rotfärbenden Kirschen loshackten. Na, wie Fräulein Else behauptete, begaben sie sich bald auf den Herbst- zug, dann war man sie los. Ueber den Baumwipfeln und über dem Kirchhof mit seinen hohen Pappeln, bis zu dem Erikaknollen hin, schwebte ein weißlicher Lichtnebel, dünn, fast unsichtbar mif den Höhenzügen, aber undurchsichtig über den Wiesen und dem Fjord. Aus der weißlichen Tiefe stieg das Gebrüll des Viehes empor, und Fischer riefen einander allerhand zu. Hier und da entstand ein Riß im Nebel, und ein Stück Fjord zeigte sich und verschwand. Vom Wohnzimmer aus sah Karl, wie die Sonne sich über eine mächtige Wolkenbank draußen überm Meere empor- arbeitete. Sie schleuderte Feuer und Licht in gewaltigen Balken von sich, der Nebel wurde gespalten, so daß der blau!" Spiegel des Fjords sichtbar wurde, und barst und trieb in weißen Schwaden fort oder löste sich auf, ward zu einem Nichts oder verwmidelte sich in den feinsten Golostaub. „So besiegt das Licht die Dunkelheit," dachte Karl feierlich.„So besiegt das Leben den Tod. Das Leben ist das Allesbeherrschende, in dessen reichen Schoß der Tod all das Seine und sich selbst werfen kann, ohne daß dabei ein Stiel verwelkt. Die Vernichtung, wie ivir sie nennen, ist nur ein Bad, dem das Leben mit jedem Frühling verjüngt entsteigt. Darum opfern die Menschen dem Licht, und darum ist alle Religion eine Religion des Lichtes: Feuer, Sonne, Glanz und Herrlichkeit Gottes." Um feinen Mund trat ein bitterer Zug hervor: Das waren hochtrabende Phrasen, inspiriert durch einen schönen Sonnenaufgang! Jedenfalls— was nützte es ihm, wenii das Leben selbst niemals so elvig war? Er fühlte sich ja nicht eins mit dem Leben als Gesamtheit, er fühlte(ich als Individuum I Und für ihn wie für alle Einzelwesen gab es nur eine Ewigkeit, die des Todes.— Und der Sieg war bloß eine poetische Lüge. Siegte nicht das Dunkel ebenso eui- schieden über das Licht, wenn seine Zeit gekommen war, oder der Winter über den Sommer? Das Ganze war so unver- änderlich, so wenig abwechselnd in seiner ewigen Wieder- holung wie der Kreislauf des Zeigers auf dem Zifferblatt: unten auf sechs, oben auf zwölf, wieder unten auf sechs usw. Mit demselben Recht konnte man von dem Sieg der Zwölf über die Sechs reden. Es war bloß niemand darauf ver- fallen, den Sieg des Winters oder der Finsternis über Sonne und Licht zu besingen, obwohl ein solcher Gesang not- wendig war, der die Menschen lehren konnte, der Wahrheit ins Auge zu blicken, und sie sogar vielleicht allmählich lehren würde, sich an ihr zu erfreuen. Mußte nicht das Dunkel ein Segen sein für denjenigen, der des Sehens müde war— und der Tod für den, der gelebt hatte? Er würde sich mit Freuden hinlegen, zu sterben, wenn er nur dreiunddreißig Jahre, das durchschnittliche Menschenalter, einigermaßen ordentlich leben durfte. Erst wenn das Leben nicht volles Blaß ergab, hatten die Menschen Verwendung für Resignation, aber auch für nichts anderes, und am allerwenigsten für eine Lüge vom Siege des Lebens.(Forts, folgt.) «nb Yokohama ansZsstge Ccirtfäs sammeln monatlich regelmäßige Beiträge, au' denen für die Gefangenen noch weitere Lebensmittel, namentlich Brot und Butter, beschafft werden. Nach einiger Zeit soll ihnen gestattet werden, unter Begleitung Gänge ,n die � t a d l zu machen. DeutscheStaaiSangehörige können nach Einholung der Erlaubnis des KriegöministerS die G s- f a n g c u e n an gewissen Tagen besuchen, aber der emzelne Besucher setzt sich bei der unablässigen Hetze deutsch. 'emdlichcr Blätter uifapan TiineS"..Japan Mail' und.Japan ttiazctte't leicht dem Berdacht der Spionage aus, obgleich da nichts zu spionieren ist. Der Bercin junger Buddhisten stellte den Kriegs« gejaiigencn folgende Begrüßung zu: »Der Japanische Verein der jungen Buddhisten beehrt sich, d i e ruhmvollen Verteidiger von Tsingtau zu be- grüßen. Von Feindschaft kann zwischen Ihnen und uns keine Rede fein, zwischen Deutschen und Japanern besteht überhaupt kein Haß. Leider hat der furchtbare europäische Krieg seinen Schatten bis nach Japan geivorfen und unsere fünfzigjährige Freundschaft auf eine harte, schmerzliche Probe gestellt. Die bloße Erinnerung, daß Freunde das Schwert gegen einander gezückt haben, erfüllt das Herz der jungen Buddhisten, die das buddhistische Gebot der gleichen Liebe für alle ohne Unterschied als ihr höchstes Ideal zu verwirk« lichen suchen, mit tiefem Schmerz. Sie. meine Herren, haben im Dienste des Barerlandes wie Helden bis aufs äußerste die Feste Tsingtau verteidigt. Erst dann sind Sie gewichen. B e w u n d e- rung und Teilnahme erfüllt unser Herz. Jeder von Ihnen hat mit Todesverachtung feine Pflicht getan. In unsere» Augen heißt das, durch die Tat das höchste Gebot des Buddhismus erfüllen; die treue Hingabe an die Pflicht ist die einzige Grundlage, auf der einmal der ewige LLeltfriede sich verwirklichen läßt. Diese Ueberzeugung kann Ihnen eine tröstende Genugtuung geben. Wir bezeugen Ihnen aus dem tiefsten Herzensgrunde unsere b e« wundernde Hochachtung und verbinden damit den Ausdruck der frohen Hoffnung, daß die alte Freundschaft bald wiederum in ungetrübtem Glänze erstrahlen wird." Vertreter de« Japanischen Verein« junger Buddhisten: Prof. Rev. Zenkai Omori. Prof. Rev. Jchino Shibata. Reu. Kenchi Shirayarna. Theater unö Mufik. Deutsches Theater..Rappelkopf oder Alpenkönig und Menschenfeind", romantisch komisches Märchen von Raimund. Der Abend war eine große Ueberrafchung und ein großer Erfolg. Der Wiener Raimund, der wie Anzengruber aus ärmlichsten Ver- hälmiffen an da« Theater kam. vom Schauspieler zum Bühnen- dichter wurde, aber um dann inmitten in der glänzend begonnenen Lausbahn ein armer Hypochonder, seinem.Roppelkopf" in manchen Zügen nahe verwandt, im besten ManneSalier freiwillig aus dem Leben zu scheiden, wird in den Literaturgeschichten als klassischer Vertreter deS alten Wiener Volksstücks hochgeprieien. Zuweilen loerden auch noch heute AufführungSexperimente mit ihm angestellt. Sein.Verschwender' ist nie ganz vergeffen. Vor einer Reihe von Jahren versuchte daö Berliner Thealer hier,««mit dem.Alpenkönig'. Indes mit wenig Glück. Nur die Erinnerung an ein willkürlich bunics Durcheinander von Zauberszene» in kindlichem Geschmack, von moralisierender Seniimental'.tären und billigen Posienwcndungen ist nur von da zurückgeblieben. Und nun erschien das schernbar Tote bei Reinhardt plötzlich als stark Lebendiges, in Ernst und Scherz, trotz unterlaufender Trivialitäten, Herz und Gemüt Bewegendes. Aus den eckigen Possenübertreibungen war eine amüsante Paradostik geworden und in dem Reiche de« Alpenkönig«, in dem wundervolle Dekorationen die Schaulust fesselten, waltete ein veiwandter Geist vor der spielerischen Ironie. Vor allem aber wuchs die Gestalt de« Menschenfeindes in der Darstellung de««igenS für diese Rolle engagierten Herrn Pallenbera zu einer wunderbar reichen, durch das abenteuerliche Relief in ihrem realistischen Grundton nur noch eindringlicher wirkenden Charaklerstudie. Der kleine, cholerische Mann mit dem rothaarigen Wirrkopf, dem jähen Mißtrauen in den blitzenden Augen, dem unsympathisch schrillen, messerscharfen Organ, war die vollendete Verkörperung eines in feindlichen Verfolgungswahn rettungslos Eingemauerten, dessen sich selbst und die anderen quälende Verblendung abwechselnd Haß. Mit« leid und Gelächter weckt. Tragik und Komik schmolzen in dem Spiele untrennbar zusammen. An« dem Keller, in dem der Unhold, der Frau und Tochter, Schwager und künftigen Schwiegedohn. alle die ihn umgeben, für seine geschworenen Feinde und Verbrecher hält, sich verborgen, flicht er in die eisige Einsamkeit der Berge, wo ei» guter Gott von Alpen» könig sich de« Patienten annimmt. Durch Einschüchterung und Geistererscheinungen ist Rappelkopf nicht behzutommeu. Er bleibt dabei, er sei ohne Schuld und Fehle und habe immer Unrecht von den anderen leide, i müssen. Das letzte Mittel, ihn zur Selbsterkenntnis zu bringen und dadurch zu kurieren, ist: daß er sich leibhaft im Spiegelbildc zu sehen bekoniint. In die Gestalt seine« Schwagers veiwandell, kehrt er nach Hause zurück um dort nach des Geistes Verheißung einen Doppelgänger seines früheren Ichs anzutreffen. Da« hilft. Der Kerl dünkt ihm unau«- stebltch. und zugleich erfährt er, erst ärgerlich verdrossen und dann beschämt, wie Frau und Kind trotz allen Leides, das er ihnen zu« gefügt, anbänglich seiner denken. Erbost geht er dem andere» Ich zuleibe. und au« der Ohnmacht, die ihn überfällt, erwacht er dann als einer, der. wa« er so erlebt, i»i Sinn bewahren will. Hier, in dein Kampf de« alten Adam, mit der sich unausweichlich auf« drängenden besseren Erke, minis, dem.Sich betrügen wollen' und „Sich nicht mehr betrügen tönnelr', gipfelte die Leistung Pollen- b e r g«. die lrait der Komik, die doch den Ernst deS Hintergrundes überall durchschimmern und empfinden läßt. In raschem, munterem Trubel ziehen die Hausgenossen deS Sonderling«, von Remlxzrdt allesamt auf einen Puppenstit gestimm,. vorüber: An der Spitze Camtlla Eibenfchütz tanzlustig wippendes kokettes Zöschen, Johanna TertoinS gleichgesinntes Haustöchterchen und DiegelmannS phlegmatischer Habakuk. Ausgezeichnet gelangen auch die barocken Elendsszenen in der GebirgShütte init dem bekannten AbschiedSliede:„So leb' denn wohl, du altes Haus.' Tie in dem Text ziemlich dürftigen Märcheupartien erhielten insbesondere durch da« drollige EiSbäten- gesindel, da« Reinhardt sich in dem Gefolge deS ÄlpeukönigS tummeln läßt, eine fartuge Auffrischung. DaS Publikum bekundete seinen Beifall in stürmischen Ovationen.«it. „ParadieS und P e r i' wird nicht mit Unrecht als der Gipfel de- Sckumannschen Musikschaffens bezeichnet. Zwar weniger in dramatischer Beziehung; denn Roberl Schumann war kein Dra- maliker. Diese Eigenschat: teil:« er mit allen Romamikern, ob sie nun Dichter oder Komponisten waren. Hiervon abgesehen, ist es doch ein Werk, daö ebensowohl durch seinen Reichium fließender Melodien als durch die Wahrheit des Ausdrucks und färben- prächtiges Kolorit gefangen nimmt. Nur den Tiiel„weltliches Oratorium' scheint eö nicht ganz zu rechtfertigen. Die textliche Grundlage bildet des englischen Dichters ThomaS Moores gleichnamiges oricnlalifchcs Märchen in freier Be- arbeitung, die teils von einem Freunde Schumanns, IsrlS von ihm selbst herrührt. Schumann hat die mohammedanische Anschauung, von der Moores Dichtung erfüllt ist, verchristlicht. Uebrigens war er überzeugt, etwa« Unvergängliche« geschaffen zu haben. Und die Nachwelt scheint ibm recht zu geben. Denn das Oratorium behauplcl sich nach wie vor auf dem Kontertprogramm aller großen gemischten Cborvereinigungen. Die Aufführung durch den Berliner Vollschor ist noch unvergessen. Am Montag wurde „ParadirS und Pen' durch den Akademischen Chor und daS Phil- harmonische Orchester unter Leitung deS Herrn John Petersen auf- geführt. Künstler von Ruf sangen die Solopartien, nicht zwar über- wältigend schön, dennoch bemerkenswert gut. oü. kleines Ieuilleton. Pferde. Dreihundert Pferde, je drei und drei, Zogen heut an mir vorbei. Zur Musterung trappelien Roß um Roß, Em unabsehbarer, brauner Troß. Sie trab:en vorwärts, geduldig, stumm; Nrcht ahnend wohin, nicht ahnend warum. Sie träumten von Krippe, Hafer und Stall, Von Wogenrollen und Veilichenknall. Und wußten nicht, daß sie auöerlorcn Zu schäumendem Ritt, in den Weichen die Sporen, Mit lochenden Nüstern in fliegendem Jagen Reiter in Grauen und Tod zu tragen. Mit flatternden Mähnen, von Angst getrieben, Ueber die rauchende Walstatt zu stieben, Um schmerz zerrissen mit triefenden Lenden Im Staub sich wälzend im Starr trampf zu enden, Noch atmend, da« Ohr und da« Hirn durckgellt Vom Dröhnen, Heulen und Donnern der Welt. So ziehen sie hin, in langsamem Trab. In Jammer, in Hölle, in gähnende« Grab, Geweiht gleich der Gladiatoren Schar, Die sterbend sich brachte dem Cäiar dar. So schreiten sie in ihr Schicksat stumm, Nicht ahnend, wofür, wozu und warum. Doch tief mir im Herzen haftet dieS Bild So friedlich, so groß und so schrcckenswild. Und nachts im Traums steigen sie auf Au« ihren Gräbern in ruhlosem Lauf Die Pferdekadaver. Skelett bei Skeletl, Und drängen sich eng auf der Schädelstätt', Gespenstisch wiehernd, zu drei und drei, Zlehn mir die loten Rosse vorbei. Paul Friedrich(im„Tag'j. Zur Siolsgie unö Hekämpfung der Kleiderlaus macht Dr. von Protvazek in der Militärärztlichen Beilage der „Münchener Medizinischen Wo�nschriit' einige bemerkenswerte Mitteilungen. Die Lebensweise der Kleiderlaus beansprucht ja bekanntlich ein besonderes Interesse, weil dieser Parasit der gefähr- lichsie Uebermittler der schlimmen Kriegsseuche deS Flecktyphus ist, dem namentlich unsere im Osten kämpsenden braven Truppen aus- gesetzt sind. Stach den bisherigen Erfahrungen muß die erwachsene LauS innerhalb 24 Stunden etwa zweimal Blut saugen. Am liebsten saugt sie da« Blut an den Hautstellen de» Nackens, des Rückens und des Gürtels, wo die Kleider dicht anliegen, sonst hält sie sich mit Vorliebe zwischen den Fadenkreuzen deo grobgewebtcn Tuches auf. Aeltere Autoren geben an, daß sie sich auch in die Haut einbohrt und sich am Rande der sogenannten überdeckten Läusegcschwüre aufhält. Sehr empfindlich ist sie gegen eine dauernde Einwirkung hoher Temperatur, bei 35 Grad Celsius geht sie zugrunde. Daö Weibchen legt nacheinander 70 bis 30 Eier tNisie), deren EntWickelung drei bis vier Tage in Anspruch nimmt. Nach 15 bis 18 Tagen sind auch diese Tiere sortpslanzungsfähig. Die Ver- mebrung ist also eine ganz ungeheure. Die Nisse sind Widerstands- fähiger als die erwachsenen Läuse, sie werden am besten durch Ausschwefeln oder in TampfdcSinsektionSapparaten entfernt, auch kann man die Kleider, Wäsche usw. in ein sorgfältig abgedichtetes Faß legen, auf dessen Boden Benzin ausgeschüttet ist; denn auch die starken Benzindämpse vernichten die Brut nach einigen Stunden. Aber für die unrer schwierigen Verhältnissen kämpfenden Soldaten kommen solche Mittel kaum in Betracht, sie brauchen eines, das unter den widrigsten Verhältnissen leicht angewendet iverden kann, ohne daß Kleider, Wäsche und Haut dadurch beschmutzt oder ver- unreinigt werden. Solche Mittel sind die ätherischen Oele, unter denen EukalypiuSöl, Nelkenöl und besonders Fenchelöl und.Antsöl empfohlen werden. Man soll der Leibwäsche einige Tropfen des Oels beigeben und auch den Körper mit einer Mischung von 30 bis 40 Teilen Fenchel- oder AniSö! und 70 bis 60 Teilen OÖprozentigem Alkohol einreiben. veutjchlanös größte höhle. Die feit zwei Jahren wieder aufgenommene Durchforfckwng der Klutert-Höhle bei Milspe an der Bahnstrecke Elberfeld-Hagen hat jetzt gezeigt, daß dicie Höhle wohl als die größte Deutsch.ands zu betrachten ist. Von ihren gewaltigen Gängen sind bereits über 3500 Meter erforscht und vermessen, und noch harren weitere Kilo- ineter der geologischen und biologischen Erforschung. Die Höhle ist der Bevölkerung jener Gegend schon seit langer Zeit bekannt; sie hat während der Kriege der letzten Jahrhunderte wiederhol: als Zufluchtsort gedient. Da zahlreiche kleinere Seitenstollen von ihren Hauptgängen abzweigen, konnte jede flüchtige Familie einen derartigen Slollen beziehen und dessen Eingang durch eine Tür regelrecht verschließen. Bäche und kleine Seen bieten genügend frische« Wasser für zahlreiche Menschen und Tiere, so daß sich wohl längere Zeit in der Klutert-Höhle auskommen läßt. Eine Karte vom Jahre 1800 verzeichnet bereit» die wichtigsten Gange, und durch Karl Julius Weber und Ferdinand Freiiigrath ist die Höhle auch in der Literatur bekannt geworden. Der jetzt von dem rheinisch-westfälischen Höhlenforschungsoerein in Elberfeld heraus- gegebene Bericht, den die„Naturwissenschaften" veröffentlichen, soll nun nicht als ein Abschluß der bisherigen Forschungen de- trachtet werden, sondern vielmehr als eine Werbeschrist, die das Ziel verfolgt, in weiteren Kreisen Fachleute für die weitere shste- inatische Durchforschung der Höhle zu gewinnen. Ter Hügel, m dem sie sich befindet, besieht aus...Honscler Schichten" und stimmt in seiner Gcsteinsbeschafsenheit mit dem Elberfelder Grauwacken- schiefer überein. Wie in jenem, so findet man auch hier zwischen die Schiefer Korallenbänke eingefaltet, und an eine von diesen scheint das ganze Höhlensystem gebunden zu sein. Die Höhle wird von Spalten gebildet, die diese Korallenbank durchsetzen und die zum Teil durch Auslaugen des Kalkes erweitert sind. Tropfstein- bildungen sind nur wenige vorhanden, und die letzte guterixrltcne ist gedankenloser Zerstörungswut zum Opfer gefallen, wie auch die bisherigen Funde verschiedener Gliedcrtiere bei dem früheren planlosen Vorgehen keine wissenschaftliche Ausbeute ergaben. Doch hofft man beim weiteren Vordringen gerade auf diesem Gebiete noch wichtige Funde zu machen. Dos patriotische sibführmittel. Die Londoner Zeinchnst.Graphic' bringt, wie wir in der „Franks. Ztg.' lesen, in ihrer Nummer vom 2. Januar die große, scbön auSgeiührle Wiedergabe eines Bild e S von Frank Dadd„In der G e f o l g s ch a i t der Trommel'. Ein patriotisches Ge« mälde, da« den Aufzug zum englischen Heere Angeworbener unter Borantritt eine» Trommler« darstellt. Ueber dem Bilde findet sich folgender feierlicher Text: .Nicht nur einmal oder zweimal in unserer Jnselgeschichte war der Weg der Pflicht der Weg des Ruhmes.' T e n n y s o n. „DaS britische Reich, daS Land der Schönheit, der Tugend, Macht und Wahrheit! O, wer würde nicht gern fechten für solch ein Land!' Unter dem Bilde steht: »In der Gefolgschaft der Trommel. In traurigen Zeiten, in fröhlichen Zeiten, zu allen Zeiten nimm EnoS Frucht-Salz.' DieieS Fruchtsalz ist ein Abführmittel. Andere Heere branchcn Mittel gegen Durchfall, das englische scheint mehr an Her- stopfung zu leiden._ Notize». — TSeaterchronik. Im Leffing-TSeater findet am Donnerstag in Abänderung des Spielplans eine Aufführung von Wied? Tatirfpiel.2 X 2---- 5' statt. — Eine Kunstausstellung im Kriege. Wie die Berliner große Kunstausstellung auch in diesem Jahre stallfinden soll, so will man auch die I a h r h u n d e r t a u S st e l l u n g iv» st- deutscher Kunst, die im Zusammenhang mir der großen Düjji'cl- dorfer Ausstellung geplant war, verwirklichen. — 500 Zentner Lesestoff für die Front. Durch die vom Börienverein der Deulichen Buchhändler zu Leipzig und vom Deutschen Verlegerverein zu Leipzig veranstalteten Sammlungen von Lesestoff für die Lazarette und die Trnppen im Felde sind an- nähernd 400 000 BibliothekSbande und 600 000 kleinere Schriften und Zeitschriften bei der in den Räumen der Königlichen Blbliothek in Berlin befindlichen Sammelstelle eingegangen. In diesen Tagen werden insgesamt 500 Zentner wertvoller Lefestoff den Etappen- Hauplorten der einzelnen Armeen zu.ieiührl werden. Aus der Kriegssammlung de« Deutschen Buchhandels find ebenfalls die in dem holländischen Jnternierungslager festgehaltenen Deutschen mit Lesestoff versorgt worden. — Die deutscheste Delikatesse ist und bleibt die Kartoffel. In keinem Lande der Welt werden so viel Kartoffeln genosien wie in Deutichland, und in keinem Lande gibt es so viele und leidenschattliche Liebhaber dieser schönen Erdfrucht, die ja nur eine Scheinfrucht»st zman müßte denn den dänischen Arzt Hindhebe ausnehmen, der für eine überwiegende Kartoffetkost eimrills. Da kann man sich denn loohl unsere Bestürzung denken, alö wir im „Daily Citizen' lasen, die Kartoffeln kosteten jetzt in Berlin 45 Pf. das Pfund. Der Unglücksmensch, der Deutschland solche Teuerung nachsagt, hat freilich auS einer sehr trüben italienischen Quelle gefchövst. Wer Mittwocli J. Januar: Berliner Theater „Eiiraölätler!" Bentsehe« Kön»tler-Th. 8 Dhr: Luther. Dentsches Opernhans, Charlottenh. 7mir: LDhengrin. Fricdricb-Wilhclmstädt. Theater. e,/'0-: Casparone. Gebr. Herrnleld-Theater aühr So leben wir! Zwei leuchtende Punkte. Klelnei» Theater 8 � Der Hexenkessel. Komödien hau« 8rhi: Biedermeier. Iiejsfcing-Thcater 8 ühr: Jugendfreunde. T