st i9-» Unterhaltungsblatt öes Vorwärts /lrmeekonservenfabriken 70 71 unü jetzt. In dem Feldzug von 1864 in Schleswig-Holstein machte die Ver- pslegung der Truppen der Heeresverivaltung schivere Sorgen; es wurde ja nach Möglichkeit dafür gesorgt, dag Schlachtvieh ins Kampf- gelände herankam, aber das frische Fleisch war zähe, daher oft unge- nietzbar. Oft waren die Truppen so ermüdet, dag sie, statt abzu- kochen, sich vor Müdigkeit lieber schlafen legten, und auf das stunden- lange Warten, ehe das Fleisch gar war, verzichteten. Genau so war es 1866. Der Stadtkoch Gruneberg in Berlin hatte zwar schon sein Piezept zur Herstellung von Erbswurst der Armeeverwaltung ange- boten, aber die rasche Beendigung des Feldzuges machte die Einführung Überflüssig. 1870/71 wurde Gruneberg als technischer Leiter(Direktor! der staatlichen Erbswurstfabrik mit hohem Gehalt angestellt� Grüne- berg hatte damals eine Stadtküche in der Oranienburger Strage in Berlin, die Fabrik selbst wurde ungefähr in der Kurfürsten strage zwischen der heutigen Landgrafen- und Burggrafenstrahe errichtet; sie Ivurde aus Holz in Baracken form erbaut und am 16. August 1870 in Betrieb gestellt. Grunebcras Erfindung bestand aus einem Gemisch von geröstetem Erbsenmehl, Speck und Zwiebeln, die in Wurstform in Pergamentpapierhülsen gepackt wurde und ca. Vi Pfund wog und sich längere Zeit hielt. Sie brauchte nur zerbröckelt und in das kochende Wasser im Feldkessel geworfen zu werden, um eine nahrhafte Suppe zu geben. Als Brei konnte sie zu dem„unvermeidlichen" Hammel- fleisch, das den Truppen schon zum Halse hcraushing, gegessen werden. Im Anfang wurde nur Erbswurst fabriziert, die sich bis zu 11 600 Kilogramm pro Tag steigerte, später wurden auch Fleischkonserven hergestellt, wie Gulasch, Rindfleisch in Brühe für Mannschaften. Für die Offiziere kamen noch Schmorbraten, gespickte Rindslende und Zunge in Madeira hinzu. Erstere beiden Konserven wurden in Dosen von 1, 2, 5 und 10 Pfund eingekocht, für Chargierte gab es 1- und L-Pfund-Dosen. Eröffnet wurde der Betrieb mit ca. 15 Köchen, 50 Schlächtern, 30 Arbeitern, sowie 60 Frauen, die die Zutaten zu putzen hatten. Da nun aber Konserven und Erbswurst herzustellen war, mutzte der Betrieb bedeutend vermehrt werden. Schon zur Zeit der Belagerung von Metz waren 76 Köche, 300 Schlächter, 260 Ar- beiter und 250 Frauen tätig. Die militärische Aursicht führten ein Major, ein Zahlmeister vom Kriegsministerium, autzerdem war noch ein„Leutnant mit 10 Mann" vorhanden, die die Ein- und Ausgänge bewachten. Da durch Ueberkochen von Fett infolge Fahrlässigkeit des Schlächters einmal eine Baracke abbrannte, war auch eine Brandwache der Feuerwehr ständig, Tag und Nacht, zur Stelle. Die Büchsen mutz- ten damals gelötet werden, da man Falzmaschinen, Autoklaven usw. noch nicht kannte. Die Einkocherei war also umständlich und zeit- raubend, beini Löten waren ca. 50 Klempner tätig. Die Arbeitszeit betrug täglich 12 Stunden, von 7-— 7 Uhr, Sonnabends bis 6 Uhr. Im Dezember wurden Ivegen deS�kolossal gestiegenen Bedarfs Nacht- schichten eingerichtet. Bei jeder Spezialität arbeiteten 10 Köche, die je einen älteren Kollegen als Kolonnensührer über sich hatten. Der Lohn ivurde wöchentlich gezahlt, und die Köche erhielten 3 Taler pro Tag, heute bei gesteigerten Lebensmittelpreisen, höherer Miete, Steuern nur noch 3 bis 4,60 M.! Vier Köche spickten die Rindslenden, bei dem Kochen des Gulasches und Rindfleisches in Brühe waren Schlächter mit tätig, die etwas weniger Lohn erhielten.(Jetzt ist es umgekehrt. Anm. d. Verf.) In den Monaten Oktober bis Januar wurden täglich verarbeitet: 80 starke Ochsen, 200 Zentner Speck, 500 Zentner Erbsmehl. Anfangs wurden 6600 Kilogramm Erbswurst, später 11600 Kilogramm her- gestellt. Das Rezept bestand aus einem Zentner Rindertalg, einem Zentner ungarischen Magerspeck, fünf Zentnern Erbsenmehl, das an- geröstet wurde, sowie'A Zentner Zwiebeln, dem nötigen Salz und Pfeffer. Talg, Speck und Zwiebeln wurden zerkleinert, mit dem Erbsen- mchl zwei Stunden lang geröstet und dann, erkaltet, in dünne Perga- tnentpapierdärme gepretzt. Durch das Gulaschiochen wurde auch das bis dahin in Berlin unbekannte Paprika hier eingeführt. Am 1. März wurde der Betrieb eingestellt, der dem preutzischeu Staat 22 Millionen Taler Unkosten verursacht hatte. Wie ganz anders wird in den modernen Armeekonservenfabriken der Betrieb gehandhabt. Seil vorigem Herbst sind deren einige 40—60 Stück in Groh-Berlin allein errichtet worden. Es sind ungeheure Mengen von Büchsen mit Fleisch- und Gemüsekonserven, die jetzt täg- lieh in Berlin fertiggestellt werden. Es sind Millionenheerc, die täg- lich zu verpflegen sind. Drautzcn im Nordwesten Berlins hat eine große Firma Wellblech- barocken mit Maschinen, Dampfkesseln, Autoklaven und Kühlapparaten neuester Konstruktion eingerichtet, die es ermöglichen, täglich bis zu 180 000 Büchsenfleischkonserven von je 450 Gramm Gewicht herzu- stellen. Die Einfahrt ist von zwei kleinen Torgebäuden flankiert, in denen die An- und Auskleideräumc für die männlichen und weib- lichen Angestellten liegen; die Utensilien für Fabrikation sind rechts u., Uebersiuß. Von Martin Andersen Nexö. „Ich will auf einer Abstinenzlervcrsammluna drüben im Nordwald sprechen," erklärte Sörensen ruhig. „Soso," sagte Äarl, erstaunt über die flotte Gemütlichkeit des Kandidaten. „Na. wie geht es denn der Tortea Gänsen?" fragte der Kandidat.„Ist sie immer noch so guter Laune?" „Ja, es ist wohl kein Grund zur Klage." erwiderte Karl. „Sie ist ein merkwürdiges Menschenkind.?sast alle ihve Zimmerherren haben sie um die Miete geprellt. Einer, ein Pharmazeut, hat es sogar so weit getrieben, ihre Bettwäsche an einen Trödler zu verkaufen und sie und die Tochter von dein Geldc zu einer Waldpartie einzuladen. Aber glauben Sie, sie hätte etwas gegen ihn unternommen? Sie hat ihn n'cht mal hinausgejagt. Ter Unterzeichnete ist gewiß der einzige, der sich rühmen kann, von ihr hinausgeworfen wor- den zu sein." „Rask hat es auch toll getrieben." sagte Aage.„Er legte sich auf dem Tisch schlafen und setzte die Lampe ins Bett hinein, so daß er beinah das Haus angesteckt hätte." „Nein, darüber hätte sie den Mantel der Liebe breiten können. Aber ich� habe mich, in Züchten zu vermelden, auf ihrem reinen Fußboden übergeben und Unsauberkeit kann sie nicht vertragen." „Tas ist auch noch eine gute Eigenschaft an ihr," sagte Bauder und warf einen Blick auf das Aeußere des Kandidaten, der gegen seine Gewohnheit ziemlich unordentlich aussah. „Ja Unrat für sich und Essen für sich, sagte das alte Weib und setzte den Topf mitten auf den Tisch. Und das ist auch mein Wahlspruch," entgegnete der Kandidat lachend. Er kann sich zum Glück wenigstens auch selbst ironisch nehmen, dachte Karl und betrachtete den Kandidaten zum erstenmal mit Wohlwollen. Sörensen saß zurückgelehnt mit geschlossenen Augen und ganz in sich versunken. Er sah aus wie ein Pfarrer, der auf dem Wege zur Filialkirchc seine Predigt auffrischt. „Was ist denn eigentlich mit der Witwe Hansen los?" fragte Bauder.„Alle Leute erkundigen sich so eifrig nach 46 r." sörensen erwachte plötzlich:> untergebracht, links liegen die Bureanräume, die noch vor einiger Zeit von einer Menge Stellungsuchender belagert wurden. Anschließend an die Bureauräume sind die Autogaragen, dann folgen die Räume, in welchen Hunderte von Vorder- und Hintervierteln von Rindern sowie ebenso viele halbe Schweine hängen. Früher arbeiteten 70— 75 Schlächter bei Tige, ebenso viel bei Nacht. Da die Nachtschicht unter- sagt ist» werden jetzt wohl an 100 Schlächter mit dem Auslösen des Fleisches beschäftigt sein, sie schneiden es in ca. 8— 10 Pfund schwere Stücke, werfen es in Körbe und fahren die vollen Karren über den Hof in das gegenüberliegende Gebäude, wo die Schneide-, Koch- und .Kühlräume liegen. Teilweise sind große Maschinen tätig, die das Fleisch, nachdem es erst ca. � Stunden gekocht hat, damit es sich besser schneiden läßt, zerkleinern. Daneben sind auch über 100 Ar- beiterinnen mit dem Schneiden des Fleisches in Gulaschwürfel und in Portionsstücken zu Rindfleisch in Brühe beschäftigt. Das Abkochen des Fleisches besorgen Köche(Schieber genannt im Fabrikjargon), die auch die Sauce zum Gulasch beretten. Ebenso viele Mädchen packen das Fleisch in Dosen, andere füllen die Sauce auf, wieder andere. wiegen die Dosen ab. Nun transportieren Hausdiener die Büchsen in die Autoklavenräume, wo die selbsttätigen Tampfkochkessel in Tätig- keit sind. Die Autoklaven, in denen 1000 Tosen auf einmal gekocht werden können. Heben die Büchsen selbsttätig hinein; sobald sie die nötige Zeit, ca. 80 Minuten bei 118 Grad Hitze gekocht haben, heben die Maschinen den Korb mit den Büchsen in fließendes kaltes Wasser, worin sie abkühlen. Hierauf gelangen die fertigen Dosen in einen Kühlraum mit 4 Grad Kälte, wo sie 24 Stunden stehen müssen, dann kommen sie nochmals 36 Stunden in einen Brutraum, wo so viel Hitze ist, daß Eier darin ausgebrütet werden könnten. Diese Hitze dient dazu, um die Probe auf die Tropenfestigkeit zu erbringen. Tags dar- auf werden die Dosen einer Prüfung unterzogen; sämtliche Dosen, die sich gewölbt haben, müssen ausgeschieden werden. Die Heeresverwal- tirng hat den Betrieb unter ihrer Kontrolle und nimmt keine Büchse ab, die nicht ihr richtiges Gewicht hat oder sich wölbt. Sind die Dosen für gut befunden worden, so werden sie in Kisten verpackt, firmiert und abgesandt. Was das Personal anbetrifft, so arbeiten außer den Schlächtern ein Dutzend Köche mit, die anfangs 36 M. Wochenlohn(ohne Sonn- tags) erhielten, aber bald auf 24— 28 M. heruntergedrückt wurden. Die Schieber, das sind die Köche, die das Kochen des Fleisches über- wachen, erhalten etwas mehr. Der Konservemneister erhält 300 M. monatlich. Die Schlächter haben ihre Löhne infolge des tatkräftigen Eingreifens ihrer Organisation bis auf 45— 50 M. in der Woche ge- steigert. Das weibliche Hilfspersonal erhält pro Woche 13,50 M. Die Hausdiener, Packer und Schlepper haben ebenfalls ihre Löhne ver- bessert, was dem Schlächterverband in der Elisabethstratze zu ver- danken ist. Wenn die Köche meinen, daß da draußen ihre„Kunst" noch was gelte, so irren sie sich; in dem Augenblick, da sie eintreten, sind sie nur noch Fabrikarbeiter, and die Fabrikordnung gilt für sie auch, beim Gehen und Kommen müssen sie die Nummer markieren, Strafe zahlen beim Zuspätkommen, sich einer Leibesvisitation unterwerfen beim Verlassen der Fabrik usw. Es sind ungeheure Quantitäten von Fleisch, die täglich verarbeitet werden. Wagen auf Wagen voll Fleisch rollt des Morgens durch den Eingang und werden schnell entladen. Die Knochen werden an Unter- nehmer abgegeben, die sie als„Knochenfleisch"(d. i. ohne Fleisch) im Kleinverkauf absetzen. Wenn der Leser glaubt, daß das Gulasch- kochen eine einfache Sache ist, so irrt er gewaltig. Im Anfang hatten fast alle Fabriken Verluste durch Bombagen der Büchsen, d. i. Wölben infolge beginnender Gärung, die hervorgerufen wird durch Verwen- dung von Rohstoffen, wie Zwiebel, Majoran, Kümmel, Wurzelzeug usw., die, wenn vorher nicht genügend durchgekocht, Gärung hervor- rufen. Zurzeit haben die Konservenfabriken die Bombagen bis auf drei Prozent vom Hundert heruntergebracht. Der Preis für die Dose Gulasch ist verschieden, für die 450-Gramm-Büchse zahlt die Heeres- verlvaltung 1,10 bis 1,32 M. Bedingung ist: genaues Gewicht, tadellose Ware, guter Geschmack, auch darf teine Büchse die ge- ringste Spur einer Wölbung zeigen. Jeden Tag werden die Fabriken durch höhere Militärs kontrolliert. Nachtarbeit wurde aus den schon im„Vorwärts" vom 3. September 1014 angegebenen Gründen ver- boten. Es sind Abertausende von Menschen, die durch die Konserven- sabrikation Arbeit und Verdienst finden, Kistenmacher haben Hoch- konjunktur. In allen Teilen Berlins und Umgegend kocht man Gulasch. Ein Flieger, der jüngst Berlin überflog, meinte: da oben in der Luft rieche es nach lauter Gulasch. Recht hat er.— Wenn auch, wie oben bemerkt, viele Tausende ihr Brot dadurch finden, im Jnter- esse der Tausende von Familien, die Väter, Söhne, Brüder im Felde haben, wäre es zu wünschen, daß dieser so ungeheure Menschen- und Geldopfer verschlingende Krieg endlich ein Ende finden möge. „Was mit ihr los ist! Sic war nie verheiratet. Die Sache war so weit gediehen, daß sie den Brautstaat schon fertig hatte, aber dicht vor der Trauung kam es zum Bruch. Sie ist aus demselben Kirchspiel wie ich, und in jener Gegend sagt man. denn sie sollte ein Kind bekommen." es, denn sie sollte ein Kind bekommen." „Und da sagen die Mädchen sonst niemals nein," fügte Aage hinzu. „So jung und schon so erfahren!" meinte Bauder und sah ihn mit großen Augen an. „Ja, das ist ein verfluchter Junge!" sagte der Vater ge- schmeichelt.„Er ist gerade zwanzig geworden und hat schon..." „Einen Vater, der kindisch zu werden anfängt," warf Aage ein. „Sie ist eine ideale Frau," rief der Kandidat halb scher- zend.„Es ist die Hauptaufgabe der Frau, Mutter zu werden, und sie hat sich also ganz konsequent vom Manne zurückge- zogen und sich geweigert, ihn zu heiraten, als sie entdeckte, daß sie schwanger war." „Jedenfalls sollen ja die Frauen während der Schwanger- schaft viel Wunderliches tun," sagte Karl mit belehrender Miene. „Ja, entsinnst Du Dich der einen Tienstmagd bei Euch, die aus der Petroleumflasche trank, Aage? Es dauerte nicht lange, so konnten alle sehen, was ihr fehlte," sagte der Kan- didat.„Und wenn Anna erst anfängt, rote Tücher zu benagen und zerbrochene Nähnadeln zu verschlucken, dann kannst Du ruhig das Aufgebot bestellen, denn dann ist der Eckstein fürs Heim gelegt. Aber kriegt sie obendrein Lust, mit dem„Ein- fältigen Friedrich" davonzulaufen, dann kannst Du Gift darauf nehmen, daß Zwillinge im Fahrwasser sind." Er klopfte Aage auf den Rücken, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und Sörensen lachte, daß der Schleim ihm im Halse brodelte. „Da ist wahrhastig Stine!" sagte der Wirt und reckte sich auf seinem Sitz.„Sie hat sich ordentlich geplagt." Ein Ende vor ihnen gewahrte Karl Stines schwere Ge- stalt, die vor einem großen Handwagen schräg vorgebeugt ging. Sie war auf bloßen Füßen und hatte einen breiten Gurt über der einen Schulter. „Hallo, Stine, das geht ja großartig!" rief der Wirt, als sie neben ihr angelangt waren.„Mach nur, daß Du nicht zu spät kommst, dann kriegst Tu morgen mittag Pfann- kuchcn." Der Kandidat und Aage lachten. „Nur Etappe!" Ein anschauliches Bild vom Etappendienst entwirft einer, der dabei ist, in der„Köln. Zeitung": „Er ist nur im Etappendienst!" Wie oft bekommt man das zu hören. Als ob alle, die sich zur Kritik berufen fühlen, wüßten, was das bedeutet. Nieist sind eS die Pessimisten und MieSmacher. All diesen Leuten sollte man Gelegenheit geben, sich den Etappendienst anzusehen; man sollte sie auf Lokomotiven von Munitionstransporten oder Lazarettzügcn stellen, wenn Franktireur-Hinterlist die Strecke blockiert hat oder aus dem Hinterhalt mit tückischer Kugel dem Lokomotivführer das Leben und damit dem Zuge die Seele und den Meister zu nehmen trachtet. Sollte sie in stürmischer Winternacht Brückeitwache stehen lassen, wenn feindliche Anschläge das mühsame Kunst- werk deutscher Pioniere mit jähem Stoß in Atome zu zer- schellen drohen. Sollte sie auf den AutoS der treuen Feldpost befördern, wenn Drahthindernisse, unsichtbar auch dem schärfsten Scheinwerfer, im Wege sind, so daß Gefahr besteht, � daß die vielleicht letzten Lebenszeichen der Tapfern in Schützengräben und Feuerstellungen, der letzte Gruß einer Schleichpatrouille oder eines kühnen Fliegers an die liebe Mutter, an Weib und Kind vernichtet werden. Gelegenheit, darüber nachzudenken,„was Etappe heißt", gäbe ihnen vielleicht ein Seuchenlazarett oder der feindliche Flieger, welcher Bomben in eine Fuhrparkkolonne, ein Sanitätsdcpot ab- wirft, oder der böswillige Brandstifter, der Feuer an die Ein- richtungen des Roten Kreuzes legt, an unsere wundervoll�-- Lazarette, in denen hunderte armer, verstümmelter Menschen liegen, Kameraden, Landsleute, Deutsche, wie jene Nörgler es zu sein vorgeben, für welche sie ihr Herzblut opferten in der Vev- teidigung des heimatlichen HerdeS. Und hat der Nörgler nun cnd- lich zugegriffen und unter Aufbietung der letzten Kraft, unter Ein- fetzung des eigenen armen Lebens den letzten seiner Brüder den Flammen entrissen, dann wird er vielleicht anders denken. Fast möchte ich glauben, daß dann auch ihn der Gedanke an ein noch leeres und verwaistes Knopfloch kränken würde. Wieviel treueste Pflichterfüllung zum Etappendienst gehört, wie selbstlos die Menschen werden müssen und auch werden, davon habt ihr im lieben Vaterlande kaum eine Ahnung. Und mag es auch manchmal so scheinen, als ob ein Mann überflüssig, besser auf anderem Posten wäre— geht hinaus in das Etappengebiet und ihr werdet bekehrt sein. Sind auch die Zeiten des 36-Stuuden- Dienstes vorüber, den das Eisenbahnpersonal in den ersten Wochen unseres Aufmarsches zu bewältigen hoite, ist auch die Ablösung häufiger, der Ersatz zahlreicher geworden, der Arbeit gibt es die reichste Fülle. Wer selbst derartiges miterlebt, wer selbst ausgehalten hat in treuester Pflichterfüllung„bis zum Uin- fallen"— der nörgelt und krittelt nicht, der hilft vielmehg mit, den andern den Mund zu stopfen oder sie zu bekehren. Es ist mehr Arbeit, täglich 18 000 Brote in einer Etappenbäckerei zu backen, zu verteilen, zu verladen, zu transportieren und den Regimentern einer Armee zuzuführen, als sich morgens das knusperige Brötchen zu belegen und dabei über die Zeitung zu schimpfen, wenn nicht wenigstens 100 000 Russen gefangen sind. Und dabei steigt die Zahl der täglichen Brote in... bei ver- stärktcm Bedarf auf 30- bis 35 000. Man denke dabei ober auch an die Zahl der Mühlen, die sich drehen müssen und dank der Arbeit unserer Pioniere sich auch nn ganzen Feindeslande wieder drehen; man denke an die Wasser- und Kohlenbcschaffung, an das Heranbringen von Korn und Mehl, an die unendliche Reihe von Wagen und Pferden, die der Train zur Verfügung halten muß, um diesen Ungeheuern Brotbedarf in die vordersten Linien, wie zum letzten Bahnkommando zu bringen. Der Soldat lebt aber nicht vom Br»te«Tein. Schlägt er sich auch das Brennmaterial einfach aus dem nächsten Wald, um die Feldküche damit heizen, so will er doch auch noch Fleisch haben. Kaffee muß gekocht, Hülsenfrüchte und� Kartoffeln, Reis und Graupen fallen gar werden, um den Hunger zu stillen. Dia Etappenschlächterei liefert das Fleisch, herdenweisc gebt das requirierte Vieh zur Schlachtbank und seine Häute nach Teutschland, um dort wieder zu Heereszwecken verarbeitet zu werden. Zu taufenden und aber taufenden Säcken liegen Hülsenfrüchte aufgestapelt, ein Proviantzug folgt dem andern und wartet un- geduldig darauf, leer zur Heimat zurückkehren zu können, um vielleicht mit Munition oder Liebesgaben wieder zu erscheinen. Zu Bergen getürmt liegen die Konservenbüchsen im Etappen- depot, in riesigen Faßlagern das Petroleum und Benzin, um unfern Soldaten die langen Abende zu erleuchten, die Flugzeuge und Autos in Bewegung zu halten. Man muß die hunderte Wagen der endlosen Munitionskolonnen gesehen haben, die am Bahnhof... leere Munitionsbehälter abgeben, neue Granate tt Stine wandte ihr schweißtriefendes Gesicht ihrem Herrn zu, sie grinste einfältig und beschleunigte ihre Schritte: eine Weile lief sie mit ihrer schweren Flaschcnlast neben dein Wagen her, dann blieb sie zurück. „Wenn sie mit den Flaschen nur nicht zu sehr ins Rennen kommt," sagte Sörensen ängstlich.„Sie wird wild, wenn man bloß das Wort Pfannkuchen nennt. Ist das nicht merkwürdig: ein großer erwachsener Mensch und genau wie'n kleines Kindl" Karl erriet, daß Stine Getränke für die Abstinenzler- zusanunenkunft auf ihrem Handwagen zog. Sie tat ihm leid. „Warum fahren Sie die Sachen nicht mit Pferden hinüber?" fragte er. „Dann hätten unter anderem Sie heute keine Fahrt machen können, und der Kandidat auch nicht; denn wir haben nur das eine Pferd; und was ein Pferd leisten kann, hat doch seine Grenzen." „Sie müssen nicht glauben, daß Vater Sie zum Mitfahren aufgefordert hat, um I h u e u eine Freude zu machen," sagte Aage.„Aber er schwärmt für begabte Zuhörer." „Na na, Junge.. brummte der Pater. „Wenn er Sie nachher fragt, wie Ihnen der Vortrag gefallen hat," fuhr Aage in dem gleichen neckenden Tone fort. „dann müssen Sie nur ja antworten, er sei für gewöhnliche Zuhörer zu hoch. Sonst wird Vater ganz krank." „Willst Du mich hier blamieren, Tu Lümmel!" fuhr Sörensen auf und griff nach der Peitsche. Aage reichte sie ihm lächelnd: „Da, Alter! Aber stift kein Unheil damit an!" Der Vater lachte entwaffnet. Diese Menschen begannen Karl zu ermüden. In diesem Augenblick erschienen ihm alle drei mehr oder weniger molluskenhast. Er beugte sich ans dem Wagen und ließ den Blick auf der Landschaft ruhen. Da drüben jenseits des Fjords lag jetzt die Stadt wie ein rotes, flaches Tier, das, ans Land geworfen, schmale rote Fangarme strahlenförmig an allen Wegen entlang ausstreckte. Das rote Häuschen dort mit der blendend weißen Wäsche ringsum war seine Wohnung. Wie er bereits an diesem Hause hing! Es �begleitete ihn überall wie eine behagliche Empfindung, seine Sauberkeit und Trau- lichkeit fühlte er als warmen Hauch auf seinen Hantporen hier, wo er saß. Auf den Fenstern lag ein eigentümlicher Glanz, ein stilles Funkeln wie von zärtlichen Augen. (Forts, folgt.) ----------------- zeug beut andern, eine Kiste Medikamente, eine Korbflasche Arzneien nach der andern aus dem doch nimmer geleerten Elappen.sanitälsdepot verschwinden, um die ungefieure organi- saivrische Leistung unseres Ctappendienstes ermessen zu können. Wageii ml: ttazarcttbetten, mit Matratzen, Kissen und Wäsche lcheu vorüber, folgen den Lastautos mit zerlegten Barackenteileu, und! ebe der Tag sich neigt, ist auf freiem Feld, auf weitem Platz einer iratizösischen Provlnzstadt ein neues Lazarett entstmrdcu, inlt(stardlnen vor den Fenstern, wohnlich cingerichtel, geheizt, die Petteu bbüteiiweiß überzogen und Pfleger und Pflegerinnen im Wenbewerb mit den Aerzlen bemüht, Leid und Elend zu milderw zu Trost und Genesung zu verhelfen. �"mi der Etappenstadt bessern die Etappenschuhmacher den Soldaten daS Echubzeug, die Etappensattler den Regimentern Eartelzeug und Geschirr wieder aus, heilen diese unblutigen Wilnden des Krieges: mit huilderteu srailzösischer Frauen und Mädchen arbeiten die Etappenschneider, um aus den Uniformen die Spuren von Torn und Stacheldraht, von Bajonettstich und Scdrapncll zu entfernen; der Etappenschmied bessert an zer brochencn R'ädern und Deichseln, an Lasettenschwänzen und Protzen; und nicht zuletzt sind da unsere Pioniere und Eisenbahn bnukompagnien, welche Elektrizität und Wasser liefern, zerstörte Brucken über die Aisne wieder herstellen oder Umgehungsbahnen bauen, Flugplätze für den Flugzeugpark ebnen. Wellblechhallen für die unzähligen Autos schassen und dadurch zu nicht zu geringem Teile an unserem großen Werke mitarbeiten.— Und undankbar müßten wir erscheinen, gedächten wir nicht der Feldpost. Wer nur cinmal die hunderte Postsäcke vor Augen gehabt hat, die täglich aus dem Gebiete einer Armee nach... zusammenkommen, um mit dem Postkurierzug in die Heimat gebracht zu werden, den Lieben zu Hause Grüße und Lebenszeichen zu übermitteln; wer die unendlichen Züge nach der Ein- oder Zebnpfundpaket-Wochc. oder nun gar zu Weihnachten gesehen, wenn ein Regiment SHtOO Packen und Päckchen zu empfangen, die tägliche Brief- ausgäbe an eine Kompagnie 2000 Briese und Liebesgaben- sendungen zu verteilen hat, oder ein Unteroffizier— eine wahre Begebenheit— an einem Tage Uli Postsendungen für sich persönlich in Empfang nehmen kann, der beschränkt seine Ansprüche und seine Schreibseligkeit aufs nötigste. Und der bleibt nicht still, tvenn über der Feldpost Unpünktlichkeit gesprochen und über Miß- stände getlagt wird; er verteidigt sie und wird ihr Wortführer, .denn sie hat Unmenschliches zu leisten und leistet Unmenschliches, wenn sie auch„nur Etappc" ist. Eine Nacht im Schützengraben. Ein Redakteur des„Matin", der sich als Soldat im Felde be- findet, sendet seinem Blatte eine dramatische Schilderung einer in den Schützengräben auf Vorposten verbrachten Nacht:..Wir rücken bei Nacht," erzählt er,„nach dem Walde von Apremont vor. Aus diesen Feldern der Woevre wird jetzt wohl für lange Zeit die Ar- beit des Pfluges entbehrt werden können. Die Granaten haben den Boden gelockert und ausgewühlt, und Taufende uird aber Tausende von Toten haben die Ackersurcben für viele Jahre ge- düngt. Während wir vorrücken, pseisen Granaten und Geschosse jeder Art über uns hin. Wir befinden uns im Zentrum des seind Ischen Feuers. Einzeln durchqueren wir im Laufschritt ein großes Feld. Gebückt, mit gesenktem Kops, den Rücken mit dem Tornister deckend, gleichen wir Schildkröten. Wir gelangen in den Wald. Die Nacht ist hereingebrochen. Da vor uns liegt der Vorposteir Schützengraben. Ein Mann löst sich los, zwei schwarze Gestalten treten ans einem unterirdischen Loch. Ich unterscheide ein Gesicht, in dem zwei Augen funkeln: alles andere ist nur struppiger Bart und Erdschmutz. Die Kameraden, die wir abläsen sollen, entfernen sich: ein-urzes Nicken mit dem Kops, eine kurze Meldung, manch- mal ein Händedruck— und wir nehmen ihren Platz ein. Tie Ge :> unngteit der unterirdischen Wohnung setzt uns in Erstannen. Es sind lange Gänge, Zimmerchen mit Feldbetten, sogar ein Ofen. ?-e Minde sind mit ci'öeutelen deutschen Wasfcnteilen geschmückt. Einige sind reckst merkwürdig; ich sehe Handgranaten, Pfeile l!>, bronzene Mörser alten shitenis und auch eine ktcine Kanone, die mittels kleiner Haken, welche sie schlendert, die Stacheldrahtnetze zerschneidet. Ich nehme das Gervebr in Pen Arm und schaue in die Ferne, ohne etwas zu sehen. Allmählich aber gewöhnen sich meine Augen an die Dunkelheit. Ich sehe eine gerade Linie, die eine Bodensenkung beherrscht: es ist der Eingang der Steinhöhle, wo seit länger als einem Monat die Deutschen aus der Lauer liegen. Ter Schützengraben, in dem wir uns gegenwärtig be- iinden, war vorher von den Deutschen besetzt. Die Deutschen drüben singen. Wenn die Kanonen zu'donnern aufhören, dringt an mein Ohr der Widerhall eines ernsten, feierlichen Liedes: das Tröpfeln des aus die Baumzweigc fallenden Regens begleitet den Gesang. Es klingt wie ein Kirchenchor. Das Brausen des Windes zwischen den Äesien macht aus mich den Eindruck eines erhabenen Orgel- spiels.... Vier Soldaten verlaffen den'Schützengraben. Der Leutnant umarmt ciueu von ihnen, einen blonden, bartlosen Unteroffizier, der sicher nickt'älter ist als 18 Jahre. Es ist sein Bruder. Um Mitternacht hören wir ein langes Wehklagen, ein herzzerreißendes Jammern und Stöhnen.„Es sind die Verwundeten." sagt mein Leutnant,„die dort vor drei-Tagen zwischen unseren und den deutschen Schützengräben liegen geblieben sind. Weder die Deut- scheu noch wir können ihnen Hilfe bringen.� sie sind sicherlich an den Beinen verwundet. Ju der vorigen Nacht'war das Stöhnen noch entsetzlicher und häufiger, aber einer nach dem anderen stirbt unter Regen und'Schmutz dahin." Plötzlich, um zwei Uhr nachts, hört man eine gewaltige Detonation: etwa dreihundert Schritt von unseren Schützengräben entfernt fliegen Steine und Erdschollen in die Lust, um dann auf den Wald niederzufallen. Zwei schwarze Schatten springen auf unseren Schützengraben zu und fallen er- 'chöpst. mitten unter uns-nieder. Ich erkenne in einem von ihnen den kleinen blonden Unterossizier: sein Gesicht iit mit Blut be- 'leckt. Sie haben einen keltförmigen Gang, der in die deutschen Schützengräben führte, in die Luft sprengen wollen, aber die Mine er pl edierte zu früh, und die beiden anderen, die sie begleiteten, liegen unter den Trümmern begraben. Tie beiden Männer wer- den in den Munitionsraum gebracht und man wäscht ihnen �das Gesicht; einem von ihnen ist die linke Wange weggerissen.„Seit drei Wochen," sagt der Leutnant zu mir,„greifen wir diesen ver- dämmten keilsörmigen Gang vergebens an. Morgen aber wollen wir tveitcr graben, um bis zum Steinbruch zu gelangen." Und die Kanonen donnern unaufhörlich weiter. Tie Nacht geht vor- über. Ein.Hahn, der dem Kugelregen entgangen ist, kräht in einem reelaffrncil Bauernhof.... wieder in den Briefen der Mütter, Frauen und Schwestern an die Kriegsteilnehmer. Aus den Briefen der russisch-litauischen Soldaten heben wir folgende hervor: Ein Soldat schreibt aus Ostpreußen an seinen Bruder in Chikago:„Wenn man zurückblickt aus das Leben, das man ertragen mußte, so kommt man zu dem'Schluß, es wäre besser gelveseu, nicht geboren zu werden oder in der-Kindheit zu sterben. ... Nirgends in der ganzen Welt ist das Leben so schlecht und furchtbar, wie auf dem Schlachtfelde." Ein anderer Soldat schreibt:„Im Verlaufe von sechs Wochen trieb man uns wie Hunde über preußisches Gebiet hin und her. Tie Kugeln umschwirrten mich ivie die Bienen.... Wohin man auch blickte— überall lagen Leichen, von den Vcrwuirdetcn schon gar nicht zu reden... Ein dritter Soldat schreibt aus dem Lazarett in Moskau:„Es heißt, wenn der Krieg noch drei Monate so fortgeht, so bleibt kein gesunder Soldat mehr in Rußland übrig, denn täglich werden mehrere tausend getötet oder verwundet. Auch viele Zivilisten gehen im Kriege zugrunde.... Glücklich diejenigen, die in Amerika leben. Wenigstens hören eure Ohren nicht diis Weinen und Jammern. „Am 21. August fand eine große Schlacht niii den Deutschen statt, und aus unseren Reihen stielen soviele, wie Bäume beim Niederlegen eines Waldes. Man konnte keine Kanone hindurch- transportieren. Die Schreckensszenen zu beschreiben, ist unmöglich. Geschrei, Gestöhn, Hilferufe. Manche bitten, man möchte ihnen den Gnadenstoß versetzen...." Derselbe Verzweislungsschrei ertönt in den Bricsen der Tahei ingebliebenen, vor allem in denen der Frauen:„Tie Weiber, um- ringt von einem Haufen von Kindern, weinten und sielen in Ohnmacht, als sie ihren Männern das Geleit gaben. Man wußte nicht, Ivo mau sich vor all diesem Jammer verkriechen sollte. Es schien, der Weltuntergang sei nahe.... Aus vielen Häusern nahm man zwei oder drei Personen mit in den Krieg...." „Die Weiber gehen sammernd umher, denn niemand ist da, der die Felder bestellen könnte. Tie daheimgebliebenen Männer werden sämtlich zur Arbeit fortgetrieben: sie müssen die Wege ausbessern. Brücken bauen... da einen Bahnhos zerstören, dort das fiskalische Vieh weiden, Holz führen. Brot für die Soldaten backe» usw. Wochenlang werden diese Arbeiten geleistet." „Ich schreibe nicht mit Tinte, sondern mit Tränen... Alles hat man uns genommen: die Kühe, Schafe, Schweine und Pierd alles was für das Heer erforderlich ist. Man nimmt alles fort: Fleisch, �peck, Heu, Stroh, Kleidungsstücke— uns blecht nur übrig zu hun- gern." So schreibt eine Mutter an ihren söhn. „Viele sind in Verzweiflung— schreibt eine andere— sie denken weder an Essen und Trinken, noch an ihre Kleidung. Die begonnenen Bauten stehen unvollendet da." An einigen Orten sind die Felder unbestellt geblieben. Epidemien breiten sich aus. „In Russisch-Litouen sieht es jetzt furchtbar aus— schreibt ein Mädchen an seinen Bruder.— Dieser verfluchte Krieg hat da Leben unzähliger Leute vernichtet." Nein» der Krieg hat in den Volksmassen in Russisch-Litauen keinen Enthusiasmus geweckt. Tort hört man nur Jammern und töhnen. Dort erwartet man vom Krieg nichts Gutes und b, trachtet ihn als einen Fluch für das Volk. Die verwenüung von Huchweizen als Srotkorn. Angesichts der Streckung unserer Getreidebeitände durch die Mischung des Weizenmehles mit Roggenmehl und der Verwendung von Kartosfelu zum Brotväcke» scheinen dw Versuche recht beachtenswert, die seit einiger Zeit mit der Hinzufügung von Buchwcizcnmehl zum Backmehl gemacht worden sind. Dr. Hugo Kühl-Kiel, der sich an diesen Versuchen beteiligt hat, berichtet darüber in der„Sozialen Kultur". Danach hat ein Zusatz von 20 Proz. Buchweizenmehl zum Weizenmehl einen elastischen, zähen Teig ergeben, der mit Hefe gut aufgeht und ein kräftig schmeckendes Brot ergivt. Auch bei einein Zusatz von 40 Proz. Buchweizcnmebl blieb der Geschmack gleich gut, ebenso, wenn man dos Weizenmehl zu 20 Proz. durcb Roggenmehl ersetzte. Was den Nährwert anbelangt, so tü Buch Weizenmehl allerdings etwas eiweißärmer als Weizen- oder Roggen mehl. Einem Eiweißgehalt von 9— 13 Proz. ider Trockensubstanz) beim Weizenmehl und von 8— 12 Proz. beim Roggenmehl steht ein solcher von 9—10 Proz. beim Buchloeizenmehl,. je nach der Aus Mahlung, gegenüber. Dieser Mindergehalt an Eiweiß läßt sich aber durch Einteigen mittels Magermilch ausgleichen.' Ter Gehalt an Fettstoffen ist etwa ebenso groß, der an' Kohkehbdraten beim Buchweizenmehl sogar noch etwas größer als bei Weizen- und Roggen mebl. Die Verwendung von Buchweizenkorn als Brotsrucht wird besonders dadurch empfehlenswert, daß Buchweizen. noch aus solchem Boden wächst, auf dem die Weizenkultur nicht mehr rentabel oder sogar unmöglich ist. Buchweizen gedeiht aus dürftigem Sandboden, aus Moorboden und auf Neuland. Dagegen wächst er nicht aus Ton-, Mergel- und Kalkboden. Bis jetzt wird ja verhältnismäßig wenig Buchweizen in Deutschland gebaut. Wir führen jährlich sogar 25 000—35 000 Tonnen davon ein. Jetzt aber, wo es an der Zeit ist, unsere Moorländereien, evtl. unter Mithilfe unserer Kriegsgefangenen, urbar zu machen, ist cS wohl in Erwägung zu ziehen, ob man auf dem so gewonnenen neuen Kulturboden nicht den so anspruchslosen Buchweizen anbauen soll. Da Buchweizen zum Keimen 8— 9 Grad Celsius gebraucht, so kann er in Norddeutschland nicht vor Mitte Mai ausgesät werden. Trotzdem ist nicht zu besüechien, daß er nicht zur Reise kommt, da er innerhalb 10—12 Wochen sein Wachstum vollendet und dazu nur 1000— 1200 Grad Wärmeeinheiten braucht, während beispielsweise Hafer deren 2310— 2730 bedarf. Ein Vorteil des Buchweizenanbaus ist noch, daß er neben 830—1000 Kilogramm Körnern aus den Hektar 20 000 Kilogramm Grünfutter und 1200—5800 Kilogramm Stroh ergibt, so daß wir durch ihn also auch unseren Aussall an Futterstossen teilweise decken könnten._ Die Weltpost und der Krieg. Ein Aufsatz in der Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahn- Verwaltungen beschäfligt sich mit den ungeheuren Schwierigkeiten. die der Weltpost und den neutralen Staaien daraus erwachsen, daß der Postverkebr des nördlichen Europa mit dem mittleren und süd- lichen Europa im wesentlichen über Deutschland geleitet wird. Die nördlichen Länder erhalten ihre gesamte Post aus der Schweiz, aus Oesterreich-Ungaru, Italien und teilweise auch aus Holland über Deutschland: nur ein kleiner Teil der holländischen Post geht über England. Ebenso führt auch der Weg aus dem Norden� in die genannten Länder über Deunchland, nur Norwegen leitet seine ge- samte Post nach Holland über England. Ueber England läuft auch die nordische Post nach Spanien, Portugal und Frankreich, während die Verbindung mit Belgien über Holland geht. Die russische Post bat eine neue Verbindung von Sr. Petersburg, über das Nordende des Bottnischen Meerbusens, nach Bergen in Norwegen erhalten, von wo sie nach England gebrachl wird. Skandinavische Schisi- fahrtsgesellichaften befördern die Postsendungen nach den Ver- einigreir Staaten von Nordamerika, und ebenso geht die gesamte nordische Post nach China, Japan und den nördlichen Teil von Südamerika über die Vereinigten Staaten. Die Sendungeit nach Argentinien, Chile, Peru, den südlichen Gebieten von Brasilien und den übrigen südamerikanischen Republikelt werden teils durch kandinavische, teils durch englische Gesellschasten befördert. Den Verkehr mit Stam vermittelt die dänische ostasiatische Kompagnie, und nach Sibirien geht die Post über Amerika. Die Arbeit, die dem skandinavischen Postwesen aus den gegeuwäriigen Verhältnissen erwächst, wird noch dadurch bedeutend erschwert, daß die krieg- führenden Mächte gleich zu Beginn der Feindseligkeiten jede Be- schäftigung mit den Postsendungen ihrer Gegner abgelehnt haben. Kleines Zeuilleton. Menschliche Dokumente. Der litauische Genosse W. K a p s u k a s veröffentlicht im Pariser „G a l o s" eine Anzahl Briese, die russisch-litauische Kriegsteilnehmer vom Kriegsschauplatz geschrieben haben. Das Hervorstechendste in dielen Briefen ist das Fehlen j e n es b l i n d e n Hasses zu dem Feinde, den auch die chauvinistische russisch-litauische Presse ihren Lesern einzuflößen suchi. Die litauischen isoldateu ziehen ins Feld, weil sie sich dem bitteren Zwange fügen müssen, sie beben aber, namentlich in ihren Briefen an in Amerika weilende Unverwandte hervor, wie glücklich jene seien, die. ans der alten Heimat nach Amerika ausgewandert seien, das von diesem schreck- tichM'Krieg nicht heimgesucht werde. Tasselbe ertönt auch immer_._.........,__ I__ I_______ ' Verantwortlicher Nedalteur: Alfred WieleppTNeulollu. Für den Inseratenteil verantto.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag:VorwärtsBuchdruckeret u. Vertagsanjtult Paul Singer& Co, Berlin SW. Notizen. — M u s i k ch r o n i k. Felix WeingartnerS jüngste Koni- Position,„Aus ernster Zeit" betitelt, wird am„Patiioiischen Kunst- abend" der BühnengeitosseniÄast, der am 30. Januar in der Phil- Harmonie siatissndet. durch das Philharmonische Orchester unter Leitung Camillo Hildebrands in Berlin zum erstenmal aufgeführt. — u n st a b e n d. Bei dem Wever-Abcud. den das ch i lle r- T h e a t e r am Sonntag 8'/-, Ilhr im Schiller- Saal, Charlolienburg, veranstaltet, wirken als Sänger Else Leun- Hardt und Kammersänger Fritz Goltz mit. ES werden sowohl au- dem reichen Liederschatz als ans den Opern dieses Komponisten zahl- reiche Proben gegeben. Den einleitenden Vortrag hält Dr. Leopold -Schmidt. — Caillavet gestorben. Ter französische Lustspiel- schretber Armande Caillavet ist im Alter von 15 Jahren gestorben. Er war einer der erfolgreichsten Bübnenauloren unserer Zeit. Dia Natur halte ihn mit guter Beobachtung und Handwerksgeschicklich- keil, mit munterem Geist und satirischem Witz und immeittüch auch mit einem sicheren Instinkt begnadet, der ihn davor behütete, die spitze seines Spottes bis dorthin eindringen zu lassen, wo beim Publikum das angenehme Prickeln in Schmerzempssndung übergeht. Seine Stücke, von denen manche, wie„Der König",„Der heilige Hain",„Buridans Esel", auch in Deutschland das Entzücken des Bourgeois erregten, gaben sich zumeist wie Satiren auf die heutige französische Gesellschaft der obetsten Zehn- tausend, waren aber kaum etwas anderes, als virtuose Lperettcn ohne Musik. Das Kommerzielle im Betriebe dieses Autors kam auch darin zum Ausdruck, daß er tmmer in Kompanie arbeitete, so daß mau sich eigentlich wunderte, seinett Namen aus der Todesanzeige allein zu sindeu. Die Theaterkassiercr werden ihm das beste An- deuken beivahren. — Die l h r i s ch e Sintflut. Der Müitchener Ilui- versilälsprofessor Franz Muncker berechnet, daß die Zahl der vätriolischen Gedickte in Deutschland seit Beginn des Krieges die Million bereits überschritten hat. Da erscheint gewiß der folgende Stoß- seufzer der„Franks. Ztg." wohlbcrechtigt: O ihr Dichter, ihr patriotischen Dichter! Gedenket Girolamo Eastellis! Ihr werdet mich fragen, wer dieser Mann war. So höret denn: Girolamo Eastelli lebte in Ferrara zur Zeit der Markgrafen Lionello Borso und Ercole von Este und schrieb zahlreiche patriotische Gedickte. Und als er starb, verordnete er testainentarisch, daß man niemals Verse von ihm drucken dnrie, wie er bei Lebzeiten niemals Verse hat drucken lassen. O ihr Dichter l Ihr patriotischen Dichtet! Gedcnlct Girolamo Eastellis.' — D i e Toten werden beschworen... Der Pariser „Temps", der besonders out seine Kenntnis deö Auslandes stolz zu sein pflegte, hat sich von einem ehemaligen Präsidenten des Genfer Gemeinde- rales Chauvel schreiben lassen:„Wir haben Beispiele. Sehen S:e Spilteler. der große Schweizer Dichter, der in Zürich gegen die Invasion in Belgien protestiert, sehen Sie Gottsried Keller, Konrad Ferdinand M e h e r, Zahn, die empört sind über die deutschen Greuel, nachdenr sie früher die deutsche Kultur bewunderten." Ja, man bat Exempel von Bei'pielen. daß die Chauvets und Chauvins ebenso unwissend wie verlogen stitd. Schach. K. Ku b b e l. a ci s t wfayA■'///A/A.'/A/AA. !» m ■ m. m MD ■/'■A V/zAAs/ %■' W � l: J ///yy/A— � sZ/yy/A......... MW:» W't'ASy/AA, M M i M ® M-M M e3 wird mit Sick sdroht Sg3) widerlegt. Der Textzug ist von Atapüi. 7...... I1o7Xeö 8. d2— dl De5— e7 Slnf 8.... Dd5 genügt sowohl 0- 0! als auch„9. LX11"(Bilgucr). 9. LclXÜI..... Laut Bilguer hätte vier Alapin auw die Veränderung:„9. 0— 0 bd■ 1°. Tel, bXgS; 11. LXgl, s'-X: k" rXDr> LXT; 1". JJXsrl. r,. lli" angegeben, was der B. sür e-chwarz sür günstig hält.:rach 14. De2 wird nicht jeder diese Anncht teilen. Z, B. 11.... d-Z: 15. So3, c6; 16. Ld2 x. 9...... h7— h6 „Ein sehr gutes Spiet" soll hier „Schwarz auch mit 9...... 65; 10. 8<-3, Lg7 erlangen". Str wurden hier ain 11 Dd.'(auch 0—0) ncfi'f n_0— o mit großem Entwicklnngs- voriprung nnlmotlen. 10. Sbt— c8 überlegencin ispicl|ür schwarz" an. Hier lollw irgend eine Forssetzung sowoll aus 18. Tf5, als auch am 18. S.-.5 an- gegeben sein.(Der Tertzug ist von Akapm.) 10...... d7— dö 11. 0— 0 c7— cd 12. Le2— b5! c6Xb5 . Lder 12.... hXgö; 13. LXg5, Lg7(bzw. Sbd7); 11. SXdö:c, 13. Tfl— el Lo8— eö 14. Sg5Xe6 17X60 1 5. Sc3Xb5 Sb8— aO 10. Sbo— dOf KeS— d8 17. c2— c4..... Bisher nach einer Analyse von Alapin, woraus der„Bilguer" s ü r Schwarz wie solgt jarljährt: 17...... SfO— liü 18! Lf l— e5 De7Xh4? Der B. macht zu diesem Zuge gar ein weil er uül v L S" 2c. sortiährt. Wahrend d,e oben angedeuteten Zweifel mehr oder weniger m Finessen b-ft.mdeu, so war doch hier jolgendc tz-ortsctzung dwell elementar! 10. ZdO— 17+ Ku8— eS Vach 19..-. Kd7; 30. Dad'f, IxoTj 21. SXT droht SgetXI». 20. Sf7Xh8 gl— g3 21. Ddl— f3 t)h4—!i2t 22. Kgl— fl LfS— b4 23. o4Xd5 24. döXeO 25. DfSXM 20. Kfl— e2 27. Ke2.»1 (Seil Df7y m; Lb4Xel 8b5-14 Dh2— hlt Dhl>,g2t Ausgegeben. 4- droht.)