gt. 22.— isla. Nnterhaltungsblatt öes Vorwärts«.2�°°°°.. Wie öer Zucker wirb. In der Ferne steigen zioei riesige Kerken vor mir auf, Kerzen auZ Stein, Riesenschlote, in der Ferne, der Fügeiidfernc. Riesen- schlote, Kerzen der Arbeit, und unter ihnen kribbeln winzige iveitze Staubkörnchen zusammen, fliegen, wie Sand auf einer stäubenden Wasserdünc, zu ganzen Hügeln, zu kleinen Bergen zusammen, zu urilchwcitz, zu zuckerweist schimmernden Bergen, Bergen von Zucker. Die Zuckerschnitzelgruben in der Jugendferne. Sie lagen gleich neben dem uralten Festungstor unserer Osthovenstraste. Das hineingeschüttete Kuhfutter dieser Zuckerrübenschnitzel lag zu locker, mustte festgetrampelt werden. Ein Ochse hätte sich die Welt unter den Fitsten weggefressen. Aber wir jungen Ochsen, wir hüpften die drei, vier Meter, die fünf Meter hinunter, bis uns die Backen aufschwollen wie Fastnachtsvisagen. Aber wir jungen Ochsen schlugen unsere Backen immer wieder im Hinabsaüsen aus die Knie, und toenn wir mit unseren FastnachtSbackcn nach Hause kanieir, empfanden wir bald, dast»vir anderswo auch noch Backen hatten. Zuckerrübenschnttzel.— Ja, dann ist die ganze süste Arbeit fast schon getan. Ties Schnitzelzeug, das nach seiner Einsäuerung in den Gruben so mörderlich pestilcnzialisch stinkt und für so eine breite, schmierglänzende Äuhschnauzc eine„säte" Winterdelikatesse ist, das war in seiner Urform in ein paar stachlichten Samen- körr.ern in einer braunen Düte beisammen. Doppelt tief schneidet die stahlblanke Welle der Pflugschar für diese Stachlichteti in die braune, schwere Scholle der Börde hinab, und nach vier Monaten ist das braune Feld ein saftstrvtzcnder, leuchtendgrüncr Wald von grotzen Smaragdblättern. Eine unerhörte Frische, eine unerhörte Gesundheit strotzt aus dieser Kraft, aus diesem Saft an Farbe, ans diesem prächtigsten Ton der fruchtbaren Erde, der ein Bad für das stadtmüde Auge, ein smaragdenes Bad unter das glühende Sommer- blau des Himmels gießt. Wenn aber der Herbst seinen grauen Wolkcndeckel melancholisch über die Lebensprunken herabschob, dann waren— merkwürdig— eines Tages mächtige, bunte, mit roten und gelben Flammen- blüten dahcrlachende Blumen in der weiten glutgrünen Fläche der Rübenfelder aufgetvachsen. Aus Polen stammten diese schönen Blumen— wie die drei auS dem Gesangverein—, und mit bösen breiten Eisenmessern fegten sie immerfort in den grünen Wald nieder und niachten den Lebensübermut der wuchernden Blätter- fülle klein. Und abends gaben sie den siisten Bergen von Zuckerrüben mit ihren trübseligen und doch so hoch lvehmütig machenden Polenliedern, mit ihrem falschen Blumenflor in den Kopftüchern auf den knarrenden und ächzenden Bagenachsen ein tuen ig das Geleite durch die blaue Fclderstille. Bei meiner Zuckerfabrik war immer ein ganzer Wagenpark zu dieser Zeit der hübschen Polinnen versammelt. Eine Wäsche cngros gab's da erst für die dicken, fetten Rüben. In den Putz- Maschinen, deren Reinlichkeitsbcdürsnis mir als Junge mit dem immer etwas unsauberen Hals etwas grauenvoll Respektables war, schleuderte der Dreck, schlenderten die Rübenspitzen, schleuderten die krankhaften Wucherungen, alles Unrätige und_ Ueberslüssige beiseite, und blitzblank sausten die Rüben wie die Schneebälle in ein anderes blitzflinkes Instrument, an dessen Ende sie sich in tau- send Aetzchen fein zerschnitzclt ihrer Auflösung nahe wiederfanden. Ein ausgiebiges Dauerbad nun noch oder ein ausgiebiges Dauerpressen, ein Geauctschtwerden lüs zum letzten fallenden Zuckcrtränchen— und gleich darauf siedet die süste, milchig-unreine Zuckerlauge in gxosten Scheidepfannen, wallen dunstige Nebel in die erhitzle Sphäre der riesigen Gcwöivc hinauf. Kalkmilch und Kohlensäure und solche chemischen Raffinessen werden da zur Zer- störung der Eiweistingredieiizen und anderer falscher Zuckergeister noch in den brodelnden Sud eingemischt— nun heißt es für die gewesene Zuckerrübe durch das Innere gewesener Tiere kriechen, durch das Innerste, durch die Knochen, durch hohe riesenhafte Zylinder, die t! Meter hoch zu dem kalkigen Gewölbe sich schtvarz emportürnten, durch Knochenkohle, mit denen diese Kolossalsiltcr angefüllt sind. Ehe ein Zuckerklümpchen rnr den in der Teetasse klingenden Silberlöffel wird, hat's seine Rot! Was für Sonderbarkeiten erst dies in unserem Kopf unrästige Gedankenfilter in so einem kleinen Jahrhundert ausgeklügelt hat! In luftleer gesogenen, schrecklich kompliziert und kunstvoll gebrntten Kesseln wird der von Salzen, Farbstoffen, Kalküberresten usw. gereinigte Juckersud weitergekocht. Warum aber solche verteufelten Koinpliziertheiten, wie sie die Teufelsbrüder dcs�M'ittelalters, die Goldfabrikantcn, die Alchpmisten kaum bei ihren Schtvarzkünsten kannten? Warum— damit wir ein festes Znckerklümpchen, ein festes Staubkörnchen Zucker be- 221 Ueberfiuß. Von Martin Andersen N e x ö. 9. Als Baader an dem Häuschen der Frau Hansen an- langte, war er todmüde, obwohl er den ganzen Weg gefahren war. Gr beabsichtigte nicht, der Einladung nachzukomnien, denn er hatte für heule eigentlich genug von diesen Menschen. Er warf sich aufs Sofa und starrte resigniert.zur Decke, während es in seinem Körper surrte und schmerzte. Unten hörte er die be'den Frauen wie immer Plaudern und lachen. „Die fröhlichen Menschen, die fröhlichen Menschen!" wieder- holte er eintönig vor sich hin, während der Schlaf sich seiner allmählich bemächtigte. Ein schwacher Ruck durchzuckte ihn. „Jetzt schlaf ich ein," glitt es Pag durch sein Bewußtsein, und er fühlte, wie ein fernes lächelndes Wohlsein sich wie eine Decke über seinen müden Körver breitete. Als er erwachte, war es schon dunkel geworden. Er drehte sich um und sah auf seine Uhr. es war halb acht. Sollte er doch gehen? Nach längerem Schwanken beschlost er, zu Hause zu bleiben, und legte sich beguem bin. Aber plötzlich sprang er auf. machle sich zurecht und schlug die Richtung nach dem Abstinenzlerheim ein. Es ging auf neun, und er sckximte sich fetzt, dast er die Leute hatte warten lassen. Er bog in den Torweg ein und öffnete die Tür zur Schenkstube. Aage, der mit zwei jungen Seeleuten seine Kräfte mast beim Aus-der-Ecke-ziehen. kam zu ihm hin. „Vater ist wohl in der Wohnung. Wenn Sie so gur sein wollen," sagte er freundlich. Bauder hatte Lust zu bleiben und den Kraftproben beizuwohnen, schämte sich aber, einen Vorwand zu suchen. Es waren lauter fremde Menschen und aus einer anderen Gesell- schaftsklasse als er. Für Leute aus dem Volk batte er immer etwas übrig gehabt: er belvunderte ihre stoische Ruhe und ihre Ergebenheit ins Schicksal— und wäre ihnen gern nähergetreten. Aber ihre fremden, beinahe feindlichen Blicke hielten ihn zurück. Er fühlte, dast sie hinter seinent Rücken spöttisch lachten. Er ging durch den Torweg über den dunklen Hof, wo allerlei Gerumpel aufgestapelt war. und tastete sich vorwärts. um den Eingang zur Vrivatwohnung zu linden. Drüben im kommen! Das dicksämige, jetzt schon kristallinisch gleistendc Ge- brodel bleibt ein zäher, schwerer, flüssiger Sud, wenn man ihn bei gewöhnlicher Siedehitze weiter einkocht, kristallinert nachher beim Erkalten nicht. Daher jene dickbäuchigen, dickwandigen, stählernen, luftleeren Kessel, diese Behälter, die beinahe das absolute Nichts mit zufammcngebijsencn Eisenkiefern in sich einschließen, daher das Weiterbrodeln des süste» Schleimes in diesen«lahlkerkern des absoluten Nichts. Denn hier lastet der Druck der Atmosphären, der Druck der Luft nickt mehr auf der Flüssigkeit, und so beginnt schon das Perlen des siedenden Gcbrodels bei bedeutend niederem Hitzegrad, als unter normalen Kochverhältnissen. Was war das nun für mich kleinen schmierhälsigen Jungen ein Späh zuzugucken, wie das dicke Gequell an einer Stelle in lange Kästen gegossen wurde, in die man viele, viele Fäden lang hinein- gespannt hatte— was für ein Spaß, lvenn nach dem Erkalten die prächtig glitzernden Kandisketten an diesen Fäden vorm Auge hin und her baumelten, wenn mal ein Stückchen der wirr zusammen- gewachsenen blanken Kristalle abbröckelte und der SchmterbalS etwas knuspern durfte. Gelbe, weiße, braune, goldgelbe, milchweiße, kastanienbraune Zuckerketten baumelten da vor den blinkernden Augen, vor den schmatzenden Lippe». Aber— ich Hab noch etwas vergessen! Ehe ein Zuckerklümpchen wird, hat's seine Not! Ehe jener letzte Guß kommt— gewiß: läßt man die ganze Masse erkalten. Da deginnt in dem stehenden Sud die erste Liebe, die Urliebe, die Wahlverwandtschaft der chemischen Substanzen zu wirken. Es fühlt sich zueinander hingezogen, was gleiche Wcsensbedingungen, ivas gleiche Ursubstanzen in diesem dunkel kristallinisch gleißenden süßen Chaos hat, es kristallisiert sich aneinander an, es schichtet Kristalle von ganz bestimmter Form zusanrmen— und dies kleine gelbliche Kristallgekribbel, das mit amöbenhaft schleichender Lebendigkeit, mit einer nnhcimkich wir- kendcn Lebendigkeit durcheinander und üvereinander wegkriecht, wenn es vom Sieb gegossen, wenn es nur auf einen Löffel ge- nommen wird, nennen wir Rohzucker— nicht Rohrzucker! Und was unter den zuckertriefenden Sieben abgeflossen ist— nennen wir Sirup. Sirup— die Seligkeit aller kleinen Schmierhälse! Es hat seine Not, eh ein Zuckerklümpchen wird! Noch einntal wird der Rohzucker ins Filter gequetscht— vorerst aber in Wasser gelöst und— gemischt. Womit?— womit?— mit Ochsenblut!! Ich>oecß»ich. wozu det! Es schäumt, es schäumt oben auf den Koch- kesseln, jetzt, es schäumt, es schäumt, als wolle ein süßes Zucker- figürchen einer Venus sich aus dem Schaum gebären— aber es fahren große Schaumlöffel darüber hin— und dann geht es noch- inals durch die gewesenen Wesen, durch die schwarzen Kohlentürme, die letzten Läuterungsfilter. Große Trichter, so von Zuckerhut- größe, stehen bereit, lange Kästen stehen bereit mit den Fäden, in die ich mich eben schon verwickelte, darin. Formen für Würfel- und Stückeuzucker stehen bereit— und es stehen Mühlen bereit, in denen der..klare Zucker", der gemahlene Zucker, die seine Raffinade und der Puderzucker, das Frisiermittel, das staubfeine, der Konditorei- künstler, zermörsert und zerpulvert wird. Und was stehen da in der Raffinerie noch für ischnapsflaschen bereit? Die sehen nicht danach aus, als stecke man sie heimlich in die Brusttafchc. Repräseutable große Literflaschen, mit leuchtend grünen Schilden— uitd was steht in leuchtender Gotdschrift darauf? Rum.— Schnopsfabrikation, das ist so ein angenehmer Neben» erwerb des Zuckerfabrikaiitcn, der auch besonders, wenn man in Schützengräben die Zähne vor Kälte aufeinander klappern und die Fäuste krachend aufeinander klappen lassen niuß, sich rentiert. Auch hier in den sauberen Laboratorien der Raffinerie wird nach dem Erkalten und Erstarren, dem Kristallisieren des Zuckers ein Satz von Sirup gewonnen. Mit Wasser und Hefe versetzt, beginnt er unter der Vermehrung der zu Millionen sprossenden Hcfczellen zu gären. Endlich inacht auch dies Produkt einen Filtrierungsprozeß — einen Destillattonsprozeß durch und das stark weingeistige Gesöff, das da in den grünetiketlicvimr Flascheu braungotden schimmert» ist das kostbare Endprodukt, das das nie rastende Gedankenfilter in unserem Hirn auf diesem Wege herauszaubert. A. Rat h. Der Pionier in öer Zront. Zu den Bravsten der Braven gehören unsere Pioniere. Keine Truppe hat schwierigere, teiue gefährlichere Ausgaven zu lösen, an keine werden größere Zumutungen gestellt. Ein Bericht in der „Parole" gibt eine lebendige Schilderung von dem Leben und Wirken der Pioniere in der Frontlinie...Tie Nacht will dem Tage weichen. Die ersten Lichtstrahlen zeigen sich am Gesichtskreise. Da Hvfgebäude war Licht, und am Fenster stand Sörensen in seiner großen Schürze, den Korkzieher am Bande um den Hals, und drehte cm Flciichhaclmaschüie. Es machte nicht gerade den Eindruck, als ob er Besuch erwarte. „Aba, sind Sie da!" sagte er lächelnd.„Kourmen Sie herein, dann können Sie mein Laboratorium in Augenschein nehmen." „Fch dachte wahrhastig, Sie wären dabei, Frikadellelt- fleisch zu hacken." sagte Karl scherzend. „Nee, Frikadellen, hehe... nein, aber man befaßt sich mit Massenfabrikation, und da reicht ein gewöhnlicher Mörser nicht auS. Da bin ich eines Tages darauf verfallen, diesen Apparat hier in Gebrauch zu nehmen: ich bin selber darauf gekommen, nachdem ich so'u bißchen nachgesonnen hatte. Nun sollen Sie nal sehen! Ich drücke die getrockneten Kräuter hier hinunter— und drehe rasch— da haben wir sie! Wollen Sie sich überzeugen: beinahe so fein wie Sckituvftabak. Nein, was ich sagen wollte, ich bin selber eines Tages darauf per- fallen, als ich so grübelte... i-rie wissen schon." „Das ist ja ganz schlau." „Nicht wahr?— Frikadellen, he! Nein, haben wir Entenbraten gesagt, dann werden es keine Frikadellen. Sonst bekäm ich es mit dein Kandidaten und mit Aaae zu tun. Nein, was ich sagen wollte: Ich bin wirklich selbst auf den Gedanken mit der Maschine gekommen, während ich so grübelte." Er zeigte Karl seine Chemikatien und getrockneten Kräuter und hielt die Lampe an eine graugetbe Flüssigkeit hinab, die in einem hohen, schmalen Gesäß stand, um Harz zu ziehen.„Sehen Sie, die da ist noch nicht fertig, aber hier sollen Sie eine kosten, die ausgezeichnet ist. Sie ist nach der Anweisung des Kandidaten hergestellt ans Johanniskraut. Wacholder. Aloe und Wermut. Der Kandidat bat ihr auch den Namen gegeben. Nou plus ultra heißt sie. Das be- deutet so etwa: unübertroffen." Karl nippte und schnitt eine Grimasse.„Ist auch Scheide- Wasser darin?" fragte er lachend. „Ja, stark genug dafür ist sie jedenfalls. Ich glaube, sie wird Erfolg haben. Aber nun wollen wir hinübergehen. Damengesellschaft kann'ch Ihnen leider nickst bieten, denn meine Frau ist. wie Die wissen, nicht gesund, und in diesen Tagen geht es ihr besonders schlecht.— So. Sic meinen also, ich wäre zu gelehrt gewesen in meiner Ansprache? Ja, es ist wahrhaftig nicht leicht, das Richtige zu treffen." regt eS sich im Pionierkasino zum„Spanischen Reiter"— so heißt nämlich das Quartier der zwanzig Pioniere, die dem... Regiment zur Verfügung stehen. Punkt 8 Uhr geht es in tue Stellung. „Ah, unsere Pioniere," so werden fte von der Infanterie begrüßt; man weiß, was man an ihnen hat. Jeder geht zu seiner Arbeit. Die einen fertigen„spanische Reiter", die nachts vorgetragen Ivcr- den, andere machen Unterstände oder leiten die Infanteristen dazu an. Wieder andere werfen Laufgräden aus oder pumpen Jnc Gräben ans. So vergebt der Morgen und der Nachnüttiig. Tie Nacht senkt sich herab. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit des Pioniers. Nach cinou kurzen Imbiß aus dem Brotbeutel geht's an die Arbeit. Ein Schützengraben steht unter Wasser.� Es soll ein neuer ausgeworfen werden. Sobald das feindliche Feuer etwas nachgelassen hat, stehen die Pioniere mit dem Spaten aus der Deckung, schnell macht sich jeder ein Loch, um nötigenfalls Deckung zu haben. Husch— husch, da ein Scheinwerfer. Altes liegt am Boden. Die Infanteristen halten den Atem an. Ob die eifrigen Arbeiter wohl bemerkt worden sind? Es scheint nicht, denn der Feind läßt nichts von sich hören.'Der Lichtstrahl sucht weiter, und die Pioniere arbeiten lveiier. Einigemal müssen sie von der Bild- fläche verschlv inden, doch gegen Mitternacht ist die Arbeit getav- Eine kurze Pause, das letzte Stück Brot wird verzehrt; dann wieder an die Arbeit. Drahtverhaue müssen gezogen werden; und zlvar so schnell wie möglich, denn der gute Mond hat auch schon sein Erscheinen angesagt— P säble, Draht, Art— alles zur Hand. Befehl für die Kompagnie: Nicht schießen, Pioniere sind bei der Ztrbcu! Schon hört man dumpfe Schläge. Gespensterhaft huschen die Gestalten über die Deckung. Kreuz und quer wird der Stachel- draht angezogen. Da eine Leuchtkugel.„Die armen Pioniere", denkt mancher aus dem Schützengraben. Doch diese haben die Leuchtkugel bemerkt. Alles liegt regungslos am Boden. Krach— eine Salve hallt übers Feld, und eine zweite folgt. Tann wieder tiefe Stille. Schon sind die Drahtzieher wieder aus den Beinen, und ruhig, aber schnell setzen sie ibre Arbeit fort. Hin und wieder fällt ein leises Wort zur Verständigung, und schon naht das Werk sich seiner Vollendung. Doch bat man daL„ewige Licht" vergessen. Unerwartet hat der Mond sich zu seiner ganzen Größe gerundet. Da heißt es: Schluß machen! Alle springen in den isckiützengravcn, wo sie mit Fragen bestürmt werden. Keiner ist verwundet, und alle danken Gott, daß sie mit dem Leben davongekommen sind. Ter Morgen dämmert und die Pioniere rüsten sich zum Rück- marsch. Ungern sieht die Infanterie sie scheiden, doch sie weiß, bald kommt die Ablösung. Die Pioniere ziehen ihrem Heim zu, um sich am Tage von der Arbeit auszuruhen. Am nächsten Tage gibt's andere Arbeit. Eine„Sappe"«Lauf- graben) soll hier bis zu einer Hecke 80 Meter vorm Feind vor- getrieben ioerden, Da gibt es schwere Arbeit. Auf dem Bauche und auf den Knien muß gearbeitet werden,«so vergeht her Tag, und der Abend zeigt sich schon. Da ein Donnern und Blitzen, als sei die Hölle los, die Engländer senden ihre Grüße. Sonn bört es bald immer aus, doch heute will es nicht enden. Wir können nicht weiter arbeiten und kriechen zurück. In der neuen Sappe liegen wir aus dem Boden und warten das weitere ab. Da ertönt der Ruf: Pioniere zurück! Aus Händen und Füßen geht's zurück. Eine kurze Strecke müssen wir über die Deckung. Ein Sprung, und schon sind wir im Schützengraben. Jeder ergreift seilt Getvehr, pflanzt das Seitengewehr aus und stellt sich an die Schießscharte. Da kommt die Nachricht: die Engländer sind durchgebrochen. Genau beobachten, nach vorwärts und rückwärts! So stehen wir zu zehn Pionieren an der gefährlichsten Ecke und erwarten von vorn und hinten den Feind. Doch ist vom Feinde wenig zu merken. Da— 80 Meter vor uns erhebt sich aus einem feindlichen Horchpostcn eine dunkle Gestalt. Ein Krach— zehn Schüsse trafen ihr Ziel. Trotz aller Gefahr sind wir neugierig ge- worden: wer mag der kühne Gegner sein, der sich so nahe beran- wagte? Zwei Mann schleichen sich vor wnd bringen das Stöppel und das Gewehr eines Engländers mit. Allmählich erhalten wir Verstärkung auf unserem gefährlichen Posten. Doch die Engländer sind noch im deutschen Schützengraben. Am Morgen sollen sie durch Handgranaten ausgetrieben werden. Kaum ist die Nackt dem Tage gewichen, da ertönt der Befehl zum Angriff. Handgranate auf Handgranate fliegt in den Schützengraben, und die Engländer müssen hinaus. Sie müssen über eine Straße. Da sind sie ein sicheres Ziel unserer Infanterie. Wohl kaum einer ist da von ihnen mit dem Leven davvngelvmmen. Die Pioniere haben ihre Arbeit getan und ziehen ihrem Heim zu, um die verdiente Ruhe zu genießen. So geht es Tag und Nacht. Das ist Pivnierdicnst in der Front." Er wusch seine Hände in dem Wassertroa, trocknete sie am Handtuch ab und warf es über die Pumpe.„Wir können diesen Weg aehen," sagte er und schritt in die Küche voraus- Hier zog er eine Bratpfanne aus dem Ofen, goß etwas Wasser auf eine große fette Ente und öffnete dann die Tür zur Stube.„Bitte schön treten Sie ein, Herr Kopen- hagner! Aha, da haben wir ja den Kandidaten." Rask saß in einem Lehnstuhl. der Kopf lag auf der Brust und die langen Arme hingen schlaff an den Seiten dcS Stuhls herab.„Er wird wohl bald seinen Geist aufgeben," sagte Sörensen. Rast hob den Kopf, nickte Bauder nachlässig zu und brummte: „Jetzt ist es neun, und wir sollten um sieben Uhr essen. Aber s» geht es gewöhnlich hier im Hause." „Waren Sie um sieben Uhr hier. Kandidat?" fragte Sörensen, ihm zublinzelnd. „Nein, denn ich kenne ja die Bummelei hier im Hause, darum habe ich erst einen Spaziergang gemacht. Aber zioanzig Minuten habe ich gewartet. Ich will lieber nach Hause, meine Frau wartet auf mich." „Na ja. es ist lvohl nicht das erstemal, daß sie vergebens wartet. Jetzt ist der Tisch übrigens gedeckt. Ach. Stirn-, hören Sie, setzen Sie Wasser auf für den Kaffee, und dann gehen Sie und lösen Sie Aage ab. Aber bitten Sie rhu, sofort zu kommen." Im nächsten Augenblick trat Aage ein. Er strahlte vor guter Laune.„Guten Abend miteinander!" sagte er und drückte Bauder kräftig die Hand. Dann ging er zu Rask und schlug ihn auf die Schulter: „Auf, alter Junge, sing und freu Dich, Seemann Jensens Frau hat Zwillinge gekriegt." „Das ist doch wohl gelogen?" rief der Vater eifrig.„Es ist ja ein Jahr her, seit Jensen von Hause wegfuhr." „Ja. ungefähr; wohl elf Monate. Ader er kam heute morgen gerade recht zu dem Ereignis. Seilte Frau machte ihm da ein schönes Geschenk!" „Was sagt Jensen nun zu der Geschichte?" fragte Sörensen und rieb sich vergnügt die Hände. „Ich traf ihn in der Schifferkneipe. Er meint, weil die ganze Ernte dieses Jahr spät fällt, könne er wohl inittim und den ältesten Zwilling anerkennen. Uebrigens war ge- tvaltiges Hallo drüben, und er mußte zur Feier des Tages traktieren. Das Dutzend ist ja jetzt voll."(Forts, folgt.) Cm Vorzug öes Regenwetters. „Bruder, den licdcn(Äutt du droben, eS können ihn alle zu- ßlcich nicht loben; dieser loill die Sonne, die den andern beschwert, jener will» trocken, loa» dieser scucht begehrt/' so drückt der Slü- rassicr in„Wallcnstein» Lager" die triviale Wahrheit aus, daß jede» Tlng eben immer seine zwei Seiten hat. Abgesehen davon, daß nach einem weit mehr philosophisch klingenden Sah„Alles was ist, auch notwendig ist," wirkt jede Erscheinung sowohl im menschlichen Leben als in der Natur gleichzeitig zum Nachteil und zum Vorteil de» Ganzen. Wenn der Deutsche, wie man sagt, zum Philosophieren besonders veranlagt ist. so besördert das dauernde Regenwetter bei unseren braven Leuten in den«chützem grüben hoffentlich nicht die Melancholie; sondern diese Neigung zum philosophischen Denken... Da inag sich denn auch mancher überlegt haben, wozu wohl dieser dauernde Regen gut sein könnte, und c» läßt sich darauf nach mehreren Hinsichten eine ganz be- stimmte Antwort geben. Starke Nässe kann ungesund wirken, da» ist für jeden selbstverständlich. Speziell im Felde und in den Schützengräben liegt diese Gefahr scbr nahe: aber der Rege» bat, so merkwürdig es klingen mag. auch seine gesundheitlichen Vorzüge. Ein heftiger Regen veranlaßt eine ungeloöhnlicke Frische und Klarheit der Luft, lvie es jeder nach einem starken Gewitter- regen schon erfahren haben wird. Das fortgesetzte Bombardement der Luft durch Millionen von reinen Wasscrtropsen übt dreierlei Arten von Wirkung aus: eine mechanische, eine vbhsikalische und eine chemische, die sicki aber sämtlich dahin vereinigen, daß sie die Lust in einen der nienschlichen Atmung besonders erträglichen Zustand icherführen. Die mecha- nische Wirkung besteht darin, daß die Regentropfen die kleinen in der Luft schwebenden Verunreinigungen, wie Schmutz, Staub, Rauch, Bakterien und andere Kleinwesen usw. gleichsam packen und zur Erde binabspülen. Tie physikalische Wirkung eines starken Regens Jft darin zu sehen, daß eine in der Luft herrschende elek irische Spannung ausgehoben wird, die vielleicht aus das Be finden de» Menschen einen nachteiligen Einfluß ausübte und ihm Kopfschmerz und da» Gefübl der Schlassheit einbrachte. Höchst wichtig ist dann dritten» die chemische Wirkung eine» Regen- schauers, der die Erfrischung der Luft eigentlich zu danken ist. Es besteht kein Zlveifel darüber, daß da» schnelle Hindurchgehen von Wassertropfln durch die Lust eine Erfrischung herbeiführt, die wahrscheinlich eine Folge der Bildung von Wasserstoffsuperoxyd ist, da» ein sehr stark sauerstoffhaltiges Gas darstellt und al? solches alle möglichen unsichtbaren Miasmen zerstört. Diese Dat- sacken, die un» üoer den gesundheitlichen Vorteil starker Regen- stille ausklären, können im Sommer einen starken Trost für die Scharwerker der Tagesarbeit bilden, die in dem Bienenstock des städiischcn Gewerbe leben» unablässig tätig sein müssen und sich eine Erholungsreise kaum auf das Land, geschweige denn auf größere Entfernungen nach dem Gebirge oder ail die See gestatten können. Für den Teil der großstädtischen Einwohnerschaft, der auch in den Sonimcrmonaten in der Arbeit zu vcrltzrrren gezionngen ist, bringt häufiger und reichlicher Regen eine Reinigung und Er- frischung der Wroßstadrilist mit sich, die tvohl eine dankbare An- erkennuiig verdient. Auch für unsere Truppen im Felde bringt die nasse Witterung keineswegs nur gefährliche Krankheiten, son- der» der Regen trägt auch, wie wir sehen, zur Zerstörung von Krankheitskeimen und zur Hebung de» allgemeinen Gcsundheits- zustande» bei._ Mufik. Komische S p c r heißt das Theater an der Weidendammer Brücke jetzt wieder. Aber was da borgeführt wurde, ist weder Oper noch komisch, sondern eine recht lraurige Operetle. Heißt„Gold gab ich für Eisen", und der Text ist von Vietor Leon, die Musik von Emmerich Külmün gemacht. Wollte Gott, ihre Arbeit hätte soviel Akzente wie ihre Name». Der Titel ist. Iva» die Handlung anlangt, gänzlich beziehungslos und reine Spekulation. Blech kriegt' ich für Gold, meinte ein zahlender Besucher. Kur:, die spartanische Lebensweise scheint auch in den Künsten immer wieder Platz zu greisen, obwohl wir doch lange genug und lange vor dem K- Brot schon mit K- Kunst abgespeist wurden. Ein österreichischer Ossizier, der den Tod eine» Kanieraden melden soll, spielt aus Mitleid bei dessen Mutier und Tochter die Rolle de» Sohnes und Bruders. Natürlich zeigt der letzte Akt, daß der Tod jene» Kameraden gar nicht tödlich gewesen ist, und der falsche Bruder wird ein echter Bräutigam. Dies mit allerlei Drum und Drau wird in Kuplet» und Hopsern vorgeführt, unlerbrochen nur durch die schmalzigste Scntimelitalität. Die Musik ist die in solchen Fällen übliche. Trostreich waren einige Darsteller. Rechtfertigte Charle als Großbauer die Bezeichnung„komische" Oper, so konnte Grete Holm die komische„Oper" legitimieren. Im übrigen wurde mehr schlecht als recht gesungen und. loeim man bau dem jungen Bauern- paar absieht, entsprechend gespielt. Da» Gro» der Zuschauer aber wünscht— und dies ist zu be- achten— gerade derartige, der Zeit höchst unwürdige Kost. WeS- batb es überflüssig wäre, dieser Bühne wirkliche komische Opern oder doch Operetten zu empfehlen' Ii. i1. kleines Zeuilieton. �img gewohnt, alt getan. Die Schenke dröhnt, und an dem langen Tisch Ragt Kopf an Kopf verkommener Gesellen; Man pfeift, man lacht: Geschrei. Fluch und Gezisch Ertönte au des Trankes trüben Wellen. In dieser Wüste glänzt' ein weiße» Brot. Sah man e» an, so ward dem Herzen besser; Sie drehten eifrig draus ein schwarze» Schrot Und wischten dran die blinden Schenkenmesser. Doch einem, der da mit den andern schrie. Fiel untern Tisch de» Brots ein lleiner Bissen; Schnell fuhr er nieder, wo sich Knie an Knie Gebogen drängte in den Finsternissen. Dort sucht er selbstvergessen nach dem Brot. Doch da begann's rings um ihn zu rumoren, Sie brachten mit den Füßen ihn in Not Und schrie n erbost: Was, Kerl, hast Du verloren 1 Errötend taucht' er au» dem dunklen Grau» Und barg es in des Tuches grauen Falten. Er sann und sah sein ehrlich Vaterbau» Und einer treuen Mutter häuslich Walten. Nach Jahren aber laß derselbe Mann Bei Herr'n und Damen an der Tafelrunde, Wo Sonnenlicht das Silber überspann Und in gewählten Reden floh die Stunde. Auch hier lag Brot, weiß wie der Wirliu Hand, Wohlschmeckend in dem Dufte guter Sitten; Er selber hielt'» nun fest und mit Versland, Doch einem Fräulein war ein Stück entglitten. O lassen Sie es liegen! sagt sie schnell: Zn spät, schon ist er untern Tisch gefahren und späht und sucht, der närrische Gesell, Wo kleine seid'ne Füßchen steh'n zu Paaren. Die Herren lächeln und die Damen zieh'n Die Sessel scheu zurück vor dem Beginnen; Er taucht enipor und legt da» Brötchen hin, Errötend hin auf da» damast'ne Linnen. Zu artig, Herr! dankt ihm da» schöne Kind, Indem sie spöttisch lächelnd sich verneigte; Er aber sagte höflich und gelind, Indem er sich gar sittsam lief verbeugte: Wohl einer Frau galt meine Artigkeit, Doch Ihnen diesmal nicht, verehrte Dame! E» galt der Mutter, die vor langer Zeit Entschlafen ist in Lad und bitt'rem Grame. ___ Gottfried Keller. Gottfried Keller und das Orot. Mit liebevollem Ernst schildert Gottfried Keller in seinem Roman „Der grüne Heinrich" das Schalten und Walten seiner Mutter, die früh Wirwe geworden ist und nun einen sehr bescheidenen Haushalt führen muß.„Sie schien mit ihrer weisen und maßvollen Hand, am Herde stehend, täglich da» Sprichwort zu verkörpern: Der Mensch ißt, um zu leben, und lebt nichr um zu essen! Nie und in keiner Weise war ein Ueberfluß zu merlen und ebenso wenig ein Mangel." Eine besondere Rolle spielte da? Brot.„Damals lernte ich die Ermahnungen nieiner Mmter verstehen, welche mir Gott vorzüglich als den Erhalier und Ernährer jeglicher Kreatur anpries und al» den Schöpfer unsere» schmackhaften Hausbrote» darstellte, der Bitte gemäß:„Gib uns heute unser rägliche» Brot!" Namentlich während der Wandcrjabre des Sohnes mußte sich die alternde Frau sehr einschränken.„Das weiße Stadibrot, da» bis- lang in ihrem Hause gegolten, hatte sie abgeschafft und bezog alle acht Tage ein billigeres, rauheS Brot, tvelchcs sie so sparsam aß. daß es zuletzt steinhart wurde: aber zufrieden dasselbe bewältigend, schwelgte sie ordentlich in ihrer freiwilligen Askese." Diese Verehrung de» Brotes prägte sich dein Tohne tief ein. und wir dürfen vermuten, daß das hier abgedruckte Gedicht aus späteren Lebensjahren wirkliche Erlebnisse schildert. Rohrvorlaufgeschütze. Daß beim Schietzen da» Rohr eittcit erheblichen Rückstoß erleidet und das ganze Gewehr oder Geschütz nach hinten getrieben wird, ist allgemein bekannt,»uck daß man bei größeren Geschützen da» Rohr allein beweglich konstruiert, so daß da» Rohr allein zurückgleitet und dann durch verschiedene Konstruktionen wieder in die Feuerstellung vorgeholt wird sRvhrrücklaufgeschützei. Aber Rohrvorlaufgeschütze k Dieser Name und da» mit ihm bezeichnete Geschützprinzip dürften den meisten sehr fremd klinge», und doch hat man auch Geschütze mit vorlauseudem Rohr konstruiert, freilich nicht so, daß beim ochießen da» Rohr nach vorwärts statt nach rückwärts läuft— da» würde jedem physikalischen Gesetz und damit jeder physikalischen Möglichkeit widersprechen. Aber mau hat den Gedanken gehabt, vor Abgabe de» Schusses dem Rohr eine vor- wärtslanfende Geschwindigkeit zu erteile», so daß der Rückstoß zunächst diese Vortvärtslaufeude Geschwindigkeit überwinden muß, che er das Rohr nach rückmärt» treiben kann,«o wird die Rück- lausgeschwipdigkcit viel kleiner und kann mit einer bedeutend gc- ringereu Energie gehemmt werden als bei einem normalen Rohr- rücklaufgeschütz. Man kommt also mit einer viel geringeren Brems- kraft und demgemäß erheblich geringeren Beanspruchltitg� der ganzen Lafette aus. Allerdings mutz mau vor dem ersten-schütz das Rohr in die Hintere Lage zurückziehen, was bei großen Ge- schützeit nur auf umständlichem Wege mit Hilfe einer Winde ge- schehen kann, und in dieser Lage ivird es durch eine Sperr- Vorrichtung gehalten. Sobald diese ausgelöst ist, wird da» Rohr durch Federkraft vorwärts getrieben, und in der vorderen Lage an- gelangt, also im Moment der größten Vorlaufgeschwindigkeit, muß die Abzugsvorrichtung automatisch ausgelöst werden, so daß der Schuß losgeht und durch die Kraft des Rückstoßes da» Rohr wieder in die Hintere Lage getrieben wird, wo die Sperrvorrichtung es wieder bis zum nächsten Schuß festhält. Das System hat die Rohrrücklausgeschützc nicht verdrängen können, das beweist schon die Ilnbekanntschaft weitester Kreise mit dem Namen. Immer- hin ist c» in Frankreich für Gebirgsgeschiitze eingeführt worden und auch in Oesterreich sind Versuche für diesen Zweck gemacht worden. Ferner ist da» Softem auch für Ballonabwehrkanoneit empfohlen und c» sind Versuche damit angestellt worden. Das Lanö öes Telephons. Hüter den Dingen, die dem Europäer auf Reisen durch die Vereinigten Staaten am meisten Eindruck machen, befindet sich die ungeheure Verbreitung de» Telephons und die Vorzüglichkeit des Ferusprechdienstes. Gegenwärtig gibt es in den Bereinigten Staaten, wie da»„McClure'S Magazine" berichtet, 1l1 Millionen Telephonapparate, lim die Bedeutung dieser Ziffer zu erkennen, muß man sich klar machen, daß es in der ganzen übrigen Welt nur l Millionen Fernsprecher gibt. Die Stadt New Dork Hot allein mehr Fernsprecher als sechs europäische Länder, Oesterreich- Ungarn, Italien, Belgien, Norwegen. Dänemark und Holland zu- sammeu. In der Stadt Philadelphia mit ihren!!■: Millionen Einwohnern gibt es meyr Fernsprecher, als in dem ganzen russischen Reich, in Boston mehr al» in ganz Oesterreich-Ungarn, in Los Angele» mehr als in Holland, in Kansas City mehr als in Belgien. In manchen New Uorker Geschäftspalästen findet matt eine größere Zahl Fernsprechapparatc als in ganz Griechenland oder in Bulgarien. Der weitgehende Gebrauch de» Fernsprecher» bat in den Amerikanern geradezu etwa» wie einen„sechsten Sinn" entwickelt; er hat alle anderen Verkehrsmittel überflügelt. Der Fernsprecher kommt an Orte, zu denen der übrige Postdienst nicht gelangt; die Briefbeförderung erstreckt sich aus öd 000 bewohnte Stätten, das Telephonnetz umfaßt 70 000. Diese Entwickclung ist für da» Handelsleben der Bereinigten Staaten von ungeheurer Bedeutung gewesen; der Fernsprecher ersetzt den Bricsverkehr unter Kauflcuten immer mehr. Einige Minuten Unterhaltung im Fernsprecher bringen den Amerikaner weiter als ein langer Brief- Wechsel, der sich über Tage erstreckt. In wenigen Minuten werden große Geschäfte auch zwischen Bewohnern verschiedener Städte ab- geschlossen, für die früher eine Reise oder die Entsendung eine» Reisenden notwendig war. Als man dem berühmten Eisenbahn- könig Merimau sagte:„Sie sind ja ein Sklave de» Telephons!" erwiderte er:„Nicht im geringsten, da» Telephon ist mein sklave." Mit einem Ferngespräch bat Meriman einmal den Zusautmett- brück der Eric-Eisenbahngesellschaft verhütet. Notizen. — Das erste Konzert der Frei c�n Volksbühnen im Theater am B ü l o w p la tz findet«onntag. 7. Februar, mittag» 12 Uhr, statt. A r t u r E-ckiiabel und das Philbarmo- nische Orchester unter Leitung tzon Oskar Fried wirken mit. DaS Programm enthält Werke von Beethoven lOnvertnre:„Zur Weihe des Hauses", Klavierkonzert Es-dur, C-inoll-Sinfüuic). Eintrittskarten zu M. 0,75 emschl. Garderobe sind an der Theaterkasse von 10—2 Uhr zu haben. — Ein Konzertsaal durch Feuer z c r st ö r t. Eine Feuer-sbrunst zerstörle den Saalbau des Bremer Künstlervereiiis, da» bedeutendste Konzertlokal der Stadt. Der Unterbau des Ge- bäudes war das aus dem 15. Jahrhundert stammende Refektorium des Domkapitels. Durch den Brand sind auch viele große Wand« gcmälde de» Maler» Anton Fitger zerstört. — 3 Millionen Feldpostbriefe an e i n e in T a g c. Nach einer am 16. Januar vorgenommenen Zählung sind an diesem Tage au» dem Deutschen Reiche 7 989 910 Feldvonbriessendungcn nach dem kreide abgegangen, nämlich 1 304 770 portofreie, also meist bi-Z 50 Gramm schioere Briese und Postkarten und 3 685 l70 schwerere, frankierte Feldpostbriefe und Feldpostpäckchen. Davon rührten her aus dem Reichspostgebiet 6.6 Millionen, aus Bayern rund 1 Million aus Württemberg rund 0.1 Millionen Sendungen. — Ein Preisausschreiben für eine Autoambu« l a n z velöffenllichte kürzlich Henry S. Wellcome, der Stifter des „Wellcome"-Bitreaus für wissenschaftliche Forichung. um eine Per- befterung der Autoambulanzen herbeizuführen. Es ist eine Kom- Mission von Sachverständigen berufen worden, die als Preisrichter entscheiden sollen, welche von den eingesandten Arbeiten das beste Modell für einen VerwundetentranSportwagen abgibt. Die Be- Werbungen müssen spätestens bis zum 30. Juni in London einlaufen. Die Preise sind bedeutend; der erste beträgt 20 000 M.. der zweite 10 000 und der dritte 6000 M. Außerdem sollen noch verschiedene kleinere Preise für etwaige Einzelheiten, die praktischen Wert haben, ausgesetzt werden. Bemerkenswert ist die Bestimmung, daß zu diesem Wettbewerb die Bürger aller Länder zugelassen werden. — Das Schicksal der denkenden Pferde. Der Krieg bat viele Berühmtheiten entthront. Auch die Elberfelder denkenden Pferde, die nicht bloß eine europäische Berühmtheit, sondern auch ein unerschöpflicher Anlaß für wissenschaftliche Blamagen waren. haben ihren RirnbuS verloren. Sie sind zwar nicht den Schlachtentod gestorben, wie französiiche Blätter bebanptet hatten.— aber sie rechnen auch nicht mehr. Ihr Besitzer hat Nerven und Geld genug geopserr, er suchte eine jüngere Kraft als Nachfolger. Da er ab.r keinen fand, find die denkenden Pferde wieder gewöhnliche Pferde geworden—„in den Händen eines bewährten Pferdeliebhabers". fm\w lir Miltwoeti, 2]Jaoiiar: Jtterliner Theuter yulu:„Extrablätter!" Dcolschc« Künstlcr-Th. 8 � Luther. Deutsches Opernhaus, Charloltenb. 7ülu Lohengrin. Friedrich-WÜhelrastädt. Theater. 8'u: Gasparoue. Oebr. Hcrrnf eld-Tlicatcr 8Uhr: So leben wir! Zwei leuchtende Punkte. Kleine» Theater 8 Ulir; Liebelei. Komüdienhaii» 8Lhj: Biedermeier. Komische Oper i'a. il.Wcidcn- danirnerbrücke) 810U: Gold gab ich für Eisen. T.essinsr-TIieater 7-u': Ein Volksfeind. I.tistspielhau» 8• u-: Leutnantsmündel. Metropol-Thoatep 8thri Woran wir denken! flontiH Operetten-Theater 8� Der liebe Pepi. Resldenn-Theater 8 Ulir: Krümel vor Paris. It ose-Theater 8Uhr: Sein ganzes Glück. Sehiilcr-Theater O. 8 Uhr: lieber unsere Kraft I. Schiller-Th. Charlottenbg. 3 Lhr: Wallcnstein« Laser. Oic Hiroolomini. 8 ÜIir: Der Störenfried. Thalia-Theater 8Uiir:Eanrrad Manne. Theater am\ollendorfpl. 8-Z U.: Immer feste drnlt: Sonnt. O'/j Uhr: Der Verschwender. Theater des Westens 8 Llir Waldmeister. 4 Uhr; Tater zieht ins Feld. Theater in der Königgrätzer Straße 7,/' u': Herodes und Mariamne. Trinnon-Theater 8/1 u: Das Liebesnest Volksbühne. Theater am Bülowplatz 8'u u': Götz von Berlichingen. Walhalla-Theater s1'« u': Das Farmermädchen. URANIA Ta,Ätr- 1 Uhr(Halbe Preise): Die Wew! und die miwM. Abends 8 Uhr: Prof. Dr. P. S p i e s; Der Krieg in der Luft. SÄRRÄSÄN1 Busohgebäude. Die letzten Tage bringen ein neues Programm und zahlreiche uatriotisebe Dafbietungen. JSUttwoch, 27. Januar, 3 Uhr nachm. nud abends Uhr: 2 glanzvolle Fest- Vorstellungen Letzte Woche! sowie der glänzende Januar-Spielplan. Kleine Preise! Reiehshailen-Theaiep. Stettiner Sänger. Zum Schluß: , Unser Oskar" Anfang 8 Uhr. Militärpersonen und deren An- gehörigen voll- kommen srcier Zulrilt zu den Stell. Sängern. ürittis Alb. Schumann Mittwoch, 27. Januar, Anf.T'/jUhr; Große Gala-Fest-Vorstellung mit bes. gewählt. Programm Um'J'l, Uhr: Um 9'/, Uhr: Das große patriotische Schaustück aus der Gegenwart Ost im et West in 1 Akten mit der phänomenalen Schliißapotheose. Vorher Auftreten MÜnit- lichcr Spezlalitüten. Casino-Theater. Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Wieder ein neuer Schlager Ter größte Erfolg seit Bestehen: Durch Dich und Dünn. Volls-Luilspiel in 3 Alt. v. Hans«erg. Dazu erstllass. Svez.-Äriegeausnahm. Sonntag 1 Uhr: Deutsche Mütter. V«iKt-rrhe»tei'. Badstr 58. Badstr. 58. Heute Mittwoch, den 27. Januar: Schuld und Sühue. Ein Trauerspiel aus der Geschichte FrantreichS in 5 Auszügen von A. E. Brachvogel. Kaöeneröftnung 7 Uhr. Am. 8 Uhr. L.m«en-The»ter. Donnerstag:' Der Stabstrompeter. Ab Freitag täglich: Mein Leopold. Sonnabend 1 Uhr: Frau Holle. Theater F»Ues-£aprico 6% Possen-Theater 8�4 Morltas wird energisch. Das Lientnantsfcnster. Landwehr! eatc. Martin Kellner a. G. ßrnnkkngkld- 3ufdjuf}= und ötgrübuiskalse der öerliner ünopfardeiter ____ Ordentliche... General-Versammlung am Sonnabend, den 30. Januar. abends 8�'. Uhr, bei Kurth. Wrangelltr. Ivo. Tagesordnung: 1. Kassenbericht: a) viertetjäbrlich. b) jährlich 292/7 2. Wahl des Gesainworstandes und der Revisoren. 3. Innere Kassenangelegenheiien. 1. Lerichiedeiies. Die Mitglieder werden ersucht, püuHIich und zahlreich zu erscheinen Der Vorstand. I. A.: August Bock, II. Vorsitzender. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u.Verlaz: Vorwärt» Buchdruckerei a. BerlagSanstaU Paul Singer& Co, Berlin SW,